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Nessaja ist eine Dufour 43CC und in Griechenland stationiert. Seit Anfang 2021 leben wir unseren Traum und wohnen auf Nessaja. Mit Ihr machten wir zunächst die Ägäis unsicher, bevor wir aus privaten Gründen entschieden haben, NICHT auf "große Fahrt" zu gehen! In unserem Blog geht es daher zumeist um den Alltag zweier Segler die sich dem Leben auf einer kleinen griechischen Insel verschrieben haben... Hier und auf den üblichen Social Media Kanälen erzählen wir von unseren Erlebnissen und Abenteuern.

August 2023 – It´s my Life

ACHTUNG! Die Crew der NESSAJA hat einen Monat voller spannender Eindrücke hinter sich – der Sommerbericht des Monats August wird daher NOCH LÄNGER als gewohnt und ist mit noch mehr tollen Bildern gespickt! 😉

Als Titelsong hätte sich Steppenwolfs „Born to be Wild“ schier aufgedrängt – und wäre es nur um einen Motorradurlaub gegangen, der Song wäre als Leitgedanke nicht zu verdrängen gewesen, gilt er doch als die Motorradhymne schlechthin.

Nun ist Bon Jovis „It´s my Life“ also der Titelsong geworden – veröffentlicht im Jahr 2000, fast schon ein wenig spät für mich als Kind der 80er. Und obwohl der Text voller US-typischen Pathos ist, trifft der Refrain recht gut unsere momentane Stimmungslage…

„It’s my life
It’s now or never
But I ain’t gonna live forever
I just want to live while I’m alive
My heart is like an open highway
Like Frankie said, „I did it my way“
I just want to live while I’m alive
It’s my life

Yeah, this is for the ones who stood their ground
For Tommy and Gina, who never backed down

Tomorrow’s getting harder, make no mistake
Luck ain’t even lucky, got to make your own break“

Sind wir also „Tommy & Gina“? Ich weiß es nicht! Eines ist jedoch sicher, der August war ein Monat voller Erkenntnisse.

Wir gehen zurück zum 26.Juli 2023, es ist etwa 18.30 Uhr, das Motorrad ist gepackt, wir haben uns gehörig verabschiedet, die Reise kann beginnen.

Motorrad gepackt – NESSAJA klariert, es kann losgehen!

Leider tanke ich nicht voll, da der Sprit am Festland billiger ist. Ich vergesse daher, meinen Kilometerzähler auf Null zu setzen und werde später die Kilometer bis zum ersten Tankstop schätzen müssen.

Egal, wir finden uns pünktlich am Port in Lakki ein und warten auf die Ankunft der „BLUESTAR DIAGORAS“.

Motorräder stehen immer vorne – ein großer Vorteil

„Schmales Gepäck“ war die Vorgabe – auch Sibylle hat sich daran gehalten, so konnten wir das Reisegepäck für vier Wochen in unsere Rundbag packen. Eine Verpackungseinheit – der Name ist Programm – „Rei in der Tube“ durfte noch mit, passt also!

Bevor hier Ermahnungen kommen – wir sind das Risiko auf Sicherheitskleidung zu verzichten, bewusst eingegangen. Wir haben keine und fahren auf Leros immer defensiv, vorsichtig und langsam – dies wollten wir auch auf der langen Reise so fortsetzen und haben daher eine Art „Gleichsetzungsverfahren“ angewendet. Wir machen das wie immer – das Restrisiko müssen wir eben tragen!

Kurze Zeit später kommt der Zubringer exakt nach Fahrplan, wir bereiten uns auf das Einsteigen vor…

Da kommt die Fähre
Sibylle steigt als Fußgängerin ein
Ich bringe das Bike auf einen zugewiesenen Platz, den Rest macht die Crew

Die BLUESTAR DIAGORAS verbindet in den Sommermonaten den Dodekanes mit Nordgriechenland. Ein Umweg über Piräus ist nicht nötig, wir fahren direkt über Samos, Chios, Lesbos und Limnos nach Kavala.

Als ich mein Mopped abgestellt habe, gehe ich in den Passagierbereich der Fähre und suche Sibylle. Wir haben da ein bewährtes System – ich finde sie daher immer im Rezeptionsbereich oder im vorderen Lounge- oder Barbereich der Schiffe.

Diesmal sollte die rund 21-stündige Fahrt über Nacht gehen, wir hatten daher eine Kabine gebucht und mussten an der Rezeption einchecken. Siehe da, dort treffe ich meine Gattin, welche das Procedere schon erledigt hatte.

Rezeption – das Einchecken ist bereits gemacht

Einer der Stewards bringt uns durch den Irrgarten der Gänge zu unserer kleinen Kabine, welche wir sofort beziehen. Dann machen wir uns auf, einen schönen Platz in der Lounge zu finden. Auch das gelingt…

Erst die Kabine beziehen…
…dann ein nettes Plätzchen in der Lounge sichern

Die Fähre war hier noch sehr spärlich besetzt. Dies hat uns die Gelegenheit gegeben, dass wir den Platz mittels Rucksack „reservieren“ konnten und zur Verabschiedung von unserer Heimatinsel auf´s Oberdeck verholten.

Die Fähre legt bereits ab – im Hintergrund die Leros Marina Evros
Wir winken nochmal – bis in vier Wochen

Wir vertreiben uns die Zeit mit Lesen und einem letzten Blick in die Mails und Messages der Freunde. Nach etwa einer Stunde schaue ich nach wo wir sind, draußen wird es dunkel…

Leros achteraus und auch Patmos passiert

Meine Navionics App zeigt mir Standort, Kurs und Speed des blauen Riesen an – hätte es aber nicht gebraucht, denn auch das Schiff selbst hat ein Infosystem. Sehr nettes Gimmick!

Guter Überblick auch am bordeigenen Infosystem

Langsam bekommen wir Hunger. Die Taktik war, so spät wie für uns vertretbar, essen zu gehen – so können wir uns gleich danach in die Kabine zurück ziehen und langsam ans Schlafen denken.

Gedacht, gemacht – wir gehen also ins „Self-Service Restaurant“ und stellen uns ein kleines Menü zusammen.

Noch ziemlich alleine

Gourmetküche oder gar ein Feuerwerk für den Gaumen darf man sich hier natürlich nicht erwarten. In einem solchen Fall weiche ich immer auf Pommes aus, da kann man fast nix falsch machen!

Irgendwas ging aber trotzdem schief! Ich will keine schönen Worte dafür suchen, was mich fast die ganze Nacht wach gehalten hat, nur soviel sei verraten, ich war heilfroh die eigene Toilette ganz nah zu wissen.

Dies zog sich bis zum nächsten Morgen, entsprechend gerädert waren wir. Da hilft nur ein Kaffee und ein kleines Frühstück als Belastungsprobe (die obligatorisch servierten Chips habe ich weggelassen 😉 )!

Auch Sibylle hat durch mein Leid Nachtruhe eingebüßt – sieht man ihr an

Langsam ging es besser. Ich war abwechselnd eine Stunde in der Lounge, dann eine halbe Stunde in der Kabine – bis zum Nachmittag – dann ließ meine Pein langsam nach und ich konnte mich wieder auf der Fähre bewegen.

Gerade rechtzeitig, um beim Stopp in Limnos einen ersten Eindruck zu erhaschen. Hier wollten wir rund eine Woche später eintreffen, um ein paar Tage zu verbringen. Heute blieb es bei einem kurzen Rundumblick, bevor unsere Fähre wieder ablegte, um das finale Ziel Kavala anzusteuern.

Zusteiger warten in Limnos – hier würden wir in einer Woche aussteigen
Myrina – ein Blick über Burg und Stadt

Noch einmal vier Stunden ausharren, dann endlich kam Kavala in Sicht und die Fahrer von Fahrzeugen wurden gebeten, in die Garagen zu kommen und sich auf die Entladung vorzubereiten – ich tat wie mir geheißen…

Ich komm´ noch nicht ran

Man denkt ja immer, man kommt nie wieder an sein Gefährt ran – aber irgendwie geht dann auf einmal alles richtig schnell. Sibylle steigt meist als Fußgängerin aus und wartet auf mich, so auch heute.

Wir nehmen rasch Reißaus und sehen zu, dass wir vom trubeligen Fährhafen wegkommen. Wir haben die Adresse von unserer Airbnb Unterkunft im Navigationssystem unseres Mobiltelefons und lassen uns durch die umtriebige Innenstadt direkt vor die Haustüre leiten. Und was sehe ich da???

Ein RT Passat! Aber das so gewohnte EK fehlt

Wir finden das gebuchte Appartement recht rasch und auch den für uns hinterlegten Schlüssel können wir aufstöbern. Irgendwie werden wir das Gefühl nicht los, dass es sich bei dieser Wohnung, wie so oft, um eine im Sommer vermietete, sonst aber selbstgenutzte Räumlichkeit handelt.

Zentrumsnah und dennoch ruhig
Sauber und alles da
Wohnzimmer – wir haben schon ausgepackt 😉

Nach dem Einchecken nehmen wir die Tasche vom Motorrad, verstauen und „verstecken“ die Wertsachen ein wenig und machen uns etwas frisch – dann brechen wir auf, um die Stadt Kavala in Ostmazedonien zu erkunden. Die Stadt hat rund 70.000 Einwohner und ist eine lebendige Kleinstadt in der man alles findet…

Mit der GS vor dem alten Viadukt
Imposantes Bauwerk, gut erhalten / restauriert
Drama? Nein danke – wir wollen ins Center
Dort parken wir die GS am Stadtplatz

Wir verschaffen uns einen ersten Eindruck, indem wir die Riva einmal auf und ab laufen. Dabei statten wir der Marina einen Besuch ab, denn Freunde wollen nächstes Jahr mit dem Boot hierher fahren, so können sie über die Fotos ein Bild der Vor-Ort Situation bekommen.

Riva von Kavala
Stadthafen unterhalb der historischen Altstadt
Historische Altstadt mit Kastell
Neue Marina

Es war warm an diesem Tag! Wir suchten uns einen schattigen Platz am Marinagebäude und bemühten Google, um Antworten auf unsere Fragen zu finden – wo ist das beste Lokal? Wohin zum Sundowner? Welche Veranstaltungen finden heute statt?

Hey Google…

Die allwissende Suchmaschine schickt uns zum Dinner in eine kleine griechische Taverne, das passt schonmal. Der Informationsquell empfiehlt weiterhin einen Besuch des Kulturprogramms „Cosmopolis“, hier würden wir sowohl im Segment KULTUR als auch bei NIGHTLIFE fündig – nicht schlecht! Dass uns der Ableger Google-Maps auf dem Weg zum Abendessen durch die Fußgägerzone schickt ist fein, so bekommen wir auch hier einen ersten Eindruck – was bei Sibylle den Wunsch implantiert, noch einmal hierher zurück zu kehren. Doch jetzt erstmal was futtern – wir machen uns auf den Weg…

Tja, ist halt am Meer
Meze in Kavala Center – war gut

Zum Abendprogramm schickt uns Maps in die Altstadt. Die WÄRE leicht anzufahren, wenn nicht dieses Kulturprogramm stattfinden würde. Dies weiß das nicht ganz unfehlbare System leider nicht und schickt uns zunächst immer wieder in gesperrte Straßen, das widerum sorgt für einen steigenden Pegel der Stresshormone.

Irgendwann parken wir das Vehikel einfach und laufen zu Fuß in das historische Viertel. Dort gab es einiges zu sehen!

Coole Kneipen überall
Griechische und türkische Folkloregruppen…
…tanzen gemeinsam und auch zusammen – Völkerverständigung
Trubel entlang der Geschäfte

Wir waren beeindruckt! Der Stadteil war hip, cool und lebendig – das Festival tat das Seine, um das urbane Leben weiter anzufeuern. Eine sehr feine Stimmung, der wir uns gerne hingaben…

Restaurierte, historische Gebäude
Griechisches Liedgut, klassisch angehaucht – die Dame hat Bekanntheitsgrad (leider nicht bei uns)
Last not least – der atemberaubende Blick auf die nächtliche, beleuchtete Stadt

So endet unser erster Tag in Kavala – die Reise hat begonnen, der Auftakt war nach Maß. So kann es vier Wochen lang weitergehen! Wir fahren zurück in unser Appartement und legen uns schlafen, wir waren erschöpft!

Am nächsten Morgen war Ausschlafen angesagt, denn wir hatten keine hochtrabenden Pläne. Der Tag war für Kavala reserviert, am Abend wollten wir einen Freund von mir unweit von hier treffen. Wir hatten also keinen Zeitdruck!

Wir suchten uns ein nettes Café für ein kleines Frühstück und beschlossen dann, uns die Altstadt noch einmal bei Tag anzusehen. Wir erhofften uns, mehr Details zu erkennen und weniger Menschen anzutreffen – zudem wollte Sibylle die Burg besichtigen.

Am Weg in die Altstadt – Kirchen überall
Fahnen weisen auf das Festival hin, die täglichen Veranstaltungen werden beworben
Wir bestaunen die historischen Gebäude…
…welche als Geschäfte, Museen, Bars oder auch zu Wohnzwecken genutzt werden
Das ganze Viertel ist liebevoll restauriert und dekoriert

So schlendern wir bis ganz nach oben, wo einerseits die große Kirche und andererseits natürlich auch die Burgruine zu finden ist. Wir machen Bilder von den Gebäuden und dem großartigen Ausblick, der sich von hier oben auftut.

Kirche Maria Himmelfahrt und Denkmal von Mehmet Ali
Blick von der Kirche bis zur Insel Thassos
Blick von der Burg auf Kavala mit Viadukt
Blick von der Burg in den neuen Stadtteil, hier war auch unsere Wohnung
Die Dächer der historischen Altstadt – mit Blick bis Thassos
Turm der Burg – noch gut erhalten (bzw. restauriert)
Blick von der Burg in das Hafen- und Geschäftsviertel

Von hier oben hatten wir die Insel Thassos immer im Blick. Für uns war das spannend und von Bedeutung, denn Thassos sollte unser nächstes Ziel sein. Morgen schon, würden wir mit der Fähre übersetzen um die Insel zu entdecken.

Thassos ist nur 45 Minuten Fährfahrt entfernt
Es pendeln so kleine Autofähren

Ich wollte mich von meiner besten Seite zeigen und habe Sibylle einen Spaziergang, fast eine kleine Wanderung, versprochen. Es gibt hinter Kavala einen Track der „Waterway Trail“ heißt. Man spricht von einer Quelle und einer Wanderung entlang einem Bachlauf im Schatten grüner Laubbäume.

Das sollte unseren Knochen guttun

So weit, so gut – wir fahren also zum Ausgangspunkt des Trails und starten den Marsch. Sogleich bekommen wir bettelnde Begleitung!

Bilder von Katzenbabies sorgen für hohe Klickraten – habe ich gehört…

Wir sollten noch viele bettelnde Kreaturen auf unserer Reise treffen – viele davon bekommen oder haben soviel, dass sie überleben werden. Einigen konnten wir etwas geben, manchmal haben wir sogar etwas gekauft um den Tieren, meist streunenden Hunden, eine Kleinigkeit zukommen zu lassen. An dieser Stelle hat Griechenland Nachholbedarf!

Diesen Kätzchen ging es gut, obwohl es offensichtlich Streuner waren. Wir vermuten, dass die Bewohner der umliegenden Häuser sich kümmern und setzten unseren Weg fort.

Befestigt und einfach zu gehen
Verwunschene Gewächse allerorts
Uralte Steinbrücken über ausgetrocknete Bachläufe
Das Meer im Hintergrund und auch hier der Blick bis Thassos

Wir liefen eine Weile, ich glaube es waren 4 der 6,3km geschafft, als Sibylle zum Stop rief. Ein Blick von den Brücken zeigte deutlich, dass unser Marsch zur Quelle ein vergeblicher sein würde – der Bach führte zu dieser Zeit kein Wasser. Zudem hatten wir kein Trinkwasser dabei und der Schatten war nicht so ausgeprägt wie versprochen – es bot sich an umzukehren! Ich gaukelte Enttäuschung vor, trat dann aber mit meiner Gattin den Rückweg an…

Kein Wasser – kein Schatten
Nur Schweißperlen und eine trockene Kehle

Nach unserer Rückkehr nach Kavala gab es eine erfrischende Brause an einem der unzählichen Kioske, dann war es an der Zeit zurück zur Wohnung zu fahren, uns frisch zu machen und dann den Weg ins ca. 20km entfernte Nea Peramos anzutreten.

Zwei Informationen sind jetzt wichtig! Zum einen, der Weg vom Hafen bzw. Citycenter zur Wohnung und der von der Stadt zum Waterway Trail summierten sich bisher auf etwa 35km, dazu kommen jetzt der Hin- und Rückweg nach Nea Peramos, also rund 40km. Am nächsten Tag habe ich getankt und alle meine Kilometerzähler auf Null gesetzt – es müssen daher zu allen gesamt gefahrenen Kilometerangaben etwa 75km dazuaddiert werden.

Die zweite Information ist der Grund, warum wir nun nach Nea Peramos zum Essen fahren. Sie ist wichtig für das weitere Verständnis unserer Reise. Ich habe vor einigen Jahren einem Kunden der an einer Motorenschulung von mir teilgenommen hatte versprochen, dass ich ihn besuche, sollte ich jemals in die Nähe seines Heimatortes kommen. Er sagte damals er wohne nahe Thessaloniki.

Das hat er wahrscheinlich gemacht, weil er dachte, ich könnte seinen tatsächlichen Wohnort Serres nicht einordnen. In der Reisevorbereitung hatte ich mich angekündigt, der Irrtum wurde aufgeklärt – aber wo treffen wir uns nun???

Ihr ahnt es – die Familie hat ein Sommerhaus in Nea Peramos, wir könnten uns dort treffen, er käme aus Serres, für uns ist es ein Katzensprung! Na perfekt!!!

Wir waren im „Apomero“ verabredet…
…wo man sehr schön sitzt
Alexis, Georgia und ich (Sibylle macht das Bild) – ein sehr netter Abend

Alex kannte die Seafood Taverne sehr gut und übernahm die Bestellung – das liebe ich! Überhaupt, ich mag es sehr gerne, wenn man gewonnene Kontakte pflegt und sich erinnert. Es war Sibylle und mir eine Ehre die griechischen Freunde nahe ihrer Heimatstadt zu treffen.

Das Essen wurde aufgetragen…

Geräucherter Fisch – eine Makrelenart
Verschiedene Meze – es nahm kein Ende

Alex´ Vater und dessen Bruder haben vor vielen Jahren eine Motoreninstandsetzung gegründet, die beiden Söhne führen heute das Geschäft. Ich kenne Alex und seinen Cousin Christos von den Schulungsbesuchen in Deutschland und meinerseits in Griechenland, den Vater und den Onkel kannte ich nicht – bisher…

Denn auch der Onkel ließ es sich nicht nehmen „kurz vorbeizuschauen“ und ein Bier mit uns zu trinken. Es ist ein Zufall, dass auch er ein Sommerhaus hier hat.

Ein obligatorisches Erinnerungsfoto

Der Abend war so gelungen und schön, dass er zu einer Änderung unseres Reiseplanes führen sollte – wir hatten nämlich zwischen zwei gesetzten Terminen mit anderen Freunden noch drei Tage Luft, diese wollten wir „irgendwo am Chalkidiki“ verbringen.

Wir spürten, dass Alex uns gerne die Firma und seine Heimatstadt Serres gezeigt hätte, so änderten wir kurzerhand den Plan. Wir würden nach unserer Rückkehr von Thassos und Limnos nach Serres fahren und uns noch einmal treffen! Aus dem Lebewohl wurde ein „auf Wiedersehen“!

Wir fuhren zufrieden zurück in unsere Wohnung. Morgen würde uns der Wecker aus den Federn holen – wir müssen packen, auschecken und nach dem Frühstück auf die Fähre nach Thassos.

Sandwiches oder Gebäck aus einer Bäckerei – den Kaffee vom Coffeeshop
So, fertig – ein Schlenker durch die Fußgängerzone noch…
…denn ich muss zu „Mr. Phone“

Kurz bevor wir zum Fährhafen fahren, schau´ ich noch rasch bei „Mr. Phone“ rein. Die Kette verkauft Handyzubehör aller Art. Ich kaufe mir ein neues Schutzglas für mein altes iPhone und zudem noch eine Halterung für selbiges, um es am Lenker der GS zu befestigen.

Im Hafen holt Sibylle die Tickets, ich probiere mal, ob ich die Montage werkzeuglos hinbekomme…
…passt! Jetzt verfahren wir uns nicht mehr

Kurz zur Erklärung – ich habe Sibylle versprochen, dass wir keine Autobahnen fahren. Das Versprechen, nicht schneller als 60km/h zu fahren konnte ich nicht geben, aber ich wollte mich mühen – das haben wir geschafft, indem wir Schnellstraßen bis auf zwei, drei Ausnahmen ebenfalls gemieden haben – so ein Fahrverhalten geht nur mit einem Navigationssystem und mit ordentlicher Planung!

Ich habe die Route immer zuerst grob geplant – dies mit Hilfe von Google Maps ohne Autobahnen und Mautstraßen. Dann habe ich diese Route mit Hilfe einer Motorradapp für schöne und kurvige Straßen abgeglichen. Wir haben dann die Mehrkilometer betrachtet, abgewogen und ggf. leicht angepasst. So waren wir mit „Calimoto“ perfekt unterwegs – immer auf, ich entschuldige mich für das Wort, kleinen geilen Sträßchen, meist alleine, so dass wir unseren Stil fahren konnten. Perfekt! Zudem ist „Calimoto“ besser ablesbar und offline, so konnte ich Daten sparen! Der Halter für´s Handy am Lenker war daher überfällig…

Die Fähre kommt – es geht los!

Ich stelle mich an die Pole Position…
…ziehe mich aber später in den Schatten zurück, weil Motorräder als letztes verladen werden
Optimaler Platz für das Verlassen des Schiffes nach Ankunft

Sibylle war, wie immer, schon als Fußgängerin an Bord gegangen und hatte uns einen schönen Platz am Fenster gesichert. Ich habe sie rasch gefunden und mich zu ihr gesetzt. Ok, ein paar Autos müssen noch rein, dann geht es los – wir setzen über nach Thassos.

Nur noch drei – die Meute hinten wartet auf die BlueStar Fähre

Witzig war ein ganzer Schwarm Möwen, die offenbar gewohnt waren, dass die Fährpassagiere sie während der Fahrt füttern. Auch die Reisenden waren scheinbar mit den Gepflogenheiten vertraut, viele hatten Brot dabei und warfen es vom Oberdeck aus über Bord – die Vögel sahen das und reagierten blitzschnell, indem sie die köstlichen Krumen im Flug fingen – ein Spektakel!

Am Foto nur eine, aber es waren dutzende

In meiner Navionics Seekarte sehe ich ein Sperrgebiet – manchmal fragt sich der Anwender ja, warum ausgerechnet hier ein Sperrgebiet verzeichnet ist – die Praxis sorgt meist rasch für Klarheit. In unserem Fall war es eine Art Bohrinsel.

Schon beeindruckend – mit dem Segelboot hieße es gehörig Abstand halten
Der halbe Weg war geschafft – Thassos lag vor dem Bug

Wir gingen noch einmal an unseren Sitzplatz zurück, ich war durstig, ein Schluck Wasser tat Not. Wir haben an sich immer Wasser dabei, meist 2 x 0,5 Liter im Rucksack und 1 x 1,5 Liter in der Rolle um nicht ohne Wasser in einer Ferienwohnung oder einem Hotelzimmer anzukommen. Ich krame im Rucksack und finde die Quittungen der Fähre – eigentlich nicht teuer so eine Überfahrt.

Fahrer und Mopped 14,50€ – für die Sozia werden 6,50€ fällig

Ich sehe mich ein bisschen um und mein Blick bleibt an einem uralten „Pacman“ Kasten hängen. Ich frage mich zwei Dinge – erstens, wie konnte ich überleben ohne einmal „Pacman“ gespielt zu haben? Zweitens, spielt das heute noch jemand?

Zumindest heute spielt keiner das angegraute Spiel

Die Fähre wird bald in Thassos anlegen, die Fahrer von Fahrzeugen werden gebeten sich vorzubereiten, um ein zügiges Entladen sicher zu stellen. Auch die Fußgänger bereiten sich auf das Verlassen der Fähre vor. Es entsteht ein aufgeregter Trubel.

An mir soll es nicht liegen – kann losgehen
So jetzt – tüt tüüt – aus der Bahn, Kartoffelschmarrn
Jetzt ich – Thassos wir kommen

Auch nachdem wir in Prinos von der Fähre rollen, sehen wir zu das Weite zu suchen. Rund um die Anleger sind oft nur Billigkneipen, es herrscht immer aufgeregter Trubel. Meist fahren wir ein paar hundert Meter weg, stoppen im Schatten und sortieren uns neu.

Heute hatten wir die Unterkunft schon im System, wir machten uns ohne Unterlaß auf den 22km langen Weg nach Limenaria, wo wir unsere Unterkunft für die nächsten drei Nächte gebucht hatten.

Bis auf eine Spontanbuchung und zwei Reservierungen durch Freunde, haben wir alle Übernachtungen mit zwei, drei Tagen Vorlauf gebucht. Dies war nie ein Problem, auch nicht für Aufenthalte die nur eine Nacht dauerten.

Gebucht haben wir meist über booking.com, seltener über Airbnb. Unsere Aufenthalte dauerten zwischen einer und vier Nächte. Wir dachten mit 50.-€ pro Nacht hinzukommen, das war im August nicht realisierbar. Die billigste Nacht kostete tatsächlich 50.-€, die teuerste 140.-€. Im Schnitt haben wir wohl rund 75.- per Nacht bezahlt.

Wir erreichen unsere Unterkunft in Limenaria, das Haus liegt etwas außerhalb…

Von außen ganz nett – mit einem sehr schönen Garten
Auch innen sehr geschmackvoll und liebevoll eingerichtet

Eleni, die Gastgeberin, empfängt uns, sie heißt uns herzlich willkommen. Sie ist eine sehr nette und hilfsbereite Frau. Sie führt uns in unser Appartement, erklärt uns alles und weist auch auf unsere Nachbarn, „eine sehr nette Familie aus Moldawien“, hin.

Dass sie da etwas geflunkert hat, wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht…

Wir konzentrieren uns auf das Zimmer, der erste Eindruck – einfach aber sauber, geräumig mit Terrasse – über die kleinen Mängel sehen wir entspannt hinweg.

Einfach – aber sauber, preiswert und ok
Bad hatte kleine Mängel – war aber auch ok (Bild ist vom Abreisetag)

Eleni schickte uns zum nahegelegenen Strand und empfahl eine Taverne in der es, bei Vorlage eines Gutscheines, 10% Rabatt gab. DAS ist exakt das was ich nicht leiden kann – trotzdem gingen wir hin, wir wollten die Füße ins Wasser halten – haben wir aber nicht…

Wir haben ein paar Meze gegessen und eine Coke getrunken, unseren Gutschein eingelöst und den Ort dann wieder verlassen. Der Strand war gerammelt voll mit Urlaubern aus vorwiegend Rumänien, Bulgarien, Serbien und Moldawien.

Ich will, nein, ich muss es deutlich sagen – ich habe KEINE Vorbehalte gegen Menschen aus diesen Ländern, im Gegenteil, ich habe all diese Länder bereist und immer nette Leute getroffen. Dennoch, die Vorlieben welche Touristen aus Südosteuropa im Urlaub haben, führen zu einer Nachfrage, welche das Gastgeberland erfüllen möchte und dabei ein wenig der eigenen Identität aufgibt.

So ist es in Rimini mit den deutschen Touristen und eben in Thassos mit den Rumänen – ich finde das schade und schätze diese Art Tourismus auch nicht. Ich nehme mein Thassos Fazit vorweg, mich hat die Insel nicht erreicht!

Um unsere Stimmung etwas aufzuheitern beschlossen wir, mit dem Motorrad die Sehenswürdigkeiten in der Nähe abzuklappern…

Schöne Uferstraßen mit Blick auf den Berg Athos am Chalkidiki
Vorbei an schönen Landschaften mit versteckten Buchten
Zu einem bekannten Kloster – welches Sibylle natürlich besuchen will
Meine Gattin nimmt sozusagen Anlauf, um durch die Pforte zu hasten…
…wird aber an ebendieser gestoppt und genötigt, sich ersteinmal schicklich zu kleiden

Der Besuch des Klosters war komisch. Sibylle musste sich verhüllen wie noch niemals zuvor, was sie übrigens ohne Murren und Knurren und mit großer Akzeptanz für diese Regeln tut, um dann KEINEN Einlass zur Kirche zu bekommen. Diese bleibt hier abgesperrt, man kann nur die Außenanlagen begehen.

Natürlich ist es ein Jammern und Meckern auf hohem Niveau – aber wer die Klöster von Patmos oder Amorgos kennt, hat eben auch einen kritischeren, vergleichenden Blick während solcher Besuche.

Von außen allemal beeindruckend

Wir setzen unsere erste Entdeckungstour fort. Wir haben von einem „Natural Pool of Giola“ gelesen – es lag also auf der Hand, dass wir diesen Ort finden wollten. Zum Glück war der Ort bei Google Maps ebenfalls bekannt, wir konnten bis zum Ende der Straße fahren, mussten dann aber noch ein Stück zu Fuß gehen um diesen „Pool“ zu entdecken.

Ich wäre noch ein paar Meter gefahren – Sibylle verweigert
Querfeldein – immer der Meute nach
Hier entdecken wir den „Natural Pool“, den das Meer dem Land über Jahrtausende abgerungen hat

Ein cooler Ort irgendwie – die jungen Leute Treffen sich hier, ein paar kommen zum Posen, andere um sich mit Freunden zu treffen, wieder andere um ein paar Bierchen mit Kumpels zu trinken und dem Sonnenuntergang zuzusehen.

Ganz Verwegene kommen, um von den Klippen in das kühle Nass zu springen – natürlich unter Beobachtung und Bewunderung der Anwesenden!

Zuerst nur einer, später wurden es immer mehr
Wir bleiben eine ganze Zeit und beobachten das emsige Treiben

Der Tag neigt sich dem Ende zu, wir haben einen ersten Eindruck von Thassos bekommen – eine durchaus schöne Natur, dort wo der Standardtourist nicht hinfährt oder -läuft. Die touristischen Zentren sind fest in südosteuropäischer Hand – mit allen klischeehaften Nachteilen.

Ich muss den Berg wieder hochstapfen und bereue, dass ich die GS nicht offroad eingesetzt habe…

Stapf, stapf – steil bergauf unter (noch) sengender Sonne

Wir gehen zurück in unser Zimmer und fragen Google nach der besten Adresse für ein Abendessen. Währenddessen versammeln sich die drei moldawischen Familien auf der Terrasse unserer Nachbarn, die Kinder rennen schreiend durch den Garten. Ich lächle und bin tolerant, denn bei Kindergeschrei liegt meine Toleranzgrenze recht hoch. Zudem hoffe ich, dass ich das Eis etwas brechen kann, denn ich war in Chisinau und dachte, damit punkten zu können – aber meine Gesten zum Gruß wurden nicht erwidert. Ein mitgebrachter Ghettoblaster wurde hochgedreht, die Wasserpfeife angezündet – mir schwante Fürcherliches…

Wir gingen zum Dinner in die empfohlene „typische und urige Taverne in der man noch authentisch griechisch essen kann“ – genau was wir suchen!

Hm, schon viel ausgegangen heute…

Obwohl schon viel ausverkauft war, fanden wir noch Gerichte die schmeckten und gut waren, der Tip war nicht schlecht. Nicht wirklich schön, aber (noch) authentisch.

Wir kommen zurück ins Zimmer, die Party der Moldawier war in vollem Gange! Das immer mir so etwas passiert??? Aber – wie durch Zauberhand war um Mitternacht doch Ruhe – gerade noch akzeptabel! Ich schlafe ein…

Für den folgenden Tag haben wir uns vorgenommen, dass wir die Insel einmal umrunden und alle Sehenswürdigkeiten am Weg besuchen – etwa 100km Fahrt lagen vor uns, immer entlang der Küste, entgegen dem Uhrzeigersinn – so unsere Entscheidung.

Wir frühstücken leicht im Ort und fahren los…

Manchmal abseits der Haupt-Küstenstraße, ein Genuß
Ausgrabungen in Aliki…
…natürlich von der EU gefördert

Wir kommen zu Ausgrabungen, die das Interesse von Sibylle geweckt haben. Mich interessiert das auch, so begleite ich sie fast immer. Sehr häufig findet man an solchen Stätten die Schilder, auf denen die EU über Subventionssummen informiert. Das ist für mich prinzipiell akzeptabel, wenn es sinnvoll und zielführend angegangen würde – dies war hier nicht der Fall!

Das Tor verschlossen, dahinter nur eine spärliche Brache
An der Mauer der historischen Stätte gleich die Werbung für das nahe Touri – Feinkostfressen
Welches in der Realität dann so aussieht

Außer unserer Gastgeberin Eleni, die aus Thessaloniki stammt und einem Eis verkaufenden Mädchen, treffen wir wenige freundliche Menschen auf Thassos – sicher ein Zufall, dieser passt aber zum Eindruck.

Ich frage mich stillschweigend, ob ich mit NESSAJA an Stelle eines dieser Segelboote auf dem Bild liegen wollte…

Ich sehe noch einmal genauer hin – und entscheide NEIN!

Nicht meine Art Urlaub

Wir beschließen, den Ort wieder zu verlassen. Es lüstet uns nach einem zweiten Cappucchino und wir suchen uns ein nettes Café entlang unserer Route. Tatsächlich haben wir Glück und finden einen Laden mit gutem Kaffee und leckeren Sandwiches – wir gönnen uns ein zweites Frühstück!

A Kasstangerl – I love it!

Es folgen ein paar Orte die man gesehen haben kann aber eben auch nicht gesehen haben muss. Trotzdem war die Fahrt rund um Thassos schön, wir haben eine Menge Eindrücke gesammelt, auch wenn nicht alle positiv waren.

Wir machen einen weiteren Stop, im Norden der Insel und somit etwa auf der Hälfte des Weges und beratschlagen, wie wir die Tour zu Ende fahren wollen und welche Highlights wir noch besichtigen wollen – klar, dass wir uns bei der Gelegenheit eine Erfrischung gönnen.

Planung mit Papierkarte – zur besseren Übersicht

Bereits jetzt haben wir erkannt, dass Thassos entlang der Küste für uns nicht so viel hergibt. Bei den kleinen Schlenkern, weg von der Hauptstraße, haben wir jedoch gesehen, dass die Insel ein relativ unberührtes Hinterland mit reizender Natur anbietet. Wir beschließen daher, heute schon eine der Bergstraßen auf der Westseite der Insel zu fahren um dort das Kloster „Iera Moni Agiou Panteleionos“ zu besuchen – dieser Teil war eigentlich für morgen geplant.

Vorsicht ist geboten – die Straße wird schlechter UND spannender
Wir genießen die Ruhe und den Ausblick
Hierher verirren sich die Strandtouristen nicht

Der wunderschöne Schlenker führt uns einen Bergrücken hinauf – auf schlechten, teils unbefestigten Straßen tuckern wir nach oben und erreichen die Klosterpforte.

Schön und einladend
Sehr saubere und gepflegte Anlage – nicht touristisch
Der Zugang zur kleinen Kirche war offen
Auch der Zugang zur „heiligen Grotte“ war gestattet
Ob das ein Urlaub für mich wäre???

Unser Programm für heute war erledigt! Unsere Gastgeberin Eleni hat uns noch einen Strand empfohlen, diesen besuchen wir noch um uns ein wenig abzufrischen.

Klein und nur ein paar Touristen aus einer Hotelanlage…
…durchaus attraktiv
Wir ziehen uns um und wagen ein Bad

Naja, was soll ich sagen – es war ok. Kleine Bucht bedeutet warmes Wasser, welches zudem mit schwimmenden Seegras angereichert war. Ich lass´ es jetzt und höre auf zu maulen – es dürfte klar geworden sein, dass Thassos und ich keine Freunde mehr werden.

Wir fahren in den Ort und essen ein Eis. Kein selbstgemachtes Eis sondern eines vom Großhandel, dies wurde auf Nachfrage auch klar so kommuniziert – das war aber überraschend gut und mit 2.-€ für FÜNF Kugeln sensationell günstig! Es war lecker und wir haben es überlebt, zumal hat uns ein junges Mädchen das Eis verkauft und eine zaghafte Konversation in Deutsch mit uns gestartet – nicht, weil sie uns „abgreifen“ wollte, sondern weil sie privaten Deutschunterricht hat und es einmal ausprobieren wollte, das hat mich gefreut.

Wir sehen Plakate und überlegen uns ob wir Danny am Saxophon hören wollen…

In der Saison wird etwas geboten

…entscheiden dann aber auf NEIN, weil wir müde sind und um 22.00 Uhr eigentlich gerne an die Nachtruhe denken würden.

Wir machen uns frisch, kehren in den Ort zurück und bummeln die kleine Riva noch einmal ab, dann gehen wir essen.

Limenaria, im Hintergrund der Berg Athos
Giros mit Pommes, da kann nicht viel schief gehen

Beim Essen entscheiden wir uns für Giros, da sollte nicht viel schiefgehen. Das Kalkül ging auf – das Gericht war keine Offenbarung aber solide und akzeptabel. Uns reicht es für heute, wir gehen in unser temporäres Zuhause.

Hier ist die Party der Moldawier abermals im Gange. Ich verlasse mich auf deren Einsicht und darauf, dass sie, wie am Vortag, das Geschehen gegen Mitternacht beenden.

Um Mitternacht ist keine Ruhe, ich meine jemand anders schreien zu hören und denke es würde Nachtruhe eingefordert – aber nichts dergleichen, sie drehen den Lautstärkeregler noch ein wenig hoch und beschallen das ganze Ferienhaus. Mir reicht´s…

Ich stehe auf, pumpe meinen Brustkorb etwas auf und trete auf die Terrasse um meinen Unmut kund zu tun. Unser Nachbar knickt sofort weg, er scheint beschämt und nickt, aber einer seiner Gäste wird pampig und erklärt nur „Sooooorry, I said soooooorry“ ! Ich erwiederte, dass ich kein Sorry bräuchte, sondern jetzt Ruhe wäre – trotzdem bin ich voller Adrenalin und kann kaum einschlafen, auch wenn ca. 30 Minuten später Ruhe einkehrt.

Ich beschließe noch in der Nacht – wir reisen vorzeitig ab!

Sibylle glaubt mir nicht, dreht sich um und schläft ein. Als sie am nächsten Morgen aufwacht, ist die Tasche gepackt und ich bin angezogen – keine Diskussion, raus hier! Ich packe die Tasche auf´s Bike, Sibylle checkt uns bei Eleni aus – jetzt erstmal ein Kaffee!

Unausgeschlafen und schlechter Stimmung – man sieht es ihr an

Während des Frühstücks erzählt Sibylle, dass Eleni kleinlaut zugegeben hat, dass die Moldawier schon länger Probleme machen und auch die Polizei schon da war. Das hätte sie machen müssen, weil sie die Bande bei der nächsten Störung rauswerfen lassen würde. Sie zeigte Einsicht und hat uns diese eine Nacht zurück erstattet – ich wünsche ihr viel Glück und künftig bessere Gäste!

Ich hole mir noch einen Cappucchino und einen Chickenpie, schmeckt hervorragend!

Cappu & Kotopita

Wir hatten nun kein Zimmer mehr und brauchten was für eine Nacht – booking.com soll helfen. Sibylle fürchtet um ihre Moneten, da es so aussieht, als ob meine Wünsche nach garantierter Nachtruhe in adäquatem Rahmen, in reziproker Relation zu unserem Budget stünden, zudem soll es schnell gehen – wir haben heute nochwas vor…

Wir fahren los, ich blinzle nach links und rechts – STOP – das ist es!

Luxury – klingt gut!

Wir gehen rein, lächeln um unser Bikerauftreten etwas zu kaschieren und fragen nach einem ruhigen Zimmer. Tatsächlich hätte man noch etwas und böte es uns zum „last minute“ Preis an. Ich lade meine liebe Ehefrau zur teuersten Übernachtung unserer Reise!

Es bewahrheitet sich einmal mehr – you get what you pay for!

Die Anlage gefällt mir – ich sehe mich am Pool eine Piñacolada trinken
Wir bekommen ein schickes Zimmer mit allem Kofort und einer Terrasse
Das Badezimmer ist einladend
Wir haben Pool- und Meerblick

Wir machen den Check-In fertig, bringen unsere Tasche auf´s Zimmer und besinnen uns auf unseren Tagesplan. An der Westküste der Insel gibt es weitere zwei „Sackstraßen“ welche in die Berge und somit in die abgeschiedene Natur führen. Man liest von Wäldern, Seen und Wasserfällen – das wollen wir entdecken.

Auf geht´s…

Alter Beton, Schotter, Schlaglöcher – die Straßen werden wieder abenteuerlicher

Wir steuern einen Zielpunkt an, folgen dabei der Wegbeschreibung in einem Internetblog. Dort wird beschrieben, dass der Wasserfall in dieser Ecke etwas „tricky“ zu finden sei – mit Wegweisern oder -markierungen haben die Griechen es nicht so. Aber irgendwie scheinen wir auf dem richtigen Pfad zu sein…

„…entlang eines Weges, vorbei an einer zugewachsenen Ruine…“
„…am hohlen Baum links abbiegen…“
Nicht, ohne diesen vorher zu inspizieren und zu fotografieren
Wir gehen durch einen „Zauberwald“, vorbei an weiteren verfallenen Bauwerken
„…und folgen dem Weg des Wassers…“ – im Wortsinne – wir balancieren also entlang dem Leitungssystem

Ein schöner, mehr oder minder leicht gehbarer Pfad führt uns zur ersten Wegweisung, der Wasserfall scheint nicht mehr weit zu sein. Auch das Rauschen des Wassers können wir vernehmen. Der Reiseblog den wir als Referenz nehmen, spricht von „einsamen Badefreuden“ – das schwebt mir vor! Wir setzen unseren Weg fort…

Dem Ziel nahe
Wow, klingt vielversprechend

Auf den letzten Schritten kommen wir noch an dem, ebenfalls im Reiseblog beschriebenen, alten Aquädukt der ehemaligen Mühle vorbei. Es ist beeindruckend was Menschenhände mit rudimentären Werkzeugen vor hunderten vor Jahren schaffen konnten!

Reste beeindruckender Bauwerke

Dann endlich – wir hatten die kleine Gumpe und den dazugehörigen Wasserfall erreicht. Natürlich haben wir ein bisschen für ein Foto gepost, vom angepriesenen Bad aber abgesehen – erstens waren wir nicht alleine da, zweitens war der Grund der Gumpe nicht zu sehen und der Zugang schlecht. Kein Verletzungsrisiko!

Nice, aber schelcht zugänglich
Ein Foto muss reichen, dann galt es den anderen Menschen Platz zu machen

Wir zogen von dannen und besichtigten den alten Ortskern von Theologos zum Abschluss. Dort haben wir ein reizendes Café gefunden und uns erstmal bei einem Freddo Espresso nebst einer Süssigkeitenbegleitung ausgeruht.

Total nettes Café im Zentrum von Theologos
Sehr geschmackvoll restauriert und dekoriert
Es werden Leckereien offeriert
Theologos Ortskern mit Kirche
Wohnhäuser (im Hintergrund) und das „Folklore Museum“ (vorne)

Theologos liegt am Ende der einen Sackstraße welche wir heute fahren wollten. Wir mussten also umkehren, den Weg zur Uferstraße zurück nehmen, um dann ein paar Kilometer weiter, wieder ins Hinterland zu fahren. Unser nächstes Ziel war die Kirche „Agios Athanasios“ in einem Bergdorf am Ende der nächsten Sackstraße – hier waren wir ziemlich weit oben und hatten einen herrlichen Rundumblick.

Angekommen im Bergdorf Kastro
Herrlicher Rundum- und Weitblick

Sibylle sah sich die Kirche an, gemeinsam schlenderten wir durch den einsamen Ort. Wir genossen die Ruhe, die die Ansiedlung ausstrahlte und beschlossen, hier ein paar Meze und eine selbstgemachte Zitronenlimonade mit Honig zu schlemmen. Es war ein sehr netter Aufenthalt.

Dann aber wollten wir weiter, denn auch auf dieser Route gab es einen Wasserfall zu entdecken. Dieser war diesmal besser beschildert und doch weniger frequentiert – warum das? Weil die Straße, sowohl in das Bergdorf, als auch zum See und Wassefall, eine Schotterstraße mit nicht unerheblichen Schlaglöchern war – kein Problem für unsere GS, viele Touristen wollten dies ihren teuren Vehikeln aber nicht zumuten.

Am Ziel – nur ein weiteres Auto
Beschilderung am Straßenrand

Auf dem Weg zum See, ein paar Meter nur, kamen uns die anderen Besucher entgegen. Wir waren jetzt absolut alleine hier. Der See war ein völlig naturbelassenes Biotop, mit einem kleinen Zufluss gleich in der Nähe – alles leicht zu finden und zu gehen.

Dahinter erstreckte sich eine kleine, weitgehend trockene Ebene…

Lake Maries, ein kleines Biotop
Der Zulauf über ein Rinnsal und eine kleine Gumpe
Dahinter wiederum eine weitgehend trockene Ebene, eine Art Flussbett

Ich war neugierig – dies kann nicht der „Maries Waterfall“ gewesen sein. Auch die „Cave of the Elf“ vermisste ich noch. ICH schlug also vor, dass wir die Ebene durchlaufen und entdecken sollten, wie es dort hinten wohl weitergeht – gesagt, getan…

Am Ender der Ebene – kleine Wasserfälle, Gumpen und ein Wanderweg…
…der neugierig macht
Die Wasserfälle und die Gumpen werden größer…
…und laden schließlich auch zum Bade
Da isser ja – der Elf

Wir frischten uns reichlich ab, auch wenn wir uns vielleicht etwas mehr fallendes Wasser und etwas tiefere Gumpen gewünscht hätten. Das muss akzeptiert werden, es ist schließlich Hochsommer!

Derartig runtergekühlt, traten wir den Rück- und auch den Heimweg an – unser feines Zimmer ruft, ich habe die Poolbar noch im Sinn!

Drei Schwimmzüge und schon sind wir am Ziel – zwei Piñacolada bitte!
Das lässt sich der Barkeeper nicht zweimal sagen
Ein schöner Tag

Der Barkeeper hat nicht so viel zu tun und kommt mit uns ins Gespräch. Ein netter Kerl, der uns einen sehr leckeren Cocktail mischt, diesen zum „Happy Hour“ Preis verrechnet und auch unseren Fotowunsch nicht abschlägt.

Meine Wahl, „The Dome“ für diese Nacht auszusuchen, war eine gute – wir genossen den Pool ein wenig, machten uns später frisch und aßen im Hotel. Das war einfach, ohne Fahren möglich und nicht schlechter als der feilgebotene Tourimampf im Dorf.

Ein bisschen relaxen am Pool
Auch Sibylle genießt die Atmosphäre

Die geringe Menge Alkohol im Drink und die ausgelassene Stimmung, motivieren mich zu albernen Taten. Ich will Fotoserien schießen…

Das klingt einfacher als es ist – es muss der exakt richtige Zeitpunkt abgepasst werden. Um diese Bilder zu bekommen, habe ich mich ungefähr 30x mit Selbstauslöser ins Wasser fallen lassen. Der erste Shot ist von Sibylle 😉

Rücken durchstrecken

Am Schluss hat mir der Rücken gebrannt und die Leute außenrum haben mich für verrückt gehalten – egal, der Spaß war´s wert.

Ein netter Tag klang aus, wir haben herrlich geschlafen und am Folgetag ein exorbitantes Frühstück im Hotel genossen. Dann hieß es Tasche packen und zurück zum Fährhafen Prinos – heute geht es abermals nach Kavala und von dort gleich weiter nach Limnos.

Wir kommen am Hafen an, kaufen unser Ticket und trinken noch eine Cola. Dann geht alles ganz schnell. Das Motorrad wird verladen und parkt an nahezu dem selben Platz wie auf der Hinfahrt – und schon legen wir ab.

Da steht sie – die Fähre ist diesmal nicht ganz voll – Pole Position in Kavala
Klappe zu und Leinen los

Diesmal sitzt doch tatsächlich einer während der ganzen Überfahrt an dem „Pacman“ Kasten. Es fasziniert mich, ich schaue recht lang dem vertieften Spiel des Zockers zu…

„Pacman“ – vierzig Jahre her
Die Fahrt verging rasch, schon bald hatten wir Kavala vor dem Bug

Unser Plan für Kavala sah vor, dass wir dort tanken würden da der Sprit am Festland und in Städten billiger ist. Dann würden wir uns einen Snack kaufen, denn wir würden spät auf Limnos ankommen und dort nicht mehr essen. Das Dinner auf der BlueStar Fähre wollten wir uns sparen.

Diesen Plan setzten wir in die Tat um…

Wir haben rund zwei Stunden Zeit
Wir wählen die einladende Bar an der Waterfront
Ich gönne mir ein „local Beer“ aus Kavala, spezieller Geschmack, ähnlich dem „Raven“ aus Leros
Unser „Late Lunch“ – genug um den Tag zu überleben
Unsere Fähre immer im Blick – wir konnten die PKW Schlangen sehen (lässt den Biker aber kalt)

Es ist an der Zeit! Wir bezahlen und machen uns auf den Weg zum Hafen. Dabei kommen wir an einer Eisdiele vorbei und können dem Lockruf der zarten Cremekreationen nicht widerstehen.

Coole Sorten, die Kugel 1,70€ – eine gute Adresse

Dann aber los – wir starten den 650 Kubik Eintopf unserer BMW und tuckern die paar hundert Meter zum Hafen. Für die BlueStar Fähre hatten wir die Tickets schon online gekauft und uns auch schon eingecheckt – es galt also nur an den Autos vorbei zur Pole Position zu fahren, welche ich mir mit anderen Bikern teilen durfte.

Die Teneré 700 wäre übrigens mein Wunschbike – ziemlich so wie sie da steht

Sibylle boarded als Fußgängerin und sichert einen Platz, ich dagegen muss hier ziemlich lange warten bis die Moppeds nach Limnos geladen werden. Aber irgendwann sitze auch ich in der klimatisierten Lounge und kann mich runterkühlen.

Es gilt, sich die nächsten vier Stunden bis Limnos zu vetreiben.

Lesen und Solitaire, so bekommen wir das rum

Limnos ist also unser nächstes Ziel. Auch eine Insel die zu polarisieren scheint. Wir haben Freunde, bei denen der Funke nicht recht überspringen wollte, andere sind begeistert, die einen sogar so, dass sie das Segeln aufgaben, ihren Katamaran verkauften und sich hier nach einem Hauskauf niederließen.

Wir wollen Limnos entdecken und sind mit Claudia und Uli hier verabredet. Wir freuen uns!

Die Fähre legt etwas verspätet ab, wir rechnen damit, erst gegen 23.30Uhr in Limnos anzukommen. Vom Haupt- und Hafenort Myrina müssen wir dann noch rund 30km nach Moudros, dem Wohnort der Freunde, fahren – dort haben wir auch unsere Herberge.

Kurz nach Mitternacht haben wir unser Ziel erreicht!

Eine „Gute-Nacht Halbe“ geht noch

Wir reservieren ein günstiges und strandnahes Hotel welches nur fünf Gehminuten vom Haus der Freunde entfernt liegt. Wir wollten Claudia und Uli nicht zur Last fallen, haben daher das Angebot bei ihnen zu übernachten, nicht nachdrücklich verfolgt. Auch die Beiden haben kein zweites Mal gefragt…

Am nächsten Tag wachen wir auf und sehen uns erstmal um, es ist nett hier! Ich vergesse völlig, Bilder vom Zimmer zu machen. Dieses war sauber und ok, dem günstigen Preis angemessen, das Bad war aber in die Jahre gekommen – egal, wir waren hier und wollten die Insel entdecken!

Blick vom Balkon des Hotels – nicht unserem, der ging nach hinten raus
Das „To Kyma“ ist ein Hotel…
…nebst Taverne, welche einen guten Ruf genießt
Der Eingang – ein schönes Ensemble

Wir haben uns, auf Einladung von Claudia und Uli, zum Frühstück bei ihnen verabredet. So wollten und würden wir das die nächsten drei Tage beibehalten – das war täglich auf´s Neue ein perfekter Start in den Tag.

Wir mussten aber noch ein paar Minuten warten, bis uns Uli abholen und uns den Weg zum Haus zeigen würde.

Ich sehe mich um und entdecke Details…
…mache Bilder
Und während wir warten…
…lesen wir etwas zu Limnos und dessen Geschichte

Dann war es soweit – Uli holt uns ab, wir folgen ihm zum Haus der Freunde und begrüßen uns erst einmal herzlich. Es ist eine ganze Zeit her, dass wir uns das letzte Mal gesehen haben!

Dann war frühstücken angesagt…

Schaut euch das Gesicht an – es fehlte an nichts! Ein täglicher Gaumenschmaus

Wir saßen eine ganze Zeit und haben erst einmal die „wichtigsten“ Neuigkeiten ausgetauscht. Nach diesem ersten, beidseitigen Update beschlossen wir, den Tag langsam angehen zu lassen und uns von den Freunden die Highlights IHRER neuen Heimat vorstellen und nahebringen zu lassen.

Es wurde vereinbart, dass wir im klimatisierten SUV angenehmer Reisen würden – das ist sicher richtig, wenn ich auch wirklich gerne die vielen Sandpisten der Insel mit der Enduro befahren hätte. Aber da gab es kein Entrinnen – wir vier besteigen den edlen Briten und machen uns auf den Weg zu den bekannten Gesteinsformationen…

Eingang zu dem surrealen Gebiet
Ausgewaschener Sandstein bietet Extravagantes für´s Auge
Wir staunen…
…und entdecken
Das Gebiet ist nicht riesig – aber es gibt viel zu sehen
Was die Natur in Jahrtausenden schafft
Blau – Beige – Grün! Das Foto kann nicht das wiedergeben, was das Auge gesehen hat
Unzählige Details, jeder Stein anders
Wir haben Spaß mit den Freunden
Wir können uns nicht satt sehen
Eine Nachricht von extraterrestrischen Lebensformen???
Ein versteinertes Gehrin eines T-Rex???
„Jetzt stellt euch mal ordentlich hin!“ – Gruppenfoto 😉
„Geht´s a bissl seriöser?“ – na also
Wow – beeindruckend

Die Bilder sprechen für sich – ein Auftakt nach Maß! Diese Ecke von Limnos war mehr als beeindruckend, unsere Begeisterung war geweckt. Was uns auch gefiel war, dass zwar viele Touristen auf der Insel waren, diese sich aber so verteilten, dass es nirgends wirklich voll war. An den Orten die wir besucht haben, waren wir eher alleine – unglaublich, im August!

Wir starten den SUV und es geht weiter über das Pistennetz von Limnos…

Kilometerlange, perfekte Sandpisten
Zicklein überall
Viel Macchia, viel Natur

Uli und Claudia schätzen eine kleine Einkehr am Mittag. Das ist eigentlich nicht unsere Gewohnheit, aber wir haben uns hier gerne darauf eingelassen. Es waren willkommene Pausen und stets eine gute Gelegenheit für eine Erfrischung.

So auch heute, die Beiden fahren uns zu einer ganz netten Location…

Taverne mit vorgelagertem Inselchen
Die Freunde empfehlen die Taverne ausdrücklich
Ein schöner, authentischer Platz – so geht Griechenland
Nach dem ersten Hallo auch ein paar ernste Themen – „…habt ihr bereut die SHAKA verkauft zu haben?“
Dann wird bestellt

Nach dem Lunch setzen wir unsere Fahrt fort. Es gäbe auf Limnos eine Wanderdüne, welche auf begrenzter Fläche eine Art Wüstenlandschaft kreiert. Diese wäre sehenswert und nicht allzuweit weg. Na das klingt gut – nix wie hin…

Weiter geht´s über kilometerlange Sandpisten
Bis wir am Top der Düne ankommen
Die Damen wollen „bis zur anderen Seite wandern“ – Uli und ich bleiben am Aussichtspunkt zurück
Natürlich machen unsere Frauen tolle Bilder
So zum Beispiel von den „stoanernen Manderl“…
…oder dem tollen Blick in Richtung Meer
Leben und Blüte in unwirtlicher Umgebung
Da hinten stehen Uli und ich – in dem Häuschen
Aber die Bilder darf ich verwenden – auch das von „der anderen Seite“

Wie immer nach einer Wüstendurchquerung, fühlt man plötzlich seine ausgetrocknete Kehle. Gut, wenn die ortskundigen Locals dann einen Tip parat haben – „…die besten Erfrischungen gibt´s an der coolen Bar um´s Eck!“ Das klingt gut! Wir ergattern einen Platz in der hippen „Red Rock Beach Bar“…

Selfie – alle mal herschauen
Strohballen mit Fleckerlteppichen als Sitzmöbel
Im Hintergrund der Beach – eine Seite bewirtschaftet…
…die andere nicht
Frau tauscht Fotos und nutzt die Gelegenheit um „Enkelchen zu gucken“

Der Tag neigt sich dem Ende zu, wir fahren zurück zum Wohnhaus in Moudros und sitzen noch eine Weile zusammen auf der Veranda – es ist ländlich hier, kaum Tourismus, sehr nett.

Gockel auf des Nachbarn Mauer

Danach gehen Sibylle und ich zurück ins Hotel. Wir ruhen uns etwas aus, duschen und lassen den Tag Revue passieren. Dann kommt schon wieder unser Shuttle angebraust um uns zur heutigen Dinnerlocation zu bringen.

Man würde in ein angesagtes Restaurant im Inselinneren gehen. Ok, wir sind neugierig und gespannt!

Sehr coole Location in einem schattigen Innenhof
The Greek way and art of sharing food – DAS liebe ich!
Wein trinken ist edler – aber ich entscheide mich trotzdem für ein kaltes Eza

Wir durchblättern die Speisekarte und lassen uns von Uli und Claudia Empfehlungen aussprechen. Am Ende kommt eine Vielfalt auf den Tisch, die wir natürlich auf griechische Art teilen. Das Essen ist ein Genuss für den Gaumen und das Auge.

Beetroot Salad
Tuna Lahmacun
Boiled Greens with Shrimps
Conchiglie Rigate with Shrimp Tartar
Cheesepie with Mussels and homemade Dip

Ich habe bewusst die englische Beschreibung für die Gerichte gewählt. Sie klingen oft besser und wir suchen ja auch nach diesen Beschreibungen aus. In Lokale, die deutschsprachige Speisekarten oder gar welche mit Bildern anbieten, gehe ich nicht.

Wir haben hervorragend gegessen, es war ein herrlicher Abend!

Dieser klang in schönem Ambiente aus
Restaurant im Innenhof der Kirche

Am Heimweg fällt uns auf, dass der Mond voll und blutrot ist. Claudia schlägt vor, zu einer Klippe an der Küste zu fahren und den Mond ohne Hintergrundhelligkeit oder Häuser im Blickfeld anzusehen. Der Vorschlag wird einstimmig angenommen!

Leider verliert der Mond etwas an Farbe in den nächsten Minuten, aber die Fotos sprechen dennoch für sich.

Der Mond macht den Abend perfekt
Was für ein Panorama, was für ein Blick

Am nächsten Morgen können wir bei den Freunden eine Maschine Wäsche waschen. Es ist die zweite Wäsche unserer Reise. Ab und an gibt es die Option eine Waschmaschine zu nutzen – meist in den Airbnb Angeboten, selten geben wir im Hotel ab. Wir nutzen die „perfekten Gelegenheiten“ bei Freunden und last not least wäscht Sibylle mal einzelne Stücke mit einem Sprutz „Rei in der Tube“ raus – so kamen wir vier Wochen gut über die Runden.

Chance zur „großen Wäsche“ genutzt

Nach dem feudalen Frühstück begeben wir uns abermals auf Achse. Heute ist eine Fahrt entlang der schönsten Strände und einiger Sehenswürdigkeiten am Weg geplant. Natürlich sollten auch die Gaumenfreuden nicht zu kurz kommen.

Limnos ist bekannt als Kite-Hotspot. Wir fahren als erstes also zum Kiterstrand um dem bunten Treiben der fliegenden Surfer zuzusehen.

Anfahrt auf Sandpisten durch Steppenlandschaften
Kliometerlang und (fast) menschenleer
Kein Wind – keine Kiter

Leider war es nix mit dem Beobachten der Brettartisten – es war kein Wind! Wir konnten aber einen Eindruck erhaschen, als wir deren Bases passierten, eine ziemlich illustere und coole Truppe – aber die Akrobatik auf dem Wasser blieb uns heute verwehrt.

Dennoch – der Strand ist fantastisch!

In jedem Fall einen Besuch wert
Soll ich hier baden? Nein, es gäbe besseres…

Wir setzen die Fahrt fort und besuchen die Salzseen Limnos´. Leider blieb es uns auch hier das Highlight verwehrt, nämlich einen Blick auf die Flamingos zu erhaschen, aber auch ohne die rosanen Vögel – diese Landschaft bleibt im Gedächtnis. Fotos können den Eindruck der Realität nicht wiedergeben, aber sie vermitteln ein Bild.

Ein kurzer Fußmarsch von der Sandpiste…
…dann erkennt man die Weite dieser surrealen Gegend
Die Menschen holen sich hier Salz, welches sie mit dem Löffel abschaben – ich mache nur ein Bild
Danke an unsere „Reiseführer“
Wir ziehen weiter – zurück bleibt diese unendliche Weite (für griechische Inseln)

Wir hatten, trotz des Sommermonats August, keine wirkliche Bruthitze erlebt. Weder in der Stadt Kavala, noch auf Thassos. Auch hier war es zwar mollig warm, aber eben nicht unangenehm heiß.

Trotzdem schwitzt man, besonders wenn man sich eine Weile auf dem Salzsee aufgehalten hat. Es war Zeit für eine Abkühlung! Uli hatte einen Lieblingsstrand und wir fuhren ohne Umwege sofort dorthin. Während die Damen einen Strandspaziergang machten, standen Uli und ich fast eine Stunde bis zum Hals im kristallklaren Wasser – ein Traum!

Wunderschön! Alleine – angenehme Temperatur

So, die Frauen hatten ihre Bewegungseinheit, die Kerle hatten sich erfrischt – wir nahmen die Gelegenheit wahr, ein nahegelegenes, historisches Waschhaus zu nutzen und reinigten unsere Füße vom Sand. Etwas Quellwasser zur erneuten Abkühlung ins Genick – fertig!

Die Waschmittel stehen herum, die Bürger nutzen das Waschhaus
Wir spülen den Sand von den Füßen

Es war Zeit für den heutigen Besuch der Mittagstaverne – also auf in den SUV und auf den Weg gemacht. Limnos ist großflächig, anders als Leros. Man muss immer die Bereitschaft mitbringen zu fahren. Es ist zwar selten wirklich weit, aber die Fahrten sind unerlässlich.

Am Weg sehen wir, dass auch die „tierischen Inselbewohner“ versuchen, sich vor der Sonne zu schützen.

Ohne Schatten – alles doof

Nach etwa einer Viertelstunde Fahrt erreichen wir die Taverne und parken den Wagen – unglücklicher Weise bleibt ihm ein Schattenplatz verwehrt…

Das Ziel ist das Ziel – die Ouzeri ruft
Eine ganz einfache aber urtypische Ouzeri
Mit Sinn für´s Detail – ich stimme zu
Wir finden ein lauschiges Plätzchen
Griechische Meze für den kleinen Hunger – ich liebe es

Danach folgt ein etwas längeres Stück Fahrt. Wir tuckern auf die andere Seite der Insel um dort kurz die Hauptstadt zu streifen, das Lieblingslokal unserer Freunde zu sehen (welches aber keinen freien Tisch mehr anbot) und um den Eindruck von Limnos zu vervollständigen.

Wir sahen Sehenswürdigkeiten erster Güte, wie zum Beispiel die vorbildlich restaurierten Windmühlen…

Nur zwei – aber echt schön

…oder etwa eine vollständig andere Küstenlandschaft mit Klippen und Steilküsten und bizarren Felsformationen – ganz anders als auf der gegenüberliegenden, sandigen Seite.

Auch hier sind die Strände nicht überfüllt

Als wir die edle Taverne erreichten, verstanden Sibylle und ich sofort, warum die Freunde diese Adresse so schätzen. Das Lokal war vollständig in einen Fels integriert und bot allerlei Gimmicks, wie zum Beispiel ein Séparée welches in ein Ruderboot integriert war.

Die Terrasse
Der Essbereich im Fels
Die zwei Rudeboote mit Sitzgruppen
Ein echt spannendes Lokal – schade, dass es nicht geklappt hat

Als wir uns auf den Rückweg machten, stand die Sonne bereits recht tief. Dies tauchte diesen Küstenstrich noch einmal in ein ganz besonderes Licht!

Spezielle Stimmung
Weitläufig, außerhalb der Ortschaften auch karg – ganz anders als das grüne Thassos
In den Ortschaften enge Gassen – der Rover ist manchmal zu groß

Für das heutige Dinner haben wir uns einen Grill ausgesucht, welcher als der beste auf Limnos gilt. Dieser lag am Weg, so mussten wir nicht erst zurück nach Moudros fahren. Wir waren entsprechend früh dran, so ergatterten wir noch einen Platz. Wenig später war der gesamte Platz gerammelt voll.

Das Grilllokal hielt, was es versprach!

Guter Platz am Rand
Ob das gelingt hängt sehr von der Bestückung des Grills ab… 😉
…that makes me HAPPY
Es gibt frische Salate
Als Hauptgang sehr gut gegrilltes Fleisch – war echt lecker

Wir quatschen viel und sitzen entsprechend lang. Dann bringen uns die Freunde ins Quartier und wir wünschen einander eine gute Nacht.

Am nächsten Morgen treffen wir uns ein letztes Mal im Wohnhaus von Claudia und Uli um gemeinsam zu frühstücken. Dann heißt es Abschied nehmen. Wir bedanken uns für die investierte Zeit und die Gastfreundschaft, wohlwissend, dass wir uns wieder sehen.

Gegen 11.00 Uhr fahren Sibylle und ich in die Hauptstadt Myrina. Wir tanken das Motorrad, trinken noch einen Kaffee und bummeln einmal durch die Fußgängerzone.

Myrina mit Burg

Dann war es schon an der Zeit sich für das Boarden der Fähre anzustellen. Klar, die Moppeds stehen wieder vorne, eingecheckt waren wir auch – aber in einem Hafen den Du nicht kennst, kommst Du eben auch nicht gerne „auf den letzten Drücker“.

Moppeds vorne, dahinter, sechsreihig, die PKW
Dann hieß es warten, möglichst im Schatten – und auf den Rucksack aufpassen. Die Rollbag bleibt immer am Bike

Obwohl die Insel eher leer schien, spuckt die Fähre bei jeder Ankunft in der Hauptsaison Massen aus – und nimmt diese auch wieder auf. So war es kein Wunder, dass die Zahl der wartenden Autos immer größer wurde.

Der Platz im Hafen füllt sich
Dann kommt der blaue Stahlkoloss im Hafen an
Das Anlegen dauert etwa 15 Minuten
Dann öffnet sich der Schlund und die Fahrer machen sich bereit – das vermeintliche Chaos beginnt

Das Laden und Entladen der Fähren in Griechenland hat immer etwas chaotisches – scheinbar! Es ist nicht so organisiert wie in Nordeuropa, klappt aber letztendlich vorzüglich. Natürlich sind die Fahrzeuge nach Zielort vorsortiert und die Einweiser wissen genau, wohin die Vehikel zu platzieren sind. Alles schreit herum – „ELA!“, ich antworte „KAVALA!“ und man deutet mir die Richtung…

Ganz eng, an der Wand festgebunden

Wir sitzen in der Fähre und ziehen ein Fazit – Limnos hat uns sehr gut gefallen, aber als Urlaubsinsel. Hier können wir uns vorstellen einmal einen zweiwöchigen Urlaub zu machen um die Insel noch besser kennen zu lernen. Als Ziel um sich dort niederzulassen, ist uns die Insel zu groß und zu karg, den Charme von Leros konnten wir – in der kurzen Zeit – nicht entdecken.

Vier Stunden später, gegen 16.00 Uhr, kommen wir in Kavala an. Das Bike ist vollgetankt, das Ziel im Navigationssystem gespeichert – wir sind in Eile…

Ihr erinnert euch? Es gab die Planänderung, nach Thassos und Limnos, zunächst nach Serres weiter zu fahren um dort Alex noch einmal zu besuchen. Wir wollten aber nicht noch einmal in Kavala übernachten und haben daher über Alex ein Hotel in Serres reservieren lassen – für heute Nacht! Das waren zwar nur knapp 100km, aber wir hatten ja auch noch etwas vor – insofern starteten wir sofort durch und ließen Kavala final hinter uns. Wir fuhren jetzt Richtung Serres in Nordmazedonien.

Pause machten wir nur einmal auf halber Strecke…

Eine eiskalte Brause – dann geht´s weiter
40.000

An dieser Stelle fotografierte ich den ersten Tausenderdurchlauf, in diesem Moment eigentlich nur, weil es auch ein neuer Zehntausender war – ich ahnte nicht, was wir noch fahren würden. Im Augenblick lagen wir noch weitgehend im Plan.

Wir hatten das Hotel in Google Maps gefunden und als Ziel eingegeben. Obwohl ich Alex bat ein preiswertes Hotel zu buchen, schickte er mich ins „Serres Elpida Resort & SPA“ – eigentlich war es mir klar, dass er das beste Hotel im Ort buchen würde.

Ich hab´ gar nicht gefragt – einfach passieren lassen

Der Freund war vor Ort und stellte uns dem Rezeptionisten vor, ein Freund von ihm, so ein Zufall! Der Hotelbesitzer kam, grüßte Alex und anschließend uns. Er sei der beste Freund von Alex Vater, die Serie der Zufälle riss nicht ab 😉

Kein Zufall war es hingegen, dass wir ein Upgrade bekamen – vom Double auf Senior Suite! Sicher auch Alex geschuldet – aber tatsächlich war das Hotel ziemlich ausgebucht, weil ein Bauchtanz Contest in Serres stattfand. All die Vollweiber, so meine Vorstellung, waren in diesem Hotel…

Die Bauchtänzerinnen, so erklärt es der Besitzer, sind hier untergebracht

Man bringt uns zum Zimmer, wir staunen…

Unser Wohnbereich
Unsere Dining Area
Das Schlafgemach
Der Master Bathroom – eine Gästetoilette gab es auch
Unser Whirlpool – obwohl wir eine große Dusche vorziehen
Unsere Terrasse – alles!! Und unser Stuhl 😉
Unsere Terrasse und UNSER Blick
Tennis und Poolanlage

Ok, da unten räkeln sie sich nun. Bauchtänzerinnen aus aller Welt, kurvig und weiblich – ich sollte mal einen Blick risikieren. Sibylle darf natürlich mit! Ich teile meine Gedanken auch mit ihr – fast…

So, ich bin da – und sehe mich um, unauffällig natürlich
Hmmm, nicht viel zu sehen

Ich war enttäuscht, hier waren nur junge Familien, dem Anschein nach Griechen. Wo waren die orientalischen Circen??? Sibylle lächelt hämisch, wir ziehen uns in unser Gemach zurück.

Wir machen uns frisch, um 20.00 Uhr holt Alex uns ab und wir fahren gemeinsam ins Gewerbegebiet zur Firma der Familie Pascalidis.

REKTIFIÉ – Motoreninstandsetzung
Ich tauche ein, in eine Welt die 20 Jahre meine war – eine, die ich langsam vergesse

Der Vater, der Cousin und Alex zeigen mir stolz ihre Maschinen und erklären ihre Prozesse. Für südeuropäische Verhältnisse sind die Abläufe perfekt strukturiert, die Ergebnisse können sich sehen lassen.

Nicht umsonst sind die Auftragsbücher voll und man wagt sich an moderneste Motoren. Wir philosophieren ein wenig über eine zu vermutende Zukunftsentwicklung und machen ein Erinnerungsfoto.

Ich bin stolz mein Wort gehalten zu haben
Ein letztes Bild vor einem modernen LKW Motor für den bulgarischen Markt

Dann fahren wir alle zusammen nach Serres um dort einen Grill zu besuchen, den die Familie Pascalidis als „den besten“ empfiehlt. Ok, nix wie hin…

Serres zeigt sich als moderne, aufgeräumte und saubere Stadt – und wird am Ende der Überrasschungssieger unserer Reise sein.

Historische Kirchen im Stadtzentrum
Unser Grill – klein, aber seeeehr fein

Ich habe beste Erfahrungen damit, in Ländern wie Griechenland einfach die Locals oder die Gastgeber bestellen zu lassen. Es gibt Überraschungen, man isst nicht immer das Gleiche und meist ist es so reichlich, dass für jeden was dabei ist.

Ich bitte also Alex und seinen Vater, für uns alle zu bestellen – mein Kalkül ging auf…

Griechischer Salat, Patates mit Käse und Tzaziki
Blattsalate, Grüne Pfefferschoten und Patates plain
Bifteki, Lammpflanzerl, Souvlaki vom Schwein und Huhn und regionale Würste
Alles superlecker und beste Qualität – kaliorexi

Sibylle und mir gefällt es hier. Wir haben am Nachmittag schon Google bemüht was es in der Nähe reizvolles zu sehen gäbe. Der Nationalpark „Kerkiri Lake“ hätte es uns angetan, auch durch die Stadt würden wir gerne noch einmal alleine bummeln.

Wir erzählen Alex von unseren Plänen, im Hotel um eine Verlängerung zu bitten. Klar war, dass der Freund sofort zum Hörer greift. Bereits fünf Minuten später war unser Zimmer fix, eventuell müssten wir umziehen, das sei morgen zu klären…

Super, der Plan steht, wir bleiben einen Tag länger in Serres, besuchen den Kerkiri Lake National Park und stürzen uns nochmal auf Serres.

Wir bummeln zusammen durch die Fußgängerzone, der Freund gibt uns noch Tips für den Tag morgen, dann bringt er uns zurück ins Hotel.

Coole, einladende Cafés in Serres City
Zurück im Hotel lade ich meine Sozia auf einen Drink an die Hotelbar
Dann ziehen wir uns in unsere Senior Suite zurück

Andertags führt uns der erste Weg zur Rezeption. Ja, klappt alles – wir dürfen in unserem Zimmer bleiben und bekommen die Verlängerungsnacht in der Senior Suite zum Preis des Doubles. Wir bezahlen gleich und gehen dann zum Frühstück…

Continental Breakfast – wie zu erwarten

DA WAREN SIE – all die Bauchtanzschönheiten waren nun zugegen. Ich musterte die Damen aus ganz Südosteuropa – und war enttäuscht! Einige für ihre Kurven zu klein, andere dürre Hungerhaken, viel künstlich nachgeholfen – ein paar ganz interessant anzusehen, weil von Hals bis Sohle tätowiert. Alles hätte ich hinter dieser Ansammlung von Frauen vermutet – aber keinen Bauchtanzcontest.

Ich sehe meine Sibylle an und beschließe reumütig, den ganzen heutigen Tag nur IHRE Kurven anzustarren 😉

Wir fahren los…

Zuerst zur Burgruine – Alex´ Empfehlung
Dort ist nicht nur das alte Gemäuer…
…sondern auch eine hippe Bar – hierher kommen wir am Abend noch einmal

Dann machen wir uns auf dem Weg zum „Kerkiri Lake National Park“. Es gäbe dort eine wunderbare Flora und Fauna zu besichtigen. Der einfache Weg beträgt rund 65km, wir wollten den See umrunden und auf einem anderen Weg nach Serres zurückkehren – insgesamt addieren wir rund 150 ungeplante Kilometer und kommen dabei der bulgarischen Grenze schon sehr nahe.

Am Weg entdecken wir Storchennester – sonst ist die Anfahrt eher unspektakulär

Sibylle hat sich als Sozia während der Fahrt richtig weiter entwickelt. Sie verlor ihre grundlegende Angst und war auch in den Kurven weniger zu spüren. Auch ihre Angewohnheit mir stetig ins Wammerl zu zwicken oder durch Drehen meines Oberkörpers lenken zu wollen, ließ stetig nach.

Heute jedoch, plagten wir uns etwas. Ständig hörte ich „Achtung…“, „Brems…“, „…da kommt ein Auto!“ Ich stoppte als wir das Ziel erreichten, wir brauchten beide eine Pause und ein paar klärende Worte. Als wir im Schatten saßen, näherte sich uns ein bepackter Radler…

Ein dürres Männchen sprach uns an – „gohd´s do nooch Serres? Äh, sorri, is sis se wäi tu Serres?“ Wir klären rasch auf, dass er bei Deutsch bzw. Badisch bleiben dürfe. Wir bejahen die Frage und analysieren für ihn den von uns gefahrenen Weg. Wir kommen ins Gespräch. Er erklärt uns, dass er aus der badischen Ecke Baden-Württembergs nach Izmir radelt und dann über Griechenland mit Hilfe der Fähren wieder heim – Respekt!!! Der Mann ist bestimmt knapp 70, er erlebt sicher noch mehr als wir.

Unsere Wege trennen sich, wir befahren das Südwestufer des Sees.

Verhaltener Tourismus, es gibt kleine Ausflugsboote
Wir fotografieren eine Hütte, ein kleiner Hund kommt heraus

Ich fürchte ein wenig, dass es zu dem kleinen Hund auch eine Mama oder gar Eltern gibt, welche nun gleich den Welpen verteidigen wollen – weit gefehlt! Im Gegenteil, es gesellten sich die Geschwisterchen dazu…

Vier Welpen – zwei schwarze, zwei weiße, jeweils zwei zottelige und zwei Kurzhaar

Nach dem ersten Beschnuppern ließ das Interesse der Kleinen nach, sie kreisten zwar um uns herum, beschäftigten sich aber mit sich selber – von Eltern keine Spur!

Eine kleine Hündin suchte meine Freundschaft…

Yassou, I me Mario
Ok, jetzt sind wir Kumpels

So wahr ich hier stehe – wären wir mit dem Auto vor Ort gewesen, diesen kleinen Welpen hätte ich sofort mitgenommen. So mussten wir die vier zurücklassen, nicht aber, ohne vorher den griechischen Tierschutz zu verständigen. Ich bin über eine Lerosgruppe mit der Organisation in Facebook verlinkt und konnte so Aufmerksamkeit erzeugen und informieren – es besteht eine Chance, dass die Welpen abgeholt wurden.

Wir genießen weiter die Atmosphäre und die Ruhe

Man hat uns erzählt, dass es wilde Pferde und sogar Wasserbüffel am Kerkiri Lake gäbe. Ich war verhalten optimistisch, denn bei meiner „Big Five Gamedrive“ in Afrika blieb mir der Wasserbüffel versagt – warum sollte er sich mir hier zeigen???

Die wilden Pferde geizten nicht – sie waren nahezu überall
Gerne zusammen mit Kühen und mitten auf der Straße
Dann haben wir noch ein paar… äh, Moment – Wasserbüffel!!! Und nicht nur einer…
Imposante Tiere – sieht man ja nicht alle Tage in freier Wildbahn
Ich war echt geflasht
Riesige Herden auf dem Weideland rund um den See

Noch einem Tier sollten wir auf der gesamten Fahrt recht häufig begegnen – ein merkwürdiges Gefühl, wenn Du eine Straße entlang fährst und vor Dir liegt auf einmal eine…

Schildkröte
Na los, lauf´weiter
Wir machen es uns zur Aufgabe die bepanzerten Krabbler von der Straße zu klauben und in der Wiese abzusetzen

Griechenland kann mehr als Meer, das wissen wir bereits jetzt! Leider gibt es auch Dinge, welche die Griechen überhaupt nicht können. Ich habe das Natur- und Umweltbewusstsein ja schon einige Male angeprangert, so passiert es uns auch auf dieser Reise mehr als einmal, dass wir direkt neben einem Biotop eine kleine Müllkippe finden.

Es wäre so einfach

Ich bin bereit die Natur zu schützen, dafür etwas zu tun und dort wo es notwendig ist, auch zu verzichten – mir wird aber einmal mehr bewusst, dass Deutschland die Umwelt nicht retten wird. Ich zeige auch nicht auf die großen Umweltverschmutzer – das ist eine ganz andere Dimension – aber solange europäische Länder es nicht schaffen, auch nur ihr Müllproblem in den Griff zu bekommen, habe ich große Zweifel, dass sich etwas Grundlegendes ändern wird…

Anderes Thema!

Wir haben den See zur Hälfte umrundet und befinden uns auf der Nordseite. Bulgarien ist noch 17,2km entfernt. Sibylle entdeckt auf der Karte ein Frauenkloster, das wollen wir noch besuchen.

Holy Hermitage of Timios Prodromos of Akritochori – einladend und aufgeräumt – kaum Besucher
Innen wunderschön, ein Frauenkloster eben

Die Nonnen sind sehr offen, sie fragen wo wir herkommen und wie wir unseren Weg fortsetzen. Wir mögen doch bitte in den Gemeinschaftssaal kommen, man reiche uns Tee oder Kaffee und etwas Gebäck. Eine Einladung, der wir sehr gerne nachkommen.

Dass der „Souvenirshop“ mit dem sich die Nonnen etwas Geld verdienen direkt nebenan liegt, zwinkern Sibylle und ich weg – im Gegenteil – wir kaufen eine Kleinigkeit für die Enkel (die auf dem Weg sind).

Der Klostershop der Nonnen
Wir kaufen Selbstgetricktes von den Nonnen – kann nur Glück bringen
Ein bisschen verweilen wir noch – dann treten wir die Rückfahrt an

Der Rückweg zieht sich ein wenig. Langweilige Stücke durch das teils ärmliche, landwirtschaftlich geprägte Hinterland und teils verlassenen Ortschaften, wechseln sich kurzzeitig mit netten Blicken ab – wir spulen die rund 70km Rückweg ab…

Dazwischen Weitblick über den See den wir gerade umrundet haben

Wir kommen am Spätnachmittag in Serres an. Ich brauche einen Cappucchino und ein Coke, Sibylle gibt sich eine eisgekühlte „Homemade Lemonade“ für die ausgetrocknete Kehle.

