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Nessaja ist eine Dufour 43CC und in Griechenland stationiert. Seit Anfang 2021 leben wir unseren Traum und wohnen auf Nessaja. Mit Ihr machten wir zunächst die Ägäis unsicher, bevor wir aus privaten Gründen entschieden haben, NICHT auf "große Fahrt" zu gehen! In unserem Blog geht es daher zumeist um den Alltag zweier Segler die sich dem Leben auf einer kleinen griechischen Insel verschrieben haben... Hier und auf den üblichen Social Media Kanälen erzählen wir von unseren Erlebnissen und Abenteuern.

Oktober 2024 – „Word Up!“

Die Headline des Monats Oktober bedarf unter Umständen einer kleinen Erklärung – Cameo intonierte den Funk / R&B Song „Word Up!“ im Jahr 1986, der prägnante Slogan wurde dadurch einer breiten Masse an Musikfreunden geläufig.

Bei mir hat die Nummer nie gezündet, dennoch war ich neugierig, für was „Word Up!“ eigentlich steht – ich darf hier kurz das allwissende Google zitieren…

„Word up“ ist eine umgangssprachliche Phrase, mit der Zustimmung, Billigung oder Begeisterung ausgedrückt werden . „Word up“ wird im Allgemeinen synonym zu „Ich stimme zu“ oder einem begeisterten „Ja!“ oder „Großartig!“ verwendet. Normalerweise sagt man damit, dass jemand mit etwas einverstanden ist oder von etwas wirklich begeistert ist.“

Ja, damit sind wir doch schon beim Bezug zum Blogbericht des Monats Oktober – kein aufregender und doch ein umtriebiger Monat, welcher uns einige spontane Entscheidungen abverlangte. Hat alles geklappt? „Word Up!“, na klar… 😉

Gähn – waaaas, schon Oktober???

Der kühle Abschlussabend des letzten Septembertages ist vergessen, ich krabble aus den Federn und blättere das Kalenderblatt um – die Kinder grinsen mich an und ich werde etwas wehmütig…

Die Familie ist abgereist, es wird eine Weile dauern, bis wir die einen oder anderen wiedersehen. Ich freue mich aber auch über den Kalender – es ist ein liebgewonnenes Geschenk das uns Freude macht und das wir sehr schätzen.

Ich koche Kaffee, die wichtigste Handlung um den Tag zu eröffnen und denselben einen guten werden zu lassen!

Die „Dinzler“ Dose ist eine Hommage an unseren Lieblingskaffee in der Heimat – der Inhalt ist längst profaner Standardware gewichen

Mit einer köstlich duftenden Tasse des heißen Koffeingebräus setze ich mich auf meinen Platz und starte das Mobiltelefon…

BIMM! Eine Nachricht schneit herein, natürlich könne der griechische Vertreter des italienischen Produzenten von Wasseraufbereitungsanlagen der Firma „Schenker“ eine Reparatur und einen Service anbieten – wir sollen die Anlage schicken.

Ich leite die Mail an Hans Peter weiter und schlürfe in Ruhe meinen Kaffee zu Ende, dann schlendere ich entspannt zum Pick-Up des saarländischen Freundes.

Dieser ist schon fleißig – nun, Morgenstund´ hat Gold im Mund!

Wir müssen das Gerät noch verpacken

Gemeinsam lupfen wir die Apparatur auf eine Halbpalette und verpacken das sensible und teure Trum gehörig. Dann fahren wir, zum dritten Mal innert der letzten sechs Wochen, zu „Leros Trans“, der Spedition, die unsere Fracht zur Zieladresse nach Athen verschiffen soll.

Man lädt mit dem Gabelstapler ab

Die Procedur der letzten Male wiederholt sich – was ist drin, wie schwer ist es, wohin soll es? Muss es versichert sein, wie hoch ist der Wert – und wird es in der Athener Zentrale abgeholt???

Die liebe Christina, eine resolute Mittvierzigerin mit der Stimme eines Laubbläsers, kümmert sich um unser Anliegen und schon wenige Minuten später können wir das Speditionsgelände wieder verlassen. Wieder was geschafft – das war der letzte Streich!

Hans Peter ist unruhig – sein Hund Merlin ist beim Tierarzt und bekommt eine Zahnreinigung. Das ist an sich nichts Schlimmes, aber es wird bei Vollnarkose durchgeführt. Er sorgt sich und weil er Gewissheit braucht, suchen wir unsere Frauen auf – sie warten im Café vor dem Tierarzt.

Alles ok, man müsse sich nicht sorgen! Ok, dann zwei Cappuccino bitte…

Mir fällt ein Mann auf, der die Mauer seines Geschäftes verschönert.

Gefällt mir!

Zugegeben, der Pinsler ist kein Picasso, aber ein Lerianer, der sich gegen Tristesse und Verfall stemmt – ein „einsamer Kämpfer“ sozusagen, denn die Mehrheit akzeptiert den „morbiden Charme“ des Ortes.

Wir leeren unsere Tassen und fahren zurück in die Marina. Dort trennen sich unsere Wege für eine Weile, denn wir haben unabhängig voneinander genug zu tun. Die Freunde aus dem Saarland bereiten sich langsam auf ihre Heimreise vor. Sibylle und ich haben noch ein paar Kleinigkeiten auf ELOWYN zu erledigen.

An diesem Tag treffe ich mit Volker eine richtungweisende Entscheidung bei einem längeren Telefonat – er wird mit einem Freund nach Leros kommen und sein Schiff hier übernehmen, eine Verbringung nach Kos durch uns ist nicht nötig.

Ich bin happy mit dieser Entscheidung, denn die Verbringung hätte für uns einen erheblichen Aufwand bedeutet. Klar, auch eine reizvolle Sache, aber letztlich unnötig, denn Volker hätte am Tag nach der Übergabe die Meilen gutmachen müssen, welche Sibylle und ich unter hohem Zeit- und Geldaufwand tags zuvor vernichtet haben – Unfug!

Daher die Entscheidung! Das Schiff bleibt in der Marina, wir machen es reiseklar und Volker übernimmt hier. Aufgrund der schlechten Fährverbindungen an seinem Ankunftstag, organisieren wir ihm ein „Speed RIB“ als privaten Taxi-Shuttle…

Sind alle einverstanden? Ja klar, „Word Up!“

Sofort gehen Sibylle und ich auf ELOWYN und beginnen damit, unsere Aufgaben abzuarbeiten. Es sind nur vier Tage Zeit, den blauen Riesen reiseklar zu machen! Beginnen wir mit der Reparatur der Schlauchtrommel – kleine Ursache, große Wirkung!

Ich kann das gute Gardena Teil reparieren

Irgendwas im Inneren der Gardena Trommel war gebrochen. Der Reparaturversuch war dringend geboten, denn man bekommt auf Leros nicht so einfach eine Gardena Trommel, zudem ist diese so modifiziert, dass sie in einer Backskiste hängt – man kann eine andere Trommel nicht mir nichts, dir nichts umbauen.

Ich habe die teure, deutsche Qualitätsware zerlegt und instandsetzen können. Der zweistündige Aufwand hat sich gelohnt!

Ein paar weitere Handgriffe gelten dem Wassermacher, dieser muss alle zwei Tage für ein paar Minuten laufen, um die Anlage nicht verkeimen zu lassen. Also starte ich das Gerät…

Alle Schalter auf ON – Druck aufbauen…
…und schon sprudelt feinstes Trinkwasser

„Word Up!“ – ICH verwandle Seewasser in Trinkwasser! Ein wenig fühle ich mich so, als könne ich über Wasser laufen, verzichte jedoch darauf, es zu versuchen, da Sibylle mich am T-Shirt festhält.

So verplempern wir den Nachmittag und ziehen am frühen Abend zurück auf unsere NESSAJA. Ein Dinner im „Aloni“ in Xirokampos steht auf dem Plan – wir treffen uns abermals mit unseren österreichischen Freunden, der SAGITTA Crew, stellen Eva und Mario aber zugleich Hans Peter und Petra vor.

Der Grund liegt auf der Hand – Mario plant, seine Dufour 38C im Winter abzuschleifen und mit Coppercoat zu versehen – die Erfahrungswerte von Hans Peter und mir sind für ihn interessant.

Am frühen Abend brechen wir Richtung Südspitze von Leros auf…

Die Sonne ist weg, die blaue Stunde beginnt
Der „Welcome Tree“ vor dem „Aloni“
Wirt Lefteris dekoriert geschmackvoll

Wir stellen die beiden, mit uns befreundeten Crews, einander vor und nehmen an unserem reservierten Tisch Platz. Natürlich starten sofort Coppercoatgespräche – wir bedienen alle Klischees!

Die Männer sprechen über die geeigneten Exzenterschleifer, die Schleifpads mit idealer Körnung und über die Notwendigkeit von Atemschutz. Unsere Frauen dagegen, tauschen sich über Katzenbabies, den verfressenen aber „soooooo süßen, fetten, häßlichen Restauranthund“ und über Merlins Zahnreinigung aus.

Hat Spaß gemacht, auch Hans Peter strahlt

Ach ja, fast vergessen – gut gespeist haben wir auch!

Seafood-Spaghetti, waren sehr lecker

Wir hatten einen kurzweiligen Abend und dabei sehr viel Spaß. Die Zeit verging wie im Flug und als wir endlich alle Getränke geleert hatten, war es kurz vor Mitternacht.

Zeit zu gehen! Eva und Mario klettern in ihren Takacat und tuckern zurück auf ihre SAGITTA, die in der Südbucht von Leros vor Anker liegt.

Petra und Hans Peter fahren gleichzeitig mit uns Richtung Leros Marina Evros und erklimmen die Leiter zu ihrer LIBERTÉ, wo Irish Terrier Merlin schon schmachtend auf ihre Rückkehr wartet.

Sibylle und ich ziehen uns auf unsere NESSAJA zurück und kriechen müde in die Federn. Morgen früh schon ruft ein neuer Termin…

Wir sind nämlich um 08.30 Uhr bei Marietta zum Frühstück verabredet. Den gemeinsamen Start in den Tag, haben wir HP zu seinem Geburtstag geschenkt. Er musste lange warten, denn die Einladung schloss seine Gattin mit ein – heute war es soweit…

Wir haben einen schönen Platz und lassen es uns gut gehen
Kaffeespezialitäten, frischer Orangensaft und verschiedene Toasts und Sandwiches werden bestellt…
…dazu gibt es verschiedene Omeletts oder Spiegeleier
Natürlich gibt es das obligatorische Bild für´s Familienalbum

Während wir sitzen und unser Frühstück zelebrieren, taucht eine lustige Herrencrew auf. Auch sie suchen einen Tisch für das Frühstück.

Die drei sind uns aufgefallen, weil sie die Taverne mit Schwimmwesten betreten haben. Das ist per se nicht verwerflich – lustig ist es unter den gegebenen Umständen allemal…

Safety first

Die Dinghyüberfahrt vom Ankerfeld ans Ufer dauert ungefähr drei Minuten. Am heutigen Tag herrschte kaum Wind, es war sonnig und freundlich. Auch war das Meer nicht kalt.

Ok, alle drei hätten Nichtschwimmer sein können oder einfach nur sehr auf Sicherheit bedacht – aber wäre es dann nicht logisch, dass man gleich nach dem Erreichen des sicheren Ufers, sich der lebensrettenden Weste entledigt?

Nicht so die drei Seebären! Sie behielten die Rettungswesten noch geraume Zeit an und trugen diese auch noch, als vor dem Kaffeegenuss das stille Örtchen benutzt wurde 😉

Da schmunzelt auch Takis´ Schwester…

Ich war besorgt – hatte ich etwas überhört? Würde die Welt untergehen und ich war nicht gewappnet? Ich konnte erst wieder konzentriert an den Gesprächen an unserem Tisch teilnehmen, als die sicherheitsbewussten Tischnachbarn sich ihrer Westen entledigten.

Glück gehabt!

Irgendwann am späten Vormittag war unser Frühstück zu Ende. Wir begleichen die Rechnung und fahren zurück in die Marina. Wieder widmen sich Hans Peter und seine Petra den Rückreisevorbereitungen und wir uns unserem Patenschiff ELOWYN – heute stehen die Reinigungsarbeiten auf dem Programm.

Beim Wässern und Schrubben ist Sibylle die treibende Kraft
Die Fugen lösen sich langsam auf – überall die schwarzen Popel

Das Schrubben der 68 Fuss Yacht ist eine Sklavenarbeit! Nicht nur, dass die schiere Größe natürlich fordernd ist, es stellen sich zudem zwei weitere, erschwerende Faktoren ein…

Erstens – der beschädigte Decklack der polnischen Lady. Leider fliegt dieser beim Schrubben in Fetzen vom Aufbau und dem Decksalon – Klarlackfetzen überall! Diese haften an und sind schwer wegzubekommen – das ist übrigens auch der Grund, warum der blaue Riese nach Preveza zum Refit überführt wird – ELOWYN erhält diesen Winter eine Komplettlackierung! Doch dazu später mehr…

Zweitens – die Außenfugen des Flexiteek-Decksbelages lösen sich inzwischen auf. Diese bilden dann kleine Popel, welche auf dem Deck zu liegen kommen und breitgetreten werden. Auch diese sind nur äußerst schwer zu entfernen und auch dieses Manko soll beim Refit beseitigt werden.

Ich helfe meiner Frau wo ich kann, klettere und kraxle dabei wie eine bayerische Berggams – doch leider nicht so geschickt! Wie immer ziehe ich mir eine klaffende Fleischwunde zu 😉

Am Schienbein tut´s weh… (links)
…weiß ich aus Erfahrung! (rechts)

So vergeht auch dieser Nachmittag relativ unspektakulär – bis das große Schiff von den Salzwasserkrusten der vergangenen Segelwochen befreit ist, bis auch die Bordwand wieder einigermaßen glänzt, kurz – bis der Dampfer übergabefertig für die Überführungsfahrt ist, bis dahin vergehen die Stunden!

Aber am Spätnachmittag ist es soweit – wir verlassen die nun saubere und nahezu fertige ELOWYN und gehen nach Hause.

So, jetzt passt alles – es kann losgehen

Auf NESSAJA angekommen, erhalte ich die Zusage für den Leihwagen um Volker und Chris bei ihrer Ankunft abzuholen. Zudem kann ich final abklären, dass das Taxi-RIB zum vereinbarten Zeitpunkt in Mastichari auf Kos, auf die beiden warten wird.

Check! „Word Up!“ – ich bin zufrieden und gehe mit Sibylle ins „SouVLakki“ und anschließend auf ein Eis zu „Repapis“. Wohl verdient am heutigen Tage!

Im Oktober ist abends nicht mehr soviel los
Kaffee und Eis schmecken trotzdem – aber irgendwas stört mein Auge!!!
Besser! Kennt ihr eigentlich Adrian Monk?

So ein schöner und gelungener Tag! Sibylle ist verwegen und lässt sich von mir verleiten, dass wir noch auf einen Absacker ins „Palma Café“ gehen – ein Ouzo zum Abschluss…

Perfekt! Heute fehlt es an nichts!

Dafür, dass immer Meze zum Ouzo gereicht werden, dafür kann ich nichts!

Es ist fast Mitternacht als wir zuhause ankommen – nix wie ab in die Falle, die Nacht wird kurz.

Ein neuer Morgen! Die Sonne blinzelt schon in unser Schlafgemach, als wir die Augendeckel öffnen. Es muss schon etwas später sein! Also nix wie raus aus den Federn!

Wir laben uns an einem kleinen Frühstück und ich korrigiere meinen Koffeinpegel – dann geht es los. Heute steht eine Abwechslung auf dem Plan – wir sehen mal wieder ein Haus an.

Ein schönes Objekt steht zum Verkauf

Freunde von uns haben von dem zum Verkauf stehenden Objekt erfahren und bitten uns, ein paar reale Vor-Ort Bilder zu schießen. Wir sollen doch bitte einschätzen, wie das Objekt einzuordnen ist.

Wir brummeln also mit dem Mopped einmal quer über die Insel und parken direkt vor der uns bekannten Immobilie. Dann schleichen wir, so gut es eben geht, um das Objekt und fotografieren von allen Seiten.

Schöne Einfahrt, Garagen, toller Garten
Privater Strand

Das Haus ist über 100 Jahre alt aber mehrfach umfänglich renoviert. Es ist klein, schnuckelig und authentisch – aber dadurch eben auch nur bedingt modern.

Wenn man dies bei der Preisfindung berücksichtigt, dann ist der aufgerufene Preis – trotz Meergrundstück – einfach zu hoch.

Dies ist nur unsere unmaßgebliche Einschätzung, aber wir geben diese dennoch an unsere Freunde weiter. Ich erlaube mir dazu, den Link zur edelsten Immobilie auf Leros beizufügen – auch sehr kostspielig, aber im direkten Vergleich eine andere Liga.

Ich überlege mal wieder, ob es nicht doch eine gute Option wäre, dass wir NESSAJA gegen eine Immobilie auf Leros tauschen – aus wirtschaftlicher Betrachtung allemal…

Was nun? Es war noch viel Tag übrig, wir hatten heute nicht allzuviel zu tun – so entscheiden wir, dass wir mal wieder an den Panteli Strand fahren. Dort ist inzwischen wieder Ruhe eingekehrt.

Liege in der ersten Reihe – Panorama nach Kalymnos
Ich gönne mir ein geeistes Bier, Sibylle bleibt bei Limo
Wir gehen Baden und relaxen

Was mich echt verwundert ist, dass es auch in der Nachsaison noch immer die Schlauchbootdeppen gibt! Was bewegt einen durchschnittlich intelligenten Menschen dazu, mit einem aufgeblasenen Wasserfahrzeug, in Gleitfahrt vom Anleger wegzufahren und dabei den Schwimmerbereich und die Hafeneinfahrt zu passieren? Haben die Typen echt so kleine Eier???

Wer langsam macht hat länger Spaß – wie sooft im Leben

So verbringen wir den Nachmittag – um nicht zu sagen wir verplempern ihn! DAS ist wahrer Luxus! Irgendwann wird es aber Zeit, in die Marina zurück zu kehren. Wir sind zum Dinner verabredet, sollten uns etwas frisch machen und dem Anlaß entsprechend kleiden!

Der Tag hat eine besondere Note – heute reisen Hans Peter, Petra und Merlin ab. HP und ich hatten einen intensiven Sommer, während dessen wir zehn Wochen lang jeden Tag miteinader verbracht und gearbeitet haben.

Wir haben fast jeden Tag zusammen gegessen, geschwitzt, geflucht und uns gefreut. Es war ein Sommer voller Herausforderungen aber auch voller großer, erfolgreicher Momente.

Es wurde Zeit für eine Pause, ich freue mich auf die Zeit ohne den täglichen Rapport bei meinem saarländischen Freund – und doch bin ich traurig. Was mach ich eigentlich jetzt??? Vermutlich falle ich in ein seelisches Tief…

Heute aber nicht! Heute wird der letzte Abend der Freunde gefeiert – Hans Peter lädt zur Sause!

Der Schein trügt…
…die Wahl der Saarländer fällt auf die Taverne „o´ Karaflas“
Ein schöne Stimmung
Wir haben unseren „Stammtisch“ und schlemmen was das Zeug hält
Dabei genießen wir den wunderbaren Ausblick über die Bucht von Vromolithos

Was wäre ein Abschiedsabend ohne ein letztes Eis bei „Repapis“? Wie oft sind wir hier gesessen – haben über Lösungen gebrütet, uns eine Verschnaufpause gegönnt, oder uns einfach für erreichte Zwischenziele – heute sagt man „Milestones“ – belohnt!

Heute kehren wir hier ein, um den Abschied „rund“ zu machen – und uns auch…

Schlaraffenland
Bereits für Halloween dekoriert

Wir schlemmen unsere Eisbecher bis kurz nach 22.00 Uhr – dann ist es soweit! Es heißt Abschied nehmen, Servus bis zum nächsten Jahr! Dann machen wir LIBERTÉ fertig und bringen sie wieder zu Wasser – bis dahin habe ich ein Auge auf sie.

Wir drücken uns und wünschen „frohe Weihnachten und einen guten Rutsch“, sowie die obligatorische gute Heimreise – dann trennen sich unsere Wege.

Yassou ihr Lieben, bis nächstes Jahr
Weg sind sie

Es fühlt sich komisch an! Ich bin erleichtert und tieftraurig gleichzeitig. Es war ein schöner Abend mit einem bittersüßen Ende.

Sibylle und ich fahren heim auf NESSAJA und gehen ins Bett, morgen arbeiten wir ein bisschen an unserem Heim – ich hab´ ja jetzt Zeit! 😉

Kleine Anekdode am Rande – zwei Tage später kommt ein Interessent für Hans Peters 260er Schlauchboot zu mir um es zu kaufen. Das Inserat hatte ich ja im letzten Bericht gezeigt. Der Mann kommt, sieht das Schlauchboot und sagt, „…das ist ja 260cm lang?“ ich antworte, „Ja, so wie es im Angebot beschrieben ist!“ Der vermeintliche Interessent erwidert, „Aber das ist zu lang für mein Boot, ich brauche maximal 230cm und hätte viel lieber ein Bananaboot!“

Mein Blick lässt ihn meine Gedanken lesen – „…und warum klaust Du dann meine Zeit, Mann der nicht lesen kann?“ Aber mein Mund sagt Worte die so ähnlich klingen wie „…ja dann ist das wohl nicht das richtige Beiboot für Dich!“.

Der Zeitdieb erkennt ein bisschen die Dämlichkeit seiner Aktion, antwortet knapp mit „Ja, stimmt!“ und dreht sich um und geht. Das Schlauchboot steht noch zum Verkauf…

Ein neuer Morgen bricht an

Der neue Tag fühlt sich seltsam an. Ich trinke meinen Kaffee, es ist zehn Uhr und ich… bleibe sitzen! Kein Zeitdruck! Kein To Do an LIBERTÉ! Ich klöne noch etwas mit Sibylle, dann schlendere ich gemütlich an unseren alten Arbeitsplatz um Tim und Jasmin zu treffen.

