„Was ziehe ich nur an…?“ Diese Frage hat uns Ende April beschäftigt. Diesmal war nicht nur meine Gattin Sibylle mit der Kleiderfrage konfrontiert, auch ich musste mir überlegen, welches Gewand der Taufe des jüngsten Enkelchens angemessen erscheint.
Ich frage während eines Telefonats meinen Sohn. Der Filius weiß um meinen dezimierten Kleiderschrank und um meine Abneigung gegen zwickenden Zwirn. Er antwortet – und das hat mich fast gerührt – „…ist doch egal, Hauptsache Du bist da – komm´ wie Du bist!“
COME AS YOU ARE! Da hatten wir sie, die Headline des Monats Mai! Der Song ist aus dem Jahr 1992 und gilt als die Hymne der Grunge Bewegung. Er gilt als ein Appell von Nirvana an die Gesellschaft, den Anderen so zu akzeptieren wie er ist. Dass er sich auch auf die Drogensucht von Curt Cobain bezieht, bleibt hier eine Randnotiz.
Ich soll also kommen wie ich bin – ok, damit wäre die Kleiderfrage, zumindest für mich, hinreichend beantwortet. Ich mache die Jeans und das Longsleeve, gepaart mit einem Sakko, salonfähig für den sakralen Akt.
Doch bis dahin sollten noch ein paar Tage vergehen…
Zunächst galt es, die von Eva an uns vergebene Katzenfürsorge zu erfüllen. Sibylle widmet sich dem Füttern der Kätzchen und sorgt dafür, dass die kranke Mieze ihre Tabletten bekommt.

Später wird auch Sibylle die Pflegeaufgabe abtreten. Leider verstirbt das kleinste und anfälligste der Katzenbabys später – der Einsatz der Marinacommunity hat hier nicht gefruchtet.
Die SAGITTA mit Crew Mario und Eva an Bord, verweilt noch in der Südbucht von Leros. Wir wollen sie noch einmal besuchen und machen uns daher auf den Weg nach Xirokampos.

Wir schreiben die Freunde per WhatsApp an und schon kurze Zeit später holt uns Mario mit seinem Takacat ab. Das ist ein sehr spezielles Schlauchboot, einem Mini-Landungsboot mit flacher, offener Front ähnlich.

Wir Drei zwängen uns in das federleichte Gefährt, welches durch meinen Zustieg einen Belastungstest erfährt und balancieren uns aus. Wider Erwarten schafft es der Kapitän, uns pannen- und kenterungsfrei zum Mutterschiff zu manövrieren – dort steigen wir um und genießen ein Tässchen Kaffee nebst Kuchenbegleitung.

Jetzt aber! Final verabschieden wir uns von den österreichischen Freunden und fahren nach Lakki. Dort waren wir, aufgrund der knappen Zeit, auf einen schnellen Drink mit Heribert von der STARLIGHT III verabredet. Seine vorläufig letzte Stippvisite auf Leros war mit heißer Nadel gestrickt – wir freuen uns daher umso mehr, dass es noch für ein gemeinsames Bier reicht – er wisse noch nicht wie lange er bleibt und ob wir uns nach unserer Rückkehr noch einmal sehen würden. Na dann Prost mein Freund!

Dann heißt es packen und unsere Abreise vorbereiten – morgen geht es für uns „auf nach good ol´ Germany“!
Die Zeit hat etwas gedrängt, denn auch für unseren letzten Abend hatten wir schon eine Verabredung. Da das „SouVLakki“ geschlossen war, haben wir mit Roland und Mireille vereinbart, dass wir uns noch einmal im „Kroupia“ zusammensetzen. Während wir nach Deutschland reisen, wollen die beiden mit ihrer SUNNY SIDE UP die Nördlichen Sporaden erkunden – wir würden uns erst im August wieder sehen.
Das traf sich insofern gut, weil Sibylle ohnehin noch einmal in der Boutique in Agia Marina nach einer Hose für ihre Tochter sehen wollte. Wir packten also unsere Siebensachen fertig und fuhren dann, etwas verfrüht, in den Ort auf der anderen Inselseite.



Wir sitzen zusammen und palavern noch ein bisschen mit den schweizer-französischen Freunden. Wir tauschen Pläne aus und erzählen unsere Geschichten.
Spät abends trennen sich unsere Wege und Sibylle und ich fahren zurück in die Marina. Wir parkieren noch unsere Feuerstühle an einem geeigneten Platz und verpacken die GS – dann ist das Tagwerk geschafft! Wir sind gut vorbereitet, morgen früh geht es los…

Der Morgen der Abreise bricht an. Es geht diesmal entspannt von statten, denn am Vortag war ein Generalstreik in Griechenland. Die Fähre würde ankommen, aber nicht wie geplant am frühen Morgen, sondern erst am späten Vormittag.
Das ficht uns aber nicht an, unser Flug würde diesmal erst abends in Kos abgehen. Glück gehabt.
Am Morgen gehen wir dennoch relativ zeitig Richtung Fährhafen – wir wollen nichts falsch machen…


Am Fährhafen erhalten wir die Info, dass unsere Fähre noch später eintreffen würde als erwartet. Zurück zum Boot macht keinen Sinn, also warten wir die zwei Stunden vor Ort und beobachten die Szenerie und die Menschen.
Ich fand, dass das Bild auf dem ein deutsches Frontex Boot unter dem „Hot-Spot“ der griechischen Insel vorbeifährt, eines ist, welches die Zeit sehr gut beschreibt – surreal und doch so normal.

Wir beobachten die Menschen und das emsige Treiben. Auf diese Art hatten wir Kurzweil und die Wartezeit auf die Fähre kam uns nicht so lange vor. Dann endlich näherte sich der stählerne Riese…


Die Fahrt von Leros nach Kos ist nur von kurzer Dauer. Bereits nach rund zwei Stunden hieß es „Passengers for Kos, prepare yourself for disembarking“ – wir packten unsere Siebensachen und verließen, wie soviele andere, den blauen Zubringer.
Habe ich erwähnt, dass dieser Tage das orthodoxe Osterfest gefeiert wurde? Nein? Dann hole ich dies hiermit nach! Das erklärt nämlich auch, warum viele Fahrgäste mit halben Tieren reisten. Das ist kein Witz sondern wörtlich zu nehmen…

Ich liebe das Fährefahren in Griechenland – hatte ich das schonmal erzählt?
Ok, wir waren auf Kos und würden planmäßig recht spät in München ankommen. Was liegt also näher, als sich auf der Insel des Hippokrates noch einmal ausgiebig zu stärken? Gottfried und Gabi von der HARMONY empfehlen uns eine Taverne die wir nicht kennen, „Mamas Kitchen“ oder so…



Ich sende Gottfried das Bild und bedanke mich höflich für den guten Tip. Der Freund meldet sich umgehend zurück und meint, dass dies aber „…nicht unser Mamas Kitchen sei!“ Egal, gut war´s trotzdem – aber wo hat sich der Fehler eingeschlichen?
Bei der Google Suche zeigt sich, dass es an dem von Gabi beschriebenen Ort eine Taverne mit dem Namen „Mummy´s Cooking“ gibt – ok, knapp daneben ist auch vorbei. Nächstes Mal wieder zu „Ali“, da kann beim Namen wenig schief gehen!
Unsere Zeit erlaubt es, dass wir mit dem öffentlichen Bus zum Flughafen fahren. Das kostet für uns beide 7,60€ statt der Taxifahrt für schlanke 40.-€. Auf dem Weg dorthin schlendern wir an einem Szene-Bekleidungsladen vorbei – ich überlege ob ich mir eines der Shirts kaufen soll. Ihr ahnt welches…

Sibylle und die Größenbevorratung des Ladenbesitzers verhindern meine Absicht. Ich bedauere dies, vergesse den geplatzten Kauf aber rasch. Wenig später besteigen Sibylle und ich den Bus, meine geübte Dränglerin sichert einen guten Platz, ich verstaue unser Reisegepäck im Schlund des Transportmittels.

Wir kommen rechtzeitig am Flughafen an. Das deutsche „rechtzeitig“ bedeutet in Griechenland „viel zu früh“. Dummerweise addiert sich zu der ohnehin langen Wartezeit auch noch eine Flugverspätung! Es gilt, sich abermals zwei Stunden um die Ohren zu schlagen.

Eine weitere Herausforderung war, die nun auf rund drei Stunden angewachsene Wartezeit sinnvoll zu nutzen. Sibylle ergattert wieder einen sehr kommoden Sitzplatz am Rand der wartenden Menge. Wir haben ein kleines Zweierbänkchen mit Steckdose. Das passt, so können wir ein bisschen in den Sozialen Medien herumsehen, ohne unseren Akku zu leeren.

Dann endlich war es so weit. Condor bittet zum Einsteigen und wir hatten einen Platz, an dem man zu Fuß zum Flieger läuft – stellt euch das mal in München vor!
Der Flug selbst war schön und unspektakulär – wir flogen in einen wunderschönen Sonnenuntergang und kamen die berechneten zweieinhalb Stunden später am Franz-Josef-Strauß Airport an.



Sehr lustig fanden wir, dass uns die Stewardess erklärte, dass dies der erste Flieger der Condor nach Kos war und wir uns somit auf dem ersten Rückflug befänden. Dies hatte zur Folge, dass nur rund 20 Fluggäste an Bord waren. Die Notausgangsplätze wurden uns angeboten wie Sauerbier und Sibylle UND ich griffen zu – ich saß also HINTER meiner Frau, auf meinem Emergency-Seat, in meiner eigenen Reihe! Sehr kommod…

Trotz der Verspätung landeten wir fast pünktlich im Erdinger Moos. Schwiegersohn Mikey holte uns vom Flughafen ab, denn es war geplant, dass wir die ersten beiden Nächte bei Sibylles Tochter Franziska und ihrer Familie verbringen würden.
Ein kurzes „Hallo“, eine halbe Stunde beisammensitzen und ein bayrisches Bier als Absacker – dann hieß es ab ins Bett, ab morgen beginnt ein straffer Zeitplan!
Am Folgetag wache ich, nach fast einem Jahr Abwesenheit, in Deutschland auf. In einem Haus, welches ich noch nicht kenne, denn Franziska war in der Zwischenzeit umgezogen – schön ist es hier…

Die drei sind aus Münchens Stadtmitte hinaus auf´s Land gezogen, in den Landkreis Erding, nur unweit vom Flughafen! Das hat auch für uns vielerlei positive Nebenwirkungen – erstens werden wir wohl meist die erste und letzte Nacht unserer Besuche bei Franzi und Mikey verbringen, so wird das Gute zum Nützlichen.
Zweitens ist ab jetzt klar, wo unser japanisches „Deutschlandauto“ seine Base haben soll. Nichts liegt näher, als den Civic in seinen Heimatlandkreis zurück zu bringen und ihn hier zu stationieren.