In dem Kaffee in dem wir sitzen, treffen wir den Radler wieder. Auch er hat sein Ziel erreicht, eine Bleibe für die Nacht gefunden. Wir trinken noch etwas zusammen, dann trennen sich unsere Wege.

Schönes Café in Serres
Der Cappucchino war lecker

Wir gehen zurück ins Hotel, besuchen die Poolanlage, gehen duschen und fahren dann abermals die zwei Kilometer in die Innenstadt – wir machen uns die Entscheidung einfach – die Frage „…wo essen wir zu Abend?“ wird mit einem „…na, da wo wir gestern waren!“ beantwortet.

Wieder schmeckt es super

Wir laufen die Fußgängerzone einmal auf und ab und stellen fest, dass wir uns scheinbar sehr gut akklimatisiert haben – wir schwitzen nicht, obwohl es heute heißer als sonst ist…

Woooos? 41°C???
Um die Zeit???

Wir merken erst etwas später, dass das Thermometer 10°C zuviel angezeigt hat – die 31°C, die an diesem Abend in der Stadt herrschten können wir gut aushalten. Wir entdecken also noch eine Weile die Innenstadt, bevor wir uns in die hippe Bar innerhalb der Burgruine am Stadtberg begeben.

Serres hat eine wunderschöne Innenstadt
Die Bar war gerammelt voll – aber wir bekamen noch einen guten Platz in zweiter Reihe
Ein toller Ort – hier kann man auch essen
Und der Blick auf das nächtliche Serres ist phantastisch

Am nächsten Morgen stellen wir den Wecker sicherheitshalber auf 07.30 Uhr. Wir packen unsere Tasche und gehen zum Frühstück – dann checken wir aus. Vor uns liegt der Weg nach Nikiti am Chalkidiki, mit knappen 200km die zweitlängste Strecke unserer Reise.

Wir haben uns Nikiti als nächstes Ziel ausgesucht, weil wir den Chalkidiki nicht komplett auslassen wollten. Das war auch ein wenig mir geschuldet, denn ich wollte zumindest einen Eindruck dieser Region haben. Der Umweg über Nikiti schien vertretbar, der Ort selber wird in Google als kleiner, netter, touristischer Badeort beschrieben.

Heute gibt es eine Ausnahme, wir fahren Nikiti ohne Hotelbuchung an. Booking.com gab keinen klaren Favoriten aus, wir wollten vor Ort ansehen, was uns angeboten würde. Dies haben wir auf unserer Fahrt tatsächlich nur einmal so gemacht.

Wir verlassen Serres und fahren durch das Hinterland Richtung Süden. Wie die Winter hier aussehen mögen, zeigen die Verkehrsschilder…

Wirkt befremdlich – kaum vorstellbar

…auch in den Ortschaften stehen immer wieder große Schneepflüge – man kann sich das gar nicht vorstellen! Heute wird es jedenfalls nicht schneien, es war ein herrlicher Sommertag!

Calimoto führt uns durch herrliche Landstriche
Im Hintergrund zwei große Seen im Hinterland
Immer wieder Pausen für Fotos und das verlängerte Rückgrat

Die „Calimoto“ App weist uns abermals den richtigen Weg. Wir fahren meist gute Straßen, welche glücklicher Weise oft etwas abseits der Hauptverkehrsrouten liegen. Wir sind so die meiste Zeit alleine unterwegs, das ist weniger anstrengend. Gleichwohl pickt uns diese App auch landschaftlich schöne und kurvenreiche Strecken heraus, so dass auch die Fahrt selbst zum kurzweiligen Erlebnis wird.

Wir machen öfter kurze Pausen um die Beine auszuschütteln, den Popo zu entlasten und ein paar Bilder zu machen. Dazu kommen, je nach Streckenlänge, ein oder zwei längere Pausen um etwas zu trinken und das HNavigationshandy mit einem Powerpack zu laden.

Am frühen Nachmittag erreichen wir Nikiti am Chalkidiki – wir fahren zuerst an die Riva…

Sandstrände – am Ortsrand schon nicht mehr viel los
Etwas Wind und das Licht sorgen für eine gute Stimmung
Wir laufen die Riva einmal auf und ab – die Strände sind organisiert

Meine Vorstellung war, beim Auf- und Ablaufen der Riva ein Schild mit der Aufschrift „Rooms for Rent“ zu erspähen. Ich wollte abends ein Bier trinken und vorher im Meer baden – das Motorrad sollte ruhen.

Das hat leider nicht geklappt, die Zimmer in der ersten Reihe waren tatsächlich ausgebucht! Naja, erstmal hinsetzen und neu sortieren – ein Eis hilft.

Guter Durchschnitt – aber in diesem Moment sehr gerne genommen

Wir geben uns eine Stunde um ein Zimmer zu finden – dann suchen wir noch einmal auf booking.com und wählen drei oder vier Favoriten aus. Die klappern wir ab!

Nachdem wir alle vier besehen haben, entscheiden wir uns für das Erste – weit hinten im Ort, aber trotzdem ist der Strand fußläufig erreichbar. Es scheint ruhig zu sein und hat beste Bewertungen – und es hat ein verfügbares Zimmer! Wir checken ein…

Das „Kseyñasá“ Guesthouse in Nikiti
Ein hochkarätig bewertetes Haus
Das den Ansprüchen gerecht wird – alles sehr hochwertig und geschmackvoll
Die bisher schönste Dusche der Reise
Unsere Terrasse mit eigenem Poolzugang
Unser Zimmer war das rechts unten

Unterkünfte sind schwer vergleichbar, meist sprechen sie unterschiedliche Zielgruppen an. Wenn man unseren Geschmack als Gradmesser für die Unterkünfte sieht, dann wäre diese Herberge mein heimlicher Favorit gewesen, denn der Pool wiegt bei mir nicht so schwer. Over all war „The Dome“ in Thassos gleichauf, denn dort wurde das vollumfänglichere Paket mit Poolbar und Frühstück geboten – zwei Sieger also!

Eine weitere Unterkunft sollte in einem Bergdorf am Pilion folgen, die würde abschließend meinen zweiten Rang belegen – dazu später mehr.

Erst dann folgt die Senior Suite in Serres, weil wir diese ja gar nicht in dem Umfang nutzen können – wir waren mehr beeindruckt. Letztlich war es aber auch mehr ein Business- als ein Urlaubshotel.

Zurück zum Thema…

Wir beziehen unser Zimmer mit der Nummer „13“ und hoffen darauf, dass das sprichwörtlich anhaftende Unglück wirklich nur Aberglaube ist!

Aber schwarze Katzen habt ihr nicht, oder???

Ok, das passt! Wir setzen unseren Plan um und gehen zum Strand und baden im Meer. Dann den obligatorischen Nachmittagscappucchino VOR 15.00 Uhr um die Nachtruhe meiner Gattin nicht zu gefährden.

Dann laufen wir zurück ins Zimmer und gönnen uns eine kurze Pause, duschen kalt – ich stelle mich 20 Minuten in den Pool. In dieser Zeit bemüht Sibylle das Internet um einen Plan für den Abend auszuarbeiten.

Ich höre sie sagen „…Nikiti hat eine sehr schöne Altstadt…“ und mir wird klar, dass wir diese besuchen werden, danach wollten wir an der Riva zu Abend essen.

Die Altstadt von Nikiti ist restauriert und wirklich schön
Es gibt allerlei zu entdecken – wir laufen einmal die Gassen ab
Die typischen Steinhäuser sind detailgetreu restauriert…
…und dienen als Wohn- und Geschäftshäuser, sowie als Bars und Tavernen
In der „Wine Bar Barcarola“ gönnen wir uns einen Aperitiv
Für den Fahrer ohne Alkohol

Wir sitzen eine Weile und beobachten die Menschen. Als wir ausgetrunken und bezahlt hatten, fuhren wir zurück an die Strandmeile von Nikiti um dort „mal was anderes als Griechisch“ zu essen – die Wahl fällt auf eine Pizzeria, deren Pizzen augenscheinlich punkten konnten…

Dio birres, mia megali kai mia mikri, parakalo – als Sundowner
Pizza und Salat erfüllten alle Erwartungen – ein schöner Abend…
…der mit einem wunderschönen Sunset ausklang

Zurück in unserem Zimmer, war ich noch nicht bettreif – ich wollte mich noch eine Viertelstunde in den Pool stellen – ganz leise nur! Die Pool-Öffnungszeiten ließen dies gerade noch zu…

Sibylle liest noch etwas – ich kühle mich runter, dann ist Schlafenszeit

Den nächsten Tag eröffnen wir so, wie wir den alten abgeschlossen hatten. Ich stelle mich zum Wachwerden ein bisschen in den Pool (pssst – eine halbe Stunde VOR der offiziellen Öffnung) und Sibylle checkt unsere heutige Route.

Heute werden wir mit 241km den längsten Fahrtag vor uns haben. Am Ende des Tages werden wir eine Reisezeit von fast fünfeinhalb Stunden schreiben.

Dieser Tag war zunächst so nicht geplant. Das nächste logische Ziel WÄRE Thessaloniki, dies haben wir aber leicht angepasst, da wir nicht in der zweitgrößten Stadt Griechenlands übernachten wollen. Diese Stadtaufenthalte stressen uns, wir haben daher beschlossen, unser daraufhin folgendes Ziel anzusteuern, dort einen Tag länger zu bleiben und Thessaloniki von dort aus, als Tagesausflug, zu besuchen.

Wir packen die GS auf und gehen beim Bäcker frühstücken – dort überkommen uns Heimatgefühle…

Schaut genau hin…
Brez´n beim griechischen Bäcker – wir sehen davon ab eine zu probieren…
…und entscheiden uns für das griechische Standardfrühstück – ein Sandwich und ein geteiltes Croissant

Ich starte die App, die Dame im Handy motiviert mich und meint mit blecherner Stimme „auf geht´s!“. Dieser Aufforderung leiste ich umgehend Folge!

Wir durchqueren das Hinterland des Chalkidiki und steuern Thessaloniki an
Wir fahren durch grüne Landschaften, sehen immer wieder das Meer
Wie immer – kurze Stops für Fotos und zur Auflockerung der Arschbacken
Meerblick – im Hintergrund der Berg Athos
Details während eines Barbesuches – irgendwo im Nirgendwo
Ein Drittel geschafft – wieder weist uns „Calimoto“ den perfekten Weg
Wunderbar – für mich UND meine Sozia

Als wir das „Bergfest“, also mehr als die Hälfte hinter uns hatten, gab es zur Belohnung ein Eis. Belohnung für die Umsicht und Vorausschau des Fahrers, sowie Belohnung für besondere Tapferkeit und Durchhaltevermögen für die Sozia.

Schmeckt zu diesem Zeitpunkt besonders gut

Das Ziel des heutigen Tages heißt Makrygialos. Wie??? Vielleicht fragt ihr euch, wieso wir genau auf diesen Ort kamen. Es handelt sich bei diesem um den Heimatort eines Freundes, den ich ebenfalls durch die Arbeit kennen gelernt hatte. Christos und ich hatten einen Reklamationsfall zu lösen und gemeinsam einen Kunden besucht – er als Vertriebsbeauftragter eines großen deutschen Teilelieferanten, ich als technischer Vertreter des Herstellers.

Wir waren 2020 einen ganzen Tag zusammen unterwegs und hatten bei dem ein oder anderen Kaffee die Gelegenheit uns zu unterhalten. Sein Name identifiziert ihn als Grieche, ich gab meine Vorliebe für sein Heimatland preis – eine Gesprächsbasis war gefunden.

Wir verabschiedeten uns mit dem Plan, uns eines Tages in seinem Heimatort zu treffen – so here we are!

Angekommen – ich setze mich zu meinesgleichen

Christos hat uns bei der Planung das Hotel „Achillion“ eines Freundes empfohlen, dort haben wir uns für drei Nächte eingebucht. Das Haus ist offensichtlich eines dieser Strandhotels der späten 70er Jahre, die Zimmer wurden in der Zwischenzeit renoviert.

Im allgemeinen Bereich kokettiert man aber mit der Vergangenheit und dekoriert entsprechend. Wir sehen uns um und checken ein.

„Lounge“ Bereich im Retro Style
Ein schlichtes aber sauberes und funktionales Zimmer
Wir packen aus und machen uns breit
Balkon mit Meerblick
Flachwasser-Strandbereich vor dem Hotel

Makrygialos ist ein typischer Ferienort der Vergangenheit. Er wirkt ein wenig vergessen und in die Jahre gekommen. Wenn man aber genau hinsieht merkt man, es wird viel gemacht und investiert – ein Platz für die „Liebe auf den zweiten Blick“. Heute ist es ein Urlaubsort für Griechen – sie machen 90% der Klientel aus.

Wir lesen, dass das Flachwasser in dieser Gegend eine bekannte Gegend für die Muschelzucht ist, auch Fisch und Meeresfrüchte würden hier jeden Tag frisch angeboten.

Christos hatte uns das Lokal des Hotels schon als seinen persönlichen Favoriten empfohlen, es war also klar – heute gibt es „Seafood Spaghetti“ im Hotelrestaurant – nebst einem Bier für den Fahrer!

Das Essen war echt lecker

Wir schnacken ein bisschen, später kommt Christos auf einen Sprung vorbei und gibt uns Tips für den nächsten Tag – für den morgigen Abend verabreden wir uns zum Dinner.

Bis dahin ist noch etwas Zeit – wir machen uns mit den Öffungszeiten im Hotel vertraut, sacken dann aber erschöpft ins Bett!

„Relax Time“ – DAS gefällt mir! Ob ich Sibylle überzeugen kann???

Am nächsten Tag frühstücken wir, dann wollen wir die umliegende Gegend erkunden. Was gibt das Umfeld von Makrygialos her? Wir legen uns eine Route entlang der von Christos erhaltenen Tips zurecht…

Frühstück und KAFFEE – wichtig um den Tag zu beginnen
Wir beginnen im Badeort Paralia – dort stellen wir die BMW ab und schlendern durch die geschäftigen Straßen
Sibylle und auch ich überlegen, Accessoires zu kaufen welche uns besonders gut stehen
Hmmm – aber genau was ich liebe (Achtung – Ironiemodus)
Eine Kirche – mitten im Touristenmoloch
Lieben wir Paralia???
NEIN – tun wir nicht!!!

Wir verlassen diesen unsäglichen Auswuchs von Billigtourismus so schnell wir können! Der Strand war kilometerlang – bei der Anfahrt haben wir an einem weniger belebten Strandabschnitt zwei dieser fancy Beach-Clubs gesehen – ob wir dort gemütlich einen Cappucchino trinken können? In angenehmer Atmosphäre?

Wir sehen uns das mal an…

Unsere Wahl fällt auf das „Mandala“
Schon der Eingansbereich ist luxuriös
Innen wunderschön
Top Ambiente
Sehr guter Cappucchino

Wir schätzen was uns gerade passiert – verstehen es aber nicht! Einen Kilometer weiter liegen die Touristen am Billigstrand Schulter an Schulter – hier kann man aus drei Liegenoptionen wählen, kostenlos bei Verzehr, dann nach oben gestaffelt von der Komfortliege für 5.-€ bis zu einem Tagespreis von 20.-€ für so einen Schattenparavent. Die Liegen am Pool kosten 5.-€ am Tag – der Cappucchino und die Snacks sind preiswert, ganz anders als es das Ambiente vermuten lässt. Hier liegen Himmel und Hölle nah beinander!

Wir schlürfen unseren Cappu, relaxen ein wenig und ziehen dann weiter zu einer Saline in der Meersalz gewonnen wird und zu der Touristen kommen, um in eigens angelegten Becken gegen ihre Hautkrankheiten anzukämpfen.

Ok, interessant – packt uns aber nicht so

Sibylle und ich sehen uns an – nein, da wollen wir uns nicht dazugesellen. Es trifft sich gut, dass eine Nachricht von Christos hereinschneit – er und seine Familie wären an einem nahen Strand mit Bar, ob wir dazukommen wollen?

Klar wollen wir…

Von der Strandbar aus fotografiert – nix los – im August!
Auch an der Beachbar gibt es genug Plätze – die Liegen sind umsonst

Wir trinken etwas zusammen und lernen Christos´ Frau Afroditi und seine drei halbwüchsigen Jungs kennen. Es sind noch weitere Familienmitglieder da, ich konnte mir nicht alle merken.

Dann fahren wir zurück ins Hotel, sehen uns die Landschaft noch etwas an…

Auf den zweiten Blick echt schön
Mit der GS immer dort wo vorne ist
Man muss einen gewissen „morbiden Charme“ akzeptieren

Wir kommen exakt zur „Relax Time“ im Hotel an – ich nutze die Gunst der Stunde und fordere genau dies ein – Sibylle stimmt zu, nicht ganz überraschend, wenn man weiß, dass es heute das Abendessen erst AB 22.00 Uhr gibt – heute haben die Griechen bestimmt wie es läuft!

Wir ruhen uns aus, planen unseren, für morgen angesetzten Tagesausflug nach Thessaloniki und bereiten uns mittels des Internets darauf vor. Wir erkennen, dass aus unserem Plan, die Stadt mit dem Bus zu besuchen nichts wird, denn obwohl es den perfekten Bus zur Anreise gibt, steht am Nachmittag kein Rücktransport zur Verfügung. Wir müssen also das Motorrad nehmen.

Sibylle braucht auf diesen Schreck einen Ouzo und will auch nicht mehr länger warten – wir gehen ins Restaurant und eröffnen das Dinner mit einem Aperitiv, die Freunde kommen etwa eine halbe Stunde später.

Yammas – und morgen geht´s nach Thessa
Zum Dinner einen Fisch – nebst etlichen Meze
Danach in eine nahe Bar – um einen Absacker zu trinken

Obwohl Sibylle und ich selten nach Mitternacht ins Bett gehen und wir somit gestern eine Art „Sommersilvester“ erleben durften, haben wir uns den Wecker gestellt um zeitig nach Thessaloniki aufbrechen zu können.

Da musste Sibylle jetzt durch – Weg auf der Autobahn 40km und 27 Minuten vs. Weg auf der Landstraße 83km und 1:27h! Die Entscheidung war klar – heute fahren wir Autobahn, zahlen Maut und bringen es rasch hinter uns – wir brechen früh auf…

Morgengrauen – ein bewölkter Tag

Ich brummle mit 80, max. 90km/h auf der rechten Spur dahin. Purer Streß für mich, denn Kleintransporter und LKW waren oft schneller, ich habe sie vorbeiziehen lassen – Sibylle ging es so besser, ich dachte über objektive und subjektive Gefahr nach und wäre gerne 100km/h gefahren – aber was tut man nicht alles.

Aber wir waren rasch am Ziel, nach einer halben Stunde hatten wir das Bike bereits auf einem Moppedparkplatz abgestellt, Standort gepeichert und losmarschiert…

Hier parken wir sicher – den Standort merkt sich Google, sicher ist sicher…

Auf dem Weg durch die Stadt habe ich den „White Tower“ im Augenwinkel gesehen, dieser ist nicht zu weit weg und steht am Meer – dies soll unser erstes Sightseeing-Ziel sein. Dann würden wir die Riva bis zum zentralen Platz entlang schlendern, uns dort mit einer touristischen Karte ausstaffieren und einen Kaffee trinken – dann sind wir gewappnet und legen los…

Schilder erzählen Wissenswertes
Der White Tower ist imposant und gut erhalten – er beherbergt ein Museum
Der Weg zum zentralen Platz, dem „Platia Aristotelus“ ist nicht weit – hier gibt es unzählige Cafés
Jeder besinnt sich auf Kernkompetenzen – ich studiere die Speisekarte, Sibylle den Stadtplan

Wir waren soweit – die Sehenswürdigkeiten welche zu besuchen sein würden sind festgelegt, die Reihenfolge benannt, es kann losgehen!

Ich fummle noch dem dicken Mann am Zeh, es soll Glück bringen – kann nicht schaden!

Der dicke Mann heißt Aristoteles und ist wohl jedem bekannt
Ein Teil der Fußgängerzone – es war ein bewölkter, nicht zu heißer Tag, ideal eigentlich
Wir haben ein Auge für liebevolle Details – Thessaloniki ist schön…
…aber mancherorts auch etwas marode und voller Graffiti, ein besonderes Flair
Wir besuchen die beiden Märkte für Haushaltswaren…
…und Lebensmittel
Wir tauchen ein, in die Welt der Marktschreier und nehmen Düfte von Gewürzen, Tees, Fisch, Obst und vielem mehr auf

Thessaloniki ist voller Geschichte! Es gibt an jeder Straßenecke historische Bauwerke die sehenswert sind. Manche nehmen wir wahr, machen nur ein Bild – bei anderen interessieren wir uns für die Geschichte und besichtigen intensiv.

Wir wechseln die Straßenseite um zu einer der Foodhallen zu kommen – auch hier, mittendrin, eine historische Kirche.

Historische Gebäude und mehr oder minder schöne Bauwerke der moderne existieren nebeneinander

In der Foodhalle erwarten wir uns Streetfood aller Länder, wir hätten vorwiegend auf griechisch getippt – womit wir aber am wenigsten gerechnet hätten…

No words needed
Hilft nix – meine Gedanken schweifen zum Metzger Holnburger in Miesbach
A bayrische Brotzeit in Thessaloniki? Kein Problem!

Es gefällt uns, Thessaloniki packt uns! Wir laufen weiter und weiter und entdecken mehr und mehr – viele der Kirchen sind bekannte und bedeutende Bauwerke ihrer Epochen. Thessaloniki hat bewegende Zeiten hinter sich – die Bauwerke sind Zeitzeugen!

Fast 600 Jahre alt – alles gut beschrieben
Das Bey Hamam hier…
…ein paar Schritte weiter – bedeutende Ausgrabungen
Auch hier – mitten in der Stadt, unmittelbar neben den Hochhäusern
Imposante Kirchen – alleine schon von außen
Freier Zugang nach innen
Hier nicht weniger imposant
Eine Kirche neueren Datums
Hier eine ältere und kleinere Kirche – diesmal nur von außen

Wir wissen, dass es oben am Berg die, von einer Festungsmauer umgebene, Altstadt gibt und dort auch ein Kloster zu finden ist. Der Weg dorthin zieht sich kilometerlang nach oben, es sind einige Höhenmeter zu machen – aber das ist es wert…

Die Festungsmauer um die Altstadt…
Eines der beiden Haupttore
Nicht überall vollständig original – der erste Stock ist bewohnt
Das fast 700 Jahre alte Kloster über den Dächern von Thessaloniki
Atemberaubender Ausblick
Die Klostergärten mit Pfauen- und Kolibrivoliere
Der alte Teil des Klosters
Beeindruckend – gerade auch von innen
Was diese Mauern gesehen und gehört haben
Schatten! Ein bisschen ausruhen

Wir haken gedanklich die bereits gesehen Punkte ab und sortieren uns neu – wir sind am höchsten Punkt unseres Marsches. Wir legen den Rückweg fest und beschließen dabei, dass wir uns unten eine kurze Einkehr gönnen wollen.

Wir gehen die Stadtmauer entlang
Werfen dabei einen Blick in die Altstadt
Das zweite der beiden Haupttore
Einfach nur imposant
Am alten Wehrturm treffen wir zum ersten Mal größere Touristengruppen
Wir machen unser Erinnerungsfoto – auch hier mit fantastischem Ausblick – und suchen das Weite
Die alte Festungsmauer weist den Weg zurück in die Stadt
Thessaloniki ist einen Besuch wert
Wir genießen den Tag
Beeindruckende Kirchen am Rückweg
Friedhofsanlagen mitten in der Metropole

Als wir wieder im neuen Teil der Stadt zurück waren, lag ein ziemlich verrücktes Café direkt auf unserem Weg – wir brauchten einen Toilettenstop und beschlossen spontan, hier ein Cola zu trinken.

Das Café war voller Details – wir blieben länger als geplant, ich habe mir bestimmt eine halbe Stunde lang die Wände angesehen.

Bisschen 70´s, viele versteckte Gimmicks
Die Treppe zum Klo
Keller? Gaststube? Museum? – die Klos gleich daneben
Das ganze Café komplett abgefahren
Klo innen
Wie gesagt – verrückt! Aber eben auch hip

Unweit von diesem Café ist die „Rotónda des Galerius“, sie gilt als die älteste Kirche der Welt und wurde von der UNESCO als Weltkulturerbe aufgenommen. Sie wurde 306 n.Chr. als Tempel des Zeus erbaut – das beeindruckt mich! Dort wollen wir hin…

Auf dem Weg sehen wir andere, kleinere Kirchlein
Dann stehen wir vor der Pforte der ältesten Kirche der Welt
Von außen – das Ensemble aus Kirche und Minarett
Der Kirchenbau
Das deutlich jüngere Minarett
Oft ist weniger mehr
Teilweise erhaltene Mosaike
Wir sind – ein weiteres Mal – beeindruckt
Historisches Gemäuer in den Außenanlagen

Wir verlassen die Kirche und halten etwas inne – das Gemäuer ist mehr als 1.500 Jahre alt! Und wir stehen heute mit kleinen Apparaten unter der heiligen Kuppel, machen Bilder, sind mit der Welt verbunden und könnten uns, wenn wir wollten, eine Pizza hierher liefern lassen – der Kontrast ist in dieser Sekunde für das Gehirn nicht zu erfassen.

Noch ein verrücktes Café – Thessaloniki ist hip
Sibylle besucht weitere Kirchen
Die nicht weniger beeindruckend sind…
…und doch fast 1.000 Jahre jünger
Das merkt man vor allem innen – wirkt deutlich „moderner“ (und überladener)
Ich warte draußen – mir reicht es mit Kirchen

Wir sind viele Kilometer gelaufen und haben es fast geschafft – nur noch drei Etappen muss ich meistern – ich habe mir eine Pause verdient! Also los, wir packen es an, ENDSPURT!

Von der Rotónda sind es nur ein paar Schritte bis zum berühmten Galeriusbogen.

Einmal mehr – ein imposantes, gut erhaltenes historisches Bauwerk (ich spreche von dem Bogen 😉 )
Ein Blick für die Details lohnt
Die Bildhauer- und Steinmetzkunst fasziniert mich
Auf dem Weg ins Café passieren wir „Panagia Chalkeon“
Diese Kirche lassen wir aber nur von außen auf uns wirken

Endlich! Wir finden ein nettes Café an einer der Hauptgeschäftsstraßen, kehren dort ein, bekommen eine perfekten Cappucchino und eine herrliche, kalorienreiche, klebrige Köstlichkeit…

Genuss ohne Reue

Wusstet ihr, dass Thessaloniki eine „Hagia Sophia“ hat? Klar, dass wir diese Kirche, als letzten Punkt auf unserer Liste, noch besichtigen. Solange das weltberühmte Original in Istanbul auf unserer „Bucket List“ als unerledigt markiert ist, nehmen wir gerne mit der kleinen Schwester in Griechenlands Norden vorlieb.

Auch einige Jahre auf dem Buckel
Die Eingangspforte der berühmten Kirche
Der Innenhof – fast menschenleer
Auch von innen imposant
Ich entzünde derweil eine Kerze für uns – die etwas größere rechts, wir können es zur Zeit brauchen

Geschafft! Ich habe Thessaloniki entdeckt! Unsere Auswertung ergibt, dass wir 14km durch die Stadt gelaufen sind.

Unser Fazit? Ein Forumsbekannter bezeichnet Thessaloniki als die „schönste Stadt Griechenlands“ – damit mag er Recht haben! Thessaloniki ist mit etwa 1,2 Millionen Einwohnern nicht nur die zweitgrößte Stadt Griechenlands, sondern auch eine der ältesten in Europa und wird häufig als heimliche Konkurrentin Athens dargestellt. Uns ist aufgefallen, dass Thessaloniki etwas aufgeräumter und strukturierter als ihre große Schwester wirkt. Wir hatten einen idealen Tag erwischt, ein paar Wolken, nicht zu heiß, durch die Semesterferien und Urlaubszeit der Griechen relativ leer – ein perfekter Besuch!

Ich belohne mich mit einem Selfie…

Wie gesagt – eine junge und hippe Stadt

Mein persönlicher Plan sah vor, dass ich in Thessaloniki in die berühmte „Tzipouro & Meze“ Kultur eintauchen wollte. In Ermangelung einer Busfahrt und der daraus entstandenen Tatsache, dass ich die GS zurückpilotieren muss, wurde das Tzipouro-Gelage auf den Besuch in Volos vertagt.

Ich gehe mit Sibylle noch in einen adidas-Store, sie braucht eine Sweatshirt Jacke – heute Morgen war es kalt auf dem Bike, die Bergetappen würden noch kommen. Wir konnten in dieser Sache alsbald erfolgreich Vollzug melden!

Sibylle forderte den Rückweg über die Landstraße ein, wir fahren 83km in rund 1:30h – dann kommen wir in Makrygialos an.

Wir machen uns frisch, gehen zum Essen in die Hoteltaverne und treffen uns anschließend mit Christos und seiner Familie zum Absacker – es heißt Abschied nehmen!

Dinner im Hotel – wieder sehr gut
Wir verabschieden uns von Afroditi und Christos, vielen Dank, es hat Spaß gemacht mit euch!!!

Ein letztes Mal gehen wir im „Hotel Achillion“ an das Frühstücksbuffet. Wir haben die Tasche bereits gepackt und checken nach dem Frühstück aus.

Ein letzter Punkt ist offen – auch Makrygialos hat eine Ausgrabungsstätte, welche vorgestern aber geschlossen war. Heute hatten wir genug Zeit, diese noch zu besuchen.

Ein letztes Winken – wir verabschieden uns von Makrygialos
Das Wetter verheißt nichts Gutes – Regen über Thessaloniki
Ich parke die reiseklare GS direkt vor der Ausgrabungsstätte
Nicht so klein wie es von außen scheint
Tolle Mauerreste und der alte Brunnen
Hätte ich so nicht erwartet

Hier, relativ weit weg von den Haupt-Touristenströmen, hat das mit den Sehenswürdigkeiten so geklappt wie man sich das vorstellen würde – bitte erinnert euch an die abgesperrte, aber EU-subventionierte Mauer in Thassos, welche zwischen den Fast-Food Tavernen schier unterging!

Hier empfing uns ein netter Herr, welcher in bestem Englisch fragte woher wir kämen und wohin wir wollen. Er führte uns durch die Anlage und erklärte alles. Dieser Service war kostenlos!

Er wies uns auf die Facebookseite der Anlage hin und fragte ob er ein Foto von uns posten dürfe – so geht das heute, da können sich größere Anlagen ein Beispiel nehmen! Mir hat es gefallen…

Unser Weg heute sollte ein lässiger sein – es geht in die Berge! Unser nächstes Ziel ist der Bergort Litochoro am Fuße des Olymp. Das hört sich so weit weg an, wenn man am Meer steht – ist es aber nicht! Nur 42km und etwa eine Dreiviertelstunde Fahrt trennen uns vom heutigen Etappenziel!

Die Wolkenfronten begleiten uns

Heute gibt es nur eine Straße zum Ziel, keine Abkürzungen und keine Alternativrouten. Die Fahrt war unspektakulär, das Wetter unbeständig – aber wir kamen trocken und sicher in Litochoro an.

Hotel „Xenia Dias“ – unser Ziel für die nächsten zwei Nächte – so der Plan
Wir parken die GS vor einem Café und sehen uns um
Der Dorfplatz – rundum nette Cafés
Umtriebig aber nicht überfüllt

Sibylle hatte sich eingelesen und mich gewarnt – „Litochoro ist ein Ferienort, es wird trubelig, laut und touristisch – da müssen wir durch!“

Ok, sie hatte Recht, aber die Art des Tourismus wie er hier vorzufinden war, unterschied sich völlig von dem an der Küste. Hier waren Junge und Alte, vorwiegend Wanderer, Kletterer oder Biker. Kurz gesagt, Menschen die die Natur lieben, der klassische Partytourismus war hier nicht zu finden. Ich habe mich sofort in das Örtchen verliebt und immer wieder gesagt – „…wie in einem italienischen Bergdorf!“

Ich mochte die Stimmung hier auf Anhieb!

Wir waren deutlich zu früh zum Check-In, sind aber trotzdem im Hotel vorstellig geworden…

Die zum Hotel gehörige Bar mit Café
Der Frühstücksraum nebst Rezeption
Der Loungebereich

Man empfängt uns sehr höflich und begrüßt uns herzlich. Das Zimmer war leider noch nicht fertig, aber wir können die Tasche gerne abstellen und die Zeit genießen.

Da Sibylle bereits den Besuch der „fünf Bergdörfer am Fuße des Olymp“ als heutigen Tagesplan ausgerufen hatte, nahmen wir den Vorschlag an und setzten uns umgehend wieder auf das Motorrad – der erste Weg führte uns zum Touristenzentrum.

Und das hat seinen Namen mehr als verdient!

Unser Hotel liegt am Eingang der Enipeas Schlucht

Wir erreichen ein riesen Gebäude welches sehr modern anmutet. Eigentlich wollten wir ja nur eine Karte des Gebiets holen – aber uns wurde der Besuch des „Olymp-Museums“ sehr nahe gelegt – kostenlos!

Wir wollten das nicht ablehnen – und haben es nicht bereut!

Man geht auch räumlich vom Fuße des Olymp…
…wo man die Entwicklung der Dörfer zeigt…
…bis in die Gipfelregionen

Das Museum zeigt, in modernem Ambiente, sowohl Bilder aller Bewuchszonen als auch solche der Flora und Fauna der Olympregion. Der Olymp ist der Sitz der Götter – Sibylle meint ich müsse mich doch hier ohnehin wohlfühlen – ich denke nach, sie hat Recht!!!

Der höchste Gipfel des Olympensembles ist der Mytikas mit einer Höhe von 2.917m – er ist damit nur 45m niedriger als die Zugspitze!

Genug der Informationen – die Route ist festgelegt und in „Calimoto“ eingegeben – es verspricht eine Traumrunde mit rund 85km zu werden.

Ich starte „Calimoto“ – auf geht´s…

Von Litochoro runter an die Küste, 10km nach Süden und dann hoch auf rund 750m…
Das erste Bergdorf, Panteleimonas, war schon in Sicht – die Regenfront folgt uns
Panteleimonas gilt als sehenswert – wir stoppen und laufen in den Ort
Die Häuser – toll! Die Büdchen – ich überlege noch…
Sibylle will „den Ort erkunden“ – ich lass´ sie ziehen und suche eine Taverne auf – genau im richtigen Augenblick…
…denn die Front holt uns ein und hüllt den Ort in Wolken – es beginnt zu regnen

Ich habe schon ein paar Meze bestellt und mir eine Coke gekauft. Sibylle kommt durch die Türe, sie ist dem Wolkenbruch gerade noch entkommen! Auch sie bestellt eine Kleinigkeit – dann heißt es warten!

Wir mampfen unsere Meze, bestellen einen Kaffee, dann einen Kuchen – irgendwann sind wir satt und zufrieden, aber es regnet immer noch in Strömen – wir trinken Wasser und… warten!

Insgesamt sitzen wir lange zweieinhalb Stunden in der Taverne, dann starten wir unseren Notfallplan – wir haben Longsleeve und Sibylles neue Jacke dabei, der Regen lässt etwas nach und wir sehen zu, dass wir wieder ins Tal kommen. Eine Fahrt wie auf Eiern, überflutete Serpentinen und unsere nicht mehr optimale Bereifung, zwingen zu kaum mehr als Schritttempo. Wir werden nass, aber nicht durchnässt – und tatsächlich, bereits im Tal hört der Regen auf, unsere Kleidung trocknet während wir langsam nach Litochoro tuckern.

Noch wolkenverhangen, aber es regnet nicht mehr
Langsam und zum ersten Mal langärmelig, tuckern wir nach Litochoro

Dort ist unser Zimmer bezugsfertig! Wir checken ein und beziehend das Zimmer – wir freuen uns auf eine heiße Dusche und ein wenig relaxen, dann sieht die Welt schon anders aus.

Unser Bad – erstmal heiß duschen
Das Zimmer mit Balkon und Blick zum Olymp
Schön, es gefällt uns
Auch der „Sitz der Götter“ hängt heute in grauen Wolken

Nachdem wir uns eine kurze Pause gegönnt hatten, war es Zeit für einen Espresso für mich – es war noch Zeit bis zum Abendessen und Sibylle und ich mussten umplanen. Der Regen heute hat unsere Gesamtplanung verhagelt!

Wir setzten uns ins Café und beratschlagten…

Espresso Macchiato – wie in Italien
22°C am Dorfplatz – unsere Kleidung trocknet am Balkon
Auch die GS darf auf den Olymp schauen – für heute hat sie Pause

Wir sind uns einig – hier gefällt es uns! Und zwar so gut, dass wir auf den ausgefallenen Tag heute nicht verzichen wollen. Wir entschließen spontan, einen Tag in Litochoro anzuhängen und die geplante Fahrt von heute einfach auf morgen zu vertagen – die als „must have“ gesetzte Wanderung würden wir dann eben übermorgen machen.

Wir fragen an der Rezeption – ja, kein Problem! Super, gebongt, dann bleiben wir einen Tag länger!

Google schickt uns ins „Meze Meze“ zum Dinner. Top Bewertungen sprechen eine klare Sprache, das probieren wir aus – alles ist fußläufig erreichbar, währenddessen erkunden wir den Ort…

Das „Meze Meze“ – von Google und Tripadvisor ausgezeichnet
Wir sitzen an der offenen Fensterfront – innen herrscht Rauchverbot
Cooles Ambiente
Viel wichtiger – sehr gutes Essen
Am Heimweg kommen wir an der Kirche vorbei, es wird gerade eine Messe abgehalten
Die Glocken schlagen regelmäßig und deutlich vernehmbar!

An diesem Tag sind wir geschafft – unsere Szenerie hat komplett gewechselt, auch das Wetter ist zum ersten Mal seit Monaten wieder anders als sonnig – wir sind das nicht mehr gewohnt. Wir gönnen uns einen Ouzo als Absacker – den nehmen wir an der hoteleigenen Bar.

Gut sortiert und im rechten Licht

Dann heißt es „ab in die Falle“ – dennoch schlafen wir spät ein, denn Sibylle versucht aufgrund der angenehmen Temperaturen bei offenem Fenster zu schlafen – prinzipiell möglich, doch leider hört man dann die drei Lokale unten am Bach sehr deutlich. Ich nicht, denn ich schlafe IMMER mit Ohrenstöpsel.

Wir haben Pläne, so muss der Wecker ran und ich Sibylle aus ihren Träumen holen…

Guten Morgen, guten Morgen, guten Morgen Sonnenschein…

Nana Mouskouris Song galt im Wortsinn – nicht nur, dass MEIN Sonnenschein sich aus den Federn schält, nein auch Zeus selbst, der für das Wetter zuständige Gott, hat ein Einsehen und schickt Sonne für unsere heutige Motorradtour.

Die höchsten Gipfel von unserem Balkon
Mytikas (2.917m)

Wir sind, wie auch die nächsten Tage, die ersten im Frühstücksraum und betreten diesen um 08.30 Uhr – pünktlich wenn er öffnet. Wir wollen der „frühe Vogel“ sein, wir wollen den sprichwörtlichen Wurm! Dass dies ein wenig „deutsch“ ist, kümmert uns währenddessen, offen gesagt, überhaupt nicht!

Nach dem Frühstück packen wir den Rucksack und schwingen uns auf die BMW – ich starte die Runde – zur Erinnerung 83km – auf „Calimoto“…

Auf geht´s!

Sofort nach dem Ort führt unsere „Straße“ in den Wald
Die Route führt durch zauberhafte Landschaften
Führt auch über Stock und Stein – und ab und an durch´s Wasser
Wieder treffen wir auf Schildkröten – diesmal auf eine kleinere Sorte…
…bringen aber auch diese sicher auf die andere Straßenseite

Wir fahren den gleichen Weg wie gestern, nur abseits der Haupt-Verbindungsstraße. So kommen wir auch wieder nach Neo Panteleimonas, von wo aus wir den Küstenstrich verlassen und Richtung Berge fahren. Heute bietet sich ein fantastischer Blick Richtung Thessaloniki – über die Burg Platamonas weit in den Thermaischen Golf hinein.

Burg Platamonas
Die Straße schraubt sich hoch – wir machen Pausen für Mensch und Maschine

Der Einstieg in die Bergetappe war schon kurvig und fordernd – wir ahnten ja nicht, was noch kommen sollte! Der Tag wird seinen Platz als der schönste in meinem Motorradleben finden.

Wir passieren Panteleimonas, das Dorf welches wir gestern kurz vor dem Regen besucht haben – es bleibt heute rechts liegen. Unser nächstes Ziel heißt Ano Skotina.

Da sind wir schon
Wir parken die GS und stehen vor dem „Eingang zum Ort“
Treppen führen ins Ortszentrum
Die Häuser zeigen sich zwischen den Bäumen
Der Weg führt durch Kastanienwälder
Doch die Frucht wird kaum verarbeitet
Die uralte Kirche neben der Platane
Ein stattlicher Baum, dessen Schatten zur Rast einlädt
Schön, aber Sibylle hat sich mehr erwartet

In einem anderen Blog lesen wir von dem Dorfplatz an dem sich Menschen versammeln, wir lesen von einigen kleinen Bars und Tavernen die Erfrischungen ausschenken und denken somit zunächst, dass wir falsch sind. Aber die Wegbeschreibung und die Kirche an der alten Platane zeigen klar – wir sind richtig! Es muss sich viel verändert haben in den letzten Jahren…

Details an der alten Kirche
Wir sehen uns um und genießen die Ruhe, den Ausblick und die Stimmung
Die Natur begeistert uns immer wieder

Dann aber setzen wir unsere Fahrt über eine kurvige Bergstraße fort, sie führt kilometerlang durch einen schattigen Laubwald und endet auf einer Hochebene.

Immer wieder der Blick auf´s Meer
Wir beide genießen die Fahrt
An der Hochebene gabelt sich die Straße, wir müssen zurück ans Meer – nach rechts

Die Route geht mit dem gleichen Flow weiter – viele Kurven, aber nicht anstrengend zu fahren, eine perfekte Straße. Das wissen auch andere, hin und wieder treffen wir weitere Motrradfahrer.

Wir stoppen oft, um Bilder zu machen – die Fahrt begeistert und fasziniert uns beide. Doch das Highlight sollte noch kommen.

Fotostop und Pause für den Rücken
Wir haben den zweiten Tausenderdurchlauf und sind bisher 1450 (+75) Kilometer gefahren

Uns wird bewusst, dass wir schon die 1.500km Marke durchbrochen hatten, die Tour würde wesentlich länger als gedacht – aber es machte uns jeden Tag auf´s Neue Spaß. Ja, machen ist wie wollen, nur krasser!

Weiter geht´s!

Die Eindrücke reißen nicht ab – wir sehen woher wir kamen…
…und realisieren langsam was kommt!
Äh, kann das stimmen???

Natürlich werde ich erst am Abend in Google nachsehen, was für eine Straße wir gefahren sind – aber jetzt lag sie vor uns, die „Leptokarya Serpentine Road“ mit sage und schreibe 38 Kehren. Ich wusste natürlich nicht, dass die Straße bekannt und überall im Netz zu finden ist – bediene mich aber jetzt gerne der Fotos aus dem Internet, da diese besser sind als ich es je hätte festhalten können…

Es gibt Videos auf YouTube
So sieht in etwa meine Perspektive aus
Und natürlich kennt auch Google Maps die Straße

An das Stilfser Joch reicht der griechische Ableger nicht ran – aber der Zufall wollte es, dass ein Freund von uns exakt an diesem Tag am Stilfser Joch war , wir haben abends Fotos und Infos ausgetauscht.

Seine Info an mich war – „…wir sind auf halber Passhöhe umgedreht, weil vor jeder Kurve ein Stau wegen der Radfahrer war, es war zu voll!“

Meine Antwort – „…wir waren alleine auf der Straße – ach Max, weißt Du woran man den glücklichen Motorradfahrer erkennt?“

Er wusste es – an den Fliegen zwischen den Zähnen! Kann mir jemand einen Zahnstocher bringen??? 😉

Der Vollständigkeit halber – das „Magnetic Field“ haben wir nicht entdeckt. Mich hätte es brennend interessiert – aber die schlechte griechische Beschilderung hat mich zweimal vorbeifahren lassen, es war mir nicht wert umzudrehen – macht euch selber ein Bild…

Wir fahren unsere Runde zu Ende und kommen erschöpft in Litochoro an – wir wollen uns noch etwas die Beine vertreten und nachsehen, woher die Musik der letzten Nacht kam. Wir gingen daher die paar Schritte zum Bachlauf hinter unserem Hotel.

Drei Bars und Cafés auf der anderen Bachseite
Ist aber auch schön hier – hier trifft sich die Jugend am Abend
Wir genießen die Natur und trinken ein Bier in einer der Bars

Nach unserem Drink gehen wir ins Hotel, relaxen ein wenig und duschen uns. Es war ein herrlicher Motorradtag und die Eindrücke waren gewaltig – es hat auch Sibylle gefallen! Ich mache mir die Mühe und werte ihn aus…

„Calimoto“ zeigt uns den Track…
…und die dynamischen Fahrdaten

Die Fahrdaten zeigen, wir sind entspannt unterwegs. Wir werden auch regelmäßig von sportlichen Racebikes überholt, sind dabei aber schneller als jedes normale Auto. Sibylle schlägt sich wacker!

Wir wollen uns mit einem guten Abendessen belohnen, haben aber nicht schon wieder Lust auf griechisch – Google hilft und empfiehlt eine Pizzeria.

Wir sitzen innen – klimatisiert und keine Raucher
Sowohl Salat als auch die Pizza waren super

Was meckert der Mario denn jetzt wieder an den Rauchern rum??? Liebe Freunde des Tabakqualms und der elektrisch betriebenen Zigarette – ihr müsst jetzt sehr stark sein!

Ich will offen sagen, es ist mir lang nicht mehr so aufgefallen wie auf dieser Fahrt, wieviele Menschen, Urlauber oder Griechen, sich doch noch dem Genuss des Rauchens hingeben. DAS ist mir eigentlich egal und ich hebe weder den Zeigefinger noch versuche ich zu bekehren – auch Freundschaften würde ich nicht gefährden wollen – ABER…

Gepaart mit einer sich verbreitenden Rücksichtslosigkeit, stelle ich fest, dass es vielerorts nicht mehr möglich war, ein Eis, ein Stück Kuchen oder gar seine Mahlzeit zu essen, ohne dass der Qualm einem in die Nase zieht. Das ist ekelhaft!

Dort wo Rauchen erlaubt ist, bin ich bereit auszuweichen wenn ich kann. Ist dies aber nicht möglich, würde ich mir etwas Rücksichtnahme erwarten – wo gegessen wird, muss nicht geraucht werden – der Mief fliegt durch die Luft, auch draußen, er bleibt nicht am Tisch der Raucher stehen.

Manchmal war es zum Verrücktwerden – Menschen, die während sie kauen an der Kippe ziehen und ihren Rauch dann zu mir blasen – ja geht´s noch? Ich merke wie ich intoleranter werde. Bitte liebe Raucher – nehmt in Speiselokalen Rücksicht, auch im Außenbereich! Das gibt es, das geht und wird in seltenen Fällen von rücksichtsvollen Menschen praktiziert, wir Nichtraucher danken es euch…

Zurück zum Thema – wir waren satt, erschöpft und glücklich! Zeit für die Nachtruhe!

Neuer Morgen, neues Glück – Wandertag! Der beginnt mit einem Frühstück um Punkt 08.30 Uhr – ihr erinnert euch an den frühen Vogel???

Das Buffet ist eröffnet
Sibylle & Mario sind schon da

Sibylle hat eine Wanderstrecke ausgesucht, welche wir mangels Pendelbus mit dem Motorrad anfahren müssen. Es ist keine Überraschung, dass auch hier eine 18km lange Passstraße hinaufführt – wir sammeln abermals ein paar Kurven.

Unser Startpunkt würde das „Alte Kloster von Agios Dionysios“ sein, von dort wandern wir die Enipeas Schlucht bergauf bis wir das „Rifugio Priónia“ erreichen. Auf dem Weg soll es Wasserfälle und Gumpen geben. Ich bin neugierig und gespannt!

Um den Ausflugsgruppen auszuweichen beschließen wir, dass wir vor den Ankunftszeiten der Ausflugsbusse aus z.B. Thessaloniki, mit der GS zum Kloster fahren würden – von dort legen wir los und laufen vor allen Gruppen her. Oben am Rifugio trinken wir etwas und gehen dann zurück! Insgesamt sollten so rund 12km zusammenkommen.

Wir fahren los, genießen die Fahrt auf der kurvigen Passstraße und erreichen den Parkplatz des Klosters. Ich bin der ERSTE und stelle die GS alleine an den Parkplatzrand! Wir finden den Einstieg und wandern los…

Sibylle voraus – wie immer! Der Weg ist sehr schön angelegt
Immer schattig, der Weg gut markiert
Dazwischen gibt es unwegsames Gelände
Bald kommen wir zum Wasserfall
Ich empfinde es wie aus einer Filmkulisse – wir sind mutterseelenalleine
Rein in die Badebuxe
Langsame Annäherung – schon frisch
Dann musste es schnell gehen – maximal 9°C

Sibylle schaut an mir herunter und fragt süffisant „…ob das Wasser denn wirklich soooo kalt wäre???“ Na warte, ich schubs´ Dich gleich rein – sie selbst kneift nämlich, sie wolle sich nicht verkälten…

Probier´s halt aus – „neee lieber nicht!“

Jaaa! Es war seeehr kalt – aber es war auch toll! Ganz alleine eine so schöne Gumpe im Herzen Griechenlands genießen. Ganz nahe am Haus der Götter! Ich fühle mich pudelwohl. Schade nur, dass es für eine Wasserfalldusche echt zu frisch war – diese wäre einladend gewesen!

Einfach nur schön!

Wir gehen weiter, sehen uns um, schauen nach links und rechts und genießen die Natur.

Ein Schauspiel
Gut angelegter und markierter Weg
Ist auch ein Teil des Fernwanderweges E4

Wir gehen nicht irgendeinen Pfad in Griechenland – Wikipedia beschreibt unsere Wahl wie folgt…

„Der E4 ist der längste Wanderweg in Europa und verläuft von Gibraltar zu den Alpen und über den Balkan nach Griechenland und Zypern…“

Na wenn das nix ist!

Beeindruckende Felskulissen
Sibylle trackt nebenbei mit „Mapsme“
Brücken führen über kleine Schluchten
Wir entdecken weitere Gumpen – und sind immer noch alleine
Verlockend – aber ich bade nicht noch einmal
Auch Sibylle fotografiert fleißig
Ich warte derweil auf den Weitermarsch
Trägt die mich? Tut sie!!!
Das Ziel vor Augen – im Hintergrund parken die Autos
Das erschlägt mich und den Moment – alle diese Menschen werden sich nachher auf unseren Weg begeben

Unser Kalkül ging auf – wir hatten den gesamten Anmarsch, den gesamten Anstieg zum Rifugio, unsere Ruhe. Wir hatten den Weg, den Wasserfall und die Gumpe für uns – ab jetzt werden wir unsere Eindrücke teilen müssen…

Rifugio Priónia – 1.100m über dem Meeresspiegel
Das Hütterl ist nett, wir trinken eine Brause

Nach einer kurzen Pause und einem Erfrischungsgetränk machen wir uns auf den Rückweg – es würde der gleiche sein, wir müssen zu unserem Motorrad zurück. Eine Runde bot sich innerhalb der Schlucht nicht an.

Wir gehen den gleichenWeg zurück – trotzdem haben wir andere Blickwinkel…
…zudem ist der Weg bergab weniger beschwerlich
Ein weiteres Mal genießen wir den Weg durch die Natur

Erfreulicher Weise war der Weg auch diesmal nicht überfüllt. Es sind uns zwar stetig Wanderer entgegen gekommen, dennoch wurde die Ruhe niemals gestört. Die Gumpen waren natürlich gut besucht, aber das musste uns nicht ärgern.

Als wir zum Motorrad zurück kommen, traue ich meinen Augen kaum. Der Parkplatz an dem ich morgens die GS alleine zurückließ, war bis auf den letzten Platz gefüllt. Autofahrer kreisten, um eine Lücke zu finden oder drängten sich an den Rand – natürlich war mein Mopped knapp eingeparkt, das kommt auf den Bildern nie so rüber, aber wir konnten unser treues Vehikel befreien…

Ja, passt schon…
Alles voll…

Ich kippe mein Bike also in die aufrechte Position, dies bringt mich dem kleinen roten Flitzer recht nahe, dann zirkle ich es rückwärts durch die Lücke die mir der Quadpilot gelassen hat – das geht so, nachdem ich etwas Abstand zum Wagen bekommen hatte. Ich stelle das Bike ab um mir und Sibylle die Gelegenheit zu geben uns fahrfertig zu machen und die Helme aufzusetzen – in diesen zwei Minuten parken schon weitere Bikes links und rechts von mir.

Nix wie weg hier…

Kaum waren wir wieder auf der Straße, waren wir wieder alleine

Seit einigen Tagen merke ich beim Bergabfahren im Schiebebetrieb ein Rasseln. Es beunruhigt mich nicht, denn ich weiß, dass dieses Geräusch von der Kette kommt, welche etwas zu locker ist und deshalb auf die Hinterradschwinge schlägt. Trotzdem nervt es, es behindert eine optimale Bergabfahrt und ich habe geringe Sorge, dass die Kette vom Ritzel springen könnte.

Wir passieren den Motorradladen am Ortsausgang von Litochoro…

Gut sortierter Shop mit angeschlossener Werkstatt

Ich bremse ab, wende kurzentschlossen und frage nach, ob man uns nicht die Kette nachspannen könnte. Die Jungs zögern erst, sehen dann mein griechisches Nummernschild, fragen in gebrochenem Englisch woher ich komme und freuen sich über meine Geschichte. NATÜRLICH können sie die Kette spannen und bei der Gelegenheit auch gleich reinigen und schmieren.

Perfekt – die Fahrt kann weitergehen, jetzt läuft alles wie geschmiert!

Ich bin happy, zufrieden mit mir und der Welt und belohne mich mit einem Eis.

Eis und Cappucchino in Litochoro – sehr gut!

Wir gehen zurück zu unserem Hotel. Wieder passieren wir die schöne Kirche, in der fast jeden Abend ein gut besuchter Gottesdienst abgehalten wird – tagsüber strahlt die Kirche eher Ruhe aus, der Ort döst bis die Besucher am Abend aus den Wandergebieten zurück kommen.

Das Portal der Kirche

Sibylle möchte sich noch etwas die Beine vertreten und die Geschäfte des Ortes ansehen. Ich möchte ausspannen und ein Bier trinken – für eine Stunde trennen sich unsere Wege. Sie zieht von dannen und ich setze mich und bestelle eine kühle Halbe…

Da sitz ich nun, ich armer Thor…

Wie geht es nun weiter, ich meine generell??? Die Gedanken zermartern mein Gehirn. Im Blogbericht des letzten Monats habe ich versucht zu beschreiben, warum das selbstgewählte Scheitern unserer Weltumsegelung uns so aus dem Gleichgewicht bringt – es müssen viele Fragen neu beantwortet werden, ein neuer Lebensplan muss her. Dabei darf nicht vergessen werden, dass Entscheidungen zu einem Thema sich sofort auf andere Fragestellungen auswirken – all´ unsere Zukunftspläne stehen in einer gewissen Abhängigkeit zueinander. Dies nur kurz zur Auffrischung…

Ich hatte aufgezeigt, dass verschiedene Modelle denkbar sind, der Verkauf von NESSAJA muss genauso auf den Prüfstand wie meine etwaige Rückkehr ins Berufsleben. Daraufhin hatte ich mich beworben.

Was ist daraus geworden? Nun, ich habe viel überlegt und auch mit den ehemaligen Berufskollegen des infrage kommenden Unternehmens telefoniert – wir kennen uns gut, ich wusste was mich erwartet. Afrika wäre mein Kontinent geworden, ich hätte wieder viele Flugsegmente sammeln dürfen.

Während ich hier sitze und mein Bier trinke beschließe ich, dass ich das nicht mehr möchte. Ich will meine Prinzipien nicht verraten! Ich setze mich hin und verfasse ein Mail, ich sage das für morgen vereinbarte Videotelefonat ab und ziehe meine Bewerbung zurück. Wir müssen die Option einer Rückkehr in meinen alten Job von der Liste nehmen…

Sibylle kommt zurück, ich informiere sie über meine Entscheidung – es macht den Eindruck, dass sie froh ist…

Wir finden eine andere Lösung

Wir diskutieren noch ein bisschen, sprechen uns Mut zu und stärken uns in dem Glauben, dass wir die optimale Lösung schon noch finden werden. Dann gehen wir wieder in das „Pizza & Pasta“ um dort zu essen. Gestern hat es uns sehr gut geschmeckt. Nach der gestrigen Pizza soll es heute Pasta geben.

Den Abend runden wir mit einem Ouzo als Absacker ab und hängen noch ein wenig unseren Gedanken nach – am Ende des Monatsblogs werde ich euch den momentanen Stand der Dinge wissen lassen.

Noch ein Ouzo – dann ist Bettruhe

Zurück zu unserer Reise – jetzt schon kann ich verraten, dass Litochoro und das Gebiet um den Olymp unser „Overall Winner“ der Tour werden wird. Exorbitant schöne Motorradstrecken in einsamen Gegenden, ein tolles Wandergebiet, wunderschöne Dörfer, ein gepflegter Tourismus. Das alles gepaart mit einer schönen Unterkunft, gutem und günstigem Essen in dem sehr einladenden Dorf Litochoro – CONGRATULATIONS!

Doch das wussten wir jetzt noch nicht – wir beginnen den neuen Tag wieder pünktlich um 08.30 Uhr. Wieder steht uns ein langer Biketag bevor, denn wir fahren heute nach Kalambaka am Fuße der Meteora Klöster. Sie sind unser nächstes Etappenziel.

Den Fahrer betanken!

Beim Frühstück machen wir die Feinplanung der Route, in diesem Gebiet natürlich mit „Calimoto“! Es werden 171km ausgegeben – und wir stellen fest, dass wir noch einmal die „Leptokarya Serpentine Road“ fahren dürfen. Diesmal bergauf bis zur Hochebene, dann werden wir Richtung Larissa abbiegen, um später die Straße nach Kalambaka zu wählen.

Ich starte „Calimoto“ – und ihr wisst was kommt – „LOS GEHT´S!

Wir fahren die 38 Kehren der „Serpentine Road“ nach oben
Fahren an der Hochebene Richtung Larissa – man kann die Straße erkennen
Später dann auf einsamen Straßen Richtung Kalambaka

Wir fahren während der ganzen Tour geschätzte 98% auf geteerten Straßen oder Betonwegen. Meist sind die Straßen schmal aber sehr wenig befahren, die Belagqualität ist in der Regel außerordentlich gut.

Auf solchen Sträßchen geht´s dahin

Manchmal gibt es aber ein Routing, welches den Puls etwas nach oben treibt und für kurze Adrenalinschübe sorgt.

So zum Beispiel, als wir eine perfekte und neu geteerte Straße fahren und auf einmal vor einer baufälligen und auch gesperrten Brücke stehen. Was nun??? Mit dem PKW bleibt nur umdrehen, mit der GS tasten wir uns langsam drüber – um am anderen Ende auf perfektem Teer weiter zu fahren…

…aber nicht lange! Nach etwa 3km ist der neue Teer weg und eine Kies- bzw. Schotterpiste bleibt. Wir setzen die Fahrt fort und vertrauen – „Calimoto“ scheint sich sicher zu sein! Rund 15km rattern wir über das holprige Band, erleben Verwunderliches…

Wir warten bis die Beiden die Piste überquert haben
Die hintere zwickt die vordere stetig – so wie Sibylle mich

…sehen aber auch Bedrückendes. Entlang der unbefestigten Straße ist ein Bauernhof nach dem anderen – aber nicht so wie wir das kennen! Es sind Höfe aus Wellblech, welches wild aneinandergeschustert ist, „Wellblechverschläge“ im Wortsinn! Die Gegend ist ärmlich, die Menschen leben in einfachsten Verhältnissen. Auch das ist UNSER Griechenland!

Zurück auf der Straße, haben wir das erste und einzige Mal auf unserer Reise ein kleines technisches Problem. Nach der Schotterpassage, die ich ziemlich untertourig und mit wenig Kühlluft gefahren bin, nahm das Bike nicht mehr richtig Gas an. Ich stoppte und sah mir das einmal an.

Hm, nix zu sehen

Wir sind das Risiko eingegangen, den Motor auszuschalten und ihn etwas abkühlen zu lassen. Ich wackelte an den Steckern und machte eine Sichtkontrolle – mehr konnte ich nicht tun!

Nach dem Neustart, zum Glück sprang sie sofort wieder an, gab es einmal ein lautes und beunruhigendes Pfeifen oder Heulen, ab da lief sie wieder normal, bis heute…

Ich frage nicht – Selbstheilung vermutlich???

Etwa eine Stunde später erreichen wir Kalambaka. Was wir dort zu sehen bekommen flasht mich – der Wahnsinn!

Kalambaka liegt am Fuße der Rückseite der Klosterfelsen
Wir fahren ins Ortszentrum und parken unsere GS bei den anderen Tourenbikes

Klar, wir trinken eine Kleinigkeit und lassen den Blick schweifen – auch Kalambaka ist ein netter Ort und sehenswert, es gibt viele Details zu entdecken – aber „über Allem“ stehen die Klöster! Und das kann man wörtlich nehmen…

Moderne Bars und Vintage-Werbeträger
Die Rückseite der Felsen – die Klöster sieht man trotzdem

Wir sind erschöpft und matt – heute gibt es keinen weiteren Plan, der Tag gehört Kalambaka. Aber zunächst suchen wir unsere Airbnb Wohnung und checken ein, dann stellen wir das Mopped ab, dann beschäftigen wir uns mit dem Ort. Gedacht – gemacht…

Mit Google Maps finden wir unsere Herberge – die Lage ist optimal
Drei Stockwerke – unseres ist das untere. Die GS steht gut
Unser Balkon vor der Wohnung…
…bereits hier haben wir einen herrlichen Ausblick
Die Wohnung war super – für Sibylle der Wohnungssieger
Voll ausgerüstet
Hell und modern
Angenehme Dusche
Schönes Bad
Unser Hauptbalkon – direkt an den Klosterfelsen
Die Aussicht war toll

Super! Das hat schonmal perfekt geklappt, hier werden wir uns wohlfühlen. Wir machen uns breit, duschen und ruhen etwas aus – dann gehen wir zurück in den Ort.

Wir gehen einmal die Hauptstraße rauf und runter, so bekommen wir einen Überblick. Dann suchen wir uns ein Café und gehen in die Feinplanung. Sibylle hat inzwischen in der Touri-Info eine Karte der Gegend beschafft.

Der ganze Ort liegt den berühmten Felsen zu Füßen
Wir finden auf Anhieb einen Eissalon und gönnen uns von der süßen Köstlichkeit
Dann setzen wir uns in die Bar am quirligen Platz – um zu beobachten…
…und den morgigen Tag zu planen

Die Entscheidung für das heutige Dinner wird uns durch die allwissende Suchmaschine leicht gemacht – gemäß der Bewertungen gibt es einen klaren Spitzenreiter. Keine Frage, dass wir sofort dorthin gehen.

Und wir werden nicht enttäuscht!

Das „Fortounis“ – authentische, griechische Küche
Wir bestellen einen Ouzo als Aperitiv – und bekommen Meze dazu
Ich lasse noch Politiki Kebab folgen
Sibylle isst einen Salat und teilt mit mir die Gigantes

Kurze Zeit später muss ich das Abendessen doch ein wenig bereuen, denn wir müssen die Rampe zu unserer Wohnung hinauf. Ich fluche und schwitze – hilft alles nix.

Da geht´s nauf
Nach Einbruch der Dunkelheit werden wir mit einem Panoramaview verwöhnt

Der Folgetag sollte ganz im Zeichen der Klöster stehen. Das größte Kloster „Megalo Meteora“ öffnet um 09.00 Uhr, so sagt es das Internet, wir stellen uns also den Wecker auf 07.30 Uhr, fahren in den Ort und suchen uns einen Bäcker um dort zu frühstücken.

Gebäck vom Bäcker nebenan, den Cappucchino im Café am Platze – durchaus üblich und geduldet

Nach dem Frühstück steigen wir auf unsere GS und fahren rund 10km auf die Rückseite der Felsformationen, dort beginnt die Straße hinauf zu den bekannten Klöstern.

Auf dem Weg dorthin hatten wir schon erste Eindrücke bekommen…

Die kleinen Klöster sind Vorboten für das was noch kommt
Sie säumen die Straße auf dem Weg zu den berühmten Schwestern…
…und sind in alle Richtungen verteilt
Die Details überwältigen

Nach ein paar Kurven erreichen wir die ersten der Hauptklöster welche sich an einer Art „Verbindungsstraße“ aufreihen. Unser Plan ist, zuerst zu „Megalo Meteora“ zu fahren, dies zu besuchen und von dort aus eines nach dem anderen abzufahren. Sibylle wollte „zwei oder drei“ von innen ansehen. Wir haben damit gerechnet, die ersten Besucher in der Schlange zu sein…

Ein erster Blick auf Ιερά Μονή Βαρλαάμ – das Kloster Vaarlam

Uns beeindrucken nicht nur die Klöster, sondern die Landschaft insgesamt – es ist unfassbar, welche Monumente und Skulpturen die Natur hier geschaffen hat – und wie der Mensch dieser Umgebung mit der Kraft seiner Hände und rudimentären Werkzeuges, Raum für diese Bauten abringen konnte!

Bizarre Felsformationen
Überall ragen die Zinnen aus dem Boden

Wir haben hunderte von Bildern gemacht, als wir die Klöster abfuhren – hier ein paar Eindrücke – so gut, wie ein Foto eben den realen Blick ersetzen kann…

Vaarlam von der anderen Seite
Vaarlam von Megalo Meteora aus – im Hintergrund die Straße
Ιερά Μονή Μεγάλου Μετεώρου – Megalo Meteora
Perspektive von der Besucherplattform
Die Versorgung der Mönche wird mit kleinen Gondeln sicher gestellt
Die Gondeln sind für den Transport von Menschen nicht zugelassen
Schwindelerregend

Sibylle möchte das Kloster von innen besichtigen. Ich dagegen bin so begeistert von dem Eindruck den ich von außen erlange, ich will meinen Kopf nicht mit den Bildern von innen überfrachten – wir trennen uns, Sibylle stellt sich auf der Treppe an…

Könnt ihr sie finden???

Von dort aus hat sie andere Perspektiven. Sie gibt mir später ihre Bilder welche sie von außen und innen machen konnte.

Andere Perspektive auf Vaarlam
Megalo Meteora von innen
Megalo Meteora – ehemalige Küche
Megalo Meteora – Wohnhaus Innenhof
Megalo Meteora – Kirche (nicht öffentlich)
Megalo Meteora – Innenhof

Leider hat sich das allwissende Internet getäuscht. Das Kloster öffnet erst um 09.30 Uhr! Während Sibylle also ansteht und wartet merke ich, dass immer mehr Touristen auf den Parkplatz kommen. Auch Reisebusse treffen inzwischen ein. Ich nehme wahr, dass die Stimmung mehr und mehr ins Touristische abgleitet und auch die Bilder die ich mit den Augen erfasse, verändern ihren Charakter.

Ich beschließe kurzerhand, dass ich die geschätzte halbe Stunde von Sibylles Abwesenheit nutzen werde, um mit dem Motorrad die Verbindungsstraße einmal auf und ab zu fahren. Ich bekomme so die Gelegenheit, von allen Klöstern Fotos zu machen BEVOR die Touristen und deren Zubringerbusse davor und damit im Bild stehen.

Hier MEINE Eindrücke…

Vaarlam und Megalo Meteora auf einem Bild
Ιερά Μονή Ρουσάνου – Rousanou Kloster
Ιερά Μονή Αγίας Τριάδος – Kloster der Heiligen Dreifaltigkeit
Hier aus einer anderen Perspektive – bekannt aus dem James Bond „In tödlicher Mission“ aus dem Jahr 1981
Last not least – Ιερά Μονή Αγίου Στεφάνου – Kloster St. Stephan, das Frauenkloster

Ich hatte meine Bilder im Kasten und meine Eindrücke gesammelt – ich wendete und fuhr zurück zu „Grand Meteora“, dem größten der Klöster, wo sich immer noch meine Gattin aufhielt.

Die Fahrt entlang der Klöster war faszinierend

Ich erzählte Sibylle von meiner Tat und davon, dass ich nun bereits sehr gute Bilder von allen Klöstern hätte. Das war für uns Garant für eine entspannte Weiterfahrt – denn auch Sibylle wollte natürlich alle Klöster sehen, aber so konnten wir uns ausschließlich auf das konzentrieren was wir „visuell aufsaugten“, was unsere Augen erfassen konnten.

Blick ins Tal – Kalambaka
Noch einmal Vaarlam mit der Straße im Hintergrund – eine atemberaubende Totale
Vier auf einem Streich – Rousanou, St. Nikolaos Anapavsas, Megalo Meteora und Vaarlam (v.l.n.r.)
Was für ein Panorama
Noch einmal das „Bond Kloster“ – Sibylle möchte DAS noch von innen sehen
Agios Triadas – Klostergarten
Agios Triadas – Innenhof mit alten Gerätschaften
Agios Triadas – Außenanlagen
Agios Triadas – Nebengebäude

Nachdem Sibylle von ihrem Besuch in Agios Triadas zurück war, setzten wir unsere Fahrt fort. Weiter genossen wir die Panoramen, welche sich von hier oben boten und freuten uns auf unser nächstes und letztes Ziel, das Frauenkloster „Agios St. Stefanos“, welches aber leider am Montag geschlossen war.

Spektakulärer Blick nach Kalambaka – da unten ist irgendwo unsere Wohnung
Frauenkloster Agios Stefanos – eigentlich wollte Sibylle da noch rein – ist aber an Montagen geschlossen

Wow! Das war unbeschreiblich! Diese Klöster gehören zu Recht zum UNESCO Weltkulturerbe, da gibt es kein Rütteln. Die Klöster haben uns nachhaltig beeindruckt – der Sieg in der Kategorie „Für sich betrachtet“, geht auf unserer Reise an die Meteora Klöster. Sie sind eine „once a lifetime experience“, also der große Einzelsieger!

Sibylle hält stolz ihre Eintrittskarten in den Händen…

Ich war da!

Es war noch genug Tag übrig, um eine Restplanung folgen zu lassen. Sibylle mahnte eine Rasur an, mein Bart gehöre gestutzt – ich könne „doch schnell in den Barbershop gehen!“ Nun, sie hat nicht unrecht!

Ein bisschen Wildwuchs ist zu sehen – nicht zu leugnen

Ich gehe also in Barbershop, frage nach, ob es möglich sei mir den Bart zu stutzen und entschließe sehr spontan, dass ein Haarschnitt bei der Gelegenheit gleich miterledigt werden könnte.

Wir müssen etwa eine halbe Stunde warten. Währenddessen sehe ich mich um, die Werbetafeln im Salon signalisieren, dass man sein Handwerk versteht – ich scheine eine gute Wahl getroffen zu haben…

Hier bin ich gut aufgehoben
15.-€ später das Ergebnis – offen gesagt, das kann meine Sibylle genausogut

Sibylle hat in einem anderen Reiseblog von den alten „Eremitagen“ in der Nähe des Nachbarortes Kastraki gelesen. Die wolle sie gerne noch besichtigen. Da ihr Befehl mein Wunsch ist, starte ich unseren Boliden und nehme Kurs auf die westliche Ecke der Meteorafelsen.

Hinter Kastraki sollen die Eremitagen zu finden sein
Schon bald erreichen wir unser Ziel, erste kleinere und gemauerte Einsiedeleien sind zu sehen

Wir parken das Motorrad und gehen einen kurzen Schotterweg bergauf. Hier gibt es ein kleines Kirchlein mit einer Einkehr, an den Felsen rundherum entdeckt man die Einsiedeleien. Es gibt gemauerte Rückzugsorte aller Größen, aber auch die verwegenen und kargen Plätze der Eremiten, die wie „Balkone an den Felsen kleben – auch das ein sehr beeindruckendes Bild.

Die größte in den Fels gemauerte Eremitage
Von Weitem erkennen wir die balkonartigen Rückzugsorte der Eremiten…
…welche abenteuerlich vor die Höhlen gezimmert wurden
Noch ein, in den Fels gemauertes, Bauwerk

In der Region Meteora ist noch eine weitere Straße, welche wir noch nicht befahren haben. Sie führt zu einer Ansiedlung mit einer Taverne recht weit oben in den Bergen. Wir sind neugierig und wollen auch diesen „Schlenker“ noch mitnehmen.

Wir fahren die kurvige Straße nach oben, der Tankanzeiger springt auf Reserve – aber das schaffen wir noch. Wir erreichen das Ziel, welches aber weniger spektakulär ausfällt als erwartet – trotzdem gönnen wir uns einen Mittagssnack.

Die Straße zieht sich nach oben – wieder kreuzen Schildkröten unseren Weg
Sibylle weiß was zu tun ist…
…immer in Richtung des Kopfes über die Straße bringen

In der Taverne angekommen überfällt mich der Hunger – ich studiere die Speisekarte. Hm, ob ich hier wirklich etwas essen soll? Die offerierten „Frittierten Ureinwohner Australiens“ wecken zwar mein Interesse, nicht jedoch meinen Appetit… 😉

Ich fand´s witzig…
…wir entscheiden uns für lokale Würste, wir wollten mal probieren

Zurück nach Kalambaka tuckern wir sehr gemütlich, es geht ja lang und entspannt bergab. Trotzdem müssen wir gleich nach unserer Rückkehr im Tal tanken. Wir befüllen die GS, es passen rund 10 Liter rein. Unsere Reichweite mit einer Tankfüllung beträgt rund 250 – 300km. Ich stelle den Tacho auf Null und prüfe kurz die insgesamt gefahrene Strecke.

1.748km plus 75km -> wir sind jenseits der 1.800km Marke

Unser Freund Max hält zur Zeit stetigen Kontakt, er ist als Motorradfahrer sehr an unserer Tour interessiert. Als er hört, dass wir in Kalambaka sind, schreibt er, dass die Köchin des griechischen Restaurants in Holzkirchen eine Freundin sei und sich in Kalambaka selbstständig gemacht hat – wir könnten sie besuchen und Grüße bestellen.

Das finden wir einen witzigen Zufall und beschließen – heute essen wir dort. Google meint, dass das Lokal gleich um die Ecke ist…

2 Minuten, da gehen wir hin!
Aber leider war geschlossen – das wird heute nix

In Ermangelung einer besseren Idee und getrieben durch die Lust auf ein anderes Essen als griechische Meze, bitten wir Google um Hilfe. Das Ergebnis ist eindeutig – das beste nichtgriechische Lokal wäre das „Diner“, welches wir schon bei unserer Ankunft einladend fanden – dann eben dort!

Mischung zwischen hipper Bar und American Diner
Erstmal was trinken – zum Essen bestellen wir uns Burger
Pommes und Burger – echt lecker! Wir schlemmen…

Tags darauf heißt es Abschied nehmen. Nicht nur von Kalambaka mit den beeindruckenden Klöstern, auch von den Bergregionen, welche uns so positiv überrascht haben. Unser nächstes Ziel liegt wieder am Meer, es geht zurück an die Küste. Ich habe Volos ins Navigationssystem eingegeben,

Wir packen das Motorrad und checken aus…

Ready to go

Vor uns liegt nochmal ein „dicker Brocken“. Die Strecke nach Volos wird mit knapp unter 200km noch ein letzter „Zieher“ – danach werden die Distanzen stetig kürzer.

Dazu kommt, dass es auch keine wirklich „schöne“ Route nach Volos gibt. Alle Routen führen über Larissa zum bekannten Golf. Wir entscheiden, dass heute „Google Maps“ das Kommando übernehmen darf, Autobahnen klammern wir aber aus.

Weil wir wissen, dass die Fahrt auf der Hauptverbindungsstraße nicht zu den Highlights der Tour gehören wird, stärken wir uns heute mit einem „echten Frühstück“ in einem Café – unsere Wahl fällt auf das schöne „Feel the Rocks“.

Hier bestellen wir uns einen Cappucchino und ein Sandwich…
…und gönnen und teilen uns dann noch Pancakes

Wir sind bei Kräften, so kann (fast) nix mehr schiefgehen. Wir starten unsere Fahrt und versuchen die Strecke so gut wie möglich abzuspulen – trotzdem haben wir ein Auge für die Details…

Wieder ein Storchennest auf einer Kirche

Da Larissa ziemlich die Halbzeit der Fahrt darstellt, entscheiden wir in der Fußgängerzone ein Cola zu trinken. So bekommen wir auch von dieser Stadt einen kleinen Eindruck. Es war schön, aber nicht so nachhaltig, dass wir Bilder gemacht hätten.

Wir wollten nur noch in Volos ankommen! Noch 100km, noch eineinhalb Stunden – dann waren wir endlich da!

Ich stelle die GS vorläufig ab – gegenüber des Eingangs unserer Airbnb- Wohnung

Es ist immer etwas ernüchternd in die Städte zu kommen. Alles ist etwas marode, es ist warm und stickig. Wir stehen vor dem Eingang zu unserer Airbnb Wohnung – kein Zweifel das ist es. Es kostet Energie, nach der Top-Wohnung in Kalambaka, hier etwas Schönes und Einladendes zu entdecken.

Trotzdem, wir wollen uns nicht runterziehen lassen und checken erstmal ein – na also, soooo schlecht ist es nun nicht!

Klein, aber alles da
Sauber und liebevoll hergerichtet
Wir bleiben nur eine Nacht
Home is where your Phone knows the WIFI
Eingecheckt über Keybox und WhatsApp, alles Wissenswerte steht am Kühlschrank

Der eintägige Kurzstop in Volos geht auf meine Kappe. Wir waren uns einig, in diese Region zu wollen, auch darin, dass wir nicht mehrere Nächte in der Stadt untergebracht sein wollen – warum dann doch eine Nacht im Zentrum?

Nun, weil ich sehr viel über die ausgeprägte „Tzipouro & Meze“ Kultur in Volos gelesen habe und dies ausprobieren und erleben wollte. Nirgends würden so viele und gute Meze gereicht wenn man Tsipouro bestellen würde, es käme einer Mahlzeit gleich, man muss nur trinkfest sein.

Klar war, ich würde nicht mehr fahren können – wir brauchen also eine Bleibe in fußläufiger Entfernung zu den „Tsipouradikas“.

Klar, dass wir bei dieser Gelegenheit auch Volos mal kurz „durchschlendern“ würden.

Stadtplatz mit Kirche
Riva und Fährterminal
Riva nach Osten mit den Cafés und Tavernen

Volos ist nett, es gibt eine Fußgängerzone, ein paar schöne Geschäfte und einige Cafés und Tavernen. Als Stadt kann das neuere Volos aber nicht mit den geschichtsträchtigen Schwestern Athen und Thessaloniki mithalten. Zudem ist sie nicht so schön und strukturiert wie Serres. Unser Eindruck von Volos ist sehr neutral, wir sind froh, dass wir nur eine Nacht gebucht haben.

Erstmal ein Eis…

Das teuerste Eis unserer Reise – 3,40€ die Kugel (nicht selbstgemacht, trotzdem gut)
Auch der gute Cappucchino war teuer – das Croissant gab´s umsonst dazu. „Meal Deal“ in Volos

Wir gehen zur Skulptur an der Hafenecke, zum wiederholten Male auf unserer Reise frage ich mich, ob mir der Besuch dieses Zieles mit NESSAJA, den dafür zu betreibenden Aufwand wert gewesen wäre. Ich zweifle und stelle abermals fest – mit dem Motorrad reist es sich einfacher und flexibler.

Volos Riva – der Hafen
Eines der wenigen älteren Bauwerke

Heute ist der 15. August – Maria Himmelfahrt ist ein hoher Feiertag in Griechenland. Im „Mittelmeer Skipper Forum“ haben mir die Volos Kenner zwei, drei gute „Tzipouradika“ vorgeschlagen – zwei davon waren leider geschlossen.

Sibylle hat während der Kaffeepause zudem gelesen, dass man die „Tzipouradika“ gewöhnlich am Nachmittag besucht. Dies veranlasst mich, auch bei der letzten verbleibenden Empfehlung einmal nach den Öffnungszeiten zu sehen – „Schließt um 18.00 Uhr“!

Nix wie hin! Wir ändern unseren Plan und beschließen, dass wir heute am Nachmittag essen würden und dann noch ein wenig bummeln – anschließend könnte man ja mal zeitig ins Bett.

Wir treffen bei „O Papadis“ ein…
…und starten die erste Runde – einmal mit Anis, einmal ohne
Ja, die Meze sind nicht von schlechten Eltern

Wir sitzen gemütlich in dem authentischen und urigen Lokal. Wir beobachten die Menschen und klönen zufrieden. Der ersten Runde Tzipouro folgt eine zweite. Auch hier sind die Meze wirklich gut!

Das Tolle – der Überraschungseffekt und die Tatsache, dass man „mal was anderes isst“

Ein wenig merke ich den Trester, aber ich bin noch fitttt wi einnn Tunnschuuu…

Es geht weiter…

Sibylle bleibt vernünftig und steigt aus – ach meine Frau, sie weiß immer was richtig oder falsch ist…

Ich dagegen bin da nicht so diszipliniert und höre mich eine weitere Runde bestellen – „…einnn Sippuro bidde noch..!“

Nach Runde drei und vier breche auch ich ab. Ich bin etwas angetüdelt, satt und zufrieden – Sibylle führt mich heim.