Die Beiden sind wieder zurück und arbeiten an ihrem Mast. Sie haben die gleiche Aufgabe vor sich, die HP und ich gerade noch fertig stellen konnten. Das stehende Gut kommt aus Deutschland, es ist noch nicht da. Also bereiten die Zwei ihren Mast vor – ich geselle mich dazu und gebe „gute Ratschläge“. Das mache ich solange, bis ich das Gefühl habe, dass es besser ist zu gehen 😉 – ich mag die Beiden, sie arbeiten sehr konsequent!

Am Weg blicke ich über die Lakki Bucht – der Tag fühlt sich an wie ein Sommertag!

Friedlich und beschaulich

Ruhe, es herrscht Ruhe – dies ändert sich aber schlagartig, als ich auf NESSAJA zurückkomme. Sibylle wartet schon auf mich. Sie hat die Betten bereits abgezogen, eine Maschine Wäsche läuft schon. „Ich brauche Dich! JETZT!“, höre ich sie sagen – es drängt sich aber der Verdacht auf, dass ich diese Aufforderung anders verstehe als sie gemeint ist. Ein „Sender-Empfänger“ Problem???

Sie fordert ein, dass ich mit ihr die Matratze abziehe, denn auch deren Bezüge müssen vor dem Winter gewaschen werden. Ich sehe das ein, man schwitzt in südlichen Gefilden schon kräftig.

Also nix wie ran – wir ziehen das Trum ab!

Lang anhaltende Probleme werden sichtbar

Mir war beim Öffnen des Reißverschlusses schon klar, dass dies ein Mörderaufwand wird, denn wir haben seit einigen Monaten schon bemerkt, dass das Gittergewebe, welches für bessere Belüftung sorgt und somit vor Stockflecken schützt, sich „zusammengezogen“ hat.

Das klingt komisch, ist aber so. Die Auflage, welche ehedem exakt so groß war wie die Matratze, ist über die Jahre auf unerklärliche Weise geschrumpft.

Ich möchte bei dieser Gelegenheit auch dieses Problem angehen und befreie die Matratze daher auch von der flauschigen, schon leicht abgewetzten Zwischenlage.

Wir versuchen das Gittermaterial „anzuhängen“

Rasch stellen wir fest, dass sich die Wabenstruktur nicht bleibend ziehen lässt. Kaum haben wir das Material auseinander gezogen, zieht es sich wieder zusammen.

Wir beschließen also, dass wir versuchen das Gitter am Schaumstoff, beziehungsweise am Latex der eigentlichen Matratze zu befestigen. Sibylle will sich mit Nadel und Faden versuchen, ich greife gleich zu schweren Waffen und hole meine Ratschbandl aus der Schublade.

Hier sieht man deutlich „den Schwund“

Als der obere Teil fixiert ist, kann man deutlich erkennen, dass der Schwund rund 20cm beträgt. Dies hat zu einer umlaufenden Kante 10cm vom Rand entfernt geführt – manchmal störend beim Schlafen.

Irgendwie bekommen wir es hin, dass wir den Rand einigermaßen haltbar anheften. Das Gewicht der Matratze zieht die Wabenstruktur auf das gewollte Maß und unsere Repararturstellen halten. Wir wissen – diese Reparatur ist temporär, ich muss mir etwas einfallen lassen.

Leider war die flauschige Auflage soweit abgenutzt, dass wir diese nicht wiederverwenden konnten. Der Polsterer Dimitris Sarlas hat so etwas auf Lager, allerdings ist er erst in ein, zwei Stunden wieder im Geschäft – dies lässt er mich per WhatsApp wissen.

Zeit also für eine Mittagspause…

Wir überbrücken die Zeit bei „Repapis“…
…und gönnen uns ein Eis

Endlich – das erwartete BIMM signalisiert mir, dass Dimitris der Polsterer zurück in seinem Etablissement ist. Ich bestätige mein Kommen und fahre mit der GS zu seinem Laden um fast 4qm der begehrten Ware zu erwerben.

Nicht immer denke ich VORHER über das Volumen meiner Einkäufe nach – aber ich kann die große Rolle sicher an Bord von NESSAJA verfrachten!

Ich konnte kaum drüberschauen

Das „einwickeln“ unserer Matratze hat dann ganz gut geklappt – das Ergebnis konnte sich sehen lassen. Sibylle konnte die Bezüge waschen und gemeinsam konnten wir diese am Abend, als sie endlich getrocknet waren, noch anbringen.

Derweil lag unser Meisterwerk ohne Bezüge da – aber die Arbeit hat sich gelohnt.

Alles top – der Überzug kommt erst am Abend drauf, es dauert ewig bis die Dinger trocknen

Ich war zufrieden! Es war lang her, dass ich das letzte Mal an NESSAJA gearbeitet habe. Das ist eigentlich ein gutes Zeichen, sie lässt uns weitgehend in Ruhe, alles funktioniert.

Die Lösung zur dauerhaften Reparatur der Matratze habe ich übrigens auch schon. Ich habe Gisatex angeschrieben und mein Problem geschildert und mit Bildern untermauert. Man war sehr verwundert, dass dies so passieren kann, hat aber sofort angeboten, mir die Wabenstruktur zu ersetzen.

Ich werde also, wenn Hans Peter so lieb ist und mir die Rolle nächstes Jahr mitbringt, diese Arbeit noch einmal machen müssen. Dennoch war ich froh und zufrieden mit der positiven und kundenfreundlichen Reaktion von Gisatex – ich kann diese Firma ausdrücklich empfehlen. „Word Up!“

Der Tag war zu Ende – wir machen uns frisch und fahren abermals nach Xirokampos ins „Aloni“, weil unsere Freunde Eva und Mario dort immer noch an einer Boje hängen. Mit ihnen lassen wir den Abend ausklingen.

Wieder im „Aloni“
Das Essen war wirklich lecker

Mario (klein) und ich (Mario groß) kennen uns über eine Dufour Internetgruppe. Ich finde es sehr schön, wenn aus Internetbekanntschaften echte Freundschaften werden. Mario ist begnadeter Elektriker und wir haben mehrfach schon sinniert, ob wir einen mobilen Bootsservice auf Leros etablieren sollen – Gedanken in Trinklaune zwar, aber durchaus mit einem Funken Ernst! Den Firmennamen hätten wir auf jeden Fall schon…

m&m´s Boatservice Leros

Das Bild ist (fast) ein Frühstücksbild – am nächsten Morgen nämlich, ruft Sibylle gleich nachdem sie ihr kleines Frühstück zelebriert hat und ich meine zwei Humpen Kaffee intus hatte, zum Einkauf auf. Auf der Liste standen Besuche in allen Läden – wie ich das hasse!

Aber wenn es schwere Sachen zu schleppen gibt, oder wenn die ELOWYN gebunkert werden muss, dann muss ich ran – da helfen keine Ausflüchte.

Zur Belohnung bekomme ich m&m´s, für mich daher eine Art Frühstück, auch wenn der Vormittag verflogen war und wir schon Mittagszeit hatten!

Auf Sibylles Liste stand zudem die Beschaffung von Waschmarken für Eva und Mario – ich kam daher in den seltenen Genuss eines Freddo Cappuccino im „Skipper´s“ – nachdem ich meine Frau in die „Höhle der Löwin“ begleitet hatte.

War lecker

Für euch klingt der beschriebene Tagesablauf vermutlich eher befremdlich, für uns aber war es ein spannender Tag – heute würden Volker und sein Freund Chris aus England ankommen. Wir sind zum einen etwas angespannt, ob mit dem Speed-Taxi Shuttle alles klappen würde, zum anderen haben wir noch ein Dutzend Kleinigkeiten zu erledigen – ELOWYN muss klar zum Ablegen sein, die Beiden werden morgen früh die Leinen loswerfen um den blauen Boliden nach Preveza zu überführen.

Ok, gebunkert haben wir heute Vormittag, die Batterien sind geladen, die Luken offen, alle Systeme überprüft – was noch? Ach ja, den Leihwagen müssen wir noch holen!

Also schnell nach Lakki zu Rena gefahren und dort einen Nissan Micra übernommen – und wenn wir schonmal im Ort sind, können wir gleich die Wartezeit etwas überbrücken.

Die Zeit zum Dinner ist lang

Es bahnt sich ein harter Abend für Sibylle an! Dinner wird es bei Dimitris´ „Taverna o´ Karaflas“ geben, aber eben erst nachdem wir die Beiden in Xirokampos abgeholt haben. Geplant ist die Ankunft des RIB in der Südbucht für etwa 20.45 Uhr, wir werden also frühestens um 21.00 Uhr essen – weit nach unserer Zeit!

Natürlich kommt hinzu, dass die Tischsprache Englisch sein wird, dies mit einem Muttersprachler – da braucht es immer eine Zeit bis man „warmläuft“. Egal, wird schon irgendwie klappen…

Zwischen 19.30 Uhr und 20.00 Uhr erreichen mich mehrere Nachrichten. Zuerst bestätigt der RIB-Fahrer seine Ankunft in Mastichari – die halbe Miete! Dann Volker seine Ankunft am Airport und kurz danach die Abfahrt des Shuttles – „Word Up!“ – für uns der Startschuss!

Spätabends verlassen wir NESSAJA – es gilt Volker und Chris abzuholen

In Xirokampos müssen wir ein wenig warten. Wie immer, wenn man etwas aufgeregt ist, waren wir viel zu früh dran. Aber dann tauchen zwei kleine Navigationslichter an der Buchteinfahrt auf – das müssen sie sein!

Und tatsächlich, fünf Minuten später werfen uns die Freunde die Leinen des RIB zu – willkommen auf Leros!

Private Shuttle aus Kos

Natürlich muss Zeit für ein großes Hallo sein – oh, Verzeihung, for a big Hello, aber dann drängt die Zeit doch ein wenig. Wir machen uns schnurstracks auf den Weg zur Taverne des Glatzkopfs und nehmen am „Stammtisch“ Platz!

Wir bestellen Bier, Wein und eine Runde Meze – jetzt können wir Verschnaufen, erzählt mal, wie war die Reise???

Nicht von schlechten Eltern – der Salat UND die Gattin

Wir speisen gut, erzählen viel und wissen doch – allzuspät sollte es heute nicht werden! Die Aktion „Überführung ELOWYN“ startet morgen früh!

So ziehen wir uns bald schon auf den blauen Riesen zurück. Für Volker und Chris heißt es schnell die Kabinen beziehen, dann gönnen wir uns noch einen „guten Tropfen“, der die Reise von England hierher gut überstanden hat – einen „Wee Dram“ Whiskey von der schottischen Hebrideninsel Jura. Das gleichnamige Destillat ist für Kenner vielleicht zu wenig torfig, aber ich mag das genau so!

Ein guter Tropfen
Wir genießen

Bald darauf gehen wir ins Bett – Startschuss morgen früh, um 08.00 Uhr! Mein Auftrag – Brot kaufen!

Ich tue wie mir geheißen, stelle meinen Wecker, inhaliere zwei Tassen Filterkaffee und fahre mit dem Mopped zum Bäcker. Als ich die bestellten Backwaren auf ELOWYN abliefern will, stehe ich vor verschlossenen Türen – nix tut sich!

Na das geht ja gut los! SO wird des fei nix!

Die Sonne kommt gerade über den Hügel
Ich stehe vor verschlossenen Türen – mitsamt meinen Backwaren
Na dann geh´ ich halt wieder

Ich nutze die gewonnene Zeit um den Schlüssel im Leihwagen zu deponieren, denn ich werde diesen heute ausnahmsweise nicht zurückbringen – wir haben nämlich noch etwas vor.

Zudem muss ich Rena beichten, dass ich gestern beim Einparken eine Radkappe an einem Felsen geschrottet habe. Ich sende zwei Fotos und einen kurzen Text…

Auto steht vor´m „Skipper´s“ – DANKE!
Leider Radkappe vorne rechts geschrottet – ich komme morgen um das zu klären

Es vergehen keine zehn Minuten und ich erhalte die Antwort – „…don´t care, no problem!“ Ich liebe die Griechen!

Dann aber geht es Schlag auf Schlag – Volker schreibt eine Nachricht, dass sie in 15 Minuten ablegen. Ich gebe Sibylle Bescheid und verhole zu ELOWYN – ich will ja noch meine Backwaren loswerden.

Kurzes Good Bye, kurz gedrückt, dann werfen wir die Leinen los – wir sehen uns bald wieder!

ELOWYN ist weg – Rückkehr nach Leros nicht vor Sommer 2025

Wie? Wir sehen uns bald wieder? Jaaaa, noch nicht ganz sicher – dazu später mehr!

Jetzt widmen wir uns erst einmal unserem heutigen, sehr spontanen Tagesplan – wir machen einen sehr kurzfristig anberaumten Tagesausflug mit der SAGITTA zur Emborio Bucht in Kalymnos.

Treffpunkt ist Xirokampos, dort würde uns Mario mit dem Takacat abholen, dann könne die Fahrt beginnen.

Wir vermelden kurz die Abfahrt der ELOWYN und auch, dass wir uns jetzt auf den Weg machen würden. Es kann losgehen! Zehn Minuten später treffen wir in der Südbucht von Leros ein – auch Mario ist schon da…

Mit dem Takacat muss er zweimal fahren

Er shuttelt uns nacheinander zu SAGITTA, wo Eva schon auf uns wartet. Wir beschließen, dass wir ohne weitere Verzögerung „Anker auf“ gehen und Kurs Richtung Kalymnos setzen.

Mario hat sich, als er vom Takacat an Bord von SAGITTA gekraxelt ist, eine klaffende Fleischwunde am Oberfuß zugezogen. Wir beratschlagen, ob wir hier eine Klammer setzen müssen, kommen dann aber zu dem Schluß, dass es ein „Hello Kitty“ Pflaster vermutlich auch tut!

Heile, heile Segen

Dann rattert schon die Kette in den Kasten – auf der SAGITTA gibt es die gleiche Einteilung wie auf NESSAJA, das „schwache Geschlecht“ dreht am Steuerrad und fährt die Manöver, die „starken Männer“ hantieren mit der Ankerkette im Kasten 😉 …

Minuten später sind wir auf Kurs. Obwohl wenig Wind herrscht, lässt Eva das Großsegel setzen, vielleicht fangen wir ja eine Brise ein.

Wir lassen die Bucht von Xirokampos achteraus

Naja, offen gesagt war nichtmal ein laues Lüftchen zu erhaschen. Wir haben gehofft, dass sich dies ändern würde, aber viele Segelmeilen waren uns nicht vergönnt.

War aber egal, denn das Wetter war sommerlich und wir haben die Überfahrt unter Maschine auch so genossen – eigentlich war Delfinwetter, das Meer war spiegelglatt, so war die Ausschau nach den Meeressäugern unser Zeitvertreib.

Da, da, da hinten! Ach, nein, doch nicht…
SAGITTA auf dem Weg von Xirokampos nach Emporios

Dieses Mal wurde uns auch die Delfinsichtung verwehrt, was unserer Freude an diesem Ausflug aber keinen Abbruch tat. Wir hatten Spaß, viel zu quatschen und die kurze Überfahrt war kurzweilig.

Nach nicht einmal zwei Stunden kamen wir in der Zielbucht an. Ich liebe diesen Platz, viele Erinnerungen sind damit verbunden!

Wir laufen ein und können die letzte der Bojen vor „Captain Kostas“ Taverna erhaschen.

Mario macht sich klar am Bug – der Bootshaken dient zum Fangen der Boje

Ich gebe offen zu – ich finde Head-Sets lustig! Ich würde das hier nicht schreiben, wenn ich es den Freunden nicht auch so gesagt hätte – aber die Beiden schwören auf ihre „Marriage Saver“, so die Bezeichnung der Dinger in Seemannskreisen – der Grund dafür liegt auf der Hand…

Richtig witzig war aber, als Eva immer wieder in ihr Head-Set gerufen hat „…Du musst mit mir sprechen! Das Ding kann keine Gedanken lesen!“, ja die Tücken der Technik!

Sibylle und ich bleiben bei nonverbaler Kommunikation!

SAGITTA an Erde – „das Ding kann keine Gedanken lesen!“

Das Manöver klappt einwandfrei und wir hängen alsbald sicher an der Boje. Kostas hat bereits ein paar Bojen herausgenommen, die anderen sind eng gesteckt.

Zunächst haben wir beim Kontrollblick etwas Bedenken – ist das nicht zu nah??? Im Wasser und von der Seite betrachtet, relativiert sich das Bild aber – wir haben sicher fünf Meter zum Nachbarn, alles perfekt!

Wir gehen Baden – also ICH gehe baden…

Sieht knapper aus als es ist
Das Wasser lädt zum Bade

Ja, ein wirklich tolles Bild! Sibylle liebt es, solche Bilder von mir zu machen…

Ich möchte aber alle Zweifel aus dem Weg räumen – doch, ich trage eine Badebuxe, zudem treibe ich nicht nur wie ein Korken an der Wasseroberfläche, sondern entscheide mich, zum Lunch zu schwimmen, während die anderen Mitglieder der Tagescrew den Takacat als Transportmittel nutzen.

Am Strand ziehe ich mich um, dann gehen wir zu Kostats.

Ich mag diese Taverne

Ich bin mit den Töchtern des Hauses über Facebook verknüpft und bestelle immer vorab einen Tisch, so auch diesmal – und das war gut so! Irgendwie waren viele Kletterer zu Besuch in der Taverne, dazu gesellten sich etliche Griechen die am Sonntag hier zu Mittag essen.

Wir waren also in illusterer Runde als wir am Strand Platz nahmen – FAST mit Ausblick auf unser Schiff…

Der große Italiener deckt die „kleine SAGITTA“ fast völlig ab

Der Eigner des italienischen Segelbootes, welches die SAGITTA abdeckt sitzt mit seinem Sohn am Nebentisch. Er nimmt wahr, dass wir versuchen einen Blick auf unser Schiff zu erhaschen und uns, je nach Winddreher freuen, wenn sie sich mal mehr mal weniger zeigt.

Wir flaxen herum, er schmunzelt in sich hinein…

Wir bestellen uns ein opulentes Mittagsmahl und werden nicht enttäuscht. das Essen war vorzüglich!

Griechischer Salat mit Sardellen
Bouyourdi – gebackener, pikanter Käse
Sea Food Spaghetti
Zum Nachtisch eine kleine Sauerei auf´s Haus

Sibylle nimmt mich hoch – sie meint, dass ein richtiger Foodblogger und Influencer die Speisen und sich wohl ins rechte Licht rücken würde. Ich höre sie sagen, „…die machen da doch immer so eine Schnute!“

Ja! Das heißt „Duck Face“ – kann ich auch!

Sibylle bereut ihre Steilvorlage

Naja, ich sagte ja schon, wir hatten Spaß!

Plötzlich dreht sich der Italiener am Nachbartisch um und macht uns aufmerksam – „…you can see your boat now!“

Haha, wie lustig, hatte er doch unsere Späße mitbekommen und die ganze Zeit über die tanzenden Boote beobachtet. Just in diesem Moment zeigt sich SAGITTA, als sie aus der Abdeckung seines Bootes herauskommt – der freundliche Amici will diesen Moment mit uns teilen!

Wir bedanken uns überschwänglich – und knipsen!

Ein schöner Rücken…

Was für ein schöner Nachmittag! Aber so langsam wird es Zeit für die Heimfahrt!

Wir ordern die Rechnung und bezahlen. Ok, billig ist es hier auch nicht mehr, das spürt man allerorts – umgekehrt sind 70.-€ pro Paar eine Art „Standardtarif“ in einer guten Fischtaverne. Insorfen bleibt für uns das Fazit – hier hat alles gepasst!

70.-€ pro Paar in der Fischtaverne

Am Rückweg verzichte ich auf´s Schwimmen. Mario muss also wieder zweimal shutteln – für uns vier (inclusive mir) ist der Takacat zu leicht ausgelegt und durch seine offene Bauweise nicht geeignet.

Macht aber nix, die Distanz ist nicht weit, so steigen zuerst die Damen zu…

Aus der Bahn, Kartoffelschmarrn…

…die zweite Tour gehört dann mir! Der Rest geht schnell – wir werfen die Leine los, nehmen unter Maschine Kurs auf Xirokampos und genießen bei der Überfahrt das Schauspiel der langsam absinkenden Sonne.

Es ist immer wieder schön, wenn unser Zentralgestirn für besonderes Licht sorgt, es verändert die Stimmung. Ich liebe das Farbenspiel von Sonne und Meer…

Wir sind noch unterwegs

Als wir in der Xirokampos Bucht an einer Boje festmachen, ist es schon relativ spät. Die Sonne ist weg, die „blaue Stunde“ bereits angebrochen.

Wir haben keinen Hunger mehr, beschließen aber, dass der Tag nicht einfach mit einem „ade“ ausklingen darf. So setzen wir uns noch auf einen Ouzo nebst Meze Begleitung ins „Aloni“, dann trennen sich unsere Wege und Sibylle und ich fahren zurück auf NESSAJA. So ein herrlicher Tag! DANKE, euch Beiden! „Word Up!“

Mario bringt die Damen ins „Aloni“ – diesmal war ich als Erster dran
Im „Aloni“ gibt einen Absacker und Meze

Zurück zuhause, sacken wir müde ins Bett. Morgen habe ich wirklich etwas zu tun – es gibt ein Projekt auf NESSAJA, welches schon lange in der Warteschleife hängt…

Die Reparatur und der Service an meiner Eberspächer D5 Dieselheizung! Mit diesem Gedanken im Kopf schlafe ich ein.