Sibylle holt Semmeln für alle und wir frühstücken erstmal zusammen, herrlich! Semmeln und Brezen sind etwas, was ich in Hellas schmerzlich vermisse.


Bei dieser Gelegenheit lerne ich die kleine Heidi kennen. Es zeigt sich rasch – das kleine Gör und ich haben uns lieb. Wir freunden uns an und ich bin stolz auf Enkelchen No.5, die süße Maus.

Was dann folgt, ist die Abarbeitung einer „To-Do“ Liste für Deutschland. Sibylle muss zum Arzt und zur Apotheke, darüber hinaus hat sie einen Termin beim Sanitäts-Fachgeschäft.
Ich dagegen brauche ein paar Sachen vom Drogeriemarkt und aus dem Schreibwarengeschäft. Dann ist es Zeit für Kaffee und Kuchen.
Am Nachmittag gehen wir einkaufen, denn für den Abend ist ein Griller anberaumt. Mikeys Eltern kommen dazu, wir haben viel zu besprechen, denn bereits im Juni werden wir uns mit ihnen auf Kreta zum Urlaub treffen.

Als Dessert gönnen wir uns etwas flüssiges – dies unter dem Motto „Hellas meets Bavaria“. Der Abend war herrlich! Spät gingen wir ins Bett und schliefen sofort ein. Das war gut so, denn morgen nach dem Frühstück schon geht es weiter Richtung Bodensee.

Meine Tochter Nina wohnt mit ihrer Familie am größten deutschen See. Sie erwartet im August ein Baby und ich wollte es auf keinen Fall versäumen, Sie und das ungeborene Enkelchen No.7 in den Arm zu nehmen. Ich habe mich auf die zwei Enkeltöchter gefreut, auch wir haben uns lange nicht gesehen.
Der Weg dorthin war mühselig für uns. Wir sind das Autofahren auf deutschen Autobahnen und die Verkehrsdichte hierzulande nicht mehr gewohnt – der alltägliche Wahnsinn.
Wir waren froh, als wir die Autobahn endlich verlassen durften. Auf unserem Weg fuhren wir direkt an Baindt vorbei – witzig – dorthin müssen wir als Nächstes, doch gemach, gemach, zuerst eine Pause, dann der Besuch bei der Familie…



Die Kilometer, die uns jetzt noch zu unserem Tagesziel fehlen, reiten wir auf einer Arschbacke ab. Gegen 14.00 Uhr sind wir am „Affenberg“ nahe Salem. Wir haben uns diese Attraktion als Tagesausflug für die Mädchen ausgesucht. Zum Glück war uns das Wetter hold, nicht selbstverständlich Anfang Mai in Deutschland!
Wir parken den Wagen und warten auf meine Tochter, die kommt wenig später.



Sowohl Sibylle als auch meine Tochter nebst ihrer zwei Mädchen, kennen die Freizeitanlage bei Salem. Da sich aber in den vergangenen Jahren viel geändert haben dürfte und auch Ronja und Helena herangewachsen sind, waren wir alle gespannt was es zu sehen geben würde.
Wir sahen uns den Infofilm an und wagten uns in das Gehege…



Die Primaten waren überall! Es war herrlich anzusehen, wie sich diese so menschlichen Kreaturen in ihrem sozialen Umfeld verhalten. Wir konnten beobachten und hatten auch die Gelegenheit bei einer Fütterung zuzusehen.
Es hat richtig Spaß gemacht – den Kleinen und den Großen 😉





Nach dem „großen Fressen“ setzen wir unseren Rundgang fort. Wir erhaschen noch den ein oder anderen lustigen Aus- und Einblick in das Affenleben hier in Salem, bevor wir den Affenbereich verlassen und den Rundgang durch die Parkanlage fortsetzen.


Auch außerhalb des Affenbereiches gibt es viel zu sehen. Ich habe die Störche schon erwähnt, darüber hinaus gibt es Hirsche und Rehe sowie allerlei Getier, welches kreucht und fleucht.
Zusätzlich sind überall Spielplätze oder Erlebnisstationen aufgebaut. So wird der Besuch der Anlage recht kurzweilig und der scheinbar hohe Eintrittspreis relativiert sich.



An einer Erlebnisstation konnte man durch vorinstallierte „Fernrohre“ blicken. Auf Tafeln wurde beschrieben, was man im Visier hatte und gezeigt bekam. An einem dieser Fernrohre stand, dass man nun „eine ganz tolle Überraschung“ zu sehen bekäme – und ich vermute ihr ahnt es schon…

Bevor wir den Tag mit einem gemeinsamen Abendessen ausklingen lassen würden, galt es noch den Papa der Mädchen abzuholen. Mein Schwiegersohn restauriert sehr alte Möbelantiquitäten und vertreibt diese weltweit ab Bauernhof.


Danach ziehen wir weiter nach Pfullendorf zum dortigen „Barfüsser“, eine Gaststättenkette, welche ich seit meiner Zeit in Reutlingen sehr mag. Wir gönnen uns ein gutes Bier aus der Hausbrauerei und dazu gepflegte Hausmannskost.




Nach dem Essen werden die Mädchen knatschig, sie sind müde. Wir verabschieden uns und vereinbaren, dass wir uns morgen nach dem Frühstück noch auf einen Kaffee sehen würden.
Unser Hotel war nur um die Ecke, auch Sibylle und ich waren erschöpft und gingen früh ins Bett – nicht jedoch, ohne noch einmal auf unserem Schiff, unserer NESSAJA, nach dem Rechten zu sehen. Das geht heute auch im nautischen Bereich smart und per Telefon. Es scheint alles in Ordnung zu sein…

Am nächsten Morgen frühstücken wir im Hotel. Es regnet! Das Wetter war generell nicht sehr prickelnd während unseres Besuches. Es war meist kalt, immer wieder hatten wir Regen. Trotzdem war uns das Glück hold, denn immer wenn es darauf ankam, blieb es zumindest trocken. Manchmal hatten wir auch sonnige Stunden – Aprilwetter im Mai!
Das Früstück selbst schien ein wenig schmal auszufallen. Wir waren die einzigen Frühstücksgäste…

…dann aber kam die Chefin höchstpersönlich um die Ecke, sie offerierte Eierspezialitäten welche sie gleich selbst brut, es wurde eine Etagiere mit Köstlichkeiten aufgefahren. Excellent!!!

Derart gestärkt konnte der Tag beginnen. Wir besuchten Nina und Familie noch einmal in deren Haus, die Kleinste wollte mir noch zeigen wie sie mit ihrem Kettcar herumsausen kann. Geduldig betrachtete ich die rasende Runde im strömenden Regen. Nachdem Sibylle und ich auch das Spieleparadies der beiden Mädchen bewundert hatten, nachdem wir noch eine Tasse Kaffee mit den Eltern getrunken haben, hieß es Abschied nehmen. Geplantes Wiedersehen – August 2025…
Wir setzen unsere Fahrt fort – es ging in die rund 50km entfernte und bereits zuvor erwähnte Ortschaft Baindt. Dort wohnt ein, dem geneigten Blogleser bekannter, Freund aus dem Leros Marina Dunstkreis – Werner, der Kapitän der ALENA! Oder besser – der Ex-Kapitän!

Wir haben uns verabredet, weil ich ALENA ja für ihn verkauft habe. Es galt, ein paar Papiere zu überbringen und ein paar letzte Details zur Übergabeabwicklung zu besprechen.
Wir wurden sehr herzlich empfangen und aufwendig bewirtet…


Zum Abschied überreicht Werner ein Geschenk, ein besonderes Dankeschön, über das ich mich sehr freue. Er ist übrigens der Einzige, der von sich sagen kann, mir ein T-Shirt geschenkt zu haben, welches eher eine Nummer zu groß war 😉

Wir verabschieden uns, für uns geht es weiter nach Karlsruhe, um Sibylles Geschwister zu besuchen. Mich treiben die Gedanken um – natürlich werden Werner und ich in Kontakt bleiben, aber werden wir uns wiedersehen? Wir haben es uns fest vorgenommen, aber es wird nicht mehr automatisch passieren, wir müssen es forcieren, um zu verhindern, dass dies ein Abschied für immer war.
Pünktlich zum Abendessen treffen wir bei Sibylles Bruder ein. Wir dinieren gemeinsam und haben viel zu erzählen, bevor Sibylle und ich todmüde ins Bett sacken.
Am nächsten Morgen wachen wir in meiner Wohnung auf…

Klingt komisch, ist aber so! Ich habe eine Wohnung im Haus von Sibylles Bruder. Diese hat er als Büroräume angemietet und lässt uns während unserer Besuche dort schlafen. Wir sind hier um ein paar Modalitäten diesbezüglich zu besprechen, dies bekommen wir schnell und familiär hin.
Ich sehe mich um – es gefällt mir hier. Ob ich dieses Objekt einmal verkaufe oder ob ich nicht versuchen sollte die Wohnung zu halten? Mal sehen was die Zukunft bringt.


Während ich noch in meinen Gedanken schwelge, holt mich Sibylle zurück in die Realität – „…auf jetzt! Wir wollen nach Spessart!“
Sie mahnt zum Aufbruch, weil wir mit ihrer Nichte in deren neuen Augenoptikergeschäft verabredet sind. Steffi hat den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt – den wollen wir gebührend würdigen und sie in den neuen Geschäftsräumen besuchen.


Ich erfahre bei dieser Gelegenheit, dass es den Titel „Bachelor Professional“ gibt! Wikipedia mein dazu…
„…Gleichwertigkeit mit den akademischen Graden sowie die Praxisnähe zum Ausdruck bringen. Ausschließlich für die Absolventinnen und Absolventen einer Meisterprüfung in einem zulassungspflichtigen Handwerk wurde durch § 51 Absatz 2 HWO eine allgemeine Rückwirkung für bereits erfolgreich absolvierte Meisterprüfungen eingeführt. Die neue Abschlussbezeichnung „Bachelor Professional in …“ darf auch von Personen, die ihre Meisterprüfung vor dem 1. Januar 2020 abgeschlossen haben, geführt werden. Laut Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) is wahlweise ein Tragen des alten Meisterabschlusses oder des neuen Bachelor Professional möglich.“
Gefällt mir! Mario Rauch – Bachelor Professional in Bootsbastelei
Wir genießen den Besuch bei Steffi und schauen uns neugierig um.


Während ich noch überlege ob ich einen Kaufumsatz tätige, fährt mir Sibylle durch die Parade – „…denk nicht im Traum dran!“ höre ich sie sagen. Wie gemein!
Pssst jetzt, wir müssen uns benehmen. Erste Kundschaft verlangt nach der Optikermeisterin.

Ich ziehe meinen Hut, Sibylle und ich wünschen beste Geschäfte! Ich liebe Handwerk, es hat bekanntlich goldenen Boden.