Bevor wir uns hinlegen, sitzen wir noch etwas auf der kleinen Terrasse der Wohnung – wie geht es jetzt weiter? Wir haben schon eine Weile im Sinn, dass wir einen Ausflug zur Sporadeninsel Skopelos machen könnten um dort den „Mamma Mia“ Felsen zu besichtigen. Das scheitert aber an den Hotelpreisen auf Skopelos.

Wir buchen einfach mal die letzten zwei Nächte bevor wir in Piräus ankommen müssen, planen sozusagen die Reise „von hinten“ durch – es bleiben vier übrige Tage, drei Nächte. Diese wollen wir sinnvoll gestalten.

Es fällt uns der Bericht von Freunden ein. Die haben bei einer Nordgriechenlandreise den Pilion ausgiebig besucht und ihm das Prädikat „Topziel“ angedeihen lassen! Das ist unsere Wahl, der Pilion beginnt gleich hinter Volos – wir buchen drei Nächte in einer feinen Unterkunft in einem Bergdorf, von hier aus werden wir den Pilion entdecken.

Ich schlafe ein, Sibylle befragt Google nach Sehenswürdigkeiten auf der weniger bekannten Halbinsel.

Pilion – eine grüne, bergige Halbinsel südöstlich von Volos

Der neue Tag beginnt – mir geht es hervorragend! Aber ein Kaffee tut Not, daher gehen wir rasch in die Fußgängerzone um bei einer dieser kleinen Bäckereien zu frühstücken…

Appetitliche Auslage, gute Ware und nettes Personal
Die zweitbesten Sandwiches unserer Fahrt

Erst bei genauem Hinsehen fällt uns auf, dass unsere nächste Herberge am Ende einer Serpentinenstraße in die Berge liegt. Um Ausflüge zu machen, müssen wir also die 11km immer runter und rauf fahren. Ich schmunzle, Sibylle reißt die Augen auf als sie den Track sieht – wir werden noch ein paar Kurven sammeln!

Mindestens zweimal, ab und an viermal am Tag

Wir kommen im Bergdorf Agios Lavrentios an und suchen unsere Unterkunft. Google lässt uns wissen, dass wir da sind, aber wir können das wunderschöne Haus nicht sehen – wir kennen es doch von den Bildern.

Wir sehen nur eine riesige, halb verfallene Wellblechhalle…

Moment, da – ein Schild – unsere Pension „Archontiko Koti“ scheint direkt dahinter zu sein – wir sind etwas enttäuscht, denn unsere Erwartungshaltung war hoch.

Der zweite Blick machte aber alles wieder gut!

Eingang zur Rezeption und Frühstücksraum
Unten rechts ist unser Zimmer
Für Familien
Frühstücks- und Gemeinschaftsterrasse…
…mit Wahnsinns-Ausblick

Es gefällt uns – hier werden wir Ruhe finden und die letzten Tage vor der finalen Heimfahrt gut verbringen können. Wir machen uns mit Eleni, der nettesten Gastgeberin unserer Reise, bekannt und checken ein.

Unser kleines aber feines Zimmer
…und ein ordentliches Bad

Wie haben es unsere Freunde von der JASPER einmal formuliert? Bett und Bad, mehr brauchste nicht! Recht haben sie…

Wir sortieren uns und erzählen Eleni unsere Pläne. Sofort stattet sie uns mit allerlei Tips aus. Wir fahren also die 11 kurvigen Kilometer zurück an die Küste und beginnen den Pilion zu erkunden. Heute soll es bei Kleinigkeiten bleiben. Erstmal tanken, dann baden…

Beim Tankstopp zeigt sich – 1.943km plus 75km. Wir haben inzwischen mehr als 2.000km im Reisetagebuch

Wir fahren zum „Paralia Karnagio“, einem der Strände nahe Agria – keine Offenbarung, aber es reicht für ein erfrischendes Bad und eine Brause.

Bewirtschafteter Strand, eine kleine Bar – alles ok
Wir trinken eine Cola und ein Fanta Lemon, teilen uns ein Club Sandwich
Mehr brauchen wir heute nicht, wir sind erschöpft

Sibylle mahnt die Fahrt zum nächsten Supermarkt an – „wir brauchen Wasser, außerdem will ich mal wieder etwas Obst kaufen!“ Ok, das ist das kleinste Problem. Wir fahren einen Ort weiter und kaufen alles, was des Weibes Herz begehrt.

Dabei läuft uns ein Hund über den Weg. Er ist offensichtlich total verschreckt und verängstigt, das ist an seinem Verhalten deutlich erkennbar – aber er hechelt erbärmlich, er hat offensichtlich Durst!

Hat sich nicht anlocken lassen – lief aber auch nicht weg

Wir sind nochmals in den Supermarkt und haben eine Halbliterflasche Wasser gekauft. Ich kramte im Müll und suchte nach einer Schale – dann konnten wir dem kleinen Kerl etwas Wasser geben. Mir tun die Viecherl immer leid, ich habe noch nie soviel verwilderte und streunende Hunde gesehen wie auf dieser Reise.

Er nahm es an – ich hoffe es hilft ihm weiter

Entlang der Küste ist es uns heute zu trubelig. Wir beschließen, dass wir den Tag in unserem Bergdorf ausklingen lassen werden und uns dort ein Bild machen. Agios Lavrentios ist bekannt als das „Musikerdorf“, was das genau bedeutet, sollten wir noch erfahren.

Am heutigen Tag stand aber etwas anderes im Vordergrund – neben Maria Himmelfahrt am 15.08. – dem Feiertag in ganz Griechenland – feiern viele Gemeinden ihr eigenes „Panagia“ am Folgetag, also heute! So auch in „unserem“ Dorf…

Überall altes Gemäuer
Die Kirche in Agios Lavrentios
Dort war heute Marienprozession
Wir kamen „just in time“

Der Glaube wird hier groß geschrieben – Jung und Alt küssen alles was irgendwie nach kirchlichen und religiösen Reliquien aussieht. Man bekreuzigt sich überall, auch wenn man mit dem Roller eine Kirche passiert. Das wirkt auf uns manchmal etwas befremdlich, aber man gewöhnt sich daran.

Diesmal kommt eine junge Familie – Vater, Mutter und Kleinkind – mit einem riesigen Baum im Topf um die Ecke. Die Bäume werden als Geschenk gemacht – offensichtlich hat diese Familie einen Grund reichlich zu schenken. Ich lasse das auf mich wirken, in diesem Augenblich zieht die Mutter, vielleicht Mitte Zwanzig, die Schuhe aus und kniet sich in festlichem Gewand nieder. Sie, die geschminkte und mit sehr langen, künstlichen Fingernägeln gewappnete Femme Fatale, kriecht jetzt die ganze Treppe zur Kirche auf den Knien hinab – gefolgt von Mann und Tochter. Die Bilder wirken seltsam auf mich, natürlich gilt das Gebot der Toleranz.

Wir gehen zurück in den Ort, wir besuchen den Dorfplatz.

Eine kurze, steile, mit alten Steinen gepflasterte Rampe führt zum Ortskern
Es stehen überall nette, restaurierte Häuser
Der Dorfbrunnen – alles trinkbares Quellwasser
Der Dorfplatz – mehrere Tavernen teilen sich die Bewirtung

Der Abend naht, die Sonne geht unter. Wir entscheiden uns für eine der beiden Tavernen am Ortseingang. Diese Entscheidung war, zumindest heute, nicht so clever – es war vielleicht dem Feiertag geschuldet, dass es nur eine kleine Auswahl gab, die von uns gewählten Speisen waren auch nicht gut. Der einzige wirkliche Essensflop unserer Reise. Egal, morgen finden wir etwas Besseres…

Auf dem Weg nach unten genießen wir die Stimmung
Die Taverne unserer Wahl – sieht eigentlich nett aus
Der Salat kann noch punkten…
…das Hähnchen war dagegen wie aus Gummi – ich lasse es stehen, passiert nicht oft
Wir sehen zu, wie die Sonne untergeht
Dann ziehen wir uns zur Nachtruhe zurück

Der nächste Morgen! Das „Sibylle Travel Programm“ ist in vollem Gange! Sibylle ist vorbereitet, der Tagesplan steht – um diesen plangemäß erfüllen zu können, muss pünktlich und zeitig gefrühstückt werden. Wir legen also deutsche Tugenden an den Tag und sind die Ersten im Frühstücksraum.

Auf dem Plan steht heute eine Fahrt mit dem „Moutzouris“, der alten Schmalspurbahn, welche heute von Kato Lechonia nach Milies geht. Früher hat das Bähnchen die Dörfer des Pilion verbunden, heute ist es ein Touristenattraktion.

Das Internet lässt uns wissen, dass der Zug in der Hauptsaison jeden Tag um 10.30 Uhr abfährt. Wunderbar, das passt – wir starten die Umsetzung des Planes…

08.30 Uhr – die Ersten im Frühstücksraum
Eleni erklärt den Kuchen des Tages und die wechselnden Spezialitäten – wir frühstücken
Wir fahren nach Kato Lechonia und treffen pünktlich am Bahnhof ein
Vom Zug keine Spur, der Schalter ist geschlossen

Wir sind nicht alleine am Bahnhof, auch andere Touristen sind der Fehlinformation des Internets aufgesessen. „Fake News“ möchte ich schreien, doch ich verkneife es mir – zwischenzeitlich sorgt ein Einheimischer für Aufklärung…

„Der Zug geht nur am Wochenende, Tickets gibt´s nur in Volos am Bahnhof, sorry“

Wir verschieben die Fahrt auf den Samstag, unserem letzten Tag am Pilion. Gott sei Dank hatten wir die Karte mitgenommen, auf der Eleni eine Runde eingezeichnet hat – als Vorschlag sozusagen. Erst entlang der fünf bekannten Bergdörfer, dann über den Rücken des Pilion auf die Ägäisseite zu den schönsten Stränden, dann über Volos zurück.

Wir beschließen – DAS MACHEN WIR! Ich gebe die Tour in „Calimoto“ ein, uns wird schlagartig bewusst, dass wir abermals Kurven sammeln werden…

Auf dem Weg liegt Ιερά Μονή Παμμεγίστων Ταξιαρχών – wir gönnen uns einen Abstecher
Ein imposanter, aber neuerer Bau
Ein sehr strukturiertes Frauenkloster
Mit herrlichen Ausblicken auf den Golf von Volos
Heute waren wir fast alleine hier
Es gefällt uns

Wir setzen nun auf die fünf sehenswerten Bergdörfer an, welche sich an der Westflanke des Pilion befinden. Auf der Strecke liegen von Ano Lechonia aus, Agios Vlasios, Agios Georgios Nileias, Pinakates, Vizitsa und zu guter Letzt Milies. Wir wollen die letzten drei ansehen, dabei aber heute auf Milies verzichten, denn hier würden wir mit dem Züglein am Samstag noch einmal herkommen – so glauben wir zumindest…

Auf nach Pinakates und Vizitsa!

In Pinakates trinken wir einen Kaffee, Sibylle erkundet den Ort
Der Baustil ist typisch, siehe auch das vorangegangene Bild
Fast wie Museumsdörfer – liebevoll restaurierte Häuser
ALLEN diesen Dörfern ist der große Dorfplatz um einen großen, zentralen Baum gemein – hier trifft man sich
Die Dörfer strahlen Ruhe aus
Der Baustil ist allgegenwärtig
Der Tourismus ist nachhaltig und unaufdringlich
Hier lässt es sich aushalten
Vizitsa ist das schönste Dorf – hier rasten wir und trinken eine Erfrischung
Mein Kalorienhaushalt war unausgeglichen
Wir gehen durch die Gassen
An den Spießen dreht sich das Abendessen
Zurück zur GS – wir setzen die Fahrt fort

Der Eindruck von den Dörfern war toll, wie Museumsdörfer, aber eben belebt, bewohnt und mit einem sehr entspannten Tourismus. Das mögen wir, der Tag hat sehr gut begonnen. Die „Notlösung“ mausert sich zum perfekten Tag!

Über den Inselrücken fahren wir auf die Ägäisseite des Pilion, die Ostseite der Halbinsel.

Die Straße schraubt sich hoch – wir blicken auf den Golf
Später führt die Straße uns auf die andere Seite des Pilion
Wir schauen auf das Ägäische Meer
FOTOSTOP! Aber ich bleibe sitzen
Denn hier ging es so weit runter…
…dass es mir in den Füßen kitzelt

Eine weitere Sehenswürdigkeit in der Nähe sei eine 1000jährige Platane mit einem Stammumfang von 14m – auch das wollen wir natürlich entdecken und bauen den Ort noch in unser Tagesprogramm ein. Es bot sich ohnehin ein Stop an, um den geplagten Hintern etwas zu entlasten und sich mit einem Drink zu belohnen.

Wow, imposanter Baum
Da wirke selbst ich mickrig
Sibylle überlegt, wer „da schon alles dran aufgehängt wurde“
Der Ort ist üppig grün
Ton in Ton, heute in Magenta – Sibylle kleidet sich passend… IMMER
Man sitzt im Schatten und genießt
Ein schöner Platz

Wir setzen unsere Fahrt fort und erreichen die Ostküste des Pilion. Hier sollen die schönsten Strände sein. Wir entscheiden uns bewusst nicht für den feinsandigen und bekanntesten Strand – wir besinnen uns, dass wir ja Skopelos und den „Mamma Mia“ Felsen nicht besuchen konnten und entscheiden daher konsequenter Weise, die „Mamma Mia“ Bucht in Damouchari zu besuchen. Hierbei handelt es sich um einen weiteren Drehort des berühmten Filmes – er soll uns adäquater Ersatz sein!

Der Küstenstrich wirkt aufgeräumt, edel und schön

Wie nicht anders zu erwarten, zeigt sich die Bucht touristisch aber cool und entspannt. Man kokettiert mit dem Film an allen Ecken, ohne es allerdings auszureizen. Insgesamt gefällt uns der Platz.

Ok, kann man ja nicht verübeln…
Shaka Brah – Vintage geht immer
Nett, touristisch – aber nicht überlaufen
Naturbelassen
Eine Handvoll Cafés und Tavernen am Ufer

Ein schöner Platz für eine längere Pause. Wir beschließen, dass wir zuerst ein wenig Baden, dann wollen wir in einer der Tavernen ein paar Meze essen und etwas trinken. Erst dann werden wir den Heimweg wieder antreten.

Wir stürzen uns in das kühle Nass und planschen ein wenig herum – Sibylle zieht ein paar seriöse Bahnen. Dann gehen wir nach oben um uns die passende Taverne auszusuchen.

Wir werden rasch fündig…

Nur noch ein paar Schritte
Nett dekoriert – wie immer etwas überladen

Das „Karagatsi“ ist ein Familienbetrieb. Der Chef ist überall und kümmert sich um alles – die Mutter kocht, die Töchter servieren. Es ist nicht allzuviel los und doch herrscht eine angenehme Umtriebigkeit – genauso mag ich es.

Wir essen und sehen uns etwas um…

Wir teilen uns Meze
Überall Zierrat und Kitsch
Alles ein wenig speziell
Aber geschmackvoll und stimmig

Wir unterhalten uns über die eine Tochter – sie ist so untypisch für ein griechisches Mädchen. Etwas androgyn, wie die junge Annie Lennox, aber mit schwarzen Haaren. Ein besonderer Typ – sie passt in das Lokal der Eltern!

Wir bezahlen und gehen.

Auf dem Schild des „Karagatsi“ ist der Vater abgebildet – er ist nur etwas älter geworden
Irgendwie wirkt der Weiler, die paar Häuser, wie stehengeblieben – Stilleben überall

Schon beim Heruntergehen habe ich die Gravitation bemerkt – es gibt auf den paar hundert Metern vom Parkplatz zur Bucht eine fiese, steile Rampe – die müssen wir jetzt wieder hinauf. Ich bereue, die Meze im Bauch zu haben…

Ächz – Gravity worx 😉

Oben angekommen, sticht mir ein Schild ins Auge welches mir am Weg nach unten nicht aufgefallen war. Offensichtlich weiß man um die gemeine Wirkung dieser Rampe!

Ok, das finde ich gut – ich melde es meiner Gesundheitskasse

Wir besteigen das Motorrad und fahren zurück. Die Straße führt durch Wälder und vorbei an Lifttrassen (kein Witz!) – die ganze Straße schlängelte sich, in zahlreichen Kurven mit verdammt viel Flow, an den Berghängen entlang, bis wir wieder auf der anderen Seite waren.

Natürliche Wälder
Beeindruckende, unberührte Natur

Wir streifen Volos kurz, Sibylle mahnt den Kauf eines neuen Helmes für mich an, der Laden war aber wieder geschlossen – na dann ein Andermal.

Zurück in unserer Herberge, machen wir uns frisch und ruhen uns etwas aus. Man glaubt nicht, wie anstrengend solche Motorradtouren sein können – für Fahrer und Beifahrerin.

Danach gehen wir auf den Dorfplatz von Agios Lavrentios, um heute eine andere Taverne auszuprobieren – heute haben wir mehr Glück!

Der perfekte „Dakos Salad“
Und superleckere „Souvlaki Kotopoulo“

Wir essen, sitzen lange, sehen dem Treiben am Dorfplatz zu. Es ist viel los heute, auffällig viel junge Menschen. Auf Nachfrage erfahren wir, dass morgen die Musikworkshops beginnen. Alle Leute hier seien Musiker, Sänger oder Tänzer – heute seien alle etwas müde – aber ab morgen…

DAS finden wir nun richtig cool – wir bleiben sitzen, sehen den jungen, etwas alternativen aber dabei so superrelaxten Typen weiter zu und freuen uns auf morgen oder übermorgen, wir sind ja noch zwei Tage hier.

Es ist schon spät, als wir in unsere Unterkunft gehen…

Blick von „Archontiko Koti“ auf den Golf von Volos

Auch am nächsten Morgen stehen wir früh in den Startlöchern – Sibylle hat auch für unseren zweiten Tag einen strammen Zeitplan. Es geht an der Küste Richtung Volos, dann ziehen wir rechts hoch in die Berge und steuern Portaria und Makrinitsa an. Beide Bergdörfer seien sehr sehenswert, man könne ein Stück des „Centaurenpfades“ gehen – klar, dass wir das machen!

Ich freue mich auf den Tag und riskiere vor dem Frühstück einen Blick auf den Golf. Es ist wunderbar, die frische Luft hier oben…

Der Tag ist noch jung

Wir packen unsere Siebensachen und starten die GS, wieder fahren wir unsere 11 Serpentinenkilometer bis zur Küste – unser erstes Ziel ist „Portaria“, denn dort würde man den Eingang zum „Pathway of the Centaurs“ finden!

Es war nicht so weit – nach knapp einer Stunde waren wir da
Na mal sehen, ob wir einen Centaur treffen
Wir finden den Eingang und wagen, den Spuren der mystischen Geschöpfe zu folgen
Der Weg ist gut ausgebaut
Es gibt kleine Brücken durch den Zauberwald
GANZ ALLEINE sind wir unterwegs…
…nun, NICHT GANZ! Die Meute folgt uns
Menschen verursachen die Probleme

Wir lassen die Verfolgergruppe vorbeiziehen, es nervt mich, Drängler von hinten zu haben, außerdem sind sie laut. Kaum sind sie vorbei, stellt eine der Damen ihren Kaffeebecher einfach in der Natur ab – egal, nach ein paar hundert Jahren ist er weg, oder soll ihn doch jemand anderes wegräumen.

Ich sehe und fotografiere diese Gleichgültigkeit – das wiederum bemerkt der Wortführer der Gruppe, dreht auf dem Absatz um und holt den Becher. Ich kann die Worte nicht verstehen, aber er weist die Umweltsünderin zurecht. Naja, dann ist DIESER Becher zumindest im Müll.

Wir setzen unseren Weg bis zur Quelle fort, drehen dann um und laufen zum Motorrad zurück – ein schöner Trail den man gemacht haben sollte! Einen Centaur haben wir leider nicht gesehen.

Naturgenuss pur

Jetzt geht es nach Makrinitsa. Ein paar weitere Haarnadelkurven schrauben wir uns nach oben – dann sehen wir die Häuser des traditionellen Dorfes am Berghang kleben.

Wir stoppen kurz, denn von hier oben ist der Blick nach Volos einfach phantastisch!

Volos und der gleichnamige Golf am Ende der Schlucht

Wir erreichen den Parkplatz des Ortes und parken das Motorrad am Rand. Das war während der ganzen Tour ein unglaublicher Vorteil – hier ist es etwas touristischer, der Parkplatz ist voll. Man parkt entweder weit weg, hat ein Motorrad, oder kennt einen unkonventionellen Lösungsweg.

Begrenzungspfosten? Egal!

Auch Makrinitsa ist so ein inoffizielles Museumsdorf. Es gilt auf dieser Seite der Bergflanke als das schönste und es ist nahe an Volos. Das merkt man sofort! Es ist nicht nur etwas voller, auch der Tourismus und das damit verbundene Angebot sind anders – aber alles noch in einem sehr verträglichen Rahmen.

Sibylle stöbert bei den Gewürzen, kauft später Tee
Ich fotografiere derweil die kleinen Details, das mag ich
Die Häuser sind typisch – das durften wir ja schon kennen lernen
Die Läden etwas bunter und die Ware weniger nachhaltig – mehr kitschig
Blick über die Dächer Richtung Volos
Wir finden den Dorfplatz und kaufen uns eine Erfrischung
Der Dorfbrunnen und das Folkloremuseum

Der Ort gefällt uns gut! Wir verbringen eine ganze Weile dort oben, dann wird es Zeit zurück nach Volos zu fahren. Zum Einen wollen wir noch einmal sehen, ob wir vielleicht doch einen Helm kaufen können, zum Anderen müssen wir noch zum Bahnhof und das Zugticket für die Pilionbahn kaufen, morgen würde sie fahren!

Gemütlich fahren wir nach unten in die Stadt und parken unser Bike zentral.

Den Rest machen wir zu Fuß

Leider scheitern beide Vorhaben krachend – am Bahnhof erklärt man uns freundlich, dass die Pilionbahn auf zwei Wochen ausgebucht sei, für in drei Wochen könnten wir buchen – unser treuer und bettelnder Blick sowie die Beteuerung, dass wir nur noch morgen hier wären, halfen nicht. Mit der Zugfahrt wird´s nix werden.

Ähnlich mit dem Helm. Wir klappern drei Geschäfte ab – entweder gibt es das Modell das ich suche gar nicht, oder gute Modelle stehen nicht in der benötigten Größe zur Verfügung.

Wir fahren zurück in unsere Unterkunft und besinnen uns darauf, dass wir in Kalambaka eine kleine Flasche Ouzo gekauft hatten, diese aber nicht tranken. Seither reist sie mit uns – das soll heute enden!

Gemütlich lassen wir den Tag ausklingen

Am Abend wiederholt sich der Ablauf des gestrigen Tages. Wir gehen ins gleiche Lokal, bestellen das gleiche Essen und gehen anschließend ins Bett. Von etwaigen Jam-Sessions der Musiker bekommen wir, sofern es sie gegeben hätte, nichts mit!

Am nächsten Morgen planen wir den Tag beim Frühstück um! Wir wollten uns nicht stressen und nicht mehr allzuviele Kilometer fahren. Ein offener Punkt war uns allerdings wichtig – wir wollen nach Milies und den „Moutzouris“ sehen. Danach ein Cappucchino und ein Eis am Meer und etwas Abhängen in unserer Unterkunft – mehr erwarten wir nicht!

Klingt nach einem guten Plan – ich schlürfe meinen zweiten Kaffee

Dennoch müssen wir auf die Uhr achten, denn der kleine Zug kommt um 12.00 Uhr in Milies an und würde um 15.00 Uhr wieder abfahren – dieses Zeitfenster ist also wichtig!

Wir lassen uns daher etwas Zeit, ich kann meinen zweiten Kaffee in Ruhe auf der schattigen Terrasse der Unterkunft trinken. Dann starten wir, just in time, die BMW und fahren auf der Küstenstraße den direkten Weg zum Zielort Milies. Ihr erinnert euch? Diesen Ort hatten wir bei unserer Dörfertour ja ausgelassen, weil wir dachten mit der Schmalspurbahn hierher zu kommen. Na egal, machen wir es eben mit dem Bike

Als wir unser Ziel erreichen, ist der historische Zug schon da.

Wäre sicher interessant gewesen
Show – nicht mehr mit Dampf
Schön anzusehen allemal
Auch der Bahnhof sei von historischem Wert

Ich wäre gerne mit dem Zug gefahren, kann es aber verschmerzen, dass es nicht geklappt hat. Wir sind „Rasender Roland“ auf Rügen gefahren, hinter einer „echten“ Dampflok.

Da der Bahnhof weit vom Ortszentrum entfernt ist, war es gut, dass wir das Bike dabei hatten. Wir sahen uns noch die alte, antike Wassermühle an – hier hatten wir uns allerdings mehr erhofft.

Die Wassermühle ist nur noch eine Ruine

Die Luft war, offen gesagt, ein wenig raus. So ergab es sich, dass wir schon eine halbe Stunde später in einem Strandcafé saßen und einen Cappucchino nebst Eisbegleitung genossen.

Parkplatz und „illy“ – was willst mehr?
So sieht echtes Glück aus
Ich hingegen – zufrieden

Ende! Die Energeispeicher sind leer, wir haben keine Power mehr um Pläne zu verfolgen. Da wir morgen weiterziehen werden, ist es eine gute Idee die Akkus zu laden – nicht nur die der mobilen Endgeräte und des Powerpacks, vornehmlich unsere eigenen.

Wir gehen in unsere ruhige und gemütliche Unterkunft und begeben uns in den „Charge“ Modus. Ich faulenze und plane die Strecke für morgen, ein bisschen reden wir über die Zukunft, Sibylle liest und telefoniert mit der hochschwangeren Tochter.

Wie geht es dem Baby???

Wir gönnen uns zwei, drei Stunden faulenzen – das ist richtig lang für uns, dann zieht es uns in den Ort. Wir sehen uns um, checken ab, ob es heute Live-Music geben würde und gehen essen – ein letztes Mal am Dorfplatz, heute in einer anderen Taverne.

Noch ist Ruhe am Dorfplatz
Mensch und Tier gehen ihrer Wege

Bereits während wir essen, stellen wir fest, dass eine Bühne aufgebaut ist und sich einige der Workshopteilnehmer „aufwärmen“ – der Abend verspricht besonders zu werden!

Soundcheck für Voice und Drums

Später merken wir, dass dies so eine Art „Open Stage“ war. Jeder dem etwas passendes einfiel, durfte mitmachen.

Das Ganze hatte etwas „sphärisches“, oft war es weniger Musik die gespielt wurde, mehr eine Melange der Klänge. Die Tänze waren psychadelisch, trotzdem war die Stimmung super, nein, BESONDERS!

Trompete, Bass, Querflöte, Leadguitar und Drums
Der Flötist konnte super Töne mit dem Mund erzeugen, ähnlich dem Klang eines Didgeridoo, dazu rythmisch Tanzende

Ob gerauchte Substanzen eine Rolle spielen? Ich weiß es nicht, geht mich auch nix an, ist mir auch egal! Es war ein herrlicher, ein langer Abend – wir gingen zufrieden ins Bett.

Am nächsten Morgen packen wir unsere Tasche und bereiten unsere Abreise vor. Es war eine sehr gute Idee den Pilion zu entdecken, aber heute ist es Zeit für die Weiterfahrt!

Alles vorbereitet – nach dem Frühstück geht es los

Den heutigen Tag und die weitere Route haben wir erst vor einigen Tagen als Idee aus der Taufe gehoben. Wir hatten beschlossen, dass wir den Heimweg über die Insel Euböa (Evia) antreten. Um dies zu bewerkstelligen, müssten wir den Golf von Volos umfahren und das Festlandörtchen Glyfa anfahren – von dort gibt es alle zwei Stunden eine Fähre nach Evia.

Start (rot) Agios Lavrentios – Zwischenziel (blau) Glyfa – Ziel (schwarz) Loutra Edipsou

Unsere Strecke wird heute rund 90km betragen. Danach müssen wir auf die Fähre, welche alle zwei Stunden geht und rund 20 Minuten benötigt. Wir kommen auf Evia in Agiokampos an und haben dann noch 25km bis zu unserem Zielort Loutra Edipsou zu fahren.

Wir haben vor, die 14.00 Uhr Fähre zu erreichen, deshalb brechen wir nach dem Frühstück und dem Checkout nebst Verabschiedung auf.

Die Fahrt war angenehm, auf guten und nicht zu frequentierten Straßen – und nachdem wir Volos hinter uns gelassen hatten, kamen wir auch zügig voran. Während einer Pause merkte ich, dass es möglich wäre die 12.00 Uhr Fähre noch zu erwischen.

Ich schwöre, ich habe nicht schneller gemacht, aber auch nicht weiter verzögert – wir kamen um 12.02 Uhr in Glyfa an, die Fähre war noch da. Es wurde schon verladen, eine lange Warteschlage von PKW stand am Kai!

Sibylle sprang vom Soziussitz und kaufte Tickets – ich fuhr mit der GS an den wartenden Autos vorbei und wurde als letztes Fahrzeug geladen – die anderen mussten warten! Habe ich erwähnt, dass es Vorteile hat, mit dem Motorrad zu reisen?

Tschengpeng – gerade noch geschafft…
…Minuten später legen wir ab – Kurs Evia

Es dauert ein paar Minuten bis wir uns neu sortiert haben und realisieren, dass dies eine „Punktlandung“ war. Erst dann haben wir den Nerv uns ein wenig umzusehen.

Insgesamt mussten wir feststellen, dass die Westküste des Pagasitischen Golfes sehr nette, kleine Örtchen mit liebreizenden Buchten hat, das hat uns überrascht – ohne zu wissen warum, hatten wir dieser Küste das nicht zugetraut. Obwohl Glyfa selbst, nicht mehr als ein Touristenweiler war, zeigte sich die angrenzende Küste sehr einladend…

Wir verlassen Glyfa
Die angrenzende Küste ist ursprünglich und schön

Unsere Ankunft in Agiokampos ist nicht erwähnenswert. Der Ort gefällt uns beim Verlassen der Fähre nicht, so trinken wir nur kurz einen Cappucchino, setzen die Fahrt aber gleich fort, um lieber etwas früher am Zielort zu sein und diesen entdecken zu können.

Was gibt es in Loutra Edipsou zu sehen???

Nun, hätte ich mal Google Translate etwas früher verwendet! Ich hätte sehr rasch geahnt, was uns erwartet.

Loutra ist nicht der Ortsname – es bedeutet, dass es sich um ein Kurbad handelt

Ohne diesem Wissen haben wir etwas länger gebraucht um den Ort zu erfassen und zu verstehen – umso mehr hat er uns überrascht! Aber der Reihe nach!

Wir parken die GS gegenüber dem Eingang zu unserem Appartment

Obwohl Edipsou wesentlich kleiner als Volos ist, haben wir wieder das Gefühl einer „Stadtankunft“. Alles ist etwas marode, manches schon „in die Jahre gekommen“. Der Eingang zu unserem Appartement hält beileibe nicht, was die Fotos versprochen haben – wir müssen lang suchen, bis wir den Zugang überhaupt finden.

Dann sind wir aber rasch wieder beruhigt – wie gesagt – für eine Nacht geht immer!

Wieder gilt – außen pfui, innen hui
Gibt nix zu meckern – alles ok

Der Vermieter ist ein, wie sag ich es, eher unangenehmer Typ, dem es aber nicht an Selbstbewusstsein mangelt. „I´m George“ höre ich ihn sagen – „…but the people call me KING GEORGE“, fährt er fort. Ok, King, dann sag mir mal wo ich das Mopped am besten parke. Er weist mir den Platz zu, den ihr am Foto oben gesehen habt und meint lapidar „…it´s pedestrian area after 7.00pm, but if King George says you can park there, Police won´t write a ticket!“

Ahso, ja dann! Ich zweifle und befürchte, dass mein Mopped morgen nicht mehr da ist – von der Polizei abgeschleppt oder von Vandalen im Partymodus ins Meer geworfen. Ich nehme es vorweg, nix passiert! Der König hatte Recht – hoch lebe der König…

Wir drehen eine Runde durch den Ort, wir wollen entdecken, baden und ein Eis essen – in dieser Reihenfolge! JETZT!

Die „Avenue de Loutra Edipsou“ – eigentlich ganz nett
Typisch griechische Statuen – am Abend wird es am Platz ein Konzert geben
Seebrücken – wir stellen fest – „…wie die Badeorte an der Ostsee!“
Sibylle muss sich das genauer ansehen
Wir entdecken kleine, liebreizende Häuser…
…und elegante Hotels die uns an Kurhotels erinnern

Bis zu diesem Augenblick haben wir nicht gewusst, dass Loutra Edipsou ein Kurort ist. Es gab neben der bestehenden, intakten Infrastruktur auch eine Menge alter, verlassener Hotels – allesamt wirkten sie wie alte Kurhotels aus einer besseren Zeit.

Wirklich klar wurde uns der tatsächliche Status des Ortes aber erst, als wir hinter dem Fünf-Sterne Palast um die Ecke bogen…

Warum sitzen die da? Der Verdacht auf Thermalquellen drängt sich erstmals auf
Kleine Strände, überall plätschert Wasser von den Steinen – die Menschen liegen im Wasser

Langsam dämmert es uns und wir verstehen, dass der Ort Thermalquellen hat und nach wie vor frequentiert ist – seine besten Zeiten hat er allerdings, wie soviele Kurorte in ganz Europa, hinter sich!

Ich will mir das Ganze mal genauer ansehen und nehme eines dieser sprudelnden Löcher etwas genauer unter die Lupe.

Heiß! Das Wasser kommt richtig heiß aus dem Stein, es riecht leicht schwefelig

Na jetzt wollen wir es aber genau wissen! Wir springen in die mitgebrachte Badekleidung und stürzen uns in die heilbringenden Fluten.

Sandgrund, glasklares Wasser – überraschender Weise angenehm frisch
Erfrischendes Meer – obwohl das warme Thermalwasser an den Felsen heruntertropft
NATÜRLICH will ich gesund bleiben!!!

Die Badepause hat richtig gut getan und einen Riesenspaß gemacht! JETZT ist es aber wirklich Zeit für eine Leckerei, ein belebender Koffeinschub steht auch noch aus – also nix wie ins nächste Café und sich den verführerischen Köstlichkeiten hingegeben.

Drei Kugeln sechs Euro – hat gut geschmeckt, passt also

Wir gehen zurück ins Zimmer, die samtweiche Haut will trotzdem vom Salzwasser befreit werden. Wir gönnen uns eine kleine Pause und eine Stunde im klimatisierten Raum – dann sind wir fertig für´s Abendprogramm!

Wir machen Touristenfotos
Noch eines
Erfreuen uns aber selbst der besonderen Stimmung

Während wir ein weiteres Mal die inzwischen gesperrte und zur Fußgängerzone umfunktionierte Riva entlanglaufen, dabei nach dem geeigneten Lokal für unser Dinner Ausschau halten, wird auf dem kleinen Platz ein Konzert vorbereitet – super, so gibt es heute Abend noch etwas Entertainment!

Soundcheck – die attraktive Sängerin singt sich warm
Das Essen war touristentypisch und eher Durchschnitt – meine Kalamari waren ok
Das Konzert war gut besucht

Wir haben uns einen Platz in einer hippen Bar ergattert, gleich am Rand des Konzertgeschehens. Wir tranken Ouzo und freuten uns auf griechische Popmusik wie wir sie am Nachmittag bei den Proben gehört haben.

Das war leider ein Trugschluss. Die ziemlich gute Sängerin wurde während des eigentlichen Auftritts zur Background-Voice degradiert und ein, meine unmaßgebliche Einschätzung zugrundelegend, ziemlich durchschnittlicher Sänger bog sich einzelne Noten zu Liedern zurecht.

Wir tranken den Ouzo aus, bezahlten und gingen ins Bett…

Am nächsten Tag hieß es wieder – packen, auschecken, frühstücken, losfahren.

Das Tohuwabohu vor dem Einpacken – alles muss rein!
Cappucchino (3.-€) und ein Toast (2,50€) – das muss reichen

Wir sind also auf Evia, der nach Kreta zweitgrößten Insel Griechenlands, der Urlaubsinsel der Festlandgriechen. So lesen wir in Google! Hier waren wir noch nicht, unser Plan ist es also, die Insel von Nord nach Süd zu durchfahren und dabei Eindrücke zu sammeln.

Unser Ziel sollte die größte Stadt der Insel sein – Chalkida! Diese Stadt ist mit einem Teil auf der Insel, mit dem anderen Teil am Festland angesiedelt. Sie ist zentrumsnah durch eine alte Klappbrücke verbunden, diese ist auch für Yachties von Relevanz, wenn sie den Euböa-Kanal durchfahren wollen. Es gibt strenge und kurze Öffnungszeiten zur Durchfahrt, welche an ein striktes, klar definiertes Procedere gebunden ist.

Das will ich mir ansehen, wir machen uns also auf den etwas mehr als 100km langen Weg. Vielleicht erinnert ihr euch, Evia war vor zwei Jahren wegen heftiger Waldbrände in den Medien und Schlagzeilen – die Spuren sieht man auch heute noch im Norden der Insel. Es ging relativ bald nach Verlassen von Loudra Edipsou los…

Die verkohlten Baumgerippe sind noch allgegenwärtig
Die grüne Natur kommt nur langsam zurück
Streckenweise ist es ein trauriger Anblick

Die Szenerie wechselte abrupt, als wir über den Bergrücken gefahren waren. Die Farben wechselten von zartgrün-schwarz auf sattgrün-grün, die Landschaft war fruchtbar, es gab Feuchtgebiete und Bachläufe – überhaupt war die Fahrt super spannend. Eine kurvenreiche Straße zog sich durch Schluchten und Wälder, es ging bergauf, bergab – es machte richtig Spaß zu fahren und die Eindrücke wirken zu lassen.

Herrlich, bei genauem Hinsehen, erkennt man die Straße

Diese Freude war uns leider nicht bis zum Ziel unserer heutigen Fahrt vergönnt. Auch in diesem Sommer bleibt Evia nicht von Waldbränden verschont, einer ist der Stadt Chalkida sehr nahe und liegt direkt auf unserem Weg.

Die Rauchsäule wirkt bedrohlich, wird uns aber trotz der Annäherung nie gefährlich nahe kommen. Die Situation wirkt dennoch bedrückend!

Ab und an sehen wir die Flammen lodern

Wir können das Feuer in sicherer Entfernung passieren, sehen die Hubschrauber und die Löschflugzeuge um die Häuser am Ortsrand kämpfen. Feuerwehr und Polizei sind präsent und regeln den Verkehr.

Wir fahren die Einfallstraße in die Stadt, der Rauch beißt in der Nase und kratzt im Hals, Asche fällt auf den Rucksack. Wir müssen tanken, hilft alles nix – und obwohl die Stimmung bedrückt ist, fotografiere ich den Tachostand, wir haben den DRITTEN Tausenderdurchlauf!

Zum dritten Mal springt die Tausenderstelle – gefahrene Kilometer der Tour 2.462 plus 75km -> 2.537km

Unser Ziel ist zunächst das Stadtzentrum von Chalkida. Wir parken die GS am Rande der Riva und strecken uns erst einmal, dann gehen wir zur Waterfront und verschaffen uns einen Überblick – auch von hier ist der Brandherd nebst Rauchsäule zu sehen.

Beißender Rauch und Ascheregen – selbst hier in einigen Kilometer Entfernung

Wir beschließen, einmal zur Brücke zu laufen und uns ein Vor-Ort Bild des berühmten „Segler-Nadelöhrs“ zu machen. Dann wollten wir uns in einem Café einen Cappucchino und eine Süßigkeit gönnen und auf die Check-In Zeit warten.

Sieht unspektakulär aus
Ist für Yachties aber von großer Relevanz…
…wenn sie den Evia Kanal durchfahren wollen oder müssen

Wir sehen die Brücke und die Reeden davor, es liegen dort ca. ein Dutzend Segelboote und ein paar Motorboote vor Anker – man wartet auf die nächste Öffnung der Brücke, welche meist rund um Mitternacht stattfindet. Die exakte Zeit ist vom Gezeitenwechsel abhängig, denn man möchte bei der Durchfahrt möglichst wenig Strom haben – dieser ist sonst beachtlich!

Endlich habe ich ein Bild zu den vielen Geschichten, die ich hierzu schon gelesen habe. Es wird Zeit für einen Kaffee!

Carpe Diem – dem Motto folgen wir

Selbst im Café waren die Effekte des Brandes zu spüren – Asche fiel, die Luft war beißend. Griechische Gäste beschwerten sich, man möge doch bitte das Dach schließen – das Feuer war spürbar.

Dennoch wollten wir uns unseren verdienten Cappucchino und den Kuchen nicht verderben lassen.

Genuß ohne Reue
„NO SMOKING“ – geht doch!

Während wir sitzen und den Kuchentraum genießen, ertönt ein ohrenbetäubendes Buzzern. Wir schauen erschrocken, bemerken dann, dass es Sibylles Telefon ist, welches diese Alarme sendet…

In Griechenland üblich – Notfallwarnungen ins Netz

Uns reicht es für den ersten Eindruck. Wir wollen in unserer Airbnb Wohnung einchecken und etwas ausruhen. Später würden wir ohnehin noch einmal in die Stadt zurückkehren.

Unser Appartementhaus heißt „Chaldika Hilltop Appartements“ und liegt, wie der Name vermuten lässt, etwas außerhalb auf einem Hügel in der Vorstadt.

Auf dem Weg nach oben kann man den Brand gut erkennen – im Moment scheint man das Feuer gut im Griff zu haben
Unser Zuhause für die kommende Nacht

Unser Gastgeber ist sehr zuvorkommend. Er übergibt uns die Wohnung, zeigt uns jedes Zimmer und erklärt alle Details. Wir bekommen die Minibar gezeigt, welche Bereiche der Grünflächen für uns reserviert sind und last not least, weist er auf die „ausschließlich uns zur Verfügung stehende Terrasse“ hin. Full Service!

Während ich noch überlege, ob ich eine so umfangreiche Einweisung eher toll oder viellecht doch etwas übertrieben finde, lässt Sibylle das Appartement schon auf sich wirken!

Ds Schlafzimmer – ja, wir wissen wie die Klimaanlage funktioniert
Das Klo – das erklärt er, Gott sei Dank, nicht
Wir brauchen die Küche zwar nicht – Sibylle ist aber glücklich

Vermutlich weil wir, so verschwitzt wie wir waren, in kurzen Hosen und abgeschlappten Schuhen, auf unseren Gastgeber so wirken wie zwei Discoliebhaber, spart der Superhost auch nicht mit Tips für den Fall, wir würden das Nachtleben von Chalkida kennen lernen wollen.

Auch auf unsere Frage nach einer guten Seafood Taverne hat er eine Antwort, er schickt uns an den Stadtrand, dort „isst man am besten!“ Super! Chalkida ist bekannt für seine Meeresfrüchte, das wollen wir probieren.

Vorher ist eine Dusche angesagt, eine kurze Verschnaufpause ist auch noch drin, dann fahren wir die 5km zurück in die Stadt – zunächst zur Taverne am Stadtrand…

Die Sonne mit Halo – vom Rauch der überall umherwabert
Trotzdem oder gerade deshalb – eine ganz spezielle Stimmung
Wir sitzen gut und bekommen vorzügliche „Fisherman Spaghetti“ serviert
Eine tolle Atmosphäre am letzten Abend
Ein guter Tip unseres Gastgebers

Die Taverne hat uns gefallen! Wir sind lang gesessen und haben der Sonne beim Untergehen zugesehen. Wir haben unseren Rosé genossen und uns gut unterhalten – so wünscht man sich einen „letzten Abend“ am Ende eines Urlaubs.

Morgen würden wir nach Piräus fahren und unsere Fähre nach Leros nehmen. Wir sind bereits online eingecheckt, unsere Tour neigt sich also dem Ende entgegen.

Wir sind nicht, wie früher, wehmütig oder traurig – auf uns wartet kein Alltag oder Arbeitsleben, wir dürfen im Relaxmodus bleiben. Es geht uns gut, wir sind zufrieden – und wir haben auf unserer Tour einiges gelernt, was uns bei den Zukunftsentscheidungen helfen könnte – mal sehen.

Der Abend war rund! Wir beschließen, dass wir ihn nicht mit einem zusätzlichen Stadtbummel überfrachten und treten den Weg zu unserem temporären Zuhause an…

Die Feuer sind stärker geworden, man kann es deutlich erkennen
Das Szenario beeindruckt und bedrückt gleichzeitig

Wir legen uns ins Bett und schlafen rasch ein, morgen muss alles klappen, es wird ein langer Tag werden.

Am nächsten Morgen bepacken wir unsere treue Enduro ein letztes Mal. Wir fahren ins Zentrum von Chalkida und gehen bei der Bäckereikette „Gregories“ frühstücken. Normaler Weise würde ich kleinen Läden immer den Vorzug vor Ketten geben, aber „Gregories“ ist eine Hausnummer! Wir werden nicht enttäuscht und bekommen zum Abschluss die besten Sandwiches unserer Reise. Auch der Cappucchino ist ein Gedicht – Top Adresse!

Die Auswahl ist superb

Nach Piräus fahren wir den direkten Weg. Wir nutzen, natürlich, nicht die Autobahn, sondern eine kleine, sehr feine Straße über den Bergrücken des Festlandgebietes von Attika – auch am letzten Fahrtag sammeln wir so noch ein paar Kurven.

Insgesamt werden wir heute nur rund 70km fahren, dennoch legen wir zeitig los, denn wir wollen uns in der Nähe von Piräus noch mit Harry, dem ehemaligen Bürochef unserer Marina, treffen.

Evia verlassen wir über die neue Brücke
Ein letzter Blick nach Chalkida – die Brände wurden gelöscht
Dann folgen wir der wunderschönen Route – zunächst durch grüne, satte Wälder…
…später durch braun-schwarze, verbrannte Wüsten

Die Fahrt war surreal! Die erste Hälfte der Strecke fahren wir, auf einer in die Landschaft eingebetteten Straße, durch grüne Wälder. Wir fahren kurvenreich bergauf und genießen das Wechselspiel von Licht und Schatten – ein Traum zum Abschluss.

Auf ziemlich exakt halbem Weg erreichen wir den Kamm des Bergrückens und trauen unseren Augen kaum – die andere Seite des Berges war ebenfalls vor zwei Jahren von den schweren Bränden betroffen und gleicht auch heute noch einer Mondlandschaft.

Das letzte Bild habe ich aufgenommen als wir die verbrannte Erde das erste Mal sahen, es lässt nicht einmal erahnen wie es weiterging – wir haben dieses Endzeitgebiet schweigend durchfahren und keine Bilder mehr gemacht – es war faszinierend und gleichzeitig so bedrückend!

Wir haben Gegenden durchfahren, in denen nur noch schwarze Stummel auf grauer Erde standen. Ausgebrannte Fabrikgebäude wirkten wie Skelette in einer unwirklichen Welt – teils waren noch verkohlte LKW´s in den geschmolzenen Stahlträgdern der Fabriken gefangen – irre!!! Durch dieses Szenario zog sich, wie ein silbernes Band, die zwischenzeitlich neu geteerte Straße.

Dazu kam, dass wir kurz vor Piräus abermals auf ein Feuer zufuhren und umgeleitet wurden. Da wir zwischenzeitlich erfahren haben, dass aus dem Treffen mit Harry auch nix wird, haben wir kurzerhand zu unserem gewohnten Piräus-Procedere umgeschwenkt. Siri, neues Ziel „Zea Marina Piräus“!

Angekommen – Ziel erreicht – drei Stunden Aufenthalt

Wir treffen wenig später in der „Zea Marina“ in Piräus ein. Hier erklären wir unsere Reise für beendet. Wir müssen von hier aus nur noch zum Fährterminal fahren, dort sollten wir uns in etwa drei Stunden einfinden.

Wir haben hier schon öfter Wartezeiten verbracht, schätzen die Gastronomie und die Atmosphäre dieser Marina – zudem ist sie groß genug, um sich die Beine ein wenig zu vertreten.

Wir parken die GS auf dem Motorradparkplatz, auch sie hat super durchgehalten
Bevor wir Platz nehmen, gehen wir die Luxusyachten am Kai einmal ab
Wie immer gehen wir ins „Barong“ – dort gefällt es uns
Club-Sandwich und kühle Getränke – die Rechnung geht auf mich

Wir haben es also geschafft – es ist an der Zeit die Tapferkeit meiner Frau hervorzuheben. Sie hat Angst vor dem Motorradfahren, hat aber erkannt, dass diese Runde eine gute Option für uns darstellt. Vor diesem Hintergrund hat sie ihre Komfortzone verlassen und sich mit mir auf einen Road-Trip der Extraklasse eingelassen!

Es hat uns gut getan – dafür BEDANKE ich mich! Es gehört ja auch ein Stück Vertrauen dazu, eine so lange Strecke als Sozia mitzufahren. Ich habe die Tour genossen.

Wir unterhalten uns, schicken Nachrichten an Freunde, die Zeit verfliegt. Bald schon müssen wir zum Gate E1, dort wartet die moderne und neu renovierte BLUESTAR PATMOS darauf, uns zurück auf unsere Dodekanesinsel Leros zu bringen.

Ich rechne fest damit, dass Sibylle als Fußgängerin einsteigen darf und ich noch eine Weile in der Sonne braten darf – doch weit gefehlt. Wir fahren an die Rampe, eigentlich nur um zu fragen wo ich mich aufstellen soll – „Your Tickets, please…“ – wir zeigen brav die Tickets, sie werden eingescannt. Sibylle geht die Personenrampe hinauf, ich höre den wohlbekannten Schrei „ELA“ – ich schreie zurück „LERO“ – man winkt mich hinein…

Ich bin drin – und lasse die GS einsam zurück
Ich gehe nach oben…
…denn ich weiß wo ich Sibylle finde
Ein herzliches „Welcome“ an Bord
Schon treffe ich meine Frau und geselle mich zu ihr – das hat ja mal geklappt!

Die Fähre legt minutiös ab – um exakt 15.00 Uhr werden die Leinen losgeworfen. Die Fahrt wird neun Stunden dauern. Da die Fähre bei Weitem nicht voll ist, rechnen wir mit einer entspannten Überfahrt.

Piräus – Patmos – Lipsi – Leros…

Diese Hoffnung erfüllt sich FAST! Wir entscheiden, einmal den Platz zu wechseln, da wir exakt neben den beiden einzigen Trotteln zu sitzen kamen. Laute Rüpel, stetig Filme am Handy glotzend, Musik, Telefonate – alles über Lautsprecher! Dazu der Eine mit einer Lache gesegnet, welche nicht von dieser Welt war – wir verziehen uns – manchmal ist es besser nachzugeben! Von da an war die Fahrt entspannt und verging wie im Flug.

Wir kamen „in time“ auf Leros an und waren in diesem Moment, mitten in der Nacht, wieder „zuhause“. Wir sperren NESSAJA auf und legen uns einfach schlafen – den Rest machen wir morgen!

Ich schlafe im Cockpit und wache früh auf. Ich lasse Sibylle noch ein bisschen schlummern. Mir fällt ein, dass ich lange nicht mehr am frühen Morgen in Panteli beim Baden war – heute war der Tag…

Schön wieder zuhause zu sein
Morgenstimmung in Vromolithos – die Sonne kommt gerade hoch
Hurra – ich bin (fast) alleine
So schön – ich genieße es
Auch einen Kaffee gönne ich mir mal wieder
Eine perfekte Rückkehr – ein perfekter Start in den Tag

Nach meiner Rückkehr zu Sibylle und NESSAJA, trinke ich einen zweiten Kaffee während mein Schatz frühstückt – dann verlangt sie Unglaubliches von mir…

„Deine Schuhe haben ausgedient…“ höre ich sie sagen! Sie erinnert mich an eine vor Wochen leichtfertig gemachte Aussage, dass ich meine geliebten und bewährten Terrex GTX IRGENDWANN nach unserer Tour aufgeben würde. Sie meint nur lapidar – „…irgendwann ist jetzt!“

Ich versuche meinen Tränen zu verbergen…

Leichte Verschleißspuren nur
Heul, süder – die besten Schuhe meines Lebens

Ich versuche mich abzulenken – ich werte die Tour aus. Wir sind am 26.07. um 19.00 Uhr losgefahren und waren am 22.08. um 23.50 Uhr zurück – somit fehlt uns ein Tag auf eine Reisedauer von vier Wochen. Die Reise hat uns, das ist kein Geheimnis, rund 4.000.-€ gekostet – ein Faktor über den wir noch ein paarmal sprechen werden.

Drei Tausenderdurchläufe – Gesamtstrecke rund 2.593km plus 75km -> 2.668km

Wir haben eine Gesamtstrecke von fast 2.700km gefahren, dabei haben wir an 13 unterschiedlichen Orten übernachtet. Die Zahl der Kurven ist nicht erfasst, es waren Hunderte – eine Tour zum Zungeschnalzen!

Unsere Tour – Fähre (schwarz) / Motorrad (rot)

Wir drei, das heißt meine Sibylle, meine treue GS und auch ich, haben uns wacker geschlagen. Es gab keine Pannen oder Ausfälle und nur einmal eine wirklich kleine Diskussion. Regen? Auch nur einmal…

Ich werde aus meinen Gedanken gerissen – jemand hat Störche in der Marina gesehen! Tatsächlich! Ein Schwarm Störche hat sich unsere Heimatmarina als Zwischenstop auf dem Weg in den Süden ausgesucht. Die Vögel lassen sich überall nieder – an bequemen und unbequemen Orten…

Wer auf einem Bein stehen kann, findet überall ein Plätzchen

Mich ficht das nicht an – ich hänge weiter meinen Gedanken nach. Störche, pah, haben wir stetig auf unserer Fahrt gesehen! Dazu etliche streundende Katzen und Hunde, wilde Schildkröten, Pferde und Wasserbüffel. Zu diesen Eindrücken addiert sich die Sichtung einer Schlange und die Tatsache, dass wir vier Wochen in unbeschreiblich schönen Landschaften unterwegs waren.

Ich denke, dass wir Beide die Eindrücke erst noch verarbeiten müssen!

Am ersten Abend gehen wir mit den Nachbarn von der JASPER ins „SouVLakki“ und erzählen unsere Geschichte. Danach sacken wir beide total erschöpft und zufrieden ins Bett.

Der Tag endet, noch ein Giros und dann ab in die Falle

Am Folgetag kommen wir langsam im Alltagsleben an. Wir treffen nach und nach die Freunde aus der Marina, auch Gabi und Gottfried kommen mit ihrer HARMONY an und fragen nach unserer Geschichte. Wir teilen das Erlebte gerne – „…sollen wir heute Abend zusammen Pizza essen?“

Perfekt, auch der heutige Abend ist schonmal geplant. Ich beschließe, heute nach der ELOWYN zu sehen, dann würde ich mit dem Blog beginnen – ich brauche diesmal sicher länger!

Auf der ELOWYN wollte ich nur das Ladegerät einschalten und nach dem Rechten sehen – leider lag am Landstromkabel kein Strom an, ich musste eine Kleinreparatur starten – na toll…

Bisschen gammelig der Stecker
Hm, Ursache gefunden???
Das Cockpit wird zur Werkbank
Ich mach´s neu – sicher ist sicher

Meine Reparatur ist nicht von Erfolg gekrönt – ich hätte den Fehler gleich an der Marina-Stromsäule vermuten sollen. Ich wechsle die Steckdose für den, nun frisch aufgemöbelten, Stecker und siehe da – es tut!

230V liegt an, die Ladegeräte brummen

Ist es blinder Aktionismus der mich treibt? Beileibe nein! Unsere Freunde Tina und Volker, das Skipperpaar der ELOWYN, treffen noch einmal in Leros ein um Segelfreuden zu genießen, dies wird schon am 31. August der Fall sein – ich möchte nicht, dass sich der Freund an Tag 1 seines Urlaubs gleich ärgern muss!

Am Abend erzählen wir die Langfassung unserer Geschichte den Freunden aus München. Gabi und Gottfried hören neugierig zu und fragen nach. Es ergibt sich, wie eigentlich immer, ein sehr ausgewogener und interessanter Meinungs- und Erfahrungsaustausch. Sibylle und ich werden ein Fazit aus der Reise ziehen, welches wegweisend für unsere „neue“ Zukunftsplanung sein wird. Wir geben den Freunden erste Hinweise.

Der Abend endet nach einem Eis bei „Repapis“ und schreit nach Fortsetzung, diese lassen wir die nächsten Tage folgen. Der vollendete Genuss der süßen Eissorten war mir diesmal versagt – kaum saßen wir an unserem Platz und löffelten unser Eis, setzte sich ein schmauchender Geselle an den Nachbartisch.

Rücksichtslos, zumindest dort wo andere essen

Auffällig ist häufig, dass diese rücksichtslosen Gesellen, den Rauch nicht auf den Tisch blasen an dem sie selber sitzen – meist dürfen sich die Nachbartische daran erfreuen!

Leicht angesäuert gehe ich ins Bett.

Am Folgetag ist eine brutheiße Schwüle. Ich telefoniere mit Volker, er braucht ein paar Maße von ELOWYN. Ehrlich antworte ich ihm, dass er die gerne bekommen kann, aber erst nach Sonnenuntergang! Sibylle liest und schwitzt, ich schreibe den Blog und schwitze auch…

Als die Sonne recht tief steht, gehen wir zum blauen Boliden unserer Freunde und messen das Lazybag des Großbaumes aus.

Da kommt man nicht so leicht ran
Maße erfasst – ich sende die Zeichnung per Messenger

Sibylle hat mir geholfen, ich möchte sie auf einen Drink im „Harris“ einladen. Das hat gleichzeitig den Vorteil, dass ich dort eine Tischreservierung für die kommende Woche machen kann.

Sibylle freut sich, wir fahren hoch zur Windmühle…

Stetige Rufbereitschaft – wann kommt das Enkelchen auf die Welt
Wir bestellen uns einen „Strawberry Smash“
Wir genießen – der letzte Besuch ist lange her

Für den Abend hatten wir uns mit den Crews der JASPER und LIBERTÉ ein weiteres Mal zum BBQ verabredet. Jeder brachte was mit, ich stelle meinen Cobb auf und schon steht die Grillparty am Strand – einfacher geht es nicht!

Macht Spaß, ist kommunikativ und das Essen ist lecker!

Der Cobb ist schon heiß – wir treffen uns am Marinastrand
Kleine Runde, aber sehr viel Spaß
Auf den Cobb kommt nur Erlesenes von Xatzigrigoriou – dem Edelmetzger aus Lakki

Spät gingen wir zurück auf´s Schiff und ließen den Abend bei einem Ouzo an Bord der JASPER ausklingen, schee war´s!

Ich schlafe nach wie vor im Cockpit, leider muss ich mich regelmäßig über die Rücksichtslosigkeit einiger Marinalieger ärgern. Heute Nacht um 00.30 Uhr startet ein Stegnachbar seinen Roller direkt neben meinem Schlafplatz – er wartet auf seine Frau…

Eine Minute, zwei Minuten, die Gattin kommt nicht, der Roller knattert aber – ich rufe rüber ob er die Karre nicht ausmachen kann. Offen gesagt, solche Vorfälle sind der Grund, warum Sibylle und ich unseren liebgewonnenen Platz aufgeben werden und weiter in die „Outbacks“ der Marina gehen werden – ich will meine Ruhe haben, zumindest nachts.

Über die Nationalität des gleichgültigen, arroganten Rüpels lasse ich mich nicht aus – ich denke, ihr könnt es erraten.

Am Morgen schäle ich mich gerädert von der Salonbank – wir rufen einen Ruhetag aus. Wir frühstücken und fahren an den Panteli Strand zum baden. Um die Ausschüttung von Glückshormonen zu forcieren, gönnen wir uns mal wieder ein Eis im „Sorbet“…

Salted Caramel und Mango – harmoniert perfekt

Mein Telefon klingelt, eine Nachricht von Loukas, dem Motorradhändler, schneit herein. ER IST DA!

Ich habe mich durchgerungen, mir in Leros einen neuen „Inselhelm“ zu bestellen. Ich habe meinen NOLAN Superhelm noch, er ist mir für die Insel, mit Sonne, nassen Haaren, Salzluft und Schweiß – zudem mit dem ständigen Risiko des Herunterfallens, einfach zu schade und zu teuer.

Für solche Einsätze habe ich einen offenen Jethelm mit Augenvisier – diesen habe ich jetzt ersetzt, weil er aus vorgenannten Gründen weit verschlissen war und zudem die Feder der Schließe des Kinnriemens gebrochen war – ich hatte das mit einer Gummilitze repariert…

Den Ersatzhelm hatte ich bei Loukas gefunden, das Design gefällt mir – meine Größe musste er bestellen. Jetzt ist er abholbereit!

Morgen hol´ ich ihn ab

Am nächsten Tag, sofort nach meiner ersten Tasse Kaffee, hole ich den für mich bestellten Helm ab. Er passt gerade so, ich werde ihn „eintragen“ müssen – Sibylle schlägt vor, dass ich ihn beim Blogschreiben tragen soll. Keine gute Idee!

Eng – oder einfach die alte, ausgeleierte Pille gewohnt
Zeit „lebwohl“ zu sagen – drei sind einer zuviel
So verschwindet auch mein Inselhelm nach sechs Jahren Einsatz in der Tonne

Sibylle und ich besuchen Marietta. Ich habe Hunger und möchte ein Stück ihres sensationellen Chickenpie haben. Leider gibt es den begehrten Pie heute nicht, trotzdem bestellen wir etwas -mittags bei uns eine absolute Ausnahme.

Tapfer – Salat für Sibylle
Spaghetti mit Bekri Meze für mich

Wie schon die letzten Tage, vertrödeln wir den Nachmittag – ich schreibe viele Stunden an meinem Blog, Sibylle liest. Wir beide freuen uns auf den Abend, denn wir sind auf der HARMONY zum Dinner geladen.

Kommt um 20.00 Uhr

Gabi hat herrlich gekocht. Wir genießen Geflügelpflanzerl und frisches Pfannengemüse im Schein des fast vollen Mondes. Es erübrigt sich fast zu erwähnen, dass wir bis spät in die Nacht quatschen.

Erst nach Mitternacht gehen wir heim

Der August hat noch zwei Tage. Langsam sinken die Temperaturen ein wenig, die Luftfeuchtigkeit nimmt ab. Die Nächte werden auch etwas kühler, der Organismus erholt sich.

Dennoch sind wir faul und lassen die Tage vergehen. Sibylle liest viel und kommuniziert mit Deutschland. Das Baby ihrer Tochter steht in den Startlöchern und kann jeden Tag auf die Welt kommen. Sie bucht die Flüge für ihren Deutschlandbesuch Ende September.

Ich schreibe mehrere Stunden am Tag meinen Blog und überlege viel, wie ich mit NESSAJA weiter verfahre. Ich werde sie wohl noch im September zum Verkauf anbieten. Es sind zwar Lösungen, Lebensmodelle denkbar, in denen sie weiter eine Rolle spielt, aber um überhaupt eine fixe Entscheidung treffen zu können, muss ich wissen, ob sie zu meinem Preis verkäuflich ist.

Die Quintessenz – finde ich keinen Käufer zum Minimalpreis, dann bleibt sie mein Wohnsitz, egal wo! Nur wenn sie zum Sollpreis verkäuflich ist, sind Anpassungen unserer zukünftigen Ausrichtung möglich.

Die Freunde von der ELOWYN kommen bald – das verspricht neue Impulse und Kurzweil. Ich möchte den Kühlschrank einschalten, der Freund soll kühles Bier vorfinden!

Ich wähle den richtigen Kühlschrank aus
Fehlfunktion! Wir werden doch reparieren müssen

Ich erkenne, dass auch zehn Jahre alte Luxusyachten Kummer machen. Boote sind einfach ein Groschengrab.

Ich will meinen Chickenpie! Sibylle hat Mitleid und Einsehen und schlägt das „To Paradosiako“ in Agia Marina vor. Sie soll Recht behalten! Das charmante, kleine Café hält den begehrten Pie vor und offeriert ihn gerne…

Chickenpie – endlich

Leider holt mich der bereits mehrfach angeprangerte, niedrige Qualitätslevel vieler hier zu erwerbender Produkte auch bei meinem neuen Helm ein.

Es löst sich ein Gitter einer Luftführung für die Belüftung – nicht sicherheitsrelevant, aber es sieht doof aus. Das will ich nicht, ist der neue Kopfschutz doch erst zwei Tage alt. So greife ich zu Kleber und Werkzeug und repariere das NEUE Trum!

Und bist Du nicht willig…

Wichtiges Telefonat aus Deutschland! Baby Heidi nimmt Anlauf – es könnte sein, dass sie noch im August auf die Welt kommt. In jedem Fall gehen die Eltern in spe jetzt mit ihr ins Krankenhaus. Sibylle wird informiert, man wünscht sich alles Gute – „…wir hören uns bald!“

Das Telefon wird in 24h Bereitschaft versetzt, dann kehrt Sibylle zu ihrem Schmöker zurück.

Telefon und Reader wechseln sich in ihren Händen ab

Zum Dinner sind wir im Haus der Freunde Mireille und Roland geladen, Die Beiden sind die Crew der SUNNY SIDE UP und wollen mehr zu unserer Motorradtour hören – der vergangenen und der vom letzten Jahr. Sie werden spät im September Karpathos mit dem Roller besuchen und erhoffen sich Tips, die wir gerne geben.

Wir finden uns um 19.00 Uhr zum Apero im Haus der Freunde ein…

Wunderschöner Blick über Vromolithos
Zum Apero auf die Dachterrasse
Später gehen wir nach unten, der Mond geht auf
Tolle Farben, tolle Stimmung
Zunächst ein Blutmond zur blauen Stunde
Später der gelbe Ball in pechschwarzer Nacht

Es gibt Barbeque, dazu Ofenkartoffeln und als Dessert einen Obstsalat – es schmeckt lecker. Zusammen mit Freunden essen und über Gott und die Welt quatschen. Das ist das Salz in der Suppe, was will man mehr?

Chicken Souvlaki und Ofenkartoffeln

Zufrieden fahren wir nach Hause und gehen ins Bett!

Es ist der 31.08.2023 – der letzte Tag des August. Ich wache früh auf und setze mich an mein Laptop um den Blog zu finalisieren. Da gibt Sibylles Telefon ein BIMM von sich. Aufgrund der besonderen Situation sehe ich nach…

HEIDI ist da! Mutter und Tochter sind wohlauf – Sibylle und ich haben ein fünftes Enkelkind.

Nachdem Sibylle wach ist, freuen wir uns erst einmal gemeinsam. Dann beschließen wir, den Tag gebührend bei einem Frühstück im Marinarestaurant zu beginnen.

Die stolze Oma

Was bringt der letzte Tag des August? Blog schreiben für mich, Telefonate für Sibylle – man beglückwünscht sie und stellt neugierige Fragen. Wir warten auf die Ankunft von Volker und Kristina nebst Gästen.

Mittags mache ich eine Pause und Sibylle verwöhnt uns abermals mit Obstsalat – die Reste von gestern müssen weg.

Echt lecker – und gesund

Später kommen Angelika und Gabi vorbei, um mit Sibylle zusammen die Ankunft der neuen Erdenbürgerin zu feiern. Man stößt mit einem Gläschen Sekt auf die Geburt an.

Prosit die Damen

Ich borge mir Hans-Peters Pick-Up um das Gepäck der ELOWYN Crew am Flughafen abzuholen. Wir begrüßen die Freunde bei der Ankunft und helfen so, unnötigen Aufwand zu reduzieren. Für die Personen steht natürlich ein Leihwagen bereit!

Wir warten – der Flieger sollte gleich kommen
Mit 10 Minuten Verspätung gelandet
Volker, da ist er – ich erkenne ihn, wundere mich aber über die weißen Sportsocken
Ok, ich gestehe – sehr nette Details

Der Rest des Abends ist schnell erzählt – wir fahren zusammen in die Marina, die Freunde beziehen ihre ELOWYN und offerieren ein Bier.

Nach einer schnellen Dusche, treffen wir uns im „Pirofani“ in Panteli und lassen den herrlichen Abend bei reichlich Meze, Ouzo und allerlei pointierten Geschichten und Anekdoten ausklingen.

Abermals war das „Pirofani“ eine gute Wahl

GRATULATION – ihr habt durchgehalten und meinen bisher längsten Blog bis hierhin , bis zum Schluß, gelesen. Dafür danke ich euch, es macht Spaß diese Phase des Lebens zu teilen und es ist auch schön zu merken, wieviele Freunde mit uns fiebern.

Mein Fazit – der Monat war besonders! Er war abwechslungsreich, spannend, kurzweilig. Er bot Erlebnisse und ein wenig Abenteuer, er war Gelegenheit, neue und nette Menschen kennen zu lernen und neue Eindrücke zu sammeln. Obwohl wir „im Land“ blieben, hat die Fahrt unseren Horizont etwas erweitert, sie war bereichernd.

Wir haben gemerkt, dass ein Fahrzeug mit dem man vielleicht nicht so vertraut ist wie mit einem PKW und mit dem das Reisen vielleicht höhere Risiken birgt, durchaus ein perfektes Vehikel sein kann.

Dumm nur, dass all diese Erkenntnisse NICHT bei einer Segelreise mit NESSAJA kamen – der erste echte Reisebericht meines Blogs, stellt den Titel „sailingmoments“ in Frage…

Dies ist die perfekte Überleitung um noch ein paar sehr persönliche Worte an euch zu richten. Ich will gerne erklären wo wir heute stehen und welche Optionen auf dem Tisch liegen.

EPILOG – wie ist der heutige Stand der Dinge, was haben die Überlegungen ergeben, gibt es neue Erkenntnisse – kurz – wie geht es weiter?

It’s my life
It’s now or never

Nach der Reise, auf der wir viel erlebt haben und auch viel Zeit für Gespräche hatten, kristallisieren sich für uns folgende Optionen heraus.

  • Wir verkaufen NESSAJA und kaufen ein Haus auf Leros – klassisches Auswandern als – die Sicherheitsvariante
  • Wir verkaufen NESSAJA und ersetzen sie durch ein „ExMo light“ um damit große Touren an Land zu fahren – wir träumen dabei ein wenig von der PanAmericana – die Abenteuervariante
  • Wir behalten NESSAJA, machen kleine Runden durch die Ägäis und nutzen sie weitgehend als Wohnschiff. Mit einem Motorrad könnten wir Europa bereisen – die Erlebnisvariante
  • Wir bringen NESSAJA ans europäische Festland, z.B. Portugal (Atlantikküste) und wohnen auf ihr. Mit einem Wohnmobil bereisen wir Europa – die Kompromissvariante
  • Wir lassen alles wie es ist und genießen unser Leben weiter und sehen alles etwas lockerer – die entspannte Variante

Klar, das alles liest sich einfacher als es ist. Bei allen Entscheidungen hängt im Hintergrund etwas dran, immer ist zu Überlegen, wie man sich für´s Alter sicher aufstellt ohne sein Basiskapital zu gefährden. Bei manchen Überlegungen müsste ich meine Wohnung in Deutschland verkaufen, bei anderen nicht – alles will wohl abgewogen sein…

Bis vor einer Woche hätte ich zumindest zwei Optionen benennen können, welche ich favorisieren würde – gestern, am 01.09. hat sich eine neue Möglichkeit aufgedrängt. Dazu aber mehr im Septemberblog 😉

Es bleibt spannend, bleibt dran!

Einen schönen September wünscht euch – die NESSAJA Crew

Mario & Sibylle


Juli 2023 – Englishman in New York

Surprise, surprise – der Julibericht kommt diesmal mit deutlicher „Verfrühung“ (ist das ein deutsches Wort???), na egal, er kommt eben deutlich vor Ablauf des siebten Monats des Jahres 2023. Dies ist darin begründet, dass ich ab 26.07. keine Zeit zum Schreiben habe, der Bericht wird daher auch nur bis zu diesem Tage reichen.

Warum das so ist erfahrt ihr natürlich im Verlauf dieses Monatsblogs…

„Englishman in New York“ , der Sting Song aus dem Jahr 1987 also als Headline für den Juli. Warum das?

Oh, I’m an Alien, I’m a legal Alien
I’m an Englishman in New York

ich zitiere den Musikguru – „…der Song handelt von einem Engländer, der in New York lebt. Er beschreibt seine Erfahrungen, wie es ist, ein Ausländer in einer anderen Kultur zu sein. Er ermutigt den Hörer, selbstbewusst und freundlich zu bleiben, egal was andere sagen. Am Ende betont er, dass es mehr als nur Kampfkraft braucht, um ein Mann zu sein, und dass es wichtig ist, sich selbst treu zu bleiben…“

Sicher denkt ihr nun, dass ich als Deutscher in Griechenland so fühle – weit gefehlt! So ging es mir, als ich nach 9 Monaten Griechenland wieder zu Besuch in Deutschland war – I´m an Alien, I´m a legal Alien…

Die Hochzeit des Sohnes als Anlass für den Besuch – ein guter Grund

Doch von Anfang an – lasst euch entführen in unsere Welt, unser Leben 2.0 inmitten der Inselwelt der griechischen Ägäis. Erlebt mit uns den Einzug des Hochsommers und bekommt einen Einblick in unser Leben auf NESSAJA, hier auf der Dodekanesinsel Leros.

Ich hatte im letzten Monatsbericht ja schon im Ausblick verraten, dass die erste Monatshälfte des Juli im Zeichen unseres Deutschlandbesuches stehen würde. Wir würden in vier Tagen aufbrechen und es gab noch ein paar Dinge vorzubereiten.

So machte ich auch am 01.07. meine Aufwartung bei Giorgos in dessen „Boat & Parts“ Shop – und siehe da, auch hier werde ich, in Form von Manolis´ Spielzeug, mit meinem Namensvetter konfrontiert…

Ich wehre mich nicht mehr – langsam setzt sich der Name fest

Ich kläre mit Giorgos ab, wie wir mit dem Tender der ELOWYN verfahren wollen und wer welche Aufgaben übernimmt. Das klingt kompliziert, ist aber darin begründet, dass ein „Williams-Tender“ eben kein Brot und Butter Dinghy ist. Es fehlen Erfahrungswerte, Werkstattliteratur und eine zuverlässige Quelle für Ersatzteile.

Auch für Hans-Peter geben wir noch Kleinteile in Auftrag – wunderbar, alles klar? Ok, auf bald!

Am Nachmittag habe ich Zeit, mich der momentan erfreulich kurzen Aufgabenliste auf NESSAJA zu widmen. Wir haben gefunden, was zumindest mitverantwortlich für die reduzierte Entnahmemenge aus unseren Wassertanks ist – das System saugt Luft, sobald der vordere Tank leer ist. Ein Absperrhahn muss her!

Miese Qualität und schlecht zugängliche Stelle

Ich schmeiße also den Billighahn raus und beschließe, den qualitativ hochwertigen Ersatz an besser zugänglicher Stelle zu montieren. Das birgt das Risiko, dass der Absperrhahn nicht unmittelbar am Tankausgang ist, die kurze Whale Leitung somit eine theoretische Fehlerquelle darstellt – aber ich muss nicht mehr Matratze und Lattenroste abbauen um den Tank abzusperren.

Ein Whale Hahn zieht an gut zugänglicher Stelle ein

Weil ich für alle Tanks die gleiche Funktion anbieten will, habe ich gleich drei solcher Hähne gekauft. Da es aber ab dem frühen Nachmittag immer recht warm wird, werde ich die Bastelarbeiten zu einem anderen Zeitpunkt fortsetzen.

Weil uns der Schweiß in Strömen über den Körper rinnt, fahren wir mit dem Mopped zum Lieblingsstrand nach Panteli. Aber so schlau waren andere auch – der sonst so idyllische Beach war zum ersten Mal ziemlich angefüllt.

Sibylle macht gute Mine – ich bin genervt

Wir gehen ins Wasser, welches erfreulicher Weise immer noch recht erfrischend ist, trinken jeder eine Kaltschale des weltbekannten US-Großkonzerns und fahren dann wieder zurück zu NESSAJA – mir liegt da noch was auf der Seele…

Ich gebe zu, manchmal kann ich nicht ablegen „deutsch zu denken“ – so auch heute. Wir lassen unser Zuhause einige Tage alleine, der Platz neben mir ist nicht besetzt. Das klingt zunächst gut, aber wenn ich erstmal weg bin, muss ich die Dinge so nehmen wie sie kommen. Da ich sowohl die Anlegemanöver als auch das nachbarschaftliche Verhalten einiger Mitmenschen schon lange beobachten darf, möchte ich das nicht.

Da ich weiß, dass Werner seine ALENA gerne neben mir wüsste und er mir auch den Schlüssel nebst Gesamthoheit anvertraut hat, verbünde ich mich mit dem Marinero unserer Marina und setze, zusammen mit Hans-Peter, meinen Plan um – wir verlegen ALENA!

Da kommen wir schon
Brutaler Radeffekt bei der HR, leider zur falschen Seite. Der Marinero muss etwas schieben
Passt genau
ANLEGESCHLUCK gewünscht!

So gefällt mir das! Ich zupfe die Festmacher von NESSAJA und ALENA zurecht. Kein Fenderqietschen an meiner Steuerbordseite, an Backbord reichlich Platz und die Lücke neben mir belegt. Ich werde mit einem guten Gefühl abreisen.

So soll das

Am Abend gehen wir zum Essen ins „To Steki“ und freuen uns über einen Platz am Strand. Der Vollmond war schon zu sehen als es noch hell war…

Blick auf Agia Marina und das Kastell – von Alinda aus

…und sorgte nach Einbruch der Dunkelheit für eine phantastische Szenerie – ein herrliches Ambiente um den Tag ausklingen zu lassen.

Der gleiche Blick bei Nacht

Ich habe nicht gut geschlafen! Irgendwie bin ich total zerstochen – sicher Schnaken im Schlafgemach! Ich konnte bei einem nächtlichen Jagdversuch aber keinen der lästigen Quälgeister entdecken. Irgendwie verwundert es mich, dass die Stiche, nicht wenige übrigens, auf der Schlafseite meines Körpers sind.

Ich informiere Sibylle und klage mein Leid! Sie schenkt meiner Pein keine Beachtung und kanzelt mich mit einem „…stell Dich nicht so an…“ ab. Ein FATALER Fehler wie sich noch zeigen sollte!

Irgendwie halte ich den Juckreiz nicht mehr aus, ich stehe auf, mein Tag beginnt früh…

Gähhhhn, früher Vogel fäng… (aber das wisst ihr ja)

Ich muss meine Lebensgeister wecken und koche mir ein Käffchen. Ich habe mir vorgenommen, eine Art „Brainstorming“, eine Gedankensammlung zu Papier zu bringen, bzw. in den Rechner zu tippen.

Frisch gebrüht, heute 1,5 Löffel statt nur einem
So sitze ich hier und sammle meine Gedanken

„Brainstorming“??? Für was??? Für die Rede! Mein Sohn hat sich eine Rede gewünscht!

Offen gesagt, ich hatte wenig Lust, hatte auch den Hauch eines Versuches gestartet, mich von dieser Last zu befreien – erfolglos! Der Bub möchte, dass sein Vater ein paar Worte zu seiner Hochzeitsfeier sagt, wie könnte ich das verwehren?

Mir war von Anfang an klar, dass ich keine Standardrede halten würde, ich wollte frei sprechen, dennoch wollte ich meine Gedanken sammeln und mich etwas vorbereiten.

Mein Junior hatte für sich eine schlüssige Argumentationskette vorbereitet „…wer vor 100 Menschen weltweit Fachvorträge in Englisch halten kann, kann auch eine Rede auf einer Hochzeit halten…“ – nun, das ist nicht dasselbe! Die Gründe, so habe ich ihm erklärt, sie liegen in der Vergangenheit verborgen und sollen da auch bleiben, er hat zugehört und mir auf die Schulter geklopft, „…Du machst das schon…“! Na toll!!!

Rache ist Blutwurst…

Noch ist das Blatt leer

Ich erlaube mir einen Spaß und schreibe sinnlos eine Seite voll, geschwollen, gestelzt und hochnotpeinlich – diese schicke ich Stefan und verweise auf meine Fortschritte „…bin fast fertig, nur 64 Seiten inklusive Danksagungen, ich brauche rund 50 Minuten!“

Der Sohn antwortet „Du Depp!“ – ich nehme es als Kompliment, er ist wohl ein wenig verunsichert 😉

Nach dem Frühstück sehe ich nach ELOWYN, auch hier hat der kräftige Meltemi der letzten Tage Spuren hinterlassen. Der armdicke Ruckdämpfer war gerissen.

Wo rohe Kräfte sinnlos walten

Ich informiere meinen Freund Volker in der Oberpfalz und nehme die Entscheidung entgegen – die Leine anholen, sonst nix machen. Ok, aye, aye, Skipper – wird gemacht!

Ich baue noch das zweite Tankabsperrhähnchen bei NESSAJA ein, dann wird es wieder heiß.

Für den hinteren Tank, auch hier gut zugänglich unter einem Bodenbrett

Hitze und Meltemi ist wie vor einem großen Föhn zu sitzen. Ich beschließe, den Rest des Tages zu verdröseln. Wir halten Siesta, eine gute Sache, welche ein paar Wochen später auch für Deutschland vorgeschlagen werden würde – verrückte Welt!

Erst abends erwachen wir zu neuem Leben, Sibylle liest bis spät in die Nacht. Sie leidet etwas unter den Temperaturen…

Lesen bis man todmüde ist

Bei den momentan vorherrschenden Temperaturen muss man wirklich müde sein um schnell einzuschlafen. Dann geht es. Ich plage mich dann kaum, Sibylle etwas mehr – wir reden von 28°C bis über 30°C im Schlafraum.