Nach dem Aufwachen habe ich einen ganz anderen, ebenso wichtigen Gedanken im Kopf – ich wecke Sibylle und frage, „…was ist denn nun, wir müssen entscheiden ob wir nach Preveza fahren oder nicht!“

Volker wünscht sich, dass wir „am Steg stehen und winken wenn er ankommt!“ – dies ist natürlich nur die nette Umschreibung dafür, dass er dringend unsere Hilfe brauchen könnte um ELOWYN einzuwintern und sie für das Refit vorzubereiten. Er wäre froh, wir wären vor Ort und würden unterstützen.

Während Sibylle etwas frühstückt und ich mich an meinem Kaffee labe, entscheiden wir – „Wir machen das! Word Up!“ Wir bemühen Google und die üblichen Buchungsplattformen und buchen und organisieren unsere Reise – Abfahrt Leros am 15.10., Rückkehr offen, vermutlich am Monatsende.

Ich schreibe Volker eine WhatsApp „Wir kommen!“ und er antwortet auch prompt mit Dankesbekundungen. Was er aber eigentlich sagen will – „Word Up!“

So verging der Vormittag. Langsam bekomme auch ich Hunger. Ich habe noch etwas mit Marietta zu besprechen und wir entscheiden spontan, dort eine Kleinigkeit zu essen.

Ich liebe Gigantes

Dann aber, jetzt gibt es keine Ausflüchte mehr – ich muss die Dieselheizung instandsetzen, wir werden sie bald brauchen.

Das Projekt habe ich seit Frühsommer im Hinterkopf und es immer wieder auf die Phase des Jahres verschoben, „…in der weder Hans Peter noch Volker in der Marina sind“ – dies ist jetzt der Fall.

Ein letzter Blick auf unsere aufgeräumte Salon-Sitzecke…

Dahinten muss ich ran

…dann geht es auch schon los!

Da ich weiß, dass es viel Arbeit an unzugänglicher Stelle ist und ich viel zerlegen muss, strukturiere und organisiere ich mir die Arbeit in drei Arbeitspakete. Ein Tag nur für den Ausbau der Heizung. Am Folgetag erledige ich die Reparatur und den Service.

An Tag drei dann die Anpassung der für den Schaden ursächlichen Heizluft-Schlauchführung nebst Einbau des Heizaggregates.

Ich lege los! Die Sitzecke muss freigeräumt werden, von der Sitzbank müssen die Lehnen weg. Der Auspuff für den Generator muss ausgebaut werden – dann kann man alle Leitungen und Anschlüsse des Brenners erreichen. Ich trenne alle Verbindungen und baue den Brenner aus.

Bald schon schaut unser Salon aus, als hätte eine Bombe eingeschlagen!

Der Brenner ist schon ausgebaut
Hier in der Ecke ist sein Platz

Der Ausbau der Dieselheizung war aufwändig, ging aber besser als vermutet. Alle Schrauben waren leichtgängig und alle Anschlüsse leicht zu trennen.

Nach etwa zwei, drei Stunden lag das Sorgenkind auf dem Salonboden – morgen geht es weiter!

Ich baue noch schnell die Sitzbank soweit zusammen, dass Sibylle dort sitzen kann. Zudem räume ich das Tohuwabohu noch ein wenig auf – dann ist das Tagwerk geschafft!

Morgen geht´s weiter

Es ist fortgeschrittener Nachmittag und ich höre Motortuckern am Steg – nanu, was geht da vor sich? Ich strecke den Kopf aus meiner Arbeitshöhle und sehe Aktionismus bei den Nachbarn.

Ciáran und Jill lieben ihren Platz am Außenende des Steges genauso wie ich. Sie halten sich viel in der Marina auf und genießen Leros als ihre Sommerresidenz.

Ab und an gehen sie für einen oder auchmal zwei Tage segeln und hinaus in eine Bucht. Dann setzen sie aber alle Hebel in Bewegung um ihren Platz halten zu können. Auch ich bin interessiert, die Beiden als Nachbarn zu behalten – wir mögen und verstehen uns gut!

Ein bisschen wie im Kleingartenverein eben…

Ich komme gerade noch rechtzeitig um die Beiden ablegen zu sehen. Jill gibt dem Marinero einen Zettel, sie hat die Bitte für die inoffizielle „Reservierung“ des Platzes auf greichisch aufgeschrieben.

Keine Garantie – aber vielleicht klappt es ja
Dann sind sie weg – bis übermorgen

Just als die OLIVE abgelegt hatte, kommen Eva und Mario mit der SAGITTA in die Marina. Der Platz neben uns steht leider nicht zur Debatte, aber drei Plätze weiter tut sich eine große Lücke für die Dufour 38 auf.

Eva wird für zwei Wochen in der Marina verweilen, weil Mario mit Freunden auf einen Chartertörn ab Athen geht. Solange wir noch auf Leros sind, ist für Kurzweil gesorgt.

Wir helfen beim Anlegen und Minuten später dabei, einer Fehlerursache im Rückwärtsgang auf den Grund zu gehen. Die m&m´s gehen ins Wasser und schauen dem Propeller beim Drehen zu.

Werden wir den Fehler finden

Leider bringt die Ursachenforschung eher negative Erkenntnisse – es steht zu vermuten, dass der Fehler im Saildrive zu suchen ist und der „Reverse Gear“ defekt ist – bei Marios Saildrivetyp eine 1.500.-€ Investition.

Coppercoat, Saildrive – mir kommen Erinnerungen hoch! Hatte ich das nicht erst gemacht? Es sieht so aus, als ob sich die Geschichte an SAGITTA wiederholen würde!

Wer so fleißig schafft wie wir, hat sich eine Belohnung verdient!

Hm, das? Oder lieber das? Oder beide?
Die Auswahl ist aber auch schwer

Zurück am Schiff, machen wir uns fertig für den Abend. Wir sind heute voll durchgetaktet!

Marijke und Cees haben uns auf die LE CLAPOTIS zu einem Sundowner eingeladen. Wir leisten gerne Folge, denn es ist immer wieder erfrischend und lustig, einen Abend mit den Beiden zusammen zu sitzen.

Dass wir nicht den ganzen Abend Zeit haben, wurde vorher geklärt, wir wollen nicht unhöflich sein.

So gehen wir um 18.30 Uhr an den D-Ponton um mit den Holländern anzustoßen. Die Sonne taucht die Szenerie in ein warmes Licht – ich versuche NESSAJA von hier aus zu erwischen – eine andere Perspektive!

NESSAJA am F-Ponton
LE CLAPOTIS, noch verschattet, hier sitzen wir bei Ouzo und Nibbles
Marijke gibt sich, wieder mal, alle Mühe – vielen Dank!

Wir unterhalten uns über Gott und die Welt, es ist sehr kurzweilig und der Abend verfliegt.

Als es kurz vor 20.00 Uhr ist, müssen wir an den Aufbruch denken. Wir sind im PERSIANA zum Dinner verabredet. Dort treffen wir uns mit Mario, seine Eva hat Online Yoga – Sachen gibt´s.

Mario liebt die Burger – und auch Mario mag sie

Mario sitzt gerne im PERSIANA, dort spielen sie meist gute Musik, es gibt gutes Bier und die Burger sind nicht zu verachten. Ein Platz an dem man es aushält.

Wir treffen uns dort, essen und genehmigen uns zwei Bier auf diesen ereignisreichen Tag. Eva kommt nicht mehr nach. Macht nix, denn wir werden morgen noch ein weiteres Mal zusammen essen gehen – dann, um Mario nach Athen zu verabschieden.

Für heute reicht es – wir gehen zusammen zurück in die Marina, verabschieden uns und sacken todmüde ins Bett.

Ein neuer Tag in der Leros Marina Evros

Der heutige Tag gehört meiner Heizung – ich will das Aggregat reparieren und bin gespannt, ob meine Recherchen korrekt waren und ich alle Teile richtig erhalten habe.

Mit diesem Mindset, bereite ich gleich nach dem Kaffee, eine Art „Operationstisch“ im Salon vor. Ich will den Heizbrenner hier an Ort und Stelle reparieren.

Los geht´s!

Die Verkleidungen sind schonmal weg
Die Schadensursache ist schnell gefunden
Ich zerlege die Heizung komplett…
…und tausche defekte Teile und Serviceteile aus
Eine „Klinger“ Dichtung – da habe ich Vertrauen 😉
Der Zusammenbau ging recht flott

Die Instandsetzung des eigentlichen Heizbrenners nebst Servicearbeiten, ging an sich sehr einfach und flott von der Hand – das ist keine Raketenwissenschaft.

So war ich am Mittag bereits fertig mit der Komplettierung des Aggregats. Ich entscheide, dass ich etwas Zeit sparen möchte und ändere meinen Plan insofern ab, dass ich die Heizung heute noch an Ort und Stelle bringen würde.

Die Anschlüsse und die Änderung der Schlauchführung würde ich dann morgen erledigen.

Eine gute Entscheidung wie sich zeigen wird.

Fertig zum Einbau

Gerade als ich damit fertig war, das Heizaggregat an Ort und Setlle zu heben und dieses auf seinem Halter festzuschrauben, kam Sibylle vom Einkaufen zurück.

Die Gute hat an mich gedacht und mir ein gefülltes Gebäckteil mitgebracht. Da ich gerne später frühstücke, kam dies wie gerufen. Ich war mit meinem Tagwerk fertig, hatte sogar etwas Vorsprung erarbeitet – so gönne ich mir erstmal einen kleinen Brunch!

Mag ich lieber als Frühstück

Verfitzmaledeite Segelboote! Mein Nachbar Ciáran hat angerufen und gefragt, ob sein Liegeplatz nicht etwa für einen Kurzzeitlieger vergeben worden war. Er hätte Ärger mit der Lichtmaschine und käme schon heute wieder zurück.

Ich bestätige den freien Liegeplatz und biete an, sowohl beim Anlegen als auch bei der Überprüfung der Lichtmaschine zu helfen.

Kaum hatte ich das leckere Stangerl aufgemampft, höre ich am Nachbarplatz auch schon das Geschrei der Marineros – die OLIVE trifft ein und ich helfe beim Annehmen der Heckleinen. Kurze Zeit später finde ich mich, ausgestattet mit gehörigem Messequipment, im Motorraum der Moody 40 wieder.

Fehler gefunden – ein Kabel war ab

Nach fünf Minuten war der Fehler gefunden und die lose Steckverbindung wieder ordentlich angecrimpt – perfekt, so sollte es immer sein.

Die Sorge, dass er 500.-€ bereitstellen muss, war Ciáran genommen – dafür stellte er, alternativ und gerne, zwei Dosen eiskalten Gerstensaft bereit…

Während wir da so sitzen und unser Bier schlürfen, erzählt er mir, dass er sehr zufrieden mit seinem Schiff ist. Er hätte jetzt nur noch eine Baustelle, ich würde mich doch sicher an die Startversuche mit seinem Generator erinnern, diese seien gescheitert, er müsse wohl mal das Serviceteam kommen lassen.

Ich höre zu, lasse ihn zunächst erzählen, dass er besorgt ist, dass ein größerer Schaden vorliegt, er hätte schließlich alles versucht.

Dann erkläre ich mich, offenbare ihm, dass ich ein Leben lang mit solchen Motoren beschäftigt war und ob ich mal einen Blick in auf das Sorgenkind werfen dürfe.

Ich lasse Ciáran den Starter betätigen und höre sofort, dass der Motor willig ist anzuspringen. Das mag seltsam klingen, aber man kann das wirklich hören! So lasse ich mir zwei Gabelschlüssel bringen, schraube hier und schraube da – es folgt ein zweiter Startversuch und…

Nacknacknacknacknack – der Diesel dieselt wieder! Sofort springt der kleine Kubota an und verrichtet willig seinen Dienst. Ciáran schaut mich ungläubig an und ich bemühe mich das coolste Grinsen aufzusetzen welches ich parat habe – er darf mich „Engine Whisperer“ nennen.

Ich frage mich derweil, ob ich über´s Wasser nach Hause gehe oder ob ich doch den Steg nehme? „Word Up!“ 😉

Der Tag endet unspektakulär, morgen geht es an meiner Heizung weiter!

Neue Heizrohrführung

Ich habe keine Geduld beim Frühstücken! Sibylle muss recht rasch ihren Sitzplatz räumen, ich will wieder in meine Ecke krabbeln. Ich will fertig werden!

Ich säge ein Loch in meine Möbel, um Platz für einen zweiten 60er Heizluftausströmer zu schaffen und lege einen zweiten 60er Schlauch, um sicher zu stellen, dass mehr heiße Luft entweichen kann und somit das Aggregat nicht mehr überhitzt.

Das Adaptieren klappt ganz gut, so kann ich bald alle weiteren Anschlüsse wieder herstellen und den Auspuff meines Generators wieder einbauen.

Es geht voran – langsam wird es spannend

Noch bevor ich den Generatorauspuff final verschraube, lasse ich meine Heizung probelaufen. Sibylle sitzt im Cockpit und liest…

Ihre ehrenvolle Aufgabe ist es nun, den Abgasauslass der Heizung zu beobachten und zu vermelden, wenn weißer Rauch austreten würde. Dies passiert nicht, es ist kein Abgas wahrnehmbar – sehr gut!

Innen horche ich aufmerksam – „wummert“ die Heizung noch? Nur ein paar Sekunden, ganz leicht – der Zündvorgang – dann ist Ruhe! So soll das sein!

Es scheint alles zu funktionieren! Uns was sagt das Display???

Heizung läuft! Reparatur erfolgreich

YES! „Word Up!“ – alles bestens, keine Fehlermeldungen! Die Heizung tut wieder wie sie soll und aus allen Ausströmern kommt heiße Luft. Ich schalte die Eberspächer gleich wieder aus, bei 28°C muss man es nicht übertreiben…

Ich bin mutig geworden! Was ist eigentlich mit meinem Generator? Ich hatte ja den Auspuff demontieren müssen und es wäre eigentlich ein Probelauf fällig!

Der letzte Probelauf war nach dem Umbau des Kühlsystems, ich bin ziemlich sicher, dass die Motor läuft – aber offen gesagt, habe ich noch nie einen Probelauf an meinem Victron System gemacht. Es ist höchste Zeit – HEUTE ist der Tag!

Ich schalte die Batterie ein, drücke den Startknopf und mein Dreizylinder Yanmar springt sofort an! Er brummelt mit 1.500 Umdrehungen pro Minute dahin, ein sogenannter „Langsamläufer“.

Aber was ist mit der Elektroseite???

„Word Up!“ – alles bestens!

Alles, wirklich alles ist bestens! Ich bin happy – der Generator wird als solcher erkannt und liefert Strom an den Victron Quattro. Ich bin froh, dass dieser letzte Test der damals gebauten Anlage erfolgreich verlaufen ist – diese Fragestellung liegt nun ad acta.

So ist auch dieser Tag wie im Flug vergangen! Etwas schneller als ich erhofft hatte, denn Sibylle mahnt nun zum Aufräumen und Frischmachen, „…wir sind schließlich mit Eva und Mario verabredet!“

Stimmt! Mario reist heute nach Athen und wir verbringen mit ihm den Abend, um für etwas Kurzweil zu sorgen. Da so ein Abend lang wird bis die Nachtfähre endlich eintrifft, verabreden wir folgendes Vorgehen…

Buntes Getränk im „La Palma“, dann Dinner im „SouVLakki“, anschließend Eis bei „Repapis“, abgerundet durch einen Ouzo im „La Palma“ – das klingt nach einem ausgeklügelten Plan!

Ich habe die Baustelle final aufgeräumt und gehe nach oben – nanu? Wo ist die Sonne?

Es hat etwas zugezogen – nix falsch gemacht

Kurze Zeit später fahren Sibylle und ich ins „La Palma“ Café, unserem ersten Treffpunkt!

Wir schlürfen bunte Getränke – orange für die Damen (Aperol Spritz) und goldgelb für die Herren
Dann ziehen wir weiter in den Girostempel…
…und werden abermals nicht enttäuscht
Einen lustigen Abend zahlt man aus einem lustigen Bordbörserl

Auch Schritt drei und vier spulen wir planmäßig ab, trotzdem war die Stimmung etwas getrübt. Wirklich Zeit zusammen verbringen, werden wir wohl erst ab Anfang November, wenn die SAGITTA final in ihr Winterlager kommt.

Heute fährt Mario nach Athen, in ein paar Tagen verlassen wir Leros Richtung Preveza. Wenn wir zurückkommen, dann hat die SAGITTA die Marina schon wieder für eine letzte Runde verlassen.

Während wir bei unserem Ouzo vor uns hinsinnieren, erreicht die BLUESTAR II schon die Lakki Bucht – Mario muss los, wir verabschieden uns.

Servus Mario – viel Spaß beim Törn

Während ich am nächsten Morgen Kaffee trinke, erreicht mich eine Nachricht von unserer Marina Chandlery. Panos hat wieder einmal bewiesen, dass er kann wenn er nur will – innerhalb kürzester Zeit hat er mir eine 16mm Antal Fallenklemme beschafft – die brauche ich für ELOWYN. Eine Adapterplatte muss mir Giorgos noch fertigen – die Zeit drängt!

VJ ist kaputt und wird durch eine V-Grip Maxi ersetzt

Boot hin, Boot her – im Vordergrund steht heute aber ein anderes Ereignis! Marijke hat Geburtstag und wir sind eingeladen, ein geeignetes Geschenk muss her!

Sibylle und ich sehen uns an, ein Gedanke! Schnell war klar, es wird ein Ouzo für die Liebhaberin des Anisschapses. Wir fahren zu Stratos´ Spirituosenhandel und sehen uns um, was so angeboten wird.

Eine Box drängt sich in unser Auge…

Alle Sorten „Barbagianni“ Ouzo in der Geschenkbox

Ok, die Box war etwas teurer als wir dachten, aber nicht um soviel, dass wir dieses Geschenk nicht als das ideale für die Freundin aus den Niederlanden erachtet hätten.

Wir waren sooft bei den Beiden zum Sundowner geladen, auf diesem Wege können wir dies ein wenig quttieren. Wir sind happy, etwas Schönes gefunden zu haben, kaufen das Geschenk und lassen es gleich einpacken.

Maria verpackt es passend für den Jubeltag

Da es aus unserer Sicht keinen Sinn macht das Päckchen jetzt in die Marina zu tragen und es dann heute Abend in Lakki an die Jubilarin zu übergeben, beschließen wir, dass wir sofort zum Gratulieren gehen – jetzt hat Marijke sicher noch etwas Zeit für uns!

So sind wir schnurstracks zu LE CLAPOTIS gelaufen, um dort unsere Aufwartung zu machen!

Skepsis – was könnte DA wohl drin sein???
Es scheint, als findet Marijke Gefallen am Inhalt

Wir gratulieren höflich, sprechen Glückwünsche aus und bedanken uns für die Einladung. Wir sehen uns später wieder, bis dann!

Dann gehen wir wieder von Bord, es gibt noch ein paar Sachen zu erledigen.

Wir haben nämlich Susanne versprochen, dass wir im Ferienhaus noch einmal nach dem Rechten sehen. Sie hat zwar einen „Kümmerer“, war aber etwas in Sorge, da er erklärt hat, dass er die Moskitogitter nicht abnehmen kann. Susanne hat mich gebeten, dies für sie zu erledigen.

Wer die Griechen kennt weiß, dass der „Kümmerer“ damit ein Problem haben MUSS – es kränkt ihn! Er kann etwas nicht, es muss der Mann aus Deutschland kommen um seine Arbeit zu erledigen.

So war es kein Wunder, dass nun doch fast alle Gitter ausgebaut waren – aber eben nur fast alle! Er hat mich doch gebraucht, was ihn fürchterlich gewurmt hat! Susanne meint, dass er Angst hat, dass ich den Kümmererjob übernehmen könnte – was nicht völlig von der Hand zu weisen ist…

Wir fahren also zum Haus und sehen uns den Sachstand mal an.

Von außen alles top
Die Fliegengitter der Terassentüre sind ausgebaut…
…ich würde sie aber anders aufstellen
Mach ich auch!!!

Ich baue noch die Fliegengitter an der Balkontüre aus und hänge die Fenstergitter im ersten Stock aus. Alles stelle ich sorgfältig ab und, dafür schäme ich mich fast ein bisschen, fotografiere alles!

Ich will nicht, dass der Mann, der sich stetig um das Haus kümmert, versucht mir ein Ei unterzujubeln. Ich habe erstmals Misstrauen gegenüber einem Lerianer. Ich hoffe, ich täusche mich!

Alles ordentlich verstaut

Am Rückweg von Xirokampos kneift mich Sibylle ins Wammerl – ob ich Lust auf einen Kaffee und eine Süssigkeit hätte? In dieser Sekunde fahre ich an der Marinaeinfahrt vorbei Richtung Lakki – zwei Köpfe, ein Gedanke!

Wir fahren zu „Repapis“ und gönnen uns ein Eis und eine Kaffeespezialität, dann fahren wir nach Hause. Ein geparktes Auto fällt uns auf – die Art wie es geparkt ist, gehört in die Rubrik „Helden der Straße“! Gelebte Anarchie…

Immerhin eine kleine Kreuzung – stellt euch das mal in Deutschland vor

Wir ziehen uns auf NESSAJA zurück um etwas durchzuschnaufen. Ich bereite mich gedanklich auf unsere Reise nach Preveza vor und checke noch einmal ob alles gebucht ist – Fähre? Check! Mietwagen? Check! Ein Appartement werden wir uns vor Ort suchen, wir wollen kein Risiko eingehen.

Sibylle liest derweil ein wenig, wir erwarten entspannt den Abend. Der soll ein geselliger werden – es steht Marijkes Geburtstagsfeier im „La Palma“ Café am Plan.

Dort sind wir um 18.30 Uhr verabredet…

Eine sehr nette Runde – die Crews der INFINITY, der AEGEAN BLUE, der LE CLAPOTIS und wir

Der Abend war sehr nett und entspannt. Wenn so viele Menschen zusammen sitzen, dann ist für Kurzweil gesorgt. Wir haben verschiedenste Themen durchgekaut und uns auch abseits der allgegenwärtigen Bootsfragen etwas besser kennen gelernt – ich mag das.