Danach geht es zurück zu Sibylles Bruder. Leider gießt es wieder wie aus Kübeln, die Fahrt macht keinen Spaß.

Sibylle muss „noch schnell“ in eine Apotheke, trifft dort aber eine frühere Ausbildungskollegin. Die zwei Frauen fallen sofort in „weißt Du noch“ Themen und ich wurde auf´s Wartegleis gestellt.
Da stand ich nun und mir war fad. Ich vertrieb mir die Langeweile und sah mich um – sieh nur, eine Waage! Ich betrat den fiesen Gewichtsmesser – nicht ahnend, dass dieser offensichtlich entweder manipuliert war oder es wurde eine Folge der versteckten Kamera gedreht…

Bilder aus meiner Jugendzeit kamen mir in den Sinn…

Ich beruhige mich – spreche mir selbst Trost zu. Es muss eine Erklärung geben! Zum Glück gibt es heute Abend Spargel statt Grillwurst!
Ja, richtig gehört! Sibylle träumt seit unserer Landung von „Spargel satt“ und Schwägerin Martina wird ihr diesen Wunsch erfüllen. Was zunächst nicht so ganz klar war, der Spargel würde in Pfannkuchen eingewickelt werden und mit allerlei „Leckereien“ garniert werden. Das freut mich! Gleichzeitig stelle ich für mich fest, dass die Waage sicherlich einen technischen Defekt hatte.
Ich brate die Pfannkuchen, das kann ich! Martina macht Spargel und Soßen, Heiko und Sibylle decken den Tisch…



Ein schöner Besuch in Karlsruhe neigt sich dem Ende entgegen. Wir werden am nächsten Morgen nach dem Frühstück aufbrechen.
Gesagt, getan – wir spulen die Kilometer in unserem schwachbrüstigen aber treuen Civic ab und erreichen bald den Stadtrand von München. Wir kommen dabei direkt bei meinem Herrenausstatter vorbei und weil wir dies im Vorfeld auch so geplant hatten, habe ich mich dort neu eingekleidet.
Die Couturiere des Labels „engelbert & strauss“ haben alles was mich kleidet und was ich benötige. Ich wähle die Stücke die mich bezaubern und kleide mich von Scheitel bis Sohle neu ein. Sehr zu meinem Leidwesen muss ich ein paar Banknoten aus meinem Börserl hergeben, bevor ich die begehrten Pretiosen in Besitz nehmen darf – zum Dank schenkt mir das Modehaus noch eine klassische Kopfbedeckung!
Glücklich fahren wir weiter – es gilt die Knaben Otto und Benno von der Kita bzw. dem Kindergarten abzuholen.

Auf dem weiteren Weg passieren wir Aschheim, die Partnerstadt von Leros. Hier habe ich vor Jahren einmal gewohnt. Ob das Zufall oder Schicksal ist???

Sibylle kauft noch Kuchen, den würden wir zusammen mit Schwiegertochter Sonja und den Bengeln verzehren. Sie fragt mich zuckersüß – „…was für einen Kuchen willst Du?“
Ich antworte wie in Trance und von fremden Mächten gesteuert – „LEBERKÄSSEMMEL“

Wir schnappen die Zwerge an ihren frühkindlichen Bildungsstätten auf und bringen sie nach Hause. Etwas später trifft die Mama ein und wir begrüßen uns alle herzlich! Gleich nach Kaffee und Kuchen ruft die großelterliche Pflicht und wir werden zu einer Runde „Das verrückte Labyrinth“ verpflichtet.

Das Spiel zog sich! Es war schwierig für uns Spielebanausen, mit dem Sechsjährigen mitzuhalten. Während in mir der Ehrgeiz erwachte, sackte mein Weib in sich zusammen und machte einen Zug, beabsichtigt oder nicht, der den Knilch zum Gesamtsieger machte.
Wie ärgerlich! Ich habe gegen den Knirps verloren, der aufgrund seiner stolzgeschwellten Brust nun meine T-Shirts hätte tragen können – so nicht! Revanche!
Ein andermal – Sohn Florian kommt nach Hause, es ist Zeit für das Abendessen. Es gibt, wie bestellt, bayrische Brotzeit. Sibylle und ich schließen somit eine kulinarische Lücke.

Danach verabschieden wir uns für heute. Wenn Sibylle und ich zusammen in Deutschland sind, schlafen wir nicht bei ihrem Sohn in Miesbach. Für sechs Personen wird unser altes Haus einfach zu eng.
Wir ziehen dann weiter ins „Haus Seegarten“, der Pension meines Freundes René, welche direkt am Schlierseeufer gelegen ist. René und Rita sind gerade in Urlaub und haben den Schlüssel bei Florian hinterlegt.
Wir fahren nach Schliersee und checken ein, beziehen unser Zimmer und fallen erschöpft ins Bett. Zum ersten Mal seit fast einem Jahr schaue ich Fernsehen und höre deutsche Nachrichten. Nach einer halben Stunde reicht es mir mit den Hiobsbotschaften – wir schlafen ein.
Am nächsten Morgen richte ich mir einen „Arbeitsplatz“ ein,,,


Während ich sitze und mich den administrativen Aufgaben widme, erreicht mich eine Botschaft aus Griechenland. Die WhatsApp Nachricht kommt von Ralf und Ina, der Crew der CHILI.

Ich hatte vor unserer Abfahrt so ziemlich alle Freunde gebeten, bei einem etwaigen Besuch der Emborio Bucht auf Kalymnos zwei Schwämme bei Tavernenwirt Kostas abzuholen.
Nicht irgendwelche Schwämme, nein, die Schwämme, die Karl und Rosi auf ihrer Probefahrt mit ALENA gekauft hatten – quasi als Glücksbringer. Leider bleiben die Schwämme liegen und ich hatte mich angeboten dafür zu sorgen, dass wir sie bekommen – heute war es soweit.

Meine „Kopfgeldjäger“ melden Vollzug und erzählen beiläufig, dass sie mit dem Radl in Emborio sind – der Rückweg nach Pothia führt einmal quer über die Insel! Mit einem Schwamm am Lenker.
Ich bitte um Entschuldigung für diese Mühe – die Beiden sind sich einig „Schwamm drüber“ 😉

Für uns brachte der weitere Verlauf des Tages ein weiteres Highlight – wir treffen den jüngsten Enkel Anton nebst seinen Eltern. Ich freue mich darauf den Kleinen kennen zu lernen und auch darauf, meinen Sohn Stefan und seine Amelie nach so langer Zeit wieder in den Arm zu nehmen.
Mein Junior geht inzwischen voll in seiner väterlichen Rolle auf…

Wir hatten uns zu einem Spaziergang am Spitzingsee verabredet. Wenn es das Wetter erlaubt, wollen wir zur Albert-Link-Hütte gehen. Dies nicht ohne Eigennutz, denn dort gibt es den besten Kaiserschmarrn weit und breit.
Der Wettergott war gnädig. Er ließ uns trocken marschieren. Bei allen anderen Kriterien waren wir kompromissbereit.




Wir quatschen viel, haben uns viel zu erzählen. Es gibt diese Momente, während derer ich denke, dass ich auch viel aufgebe für mein Lebensmodell. Auch ich vermisse die Kinder und Kindeskinder an manchen Tagen – aber ich weiß auch, dass sie ihr eigenes Leben führen und dass sie, im Falle wir würden in der Gegend wohnen, unser Ansinnen auf regelmäßige Treffen auch mal abweisen würden.
Da muss ich wohl durch – ich habe es mir so ausgesucht. Zwischendrin wacht der Kleine auf und mustert mich so gut er es halt kann. Ich stelle mich ihm als der Opa vor. Wir freunden uns an und er weiß zu diesem Zeitpunkt nicht, dass das Schicksal ihn vermutlich auch einmal nach Hellas führen wird.
Während ich sinniere, erreichen wir die DAV Hütte…


Wir finden einen recht guten Platz auf der windgeschützten Terrasse der Hütte. Da es keinen Niederschlag gibt und der Windschutz für gerade noch akzeptable Temperaturen sorgt, beschließen wir zu bleiben und widmen uns der Auswahl der Speisenfolge – erst was Herzhaftes teilen, dann natürlich einen Kaiserschmarrn, ebenfalls teilen.


Wir wandern zurück zum Auto und fahren gemeinsam in unsere Herberge. Hier habe ich Gelegenheit, die noch frische Freundschaft mit Klein-Anton zu vertiefen. Ich schließe den kleinen, knuffigen Kerl in mein Herz.

Die junge Familie verabschiedet sich bald, der Kleine quengelt und muss schlafen, man führe jetzt nach Hause. Das war für uns mehr als ok, wir sehen uns ja morgen noch einmal. Die Zeit, welche durch die Abfahrt der Jugend frei wurde, nutzen wir für einen Abstecher an den Tegernsee. Dort weilten bereits Franziska mit Familie und Schwiegereltern aufgrund einer, von uns losgelösten, Familienfeier.
Man sei frühzeitig angereist, ob wir nicht zusammen im „Maximilian“ essen wollten? Natürlich und ob wir wollen!


Nachdem der Hunger der Erwachsenen gestillt war – wir hatten hervorragend gegessen – musste noch Baby Heidi gefüttert werden. In einem Anflug von Übermut schritten Sibylle und ich zur Tat!
Sibylle hält sie fest, ich füttere – so oder ähnlich lautete unser Plan 😉

Am nächsten Morgen überschlagen sich die Ereignisse. Der Wettergott hat ein Einsehen, endlich und gerade zur rechten Zeit – zudem sind René und Rita vorzeitig aus dem Urlaub zurück gekommen.
Der Bulli der Beiden hatte einen Motorschaden und da das Ziel der Reise, das Bullitreffen im Schwarzwald, nicht mehr erreichbar schien, haben die Freunde beschlossen, mit dem ADAC Leihwagen die verfrühte Rückreise anzutreten.


Schwierige Situation – des Einen Freud, des Anderen Leid! Die Freunde beklagen das abrupte Ende des Urlaubs und den Schaden am geliebten Oldtimer – wir dagegen freuen uns, dass die Beiden früher zurück sind und wir mehr Zeit für gemeinsame Momente haben.
Es wird sich einpendeln…
Sohn Stefan kommt noch einmal mit Familie an den Schliersee. Wir beschließen, den Tag ähnlich zu verbringen wie den davor – nur sollte diesmal das „Milchhäusl“ am anderen Ende des Schliersees unser Ziel sein. Dieses Etablissement ist bekannt für seine Germknödel, dafür müssen oder wollen wir den Schliersee umrunden.

Am Rückweg kippt der kleine Anton weg. Irgendwas drückt ihn und auch sein neuer Freund OPA kann nicht helfen.