Wir versuchen die Schlafmodalitäten zu optimieren. Der Ventilator läuft die ganze Nacht! Es kommen feuchte Tücher auf der Brust zum Einsatz, die Decken weichen den einfachen Laken. Wir sprechen über die Anschaffung einer Klimaanlage, zu meiner Überraschung kneift Sibylle aber bei diesem Punkt. Ich schlafe im weiteren Verlauf des Monats im Cockpit, manchmal hilft ein Ouzo mehr, ab und an kommt die Brause nachts zum Einsatz. Es ist Hochsommer in Griechenland!

Wichtig für mich dabei – wie starte ich in den Tag…

Panteli, morgens um 07.30 Uhr – noch nix los
Alleine am Strand, die „Yachties“ schlafen noch

Ich genieße es zu schwimmen, werde wach, trinke einen Kaffee. Das klappt zu dieser Zeit noch gut. Später im Monat werde ich diesen liebgewonnenen Brauch wegen der Wärme und der vielen Urlauber aufgeben.

Nach dem Frühstück gehen Sibylle und ich ins Reisebüro. Der Tag der Abreise rückt näher, wir müssen unsere Fährtickets kaufen.

Old School Schreibtisch im topmodernen Reisebüro

Tagsüber bereiten wir unsere persönlichen Dinge vor. Es muss eine Datensicherung zum Quartal gemacht werden, der Rechner für die Sicherung der Festplatten zuhause vorbereitet werden. Ein paar Termine sind noch zu fixieren und letzte Dinge müssen noch bestellt werden.

Computerwork auf NESSAJA

Der Inhalt des Kühlschrankes ist schon reduziert, wir verabreden uns daher nochmal mit unseren Stegnachbarn zu einem gemeinsamen Dinner im „SouVLakki“. Auf dem Weg dorthin, drängt sich mir etwas Seltsames ins Auge…

Lakki Quay – geht´s hässlicher???

…ich nehme mir die Zeit, den Schlenker dorthin zu fahren. Ich will ein Foto von diesem Quasimodo der Meere – ich habe noch nie so ein hässliches Schiff gesehen. Ich kann mir ein Kopfschütteln nicht verkneifen – auffallen um jeden Preis, so gelingt´s!

Ich fahre zum Girostempel wo die Freunde schon warten.

Immer wieder gerne

Diesmal fällt die Wahl aber nicht auf die klassischen Gerichte wie Giros oder Souvlaki, diesmal gönnen wir uns jeder ein halbes Hähnchen als Platte – eine gute Portion!

Sibylle haut es weg – keine Gabe für mich

Danach geht es noch, das wird euch nicht überraschen, ins „Repapis“, wo wir den Tag bei einem köstlichen Eis ausklingen lassen. Ein Gedicht!

Der „Eispalast“ von Lakki – ein Schlaraffenland

Der Tag unserer Abreise ist angebrochen. Wir frühstücken, machen „klar Schiff“ und packen unsere Reisetasche für den Deutschlandbesuch. Wir haben den Aufenthalt mit einer Dauer von sechs Tagen diesmal kürzer geplant, da wir ja mitten in der Segelsaison sind. Soweit zunächst mal der Gedanke…

Mittags um 12.30 Uhr geht unser Bus zum Fähranleger auf der anderen Inselseite. Wir würden in Kos übernachten müssen, eine eintägige Anreise war an diesem Tag nicht zu buchen.

Trifft pünktlich ein
Wir nehmen Platz und haben Spaß an der 20-minütigen Fahrt

In Agia Marina angekommen, haben wir eine Stunde Zeit – die verbringen wir, wie eigentlich immer, im „To Paradosiakos“ und trinken einen Cappuccino und gönnen uns eine kleine, süsse Sauerrei. So vergeht die Zeit rasch und bald schon läuft der Katamaran von „Dodecanese Seaways“ ein – er wird unser Zubringer nach Kos sein.

In 1.45h nach Kos
Ein bisschen wie im Flieger – und voll klimatisiert

Da wir wussten, dass wir eine Zwischenübernachtung planen müssen und diese natürlich auch zu bezahlen war, haben wir anderweitig auf die Kosten geachtet und wollten günstig reisen.

So auch in Kos, die Fahrt mit dem Taxi zum Flughafen bzw. nach Mastichari, dem Ort in dem unser Hotel war, kostet normaler Weise ca. 40.-€ – die Busfahrt nur 3.20.-€. Da ist das Abendessen schon eingespart! Da wird meine Gattin zum Sparfuchs…

Busfahren auf Kos ist nicht teuer
Die Busse sind komfortabel und gut, die Klimaanlagen blasen eisige Luft auf die Köpfe

Nach etwa 45 Minuten Fahrt im voll besetzten Linienbus, steigen wir im flughafennahen Zielort Mastichari aus. Der Ort ist ein Badeort an der Nordküste von Kos, nicht unbedingt mein Fall, aber für einen Kurzbesuch ganz ok.

Wir trappeln mit unserer Tasche quer durch das Touristendorf, Google führt uns zum Apartmenthaus und direkt an einem Bazarstand vorbei, wo Sibylle noch ein Tuch kauft – sie sagt, dass sie „…es ganz dringend braucht…“! Ok, wenn das so ist…

Wir kommen in der Pension an.

Blick vom Balkon – Richtung Strand
Innenhof
Von außen – unten in der Mitte wohnen wir

Nett eigentlich. Ich würde hier NIEMALS Urlaub machen wollen, aber generell und für den kurzen Aufenthalt, waren wir eher positiv überrascht.

Jetzt haben wir Hunger, auf an die Strandpromenade, wir suchen uns ein Lokal!

Die Sonne geht gerade unter, der Strandtag neigt sich dem Ende zu

Google schickt uns anhand der dort gegebenen Bewertungen ins „Palatiano“. Das haben wir nicht bereut! Ein tolles Lokal, durchaus preiswert mit einer guten Küche. Ein guter Tip der allwissenden Suchmaschine!

Das banale Bier wird zum „Sundowner“
Gebackene Shrimp-Rolls
Tagania Kotopoulou – eine Hähnchenpfanne als Meze
Feta im Sesammantel
Sibylles Souvlaki
Meine Tagliatelle mit Chicken & Chilli

Den perfekten Sonnenuntergang gab´s als „Dessert“ gratis dazu – wir haben es genossen.

Sunset vor der Taverne – von unserem Tisch aus fotografiert

Wir haben uns noch einen Cocktail gegönnt, den haben wir schließlich beim Busfahren eingespart, dabei die nötige Bettschwere erlangt. Während wir den Pitcher schlürften und auf dessen Wirkung warteten, war unser Zentralgestirn im Meer versunken – Tag 1 unserer Reise war Geschichte…

Wir waren geschafft, müde – ab ins Bett

Tag 2 begann leicht stressig – wir hatten kein Taxi reserviert, wir wollten wieder Bus fahren. Leider ließ sich nicht ganz klar sagen, wann denn nun der Bus zum Flughafen abfahren würde. Die von Einheimischen mittels Schätzung propagierte Zeit war ganz knapp für uns, es war zudem unsicher – wir entschieden also nach einigem Hin und Her, wir fahren Taxi!

Am Flughafen trauen wir unseren Augen kaum. Lange Schlangen! Wir stehen an, geben das Gepäck auf und nutzen die restliche Zeit für ein kleines Frühstück – dann geht alles recht rasch.

Boarding – wir sitzen in Reihe 2
Sibylle muss in die Mitte, leider…

Wir boarden und heben dann, mit rund einer halben Stunde Verspätung, Richtung München ab. Der Flug verlief unspektakulär, der Pilot konnte etwas verlorene Zeit gutmachen und so sahen wir uns, fast im Plan, auf deutschen Boden. Hallo Deutschland, schön, Dich wieder mal zu sehen…

Und schon ging es los!

Immer einer

Ja ich weiß – es liegt die Vermutung nahe, dass die Absperrlinien wohl noch aus Covid Zeiten dort kleben. Da Covid ja offiziell für „beendet“ erklärt wurde, kann man auch die Hinweise aus dieser Zeit geflissentlich ignorieren. So weit so gut…

Aber – habt ihr auch schon mal an einem Gepäckband gestanden, an dem ALLE ganz vorne stehen wollten? Habt ihr die Szenen beoabachtet, wenn Menschen deren Gepäck tatsächlich kommt, sich den Weg zum Band bahnen müssen, wie sie sich plagen ihre Last durch die Menschenmassen hinter ihnen zu pressen? Wer das kennt weiß, dass der Streifen auch NACH Covid sinnvoll ist, es braucht halt a bissl Hirn dafür.

Wenn ihr mich jetzt für kleinkariert haltet – ich behaupte, die Linien beziehen sich nicht auf Covid, man unterstellt das nur – „we care“ – darum geht´s. Zum ersten Mal denke ich an Stings Song „…I´m an Alien…“

Wir bekommen unsere Tasche rasch, gehen zur S-Bahn und fahren über die Münchener Innenstadt weiter bis nach Miesbach. Zwischenzeitlich müssen wir in die Regionalbahn umsteigen. Wir informieren die Schwiegertochter, dass wir im Plan sind, sie hat versprochen uns am Bahnhof abzuholen.

Bayern, unser Heimatort Miesbach, empfängt uns ungastlich. Kurz nach einem Hagel, müssen wir im Regen zum Auto hasten um nicht völlig durchnässt zu sein. Die Begrüßung findet erst zuhause statt…

Blick in den Garten – grau, Regenwetter
Wir wussten es – keine Überraschung

Die Schwiegertochter gibt uns unsere Pakete und die Post, wir packen alles in unser Auto, welches hier auf uns wartet. Durch das Geschenk von Franziska und ihrem Mikey sind wir wieder im Besitz eines kleinen Wagens, welcher uns die nötige Mobilität sichert.

Unsere Paktete und auch die für Freunde – natürlich SVB / Schiffsausrüster

Wir verabschieden uns temporär und fahren zu meinem Freund René an den Schliersee. Dort, in seiner Pension „Haus Seegarten“, werden wir diesmal übernachten. Dies gibt uns einerseits ein wenig mehr Privatsphäre, zudem wird diesmal auch meine Tochter mit Familie dort verweilen, eine gute Gelegenheit sich einmal länger als nur bei einem Kurzbesuch zu sehen.

Blick aus unserem Zimmer

Nach dem Check-In und dem Auspacken fahren wir sofort wieder nach Miesbach zurück, Sibylles Sohn war inzwischen von der Arbeit zurück, wir wollten zusammen eine bayrische Brotzeit genießen – es gab´ viel zu erzählen…

Fleischsalat, Kartoffelsalat, Radiserl und Brezn – für Götter
Orginal Miesbacher Stinkekäse – riecht wie Füße, schmeckt aber lecker

Wunderbar! Wir mampfen die bayrischen Schmankerl in uns rein, als hätten wir tagelang nichts zu essen bekommen. Die Gier nach dem „anderen Essen“ war einfach groß. Wir tranken zwei Bier, hatten viel zu „ratschen“ und der Abend verging rasch. Mit vollen Wänsten verabschiedeten wir uns uns und zwängten uns in unseren roten Flitzer – bis morgen, wir sehen uns…

Wir haben herrlich geschlafen! Die Betten im „Haus Seegarten“ waren bequem, es hatte die ideale Schlaftemperatur für Sibylle UND mich. Dennoch mussten wir früh raus. Sibylle hatte einen Termin, ich wollte während ich auf sie wartete ein leckeres Frühstück einnehmen.

Gedacht – gemacht!

Omelett auf Schwarzbrot, Bircher Müsli und a Kasstangerl – ein Gaumenschmaus

Überraschend schnell war Sibylle fertig und gesellte sich zu mir. Die Weichen für ihren offiziellen Renteneintritt sind gestellt, alles hat geklappt. Sie war wesentlich entspannter als noch eine halbe Stunde zuvor und wollte ebenfalls etwas frühstücken – hmmm, dumm nur, dass ich schon fertig war…

Was tun?

Egal, zweites Frühstück!

Ich gönne mir noch ein Weißwurschtfrühstück – das geht IMMER
Sibylle genießt derweil ihr Sandwich

Wir ließen Passbilder von uns machen, beantragten neue Personalausweise und Reisepässe und holten Enkelchen Otto vom Kindergarten ab. Der Knirps erzählt uns stolz, dass er jetzt den „Schnitzführerschein“ hat und betet, auf der Rückbank sitzend, die Regeln für das Hantieren mit Taschenmessern vor. Wir schmunzeln…

Den Rest des Tages verbringen wir im Garten des – Nomen est Omen – „Haus Seegarten“. Wir gehen schwimmen, treffen alte Freunde aus der Heimat und laben uns an Cappuccino und Steckerleis.

Mittags ziehe ich mich zurück – ich muss noch ein bisschen an meiner Rede feilen – morgen ist der „große Tag“!

Karteikarten – die später aber nur zur Requisite wurden

Ich fühlte mich gut vorbereitet, hatte meine Inhalte auf Karteikarten zusammengefasst. Ich habe die „Rede“ eingesprochen, Dauer rund 21 Minuten – das sollte gerade noch passen.

Dennoch merke ich, Karteikarten sind nicht mein Ding, irgendwie fühle ich mich unwohl…

Zeit sich abzulenken. Meine Tochter schneit mit einer der Enkeltöchter herein. Auch hier natürlich ein großes HALLO, wir tauschen die ersten wichtigen Infos aus, gehen baden und genießen die Zeit. Ihr Mann würde mit der zweiten Enkelin morgen nachkommen, eine Kindergartenfeier hat hier die gemeinsame Anreise verhindert.

Als „Dankeschön“ für alles, so unser langgehegter Plan, würden wir Rita und René zum Essen einladen. Da wir aber weder meine Tochter Nina, noch seinen Sohn Robin, dessen Taufpate ich bin und welcher sich für den Abend angekündigt hatte, vor den Kopf stoßen wollen, legen wir einfach fest – WIR laden EUCH alle auf einen „Griller“ ein!

René stellt die Hardware, Sibylle und ich kümmern uns um alles andere. Wir laden die Beiden somit quasi bei ihnen zu Hause zum Essen ein – klingt komisch, ist aber so.

„Glodernde Lut“ – (kann nur ein Bayer verstehen)
Feines von „Holnburger“

Auch dieser Abend war ein Highlight – wir quatschten mit den Freunden die wir schon so viele Jahre kennen, so als wären wir nie weggewesen. Dennoch erzählte jeder eben SEINE Geschichten. Geschichten, die sich manchmal in einer anderen Welt abspielen zu scheinen. Unsere großen Kinder sind auch beide da, was willst Du mehr? Wir genießen den lauen Abend im Garten am See – es war wunderbar!

Wunderbar auch deswegen, weil sich inzwischen wieder Sommerwetter eingestellt hatte. Wir hatten Glück, es sollte die ganze Woche so bleiben!

Samstag der 08.07.2023 – der Tag der Hochzeitsfeier war gekommen. Die Kleider, die dem Volksmund nach „Leute machen“, liegen bereit, wir frühstücken leicht. Es ist noch Zeit übrig, meine Tochter muss ein paar Dinge kaufen. Wir fahren zusammen in den Ort und während Nina einkauft, gehen Sibylle und ich mit Helena auf den Spielplatz – seltene Momente…

Sibylle mit Helena am Seeufer
Schliersee im Sommer – ich sehe sattes Grün statt dem sonst allgegenwärtigen Blau

Dann war es an der Zeit – wir zwängen uns in die Klamotten und die festen Schuhe, fahren die halbe Stunde zum Ort der Feierlichkeiten und tauchen ein in den Trubel der Hochzeitsfeierlichkeiten…

Alles wunderschön dekoriert
Klarer Plan

Vielleicht interessiert euch der Grund für meine ambivalente Haltung dieser Hochzeitsfeier gegenüber.

Ich will mich gerne etwas offenbaren. Zuerst, ich liebe Menschen generell – nur wenn es zuviele sind oder wenn es Charaktere sind, welche die normalen Regeln zwischenmenschlichen Umgangs missen lassen, nehme ich gerne Abstand – eine Feier wie diese ist für mein Wohlbefinden einfach zu groß.

Ich bin ein Verfechter des Grunge-Leitgedanken der 90er – „Come as you are“ hat Kurt Cobain in sein Micro geschrien – das ist ein feines Credo, welchem ich gerne folge. Alle Festivitäten mit Kleiderordnungen sind mir, dem der ein Leben in Flip-Flops lebt, ein Gräuel. Mein Sohn war aber cool in dieser Hinsicht – „…komm wie Du bist…“ hat er gesagt und mich damit natürlich entwaffnet.

Last not least – die Vergangenheit. Feste dieser Art sind Familientreffen, welchen das Risiko anhaftet, längst vernebelte Gedanken an ein Früher wieder an die Oberfläche zu holen.

Das passiert also in meinem Kopf während sich die Gäste treffen. Viele Bekannte, ein paar neue Gesichter dabei. Man stellt sich vor, hält ein bisschen Small-Talk.

Die Familie findet zueinander…

Unsere Franzi mit Babybauch trifft auf den (noch) entspannten Bräutigam

Ich habe mich entschieden, dass ich in diesem Blogbeitrag etwas mehr Privatsphäre preisgebe. Habe ich mich bisher beim Privatleben der Kinder sehr zurück gehalten, scheint es mir notwendig und hilfreich, den Blick hinter die Kulissen des Seglerlebens in Griechenland etwas freizugeben – es hilft, uns besser zu verstehen…

Es ist kurz vor 14.00 Uhr – die Hochzeitsgesellschaft zieht sich ins Trauzimmer zurück.

Auch hier – alles wunderschön vorbereitet und dekoriert
Natürlich bekommt die Familie Plätze in der Pole-Position
An kleine Details gedacht
Wer weiß, vielleicht brauchen wir es…
Der stolze Bräutigam…
…bekommt seine Amelie gebracht
Herr und Frau Rauch…
…verlassen den Trausaal in einem Meer aus Seifenblasen

Es war eine sehr schöne Trauung mit einem wirklich guten freien Trauredner. Er hat eine einfühlsame und sehr offene Rede gehalten und ich bekam, wirklich sehr kurzfristig, ein paar Impulse für meine „Rede“, welche noch zu halten war – Steilvorlagen quasi – ich beschloss, mein Konzept komplett umzukrempeln!

Die Gesellschaft ging ziemlich nahtlos über vom offiziellen Teil zum Freestyle-Part des Tages. Die Party nahm langsam Anlauf und kam in Schwung, hier ein paar Impressionen…

Die Band war bekannt für Musik im Boogie, Dixie und Rockabilly Sound – hier unplugged
Während der Fotosession sogar a capella
Stolzer Opa – mit Enkeltochter Ronja
René und ich – best friends seit 1983 – wir haben also unser 40-jähriges
Mutter und Tochter (nebst Baby 😉 )
Ländliche Idylle
Viele Gäste – zwei Familien und eine Horde Freunde, zusammen rund 100 Menschen

Es wurde in den großen Festsaal gerufen, es war Zeit für Kaffee und Kuchen. Wir folgten diesem Ruf und stiegen die Treppen hinauf zur alten Heulege, die zu einer Feierlocation der Extraklasse umgebaut worden war. Natürlich gab es eine Sitzordnung…

Wo sitzt Enkelchen Benno (stilecht im T-Shirt mit Schiffsmuster)
Perfektes Ambiente – die Band jetzt an den Instrumenten
Das Kuchenbuffet war eröffnet…
…nachdem das Brautpaar die Donut-Hochzeitstorte angeschnitten hatte
Sibylle und ich saßen, nebst Amelies Eltern, am Tisch des Brautpaares

Die Party nahm ihren Lauf und die Stimmung kam richtig in Schwung. Die Erwachsenen hatten Spaß und waren zu Blödeleien aufgelegt…

Amelies Onkel und ich bei einer Fotosession der besonderen Art

…die Kleinkinder wurden peu á peu von diversen Kleidungsstücken befreit – es war, zugegebener Maßen, etwas warm under dem Dach des ehemaligen Schobers.

Tochter Nina mit Enkelchen Helena

Dann war es soweit – das Brautpaar eröffnete den eigentlichen Partyteil mit ihrem Tanz, kein Walzer diesmal, sondern auch eine Nummer aus den späten 50ern – hat super gepasst!

Umringt von den Gästen – euer Tanz

Es folgten Spielchen, Einlagen, kurze Ansprachen – so wie man es von Hochzeiten eben kennt. Dann war der Zeitpunkt der Väter gekommen – erst hielt Amelies Vater noch eine Rede, sehr pfiffig und witzig diesmal, nachdem seine Ansprache bei der standesamtlichen Trauung eher formvollendet war.

Nach ihm sollte ich an der Reihe sein – ich kokettierte etwas mit meinen Karteikarten und mit einem dicken Stapel Papier, welchen ich als meine Rede ausgab – um beides dann auf die Seite zu werfen und das zu tun was ich am besten kann – einfach drauflosreden…

Wenn der Bub sich das wünscht

Ich mische Elemente einer Rede mit denen eines lustigen Beitrags, mahne Tugenden an, welche in einer Ehe unverzichbar scheinen und erinnere auch an das Quäntchen Glück welches es manchmal braucht.

Ich bin stolz eine so feine junge Frau wie Amelie als Schwiegertochter zu haben. Ich freue mich, dass es ihr gelingt, dass sie die Fähigkeit hat Stefan glücklich zu machen und in dieser Partnerschaft selber ihr Glück gefunden hat.

Zuviel Pathos? Ich bin euch noch schuldig, ein kleines Geheimnis zu lüften, welches ich im vorherigen Monatsbericht schon angedeutet habe – ihr erinnert euch, die Nachricht aus Deutschland, welche uns auf der ELOWYN erreicht hat???

Enkelchen Nummer 6 ist unterwegs, auch Amelie und Stefan werden Eltern!

Bauchvergleich! Sibylle und ich sind stolz und freuen uns!
Ich wollte immer junger Opa sein – der Plan geht auf

Der „Pflichtteil“ liegt nun hinter mir – auch für mich an der Zeit den Part der Kür einzuleiten. Dazu ziehe ich mich nach draußen zurück. Frische Luft, weniger Leute…

Sibylle und ich – auch schon fast 22 Jahre
Zufrieden auf der Hausbank – so haben wir uns das immer ausgemalt

Kennt ihr diese lustigen Fotoboxen – die, welche gerne mal auf solchen Partys wie Hochzeiten oder großen Geburtstagen rumstehen und jeder irgendwelche Schnappschüsse machen kann? Kennt ihr auch die, welche mit allerlei albernen Zubehör ausgeliefert werden???

Amelie legt vor…

Seeeehr lustich…

Ich ziehe nach…

…wirklich seeehr, seeehr lustich!

Es gibt ein sehr leckeres Hochzeitsessen, einen der besten Schweinebraten der jüngeren Geschichte, gefolgt von einem betörenden Nachspeisenbuffet…

Wow, das kann sich sehen lassen

…bei dessen Inaugenscheinnahme mein Blick sofort an den Apfelringerl hängen blieb. Ich habe eine Schwäche für Apfelringerl – das müsst ihr wissen! Insofern war meine Wahl klar…

Meins!

Nach dem Essen eine letzte Einlage – Amelies Schwestern hatten eine „Herzblatt“ Folge rekonstruiert, bei der die männlichen Protagonisten Helium einatmen mussten um nicht an der Stimme erkannt zu werden – alleine das schon sehr witzig!

Herzblatt mal anders

Legendär wird wohl Wolfgangs (Mitte) Antwort werden, als er auf die Frage „wir sind alleine in einem Zimmer eingesperrt, was machst Du mit mir?“, wie folgt antwortet „…was wir machen ist doch klar, aber ich kann es nicht sagen, zuviele Kinder hier!“

Zum Glück widersteht meine tugendhafte Schwiegertochter den Avancen des Lustmolchs in der fingierten Show – sie entschiedet sich letztlich für den Richtigen 😉

Danach spielt die Band auf, es gibt kein Halten mehr – alte „Spider Murphy Gang“ Kracher reißen die Gäste aus den Stühlen und die Massen schwingen das Tanzbein. Ich atme frische Luft, quatsche noch ein bisschen mit dem ein oder anderen Gast – dann ist es Zeit für mich zu gehen.

Der neue Tag beginnt für mich so wie ich das mag. Ich habe gut geschlafen, meine Stiche sind weg, kein Mosquito plagt mich mehr. Ich erwache zeitig und gehe frühmorgens baden.

06.30 Uhr, der jungfräuliche See lädt zum Bade
Diesem Ruf folge ich gerne
Wassertemperatur etwa wie das Meer in Leros

Später kommt Sibylle dazu, es ist Sonntag. Wir frühstücken und warten auf die Ankunft der Familie, wir haben uns alle am See verabredet. Amelie und Stefan werden um diese Zeit schon auf dem Weg in die Flitterwochen in den USA sein.

Langsam füllt sich auch der Strand am südlichen Seeufer…

Erst noch wenige Menschen…
…später, nach dem Eintreffen der Münchner wird´s voller

Florian und Sonja sind inzwischen mit den Buben eingetroffen, Nina und Alex sind mit den Mädchen ja noch bis morgen hier – wir alle genießen einen unbeschwerten Badetag am Schliersee. Später gesellen sich noch Freunde dazu, ein herrlicher Tag.

Sibylles neue Umkleide – sehr witziges Teil
Sibylle und ihr Otto

Der schöne Tag findet seinen Ausklang bei einem gemeinsamen Griller bei ehemaligen Nachbarn in Neuhaus – mit Monika und Alan verbindet uns eine Freundschaft und wir nutzen die Gelegenheit für einen Besuch. Auch hier natürlich viel zu erzählen, der Abend verfliegt schnell.

Tags darauf reist die Familie meiner Tochter ab, sie wohnen am Bodensee und wollen die Gunst der frühen Stunde nutzen, um die Heimreise anzutreten. Enkelin Ronja schenkt mir noch eine Feder, welche ich mit nach Griechenland nehme und hier in Ehren verwahre. Es war eine schöne Zeit – auf bald…

Hat einen Ehrenplatz auf NESSAJA

Unsere Besorgungen waren weitgehend erledigt. Mich hat das Einkaufen genervt, dieser Trubel, dieser Verkehr, überall gestresste Menschen – hier könnte Deutschland von Griechenland lernen. Etwas mehr Gelassenheit täte uns gut – aber wären wir dann noch „deutsch“? Ich sinniere über Vor- und Nachteile „typisch deutsch“ zu sein, als Sibylle mich aus meinen Tagträumen reißt – wir müssen noch was kaufen, ich habe noch einen offenen Punkt auf meiner Liste…

…eine Kaffeedose!!!

Ja, da hab´ ich doch gleich eine Idee…

Wir gehen zur ehemaligen Lieblings-Kaffeeoase
Kaufen den begehrten Aufbewahrungsbehälter
…und laben uns an einer der köstlichen Kaffeespezialitäten

Danach fahren wir nach Miesbach um das Auto zu tauschen – wir brauchen eines mit Kindersitzen. Wir holen erst Otto und dann Benno vom Kindergarten ab – um dann ein Versprechen einzulösen!

Spaghettieis fehlt noch auf meiner Bucket-List

Wir zerren die Knaben in den Eissalon, welcher kein Land sieht im Vergleich zum Eisparadies „Repapis“, der aber mit einer in Griechenland unbekannten Eisspezialität aufwarten kann – Spaghettieis, ich liebe Spaghettieis!!!

Und kaum versehe ich mich, greift des Knaben Hand auch schon nach meiner Leckerei. Was für Außenstehende verheerende Folgen hätte, sei dem Enkelchen vergönnt – er knuspert also meine Waffel weg!

Waffelklau! Darf nur er…

Klar, dass der Knirps sein eigenes Eis bekommt, doch da war es um meine Waffel schon geschehen.

So gestärkt und verwöhnt, bringen wir die Bengel zurück nach Hause.

Liebe ist – Partnerlook mit einem Dreijährigen zu tragen 😉

Bei Sonja und Florian verbringen wir einen letzten Nachmittag im Garten. In einem Garten der früher unserer war, genießen wir den Sommertag, spielen mit den Enkeln und begutachten mit ihnen die einheimischen Insekten…

Zwischen Planschbecken und Monstertruck
Das große Krabbeln – wir wussten noch nicht was auf uns zukommt…

Später am Tag fuhren wir zurück nach Schliersee um uns dort mit Rita und René zu treffen. Es war doch noch möglich geworden zu viert zum Essen zu gehen. Wir wollten zusammen in eines unserer liebsten Gasthäuser gehen, in die „Rote Wand“ in Geitau.

So stiegen wir in Renés Heckflosse und fuhren stilecht ins Nachbardorf…

Wie anno dazumal…
…wurden Sibylle und ich chauffiert
Ur-ur-ur-ur-Opa parkt neben dem Youngster

Unsere Erwartungen wurden abermals nicht enttäuscht. Wir saßen im lauschigen Biergarten, tranken ein Dunkles, aßen leckere Gerichte und hatten viel zu erzählen – morgen schon würden sich unsere Wege wieder für einige Zeit trennen.

Vor Gebirgskulisse – die Rotwand
Ein Wildererpfandl und a Dunkles
Danach wieder in den Oldie und zurück ins Seegartl…
…wo wir uns noch einen Absacker aus heimischer Produktion gönnen

Sieben Tage sind um, sieben Tage während derer wir unser gewohntes Umfeld verlassen haben, um in eine andere Welt einzutauchen. Sibylle gelingt das leichter, denn sie hat nie ganz losgelassen. Mir fällt es schwerer.

Ich freue mich auf daheim, ich will zurück nach Griechenland, ich stoße in Deutschland immer öfter an meine Toleranzgrenzen – ich fühle mich wie ein „Englishman in New York“.

Wir fahren unseren roten Flitzer nach Miesbach und stellen ihn ab.

Bis zum nächsten Mal

Monika, unsere frühere Nachbarin und Freundin, bringt uns zum Bahnhof wo wir uns in die Regionalbahn setzen. Abermals nach München, dort in die S-Bahn und mit dieser dann zum Flughafen.

Warum schaust´n so?

Wir sind pünktlich am Flughafen, checken das Gepäck ein und gehen durch die Safety. Am Gate halten wir uns noch etwas inmitten der Urlauberscharen auf.

Mit TUI nach Kos

Ich freue mich, denn wir sind in der Emergency-Row gebucht, das bedeutet Beinfreiheit. Noch mehr Glück wurde uns zuteil, als der Mann der neben mir saß, nach dem „Boarding Completed“ Call den Sitzplatz wechselte. Sibylle saß am Fenster, ich in der Mitte mit Platz nach links und genug Beinfreiheit – ein angenehmer Flug!

So hält man es aus
Über den Wolken
Lesen oder Musik – so geht´s rum
Anflug auf Kos
Angekommen – 35°C

Leider müssen wir mit dem Taxi nach Kos Stadt, denn der Busfahrplan passt nicht zum Fahrplan der Fähre. Kein Risiko, wir nehmen das Taxi, zahlen die 40.-€ und sind rechtzeitig in der Altstadt.

Wir kaufen unser Fährticket und nutzen die übrige Zeit um ein Giros zu essen – wir waren schon etliche Male in dem Laden, er gehört zu den besseren unter den Schlechten…

Das Essen war solide und ok

Zum Kassieren kommt der Chef persönlich und legt mir die Quittung hin – er murmelt „sörtiforjuro“. Sowohl Sibylle als auch ich verstehen „Thirtyfour Euro“ also 34.-€. Als alte Griechen wissen wir, die Griechen sind aufrichtig, eine Kontrolle nicht nötig – wir zahlen.

Im Gehen überschlage ich die Summe, irgendwie viel. Wir halten inne, rechnen nach, kommen bei bester Betrachtung nicht auf 34,-€. Wir gehen zum Chef und fragen wie er auf diese Thirtyfour käme. Er schaut uns entgeistert an – wieso „sörtiforjuro“??? Er hätte „twönniforjuro“ gesagt, den Rest hätte er als großzügiges Trinkgeld gewertet…

Aha, jetzt 24.- statt 34.-, wir hätten falsch verstanden und außerdem auf die Quittung gucken können. Ich bemühe mich, nicht grantig zu werden, er gibt mir sofort 10.- zurück.

Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Der Typ ist ein kleiner Gauner der uns mit Reisetasche, also im Begriff abzureisen, abziehen wollte. Seine Masche ist gut, aber mich sieht er nie wieder!

Ich war zufrieden wieder daheim zu sein, glücklich. Dieser Arsch hat mir genau DAS verdorben, nachhaltig! Ich, der jetzt gerade aus Deutschland zurückkommt, wieder mit ein bisschen mehr deutscher Mentalität gewappnet, ich sollte von einem Touri-Griechen beschissen werden??? Etwas Seltsames passiert – ich fühle mich zum ersten Mal auch hier wie ein „Englishman in New York“.

Unsere Fähre trifft ein
Wir bekommen ein lauschiges Plätzchen

Unsere Fähre kommt pünktlich und hat diesmal keinen Stop auf Kalymnos am Plan, wir würden also zu einer vernünftigen Zeit, deutlich vor Mitternacht, zuhause sein.

Der Kellner kommt, Sibylle ist am Klo. Ich sage ihm, dass ich auf meine Frau warte, wir würden in 5 Minuten bestellen – der Kellner kam nie wieder…

I´m an Alien, I´m a legal Alien…

Gleich sind wir da…

Der Aufruf zum Aussteigen folgt, wir gehen über die riesige Laderampe und sind wieder auf Leros. Wir steigen in ein Taxi und lassen uns zu NESSAJA fahren.

Zufrieden fallen wir ins Bett und schlafen friedl… NEIN!!! WAS IST DAS??? Nach einer Woche frei von Plagegeistern und Stichen, fängt es sofort nach dem Hinlegen wieder an zu Jucken – und wie!

Es reicht! Da muss was sein! Ich schalte das Licht ein und schubse Sibylle aus dem Bett!

Na toll

BETTWANZEN! Wir haben Bettwanzen! Durch das Ignorieren der ersten Zeichen, das Herunterspielen meiner nächtlichen Juckattacken, hatten die Biester Zeit sich zu vermehren. Diese Bande war nun, durch unsere längere Abwesenheit, richtig hungrig und stürzte sich auf das Buffet – auf mich!

Sibylle verkniff sich ein hysterisches Kreischen und begann sofort, inzwischen war es nach 01.00 Uhr, das Bett zu zerlegen. Alles musste runter, der Staubsauger kam zum Einsatz – großes Hallali gegen die Schar der Krabbler.

Erst als nichts mehr zu sehen war, legten wir uns wieder schlafen.

Nochmals am nächsten Tag

Am nächsten Tag das gleiche Spiel nochmal – wir fanden wieder ein paar, schon deutlich weniger als in der Nacht, dennoch – abermals abziehen, waschen.

Eine chemische Keule wurde angeschafft, Literatur zu den Insekten studiert – kurz, wir haben gegoogelt was wir unternehmen können…

Das Bettzeug flattert im Wind
Sibylle nutzt den Tag bis zur letzten Stunde

Bei unseren Google Recherchen erfahren wir auch, dass es nicht etwa mangelhafte Sauberkeit von Mensch oder Umfeld ist, welche zu solchen Tierchen führt – man schleppt sich diese ein.

Solche Gelegenheiten haben wir in der Vergangenheit genug gehabt, sowas kann passieren. Wir schämen uns daher nicht, dies auch als eine Geschichte unseres Lebens zu erzählen – auch wenn es eine sehr nervige ist.

Inzwischen meinen wir, die Plagegeister besiegt zu haben. Zumindest haben wir ihnen empfindlich zugesetzt. Alle paar Tage finden wir ein einzelnes Exemplar, wir sind zuversichtlich bis zum Ende des Monats frei von den Viechern zu sein.

Im Schalfzimmer 37°C, draußen im Schatten fast 41°C

In Europa rollen die Hitzewellen an. Die deutsche Presse stürzt sich auf Griechenland und prophezeit „Horrortemperaturen“, Touristen fragen im Internet ob sie ihre Urlaube antreten können.

Welcome to Summer in Southern Europe!

Für uns heißt es abkühlen – dafür gehen wir nicht mehr nach Panteli, es ist zu voll und zu heiß unter den Schirmen, die nur wenig Schatten spenden. Wir haben unsere Hafenmauer für uns entdeckt.

Erfrischende Temperaturen durch Wasseraustausch, Badeleiter und glasklares Wasser
Ein beherzter Sprung…
…zisch – ahhhh!
Sibylle kühlt runter
Hier kraxeln wir raus

Zu diesem Platz sind es rund 100m von unserem Liegeplatz. Am Rückweg können wir uns gleich abduschen und kommen so relativ erfrischt zurück zum Boot – es ist nix los und man hat keine Anfahrt. Wenn man das 5x am Tag macht, dann ist auch die Bullenhitze auszuhalten. Natürlich ist es trotzdem eine gewisse Belastung für den Kreislauf – Temperaturen von 30°C und mehr ist unser Körper auf Dauer nicht gewohnt.

Um den Körper auch von innen zu kühlen, sehen wir ab und zu bei „Repapis“ vorbei – das Eis ist auch eine mentale Hilfe Hitze zu verarbeiten!

Die Qual der Wahl
Sommersorten – Sorbet aller Art

Wir waren am 12.07. aus Deutschland zurück gekommen. Unser Plan war, nach unserer Rückkehr einige Vorbereitungen zu treffen und dann zu einer größeren Reise mit NESSAJA aufzubrechen. Nur Sibylle und ich, entweder nach Norden bis Thessaloniki oder alternativ bis zum Peleponnes – beide Ziele waren mit Bedacht gewählt, es galt den Touristenströmen der Monate Juli und August auszuweichen.

Dass es ein sportliches Vorhaben sein kann, im Sommer Richtung Nord zu wollen, gegen die vorherrschende Windrichtung des meist kräftigen Meltemi, das wussten wir – noch hatten wir keine Bedenken.

Bis dahin hätten wir, neben den eigentlichen Reisevorbereitungen, noch ein paar Dinge zu erledigen. Heute geht es los!

Ich fahre mal wieder nach Panteli, es ist früher Morgen, die Luft noch verhältnismäßig frisch…

Mit dem Bike an den Lieblingsstrand
Alleine bin ich um 07.30 Uhr nicht mehr, aber die Anzahl der Schiffe ist überschaubar

Derartig abgekühlt, kehre ich zurück zu NESSAJA und mache mir erstmal mein erstes Tässchen Kaffee. Dann beschließe ich, dass heute der ideale Tag ist um die Batterien der ELOWYN einmal zu laden…

Im Großen und Ganzen alles ok
Ich starte die drei Ladegeräte, welche auch ordentlich anziehen

Der Tag war bewusst gewählt, denn in etwa zwei, drei Tagen würden wir aufbrechen. So können die Stromspeicher des blauen Riesen langsam über zwei Tage gefüllt werden.

Weiter war ich Hans-Peter noch Unterstützung beim Einbau einer, aus Deutschland gelieferten, Umlenkrolle schuldig. Wir hatten den Zahnriemen erneuert, den Fehler gefunden, während der Dauer des Urlaubs der Beiden aber auf „nicht tauschen“ entschieden – dies sollte nun nachgeholt werden.

Der Zahnriemen musste nochmals runter
Dann konnte die Rolle ersetzt werden – check

Somit bin ich auch dem Freund auf der LIBERTÉ keine Dienste mehr schuldig. Natürlich werde ich auch weiter helfen und unterstützen – aber nicht mehr in der Pflicht des gegebenen Wortes zu sein fühlt sich auch mal gut an…

Danach war eine Abfrischung angesagt, es war Mittag und es wurde zu heiß um zu arbeiten. An diesem Nachmittag kehrten unsere Freunde Gabi und Gottfried von ihrer zweimonatigen Reise zurück. Ein schwergängiges Ruder an der HARMONY zwingt die Beiden früher in den Hafen als geplant.

Wir gehen gemeinsam zu Marietta zum Dinner, wir wollen viel besprechen – wir sind neugierig auf die Erfahrungen.

Ein eiskaltes Mythos – besser geht´s kaum

Wir hören eine Geschichte von einer fast achtwöchigen Segelreise durch die Inselwelt der Kykladen. Die Geschichte ist positiv aber auch ehrlich. ICH nehme sehr wohl wahr, wenn von 35kn Wind am Anker gesprochen wird, von einem Kratzer den ein unfähiger Türke bei einem sinnlosen Manöver hinterlässt, oder dass man sich auf den Wetterbericht ohnehin nicht verlassen kann. Auch die Ankerplätze seien manchmal recht überfüllt, mancherorts ist es teuer geworden.

Man stufe dies, wie „den wilden Ritt durch die aufgewühlte See vor Amorgos“ als normal ein und sei bereit dies gegen die vielen positiven Erlebnisse aufzuwiegen.

Das bin ich nicht!

Mich würde es auf die Palme bringen, wenn NESSAJA durch ein unnötiges Manöver eines egoistischen Deppen beschädigt würde. Mich nervt, wenn Anlegeplätze auf einmal 25.-€ statt 6,50€ kosten, ohne dass sich auch nur irgendwas verbessert hätte. Ich weiß, dass Sibylle und ich unterschiedliche Vorstellungen während der Zeit vor Anker haben – die Aufgabenteilung betreffend und auch bezüglich der Notwendigkeiten bei 30kn Wind und mehr vor Anker.

Ich höre Gabi sagen, „…mei Gottfried ist halt mit dem Segeln aufgewachsen, er ist Segler und mir macht es auch Spaß“!

Ich antworte, zum ersten Mal gegenüber Freunden, dass dies bei mir anders sei. Ich mag das Segeln, genieße die Vorteile – aber ich würde mich nicht als einen „Segler von Herzen“ bezeichnen. Bei mir ist das Ziel das Ziel, nicht der Weg! Ich möchte Reisen und habe mich für das Segelboot als das geeignete Vehikel entschieden – nicht mehr, nicht weniger.

Ich merke den Freunden an, sie verstehen. Ihre Blicke verraten mir – I´m an Alien, I´m a legal Alien, I´m an Englishman in New York.

Gedankenschwanger gehen wir ins Bett – morgen ist auch noch ein Tag!

Mareijke ist verzweifelt, das Handy ist ins Wasser gefallen

Und was für ein Tag! Morgens kommt Cees, der Skipper der niederländischen „LE CLAPOTIS“ den Steg entlang. Er erzählt all den Bekannten, dass er gestern Nacht das Mobiltelefon seiner Frau Mareijke versenkt hat – da sei wohl nix mehr zu machen…

Das mag die Hardware betreffend stimmen, aber man könnte die Karte und damit ein paar Daten retten. Der „Taucher der was taucht“ in Gestalt von Hans-Peter wird gerufen. Der hört den Ruf und reagiert sofort.

Ab ins Wasser – unter griechischer Sonne und der niederländischen Flagge
Der Gefährte sinkt ab auf etwa 6m Tiefe

Es blubbert hier, es blubbert da – der Freund schwimmt fischgleich entlang der Nachbarboote und sucht den Meeresboden ab – es gilt ein, vor etwa 12 Stunden untergegangenes, Telefon zu finden. Ein paar Minuten später taucht der Saarländer wieder auf – erfolgreich, was sonst???

Die Spannung steigt…
…da isses!

Wie zu erwarten war, ist das Telefon nicht mehr zu retten, tatsächlich wurde die Karte aber nach der Trocknung in einem Ersatzapparat wieder in Gebrauch genommen.

Sibylle und ich ziehen zum ersten Mal unsere Pläne in Zweifel. Was erwarten wir uns von der sechswöchigen Reise bis Ende August? Wo sind Schnittmengen? Welche Ziele laufen wir an, was machen wir dort?

Wir erkennen, dass wir auf den großen Inseln und in vielen Gegenden des Festlandes längere Ausflüge machen wollen. Für diese Tage brauchen wir einen sicheren Liegeplatz für NESSAJA und ein Fahrzeug. Wir beginnen Kosten zu kalkulieren und einen fiktiven Reiseplan aufzustellen – wir loten Vor- und Nachteile aus.

Hans-Peter schreckt uns aus den Gedankenspielen – wir seien ja zum Pizzaessen verabredet, er ginge jetzt los. Ah, so spät schon! Ok, wir kommen gleich nach, bis nachher…

Auch Hans-Peter erzählt Geschichten von seinem Urlaub – Sibylle lauscht aufmerksam
Ich widme mich derweil der Pizza…
…welche im „La Nostra“ wirklich gut schmeckt

Ohne weitere Erklärung bleibt der Ausklang des Abends – ein Eis aus dem Eispalast, eigentlich schon fast Pflichtprogramm.

Ice Ice Baby

Der nächste Morgen. Ich schlafe im Cockpit und wache auf weil… ICH FRIERE! Böiger Wind weht mir durch die Haare, NESSAJA zerrt an ihren Festmachern. Ich ziehe meine Ohrenstöpsel, es pfeift und heult in der Marina.

Ich schalte die Windmesser ein…

Momentaufnahme – 23,5kn

Die Momentaufnahme zeigt 23,5kn an NESSAJAs Liegeplatz ganz innen am Ponton. Das ist nicht bedrohlich oder gar gefährlich, aber eben auch nicht wenig. Böen sind stärker…

Sibylle möchte einen Cappuccino und eine Süssigkeit in Agia Marina genießen, also fahren wir dorthin. Auf dem Weg fragen wir in den einschlägigen Geschäften nach mobilen Klimaanlagen. Die Hitze macht uns mürbe. Die seien alle „gerade ausverkauft“ lässt man uns wissen, nächste Woche wieder!

Wir gehen ins „To Paradosiako“ und suchen uns einen Schattenplatz.

Traditional Cheesepie
Scharf pfeift der Meltemi über die Bucht von Alinda

Sibylle sinniert – „…stell Dir vor es hat 10kn mehr und wir fahren alleine durch die Nacht…“, ich erwidere „…oder es hat 10kn mehr und wir liegen in einer vollen Ankerbucht…“

Wir malen uns Szenarien aus die wir beide nicht wollen. Zum ersten Mal zweifeln wir an unserer momentanen Situation.

Wir fahren zurück an Bord um noch ein bisschen Computerwork zu machen. Ich will Fotos sichern, Sibylle muss Anträge ausfüllen – dennoch lassen uns die Gedanken des Vormittags nicht mehr los, die Laune war getrübt.

Alltag an Bord von NESSAJA

Trotzdem nahm dieser Tag ein sehr versöhnliches und für mich wunderbares und wichtiges Ende – wir waren mit Marietta „auf einen Ouzo“ verabredet. Privat. Es war ihr freier Montag und sie hatte uns gefragt ob wir abends dazu kommen wollen – natürlich wollten wir!

Aus dem Ouzo wurde ein vollständiges Dinner, jeder hat in die Mitte gelangt und bezahlt wurde einfach anteilig – so wie es in Griechenland eben funktioniert. Ich war geerdet, denn wir haben an diesem Abend viel über Freundschaften und unsere Heimatländer gesprochen – ein griechisch – deutsch – israelisches Treffen.

Im „Artemis“ in Blefoutis – eine sehr schöne Runde

Der neue Tag begann wie der vorherige, wieder sehe ich mir die Windentwicklung genau an…

Ein bisschen mehr konnte er noch…

Heute erwache ich also mit fast 29kn, nahe am Peak in der Nacht mit 33kn. Sibylle und ich sind genervt – Bullenhitze seit Tagen, dazu dieser zwar hilfreiche und wichtige aber auch sehr nervige Wind.

Wir besinnen uns auf die noch offenen Aufgaben. Sibylle hat die Pflichtaufgabe übernommen, dass sie Susannes Pflanzen gießt, während die Familie zuhause weilt und die DARKSYDE in der Marina stationiert ist…

…nun, vermutlich muss meine Frau etwas beichten – hätte Susanne mich gefragt, ich hätte ihr gesagt, dass Sibylle in der Vergangenheit alle Pflanzen in ihrer Obhut getötet hat – einen grünen Daumen hat meine Gattin nicht!

Spiel mir das Lied vom Tod…

Ich dagegen habe noch meine Mammutaufgabe vor der Brust – der Willi meines Freundes Volker – oder sollte ich lieber DAS DINGHY meines Freundes Volker schreiben? Um jegliche Missverständnisse zu vermeiden – naja, sein Schlauchboot halt…

Ich fahre zu Giorgos, der meinem Drängen etwas nachgegeben hat – ich könne kommen, es gäbe Fortschritte. Der Gute war inzwischen mit allen Unterlagen ausgestattet, ich hatte eine Downloadplattform für die raren Dokumente gefunden.

Kurzer Prozess – er baut den Motor einfach aus…
…zurück bleibt der leere Schlund, welcher nach Reinigung schreit
Bemitleidenswert – schick auch nur im Wasser (und mit Motor)
Erstes Abgarnieren nach dem Ausbau

Ich bin freudig überrascht ob des Fortschritts und wir besprechen die nächsten Schritte. Das klingt schlüssig und gut – ich informiere Volker zuhause über den erfreulichen Verlauf.

Auf dem Weg nach Hause, nehme ich aus dem Augenwinkel ein besonderes Schiff wahr, welches in Vromolithos vor Anker liegt. Ich entdecke die MALTESE FALCON.

MALTESE FALCON

Wir kennen das Traumschiff mit dem auffälligen Rigg schon, dennoch ist es toll sie wieder bei uns in Leros zu sehen.

Ich hole Sibylle in der Marina und wir fahren nochmals hin um das Schiff zu betrachten.

GS meets Falcon

Auf dem Rückweg fahren wir nach Lakki und stellen fest, dass in unserer Bucht ganz schön Betrieb ist. Das wechselt von Tag zu Tag, ist wenig Wind, setzt sich der ganze Pulk in Bewegung, ist viel Wind kleben die Schiffe förmlich fest – man ist froh, einen sicheren Platz zu haben.

Einiges los

Wir gehen ins Café von Elefteris und seinem Bruder, dem ehemaligen „Morano Cafe“, welches heute „La Palma“ heißt.

Wir trinken ein kaltes Getränk und unterhalten uns eingehend über die verfahrene Situation. Morgen soll unsere Reise starten, der Wind ist zu stark um nach oben zu fahren, wir wissen, dass wir SO unsere Pläne nicht verwirklichen würden.

Sibylle schlägt Chios und / oder Lesbos als „kleinen Kompromiss“ vor – das will ich nicht.

Es entwickelt sich ein Gespräch, welches tief geht. Eines über Erwartungen und Ängste, eines über Ziele und Träume und die Angst vor der eigenen Courage. Ein Gespräch, das zeigt wie viel Glück wir haben und dass wir an sich zufrieden sind – aber auch eines, welches klarlegt, dass wir auf diesem Weg nicht ERLEBEN werden und geplatzte Träume keine gute Grundlage für Zukunft sind. Wir erkennen – es hilft nichts Pläne immer wieder nach unten anzupassen, wir müssen uns komplett neu aufstellen.

Das braucht Zeit!

Der hereinbrechende Abend kann unsere Stimmung wieder aufhellen! Nach einem Dinner in großer Runde im „SouVLakki“ gehen wir ein Eis essen und erfahren dort von Sibylle und Angelika, dass bei Marietta der Bär steppt. Es wäre Karaoke Abend und die Gäste toben…

Nix wie hin!

Mariettas Cousin beim Soundcheck
Das Publikum geht mit
Zwei italienische Teenager legen steil vor…
…worauf hin sich Gabi und Gottfried auch nicht lumpen lassen

Am nächsten Morgen machen Sibylle und ich Nägel mit Köpfen! Wir sitzen beim Frühstück und beschließen, dass wir unseren Urlaub komplett umkrempeln. Ein Kompromiss wie er nötig gewesen wäre um mit NESSAJA zu reisen war uns unmöglich, die Schritte die jeder hätte machen müssen waren zu groß für den Einzelnen – aber ein anderer Kompromiss hat sich gefunden, einer, der allen Anforderungen gerecht würde.

Wir bereisen Nordgriechenland mit dem Motorrad!

Wir werden noch ein paar Tage in der Marina bleiben, um am 26.07. direkt von Leros aus nach Kavala in Mazedonien zu fahren. Die GS packen wir fleißig auf – von dort startet unser Roadtrip.

Wir treffen in Kavala einen ehemaligen Kunden von mir, mit dem ich seit Jahren ein herzlich-freundschaftliches Verhältnis habe. Wir sehen uns Kavalas Altstadt an und ziehen dann weiter nach Thassos, wohin wir mit der Fähre übersetzten. Nachdem wir uns drei Tage Zeit nehmen Thassos zu entdecken, werden wir wohl weiter nach Limnos gehen. Auch hier bringt uns eine Fähre hin. Auf Limnos besuchen wir Freunde aus Deutschland, welche wir auf Leros kennen gelernt haben. Wir sind eingeladen in deren Haus zu übernachten.

Dann müssen wir entscheiden, ob wir mit der Fähre zurück nach Kavala gehen um zumindest einen Finger des Chalkidiki zu entdecken, oder ob wir direkt nach Thessaloniki übersetzen.

Ich möchte Thessa besuchen, die Altstadt entdecken und dort in die Meze-Kultur eintauchen. Danach ziehen wir eine Motorradstunde weiter nach Makrygialos um dort Christoszu treffen, der beim Stahlgruber arbeitet und mich aus meiner aktiven Zeit als Trainer kennt – auch dieser Besuch ist lange offen.

Dann kommt der Part der Sibylle am meisten freut! Wir fahren zum Olymp und gehen in die Höhe um Abfrischung zu bekommen. Wir werden an Bächen entlang durch Wälder wandern und in Gumpen baden. Von dort geht es weiter zum nächsten Highlight, zu den Meteora Klöstern, von denen wir mindestens zwei besichtigen wollen.

Unser Weg wird uns weiter nach Volos führen, wo wir abermals in die Meze-Kultur eintauchen wollen. Dann gehen wir über Euböa nach Chalkida, Lavrion und nach Piräus – dort endet unsere Reise nach vier Wochen und etwas mehr als 1000km und wir gehen auf die Fähre nach Leros.

Wir werden am 23.08. zurück sein, exakt rechtzeitig um mit NESSAJA nach Lipsi zu fahren um dort einer Geburtstagseinladung Folge zu leisten.

Soweit der Plan!

Jetzt ist es raus! Wir buchen unsere Fährtickets, Sibylle sucht schon Unterkünfte, ich repariere weiter an NESSAJA – das letzte der drei Absperrhähnchen muss verbaut werden.

Schlechter Zugang – aber ich will nicht wieder alles zerlegen
Das Altteil muss raus
Der Whale Absperrhahn findet seinen Platz

Ihr mögt euch fragen, warum ich weiter bastle, wenn wir jetzt nicht auslaufen. Nun, ich möchte NESSAJA in Schuss halten. Sie wird auslaufen – mit uns zum Buchtenbummeln wenn die Hauptsaison vorbei ist und auch zu einer großen Fahrt, denn dafür habe ich sie so gebaut wie sie ist – entweder mit mir, oder mit einem neuen, zukünftigen Besitzer. Diese Entscheidung wird bis spätestens Mai 2024 fallen, denn sie ist zwingend mit dem zur Diskussion stehenden Verkauf meiner Wohnung verknüpft – eines geht nicht ohne das andere, in beide Richtungen.

Wir werden sehen…

Sibylle sucht sich eine Aufgabe, etwas Sinnstiftendes, sie und Angelika beschließen, ehrenamtlich in der Hunde-Auffangstation in Leros zu helfen.

Uli und ich bringen die Beiden dorthin, der Ort ist etwas abgelegen.

Auch ich werde im Winter helfen – mir tun die Zamperl leid

Während Sibylle und Angelika bei den Hunden zurückbleiben, fahre ich nach Lakki in den Ort. Mein Motorrad bremst unweigerlich vor „Repapis“, es kann nicht daran vorbeifahren. Also kaufe ich mir ein Eis und vertreibe mir die Zeit beim Schauen…

Lemon und Strawberry Sorbet – genau richtig bei der Hitze

Bei genauerem Hinsehen erkenne ich, dass das stetige Geläut der Kirche gegenüber, anlässlich einer Beerdigung stattfindet. Mir fällt auf, dass sehr viele Motorräder vor der Kirche stehen…

Der Verstrobene war Mitglied im Bike Club

Ich erinnere mich an eine Bekanntmachung in Facebook. Ein Mitglied des Motorradclubs von Leros war verstorben. Ich vermute aufgrund des Alters des Mannes, dass es ein natürliches Ableben war. Nichtsdestotrotz kamen wohl alle echten Motorräder der Insel zusammen um von ihren Fahrern zu einem Ehrenkorso formiert zu werden.

Aus Pietätsgründen habe ich von dem Korso keine Bilder, aber es war beiendruckend wie zwei Jungs die Straße gesperrt haben und sich daraufhin die Bikes formierten, bevor der Leichenwagen auf die Straße bog. Wow!

Am Abend fahre ich zu Giorgos, es gibt News vom Tender der ELOWYN – der Motor ist zerlegt, es muss nun entschieden werden wie es weitergehen soll.

Ein Weber Motor – recht selten
Wie früher – der Kopf muss runter…
…et voila – über dieses Bild könnte ich aus dem Stegreif 1h referieren 😉

Ich informiere Volker über die Optionen und vereinbare einen letzten Termin mit Giorgos, bevor wir zu unserer Motorradtour aufbrechen – dann wird entschieden wie derTender bis Ende August zu reparieren ist.

Am Folgetag möchte Sibylle am Nachmittag im „natürlichen Schatten sitzen und eine Kleinigkeit essen“ – na das lass´ ich mir nicht zweimal sagen – wir fahren nach Xirokampos ins „Porto Nikola“ und bestellen uns kalte Getränke und ein paar Meze.

Einladend
Bucht und Strand sind voll – aber nicht überfüllt

Wir sitzen zusammen, die Situation ist unverfänglich, Sibylles Telefon klingelt. Franzi ist dran und Sibylle telefoniert – wie so oft.

Ich guck derweil zu

Ich erzähle ihr, dass es ein Wort dafür gibt – „phubbing“ – welches sich aus phone und snubbing zusammensetzt und den unangemessenen, brüskierenden Gebrauch der smarten Geräte in Gesellschaft beschreibt.

Natürlich wusste ich, dass sie zur Gegenwehr ansetzen würde, aber das war ok. Es entwickelte sich an diesem Nachmittag ein sehr vertrauliches Gespräch, welches uns Gelegenheit gab, unser Handeln seit dem Verkauf unseres Hauses zu refektieren.

Natürlich sind die Gesprächsinhalte vertraulich, aber soviel sei verraten, wir erkennen, dass wir, beim Stand heute, handeln müssen und alle Optionen neu durchdenken müssen. Wir sind zufrieden und doch hat keiner das was er eigentlich wollte – offen gesagt, hätten wir damals gewusst wie es ausgeht – der Preis den wir dafür zahlen, er wäre vermutlich zu hoch gewesen.

Wir werden also im kommenden Winter entscheiden wie es weitergehen soll, wenn die Option einer Weltumsegelung weiterhin ausgeklammert bleibt. Dabei werden wir keine Möglichkeit ausschließen, auch nicht die, nach Deutschland zurückzukehren und ich in Folge dessen wieder eine Trainerstelle suche.

Ein wenig geknickt gehen wir zurück in die Marina, doch wir versprechen uns Auflockerung durch das Abendprogramm – bei Marietta ist Live-Musik, wir gehen mit Gottfried und Gabi dorthin – ich habe reserviert!

Der Tisch in der Ecke – I love it
Unsere Webseite, für die ich die Englisch-Deutsch Übersetzung mache, ist inzwischen online
Langsam füllt sich der Laden
Buntes Allerlei für unseren Tisch

Nun sitzen wir also abermals mit den Münchner Freunden zusammen und erzählen von unseren Gedanken am Nachmittag. Wir stossen auf offene Ohren und unterhalten uns gut, ich schätze die Beiden für ihre Meinung und die Art diese auch zu äußern und zu vertreten. Wir bekommen wertvollen Input – sowohl zum Thema „Reisen mit dem Segelboot“ als auch zum Gedanken „Haus auf Leros“, wir überlegen, ob es eine Option wäre NESSAJA zu verkaufen und ein Expeditionsmobil anzuschaffen – auch dazu tauschen wir uns kontrovers aus. Nur meine Idee einer Rückkehr nimmt niemand richtig ernst – hmm…

Später ebbt unsere Unterhaltung ab, weil die beiden vorzüglichen Musiker richtig Gas geben. Das Lokal ist voll, es wird lauter und die einheimischen Gäste gehen richtig ab…

Teilweise geht das Micro an die Gäste – Irene ist Polizistin und singt fantastisch
Einer der Männer beim Zeibekiko

Dieser Abend war für mich persönlich einer der schönsten in diesem Sommer. Ich habe es genossen und wir sind erst weit nach Mitternacht ins Bett gekommen. Müde durch die vorgerückte Stunde und ein paar Ouzo, habe ich geschlafen wie ein Murmeltier…

Der Tag weckt mich. Es ist hell, die Uhr sagt es ist 06.30 Uhr, die Marina ist noch nicht erwacht. Die perfekte Stunde um an der Kaimauer mit einem Kopfsprung ins Meer zu springen und so den Schlaf aus dem Körper zu treiben. Dnach der obligatorische Kaffee – dann ruft die Pflicht!

Ich habe beim Laden der Batterien von ELOWYN gesehen, dass ein Versprechen, welches ich Volker gegeben habe, noch offen ist. Ihm war beim Reinigen der Dusche ein Missgeschick passiert und er hatte den Ablauf samt Schlauch vom Abflussschacht der Duschwanne gedrückt – natürlich an schlecht zugänglicher Stelle.

Das erledige ich heute – Eile ist nicht geboten, denn auf ELOWYN ist „arbeiten de Luxe“ angesagt. Egal wie warm es ist, ich schalte die Klimaanlage ein und werkle cool vor mich hin!

Friedlich liegt sie da
Fast 29°C im Schlafzimmer – ich schalte die AC an und warte einfach ein Viertelstündchen
Das Schwarze muss an das Weiße und daort fixiert werden

Ich schalte die Klimaanlage ein und mache eine Bestandsaufnahme – welches Material und Werkzeug brauche ich, wie gehe ich es an? Dann gehe ich zu NESSAJA, hole dort die benötigten Arbeitsutensilien und kehre zum blauen Riesen zurück – dort ist es inzwischen angenehm kühl.

Ich schmiere Sika an die Klebestellen so gut man eben hinkommt und versuche dann, mich so wenig wie möglich zu besudeln, wenn ich das Ablaufteil nach oben ziehen und fixieren muss.

Wer mich kennt weiß, dass dies nicht gelingt. Ich schmiere mir das Teufelszeug also überall hin, kann am Ende aber auch ein ziemlich gutes Ergebnis vorweisen.

Festgeklebt und fixiert

So weit, so gut, morgen geht es weiter – hoffentlich hält es…

Der Abend klingt unspektakulär aus. Es gibt einen großen Salat, da es inzwischen zu heiß ist um an Bord zu kochen. Jeden Tag essen gehen wollen wir nicht, so wird der große Salat zur Hauptspeise.

Zum Absacker sitzen wir mit Freunden zusammen, sofern sich dies spontan ergibt. Wenn nicht, trinken wir einen Ouzo oder ein kaltes Bier an Bord und sprechen über die momentane Situation und die neuen Erkenntnisse.

Ich blättere ein wenig durch meine bevorzugten Apps und entdecke, dass einer meiner früheren befreundeten Arbeitskontakte eine Stelle anbietet – „Technischer Trainer global – Motorenteile“. Sowohl Job wie Firma sind mein Idealbild, der Job passt zu mir wie ich zu ihm, wie Arsch auf Eimer.

Mit diesem Gedanken gehe ich schlafen…

Der neue Morgen beginnt auf der ELOWYN, es gilt das Arbeitsergebnis des Vortages zu inspizieren und die Arbeit final abzuschließen.

Nach dem Abschneiden der Haltevorrichtung – hält
Sieht akzeptabel aus – der Einsatz passt
Deckel drauf – check

Passt also – ich versperre das Schiff des Freundes und gebe Info. In etwa einen Monat werden die Eigner wiederkommen und wir uns hier noch einmal treffen.

Ich kehre zu NESSAJA zurück. Sibylle ist inzwischen wach, sie hat das Frühstück gerichtet. Diesmal wieder Frühstück im Salon, oben scheint die Sonne schon hin, unten ist es (noch) frischer. Ich frühstücke meist nicht, mir reicht mein Schub Koffein.

Ihre Mine spricht Bände

An der Mine meiner Gattin kann man ihren Unzufriedenheitsgrad erkennen. Es ist ihr zu heiß, sie hat nicht gut geschlafen. Eine Lösung für ein neues, andersartiges Zukunftsmodell hat sie nicht.

Das Stellenangebot von gestern behagt ihr nicht. Sie kennt die Firma und meine Kontakte dahin, Sie weiß, dass dies eine ernsthafte Alternative sein könnte…

In dieser Stimmung klingelt mein Telefon. Ich habe meinen Außenborder vor einigen Wochen in Lakki bei einem jungen Spezialisten zur Reparatur abgegeben. Es waren zwei Dinge zu tun, für die ich die Werkzeuge nicht habe, zusätzlich ein Fehler zu finden, den ich nicht finden konnte. Der Motor sei nun fertig, alles funktioniere wieder, ich könne ihn abholen.

Zusammen mit Hans-Peter hole ich das Trum – erledigt, das Thema sollte vom Tisch sein.

Altteile gibt´s dazu

Zündung und Ventile sind eingestellt, der Impeller gewechselt. Der fiese Fehler war im Vergaser zu finden – ich hatte bei einer Reinigung der Hauptdüse dieselbe um 0,2mm geöffnet, das war zuviel. Ich hätte das nie gedacht, konnte den Fehler daher auch nicht finden.

Der Einbau einer neuen Hauptdüse hat Abhilfe geschaffen – eine sehr gute und zudem preisgünstige Reparatur.

Sibylle fragt aus heiterm Himmel, „…meinst Du das ernst, dass Du wieder in Deinen Job zurückkehren würdest?“ Ich antworte, „…was sind die Alternativen?“

Sie verweist auf ein altes Haus welches uns über Freunde von privat angeboten wurde. Es sei viel zu tun, aber das Objekt wäre relativ preisgünstig. Ich akzeptiere den Gedanken, wir vereinbaren einen Termin zur Besichtigung.

Altes Haus, großes Grundstück, viele Olivenbäume
Das Haus ist sarnierungsbedürftig aber zu retten – ein Projekt

Uns gefällt das Objekt, wir zwinkern uns zu. DAS könnte tatsächlich eine Alternative sein. Für mich ein Projekt über mehrere Jahre, wir könnten uns weitgehend autark aufstellen und genug Wohnraum auch für Familienbesuche generieren. Man sieht das Meer, wenn auch entfernt, zu zwei Seiten.

Ich zeige verhalten Interesse. Der Verkäufer setzt an, um mir recht schnell zu erklären, dass sein Haus jetzt um rund 50% teurer ist.

Offen gesagt – völlig losgelöst vom Preis-Wert Verhältnis – mich kotzt so ein Gebaren an! Ich lasse mir das nicht anmerken, stelle es aber unseren Freunden gegenüber, die als Übersetzer dabei waren, unmissverständlich klar. In diesem Moment löst sich diese Alternative wohl in Wohlgefallen auf, schade!

Sibylle und ich gehen noch in „Stis Anna“, dem vegetarischen Tempel von Leros um uns mal was anderes zu gönnen. Wir genießen den frischen Wind, die Stimmung und das gute Essen, sprechen aber weiter über Möglichkeiten und Chancen – wie so oft…

Salat mit verschiedenen Kernen und Avocadocreme – sehr lecker
Dazu ein paar Falafel, mir schmeckt das auch zwischendurch

Noch zwei Tage bis zur Abfahrt, ich muss langsam daran denken die GS auf die Tour vorzubereiten. Also mache ich mich nach dem Frühstück auf zur Krangasse, um dort den Hochdruckreiniger kurz zu benutzen. Das wird mir gestattet, so war ich rasch fertig und zurück an unserem Platz um das Bike abzuwienern und an den notwendigen Stellen zu schmieren.

Sonne, Sand und salzige Luft setzen den Vehikeln zu

Das dauert immer ein wenig, da speziell die Kette einiges an Aufmerksamkeit verlangt. Erst reinigen, dann ölen, dann abreiben und zuletzt mit Kettenspray schmieren.

Geschafft, was jetzt? Ach ja, die Haare nochmal schneiden bevor wir aufbrechen. Mein Kopf muss einmal im Monat kultiviert werden.

Vorher
Nachher

Jetzt aber – freier Nachmittag! Sibylle sitzt im Cockpit und liest oder sie geht mit Angelika an der Hafenmauer baden. Ich ziehe mich leise zurück in den Salon und klappe meinen Computer auf. Ich sortiere Lebenslauf, Arbeitszeugnis und sonstige Unterlagen, verfasse ein neues Anschreiben und klicke mich durch die Recruitingseite der Firma, welche den vakanten Job offeriert.

Meine Gedanken fliegen, wie oft hat Sibylle gesagt, dass ich zu alt sei um nochmals einsteigen zu können – stimmt das? Die Unterlagen sind komplett – ich klicke auf „BEWERBUNG SENDEN“ – wir werden es sehen…

Der Tag neigt sich dem Ende zu, wir sind zum BBQ am Marinastrand verabredet – zu welcher Zeit? Wenn die Sonne hinter dem Berg verschwindet!

In wenigen Minuten ist der Temperaturtreiber hinter dem Berg versunken

Wir packen also unseren COBB und unsere Siebensachen für das BBQ und machen uns auf zum Marinastrand.

Ein netter Platz zum Grillen

Wir hatten das vor ein paar Wochen ja schonmal so gemacht und aufgrund des gelungenen Ausgangs für uns beschlossen, so etwas machen wir nochmal!

Nachdem Paul und Christine von der INSPIRATION auch einen Cobb haben, konnten wir weitere Freunde und Crews einladen.

Neben uns und der Crew der JASPER, waren auch Hans-Peter von der LIBERTÉ und die Crews der HARMONY und der LE CLAPOTIS informiert – die Regel war, jeder bringt Grillgut und Getränke welche er bevorzugt PLUS einen Salat für die Allgemeinheit. Das klappte vorzüglich!

Alle da! 11 Personen beim spontanen Grillen
Grillgut vom Premium „Artisan Butcher“ aus Lakki
Einfach – lustig
Die Sonnenterrasse als Arbeitsfläche
Selbstbedienung an den Grills und der Salatbar
Teller und Schüsseln leer – der Abend neigt sich dem Ende zu

Wir tranken unsere Drinks und genossen den Abend. Natürlich wurde bis spät in die Nacht geratscht und philosophiert. Ein schöner Abend und für uns ein schöner Ausklang. Morgen würden wir zu unserem Roadtrip aufbrechen!

Mittwoch der 26.07.2023 – heute Abend um 19.10 Uhr legt unsere Fähre in Lakki ab. Wir fahren mit ihr bis nach Mazedonien, nach Kavala. Wir haben heute noch einiges vorzubereiten, deshalb endet der Blogbeitrag dieses Monats auch am heutigen Tag.

Doch dieser Tag ist mehr – es ist auch Hans-Peters Geburtstag und Angelika und Sibylle haben beschlossen, dass wir den Freund zu einem Geburtstagsfrühstück ins Marinalokal, dem „Skipper´s“, einladen.

Treffpunkt 08.30 Uhr – Happy Birthday Hans-Peter!

Hans-Peter mit Uli, Angelika, Sibylle und mir im „Skipper´s“
Das Geburtstagskind gönnt sich ein „Skipper´s Omelette“
Für mich gibt´s auch ein Rührei, aber rechteckig – weil ich geometrische Formen mit rechten Winkeln mag 😉

Sibylle und ich ziehen uns zurück, wir müssen packen und NESSAJA auf die vierwöchige Pause vorbereiten. Um ALENA und ELOWYN ist sich gekümmert – ich fahre mit einem guten Gefühl.

Sicher werden wir heute noch das ein oder andere Mal von der Kaimauer ins Wasser springen um uns zu erfrischen. Um 16.00 Uhr gibt es noch einen gemeinsamen Umtrunk, zu dem Hans-Peter geladen hat. Wir klönen noch ein bisschen, bevor wir uns artig verabschieden um in Lakki auf die Ankunft des blauen Kolosses zu warten. Abendessen gibt es an Bord der Fähre…

Hans- Peter lädt zu Erfrischungen und Knabbereien…
…so schaffen wir es bis zum Dinner

EPILOG – ihr habt es gemerkt, dieser Monatsbericht hat ernste Untertöne! Ich habe bewusst entschieden, den Zwiespalt in dem wir uns befinden aufzuzeigen, um verständlich zu machen warum wir oft so unentschlossen wirken. Wir wissen, dass wir in einer sehr komfortablen, privilegierten Situation leben. Dennoch deckt sie sich nicht mit den Vorstellungen, die Sibylle und ich, auch getrennt befragt, von diesem Lebensabschnitt hatten. Einen Kompromiss zu basteln käme der Suche nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner gleich – das wollen wir nicht.

Es wird sich also etwas ändern, vermutlich schon bald. Diesen Prozess sowie die Erlebnisse auf unserem Roadtrip durch verschiedene Regionen des griechischen Festlands, werden wir mit euch im Blogbeitrag zum August 2023 teilen.

Seid also gespannt, bleibt neugierig!

Wie immer danken wir euch für´s Lesen unseres Blogs, die investiert Zeit und für euer Interesse an uns.

Herzlichen Gruß von Bord der NESSAJA, Mario & Sibylle

Juni 2023 – Friends will be Friends

Eigentlich kann ich nahtlos an den deutlich verspäteten Maiblog anknüpfen, die Wartezeit war diesmal nicht allzu lang. Und genauso mach´ ich das auch – lasst euch also von mir gedanklich zurückbringen an den Beginn unseres ersten Törns seit mehr als einem Jahr – der 31. Mai klang bei einer Vollmondnacht in der Ankerbucht von Archangelos aus, an Bord unsere Freundin Katharina. Für sie war es der wohlverdiente Pfingsturlaub…

Überhaupt, hier sei ein kurzer Schlenker zur Headline des Monats erlaubt. Der Queen-Song aus dem Jahr 1986 ist eine Hommage an die Freundschaft generell und passt somit wie die berühmte Faust auf´s Auge, war der Juni 2023 doch ein Monat der bei uns vollumfänglich im Zeichen der Freundschaft stand. Wir hatten stetig Besuch, mal auf dem Schiff, mal auf Leros, andermal waren wir die, welche Freunde besucht haben – oder die Freunde waren eben irgendwie da.

Wiedersehen auf der ELOWYN

Uns freut das, denn wir wissen den Wert von Freundschaften zu schätzen und pflegen diese gerne. Die hierfür nötige Zeit und Mühe investieren wir gerne.

Der Juniblog sei hiermit unseren Freunden gewidmet, auf Leros, in der alten Heimat Miesbach oder sonstwo auf dieser Welt…

Wir setzten also unsere Reise fort, mit Anbruch des 01.06.2023 warfen wir die Leinen in Archangelos los, das Tagesziel hieß Lipsi. Ich erinnere in diesem Zusammenhang noch einmal kurz – das Wetter war zu dieser Zeit durchaus schön, aber eben durchwachsen. Es war kaum Wind, so war unser Plan, Richtung Norden zu fahren bis der, zu dieser Zeit übliche, Nordwind einsetzen würde und uns dann unter Segel zurück in den Süden bringen würde.

Kalo mina – guten Monat! Der Juni bricht an – Archangelos

Zur Überfahrt selbst gibt es nicht viel zu sagen, von Archangelos nach Lipsi sind es nur etwa 10nm, man braucht rund zwei Stunden. So liegen wir recht bald am Tag, sicher im kleinen Haupthafen von Lipsi-Stadt und nehmen uns vor, den Tag hier gebührend zu genießen.

Den Außenplatz – haben wir uns so gewünscht
Dinghy an die Außenseite – perfekt!

In Deutschland und mehreren anderen europäischen Ländern, waren zu dieser Zeit Pfingstferien. Das spürt man im Dodekanes recht ausgeprägt, denn es gibt hier mit Kos eine große Charterbase. Auch die Eigner nutzten den Monatsbeginn, zahlten ihre Bootssteuer TEPAI und legten ab – das führt dazu, dass die meist kleinen, beschaulichen Häfen relativ früh voll sind. Azyklisches Verhalten schafft Freiräume…

Auch die Kaimauer von Lipsi war am frühen Nachmittag fast voll!

NESSAJAs Außenplatz, frei vom Trubel

Wir bummelten etwas durch den verschlafenen Ort und holten uns einige Eindrücke. Uns fiel auf, dass Lipsi etwas lieblicher ist als zum Beispiel die große Schwester Leros. Viele kleine Details lassen das Auge schweifen – ein Ort zum „Runterkommen“, ein Ort um die Seele baumeln zu lassen.

Octopus vor der Ouzerie, hier wird am Abend gegrillt
Am Rand die etwas größeren Kaliber

Wir gehen weiter und schnappen noch etliche weitere Impressionen auf – seht selbst…

Bunte Restaurants
Einladender, sauberer Dorfplatz
Verschlafene Dorfidylle – Griechenland par excellence
Fischerbötchen – hier mal nicht im typischen Blau
Nette, bunte Cafés und Snackbars – hier tobt nächsten Monat das Leben

Lipsi hat auch einen wunderschönen Stadtstrand. Hier in der Gegend der Dodekanesinseln gibt es sehr häufig feinkiesige Strände mit kristallklarem Wasser – mein persönlicher Favorit. Anders hier in Lipsi! Der Stadtstrand ist ein feinsandiger, flach abfallender Strand – ideal für Kinder oder eben einen nachmittäglichen Badestopp!

Foto – und per WhatsApp nach Hause (da war es sehr kalt in Deutschland)
Dann aber ab ins erfrischende Nass

Da unser Freund Marcus gerade dabei ist, sich auf Lipsi zu etablieren und hier auch ein Haus für seine Familie bauen möchte, waren wir mit Tips des Insiders gut ausgestattet. Deshalb gingen wir diesmal auch nicht zu „Manolis Tastes“ zum Essen, sondern probierten das etwas weniger gehypte „Kalipso“ einmal aus. Natürlich haben wir bei der Reservierung des Tisches nicht vergessen zu erwähnen, dass wir „als Freunde von Marcus, auf dessen Empfehlung kommen“.

Kann ja nicht schaden! Wir waren nämlich hungrig…

Ein schöner Tisch für uns – wie bestellt
Tuna Tartar – mal anders, aber sehr lecker
Seafood Spaghetti, auch prima

Mein Fazit – netter, witziger Service, sehr gutes Essen – aber BESSER als „Manolis Tastes“ war es nicht, da müsste man lügen. Mal sehen, es gibt immer einen zweiten Versuch.

Nette Anekdote, der Junior des Hauses ist gleichzeitig auch der Kassierer der Hafengebühr. Er empfiehlt das Restaurant der Eltern nicht direkt, aber auch kaum verklausuliert. Uns hat er beim Anlegeschluck gestört, als er zum Kassieren kam!!! Ein „gefährlicher“ Faux-Pas wie ich ihm erkläre, doch der gewitzte Bursche reagiert prächtig – „wenn wir doch ohnehin in das Restaurant der Eltern kämen, er würde einen WIEDERGUTMACHUNGS-GIN spendieren“! Clever! Und er hielt Wort! Der Aperitiv war also gesichert – eine win-win Situation 😉 !

Für den Folgetag waren Regenschauer angesagt – ab Mittag sollte sich das Wetter deutlich verschlechtern. Unser Plan war daher, frühmorgens abzulegen und nach Patmos in den Stadthafen zu fahren. Patmos sollte der Wendepunkt unserer Reise werden, der Meltemi, der beständige Nord- oder Nordwestwind würde bald einsetzen…

Fast windstill, bewölkt

Auch der Weg von Lipsi nach Patmos ist nicht weit, es war kaum Wind, so tuckerten wir die paar Meilen ab. Es war frisch aber erträglich, der Himmel war verhangen, die Regenschauer kündigten sich in Form von dunklen Wolkenpaketen an – wir hielten schnurstracks auf Patmos – Scala zu, das Ziel stets vor Augen…

Rechts von der Insel geht´s rein

Der Plan war, dass ich mich mit dem Schiff und dem Logbuch befasse, während die Damen mit dem Taxi zum Kloster fahren wollten – der Rückweg war als Wanderung angedacht. Ok, guter Plan – die Öffnungszeiten des Klosters waren zu prüfen und es musste in Erfahrung gebracht werden, ob nicht etwa ein Bus zur rechten Zeit zum Kloster führe.

Zwischen den Inseln haben wir immer Internet

Katharina kümmert sich also um diese Kerninformationen, während ich das Schiff in die Hafenbucht steuere. Das Kloster und die Ortsteile Scala und Chora zeigen sich, wir freuen uns – auch darüber, es trocken bis hierher geschafft zu haben. Sibylle und ich beginnen das Schiff zum Anlegen vorzubereiten.

Einfahrt in die Hafenbucht von Patmos

Der Hafen von Patmos ist per se sicher, jedoch ist er quer zur vorherrschenden Windrichtung gebaut worden. Man legt römisch-katholisch an, das bedeutet mit dem Heck zur Pier, unter Verwendung des eigenen Ankers. Wir entschieden, wie immer in diesem Hafen, relativ viel Kette zu stecken und legen etwas mehr als die Hälfte unserer 100m ins Wasser.

NESSAJA an der Stadtpier von Patmos

Wer von euch ab und zu NESSAJAs Position verfolgt (Button auch auf der Startseite), konnte dies auch auf den entsprechenden Anzeigen sehen – siehe zum Beispiel auch bei Marine Traffic.

So sieht das dann aus

Wir waren kaum angekommen, hat es angefangen zu regnen. Zuerst nur ein paar Tropfen, dann wie aus Eimern. Dennoch haben es sich meine beiden Crewmitgliederinnen nicht nehmen lassen ihre Wanderung anzutreten, was am Ende auch zu positiven Erlebnissen führte.