Der Verlauf des Abends war offen. Ausgerufen war die Veranstaltung als Zusammensitzen bei Ouzo und Meze – das hat perfekt geklappt! Der Anisschnaps floß in Strömen und die dazu gereichten, kleinen Vorspeisenteller waren nicht von schlechten Eltern.

Gut als Grundlage für den Ouzo

Die Zeit verging wie im Flug und irgendwann haben Marijke und Cees beschlossen, dass keiner die nette Runde verlassen soll, nur weil die Frage des Abendessens offen war – sie haben kurzerhand ein paar Snacks bestellt.

Auch diese kamen in die Mitte und jeder hat sich bedient. So war auch für das Dinner gesorgt, indem die ursprüngliche Einladung zu einem Umtrunk einfach erweitert wurde – eine gute Idee, wir sind noch lang gesessen. Ein dickes DANKESCHÖN an die Jubilarin und Gastgeberin!

Ich hatte das Gefühl, sie hat „Ihren Tag“ genossen

Auch die zwei Brüder die das Lokal führen, haben den Anlass der Zusammenkunft registriert. Es ist uns in Leros schon ein paarmal passiert, dass aus dem Nichts eine Geburtstagstorte auf dem Tisch stand – so auch heute!

Die Wirte haben sich nicht lumpen lassen und unserer Runde und dem Geburtstagskind eine süsse Abrundung des Abends geschenkt!

Überraschung gelungen
Das Fragezeichen – charmant gelöst

Griechische Kuchen sind meist echte Sahne- oder Cremegranaten! So auch diesmal. Wir haben die Bombe in acht faire Stücke geschnitten und jeder hat sich eigenverantwortlich die Kalorien einverleibt und direkt an die Hüfte genagelt – danach war Schluss, nichts geht mehr, rien ne va plus!

Mit vollem Wanst fallen Sibylle und ich ins Bett – wir sprechen vor dem Einschlafen mal wieder darüber, dass sich dies ändern müsse – na warte, wenn erst der Winter kommt! Na, ich bin gespannt!

Am Folgetag stelle ich mir den Wecker auf 07.00 Uhr – ich will in Ruhe meine zwei Tassen Kaffee trinken. Ich musste so früh raus, denn ich war um 09.00 Uhr mit Giorgos in Kamara verabredet. Der Virtuose an den metallverarbeitenden Maschinen will die Adapterplatte für ELOWYNs Fallenklemme bauen.

Weil mir noch zwei Schrauben fehlen, welche aber auch auf Maß abgedreht und angepasst werden müssen, habe ich noch eine Besorgungsfahrt zu erledigen.

„Piperis“ hat die begehrten M12 Inbusschrauben mit konischem Kopf

Dann brummle ich quer über die Insel nach Kamara, um pünktlich um 09.00 Uhr vor der „Boat & Parts“ Werkstatt zu stehen…

Ich mache das obligatorische Foto

Ich weiß, dass der Meister immer 10 Minuten später kommt als ich – egal wann ich komme, ob ich pünktlich bin oder nicht. Ich plane die Wartezeit also ein, kein Problem! Dennoch schicke ich IMMER ein Bild, dass mich irgendwie wartend zeigt – es ist ein Ritual geworden, welches verhindern soll, dass Giorgos mich vergisst!

Während ich warte, sehe ich mir Gottfrieds Tank an. Das wird ein Winterprojekt, denn ich habe versprochen, die Nachbesserung zu begleiten. Der neue Tank ist undicht! Schade eigentlich, es ist ein sehr schöner, passgenauer Tank geworden.

Na, wir werden das schon hinbekommen

In diesem Augenblick kommt Giorgos an. Er sieht mich am Tank und begrüßt mich mit den Worten „I haven´t forgotten you, we do this together in winter!“

Ok, er hat es zumindest im Sinn, ein gutes Zeichen. Sein zweiter Satz „…you want coffee?“

Ich sage zu, er bestellt! Neben meiner lieben Gattin Sibylle und meinem Ex-Kollegen Jens, dürfte Giorgos einer von drei Menschen sein, die ohne nachzufragen wissen, wie ich meinen Kaffee trinke – ist das ein gutes oder ein schlechtes Zeichen???

Wir trinken gemeinsam einen Kaffee, unterhalten uns über Pläne für den Winter, dann geht es los. Die Herausforderung ist diesmal kleiner, Giorgos hat die gleiche Platte schon einmal gebaut.

Schneiden, flexen, bohren, abdrehen
Dann ist das gute Stück fertig

Rund eine Stunde werkelt mein Freund an der Aluplatte – dann ist das Auftragsteil fertig. Schön, dass es noch geklappt hat!

Ich verabschiede mich und fahre zurück in die Marina. Hier wartet Sibylle auf mich und will wissen ob alles geklappt hat. Ich bestätige und packe die schweren Trümmer in meinen Koffer.

Den Rest des Tages verplempern wir mit Freunden. Wir drehen eine Runde durch die Marina und versuchen alle Freunde noch einmal kurz zu sehen, bevor wir nach Preveza abreisen. Viele werden bei unserer Rückkehr schon nach Hause gefahren sein.

Zum Dinner treffen wir uns mit den schweizer Crews der AEGEAN BLUE und der AMAÉ zum Pizzaessen. Es freut uns sehr, dass es in dieser Konstellation noch geklappt hat.

Lecker wie immer

Kristel und Philipp sagen euch vielleicht noch etwas – ich habe die beiden jungen Schweizer immer mal wieder erwähnt. Wir haben das Paar 2021 kennen gelernt, als wir gerade auf NESSAJA gezogen waren.

Sie hatten sich eine Hallberg Rassy 352 gekauft und waren dabei, diese für eine Weltumsegelung herzurichten. Diese Reise liegt inzwischen in ihrem Kielwasser.

Mit Philipp haben wir seither schon ein paarmal gesprochen, Kristel hingegen hatten wir seit der Rückkehr nicht mehr getroffen. Daher hat uns sehr gefreut, dass wir an diesem Abend zusammensitzen konnten.

Es war ein schöner, kurzweiliger und interessanter wie lustiger Abend!

Als wir ins Bett gehen, beißt sich bei mir der Gedanke an den „Leriko“ fest – links, rechts, tipp, links hinter, tipp… Chrrrrr!

Hääääh???

Leros – wir befinden uns abgelegen in einer Katikia am Rande des Waldes

Der Folgetag steht ganz im Zeichen von Mariettas Fest! Wir haben daher nur schmal gefrühstückt, denn wir ahnen was kommt, waren wir doch letztes Jahr auch schon eingeladen.

Diesmal durften wir jemand mitbringen, wir geben daher Marietta Bescheid, dass wir zu fünft sind. Eva von der SAGITTA begleitet uns, zudem haben wir Ciáran und Jill, unsere Nachbarn von der OLIVE gefragt, ob sie gerne mit zu diesem kleinen, semi-privaten Fest kommen wollen. Und ob sie wollten!

Wir nehmen, zusammen mit Lars und Marie von der QUEEN OF HEARTS Platz

Das Fest ist eine kleine Feier von Marietta, zu der sie Freunde, Familie und Expats wie uns einlädt. Alle sind irgendwie mit ihr verwoben, sei es über die Mithilfe im „The-Leros-Way“ Hub, sei es durch die Unterstützung des Dog-Shelters ihrer Cousine.

Auf diese Art entsteht eine sehr gemischte Gesellschaft aus griechischen und internationalen Freunden. Ziel ist es, alle zusammen feiern (und tanzen) zu lassen.

Für Stimmung sorgen Manolis an der Fiedel und Flourios am Keybord – meine Lieblingsmusiker auf Leros!

Zuerst springen die einheimischen Frauen auf die Tanzfläche

Nun ist es hilfreich zu wissen, dass ich vor vielen Monaten in einer Feierlaune etwas zu lässig mit meinem Mundwerk war. Ich bin ja nicht der geborene Tänzer – dies, gepaart mit einem Hang zur Perfektion verhindert, dass ich mich unkontrolliert und anfallartig auf den Tanzflächen dieser Welt austobe. Gut so!

Marietta hatte mich diesbezüglich mal befragt und ich habe ihr, nach der Erklärung, freiweg versprochen, dass der erste griechische Tanz, sollte ich das jemals lernen und begreifen, natürlich ihr gehöre.

Tja, jetzt kommen zwei Dinge zusammen – erstens, ich habe diesen Sommer einen Tanzkurs gemacht. Zweitens, sie vergisst nicht!

Ich war also fällig und ich habe es geahnt…

Fotos gibt es leider (oder Gott sei Dank) nicht, erst als ich „ausgestiegen“ war, habe ich ein paar Bilder von der großen Gruppe, einschließlich Sibylle, gemacht.

Hopa hopa
Ela ela

Marietta hat es geschickt und vor allem fair eingefädelt. Sie hat mir zunächst klar gemacht, dass ich heute nicht auskommen würde – sie warte schon zu lange auf „ihren“ Tanz.

Dann hat sie mich gefragt, welchen der gelernten Tänze ich bevorzugen würde. Ich konnte wählen und auch anbringen, dass ich keinesfalls eine Solonummer auf´s Parkett legen würde.

Sie ergreift also das Microfon, bittet namentlich Andrew, mich und noch einen anderen Mann zum Tanze und fordert alle Teilnehmer und Teilnehmerinnen der vergangenen Tanzkurse auf mitzumachen.

Alle anderen natürlich auch!

So sprangen fast ALLE auf und es war wirklich einer der schönen und lustigen Höhepunkte. Ob es sein kann, dass ich kurz vorher den Eindruck hatte, dass Marietta von einem griechisch besetzten Tisch zum anderen gegangen ist um ihre Familie und Freunde „abzuholen“? Wir werden es nie erfahren…

Die Party war im vollen Gange und es ging munter weiter!

Eine große Runde, fast alle waren dabei
Wenn die Griechen und Griechinnen erst einmal in Fahrt sind

Man trifft bekannte Gesichter im privaten Umfeld. Menschen, die man sonst eher bei der Ausübung ihres Jobs trifft oder selten mal am Wochenende an einem Strand oder im Café. Ein neuer Blickwinkel…

So war zum Beispiel Irene am heutigen Tag dabei. Sie ist generell eine durchaus auffällige Frau, darüber hinaus aber eben auch eine der Polizistinnen auf Leros – es war schon auffällig, dass sie die Blicke der Nicht-Lerianer, auch der Frauen, auf sich zog.

Irene, sie hat unsere Resident Cards bearbeitet – heute in rot statt in Uniform
Später auch am Microfon

Als sie später auch noch das Micro ergreift und sehr gekonnt eines der lokalen Lieder intoniert, erkennt selbst Sibylle an, dass sie eine „…Frau mit vielen Talenten ist“ – spannend, dies so zu erleben!

Das Liedchen war übrigens, ein weiteres Highlight, zum Anlass des 30. Geburtstags von Maria. Die junge Frau kannten wir vom Sehen, wir grüßen uns, haben aber sonst keine Verknüpfung.

Sie und ihre Freunde saßen an unserem Nebentisch, so konnten wir von der ausgelassenen Stimmung der jungen Leute profitieren.

Happy Birthday Maria

Überhaupt sind die Griechen, egal welchen Geschlechts, sehr offensiv wenn es darum geht Stimmung zu machen. Oft dauert es ein bisschen bis der Knoten platzt, dann aber gibt es kein Halten mehr.

So war klar, dass sich auch an Marias Tisch eine Sängerin finden würde – die Freunde mussten zwar ein bisschen betteln, dann aber ging es ab – übrigens weit entfernt von Karaoke oder so, die Personen, die bei solchen Veranstaltungen zum Micro greifen, wissen was sie tun!

Mal lässig im Sitzen zwischen zwei Schluck Bier einen Song rausgehauen – wow!

Es war ein wunderschöner Nachmittag mit einem fantastischem BBQ und in der Gesellschaft von wunderbaren Menschen – Ευχαριστώ πολύ Μαριέττα μου!

Unser irischer Nachbar Ciáran – zugegeben, wir hatten ein paar Tsipouro
Am späten Nachmittag löst sich die Gesellschaft auf

Wir gehen etwa gegen 18.30 Uhr, vielleicht etwas später nach Hause. Klar war, Abendessen fällt aus! Die Bäuche spannen noch vom reichlichen Lunch.

So fahren wir ohne Umweg nach Hause, selbst die Eisdiele lassen wir heute links liegen.

Die Sonne geht schon unter, als wir auf NESSAJA ankommen. Eigentlich haben wir nichts mehr vor. Eigentlich…

Ein perfekter Tag neigt sich dem Ende zu

BIMM – eine WhatsApp trudelt ein. Eva meldet sich und fragt, ob wir den Abend nicht bei einem Absacker ausklingen lassen wollen.

Hm, ja klar! Komm´ einfach rüber! So genehmigen wir uns noch a Achterl als Betthupferl, dann ist aber wirklich Schicht im Schacht!

Der nächste Tag MUSS etwas Entspannung bringen! Mir tut alles weh! Das Tanzen hat mich gefordert – Sibylle erwähnt, dass es auch der Tsipouro gewesen sein könnte. Papperlapapp, das weise ich weit von mir!

Ich widme mich also kleineren Aufgaben rund um unser Zuhause…

Als erstes kündige ich den Bakterien ihr liebgewonnenes Zuhause wegen Renovierungsarbeiten fristlos auf…

Unsere Wasserfilter wollen erneuert werden – jetzt!
Kann ich schnell erledigen – check

Wir warten immer bis man sieht, dass die Filter sich verfärben. Diesmal ging es von einem Tag auf den anderen. Wir erlauben uns so relativ lange zu warten, weil wir dieses Wasser nur als Brauchwasser verwenden. NESSAJA hat ein eigenes, getrenntes Trinkwassersystem.

Danach widme ich mich unserem 3D-Tender. Der Schnulli hat über den Sommer etwas Luft gelassen und ist jetzt am frühen Morgen etwas schlapp. Ich hole das teure Dinghy also aus dem Wasser und pumpe Luft nach – auch das keine große Herausforderung!

Tendercheck – alles top

Sibylle war derweil am Computer. Sie hat noch einmal nach Unterkünften in Preveza gesucht. Wir bleiben aber bei unserer Entscheidung – wir suchen vor Ort! Ist schließlich Mitte Oktober, was soll da schon schiefgehen?

Ihr könnt euch denken – so leicht war es nicht! Aber dazu später mehr!

Die vielleicht? Nein! Nix mit Duschvorhang

Heute Abend haben wir einen Terminkonflikt! Es gibt eine Stegparty bei uns am F-Ponton, ausgerufen durch die angelsächsische Community.

Ich würde da echt gerne teilnehmen, aber wir haben auch eine Einladung von Johannes und seiner Crew der FESTINA LENTE. Ich hatte telefonisches Troubleshooting betrieben und während derer Törn helfen können – das wäre ein Dinner im „Aloni“ wert.

Sibylle votiert sehr für das „Aloni“, denn sie spricht lieber Deutsch, zudem treffen wir so mal wieder neue Leute.

Ok, dann machen wir das so – und bis dahin? Bis dahin genehmigen wir uns eine Eisspezialität! Das haben wir uns verdient…

Heute auch zwei Kugeln
DAS sind drei Kugeln

Danach gestehen wir uns eine Stunde faulenzen zu, bevor wir uns für den Abend kultivieren.

Der Kompromiss sieht wie folgt aus – wir gehen kurz, etwa für eine halbe Stunde, auf die Stegparty der Engländer. Dann „schleichen“ wir uns davon und genißen das Dinner mit Johannes und seiner Crew. Ein guter Plan!

Als wir NESAJA verlassen, ist die Party schon in vollem Gange
Wow – die haben ganz schön was angeschleppt
Mir gefällt sowas
Frisches Popcorn geht reihum

Als die Sonne untergeht ist das ein untrügliches Zeichen für uns – wir müssen los! Der Abend beim „Aloni“ war dann sehr kurzweilig und nett. Wir haben die Gesellschaft der neuen Bekannten sehr genießen können.

Auf nach Xirokampos – unsere letzte Nacht in der Marina steht bevor

Der nächste Morgen beginnt – der Tag ist als „arbeitsfrei“ geplant, was natürlich nur bedingt richtig ist.

Es ist unser letzter Tag vor der Abreise nach Preveza. Wir beginnen keine neuen Projekte mehr, müssen aber NESSAJA und unser „Drumrum“ auf eine zweiwöchige Abwesenheit vorbereiten.

Ich fülle also zuerst den Tank! Nicht den der GS – MEINEN Tank, wie immer, mit Kaffee!

Morgenstund´hat Gold im Mund

Dann gilt es letzte Besorgungsfahrten zu machen, denn ich möchte das Motorrad abstellen.

Für die Fahrt nach Lakki am späten Abend, darf ich Rena von der Autovermietung einen Wagen aus der Marina zum Büro bringen – so ein Glück.

Noch einmal zu Andreas um ein paar Kleinigkeiten zu kaufen
Dann wird die GS an einem guten Platz geparkt und verpackt

Zur Reisevorbereitung gehört auch, sich Gedanken über die Kleidung zu machen. Der dicke Pullover kommt ins Gepäck, zudem brauche ich feste Schuhe.

Das Wetter im Ionischen Meer ist bei Weitem nicht so stabil wie hier, es kann auch deutlich kälter sein um diese Jahreszeit.

Wir planen außerdem, dass wir am Rückweg Delphi besuchen – ein Grund mehr für warme Kleidung und festes Schuhwerk!

Seltsames Gefühl nach einem halben jahr in Flip-Flops

So bringen wir den Tag rum mit Reisevorbereitungen und packen. An alles gedacht? Ja! Ausweis, Führerschein, Kreditkarte? Ja!

Ok, dann kann es losgehen!

Es hat sich gut getroffen, dass Dieter und Heike von der INFINITY zu einer kombinierten Abschieds- und nachträglicher Geburtstagsfeier eingeladen haben. Treffpunkt 19.00 Uhr im „SouVLakki“.

Wir fahren mit dem Auto nach Lakki, geben den Wagen bei Rena ab und fallen quasi ins benachbarte Grillrestaurant. Die Koffer haben wir dabei, die paar Schritte zur Fähre werden wir später zu Fuß gehen.

Sehr gesellige Runde

Zu den üblichen Verdächtigen, die gleiche Runde wie an Marijkes Geburtstag, gesellen sich heute noch Marie und Lars aus Dänemark. Auch die Beiden kennen wir schon seit Jahren, denn ihre QUEEN OF HEARTS liegt auch am D-Ponton, an dem NESSAJA so viele Jahre festgemacht war.

Wir haben gefeiert, gegessen und getrunken – ein herrlicher Abend, der uns die Wartezeit auf die Fähre wie im Flug vergehen ließ.

Bei den Gesprächen stellt sich heraus, dass alle anderen zum Zeitpunkt unserer geplanten Rückkehr wohl schon abgereist sind. Als wir aufstehen müssen um zur Fähre zu gehen, heißt es daher auch Abschied zu nehmen – bis 2025…

Wir sind „just in time“ am Hafen…
…die BLUESTAR II biegt schon in die Lakki Bucht ein

Wir sind etwa zehn Minuten vor dem Anlegen der Fähre am Hafen. Das passt perfekt.

Kurze Zeit später dreht der stählerne Riese auch schon vor der Kaimauer. In wenigen Minuten entern wir das Schiff und beginnen unsere Fahrt nach Preveza – ein Mini-Abenteuer im Oktober, ein Tapetenwechsel kurz vor dem Winter.

Die Klappe geht schon auf

Wir haben eine Kabine gebucht, um ausgeruht in Piräus anzukommen. Es gibt daher keine Not, sich in die Gruppe der drängelnden Menschen einzuordnen.

Trotzdem suchen wir einen Platz ganz vorne am Gitter, ein wenig auf der Seite zwar, aber ganz vorne – denn wir wollen noch jemand treffen…

Da sind sie ja schon

Mireille und Roland kommen mit der Fähre aus Kos, die uns nach Piräus bringen wird. Es reicht für ein kurzes Hallo und um auszumachen, dass wir gleich nach unserer Rückkehr zusammen essen gehen werden – wir freuen uns auf die Wintermonate mit den Beiden.

Dann müssen wir los, es wird Zeit zu boarden, wir laufen in den Bauch des Stahlkolosses.

Auf geht´s – Preveza, wir kommen

Reisen in der Fähre mit Kabine ist kommod. Wir müssen nicht um die besten Sitzplätze hetzen, haben Strom und ein eigenes Klo. Meist sind die Kabinen sauber und ordentlich – immer funktionell.

Klar, es ist keine Kreuzfahrt und es muss einem das Geld wert sein, aber zumindest ein wenig Nachtruhe ist oft mit Talerchen nicht aufzuwiegen.

Zudem hat man den Komfort, ohne Eile an die Rezeption gehen zu können und von dort aus in die Kabine geleitet zu werden – so auch diesmal…

Ist doch ok, oder?

Pünktlich um 22.50 Uhr legt die BLUESTAR II Richtung Piräus ab. Das bekommen wir noch mit, dann legen wir uns sofort schlafen.

Auf den üblichen Absacker verzichten wir, Dieter hat bei seiner Feier reichlich Ouzo bereitgestellt. Dies und meine mir heiligen Ohropax mögen die Gründe gewesen sein, dass ich herrlich geschlafen habe und auch die zwei Zwischenstops nicht mitbekommen habe.

Der Wecker weckt uns um 07.00 Uhr – in einer Stunde kommen wir in Griechenlands Hauptstadt an.

Die Sonne geht gerade auf

Wir wollen an Bord ein kleines Frühstück nehmen. Auf dem Weg ins „Flocafé“ der Fähre, gehen wir über das Freideck. Es ist wunderschön zu sehen, wie die Sonne über dem Saronischen Golf aufgeht und dazu einen tiefen Atemzug frischer Luft zu holen – so darf ein Tag beginnen!