Zurück im „Haus Seegarten“ müssen Stefan und Amelie gleich weiter. Es gilt, Amelies Oma am Chiemsee abzuholen, denn morgen schon steht Antons Taufe an.
Sibylle fährt für diesen Abend an den Tegernsee um für Franziska Baby Heidi zu sitten, ich verbringe den Abend mit Rita und René, ein schöner Abend mit vielen alten und neuen Geschichten.
Am nächsten Morgen kommen Franziska und Mikey mit der kleinen Prinzessin an den Schliersee. Die Heimfahrt vom Tegernsee nach Erding und dann wieder zurück lohnt nicht. Wir verbringen den Vormittag zusammen und machen uns dann fertig, um mittags Richtung Florian aufzubrechen. Zusammen fahren wir weiter an den Münchener Stadtrand – denn heute ist Antons großer Tag…




Das Procedere beginnt pünktlich. Der Pfarrer holt uns gesammelt ab, der Taufakt beginnt VOR der Kirche um die eigentliche Taufpredigt etwas aufzulockern – das gelingt durchaus gut…


Die kirchliche Taufe war feierlich, ich stand der Feier eher neutral gegenüber. Nach etwa 45 Minuten war die Taufe vollzogen, die Gesellschaft verließ das Gotteshaus und verabredete sich zum weltlichen Teil der Feier – dieser fand im Biergarten vom „Roiderer“ statt!
Der Zufall wollte es, dass es an diesem Tag noch etwas zu feiern gab – den siebten Hochzeitstag von Sibylle und mir. Grund genug, darauf mit einem Gläschen Prosecco anzustoßen.

Wir haben gut gegessen und die jungen Leute hatten Spaß. Die Kinder tobten am Spielplatz. Ein gelungener Tag fand einen gelungenen Ausklang. Wir verabschieden uns von Stefan, Amelie und Anton – es macht ein wenig traurig, auch wir werden uns erst in einigen Monaten wieder sehen.
Auch für mich, als bekennender Feier-Grinch, war es ein durchaus schöner Tag, wenn sich auch auf der Heimfahrt Entspannung breit machte. Die Stimmung war etwas melancholisch…
Sibylle bestimmt – „…Abendessen fällt heute aus!“ Ok, dann trink ich halt meinen Teil des geraubten Abendessens, dies zusammen mit René und Rita, mit denen wir nochmals auf unseren Hochzeitstag anstießen.

Für den Folgetag fordert Sibylle „Quality Time“ mit ihren Enkelsöhnen ein. Das kann man möglich machen! Abermals haben wir Wetterglück, also fädeln wir eine Bootsfahrt auf dem Schliersee ein.





Das Boot ist wackelig! Jede Bewegung meinerseits wird in Krängung umgesetzt. Es dauerte eine Weile, bis den beiden kleinen Piraten Seebeine gewachsen sind.
Wisst ihr, dass die griechische Flagge blau-weiß ist, weil seinerzeit König Otto von Griechenland nebst dem Reinheitsgebot für Biere auch die Farben der bayrischen Flagge nach Hellas gebracht hat? Welch netter Link der Geschichte.

Nach Ende unserer Eroberungsfahrt, müssen wir uns die Beine vetreten. Lange Seefahrten machen einfach etwas wackelig. Aber dies gelingt nicht nur mir recht schnell, auch die Leichtmatrosen machen eine gute Figur – jetzt noch schnell die Schwimmwesten abgeben, dann geht es ab auf den Spielplatz.


Ein ganzer Nachmittag mit den Buben – Boot fahren, sandeln, am Seeufer pritscheln. Natürlich gab es ein Eis und Wiener mit Pommes. Auch Sibylle war zufrieden mit dem Tagesverlauf! Am späten Nachmittag brachten wir die beiden Racker, natürlich nach einer Einkehr bei McDonalds, nach Hause zurück.
Wir brauchten erstmal eine kurze Pause…

Für den Abend waren wir mit René und Rita in der „Roten Wand“ verabredet. Das war lange geplant und wäre, unter anderen Umständen, die einzige Zeit mit den Freunden gewesen. Zu unserer Freude kam es anders – trotzdem wollten wir die Zeit mit dem Besuch einer unserer Lieblingswirtschaften abrunden – denn heute heißt es schon Abschied nehmen.



Am nächsten Morgen verabschieden wir uns nach einem letzten gemeinsamen Frühstück. Wir bereiten uns langsam auf die Heimreise nach Griechenland vor, unsere letzte Station wird daher wieder bei Sibylles Tochter Franziska sein.
Sibylle hat in Erding ein paar Erledigungen zu machen, mit Mikeys Eltern sind wir zum Mittagessen verabredet.
Mir fallen Wahlplakate auf…

Sibylle klärt auf, dass ich lieber das Wahlprogramm lesen sollte! Sie nähme mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit an, dass es sich bei „Mehr EIS“ nicht um eine Forderung an „Repapis“ in Leros handelt – auch wenn es hier um die Europawahl geht.
Plopp – meine Frau zerstört in einem Halbsatz meinen Traum! Weniger Konflikte, mehr EIS – wer träumt nicht davon?
Wir kommen am vereinbarten Treffpunkt an – der Wirtschaft mit „Knödeln so groß wie Kindsköpfe“! Ich darf dieses Zitat von Christine an dieser Stelle verwenden! Klar, dass ich da hin muss.


Was für ein Desaster! Der beweihräucherte Gasthof hat heute Ruhetag und die Riesenknödel bleiben weiter ein Traum. Sibylle meint lapidar, dass sie keinen kindskopfgroßen Knödel bräuchte, den größten Kindskopf hätte sie ohnehin.
Wie meint sie das???
Wir ziehen weiter zum Gasthof Post, welcher als Alternative gehandelt wird. Dort essen wir gut, es gibt keine Klagen.


Wir verabschieden uns hier von Nader und Christine, auf bald, wir sehen uns Anfang Juni schon auf Kreta – bis dahin!
Hier verlinke ich kurz Vergangenheit mit Gegenwart – als ich diesen Satz schreibe, sitzen Sibylle und ich auf der Fähre nach Kreta, wir liegen gerade im Hafen von Sitia. Das beschriebene Wiedersehen steht kurz bevor – wenn ihr diese Zeilen lest, sind wir im Urlaub auf der größten griechischen Insel.
Wir fahren für diese Nacht noch einmal zu Franzis Familie und nehmen deren Gastfreundschaft in Anspruch. Wir parken unser Auto und packen unsere Koffer.
Als wir zu Grillen beginnen und den Sonnenschirm öffnen, startet eine Fledermaus aus dem Schirm – wir sind sauber erschrocken. Der Flattermann fliegt drei Runden durch den Garten, doch bevor ich sie richtig fotografieren kann, verkriecht sie sich im Dachspalt.

Mit dem gemeinsamen Griller klingt der Abend aus, wir alle gehen früh ins Bett. Die Eltern sind müde, weil Klein-Heidi Zähne bekommt, wir halten es für ratsam zeitig zu schlafen, weil wir um 04.00 Uhr am Flughafen sein müssen.
Ein „Early Bird Day“ beginnt!

Kurz kommt unser Blut in Wallung. Das Taxi ist nicht zur vereinbarten Zeit da. Es kreiselt aber ein heller Wagen rund um die Häuserblöcke – diesen fange ich ab. Natürlich war es unser Taxifahrer, der hatte sich die Hausnummer falsch notiert und statt 1A 17 geschrieben. Da es diese Hausnummer nicht gibt, irrte er umher.
Egal, irgendwie hat es der Mann geschafft, uns rechtzeitig zum Flughafen zu bringen, wo wir die üblichen Procedere durchliefen.
Bald standen wir vor dem Gate und es wurde das Boarding ausgerufen.


Der Flug war abermals entspannt, aber diesmal voll besetzt. Es ist unglaublich, wie viele Menschen Urlaub auf Kos machen. Nach rund zweieinhalb Stunden landeten wir sicher und stiegen auf der zentralen Dodekanesinsel aus. Wir waren wieder zuhause – fast!

Sibylle war etwas missmutig. Sie hatte die perfekte Heimreise geplant, wir würden das Taxi besteigen, entspannt zum Fährhafen fahren und kurze Zeit später auf den Katamaran gehen, dieser würde uns gegen 13.00 Uhr in Agia Marina ausspucken. Genug Zeit bleibe übrig, um sich noch zu sortieren und das Urlaubsgepäck zu verräumen.
Hätte, hätte, Fahrradkette!

Martin und Petra sitzen im alten Hafen von Kos auf ihrer STENELLA und beklagen, dass Petra „Rücken“ hat. Sie kann weder Heben noch Ziehen, geschweige denn Drücken oder Bücken – keine guten Voraussetzungen um das Boot bei Starkwind gegenan nach Leros zu bringen.
Der Hilferuf erreichte uns vor zwei Tagen, ich sagte zu. Wir helfen, wir heuern als Crew an, wir bringen STENELLA in die Leros Marina Evros – gemeinsam!
Ich sende meinen Standort und unsere ETA, Martin soll das Schiff schonmal klar machen.

Alles klappt! Der Taxifahrer bringt uns direkt ans Boot, Martin hat alles vorbereitet, sogar Sandwiches haben die Beiden gekauft. Wir sagen Hallo, besprechen uns kurz, dann legen wir ab – keine 30 Minuten nachdem wir in Kos-Stadt angekommen waren.




Die Stunden vergingen, mit jeder Stunde sackte Sibylles Laune etwas ein – aber wir waren voll in der Zeit. Nachdem wir alle uns etwas „eingeschaukelt“ hatten und auch unsere Idealpositionen gefunden waren, war es ein zwar forderndes, aber zu keiner Zeit gefährliches Segeln – und wir konnten eine Annäherung ans Ziel wahrnehmen…

Eine weitere Stunde später hatten wir die Bucht von Lakki erreicht. Wir haben uns per Funk angemeldet, die Helfer und Matrosen wussten Bescheid, dass wir kommen.

Ich fand es cool – zurück aus Deutschland und mit einer Segelyacht in der Marina ankommen. Das war stilecht!
Klar, dass wir den Tag gebührend ausklingen lassen und zusammen mit den Freunden aus der Marina die üblichen Lokalitäten besuchen. Morgen ist auch noch ein Tag, NESSAJA war schnell geentert, alles Weitere dann am Folgetag…


Ein neuer Tag bricht an. Vor uns liegen exakt zehn Tage, von denen wir wissen, dass es stressige werden würden. Wir müssen ELOWYN urlaubsklar machen, bei ALENA den Motor reparieren und unsere Geburtstage gilt es auch zu meistern.
Vor diesem Hintergrund beschließen wir – heute klarieren wir NESSAJA, sagen erstmal zu allen Freunden „Hallo“ und sortieren uns neu. Ab morgen geht es los.
Das klingt nach einem Plan!
Als erstes räume ich das große Paket aus unserem Schiff. Die Crew der ELOWYN hat schon Sachen vorausgeschickt und an uns adressiert.