Regen im Hafen, fast ein bisschen trostlos
Wandern geht immer – Blick vom Kloster

Nach dem Motto – es gibt kein schlechtes Wetter, nur schlechte Kleidung, schnappten sich Kate und Sibylle die Regenschirme und eine leichte Jacke, ließen sich nach oben in die Chora chauffieren und besichtigten das Kloster. Dies ist ja generell schon beeindruckend, weil das Kloster von Patmos ein sehr schönes seiner Art ist. Danach traten sie den Rückweg per pedes an, nicht ohne vorher ein Heißgetränk zu genießen.

Grüße an mich – aus der Oberstadt

Der Tag gab nicht mehr viel her. Es blieb grau und wolkenverhangen, der Regen ließ aber nach. Wir haben daher beschlossen, uns ein wenig die Beine zu vertreten und einmal durch die Gassen des Ortes zu schlendern.

Coole Bars
Nette Boutiquen und Läden
Patmos putzt sich heraus

Offen gesagt, Patmos ist nett, zündet bei mir aber nicht. Wir waren schon oft hier, denken, dass das Kloster echt sehenswert ist, darüber hinaus bietet Patmos aber nicht sehr viel mehr als besseren Standard-Tourismus. Deutlich individueller als Kos, aber weit entfernt von, beispielsweise, Paros – nur meine Meinung.

Da wir, als weiteres Beispiel, noch kein überzeugendes Restaurant in Patmos gefunden haben, entschieden wir kurzerhand an Bord zu kochen.

Zurück auf NESSAJA
Chicken in Metaxa Soße – YUMMIE
Anschließend noch ein bisschen Internet und quatschen – dann „Gute Nacht“

Der nächste Tag brachte den erwünschten Nordwind. Dieser sorgt für Vor- und Nachteile gleichermaßen. Als Vorteile liegen auf der Hand – Segelwind Richtung Süden und eine „Bereinigung“ der wechselhaften Wettersituation, denn der Meltemi bringt meist klare Luft und blauen Himmel.

Nachteil – der Windchill und die kühlen Luftmassen sorgen für eine generelle Abkühlung, es wird ein paar Grad kälter.

Am nächsten Morgen geht es früh „Anker auf“, wir richten den Bug Richtung Süd und segeln, mit warmer Kleidung bewährt, Richtung Levitha, unserem nächsten Ziel.

Der Meltemi schiebt – kalte Luftmassen umwabern uns

Von Patmos nach Levitha sind es etwas mehr als 20 nm, wir rechnen mit einer Fahrtzeit von etwa 4-5h. Die frühe Abreise ist der Tatsache geschuldet, dass Levitha, die Ziegeninsel, längst kein Geheimtip mehr ist und zudem auf der Route vom Dodekanes in die zentrale Ägäis auf etwa halbem Weg liegt. Wir rechneten damit, dass heute einige Segler dorthin aufbrechen werden.

Da früher Vogel bekanntlich den begehrten Wurm fängt, haben wir die weißen Tücher gesetzt und uns vom stetigen Norder Richtung Ziel treiben lassen.

14-20kn scheinbarer Wind – 7,8kn Fahrt

Unsere alte, dicke Dame zeigt was sie kann, NESSAJA hat es nicht verlernt! Bei böigem und etwas vorlicher als erwartet einfallenden Wind, läuft sie unter Groß und Genua, beides im ersten Reff, auch mal über 8kn. Das ist ein guter Wert!

Speed >8kn, nicht schlecht

Ich war zufrieden. Nicht nur, weil unser Boot so gut lief, nein, auch weil sich bisher alle Systeme bewährt hatten. Der Autopilot lief inzwischen, die Navigation funktionierte. Die Energielieferanten Sonne und Wind sorgten, zusammen mit unserer obligatorischen Motorstunde, für stets volle Batterien. Die Energiemenge war, dank der moderenen Lithiumtechnologie, immer ausreichend, selbst unter dauernder Nutzung des Inverters, zum Beispiel um Kaffeewasser zu kochen – mit dem 2000W Schnellkocher!

Auch unser, nach Schätzungen kalkuliertes, Hardtop zeigte sich allen bisherigen Bedingungen gewachsen und lässt sich als eine Bereicherung bezeichnen! Ich war happy…

Mit dieser Laune liefen wir in der engen und sehr gut geschützten Bucht von Levitha ein.

Nur noch um´s Eck

Es war der 03.06. – meine Tochter hatte Geburtstag! Ich hatte dummerweise morgens vergessen eine Nachricht abzusetzen. Das ist deshalb ärgerlich, weil auf dem Kleinod Levitha kein Internet und kein Telefonnetz gegeben ist.

Das ist einer der Gründe, der diese Insel zu einem „Geheimtip“ hat werden lassen – ich finde das normaler Weise auch sehr toll, heute aber muss ich zu einem Plan B greifen.

Sibylle und ich bereiten die nachträgliche Gratulation vor, welche am morgigen Tag eintreffen würde. Nina soll nicht denken, dass wir sie vergessen hätten…

Teil 4 von 4 – eine Nachricht auf Zetteln, ins Mail gestellt, wird gesendet sobald Empfang gegeben ist

Da der kräftige Wind und die flotte Gangart von NESSAJA eine frühe Ankunft beschert hatten, gab es viel Extrazeit für die Crew. Wir konnten baden, faulenzen, lesen – ein herrlicher Tag!

Irgendwann rief der Hunger. Jetzt muss man wissen, dass Levitha eine weitere Besonderheit bietet, die Insel wird nur von einer Familie bewohnt. Dieser Bauer hält Ziegen, fischt und baut Gemüse an. Daraus zaubert er einfachste Gerichte, die er in seinem Hof serviert. Ein „must see place“. Wir treten also den Weg dorthin an – und der hat es in sich…

Zuerst mit dem Beiboot übersetzen – Schuhe nicht vergessen (Flip-Flops sind semi-geeignet)
Am Dinghydock geht es an Land
Nun steht ein Stück Fußweg bevor – auf einem Ziegenpfad
Super Ausblick auf die Schiffe
NESSAJA (2 v.l.) neben der LAZY LADY (2 v.r.) – ebenfalls aus der Evros Marina
Panorama über die Bucht

…denn ist man erstmal an Land und hat festen Boden unter den Füßen, dann setzt sich der Weg zum Bauernhof im Inselinneren auf einer Art Ziegenpfad fort. Man wägt sich in Sicherheit, weil die ersten Meter mit Steinen „gepflastert“ sind – aber dann wird es mehr und mehr holprig. Im Vorteil ist der, der den Weg kennt und an eine Lampe für den Rückweg gedacht hat.

NESSAJA – und unser Abendessen
Der Ziegenbock kennt sein Hausrecht
Stoanane Mandl und Natur pur…
…entlang des Pfades zur Hofstelle
Nach etwa 15 Minuten erreicht – der Bauernhof

Während und nach dem Essen fällt uns auf, dass immer wieder Menschen nach hinten um den Hof gehen. Die Toilette liegt am Weg, aber daran gehen fast alle vorbei…

Was gibt es da zu sehen? Wir prüfen das…

Ah, ein schöner Ausblick

Was auf dem ersten Blick wie ein schöner Ausblick kurz vor der „blauen Stunde“ aussieht, entpuppt sich als „Ausblick Plus“, als der Nabel zur Welt – es ist der einzige Ort der Insel an dem man Internetempfang hat!

Die Geißel hat uns wieder, diesmal mit dem positiven Nebeneffekt, dass meine Geburtstagswünsche an die Tochter rausgehen.

Wir gehen in finsterer Nacht, jedoch beleutet durch den immer noch sehr vollen Mond, zurück zum Schiff und setzen über. Die Stimmung ist überwältigend. Ich sitze noch eine ganze Weile im Cockpit und lasse meine Gedanken fliegen…

Kurz nach Vollmond – ich sitze noch eine ganze Weile und genieße

Für den nächsten Tag haben wir uns vorgenommen, dass wir abermals Kalymnos anlaufen. Das Ziel sollte diesmal aber die Inselhauptstadt Pothia sein. Wir verlassen Levitha nach dem Frühstück und legen die Südwestspitze von Kalymnos direkt an.

Raumer Wind – heute nur mit Genua

Während wir gemütlich dahinsegeln, sinnieren wir über die Tage die noch kommen und was Kate noch in ihren Urlaub packen möchte. Es klingt heraus – Badefreuden werden höher bewertet als Einkaufsgässchen, zudem werden wir morgen und übermorgen an einer Kaimauer liegen. Wir ändern also den Plan, neues Ziel ist die Bucht Emborio auf Kalymnos. Wir waren da in der ersten Nacht, es war herrlich, wir wiederholen! Neuer Kurs NULL-SECHS-EINS liegt an.

Kurs ist gesetzt, wir können Emborio direkt anlaufen

Rechts am Bildschirm seht ihr das AIS Signal der LAZY LADY, die Freunde aus der Leros Marina sind nach uns gestartet, hatten Emborio von Anfang an angepeilt und wir waren jetzt kurz vor ihnen – ein Match-Race entwickelt sich…

Eines das wir nicht gewinnen konnten! Die Jeanneau 54DS ist schneller, Gerd ein erfahrener Segler, der holt uns die Wurst vom Teller…

Trotz kräftiger Brise kann ich der 54er kein Paroli bieten

…und zwar (fast) sprichwörtlich! Denn als wir in der Bucht ankamen, war nur noch EINE Boje frei – zum Glück – aber die attraktive „first-row“ Boje die wir letztes Mal hatten, die hat sich die LAZY LADY geschnappt.

Egal, wir binden uns in der zugigen Außenreihe fest, liegen zwar im böigen Wind aber dennoch sehr sicher. Es wird der obligatorische Anlegeschluck kredenzt.

Anlegeschluck plus – immer öfter denke ich an eine Wortschöpfung von Christine – „Superhaps“

Gerne folgen wir dem Brauch, die Taverne des Bojenanbieters zu besuchen. Wir finden uns daher ein paar Stunden später abermals bei „Captain Kostas“ Taverna ein – wir mögen diesen Platz…

Empfehlenswerte Adresse
Abermals essen wir sehr gut

Der Abend vergeht wie im Flug und wir kehren in stockfinsterer Nacht auf NESSAJA zurück. Ich hatte aufgrund der Außenlage unserer Boje meine App für den Ankeralarm gestartet – diese lief zuverlässig.

So sieht es in der Nacht am Navitisch aus

Ich wollte auch hier noch ein wenig in die Nacht starren, den inzwischen aufgegangenen Mond anheulen (bildlich gesprochen), aber der Wind war so kräftig, dass ich es nicht lange ausgehalten habe.

Auf dem Meer sieht man die Kräuselung des Wassers

An der Boje schlafe ich, trotz der Tatsache, dass ich die Außenboje aufgrund der Wassertiefe nicht abtauchen kann, recht ruhig. Ein Grund dafür ist die erwähnte Ankerapp, diese zeichnet die Bewegungskurve des Schiffes auf, bei Überschreiten eines zu wählenden Alarmringes löst diese aus und gibt einen nervenzerfetzenden Ton von sich. Das funktioniert gut…

Bewegungsprofil über Nacht

An einer Boje stecke ich den Bewegungsradius eng, man kann sich ja nur sehr eingeschränkt bewegen – sofern alles in Ordnung ist. Am Anker muss der Bewegungsradius größer sein, in Abhängigkeit der gesteckten Kettenlänge. Diese App, die ja auch Sicherheit spendet, sendet auch Nachrichten ans Handy, den Bildschirm kann man spiegeln. Ein sehr gutes Tool!

Ich stoppe die Aufzeichnung, schalte das Ankerlicht aus und koche einen Kaffee, den ich genüßlich nach dem ersten Bad im Meer trinke. Langsam wird meine Crew wach.

Das Frühstück wird gerichtet…
…das Wetter gecheckt

Während Sibylle (ich schon auch) das Wetter sehr gerne über die modernen Apps abgreift, nehme ich mir zusätzlich täglich die Zeit auch das weniger moderne Navtex zu bemühen.

Neuzeit trifft Steinzeit – mein Navtex, rechts über dem Funkgerät

Dafür habe ich (fast) schon gestritten. In einer Welt, die sich scheinbar zu 100% auf´s Internet verlässt, haben solche Gerätschaften offensichtlich keinen Platz mehr. Ich gebe zu, die modernen Apps sind bedienerfreundlich und auch optisch besser aufbereitet – aber die Funktechnologie lässt eben zu, Wetterberichte zu empfangen, auch wenn man kein Netz hat. Zudem, mein Eindruck, sind die 12h Vorhersagen genauer.

Samos Sea N5 soon NW5-6, no gale wind forces

Derart vorbereitet treten wir heute eine längere Fahrt an. Wir gehen von Kalymnos / Emborio an der Westseite von Kos vorbei und ziehen dann Richtung Südost nach Nisyros. Wir wollen heute Nachmittag im Hafen Paloi auf der bekannten und berühmten Vulkaninsel festmachen.

Leinen los!

Sibylle steuert uns durch die Durchfahrt, ich mache die Kursberechnungen
Den Großen recht nahe

Die Überfahrt gestaltete sich wechselhaft. Der Wind kam zwar wie vorhergesagt, wurde aber durch lokale und topografische Effekte sowohl in Stärke, wie auch in Richtung beeinflusst. Wir konnten ein paar Meilen segeln, andermal mussten wir motoren um im Zeitplan zu bleiben – zugegeben, es zog sich ein bisschen.

Aber am Nachmittag waren wir da, angekommen im kleinen Hafen von Paloi, es gab noch reichlich Platz. Ich warf den Anker, Sibylle fuhr das Manöver. NESSAJA war mal wieder in Nisyros – wir mögen diese Insel!

NOCH alles frei – nicht mehr lange
Paloi, ein hübsches Dorf
Ein paar mehr sind es schon – aber immer noch Platz
Nach und nach laufen die Schiffe in den gut geschützten Hafen ein
Typisch griechisch
Die andere Seite, inzwischen fast voll

Wir sehen bei unserer Lieblings-Autovermietung „Petastra“ von Stavros und Nikki vorbei. Beide erkennen uns, nach mehr als zwei Jahren, auf Anhieb wieder und freuen sich, uns wieder zu sehen. Die Freude wird überschwänglich, als wir erzählen, dass wir inzwischen in Griechenland leben und unsere Lebenssituation erklären. Wir palavern ein bisschen, trinken ein Bier, dann muss Stavros arbeiten – wir reservieren noch schnell ein Auto für morgen, dann gehen wir zurück zum Schiff.

Ich schreibe Logbuch, Sibylle geht joggen – und sendet Bilder von Begegnungen…

SAU-ber – als die Muttersau kam, zog Sibylle ab. Sicher ist sicher

Wir haben uns entschieden, dass wir zwei Nächte in Paloi bleiben. Die Insel ist es wert besichtigt zu werden, sie bietet Besonderes. Dies wollten wir Katharina als Urlaubsendspurt bieten.

Am nächsten Morgen ging es also relativ früh, nach einem kleinen Frühstück, los – wir marschieren die paar Meter Richtung Autoverleih. Sibylle hat ein besonderes Auto reserviert – sagt sie – na mal sehen…

Dream Team im Dune Buggy

Hoppa, so kenne ich meine Gattin ja gar nicht. Die, die aus wirtschaftlichen Gründen immer zu Hyundai I10 greifen würde, aus Sicherheitsüberlegungen aber eher zu Mercedes G-Modell tendieren würde – diese Frau also, mietet einen Beach Buggy bei dem die Sicherheitsgurte leider nicht funktionieren. Ich freue mich, was ein Spaß!

Wir verlassen Paloi und fotografieren vom Bergrücken aus noch einmal den Hafen, in dem NESSAJA sicher vertäut liegt.

NESSAJA (2 v.r.)

Dann setzen wir unsere Fahrt fort. Ziel ist natürlich der bekannte Vulkankrater, welcher nach meiner Meinung, dem bekannteren Pendant von Santorin, den Rang abläuft.

Reiseführer empfehlen die Besichtigung des Kraters in den frühen Morgenstunden. Der Hitze wegen und auch, weil die Ausflugsschiffe aus Kos erst ab 10.30 Uhr Touristen mit Bussen ankarren – wenn dies eintritt, wollen wir schon bei einer köstlichen Kaltschale in Nikia sitzen.

Gesagt, getan…

Gurte – pah!
Mehr braucht ein Auto nicht
Auf coolen, gut ausgebauten Straßen Richtung Vulkankrater

Am Vulkankrater angekommen, starteten wir die obligatorische Fotoserie. Die Kasse war noch geschlossen, wir nehmen an, dass die paar Mark Eintritt für uns, niemand vom Tavernenhocker reißen – interessant wird es wohl erst, wenn die Busladung ausgekippt wird.

Hier unsere Impressionen…

Nebenkrater – auch nicht wenig imposant
Auch für uns ein Erinnerungsfoto
Überblick von der Aussichtsplattform
Betreten auf eigene Gefahr – hmmm…
…ja dann!
Der frühe Vogel fä… – aber das wisst ihr ja schon
Alleine im Krater- nur wir drei und unsere Schatten
Eine unwirtliche Landschaft, mondartig…
…aus den Löchern zischt, faucht und raucht es. Es stinkt nach Schwefel
Im Hintergrund – die rauchenden Schlunde des Vulkans
Der Weg zurück – die Sonne schon warm

Wie immer war der Besuch des Kraters ein Highlight – das ist wirklich der Hammer. So nahe kommt man der Natur selten, zudem in so ausgefallener Art und Weise.

Wir knipsen ein letztes Erinnerungsfoto…

Der Buggy in fast artgerechter Umgebung

…und fahren dann in den Inselort Nikia. Dort hat Dietmar, ein Freund von uns den wir auf Leros kennen gelernt haben, ein Haus gekauft. Ein spannendes, über 100 Jahre altes Objekt.

Wir wollen die Mosaike und den berühmten kleinen Dorfplatz ansehen, dann wollen wir mal schauen, ob wir Dietmars Haus finden und ihm einen Besuch abstatten können.

Dorfplatz in Nikia – die berühmten Mosaike
Mühevolle Kleinarbeit
Sibylle entdeckt…

Wir bestellen einen der berühmten Schokoladekuchen, dazu frisch gepressten Orangensaft und Cappuccino – des einen Freud, des anderen Leid…

Massives Teil!!!
Genuss meets Verdruss – mir war der Schokobeton zu massiv

So geschah an diesem Tag etwas, was nur sehr selten geschieht – ein Stück Essen, ein Kuchen gar, wandert von meinem Teller auf den einer anderen Person. Ich trete freiwillig und ohne Zwang, einen halben Schokokuchen an Kate ab!

Ich bin satt, ich mag kein Blatt

Wir bezahlen und machen uns auf in das enge Gassengeflecht des Ortes. Wir versuchen, anhand einer kurzfristig abgegebenen Beschreibung, das Häuschen zu finden. Dies gelingt uns leider nicht auf Anhieb – aber auf unserer Suche begegnen wir einem wunderbaren Stilleben.

Liebevolle Häuser hier…
…dort, das was davon übrig blieb

Wir finden das Haus nicht! Ich rufe Dietmar an und höre während des Telefonats seine Realstimme. MARIO, höre ich ihn rufen – und da sind wir…

Wunderschön – ich fange sofort an zu träumen
My way – Spaß beiseite, wir analysieren welche Inseln von der Terrasse aus zu sehen sind
Die Küche – schaut den Boden an!!!!
Das Wohnzimmer, echt schön

Dietmar macht uns einen frischen Saft, es gibt Wasser – wir reden viel über das Haus. Ich kenne den Preis, es war günstiger als ein etwaiger Verkauf von NESSAJA erzielen würde. Wie lebt man hier? Wie geht es Dir? Bereust Du? Dietmar beantwortet geduldig meine Fragen.

Ich fange an zu grübeln, das Haus gefällt mir. Dietmar hat ein kleines Boot im Hafen von Paloi, er fährt damit fischen. Sein Leben ist anders als meines, ist es besser???

„Wir müssen…“ – ich kenne diese Worte! Sibylle reißt mich aus meinen Träumen, hat diesmal aber Recht. Wir müssen weiter. Wir bedanken und verabschieden uns – nächstes Ziel, die Kirche auf der Anhöhe – ein Super-View, ein must see!

Wieviel mehr Griechenland wollt ihr noch???
Nikia, ein wunderschönes, aber sehr kleines Dorf
Der Blick schweift in die Ferne, wir tauschen erste Gedanken
Links Nikia, rechts der Krater – spektakulär
Rundumblick Tilos, Datcha Halbinsel, Kos

Wir fahren zurück, unser nächstes Ziel ist der Inselort Emborios. Auf dem Weg hierhin gibt es eine uralte natürliche Sauna – klar, dass wir auch dort einen kurzen Stop einlegen.

Eine kleine gemauerte Sauna, mehr als 60° warm
Klar, dass ich mich hineinzwänge…
…ich bin aber auch froh, dass ich wieder raus kann – da fühlen sich 30° auf einmal frisch an

Wir sehen uns Emborios kurz an, die Damen gehen bis zur Burgruine, ich trinke eine Coke. Auch die Mädels bestellen sich nach dem Abstecher zu den verfallenen Gemäuern ein Erfrischungsgetränk. Viel mehr gibt der Ort nicht her, er steht im Schatten von Nikia – kein Vergleich.

Wir fahren weiter in die Hauptstadt der Insel, nach Mandraki. Wir blödeln rum und kommen auf unsinnige Ideen – wir suchen ein perfektes Fotomotiv und die Scheinwerfer des Buggy drängen sich auf…

Helden in Chrom

Viel lustiger schien uns aber im Rückblick der Schnappschuss den Kate währenddessen gemacht hat – eine „making of“ Aufnahme sozusagen. Da wirken die „Helden in Chrom“ schon weniger cool 😉 …

Making of…

Na egal, wir beschließen den Hauptort zu erkunden und uns ein Speiseeis zu gönnen. Auch hier in Mandraki gibt es eine Eisdiele die einen sehr guten Ruf genießt.

Sibylle packt unsere Habseligkeiten in den Kofferraum, der jedoch seinen Namen nicht verdient…

Kofferräumchen – abschließen? Nicht in Griechenland!

Dann laufen wir die paar Meter vom Parkplatz in den Ort. Wir waren das letzte Mal 2021 mit Franziska und Mikey hier. Wir kennen uns also aus, der Ort ist nicht so groß, dass man ihn nicht überblicken könnte. Dennoch stellen wir fest, auch hier hat sich etwas getan, durchaus im positiven Sinne…

Wir schlendern die Riva entlang
Betrachten die netten (und aufgemöbelten) Graffiti

Wir gehen zunächst schnurstracks auf den Eissalon zu, keine Umwege! Es ist warm und wir freuen uns auf die Erfrischung, welche wir am Meer genießen wollen.

Die Eisdiele selbst hat auch zwei, drei ganz nette Sitzplätze – die wir allerdings noch NIE frei gesehen haben. Wir haben uns daher keinen Illusionen hingegeben – wir kaufen unser Eis und setzen uns irgendwo auf eine Mauer ans Meer…

Das „Mikro Café“ in Mandraki
Sweet Tomato gefällig? Oder doch lieber Cannabis?

Die kleine Eismanufaktur, welche auch in Reiseführern genannt wird, bietet Eissorten „mit Pfiff“ an. Es gibt ein paar die haben nur Phantasienamen wie „Vulcano“ oder „Blue Lava“, andere haben auch kreative Inhalte, wie zum Beispiel „Sweet Tomato“ oder eben „Cannabis“.

Ich wollte zwei Kugeln Cannabis um die totale Entspannung zu erreichen, doch Sibylle meinte besorgt „…Du musst noch fahren…“ – da hat sie natürlich Recht! Insgeheim war mir klar, 4.-€ für eine Kugel „Spezialeis“ war meine Frau nicht bereit zu zahlen!

Ich wähle die vorgenannten Nisyros-Sondereditionen „Vulcano“ und „Blue Lava“, Eiscreme mit Kirsch und Blaubeergeschmack – war gut!

Ein guter Platz zum Eisverzehr

Katharina hat sich für „Sweet Tomato“ entschieden – war irgendwie lecker – aber auch keine Offenbarung. Ich denke an „Salted Caramel“ in Panteli (das ist aber ein anderes Thema) und löffle meine Speiseeisspezialität – ein schöner Tag!

Eis mit Aussicht

Danach setzen wir unsere Runde fort. Wir tanken den Buggy und die Damen entscheiden, dass unser nächstes Ziel eine alte Kastelruine und ein Kirchlein auf der Westseite der Insel ist. Ich freue mich…

Woher die Freude wegen einem alten, kleinen Kirchlein? Nun, ich hatte vorgeschlagen die komplette Runde um den Vulkankrater zu fahren, dabei geht es auch ein Stück über Schotterpisten – das wurde abgelehnt! Nun schlagen die Damen exakt den Weg vor den ich fahren wollte – nur anders formuliert. Es klingt eben anders wenn man sagt „…komm, wir nehmen diese Straße zur Ruine und dem alten Kirchlein. Danach fahren wir diese Route zurück.“ als wenn man es kurz und bündig so formuliert „…komm wir fahren die geile Schotterpiste offroad rund um den Vulkankrater!“ Mir war´s wurscht, wie gesagt, ich freue mich spitzbübisch…

Zunächst über kleine Asphaltsträßchen zur Burgruine
Sibylle liebt alte Gemäuer
Die Gassen erzählen Geschichten
Die Natur sorgt für bunte Farbtupfer
Die Straße wird schmaler, ist aber noch betoniert
Wir besuchen das älteste Kirchlein der Insel
…um dann das letzte Stück auf der Offroadpiste zurück zum Ausgangspunkt zu fahren – eine schöne Runde

Hier vollenden wir unsere Runde auf Nisyros. Wir haben die bekanntesten Sehenswürdigkeiten angesehen und hatten bisher schon einen herrlichen Tag. Jetzt war es aber Zeit ins kühle Nass zu springen um sich gehörig abzufrischen – wir waren ein wenig verschwitzt, die Hitze hat uns zugesetzt.

Da traf es sich gut, dass auch einer der Strände der Insel als Highlight propagiert wurde. Diesen setzten wir auf unsere Liste und fuhren auf direktem Weg dorthin.

Auf der Küstenstrße zum Traumstrand
Kleine, liebevolle Details
Der Sandstrand aus feinem, schwarzen Vulkansand

Sibylle und ich erinnern uns! Hier waren wir schon. Ich merke an, dass ich meine mich zu erinnern, dass der eigentliche Traumstrand hinter einer Klippe liegt und man die letzten Meter über einen Track zurücklegen muss.

Kate hat „ihren“ Traumstrand bereits definiert – der auf dem unsere Füße standen – und war schon in die Baderobe geschlüpft und lehnte meine Excursionsidee kurzerhand ab. Sibylle zweifelte an meiner Erinnerung, schlich mit mir aber noch ein Stück den Track hoch um dort um die Ecke zu lurren – und siehe da…

DAS isser

Wir geben uns zufrieden – auf die im Reiseführer hingewiesene „Dünenlandschaft aus feinstem, schwarzen Vulkansand“ verzichten wir. Wir erinnern uns dunkel an unsere Badefreuden von vor zwei Jahren und gehen zurück zu Katharina, um uns zusammen mit ihr an IHREM Traumstrand zu erfrischen! Ein perfektes Finale für einen tollen Tag!

Diesmal gibt es keine Berichte zu unseren lukullischen Erfahrungen – den ersten Abend haben wir bei Stavros Mutter in der Taverne gegessen, solide und typisch griechisch, aber offen gesagt kein Highlight. Heute essen wir, wie eigentlich immer, bei „Aphrodite“ – etwas besser, mit sehr gutem Service. Auch hier ein sehr gutes Dinner aber ohne erwähnenswerte Highlights.

Der nächste Tag beginnt entspannt. Wir frühstücken und bereiten NESSAJA vor zum Ablegen. Heute führt uns unser Weg nach Kefalos auf Kos. Es wird der letzte Urlaubstag für Katharina, sie wird morgen abreisen. Kefalos liegt günstig zum Flughafen, ein guter Ort um den Urlaub der Freundin ausklingen zu lassen.

Wir haben nahezu keinen Wind und motoren daher die paar Meilen Richtung des Touristenortes auf Kos…

Nur zwei Stunden zu fahren

In der kommenden Woche erwarten wir Freunde in der Leros Marina. Sie sind auf dem Weg von Kreta nach Leros und kommen zwangsläufig auch hier in dieser Gegend vorbei. Deshalb hatten wir die TRINITÉ auch seit einigen Tagen auf dem Schirm.

Es hätte sein können, dass wir das Schiff der Freunde heute treffen, als wir in Paloi ablegten, war die TRINITÉ noch in Kefalos vor Anker. Jedoch…

Da fährt sie dahin

Nein, natürlich können wir auf diese Entfernung Schiffe auch nicht eindeutig identifizieren – aber modernste Technik hilft auch hier…

Identifikation eindeutig – ich kenne die MMSI von TRINITÉ

Na dann, wir melden uns bei den vorbeisegelnden Freunden und lassen wissen, dass wir uns auf das Treffen in Leros freuen – noch ein paar Tage!

Wir kommen inzwischen in Kefalos an und werfen den Anker an idealer Stelle. Sandgrund, ca. 5m tief – perfekt. Meine Erinnerungen an Kefalos sind eher schlecht, bin ich doch vor etlichen Jahren im Sturm meines Dinghys hier verlustig gegangen.

Heute machen wir das besser! Der Anker sitzt, wir dampfen ihn ein, ich mache Ankerpeilungen – alles nach Lehrbuch! Als ob das nicht genug wäre, tauche ich mein Grundeisen anschließend auch noch ab…

Darum hat unser Anker einen gelben Bügel! Sitzt perfekt!

Die Entfernung zum Schiff sind rund 40m, auch das sollte bei der gegebenen Wassertiefe mehr als gut sein. Ich mag es, mein Schiff so am Anker zu sehen und mache ein paar Aufnahmen aus ungewöhnlicher Perspektive.

Anker hier – NESSAJA dort
Unser schwimmendes Zuhause
Gute Gelegenheit um das Unterwasserschiff einmal zu checken
Genug geschwommen – passt alles, der Skipper geht zurück an Bord
Das Wasser immer noch frisch, aber auch für längeres Schwimmen geeignet

Auch die Damen wagen den Sprung ins erfrischende Nass, wir baden alle ausgiebig und haben richtig Spaß. Sibylle hat kurz zuvor noch ein Brot vorbereitet, welches im Ofen buk, während wir uns den Badefreuden hingaben – für das leibliche Wohl ist vorausschauend gesorgt.

Frisches Brot – selbstgebacken

Der späte Nachmittag bot noch etwas Schauspiel für uns Ankerlieger. Einerseits die Paraglider, welche sich von den örtlichen Anbietern an Fallschirmen durch die Bucht ziehen ließen, anderseits die große Motoryacht, deren Erscheinen schon die Blicke auf sich zog – und später erst, als die Crew die „Wasserspielzeuge“ für die Gäste ausgepackt hatte.

First Row – wir beobachten die Paraglider und das Treiben rund um die Motoryacht

Etwas später, zur Dinnertime, haben wir mit dem Dinghy übergesetzt und uns einen Überblick verschafft. Das Abendessen wollten wir im „Cavos“ einnehmen, eine Standardtaverne, der aber sehr gutes, authentisches Essen bescheinigt wird.

Danach wollten wir durch den Ort bummeln, um zur „besten Eisdiele Kos´ zu gehen, einem Ort der etliche Sorten Eiscreme in einem netten Ambiente bietet“ – doch das war eine andere Geschichte…

Wir setzen über und finden im Hafenbecken einen sicheren Platz für Schnulli – diesmal festgebunden
Das „Cavos“ gleich über die Straße, der Ortsteil heißt Kanari
Nettes Panorama – auf den ersten Blick nicht schlecht
NESSAJA direkt vor Augen
Das „Cavos“ – ohne die Google Rezessionen sicher nicht unsere erste Wahl
Gesessen sind wir schön, der Service war gut
Ein paar Meze – wie immer
Fried Symi-Shrimps für mich
Sehr gute Seafood Spaghetti für Sibylle – sie war begeistert

Kurz – wir essen gut und günstig – die Google Rezessionen waren korrekt. Das Lokal wird es nicht auf unsere Bestenliste schaffen, ist aber eine empfehlenswerte Adresse in Kefalos.

Wir gehen durch den Ort und stellen fest, dass hier Freud´ und Leid eng beinander liegen. Der Ort hat seine besten Zeiten hinter sich und es scheint, als hätte er sich auf Billigtourismus für Touristen aus England eingeschossen. Kefalos ist vom Businesssterben betroffen – überall leere Tavernen, Geschäfte und Bauruinen.

Einladend geht anders…

Auch das ist Kefalos

Ich war frustriert. Ich weiß inzwischen, dass ich, dass wir von Leros und den umliegenden kleinen Eilanden verwöhnt sind. Toristeninseln wie Kos erschlagen uns eher – ich war ein wenig missmutig und das sollte sich noch steigern.

Wir dackeln also durch einen halbverfallenen Ort, entlang einer Verkehrsader, vorbei an bunten Bars mit oberkörperfreien, tätowierten Angelsachsen, deren Hautfarbe sich zwischen hellweiß und puterrot einordnen lässt. Zum Trost stelle ich mir das fantastischste Eis vor, welches meiner Phantasie entspringen kann…

Dass dies schiefgehen musste war klar! Der Eissalon war ein neonlichtdurchfluteter Raum ohne jeglichen Charme. Ein ahnungsloser Eisverkäufer machte kreisrunde Minikügelchen, welche eher an Tischtennisbällchen als an Speiseeisträume erinnerten. Die Sortenauswahl eher Fürst Pückler statt fürstlich – die Damen kauften, ich boykottierte! Aber nicht im Zorn – ich dachte an „Repapis“ in Leros und freute mich auf ein Rieseneis nach unserer Rückkehr.

Fotos gibt es leider keine…

Zurück am Schiff prüfe ich die Ankerapp, die wie immer zur Kontrolle mitläuft. Es scheint alles ok zu sein.

Auch am nächsten Morgen – alles ok

Der Wecker holt uns aus den Federn – lieber etwas Sicherheitszeit einbauen. Katharinas Taschen sind gepackt, die Morgenstimmung hebt sich über die Bucht…

Sonnenaufgang in Kefalos

Wir gehen ein letztes Mal zusammen schwimmen, frühstücken gemeinsam, dann heißt es Abschied nehmen. Ich packe Kates Tasche ins Dinghy, Sibylle drückt die Freundin zum Abschied, dann übernehme ich das Shutteln an den Strand.

Das Gepäck muss mit
Ein letztes Winken
Dann setzen wir über

Katharina wird vom Taxi abgeholt. Als der Fahrer per Anruf bestätigt und wir eine gewisse Sicherheit haben, dass alles klappen wird, verabschiede auch ich mich von Katharina – wir werden wieder zusammen reisen, mal schaun, wann es wieder klappt.

Ich fahre sofort zurück zu NESSAJA, wo Sibylle schon alles zum „Anker auf“ vorbereitet hat. Wir nehmen das Dinghy in die Davits, beobachten wie Kate ins Taxi steigt und holen das Grundeisen hoch – NESSAJA ist wieder in Fahrt!

Bewölkt, frischer Wind, angesagte Regenschauer – und viele Meilen vor der Brust

Es war für heute ein sehr durchwachsener Regentag angesagt. Westlich von Kos war laut Wetterbericht eine Windkante mit kräftigen Böen die dann eher von vorne gekommen wären. Unser Kalkül war also, daher auch die morgendliche Eile, den längeren Weg an der Nordostecke von Kos vorbei zu nehmen.

Im Zweifel würden wir die ersten Meilen segeln können, sollte der Wind wirklich wie vorhergesagt kommen, sind wir hinter den Inseln Kos und Kalymnos geschützt für unseren langen Weg…

…nach LEROS – immerhin über 50nm, also eine kalkulierte Fahrtzeit von etwas mehr als 10h!

Bei trüben Wetter entlang der Hotelburgen auf der Südseite von Kos

Ich nehme es vorweg, weder Wind noch Wellen kamen so unangenehm wie vorhergesagt. Das hatte den Vorteil einer weitgehend angenehmen Fahrt, gepaart mit dem Nachteil des stetigen motorens – tucktucktuck – was kannst da machen???

Die Antwort – lesen

Durch den gewählten Weg war das Wasser recht flach, wir kamen gut voran und umschifften dabei das Sperrgebiet im Osten von Kos, das Flach im Nordosten und letztlich die Ausbuchtung der türkischen Seegrenze (mache ich immer) – wir waren gut in der Zeit und verwarfen den Notfallplan, einen Zwischenstop in der Bojenbucht Palionisos auf Kalymnos einzulegen.

Unterwegs hatten wir Thilo und seine HOME OFFICE auf dem Schirm. Er hatte die letzten Urlaubstage mit Familie vor der Brust und war auf dem Rückweg aus der Zentralägäis. Per WhatsApp verabredeten wir uns zu einem Treffen in der Bucht von Xirokampos im Süden von Leros.

Noch eine Nacht Bucht vor der Rückkehr in die Marina – und doch schon der Heimat nah – zudem lernen wir Thilos Frau kennen und können ihm seinen Autoschlüssel zurückgeben. Nur Vorteile also…

Gegen 18.30 Uhr kamen wir zufrieden, aber auch etwas erschöpft an.

NESSAJA in der Bucht von Xirokampos
Fotografiert aus Thilos Cockpit

Thilo war schon da und begrüßt uns mit einer Einladung zum Sundowner an Bord der HOME OFFICE. Die nehmen wir gerne an! Wir lernen neben seiner Frau Ela noch den Sohn nebst Freundin kennen und beschließen kurzerhand, zusammen im „Aloni“ zu Abend zu essen.

Wir setzen über ins „Aloni“
Von dort blicken wir auf unsere Schiffe HOME OFFICE (re.) und NESSAJA (2 v.r.)

Das Essen im „Aloni“ war wie immer solide und gut – aber auch er schafft es zur Zeit nicht in unsere imaginäre Bestenliste auf Leros. Zufrieden fahren wir in dunkler Nacht zurück an Bord unserer Schiffe – was für ein Tag!

Am nächsten Morgen checke ich die Ankerapp – und seht selbst, ein deutlicher Unterschied zu den Bildern der letzten Male. Die umlaufenden und unsteten Winde in Xirokampos verlangen Aufmerksamkeit, es muss immer auf genügend Raum geachtet werden.

NESSAJA fuhr am Anker spazieren – aber in ihrem erlaubten Bewegungsradius

Ich bin vor Sibylle wach und beobachte die Sonne, wie sie über den Bergrücken der Bucht steigt – ich liebe diese Stimmung! Vollkommen wird sie, wenn ich zuvor im Meer gebadet habe und dann ein Tässchen Kaffee schlürfen kann.

Die Sonne kommt über den Berg – Blick auf Susannes Haus
Die Fischer laufen aus – mit gehörig Nationalstolz
Auf der HOME OFFICE ist´s noch ruhig

Wir frühstücken und gehen ein zweites Mal baden. Dann ist es Zeit in die Bucht von Lakki, sozusagen vor den Toren der Marina, zu verholen. Dieses Vorgehen hat zwei Gründe – erstens, wir wollen die ELOWYN dort treffen. Wichtiger aber, wir können die neue Sprayhood von NESSAJA anpassen und abholen, bevor wir in die Marina zurückkehren.

Wir fahren also nur kurz um´s Eck und suchen uns einen passenden Ankerplatz. Das Grundeisen fällt und wir liegen gut – und sicher.

Sperrgebiet beachten

In der Ankerbucht von Lakki übersehen immer wieder Skipper das Sperrgebiet. Dies dient als Wenderaum für die große BLUESTAR Fähre – da willst nicht im Weg sein, wenn der Riese seinen Bug auf dich richtet und laut hupt…

Wir kontrollieren das und sind safe – somit heißt es warten! Auf Sotiris den Segelmacher und auf Volker und Tina mit ihrer ELOWYN.

Die kommt prompt!

Ist das wirklich die ELOWYN???

Ich habe das Schiff der Freunde schon bei der Einfahrt in die Bucht erkannt – eine unverwechselbare Shilouette und ein paar spezielle Charakteristika machen die Algro 68 unverwechselbar. Sibylle verlässt sich weniger auf mich als auf die Datenquelle „Marine Traffic“…

Hmmm, ja schon, es ist die ELOWYN
Sag´ ich doch!
😉 spätestens jetzt glaubt es auch Sibylle – welcome back ELOWYN, welcome on Leros

Wir fahren mit dem Dinghy an Land und treffen die Freunde aus der Oberpfalz nach langer Zeit wieder. Die Freude ist groß, es kommt zu dem Bild, welches ich als Opener für diesen Bericht verwendet habe. Wir haben viel zu erzählen, genehmigen uns einen gemeinsamen Anlegeschluck in Form einer gut gekühlten Halben! Herrlich!!

Auch Volker hat einen Termin mit Sotiris, das wusste ich und ich habe versucht, den Segelmacher beide Termine in Folge erledigen zu lassen. Das gelang! Kurz nachdem er auf der blauen Schönheit fertig Maß genommen hatte, ließ er sich von mir am Kai abholen und montierte NESSAJAs neue Mütze…

Sieht gut aus – endlich wieder Durchblick
Macht richtig was her

Wir relaxen noch ein wenig und verabreden uns für den Abend mit Tina und Volker um bei Marietta gemeinsam zu Abend zu essen.

Marietta ist jedem Blogleser geläufig. Seit wir hier in Leros sind, ist sie eine Drehscheibe und Quell der Informationen für uns. Sie ist unbestritten meine Lieblingsmarietta – ich freue mich auf´s Dinner!

Marietta und Takis – noch entspannt. Der Ansturm kommt noch
Thelo trapezi parakalo – wir reservieren auf griechisch!

Wir bestellen einen Tisch auf griechisch, zufällig kommt Volker und holt Eiswürfel – vor dem Abendessen sind wir nämlich ein weiteres Mal auf die ELOWYN geladen – zum Aperitiv!

Wir blicken auf unser Schiff in die Bucht und sind zufrieden. Gemütlich schlendern wir zu dem blauen Riesen, welcher seinen Platz am Stadtkai gefunden hat.

NESSAJA in der Lakki Bucht

Wir quatschen mit den Freunden über Dies und Das und auch über die Pläne der nächsten Tage. ELOWYN wird für einige Wochen in der Leros Marina geparkt, es gibt etliches zu tun – ich könne helfen.

Man wolle aber auch die führenden Kneipen, Bars und Eisdielen besuchen – auch hier könne ich helfen.

Puh, ich spüre förmlich die Last auf meinen Schultern, erkläre aber, dass wir morgen früh NESSAJA in die Marina verholen und dann die kommenden Tage für den Besuch der ELOWYN und den der TRINITÉ geplant hätten…

Zeit für´s Dinner!

Marietta ist stolz – inzwischen gibt es eine sehr persönliche Speisekarte

Wir essen lecker und trinken viel – ein herrlicher Abend in herrlicher Athmosphäre. Hinter uns liegen 14 Tage Törn, 250nm mit einer lieben Freundin – der Törn, der Urlaub, war erfolgreich und trotz wiedriger Wetterkapriolen wunderschön. Unsere NESSAJA hat uns nicht enttäuscht – alle Systeme funktionieren super! Ich komme zurück und die ToDo Liste ist KÜRZER als vorher!

Dennoch – nach Leros zurückkommen ist nach Hause kommen!

Zufrieden schlendern wir zu unserem Schnulli und tuckern zurück zu NESSAJA.

Heim – ab ins Bett

Am nächsten Morgen überschlagen sich die Ereignisse. Wir hatten gerade gefrühstückt, als uns eine Message von der ELOWYN erreicht. Tina hätte noch keine Lust auf Marina, man wolle noch eine Nacht in einer Bucht verbringen – die Wahl sei auf Xirokampos gefallen – „…wollt ihr mit?“

Ähh, sehr kurzfristig – aber ein reizvoller Gedanke! Wir sagen spontan zu.

Jetzt geht es Schlag auf Schlag – wir machen NESSAJA fertig zum Anlegen, funken die Marina an und laufen ein. Wir bekommen den Platz neben unseren langjährigen Freunden Uli und Angelika auf ihrer JASPER. Das traf sich gut, denn die beiden hatten in unserer Abwesenheit Kinderschwimmwesten angenommen, welche über eine Leros-Facebookgruppe zu verschenken angeboten waren. Die kleinen Westen wechselten also das Schiff…

Von 2 – 12 – die Enkel können kommen

Es bleibt eine Randnotiz, dass wir später eine vierte Weste in Size 0 – also eine Miniweste – noch dazu bekamen. Wir sind bestens gerüstet für die ersten Besuche der Enkel.

Wir bedanken uns bei Angelika und Uli, die freuen sich, dass wir wieder da sind. Die Freude dauerte nur einen Wimpernschlag, denn wir begrüßten und verabschiedeten uns gleichzeitig – der Rucksack wurde gepackt – wir marschierten in den Stadthafen und ließen NESSAJA in der Marina zurück.

Für knapp zwei Tage heuern wir auf ELOWYN an…

Drei Stunden nach dem Aufwachen – NESSAJA ist in der Marina, wir auf ELOWYN. Wir laufen aus…

Unser Plan war, einfach einen Tag in der Xirokampos Bucht abhängen, baden, gut essen, relaxen, genießen – Volker zirkelt den Boliden Richtung Ausfahrt der Lakki Bucht, der Weg in die Südbucht von Leros ist ja kein weiter…

Blinker rechts und ab durch die Mitte

Wirklich cool war, dass wir bei passender Windrichtung bis kurz vor Xirokampos segeln konnten. Es ist schon immer wieder beeindruckend welche Kräfte wirken, wenn die Tücher auf dem 68-Füsser gesetzt sind.

Als wir den Anker haben fallen lassen und uns vom festen Sitz des Grundeisens überzeugt hatten, war es gerade Zeit für ein Tässchen Kaffee geworden. Es traf sich gut, dass Volker dies beim morgendlichen Einkauf bedacht hatte und zum Koffeingebräu auch noch süsse Teilchen anbieten konnte – ein gelungener Auftakt!

Nicht schlecht – Kaffeekränzchen an Bord der ELOWYN
Uns gefällt es!

Volker klappt die Badeplattform herunter, es öffnet sich eine Terrasse zur See hin. Die Dusche wird vorbereitet, das Meer ruft zum Bade – und diesem Ruf folgen wir alle. Dabei soll nicht unerwähnt bleiben, dass zwei Runden um ELOWYN auch eine größere sportliche Aktivität darstellen als zwei Runden um unsere NESSAJA.

Terrasse zum Meer

Nach dem Baden war genug Zeit zum Chillen, Lesen oder für ein bisschen Internet. Perfekte Stimmung also auf dem blauen Schwan!

Randbemerkung – ich darf nicht spoilern, aber es sei erwähnt, dass mich just in diesem Augenblick eine sehr erfreuliche und bewegende Nachricht erreicht – dazu mehr im Julibericht…

Ein sehr cooler Tag

Wir waren also in bester Laune – und als ob dieser Moment noch ein kitschiges Sahnehäubchen bedurft hätte, kamen in exakt diesem Augenblick Delfine in die Bucht – dorthin, wo wir vor Minuten noch schwammen…

10m von ELOWYN
Kreisen 2x ums Schiff und ziehen wieder ab

Wenige Augenblicke später fährt Thilo mit seiner HOME OFFICE ab. Er hat seine Familie am Fährhafen abgesetzt und bringt sein Schiff nun in die Marina um von dort aus bereits morgen mit dem Auto den Heimweg anzutreten – ihn werden wir erst ein ein paar Monaten wieder sehen. Wir winken zum Abschied…

Die HOME OFFICE verlässt Xirokampos

Als hätte er gehört, dass in Xirokampos ein Platz frei geworden ist, lenkt wenige Minuten später der Skipper der TRINITÉ sein Schiff um das Kap am südlichen Eingang der Bucht – hier waren wir mit Ulrike und Jörg verabredet, hier sollte es endlich mit einem Wiedersehen klappen.

Um den Zusammenhang zu verstehen, muss man wissen, dass die beiden Capetañas der ELOWYN und der TRINITÉ Schwestern sind und wir über diesen Link mit beiden Paaren befreundet sind. Ich habe Volker bei meiner Ausbildung zum SSS kennen gelernt, Sibylle war zusammen mit Ulrike auf Praxistörn für den SKS.

TRINITÉ läuft ein und belegt die Lücke der HOME OFFICE

Großes HALLO und große Wiedersehensfreude – wir sitzen zusammen, trinken etwas und tauschen die wichtigsten Informationen aus. Der ausgedehnte Klönschnack findet dann beim gemeinsamen Dinner statt – Volker lädt zu einem besonderen Nudelgericht dessen Name mir leider entfallen ist – egal – mit Auberginen und raffiniert gewürzt…

Wir haben uns die Wänste vollgeschlagen, die Finger geschleckt und den Wein genossen. Dann sind wir alle zufrieden (und leicht angedüdelt) in die Kojen gefallen.

Am nächsten Morgen beginnt der Tag mit dem frühmorgendlichen Bad im Meer und einer ersten Tasse Kaffee. Tina teilt diese Leidenschaft mit mir, so war der Start in den Tag sozusagen unumstößlich gesetzt und quasi „in Stein gemeißelt“.

Der daraufhin folgende Freestyle-Teil des Starts in den Tag war aber auch nicht von schlechten Eltern – es wurde nämlich ein fürstliches Frühstück gezaubert.

Rührei mit Zwiebelchen und Speck – wie fein
Wenn ein Tag so beginnt

Ok, jetzt aber genug des Müßiggangs, die ELOWYN muss in die Marina, Volker und Tina haben eine ToDo-Liste abzuarbeiten, bevor es für eine Stippvisite nach Deutschland geht.

Wir gehen Anker auf und passieren die TRINITÉ, deren Crew würde ebenfalls in die Leros Marina einlaufen – aber erst morgen.

Yassou, bis morgen

Unter Motor tuckern wir die paar Meilen Richtung Lakki und planen schon die Vorgehensweise nach dem Anlegen. Volkers Dinghy muckt, ich könne helfen, eine fachgerechte Reparatur einzusteuern. Ok, hab´ ich im Sinn, was noch? „Noch ein paar Kleinigkeiten…“ – ok, auch das bekommen wir hin!

Jeder sein Steuerrad, wie praktisch 😉

Während wir also so dahinsinnieren, frage ich mich, ob ich Werner mit seiner ALENA noch in der Marina antreffen werde. Und als ob er es gehört hätte, biegt der Haudegen mit der feinen Hallberg-Rassy ums Eck – ich erkenne das mir vertraute Boot sofort…

Wir fahren nah ran, es dauert einen Augenblick bis Werner erkennt WER ihm da was zurufen will – dann können wir im Vorbeifahren seiner Tochter nebst Sohn zum Abschied winken, sie werden vom Skipper nach Kos gebracht. Werner und Erna werden wir nach deren Rückkehr wieder treffen.

Wir wünschen „Gute Fahrt“ und die Rassy zieht dahin…

ALENA mit Kurs Kos, sie bleibt achteraus

Wir laufen in die Lakki Bucht ein. Ich hatte ja schon erwähnt, dass es sich für mich jedes Mal wie eine Heimkehr anfühlt, wenn wir die Masten der Marina vor dem Bug haben – das ist auf ELOWYN nicht anders.

Nur noch wenige Minuten bis zum Anlegen

Wir sprechen während des Einlaufens aber auch über das riesige Flüchtlingscamp direkt an der Hafeneinfahrt – es ist den Einheimischen ein Dorn im Auge, nicht etwa wegen der Flüchtlinge, mehr wegen der exponierten Lage der Einrichtung. Allen Unkenrufen zum Trotz, ist der Hot-Spot Leros aber ein anerkannt gutes Beispiel für den Umgang mit den Geflohenen – das neue Camp ist dennoch strittig.

Ein großes, auffälliges Containerdorf

Der Skipper der ELOWYN ruft zum Vorbereiten des Schiffes – die Arbeiten die auf dem blauen Riesen zu verrichten sind, gleichen irgendwie denen, die auf NESSAJA zu erledigen sind, man hantiert aber mit anderen Dimensionen…

Nur noch schnell die Fender ranhängen

Wir bringen den Boliden sicher an seinen Platz am A-Ponton, dort wo die „Big-Ships“ festgemacht sind. Nach dem Anlegeschluck schießt mir ein Gedanke in den Kopf, welcher sich dort manifestiert – das ausgefallene Eis in der Möchtegern-Eisdiele in Kefalos.

Es gibt nur einen Weg, sich aus dieser Gedankenfalle zu befreien…

„Repapis“ Eissalon in Lakki
SO!!! geht Eis – da sollte sich der Eisclown aus Kos mal ein Beispiel nehmen

Volker geht es ähnlich – auch bei ihm manifestiert sich ein Gedanke welchen er nicht mehr los wird. Auch hier ist der Lösungsansatz der gleiche – Befreiung durch Konfrontation!

Bei ihm ging es um „Harris Bar“ in der ersten Mühle über Panteli. Volker vertritt die Meinung, dass es eine gute Idee wäre, hier einen Cocktail zu genießen – wer könnte da widersprechen???

Dann gehen wir da eben auch noch hin…
…und freuen uns über freie Platzwahl
Ein feiner Blick – früher „View“ (nomen est omen) – heute das „Harris“
Mein „Hawaiian Blue“ – einer meiner zwei Favoriten

Nach dem Drink gehen wir auf ein gemeinsames Dinner ins „Kakomoiras“ und sacken anschließend erschöpft ins Bett.

Am nächsten Morgen schlüpfe ich hastig aus den Federn und frühstücke rasch. TRINITÉ hat sich angemeldet, sie hat den ersten Krantermin des Tages – wir wollten als Helfer für den Fall der Fälle zur Verfügung stehen.

Ich werfe einen Blick auf unsere bewährte NESSAJA und gehe dann zu Krangasse.

NESSAJA neben JASPER
TRINITÉ kommt schon an…
Ulrike zirkelt die Moody 47 in die enge Krangasse
Kurzer Prozess – schon ist das Schiff aus dem Wasser. Jörg macht Bestandsaufnahme

Jörg und Ulrike haben ihr Schiff in die Marina gebracht, um hier einige Wartungsarbeiten erledigen zu lassen. So soll zum Beispiel das Unterwasserschiff neu mit Antifouling gestrichen werden, auch zwei elektrische Probleme sollen gelöst werden – zu diesem Zweck haben sich die Beiden mit Hund Phonaso ein kleines Häuschen gemietet, um in Ruhe die Insel zu entdecken und den Arbeitsfortschritt zu überwachen.

Ich nehme es vorweg, das alles hat wie geplant geklappt, die Beiden konnten TRINITÉ nach der geplanten Woche wieder zu Wasser bringen.

Nicht wegen des Krantermins war heute ein besonderer Tag – nein, es war der Hochzeitstag von Tina und Volker. Das feiern wir normaler Weise nicht zusammen, es gibt aber eine Ausnahme – wenn es sich um einen speziellen Hochzeitstag handelt…

Ob der griechische Ministerpräsident deswegen nach Leros kam???

Der Autokorso des Ministerpräsidenten
Der Bürgermeister mit Kyriakos Mitsotakis – leider nur der Hinterkopf

Volker war sich sicher – ja, das sei wegen ihm. Er nahm es zur Kenntnis und bedankte sich auch bei den „Winkkindern“ mit einem Kopfnicken, als diese an unserem Café die Strasse überquerten.

Die „Winkkinder“ für den Ministerpr… – ähhh, für Volker

Spaß beiseite – es waren gerade Wahlen in Griechenland und es wurde für jede Stimme gekämpft. So hat es Herrn Mitsotakis nach Leros verschlagen – ein Highlight!

Eine Frage bleibt offen – ist er beliebt oder verhasst? Ich konnte das, durch vorsichtiges Nachfragen, nicht herausfinden. Die einen lieben ihn, die anderen verachten ihn – und verleihen dieser Verachtung Ausdruck, indem sie Knoblauchzöpfe vor die Haustüre hängen. Glaubt ihr nicht???

Auch eine Art Ablehnung zu zeigen

Wir gehen zurück in die Leros Marina. Sowohl Volker als auch ich haben ein paar Dinge zu erledigen. Das wollten wir abgehakt wissen, bevor wir uns zum „offiziellen Programm“ anlässlich des Ehrentages der Freunde treffen würden.

Auf meinem Weg zum Office fällt mir auf, dass die Bauarbeiten rund um die neue Auffahrt abgeschlossen sind! Ist schön geworden…

Früher Sand, heute gepflastert inclusive geschmackvollem Mosaik
An der Anlage wird stets gearbeitet – die Marina ist gut in Schuß

Ich erledige meinen Krimskrams und freue mich über ein paar Minuten zum Durchatmen, bevor Volkers Ruf zur „Mühlentour“ erschallt.

„Mühlentour“? Ja, erst zu Haris Karpathakis´ Bar in der Windmühle, dann ins „Mylos“, dem gefeierten Fischtempel.

Los geht´s…

Das Séparée des „Harris“ – heute für uns reserviert
Etwas abseits der Bar
Herrlich – „Strawberry Smash“, mein zweiter Favorit

Nachdem der Abend im „Harris“ hochkarätig begann, konnte es nur eine logische Fortsetzung geben. Ein Dinner im „Mylos“ – aber das hatte ich ja schon verraten.

Wir setzten also unseren Weg fort und fuhren gesammelt zum feinen Fischlokal. Hier muss ich keine Worte mehr verlieren – die Bilder sprechen wie immer für sich. Lasst euch mitnehmen, ich möchte unsere Eindrücke teilen…

Der Name ist Programm – direkt am Meer, direkt an der alten Mühle in Agia Marina
Das „Mylos“ bietet ein herrliches, authentisches Ambiente…
…und geschmackvolle, kleine Details
Ein gebührender Rahmen um zu feiern
Vorfreude – es wird gewählt
Kleine Tartes – eine frittierte Jakobsmuschel auf Tunapaste, wief abgeschmeckt und dargeboten
Tuna-Tartar
Eine 3kg Brasse
Nochmal – Vorfreude

Ein Dinner welches keine Wünsche offen ließ – es war wirklich eine Wucht.

So saßen wir und sprachen über Gott und die Welt. Ein lustiger, geselliger Abend unter Freunden. Über unsere semi-philosophischen Einlassungen und Exkurse brach die Nacht herein. Auch hier kann das „Mylos“ punkten – mit einem atemberaubenden Blick auf das beleuchtete Agia Marina nebst Kastell und Kapelle.

Agia Marina, Kastell, Kapelle – ein wunderbar ausgeleuchtetes Ensemble

Zeit für einen Nachtisch! Hier haben wir NICHT auf die köstlichen Desserts der Taverne zurück gegriffen – wir haben selber etwas vorbereitet!

Schon im Urlaub hatten Ulrike und Sibylle beschlossen, eine „25 Years“ Silberhochzeitstorte bei „Repapis“ in Auftrag zu geben. Ich konnte das per Messenger beauftragen und die Abholung erfolgte heute morgen. Das „Mylos“ Team war so freundlich uns den Kuchen zu kühlen – bis jetzt!

Mit Kerze und Sternwerfer – alles Gute
Die Beiden haben sich richtig gefreut – und hatten Spaß

So endet dieser besondere Tag. Die Crews ziehen sich zurück, Sibylle und ich fallen todmüde ins Bett – das mag etwas durch den sehr leckeren Wein gefördert worden sein. Wie auch immer, morgen ist ein neuer Tag – gute Nacht…

Ebendieser neue Tag bricht an – entspannt! Wir, mehr eigentlich ich, haben unsere Zeit für die Freunde blockiert. Doch Volker ist erstmal nicht arbeitswillig – ihn zieht es an den Strand. Na da kann Abhilfe geschaffen werden!

Keine Chance sich zu verlaufen
Ein paar Stunden „easy going“ – muss auch sein

Wir hocken uns auf einen „Freddo“ an den Panteli Beach, genießen das lockere Leben und tauschen uns aus. Irgendwann aber überkommt es uns – wir müssen was tun! JETZT!

Wir hatten Giorgos am Nachmittag zu einer Seitenbucht der Marina bestellt. Der Tausendsassa hat zugestimmt, die Reparatur des Williams Tender anzugehen. Ich würde in Volkers Abwesenheit der Ansprechpartner sein, gegebenenfalls helfen und bei der Ersatzteilsuche unterstützen.

Um pünktlich zu sein, mussten wir jetzt lospaddeln, wir wollten den Tender zur rudimentären Slipstelle bringen.

Ein Williams Tet-Tender – 400kg schwer! Ohne uns!
2 MS ersetzen 98 PS

Nach rund zehn Minuten kamen wir am verabredeten Ort an – „just in time“ – half uns aber nix, da der griechische Mechanikus eben immer die obligatorischen 15 Minuten zu spät kommt.

Letztlich egal, das Transportteam kommt irgendwann und nimmt den waidwunden Flitzer auf den Hänger um ihn ins Dinghykrankenhaus zu bringen – ob´s klappt erfahrt ihr in einem der kommenden Berichte.

V-Victory – freu´ Dich nicht zu früh
Ein letzter Kontrollblick…
…dann fährt er dahin

Ok, das hat schonmal geklappt – puh, hartes Stück Arbeit! Das Abendessen scheint mehr als verdient.

Heute wollen wir Neues wagen. Unser Marinarestaurant hieß seit Anbeginn „Skipper´s“ – früher eine begehrte und frequentierte Adresse für die Marinakunden, denn es gab gutes Frühstück, Bier, Kaffee, kleine Snacks und leckere, preiswerte Küche am Abend.

Dies hatte sich seit zwei, drei Jahren geändert. Man wollte das „Skipper´s“ in eine andere Liga katapultieren, hat die Speisekarte entsprechend angepasst und die Preise gleich mit. Um diesen Schritt zu manifestieren wurde das Lokal in „Arka“ umgetauft.

Das ging aber gründlich in die Hose – die Gäste blieben aus, das angesprochene Klientel war nicht in ausreichender Anzahl und über die ganze Saison zugegen.

Heute heißt das Lokal wieder „Skipper´s“, Mariettas Cousin hat es gepachtet und will zu guter, gehobener Standardküche zurückkehren – nicht billig, aber preiswert – so das Credo.

Wir verabreden also einen Aperitiv im Mietshaus von Ulrike und Jörg um danach ins „Skipper´s“ weiter zu ziehen.

Traumhafter Ausblick von der Terrasse des Ferienhauses
Ein Aperitiv und Knabbereien werden kredenzt – schön hier
Darf in keinem Blog fehlen der eine breite Masse ansprechen will – Bilder von Babykätzchen (gleich nebenan)

Ich hatte den Tisch für den Abend reserviert. man brachte uns zum Platz, der Service war sehr gut, mit einer gewissen Tendenz zur Überschwänglichkeit.

Alles sehr stimmig

Der Chef selbst erzählte von seinem Antrieb und seinen Wurzeln, er wies gerne auf Maxime hin, die wir nun erleben würden. Er gab´ auch Empfehlungen ab…

„You will get the best Steak of your life…“, „…a wine you never had before, you will feel the taste in your dreams!“

Ok, mir fällt auch was dazu ein – „res non verba“ – Taten statt Worte, lass´ mal sehen was Du kannst!

Alles sehr stilsicher – Meze und Wein ein Gedicht

Irgendwie war es schon top – der Chef ließ sich nicht lumpen und seinen Worten auch Taten folgen. Sowohl Wein, wie auch Meze hielten was sie versprachen.

Dann das Hauptgericht! Wir haben uns mehrheitlich für das Filtesteak in verschiedenen Zubereitungsarten entschieden. Wir hatten von den Steaks nur allerpositivstes Feedback erhalten, Freunde hatten es schon probiert – also los…

Filetsteak – sehr gut und mit 30.-€ relativ preiswert

Dann aber passierte etwas Merkwürdiges, der Chef ging, mit einem schwarzen Gummihandschuh ausstaffiert, reihum und hat jedem das erste Stück des Steaks abgesäbelt und in den Mund gesteckt.

Wir waren, glaube ich, alle etwas konsterniert, Sibylle stand die Fassungslosigkeit ins Gesicht geschrieben!

Seltsam???

Ich würde mich niemals selber als einen Restaurantkenner bezeichnen, zumal dann nicht, wenn es um Haute Cuisine geht – aber ich bin schon etwas in der Welt herumgekommen, war auch in guten bis sehr guten Restaurants essen – kann aber nicht bestätigen, dass dieses Gebaren einen gehobenen Standard entspricht oder dort gar Usus ist.

Sibylle sieht mich an – sie kennt meine Gedanken. Ich hasse sowas! Ich wäre in der Lage die Stimmung zu sprengen, Sibylles Augen mahnen mich, genau dies nicht zu tun! So lasse auch ich die Prozedur über mich ergehen. Ich habe den Geschmack von Gummihandschuhen im Mund und wünschte, diese würden nach Erdbeeren schmecken. Ich habe gehört, dass es möglich ist, Latex nach Erdbeere schmecken zu lassen…

Sibylle hat am nächsten Tag ein Ekzem am Mund, sicher Zufall, aber aufgrund dessen, sprechen wir noch lange über unsere „Steakverköstigung“.

Alles in Allem war es aber ein sehr gutes Dinner, unser Stammlokal wird das „Skipper´s“ aber nicht – zuviel Brimborium!

Hier noch ein paar Eindrücke…

Schoko-Mousse mit Beeren
Kleine Crepes mit „White Parfait“ und Beeren
Baklava nach Art des Hauses
Tsipouro mit Cranberries

Der Folgetag war geprägt vom Abschied der Freunde, Volker und Tina fliegen heute ab Leros Richtung Deutschland, um zuhause nach dem Rechten zu sehen. Wir treffen uns wieder, Anfang September in der Evros Marina – bis dahin gute Zeit.

Wir treffen uns nach dem Frühstück in Dimitras Café „Luigi“, von dort aus fahren wir gemeinsam zum Flughafen.

Ein letzter gemeinsamer Cappu

Den Leihwagen der Beiden übernehmen wir, uum ihn zum Autoverleih zurück zu bringen. Rena, die Vermieterin, kennt uns schon lange, das Procedere ist kein Problem.

Am Flughafen warten wir, bis die beiden eingecheckt haben und der kleine Flieger gelandet ist – jetzt sollte nichts mehr schiefgehen. Ein Drücker zum Abschied, dann sind die Freunde weg.

Wir ziehen uns auf NESSAJA zurück und atmen erstmal durch. So schön es ist Freunde zu begrüßen, es strengt auch an. Wir genießen ein wenig die Ruhe!

Es klopft – Werner steht an der Gangway und überreicht ein Eis. Der Gute…

Von Werner bekomme ich DREI Kugeln

Das Eis war eine Geste, die gibt es bei Werner ohne Gegenleistung – dennoch ist erwähneswert, dass ich ein paar Stunden, besser gesagt eineinhalb Tage, auf ALENA gewerkelt habe.

Werner hatte es angekündigt als wir alle noch unterwegs waren. Der Enkel hat wohl ein Soft-Taschentuch allerhöchster, ja namensgebender, Qualität eng gefaltet und als Knödel in die Toilette geworfen – ein Fehler!

Es gibt unter den Seglern ja allerhand Toilettengeschichten, denn die Pumpklos verhalten sich divenhaft – ich bin weniger streng, Werner ist strenger! Der Enkel hat gegen die eherne Regel verstoßen – in die Keramik kommt nur was vorher durch den Leib ging…

Dieser Knödel hing nun in einer Leitungskurve und verstopfte diese wie ein Betonklotz – ich hatte schwerstes Stochergerät parat, aber nix half. Nur mit stundenlangem Fitzelchenpulen und schließlich einer Minispirale wurden wir dem Tempo Herr – was eine Scheiße! Man verzeihe mir den Ausdruck, aber nirgends passt er besser als hier…

Nach einer ausgiebigen Dusche verräume ich mein Werkzeug. Die Toilette geht wieder, ich freue mich auf eine Einladung zum Dinner, welche uns, seitens unserer Freundin Susanne, anlässlich unserer Geburtstage ausgesprochen wurde.

Traumgrundstück in Xirokampos

Es erwartet uns ein Vier-Gänge Menü aus der Hand der kochaffinen Deutsch-Schweizerin. Das ist immer ein Hochgenuss, wir freuen uns auf den Abend mit guten Gesprächen, wir hatten uns lange nicht mehr im kleinen Kreis getroffen. Zudem würden Susanne und Thomas in wenigen Tagen abreisen.

Es sollte ein sehr schöner Abend werden, wenn auch mit anderem Verlauf als geplant. Zwei weitere Paare, Nachbarn und die griechischen Freunde Stella und Tasos, waren geladen und so ergab sich eine illustere und gesellige Runde.

Stella brachte, wie immer, Essen zuhauf mit – der Tisch war also reichlich angefüllt. Die Sprache des Abends – Englisch! Alle ein wenig holprig, manche schwer zu verstehen, sehr zu Sibylles Freude 😉

Diesmal auf der Südterrasse
Reichlich wie immer

Wir verabschieden uns nachdem das Mahl weitgehend verzehrt war. Es war spät geworden und wir alle waren etwas müde. Der griechische Wein zeigte ebenfalls Wirkung. So drücken wir Thomas und Susanne, wir werden uns wohl im Herbst noch einmal auf Leros wiedersehen.

Ich hatte Vorfreude auf den Folgetag – erstens, Marcus mit Familie kommt mit der DARKSYDE zurück in die Marina. Das verspricht Kurzweil und Abwechslung.

Da kommen sie – gleich mal HALLO sagen

Zweitens – wir haben eine weitere Einladung. Werner und seine Erna geben sich die Ehre. Ich solle wählen, er könne sich an ein riesiges Steak erinnern – ob das nichts wäre? Den Grund für die Einladung würden wir erfahren…

Ich konnte mich ebenfalls an das Steak erinnern, es war letztes Jahr bei unserem glatzköpfigen Freund, bei Dimitris „o´ Karaflas“.

Sibylle und Erna bestaunen die Vorspeisen
Sibylle wählt „Stuffed Calamari“ als Hauptgang
Werner und ich teilen das 1,2kg Tomahawk Steak
Medium mit Hagelsalz – sehr fein
DAS mag ich – ehrlicher als im „Skipper´s“

Ja was ist denn nun der Grund, wie kommen wir zu der Ehre?

Werner setzt zu einem Toast an und erklärt, dass er und Erna am heutigen Tag 55 Jahre verheiratet sind, sie wollen das zusammen mit uns feiern. Das berührt und ehrt uns wirklich – wir stoßen darauf an!

Darüber hinaus, setzt der Salzbuckel seine Rede fort, bedanke er sich für die Hilfe, die ich ihm rund um seine ALENA habe angedeihen lassen. Das freut mich ebenso, der allergrößte Teil davon war Ehrensache, nicht der Rede wert…

ALENAs Skipper fährt fort – er und seine Frau haben beschlossen, sich von der geliebten HR39 zu trennen, ich möchte mich bitte um den Verkauf kümmern. Ich schaue verduzt, stelle aber keine Fragen – ich weiß, was Werner bewegt, kenne ein wenig seine Gründe, der Entschluss ist wohl überlegt – ich sage zu, Details ein Andermal!

Wenn also einer von euch einen potentiellen Käufer für eine HR39 aus dem Jahr 1995 kennt, lasst es mich wissen.

Der Abend klingt ein wenig sentimental aus, wir ziehen uns zu später Stunde in unsere Schiffe zurück.

Am nächsten Morgen, ich sitze gerade am Internet, wir haben bereits gefrühstückt, Sibylle ist beim Einkaufen – es schreit und pocht an der Gangway…

DONGDONGDONG, NESSAJA, MARIO! Can I come on board? Es rumpelt – ich höre wieder ein Schreien „…no need to answer – I am on board!“ Ich gehe hoch, höre wieder ein Rumpeln und kann gerade noch George, unserem neuen, sehr emsigen Marinero nachwinken – er hat ein Paket gebracht.

Nach zwei Monaten Rückstand endlich da

Ah, SVB, endlich da! Ich kenne den Inhalt, es ist das Programmiertool für meinen Tankgeber, welcher werksseitig falsch programmiert war. SVB hat mir angeboten, dieses Tool leihweise zu schicken, ich könne das Problem damit eigenhändig lösen, dann soll ich es zurücksenden – das klingt gut!

Den Nachmittag verbringen wir bei Marcus – etwas Vernünftiges kommt dabei aber nicht raus…

So einen Hut und eine Brille will ich auch! Gibt´s die auch in rosarot???
Brille – passt schonmal
Ist das jetzt dieses COOL???
Wir wechseln den Look
Der Pate – „…I will make you an offer…“

Wir trinken Tsipouro und Bier und sind in alberner Laune – ist eigentlich immer so, wenn die junge Familie da ist. Das geht so bis in die frühen Abendstunden.

Zum Abendessen ziehen wir uns auf NESSAJA zurück. Wir sind immer noch satt von der Völlerei der Vortage. Sibylle entscheidet, einen Salat zu machen – ich stimme zu.

Reicht aus – und ist superlecker

Am Folgetag stellen wir den Wecker. Marcus fährt an die Kaimauer nach Lakki um Giorgos dort zu treffen. Ein Solarträger muss angepasst werden. Da wir auch diesmal mit Giorgos´ planmäßiger Unpünktlichkeit rechnen, sage ich zu, Anlegehilfe zu geben und auch sonst mit anzupacken.

Giorgos kommt, das Trum am Anhänger. Helfer treffen, wie aus dem Nichts, ebenfalls an der Kaimauer ein. Mein Job ist es eine der Edelstahlstützen zu fixieren. Dies verleitet Marcus zu der Aussage, dass ich mein Geld als Pole-Tänzer verdienen könnte…

Ich versuche zu zeigen was ich kann!

Uhhh, yeah
Dieses Bild mache ich nur öffentlich, um nicht erpressbar zu sein

Gemeinsam kommen wir zu dem Schluß, dass meine Fähigkeiten diesbezüglich unzureichend sind und ich lieber der Mechanik treu bleibe. Ich halte die Stange weiter fest – mit weniger Hingabe!

Danach widme ich mich einem offenen Punkt auf meiner eigenen Liste – ich will „Setup Tankgeber – Schwarzwassertank anpassen“ heute abgehakt wissen.

Programmiertool, Stromversorgung für selbiges, Licht und Bedienungsanleitung – es kann losgehen
Tool an das Kabel des Tankgebers angeschlossen – Setup Procedere durchführen
OC – bedeutet OK! So steht es in der Anleitung
Der Praxistest zeigt – alles bestens

Mein Tankgeber zeigt nun an was er soll – nicht mehr Diesel in Tank 6 sondern Schwarzwasser in Tank 1. Die 30% sind eingepumptes Wasser, ich wollte die Funktionsprüfung auch gleich erledigt wissen. Seither tut der teure Geber was er soll.

Das Tool werde ich, wie vereinbart, bei unserem Deutschlandbesuch an SVB zurückschicken. Super Service!!!

Ich bin gerade fertig, schellt mein Telefon. Marcus ist am Apparat, er wolle sich bedanken und käme mit dem Schlauchboot in die Marina – an der Hand hätte er seine Tochter und einen Karton voller Süssigkeiten. Ich soll doch bitte Kaffee kochen! Ok, wenn er das sagt…

„Repapis“ Sweets, nicht von schlechten Eltern
Und wieder nur Blödsinn im Kopf – ok, wir müssen auch eine Vierjährige bespaßen

Nach der Kaffeepause zieht der Freund wieder ab. Er wird mit seinem Katamaran nach Lipsi fahren. Die Nachbarinsel ist sein Refugium, er hat dort seine Homebase. Wir treffen uns regelmäßig in Leros, weil DARKSYDE dort stationiert ist.

Wir verabreden uns locker auf einen Besuch in Lipsi. Wenn wir hier mit unseren Erledigungen fertig wären, würden wir gegebenenfalls noch auf ein paar Tage „Urlaub“ in die Ankerbucht Katsadia vor dem berühmt-berüchtigten „Dilaila“ festmachen. Mal sehen ob´s klappt…

Sibylle mahnt, „…wenn wir mit unseren Erledigungen fertig werden wollen, müssen wir JETZT etwas tun!“

Ok, verstanden, ich erkläre mich bereit die Reinung der Bilge mit ihr anzugehen.

Kühltruhe nochmals weg, alle Bretter raus – erst vorne, dann in der Mitte
…hier sieht man warum

Grund für den Aufwand war unser defekter Reservekanister. Ich hatte einen Olivenölkanister zum zweiten Ersatzkanister umfunktioniert. Er ist der einzige Kanister, der aus Platzgründen im Innenraum des Schiffes mitfahren darf.

Ausgerechnet dieser Kanister hatte für Unbill gesorgt – er hatte durch einseitiges Stehen eine Verformung mit einem Mini-Knick und einer Undichtigkeit. So gingen zwei, drei Liter Diesel verloren und verteilten sich in der Bilge.

Das Problem hatten wir rasch gelöst, aber die Reste in den Bilgen schwappten beim Segeln hin und her – erst heute hatten wir Zeit für eine porentiefe Reinigung. Aber nun kann ich auch diesen Punkt von der Liste nehmen!

Zur Belohnung gibt es abends mal wieder „SouVLakki“…

Heute bleibt die Küche kalt…
…denn Chicken Giros schmeckt auch Sibylle
Ist aber auch was Feines

Weil wir gerade so einen guten Lauf haben, gehe ich am nächsten Vormittag einen neuen Punkt auf meiner Liste an. Sibylle hat moniert, dass das Gasgeben im Rückwärtsgang schwerer als gewohnt geht.

Ich sehe mir das am Gasseil und Gashebel an der Einspritzpumpe an, alles ok – hm, dann muss ich mal in die Schaltkulisse schauen. Denn eines muss ich eingestehen, ich hätte es vielleicht nicht so dramatisiert, aber gemerkt habe ich es auch.

Schaltkulisse freigelegt, kein eindeutiger Fehler erkennbar

Ich schraube also das Gehäuse auf und prüfe alles, es ist kein Fehler erkennbar, die Schaltkulisse an sich, ist ein in sich geschlossenes Bauteil. Pro forma bestelle ich einen Gaszug – das kommt auf die Liste für den Winter.

Jörg ruft an. An sich ist die TRINITÉ absprungbereit, um als nächstes Ziel Kurs Astipalaia anzulegen. Sie warten auf das richtige Windfenster und auf den Kühlschrankmonteur, der eine Nachbesserung vornehmen soll.

Er erklärt mir, dass seine Duschpumpe kaputt sei und er exakt dieses Modell suche – SCHNELL! Puh, ob das klappt? Ich verspreche, dass ich mich umsehen werde, die einschlägigen Geschäfte sind mir bekannt.

Und tatsächlich – schon zwei Stunden später kann ich Entwarnung geben…

Das Objekt der Begierde

Wir verabreden uns zum Abschiedsdinner im „Pirofani“ am Panteli Strand, dort würde ich ihm auch die Pumpe übergeben können.

Wir fahren etwas früher hin, so bleibt genug Zeit um vor dem Dinner noch einmal zur Abfrischung ins Meer zu springen – ähhh, Sibylle, hast Du meine Badehose dabei???

Hat sie!

Raus aus dem Wasser, einmal schütteln und die paar Schritte zum Lokal. Schon kommen Ulrike und Jörg mit dem Dinghy angetuckert. Die Pumpe geht von meinen Händen in seine.

Wir setzen uns, ganz nahe am Wasser und genießen das Ambiente und das gute Essen.

Mal sehen, was nehmen wir denn heute?
Tzaziki – immer
Garlic Pita – auch immer
Marinated Anchovis – sehr lecker
Tuna Tartar mit Mango und Avocado – ein Gedicht
Dazu ein „Herrengedeck – Greek Style“ – Mamos und Babatzim Ouzo

Wir essen abermals sehr lecker und das „Pirofani“ kann seinen Platz in unserer Bestenliste leicht verteidigen – es ist, im Moment, ungefährdet unter den Top3.

Es gibt viel zu schnacken, ein Haus in Griechenland ist nur eines der vielen Themen. Es wird rasch späte Nacht, Zeit sich zu verabschieden. Wir werden die Beiden so rasch nicht wiedersehen, ich ziehe unseren geplanten Kreta-Besuch im Herbst in Zweifel. Egal, auf bald, irgendwo, irgendwann.

Am nächsten Tag setzen die Freunde die Segel und richten den Bug Richtung Astipalaia.

Ich gehe am nächsten Tag mal wieder schwimmen – frühmorgens um die Gunst der frühen Stunde zu nutzen. „Early Bird Day“, sozusagen…

Die Sonne kommt über den Bergrücken, es ist etwa 07.30 Uhr
Ich erfrische mich – die Lebensgeister kommen zurück
Den Rest macht Kaffee

Ich verweile einen Augenblick und genieße die Ruhe. In der Marina erwarten wir die Rückkehr liebgewonnener Freunde – bei Hans-Peter war in unserer Abwesenheit seine Frau Petra angekommen und sie haben sofort die Leinen bei ihrer LIBERTÉ losgeworfen – Ziel war Poros auf der anderen Seite der Ägäis.

Die Reise hatte einen Zweck, Hans-Peter wollte sich ein Schiff ansehen, welches ein Schnäppchen zu sein scheint. Ich wurde zwischenzeitlich immer per WhatsApp über den Sachstand informiert. Wusste daher, dass die besichtigte Bavaria 42 Ocean durchaus eine gute Occassion zu sein scheint, wusste aber auch, dass irgendwo aus Richtung Antriebsstrang Geräusche zu vernehmen sind, das wollten wir uns heute ansehen.

Der Cappuccino war alle, also auf in den Kampf Torero…

Zurück in der Marina, begrüßen Sibylle und ich die Rückkehrer. Wir erzählen uns das Erlebte und tauschen erste Fakten aus. Eine Information – Merlin hat die Schnauze voll, er war vielleicht seekrank…

Der Schnauzer hat die Schnauze voll – 😉 – man möchte es glauben

Wir verratschen uns und die Stunden verfliegen. Wir beschließen zusammen zu dinnieren und werden auf die LIBERTÉ zum Gulasch eingeladen. Sibylle bringt den bereits gekauften Salat mit, der soll nicht verderben.