Der Fahrtwind fährt uns durch die Haare
Athen liegt vor dem Bug
Ein kleines Frühstück geht noch

Wir werden über die Lautsprecher aufgefordert unsere Kabinenschlüssel zurückzugeben und uns zum Aussteigen fertig zu machen.

Der blaue Zubringer legt pünktlich an Gate E1 des riesigen Fährhafens Piräus an und die Massen stehen schon an der Laderampe. Es geht herrlich unorganisiert zu und klappt doch irgendwie vorzüglich. Nach wenigen Minuten stehen wir am griechischen Festland.

Hunderte Menschen drängen aus dem Schlund des stählernen Riesen

Wir gehen vor das Hafencafé welches wir so lange kennen und schätzen – seit wir diese Fährlinie nutzen, war dort eine Filiale der Cafékette „Gregories“. Wir haben dieses Café für seinen guten Café und seine leckeren Sandwiches zu humanen Preisen geschätzt – und nun???

Jetzt ist ein neuer Betreiber dort ansässig! Wir sind skeptisch und testen kritisch – aber siehe da, auch alles sehr gut!

Wenn jetzt noch der Leihwagen pünktlich gebracht wird – „Word Up!“…

Ich habe den Satz noch nicht zu Ende gedacht, biegt auch schon ein weißer Peugeot 208 ums Eck – ob er das vielleicht sein könnte?

Er ist es – unser Vehikel für die nächsten 13 Tage

Ein junger Mann steigt aus und wir sehen uns an – kennt ihr das auch – zwei Personen die sich nicht kennen, sich aber finden sollen? Oft ist es so, dass man auf die vielzitierte gelbe Nelke im Knopfloch verzichten kann, man erkennt sich am Blick.

So auch Kostas und wir.

Wir machen das übliche Procedere und ich erhalte die Schlüssel. Der Rückgabetermin ist zu diesem Zeitpunkt noch offen, ich habe aber schon angedeutet welchen Rückgabetermin wir anvisieren – am Ende werden es 13 Tage gewesen sein.

Dann fahren wir los. Nichts wie raus aus dem Moloch Piräus! Ich entscheide mich für die Route über Korinth und Patras, also über die Autobahn an der Südküste des Golfes von Korinth.

Wir kommen gut voran

Wir kommen auf der gut ausgebauten Autobahn zügig voran und machen keine weiteren Stops. Meine Idee ist es, zur Mittagszeit in Mesolongi zu sein und dort einen Snack zu futtern und einen Kaffee zu trinken.

Wir sind also bald schon nahe Patras, als wir die große Brücke von Rio sehen. Wir sind wohl schon mit der alten NESSAJA darunter durch gefahren – aber überquert haben wir das beeindruckende Bauwerk noch nicht.

Wir entrichten die recht saftigen 17,40€ Maut und genießen die Fahrt…

In echt fast schon spektakulär
In Bewegung „tanzen“ die Haltestreben durch das Sichtfeld

Nach der Querung der Brücke sind es noch rund 60 Kilometer bis Mesolongi, das spulen wir auf einer Arschbacke ab – zur Mittagszeit treffen wir in der Nähe der Marina ein und parken den Wagen vor einem geöffneten Café an der Waterfront.

Wir wollen erst einkehren und dann zur Marina laufen – soweit der Plan.

Sicher geparkt – ein schönes Wägelchen
Zuerst teilen wir uns ein Club-Sandwich und genießen eine Brause…
…dann laben wir uns jeder an einer Kaffeespezialität nach Wahl

Wir bezahlen und verschaffen uns ein Bild der Bucht – das ist also das vielfach beschriebene Mesolongi. Ok, ich finde es nicht häßlich, aber es packt mich auch nicht. Ich überlege, wieviele Steckmücken es wohl in dieser Lagunenlandschaft gibt…

Als Bootsparkplatz mag es ok sein, aber um hier zu überwintern finde ich es zu abgeschieden und irgendwie auch zu wenig einladend.

Es ist weitläufig

Wir gehen bis zur Marinaeinfahrt, dann will ich umdrehen. Erstens hätte ich das Auto nebst Gepäck lieber dabei. Zweitens laufen überall recht große, wilde Hunde herum – die sehe ich lieber aus dem Inneren des Wagens.

Nicht, weil ich die Hunde direkt fürchten würde – auch in Preveza wird es mitten in der Stadt welche geben, mehr eigentlich, weil sie hier „freier“ rumrennen und vielleicht doch mal ein aggressiver Typ dabei ist.

Wir drehen also um und holen unser weißes Wägelchen…

Ein etwas unsortierter Bootsparkplatz – in Bayern würde man „oreidig“ sagen

Natürlich schlendern wir einmal durch die Marina – Freud und Leid liegen eng beieinander. Schöne Schiffe liegen neben alten Seelenverkäufern, ein attraktives Bürogebäude steht neben ein paar Café- und Abstellbaracken.

Was mir gefällt – es ist Leben in der Bude! Die einfachen Cafés sind gut besucht. So etwas fehlt bei uns – eine Art Treffpunkt.

Auf einmal sehe ich im Augenwinkel einen Schriftzug, dessen Shilouette mir sehr bekannt vorkommt!

Siehe da – eine NESSAJA die ich nicht kenne
Der Name ziert eine grüne Oceanis CC aus Deutschland

Leider kam erst nachdem wir das Schiff passiert hatten eine Person ins Cockpit – umdrehen wollte ich nicht, das wäre mir peinlich gewesen.

Aber nett wäre es allemal gewesen – zumal die Eigner auch Mitglieder des TO waren. Vielleicht melde ich mich ja über TO noch einmal bei ihnen.

Ich darf sagen, dass meine Bavaria 390 Lagoon die erste NESSAJA war, die in Marine Traffic geführt wurde. Inzwischen sind es viele geworden, der Name ist nichts Besonderes mehr. Sollte es bei mir ein weiteres Boot geben, dann wird es einen anderen Namen haben – ich habe diesen schon gewählt und besitze auch die gleichnamige Mailadresse schon.

Aus heutiger Sicht wird es dann wieder ein Trendsetter werden – es gibt noch kein Schiff mit diesem Namen…

Wir verlassen die Marina und setzen unsere Fahrt fort – die Straßen werden leerer!

Noch einmal rund 120km Autobahn – menschenleer

Wir fahren sehr gemütlich dahin, uns drängt nichts. Wir haben heute keinen Termin. Lediglich unsere Unterkunft müssen wir noch suchen.

Irgendwann sehen wir die unzähligen Masten der drei Trockenmarinas von Preveza. Hier werden wir morgen die ELOWYN empfangen. Die Stadt liegt aber auf der anderen Seite eines Tunnels für den bei jeder Durchfahrt 3.-€ Maut zu entrichten sind.

Dieser Tunnel ist häufig Thema in Seglerkreisen, wenn es darum geht sich in Preveza zu organisieren. Wir wussten das und nehmen die Kosten in Kauf – wir möchten schließlich auf der „lebendigen Seite“ untergebracht sein und etwas von Preveza sehen.

Wir durchfahren den Tunnel also ein erstes Mal…

1,6km lang…
…verbindet er zwei, durch eine riesige Bucht getrennte, Landzipfel miteinander

In Preveza angekommen, werden wir etwas schludrig – wir waren bestens vorbereitet, was die Suche nach einer Unterkunft betrifft, aber das Navigationssystem kannte nicht alle Gassen, welche in der Realität Fußgängerzonen waren.

Nachdem wir also die Fußgängerzone von Preveza einmal durchfahren hatten und Sibylles Nerven unmittelbar blankgelegt waren, wurde der Entschluss gefasst, dass wir lieber am Stadtrand verweilen – die Parkplatzsituation war echt angespannt!

Aber auch das klappte nicht, weil Google uns zu zwei Appartementhäuser führte, die es einfach an diesem Ort nicht gab. Der Grund wird für immer ungeklärt bleiben, aber wir waren langsam genervt. Wir wollen ankommen.

Also nochmal zurück in die Stadt, im Halteverbot geparkt und neu sortiert.

Favorit 1 fällt aus – nicht anfahrbar und keine Parkplätze. Nummer zwei ist wo? Sibylle gibt die Adresse ins Navi ein – Route starten…

Die Stimme antwortet – „Sie haben das Ziel erreicht, das Ziel liegt links von ihnen!“

Ah, Augen auf! Da isses ja!

Wir hoffen auf oben – bekommen aber EG! Das hat Nachteile!

Wir rufen an. Eine junge Frau meldet sich, sie ist sehr freundlich und spricht gut Englisch – „…ja, das Appartment ist frei! Wie lange, habe ich richtig verstanden, wir sprechen von mindestens 10 Nächte???“

Ich bestätige und merke ihre Freude. Sie bietet uns einen Sonderpreis an und wir sagen zu. Die Lage ist zentral, eigentlich optimal. Vermieterin Georgia erklärt wo ich parken kann, dies wird auch an allen Abenden klappen – der Wagen steht immer sicher und keine 50 Meter vom Haus.

Nachteile? Ja! Das Häuschen liegt an einer Gasse die eine zentrale Zubringerfunktion hat. Ab 17.00 Uhr pulsiert das Leben direkt vor den Fenstern der Wohnung. Diese sind schalldicht, müssen aber, nebst Läden, die ganze Zeit geschlossen bleiben – anders hältst Du es nicht aus. Für das „Wohlfühlklima“ sorgt eine moderne Klimaanlage.

Dennoch – wir waren zufrieden, es war ein sehr schönes, modernes Appartement!

Sehr geschmackvoll und modern – erstmal ankommen und 15 Minuten Pause

Dann drängt Sibylle auf die ersten, wichtigsten Besorgungen – ich möchte noch etwas ausruhen, aber sie ködert mich mit dem Zauberwort…

Dieses heißt in diesem Fall nicht etwa „Bitte“ sondern „Kaffee“ – da hat sie absolut Recht, es muss dafür gesorgt sein, dass ich mir allzeit ein Tässchen Kaffee zubereiten kann.

Also gehen wir in den Supermarkt und kaufen Kaffee und andere Dinge ein, welche wir für unser Frühstück brauchen würden. Dies wollen wir nämlich in der Wohnung zu uns nehmen, Dinner gibt es dann auswärts.

Der Supermarkt ist nur 30 Meter von unserer Eingangstüre – auch hier liegt einer der großen Streuner vor der Türe – ihm werden wir noch oft begegnen.

Ein Streuner zwar – aber für ihn wird gesorgt

Als die Lebensmittel verräumt waren, wollten wir einen ersten Sparziergang durch die Altstadt und entlang der Waterfront machen.

Danach würden wir zurückkommen, uns frisch machen und dann zum Abendessen gehen.

Also schlendern wir an die Riva von Preveza, auch die ist keine 100 Meter von unserer Haustüre entfernt.

Jenseits des Tunnels die Marinas „Cleopatra“, „Aktio“ und „Ionian“ – dort müssen wir morgen hin
An der Waterfront hat es schöne Häuser
Wir sind da – es kann losgehen! Darauf ein Ouzo als Apperitiv – auch hier gibt es Meze dazu
Der erste Eindruck – wir mögen Preveza

Wir stellen fest – Preveza gefällt uns! Es ist nett hier und es ist auch noch richtig was los. Der Stadtkai ist fast voll, auch Charterboote haben noch regen Zulauf. Wir wollen uns nicht vorstellen, wie es hier in der Hauptsaison zugeht, aber jetzt ist es völlig ok!

Zuversicht macht sich breit, es wird eine gute Woche werden – ein „Work-Holiday-Mix“.

Nach unserem Apperitiv gehen wir zurück in die Ferienwohnung und hübschen uns auf, dann stürzen wir uns in die engen Gassen von Preveza. Sibylle wählt ein Fischrestaurant und wir hoffen, dass wir keinen schlechten Griff getan haben – ich habe immer ein wenig Angst, dass wir in eine dieser Touristenbuden geraten.

Diese Angst, soviel nehme ich vorweg, bleibt bis zum Schluss unbegründet – wir haben stets gut und preiswert gegessen!

Nettes Ambiente – zum Wohl Sibylle
Gruß aus der Küche
Salat geht immer
Meze auch – hier Zucchiniballs

Als Hauptgang gönnen wir uns Kalamari und Scampi-Saganaki, beides hat hervorragend geschmeckt!

Zufrieden ziehen wir von dannen und tapsen zurück zu unserer Unterkunft. Die erste Nacht ist immer etwas unruhig, man muss sich an neue Geräusche und das Bett gewöhnen – aber wir haben trotzdem ganz gut geschlafen.

Am nächsten Morgen suche ich einen Bäcker und hole frisches Brot – wir bereiten uns ein kleines Frühstück und mampfen eine der von Hans Peter überlassenen Wildschweinsalamis. Das passt super, so wird unsere morgendliche Routine ab heute aussehen…

Dann aber heißt es – die Pflicht ruft! Wir sind ja schließlich zum Arbeiten hier. Wir machen uns daher auf den Weg zu den Marinas, durchfahren den Tunnel und erreichen das riesige Gelände nach rund 15 Minuten – alles kein Problem.

Die Cleopatra Marina hat neben der Trockenmarina noch eine kleine Wassermarina. Hier sehen wir uns zunächst um.

Schön ist es hier

Der erste Eindruck ist schön! Vieles erinnert mich an Kroatien, es ist weniger karg als auf den Inseln der Ägäis oder denen des Dodekanes.

Von der Marina aus, kann man Preveza vis-a-vis sehen.

Sibylle fordert einen Rundgang durch die Cleopatra Marina, wir wollen schonmal vorab auskundschaften, wo die wichtigsten Facilities sind und was es hier so alles gibt.

Masten wohin das Auge reicht
Gefällt mir – will ich auch!

Wir laufen „unsere“ Marina einmal ab und machen uns ein umfängliches Bild. Dann entscheiden wir, dass wir auch in die Nachbarmarinas „Ionian“ und „Aktio“ einen Blick werfen.

Also gehen wir die Straße entlang bis zum Ende – es wird schnell klar, dass Cleopatra der Platzhirsch ist und auch den gepflegtesten Eindruck macht. Alles ist superprofessionell organisiert.

Der Zufall will es, dass zwei Freunde aus Österreich, beide kenne ich über das „Mittelmeer Skipper Forum MSF“, zu dieser Zeit auch in Preveza verweilen. Wir haben uns schon persönlich auf Leros kennen gelernt und uns nun hier verabredet.

Beim gemeinsamen Kaffee vergeht die Wartezeit auf ELOWYN wie im Flug – wir tracken das Ankommen unseres Patenschiffes auf „Marine Traffic“.

Dann ist es soweit – ELOWYN hat Preveza erreicht!

Bella Figura

Wie von Volker – spaßeshalber (oder etwa nicht) – gewünscht, stehen wir als winkendes Empfangskomitee am Steg und helfen beim Anlegen.

ELOWYN wird an einem Außensteg nahe der Krangasse längsseits festgemacht.

Hier liegt sie sicher und gut
Welcome on board

Die Überführungscrew der ELOWYN bestand nach wie vor aus Volker und dem Engländer Chris, der ja in Leros zugestiegen war und zudem noch aus Steffen, der in Athen angeheuert hat.

Volker und Steffen kennen sich schon länger, daher das Angebot an der Überführung teilzuhaben.

Wir haben uns einander vorgestellt und ein gemeinsames Anlegebier getrunken – bis der sonst so entspannte Volker zu Disziplin aufruft und den eigentlichen Sinn unseres Zusammentreffens in Erinnerung ruft…

„Was meint ihr, es ist gerade wenig Wind – wenn wir noch EIN Segel runternehmen?“

Ok, fangen wir mit der Königsdisziplin, dem Großsegel, an! Zu viert rackern wir wie die Beserker um das schwere und riesige Tuch zu bändigen – und wir bekommen es überraschend gut und schnell hin!

„Ja, wenn es grad so gut läuft, machen wir das Jib auch noch heute!“, höre ich Volker sagen. Alsdann, nichts wie ran…

Am Nachmittag liegen zwei von drei Segeln auf dem Steg

Wir belobigen uns selbst und Sibylle spricht uns Bewunderung aus, ob unserer Bärenkräfte – genau was ein Mann braucht 😉

Wir genehmigen uns ein Reparierbier und sitzen gemütlich im Cockpit, die Sonne strahlt uns an – Tagwerk geschafft!?

Nichts dergleichen! Volker ist im Flow und erkennt, dass es zeittechnisch möglich ist, dass wir das Arbeitspensum, welches wir uns für heute UND morgen vorgenommen haben, noch heute schaffen können – wenn wir GLEICH weitermachen…

Ok, dann halt! Holen wir die Genua halt auch noch runter…

Viele Hände – schnelles Ende

Geschafft! Alle drei Segel liegen auf dem Steg, wir haben wirklich was gerissen am ersten Tag!

Langsam wird es aber auch Zeit an den Feierabend zu denken, denn die Sonne senkt sich schon Richtung Horizont, es wird auch merklich kühler. Wir lassen es also gut sein und verräumen das Werkzeug.

Bei einem Feierabendbier genießen wir das Farbenspiel am Himmel.

Fast schon spektakulär
Die Sonne geht langsam unter
Geschafft – ELOWYN steht ohne Segel da

Als der Humpen geleert war, galt es festzulegen, in welches Restaurant wir heute gehen würden.

Die Überführungscrew war froh, angekommen zu sein und wollte nicht mehr außerhäusig speisen – der Besuch von Preveza sollte morgen stattfinden, heute würden wir ins „Celest“, das Marinarestaurant, gehen.

Sibylle und ich waren darauf vorbereitet und hatten Duschsachen mitgebracht. So konnten auch wir uns kurz frisch machen. Geschlossen sind wir dann die paar Meter bis zu dem sehr geschmackvollen Lokal gegangen, wir bekommen einen sehr schönen Tisch im, mit Zeltplanen geschlossenen, „Innenraum“ des Lokals.

Die Sonne ging gerade unter, als wir das Lokal erreicht hatten – kurz bevor wir uns setzen, kann ich noch ein Bild machen…

Von der Terrasse des „Celest“

Abends ist man froh innen zu sitzen, es kühlt langsam ab. Auch das Longsleeve gehört inzwischen zur Standardausrüstung.

Was dann aber passiert, damit haben wir nicht gerechnet – Dutzende Stechmücken überfallen uns! Sie haben es nicht nur, wie so häufig, auf unsere Beine unter dem Tisch abgesehen – nein, sie fliegen uns direkt im Gesicht, am Hals, an den Armen an.

Das war nicht toll! Ich kann das gar nicht leiden und setze mich an einen anderen Tisch, recht weit weg vom Eingangsbereich – hier war es etwas besser. Volker holt ein Insektenspray von ELOWYN und wir reiben uns alle gehörig mit der Lotion ein.

Ein nettes Dinner stellt man sich anders vor – aber irgendwie geht es dann. Das Thema Schnaken wird uns aber während der ganzen Zeit begleiten – auch Sibylle kauft morgen ein Mittelchen um uns vor den Attacken der fiesen Plagegeister zu schützen.

Spätabends fahren Sibylle und ich mit dem Wagen durch den Tunnel zurück in den Ort – ein schöner Tag klingt aus, ab morgen startet die Routine!

Die etablieren wir wie folgt – aufstehen und frühstücken, gegen 09.30 Uhr fahren wir rüber in die Marina, ab 10.00 Uhr arbeiten wir.

Der heutige Tag ist dem laufenden Gut gewidmet

Es gibt jeden Tag ein neues Arbeitsmotto – heute heißt dieses „Rigg und laufendes Gut“!

Wir schlagen also die Schoten und Strecker ab, waschen diese und hängen sie zum Trocknen auf. Weiter demontieren wir alle Umlenkrollen und andere „fliegende Teile“ rund um das Rigg.

Die Reffleinen müssen abgeschlagen werden und die Spanner für die Backstays werden verräumt.

Ich mache mich daran, die neue Klemme nebst Adapterplatte provisorisch zu montieren – die Monteure sollen erkennen wie die Lösung erdacht ist.

Leider hat mein Freund Giorgos nicht auf meinen Rat gehört, für M12 Schrauben 12,5er oder gar 13er Löcher zu bohren. Bohrt man exakt 12mm, dann muss das Loch genau sitzen!

1mm daneben ist auch daneben – ich muss nacharbeiten

Da Volker keinen 13mm Bohrer hat, müssen wir kurzerhand einen kaufen. Ist aber im bestsortierten Marinashop kein Problem! Ich kann also, mit leichtem Verzug, die Klemme am Mast vormontieren.

Klar, dass beim Arbeiten der Spaß nicht zu kurz kommt!

Mittags und nachmittags gibt´s ein gehöriges Reparierbier

Nach getaner Arbeit, stellen wir für heute einen anderen Plan auf. Nachdem Steffen morgen abreisen wird, sollte er noch die Gelegenheit haben, sich in Preveza ein wenig umzusehen.

Wir beschließen daher, dass der Tender der ELOWYN, der 325er Williams WILLI, ins Wasser gelassen wird. Die Crew der ELOWYN kommt mit dem Flitzer in den Ort, Sibylle und ich machen die Vorhut und reisen mit dem Püscho.

Nachdem wir, trotz kurzem Boxenstop in unserer Ferienwohnung, deutlich vor dem Männerteam vor Ort waren, haben wir den Reigen mit einem Ouzo eröffnet…

Tagwerk geschafft – wohlverdient – ein Ouzo an der Riva

Sibylle und ich lassen den Tag Revue passieren und überlegen, wie wir die Arbeiten welche uns zufallen werden, am besten organisieren und strukturieren können.

Steffen reist morgen ab, unmittelbar danach wird ELOWYN gekrant. Zwei Tage später fliegen auch Volker und Chris nach Hause. Ich gehe davon aus, dass wir nicht länger als weitere drei Tage brauchen um alles Notwendige zu erledigen – Sibylle stimmt zu und so legen wir den Termin unserer Abreise aus Preveza auf den 26. Oktober. Diese Information lassen wir der Vermieterin des Appartements zukommen.