So ganz bleibt es dann doch nicht beim geplanten Vorgehen, denn ich habe schon vor dem Deutschlandaufenthalt mit Hans-Peter vereinbart, dass wir den Propellerpitch des blauen Riesen noch einmal anpassen.
Dies war für heute Mittag geplant und die Bedingungen waren perfekt. Naja, offen gesagt, geschadet hat es nicht – alles was erledigt ist, setzt uns die folgenden Tage nicht mehr unter Druck.


Der Propeller musste abermals intensiv gereinigt werden, es war während der Standzeit im Winter einiges an Bewuchs dazu gekommen. Zudem klemmte der Ring und war an diesem Tag mit bloßen Händen nicht zu verstellen – wir mussten uns eine Art „Spannvorrichtung“ ausdenken um den Verstellring ziehen und drehen zu können und an einem der nächsten Tage den Taucheinsatz wiederholen. Bis dieser Beschluss getroffen war, zog sich unser Tun doch irgendwie über den ganzen Nachmittag. Ich war froh, dass wir es heute schon angegangen waren und den Job nicht bis auf die letzte Minute geschoben haben.
Das Werkzeugreichen und Sitzen in der Sonne lassen einen auch schwitzen. Zum Ausklang des Tages tu´ ich es dem Taucher gleich und tauche erstmal ab. Das Meer hat inzwischen einladende Temperaturen.

Zum Dinner waren wir heute mit der Crew der STARLIGHT III verabredet. Ihr erinnert euch – Heribert, mit dem wir vor unserem Abflug nur einen Drink genommen hatten, er war geblieben und hatte mit seiner Romina deren Rückkehr aus Malta nach Leros verabredet. Ziel war, uns noch einmal zu sehen, bevor sie Griechenland verlassen würden.
Ehrensache, dass wir zusagen! Der Kat der beiden liegt in der Bucht vor Anker.





Wir verabschieden uns – es ist unklar, ob wir uns einmal wiedersehen werden. Diese Tatsache hinterlässt eine gewisse Melancholie, gehört aber zu unserem Lebensmodell. Wir lernen immer wieder tolle Menschen kennen, schließen häufig neue Freundschaften. Manche werden wachsen und von Dauer sein, bei anderen muss man loslassen können.
Wir hoffen Romina und Heribert einmal wieder zu treffen…
Der nächste Tag beginnt mit einer richtigen Plackerei!!!
Wir rufen „Segeltage“ aus, das Anschlagen der Segel auf der ELOWYN und der LIBERTÉ stehen auf dem Programm. Wir beginnen mit dem aufwändigeren Part und trommeln Helfer zusammen – Uli und Martin unterstützen Hans-Peter und mich.

Zu viert rackern wir wie die Beserker um die zwei riesigen Vorsegel der Algro 68 zu setzen und die Leinen dafür klar zu machen. Aber da viele Hände ja bekanntlich ein schnelles Ende bereiten, konnten wir gegen frühen Nachmittag Vollzug melden – geschafft! ELOWYN trug wieder ihre weißen Tücher, sie war segelklar.

Da es die beste Zeit für einen Kaffee nebst Eisbegleitung war, sprach ich eine allgemeine Einladung für die Helferschar aus. Diese wurde freudig angenommen – wir gönnen uns also eine Stunde Auszeit bei „Repapis“, danach sind Uli und Martin entlassen.

Ich mache mit Hans-Peter auf dessen LIBERTÉ weiter, dort sind die NEUEN Segel anzuschlagen und zu begutachten. Mein saarländischer Freund war fast ein wenig aufgeregt – und das will was heißen!


Wir setzen noch die Genua, auch diese sitzt super und passt perfekt. Dann rollen wir die Segel ein, das Tagwerk für heute ist geschafft. Zusammen mit Hans-Peter und Merlin gehen wir in unseren Lieblingsgrill am großen Kreisverkehr. Für seinen Taucheinsatz bin ich eine Essenseinladung schuldig.


Ich sitze am Kopf des Tisches und merke – irgendwas stimmt nicht. Meine Tischnachbarn sitzen da mit ausgebeulten Backen und ich darbe noch. Was habe ich vor mir stehen???

Nein, der Betreiber des „SouVLakki“ will mich nicht auf Diät setzen! Er brauchte nur etwas länger, meine Portion mit scharfem Messer von dem sich drehenden Spieß zu säbeln. Ein paar Minuten später bin auch ich bestens versorgt und wir drei futtern als gäbe es kein Morgen mehr – klar, wer arbeitet muss auch essen, insofern war das Dinner wohlverdient!
Am Folgetag wollte Hans-Peter endlich den Tauchjob abschließen. Wir hatten uns in der Zwischenzeit überlegt, wie er unter Wasser Zug auf den Verstellring bringen könnte, das wollten wir heute probieren und umsetzen.

Diesmal geht es schnell! Der Plan funktioniert und nachdem der Ring vorgespannt wurde, ließ er sich auch leicht ziehen und auf das richtige Maß verstellen – ok, da setzen wir jetzt erstmal einen Haken.
Warum das Ganze? ELOWYN kommt nicht in Schwung, sie schmeißt unter Last immer wieder Ruß auf´s Wasser.

Wir beschließen an diesem Tag, dass das Eindampfen unter Umständen kein guter Indikator für den Erfolg unseres Tun ist. Der Skipper der ELOWYN kennt sein Boot am besten, er hat den Pitch des Propellers als verantwortlich ausgemacht.
ICH würde mich im Verlauf dieses Monats noch ärgern müssen, dass ich aufgrund der Arbeitsvorgabe erst sehr spät begonnen habe, darüber nachzudenken, ob der Fehler nicht auch andere Ursachen haben könnte.
Ihr ahnt es bereits – hatte er! Doch dazu später mehr!
Ich musste das Boot wechseln, es war ein Paket für ALENA gekommen.


Zur Mitte unseres Deutschlandaufenthaltes habe ich Panos aus unserer Chandlery angerufen und abgeklärt, ob er zwischenzeitlich dieses Ersatzteil hat bestellen können. Konnte er nicht! Das hat mich gewurmt – er hat mir erklärt wie kompliziert das sei und dass er auf seine Anfragen keine Antworten bekommt. Er hatte zwei Wochen Zeit, dann haben wir diese Deadline vereinbart – ich wusste schon als wir es ausgemacht hatten, dass ich das Ersatzteil selbst bestellen müsste.
Es war eine Sache von 5 Minuten Stöbern im Online Katalog und der anschließenden Bestellung – heute traf das Paket ein, ich konnte das GO für den Kühlschrankmonteur aus Lakki geben.
Zum Abendessen waren wir mit Gottfried und Gabi im „Metzes“, die Beiden wollen mit ihrer HARMONY bald auslaufen, wir wollten noch ein wenig quatschen.

Während ich diese Zeilen so vor mich hintippe, fällt mir auf, dass ich keine Bilder von Angelika und Sibylle beim Putzen gemacht habe. Auf der einen Seite gehört sich das nicht, anderseits muss es natürlich Erwähnung finden! Die Beiden haben nämlich, während wir Jungs die Technik gemacht haben, den ganzen Dampfer auf Hochglanz gebracht – und das ist bei einem 21m Schiff kein Pappenstiel – ich kann Angelika dafür nicht genug danken!!!
Der neue Tag war einer, an dem ich Kleinkrams abarbeiten wollte. Ich brauchte eine „ELOWYN-Pause“. Also mache ich mich nach und nach daran, zuerst bei NESSAJA die abgebrochene Lenzpumpenabdeckung zu erneuern…

…dann begebe ich mich auf die EDINA um ein letztes Mal die Bilge leer zu pumpen. Der Eigner würde am 26. Mai ankommen, ich werde die Verantwortung für die CNB 60 an diesem Tag abgeben.
Es sieht alles gut aus an Bord – zunächst!



Alles gut soweit – ich lasse den Motor laufen und will den Generator starten. Doch potzblitz, was ist das nun wieder???
Der Stromerzeuger zeigt einen „Fault 45 – no Speed Sense“ – und springt nicht an. Ich kann dies nicht ad hoc beheben und informiere den Besitzer. Dieser Fehler wird mit übergeben und, ich greife etwas vor, war zum Monatsende noch nicht behoben.
Weiter geht es für mich auf der LIBERTÉ. Hans-Peter hat sich einen neuen Drucker gegönnt und mich gebeten, diesen zusammen mit ihm zu installieren. Da helfe ich doch gerne!

Mein nächster Job führt mich in unsere Chandlery. Ich brauche für den Wassermacher der ELOWYN neue Filter. Das trifft sich gut, denn in meinem Wasserfilter für das Marinawasser sind die gleichen Einsätze verbaut und diese müssen dringend ausgetauscht werden.


Ihr merkt schon, es wird nicht langweilig, es gibt immer etwas zu tun. So verfliegen die Stunden und letztlich die Tage. Auch an den Stegen herrscht emsiges Treiben. Die Segler kommen, die Segler gehen. Viele Freunde verabschieden sich zum Sommertörn oder gar in die Sommerpause.
So auch Martin und Petra von der STENELLA. Mit den Beiden gehen wir heute noch einmal zusammen zu „Dimitris o´ Karaflas“ – Martin spricht für unsere Crewdienste eine Einladung aus.


Wir schreiben den 19. Mai, es ist Sibylles Geburtstag! Wir hatten vereinbart, dass wir an unseren Geburtstagen nur leichte Aufgaben auf ELOWYN verrichten und uns am Nachmittag freinehmen wollten, um den Ehrentag zu genießen.
So haben wir das nacheinander auch umgesetzt…


Gegen Mittag brechen wir ab und verholen auf NESSAJA, dort sortiert Sibylle erstmal die Glückwünsche, die sie bis dahin erreicht hatten.

Dann aber zogen wir uns zurück. Es war der Wunsch meiner Angetrauten, dass wir ein bisschen am Panteli Beach abhängen. Ein bisschen auf der Liege fletzen und lesen, ein bisschen schwimmen, ein gutes Eis – ein ruhiger aber schöner Geburtstagsnachmittag!