Die Identifikation des mysteriösen Heulens verschieben wir auf den Folgetag, da packen wir aber gleich am Vormittag an! Versprochen!

Hilft nix – der Taucher muss wieder ins Wasser

Frei nach dem Grundsatz – „ein Taucher der nix taucht, taucht nix“ – gibt Hans-Peter alles und wir finden die Ursache rasch.

Mit einem Dreiflügler mit geringer Steigung, daraus folgt große Kraft, ist das Geräusch deutlich vernehmbar. Mit einem steileren Pendant ist das Heulen deutlich leiser. Wohingegen mit dem Zweiflügler das Geräusch nicht zu hören ist – seltsam…

Montiert wird der größere, steilere
Die Damen und Merlin überwachen unser Tun

Da die zweiflüglige Schubschraube nicht mehr im besten Zustand war, entscheiden wir uns für den guten Kompromiss – der steilere Dreiflügler wird montiert, das Problem war gelöst. Die allgemeine Sichtkontrolle ergab keine Auffälligkeiten. Gegen Mittag war das Thema erledigt, der Nachmittag stand für uns alle zur freien Verfügung.

Sibylle entscheidet sich für… WANDERN. Ich hingegen für Freundschaftsleistungen – Volker hatte zwischenzeitlich den Versand seines „Reservedinghys“ mit Spedition von Lavrion nach Leros veranlasst – „…kannst Du das schnell abholen und auf ELOWYN deponieren?“ lese ich in der WhatsApp Nachricht. Klar kann ich, schnell…

Aber wie ohne Auto? Ich mach´s griechisch!

Ich lade die Ware bei der Spedition auf´s Mopped
Und bringe es in der Marina zu ELOWYN
Dort wuchte ich es alleine an Deck – der schwierigste Teil des Unterfangens…
…und verstaue es in der Segellast

Beflügelt durch meinen Erfolg, setze ich meine Transporttätigkeit fort. Mein Außenborder muss für Wartungsarbeiten, welche ich nicht selbst durchführen kann, zu Antonis, dem anerkannten Außenborderspezialisten in Lakki.

Ich nehme den 6PS Suzuki also von Bord, auch das schaffe ich alleine, um ihn dann, wieder mit dem Mopped, zu Antonis zu bringen.

Das Mopped als Transportvehikel
Vor Antonis´ Werkstatt

Warum das so gut klappte? Weil niemand da war, der mir gesagt hat, dass es nicht geht…

In eigener Sache! Sibylle hat mich ermahnt, dass man MOPPED mit einem P schreibt – MOPED wäre richtig. Da ich „Werner“ Fan der ersten Stunde bin, weiß ich sicher wie man Mopped schreibt, nämlich mit zwei P – ich bin doch kein Depp (auch mit zwei P – witzig 😉 )

Die Internetseite „Happy Biker“ erklärt hierzu…

Wenn ein Motorradfahrer von einem Mopped spricht meint er meistens ein Motorrad.
Ein Moped ist ein kleines Motorrad mit Pedalen. Der Hubraum beträgt max. 50 ccm und die zulässige Höchstgeschwindigkeit 45 km/h

Daraus folgt -> meine GS ist ein Mopped – alles klar?

Am Abend hatten wir uns mit der „D-Steg Gang“ zum Dinner und vorherigen Besuch des „Harris“ verabredet. Auch dorthin fuhren Sibylle und ich mit dem MOPPED.

Petras erster Besuch in der Bar mit der tollen Aussicht

Wir alle wollten am Abschiedsdinner von Petra teilnehmen, denn Hans-Peters Gattin würde morgen abreisen. Klar, dass wir uns alle noch einmal zusammensetzen!

Zuerst in großer Runde im „Harris“…
…wo wir an großer Tafel saßen…
…und den herrlichen Blick genossen haben

Danach haben wir uns für das „Tis Kakomoiras“ entschieden – unserem derzeitigen Favoriten unserer Leros-Bestenliste. Der Restaurantname bedeutet übrigens „Der Pechvogel“ und bezieht sich auf eine griechische Fernsehserie.

Der Schein trügt – der Parkplatz des „Kakomoiras“ ist direkt neben Dimitris Hinweistafel…
…das kleinere Lokal in direkter Nachbarschaft
Der Ecktisch auf der Terrasse war für uns reserviert
Hoch über Vromolithos – wir genießen unsere Meze

So klingt dieser Tag aus, alle verabschieden sich von Petra, wir etwas zurückhaltender, anschließend verholen wir uns in unsere Kojen.

Warum unsere Zurückhaltung? Nun, wir wussten, dass es nicht nicht der finale Abschied ist. Dies liegt in der Tatsache begründet, dass wir von Hans-Peter eine Einladung zum Frühstück bei Marietta geschenkt bekommen haben. Wir hatten damals schon gesagt, dass wir das zusammen mit ihm und seiner Frau genießen möchten – und dieses Frühstück haben wir für morgen, für Petras Abreisetag, festgesetzt.

Wir waren für 09.00 Uhr bei Marietta verabredet, das gab mir genug Zeit, um meinen persönlichen Tagesablauf wie gewohnt zu starten. Sibylle wollte nicht mit – „…da kann ich dann nicht duschen, vielleicht wird es auch zu knapp…“ – na dann eben nicht. Wir würden uns dort treffen, sie käme zu Fuß.

Nach dem Baden die obligatorische Tasse Kaffee
Ich war zufrieden

Jetzt aber nix wie zurück nach Lakki! Die Zeit war tatsächlich knapper bemessen als sonst. Ich fahre also schnurstracks zu Mariettas Laden und parke meine GS neben den anderen Zweirädern, eine Parklogik oder gar Parkplätze gibt es nicht. Ist schon jemand da???

Viel war noch nicht los

Nein! Trotz der knappen Zeit war ich der Erste. Ich nehme mir die Zeit und sehe mich ein bisschen um. Mein Blick schweift über die Bucht, ich begrüße Marietta, Takis und Maria und nehme Platz – neugierig blättere ich durch die Speisekarte – aber ich weiß ohnehin schon was ich will…

Die Ankerlieger in Lakki, gegenüber das Flüchtlingscamp und der Marine Stützpunkt
Hmm, ob ich mal was anders…???

Die Anderen treffen ein, wir studieren das Frühstücksangebot und jeder sucht sich seine „Favorites“ aus – ich bleibe bei meiner „all time best“ Auswahl – ein frisch gepresster Orangensaft, dazu ein Rührei mit Käse und Speck. Meist gilt es dann etwas zu warten bis der heißgeliebte Chicken-Pie fertig ist. Den gibt es als Grand-Finale. Zum Abschluss ein Espresso macchiato – I LOVE IT!

Gemeinsam genießen wir unser Frühstück und unsere Auswahl…

YES – so darf der Tag beginnen

Wir nehmen uns Zeit – die aber trotzdem recht rasch verfliegt! Irgendwann ist es soweit, wir müssen los und Petra an den Fährhafen nach Agia Marina bringen – Sibylle und ich beschließen, die Beiden zu begleiten. Als Winkpersonal sozusagen!

Die Fähre kommt, die Reisenden warten schon
Auch Petra muss boarden und sich von HP und Merlin verabschieden
Wie immer geht alles sehr schnell – von Petra noch nix zu sehen
Jetzt aber, da ist sie – unser Einsatz – wir winken ihr zum Abschied nach. Bis Oktober!!!

Hatte ich nicht gerade noch die fehlende Parklogik erwähnt? Ich drehe mich um, gehe die zehn Schritte zu meinem MoPPed und siehe da…

Zugeparkt! Ein Motorrad ist zugeparkt!

Wenn sich zur fehlenden Parklogik auch noch fehlende Parkintelligenz gesellt, dann kann es passieren, dass Du erst ein oder zwei Roller wegschieben musst, bevor Du Dein Bike bewegen kannst. Wenn man Pech hat schiebt man auch mal ein Auto quer über den Parkplatz! Es muss aber auch gesagt sein – absperren ist hier ein Fremdwort, das Rumschieben von Vehikeln also easy.

Wir fahren zurück in die Marina – und was sehen meine Augen? Ein von mir zeitweise mitbetreutes Schiff steht waidwund auf dem Trockenen…

Oooops, sicher kein Verschleiß – Grundberührung am Kiel

RISE´N SHINE steht aufgepallt an Land und trägt eine offensichtliche Wunde – was war passiert. Eine WhatsApp an Ray sorgt für einen ersten Eindruck – der bemitleidenswerte Miteigner Ivan, hat in einer traumhaften Bucht, ein in der Seekarte ausgewiesenes Flach übersehen – oder die erweiterten Möglichkeiten des Kats falsch eingeschätzt.

Es kam zur Grundberührung mit den sichtbaren Folgen. Das ist eine sehr ungute Situation, weil in Griechenland neben dem eigentlichen Schaden zusätzlich eine gesetzliche Regelung greift. Das Schiff wird aus dem Wasser genommen, gilt als seeuntüchtig und darf erst wieder ins Wasser, wenn die Seetüchtigkeit bescheinigt ist.

Das kann die Marina machen – aber nur wenn der Eigner einer von der Marina vorgegebenen Reparaturweise zustimmt. Das sorgt manchmal für Unstimmigkeiten – ich bin gespannt wie es hier ausgeht.

Teuer wird es allemal – ist aber vermutlich ein Versicherungsschaden. Schlimmer ist, dass der Kat jetzt wohl mal eine Weile ausfällt – mitten in der Saison. Die anderen Eigner wird es freuen, die Flüge sind sicher schon gebucht…

Werner klopft an – sein Giros-Appetit sei im „Tis Kakomoiras“ nicht gestillt worden – ob wir mit ins „SouVLakki“ gehen?

Ja, klar…

Die einfachste Art zu essen – und rechnerisch der beste Weg
Sibylle bestellt „Covered Pita“ – mein Kalkül, dass ich helfen muss, geht leider nicht auf – sie mampft es weg!

Wir verabschieden uns mal locker von Erna und Werner. Sie würden am 28.06. für eine Stipvisite nach Deutschland fliegen und erst Mitte September zurück kommen. Wir dagegen wollen die Lücke bis zu unserer Deutschlandreise noch mit einem „kleinen Ausflug“ füllen und für rund eine Woche nach Lipsi gehen und Marcus´ Familie dort besuchen – es kann sein, dass wir uns einige Wochen nicht mehr sehen.

Obwohl wir ins Auge faßten, uns in einer Bucht in Lipsi noch einmal zu treffen und den „echten Abschied“ somit vertagten, sollte es so kommen wie befürchtet – während ich diese Zeilen tippe, reisen Erna und Werner zurück nach Deutschland – auf bald!

Wir dagegen, legen am Folgetag recht früh ab – um 08.30 Uhr werfen wir die Leinen los und legen Kurs Lipsi an. Marcus hat mir von einer freien Boje erzählt, unmittelbar vor der DARKSYDE – die will ich haben!

Zwei Stunden später fährt uns das Empfangskomitee vor der Buchteinfahrt entgegen – Ehre, wem Ehre gebührt!

Marcus und Lilly begrüßen uns gebührend
Unser Begleitfahrzeug zur Festmacherboje

Kurze Zeit später fassen wir die Boje, welche zur Taverne „Dilaila“ in der Katsadia Bucht gehört. Wir waren schon zwei- oder dreimal hier, aber das „Dilaila“ war jedesmal geschlossen – das sollte diesmal anders sein, wir würden uns einen Eindruck verschaffen.

Da liegen wir nun – geplant sind 6 Tage

Der sogenannte „erste Eindruck“ war schonmal sehr positiv. Vor allem Sibylle war begeistert, entsprach der Platz doch genau ihren Vorgaben und Wünschen. Sie mag die Marina nicht so wie ich, sie will, dass „…der Wind durchzieht, nicht jeder ins Cockpit glotzt…“ und so fort.

Sie liegt nicht falsch, das alles ist hier gegeben, zudem kann man jederzeit vom Boot ins Wasser springen.

Hier wollen wir probieren, wie es uns taugt einfach mal eine Woche irgendwo abzuhängen, keinen Plan zu haben, nicht weiter zu müssen. Kurz, das wovon alle schwärmen – wir hatten das nämlich so noch nicht!

Unser Blick Richtung Strand und „Dilaila“
Pole Position – das Ankerfeld hinter uns
Nach vorne nur ein Dauerlieger
Marcus nennt es „Paradise Island“ – das gilt es zu verifizieren

Als wir in Leros ausgelaufen sind, haben wir hinter uns noch den Funkspruch der LE CLAPOTIS gehört. Wir wussten daher, dass die Holländer Marijke und Cees auch auslaufen werden – kannten deren Ziel aber nicht.

Am Nachmittag klopft es an die Bordwand HAALOOU – Cees war mit dem Schlauchboot gekommen. Sie lägen in einem anderen Buchtzipfel und würden uns gerne zu einem Ouzo mit anschließendem BBQ einladen – wie könnten wir da NEIN sagen???

Cees holt uns um 18.00 Uhr ab, wir haben ja unseren Außenborder nicht dabei.

Punkt 18.00 Uhr – Cees übernimmt das Shutteln
NESSAJA vor dem „Dilaila“
Marijke wartet schon auf der LE CLAPOTIS
Nur noch ein paar Meter
LE CLAPOTIS, eine Bavaria 38 unter Niederländischer Flagge
Cees und Sibylle

Es war wie eigentlich immer – ungeplante, spontane Dinge sind irgendwie am coolsten. Wir hatten keine Ahnung, dass die beiden Niederländer richtige Grillfans sind und der Relingsgrill auf ihrer Bavaria ein Holzkohlegrill ist.

Nicht nur, dass aus dem „kleinen Ouzo“ ein Gelage mit allerlei Knabbereien und viel Seemannsgarn wurde…

Zum Wohl – Yammas – Prost – Onderkant boven
DANACH wird gegrillt!

…nein, auch als die Gastgeberin anfing das „bisschen zuviel gekaufte“ Grillgut aus dem Kühlschrank zu räumen und Cees seine Holzkohle in den Grill rumpeln ließ, wurde klar, dass dies ein Abend für die Bücher werden würde.

Die Flammen züngeln am Holzkohle Grill
Der Grillmeister in seinem Element
Lecker und reichlich

Irgendwann wurde es ruhiger, die Geschichten waren erzählt und Cees bot den Shuttleservice zu NESSAJA an. Wir nahmen dankend an – es war ein herrlicher Abend und sehr leckeres Essen – Heel erg bedankt!!!

Offen gesagt, wir waren froh, dass die Niederländer so früh zu Aperitiv und BBQ luden, wir hätten sonst einen Terminkonflikt bekommen. Es stand nämlich eine Verabredung mit Susanne, Marcus und Lilly auf dem Programm – erst kurz in den Ort um ein bisschen was vom „Folklorefest“ zu erhaschen, dann auf einen Cocktail ins „Dilaila“.

Wir erfahren in dieser Sekunde, dass heute „Partysamstag“ ist – DJ in da house und Club-Music bis morgens um 05.00 Uhr – ok, da trink ich zwei Ouzo mehr! Und wo liegen eigenlich meine Ohropax???

Egal, wir setzen über, es ist schon dunkel…

Die Nacht bricht über Katsadia herein

Für die Fahrt in den Ort leiht Marcus mir seinen Roller, er selber hat auf Lipsi so ein typisches MoPed in so einem antiquierten Look – man nennt die Dinger „Pelicano“ – wegen des überdimensionalen vorderen Schutzbleches…

Im Ort ist die Feier noch voll im Gange!

Traditionelle Kleidung, ein paar Worte an die Besucher
Welche später, wie immer eigentlich, mit den Einheimischen tanzen

Marcus trifft hier jemanden, dort jemanden, klar, er ist hier gut vernetzt. Wir nehmen uns 5 Minuten Auszeit und gehen ein paar Schritte bis zur Kaimauer – eigentlich wollte ich nachsehen ob Werner hier ist – doch wir finden ein anderes, mir bekanntes Boot…

Achims YASSOU, leider niemand an Bord

Nur Blog Enthusiasten werden sich erinnern, dass dieses Schiff 2017 in Ios neben uns lag. Auch damals haben wir uns verpasst und nicht persönlich kennen gelernt. Achim ist auch in dem Forum in dem ich aktiv bin. Es macht immer Spaß, Menschen aus der digitalen, virtuellen Welt in der Realität zu treffen.

Ich schreibe ihm am Folgetag, wir versuchen uns in ein paar Tagen in Leros zu treffen.

Es wird etwas später als gedacht, wir fahren zurück zum „Dilaila“ – dort ist alles ruhig!

23.30 Uhr – noch nix los

Sibylle lässt sich zu einem „…die Party fällt heute scheinbar aus…“ hinreißen, dies sollte sich als absoluter Trugschluss herausstellen – wir waren nur die Ersten – um 23.30 Uhr!

Wir gehen an die Bar, eine Runde Mojito geht über den Tresen…

Der Mojito ist lecker, die jungen Menschen trudeln langsam ein

Inzwischen ist es nach Mitternacht. Sibylle und ich waren am 31.12. des letzten Jahres zum letzten Mal so lang wach. JETZT strömen die Massen in das angesagte und überaus coole Strandlokal. Die Mädels rausgeputzt, die Jungs auf Freiersfüßen – die Balz beginnt!

Zeit für uns zu gehen…

Marcus hatte nicht zuviel versprochen! WUMMERWUMMERWUMMERWUMMERWUMMERWUMMERWUMMER DONGDODODONGDONGDODODONGDONGDODODONG UFFFZUFFFZUFFFZUFFFZUFFFZUFFFZUFFFZ – der DJ leistete ganze Arbeit. Obwohl diese Club-Music nicht so mein Ding ist, konnte ich, im Cockpit liegend und den Sternenhimmel betrachtend, ganz gut zuhören – der Weg über das Meer hat den Schall ein wenig verfliegen lassen – ich sacke um 02.30 Uhr ins Bett, Sibylle schläft schon.

Ich drücke meine Ohrenstöpsel rein – auch die halten was sie versprechen! Chrrrrzzzz…

Der nächste Morgen war hart. Ich springe ins Meer, die Lebensgeister kehren zurück. Im Cockpit genieße ich in Ruhe den ersten Kaffee.

Der Tag bricht an

Für die Folgetage sind höhere Windstärken angesagt – ich hatte die Boje abgetaucht und war von der Haltbarkeit und Sicherheit überzeugt. Dennoch macht eine Sicherungsleine Sinn, zumal dann, wenn man so lange liegt.

Marcus hat eine relativ dünne, aber stabile Leine, meine Festmacher haben nicht durch den engen Bügel am Bojenstein gepasst – der Freund bietet an, die Leine für mich einzufädeln. Ich selbst war dreimal unten, bräuchte aber, um die Leine durchzuführen, mein Tauchblei. Sibylle schmunzelt – ich weiß nicht warum…

Eine Art Meeting
Das Lange muss durch´s Dünne

Nach ein paar Minuten war die Sache erledigt und wir doppelt gesichert – gut für´s Bauchgefühl!

Zeit für Sibylle ihr SUP zu Wasser zu lassen. Wir fahren es ja schon zwei Monate spazieren. Um die Relation „steht im Weg vs. ausgiebig genutzt“, ein wenig in Richtung NUTZUNG zu verschieben, ist heute der geeignete Zeitpunkt.

Da suppt die Gattin auch schon

Während Sibylle so durch die Bucht suppt, stellt sie fest, dass ein schlieriger Film auf der Wasseroberfläche ist. Man sieht es auch deutlich, alles schillert bunt.

Dies wird auch bis zum Abend so bleiben. Als wir nämlich später an den Strand fuhren um zum Dinner ins „Dilaila“ zu gehen, waren diese schillernden Spuren immer noch da und auch deutlich zu sehen…

Irgendein Ölfilm

Es war leichtes Öl, Diesel oder Benzin oder etwas ähnliches. Am Folgetag hatte der Wind die Spuren verwischt. Ich war nachdenklich – ich kannte die Ursache nicht, kann und will nicht mit Fingern zeigen. Aber eines wird klar, SO wird der Mensch es schon irgendwie schaffen – anderseits, würde ich mich jetzt auf den Strand kleben, es wäre niemanden geholfen.

Ein erster Ansatz wäre es, wenn man Achtlosigkeit bekämpfen würde – die eigene und die der anderen!

Ich will mich auf andere Gedanken bringen…

Bunte „Fähnchen“ an der Decke des „Dilaila“

Das „Dilaila“ hilft dabei! Es ist eine wirklich coole Bar mit einem tollen Ambiente und sehr vielen kleinen aber feinen Details.

Da hat doch mal einer den falschen Urlaub gebucht
Eine WAAGE – selbst hier! Neben dem Handy die zweite Geißel der Menschheit
In einer Ecke ein kleiner „Art-Shop“
Den Sibylle natürlich sofort entdeckt

Über die vielen Kleinigkeiten an denen das Auge hängen bleiben kann, streift mein Blick zur Aussicht. Ich liebe es, wenn ich NESSAJA von einer Bar aus beim Schwojen zusehen kann. Ich könnte da wirklich dutzende Bilder machen…

Vorne – eine riesige, alte Ankerwinde! Hinten – NESSAJA
Hier rudern wir mit dem Dinghy an den Strand
Schön, oder?

So, genug in Gedanken geschwelgt und sich der Aura des „Dilaila“ hingegeben – ich habe Hunger! mal sehen was die Küche der Taverne hergibt. Man verspricht regionale Produkte aus biologischem Anbau, eine raffinierte Zubereitung und den „besonderen Pfiff“.

Ich bin gespannt…

Die Speisekarte – man muss sie LESEN

Ich weiß nicht ob es Zufall oder Absicht ist – aber die Speisen haben alle irgendwelche Phantasienamen. Das ist clever, denn man kann sich nix drunter vorstellen. Man LIEST also wirklich die Karte, denn die Namen erzeugen auch Neugierde.

Unsere Wahl fällt auf zwei Feta-Meze, einem Salat und eine Hauptspeise, welche wir uns teilen – und ich muss sagen, die Küche hält was sie verspricht!!!

Hier werden wir öfter herkommen, hier werden wir öfter essen.

Der kommende Tag beginnt wie immer – ein morgendliches Bad, ein kleines Frühstück für Sibylle, ein Kaffee für mich. Danach aber geht es los – für heute ist ein Inselausflug geplant.

Wir setzen über, Marcus leiht mir abermals den Roller und schon geht es los…

Naturbelassene Küste – im Hintergrund Marathi und Arki
Schöne Strände, einsame Küstenstraßen
Strände wie in der Karibik? Ja, nah dran…

Wir machen eine Pause am Karibikstrand, dort gibt es eine kleine Taverne, wir gönnen uns einen Snack zum Mittagessen und sinnieren über Lipsi.

Die Insel ist smarter als Leros, aufgeräumter, kritisch betrachtet könnte man sagen sie ist schöner. Marcus will hier bauen, wir haben das sehr schöne Grundstück besichtigt.

Wäre ein Haus auf Lipsi eine Alternative? Ich denke nein, denn erstens ist Lipsi teurer, zweitens ist die kleinere Insel mit nur 10% der Einwohnerzahl Leros´ im Winter eine Herausforderung. Mir persönlich sind auch zuviele Touristen hier, im Individualsegment ist Lipsi längst kein Geheimtip mehr.

Wir setzen unsere Runde fort, meine Gedanken fliegen…

Wir verlassen die Taverne am Karibikstrand
Fahren eine steile Bergstraße zu einem kleinen Steinstrand
Sibylle zieht die Füße dem MoPed vor
Wir entdecken befestigte Wanderwege und schöne Tracks
Kirchlein überall
Und diese einladenden Strände überall

Die Runde um die Insel führt uns zurück in den Hauptort. Lipsi brennt sich als eine Perle der Ägäis in unser Gehirn. Es ist ein wunderschönes Eiland und wir hatten viel noch nicht gekannt. Wir haben jetzt einen wesentlich umfänglicheren Eindruck!

Im Hauptort gehen wir einen Cappuccino trinken – hier wird deutlich erkennbar, wie ZEIT auf Lipsi eingeordnet wird, wie sie gewichtet wird.

Zeitgedanke – anders interpretiert

Wir gehen noch zur Bäckerei um ein Brot zu kaufen – dieser Laden genießt bei Seglern einen weitreichenden und sehr guten Ruf. Manche kommen extra hierher um süße Teilchen zu essen und ihren Nachmittagskaffee zu trinken.

Die bekannte Bäckerei in Lipsi -Ort

Offen gesagt, mich hat diese Bäckerei nie so richtig erreicht. Sie ist einladend, aber ich finde es gibt bessere Läden. Na egal, da soll jeder so denken wie er will, wir jedenfalls kaufen im Vorbeifahren unser Brot und kehren dann in die Ankerbucht Katsadia zurück.

Die Bucht von oben – NESSAJA liegt sicher

Wir besuchen abermals das „Dilaila“ um auch zum Ausdruck zu bringen, dass wir die kostenlose Boje schätzen. Heute gibt es nur ein Bier und einen Octopussalat, wir hatten ja schon unseren kleinen Lunch am Karibikstrand.

Ich ziehe ein Zwischenfazit – der angesagte, kräftige Meltemi ist gekommen, das Liegen in der Bucht ist sicher, aber nicht so „gemütlich“ wie Sibylle sich das ausgemalt hat. Trotz der Boje muss man auf der Hut sein, denn die Mehrzahl der überwiegend türkischen Skipper ankert wild drauf los – frei von jeglicher Ahnung.

Wir besuchen das „Dilaila“ täglich, auf einen Drink, ein Bier, einen Snack oder auch zum Dinner – es ist ein herrlicher Ort und das Ambiente sorgt für ein, zwei besondere Stunden täglich.

Ich schreibe meinen Blog „voraus“ und der Rückblick holt in dieser Sekunde die Gegenwart ein, das bedeutet, dass ich diese Zeile in der Sekunde schreibe in der sie passiert – Echtzeit also! Die fehlenden zwei Tage des Monats Juni müssen erst noch stattfinden, sie sind Zukunft. Warum schreibe ich das? Mir wäre es ohne den Blog wahrscheinlich phasenweise langweilig – ob ein tagelanges Liegen in einer Bucht wirklich „mein Ding“ ist, ist noch nicht final entschieden!

Ich will kurz erklären, warum ich mir ein „Jammern auf höchstem Niveau“ zeitweise zugestehe…

Die Superyachten machen auch vor Lipsi nicht halt – 25.000.-€ am Tag! Schnäppchen!
Gerade angekommen – das Spielzeug wird ausgepackt
Die ersten Trottel sausen in Gleitfahrt durchs Ankerfeld – wo die Segler, auch Kinder, schwimmen

Klare Worte – ich gönne jedem Alles! Neid ist mir, zumindest was materielle Dinge betrifft, völlig fremd. Ich schwöre, mit den meisten von diesen Menschen möchte ich nicht tauschen, weil ich glaube, tatsächlich „freier“, ohne die Zwänge von außen, zu leben.

Aber die dekadente Zurschaustellung von Reichtum, gepaart mit einer „me first“ Mentalität und einer Prise Dummheit, regt mich eben auf – da stehe ich dazu und bin auch zu Grundsatzdiskussionen bereit.

Inzwischen trifft der „Tender“ der Superyacht ein…

Ein „Pendeldinghy“ im Minutentakt
2 x 225PS und drei Mann Besatzung müssen hin und her fahren
Klar, dass man die 150m nicht langsam fahren kann – 20m vom Strand

Ein Jetski mit einer Dreijährigen am Lenker fährt an uns vorbei, Diskretion und Privatsphäre werden missachtet – der stolze Papa lächelt. Ich lächle milde zurück, ich hoffe, er fühlt was ich denke.

Das Ankerfeld füllt sich langsam – bitte beachtet die Yacht „Friendship“ die etwa in Bildmitte zu sehen ist.

FRIENDSHIP – liegt super zwischen Marcus´ Kat und der Superyacht

Die türkische Yacht hat einen guten Platz und liegt sicher. Ich weiß nicht, was den Skipper geritten hat, als er plötzlich „Anker auf“ geht und direkt neben uns sein Grundeisen wieder versenkt. Hirnlos mäandert er neben uns rum…

Kommt nahe

Die Besatzung sieht ratlos zu mir rüber. Sie sind irritiert, dass sie an meinem Bug keine Kette sehen – ich will schreien „Mann, das liegt daran, dass es ab hier Strandbereich ist, zu flach und zu wenig Schwojraum“ – unterlasse das aber.

Der türkische Skipper erhält von mir kein zustimmendes Lächeln, ich glotze nur und strahle Fassungslosigkeit aus – er kommt näher.

Geht wieder „Anker auf“ – war wohl nix

Irgendwann wird es dem Türken zu unwohl und er geht wieder – war einfach zu nah. Schön, wenn er es wenigstens merkt.

Es ist übrigens eine Unart der Türken entweder gleich mit Fendern ins Ankerfeld einzulaufen, oder diese sofort nachdem der Anker gefasst hat, an die Bordwand zu hängen. Geht´s noch? Sobald ich im Ankerfeld Fender brauche ist doch was verkehrt – so zumindest meine Auffassung!

FRIENDSHIP räumt das Feld, ich wähne mich in Sicherheit – aber denkste! Die italienische (wer sonst) Yacht ABRAXAS kam, sah und ankerte – genau dort, wo es dem Türken zu eng war. Das sollte seinen Grund haben!

Die Italiener waren nett, ich auch – entgegen meiner Überzeugung. Meinen wirklich freundlich vorgetragenen Hinweis, dass ich an einer Muring liege und er, sollte der Wind sich drehen, was er die letzten Tage IMMER tat, vermutlich in meinen Kreis kommt, quittiert der smarte Skipper mit einem Lächeln. Der Skipper bedankt sich und ignoriert den Rat.

Wir essen im „Dilaila“ und genießen die Mondnacht.

Das Ankerfeld ausgeleuchtet, die DARKSYDE illuminiert das Wasser

Am nächsten Morgen stehe ich auf – und sollte Recht behalten haben…

Zentimeter zwischen meinem Anker und seinem Heckkorb

Mir egal, ich bleibe zur Abwechslung mal entspannt und springe mit einer Arschbombe ins Wasser. Die wiederum, reißt die im Cockpit schlafende italienische Schönheit auf dem Schmuseschiff aus den Träumen.

Auch sie scheint überrascht, ja mehr erschrocken, über meine NESSAJA die in ihr Cockpit und in ihre müden Augen lugt. Hastig weckt sie ihren Skipper, der rasch ein paar Meter Kette einholt – Situation bereinigt…

Besser – zunächst

Der gestern so nette Amici winkt müde herüber, ich lächle und winke zurück. Er reibt sich den Schlaf aus den Augen. Man beratschlagt auf der ABRAXAS und geht dann „Anker auf“ – tja, hätte ein so schöner Morgen sein können…

Wie gesagt, mir geht es nicht um die Sache, mir geht es um den Umgang der Menschen untereinander und mit gewissen Situationen. Vorausschau und Umsicht, Rücksichtnahme und Fairplay sind Fremdwörter geworden.

Auch Sibylle ist inzwischen wach, wir checken NESSAJAs Systeme. Alles ok, wir könnten noch bleiben. Wir haben 190 von 520 Liter Wasser verbraucht, aber einen Wassermacher an Bord. Wir haben nach 6 Tagen noch 67% Energie, haben aber einen Generator. Der limitierende Faktor wäre der Fäkalientank, hier sind wir bei 80%, hier müssten wir bald auf See gehen um dort zu entleeren.

Noch 67% nach 6 Tagen, das ist bei unserem Setup sehr gut
Schwarzwasser nahezu zu 80% gefüllt, das ist maximal für weitere 2 Tage gut

Mir reicht´s, mir ist langweilig, der Trubel und die Rücksichtslosigkeit der Mitmenschen nervt mich. Ich will zurück in die Marina, dort kann ich mich beschäftigen, ich kann mich zurückziehen – und es gibt das bessere Eis!

Wir werfen unsere Leine los und fahren die rund 15nm nach Leros, in die Lakki Bucht, zurück. Es war eine ereignislose, monotone Rückfahrt unter Motor – wir schweigen. Uns wird klar, Sibylle und ich haben unterschiedliche Vorstellungen vom Leben am Anker – das müssen wir klären. Aber nicht heute…

Wir kommen an, der Marinero hat uns UNSEREN Platz D1 freigehalten, denn er weiß, dass wir NESSAJA für die Fahrt nach Deutschland zurück lassen würden. Hier, in dieser Ecke, liegt sie wie in Abrahams Schoß und ist unter den wachsamen Augen von Angelika und Uli.

Der Anlegeschluck wird durch ein „Anlegeeis“ ersetzt, die GS wird mobilisiert. Ich bin zuhause!

Mit dem MoPPed zu „Repapis“
DAS mag Sibylle schon auch
Schlaraffenland

Meine Lieblingseisverkäuferin ist da, obwohl, eigentlich sind alle meine Lieblingseisverkäuferinnen, sie sieht in meinen Augen die Gier nach der High-End Eissorte „Parfait White“, gepaart mit Erdbeersorbet und Mongosorbet – ahhhh, wie wunderbar – sie schaufelt die geliebte Masse in mein Becherchen, ich gönne mir DREI Kugeln – Sibylle zahlt ohne zu schimpfen!

Jaaaa, DAS mag ich
Jetzt mal ehrlich…

Auf meinen Wunsch hin, fällt das Abendessen aus – ich möchte nachdem die Sonne hinter dem Hügel vor Panteli verschwunden ist, zum Lieblingsstrand fahren, um dort zu Baden und ein Bier zu trinken – oder auch zwei!

Wir packen also unsere Siebensachen und tuckern mit der treuen GS zum Panteli-Beach. NESSAJA bleibt zurück, ich liebe es, wie sie da so liegt…

NESSAJA zurück an D1

Der Vollständigkeit halber muss ich erwähnen, dass in der Türkei Bayram ist. Da ziehen die Nachbarn natürlich in Scharen rüber. Das haben wir in Lipsi zu spüren bekommen und das sieht man auch auf Leros.

Ok, mehr als sonst…
…aber NOCH überschaubar

Wir nehmen uns einen Tisch am Strand und gehen erst einmal schwimmen und frischen uns richtig ab. Danach erst bestellen wir unser Bier – es gilt zu verhindern, dass der kostbare Tropfen warm wird, während wir noch im Wasser sind.

Während wir auf unsere Bestellung warten, sehe ich einen nostalgischen, blau-weißen Fischerkahn an einem, wie ein Bügeleisen geformten Motorboot vorbeifahren – es prallen Welten aufeinander. Was mag der Fischer wohl denken? Der, der vielleicht 500.-€ im Monat verdient, aber glücklicher sein mag ohne es zu wissen.

Oder weiß er es???

Was mag er über geschätzt 16-jährige Jünglinge denken, die, einem Diener gleich, stehend am Steuerstand, die übermotorisierten Zubringer-RIBs in Gleitfahrt durch den Schwimmerbereich lenken? Die Bilder sind grotesk…

Die Bestellung kommt, ich komme auf andere Gedanken. Wir haben das zweite Bier durch „Ouzo mit Meze“ ersetzt, wir genießen unsere Getränke, die laue Luft und den erfrischenden Wind – so lässt es sich aushalten.

Ahhh, könnt ihr euch vorstellen, wie das die Kehle runterfließt
Heute reicht das als Abendessen – ich bin zufrieden

Wir fahren zurück in die Marina, sehen im Vorbeifahren, dass auch die ELOWYN sicher liegt. Morgen werde ich mal nach ihr sehen und die Batterien laden. Morgen! Für heute reicht es…

ELOWYN liegt locker an A

Wir schlafen, wider Erwarten, sehr gut und es ist nicht zu heiß. Sibylle hat ihren vermeintlich größten Trumpf den ganzen Vortag ausgespielt – natürlich ist es in der Marina nicht so schön zugig wie vor Anker – aber es hat eben andere Vorteile.

Unser Ventilator macht den Rest…

Ich wache auf, es ist 06.45 Uhr. Ich entscheide – heute ist der richtige Tag um ihn mit einem morgendlichen Bad im Meer zu eröffnen. Mit dem Bike tuckere ich also an den Ort, an dem der gestrige Tag ausklang.

Menschenleer – Stille – I love it
Ich gönne mir mein Bad, als die Sonne gerade über den Berg kommt

Heute gibt es keinen Kaffee, es ist noch zu früh. Vor 07.30 Uhr gibt es auch hier nix. Ich fahre zurück zu NESSAJA um dort, zusammen mit meiner Frau, den Tag willkommen zu heißen – ok, einen kleinen Vorsprung habe ich schon 😉

Noch im Schatten – angenehm

Der Rest des Tages ist schnell erzählt. NESSAJA hat klebrige Ablagerungen von einem der dicken Kugelfender am Rumpf. Die Fender haben inzwischen neue „Fendersocken“ bekommen um das zu verhindern – die Spuren muss ich aber wegmachen. Bei der Gelegenheit wasche ich das Dinghy.

Ich gehe zu Panos und hole Ersatzteile, danach kann ich ein Rücklaufventil an der vorderen Toilette ersetzen – alles nur Randnotizen, nicht der Rede wert.

Aber auch hier – Unachtsamkeit überall – ich merke das, als ich zum Laden gehe. Es wird gebaut, eine Fläche wird planiert, es ist abgesperrt und ein Arbeiter spritzt gerade mit Wasser auf. Ich denke mir, dass ich als Fußgänger da NICHT durchlatschen muss und weiche aus, gehe hinter der Absperrung.

In diesem Moment überholt mich ein Leihwagen rechts und fährt voll durch den frischen Sand – egal – macht´s der Grieche halt nochmal, kost hier doch nix!

Ich erinnere mich an Spontisprüche aus meiner Schulzeit und wünsche dem Rowdy „drei Tage Durchfall und kein Klopapier!“

Ich habe es gerade zu Ende gedacht, läuft dieser Zeitgenosse vor mir…

Ähh Sie, da hängt noch was…

Irgendwie ist´s schon wieder zu heiß, hier drehen alle am Rad!

Um mich einzunorden, gehe ich zur ELOWYN und komme meinen Pflichten nach. Strom ist auf der Säule, alle relevanten Schalter an – und schon tut sich was.

Da ziehen die Charger an

Auch sonst ist auf dem blauen Riesen alles ok. Ich vermelde es meinem Freund Volker, so kann auch er beruhigt ins Wochenende gehen.

Der Tag heute und somit auch der Monat Juni sollen mal ganz anders ausklingen – Sibylle und Angelika haben ein Beach-BBQ initiiert. Wir haben ja einen kleinen, wilden, aber sehr aufgeräumten Marinastrand – hier wollen wir, nachdem die Sonne hinter den Hügeln Leros´ versunken ist, einen Griller starten. Kleiner Kreis, JASPER, NESSAJA und Hans-Peter nebst Merlin von Melmac, die beiden Bartträger von der LIBERTÉ.

Wir waren grad am Gehen, da sitzt einer an unserem Boot. Der Unbekannte raucht. Das hat zunächst niemand gestört, er verhält sich unauffällig. Irgendwann schleicht er weg – dabei verliert er seine Kaugummis und „vergisst“ seine Kippe.

Sicher aus Versehen

Weil mir der Unbekannte sympatisch war, mir zudem der gute Atem des Rauchers am Herzen lag, habe ich ihm seine Kaugummis hinterher getragen. Er hat sich gefreut und dankend seine Chewis und auch die ebenfalls zurückgebrachte Kippe angenommen. Der Gute…

Ganz ehrlich, geht´s noch? Sich rauchend vor andere Boot setzen und dann in einer „Blue-Flag Marina“ die Kippen einfach liegen lassen? Ich war erstaunt, ein Bürger von „La Grande Nation“ als Umweltferkel? Sachen gibt´s…

Wir gehen zum Strand und befeuern den Cobb, endlich!

Die Sonne dippt gerade den Gipfel des Hügels
Der Cobb wird befeuert – das erste Mal 2023

Die Damen haben leckere Salate gemacht und leckeres Grillgut gekauft. Unser „Artisan Butcher“ Xatzigrigoriou hat sich selbst übertroffen und erstklassige Ware empfohlen – eine gute Wahl.

Unser Grillgut bruzzelte, wir hatten zusammen viel Spaß und sinnierten so vor uns hin. Über Gott und die Welt, Sex and Drugs and Rock´n Roll und überhaupt – das Leben im Allgemeinen!

IHR scheint es zu schmecken – er würde gern probieren
Beach-BBQ am Strand der Leros Marina
Feine Leckereien frisch vom Cobb

So klang er vor wenigen Minuten aus – unser Juni 2023! Es war ein sehr schöner Monat, weil er anders war als die davor. Wir waren unterwegs, hatten viel Zeit mit Freunden verbringen können – Zeit, die wie im Flug verging.

Das Schiff, unsere NESSAJA, hat uns nicht enttäuscht. Ich weiß wohl, dass auch wieder andere, frustrierende Tage kommen werden, aber die Bewährungsprobe, die Feuertaufe, hat sie bravourös gemeistert – alles hat wie gewünscht funktioniert.

Ein kurzer Ausblick auf den vor uns liegenden Juli – wir werden am 04.07. Richtung Deutschland aufbrechen, weil es ein Familienfest zu feiern gibt. Nach unserer Rückkehr haben wir ein paar kleine Aufgaben in Leros zu erledigen, bevor wir zu einer größeren Runde aufbrechen wollen. Ob das alles klappt wie geplant? Lassen wir es auf uns zukommen!

Ich bedanke mich, wie immer, für die investierte Zeit, eure Neugierde und euer Mitfiebern. Wir teilen unsere Erlebnisse, unser Leben 2.0, gerne mit euch, mit unseren Freunden – getreu der Headline „Friends will be Friends“

Wir wünschen euch einen wunderschönen Juli, wo immer ihr auch seid.

Gruß von Bord der NESSAJA, Gruß aus der Leros Marina Evros

Mario & Sibylle, die NESSAJA Crew

Mai 2023 – Proud Mary

Viel Freude beim Lesen unseres Maiberichtes, welcher zum Glück nicht kürzer ist als gewohnt, dafür aber mit deutlicher Verspätung erscheint! 😉 Hierfür entschuldige ich mich in aller Form, kann dies aber begründen – doch lest selbst…

Mit dem Mai des laufenden Jahres liegt ein ganz besonderer Monat achteraus – nicht nur, dass wir Beide unsere Geburtstage im Wonnemonat feiern, viel wichtiger scheint doch, dass NESSAJA fertig (ich verwende das Wort mit Vorsicht) ist und wir diesen Monat zum ersten Mal seit über einem Jahr wieder ablegen werden.

26. Mai 2023 – NESSAJA verlässt die Leros Marina Evros

In diesem Zusammenhang muss ich wohl erklären, warum der „Creedence Clearwater Revival“ Song aus dem Jahr 1969 zur Headline wurde…

Musikfans unter euch wissen es längst – ich möchte damit eine der Sängerinnen würdigen, die meine Jugend geprägt haben – Tina Turner verstarb am 24. Mai – diese Nachricht hat mich traurig gemacht – zum einen, weil ich sehr viele Erinnerungen mit ihren Songs und den besuchten Konzerten verbinde (selbst mit meiner Mutter war ich dort), zum anderen aber auch, weil Todesnachrichten der Stars aus der Jugendzeit aufzeigen, wie schnell die Zeit doch rast.

Hier kommen wir zu „Proud Mary“!

Ich liebe die alten Songs von Tina, in dem Titelsong geht es um einen alten Schaufelraddampfer auf dem Mississippi – das Schaufelrad dreht sich weiter und weiter. So geht es NESSAJA nun auch wieder – wir reisen wieder mit ihr – rollin´, rollin´, rollin´!

Es geht aber wie immer um mehr – der Songtexter, John Fogerty von CCR, hat 2018 erklärt, dass „Proud Mary“ wie folgt zu interpretieren ist…

Ein Motto, dem wir nun schon fast zweieinhalb Jahre folgen – jetzt auch wieder unter weißen Segeln!

Natürlich war bis dahin einiges passiert – hier der Reihe nach…

Es ist der 01. Mai – ich freue mich! Heute kommen Gottfried und Gabi an. Wir kennen die Beiden schon einige Jahre und haben sie als Freunde schätzen gelernt. Dazu half sicher auch, dass wir uns schon vor unserem „Leben 2.0“ auch außerhalb der Segelsaison treffen konnten – wir haben früher nicht weit auseinander gewohnt.

Der Flieger landete pünktlich und kurz vor Mittag trafen die Freunde ein.

Sofort auf´s Schiff

Weil die ersten Tage ja immer mit Bootsarbeiten angereichert sind, zudem das Leben „on the hard“ – also so lange das Boot noch am Land steht – ohnehin etwas beschwerlicher ist, haben wir uns erlaubt, die Beiden zum Abendessen an Bord von NESSAJA einzuladen.

Der Tisch war gedeckt

Sibylle hat alles vorbereitet, der Tisch war gedeckt, der Salat vorbereitet, es sollte Pizza vom „La Nostra“ geben. Die Gäste können kommen – und das taten sie auch, pünktlich wie immer.

Willkommen an Bord

Der Tag klang gemütlich aus, wir hatten viel zu erzählen und bequatschen. Irgendwann ging unser Besuch dann todmüde und erschöpft von der Anreise nach Hause – schön, dass ihr wieder da seid!

Der neue Tag sollte gemütlich angegangen werden. Die Temperaturen stiegen langsam, es war Zeit die „Badesaison“ zu eröffnen. Am Panteli Beach waren die Liegen bereits wieder aufgestellt, also nix wie hin…

Sonne herrlich – das Meer ruft…
…ein Ruf, dem ich gerne folge!
Nach der AB-frischung eine ER-frischung, schöner Tag

So darf es weitergehen! Leider war das nicht der Fall – wie überall in Europa beginnt auch der Frühsommer in Griechenland schleppend. Es gab etliche bewölkte Tage und auch ein paar Regenschauer. Fast wäre Max Werner´s „Rain in May“ der Titelsong geworden…

Natürlich wissen wir, dass wir das Wettergeschehen auf einem recht hohen Niveau beklagen, daher zurück zur Tagesordnung – ab nach Hause!

Nach dem Baden brauchts zum Biken einen Pullover

Am Spätnachmittag waren wir zum Apero (nicht Aperol – eher sowas wie Aperitiv…) auf die LE CLAPOTIS von Cees und Marijke geladen. Zu dieser Zeit war es guter Brauch, von Zeit zu Zeit reihum einzuladen um ein nettes Miteinander zu pflegen. Das hat uns allen gut getan, es war eine illustere Truppe.

Apero auf der LE CLAPOTIS, einer Bavaria unter niederländischer Flagge

Leider mussten wir aus der Runde viel zu früh aussteigen. Gerade als die Laune, gepusht durch Wein und Ouzo, Fahrt aufnahm, waren Sibylle und ich zur Verabschiedung gezwungen. Wir hatten eine Verabredung zum Dinner mit der Crew der SUNNY SIDE UP. Es sollte ins „Gia Sena“ gehen, der Taverne mit wenig Charme, aber sehr gutem Essen.

Stuffed Chicken Breast mit Patates – echt lecker

Es ist ja nicht unser erster Besuch in diesem Lokal, ich wusste daher, dass wohl wieder die kleine Katze zum Betteln kommen würde. Ich bin ja, offen gesagt, mehr dog-related als ich Katzenliebhaber wäre – aber dieser kleine Frechdachs könnte es schaffen sich in die Reihe der von mir verehrten Samtpfoten einzureihen, als da wären – Garfield, Silvester und die Aristocats…

Krieg ich was????

Trotzdem war ich froh, dass der Stubentiger diesmal Roland als Opfer gewählt hatte, das schonte die Epidermis meiner Oberschenkel.

Am nächsten Tag stand eine Ausflugsfahrt mit dem Motorrad an, es waren ein paar Reservierungen zu tätigen. Wir wollten die jeweiligen Ziele abklappern und persönlich vorstellig werden.

Der erste Weg führte zur Taverne „Mylos“, treue Blogleser erinnern sich, die wohl beste Adresse auf Leros. Ich hatte zwei Termine zu fixieren – einmal ein Dinner zu unserem Hochzeitstag, zum anderen einen Wuschtermin von Volker, auch er möchte seinen Hochzeitstag dort feiern, wenn die ELOWYN im Juni nach Leros zurück kehrt.

Gerade wieder eröffnet…
…das „Mylos“ – nomen est omen

Inspiriert von „der Mühle“ und dem Zinnober um die zu feiernden Hochzeitstage, dachte ich mir, auch einen Tisch zum Sundowner für eben diese beiden Tage zu blocken – zuerst im „Harris“ in der alten Mühle den Aperitiv, dann ins „Mylos“ zum Dinner – das wäre doch was!

Also hoch zu den Windmühlen…
…das „Harris“ – leider noch geschlossen

Eine Nachfrage bei Haris Karpathakis ergab, dass er mit Verspätung öffnen würde – das unbeständige Wetter macht auch ihm einen Strich durch die Rechnung. Pech für Sibylle und mich, bei Tina und Volker könnte es noch hinhauen. Reservieren konnte ich leider noch nicht…

Gut geklappt hat aber die Umbuchung unserer Freundin Gitti, die uns bald besuchen kommen wird. Sie hatte im Internet ein „Schnäppchen“ gebucht, welches unserer Vor-Ort Prüfung nicht stand hielt. Unser Rat war das „Panteli Beach Hotel“ direkt am Lieblingsstrand.

Empfehlenswerte Adresse

Ich kenne die Tochter der Betreiberfamilie schon seit etlichen Jahren aus dem „Sorocos“ und wollte die Buchung der Freundin mit uns verlinken. Das hat geklappt, das Zimmer wurde reserviert und alles gleich fixiert!

Wir kehren zurück in die Marina und überlegen, wie wir den angebrochenen Tag sinnvoll ausgestalten können – solche Überlegungen gehen, sofern Sibylle hier Freiräume hat, meist zu meinen Lasten! Heute wurden beschlossen – Mario braucht einen Haarschnitt!

Das ist lustig – für die Einen

Die frisch aufgeladene Maschine wurde angesetzt und einmal im Kreis gefahren. Ein bisschen Korrektur hier, ein kleines bisschen ausbessern da – et voilá, schon isser wieder ausgehfein, der Skipper…

Tut wieder vier Wochen gut

Nach diesem anstrengenden Teil des Tages musste die Capetaña ruhen und zog sich auf den Ruhesessel zurück. Sie vertieft sich in das ebenso anspruchsvolle wie umfangreiche belletristische Werk und war nicht mehr ansprechbar.

…und was mach ich?

Für mich blieb genug Zeit um meinen Freund Giorgos Karpathakis in seiner Werkstatt zu besuchen. Ich musste dorthin um Ersatzteile für meinen Volvo abzuholen und nahm bei der Gelegenheit gleich unsere Edelstahlgangway mit…

Da liegt das Trum

Die musste angepasst werden – NEIN! – nicht ausschließlich wegen mir! Ok, ich gebe zu, dass das stetige Belasten mit meinem Gewicht vermutlich eine immerwährende Materialprüfung für das Teil ist – aber gegeben durch die Tatsache, dass ich mein Gewicht kenne, bewege ich mich umsichtig.

Nicht so mancher Besucher – da werden große Schritte gemacht, Hopser von der oberen Stufe lassen die Brücke auf den Steg knallen. Lasten wie unser Trinkwasser werden darüber getragen – kurzum, ein Dauer-Härtetest für Material und Verarbeitung.

Die Schweißnaht an einer Drehachse ging auf, die Drehachse selbst war mickrig und krumm – es wurde beschlossen, dies gehörig anzupassen.

Die Ersatzteile packte ich ein, bezahlte brav und fuhr nach Hause – ich war gewappnet für meine Aufgabe des Folgetages – die Erneuerung meines Zahnriemens!!!

Vorbereitung ist alles

Ich merkte, dass mein Plan dies zusammen mit Giorgos zu machen, wacklig war – er hatte einfach immer Stress. So besann ich mich auf meine Kernkopetenz, bereitete mich gut vor und trug neben den Ersatzteilen sowohl Literatur als auch Spezialwerkzeug zusammen.

Los geht´s…

Nervös? ICH doch nicht!

Ich muss dazu sagen, dass ich, im Rahmen der von mir durchgeführten Motortrainings bei ABC in München, dies schon etliche Male gemacht habe – an einem Perkins Prima 50 welcher genau meinem Motor entspricht. Aber eben nicht an MEINEM Motor! Das fühlt sich anders an, es ist eine Arbeit die keine Fehler verzeiht.

Diese ging aber schnell von der Hand und schon bald war ein gutes Stück geschafft.

Der neue Riemen – schon drin

Irgendwie hat das richtig gut geklappt und schon zwei Stunden später lief der Volvo wieder. Passt alles, so kann der Tag weitergehen…

Ich höre Rinaldos Stimme – sie eilt ihm voraus! Sekunden später steht der eidgenössische Nachbar bei mir im Schiff und zeigt mir Einzelteile SEINES Motors…

Kaputt! Druckleitung zum Turbolader

…ob ich da helfen könne? Ich denke ja! Und während ich das eigentlich nur denken wollte, fällt mir das kurze, aber sehr verpflichtende Wort mit zwei Buchstaben aus dem Mund… JA, klar!

Ich hatte einen neuen Auftrag…

Gut waren zwei Dinge – Gitti würde bald zu Besuch kommen, ich kann also in Deutschland Teile bestellen, die sie mir mitbringen könnte – gesagt, getan, sowohl die Teile für Rinaldo als auch ein paar kleinere Motorteile für Hans-Peter kamen in den Einkaufskorb.

Ein weiterer Vorteil war, dass meine grenzenlose Bereitschaft zur Hilfe abermals bei einem Apero gewürdigt wurde – und mit Rinaldo und Christa Ouzo trinken ist echt lustig…

Die Gläser wurden gefüllt
Zum Wohl die Damen
Freunde finden…

Wir erzählten uns allerlei Geschichten von früher und heute und hatten viel Spaß. Unter Anderem bekamen wir auch plakativ geschildert wie Christa sich bei einem Sturz ihren Arm verletzte – Glück im Unglück kann man nur sagen. Dennoch, der Arm war fantastisch anzusehen wie er in allen Farben schimmerte – ich habe wirklich noch nie so einen blauen Fleck gesehen! Lustig? Naja, im Nachhinein schon – und unter dem Einfluss von zwei oder drei Ouzo auch…

Die Arme! Heute ist´s wieder gut!

Am nächsten Morgen forderte Sibylle beim Frühstück den lange versprochenen Küchenschrank ein. Sie wolle „endlich Ordnung schaffen“ und bräuchte die Regalbretter!

Nun, da ich der Optimierung von Ordnungssystemen keinesfalls im Weg stehen will, machte ich mich sofort ans Werk – und verwandelte NESSAJAs Salon in eine Schreinerwerkstatt.

Leisten – Bretter – Schablonen

Ich nahm Maß, bohrte Leisten fest und sägte die im letzten Monat lackierten Bretter gemäß eigens angefertigter Schablonen zurecht – Maßarbeit…

Hier waren vor ein paar Wochen noch Batterien drin
Detailarbeit
Zufriedenstellendes Ergebnis – Stauräume schaffen

Diese Aufgabe war relativ komplikationslos und rasch umgesetzt und Sibylle war happy – sie konnte endlich ihre Küche umräumen und neue Plätze nutzen. Ich konnte einen weiteren Punkt auf der inzwischen erfreulich kurzen To-Do Liste abhaken.

Weil dieses Abhaken von offenen Punkten Spaß macht, nutze ich den restlichen Tag und die Tatsache, dass Thilos Auto noch zur Verfügung steht – ich fahre zu Giorgos und hole die inzwischen fertige Gangway ab.

Massive Achse und massive Aufnahmen

Der Meister hat wieder ganze Arbeit geleistet – das Ding sollte uns ermöglichen, auch große Lasten an Bord zu nehmen. Mein Gewicht sollte jedenfalls an dieser Stelle zukünftig keine Rolle mehr spielen. Offen bleibt für mich die Frage, warum das nicht gleich so gebaut wird…

Ein letzter Handgriff noch!

Noch rasch eine kleine Anpassung

Ich lade das Zeug ein und erhalte an dem Tag auch meine neue EPIRB. Treue Blogleser erinnern sich sicher – dieser Punkt war im April offen geblieben.

Heute traf der begehrte Seenotrettungssender ein und alles hat perfekt geklappt. Tolles Gerät zu einem Spitzenpreis. Sowohl das Programmieren als auch die Meldung bei der deutschen RegTP sind inzwischen erledigt – ich kann den Punkt EPIRB-Wartung von der Liste nehmen…

Gangway und EPIRB, zwei Punkte weniger auf der Liste

Der nächste Morgen ist ein besonderer Morgen – Hans-Peter und der bezaubernde Terrier Merlin waren in der Nacht aus Deutschland angereist – auch für ihn beginnt die Saison. Um ihn den nächtlichen Eintritt in seine LIBERTÉ zu erleichtern, hatten Sibylle und ich seine Passerella schon herunter gelassen…

LIBERTÉ wartet

Wir waren kaum fertig mit dem Frühstück, brummelte der Pick-Up von HP schon auf den Kai – Ausladen war angesagt! Auch ich war gespannt, er hatte meine Tiefkühltruhe auf der Pritsche!

Wie Weihnachten – wo ist mein Paket???

Der Freund aus dem Saarland machte klar – ich hätte zu warten! Die Kühltruhe(n), auch er hatte eine gekauft, lägen zuhinterst auf der langen Ladefläche! Ok, dann warte ich halt, montiere meine „neue“, reparierte Gangway und mache ein paar Anpassungsarbeiten.

„Sag mir einfach wenn Du MEIN Paket auslädst…“

Wieder dran – wieder gerade! Stabil!
Neue Schnapper – alles soll funktionieren

Es war soweit! Der Wagen von Hans-Peter war weitgehend entladen, es waren nur noch die beiden Kühltrühen in ihren Transportkisten auf der Pritsche – endlich – mein Schatz! Ich nahm das Paket in Empfang!!!

Das Bier wird immer eiskalt sein, ich werde Thunfisch den ICH fange einfrieren können – ha, jetzt aber…

Kennt Ihr das? Ein Paket scheint im Transporter klein und je näher es an die Ladekante gerutscht wird, desto größer wird es – so war es auch hier…

Erstmal an Bord – ok, schon groß

Da stand es nun, mein Paket. Ich hatte aus Vernunftsgründen die kleinste Kühlbox bestellt, wie klug. Wir stellten das Ding erstmal an Deck um dann in tabula rasa zu gehen – Sibylle sprach aus was alle dachten…

Wie bekommst Du es in die vordere Kabine? Wohin damit???

Sibylle macht sich lustig über mich…

Die Kühltruhe – wir wussten, dass es knapp werden könnte. An einem Tag in der Vergangenheit hatte mich Sibylle aus heiterem Himmel gefragt, ob ich denn gemessen hätte, ob die Kühltruhe durch die Türe der Vorschiffskabine passen würde.

Ähhh, nein, hatte ich nicht!

Ich war so auf meine tolle Idee einer Kühltruhe in der „toten Ecke“ hinter der Türe der Gästekabine fixiert, dass ich zwar alle Maße genommen hatte, diese mit dem Datenblatt des Objektes der Begierde abgeglichen hatte, aber vergessen hatte zu prüfen, ob die Truhe überhaupt in die Kabine passt…

Dem ersten Schreck folgte ein sofortiges Nachmessen und wir wussten – um durch die Türe zu kommen, fehlen rund 8mm. Meine Idee durch die Vorschiffsluke zu gehen scheiterte ebenfalls an 8mm – so war unser „ultima ratio“ Ansatz, die Luke auszubauen und durch den blanken Ausschnitt zu gehen – das sollte klappen.

Vor diesem Hintergrund waren wir neugierig und aufgeregt, ich wollte gleich ans Werk! Wir packten die Truhe also aus, maßen nach und merkten, dass eine minimale Chance bestand, die Truhe ohne die Zierecken durch die Türe zu bekommen.

Wir testen…

Schwebt – klemmt fest im Türrahmen

Warum trauen wir uns, bei gemessenen -8mm, da ran? Ich habe zwei relevante Dinge bemerkt – zum einen war meine Türe oben minimal breiter als unten, das brachte zwei, drei Millimeter. Zum anderen, habe ich beim Abschrauben der Zierteile bemerkt, dass die Truhe aus einem relativ weichen Plastik besteht, demnach eine gewisse Verformbarkeit aufwies…

Wir lupften das Trum also auf halbe Höhe, schoben es soweit in den Türrahmen bis es klemmte. Dann traf ich die Entscheidung das Risiko zu gehen und machte mir meine Nachdrücklichkeit durch Körpermasse zu Nutze – ein kurzer Druck mit den Schultern und die Kühlbox schlüpfte durch den Türspalt wie ein Zäpfchen!

Neuer Platz

So, drin ist sie schonmal – das war knapp und mit einer Portion Glück verbunden! Die Aktion hinterließ kaum Spuren, nur zwei kleine Druckspuren am Türrahmen, die man aber nicht sieht wenn man es nicht weiß.

Schon zeigte sich das nächste Problem – ich hatte mich zusätzlich vermessen. Ich nahm, weil der Grill und das SUP in dieser Ecke lagen, nur das obere Maß – das Hauptmaß sozusagen. Leider wird der Stellplatz der Box nach unten aber schräg und damit schmäler – kurz, die Box passte nicht an ihren Platz.

Die Lösung für das Problem hatte ich sofort parat – mitten im Raum stand schon immer ein Stuhl, welchen ich lieber im Salon hätte und dort nutzen wollte. Es war nun an der Zeit dies umzusetzen und dafür die Kühltruhe zu einer kleinen Bank umzubauen, welche den Stuhl ersetzen würde.

Das Projekt „Kühlbox aufstellen und anschließen“ weitete sich gerade zu einem Großprojekt aus…

Den Stuhl „parkten“ wir einstweilen im Salon, man kann sich schon vorstellen was mir vorschwebt.

Hierhin soll er – ich brauche eine große Standfläche und Befestigungen

Sibylle zweifelte zu diesem Zeitpunkt daran, dass das gut würde oder gut aussehen könnte. Ich hatte das Ergebnis vor meinem geistigen Auge, es brauchte aber Zeit zur Umsetzung, Zeit, die wir kaum hatten.

Ich erzähle die Geschichte diesmal chronologisch, weil es auch dramaturgisch wichtig ist – für heute jedenfalls war die Lösung gefunden, ich war zufrieden, wir konnten den Tag gemütlich ausklingen lassen.

Der nächste Tag begann mit einem Highlight. Während des Frühstücks war geplant, einen Videocall mit der Familie des Sohnes von Sibylle zu machen. Wichtig hierbei, Enkel Otto erklärt die Welt…

„Weißt Du Oma…“

Ich muss erkennen, das sind wichtige Glücksmomente. Für mich, aber noch wichtiger für meine Frau. Wer sie etwas kennt, findet die Bestätigung für diese These in ihrem Blick…

Kontakt zur Familie

Ich muss erkennen und akzeptieren, dass unsere Planänderung und die Entscheidung die „große Reise“ zu kappen, zum heutigen Zeitpunkt alternativlos war. Haben wir das schon offiziell erklärt?

Wir werden keine große Blauwasserreise antreten. Die Nähe zur Familie, die schnelle Erreichbarkeit, sind Sibylle zu wichtig. Ich kann das akzeptieren, sind die Alternativen doch auch nicht von schlechten Eltern. Offen gesagt, es wäre mir aber lieber gewesen, wenn wir das früher erkannt hätten – ich hätte manche Entscheidung bezüglich des Refits anders getroffen. Auch haben wir jetzt keinen rechten Plan mehr – ich vertrete aber die Meinung, dass es gut wäre, wenn eine grobe Richtung vorgegeben wäre…

Kurz, wir verwenden gerade viel Hirnschmalz dafür, zu definieren wie unser Leben die nächsten paar Jahre verlaufen soll und ob wir Segler bleiben – Grundsatzentscheidungen also! Vorerst ist Leros als Heimathafen für NESSAJA gesetzt, ich will hier nicht weg, solange wir keine Strategie für unser weiteres Handeln haben.

Ich zerstreue meine Gedanken – auf Johannes´ ALEXIA rührt sich was! Hans-Peter ist auf der Beneteau des Münchners zu Besuch und es wird gefachsimpelt, ich mische mich mal sicherheitshalber nicht ein.

Ein gemeinsames Hobby verbindet

Ich habe mir für diesen Tag selber ein bisschen was vorgenommen – ich fahre zum Segelmacher um Werners Genua endlich abzuholen. Sie liegt seit letztem Jahr dort und ich wurde von März an wochenweise vertröstet – heute sollte es soweit sein – SOLLTE…

Reparatur notwendig

DAS ist exakt das was die Griechen nie umsetzen – natürlich bringen wir das Segel im Herbst, damit solche Schäden rechtzeitig festgestellt und ohne Zeitdruck repariert werden können. Das ist aber deutsches Denken, ich erfahre heute jedenfalls, dass ALENAs Vorsegel kaputt ist – man könne es aber reparieren – avrio! Ok, zähneknirschend stimme ich zu und nehme, um nicht umsonst gefahren zu sein, noch zwei Kederleisten für meine neue Sprayhood mit.

Das soll mein Tagwerk für heute werden, ich baue die Kederleiste an…

Allerlei Werkzeug, darunter das Lieblingstool, muss gerichtet werden
Die Leiste soll an der Scheibenkante angenietet werden
Zuschnitt und Biegung / Anpassung in der Pantry
Feinschnitt und Details im Cockpit
Das Ergebnis wird ganz gut
Electra leistet mir Gesellschaft

Mein Wunsch nach der neuen Sprayhood hat etwas für Unbill gesorgt – eigentlich war geplant, dass ich am 01. oder 02. Mai an den Stadtkai fahre und Valantis dort Maß nehmen könnte. Wir haben im Laufe des April extra unser TEPAI, die Bootssteuer, ab Mai bezahlt.

Als ich zur Detailabstimmung bei Valantis war und dabei erwähnte, dass ich Kederleisten anbringen werde, hat er sich geweigert, Maß zu nehmen, ohne dass die Leisten angebracht wären. Das verstehe ich bis heute nicht – mir ist klar, dass es einfacher scheint, wenn alle Gegebenheiten bekannt sind – aber er hat soviel Erfahrung, dass er durchaus in der Lage wäre, mit der Arbeit zu beginnen und das Maß der Leisten später nachzufordern.

Leider brachte er diese Flexibilität diesmal nicht mit, vielleicht hatte er einfach einen schlechten Tag – wie auch immer, er gab mir vor, dass er ohne die montierten Leisten nicht vermessen wird. Ich hatte aber noch andere, mir wichtigere Arbeiten auf der Liste – der Termin platzte in diesem Augenblick, ich zog enttäuscht von dannen!

Wann wir es jetzt vermessen lassen? Sibylle fragt fast täglich, aber ich wusste es nicht – die Leisten müssen ja erst ran! Heute hatte ich Zeit, jetzt ist der Job erledigt, man wird sehen…

Es sollte anders ausgehen als geplant, dazu später mehr!

Mein Tagwerk war auf jeden Fall geschafft, es war Zeit für´s Abendessen. Heute war Hans-Peter bei uns eingeladen, Sibylle hat etwas Feines gezaubert – „Chicken in Metaxa Soße“, da läuft einem doch das Wasser im Munde zusammen!

Kali Orexi – Καλή όρεξη

Am nächsten Morgen erhalte ich eine Message von Sotiris, dem Segelmacher. Er hätte rangeklotzt und ALENAs Genua in einer raschen Aktion instandgesetzt. Ich könne sie abholen…

Das lass´ ich mir nicht zweimal sagen und tuckere sofort in die Werkstatt des Tuchmachers.

Sebastian, unser früherer Matrose

Dort treffe ich auf Sebastian, unseren früheren Marinero, welcher sich mit einer Art „Boat Service“ selbstständig gemacht hat und jetzt ab und an mit der Segelwerkstatt zusammen arbeitet – großes Hallo!

Ich übernehme das Segel für meinen Freund Werner und bringe es auf ALENA – ein Punkt welchen ich nun aus dem Kopf habe.

Gut verpackt – die Genua der Hallberg-Rassy

Ich habe einen Teil der Reparaturkosten aus unserer Haushaltskasse verauslagt – da hatte ich die Rechnung ohne meine Frau gemacht. Sibylle ist eine sehr strenge Finanzbeauftragte und hat mich zur Erstellung eines Schuldscheines verpflichtet – ich hatte keine Wahl…

Inzwischen beglichen

Während ich also das verpflichtende Dokument unterzeichne, nehme ich lauten Tumult vom Steg wahr. Was war passiert? Ich eile nach draußen…

Die „Red Lady“ legt ab

Ach so, nur Patricia die ablegt! Na dann…

Wenn Patricia ablegt, gibt es immer ein bisschen Tohuwabohu rundum. Das liegt daran, dass die ältere Dame einhand unterwegs ist, aber nicht mehr alle Systeme vollumfänglich im Griff hat. So passiert es regelmäßig, dass sie in den Muringleinen hängen bleibt – so auch diesmal.

Minuten später war das Malheur aufgelöst und CALA LUNA verließ den Hafen. Auf bald!

Ich besann mich des kurz zuvor unterschriebenen Schuldscheines und beschloss, etwas zu tun, was mir helfen würde meine Schuld zu begleichen. So ging ich auf die LE CLAPOTIS von Cees und Marijke um dort die „Kraanen“ einzubauen! Die WAAAS???

Die Kraanen – die Wasserhähne! Cees hatte zwei der China-Billighähne hier in Leros verbauen lassen, welche nach zwei Jahren wieder undicht waren. Wir haben uns von HP zwei Grohe aus Deutschland mitbringen lassen, welche ich heute zu verbauen gedenke.

Platz ist in der kleinsten Lücke
Erst Bad, dann Küche

Bei solchen Aktionen, man kennt das aus dem Haushalt, ist das Problem weniger die technische Herausforderung als vielmehr die schlechte Zugänglichkeit. Das war hier nicht anders. Aber durch die sehr ausgeklügelte Befestigungstechnologie der Qualitätswasserhähne war auch das rasch gemeistert – das Abendessen war also verdient!

Und das wurde heute durch einen Aperitiv auf Thilos HOME OFFICE eingeleitet.

Bavaria 55 – HOME OFFICE

Thilo wollte uns für einige kleine Unterstützungen danken und hat für heute, nach dem Aperitiv, zum Dinner geladen. Es sollte ins „Pirofani“ gehen…

Sollte???

Ja, denn auf dem Weg haben uns umentschieden und sind kurzerhand in die neue Pizzeria im „Castelo Hotel“ gegangen – Neues wagen!

Der Rest – für die Tonne…
…wo er hingehört

Ein Fehler, wie sich herausstellen sollte! Wir haben noch nie so schlecht gegessen (nicht auf Leros beschränkt). Das war wirklich ein Reinfall – und kein günstiger – das sei hier ausdrücklich erwähnt.

Witzig war allerdings, wie der Chef die Reste der Pizza einpacken wollte und mein Stück mit den Fingern vom Teller nahm um es in den Karton zu legen – in der Sekunde des Herüberhebens, einer Art „Denksekunde“ fiel dem Meister seines Faches auf, dass man das „eben nicht tut“ – er schaute scheinheilig in die Luft und legte es auf meinen Teller zurück (natürlich um es dann in der Küche rüberzuheben). Dilettanten!!!

Wie ging es mit der Kühltruhe weiter? Nun, das war als Projekt des nächsten Tages gesetzt.

Ich fuhr also zu Andreas Kritikos in dessen örtlichen „OBI“ um dort die Befestigungsteile zu kaufen.

Von der Idee zur Umsetzung

Die Box sollte bodenfest verspannt werden, dazu musste neben der Ersatzteilbeschaffung für leere und saubere Bilgen gesorgt werden. So kamen die Bretter raus, alles wurde gereinigt, die Befestigungslöcher und die für die Kabeldurchführung wurden gebohrt.

Wieder wird alles zerlegt

Während ich so vor mich hinwurschtle, erreicht mich eine WhatsApp Nachricht – Katerina von „Boat & Parts“ meldet sich und teilt mit, dass meine im April bestellten Signalmittel eingetroffen sind.

Bestellung – ich hoffte eindeutig

Ich eile also zu dem von mir favorisierten Laden um die neuen Seenotrettungsmittel abzuholen und meine alten, lang abgelaufenen, damit zu ersetzen.

Finde den Fehler

Hm, ich dachte, dass die Verwirrung um die Handfackeln die größte Herausforderung war. So aber waren statt der vier bestellten Fallschirmraketen nur zwei geliefert. Mir egal – ich blieb griechisch gelassen und bestellte zwei nach. Zusätzlich ein drittes Rauchfass, da die neuen etwas kleiner sind und ein weiteres Platz in meinem Koffer findet – hat ja keine Eile, sigasiga…

Zurück zum Tagesgeschäft, dem Einbau der Kühlbox!

Erste Anschraubversuche
Passt! Vier dieser Spanner halten die Truhe bombenfest

Bis zum frühen Abend war das Tagwerk erledigt. Vier Spanner halten die Kühlbox fest, die Kabel konnten unsichtbar verlegt werden und müssen nur noch angeschlossen werden – das aber ist eine Aufgaben für morgen, oder übermorgen. Ebenso wie das Polster 😉

Heute bleibt die Küche kalt, Sibylle bereitet mal wieder einen Salat und etwas Brotzeit, lecker!

Salat (frisch vom Gemüsemann), Käse vom Bauern, Brot und Tzaziki selbstgemacht

Electra sollte auch nicht leben wie ein Hund und wir haben ihr ein Leckerli angeboten – unsere List, sie einmal über unsere Schwelle zu locken, hat sie freilich durchschaut und so hat sie das Leckerli erstmal nur betrachtet…

So nah und doch so fern

…bis ich mich erbarmt habe und ihr den leckeren Happen quasi „in den Mund gelegt“ habe. So geht´s natürlich auch.

Der nächste Tag war ein besonderer Tag – es gab etwas zu feiern. Sibylle und ich hatten Hochzeitstag und beschlossen, an diesem Tag nichts Aufwändiges tun zu wollen.

So frühstückten wir genüßlich, hatten ein bisschen Steggequatsche mit den Nachbarn und fuhren dann zur Eisdiele – dort bediente uns eine neue Eisfachfrau…

Was ist DAS???

DAS sind zwei Kugeln Eis! Aber es ist auch eine Menge Luft – überall dort wo Luft ist, würde auch Eis hinpassen. Ich war enttäuscht!

Süder – die klassische Kugel, zum Kügelchen degradiert

Ich vermute, die durchaus nette Dame an der Eistheke hat meine Fassungslosigkeit erkannt. Beim nächsten Einkauf hat die Füllmenge in meinem Becherchen jedenfalls wieder mit meiner Erwartungshaltung korreliert.

Davon ließen wir uns aber den Jubeltag nicht versauen. Wir sind zurück zur Marina, denn Johannes´ ALEXIA würde gekrant werden. Wir wollten dem Spektakel beiwohnen.

Stolz der Kapitän

Als wir rüberkamen, schwamm das Schiff des Freundes schon, aber es sprang nicht an. Kurze Aufregung in der Krangasse, denn die Folgetermine verspäteten sich. Doch bald schon gab es Entwarnung und die Oceanis 40 wurde an den, fast schon berühmten, Ponton D verlegt.

Aufgehalten wurden, als nächstes zu kranendes Boot, auch unsere Freunde Funda und Burim. Die blieben jedoch entspannt und nutzten die Zeit für einen Schwatz mit uns.

Die Damen – im Gespräch vertieft

Dreimal dürft ihr raten wohin uns unsere Reservierung für das Hochzeitstag-Dinner geführt hat – und ich bin sicher, treue Blogleser brauchen keine drei Versuche!

Naja, eigentlich habe ich es ja selber schon verraten…

Am „Mylos“ führt kein Weg vorbei
Alleine das Ambiente

Kann man Vorfreude fotografieren? ich denke ja – schaut Euch dieses Bild an!

Der Pulli ist nicht stilsicher

Wir haben uns leckere Dinge bestellt, vor allem wieder die Vorspeisen, für die roher Fisch verarbeitet wird und zwei verschiedene Salate. Alles für sich schon ein Gedicht, zusammen eine Geschacksexplosion! Hier ein paar Eindrücke…

Sea-Weed Salad – Salat aus Seetang
Schwertfisch Carpaccio
Thunfisch Sashimi
Raw Amberjack – Rohe Filets der Bernsteinmakrele
Shrimp Tartar
Ceviche
Tuna Lasagne
Tiramisu

Wenn jemand Fisch oder gar Sushi mag, kommt er hier voll auf seine Kosten. Der Koch ist ein Meister seines Faches. Zugegeben, die Preise sind gehoben und selbstbewusst kalkuliert – hier geht man nicht jeden Tag her. Aber um einen Anlass zu würdigen ist es eine besondere Adresse!

Man lebt Lebensmittel – auf ganz besondere Art und Weise…

Der Spezialkühlschrank für die großen Fische
Die Abteilung für die kleineren Exemplare

Ein würdiger Ausklang für den Hochzeitstag!

Um zu verhindern, dass sich der Müßiggang einschleicht, packe ich am nächsten Tag die Fertigstellung der Kühltruhe an. Der elektrische Anschluss muss gelegt werden.

Noch einmal Kabel ziehen

Ich kaufe ein letztes mal Kabel, öffne die Bodenbretter und ziehe die Leitungen ein. Die Box bekommt eine eigene Steckdose in der Vorschiffskabine und die 12V Versorgung wird an das Schaltpanel gelegt – dort wurde der Schalter „Fridge“ ja frei, jetzt ist alles wieder top! Und FERTIG!

Auf der anderen Seite bahnt sich Ärger an. Das wussten wir aber noch nicht.

Wir brauchen für die Kühlbox ein Sitzkissen, original Stoff haben wir. Weil wir wissen, dass Valantis auf sogenannte „Patron“ steht – also Schablonen – fertigen wir eine aus Pappkarton obwohl ein rechteckiges Polster bei bekannten Maßen kein Problem darstellen sollte.

Stoff und Schablone

Sibylle bringt die Sachen zu Valantis, ich wollte nicht hin, ich bin noch ein bisschen beleidigt, weil er meinen Messtermin für die Sprayhood versemmelt hat – dieser ist ohnehin noch offen.

Meine Frau kehrt zurück und erklärt, wir können das Polster in zwei Tagen abholen. Das passt, in drei Tagen brauchen wir es…

Derartig entspannt empfangen wir unsere Gäste, denn am heutigen Abend waren wir Gastgeber für die illustere Truppe unserer Mairunde. Es sollte das letzte Treffen in dieser Zusammensetzung sein – die Freunde würden bald beginnen die Leinen loszuwerfen.

Die Crews der NESSAJA, AEGEAN BLUE, HARMONY und der LE CLAPOTIS

Der Apero war ein guter Startschuss für den weiteren Verlauf des Abends. Dieser wurde mit der Crew der HARMONY bei unserem Freund „Dimitris o´ Karaflas“, dem Glatzkopf, verbracht.

Es war unser erster Besuch in unserer ehemalig unangefochtenen Lieblingstaverne. Wir haben uns Zeit gelassen, weil es einfach für die Jahreszeit noch recht frisch war. Dimitris punktet mit seiner Terrasse, dafür ist es aber noch zu kalt.

Heute freuen wir uns auf den Besuch…

Vromolithos – von Dimitris Balkon
Liebe für´s Detail – wieder ein neues Motiv, ein Wimmelbild auf griechisch

Der Freund mühte sich wie immer, es gab neue ausgefeilte Gerichte und es schmeckte vorzüglich. Mit Gottfried und Gabi sind die Abende ohnehin immer sehr kurzweilig – Fazit – ein herrlicher Abend mit guten Gesprächen!

Octopus-Salat beim Glatzkopf

Der neue Tag begann, ich schalte das Mobiltelefon ein und es klingelt mehrfach. Die Seglerszene sendet Nachrichten aus welche betrüben – es sind die Informationen zum Tod von Wilfried Erdmann. Der wohl berühmteste deutsche Segler verstarb an diesem Tag und hinterlässt eine Lücke. Ich habe als junger Erwachsener seine Bücher verschlungen!

Gehört zum Leben – lässt einen aber traurig zurück

Wir frühstücken, fahren nach Panteli und gönnen uns bei Isidoros Karpathakis, in dessen Eissalon „Gelato“, eine Kugel köstliches „Salted Caramel“ mit einer Kugel „Strawberry Sorbet“ on top…

Salted Caramel & ein Fruchtsorbet – eine geile Kombi

Wir gehen mit unserem Eis an die Mole, setzen uns und genießen den Tag. Wir lassen die Füße ins Wasser baumeln und den Blick über die schöne Bucht schweifen.

Zu dieser Zeit noch wenig los
Meine Zehen ditschen das noch frische Wasser
Ein schöner Flecken Erde

Baden war nicht geplant, aber ich nehme meine Badehose immer mit wenn ich nach Panteli fahre – auch wenn zur Fahrt noch ein Pulli nötig war. So baumelte das begehrte Kleidungsstück am Lenker und der Ruf des Meeres war für mich immer lauter vernehmbar.

Mitte Mai, noch nicht viel los

Tatsächlich war der Mai, ich habe das schon erwähnt, ein wettertechnisch schleppender Monat. Es war frisch, oft bewölkt, das Wasser noch kalt. Ab und an gab es Schauer.

Aber wir hatten auch Wetterinformationen aus Deutschland und wussten somit – kein Grund zum Klagen!

Vor diesem Hintergrund schlupfte ich in die Badebuxe und stürzte mich in die erfrischenden Fluten!

Brrr, aber gut für den Kreislauf!

An diesem Tag kam Gottfried noch auf einen Techniktalk zu uns an Bord. Ich hatte noch das Thema „Lichtmaschine“ offen. Da musste nochmals durchgemessen und angepasst werden – heute wollten wir besprechen wie und wann wir das angehen könnten. Gottfried war mir in diesen Fragestellungen eine große Hilfe.

So saßen wir bei einem Döschen Bier, vielleicht waren es auch zwei, zum Brainstorming auf NESSAJA.