Da wir auf dem Nachhauseweg noch die Orte Nafpaktos und Galaxidi, sowie die Ausgrabungen von Delphi nebst dem sagenumwobenen Orakel besuchen wollen, legen wir unsere Fährpassage auf den griechischen Nationalfeiertag, den „Oxi-Day“, am 28. Oktober. Dies wiederum teilen wir der Autovermietung mit.

Unser Plan steht – der Haken? Der Mast von ELOWYN wird am 30. Oktober gelegt, es wäre vielleicht gut gewesen dem noch beizuwohnen, dies hätte aber weitere vier Tage Aufenthalt bedeutet. Nach Abstimmung mit Volker haben wir uns entschieden, so zu planen wie beschrieben…

Mein Gedanke springt – was macht wohl NESSAJA? Ob alles passt? Ich prüfe die Systeme.

Alles bestens

Ich bin zufrieden, an Bord scheint alles zu passen. In diesem Augenblick werde ich aus meinen Gedanken gerissen – die Freunde sind angekommen und gesellen sich zu uns.

„Wo sollen wir essen? Wir haben Hunger!“

Wir schlendern die Riva entlang, sehen uns die Boote an und auch die Freunde bestaunen die prächtigen Bauwerke…

Viele Details und total verspielt

Unsere Wahl fällt auf ein Restaurant mit typisch griechischer Küche. Es ist in der gleichen Gasse wie die Fischtaverne, in der Sibylle und ich am ersten Abend gegessen haben.

Wir bekommen einen freien Tisch und haben zudem noch ein Stück von Glück – auf einer kleinen Gassenkreuzung fängt ein Trio an zu musizieren und zu singen. Sehr schön, sehr passend!

Unweit von unserem Tisch wird musiziert

Beim Bestellen unses Dinners waren wir weniger kreativ – fünf Bier, vier große und ein kleines! Dazu Fleisch, große Teller bitte! Sibylle fragt in die Runde, „…und wollen wir einen Salat?“ Vier Augenpaare rollen, aber natürlich wird dem Alibisalat zugestimmt!

Alles kommt auf den Tisch, jeder greift zu…

So muss das – später kam noch Wein dazu, denn „Wein auf Bier, das rat´ ich Dir!“

So verbringen wir zusammen mit Steffen seinen letzten Crewabend und essen und trinken gemeinsam. Ein lustiger Abend, ein kurzweiliger Abend – irgendwann war es Zeit aufzubrechen, die Crew musste schließlich noch die Überfahrt mit dem WILLI bewältigen!

Alle zusteigen – nächster Halt Cleopatra Marina
Man beachte die Jungs rechts

Der Katamaran zur Rechten war mit jungen Leuten aus, vermutlich, Polen besetzt. Sie sprachen gebrochen Englisch und haben uns bezüglich des kleinen Schlauchbootes mit Elektroantrieb befragt – dazu muss man wissen, dass Williams Tender einen Mittelmotor mit Jetantrieb haben, man kann keinen Motor sehen.

Uns war nicht klar ob die Jungs uns verarschen, aber Volker wollte nicht unhöflich sein und antwortet wahrheitsgemäß „…it´s a Jet-Tender with 100 horsepowers, we need 45 seconds to reach Cleopatra!“.

Die Jungs lachen und klatschen sich auf die Schenkel – und mir war klar, was jetzt passiert!!!

Volker kommt aus der Lücke und die Jungs sehen zu, wie das vermeintliche „Elektroboot“ surrend davongleitet – aber nichts da! Volker legt den Hebel auf den Steuerstand und der WILLI geht ab wie ein Pfeil – es dauert nur Sekunden, bis er in der Dunkelheit verschwunden ist.

Sibylle und mir bleibt der Hochgenuss die vier Gesichter zu sehen – offene Münder aus denen nur ein Wort fiel…

Wow! WOW! WOOOOOW!

Der neue Tag begann, wie der alte endete – spektakulär! Dafür aber weniger rasant, denn diesmal war es die Natur, die ein Schauspiel bot.

Gleicher Platz – die jungen Polen schlafen noch
Die Sonne gibt derweil ein spektakuläres Schauspiel – wie Feuer am Horizont

„Groundhog Day“ in Preveza – und täglich grüßt das Murmeltier! Sibylle und ich fahren nach dem Frühstück in die Marina, dort steigt Sibylle aus und statt ihrer Steffen zu.

Ich bringe den Kurzzeitfreund an den Flughafen und verabschiede mich – vielleicht sieht man sich ja einmal wieder…

Zurück in der Marina geht es auch schon los – ELOWYN muss klar gemacht werden, um in die Krangasse gefahren zu werden. In einer Stunde ist Krantermin, Festmacher müssen vorbereitet und Fender entsprechend platziert werden.

Dann bekommen wir den „Marschbefehl“ und legen ab – die letzte Fahrt der „alten“ ELOWYN.

Die Fahrt dauert etwa drei Minuten – alle Aufgaben sind verteilt

Es geht ruckzuck und der blaue Riese wird in die Krangasse bugsiert, ab hier übernimmt das Kranteam das Kommando.

Bei den Jungs sitzt jeder Handgriff, sie sind ein eingespieltes Team. Wir dürfen jetzt aussteigen, die Gurte werden vorbereitet.

Die HR vor uns muss noch auf den Wagen – dann ist der Kran frei für uns
ELOWYN ist bereit für das „Haul Out“

Jetzt geht es Schlag auf Schlag – der große Kran kommt und nimmt ELOWYN in die Schlaufen. Dann wird sie angehoben und gleich mit dem Kran auf ihren Standplatz gefahren.

Da sie direkt vor das Gebäude gestellt wird, entfällt das Umladen auf den Transportwagen – sofern dies überhaupt möglich gewesen wäre.

ELOWYN bekommt einen Platz in erster Reihe – Pole sozusagen
Wir bekommen einen pompösen Zugang aufgestellt

Nachdem der Kran abgezogen war, haben uns Marinamitarbeiter eine pompöse Treppe bereitgestellt. Das war echt komfortabel, denn wir mussten mehrfach, auch schwer beladen, das Schiff verlassen und auch wieder entern – auf einer profanen Aluleiter, ein eher mühseliger Akt.

Ich packe sofort das Werkzeug aus und mache mich an meine Arbeit – da passiert es…

Ich reiße mir einen Fingernagel recht fies ein! Natürlich war kein Maniküreset zur Hand! Gut, wenn man sich zu helfen weiß! So wird an diesem Tag unumstößlich klar, dass ein guter Seitenschneider auch zur Nagelpflege taugt.

Knipex – der Name sagt es ja schon

Sibylle ficht das alles zunächst nicht an – sie „…warte auf klare Anweisungen!“

Derweil sei ihr ein Päuschen gestattet, allzulange hält dieses nicht an, denn generell weiß jeder, was zu tun ist, die Aufgabengebiete sind klar verteilt!

Heute war der schlechteste Tag – ziemlich bewölkt

Erstmal Mittagspause! Der Vormittag ist schnell verflogen. Uns alle fröstelt es ein wenig. Wenn die Sonne hinter den Wolken verschwindet fehlt die wohlige Wärme.

Es gibt also einen Kaffee im „Celest“, danach geht es aber richtig weiter!

Brrr – gibt´s auch Tee?
Das „Celest“ ist fein hergerichtet, man isst und trinkt gut

Dummerweise passiert exakt nach Arbeitsaufnahme ein Malheur. Volker möchte den Anker ablegen und gibt das Kommando diesen abzulassen. Er und ich stehen unten, um das 50kg Trum zu bändigen und die Kette zu schlichten.

Chris und Sibylle stehen oben und sollen den Anker ablassen – da passiert es! Sibylle drückt den Knopf für die Ankerwinde einmal kurz in die falsche Richtung und ein Schlauch platzt! Ende Gelände!

Die Hydraulik steht bis auf Weiteres nicht mehr zur Verfügung! Dafür tut sich eine neue Baustelle auf – die Vorpiek und der Ankerkasten müssen, nicht nur wegen des geplatzten Schlauches, mal porentief gereinigt werden.

Also räumen wir erstmal ALLES aus!!!

Was da so zum Vorschein kommt
Kann das weg???
Ganz schön was drin

Nachdem wir zusammengeholfen haben, um alles aus der Vorpiek auszuräumen, haben Sibylle und Chris sich an die Reinigung der Kammer gemacht. Natürlich musste später auch alles wieder ordentlich eingeschlichtet werden.

Volker hat sich derweil darum gekümmert, dass die Kühlschränke eingewintert wurden. Ich war mit Spezialaufgaben am Kühlsystem und der Einwinterung von Hauptmaschine und Generator beschäftigt.

Auch hier gab es kleine Überraschungen

Was sich hier in der schnellen Beschreibung etwas unkoordiniert anhört, war generalstabsmäßig vorbereitet und wurde ebenso durchgeführt.

Volker hat ohnehin seine eigenen Arbeitslisten. Ich habe selber welche aus dem letzten Winter erstellt – jeder von uns wusste exakt was zu tun ist.

Alle offenen Punkte bekamen eine Priorität und es wurde entschieden – wer macht es? Wann wird es gemacht? Kostengegenüberstellung von Fremdarbeit und DIY? Final wurde alles in eine Excel gepackt, um die Punkte von hier aus steuern zu können.

Was sich nun ein wenig fancy und übertrieben anhört ist sinnvoll – denn nächstes Jahr kann sich keiner mehr erinnern, dass die Schlauchschellen der Kühlschläuche nachgezogen werden müssen, oder dass das Steuerbord Druckwassersystem ohne Funktion ist, weil die Pumpe zerlegt im Halter hängt!

Wir sind zufrieden mit unserem Tag!

Prio-Worklist 2025 für ELOWYN

Zum Feierabend wird beschlossen, abermals in Preveza auszugehen. Chris möchte unbedingt Giros essen und der kleine Grill ist ja genau bei uns um die Ecke.

So treffen wir uns abermals an der Riva, wo Volker und Chris mit dem WILLI anlanden. Leider müssen wir beim Schlendern durch die Gassen der Altstadt feststellen, dass ausgerechnet heute der Ruhetag des Grillhauses ist – was für ein Pech!

Egal – erst mal einen Ouzo als Opener, eine Situation, welche natürlich auch für die Freunde in England festgehalten werden will…

Alle mal lächeln – Cheese
Nice Pic – so begeistert man die Lieben zuhause

Der Zufall will es, dass wir in dieser Bar einen Mitarbeiter der Marina treffen. Er wird an ELOWYN arbeiten, wir hatten uns schon kennen gelernt.

Diesen Mann befragen wir, wo man das beste Giros in Town bekommt. Er erklärt den Weg und schickt uns zu Fuß einmal quer durch die halbe Stadt – mit welchem Resultat???

Super – eine Verschwörung

Aber wenn Du denkst es geht nicht mehr, kommt irgendwo ein Lichtlein her – so auch diesmal!

Unser Unglück in Sachen Giros treibt uns direkt in die Taverne „Kalofagas“, eine Adresse, die wir noch zwei weitere Male besuchen werden.

Ist es falsch zu sagen, dass es die Fleischeslust war, welche uns hierher getrieben hat? Sicher nicht! Wenn auch nur im ganz übertragenem Sinne.

Eine sehr empfehlenswerte Taverne

Nicht nur, dass das Team einen sehr guten Service bot und in der für uns zuständigen Bedienung Vasso eine sehr empathische Person aufbieten konnte – auch in Sachen Fleischauswahl war man durchaus gut sortiert!

Nehm´ ich – in dieser Reihenfolge

Chris wollte „Roast“ – typisches Fleisch vom Drehspieß, nicht zu verwechseln mit Giros. Eher so eine Art Kokoretsi. Volker wollte lieber ein 1,5kg Steak und Sibylle einen Salat – ich erklärte mich zum Allrounder und wäre überall mit dabei.

Also, dann nix ODER, dann eben UND!

Vorfreude machte sich breit…

Der Wein passt schonmal – jeder gibt Anekdoten zum Besten
Knoblauchbrot und Sibylles Wahl – ein köstlicher und gesunder Salat…
…der als unser „heutiges gutes Gewissen“ durchaus ein eigenes Bild verdient
Dann unsere „Mixed Rotisserie“ für zwei Personen – Pork, Lamb und Kokoretsi
Als Nachspeise und als Zeichen der Vernunft – ein dezimiertes 1.100gr Tomahawk

Puh, pappsatt! Wir bekommen noch eine kleine Sauerei auf´s Haus, dann ist Schicht im Schacht – bitte nichts mehr bringen, nicht mal ein Minzplättchen!

Irgendwann, es war schon spät und der Wind hatte aufgefrischt, hieß es – Verabschiedung! Unsere WILLI-Besatzung musste noch ihre Heimfahrt antreten und wir begleiteten die Beiden zu ihrem kleinen Flitzer.

Ich habe die Beiden nicht um die Überfahrt beneidet…

It´s cold outside
Schnell ab und nach Hause – 45 Sekunden frieren

Sibylle und ich gehen noch einmal die Riva auf und ab – wieder bleibt unser Blick an dem verschnörkelten Haus hängen.

Preveza hat schon was – trotzdem wäre es mir zu umtriebig. Ein erstes Mal macht sich Heimweh breit – ich will wieder nach Leros!

Schön ist es schon

Doch soweit war es noch nicht – die Pflicht ruft! Neuer Tag, neue Aufgaben!

Sibylle und ich rücken zeitig an, denn heute war die Besprechung mit dem Lackierteam anberaumt. Wir entern das Schiff und haben frisches Brot für die Freunde im Gepäck.

Guten Morgen, guten Morgen, guten Morgen Sonnenschein

Wir trinken noch einen Kaffee mit, während Volker und Chris ein kleines Frühstück zu sich nehmen.

Zu lange müssen wir nicht warten, denn die Lackierer erscheinen sehr pünktlich. Generell hat man den Eindruck, dass alles etwas professioneller organisiert ist, als wir das gewohnt sind.

Gemeinsam gehen wir um das Schiff und besprechen das Vorgehen – auch erste Details werden diskutiert…

Müssen alle Beschläge weg? Ja, alle!

So klären wir neben dem finalen Farbton – lasst euch hier überraschen – zum Beispiel auch, wie die Relingstützen befestigt sind.

Solche Kleinigkeiten sind wichtig, weil dafür abzuklären ist, ob diese von innen oder von außen abgenommen werden – von innen würde einen erheblich größeren Arbeitsaufwand bedeuten.

Wir haben aber Glück…

Geht von außen – kann bis zum Pin lackiert werden

Diese Montagearbeiten übernehme meist ich. Daneben gilt das „Vier-Augen-Prinzip“ – Volker und ich wollen gemeinsam sicherstellen, dass nichts vergessen wird und alles möglichst exakt bewertet wird. Nur so kann der Kostenvoranschlag valide sein.

Der Lackierer bleibt etwa eine Stunde, er macht einen sehr professionellen und erfahrenen Eindruck, sein Ansatz und seine Ideen decken sich mit Volkers Vorstellungen.

Als sich die Jungs verabschiedet haben, geht jeder wieder an seine Arbeit – ich widme mich fast zwei Tage lang der Druckwasseranlage, hier gilt es ein verstecktes Problem zu finden…

Oh mein Got! SIE sind da!

Durch das Ausschlussprinzip kann die Pumpe als Übeltäter eingegrenzt werden. Es läuft auf eine Überholung der Pumpe im kommenden Frühjahr hinaus, die Teilebeschaffung sowie das ToDo kommen in die Excel Tabelle – als Bemerkung füge ich hinzu, „…eventuell Anlage komplett auf Jabsco 60PSI umbauen und anpassen“.

Immer, wenn mir eine bessere Lösung als die bestehende durch den Kopf geht, bespreche ich mich mit Volker und wir überlegen, ob ein Nachrüsten und ein Upgrade angebracht wären – in diesem Fall ist die Entscheidung noch offen.

Es dürfte selbstverständlich sein, dass ich im Blog keine Stellungnahme zu Refitkosten mache. Das hat hier nichts verloren – klar dürfte sein, dass letztendlich ein paar Talerchen zusammenkommen. Wir mussten daher mehr als einmal hinsehen, ob es sich bei den zwei Beobachtern auf unserer Saling um Raben oder doch um Pleitegeier handelt… 😉

Puh – doch nur Raben

Heute ziehen Sibylle und ich früher ab als sonst. Wir haben die Aufgabe übernommen, die Wäsche in den Waschsalon zu bringen – liegt auf der Hand, da wir den Wagen haben und es im Ort zwei Waschsalons gibt.

Leider haben wir hier die Rechnung ohne die Griechen gemacht! Denn auch in Preveza scheint es Normalität zu sein, dass man sein Geschäft öffnet wann man eben will – oder auch gar nicht!

Ich sitze hier und warte

Wir erreichen Waschsalon Nummer 1 – hier hängt ein Zettel in der Türe, dass man um 18.00 Uhr öffnet, dazu eine Telefonnummer.

Inzwischen war es 18.05 Uhr und ich warte. Um 18.15 Uhr schreibe ich eine Message in Griechisch, ich frage ob und wann jemand käme, ich wolle zwei Säcke Wäsche abgeben – diese Message ist bis heute unbeantwortet.

Wir gehen weiter zu Wäscherei 2 – man nimmt die Wäsche an. Sibylle dachte, dass man unsere zwei Säcke zu einer großen 7kg Maschine zusammenfassen könnte. Dieses Ansinnen lehnt die Dame aber entrüstet ab! Dies seien schließlich zwei Maschinen mit zwei verschiedenen Temperaturen undsoweiter…

Wir stimmen zähneknirschend zu und geben die Wäsche ab – für 10.-€ pro Maschine – zudem fällen wir den Beschluss, dass wir alle weiteren Waschladungen in der Marina waschen und dort zum Trocknen aufhängen! Das bedeutet etwas mehr Aufwand, kommt aber mit 4.-€ pro Waschladung deutlich billiger und man ist schneller.

Inzwischen sind Volker und Chris angekommen. Heute steht deren Abschiedsessen auf dem Programm, beide werden morgen mit dem gleichen Flieger abreisen.

Wir gehen in ein Fischlokal in den engen Gassen der Altstadt und lassen es uns gut gehen!

Salat – bestellt durch Sibylle
Rote Bete mit Knoblauch – auch als Salat angemacht
Anchovi – sehr leckere Marinade

Als Hauptspeise gönnen wir uns Kalamari und Scampi in verschiedenen Variationen – alles sehr lecker!

Klar, dass wir nach dem Essen noch ein gemeinsames Bier trinken und uns auch eine Runde Ouzo gönnen – so jung kommen wir schließlich nicht mehr zam…

Denn als wir uns am nächsten Tag bei ELOWYN treffen, stehen die Zeichen auf „Abschied nehmen“!

Good bye my friend

Volker und ich stimmen uns noch über ein paar Termine ab, welche mit der Werkstatt abzuwickeln sind. Auch geben wir uns ein gegenseitiges Update unserer ToDo-Listen.

Dann heißt es packen…

Wir gönnen uns einen letzten Cappuccino auf der Sonnenterrasse des „Celest“, steigen ins Auto und fahren zum nur 5 Minuten entfernten Flughafen.

Ob wir uns 2024 noch einmal hier treffen werden?
Ob wir Chris noch einmal sehen werden? Was a pleasure to meet you…

Die Freunde gehen in das Terminal und wir bleiben hier zurück. Da es an ELOWYN noch einiges zu tun gibt, fahren wir zurück in die Marina.

Gerade als wir ankommen, verlassen die Mechaniker das Schiff – gute Nachrichten, die Hydraulik funktioniert wieder, alle Systeme sind einsatzklar! „Word Up!“

Sibylle und ich legen sofort los und lassen Anker samt Kette ab. Wir schlichten das Ankergeschirr ordentlich auf. Danach können wir das Grundeisen und den Ankerkasten reinigen – super, dass dies alles so reibungslos klappt!

Punkt 1 meiner Liste – Check

Wir waren gerade fertig, da kommt ein Mitarbeiter des Kranteams, „Where is the Captain?“ Ich antworte mit dem Brustton der Überzeugung „The owner is on his way back to Germany, I´m the new captain!“

Der erstaunte Kranmann erwiedert, „Ok Captain, then follow me!“

Ich tue wie mir geheißen und tapse hinter dem Handwerker her – was will er von mir? Was habe ich zu tun?

Ahhhh! Wir gehen zur Krangasse – er will, dass ich den WILLI zur Box fahre, er würde als nächstes aus dem Wasser gehoben werden. Warum sagt er das nicht gleich? Klar, mach ich!

Ich starte den Flitzer und fahre nur rasch um´s Eck…

Da wartet der WILLI auf sein „Lifting“

Ich gehe zurück zu Sibylle und erzähle ihr, warum mich das Kranteam einbestellt hat. Noch ehe ich meine, mit blumigen Worten ausgeschmückte, Geschichte zu Ende erzählt habe, hören wir schon dieses typische aber nervtötende Biepsen von in Fahrt befindlichen Arbeitsgeräten – der Gabelstapler mit dem WILLI auf der Gabel biegt ums Eck und stellt ELOWYNs Schnulli zum Mutterschiff.

Auch die Cleopatra Marina hat einen „Luigi“
Wieder vereint

Somit kommt schon am ersten Nachmittag, an dem wir alleine vor Ort sind, ein Haken an den zweiten wichtigen Punkt.

Der Arbeitstag ist somit auch gelaufen, wir rufen den Feierabend aus und starten in unsere tägliche „After-Work-Routine“.

Zum Dinner wollen wir heute noch einmal Vasso, unsere neue Lieblingsbedienung, besuchen. Wir einigen uns darauf, dass ich am heutigen Tage meine „Fleischeslust“ im Zaum halte!