Um uns einen Cappuccino nebst Eisspezialität zu gönnen, gehen wir die paar Schritte über die Straße ins „Sorbet“. Dort gibt es, alternativ zu unserem Eispalast in Lakki, ein paar sehr gute Sorten – wie zum Beispiel „Black Choccolate Sorbet“ oder „Salted Caramel“ – und genau diese Kombination war unsere heutige Wahl…

Danach fahren wir zurück in die Marina. Sibylle will sich noch aufhübschen, denn heute Abend ist eine kleine Geburtstagsfeier im „To Steki“ angesetzt – nur zehn Gäste, aber immerhin.
Zurück im Schiff klagt die Gattin erstmal – zu ihrem Ehrentag hat auch die Sonne entschieden, dass sie ein paar Extrastrahlen schickt. Zum ersten Mal in 2024 haben wir über 30°C im Schlafgemach – nicht gut…

Egal! Trotz des in Strömen fließenden Schweißes, schafft es die Protagonistin, sich in Schale zu schmeißen und dem Anlass entsprechend zu strahlen.
Das darf sie auch, denn das Essen bei Dimitris war ausgezeichnet und der Gastwirt hat sich auch eine kleine Überraschung ausgedacht…


Der erste Geburtstag liegt im Kielwasser, es war ein schöner Tag im kleinen Kreis. Sibylle ist am späten Abend erschöpft und fällt zufrieden ins Bett. Ich trinke noch ein Bier als Betthupferl und fahre den Kopf ein wenig runter – dann folge ich ihr nach…

Der Folgetag steht ganz im Zeichen von ELOWYN – wir wollen an diesem Tag die Liste „Auswintern“ abgeschlossen haben und klotzen richtig ran. Tausend Kleinigkeiten sind zu tun, aber wir kommen gut voran.
Im Laufe dieses Tages hat auch Martin mit der STENELLA Krantermin. Wir bewundern das neue und sehr besondere Schiff noch einmal aus anderer Perspektive…


Nach dem Kranen wird das auffällige, rote Schiff auf seinen Landplatz gestellt und die Crew verabschiedet sich von uns. Wenig später bringt das Taxi die Beiden nebst Hündchen Bonnie an die Fähre – Yassas, wir sehen uns im September wieder!
Wir kriegen den Rest des Tages gut rum und können am Abend Vollzug melden – technisch ist ELOWYN bis auf Kleinigkeiten fertig. Diese Kleinigkeiten gehe ich morgen an. Dann heißt es noch „final sauber machen“ – dann dürfen Volker und Tina ankommen…
Heute gibt es mal wieder Pizza – mir war so danach!


Wie jedes Jahr steht am 21. Mai mein Geburtstag an. Heute ist es soweit! Auch für meinen Ehrentag, haben meine Gattin und ich die gleichen Spielregeln festgesetzt wie für den ihren.
Nach einem guten Frühstück verholen wir somit abermals auf den blauen Riesen. Ich habe mir für heute eine kleine Reparatur an der Überwachungselektronik aufgehoben – eine saubere Arbeit, die einen reibungslosen Ablauf verspricht.


Dann habe auch ich die Schnauze voll. Wir agieren ähnlich wie zwei Tage zuvor und schauen, dass wir schleunigst an den Lieblingsstrand nach Panteli verholen.





Und täglich grüßt das Murmeltier – „Groundhog Day“ auf Leros! Das könnte man meinen, denn auch mir war der Wettergott hold und hat das Zentralgestirn auf hohe Leistungsstufe gedreht – ich knacke die 30°C Marke auch bei der Außentemperatur!

Um den Tag nicht als eine Blaupause von Sibylles Ehrentag in die Geschichtsbücher zu schreiben, habe ich beschlossen, dem Tag eine völlig neue Richtung zu geben. Wir gehen NICHT ins „To Steki“. Meine, etwas kleinere Gesellschaft trifft sich, da war ich phantasielos, im „SouVLakki“ auf eine gepflegte Grillage.


So wird der Besuch in der Grilltaverne meiner Wahl, zum Unterscheidungskriterium zwischen den Tagesabläufen unserer Geburtstage. Das finde ich deshalb erwähnenswert, weil ich auch einen Kuchen als Präsent bekam – und zwar genau den gleichen wie Sibylle!
Als ob sich die Tavernenwirte mit „Repapis“ abgesprochen hätten – „…na da lassen wir den Unterschied mal nicht zu groß werden!“ Ich fand´s lustich…

Zu guter Letzt packe ich noch meine Gaben zum Ehrentag aus. Sehr nett, dass sich alle Gedanken gemacht haben. Das hat mich sehr gefreut – nochmals „VIELEN DANK“!

Die Geburtstage liegen im Kielwasser, die Pflicht ruft wieder mit ganzer Vehemenz. Wir packen auf ELOWYN an und machen das riesige Schiff sauber. Angelika und Sibylle polieren das Edelstahl und schrubben das Deck, ich muss vom Schlauchboot aus den Rumpf shamponieren und abwaschen.
Beim Spülen des Ankerkastens fällt mir auf, dass sich Schlieren auf der Wasseroberfläche bilden…

Hm, nicht nur, dass dies natürlich aus umwelttechnischer Sicht ein Gau ist, nein, es deutet auch auf eine Leckage in der hydraulischen Anlage hin. Das ist umso wichtiger zu wissen, da wir tatsächlich einen Hydraulikölverlust haben – das muss mich mir auf die Liste schreiben, dies muss unter Beobachtung gestellt werden.
Den ganzen Tag fummeln wir an der Optik der Luxusyacht hin – tatsächlich sind wir abends nahezu fertig. Morgen Abend würden unsere Freunde ankommen.
Wir machen Schluss für heute und beschließen, dass wir ELOWYN morgen das letzte Finish verpassen würden.
Heute verschlägt es uns mal wieder zu Marietta, dort waren wir lange nicht mehr zum Dinner.


Ein schöner Abend. Marietta hat etwas Zeit, wir schnacken mal wieder, sie gibt mir die Kontaktdaten einer privaten Griechisch-Lehrerin. Ich nehme mir vor, dies nach unserer Rückkehr aus dem Urlaub Mitte Juni anzugehen.
Auch über das Hub, der Verwaltungsstelle der „The-Leros-Way“ Webseite, können wir uns ein wenig austauschen. Ich mache ja nach wie vor die deutsche Übersetzung der noch inaktiven German-Version.
Inzwischen werden im Hub Sprachkurse, Kochkurse und vieles mehr angeboten. Es bietet Remote-Arbeitsplätze und ist ein Treffpunkt, eine Drehscheibe, auf der Insel.
Ein schöner Abend!
Am nächsten Morgen stehe ich früh auf. Ich genieße die Ruhe und den Frieden in der Marina zur frühen Stunde.

Heute Nacht kommen Tina und Volker an, um ELOWYN zu übernehmen und ein paar Wochen Urlaub zu verleben. Wir wollen den Freunden einen perfekten Einstieg in den Urlaub vorbereiten, somit läuft die Uhr von jetzt an rückwärts, noch 14h bis zur Ankunft.
Die Beiden wollen einen Leihwagen als Vehikel haben, diesen habe ich schon vor Wochen reserviert. Das mache ich mir jetzt zu Nutzen, denn meine GS muss in die Werkstatt um einen neuen Kettensatz zu erhalten.
Wir holen also den Leihwagen um auch unsere Mobilität sicher zu stellen, dann geben wir unsere treue BMW bei Loykas ab.


Wir holen am Rückweg noch die Polster für den Willi bei Sortiris ab. Perfektes Timing! Dann geht es zurück auf das Mutterschiff um dort die Vorbereitungsarbeiten abzuschließen – noch 11h.
Alles in Allem kostet das aber auch den ganzen Tag!


Wirklich perfekt war, dass die Marina meine Bitte bei ALENA den Kühlschrankverdampfer zu verbauen, solange das Schiff im Wasser liegt, umgehend umgesetzt hat. Dies ist wichtig, weil der Kompressor auf der Hallberg-Rassy wassergekühlt ist.
Es war etwas stressig, auch diese Arbeit heute noch zu beaufsichtigen, aber am Abend war alles abgeschlossen und der Kühlschrankmechaniker hatte ganze Arbeit geleistet – alles aufgeräumt, das Neuteil verbaut, der Kühlschrank lief und war kalt, das Altteil war noch an Bord – super!


Last not least holen wir noch ein Päckchen im Office ab, dies wäre auf der Post für uns hinterlegt gewesen, die Marina habe es für uns geholt. Nanu, wir erwarten doch gar nichts???

Was für eine Überraschung! Unsere Freundin Katherina schickt uns Geburtstagsgrüße aus der Heimat. Das freut uns ganz besonders, eine echte Überraschung – Danke Kate!
So vergeht der Tag wie im Flug! Bis wir uns versehen, bricht der Abend herein. Heute beschließen wir, dass wir uns einen Burger gönnen, es heißt nun, auf die Ankunft der Fähre zu warten – noch 3h.



Großes HALLO! Wir begrüßen die Beiden, packen sie ins Auto und fahren in die Marina. Ihre ELOWYN ist bezugsfertig, das Bier steht kalt. Wir gönnen uns ein Döschen des guten Gerstensaftes und stoßen auf wunderbare, gemeinsame Tage an! Schönen Urlaub euch Beiden.
Dann gingen wir zurück auf NESSAJA und fielen erleichtert ins Bett – geschafft, ELOWYN ist übergeben! Dass nicht alles reibungslos laufen würde, ahnen wir noch nicht… 😉
Der Folgetag verfliegt ohne große Ereignisse. Die Freunde sortieren sich, wir unterstützen dort, wo unsere Hilfe gefragt ist. Für den Abend steht die von Volker so geliebte „Mühlentour“ an – zuerst in „Harris Bar“, die in der ersten der fünf Windmühlen von Leros untergebracht ist.






Der zweite Teil der „Mühlentour“ führt hinab nach Agia Marina ins „Mylos“. Das mit Sicherheit beste Lokal der Insel ist ein inzwischen mehrfach ausgezeichneter Fischtempel. Ich habe das „Mylos“ hier ja mehrfach erwähnt – es ist ein Spitzenlokal mit gehobener aber nicht abgehobener Küche. Das Essen ist teurer, aber stets preiswert – man sitzt perfekt!



Der Abend endet spät. Wir sind satt, zufrieden und etwas angetüdelt. Im Licht des noch fast vollen Erdtrabenten fahren wir nach Hause. Dieser und das beleuchtete Kastell sorgen für die perfekte Szenerie für diesen Abend.

Die ELOWYN läuft heute aus, soweit der Plan. Sibylle und ich würden dann dazu übergehen, unseren Urlaub auf Kreta vorzubereiten. Ich habe zudem noch eine Reparatur auf ALENA vorzunehmen, die hat nämlich am 29.05. Krantermin.
Volker möchte zuvor noch eine Probefahrt bezüglich der Pitcheinstellung machen, wir gehen davon aus, dass alles passt. Danach würde er uns am Steg absetzen und sofort wieder ablegen. Ok, klingt gut – Hans-Peter, Sibylle und ich steigen zu, wir werfen die Leinen los und fahren in die Bucht.
Was ist DAS jetzt??? Was soll das? ELOWYN tuckert wie eine alte Galeere. Sie qualmt und kommt nicht auf Drehzahl – obwohl wir in Sachen Pitch alles getan haben was die Lehrbücher vorgeben und der Logik entspricht – sie verhält sich atypisch. Wir beschließen, den Pitch noch einmal zu verändern – morgen…
Ich fahre jetzt erstmal zu Loykas und hole meine GS, die war inzwischen fertig,


Warum um Gottes Willen, erneuert der Kfz-Meister seine Kette nicht selbst? Naja, ich war mit den Schiffen gut beschäftigt und fast ein wenig unter Stress.
Dazu kommt, dass Loykas fast unverschämt günstig ist. Für den Einbau der angelieferten Teile hat er mir 30.-€ berechnet. Dafür lohnt es sich fast nicht, mein Werkzeug aus NESSAJA zu räumen.
Den Tag beenden wir mit den Freunden im „Metzes“, sie freuen sich, dass es ein aus ihrer Sicht neues Lokal auf Leros gibt, das möchten sie gerne kennen lernen.