Dieses Lämpchen geht, dieses nicht – warum nur???

Zu dieser Zeit hatten wir eidgenössische Nachbarn. Die umtriebige und supersportliche Crew der ALADIN lag neben uns und teilte mit, dass es morgen sehr früh losgehen soll. Ok, was heißt früh?

„Ja so gegen 0600 Uhr“ höre ich Cornelia sagen…

Warum betrifft mich das? Nun, mein Dinghy hängt vorne am Bug und KÖNNTE im Weg sein. Der Anstand und der ureigene Wunsch, das Dinghy möge heil bleiben, verlangt also von mir es kurzzeitig wegzubinden – ich stelle mir also den Wecker…

Der frühe Vogel kann mich mal
Die ALADIN läuft aus – mit großem Abstand zum Dinghy, die können´s halt

NATÜRLICH war meine Anwesenheit nicht nötig – aber egal, es war ein Signal und ich konnte mir der Unversehrtheit meines Schnullis sicher sein.

Irgendwie war die Luft ein wenig raus. Ich hatte zwar noch ein paar Punkte auf meiner Liste, aber auch noch Zeit bevor wir Ende Mai auslaufen MUSSTEN – alles vorher war Freestyle und davon abhängig wann Valantis meine Sprayhood vermessen wollte.

Sibylle wollte heute das neue Polster abholen, das trifft sich gut. Sie kehrt zurück, ohne Polster – als sie mir erklärt, dass Valantis „noch nicht angefangen habe, das Polster aber vielleicht übermorgen fertig macht“, ist mir die Hutschnur geplatzt – das war der Tropfen, der das Faß zum Überlaufen bringt.

Sibylle will mich beruhigen und beschließt die Sache zu akzeptieren, sie fängt an ein Brot zu backen. In mir grummelt es – mir reicht´s, ich LAUFE zu Valantis und hole meinen Stoff und meinen Patron. Wortlos gehe ich. Ich glaube, er hat gemerkt, dass ihm in dieser Sekunde auch der Auftrag für meine Sprayhood aus den Händen gleitet.

Ich setze mich in meinen Schmollwinkel und überlege, wie ich das jetzt gebacken kriege. Sprayhood und Polster müssen neu vergeben werden, die Wahl fällt ohne lange zu überlegen auf Sotiris Sifounios, den Segelmacher.

Sibylle reißt mich aus meinen Tagträumen und meinem Groll…

Ok, bringt mich auf andere Gedanken

Sotiris ist der Platzhirsch, der mit dem größeren Laden, mit mehreren Leuten, mit besseren Möglichkeiten. Ich wollte immer, dass Valantis auch einen Teil vom Kuchen bekommt, er ist flexibler und günstiger.

Wenn er jedoch seine Flexibilität verliert, dann schwinden seine Vorteile – ich fahre zu Sotiris und trage das Problem vor. „Ok, the cushing I make until end of this week, for the Sprayhood I can come on your boat on 26th. Be in the bay, leave Marina!“

Klare Ansage, ich muss zwar erneut warten, ein paar Dinge auch umplanen, aber ich vertraue seiner Termintreue – zumindest was den Kalendertag betrifft! Neues Ziel – wir verlassen die Marina am 26.05.2023, nach mehr als einem Jahr auf Liegeplatz D1!

Ich brauche Zeitvertreib und widme mich Hans-Peters Filterwechsel. Es ist immer schön, wenn man was zu basteln hat, selbst aber nicht die Verantwortung trägt…

Alles war gut vorbereitet – der Job rasch erledigt

Irgendwie drohte sich der Müßiggang einzuschleichen, Gitti würde bald zu Besuch kommen, die To-Do Liste war erfreulich kurz und die Aufgaben die zu erledigen waren, sind eher in die Kategorie „mittlere Herausforderung“ einzustufen – kurz – der Druck fehlte.

Zudem kletterten endlich die Temperaturen…

Über 30°C – leider blieb das nicht so

Bei über 30°C denkt man eben einfach eher ans Baden im Meer als an die Verkabelung der Lichtmaschine…

Wer genau hinschaut sieht, dass nicht nur draußen die magische Grenze überschritten war, sondern auch in unserem Schlafgemach. Hier messen wir 33,4°C, sehr zur Freude der Hausherrin, die sich die Temperaturbekämpfung sogleich auf die Fahne schreibt – der Ventilator findet seinen Weg zurück an die Bettkante.

Temperaturen von 30°C +, des einen Freud, des anderen Leid

Bei uns in der Marina lebt ein Engländer der zum Inventar gehört. Er hat eine alte Nauticat 33 vollumfänglich selbst restauriert und beschlossen, diese auch noch komplett zu lackieren – kurzerhand, einfach so!

„I love the Aquamarin, nice color“ – höre ich ihn sagen und er schritt ans Werk…

Der erste Anstrich ist drauf – das finale Ergebnis ist famos

Während also andere temperierte Zelte mit Absauganlagen bauen und tausende Euros ausgeben – lackiert ein schrulliger Engländer der eine Ähnlichkeit mit „Catweazle“ aufweist, sein Schiff mitten auf unserem Yard. Das Ergebnis immerhin so, dass ich es für NESSAJA sofort akzeptieren würde – die Farbe? Einmalig!!!

Abends gibt´s mal wieder eine Pizza aus dem „La Nostra“, gegessen wird aber an Bord – wir halten den Ball noch flach, weil wir vermuten, dass zusammen mit unserem Besuch verschiedene Tavernenbesuche anstehen.

Lecker wie immer – all time Leibspeise

Der neue Tag beginnt so warm wie der alte – alle ächzen ein wenig unter den Temperaturen, weil es eben nicht nur mediterran warm war, es war fast etwas schwül.

Gerade die pelzigen Freunde in unserem Umfeld hatten mit der Wärme zu tun…

…und auch der Hund spürte die Hitze natürlich auch! 😉 Spaß beiseite, es waren ein paar Tage, an denen man froh war Schatten zu finden. Ich verdrängte zu dieser Zeit ganz gut, dass ich zwei Arbeitstage im Motorraum vor mir haben würde.

Wir verbummelten auch einen zweiten Tag ohne schlechtem Gewissen, wir bekommen schließlich Besuch – heute! Wir sind gut vorbereitet, das Schiff ist aufgeräumt, Gitti kann kommen.

Wir erwarten die Ankunft eigentlich für den heutigen Mittag, aber leider verpasst die Freundin die Fähre sehr knapp. Alternativ bleibt die Nachtfähre – und uns die Entschiedung was und wo wir Abendessen wollen – wir hatten eigentlich damit gerechnet, mit Gitti zusammen in Panteli zu dinnieren.

Wir entscheiden – erstmal ein Eis am Strand und dann nachdenken…

Salted Caramel – habe ich das schön erwähnt???

In diesem Umfeld ist es leicht geniale Ideen zu kreieren – es schießt uns in den Kopf wie ein Geistesblitz – heute ist Burgertag, wir gehen mal wieder ins „Persiana“…

Top Burger – für günstig Geld

Irgendwie kommt der Grill bei uns zu kurz. Es ist eigentlich eine gute Adresse für ein kurzes Essen und eine gute Alternative zu Giros & Co. Der große Burger für rund 8.-€ und dazu ein lokales Bier für 4.-€, das ist ok und den Preis wert.

Und eine Prise Heimatgefühl gibt es gratis dazu…

Wir sitzen also in der kleinen Kneipe bis es nach 22.00 Uhr ist, dann fahren wir langsam zum in Sichtweite liegenden Hafen um Freundin Gitti dort abzuholden.

Gitti ist eine Freundin von Sibylle, sie waren Arbeitskolleginnen und teilen die Freude an der Fortbewegung zu Fuß. Es liegt also auf der Hand, gemeinsame Stunden am Strand und in diversen Tavernen, ansonsten erkunden die Damen Leros per pedes, ich dagegen werde Zeit finden die Aufgaben an NESSAJA zu finalisieren – soweit der Plan!

Die Fähre kommt…

Nur noch ein paar Minuten…
…bevor die Freundin aus der Heimat eintrifft

Sofort fahren wir zum Hotel und Gitti checkt ein, wir haben das „Panteli Beach Hotel“ empfohlen, welches seinem Ruf auch gerecht wird. Gittis Zimmer ist wirklich schön, das Personal rundum nett – ich nehme es vorweg, unsere Freundin wird nach einer Woche sehr zufrieden wieder nach Hause fliegen. Aber jetzt ist sie ja erstmal angekommen…

Man hat schon gewartet – wir hatten aber über die Verspätung informiert
Oh mein Gott – hoffentlich kein Omen
Blick vom Balkon in den schönen Hof der Anlage – das Meer ist 30m entfernt

Wir trinken noch einen Absacker am Beach, bevor wir uns eine gute Nacht wünschen und uns in die Betten hauen. Es war ein langer Tag.

Für den nächsten Tag habe ich versprochen, Hans-Peter beim Ölwechsel zu helfen. Eine Information, welche eigentlich nur eine Randnotiz ist – wenn da nicht die Geschichte mit dem Gürtel passiert wäre…

Hans-Peter hat keinen Ölfilterschlüssel, oder zumindest fand er ihn nicht. Ich besinne mich meiner Mechanikerfähigkeiten und rufe ihm zu – „…brauchst nicht suchen, ich mach´ das Ding mit meinem Gürtel auf!“

Ihr ahnt was kommt – angesetzt, zugezogen, Zange als Hebel, kraaaack – ab! Mein Gürtel war hin! Mein EINZIGER Gürtel war hin!

Was tun sprach Zeus. Ich beichte Sibylle die Zerstörung – und bekomme Schimpfe. Ich „solle gefälligst in den Chinaladen gehen und einen neuen kaufen“ war ihr Befehl. Diesen verweigere ich, was mir noch mehr Schimpfe einbringt.

Trotz ihres Zorns will mein Weib mir einen Gefallen tun und kauft mit Gitti bei einem Einkaufsbummel einen neuen Gürtel für mich – in Schlangenoptik und 5cm zu kurz. Den muss ich Gott sei Dank nicht verweigern. Aber nun stehe ich alleine da…

Ich will einen Gürtel meines bevorzugten Herrenausstatters und bestelle das begehrte Objekt auf der „engelbert & strauss“ Webseite – bringen wird ihn mir unsere Freundin Katharina bei ihrem Besuch Ende Mai – aber was bis dahin?

Ich überlege und reibe mir die Nase wie einst Wickie – „ich hab´s!“

Gute Farbkombi, Schnellverschluss, elastisch

Ein letztes mal hole ich mir einen Anschiss meiner Frau ab – „…ich soll bloß immer ein T-Shirt drüberziehen…“ – sie schüttelt den Kopf, verstummt und zieht von dannen.

Dennoch darf ich mit an den Strand! Wir beobachten Segler beim Ankern vor Panteli…

Alles frei – und doch stossen sie beinahe zusammen

Ich wundere mich – in einer absolut freien Ankerbucht kommen drei Segler gleichzeitig an. Der eine mit extra hohem Tempo um auch wirklich zeitgleich einzutreffen. Als wäre es verabredet gewesen, kreisen sie dann um einen Punkt und müssen acht geben, nicht zusammenzustoßen. Verrückt – aber genau die sind es, die mir Angst machen. Der Mensch ist eben ein Herdentier!

Obwohl „Gürtelgate“ noch existent ist, darf ich mit zur Eisdiele – wir genießen die Stunden mit unserem Besuch und zeigen ein bisschen was von „unserer Insel“.

Ja, ich bring euch ein Eis mit

Während wir unser Eis schlotzen, erreicht mich eine Nachricht von Marcus aus Lipsi. Ein Bild und ein kurzer Kommentar – „Ich kenne den Typ“

Potztausend – das bin ja ich!

Marcus hat in Facebook ein Bild gefunden, dass einen Motorradfahrer in einem Rückspiegel zeigt – unverkennbar – das bin ich!

Ich suche den Beitrag in Facebook, dieser hat inzwischen hunderte Likes und etliche Kommentare. Ich speichere das Bild, gebe einen Kommentar ab in dem ich mich zu erkennen gebe und mich bedanke. Ich habe selbst schon solche Bilder gemacht, war aber, aus verständlichen Gründen, nie das Motiv. Mich hat der Schnappschuss gefreut!

Für das erste Abendessen mit Gitti fällt die Wahl auf das „Pirofani“ in Panteli, nur einen Steinwurf von ihrem Hotel entfernt und direkt am Wasser gelegen.

Neu renoviert, innen wie außen sehr geschmackvoll mit bestem Service
Wir bestellen frischen griechischen Salat…
…verschiedene Meze, wie etwa gegrillten Haloumi
Ziegenkäse in Kadaifi
Crab-Rolls an Mango Mousse
Grilled Mushrooms
Frittierte Sardellen – Gavros
…und als Hauptgericht für mich ein „Mediterranian Tuna“

Wir haben vorzüglich gegessen und können das „Pirofani“ im Moment als das empfehlenswerteste Lokal in Panteli nennen. Es scheint, als habe sich die Küche stabilisiert, sie ist zudem etwas pfiffiger geworden. Der Service war schon immer sehr gut, die Renovierung hat dem Lokal sehr gut getan!

Der nächste Morgen beginnt für mich auf der ENYA. Zwei schweizer Freunde wollen das Schiff nach Kalamata bringen. Die Abreise steht bevor und es muss noch etwas an der Kühlwasserpumpe und an der Ankerwinsch repariert werden – ich helfe…

Da höre ich ein Knattern. Gitti wollte sich einen Roller ausleihen und vorbeikommen. Sie sucht uns in der Marina und findet NESSAJA zwei Stege weiter nicht – ich kann ihr den Weg zeigen…

Ab jetzt mobil und unabhängig

Bing – mein Telefon klingelt – mein Sohn schickt eine Nachricht! Potzblitz, was mag da sein, es wird doch nix passiert sein???

Vatertag – wie nett!

Nein! Der Bub gratuliert seinem alten Herrn zum Vatertag! Das freut mich! Ich hege zwar den Verdacht, dass Amelie da erinnern musste, aber das macht nix, hier heiligt der Zweck die Mittel. Ich habe lang nicht mehr an den Vatertag gedacht, geschweige denn, ihn gefeiert – aber heute ist es wohl ein Grund, einen Ouzo extra zu trinken.

Doch vorher ruft die Pflicht – nachdem die Wasserpumpe auf der ENYA wieder lief, setzte ich mich sofort an meine Lichtmaschine, prüfte mit Gottfried stundenlang verschiedene Kabel und Anschlüsse durch und fing dann, nachdem der Freund sich verabschiedet hatte, mit dem Umklemmen an – und siehe da…

Yeah, jetzt tut sich was!

Nachdem ich zunächst alles so geklemmt hatte wie es vorher, beim alten Setup, war, habe ich nun ein paar Anschlüsse anders belegt und erziele sofort Erfolg – irgendwie schaltet der ArgoFET doch anders als es die alten Trenndioden taten.

Jetzt funktionieren meine Kontrollleuchten, mein Drehzahlmesser, am ArgoFET liegt Spannung an und die Lichtmaschine lädt – und zwar nicht schlecht! Ich bin zufrieden!

In diesem Moment klingelt mein Telefon. Es ist später Nachmittag, die Damen haben wandernd den Panteli Strand erreicht – ob ich schon fertig wäre und Zeit hätte rüber zu kommen. JA, ich bin fertig und habe Zeit – ich besinne mich des Vatertags und starte das „Daddy Wellnessprogramm“!

Zuerst ein Eis – dreimal dürft ihr die Sorte raten…
…dann eine Kaltschale vor passendem Panorama

Weil es so aussieht, als wäre es ein Tag an dem alles klappt, holen Sibylle und ich auch noch unser Sitzkissen für die Kühltruhe ab. Die Idee war, es mit kräftigen Klettpads and den Deckel zu fixieren – das setze ich gleich um…

Die Kühlbox wird zum Sitzbänkchen – Projekt fertig! Ich bin zufrieden, sieht gut aus

Haha, was ein Tag – soviel gemacht, auch Raum für Genussmomente – und immer noch war etwas Zeit übrig. Ich gehe nochmals zur ENYA um die Reparatur der Ankerwinde weiter zu unterstützen.

Schauglas ist undicht – das Öl muss raus

Wir finden den Fehler, können mangels Ersatzteil und Zeitdruck aber nicht final und professionell reparieren. Zusammen bekommen wir aber eine sehr gute Notreparatur hin. Als am nächsten Tag immer noch alles dicht ist, verlässt die ENYA die Leros Marina Evros. Vielleicht sieht man sich ja mal wieder.

Ein Tag an dem alles klappt – hat man selten! Den lass´ ich mir auch nicht durch den neuen Parktrottel versauen, der an unserem Steg verweilt – die Nationalität dürft ihr raten 😉

Note im Fach „Parken“ – mangelhaft

Warum nervt mich das überhaupt? Ihr müsst wissen – hinter den roten Radln und vor den gelben Tonnen ist alles frei. Etwa auf Höhe des Rollers ist der Abgang, die Brücke zum Steg. Es geht im Kern darum sich 3m Weg zu ersparen.

Dafür werden aber zwei Radl so eingeparkt, dass diese, bei Bedarf, den Roller wegschieben müssen. Das ist egoistisch und asozial. Wenn man dann noch weiß, dass die Auf- und Absteigseite die geneigte Seite ist und man den Fahrer einmal dabei beobachten konnte, dann weiß man – es ist dazu auch noch dumm.

Zur Entschuldigung des Amici sei gesagt, dass er wohl meist Vaporetto fährt und man in seiner Heimatstadt parken nicht so üben kann – es sein denn, man ist Gondoliere.

Der neue Tag bricht an und Sibylle greift noch vor dem Frühstück zum Handtelefon – das sei ihr nachzusehen, es ist ein besonderer Tag!

Gell, da schaust

Happy Birthday Hasi! Ich hoffe, Du hast einen schönen Tag. Es wurde mir ausdrücklich verboten, dass ich den „Birthday Song“ von Power Pack spiele – ob ich mich daran halten werde weiß ich noch nicht, für den Moment befolge ich die Anordnung.

Im ersten Moment sieht es aus, als sammeln sich die Menschen am Steg um Sibylle zu huldigen – immer mehr der Nachbarn kommen zusammen!

Am Anfang nur ein paar…
…was war los???

Ein Ereignis überschattete den Ehrentag meiner Gattin – die Verabschiedung von Johannes. Der witzige Münchner hatte entschieden, seine ALEXIA nach Lefkas zu verlegen. Mir wurde nie ganz klar warum eigentlich, aber sei´s drum, wir wünschen auf jeden Fall viel Glück am weiteren Weg – auch hier gilt, vielleicht kreuzen sich unsere Kurse ja einmal wieder, so wie es 2021 der Fall war.

Klar zum Ablegen…
…Leinen los
Da fährt er dahin – in Damenbegleitung

Wenige Augenblicke später, verzieht mir Gitti das Geburtstagskind – aus der bekannten Brautentführung wird auf Leros kurzerhand eine „Geburtstagskindentführung“…

Sibylle: „Kannst Du überhaupt zu zweit fahren?“
Gitti: „Ich weiß nicht, mal probieren!“

Ich bleibe zurück mit dem Gabentisch und weiterem wertvollen Gut – RUHE! Diese möchte ich genießen…

Von A wie Tee bis Z wie Körperlotion – alles dabei

…leider ist mir der Genuß dieser Ruhephase nicht beschieden. In meinem Kopf rührt sich das Teufelchen in Gestalt des schlechten Gewissens – „…ruhe nicht Du faule Seele, arbeite! Dein Schiff muss fertig werden!“

Das Engelchen antwortet entspannt und mit ruhiger Stimme in der Gestalt eines griechisch entspannten Facharbeiters – „…sigasiga! Haste nicht Du deutsches schlechtes Gewissen. Morgen ist auch noch ein Tag – die Arbeiten werden morgen erledigt. AVRIO!“

Der Teufel schreit, der Engel schweigt – ich hole die Werkzeugkiste heraus. 1:0 für das schlechte Gewissen!

Der Kabelbaum vom Motor will verpackt werden

Ich wurschtle entspannt und gelangweilt vor mich hin, dennoch formt sich in meinen Händen eine recht gut gelungene Ummantelung für den Kabelbaum meines Volvo – bis mich das schrille Geläut meines Mobiltelefones aus dem Trott reißt.

Das Geburtstagskind hat wandernd die Gipfel von Leros erklommen und die Eisdiele erreicht – ob ich mich dazugesellen wolle? Natürlich, ich lass´ mich doch nicht zweimal zu „Repapis“ an die Eistheke bitten…

Geburtstagseis – trotzdem bekomme ich keine dritte Kugel

Ich schlotze mein Eis, Gitti tut mir gleich. Das Geburtstagskind hingegen ist in die Beantwortung ihrer Glückwünsche vertieft. Das da noch niemand was erfunden hat – Netzblockade an Geburtstagen, Weihnachten und nach 21.00 Uhr zum Beispiel. Auch ein Erweiterungsmodul „Abendessenszeit & Tatortzeit“ könnte ich mir vorstellen.

Wie war das eigentlich früher???

Spaß beiseite – sowohl Sibylle wie auch ich haben uns sehr über die Glückwünsche auf allen Kanälen gefreut – niemand hat uns vergessen, im Gegenteil, es haben viele Menschen an uns gedacht, welchen wir locker verbunden sind. Es zeigt, man vergisst uns nicht – trotz physischer Abwesenheit. Danke dafür!!!

Die Nachbarn waren zum Umtrunk geladen. Nicht alle wussten warum – das war lustig. Bitte um 16.00 Uhr an Bord der NESSAJA kommen.

Leider war meine Disziplin nicht so ausgeprägt wie Sibylle sich das erhofft hat…

Nanana uh yeahyeah – happy birthday

Der „Birthday Song“ schallt mit 80dB über den Steg – spätestens jetzt könnte jeder erahnen was hier auf NESSAJA abläuft. Der Nachbar aus Venedig bekommt, glaube ich, grad Gänsehaut und bangt um seine Nachtruhe. Was er nicht weiß – Rücksicht gebietet uns, dies nicht zu tun – die Stegparty endet vor dem Dinner…

Ist das Cockpit noch so klein – lade viele Freunde ein

…bis dahin, immerhin drei Stunden, muss er das Getöse aber aushalten. Wir beschallen ihn mit Hymnen aus unserer Jugend – von „Turn me loose“ bis „Final Countdown“ war alles dabei! Abgerundet mit einer Runde Stelios Rokkos – griechischer Schlager bis zum Abwinken.

Auch hier, Spaß beiseite, wir waren anständig, die Musik in Zimmerlautstärke – wir wollten uns ja unterhalten. Alles halb so wild also…

Um 19.00 Uhr ging es mit einer kleinen Runde in die Autos bzw. auf die Moppeds um sich in Alinda in Dimtris „To Steki“ zu treffen.

Thomas und Susanne im Leihwagen? Der Fiat war kaputt – ungewohntes Bild

Dorthin zu gehen war Sibylles Wunsch, sie mag das kleine Lokal und die netten Wirtsleute – und natürlich die Meze, die Dimitris und seine Frau auf den Tisch zaubern. Wir haben, wie immer in unserem favorisierten Lokal, bestens gegessen…

Nette Runde
Vorzügliche Meze

…und Sibylle wurde, zu später Stunde, noch von den Gastgebern überrascht – mit einem Geburtstagskuchen und einem letzten Ständchen von der Gesellschaft. So darf Geburtstag sein – das perfekte Maß.

Happy Birthday to you
Kalorien? Heute egal!!!
Sibylle war zufrieden, ein schöner Geburtstag

Wir fuhren nach Hause, Sibylle hatte Gelegenheit sich nochmals bei allen Gratulanten zu bedanken und sich in Ruhe die Geschenke und kleinen Gesten anzusehen. Nochmals herzlichen Dank an alle!!!

Der 19. Mai – ein gelungener Tag

Am nächsten Morgen bricht für uns ein Brückentag an. Ein persönlicher Brückentag sozusagen, nämlich der 20. Mai, welcher die Brücke zwischen Sibylles und meinem Geburtstag ist. Ich genieße an diesem Tag immer das Gefühl 8! Jahre jünger zu sein, Sibylle tritt mir dafür jährlich ans Schienbein um zu versichern „morgen ist das wieder anders!“

Ja, morgen…

Heute repariere ich – nämlich den Kabelbaum meines Motors! Um hier endlich zum Ende zu kommen. Wir erinnern uns – geplanter Termin zum Auslaufen ist der 26.05.! Noch 6 Tage – final countdown!

Kabelbaum, neu ummantelt
Alle Anschlüsse geprüft oder neu gemacht
Vor ein paar Wochen noch voll geräumt – jetzt leer! Ich verräume die letzten Teile

Am frühen Abend trage ich noch den Stuhl zum Schreiner. Ich habe mir überlegt, dass ich eine Art „Fußplatte“ möchte – in der Farbe meines Holzes, größer für die Standfestigkeit, dick wegen dem Gewicht und um Puffer daran anzubringen.

Ich beschreibe was ich will, er nimmt den Auftrag an und bittet mich in drei Tagen wieder zu kommen.

Dann fahren wir nach Lakki um mal wieder Giros im „SouVLakki“ zu essen – uns fällt auf, dass schon viele Boote unterwegs sind. Bald werden auch wir hier liegen, wir können uns das kaum vorstellen!

Der Himmel immer noch grau, aber relativ viele Ankerlieger
Wir gehen in den Lieblingsgrill – endlich mal wieder Giros

Der Abend läuft aus, wir gehen zeitig ins Bett – morgen wird vielleicht wieder ein anstrengender Tag!

Ich wache auf – mein Geburtstag, der 21. Mai 2023! Ich sinniere ein wenig – ich bin jetzt 56, lebe auf einen Segelboot in Griechenland, zum zweiten Mal verheiratet, 4 Enkel. Ich bin zufrieden, ja, auch glücklich – dennoch frage ich mich manchmal „was kommt noch?“

Um dieser Frage auszuweichen und um nicht gedankenschwer in den Geburtstag zu starten eröffne ich, viel zu spät in diesem Jahr, einen liebgewonnenen Brauch – ich starte den Tag mit einem Bad im Meer, am Lieblingsstrand in Panteli…

Noch nicht richtig sonnig – aber eine tolle Stimmung
Ich bin alleine und genieße die Ruhe
Nach dem – kurzen – Bad erstmal einen Cappuccino

Danach fahre ich zurück zu Sibylle. Sie wartet schon auf mich, gratuliert herzlich und dann fahren wir zu Marietta. Heute wollen wir hier frühstücken und haben Susanne und Thomas eingeladen. Ich mag Marietta, sie ist sogar meine Lieblingsmarietta – und sie hat irgendwie von den Geburtstagen erfahren…

Wir bekamen jeder einen Kuchen – mit blauer und rosa Kerze

…und unser Bild fand „irgendwie“ den Weg ins Internet, in dieses Instadings!

όμορφες ευχές για εμάς – ευχαριστώ πολύ

Wir genossen das Frühstück und hatten Freude an den kleinen Kuchen – eine so nette Geste.

Mein Geburtstagskuchen – noch da…
…schon weg! Die Spatzen freuen sich auch!

Ich bestelle mir zum Abschluss eine Kaffeespezialität und Alex, Mariettas Bruder, übertrifft sich förmlich – so einen Kaffee habe ich auf Leros noch nicht bekommen!

Rundet das Bild ab – ein herrlicher Start in den Ehrentag

Nachdem die Cockpitparty von Sibylle ein voller Erfolg war und mir zudem das Gesicht des Venezianers so gefallen hat, beschließe ich diesen Erfolg einfach zu wiederholen. Abermals laden wir also die Nachbarn zum Umtrunk um 16.00 Uhr, wieder kennen die meisten den Grund nicht und sind verwirrt.

Weil wir aus Erfahrung wissen, was die trinken können, starten wir unsere neue Tiefkühltruhe – unseren Joker! Wir setzen Rinaldos Beschwerde bezüglich der Weißweintemperatur vom Vortag und seiner Forderung nach FÜNF Eiswürfeln, heute eine Getränketemperatur von 3°C entgegen – ich gebe nicht auf bis er Zahnhalsziehen bekommt 😉

Wenn das nicht reicht bekommt Rinaldo seinen Wein „en block“

Danach ziehe ich mich nebst Gattin und Gitti (klingt lustig) an den Pantelistrand zurück – ich genieße Eiscreme der Geschmacksrichtung Ssssssaa… – na wer weiß es?

Genau, Salted Caramel – ein Gedicht – aber ich glaube, ich habe das bereits einmal erwähnt!

Auch heute – nur zwei Kugeln, ich schwör!

Danach pflanze ich mich auf einen gemütlichen Stuhl während sich die Damen in der Sonne aalen – ich nehme den Gedankenstrang von heute morgen noch einmal auf – „…was kommt noch? Wie viele Jahre bleiben noch?“ Offensichtlich werde ich alt!

Enjoying Life
BING – der Wecker mahnt zum Aufbruch

Mein Telefon gibt ein Signal, wir müssen zum Schiff, die Gäste werden bald kommen. Trotz Geburtstag übernehme ich abermals die Rolle als Mundschenk – die scheint mir zu stehen, das hat sich bewährt.

Gin Nummer 2 muss heute dran glauben

Auch mir werden von den Gästen Geschenke überreicht – von Weihrauch und Myrrhe sieht man Gott sei Dank ab, dennoch frage ich mich, warum man mir den Alkohol zuschreibt und Sibylle die Bodylotion?

Möge sich jeder selbst seine Meinung bilden…

Ouzo, gerne genommen, vielen Dank!

Die ersten Gäste kommen, zufällig schlendert Benno vorbei, wir wussten nichtmal, dass er in der Marina ist – „…kommt dazu, seid spontan!“ – fordern wir ihn auf!

Nichtsahnend packt er seine Hilde nebst einer Flasche Prosecco und kommt an Bord, wir haben eh genug Platz 😉 – später erfährt er den Grund des Zusammentreffens und damit auch den, warum sich alle so gierig auf seine Proseccobuddel stürzen – vornehmlich die Damen, während die Herren dezent an der Bierdose nippen.

Prosecco??? – ja gerne!
Langsam wird´s eng, wir rutschen zusammen
War wirklich lustig

Abermals spielen wir die 80er Playlist rauf und runter, abermals wird dem Venezianer Angst und Bange – aber wieder bleibt er verschont…

14 Leute – nicht schlecht für so ein kleines Cockpit

Auch bei mir kam ein ganz schöner Gabentisch zusammen – weder Sibylle noch ich hatten damit gerechnet – ich kann nur wiederholen, vielen Dank für alles und vor allem die Gedanken, die ihr euch gemacht habt!

Gutscheine für Eisdiele und Marietta – ich freu´ mich sehr!!

Auch mein Geburtstag klingt aus. Wir gehen ins „Kakomoiras“ um dort Meze zu essen. Meine Mails und WhatsApps checke ich spätabends nach unserer Rückkehr.

Ich freue mich über alle Nachrichten – eine aber sticht heraus – man gratuliert mir aus dem Paradies…

Glückwünsche aus Nuku Hiva von der AMAÉ, ich freue mich sehr

Die Geburtstage liegen im Kielwasser, wieder sind wir ein Jahr älter geworden, wieder kommt es uns so vor als ob die Zeit rast.

Viel Zeit darüber nachzudenken oder gar für ein Resümee bleibt uns nicht. Gitti reist heute ab und wir wollen sie gebührend verabschieden. Also bringen wir sie am späten Vormittag nach Agia Marina um dort noch einen Kaffee zu trinken.

Cappuccino im „Paradosiako“ – wie immer

Diesmal steigt uns aber ein betörender Duft in die Nase, nämlich ein Girosduft! Während Sibylle naserümpfend abwinkt, hat Gitti die Fährte aufgenommen und zieht Richtung „To Kroupia“ – eine gute Adresse für Giros 😉

Ich schlage mich auf Gittis Seite und richte mahnende Worte an meine Frau – wie könne sie der Freundin ein letztes griechisches Gericht vor der langen Reise verwehren???

Ha, Volltreffer – wir suchen uns einen Platz in der ersten Reihe…

Auch Sibylle gönnt sich einen kleinen Snack
Für mich gibt es Köfte – vegetarisch!

Ich entschied mich für vegetarische Köfte, das war ein strategischer Akt, weil Sibylle vor der Bestellung meinte, dass „ich zweimal Fleisch am Tag vergessen könne“ – so bleibt Luft für´s Dinner 😉

Während ich mich noch selbst für diesen genialen Schachzug feiere, können wir auf „Marine Traffic“ sehen, dass Gittis Fähre gleich um´s Eck kommt. Wir zahlen und gehen zum Anlegekai…

Dann geht es ruckzuck, die Freundin verabschiedet sich, entert den Zubringer zur Flughafeninsel Kos und sucht sich einen Platz zum Winken.

Yassou Gitti, schön war es
Angelegter Oberarm, stilecht – und nix wackelt
Da fährt sie dahin

Sibylle und ich fahren in die Marina zurück – jetzt ein paar Schritte gehen! Wir starten eine Marinarunde und biegen auf den E-Steg ab – zack, schon hat´s uns. Benno fängt uns ab, lädt zum Frühschoppen, er wolle schließlich noch Servus sagen, sie würden gleich auslaufen. Wer kann da schon nein sagen?

Kein Bier vor vier – und vier ist immer irgendwo auf der Welt

Der Geltinger macht ernst – er wartet bis ich meine Halbe ausgetrunken habe und schmeißt dann erst uns raus und dann die Leinen los – auf bald, schöne Zeit!

CARPE DIEM, die rote, läuft aus

Wir verwerfen unsere Marinarunde und gehen stattdessen in den Online-Modus. Ich empfange eine Nachricht von René, der mit seiner Dufour 43 Classic POLARIS gerade eine große Reise beginnt und fragt, ob er uns auf die Buddyseite seiner Webseite setzen dürfe…

Nett gemacht, gefällt mir

Mir gefällt, was der junge Mann da gebastelt hat und welche Idee er verfolgt – ich stimme zu. NESSAJA ist inzwischen bekannt.

Glaubt ihr nicht? Gebt mal NESSAJA als Suchbegriff bei Google ein – ha, Peter Maffay, Scooter, na klar…

Aber jetzt setzt mal SY davor 😉

Auch Sibylle beschäftigt sich im Internet. Ihre Mühe gilt dem Aufbau einer Videoleitung zu unserer Freundin Katharina, schlussendlich gelingt ihr das. Ich soll mal rüberrutschen!

Kate am Telefon – finale Besprechung

Katharina wird uns bald besuchen. Mit ihr wollen wir segeln, sie wird uns auf unserem ersten Törn begleiten. Es gibt noch ein paar Kleinigkeiten zu besprechen – welche Kleidung ist ratsam, wohin führt uns die geplante Route, was einkaufen? Letztlich bringt Kate auch noch ein paar Kleinigkeiten mit, auch hier gilt es noch Details abzustimmen (ich freue mich inzwischen auf meinen Gürtel)!

Der Tag klingt aus, irgendwie sind wir todmüde und fallen ins Bett…

Neuer Tag, neues Glück – Werner wird bald ankommen, darauf freue ich mich besonders. Ich habe aber an ALENA noch einen offenen Punkt zu erledigen, jetzt drängt die Zeit. Die Halterungen für die Gangway müssen angepasst, etwas verbreitert werden. Dafür schraube ich die Dinger erstmal ab…

Unten zu schmal – nur 5mm

Während ich an ALENA werkle, verabschieden sich Gottfried und Gabi. Wir drücken die Beiden und winken nach, als sie die Leinen loswerfen. Auch sie werden für ein paar Monate weg sein – gute Reise!

HARMONY legt ab, links ALENA
Blinker links – und weg

Da Giorgos mich zum Schweißen der Haltebügel auf morgen vertröstet, erledige ich eine offene Aufgabe an NESSAJA. Ich habe eine Zierleiste anzubringen welche ich aber weder besorgen noch retten kann.

Sibylle hat die idee eine Leine einzulegen – hmmm, zuerst zweifle ich, aber nach einigem Messen und überlegen drängt sich eine optimale Lösung auf…

Dunkelblaues Flechtwerk – sieht super aus!
Das Anbringen war fummelig, aber kein Hexenwerk

Das Ergebnis war fantastisch und in der Summe weder teuer noch aufwändig – das Lob für den Geistesblitz des Tages gebührt meiner Gattin!

Wir beschließen bei Marietta zu Abend zu essen und tuckern mit der GS nach Lakki…

Zwei GS, selten auf der Insel

…dort parken wir neben der GS von Mariettas Mann Takis. Er hat eine 800er und kann mir häufig Ratschläge geben wenn ich was suche. Meist sind die Antworten die, die ich nicht hören will (go to Athens) – aber ich spare mir dann Zeit Dinge oder Möglichkeiten zu suchen, die es auf der Insel nicht gibt.

Die Beiden haben die Geschäftszeiten ordentlich angepasst – von früher 20.00 Uhr jetzt bis Mitternacht, Sonntag offen, stattdessen nun Montag nur bis 15.00 Uhr – ein Erfolgsmodell, aber auch Stress für die fünfköpfige Familie.

Ich liebe Mariettas Bistro

Jedesmal wieder freuen wir uns über die nette Deko, die Details erkennt man bei genauem Hinsehen…

Tische, Stühle, alles sehr liebevoll
Die alten Tomatenmarkdosen als Vasen

Inzwischen hat Marietta eine Speisekarte. Aber ich mag und bevorzuge es, wenn die Chefin an den Tisch kommt und die „Dishes of the Day“ runterbetet, da werde ich nicht darauf verzichten.

Jetzt auch mit Speisekarte

Am nächsten Morgen gehe ich zum Schreiner. Der Stuhl ist fertig. Ich muss ihn noch in der Sitzhöhe anpassen und zusammenbauen – also räume ich das Werkzeug raus – Endspurt!

Bein kürzen, Möbelrutscher ran, zusammenschrauben

Das Ergebnis kann sich sehen lassen – ich bin wirklich begeistert. Das steht schon lange auf meiner Wunschliste, hat sich nach dem Salonumbau förmlich aufgedrängt und konnte jetzt nebenbei umgesetzt werden – zu meiner vollsten Zufriedenheit!

Ein Sitzplatz mehr an der ungenutzten Seite
Bei Nichtgebrauch unter dem Tisch festgeschnallt

So langsam wird´s – ich bin zufrieden mit NESSAJA, ich bin zufrieden mit dem Ergebnis aus fast eineinhalb Jahren Arbeit!

Wir beschließen, dass wir Werner für dessen Ankunft seine ALENA etwas vorbereiten wollen. Ich montiere die Gangway, Sibylle macht ein wenig sauber.

ALENA wartet auf ihren Skipper

Während Sibylle schrubbt, fahre ich zu Giorgos und lasse die Halter umarbeiten. Das sollte, zumindest vor der Übergabe, mein letzter Handgriff an ALENA werden.

1cm breiter – kein Problem
Jetzt passt das

Ich schaffe es noch, die Halter zu montieren, bevor wir einer Verabredung Folge zu leisten hatten. Wir haben in Facebook die Werbung unseres lokalen Top-Metzgers gesehen – es gibt eine Feier zur Neueröffnung seines Ladenlokals.

Der Einladung leisten wir gerne Folge und treffen zur propagierten Zeit vor des Fleischers Geschäft ein. Xatzigrigoriou ist ein Mitglied der „Artisan Butcher“ Community, einige der Kollegen waren zugegen und halfen beim Grillen, ein Mordsevent…

Später war richtig was los
Wir waren zu früh dran
An gutem Fleisch mangelt es in Leros nicht

Wir kamen später noch einmal wieder, aßen gemeinsam und vertrieben uns den Abend in Lakki. Zurück am Schiff, erklärte Sibylle sich selbst für müde und bettreif. Nun, da kann ich sie wohl nicht aufhalten.

Ich dagegen setzte mich auf meinen Platz und verharrte – ich wartete, bis Werners Fähre ankam und mein Freund die Insel betrat, ich wollte ihn empfangen!

Gähn, wie lange noch?

Zugegeben, auch ich spüre das Alter – ich war froh, als nach 02.00 Uhr die Fähre endlich abbog und ich zum Hafen fahren konnte um dort der Ankunft entgegen zu sehen.

Da kommt sie – stockfinstere Nacht
Immer ein Spektakel – das Anlegen des Riesen
Hallo Werner!

Ich packe Werners Taschen schneller ins Auto als er schauen kann und chauffiere uns zur Marina. Wir freuen uns über das Wiedersehen, beschließen aber rasch, dass morgen ja auch noch ein Tag sei und gingen ins Bett.

Spektakel an Ponton D!!! Unser Freund aus aus dem Saarland beklagt, dass er „doch immer Pech hätte“ – was war passiert???

Der Chef der Taucher hat die Arbeit der letzten Wochen inspiziert und allerlei Zeug aus den Tiefen des Hafens getaucht. Die einen freuen sich über verloren geglaubte Badetücher, andere über ihre vermissten Sonnenbrillen – und Hans-Peter?

Nun, der freute sich NICHT über zwei halbe Propeller. WAAAAS??? Ja, richtig gehört, der Taucher brachte ihn zwei halbe Propeller!

„Da muss man doch was machen“ – sprach der ehemalige Berufstaucher und schlüpfte in den „Arbeitsanzug“, ein Kontroll-Tauchgang tat Not!

Ab ins Wasser
Oh Schreck, tatsächlich – nix mehr dran

Die Kontrolle bestätigte den schrecklichen Verdacht – Hans-Peters Propeller ist einfach in zwei Hälften zerfallen und auf den Meeresgrund gesunken – einfach so…

Alle liefen zusammen und beratschlagten sich. Meinungen wurden geäußert, über Ausfallgründe wurde spekuliert – aber das Wichtigste war, dass Lösungen erdacht wurden.

Für Ersatz wurde gesorgt

Zuletzt erhielt HPs LIBERTÉ sogar eine Aufwertung, weil der gammlige Zweiblatt Prop durch einen neuen Dreiblatt ersetzt wurde. Der Preis war eine Essenseinladung – ein Schnäppchen!

So wendete sich das Blatt – der scheinbare Pechvogel wurde zum Glückspilz und gewann zudem die begehrte Trophäe „Held des Stegs“ an diesem Tag!

So verging der Tag wie im Flug, wir richteten uns kurz und fuhren dann nach Xirokampos, wo wir bei Susanne und Thomas zum Essen eingeladen waren. Wie eigentlich immer, kochten Susanne und Stella um die Wette, denn auch sie und ihr Gatte Tasos waren Gäste an diesem Abend. Eine bewährte und gesellige Runde!

Ein wunderschöner Flecken Erde
Thomas mixt den Aperol-Spritzz…
…welcher sofort als Fotomotiv herhalten muss
Tasos und Stella treffen ein – und Unmengen an Essen

In dieser Runde ist es ein Wahnsinn! Es wird typisch griechisch aufgetischt – nicht nur die Speisen betreffend, auch die Mengen betreffend! Wir sind sechs und Essen gibt es für fünfzehn – KEIN MENSCH könnte das aufessen – und es will was heißen wenn ich das sage!

Letzte Vorbereitungen

Hier mal ein paar Impressionen einer solchen Tafel, bei der alle Gerichte in der Mitte stehen – ganz ehrlich, ich will gar nicht mehr anders essen. Das können sie, die Griechen!!!

Griechischer Salat mit Dakos
Gefüllte Hähnchenbrust mit mediterranen Kräutern
Moussaka
Spinach-Pie

Als ob es nicht genug wäre, gibt´s zur Nachspeise noch einen „Café Helleniko“ und ein Stück Zitronenkuchen. Man meint immer man platzt, aber meine Erfahrung beruhigt mich – bis heute ist das nicht passiert.

Es ist der 26.05.2023 – der „große Tag“!

NESSAJA soll, sie muss, heute auslaufen. Wir haben eine Verabredung mit Sotiris in der Bucht von Lakki, er soll unsere Sprayhood vermessen um eine neue anzufertigen. Unser Plan ist, dass wir am Nachmittag auslaufen und in der Bucht vor Anker gehen, ich möchte das Getümmel am Stadtkai vermeiden und zugleich Anker und Davits probieren – wir übernachten dann eine Nacht in der Lakki Bucht, bevor wir anschließend langsam nach Kos tingeln. Dort holen wir am 29.05. unsere Freundin Kate ab.

Soweit der Plan! Wir beginnen also, diesen umzusetzen und machen NESSAJA fertig zum Ablegen, dafür haben wir, geplant, bis 15.00 Uhr Zeit.

Die Flagge ist dran, los geht´s

Wir füllen die Wassertanks, Diesel haben wir noch genug, wir fahren noch einmal einkaufen und verpacken das Motorrad – dann kommen die Winterketten weg und die langen Festmacher werden gelegt.

Ziel ist, die Lücke am Heck zu vergrößern

Wir machen das Stromkabel und den Wasserschlauch weg und als wir wirklich alles fertig haben nehmen wir auch die Gangway an Bord – jetzt die Leinen etwas fieren…

Warum machen wir das? Weil ich die Lücke am Heck so vergrößeren möchte, dass wir das Dinghy in die Davits nehmen können. Das erleichtert das Manövrieren in der Marina. Gesagt, getan!

Dinghy hoch, backbord Heckleine weg – wir ziehen nach steuerbord

Ich überlege gut, wie ich rauskomme ohne zu nahe an das Motorboot heranzufahren, das geht aber easy und so heißt es für uns um circa 15.00 Uhr – LEINEN LOS!

NESSAJA läuft aus
Alle freuen sich mit uns und machen Bilder
Wir verlassen die Marina…
…und nehmen Kurs auf das Ankerfeld

Offen gesagt, es sind ja nur ein paar Meter – aber nach so langer Zeit braucht es ein bisschen, bis man wieder Vertrauen in die neuen Systeme und die eigenen Fähigkeiten aufgebaut hat.

Wir suchen uns einen guten Platz und werfen den Anker…

Hier liegen wir gut

Wir machen „klar Schiff“, hängen die Fender auf die Seite und machen das Beiboot nebst Motor klar. Die Leinen kommen weg, die brauchen wir vorerst nicht mehr.

Irgendwie befreit – weg vom Hafenmief
Trotz der kleinen Strecke genehmigen wir uns einen Anlegeschluck

Es gibt den ersten Anlegeschluck seit Monaten und er schmeckt herrlich. Es war schon mehr ein Anstoßen auf das Ablegen, wir sind wieder unterwegs. Wenn auch zunächst in kleinen Schritten.

Ich informiere Sotiris, dass wir klar sind und erwarte sein Signal ihn abzuholen.

Fertig, der Segelmacher kann kommen

Etwas später ruft der begehrte Handwerker an, er sei bereit, ich könne ihn abholen. Ich springe ins Dinghy und gable ihn und Sebastian, der heute als Helfer agieren wird, an der Hauptstraße auf und bringe die Beiden zu NESSAJA. Die legen auch sofort los…

Das alte muss weg

Für das Abmessen wir eine Art Schnurgerüst gespannt, welches das Gestänge in der Ursprungsform fixiert. Dann kommt die alte Sprayhood weg. Danach wird das Gestänge mit einer festen Klarsichtfolie überzogen – auf die kann gemalt werden und es können Maße notiert werden. Eigentlich sehr cool!

Das wird die Schablone

Der ganze Spaß dauert rund zwei Stunden, dann bringe ich die fleißigen Arbeiter zurück an Land. Sibylle und ich machen uns frisch und dann setzen auch wir über an den Anlegesteg für die Schlauchboote.

Ungewohnt – in der Bildmitte, vor Anker, NESSAJA

Unser Freund Werner hat die Gelegenheit genutzt, uns noch einmal für ein Dinner „im kleinen Kreis“ abzufangen. Es gibt viel zu erzählen, wir planen uns unterwegs zu treffen.

Gemütlich sitzen wir bei Marietta zusammen und lassen den Tag bei einem guten Essen ausklingen.

DAS gefällt ihm!
Chicken Kleftiko
Fei Guad
Darf nicht fehlen

Am nächsten Morgen gehen Sibylle und ich relativ früh „Anker auf“. Wir wollen Systeme wie den Autopiloten und die Navigation ausprobieren und verschiedene Setups machen.

Der Wind ist uns leider nicht hold, so motoren wir nach Kalymnos in die Bucht Palionisos, wo wir recht zeitig festmachen. Auch das ein Vorteil des frühen Aufbruchs, die Bojen in dieser Bucht sind recht begehrt und meist früh belegt – doch heute haben wir freie Auswahl!

Fest an der Boje – Palionisos vor „Taverna Ilias“
Nach hinten noch alles frei

Wir nehmen das Schlauchboot runter und gehen baden. Dann gibt es einen Anlegeschluck und ein paar Minuten zum Erholen. Irgendwie ist es noch nicht in unseren Köpfen angekommen – wir sind ausgelaufen, weg, unterwegs, an einer Boje…

So langsam füllt sich das Bojenfeld und wir bekommen Hunger. An Land vernehmen wir Klänge von Gitarre und Saxophon – was ist das? Wir setzen über und wollen eine Antwort auf diese Frage finden.

Die Bucht füllt sich – NESSAJA an der orangen Boje in der rechten Bildhälfte
Unser Dinghy, das erste Mal für einen Landfall in einer Bucht genutzt
Unser Schiff schwojt an Ilias´ Boje

Wir sehen uns etwas um und erkennen sehr schnell, die Musik ist live und kommt aus der Bar „Bakalogatos“, welche zwischen den beiden Tavernen mit den Bojenfeldern ansässig ist.

Noch keine Gäste, die Musiker beim Soundcheck
Guitar & Sax – sooooo cool!

Auf Nachfrage erklärt man uns, dass jeden Samstag Live Music sei und diese etwa in einer Stunde beginnt. Dann spielen die Jungs etwa für drei, vier Stunden.

Sehr cool! Wir melden uns gleich mal für einen Absacker an, erklären aber, dass wir zum Dinner der Taverne verpflichtet sind, an deren Boje wir liegen. Das gehört sich so – also auf zu Ilias!

Von Ilias´ Terrasse – mit Blick auf unser Boot
Wir bekommen hier derweil einfaches, aber solides und leckeres griechisches Essen serviert
Auch hier finde ich schnell Freunde

Nach dem Essen setzen wir unseren Plan um und gehen in die coole Kneipe mit den beiden Livemusikern. Dort sind inzwischen viele Gäste eingetrudelt, vorwiegend junge Griechen, welche der Performance der Künstler lauschen – es war eine coole Stimmung, wir hatten viel Spaß!

Ouzo als Absacker
Dazu werden Meze gereicht – und wir waren schon so satt

Der Abend verging, es wurde später. Am Nebentisch saß eine Gruppe junger Griechinnen in Begleitung eines Burschen. Alle waren bester Laune und es war offensichtlich, alle animierten ein Mädel zum Singen.

Die derartig gepushte Lady ließ sich erstmal bitten, verhandelte dann aber mit den Musikern – und dann fing sie an…

Gänsehaut
Sehr geiles Instrument

Sowas bietet immer zwei Möglichkeiten – entweder geht man peinlich unter oder man liefert. Und diese junge Frau hat geliefert! Sie haute einen griechischen Song raus, den offensichtlich alle kannten. Feuerzeuge gingen an und viele sangen mit – mir lief die Gänsehaut runter.

Das kann man im Foto einfach nicht festhalten – ein Wahnsinnsmoment!

Am nächsten Morgen gehe ich sehr früh baden, das ist meine Stunde! Baden, ein Tässchen Kaffee und der Bucht beim wach werden zusehen.

Vor 07.00 Uhr

Wir frühstücken in Ruhe und beschließen, dass wir eine zweite Nacht hier bleiben. Ein echter Ruhetag, ein Tag zum Relaxen. Wir entdecken Ray mit seiner RISE´N SHINE am Ende der Bucht – aber ich gehe ihm aus dem Weg. Ich mag ihn, genieße aber die Ruhe – keine Technikgespräche…

Abends gehen wir wieder zu Ilias und genießen abermals den Ausblick auf die Bucht mit unserem Schiff. An diesem Abend würde sich die Bucht komplett füllen.

Leichter Südwind – aber kein Problem

Erst am nächsten Tag laufen wir aus, wir beginnen den Tag gemütlich, denn wir haben keine Eile um die Marina von Kos anzulaufen – wir haben reserviert.

Die Überfahrt wird entspannt, jedoch ist abermals kein Wind, welcher uns von Nord nach Süd treiben würde. Also motoren wir auch dieses Stück. Für mich ok, denn ich kämpfe noch etwas mit meinen Autopiloteinstellungen – Sibylle muss inzwischen Dienst am Ruder tun.

Souveräne Steuerfrau

Gegen 1400 kommen wir in Kos an, etwa eine Stunde früher als geplant. Dies stellt aber für die professionellen Marineros dieser Base keine Herausforderung dar.

Man weist uns ein und schon Minuten später liegen wir fest in der Kos Marina.

Unsere AIS Aussendungen funktionieren
So sieht die Wirklichkeit aus

Wir freuen uns wieder hier zu sein, denn ab und an schätzen wir das Ambiente der schönen Marina. Hier würden wir auf Kate warten. Auch hier soll es einen Anlegeschluck geben, den gönnen wir uns aber in der Marinabar – denn wir hoffen dort, nach zwei Jahren, wieder auf die „beste Bedienung der Welt“ zu treffen.

Ja, sie ist noch da – und sie erkennt uns wieder! Redselig wie immer, nett wie immer und tatsächlich auch eine gute Bedienung. Ob sie die Beste ist? Ich weiß es nicht, aber ich mag sie, das zählt!

Diese Gedanken vergesse ich über unser Club-Sandwich und unserem Drink!

Yummie – das beste Club-Sandwich der Welt???

Ich vernehme das „böse Wort“ – Sibylle leitet den nächsten Satz ein mit „…wir müssen…“, was soviel heißt, wie „…ich will und Du musst…“ – in diesem Fall will sie Wasser auffüllen und ich muss dieses zum Laufen bringen. Erstens kommt kein Wasser und zweitens hält „das Ding“ nicht!

Erstens bekomme ich schnell gelöst, denn tatsächlich funktioniert zuerst der Chip nicht, dann unser Wasserhahn – mit einem anderen Chip an einem anderen Wasserhahn geht es!

Was ist nun “ das Ding“???

Das Ding – eine Billig-Schlauchkupplung

Grrrr! Sibylle hat Recht! „Das Ding“ kann nicht halten, denn die Zapfen die einrasten sollen sind ausgebrochen, zudem federt er nicht mehr zurück. Es überrascht mich nicht, denn er ist Nummer zwei seiner Spezies die ich ins Nirvana schicke – so ein Glump!

Gekauft bei Andreas Kritikos, wie sooft ein Fehlkauf. Nicht wegen Andreas, eher wegen der Tatsache, dass in Griechenland wesentlich mehr Billig-China Ramsch angeboten wird als in Deutschland. Die Gardena Alternative sucht man hier vergebens.

Glücklicher Weise hatte ich noch ein Gardena Anschlussstück in meiner Kiste und Sibylle bekam ihr Wasser – leider!

Warum leider??? Nun, dazu gibt es keine Bilder – ich sage nur soviel – eine Druckbetankung mit dem Wasserdruck der Kos Marina ist für unseren flexiblen Tank gar nicht gut. Der entwickelt nämlich soviel hydraulische Kraft, dass er seinen Deckel wegsprengt. Dies bescherte mir zwei Arbeitsstunden – eine spät in der kommenden Nacht, eine am frühen Morgen – aber das weiß ich ja noch nicht und ich lege auch das Deckmäntelchen des Schweigens darüber…

Kate kommt – Live Standort

Katharina, der Einfachheit halber Kate, kommt mit Verspätung an und springt sofort in ein Taxi. Sie teilt ihren Live Standort, so dass wir sehen können, wann wir sie am Taxistand abholen dürfen.

Nur noch ein paar Meter, gleich ist sie da!

Das Taxi kommt, wir heißen die Freundin willkommen und tragen das Gepäck auf NESSAJA – ohne großen Aufenthalt gehen wir ins Restaurant, der Gast und auch wir haben Hunger. Die Wahl fiel auf „Ali´s Restaurant“ wo wir sehr gut gegessen haben.

„Ali´s Restaurant“ – eine gute Adresse in Kos

Am Heimweg stellen wir überrascht fest, dass es die sehr leckere Eisdiele nicht mehr gibt. Na egal, da müssen wir eben verzichten. Wir gehen zurück in die Marina, quatschen noch ein bisschen und packen die Tasche aus – jeder bekommt die bestellten Mitbringsel und ich kann endlich von Expander auf Gürtel umstellen. Sibylle freut sich mit mir…

Dann sacken wir todmüde ins Bett, morgen beginnt der Urlaub, Kates Urlaub!

Der Tag ist rasch erzählt – nach dem Aufwachen gehen wir duschen, frühstücken und kaufen nochmals ein – Lücken füllen. Dann bezahlen wir die Marina und melden uns ab. Wir laufen aus mit Ziel Kalymnos, Bucht Emborios auf der Westseite.

Die Fahrt war ein Tuckern unter Motor, wir hatten Zeit zum Ratschen, mussten dazwischen aber einem Regenschauer davonfahren. Es war uns klar, die nächsten Tage würden windstill sein, wir wollten Weg nach Norden und etwas nach Westen machen.

NESSAJA an der Boje vor „Kostas Restaurant“

Ich mag Emborio, ich verbinde Erinnerungen, ich mag Kostas, seine Töchter, die das Restaurant betreiben und ich mag seine Bojen. Ich freute mich, dass wir einen der strandnahen Festmacher schnappen konnten! Natürlich wurde ein Anlegeschluck in Form eines Gin-Tonic gereicht.

Guter Brauch

Sibylle setzt an „…wir müssen…“ – NEIN, müssen wir nicht! Sie möchte wandern gehen und ich soll shutteln – das mag ich jetzt aber nicht, weil ich baden und Logbuch schreiben will.

Sibylle wird also in diverse Rudertechniken eingewiesen und ins Schnulli gesetzt. Wenn sie um Hilfe riefe, würde ich kommen. Die Holde rudert los…

Da rudert sie dahin

Meine Frau gehört also zu der Gattung der „Vorwärtsruderer“, ich selbst bin „Rückwärtsruderer“, tut aber nix zur Sache. Sie kommt flott voran und bringt von ihrem Ausflug ein paar coole Bilder mit.

Bojenfeld von oben
NESSAJA an der Boje

Ich lebe in dieser Zeit meinen Plan, schreibe mein Logbuch und bade ausgiebig. So soll das sein, so kommt jeder auf seine Kosten!

Logbuchführung ist Pflicht

Das Führen eines Logbuches ist übrigens Pflicht. Die Form ist zwar freigestellt, aber führen muss man es – ich halte daran fest und schreibe täglich und ausführlich. Ob ich auf digital umstelle weiß ich noch nicht, ich muss es mal probieren…

Am Abend setzen wir über, um bei Kostas zu Abend zu essen.

Schöner kann man kaum sitzen
Aspro Grasi, Weißwein, der hier einfach besser schmeckt
Sibylle – Meze & Fresh Tuna
Kate – Meze & Fresh Tuna
Mario – Meze & Fresh Tuna + Calamari

Warum frischen Thunfisch für uns alle drei? Weil Sibylle beim Spaziergang gesehen hat wie der Fischer des Hauses einen ganz frischen gefangen hat, welcher noch im Hinterhof zum Ausbluten aufgehangen war – frischer geht´s nicht und die Steaks waren ein Traum!

Am nächsten Morgen wachen wir alle zeitig auf und stürzen uns vor dem Frühstück ins kühle Nass – DAS ist Lebensqualität!

Das Meer lädt zum Bade, die erste Tasse Kaffee darf nicht fehlen

Wir legen Archangelos als Tagesziel fest und werfen die Leine los. Ich schlage vor, dass wir, wenn wir Panteli passieren, schnell den Anker werfen, mit dem Schlauchi an Land gehen und uns eine Kugel „Salted Caramel“ gönnen – gedacht, gemacht – leider gibt es keine Bilder von unserem Boxenstop, weil wir den Foto an Bord vergessen haben. Toll war es trotzdem!

Fotografisch festhalten konnten wir dagegen unser Treffen mit Ray´s RISE´N SHINE auf der Höhe von Agia Marina.

Kurzes Palaver, woher, wohin? Dann geht´s weiter

Kurze Zeit später fahren wir zwischen Archangelos und Leros und halten auf die Bucht zu, in der das „Stigma“ seine Bojen anbietet. Ich habe unser Kommen angekündigt und die Betreiber Giorgos und Evropi freuen sich auf uns…

Rum ums Eck…
Mr. Dimitris ist auch da!

Alles frei!!! Wir bekommen meine Lieblingsboje und machen fest. Ich liebe diesen Flecken Erde! Er ist so nah und doch so weit weg – ein friedvoller Microkosmos. Eine Idylle die sich hoffentlich nie verändern wird…

Der Fischer legt nach der Lieferung ab

Wir trinken unseren Anlegeschluck und gehen in den Genießermodus – Badefreuden sind angesagt, schöner wird es nicht!

Grünes Wasser, 3m tief
Frisch, aber nicht mehr kalt

So verbringen wir den Nachmittag, baden, lesen, faullenzen! Ein Traum, hier könnte ich es lange aushalten…

Abends setzen wir über, um ins „Stigma“ zu gehen. Giorgos, Evropi und Mr. Dimitris empfangen uns überschwänglich und voller Freude. Wir spüren, wir sind herzlich willkommen.

Die Damen vor dem „Stigma“
Und mal ein Bild von Sibylle und mir

Wir setzen uns an unseren Tisch und genießen erstmal den Ausblick – mehr braucht man nicht! Das ist es was das Segeln so reizvoll macht, Bootfahren generell lässt einen Plätze erreichen, die nur schwer mit dem Auto anzufahren sind.

Schaut selbst…

NESSAJA an ihrer Boje – im Hintergrund Leros
Nicht weit zum Landgang
Eine Terrasse mit traumhaften Ausblick

Wir bestellen ein paar Meze und als Hauptgericht „Octopus Tigania“, Octopus aus der Pfanne, gedünstet in Samoswein mit Zwiebeln und etwas Chili – DAS steht nicht auf der Karte, Evropi kocht es für uns, weil ihre Tochter uns das vor Jahren einmal empfohlen hat. Dieses Essen ist an Schlichtheit und Geschmack kaum zu übertreffen, da verzichte ich auf Sterneküche, wenn ich barfuß auf der Terrasse des „Stigma“ ein „Octopus Tigania“ aus Evropis Töpfen essen kann! Mein Wort darauf!

Octopus Tigania

Was ich vergessen habe zu erwähnen – Vollmond sollte natürlich auch sein 😉

Kann man nicht besser wollen

So endet unser Mai 2023 – ein Monat voller Ereignisse!

Er endet offen, denn unsere Tour hat erst begonnen. Dehalb verspricht der Junibericht auch ein ganz besonderer zu werden – einer vom Reisen und von Urlaubsfreuden statt von Marinatagen und Reparaturärger.

Bleibt also dran, es lohnt sich! Hier ein Ausblick – wir sind bis 10.06. unterwegs und haben auch herrliche Segeltage. Nach Katharinas Heimreise treffen wir die Crews der ELOWYN und der TRINITÉ und NESSAJA bekommt ihr neues Sprayhood – es gibt also einiges zu berichten! Ich denke, dass ihr vor diesem Hintergrund auch erkennt, warum ihr auf diesen Monatsbericht so lange habt warten müssen…

Und sonst, was gibt es Neues aus der Marina? Man sagt, wir hätten eine Lücke hinterlassen – im Wortsinn!

Alistair hat mir ein paar Tage nach unserer Abreise ein Bild geschickt – er wollte uns besuchen…

„Where is she?“ – D1 ist verwaist

Ein Jahr haben alle Menschen die an D1 vorbeigingen NESSAJA hier liegen sehen. Jetzt ist die Lücke offen, NESSAJA ist wieder unterwegs – rollin´, rollin´, rollin´…

Schön, dass ihr bis zum Ende durchgehalten habt! Ich hoffe, dass unser Monatsbericht euch auf eine kleine griechische Insel entführen konnte und ihr ein bisschen mit uns „mitfiebern“ konntet.

Durch den Verzug in diesem Monat hören wir uns bald wieder, bleibt gesund, bleibt uns gewogen und genießt den Sommer – wo immer ihr auch seid!

Herzliche Grüße von Bord der NESSAJA

Mario & Sibylle

April 2023 – With or Without You

Zugegeben, die Headline des Monats April hat mir nicht sehr viel Hirnschmalz abgerungen. Ich war etwas denkfaul und habe diesmal keine Mühe darauf verwendet nach Tiefgründigkeit zu suchen – der U2 Tophit aus dem März 1987 wurde Headliner, weil sich unser vierter Monat des Jahres 2023 in zwei Hälften aufteilt – der, in der Sibylle in Deutschland verweilte und eben der nach ihrer Rückkehr.

With or without her – waren Unterschiede spürbar? ABER JA!

Tocktock – es klopft! Marcus kommt an Bord und überreicht mir zwei Hella LED Positionsleuchten – „…geschenkt mein Freund!“, höre ich ihn sagen.

Neue Posis – Projektliste 2024

Ich glaube zunächst an einen Aprilscherz, doch der Freund bekräftigt sein Ansinnen, wir hätten doch darüber gesprochen.

Ja, das stimmt. Ich hatte angedeutet, dass ich ihm die Dinger abkaufen wolle und wir würden dies irgendwie mit meiner Unterstützung bei seinen Projekten „aufrechnen“. Naja, wir waren zum Essen eingeladen, für mich war es eigentlich erledigt, über die Lampen würden wir reden können…

Ich war also mehr als überrascht, fast schon beschämt, als ich das, nicht gerade billige, Objekt meiner Begierde noch als Dreingabe überreicht bekam – mir bleib nicht mehr, als mich zu bedanken und das wertvolle Gut sofort sicher zu verstauen!

„Tresor“ aus einer angepassten PET-Flasche – bis zum Verbau!

Das war ein freudvoller Start in den sprichwörtlich „wechselhaften“ Monat. Dieser landläufigen Einschätzung sollte auch der April auf Leros gerecht werden.

Ich widmete mich den ersten beiden Tagen meiner Computerarbeit, das bedeutet Quartalssicherung meiner Daten und natürlich das Verfassen des Blogberichts des vergangenen Monats.

Arbeitsplatz Salontisch – Homeoffice in weitesten Sinne
Datensicherung und Blogeinträge

Am Abend stand eine langersehnte Einladung zum Dinner an, Evi von der OCEAN FANTASY hatte versprochen, dass sie einen Schweinebraten mit Serviettenknödel und Kraut machen würde. Dies sei als kleines Dankeschön gedacht, dafür dass ich den Winter über auf das Schiff geachtet hätte – das nehmen wir gerne an…

Und Evi hat sich selbst übertroffen!

Die Tafel war gedeckt
Schweinebraten satt – klotzen statt kleckern
Serviettenknödel – hatte ich das letzte Mal vor 25 Jahren! LOVE IT
Das perfekte Dinner – und eine so willkommene Abwechslung!
Dessert? Natürlich! Selbstgemachter Apfelstrudel

Ein wunderschöner Abend und ein vorzügliches Essen – da sagen wir noch einmal ganz herzlich „Vergelt´s Gott!“

Das war auch eine Art Abschiedsessen von der OCEAN FANTASY Crew – denn wenige Tage später haben Evi und Michi die Leinen losgeworfen und ihren Plan einer Weltumsegelung in Angriff genommen. Wir drücken die Daumen und wünschen „always fair winds and calm seas!“

Ich sag zum Abschied leise Servus

Gäääähn – langer Abend gestern! Mir fällt Hans Moser ein – „Jetz´ trink ma no a Flascherl Wein“ – warum nur???

Ein Blubbern hat mich geweckt, ich fahre den Rechner hoch, wie spät ist es eigentlich?

08.00 Uhr – der Sohn hat Geburtstag…

Es ist 08.00 Uhr, ok, akzeptabel – ich koche mir einen Kaffee, erinnere mich, dass Sohn Florian Geburtstag hat und setze schonmal Geburtstagsgrüße ab – in der Gewissheit, dass wir heute noch telefonieren würden.

Was hat mich geweckt? Ich wage einen Blick nach draußen…

Ach so, der Taucher…
…er kommt näher

Der Taucher ist immer noch dabei die Ketten in der Marina zu tauschen. Das geht nun schon seit Oktober so. Ich bin gespannt ob diese Arbeit jemals fertig wird. Eigentlich ist´s mir aber egal, wir haben uns an die täglichen Besuche gewöhnt.

Ich ziehe mich wieder zurück und tippe meinen Blog fertig. Dies geht nicht wirklich ungestört, denn Sibylle ist nervös, sie würde morgen nach München fliegen – hofft sie!

Hoffen deshalb, weil just für morgen Starkwinde angesagt sind und der kleine Zubringer nach Athen ab einer gewissen Windgeschwindigkeit Leros nicht mehr anfliegt.

Tja, und so kam es auch!

Meine Sibylle hat vier Monate vorher ein Ticket gebucht und sich willkürlich exakt den Tag mit Starkwind ausgesucht. Sie sollte Lotto spielen! So fuhren wir also zum Flughafen um bereits 40 Minuten später mit Sack und Pack zu NESSAJA zurück zu kehren. Sibylle war ein wenig enttäuscht und zog daher „einen Flunsch“ (kennt ihr den Begriff???).

Sibylle mit Flunsch – enttäuscht…

Ich konnte es nicht ändern und habe daher beschlossen, den irgendwie verkorksten Tag mit „leichter Beschäftigung“ anzureichern.

Meine Bohrmaschinenpumpe musste überprüft und repariert werden…

Wertig – dachte ich…
Einfache Technologie, der Fehler war offensichtlich

Das hatte mich etwas genervt. Ich hatte vor vielen Jahren diese Pumpe statt eines chinesischen Billigproduktes gekauft – 70.- statt 20.- € – nun war ich der Hoffnung, dass es hierfür einen Reparatursatz gäbe, denn der Fehler war eindeutig erkennbar. Die Dichtung war spröde und sollte erneuert werden.

Leider erklärte mir der deutsche Vertriebspartner, dass aus seiner Sicht auch diese Pumpe ein billiges Einwegprodukt sei, man böte mir eine neue an, Ersatzteile gibt es nicht!

Ok, das frustriert mich! Wird denn nix mehr repariert? Ich wage einen eigenen Versuch!

Das Material der Wahl

Ich schmeiße das Original weg, das von einem Freund gefertigte Ersatzteil eines früheren Wettbewerbers fliegt unmittelbar hinterher und findet den Weg in die Tonne.

Ich setze auf das mir wohlbekannte Material meines ehemaligen Arbeitgebers!

Leider war auch das ein Schuss in den Ofen, die Pumpe wollte sich nicht mehr reparieren lassen. Die Lösung? Ganz offen gesagt, wenn ein 70.-€ Teil aus Metall nicht mehr kann als der 20.-€ Plastik-Chinaschrott – dann eben so…

Für meine Zwecke reicht´s

Am Morgen des Folgetages sind nach dem Erwachen abermals Regentropfen auf den Scheiben erkennbar. Schietwetter!!! Aber der Wetterbericht macht Mut und am Horizont hellt es auch schon etwas auf – so machen wir uns wieder auf den Weg zum Flughafen…

Nachts war es noch regnerisch

Diesmal sollte meiner Gattin das Glück hold sein! Der Wind hatte nachgelassen, die Wolken lichteten sich und die App „Flightradar“ zeigte, dass der kleine, zweimotorige Flieger in der griechischen Hauptstadt gestartet war um Leros anzufliegen.

So bekam Sibylle ihre neuen Tickets überreicht…

Wer findet den Fehler???

…die aber offensichtlich irgendwie nicht stimmen konnten. Abflug Leros 10.30 Uhr, Ankunft München 17.15 Uhr – nanu???

Was bedeutet eigentlich FRA???

Natürlich wissen wir, dass FRA für Frankfurt steht, es hat nur einen Moment gedauert bis wir bemerkt haben, dass der Rückflug nun mit einem Umsteigen in Frankfurt gebucht war. Nicht toll, aber was soll´s?

Alles muss umorganisiert werden

Nachdem Sibylle sowohl ihre Abholer als auch ihren Sohn verständigt hatte, dass sie später als erwartet ankommen würde, hörte man schon den Flieger heranbrummeln. Es war Zeit sich zu sortieren und das Gepäck aus dem Auto zu holen und dieses abzugeben.

Im Anflug auf Leros – LRS
Der Zubringer ist da – heute klappt es!

Dieses ganze Procedere von Einchecken über Gepäckaufgabe bis hin zur Sicherheitskontrolle geht hier natürlich schneller und einfacher von Statten als auf internationalen Flughäfen. So kann man gut „just in time“ planen.

Wir gaben also das Gepäck auf und ein paar Minuten später war auch schon „boarding time“ – ok, jetzt wird klar, der Abschied naht, Sibylle geht für 10 Tage nach Deutschland.

Sie geht dahin…
…ein letztes Winken

Jetzt war es soweit – wir schreiben den 04. April 2023, der erste Part des geteilten Monats April beginnt. Ihr erinnert euch – „With or Without You“, für mich liefen die ersten Minuten von „without her“ 😉

Während mich einerseits meine lange „To-Do Liste“ beschäftigt, quält mich anderseits die Frage, wie ich diese 10 Tage, alleine auf mich gestellt, überleben werde – nun, mal sehen…

Der Gedanke war noch nicht zu Ende gedacht, höre ich den Turboprop aufheulen, die Maschine löst die Bremse und – hebt ab, Richtung Athen!

Da sitzt sie drin – auf dem Weg nach München

Ich fahre zurück zum Schiff, es ist ja noch vormittags, sortiere mich neu und koche mir ein Tässchen Kaffee.

Erstmal Gedanken sortieren – was mache ich als erstes?

Ich höre ein Trappeln und meine Freundin Electra gesellt sich zu mir. Ob sie gespürt hat, dass ich alleine war und sie mir Gesellschaft leisten wollte, oder ob es einfach nur die Gier nach einem Leckerli war, welche sie zu mir getrieben hat – wer weiß das schon?

Natürlich gibt es eine kleine Zuwendung

Ich schaffe mir zuerst meine persönliche „Schiffsordnung“ – die Tanks sind voll, der Mülleimer leer. Ich will keine Zeit mit unnötigen Hausarbeiten verschwenden. Als das Schiff so gerichtet ist, wie ich mir das für die nächsten Tage vorstelle, überarbeite ich meine Liste der zu erledigenden Arbeiten und setze sowas wie einen Zeitplan dahinter – ich will die Phase des Alleinseins nutzen, um strukturiert die offenen Punkte abzuarbeiten. Morgen geht es los!

Ehe ich mich versehe ist der Abend hereingebrochen – ich wähle den einfachen Weg und finde mich als einziger Gast im „SouVLakki“ wieder.

Anfang April war hier noch nix los

Dort muss ich nicht mehr wirklich bestellen – Alex, der Kellner, holt sich eher eine Bestätigung, ob es beim Üblichen bliebe. Ja, bleibt es!

Chicken Giros-Pita mit Allem, Tzaziki, ohne Pommes
Dazu ne Portion Pommes – homemade – mit Ketchup und ein Cola

Zugegeben, kalorienarm geht vermutlich anders, aber es schmeckt vorzüglich und ich gehe satt, zufrieden und nur um 10.-€ ärmer nach Hause. Für das Geld kann ich kaum kochen. Ich liebe diesen Schuppen 😉

Am Abend erreicht mich die Nachricht, dass Sibylle gut in Deutschland angekommen ist, sie hatte Athen sehr zeitig erreicht und konnte den Flug nach Frankfurt auf einen früheren, etwas knappen, direkt nach München umbuchen – manchmal brauchst halt auch a bissl Glück!

Tags darauf eröffne ich den Reigen der anstehenden Arbeiten mit dem Absetzen einer Bestellung. Ich weiß, dass meine Signalmittel weit über der Haltbarkeitsdauer sind – neue müssen her!

Der Koffer täuscht – sieht top aus, ist aber alt!
Alles drin was man braucht
Leider total überlagert

Man könnte meinen, dass es doch eigentlich wurscht ist, wenn das Ablaufdatum überschritten ist. Man sieht ja, dass ich auch sehr großzügig war. Aber einer unserer Freunde hat da mal richtig Behördenprobleme bekommen – willkürlich oder nicht – ich will das nicht haben. Außerdem ist es sicherheitsrelevant!

Ich bestelle also bei Katerina von „Boat & Parts“ einmal den kompletten Kofferinhalt. Die Lieferung hat bis Ende April noch nicht geklappt, aber das wird schon – hoffentlich.

Weil ich grad dabei bin, gebe ich auch die Wartung meiner EPIRB in Auftrag.

Der Rettungssender – ganz wichtig!
Auch der war überzogen

Hier war Diskussionsbedarf vorhanden! Es müsse eine neue Batterie verbaut werden, zudem der Funktionstest, alles plus Versand – zusammen rund 390.-€! Ich wusste das, hatte ich diesen Umfang doch schon einmal in Griechenland machen lassen.

Man erklärte mir, dass eine neue EPIRB für nur wenig mehr angeboten würde und fragte, ob dies nicht der bessere Weg sei.

Ich besuchte die bekannten deutschen Webseiten um zu vergleichen, fand aber nix unter 569.-€ plus Programmierung, plus Versand – und zwischen 390.- und 635.- ist ja dann doch ein Unterschied, zumal meine Rettungsboje von einem namhaften Hersteller war, der Ersatz jedoch „no name“ war und meine Halterung nicht mehr passen würde.

Ich entscheide, meiner EPIRB den Service angedeihen zu lassen! Tage gehen ins Land – in der letzten Woche des April erreicht mich ein Anruf, ich greife jetzt etwas vor, am Telefon erklärt man mir, dass man jetzt ein Angebot für eine neue EPIRB hätte, ich solle nochmals rechnen. Ich wusste nicht – soll ich lachen oder losheulen???

Egal, das Angebot war super! Gleiche Marke, inklusive Halter, Programmierung, Papiere und Versand aus Athen für 409.-€ – das ist ein Wort! Ich ändere meine Meinung und bestelle.

Ich hoffe nun, im Mai sowohl meine neue EPIRB als auch die neuen Signalmittel zu bekommen.

Ich packe das Werkzeug aus und lege los – das Arbeitspaket für heute heißt „Regalbrett für die Kiste mit Spraydosen“

Braucht einen Platz

Ich setze die allererste Schraube an, betätige den Bosch-Professional und… KRACK!

Nach fest kommt ab

Ja sag amal, geht denn nix ohne Ärger??? Die griechischen Gummischrauben sind mit dem Drehmoment der schwäbischen Maschine überfordert. Ich ärgere mich leise und bastle vor mich hin…

Zielbild erkennbar

Die Arbeit die ich an diesem Tag angefangen habe, sollte als die fieseste und gemeinste in die Geschichtsbücher eingehen – zumindest wenn man die Zielsetzung – ein Regalbrett bauen und montieren – mit dem Leid auf dem Weg dorthin in Abgleich bringt.

Der Zuschnitt war noch schnell erledigt, das kann man auf dem Bild oben schon gut erkennen. Die abgerissene Schraube wurde durch eine weitere ersetzt, das war eigentlich nur eine Randnotiz…

Um die fiesen Fallen zu erklären brauche ich ein Bild des Ergebnisses – schaut mal hier.

Finale Ansicht – bitte Pfeil beachten

Zunächst war ich durch die Größe unseres Bades bei geöffneten Schranktüren limitiert. Die steht leider in reziproker Relation zu meinem Volumen, so war es generell eine Herausforderung, alle Schraubarbeiten UNTER dem Brett durchzuführen.

Wenn ihr mal bitte den Pfeil beachten mögt – das Brett ist massiv montiert und schwebt frei. Am hinteren Rand gehen zwei Bolzen durch das Brett und eine Art „Balkon“ unter dem der Schlauch meiner Bilgenpumpe verlegt ist – ich WEISS DAS, es ist genug Platz, eigentlich!

Ooooops

Dennoch gelingt es mir, den Schlauch an beiden Bohrstellen anzubohren – an dem Tag konnte ich mir echt die Eselsmütze aufsetzen! Gott sei Dank gingen die Löcher nicht ganz durch, so war die Reparatur mit SIKA und selbstvulkanisierendem Tape vertretbar.

Das war nicht alles! Ich habe Standard-Schrauben in fast allen Längen, habe gut gemessen und doch waren meine 10cm Schrauben am Ende 5mm zu kurz. So musste ich noch Bolzen anfertigen und mehr oder minder aufwändig flexen.

120mm Bolzen

Naja, mühsam nährt sich das Eichhörnchen. Was ich als Arbeit für zwei, drei Stunden eingestuft hätte, mauserte sich zur tagfüllenden Aufgabe. Dennoch, trotz all der Stolpersteine arbeitete ich mich voran und kam dem Ziel näher.

Um das Gewerke stabiler zu gestalten, entschied ich, eine Stütze unter das Brett zu schrauben – dafür musste ich in die Dusche ausweichen. Und da passiert es – ich war FERTIG und beim Aufstehen hakt sich der Einhebelmischer der Dusche in meinen Hosenbund.

Ich spüre Wasser in meinen Rücken sickern, verstehe für einen Bruchteil einer Sekunde nicht was passiert, kann mich aber nach dem Erfassen der Situation nicht wirklich schnell befreien. Gehe ich weg, breche ich den Mischerarm ab, stehe ich weiter auf, drehe ich die Dusche komplett auf.

Die zwei oder drei Sekunden die ich brauche um mich zu befreien reichen aus, dass mich die teuflische Brause nahezu durchweicht! Tja, manchmal hast Du einfach kein Glück – und wenn dann noch Pech dazu kommt 😦

Grrrrr

Feuchte Duschwanne und sich selber duschen und waschen – funktioniert. Trockene Duschwanne und schwarze Füße – funktioniert auch. Nasse Duschwanne und schwarze Füße – funktioniert NICHT!