Ok, wenn es sein muss…

Käsebällchen mal anders – aber sehr fein
Auch ich gönne mir einen Salat

Jeder von uns labt sich an einem dieser riesigen Salate, sie schmecken vorzüglich! Gemeinsam gönnen wir uns eine Chicken-Rotisserie, auch diese war sehr gut.

Weil ich so tapfer war, gibt Sibylle ein Eis aus. Gut zwar, aber kein Vergleich zu den Speiseeisschöpfungen aus der Eismanufaktur in Lakki – ich vermisse Leros…

An diesem Abend wird es nicht so spät. Sibylle will noch etwas lesen, ich tippe die ersten Zeilen dieses Blogberichtes. Dann ist es Schlafenszeit.

Am nächsten Morgen wache ich dafür früher auf. Als ich zum Brotkaufen gehe, sind die Gassen von Preveza Old Town noch menschenleer.

Noch nichts los – das ändert sich später
Ich gehe zum gleichen Bäcker wie jeden Tag

Kurzer Sidekick – vor ein paar Tagen haben sie nahe der ELOWYN eine 33m Motoryacht abgestellt – etwas ganz Besonderes mit absenkbarem Mittelteil, um die Dinghygarage als Meerwasserpool zu nutzen. Die Yacht heißt LADY FLEUR und gehört dem Gründer einer Instant Pfannkuchenfirma, welche heute Weltmarktführer in diesem Segment ist.

Heute als wir ankommen, steht eine noch größere Yacht im Kran – hier ist der name Programm – KING LOUIS! Diese 46m Yacht ist weniger besonders, besticht aber durch die schiere Größe.

Viel größer geht auch hier nicht

Ok, ich bin beeindruckt – aber nicht so sehr, dass ich meine Aufgaben vernachlässigen würde.

Ich widme mich also der Einwinterung des WILLI, baue alle Teile ab und spüle den Motor – zunächst mit Süsswasser, dann mit verdünntem Frostschutz.

So weit – so gut

Gerade als ich an Deck von ELOWYN zurückgehe – ich erwarte Besuch vom Technischen Manager der Marina, gerade in diesem Augenblick also, wird KING LOUIS hereingefahren.

Sie bewegt sich auf uns zu…

Kranfahrer – Präzisionsjob
Äh – ich hoffe, der Mann weiß was er tut

Alles klappt – der Gigant wird in eine Ecke manövriert, dann beschäftigt sich ein ganzes Team fast zwei Tage damit den Koloss aufzupallen – mein lieber Scholli.

Ich habe Frostschutzmittel übrig und vertrete die Meinung, dass es hier schonmal kalt werden kann. Ob es nahe 0°C sein kann? Ich weiß es nicht! Aber getreu dem Motto „besser haben als brauchen“, fülle ich das übrige Glysantin, fair verteilt, in die vier Aborte der ELOWYN.

Jetzt sind wir safe…

Natürlich wird noch gespült – das Zeug soll in die Schläuche

Der Vormittag ist verflogen, der Manager hat den Termin auf den Folgetag verschoben.

Da wir keine Arbeit für den angebrochenen Nachmittag haben, beschließen wir erstmal eine Kaffeepause zu machen. Im „Celest“ wollen wir beratschlagen, wie wir den Tag weiter sinnvoll nutzen.

Ein leichtes Häppchen zum Cappuccino

Sibylle wirft ein, dass sie noch nicht weiß, wie sie die oberen Fächer und Schränke unseres Patenschiffes ausräumen soll. Wir haben zwar Stauraum, aber es fehlt an Aufbewahrungsbehälter.

Von unserem österreichischem Forumsfreund Mike weiß ich, dass es hier in der Nähe einen „Jumbo“ Markt gibt – ein Marktplatz für alles was man braucht oder nicht braucht. Strukturiert wie IKEA, aber eben für Dinge des täglichen Lebens und darüber hinaus.

Kennst Du „Jumbo“ nicht – kennst Du Griechenland nicht!

Wir beschließen daher, aus der Not eine Tugend zu machen und das Einkaufsparadies zu besuchen.

25km außerhalb Prevezas
Die Farben sind Teil der Marke
Das Angebot weckt Kauflust – es gibt alles…
…auch Strohhalme aus Plastik – während Deutschland die Welt rettet
Natürlich kaufen wir nichts unsinniges oder umweltschädliches – aber ich könnte schon schwach werden…

Erfreulicher Weise geht es verhältnismäßig schnell. Wir finden passende Kisten, kaufen dazu noch eine Packung „Haribo saure Schnüre“ und bezahlen.

Dann machen wir uns auf den Weg zurück nach Preveza – wohin gehen wir heute zum Essen? Die Fragen klären wir am Heimweg…

Leibspeise – ich will Leibspeise! Mir reicht´s mal wieder mit griechischer Küche, mir ist nach Pizza! Zum Glück gibt es in Preveza mit der Pizzeria „Oven“ eine stilechte Pizzeria nach italienischem Vorbild – da gehen wir heute hin…

Sehr einladendes und modernes Lokal
Der Mann beherrscht sein Fach
Die Pizza schmeckt italienisch – ein Gedicht

Das Dinner war eine Wucht, zu diesem Zeitpunkt des Jahres würde ich es sogar ein Highlight nennen. Irgendwann willst Du halt mal einen anderen Geschmack. Die Pizzen, der Salat – alles war von hervorragender Qualität und stilecht. Eine sehr empfehlenswerte und obendrein preiswerte Adresse.

Wir gehen zufrieden ins Bett. Wir haben viel geschafft – die meisten Arbeiten an ELOWYN sind erledigt, wir haben die Kisten beschafft und alle Wäsche verstaut.

Wenn morgen alles nach Plan läuft, dann machen wir einen kleinen Ausflug.

Um dies sicher zu stellen, packen wir zeitig morgens an. Ich muss noch die Batterie vom WILLI ausbauen und laden. Da sie bis morgen am Strom bleiben soll, muss sie sicher stehen. Ich hoffe, dass Tina niemals erfährt, dass ich ihre Bratpfanne als Sicherheitsbehältnis missbrauche.

So kann nichts passieren

Das Glück spielt uns in die Hände – just in time kommt Panos, der Technische Leiter der Cleopatra Marina, an Bord. Er lässt sich von mir die Funktion der Zentralhydraulik zeigen, lässt sich gleich auch noch in die Schalttafel einweisen und bestätigt dann, dass aus seiner Sicht jetzt alles ok sei.

Sibylle hat in der Zwischenzeit die Kisten befüllt und verstaut. Was noch??? Ach ja, ich schreibe ein Mail an die Marina, dass der WILLI aus unserer Sicht freigegeben ist, um ihn in Folie zu packen.

Das war´s – es ist 12.00 Uhr, wir können einen Ausflug in die Umgebung machen, unser Ziel ist die 25km entfernte Insel Lefkas.

Wir nutzen die Landstraße durch eine saftig-grüne und hügelige Landschaft

Die recht kurze Strecke ist schnell zurückgelegt. Wir überqueren die schwimmende Drehbrücke, welche Lefkas mit dem Festland verbindet – diese ist zu dieser Zeit wegen einer fehlenden Sicherheitsabnahme dauerhaft geschlossen, der Lefkas Kanal für Boote daher nicht nutzbar.

Auch Volker musste die ELOWYN bei seiner Anreise schon westlich um Lefkas herumnavigieren. Der Teufel ist ein Eichhörnchen.

Wer meint, dass auch in Griechenland der Sommer langsam ausklingt wird meist eines Besseren belehrt. Ja, abends wird es spürbar frisch, das Longsleeve ist angesagt – aber tagsüber, da zeigt unser Zentralgestirn, dass es noch etwas zu leisten im Stande ist…

30°C am frühen Nachmittag in Lefkada

Natürlich gehen wir ein paar Schritte in die Marina – und zwar genau an den Platz, an dem die alte NESSAJA bei ihrer Überführung von Leros nach Rab im Jahr 2012 für eine Nacht festgemacht hatte.

Ich schwelge in Erinnerungen – es war ein schöner Törn…

Da sind wir gelegen

Ich sende das Bild an Burcki und frage schelmisch – „…weißt Du wo wir sind?“

Klar lösen wir das Rätsel gleich auf und senden schöne Grüße, die Zeit verfliegt, die Erinnerung ist schon 12 Jahre alt.

Wir senden ein nettes Bild als Gruß hinterher und hoffen, dass wir Burcki und Christine beim nächsten Deutschlandbesuch wieder sehen werden.

Kaffeepause im hochsommerlichen Lefkada

Beim Kaffee beschließen wir, dass wir ein wenig vom Inselinneren kennen lernen wollen. Sibylle möchte zwei alte Dörfer besuchen, man könne auf den höchsten Berg fahren und es gäbe spektakuläre Ausblicke.

Ok, klingt gut und sollte ausreichen, um sich einen Nachmittag um die Ohren zu schlagen. Der Plan war, dass wir anschließend in Lefkada zu Abend essen und dann den Heimweg antreten.

Also nix wie los – ab in die Bergwelt von Lefkas!

Lefkada von einer Anhöhe aus – man kann den Kanal sehr gut erkennen
Wunderschöne Buchten zwischen dem Festland und Lefkas
Ein atemberaubendes Panorama

Wir machen im Bergdorf Karya halt und wollen „…am Dorfplatz unter den alten Platanen“ einen Kaffeestop einlegen. Leider enttäuscht uns diese Empfehlung – sicher, der Dorfplatz ist wohl sehr ursprünglich und es ist ein wenig touristisches Dorf.

Wir mäkeln auch nicht daran herum, dass es eigentlich bis auf ein Cola nichts gibt, dies mag der Saison geschuldet sein. Störend empfanden wir, dass die Menschen wenig freundlich schienen und wir uns nicht wohl fühlten.

Also weiter nach Egklouvi! Dieser alte Ort ist berühmt für eine bestimmte Linsensorte, welche dort angebaut und vermarktet wird. Die Hülsenfrüchte aus dieser Region haben mehr Kalium, dies sei gut für – ich zitiere hier Google – „… die Aufrechterhaltung des osmotischen Drucks, der Elektrolythomöostase und des Säure-Basen-Haushalts. Kalium spielt weiterhin eine Rolle bei der Weiterleitung von Nervenimpulsen und ist somit von Bedeutung für Muskelkontraktionen, Herzfunktion und die Regulation des Blutdrucks.“

DAS lassen wir uns nicht entgehen!

Ein sympathischer und einladender Ort
Wir teilen uns eine Linsensuppe und einen Linsensalat

In der kleinen Taverne am Dorfplatz sind ein paar Tische besetzt. Der Juniorchef flitzt emsig von Tisch zu Tisch und bewirtet seine Gäste.

Wir gönnen uns die Spezialitäten des Hauses und tun etwas für unsere Muskelkontraktionen – Sibylle merkt an, fast schon ein Flachwitz, dass „Erbsen und Linsen, machen´s Arscherl grinsen!“

Auch das testen wir, halten aber das Ergebnis dieses Tests hier geheim.

Von unserem Tisch aus können wir zwei alte Radarantennen sehen…

Imposante Anlage – was ist das???

Ein Blick in Google Maps verrät, dass es sich hierbei um eine aufgelassene Radarstation der NATO handelt. Heute ist sie ein wohl bekannter „Lost Place“.

Ob wir da mal hinauffahren können und sollten?

Unser Blick schweift weiter – wir entdecken etwas weiter hinter dem alten Beobachtungsposten ein kleines Kirchlein auf einem noch höheren Berg…

Google hilft auch hier – Ekklisia Profiti Ilias 

So ein Zufall! Genau dieses Kirchlein wäre unser nächstes Ziel gewesen. Bei der Streckenrecherche stellen wir fest, dass es eine Verbindungsstraße geben sollte.

Die Navigationsinstrumente sind sich nicht einig – Google Maps sagt „nicht befahrbar“, eine Reisebeschreibung von Sibylle benennt den Weg als „durchgehend asphaltierte Piste“.

Sehr zu meiner Überraschung, entscheidet meine Sibylle auf „wir wagen es!“

Und es hat sich gelohnt!

Unser Püscho vor den Antennen
Daneben die alten Baracken
Ein besonderer Eindruck

Den Weg weiter nach oben, bis hin zur kleinen Kapelle des Heiligen Ilias, erarbeiten wir uns hart – die Straße wird zunehmend zur Piste und war immer mehr ausgewaschen.

Umgekehrt bescherte uns der Weg in die Höhe weitere atemberaubende Ausblicke.

So zum Beispiel auf ein ehemaliges Abbaugebiet für Kalksandstein, welches eine Art „Mondlandschaft“ hinterlassen hat.

Im Hintergrund die neue NATO Radaranlage

Wir fahren weiter und schrauben uns hoch bis zum Kirchlein – der Rundumblick hier oben ist fantastisch.

Wir verweilen eine ganze Zeit und genießen die Ruhe und die Einsamkeit.

Vom Kirchlein – der Blick Richtung Festland
Über die Bucht von Nidri…
…und über Lefkada Richtung Preveza
Richtung Westen sieht man den Lost Place und die Straße welche wir genutzt haben

Wunderbar! Der Trip hat sich gelohnt! Wir werden zur Weiterfahrt eine andere Straße wählen, müssen dafür aber zunächst wieder nach unten fahren – und die ausgewaschene, steile Abfahrt hatte es in sich!

Ihr wisst ja, solche Sachen kann man in Bildern nur sehr schwer festhalten. Ich habe trotzdem versucht, zumindest einen Eindruck zu vermitteln.

Es geht steil runter, der Track hat einiger Schlaglöcher
Zudem ist der Belag teilweise sehr lose und ausgewaschen

Letztlich meistern wir diese Herausforderung und erreichen wohlbehalten die Küstenstraße an der Westküste Lefkas´.

Sibylle hat noch ein Sightseeing gefunden – das größte Kloster der Insel. Google zufolge müsste es jetzt geöffnet sein. Und da die Besichtigung einer griechischen Insel ohne Klosterbesuch immer unvollendet sein wird beschließen wir, dass wir ebendiesem Kloster einen Besuch abstatten.

Faneromeni Monastery – eine einladende Pforte
Eine saubere und top gepflegte Anlage
Sehr schöne, grüne Gartenanlagen
Die Aufenthaltsräume
Die Kirche

Eine Besonderheit dieses Klosters ist der mini Botanische Garten mit einer handvoll Tiergehegen.

Klar, dass wir uns auch diesen Besuch nicht entgehen lassen. Allerdings war es schwer, ein Fotos der Pfauen oder Schildkröten zu machen – einzig der Papagei hatte keinerlei Kamerascheu!

Aug´in Aug´

Das Kloster kostet übrigens, wie auch der Botanische Garten, keinen Eintritt.

Wir wollen weiter. Ich überlege, ob ich nicht wenigstens einmal auf unserer Reise zum Baden gehen soll. Lefkas ist bekannt für seine schönen Strände, allerdings haben wir die allertollsten schon passiert.

Wir entscheiden uns daher für einen letzten Programmpunkt des Ausflugs und fahren zum Strand an dem die Windmühlen von Lefkas stehen.

Wir wollen die Windmühlen fotografieren und wenn mir der Strand gefällt, würde ich die Gelegenheit nutzen um einmal in die Fluten zu springen.

Wir haben schon schönere Windmühlen gesehen
Auch der Strand war nicht so einladend

Die Luft war raus, wir hatten einen vollgepackten Nachmittag mit vielen tollen Eindrücken. Ich verzichte auf´s Baden und wir beschließen, dass wir zurück in die Stadt fahren, um uns dort eine geeignete Taverne zum Abendessen zu suchen.

Am Weg vom Strand mit den Windmühlen zurück nach Lefkada, kommen wir abermals an der defekten Drehbrücke vorbei – das nautische Nadelöhr von Lefkas.

Ich bestaune diese Brücke, die mich schon als Segler sehr viel Hirnschmalz gekostet hat.

Würde man einen Tunnel oder eine feste Verbindung bauen, verlöre Lefkas den begehrten Inselstatus

In Lefkada parken wir an der Marina. Der Großparkplatz ist zu dieser Jahreszeit gebührenfrei, der Leihwagen steht sicher.

Wir schlendern in die Fußgängerzone und schauen ein bisschen in die Schaufenster der Anbieter. Wir kommen an Tavernen vorbei, aber alle haben mehr den Charme dieser typischen Touristenfallen.

Vermutlich lag es auch an uns, dass wir nicht mehr Mühe in die Suche investiert haben – die Linsenmahlzeit liegt einfach noch nicht lange genug zurück.

So beschließen wir kurzerhand, jetzt erstmal nur ein Eis zu essen – das zweite erst, seit wir Leros den Rücken gekehrt haben.

War auch ziemlich gut – aber vergleichsweise teuer

Dann, so unser einstimmiger Beschluss, fahren wir zurück in unser Appartement in Preveza, sortieren uns neu und entscheiden dann, was es heute noch als Dinner geben soll.

Gedacht – gemacht!

Wir fahren stadtauswärts, entlang des Kanals für Boote und erreichen abermals die mehrfach erwähnte Brücke.

Hier bin ich 2012 mit der alten NESSAJA durch
Heute queren wir die Brücke mit dem Auto

Die Durchfahrt durch den Lefkas Kanal nebst Brückenpassage, war damals ein kleines Abenteuer für uns. Als Kroatiensegler kannten wir so etwas kaum, zudem wurde vor der Nordseite regelrecht gewarnt – es gäbe viele Untiefen dort, man müsse sehr vorsichtig navigieren.

Damals hat alles geklappt – heute werden die Erinnerungen zurück ins Gedächtnis gerufen.

Es war ein schöner Tagesausflug, es hat sich gelohnt.

Wir fahren zurück nach Preveza – die Sonne geht unter
Oh, ein neuer Freund

Als wir an der Ferienwohnung ankamen, war es schon dunkel. Der Hund, der normaler Weise vor dem Supermarkt liegt, hat es sich unmittelbar vor unserer Haustüre gemütlich gemacht.

Er hat sich auch durch unsere Rückkehr nicht stören lassen. Nichtmal die zwei Scheiben Salami, die Sibylle ihm direkt vor die Nase gelegt hat, haben den dicken Vierbeiner aufgeweckt. Später hat er die Häppchen aber doch registriert und dankbar gefressen.

Wir machen essenstechnisch auch eher kurzen Prozess – wir gehen in die Fischtaverne vom ersten Tag, bestellen uns jeder nur ein Hauptgericht, essen und lassen den Tag dann ausklingen!

Das Scampi Saganaki hat es ihr angetan

Unser letzter voller Tag in Preveza bricht an. Wir fahren abermals durch den Tunnel auf die Seite der Marinas und begeben uns für letzte Vorbereitungen noch einmal an Bord der ELOWYN.

Direkt vor „unserer Haustüre“ war der Hausmeister zu Gange und hat die Büsche geschnitten. Seine pragmatische Vorgehensweise und das daraus resultierende Ergebnis, haben es uns angetan.

SO schneidet man Büsche

Wir nehmen ELOWYN wunschgemäß vom Strom, stellen alle Schalter auf „OFF“ und befestigen noch Infozettel für die Monteure.

Das sieht zwar immer etwas albern aus, ist aber wirklich hilfreich – ich weiß das aus eigener Erfahrung!

Warn- und Infozettel für die Monteure
Auch bei den empfindlichen Carbon-Steuerrädern

Ich gehe die Checkliste noch einmal final durch und bin zufrieden – kein Punkt offen, alle neuen Aufgaben erfasst und priorisiert.

Jetzt sind erstmal die Jungs aus der Cleopatra Marina dran, die haben eine Mammutaufgabe zu stemmen.

Sibylle und ich verabschieden uns vom Team und machen ein letztes Bild – dann verlassen wir die Marina. Unsere Aufgaben für dieses Mal sind erledigt. Wann wir wieder hierher zurückkommen, wird der Verlauf des Refits zeigen.

Alles hat geklappt – wir sind zufrieden! „Word Up!“

Yassou ELOWYN – bis zum nächsten Mal

Heute sind wir schon am frühen Nachmittag zurück in Preveza. Wir genehmigen uns einen Nachmittagskaffee und eine süße Sauerei – sowas braucht es auch ab und an!

Sibylle gönnt sich einen Kuchen…
Ich entscheide mich für eine lokale Köstlichkeit

Zurück im Appartement, packen wir unsere Taschen vor und sehen nach, was wir von den Lebensmitteln mit auf die Reise nehmen wollen und können.

Zum Glück müssen wir nicht allzuviel wegwerfen.

Das Dinner des letzten Abends fällt vergleichsweise bescheiden aus, wir wissen langsam nicht mehr was wir wählen sollen.

Kalbsstifado mit Kritharaki Nudeln

Ich gönne mir ein Stifado, Sibylle beschränkt sich auf Salat – auf Meze verzichten wir.

Wir verabschieden uns von Vasso und lassen sie wissen, dass wir im Winter wohl noch einmal kommen werden. Dann gehen wir zurück ins temporäre Zuhause – die letzte Nacht bricht an.

Ich wache am kommenden Morgen etwas früher auf. Ich starte noch einmal meinen Rechner um meine Mails zu beantworten und auch selbst ein wichtiges abzusetzen – mein Sohn Stefan hat heute Geburtstag, als Papa will ich schon bei den ersten Gratulanten dabei sein!

Ich schicke Stefan eine Nachricht – die Pflicht ist erfüllt

Natürlich möchte ich es nicht dabei belassen. Sibylle und ich wollen schon persönlich gratulieren und halten um einen Termin zum Videocall an – dazu senden wir ein Bewerbungsfoto 😉 …

Happy Birtday – wann können wir per Video telefonieren?

Ob es an unserem Bild lag oder an etwas Anderem – wir werden es nie erfahren – auf jeden Fall war irgendwie der Wurm drin.

Der vielbeschäftigte Junior fand den ganzen Tag keine Zeit für ein Telefonat – hat mich irgendwie traurig gemacht, schwer zu beschreiben. Aber ich kann mich ja nicht beschweren – wäre ich nicht in Griechenland, wäre ich vermutlich auch auf dem Besuchskalender des Filius gestanden.