Am nächsten Morgen sitzen wir zusammen – wie geht es nun weiter?
Volker und Tina sehen es entspannt. Wir behirnen die Sache erstmal und beschließen, dass wir den Pitch noch einmal anpassen. Wir würden beim Propellerhersteller die richtige Einstellung abfragen. Es keimt die Frage auf, was zu tun wäre, wenn danach keine Besserung eintreten würde. Wir müssen uns eingestehen, dass uns nichts anderes übrig bleibt, als den Motor mit auf die Liste der infrage kommenden Ursachen für das Problem zu setzen. Ich erinnere mich an die letzten Tage meines Berufslebens, als ich als Turboexperte für BTS im Einsatz war. Ich grüble still vor mich hin – ob vielleicht der Turbo…???
Egal, dazu später mehr. Jetzt muss ich in dem von mir geplanten Tagesablauf bleiben, sonst entgleitet mir meine To-Do Liste! Ich hatte Hans-Peter versprochen eine Fallklemme mit ihm zu montieren, danach würde er noch einmal tauchen.



Hans-Peter packt danach abermals seine Tauchausrüstung. Zwischenzeitlich haben wir die richtige Pitcheinstellung erhalten – Soll ist 15°. Diesen Wert hatten wir schon probiert, es verdichtete sich somit die Annahme, dass der Fehler anderweitig zu suchen ist.
Unser Lieblingstaucher taucht was und stellt zurück auf Soll. Danach ist er von seinen Zusagen entlastet, er hat mir bei ELOWYN geholfen wie kein Anderer…
Da wir diesmal keine Probefahrt anstreben, gehen wir in den Freizeitmodus über. Sibylle und Tina wollen zu den Hunden, Volker und ich wollen unsere Frauen begleiten.


Kristina und Volker sind angetan vom Tun der engagierten Lerianerin, die dies auf privater Basis aufgezogen hat und erst seit wenigen Monaten einen Verein hinter sich hat, der auch Spenden sammeln darf.
Die Drei werden noch mehrfach gemeinsam zu den Vierbeinern gehen.
Für mich gibt es an diesem Tag nur noch eine Aufgabe zu erfüllen, EDINA für die Übergabe vorbereiten. Dafür soll ich die große Tauchpumpe aus dem Innenraum nehmen, die Motorklappe schließen und den Schlüssel deponieren sowie ein Brett bereitlegen – ok, das mache ich gerne!


Am Morgen des Folgetages wird die Verantwortung für EDINA nicht mehr bei mir liegen. Die CNB ist ein tolles Schiff, dennoch hat sie mich gefordert und mir Stunden geraubt. Ich konnte dem Eigner helfen, aber letztlich leider kein problemfreies Schiff übergeben, das hat mich persönlich geärgert.
Während ich noch vor mich hinbrummle, rufen Volker und Tina auf die ELOWYN zum Aperitif. Da kommen wir gerne, das rosa Tröpfchen bringt uns auf andere Gedanken!

Danach geht es ins „Pirofani“ zum Dinner. Dort habe ich heute für sechs Personen reserviert, denn Gerald und Ulrike sind da!
Ihr erinnert euch natürlich an die Beiden. Es handelt sich dabei um die vermeintlichen Käufer unserer NESSAJA. Ich hatte ihnen ja abgesagt, dabei aber nicht verabsäumt eine Empfehlung auszusprechen – und eben wegen diesem Schiff sind sie nun hier. Wir wollten uns zum Abendessen treffen und nachdem Volker und Tina noch hier verweilten, war es nur allzu selbstverständlich, dass wir zu sechst in die Taverne in Panteli gehen.


Wir unterhalten uns ganz gut, für mich etwas überraschend, da ja die Gründe für meine Absage, den Verkauf von NESSAJA betreffend, noch nicht ausgesprochen sind. Ich merke natürlich auch, dass die Beiden mit angezogener Handbremse sprechen, wenn es um ihre Kaufabsicht bezüglich der Oceanis 42CC TARGUI geht. Das ist normal, wie soll man Begeisterung zeigen, wenn man zwei Monate zuvor noch von etwas anderem total überzeugt war, naja, das Gerede von gestern – kennen wir ja alle. Ich war zwischenzeitlich etwas genervt von der Situation – aber Schwamm drüber…
Das Gespräch entwickelt sich in Richtung ELOWYNs Problem. Gerald prescht vor – „…es könnte der Turbolader sein!“ Da hat er Recht, dumm für mich, dass Volker exakt zu diesem Zeitpunkt auf das Thema aufspringt. MÖÖÖP – Chance verpasst, ab jetzt ist Gerald der „Erklärbär“ und der Turbo wird als Ausfallgrund akademisch durchleuchtet. Ich nicke und halte meine Klappe, viel hätte nicht gefehlt und ich hätte angemerkt, dass er halt einen einbauen soll. Sibylle wusste, was in mir vorging und sie bangte, aber ich war griechisch entspannt und schwieg eisern.
Es passiert was passieren musste – mir wurde die Executive zuteil, ein Procedere, welches ich in Zukunft verhindern werde. Am Folgetag finde ich mich also in ELOWYNs Motorraum wieder.


Volker lässt den Motor laufen, das Turbinenrad bleibt stehen. Wir gehen auf Nenndrehzahl, das Turbinenrad steht immer noch. Im Stand teste ich die Freigängigkeit – keinen Millimeter lässt sich die Läuferwelle im Lagergehäuse drehen.

Wir diagnostizieren den Turbo als defekt. Ok, das ist das eine, aber welche Schritte sind nun zu tun um das Problem schnell zu beheben? Volker fängt sofort an zu recherchieren, wo bekommt man in Griechenland einen Lader für den großen Yanmar 4LHA?
Mehr noch stellt sich die Frage, wie die Beiden nun ihren Urlaub ausgestalten wollen, die Reparatur wird sich ein paar Tage ziehen.
Für mich war klar, das Trum muss raus – ich mache mich an den Ausbau!



Ich gehe auf NESSAJA um meine Pranken zu waschen. Auf dem Weg dorthin überblicke ich die Marinaeinfahrt und sehe gerade, wie die TARGUI von der Probefahrt zurückkehrt, diese sollte das Zünglein an der Waage werden.

Am Abend dieses Tages wird die Oceanis 42CC den Besitzer gewechselt haben. Das freut mich, weil ich den entscheidenden Tip geben konnte – ich frage mich, ob ich nicht eine Provision hätte aushandeln sollen. Ich merke aber auch, dass es mich wurmt, denn der Verkauf von NESSAJA hätte sich über fast ein Jahr ziehen sollen. Egal wie, ich hatte den richtigen Riecher…
Volker und ich beschließen, dass wir gemeinsam recherchieren müssen um den Turbo schnellstmöglich vor Ort zu haben. Wir verabreden uns auf der Terrasse des „Skipper´s“.

Yanmar Athen bietet einen Lader für schlappe 3.200.-€ an. Vielleicht hätte Volker zähneknirschend akzeptiert, aber die geforderte Lieferzeit von drei Tagen konnte nicht zugesagt werden, der Lader käme aus dem Europalager. Das war uns zu teuer und zu riskant.
Optionen aus dem Internet scheiterten an der Lieferzeit – griechische Inseln wurden immer mit einer Woche Versand gehandhabt. Expresssendungen wurden meist nicht angeboten.
Ich besann mich auf meine früheren Kontakte zu BTS und schrieb den Verkaufsleiter an – 10 Minuten später hatten wir den Lader zu einem Hauspreis bestellt. Lieferung nach Leros innert drei Tagen – Sensation!!!
Volker und ich waren zufrieden. Wir mussten noch die Dichtungen bestellen, hier erwies sich „Artemis Boatyard“ als zuverlässig und hilfsbereit.

Weil noch soviel Tag übrig war und wir nicht mehr tun konnten, wechselten wir in den Urlaubsmodus. Wir riefen die Damen an, dass sie nachdem sie vom Hundeshelter zurückkommen würden, uns am Panteli Beach finden würden.

Den Abend läuteten wir in „Harris Bar“ ein. Ein Aperitif tat dem angeschlagenen Gemüt gut. Danach sollte es zu „Dimitris o´ Karaflas“ gehen – in die Taverne des Glatzkopfs.







Der Abend klingt schön aus, wir sind satt, trinken noch einen Ouzo, dann ziehen wir uns auf unsere Schiffe zurück.
Am Folgetag gehe ich morgens früh über unseren Steg am Außenkai und sehe nach langer Zeit einmal wieder unsere Barracudafamilie. Langsam und gemächlich ziehen die Jäger ihre Runde.

Wir sind auf ELOWYN verabredet – als wir im Cockpit saßen um uns für den Tag zu besprechen, wird ein Fischkutter gekrant. Das mächtige Trum bringt unseren großen Kran an die Belastungsgrenze. Das Berufsschiff muss Ballast ablassen, denn die Notabschaltung des Liftes hatte ausgelöst.
Großes Kino – und wir hatten Logenplätze.

Sibylle ist ungeduldig, das merkt man, wenn sie die Arme in die Hüften stemmt. Wir alle warten auf den Erhalt des Laders, können aber aufgrund des fehlenden Trackings nicht agieren. Wir setzen uns abermals im „Skipper´s“ auf einen Kaffee zusammen, es gilt, einen Sommerliegeplatzvertrag für ELOWYN auszubaldowern, ich muss den Krantermin für ALENA steuern.



Ich rapple mich auf – ALENAs Krantermin ist heute Nachmittag. Ich werde versuchen, den Motor bis dahin zum Laufen gebracht zu haben. Wenn das gelingt wäre es super, wenn nicht, müssen wir sie ins Kranbecken schleppen.
Ich sammle meine Werkzeuge zusammen und lege los…




Da es Hans-Peter etwas fad war, half er mir beim Anreichen von Material und Werkzeug. Das war perfekt, denn so musste ich mich nicht jedes Mal aus der Hocke in die Höhe drücken – das sparte Zeit.
Nach relativ kurzer Zeit war der Wärmetauscher montiert und der Motor startklar – sollen wir es wagen? Würde alles dicht sein?

Wir drehen am Schlüssel – der TMD22 startet sofort! Wir schauen misstrauisch, aber alles ist gut. Der Kühlwasseraustritt ist makellos, der Motor läuft einwandfrei.