Das Bad war besudelt

Ich fluche vor mich hin und wische die Duschwanne raus, natürlich hinterlasse ich überall Tapser mit meinen feuchten Füßen – ich realisiere, heute ist nicht mein Tag!

Am frühen Abend ist es vollbracht – trotz des ganzen Ärgers findet die sperrige aber notwendige Box mit unseren Spraydosen einen adäquaten Platz und ich habe einen ungenutzten Raum in Stauraum verwandelt – wenn mir das jetzt noch mit Wasser und Wein gelänge, ich wäre am Ziel meiner Wünsche!

Bombenfest, stabil und millimetergenau

Ich schleppe mich, immer noch mit feuchten Nieren, zu Marcus auf die DARKSYDE, wo man mir mit einem Ouzo neue Lebensgeister einhaucht. Ich versöhne mich mit dem Tag…

Ouzo mit Wasser – eine Art „Schorle“ (Greek Style)

…was letztlich gar nicht so schwer war, denn kaum war der Ouzo im Glas, kaum klang die typische griechische Musik, die Ellinika dimotika tragoudia, aus den Lautsprechern, gesellte sich schon die „Austria Connäktschn“ zu uns – die Stegparty war flugs im vollen Gange!

Wir grüßen Sibylle in Deutschland – der zurückgelassene Gatte, DARKSYDE, FINI und OCEAN FANTASY

So ließen wir den Tag ausklingen und zogen uns erst in unsere Schiffe zurück als es schon dunkel und frisch war. Ich spürte auf dem etwa 23m langen Heimweg, dass ich unter Umständen einen Ouzo zuviel getrunken hatte und beschloss, nicht zu kochen – das Hantieren mit Feuer schien mir ein Risiko am heutigen Tag 😉

Telefonieren konnte ich noch, so war der Pizzalieferant meines Vertrauens schon kurze Zeit später zugegen um mir die Leibspeise vor die Haustüre zu bringen – guten Appetit!

Singledasein – ein einziges Leid

Im Fernsehen läuft „Wunderschön“ und so lasse ich mich herrlich einlullen bis mir die Augen zufallen und ich mich in die Koje verhole. Morgen ist ein neuer Tag!

Der beginnt, wie immer, mit einer, besser zwei, Tassen Kaffee. Ohne Kaffee geht NIX!

Kaffee – wenig Kalorien, keine Kohlehydrate, aber viel Lebensgeister

Bing! Mein Mobiltelefon klingelt mich an. So früh? Wer kann das sein? Ich bin überrascht und riesig erfreut gleichzeitig! Philipp & Kristel haben an mich gedacht und schicken mir Grüße und ein Bild von ihrer Pazifiküberquerung – live, also direkt vom Pazifik, aus der Weite des Oceans…

Wir haben die Beiden, die Crew der AMAÉ, vor zwei Jahren auf Leros kennen gelernt und waren für ein paar Wochen Zeugen ihrer Vorbereitung für IHRE „große Reise“ – Ziel offen!

Aber wenn nun, zwei Jahre später, Grüße vom Pazifik gesendet werden kann ICH nur sagen – Gratuliere und Chapeau! Ihr habt alles richtig gemacht. SO schreibt man seine eigenen Geschichten in das persönliche „Buch des Lebens“.

Ich starte beschwingt in den Tag – dies äußert sich darin, dass ich Platz schaffe. Material, welches ich VERMUTLICH nicht mehr brauche fliegt raus.

Schläuche aller Art
Der Rest der massiven Dämmmatte

Ha, langsam wird es. Beflügelt gehe ich gleich den nächsten Punkt auf der Liste an, ich muss noch einen Plotter erden.

Gedacht, gemacht – den Pod noch einmal aufgeschraubt, das Kabel angebracht und alles wieder zusammengebaut. Auch an diesen Punkt kommt ein Haken – und weil ich gerade an der Lenksäule am Werkeln war, habe ich auch gleich unser „Cockpittäschchen“ angebracht. Da bewahren wir unsere Mobiltelefone und Krimskrams auf während wir unterwegs sind.

Das Erdungskabel hat noch gefehlt
Über Jahre bewährt – ein Platz für Kleinkram und die Telefone

Heute habe ich „einen Lauf“! Dies will ich nutzen und packe mein Werkzeug, um den defekten Generator des eidgenössischen Bekannten anzupacken. Ich ahnte in diesem Moment noch nicht, dass dies ein Langzeitprojekt werden würde, beziehungsweise werden könnte.

Der demontierte Wärmetauscher
Der gebrochene Halter

Ich habe nicht damit gerechnet, dass der Eigner, der ja auf Empfehlung von Freunden kam, mir nicht die komplette Vorgeschichte ausbreiten würde. Warum das so ist, oder zumindest war, kann ich bis heute nicht sagen.

Zu diesem Zeitpunkt haben wir davon gesprochen, dass der Wärmetauscher nicht mehr fest ist und wackeln würde und ein Ölverlust vorläge.

Der Wärmetauscher war rasch ausgebaut, der gebrochene Halter schnell als Übeltäter entlarvt, der Reparaturansatz klar – ich dachte an eine schnelle Reparatur und informierte den Besitzer über den Sachstand.

Der Tag war zu Ende, der Wind nahm zu und zog mich auf NESSAJA zurück.

Gleich ist die Sonne weg

Dort checkte ich nochmals meine Batterien und meinen Stromhaushalt, denn ich bin seit Sibylles Abreise „off grid“, ich will sehen, wie lange ich es alleine ohne Landstrom oder Nachtanken von Wasser aushalte. Ohne zu sparen, aber mit einem anderen Nutzerverhalten als meine Gattin.

Mir kam zu Gute, dass es windig war und meine Hassliebe, mein Windgenerator, ziemlich lieferte. Dazu tagsüber der Solarstrom – passt alles, immer noch ohne sich sehr zu mühen.

13A vom Windgenerator – das ist ok

Inzwischen frustriert mich, dass Sibylle will, dass er nachts ausgeschaltet ist, das konterkariert meine Idee von Autarkie und den Sinn dieser Maschine generell.

Zurück auf die Zeitachse! Gut am Alleinsein ist, dass man offensichtlich sowas wie Mitleid erregt, auch ich! So war ich heute auf der DARKSYDE zum Dinner geladen. Das freut mich sehr – zum einen schätze ich die Gesellschaft der jungen Familie, zum anderen gab es handgepresste Spätzle zu frischem Gulasch, yummie!

Spätzle – wie geil!

Zum Absacker noch einen oder zwei Ouzo, dann geht es ab in die Koje. Morgen ist auch noch ein Tag…

Und was für einer! Herrliches Wetter, Sonnenschein, Wärme – ich will an Deck arbeiten und nehme mir vor, den Punkt „Mastwagen für Spinnakerbaum montieren“ wegzuarbeiten.

Zusammenbau von Mastwagen und dem Trichter für den Baum war schnell erledigt

Ich montierte die aus Deutschland mitgebrachten Gleitstücke und den Trichter in dem der Baum einrastet. Dieses Konstrukt muss nun an die Mastschiene montiert werden.

Passt

Das war ein bisschen aufwändig, weil der Mastwagen leicht verzogen ist. Mit ein paar leichten Hammerschlägen hat er sich aber in Position bringen lassen. Und da diese Position nicht andauernd geändert werden muss, ist es so auch ok – zumindest bis wir wissen ob das Ausbaumen der Genua etwas für uns ist. Im Falle ja, können wir uns immer noch den exakt passenden Harken-Wagen kaufen.

Ja und weil der Tag gar so gut war, weil es gar so gut lief, packte ich gleich das zweite Außenprojekt an – die Wartung meiner sechs Winschen. Ich schäme mich fast ein wenig – ich habe das noch nie gemacht, obwohl wir NESSAJA ja schon acht Jahre haben. Es war an der Zeit…

Nummer 1 – pack´ ma´s
Muss auch raus – aber wie?
Geschafft – alles zerlegt

Ich besorge Lappen, Waschbenzin und Pinsel und fange an, jedes kleine Einzelteil der zerlegten Winsch zu putzen. Nachdem das geschafft ist, wird jedes Teil gefettet, die Zahnradgruppen nebst Sperrklinken wieder zusammengesetzt und zu guter Letzt die Winsch wieder komplettiert.

An diesem Tag schaffe ich die erste Winsch, ich bin zufrieden, weiß aber auch, dass mich diese Arbeit etwas in Anspruch nehmen wird. Es ist klar, das muss auf mehrere Tage verteilt werden.

Kochen oder Fremdküche? Die Faulheit siegt und abermals wird der Pizzadienst des „La Nostra“ gerufen. Die Pizza ist aber auch gut…

Abendessen – 16.-€
Entertainment durch Mediathek oder YouTube

Häufig investiere ich meine Abende in Recherchearbeit. Immer dann wenn es Teile zu ordern gibt oder wenn technische Unterlagen notwendig sind. So bin ich doch eine zeitlang damit beschäftigt, die Manuals für den 20 Jahre alten Fischer Panda Generator des Schweizers zu beschaffen – der Zusammenbau soll bald erfolgen, ich benötige ein paar Drehmomente und ein paar technische Daten und Füllmengen. Fischer Panda hilft mir, drei Tage später habe ich alles was ich brauche – sehr guter Service!

Der neue Tag beginnt mit der Abreise der DARKSYDE. Ich bin ein bisschen traurig, denn mit Marcus´ Familie ist Kurzweil irgendwie garantiert. Der Smalltalk ist erfrischend, die Gespräche tiefgründig – ich werde die drei vermissen.

Yassas und bis bald

Ich fahre einkaufen, denn die Schränke sind leer und ich muss für volle Schubläden sorgen. Ich springe also auf meine treue GS und drehe eine Runde durch Lakki.

Alles was wichtig ist

Zugegeben, meine Einkaufsliste sieht anders aus als die von Sibylle. Salat ist drauf, Gemüse fehlt – ein bisschen mehr Knabbereien und Coke. Kochen will ich auch mal – die Wahl fällt auf Cordon Bleu. Naja, der Einkauf eines Strohwitwers eben…

Hm, „Biggest Loser“ ist so nicht zu gewinnen

Am Heimweg erreicht mich eine Nachricht von Thilo. Er sähe von zuhause, dass sein Schiff nicht mehr lädt. Ob ich wohl mal nach dem Rechten sehen könnte. Klar kann ich, ich mache mich auf den Weg zur Stromsäule und sehe gleich, dass kein Guthaben mehr auf dem Account ist.

Dieses Problem wäre rasch gelöst, wenn nicht ein anderer dies schon entdeckt hätte und die somit „freie“ Steckdose occupiert hätte. Leider ist an dieser Säule nur eine Steckdose dieser Größe. Was tun?

Seufz, ich will helfen! Thilo hat uns durch die Leihgabe seines Autos auch unterstützt, eine Hand wäscht die andere – so gehe ich auf NESSAJA und hole einen meiner Adapter, um ihn für unbestimmte Zeit an das Kabel der HOMEOFFICE zu stecken – und dieses dann wieder mit der inzwischen neu aufgeladenen Säule zu verbinden.

Ich sammle Karmapunkte!!!

So, die HOMEOFFICE lädt wieder

Endlich ist Zeit, sich dem Arbeitsplan zu widmen. Ich richte also wieder das Werkzeug und die Reinigungsutensilien für meine Winschen her und schreite zur Tat.

Heute Nummer 2
Alles bis auf´s Kleinste zerlegt
Nach der Reinigung gefettet und wieder komplettiert

Ich stelle Nummer 2 fertig und muss leider schon wieder unterbrechen. Ich bin mit Giorgos in seiner Werkstatt bei „Boat & Parts“ verabredet um den Halter für den Generator zu rekonstruieren. Ein Neuteil war nicht mehr zu bekommen.

Treffpunkt 17.30 Uhr – GMT (Greek Maybe Time)

Als der begnadete Schweißer eintraf, gab es erstmal ein großes Hallo – dann Kaffeebestellung. „Cappuccino sketo, as always?“ – äh ja, er weiß wie ich meinen Kaffee trinke – als einer von drei Menschen weltweit…

Dann fangen wir an, oder? Ja! Also gleich! Zuerst müsse ich noch schnell einen Blick auf eine Zylinderkopfdichtung werfen, ich würde mich da doch auskennen, oder?

Fast wie damals – eins für Facebook…
…dann aber ernsthaft

Wir tauschen Meinungen aus, es wird palavert und vier Männer stehen gestikulierend um einen alten Motor. Wie ich das liebe! Es erinnert mich an früher, an eine Zeit die so weit weg scheint…

Jetzt aber – mein Halter!

Aus einem Rohr wird ein Stück herausgenommen
Bisschen Reinigungs- und Anpassungsarbeit
Dann schreitet der Virtuose ans Werk
Fertig

Ich fahre zurück auf NESSAJA, fotografiere das Trum und informiere den schweizer Besitzer des flügellahmen Stromerzeugers, ich wähne mich dem Ziel nahe – doch weit gefehlt! Allerdings weiß ich das noch nicht!

Zeit zum Abendessen, heute ist Zeit zum Kochen – ich bereite mir also ein weiteres Leibgericht – Cordon Bleu mit einem Riesensalat.

Gut war´s

Danach war Abwasch und Küchendienst angesagt – spätetens jetzt zweifelte ich am Sinn für eine Einzelperson zu kochen. Alles in Allem, Gas, Strom und Zeit mit eingerechnet, kommt es teurer und ist aufwändiger als die günstigen Restaurant- oder Taverna-Varianten.

In der Nacht kommt ein Gewitter, es schüttet wie aus Eimern! Ich mag das Prasseln am Dach, besonders dann, wenn ich weiß, dass es kaum hereintropft – wir haben die Dichtheit des Schiffes gut im Griff.

Nicht im Griff hat die Marina dagegen die Schlammwüste nach einem solchen Wolkenbruch.

Deine Spuren im Sand… NEIN Matsch
Schlaatz überall

In manchen Ecken sinkst Du mehr ein, in anderen weniger – wir kennen unsere Laufwege inzwischen, aber es kommt vor, dass der Schlamm zu den Crocs „oben einsteigt“ – nicht wehren, waschen – lautet die Devise.

Ein Italiener spricht mich an – ob ich nicht zufällig ein gebrauchtes Schlauchboot wüsste. Ähhh, ja – im Wagen von Thilo liegt eines!

Klar weiß ich ein gebrauchtes Schlauchboot 😉

Ich zeige das gebrauchte Gummidinghy und packe es für den Amici aus. Er freut sich, fotografiert, versendet, telefoniert – und kauft! Minuten später wechselt das Objekt der Begierde den Besitzer und wird auch sofort abtransportiert.

Da fährt es dahin

Thilo freut sich über den Erlös, ich über neue Karmapunkte und der Azzuri über das neue Spielzeug – was für ein Tag!

Muss ich erwähnen, dass ich zwei Wochen später, in Abwesenheit der FINI Besatzung, auch deren altes Dinghi verkauft habe? Ob ich über ein Provisionssystem nachdenken sollte? Nein, ich bleibe bei Bewährtem, ein Fläschen Ouzo als Dankeschön und natürlich ein paar Karmapunkte…

Der Tag ist noch jung – ich widme mich wieder meinen Winschen und schaffe heute Nummer 3 und 4.

Heute die zwei Schotwinschen, die größten

Nach getaner Arbeit belohne ich mich selbst mit einem Eis von „Repapis“ und genieße hier die letzten Sonnenstrahlen bevor ich mich ins Schiff zurückziehe.

Am Abend beschäftige ich mich ein bisschen mit der Kommunikation zur Außenwelt. Ich stöbere in den sozialen Medien und finde bei Facebook in der offiziellen „I love Lipsi“ Gruppe ein Bild an dem mein Auge hängen bleibt – kenne ich die beiden Schiffe nicht???

Witzig

Ja klar, das Bild zeigt die DARKSYDE und die OCEAN FANTASY im Hafen der Nachbarinsel Lipsi. Die beiden Schiffe haben einen Abstecher dorthin gemacht, ich hätte sie gerne begleiten sollen, wollte die zwei Arbeitstage aber nicht verlieren.

Umso witziger fand ich, dass ich jetzt einfach so auf dieses Bild gestoßen bin. Big Brother is watching you…

Noch eine weitere lustige Kommunikation an diesem Tag. Es meldete sich aus heiterem Himmel Emine bei mir. Sie ist der weibliche Part eines türkischen Paars, welches in Leros überwintert hatte, jetzt aber wegen der Aufenthaltsbestimmungen zurück in die Türkei musste.

Sie wies mich darauf hin, dass wir, sollten wir in die Türkei reisen, sie unbedingt besuchen müssten. Sie seien in der Nähe von Bodrum, ich würde das bestimmt nicht kennen – sie sendet mir ein Bild…

Dort haben Sibylle und ich NESSAJA 2014 gekauft

Ich schmunzle – und ich bin sicher Emine auch, als ich ihr schreibe, dass ich die Port Iasos Marina sehr gut kenne, habe ich NESSAJA doch 2014 dort gekauft – als sie noch OTARIE hieß. Was für ein Zufall – so könnte es sich ergeben, dass ich doch noch einmal nach Güllük zurück komme, wer weiß???

Am nächsten Tag beginne ich früh, ich will den Generator fertig stellen. Ich baue den Halter ein und schraube den Wärmetauscher wieder an…

Der neue Halter, passt perfekt

…zerschrammle mir dabei die Arme, weil es halt gar so eng in des Generators Lücke ist. Ich fluche leise um mein Karmapunktekonto nicht zu gefährden.

Oh weh, oh mir

Als das erledigt ist, fülle ich das Öl auf und prüfe den Ölstand – auch das ist perfekt!

So, fast fertig

Ich schütte das Kühlwasser in den Behälter und so wie es oben reinfließt, läuft es unten wieder raus – was ist das? Ich prüfe und fühle am Kühlwasserschlauch einen Cut. Ok, das ist kein großer Job – ich beschaffe einen Schlauch und tausche diesen aus. Ich fülle wieder Kühlwasser auf, nichts tropft mehr! Super!

Ich rufe den Besitzer an, wir sind fertig zum Probelauf. Ich befürchte den beschriebenen Ölverlust und will den Eigner des Bootes dabeihaben. Wir starten den Generator und während ich das Kühlsystem entlüfte läuft wieder Kühlwasser aus dem Motor – und nun???

HEUTE erst ergibt ein längeres Gespräch mit dem Eidgenossen. Er räumt ein, dass schon mehrere Mechaniker an dem Gerät gearbeitet haben. Es könnte auch sein, dass es kein Ölverlust ist, sondern eben Kühlwasser. Auf jeden Fall habe unsere Marina die Reparatur abgelehnt – man könne das Aggregat ersetzen, es sei aber ein wirtschaftlicher Totalschaden.

DAS wirft ein anderes Licht auf die Sache. Ich muss nachdenken, wir vertagen uns…

In diesem Moment meldet sich mein Mobiltelefon mit einem eindringlichen BING – eine Nachricht von Vivi trifft ein…

Wow! Yeah! Das lasse ich mir nicht zweimal sagen! Sofort fahre ich zur Versicherungsagentur und schließe eine Haftpflichtversicherung ab. Diese kostet rund 10.-€ mehr als in Deutschland, die Steuer ist dagegen um etwa den gleichen Betrag günstiger – ein Nullsummenspiel also.

Mit der druckfrischen Police in der Tasche, fahre ich zu Vivi um meine Papiere und mein Kennzeichen abzuholen. Dabei bemerke ich, dass anders als in Deutschland, der TÜV-Stempel nicht von der Zulassungsbehörde angebracht wird.

Ich brause zur Technischen Überwachungsstelle die ja noch auf Leros stationiert ist – der Prüfer erinnert sich an mich und klebt die Plakette.

ENDLICH – meine GS ist nun eine Griechin!

Weniger coole Kombi

Ich bringe das Bild in Facebook und schreibe spaßeshalber, dass die Zahlen- / Buchstabenkombi nicht mehr so cool ist wie zuvor – worauf Vivi kommentiert „…it´s Greek, that´s the most important!“

Recht hat sie – mein erstes fremdes Kennzeichen. Das leidige Thema der begrenzten Aufenthaltsdauer für Fahrzeuge ist somit endlich vom Tisch. Ich bin stolz und montiere das neue Taferl sofort!

Aus MB GS650 wird EAO 982 – ich gewöhne mich dran

Der ganze Zinnober muss, trotz EU, stattfinden und hat mich rund 570.-€ gekostet – durch die Hilfe von Vivi und viel Eigenengagement ist das verhältnismäßig günstig – und es war eine gute Entscheidung wie sich etwas später zeigen sollte…

Die DARKSYDE hat sich angekündigt, die Freunde kommen zurück um ein paar Tage in der Marina zu verweilen. Das machen viele Segler in dieser Zeit, denn das Wetter ist noch nicht so beständig, dass man wochenlang „buchteln“ möchte. Ein paar Tage in der Bucht, bei Wetterverschlechterung ein paar Marinatage – so passt es.

Willkommen zurück

Leider habe ich nicht so viel Zeit in dieser Phase des Monats. Ich habe neben meiner ureigenen Arbeitsliste auch ein paar Fremdprojekte offen. So fahre ich morgens in den Ort um meine Verbrauchsmaterialien wieder aufzufüllen, dann zurück in die Marina – hier herrscht allerorts emsiges Treiben.

Mechaniker Petros bekommt einen Motor geliefert – der Kran hebt diesen an Ort und Stelle

Ich dagegen war zu einer neuen Baustelle beordert. Bereits vergangenes Jahr hat mich Felix angesprochen. Er und seine Frau Georgette sind in der Schweiz zuhause und besitzen eine alte Amel Maramu in perfektem Zustand. Felix hatte mich also vor einiger Zeit schon gefragt, ob ich beim Umbau seiner Wellendichtung „assistieren“ könne.

So verhole ich mich mitsamt meiner Werkzeugkiste auf dieses „besondere Schiff“ – mal sehen was mich als Schrauberassistent erwartet!

Der Arbeitsplatz für zwei Tage

Was zunächst eigenartig klingt, war eine hervorragende Idee des Eigners. Er weiß natürlich genau, dass man sich zu helfen wissen muss und hat sich die Arbeit auch zugetraut. Er wollte aber wirklich jeden Arbeitsschritt mit mir absprechen, ich habe nur Werkzeug gereicht, meine Meinung abgegeben und musste letztlich nur bei zwei komplizierteren Dingen unterstützen.

Felix in der Kiste – ich reiche an und gebe schlaue Kommentare ab
Wir kamen schnell voran und konnten die Welle bald ziehen

Die Herausforderung war, dass dieses Schiff mit einem Wellengenerator ausgestattet ist. Wir mussten Einiges abmontieren um die Welle vom Getriebeausgang zu trennen – aber am Nachmittag hatten wir es geschafft, das Schadteil war ausgebaut.

Jetzt kam mein Einsatz, Rost und Schmutz hatten den Gewinden der Kupplung zugesetzt, ich habe also an Bord von NESSAJA alle Gewinde des wiederzuverwendenden Teiles und der dazugehörigen Schrauben nachgeschnitten.

Gewinde schneiden, Grate feilen

Theoretisch war noch genug Tag übrig um den Zusammenbau zu beginnen – wäre nicht EINE spezielle Schraube abgerissen. Diese Madenschraube war nicht so leicht zu beschaffen. Wir mussten also für heute den Feierabend einläuten.

Leider ab – 8mm Inbus-Madenschraube mit Sicherungslöchern

Ok, traurig war ich über diese Nachricht nicht! Das offizielle Willkommen der DARKSYDE Crew war noch nicht vollzogen – so war das Feierabendbier gleichzeitig auch der Willkommensschluck.

Ein guter Tag – darauf ein „Mamos“

Der nächste Tag begann für mich mit Weckergeläut! Ein sehr ungewohntes Gefühl, aber Felix möchte um spätestens 09.00 Uhr beginnen – und ich habe am Vortag versprochen, dass ich mich um die Beschaffung der abgerissenen Schraube kümmern werde.

Hier konnte nur Giorgos helfen!

Giorgos richtet mir den Rohling her

Mein Freund arbeitet hauptberuflich in der „Artemis Boatyard“, dort bekomme ich um 08.30 Uhr die Rohlinge und Giorgos längt sie mir ab und entgratet die Madenschrauben. So habe ich nur noch die Sicherungslöcher zu bohren – es kann losgehen!

Nur die Sicherungslöcher fehlen noch

Noch einmal konnte ich Felix helfen – beim Ausbohren des abgerissenen Schraubenstummels. Das Loch war rasch gebohrt, das hat gut geklappt. Ich versuche als Trick immer ein Torx-Werkzeug einzuschlagen – auch dieser Kniff hat dieses Mal perfekt funktioniert.

So konnte Felix die Arbeit fertig stellen und ich war auf der ALLEGRA entlastet. Eine kleine Fleißaufgabe hatte ich allerdings noch – der Stummel der abgerissenen Schraube klemmte ja immer noch bombenfest auf meinem Torxbit, das wollte ich auf jeden Fall retten!

Bombenfeste Verbindung

Das war eine Aufgabe für den „Flexman“, den letzten Superhelden! In Sibylles Abwesenheit kann ich hemmungslos mit meinem Lieblingswerkzeug hantieren – ich liebe dieses Tool und bin behände im Umgang damit.

So krame ich die Lieblingsmaschine hervor…

What a sexy tool

Ich spanne die 1mm Scheibe ein und setze einen Schnitt – einem forensischen Skalpellschnitt gleich, ahhh. Mit dieser Maschine könnte ich Fingernägel schneiden 😉

Das Werkzeug ist aus seinem Korsett befreit

Wie alle Superhelden verwandle ich mich nach getaner Arbeit zurück und bemerke, dass die persönlichen Akkus leer sind und nach Aufladung verlangen. Ich lasse mich also verleiten, etwas zu tun, was in Sibylles Anwesenheit nicht möglich wäre…

Ein Nickerchen – wie herrlich

Derart regeneriert, beschließe ich heute wieder selbst zu kochen. Es gibt wieder ein Salätchen und eine Portion Cordon Bleu – warum den ausgeklügelten Speiseplan ändern?

Da läuft mir doch das Wasser im Munde zusammen
Blattsalate mit getrockneten Tomaten und Pinienkernen – das möchte ich

Beim Einkaufen war mir ein Geräusch aufgefallen – chhhhh, chhhh – nur beim Bremsen. Ok, kaum griechisch geworden und mit neuem „TÜV“ versehen, verlangt die GS wieder nach Aufmerksamkeit. Ich bremse nochmal – chhhhh…

Das Geräusch kenne ich, sofort wird mir klar – die Bremsbeläge sind verschlissen, was ich höre ist die „akustische“ Warnung zum SOFORTIGEN Ersatz derselben.

Woher nehmen? Ich rufe Sibylle an – wer mich kennt weiß, dass ich das Telefon hasse. Sie ist nicht erreichbar. Ich schreibe eine WhatsApp, die liest sie IMMER, aber nicht jetzt, nicht von mir – grrr. Ich weiß, sie ist in Rosenheim und könnte mir die Teile mitbringen, Originalteile, beste Qualität, ein schöner Gedanke!

Etwas später ruft sie zurück und erklärt als Antwort auf mein Ansinnen, dass sie nicht mehr in Rosenheim ist, alles sehr kompliziert, blablabla – bei kompliziert habe ich aufgehört zuzuhören. Ich liebe meinen Schatz, aber manchmal haben wir unterschiedliche Definitionen von Flexibilität, na egal.

Ich schreibe Loukas, den Moppedhändler über Facebook an – er antwortet zwei Minuten später, ich solle kommen…

„Moto Loukas“, Suzuki, Yamaha, Piaggio – und BMW???

Loukas stöbert in Schubladen, liest Listen, durchkramt so Displayständer um nach Bremsbelägen zu suchen. Meine Iris erfasst Markennamen die ich, nach 35 Jahren in der Automobil-Zulieferindustrie, noch nie gehört habe! Ich frage nicht nach „Made in…“

Der junge Mann ist sichtlich stolz, als er tatsächlich vordere UND hintere Beläge für meine GS herauskramt. Ich bitte ihn, dies doch gleich einzubauen, den Auftrag hat er sich verdient!

Hinten ist rasch erledigt
Top – so muss das
EBC und Daytona??? Was werden meine Brembo Sättel dazu sagen?

Zunächst dachte ich, EBC Beläge in Brembo Sättel einzubauen ist wie Aldi Tütensuppe aus Villeroy & Boch Porzellan zu löffeln – aber vielleicht irre ich, im Internet tritt EBC jedenfalls selbstbewusst auf. Heute kann ich sagen – die BMW bremst und ich lebe noch!

Die vorderen Beläge waren gut ausgenutzt 😉

Wurde Zeit…
…höchste Zeit

Sehr schön, so mag ich das! Das Mopped geht wieder und durch die neuen Bremsbeläge erfahre ich ein ganz neues Anhalteerlebnis – so toll, dass ich, fast schon an der Eisdiele vorbeigefahren, noch rechtzeitig zum Stehen komme – ich gönne mir ein Speiseeis der Extraklasse!

Frühsommer auf Leros
Caramel & Pecanut zum Lunch

Als ich am Heimweg an der Tankstelle vorbeifahre muss ich meine neuen Verzögerer noch einmal testen – was sehe ich im Augenwinkel???

Na, seht ihr es auch?

Mein altes Kennzeichen hat den Weg an die „Wall of Fame“ gefunden, Familie Mavroudis sammelt die Kennzeichen aus aller Welt, welche bei diversen Einfuhren durch ihre Hände gingen. Ich habe meine Miesbacher Nummer gerne gestiftet.

Zurück in der Marina wurde ich beim passieren der DARKSYDE gestoppt – wie könne ich vorbeigehen, ohne einen Sundowner zu genießen? Ich seufze kurz, stimme aber zu – ein Ouzo plätschert in mein Glas, danach noch ein Bierchen…

Wir senden Grüße an Sibylle, sie kommt bald zurück

Zum Abendessen war ich mit König Erwin, so nennt er sich selbst, verabredet. Nein, er leidet nicht unter Größenwahn, wenn man König mit Nachnamen heißt zieht man eben die viceversa Version der Namensnennung vor – ein bisschen verstehe ich das, würde ich Super mit Nachnamen heißen, würde ich ebenso handeln.

Audienz bei König Erwin

Der Alpenländler aus Österreich war ebenfalls ohne seine Gattin in der Marina, so lag es nahe, dass wir uns zusammen ein Bierchen nebst Burgerbegleitung genehmigt haben. Die Burger im „Persiana“ sind gut und günstig – außerdem war das Lokal das einzige, welches in der Woche vor dem orthodoxen Osterfest geöffnet war.

Fei guad – und für 7,50€ nicht teuer

Der neue Tag begann herrlich, die Sonne kommt über den Berg an dem die Marina gebaut ist und wärmt die Luft recht rasch auf – wunderbar!

NESSAJA im Sonnenlicht

Ich genieße gerade meinen Kaffee – BING – eine Nachricht von Sibylle. Oh wie schön, sie denkt an mich. Der Inhalt ist selbsterklärend und macht klar warum…

Miesbach – 14.04.2023

Noch bevor ich antworten kann, bingt mein Telefon ein zweites Mal – was ist denn heute los? Ihre Majestät genießt den Morgen scheinbar auch und sendet mir die königlichen Empfindungen.

Ok, hier ist Sonne

Ich denke mir, dass Erwins Nachricht eigentlich die ideale Antwort für Sibylle ist und leite sie weiter. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Ich glaube, meine Gattin hatte zu dieser Zeit die Schnauze voll. Nein, wo denkt ihr hin – nicht von mir! Vom eisigen Deutschland! 😉

Das Telefon bingt ein drittes Mal, ich überlege es zu versenken. Ich erhalte eine Nachricht von Seglern aus Berlin. Ich solle doch bitte nachsehen, ob die Marina, wie beauftragt, eine „Holzleiter mit 11 Sprossen“ an ihr Schiff gelehnt hätte. Hat sie natürlich nicht!

Noch während ich überlege, wie die Geschichte wohl endet wenn eine Leiter mit 12 Sprossen dort stehen würde, greife ich nach der begehrten Aufstiegshilfe…

Was tut man nicht alles

…und schleife das schwere, elfsprossige Trum an das Schiff der Segelfreunde. Habe ich schon erzählt, dass ich Karmapunkte sammle?

Der Weg ist geebnet

Es wird Zeit, sich den eigenen Aufgaben zu widmen. Es sind noch die zwei Winschen für die Fockschoten zu reinigen und schmieren. Das will ich fertig machen bevor Sibylle morgen früh ankommt.

Job erledigt – fast

Die Rückreise hat für meine bessere Hälfte bereits begonnen. Wieder kommt sie in der Hauptstadt Hellas´ an, diesmal setzt sie die Reise aber mit der Nachtfähre fort. Ihre Ankunft auf Leros ist daher für 08.00 Uhr morgens in Lakki geplant. Wir wollen dann zusammen frühstücken gehen und uns erst einmal austauschen um langsam in den Tag zu starten – aber bis dahin sind es ja noch ein paar Stunden hin…

Während ich die Winschen präpariere, erreicht mich ein Bild und die Info, dass Sibylle gut in Athen gelandet ist.

Die Gute! Sie ist also wohlbehalten angekommen und muss jetzt mit dem Bus vom Flughafen nach Piräus zum Fährhafen fahren.

Ich dagegen beende mein Tagwerk und möchte meinen letzten Tag als Strohwitwer gebührend ausklingen lassen. Ich habe Einiges geschafft und es sieht aus, als würde ich die Phase überleben können!

Zum letzten Mal DREI Kugeln Eis – es beginnt wieder die „Zweikugelzeit“.

Tabletten für die Freunde

Ich nutze die Gelegenheit um Funda und Burim, die inzwischen zurück waren, ein paar Pillen aus der Apotheke mitzubringen. Die Beiden haben sich bei ihrer Rückkehr aus Thailand irgendwas eingefangen und liegen seither mit Grippesymptomen flach. Kopf hoch, wird schon wieder!

Zum letzten Mal Singleküche – essen ohne Gemüse!

Nudeln machen glücklich

Ich kaufe mir 1kg Garnelen und brutzle die in Knoblauchöl. Zusammen mit Tortellini und einem Käse-Tomatensugo ein Gericht das glücklich macht. Dass ich das Abspülen danach irgendwie nicht leiden kann, hatte ich bereits erwähnt!

Ich höre ein Böllern, ein Knallen, ein Zischen und Pfeifen – unverkennbar ein Feuerwerk! Es ist der orthodoxe Karfreitag, leider verpasst Sibylle wie auch schon letztes Jahr, das imposante Schauspiel in Lakki.

Ich gehe nach draußen und habe quasi einen Logenplatz!

Aus NESSAJAs Cockpit
Alles gut zu sehen
Von der Kaimauer – für den besseren Eindruck – das Spektakel ging bestimmt 20 Minuten

Zufrieden und durchgefroren gehe ich ins Schiff zurück. Ok, ich weiß, dass das Feuerwerk nicht mir galt, aber dennoch war es ein gelungener Ausklang meiner Phase „without her“ – ihr erinnert euch sicher an die Headline dieses Monatsberichtes.

Ab morgen weht ein anderer Wind, Sibylle kehrt zurück – ab morgen beginnt die „with her“ Phase des Monats April!

Zum dritten Mal in diesem Monat schellt der Wecker – inakzeptabel! Das muss sich wieder ändern. Schlaftrunken taumle ich aus meiner Koje und brühe mir einen Kaffee auf – so wird´s…

Gähhhhn

Gott sei Dank gibt es die moderne Technologie. Ich bemühe also „Marine Traffic“ um zu sehen, ob die Fähre schon nach Lakki eingebogen ist, naja, zumindest um zu sehen ob sie im Zeitplan unterwegs ist.

Ein paar Meilen noch

Ein witziges Bild wie ich finde. man sieht NESSAJA, da sitze ich gerade und schlürfe meinen Kaffee – und man sieht die BLUESTAR II, auf der wird Sibylle gerade Zähne putzen oder so…

Ich erlaube mir noch einmal Thilos altgedienten Caddy auszuborgen, fahre entlang der Riva von Lakki zum Fähranleger und sehe den Zubringer schon in der Bucht.

Klar zum Anlegen

Während der blau-weiße Riese sein Anlegemanöver fährt, sehe ich mich etwas um und entdecke die UCKERMARK, ein Schiff der Bundespolizei am Kai. Frontex hat immer Schiffe in Lakki stationiert um die Seegrenze zur Türkei zu überwachen, Flüchtlingsbewegungen sind alltäglich. Leros ist ja ein sogenannter „Hot-Spot“ – das Thema ist hier noch allgegenwärtig. Ein paar Tage später bekommt die UCKERMARK Gesellschaft, ein zweites deutsches Frontex Schiff ist jetzt temporär hier in Lakki stationiert.

Bundespolizei im Auftrag von Frontex

Zwischenzeitlich hat der stählerne Riese angelegt und seinen Schlund geöffnet, das wuselige Procedere von Be- und Entladen beginnt.

Schon Sekunden später verlässt die langersehnte Gattin den Zubringer und setzt ihre Füße wieder auf Lerosboden – daheim!

Die Ladeklappen sind schon offen
Da ist sie

Natürlich gibt es ein Begrüßungsbussi – aber der erste Satz der über ihre Lippen kommt lautet – „…ich habe Hunger!“

Für den Bruchteil einer Sekunde erinnere ich mich an Dinger die Tamagotchi oder so hießen und stetig gefüttert werden wollten. Aber da mir der Befehl der Angetrauten ja irgendwie auch Wunsch ist, lade ich die bleischwere Tasche in den Lastencaddy und entführe Sibylle in Mariettas „Μπακάλικο με τσίπουρο“ zu einem feudalen Frühstück!

NOCH bin ich der Herr der Moneten, noch halte ich die Haushaltskasse in den Händen…

Omelette – lang nicht mehr gehabt, frisch gepresster Orangensaft, aaaah…

Das jedoch sollte sich rasch ändern! Noch bevor die Tasche ausgepackt wurde und zwei Menschen über Stunden verzweifelt versuchen neu erworbenes Haushaltsgut in Fächer zu verstauen – vorher also, stand die Übergabe der gerade erwähnten Haushaltskasse an!

Meine Buchführung wurde akribisch geprüft – hat er etwa schon wieder DREI Kugeln Eis gehabt??? DAS leugne ich natürlich vehement – und verschweige dabei, dass die dritte Kugel in meiner Buchführung nicht auftaucht, weil ich sie aus MEINER Schmukasse bezahlt habe 😉

Ausgaben werden erfasst

Spaß beiseite, tatsächlich tracken wir unsere Ausgaben mit einer Haushaltsapp um ein bisschen Kontrolle über Ein- und Ausgänge zu haben. Das macht Sinn und hat sich bewährt – insofern war es nötig, dass Sibylle meine Ausgaben während ihrer Abwesenheit erfasst.

Dann aber – wir verräumen den Inhalt der Tasche! Mir wird klar, ich muss Stauräume schaffen, Regalbretter kaufen. Heute weiß ich – das wird sich bis in den Mai ziehen.

So vergeht der Tag, wir erzählen uns Geschichten aus den vergangenen Tagen und updaten uns ein wenig. Zu guter Letzt treffen wir uns auf Marcus´ DARKSYDE zu einem Absacker – es ist Ostern in Griechenland!

Der Tag neigt sich dem Ende zu
Lillis Ostereier machen klar – der höchste Feiertag steht an

Am nächsten Tag sitzen Sibylle und ich am Frühstückstisch – wir frühstücken schmal, es gibt nur ein Marmeladetoast zum Kaffee. Warum das? Wir sind bei griechischen Freunden, wie schon im Jahr davor, zum Osterfest geladen. Das artet gerne in eine Art „Großes Fressen“ aus und wir wollen vorbereitet sein.

Während wir also unser Toast knuspern, erreicht mich ein Bild von Giorgos…

Das Lamm rotiert schon am Drehspieß – dazu Kokoreç

Ok, erst das Toast runterschlucken, mit Kaffee nachspülen und dann das Bild genauer ansehen – ah, es gibt die typischen Osterspeisen, wir kennen das ja schon.

Am Grill dreht sich immer ein Osterlamm oder alternativ ein Zicklein. Es gibt dazu immer einen Spieß Kokoreç – was ist das???

Wikipedia sagt dazu – „Kokoreç ist eine griechisch-türkische Spezialität und besteht aus kleingeschnittenen, gegrillten bzw. gebratenen Lamm-Därmen. In der Türkei wird es sowohl als Imbiss im Baguette als auch auf dem Teller mit Beilagen serviert als Hauptmahlzeit gegessen. Auch in den Ländern der Balkanhalbinsel ist es verbreitet…“

Mahlzeit!

Wir erledigen unseren Haushalt und bereiten uns auf die Feierlichkeiten vor – mittags brechen wir zum Haus der Freunde auf.

Angekommen

An der Garage angekommen, hören wir schon das Gefidel der typischen Musik, der Geruch des Grills dringt zu uns und die Gastgeber schreien zu uns runter – man heißt uns willkommen. DAS ist Griechenland!!!

Bisschen dauert es noch
Wunderschöner Garten

Wir gehen die Auffahrt hoch, am Grill vorbei, in den wunderschönen Garten wo man die Tische und Bänke aufgestellt hat. Die Feier ist irgendwie in vollem Gange.

Die ganze Familie ist da, Großeltern, Eltern, Kinder, Tanten und Onkels, Cousins und Cousinen – die Gästeschar rotiert, man kommt und geht. Es kommen Freunde, kurzer Smalltalk, ein herzliches χρονια πολλα, chronia polla, das bedeutet wörtlich „viele Wiederholungen“ (des Tages) – und man verwendet diese Redewendung bei nahezu allen Feierlichkeiten.

Formeller sagt man Καλό Πάσχα, Kalo Pascha, es liegt auf der Hand, so wünscht man sich frohe Ostern.

Das war´s mit unserem Griechisch! Alles Weitere geht mit Händen und Füßen oder mit Hilfe der Übersetzungen von Giorgos und Katerina. Diesmal haben wir Glück und Bäcker Karanikolas ist mit seiner Frau zugegen. Katerina Karanikolas war viele Jahre in Australien und spricht sehr gut Englisch – sie baut uns sehr clever in die Kommunikationen am Tisch ein.

Mittendrin – die Kommunikation funktioniert. Verbal und non-verbal
Die Tafel reichlich angefüllt – jeder und jede greift einfach zu
Kleine Details – die deutsche Industrie ist allgegenwärtig, hier vertreten durch SIKA

Die Beilagen und Salate stehen in der Tischmitte und werden herumgereicht. Man greift einfach zu. Der Griller, abermals der Schwager, schneidet mit einem scharfen Messer Fleischfransen vom Grillgut welche auf einem Teller drapiert werden – dieser geht ebenfalls reihum.

Spontane Gäste gehen zum Grill, greifen nach dem rasierklingenscharfen Messer und schneiden sich ein mundgerechtes Stück vom rotierenden Lamm. Es ist anders als Grillen in Deutschland, ausgelassener, entspannter, lauter, bewegter – selten bis nie sitzen alle Personen am Tisch und essen einfach.

Die Haut des Lamms ist eine Delikatesse – ich bekomme gleich zwei Fetzen
Kokoreç – DÄRME – klingt nicht so doll – schmeckt aber fantastisch!!!

Wer isst bekommt Durscht – klar, dass es bei einer solchen Festivität nicht nur Wasser ohne Kohlensäure zu trinken gibt. Alkoholika aller Art kommen auf den Tisch, es wird stetig nachgeschenkt, vor einem Wetttrinken mit der Großmutter wird ausdrücklich gewarnt!

Ich bin das von Geschäftsreisen gewohnt und weiß mir zu helfen – muss ich auch, wir sind mit dem Motorrad da. Sibylle dagegen ist den Alkoholattacken der Griechinnen schutzlos ausgeliefert, dies führt dazu, dass sich meine Frau in fortgeschrittener Feierlaune den Tanzavancen der Gastgeberinnen nicht mehr erwehren kann.

Hopahopahopa
Nach „Zorbas dem Griechen“ nun also „Sevilli die Griechin“

Zur Bildunterschrift eine kurze Erklärung – obwohl die Sibyllen ja aus der griechischen Mythologie stammen, ist Sibylles Name hier schwer auszusprechen. Die Griechen sagen gerne „Sevilli“ zu Sibylle, das bürgert sich langsam ein. Wir merken oft, dass sich da in über Jahrhunderte währender Übertragung Verzerrungen ergeben haben – ein Beispiel nur – den Göttervater Zeus kennt hier niemand. Wenn man aber „Se-us“ ausspricht weiß jeder Bescheid – Sprachen, verrückt…

Solche Feiern beginnen mittags mit offenem Ende. Am späten Nachmittag wird es dann oft familiärer, durch den Alkoholpegel werden Übersetzungen schwieriger. Mit etwas Einfühlungsvermögen merkt man das gut und kann sich zurückziehen und verabschieden. Das machen wir gegen 16.00 Uhr. Erschöpft und vollgefressen fahren wir heim, aber auch um ein Erlebnis reicher.

Wir legen uns auf die Couch, schauen ein bisschen Video und gehen ohne Abendessen zeitig ins Bett…

Am nächsten Morgen meint Sevilli ihren Leib ertüchtigen zu müssen. Nach so einem Gelage täte es gut, wenn man etwas wandert. Ich höre das böse Wort und ziehe mir die Bettdecke über den Kopf – ich bin nicht da! Pech für mich – Sibylles Wandertouren beginnen fast immer mit der Bitte um eine Zubringerfahrt auf meiner GS. Weil ich ein guter Gatte bin und an mein Karmapunktekonto denke, erfülle ich den Wunsch.

Überlebende des Osterfestes – Ziegen auf dem Weg zum Ausgangspunkt der Wanderung

Das Coole am heutigen Wandertag – Sibylle wird von Marcus´ Familie begleitet und Marcus ist Experte für gute Ideen und etwas Schwung im Leben! Es erreicht mich also eine Nachricht am Mobile „Heute Nachmittag einen Drink in Panteli?“

Ich zögere nicht lange und sage zu – etwas später finde ich mich also am Lieblingsstrand wieder.

Leicht bewölkt – aber warm
Liebe ist…
Das „Sorbet“, die Eisdiele in Panteli, ist wieder offen – dem Motto ist nichts hinzuzufügen

Ihr merkt schon, seit Sibylle da ist, gibt es weniger Reparaturgeschichten – der Schein trügt nicht. Mehr Social-Life, weniger Zuwendung für NESSAJA, das ist prinzipiell gut, hat aber einen Haken, wenn die Liste noch einige abzuarbeitende Punkte aufweist.

Na egal, das bekomme ich schon hin! Der heutige Abend war jedenfalls für eine Audienz beim König geblockt. Wenn Eure Majestät ruft, fällt einem das Werkzeug aus der Hand.

Mit dem Freund der den royalen Nachnamen trägt, gehen wir ins „La Nostra“ um eine Pizza zu verspeisen. Erwin reist am nächsten Tag ab. Er plant eine Atlantiküberquerung mit einem Freund.

All time Leibspeise – nicht umsonst trage ich einen italienischen Vornamen

Am Heimweg grüble ich noch darüber, ob es mir nur so vorkommt, oder ob wirklich ALLE außer mir eine Oceanüberquerung planen. Da reißt mich Marcus´ Stimme aus den Gedanken – kommt rein, es gibt nen Ouzo als Absacker!

Ok, das bringt mich auf andere Gedanken…

Der Tag klingt aus

Wir sitzen auf dem gemütlichen Katamaran und schlürfen unsere Absacker und ich spüre ein Jucken an den Extremitäten – ja, auch die Schnakenzeit beginnt wieder!

Es ist hier nicht so schlimm wie in den Tropen, ich würde sagen kaum schlimmer als in Deutschland, aber durch die Tatsache, dass man immer in kurzen Hosen draußen sitzt, können einen die Biester leichter zusetzen.

Die Spuren zeigen sich sehr deutlich am nächsten Tag!

Juckt tagelang wie der Teufel
Wenn man kratzt gibt´s Placken

Die FINI kommt von einer Probefahrt zurück. Angelglück war Thomas nicht beschieden, aber die Systeme scheinen zu funktionieren. Der Tag des Abschieds naht, die FINI wird Leros verlassen um die Saison in der Türkei zu verbringen – nächstes Winterlager in Mirtilini auf Lesbos.

Probefahrt ohne Auffälligkeiten

Während ich mit Sibylle eine Marinarunde drehe, erreicht mich ein Anruf – Alistair, der Eigner von MONEYPENNY, NESSAJAs Schwesterschiff, meldet sich. Er hätte größte Probleme, sein 230 Volt FI ist defekt, das Teil ist nicht mehr zu beziehen und im Ort könne niemand bei einer Umbaulösung helfen.

Ich hätte gerne sein Gesicht gesehen, als ich am Telefon lapidar erkläre, dass ich umgebaut habe, ihm sagen könne welche Teile er braucht und wo er die bekommt – das alles brauche es aber nicht, denn ich habe noch einen dieser begehrten Schalter, ladenneu!!!

Während der Waliser Hüne sich auf den Weg zu mir macht, überlege ich, den Schalter in Gold aufwiegen zu lassen – seine Idee ihn gegen eine Flasche Jacky zu tauschen findet aber auch Gefallen…

Honey! Ein Tröpfchen für besondere Anlässe

Durch seine Huldigungen beflügelt, überlege ich, was ich an diesem Tag anpacken könnte – just in diesem Augenblick höre ich Sibylle rufen, „…ich muss Basilikum kaufen, fährst Du mich hin?“ OK!

Ich tuckere mit der Gattin am Soziussitz zum Pflanzenhandel. Dort treffen wir Sandra, auch sie richtet den Garten, die Damen fachsimpeln über Kräuter und allerlei Gesträuch. Ich sehe meine Arbeitspläne schwinden.

Die Damen mit dem grünen Daumen

Weil´s eh egal ist, kostet es Sibylle auch keine Mühe, mich zu einem „Ausfährtle“ zu überreden. Sie möchte mal wieder nach Panteli, das „Sorbet“ hat schließlich wieder offen – das Schlotzeis hätten wir uns verdient! Ach, echt???

Salted Caramel – die beste Sorte der Insel

Weil wir schon da sind, genießen wir ein wenig den Flair des noch ruhigen Örtchens. Hier werden in ein paar Wochen Liegen stehen und sich eingeölte Körper in der Sonne aalen..

Griechenland pur – noch menschenleer

So verbummeln wir den Tag ohne schöpferisch tätig gewesen zu sein. Die To-Do Liste bleibt so lang wie am Vortag. Diesen leicht deprimierenden Gedanken vergesse ich beim Dinner im „Kakomoiras“, der Taverne, die durch die Hintertüre in die Top-Five unserer Food-Empfehlungen getreten ist.

Mit der Crew der SUNNY SIDE UP

Das Lokal bietet erstklassige Meze und ist innen wie außen sehr liebevoll gestaltet. Man sitzt super und es ist gemütlich, auf der Terrasse hat man einen herrlichen Ausblick. Wir empfehlen diese Taverne ausdrücklich!

Bei einem Toilettenbesuch entdecke ich diese kleinen, feinen Details – das mag ich gerne!

Ladies
Gents

Der neue Tag beginnt mit einem Frühstück an Bord. Ich genieße mein Käffchen und werde wach, was wird der Tag bringen? HEUTE werde ich etwas anpacken…

Täglich grüßt das Murmeltier
Geißel der Menschheit

Sibylle dagegen beschäftigt sich mit iPhone und WhatsApp – eine Geißel aus meiner Sicht. Mein durchaus ernst gemeinter Vorschlag, das Mobilgerät doch nur an jedem zweiten Tag zu nutzen, wird mit entgeisterter Mine abgelehnt!

Bevor die Stimmung kippt, gehe ich zum Schreiner um die Ecke und erwerbe zwei Regalbretter welche er mir auch gleich zuschneidet. Ich hatte ja schon erwähnt, der durch den Batterieumbau gewonnene Kasten wird zu Stauraum für Lebensmittel und Küchenutensilien umgebaut.

Die Schreinerwerkstatt – ich warte auf meine Bretter

Das war also erledigt! Da die Bretter aber noch gestrichen werden mussten, sollte mein Tagwerk anders aussehen – ich wollte und musste mein Dinghy von Bewuchs befreien! Da der Nachbar gerade an Land stand, war es die ideale Gelegenheit den freien Raum zu nutzen…

Knochenarbeit – das Schrubben des Dinghybodens

Wenn wir schon mit Wasser hantieren, greift auch Sibylle zum Schlauch und schrubbt das Deck. Die Tanks werden auch noch gefüllt – wenn schon, denn schon!

NESSAJA glänzt wieder

Da „Dinghy waschen“ leider kein Punkt auf meiner Liste ist, beschließe ich die beiden Punkte „Beschriftung anbringen“ und „Hebeketten anpassen“ bis zum Tagesende erledigt zu haben und diese dann auch streichen zu können.

Also auf ans Werk!

Beschriftung ging schnell
Die Anpassung der Hebeketten für die Davits zum Dinghy war aufwändiger

Am Abend war das vorgenommene Tagwerk jedoch geschafft und die Arbeiten rund um´s Beiboot fast erledigt – fast deshalb, weil ich noch einen Schäkel kaufen muss. Das wäre morgen noch rasch zu erledigen.

Ich war zufrieden und konnte dem Ruf der österreichischen Crew der FINI zum Sundowner folgen. Heute war der letzte Abend von Irene und Thomas, wir wollten nach dem Sundowner noch zusammen zu Abend essen.

Treffpunkt 17.00 Uhr am Marinastrand, jeder bringt was mit! Oooops, das habe ich vergessen – so kommen Sibylle und ich mit leeren Händen. Dies fiel aber nicht ins Gewicht, da Thomas ohnehin beabsichtigt hatte, mir eine Flasche Ouzo für den Verkauf seines Schlauchbootes zu spendieren. Sehr gut! Dankeschön! Diese Spirituose bringe ich sofort in den Fundus ein…

Plomari – das mögen wir
Feierabend genießen
Zeit mit Freunden

So saßen wir zusammen, ließen den Winter noch einmal Revue passieren und hielten Klönschnack bis der Tag ein Ende nahm und die Sonne hinter dem Hügel verschwand. Ein herrlicher Ausklang, morgen würde die FINI die Leros Marina Evros verlassen.

Einfach nur genießen
Bis es kalt wird – die Sonne verschwindet

Wir gehen zurück zur Marina, es fällt uns auf, dass die Natur auch „gleich um´s Eck“ wunderschöne Seiten hat. Unsere Marina, unser Zuhause, ist schön gelegen und Leros ist um diese Jahreszeit noch grün.

Die letzten Sonnenstrahlen beleuchten den Hang über dem Marinabeach

Wir halten uns nicht lange auf, wollten wir doch noch zusammen zu Abend essen. Unsere Wahl fiel abermals auf die kleine, unscheinbare Taverne „Gia Sena“ am Ortsrand von Lakki.

Hier wollten wir immer mal herkommen, haben es aber lang nicht geschafft. Diesen Monat waren wir gleich zweimal…

Eine Alternative

Das von außen unscheinbare und, offen gesagt, wenig einladende Restaurant ist nur wenig besucht. Wir wollten uns ein eigenes Bild machen und haben uns einmal quer durch die Karte bestellt.

Maria nimmt erst die Bestellung entgegen, das macht Spaß weil sie nullkommanull Englisch spricht und unser Griechisch nicht ausreicht. Dann bindet sie sich die Schürze um und kocht, während ihr Gatte das Bier zapft oder den verbeulten Aluhumpen mit Hauswein füllt.

Während man wartet und mit den Freunden oder den Griechen am Nebentisch über die Weltpolitik diskutiert, kann man die reichlich vorhandenen Katzen streicheln oder sie eben ignorieren.

Willst Du mein Freund sein? Dann sei mein Futterknecht

Das Essen war gut und supergünstig! Eine echte Alternative zu Pizza und Giros – und dabei „richtige“ griechische Küche. Wir empfehlen das „Gia Sena“, wenn man nicht unbedingt das Fancy-Ambiente braucht.

Der nächste Morgen begann mit einem Schock für Sibylle – ich packe das Lieblingswerkzeug aus, mache kurzen Prozess und zwei medizinische Schnitte – erledige so den letzten Handgriff für meine Hebeketten. Kette kürzen, Schäkel anbringen, fertig!

„Flexman“ in seinem Element – da fliegen die Funken
Job erledigt – Dinghy kommt wieder an seinen Platz
Da hängt es wieder – die Punkte werden von der Liste gestrichen

Zu dieser Zeit begann eine Phase des ganz normalen Wahnsinns. Ich hatte bereits letztes Jahr zwei Freunden zugesagt, bei Reparaturen zu Saisonbeginn zu helfen. Zudem hatte ich ja den Katamaran von Ray über den Winter ein wenig unter Beobachtung – auch hier hat sich eine kleine Arbeitsliste angestaut.

Dazu kam, dass sich meine Hilfestellungen mehr und mehr rumsprechen, es kam also noch ein bisschen „Kleinkram“ dazu. Ich wollte das weghaben – also, in die Hände gespuckt und los…

Größere Baustelle

Ich beginne mit dem Dorn in meinem Fleisch – dem Generator des Eidgenossen. Eine letzte Diagnostik, ich finde einen weiteren durchgescheuerten Schlauch, welcher aber unter dem Aggregat durchführt. Das ist widerrum so schwer, dass ich es alleine nichtmal „lupfen“ kann. Ich stoppe das, rufe den Schiffseigner an und erkläre, dass ich gerne helfe, aber nur wenn wir das Ding ausbauen und komplett revidieren – SO kann man nicht arbeiten!

Das wird also eine Arbeit für den kommenden Winter – der Eigner akzeptiert.

Danach begrüße ich Ray, den Niederländer der mehr ein Waliser ist. Er ist der Eigner des beaufsichtigten Katamarans und gestern angekommen. Ich beginne, den im Winter für ihn beschafften Plotter einzubauen.

Der neue Plotter und der Adapterrahmen, den Giorgos in meinem Auftrag gefertigt hat

Der „Flying Dutchman“ lädt zu einem Tässchen Kaffee, welches ich auch gerne annehme. Leider hat er keine Milch an Bord und DAS geht nun gar nicht! Ich eile also zu NESSAJA um ein Portiönchen Milch zu holen – doch wie transportiere ich die Kleinstmenge???

Gewusst wie – die Packung bleibt im Kühlschrank
Die Kaffeepause ist gerettet

Der Koffeinschub lässt mich flott vorankommen und den Plotter bald mit dem Adapterrahmen verschraubt haben, alles passt perfekt!

Fertig zum Einbau

Ich baue das rund 4.000.-€ teure Gerät noch ein, auch hier passt alles wie geplant. Ich wähne mich nur noch ein paar Momente von der Fertigstellung des Arbeitspaketes entfernt…

Check! Sieht echt top aus

Leider lässt sich das Gerät nicht einschalten. Wir vertagen die Fehlersuche auf morgen, denn heute haben Sibylle und ich eine Einladung zum Dinner.

Nachbarn an unserem Steg, auch aus der Schweiz stammend, waren auch recht froh ihr Schiff den ganzen Winter über „bewacht“ zu wissen. Wir waren daher heute ins „Pirofani“ am Strand von Panteli geladen, eine Einladung die wir gerne annahmen.

Leider war ein Hindernis zu überwinden – die Parktrottel sind wieder in der Marina…

Augen auf, Gehirn verwenden

Ich parke immer da – Sommer wie Winter, wenn es regnet oder wenn die Sonne bleckt. Auch wenn ich Einkäufe transportiere. Ich fahre überhaupt NUR zum Wassertransport und zu Reparaturzwecken auf den Kai. Aus Sicherheitsgründen und aus Rücksicht – ich bin der Meinung motorrisierte Fahrzeuge haben da nichts verloren.

Das bringt mir manchmal Vorteile, ab und an auch Nachteile, die ich aber in Kauf nehme. Ich gebe zu, daraus leite ich ein gewisses Gewohnheitsrecht ab und kann es daher GAR NICHT verstehen warum jemand auf einem Gelände dessen Größe man am besten in Hektar ausdrückt, EXAKT hinter meinem Mopped parken muss.

Na egal, die Situation ließ sich lösen und ich bin sicher, dass dieser Angelsachse mich nicht mehr zuparkt.

Pirofani in Panteli – eine sehr gute Adresse
Sehr schön renoviert – ein feiner Platz

Wir hatten einen sehr netten und spaßigen Abend mit der ALADIN Crew. Das Essen war vorzüglich, der Wein ein Gedicht! Wir danken noch einmal sehr herzlich für diese Geste. Es wurde ein langer Abend.

Es soll nicht unerwähnt bleiben, dass eine ebensolche Flasche Wein zwei Tage später den Besitzer Richtung ALADIN gewechselt hat – Martin hat mir mit seinem Tauchgerät den Propeller gereinigt – VIELEN DANK dafür!

Bereits am frühen Morgen des Folgetage wurde mir eine weitere, ebenso noble Geste zuteil. Es waren wieder Waliser die sich mit zwei! Flaschen Gin für diverse Kontrollblicke bedankten, die wir ihrer INFINITÉ BLUE angedeihen ließen, man hätte sich über die Bilder sehr gefreut.

Die Bar wächst

Wir bedanken uns artig und stellen die edlen Tropfen in unsere inzwischen recht ansehnliche Bar. Die Gin-Tonic für 2023 sind gesichert!

Während ich das so denke, klopft es am Schiff. Richard aus Schottland steht vor der Türe mit einer schwarzen Plastiktüte von der Sorte, in der man nur Pornoheftchen oder eben Alkohol verpackt – zum Glück war es Alkohol 😉 – auch für ihn habe ich einen kurzen Handgriff an der Elektrik machen müssen, weil er zuhause bemerkt hatte, dass seine Solarzellen nicht laden.

Auch hier bedanke ich mich artig, frage mich aber im Stillen, ob ich wie ein Alkoholiker aussehe…

Auch was Feines

Sibylle mahnt an, auch etwas an NESSAJA zu tun, ich würde das aus den Augen verlieren. Nun, ganz unrecht hat sie nicht, ich folge also und streiche mit ihr die neuen Regalbrettchen.

Fast einbaufertig

Danach drängt es mich aber zur RISE´N SHINE, ich will den Fehler am Plotter finden. Wie zu erwarten war es nur eine Kleinigkeit, ich musste aber den Plotter noch einmal ausbauen, sehr schade, zudem musste der Kühlschrank demontiert werden um die defekte Sicherung zu erreichen – nicht sehr clever von Fountaine Pajot.

Jetzt tut er

Egal, zwei Stunden später war es geschafft, der Plotter funktionierte und ich konnte Ray bitten, eine Funktionsprüfung und ein erstes Setup zu machen.

Alles hat geklappt und wir konnten final prüfen ob die Navigation tut, ich gehe also zu NESSAJA und checke ob der Kat ein AIS Signal sendet…

RISE´N SHINE – passt auch, mein Teil der Arbeit ist abgeschlossen

Ich schließe meinen Teil der Arbeit auf dem Katamaran ab und verabschiede mich höflich. Ich konnte nicht ahnen, dass dieses Schiff noch einmal auf meiner April-Worklist aufploppen würde!

Unser Schwesterschiff, eine der raren Dufour 43CC verabschiedet sich! Die MONEYPENNY mit Judith und Alistair an Bord läuft aus, um griechische Gewässer unsicher zu machen. Im Herbst kehren sie zurück, wir werden uns wiedersehen.

Yassas MONEYPENNY – auf ein gesundes Wiedersehen

Am Nachmittag sind wir zu einer weiteren Überwinterungscrew zum Kaffee geladen. Unsere Freunde Thomas und Paola von der SIMPLY FREE liegen am Stadtkai in Lakki und werden dann morgen aufbrechen. Ihr Liegeplatzvertrag ist ausgelaufen, auch sie werden erst im Herbst zurückkehren.

Achtet auf den roten Fiat Panda

Wir trinken Kaffee, ratschen über Dies und Das, ein Thema ist natürlich auch die Ummeldung unserer Fahrzeuge. Thomas war mir ein halbes Jahr voraus, wir haben unterschiedliche Wege gewählt, aber beide das gleiche Ziel erreicht.

Wir beteuern uns gegenseiteig, dass wir wohl richtig gehandelt haben, auch wenn es ein paar Mark gekostet hat und dieses Thema doch auf Leros, zumindest seit wir seit wir hier sind, NOCH NIE kontrolliert wurde.

Was wir beide nicht ahnen ist, dass Thomas mir nur zwei Stunden später eine Message schicken würde…

Wow, das hätte ich nie gedacht

Kurz nach unserer Heimfahrt kam wohl die Polizei und hat Fahrzeuge mit ausländischen Nummern kontrolliert. Dabei wurden auch zwei Fahrzeuge konfisziert und die Besitzer erwarten hohe Strafen weil sie die sechs Monate maximale Aufenthaltsdauer mehr als deutlich überschritten hatten. Der rote Fiat wurde notiert.

Ob es etwas damit zu tun hat, dass ein italienischer Expat vor ein paar Tagen in Facebook öffentlich die Polizei der Untätigkeit und Unfähigkeit bezichtigt hat, weil sie bei einem Verkehrsunfall nicht „hart durchgegriffen“ hat? Ich weiß es nicht! Aber auch das gehört eben zum vorschriftsmäßigen Polizeidienst. Habe ich in diesem Monatsbericht schon erwähnt, dass der Teufel ein Eichhörnchen ist??? Thomas und ich WISSEN nun, dass wir alles richtig gemacht haben.

Wir sind zurück am Schiff und Marcus kommt an Bord – er sieht mich mit mitleidiger Mine an und drückt mir etwas in die Hand „…ein Geschenk, Du brauchst das!“ murmelt er. An der Kaimauer steht Susanne und grinst.

Ich sehe mir „das Geschenk“ genauer an – und muss laut lachen!

Open / Closed und Öffnungszeiten

Die Freunde aus Sibylles Heimat biegen sich vor Lachen. Sie hätten das Gedränge und die Huldigungen sowie die Schnapsgaben vor unserem Schiff beobachtet, ich müsse das steuern. Die Schilder mögen uns dabei helfen!

Ich montiere die Dinger sofort! Sibylle schämt sich…

Der nächste Morgen bricht an! Es verspricht ein spannender Tag zu werden. Sibylles Freundin und Ex-Kollegin Kathrin hat angerufen und uns wissen lassen, dass sie und Axel in Kos verweilen würden und uns gerne treffen würden. Man käme gerne zu uns!

Leider war es in dieser Woche nicht möglich Kos-Leros an einem Tag zu machen. Umgekehrt, Leros-Kos, war möglich!

Mittags verlassen wir die Marina

Ich drehe also mein neues Schild auf „CLOSED“, wir packen unser Tagesgepäck und machen uns auf den Weg. Der Plan ist, diesmal auf öffentliche Verkehrsmittel zu setzen – wir gehen also zur Bushaltestelle und warten auf den Inselbus.

Direkt vor der Marina

Der kommt pünktlich wie die (deutschen) Maurer und wir kaufen ein Pauschalticket für 2.-€ pro Person. Dann setzt sich das Vehikel in Bewegung, aus den Lautsprechern tönt das Gefidel der hiesigen Musiker – ich liebe solche Fahrten!

Noch war er leer, das ändert sich an der Schule
Tagesausflug – schön

In Agia Marina haben wir eine Stunde Aufenthalt bis die Fähre kommt, die verbringen wir natürlich im „Το Παραδοσιακο“ und bestellen uns eine kleine Sünde – mir war es wurscht, weil Kalorien heute keine Rolle spielen, Sibylle war es wurscht, weil Geld heute keine Rolle spielt!

Unterschiedlicher Blickwinkel – gleiches Ergebnis 😉

Feiner Cappuccino…
…an Kuchen und Salted Caramel

Wir mampfen unsere Teller auf, freuen uns über den schönen Beginn dieses Tages, der verspricht ein guter zu werden. Etwas später kommt unsere Fähre, just in time!

Zwei Stationen nach Kos, 24,40€ pro Person – nicht billig aber effizient
Klappe auf – Klappe zu, der Stop dauert wohl nur 5 Minuten

Der Tag war trist, das war Pech. Alle anderen Tage der Woche hatten prächtiges Wetter, heute war es grau in grau – aber egal, das soll dem Spaß keinen Abbruch tun.

Wir finden einen guten Platz und legten rund 90 Minuten später in Kos an, natürlich wartete das Empfangskomitee mit Fotoapparaten!

Herzliches Hallo

Kurzes Palaver am Hafen, dann natürlich sofort der Wunsch sich irgendwo hinzusetzen und sich auszutauschen. Wir gingen Richtung Innenstadt und hörten auf einmal „…Sibylle, Mario, Halloooo!“

Wir treffen Denise und Adrian mit ihrer ZORA

Denise und Adrian sind ein junges deutsches Paar welches mit uns in der Evros Marina überwintert hat. Wir haben uns gut verstanden. Sie hatten sich vor einigen Wochen schon verabschiedet, auch um auf Kalymnos, der berühmten Insel der Kletterer, diesem Sport nachzugehen.

Was ein Zufall sie hier zu treffen – ich mag Kos! Um dieser Aussage Nachdruck zu verleihen muss ich nur ein paar Schritte zurück gehen…

Offen gesagt – stimmt nicht immer, heute aber schon

Auch hier Palaver, aber nach 20 Minuten wollten wir weiter, um mit den Freunden aus dem bayrischen Oberland alleine quatschen zu können. Wir hoffen, Denise und Adrian noch einmal zu sehen.

Wir gehen ins „Pic Nic“. Von außen nix Besonderes – und auch sonst nicht! Ich hätte gerne das Café der Marina vorgeschlagen, einfach weil das Ambiente stimmt und wir vielleicht die, nach eigenen Aussagen „…beste Bedienung der Welt“ wiedergetroffen hätten. Aber mein Mechanikerfreund Marios aus unserer Marina hat so vom „Pic Nic“ geschwärmt – naja, da waren wir anderer Meinung…

Nur Durchschnitt

Hier haben wir uns erstmal fast zwei Stunden verquatscht und über Gott und die Welt gesprochen. News aus Deutschland erfahren, ein wenig unsere Bedenken und Zweifel an der derzeitigen Entwicklung ausgetauscht, aber auch von unserer Situation in Griechenland berichtet.

Besonders Axel war sehr interessiert an unserer Lebenssituation, er sei auch schon einmal gesegelt, er stellte viele Fragen. Das hat mich so außerordentlich gefreut, dass ich die Beiden eingeladen habe, ein paar Segeltage mit uns zu verbringen – mal sehen ob was draus wird.

Nach dem Begleichen der Rechnung sind wir einmal quer durch die Stadt marschiert, haben uns die Beine vertreten und ein bisschen Sightseeing genossen.

Parkanlagen und Ausgrabungen

Premiere! Kaum hatten wir das Café verlassen war irgendwie schon Dinnerzeit. Na sei´s drum, dann machen wir uns eben auf in die Taverne, ein wenig Hunger hatten wir alle.

Diesmal war es soweit – ich hatte einen Tisch in Ali´s Restaurant reserviert, der Mehrheitsmeinung nach eines der besten Lokale im touristischen Kos – und ein Paradies für Meze-Lover wie mich! Viele Anläufe hatte ich schon gemacht – heute klappt es…

Ein bekannte Adresse mit besten Bewertungen
Meze – Alis Spezialität
Drei Hauptspeisen in die Mitte

Wie soll ich es beschreiben? Nun, fangen wir so an – das beste Essen das ich auf der Touristeninsel Kos bisher hatte. Der Punkt geht an Ali. Umgekehrt verliert er einen Punkt, weil ich mir mehr türkischen Pfiff erwartet hätte.

Das Prägnanteste für mich war aber – und das jetzt wirklich ganz objektiv – wenn ich die Meze mit dem „To Steki“ oder dem „Tis Kakomoiras“ auf Leros vergleiche, wenn ich seine Grillgerichte denen vom „SouVLakki“ gegenüberstelle, dann verliert Ali aber gewaltig an Boden.

Der Preis war akzeptabel, aber auch hier schneidet Leros besser ab. Das hat heute aber alles keine Rolle gespielt. Wir haben gut gegessen, uns herrlich unterhalten und die Gesellschaft mehr als genossen!

Ich würde mich freuen, die Beiden an Bord begrüßen zu dürfen und in diesem Zug auch Leros zeigen zu können.

Ein wunderschöner Abend

Dann war es für Sibylle und mich auch schon an der Zeit zum Fährhafen zu gehen. Die Rückreise treten wir mit der Bluestar-Linie an, diesmal mit der neu renovierten BLUESTAR PATMOS, wir sind gespannt.

Als wir am Hafen eintrafen legte der Riese schon an und öffnete seinen Schlund. Wir verabschieden uns von den Freunden und steigen zu…

Kos-Leros mit einem Zwischenstop, 10.40€ pro Person
Wow, sehr nobel renoviert

Das Schiff war die Wucht! Sehr nobel und geschmackvoll renoviert. Wir fanden einen guten Platz und haben uns einen Ouzo als Absacker gegönnt. Vor uns lagen rund zwei Stunden Fährfahrt mit einem Zwischenstopp in Kalymnos.

Yammas, ein schöner Tag

Natürlich hat es uns Beiden die Augendeckel ein bisschen runtergedreht, das ist normal nach so einem Tag, zumal dann, wenn man über den Tageswechsel unterwegs ist – dennoch vergingen die zwei Stunden irgendwie und wir wurden nach 01.00 Uhr zum Aussteigen aufgerufen – kurz darauf gingen die Klappen auf…

Nur noch ein kleiner Schritt für mich…

Nachdem wir ja beschlossen hatten nur öffentlich zu fahren, gab es für uns an diesem Tag kein Taxi. Der kurze Weg Hafen – Marina ist unverhältnismäßig teuer und wir haben diesen daher heute tapfer zu Fuß zurückgelegt.

Wir hatten schon fast die Hälfte geschafft, als der blaue Riese immer noch be- und entladen wurde.

Fährt weiter nach Piräus

Um 02.00 Uhr fallen wir erschöpft ins Bett und schlafen sofort ein. Am nächsten Morgen schlafe sogar ich eine Stunde länger.

Der Tag beginnt langsam, wir frühstücken und danach kümmert sich jeder ein wenig um seine ureigenen Aufgaben. Sibylle läuft in den Ort um einzukaufen, ich widme mich der Übersetzung der neuen Leros-Webseite.

Der neuen WAS???

Ja, ich will nicht spoilern, aber soviel sei verraten – zwei Freundinnen haben sehr viel Mühe investiert um eine neue Leros Webseite aufzusetzen. Das Besondere, keine typische Touristenwebpage, sondern mehr eine herzliche Infoseite der Lerianer an ihre Gäste – egal ob Urlauber, Saisongast oder Expat.

Die Seite soll recht schnell in vielen Sprachen verfügbar sein und zudem hat man einen Qualitätsanspruch. So lag es nahe, die Muttersprachler im Dunstkreis anzusprechen. Für Deutsch fiel die Wahl auf mich – an offer you can´t refuse 😉 – zumal ich mit einer Party zum Launching der Webpage gelockt wurde!

Alle zwei Tage eine Seite
Google Docs hilft

Ich verbringe ein paar Stunden vor dem Rechner und investiere in meine griechischen Freunde. Das macht mir echt Freude und ich spüre, dass ich den Fuß jeden Tag ein Stückchen weiter in die Türe bekomme – daran liegt mir.

„SUNDOWNERTIME!“ – Marcus´ Ruf reißt mich aus den Gedanken. Die Musik ertönt am Steg und ich weiß, es wird Zeit mich einzufinden. Es wird der letzte Abend der DARKSYDE Crew, morgen zischen die Drei ab um den Sommer in der Ägäis zu verbringen – Wiedersehen ziemlich sicher, Zeitpunkt unbekannt!

Ein paar Crews finden sich ein – wenn Du laute Musik hörst, stell´ Dich dazu

Nach dem Zusammentreffen beschließen wir uns den Plänen der Familie anzuschließen und mit ihnen zusammen ins „Τής Κακομοίρας“ zu gehen – Abschiedsessen sozusagen – gut wie immer!

Griechischer Salat
Selbstgebackene Pita

Sehr zufrieden, aber mit etwas Wehmut sacken wir in unser Bett. Diesmal ist der Abschied von der DARKSYDE für länger. Mit den Dreien verbindet uns eine Freundschaft die wir schätzen gelernt haben. Wir sehen uns wieder, habt einen schönen Sommer! Ich glaube ja, dass es August sein könnte… (nur für den Fall, dass ihr das lest) 😉

Es ist Sonntag der 30. April. Ich sitze beim Morgenkaffee und gratuliere meiner Ex-Kollegin zum Geburtstag. Ob wir uns jemals wiedersehen? Langsam merke ich, dass diese Zeit etwas nebulöser wird, jeder lebt sein Leben, die Zeit verwischt die Spuren – na mal sehen was 2023 bringt – in diesem Moment erhalte ich eine WhatsApp Message.

Es ist Ivan, der zweite Eigner der RISE´N SHINE, welche vor zwei Tagen ausgelaufen ist. Ein sehr netter Kerl in meinem Alter, der hier ist um mit seiner Gattin Urlaub zu machen. Er ruft um Hilfe – ein Motor ist tot, nix geht mehr!

Ich fahre mit dem Motorrad zu seiner Ankerbucht…

Hier holt Ivan mich ab – im Hintergrund das Sorgenkind

An Bord angekommen, werde ich von der ganzen Familie begrüßt – die Stimmung war so heiter wie sie eben sein kann, wenn einem ein technischer defekt den Urlaub zu versauen droht.

Ich ließ mir die Situation erklären und fing an zu suchen, Denken hat ebenfalls geholfen – ohne KI! Ich zog eine Sicherung von der Motorsteuerung…

Sieht gut aus – eigentlich

Intuition, ein bisschen Logik und Erfahrung, aber auch Glück helfen – ich vertraue der visuellen Prüfung nicht! Ich fummle mir eine Brücke zurecht und bringe diese, mangels Ersatzsicherung, an.

Einfach mal überbrücken

Als ich die Brücke stecke, zuckt die Anzeige schon – wie erhofft sprang der Motor an, ließ sich abstellen und die Ankerwinsch ging auch wieder!

Man bedankte sich, gab eine Runde „High-Five“ aus und ließ mich wissen, „…you made our holidays!“

Ok, fühlt sich gut an – so leicht ist es ein Held zu werden!

Ob es damit zu tun hatte, dass auch beim Plotter eine Sicherung geflogen war? Ich weiß es nicht! Aber auch dieses Kabel konnten wir finden und das corpus delicti austauschen, auch dem Plotter wurde wieder Leben eingehaucht!

Gut zu wissen wo man ist

Nach einem Bier bringt Ivan mich zurück an Land. Er erklärt, dass es beleidigend wäre, würde ich nicht eine kleine Bezahlung annehmen – ok, das kann ich in diesem Fall tatsächlich. Aber ganz offen, die Freude der Familie war mir wesentlich mehr wert!

Wieder klingelt es in meiner Karmakasse!

Da fährt er dahin – schönen Urlaub

Ich räume das Schiff auf und gehe noch ein bisschen mit Sibylle durch die Marina, außerdem habe ich im April schon zeitig begonnen den Blog zu schreiben um meine Arbeitsressourcen für Mai freizuhalten – der Mai wird neben dem Wonne- auch eine Art Hypermonat!

Werkzeug wieder weg, mein Beitrag wandert in die Haushaltskasse

Ein Münchner im Himmel – warum fällt mir das immer ein wenn ich an Johannes denke? Weil er sein Manna so mag, die Biergärten der Heimat? Ich weiß es nicht!

Jedenfalls ist dieser Johannes seit zwei Tagen wieder in der Marina, er macht seine ALEXIA flott. Wir haben uns zum Monatsabschluss im „SouVLakki“ verabredet…

Unser Lieblingsgrill in Lakki
Sibylle und Johannes wählen schon – ich kenne die Karte auswendig

Wir bestellen reichlich und ich werde, als ich mein Essen bekomme, das Gefühl nicht los, dass es Anna und Niko besonders gut mit mir meinen, ich freu´ mich!

Halbes Hendl nebst Pommes Fritz

Es bleibt nicht beim Cola! Wir Drei trinken ein Bier und gönnen uns ein Fläschchen Ouzo. Wir haben viel Spaß, alleine schon deshalb, weil Johannes ein liebenswürdiger, verplanter Typ ist – die Tränen kullern uns über die Wangen, als wir ihm die Facebookgruppe „Einsame Seglerinnen über 55 suchen Skipper mit Schiff“ empfehlen.

Nur so am Rande – wenn ihr jemand wisst, bitte PN, ich leite es weiter 😉

So endet also unser April an einem relativ ruhigen Sonntag. Leider ist die Liste von NESSAJA immer noch nicht abgearbeitet, aber der Mai hat ja ein paar Tage.

Ausblick – Freunde kommen an! Die Crews der HARMONY, LIBERTÉ und JASPER werden im Mai ankommen. Wir erwarten Thilo zurück und ich hoffe so sehr, dass auch Werner wieder kommt. ALENA steht unter meiner besonderen Obhut – ich hüte dieses für mich besondere Schiff als wäre es meines. Sie wartet auf ihren Kapitän!!!

NESSAJA bekommt einen Gefrierschrank, eine neue Sprayhood und einen neuen Zahnriemen. Ich will, nein, ich muss die für eine Ausfahrt wichtigen Punkte wegarbeiten, wir erwarten Besuch für einen Törn zum Ende des Monats.

Es gibt ein bisschen was zu feiern und zwischendrin besucht uns noch eine Freundin von Sibylle um hier auf der Insel ein wenig auszuspannen.

Das klingt nach viel? Nach Stress? Vielleicht ein bisschen – aber wir freuen uns sehr auf den Wonnemonat!

Wie immer DANKESCHÖN für euer Interesse und die investierte Zeit – wir lassen euch auch weiter teilhaben! News wie immer auf diesem Kanal – stay tuned!

Ό,τι καλύτερο και καλό Μάη, να είστε υγιείς και να μας σκέφτεστε

Yassas, Sibylle & Mario