Wir sind keine Minute zu früh fertig. Ich konnte gerade noch das Werkzeug verräumen, da höre ich Kranmann Giannis schon über mich sprechen. Als ich auf seiner Höhe war rief er mir schon entgegen – „…pame Mario, are you ready with ALENA? You are the next!“
Hans-Peter und ich parieren, wir legen die schöne Schwedin ab und zirkeln sie in die Krangasse – ein paar Minuten später schon hing sie in den Gurten.




Ich habe im Juni einige kleine Aufgaben an ALENA zu erledigen. Die Marina wird zudem zwei Seeventile verbauen. Ende Juni werden Rosi und Karl ihre Hallberg-Rassy dann übernehmen – zu meiner Entlastung.
Der Tag klingt aus, alles war mit heißer Nadel gestrickt, hat letztendlich aber perfekt geklappt. Wir haben heute einen Besuch bei Marietta geplant. Der Eigner der EDINA, der im Moment ja noch ohne seine Gattin vor Ort ist, wird später zu uns stoßen.

Der Abend war super, er ist aber schwer zu beschreiben, wenn man gleichzeitig die Privatsphäre eines Menschen achten möchte und muss.
Ich versuche es so – der Eigner der CNB taut im Laufe des Abends immer mehr auf. Wir erfahren, dass er früher Regattasegler war, der sowohl beim berüchtigten Fastnet-Race 1979, als auch beim Admirals´s Cup 1983 teilgenommen hat. Er beschreibt die tragische Rettungsaktion vor dem berühmten Felsen, wie auch den Sieg beim begehrten Cup.
Als wäre das nicht genug, gibt er Einblicke in sein Berufsleben – es fallen Namen wie Bernie (Ecclestone), Flavio (Briattore) und Michi (Schumacher). Wir sprechen viel über PS und Sekunden.
Der Abend war ein Highlight des Monats – er ist nicht in Worte zu fassen. Lustig war bei der Gelegenheit auch, als wir feststellten, dass wir am gleichen Tag Geburtstag haben.
Ganz im Gegensatz dazu stand der Folgetag – es war eine nervenzerfetzende Aneinanderreihung von Stunden – der Turbolader soll heute ankommen – wir hatten endlich ein Tracking erhalten.
Ich helfe Volker beim Vertilgen seiner Wurstvorräte, er wolle nachher noch einmal einkaufen, schließlich würde man heute, nach Einbau des Laders, ablegen – dachte man…

Am Nachmittag liegen unsere Nerven blank. Alle Lieferanten waren bereits in der Marina und wir fragten uns langsam, wann und wie das ersehnte Paket nun ankommen solle. Da erreicht uns eine ernüchternde Nachricht…

Wir hatten weder einen Wunsch geäußert, noch hatten wir irgendwen versäumt – im Gegenteil, wir waren ganztägig vor Ort!
Die Sendung sollte, laut Tracking, in Rhodos liegen. Wir hatten die Mittagsfähre abgepasst – ohne Erfolg. Dann kam die ernüchternde Nachricht.
Es war uns danach, das vereinbarte Dinner im „Mylos“ abzusagen. Es war als Anlass zum Feiern und zum Verabschieden gedacht. Jetzt würde es eine Art „Frustfressen“ werden – sollen wir das Edellokal dafür missbrauchen?
Wir entscheiden uns dafür, die Reservierung aufrecht zu erhalten und uns etwas Gutes zu tun.





Das Essen braucht nicht noch einmal beschrieben werden – es war perfekt wie immer, wir haben uns diesmal auch an Neuigkeiten auf der Speisekarte gewagt. Alles, aber auch wirklich alles, war ein absoluter Gaumenschmaus.



Wir schlemmen, genießen, klönschnacken und beschließen, dass der Turbolader und dessen Lieferkette, für den heutigen Abend ein „Thema non grata“ ist, das Wort das nicht genannt werden darf…
So vergeht der Abend uns die Stimmung ist wunderbar.

Etwas getrübt wird die Freude und der Genuss durch meine Schleimbeutelentzündung, an der ich seit meinem letzten Blogeintrag laboriere. Ich hatte aus Unachtsamkeit meinen Unterarm auf einer Schrankkante aufgelegt, diese hat dann drei Tage lang in meinen Ellbogen gedrückt.
Seither habe ich einen ordentlichen Bömmel am Ellbogen – das Berufsrisiko des Schriftstellers. Das stetige Werkeln an den Booten ist der Genesung nicht unbedingt zuträglich. Ich leide…


Wie immer blicke ich beim Gehen in den Schrank in dem der Fisch aufbewahrt wird. Es fasziniert mich, welche Vielfalt von Edelfisch hier gelagert wird.


Am Heimweg machen wir noch eine Pause im „La Palma“. Es gibt einen Ouzo als Absacker, das war aber nicht der einzige Grund.
Wir haben gedacht, dass wir vielleicht unser sehnlichst erwartetes Paket an der Fähre sehen und abfangen können. So flitzen Volker und ich schnell an den Anleger als der stählerne Zubringer anlegt.

Es war eigentlich klar, dass dieses Unterfangen aussichtslos war. Aber wir klammerten uns eben an jeden Strohhalm. Das Problem war, Sibylle und ich würden morgen Nacht in den Urlaub aufbrechen und Volker stünde mit seinem Problem alleine da.
Aber morgen ist auch noch ein Tag – der letzte des Monats Mai zwar, aber der, auf dem unsere Hoffnung ruht, ELOWYN seeklar zu machen.
Ich nehme das Zepter in die Hand und stehe um 07.30 Uhr auf. Um Punkt 08.00 Uhr stehe ich vor der Filiale von ACS und schildere den zwei Verladern mein Problem. Erst war man eher negativ, man könne ein einzelnes Paket in der Vielzahl der Säcke nicht finden.
Als ich eröffnete, dass es von TNT / Fedex kam, erhellte sich das Gesicht des Mitarbeiters. Ah, für die gäbe es nur einen Sack – sofort leerte der hilfsbereite Mann diesen Sack, auf dem nun meine ganze Hoffnung ruhte…
YEAH, JIPPIE, HEUREKA – da war es! Ich hatte es in den Händen – meinen Schatz!

Ich genehmige mir erstmal ein kleines Frühstück – denn dann heißt es: „Treffpunkt ELOWYN“

Wir treffen uns beim waidwunden, blauen Riesen um diesen zu neuem Power zu verhelfen. Volker packt den neuen Lader, ein IHI Originalteil übrigens, aus und bereitet alles vor.


Ich begebe mich in die Tiefen von ELOWYNs Bauch um dort abermals das Operationsbesteck zu schwingen. Eigentlich lief alles wie am Schnürchen…

Eigentlich? Ja, denn zwei Punkte machten Kummer. Erstens, mein Ellbogen – das Gewerkel war schmerzhaft, es muss endlich enden, ich brauche Urlaub!

Zweitens, das war temporär schlimmer – eine total verrostete Metalldichtung zwischen Turbo und Abgaskrümmer. Diese war so verrostet, dass ich sie nicht mehr als Dichtung identifiziert habe und erst beim vermeintlichen Abklopfen der „Rostablagerungen“ auffiel, dass hier noch eine Dichtung verbaut war, die wir aber nicht bestellt hatten.
Was tun wenn wir diese nicht bekommen? Wir schauderten – aber jetzt hatte Panos, der Verantwortliche für die Chandlery in der Marina, seinen großen Moment! Er hatte das seltene Kleinod tatsächlich auf Lager!

Der Rest der Geschichte ist schnell erzählt – zwei Stunden später war der Einbau erledigt, der Probelauf war erfolgreich und ELOWYN klar zum Ablegen.
Wir verabschieden uns von Volker und Tina, wir wünschen wirklich wunderbare Urlaubstage nach diesem „speziellen“ Start.

Schon kurze Zeit später meldet Volker, dass der Motor perfekt läuft und das Boot wieder ordentlich Speed macht.
Später gibt er noch positive Rückmeldung zum Willi, auch der „läuft besser als je zuvor…“

Sibylle und ich richten am Weg noch die Plane von Felix´ VW Bus, wir wollen helfen, dass der wertige Wagen keine Schäden davonträgt. Wir ziehen die vom Wind verwehte Plane wieder an Ort und Stelle und befestigen diese neu.


Ich brauche erst einmal eine Abkühlung. Ein Bad im Meer bringt mich wieder auf normale Betriebstemperatur und ich besinne mich darauf, mit Sibylle zusammen unsere Urlaubsreise vorzubereiten. In wenigen Stunden würden wir schon auf der Fähre sein.

Wir waren echt ein wenig unter Zeitdruck. Es war uns zum Beispiel wichtig, dass wir mit Hans-Peter und seiner, inzwischen angekommenen, Frau Petra noch einmal zum Essen gehen würden.
Die Beiden sollten den Ort wählen und einladen wen sie wollten. So kam es, dass wir in kleiner Runde mit den Crews der LIBERTÉ und der JASPER bei „To Steki“ zum Dinner saßen.

Auch Volker kann seine Pläne verwirklichen – er macht den ersten Stop im „Stigma“ auf Archangelos und sendet Grüße von Giorgos dem Tavernenwirt. Das von uns beworbene „Octopus Tigania“ hat er bekommen – der Tag findet also für uns alle ein versöhnliches Ende.


Unser Abend klingt im „Repapis“ aus – wir verabschieden uns von den Freunden, morgen früh werden wir schon auf der Fähre sein. Unser Urlaub beginnt in der Nacht zum 01.06.

Zurück auf NESSAJA packen wir unsere Tasche fertig und ich schnalle diese auf die GS – wir sind fertig zum Aufbruch, dann legen wir uns schlafen, der Tag beginnt früh.
So endet unser Mai 2024. Ein turbulenter, bewegter und kurzweiliger Monat. Was erwatet uns im Juni? Hier ein kurzer Ausblick…
Wir werden also am 01.06. über Rhodos nach Kreta reisen. Dort treffen wir Nader und Christine, mit ihnen machen wir zwei Wochen lang Kretas Westen unsicher.
Ich habe mir vorgenommen, die Samaria Schlucht zu durchwandern, immerhin die längste Schlucht Europas.
Zurück auf Leros werden wir ALENA zur Übergabe fertig machen und dann an Rosi und Karl übergeben.
ELOWYN wird am Tag nach unserer Rückkehr gekrant, auch hier gibt es einiges zu erledigen.
Zu guter Letzt steht ein Gespräch mit dem Marinaeigner an – wie würde es mit meiner Beschäftigung weitergehen?
Ihr ahnt schon, es stehen turbulente Wochen bevor und wir hoffen, dass ihr uns gewogen bleibt. Danke für die investierte Zeit und das Interesse an unserem etwas anderen „blau-weißen Lebensmodell“!
Liebe Grüße aus Kreta
Mario & Sibylle, die Crew der NESSAJA







































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































