Für uns war jedenfalls der Moment der Abreise gekommen – wir legen also den Schlüssel zurück in den Schlüsselsafe und geben der Vermieterin Bescheid, dass wir jetzt abgereist sind.

War schön – auf Wiedersehen

Wir tragen unsere Koffer zum Leihwagen, bepacken diesen und starten den treuen Begleiter – nächstes Ziel ist Nafpaktos!

Wieder fahren wir zurück über einsame Straßen, zunächst den gleichen Weg bis zur Rio-Brücke, ab hier bewegen wir uns auf neuen Pfaden.

Nach insgesamt rund 150km erreichen wir die kleine Hafenstadt an der Nordküste des Golfs von Korinth.

Schon bei der Anfahrt erkennen wir die imposante Burg, die über der Stadt thront – warum nicht gleich dorthin abzweigen und sie zum ersten Sightseeing der Rückfahrt machen?

Nach ein paar Serpentinen erreichen wir die erste Burgmauer
Sibylle liebt solche Stätten
Schon imposant – und gut erhalten
Wunderbarer Blick auf den Golf
Beeindruckende Gemäuer

Sibylle wollte ins Innere der Burg und sich auch die vielen Stufen antun – diese waren von außen schon erkennbar, ich hatte dazu keine Lust und wollte unten warten.

Die Dame an der Kasse hat wohl den Eindruck bekommen, dass ich die 3.-€ Eintritt nicht zahlen will und hat daraufhin für eine Griechin ziemlich untypisch reagiert – „…wenn ich nicht bezahle, darf ich auch nicht hier auf meine Frau warten – ich müsse die Burg ganz verlassen!“

Ok, wenn sie das sagt und so will – wo ich warte ist mir ziemlich wurscht!

Im Gehen erhasche ich noch einen – kostenlosen – Blick auf Nafpaktos
Dann warte ich vor dem Burgtor und genieße den Ausblick auf die Stadt…
…und den riesigen Friedhof

Nach etwa einer halben Stunde kommt Sibylle wieder. Ich habe derweil Menschen beobachtet – wir beide hatten Spaß! Es kann so einfach sein…

Ok, jetzt aber – auf geht´s, wir fahren in die Stadt, wir fahren nach Nafpaktos.

Ich wusste den Ort inzwischen meinen Erinnerungen zuzuordnen. Diese gehen alle auf die schon angesprochene Überführungsfahrt der alten NESSAJA von Leros nach Rab in Kroatien zurück – dies war im Jahr 2012.

Damals sind wir durch den Kanal von Korinth gefahren und haben dann den Golf von Korinth vor dem Bug gehabt. Durch unsere Durchfahrtzeit im Kanal, war es uns nicht möglich, den Kanal in einem Rutsch zu Durchfahren, wir mussten pausieren.

Einen Stop wollten wir in einem pittoresken Minihafen machen – Nafpaktos! Ich erinnere mich sofort, als ich den kleinen, venezianischen Hafen wiedersehe.

Die vollständig erhaltene alte Stadtmauer um den Hafen
Der nahezu kreisrunde venezianische Hafen von Nafpaktos
Hier waren wir 2012 schon – aber unter anderen Vorzeichen

Damals war der Hafen gerammelt voll! Das lag daran, dass stetig eine ganze Menge der kleinen Fischerboote der Einheimischen hier liegen. Dazu kommen eine Handvoll Gastlieger – insgesamt wirkt der kleine Hafen dadurch natürlich sehr beengt!

Wir hatten 2012 den Bug von NESSAJA reingesteckt, sofort erkannt, dass für uns kein Platz mehr ist und sind rückwärts wieder raus. Einen Besuch von Nafpaktos gab es damals nicht!

Dies holen wir heute nach! Wir finden einen Platz in einem der Cafés am alten Hafen, aber leider bedient man uns nicht – wir waren geduldig und haben echt lang gewartet, aber als nach 30 Minuten immer noch niemand bei uns am Tisch war sind wir wieder gegangen.

Klar, es war richtig was los – in Griechenland war langes Wochenende aufgrund des Nationalfeiertags am 28.10., also am kommenden Montag. Die Städtchen putzen sich heraus…

Fahnen überall – der „Oxi-Day“ wird überall gefeiert

Wir bekommen doch noch einen Kaffee serviert – allerdings in einem anderen Café. Wir hatten kurzerhand den Platz gewechselt und uns in eines der Strandcafés verholt.

Dort ist aber ebenfalls ein Faux-Pas passiert – wir haben nämlich einen Pancake bestellt…

Heute einen Freddo Cappuccino
Sieht gut aus – und nicht zu knapp bemessen

Als Sibylle geordert hat, war ich gerade am Telefon. Ich wusste, dass sie einen süssen Pancake bestellt hat, aber nicht welchen exakt.

Wir Beide bestaunen nun den Kaventsmann, der uns auf den Tisch gestellt wird – wow! Der war nämlich nicht von schlechten Eltern!

Aber er war witzig hergerichtet! Es sah aus, als ob er mit Käse überbacken wäre und ein Spiegelei obendrauf hätte – was man mit Vanillesosse und einem Pfirsich alles machen kann!

Ihr ahnt was kommt…

Ich schneide einen großen Fransen ab, schiebe mir die Gabel in den Mund und…. es IST Spiegelei und Käse! Lecker zwar, aber nicht das was wir bestellt hatten!

Sibylle hadert, sie will nichts Deftiges! Die Bedienung hat offensichtlich etwas falsch verstanden. Ich kaue derweil am zweiten Bissen des leckeren Pancakes.

In diesem Moment kommt eine andere der jungen Bedienungen mit einem „Lila Pause Pancake“ – jetzt haben wir den Salat!

Ja dann – guten Appetit

Was jetzt folgt, waren Sekunden allerfeinsten Slapsticks – die Bedienungen merken, dass da was falsch gelaufen ist. Ich kaue meinen Pancake, der nur noch zu 30% auf meinem Teller liegt und stelle dabei fest, dass dies gar nicht mein Pancake ist – während dessen schaut mich der junge Mann am Nachbartisch traurig an. Ich ziehe die Schultern hoch und blicke ihn entschuldigend an.

Die Bedienungen gehen, um das Malheur in der Küche zu klären. Sibylle schneidet mit dem Messer in ihre süsse Kalorienbombe. In dieser Sekunde kommt die Bedienung geflitzt und will ihr den Teller unter dem Messer wegziehen!

Sibylle glotzt sie mit aufgerissenen Augen an – die zweite Bedienung eilt herbei…

Der Fehler ist gefunden! Wie vermutet war MEIN Pancake für den Nachbartisch. Inzwischen ist mein Tellerchen leer – gut war er schon…

Sibylle hat ihren dagegen nicht geschafft – ohne meine Hilfe geht halt nix 😉

Wir fahren weiter, nächstes Ziel Galaxidi!

Die Türe zu unserem Appartment für zwei Nächte

Aufgrund des bereits erwähnten „Oxi-Day“ war es uns nicht möglich eine Übernachtung in Nafpaktos zu finden – alles ausgebucht!

Auch Galaxidi war schwierig, aber nach wirklich langer Recherche und nach dem Aufweichen unserer Suchkriterien, haben wir doch noch etwas gefunden.

Das Appartment „Anais“ war schwer zu finden und schlecht zu erreichen, aber dafür sehr zentral und doch relativ ruhig gelegen. Auf den ersten Blick wirkte es sehr nett und einladend.

Wohnlich

Auf den zweiten Blick allerdings realisiert man, dass es letztlich doch nur ein renovierter Kellerraum ist – wohnlich zwar und für zwei Nächte auch wirklich ausreichend, gemessen am Preis aber eigentlich überteuert.

Egal, wir sind froh etwas gefunden zu haben, hier bleiben wir. Wo ist eigentlich meine Brille? Ich weiß, im Auto vergessen, am Sitz!

Dumm nur, dass ich mich nochmal reingesetzt habe…

Ich biege mir die plattgesessene Sehhilfe wieder zurecht

Wir entern den Ort und sehen uns mal etwas um. Galaxidi ist nicht so groß, man kann den ganzen Ort fußläufig erkunden. Ich dachte zunächst, dass wir 2012 auch hier für eine Nacht festgemacht hatten, musste das aber später, nach Ansicht der alten Unterlagen, revidieren.

Versäumt haben wir damals aber nichts, denn bis auf den netten Dorfplatz, einer Straße mit netten Bars und Kneipen und der kleinen Riva mit einem halben Dutzend Touristenlokalen, hat Galaxidi wenig zu bieten.

Aber auch dieser Ort schmückt sich für den Nationalfeiertag.

Der Dorfplatz ist durchaus hübsch
Made in Greece? Wohl eher nicht
Ich zögere noch…

Wir waren groggy! Heute morgen waren wir ja noch in Preveza! Jetzt sind wir einen Tag unterwegs, haben viele Eindrücke gesammelt und ein paar Kilometer abgespult.

Für heute reicht es, noch ein kleines Dinner und dann ab ins Bett.

Wir suchen uns eines der Fischlokale aus – der Ober, vermutlich eher der Wirt, begrüßt mich – „Welcome! Where are you from?“ Höflich antworte ich, wohlwissend was kommt, „Thank you, we are from Germany!“

Es folgt ein „Ahhhhh, gutten Abbend, wielkommen, wie gät es ihnen?“ – mir dreht es die Nägel auf und ich weiß, dass es an mir liegt, aber ich hasse das! Warum will er in Gottes Namen unbedingt Deutsch mit mir sprechen? Er kann nichts außer diesen einen Satz und er ist Grieche!

Ich antworte so gut ich eben kann „Ευχαριστούμε, πάμε πολύ καλά, χαίρομαι που βρίσκομαι εδώ“ Er sieht mich an, wirkt etwas verdutzt, nimmt aber ab hier unsere Bestellung in recht gutem Englisch auf.

Nicht schlecht – nicht herausragend
Wir bestellen eher defensiv

Nein! Ich bin nicht überheblich oder unfreundlich! Ich kann aus meiner Reiseerfahrung auch gut unterscheiden, ob jemand mit mir Deutsch sprechen will, weil er / sie stolz darauf ist ein paar Brocken zu können, worauf ich mich immer und geduldig einlasse, oder ob jemand sich eine, aus meiner Sicht ziemlich doofe Art angeeignet hat, Touristen von der Straße zu fischen.

Im Normalfall ist es für mich ein sofortiges Killerkriterium, wenn ich vor Tavernen auf Deutsch angesprochen werde. Hundertmal lieber bin ich in einer Taverne, in der die Wirtin NUR Griechisch spricht und ich mit Händen und Füßen, sowie eine Translate-App, an mein Essen kommen muss.

Entschuldigung – aber das musste raus…

Wir gehen ins Bett und schlafen heute Nacht nicht gut. Warum kann ich nicht sagen – kommt halt mal vor.

Ich wache gerädert auf und sehe mich um. Sibylle schläft noch. Ich glotze auf den alten, handbemalten Paravent – die Vermieterin hatte erzählt, dass eine Freundin diesen bemalt hätte.

Ich sehe ihn mir genauer an…

Verspielt, viele Brüste und nackte Hintern – die Freundin hatte ein zentrales Thema vor Augen

Mein Blick bleibt bei dem Bild mit dem Paar hängen. Es gibt überhaupt nur ein Bild mit einem Paar, sonst nur elfengleiche, nackte Weiber…

Aber Moment – da muss ich nochmals genau hinsehen. Sehe ich das richtig?

Was machen die Beiden da???

Es erschließt sich mir nicht ganz, welche Hand wo ist – klar ist nur, die Hände treffen sich in Leibesmitte!

Ich verstricke mich in Tiefenpsychologie – was will die malende Freundin transportieren? Welche Gedanken sollen vermittelt werden? Was hatte die Schöpferin vor ihrem geistigen Auge?

Bis zum Schluss erschließt sich mir nicht, was die Protagonisten aus Farb´und Pinselstrich hier eigentlich machen…

Wie ist das zu deuten

In diesem Augenblick wacht Sibylle auf. Ich erkläre ihr sofort meine Gedanken. Sie sieht mich ungläubig an, schüttelt den Kopf und dreht sich um, um noch etwas zu Schlummern.

Banausin! Ein klein wenig Interesse für meine Gedankenwelt hätte sie vorheucheln können!

Wir gehen in das Hotel der Gastgeberin. Dort könnten wir am Frühstück partizipieren, das würde nichts kosten. Ich konnte nicht ahnen, dass vor uns das schlechteste Frühstück unseres Lebens lag.

Mir fehlen beim Tippen dieser Zeilen die Worte, um das Frühstück zu beschreiben, an dem Morgen fehlte mir zudem der Mut, ein Foto von meinem Teller zu machen.

Egal, wir kaufen uns noch etwas am Weg…

Dieser Weg führt heute zum Highlight unserer Reise – wir besuchen Delphi und müssen dafür in die Berge fahren.

Vom Meer aus schraubt sich die Straße hoch – durch eine beeindruckende Landschaft
Wir erreichen Delphi und finden glücklicher Weise einen regulären Parkplatz

Wir kaufen uns zwei Tickets zu je 12.-€ und nehmen uns vor, die ganze Anlage zu besichtigen.

Das Ticket gilt nicht nur für die Ausgrabungsstätte, sondern darüber hinaus auch für das Museum. Auch dort wollen wir zumindest einmal hineinsehen.

Also auf geht´s – wir sind nicht die ersten, aber immer noch früh genug dran. Wie sich das entwickelt, konnten wir jetzt noch gar nicht ahnen.

12.-€ für die ganze Anlage inklusive Museum ist ok
Die antiken Ruinen beeindrucken
Delphi liegt am Hang – man hat stets eine atembraubende Sicht
Sibylle ist interessierter als ich – Tafeln lese ich eher selten
Es gibt mehrere dieser „Schatzhäuser“
Die Säulen des damaligen Apollon Tempels
Schlangensäule vor dem Apollon Tempel
Das Theater – von der Arena aus…
…und von oben über die Tribüne
Die Arena

Ich mache es kurz – die ganze archeologische Stätte von Delphi ist wirklich atemberaubend und beeindruckend – sie ist die Mühe eines Besuches wert! Immerhin besucht man den Ort, der damals für den Mittelpunkt der Welt gehalten wurde! Heute ist Delphi Weltkulturerbe – zu Recht!

Egal wo man hinschaut – man entdeckt immer wieder kleine Details – seien es Inschriften oder wunderschöne Mosaike.

Das alles vor dem Hintergrund der Zeit, in dem solche Städte gebaut wurden! Ich lasse mich da schon fangen, es begeistert mich!

Inschriften auf den Steinen der Mauern
Gut erhaltene Mosaike

Wir hatten Glück! je später es wurde, desto mehr Besucher kamen. Inswischen füllte sich die Anlage, für uns war es Zeit zu gehen!

Überhaupt hatten Sibylle und ich einen guten Kompromiss gefunden – ich bin mit ihr ohne zu maulen die ganze Anlage abgelaufen, wir haben alles gesehen. Sie hat im Gegenzug nicht jede Tafel gelesen!

Bleibt eine Frage offen – wo ist das Orakel? Ich will das Orakel sehen!

Zu unserer Enttäuschung stellen wir fest, dass das Orakel gar nicht in dieser Anlage ist – es ist weiter die Straße abwärts, dort sind wir schon vorbei. Da inzwischen Verkehrschaos herrscht, glauben wir das Orakel verpasst zu haben – wir nehmen dies enttäuscht hin!

Gehen wir halt stattdessen ins Museum – auf der Straße geht es ohnehin weder vorwärts noch rückwärts – Polizisten und genervte Autofahrer schreien sich an, während die Polizei Strafzettel schreibt.

Das Museum ist auch sehr schön – solltet ihr mal in Delphi sein, lasst es nicht aus!

Hier war es nicht überlaufen
Wenn man sich vorstellt, wie alt das Zeug ist
Die Zwillinge Apollon und Artemis
Der silberne Bulle von Delphi
Goldschmuck dieser Zeit
Das Museum ist modern und offen

Wir waren geflasht – Besuch in Delphi? „Word Up!“

Das erste Chaos rund um die Verkehrs- und Parksituation in Delphi war vorüber. Die Polizei regelt inzwischen den Verkehr, dass Strafzettel verteilt wurden und werden, hat sich herumgesprochen, die Straßen sind weniger zugeparkt.

Wir gehen trotzdem erstmal auf einen Kaffee, bevor wir den Ausflug fortsetzen. Dafür suchen wir uns ein Terrassencafé im Ort Delphi, von dem aus man einen herrlichen Weitblick hat.

Teuer – aber jeden Cent wert

Ein Segelfreund hat uns den kleinen Bergort Arachova zur Besichtigung empfohlen. Es sei irgendwie surreal, wenn man in Griechenland verweilt und einen Skiort besucht – dieser strahle eine Atmosphäre wie ein italienisches Bergdorf aus…

Wir sehen uns das auf der Karte an und erkennen, dass zum einen Arachova gar nicht so weit entfernt ist, vielleicht etwas mehr als 20km, zum anderen aber, sich die Option ergäbe, noch einmal beim Orakel vorbei zu fahren.

Diese Chance wollen wir auf jeden Fall nutzen und beschließen daher – auf nach Arachova!

Nach nur 3km haben wir bereits den Ort erreicht, an dem das Orakel zu finden sein soll. Wir sehen an den Autos hier keine Strafzettel – vermutlich zu weit außerhalb.

Da sich auch noch eine Parklücke direkt vor dem Eingang auftut, wollen wir uns das Risiko eines zehnminütigen Besuches des Orakels zugestehen – und auch das war eine gute Entscheidung!

Da steht nix vom Orakel – wer sich nicht in den Lageplan vertieft findet es nicht sofort
Weltkulturerbe ist es allemal
Da ist es also – das berühmte Orakel von Delphi

Ob es mir etwas orakelt hat? Ja, aber ich verrate nicht was! Wenn die Prophezeiung eintritt, werdet ihr es im Blog erfahren 😉 !

Wir waren happy! Jetzt war unser Delphi Besuch wirklich komplett und eine runde Sache! Zufrieden setzen wir die Fahrt in den kleinen Bergort Arachova fort…

Dort angekommen, bemerken wir rasch, dass wir nicht die Einzigen waren, die dieser Idee gefolgt sind. Der kleine Ort war überlaufen wie Tegernsee an einem sonnigen Herbstwochenende.

Wir sehen viele Bars und Tavernen, finden aber keinen freien Platz. Die Geschäfte bieten Ihre Waren in schön dekorierten Schaufenstern feil – alles sehr liebreizend hier, man kann von Ski bis zum Damenschlüpfer alles erwerben. Namehafte Marken geben sich ein Stelldichein.

Mein Blick bleibt an einer Zuckerbäckerei hängen…

Brutaler gehts kaum – armdicke Zuckerstangen

Offen gesagt, mich erschlägt sowas immer ein wenig. Ich bin nicht so der Fan von Menschenmassen – daher gehen wir einmal den Ort auf und ab, um dann zu beschließen, dass wir unsere Fahrt fortsetzen.

Sibylle möchte sich das Skigebiet einmal ansehen, dafür müssten wir aber noch ein paar Kilometer fahren.

Die Gassen des Ortes sind eng, es droht der Verkehrskollaps – eigentlich habe ich keine Lust durch den Ort zu stauen um dann kahle, schneefreie Skipisten anzusehen.

Aber Sibylles Wunsch ist mir Befehl und so nehme wir das Skigebiet „Parnassos“ im gleichnahmigen Gebirge als Ziel in Google Maps auf.

Zunächst müssen wir durch den Ort

Was wir nicht wirklich geahnt haben ist, dass die Skigebiete doch ein ganzes Stück im Hinterland liegen. Wir hatten gedacht, dass es vielleicht ähnlich wie das Verhältnis Schliersee nach Spitzingsee ist, aber weit gefehlt!

Wir fahren noch einmal rund 25km und schlängeln uns dabei über Serpentinen in die Höhe. Die Landschaft war fantastisch und die Bergwelt ist beeindruckend. Spürbar war aber auch, dass das Thermometer von 30°C auf 15°C fiel.

15°C ist schon frisch – wir waren in kurzer Hose und T-Shirt unterwegs

Die Berggipfel des Parnass liegen auf 2.450m! Das war uns so nicht bewusst. Erst als wir an der Talstation des Skigebietes angekommen waren, diese lag weit jenseits der Baumgrenze, waren wir neugierig und haben nachgesehen wie hoch wir eigentlich sind.

Fast 1.800m – nicht wenig

Das Skigebiet selber, ist mit modernen Liften ausgestattet und sieht ansonsten aus wie jedes andere Skigebiet in dieser Höhe – eher trostlos…

Ein paar Verrückte trafen sich hier oben – die eine Gruppe waren junge Autofreaks, die mit ihren PS-starken Boliden Donuts auf den Asphalt des Parkplatzes malten, die anderen waren ein paar Fußgänger, nicht Wanderer, die sich vorgenommen haben den ersten steilen Teil der Skipiste nach oben zu latschen.

Gerade hoch, auf losem Schotter – na wenn es denn Spaß macht…

Wir machen ein paar Bilder, dann fahren wir zurück – wir haben gesehen was wir sehen wollten, unser nächstes Ziel heißt Galaxidi.

Doppelmayr Liftanlagen an kahlen Berghängen
Alle 500m ein Parkplatz zum Anlegen von Schneeketten

Die komplette Rückfahrt nahm doch etwas mehr als eine Stunde in Anspruch. Zurück im Appartement, blieb gerade noch genug Zeit, dass wir uns etwas frisch machen konnten, dann mussten wir schon wieder los.

Heute haben wir nämlich einen Tisch im Meze Lokal des Ortes reserviert. Es ist ein sehr ansprechendes, kleines Lokal mit besten Google Bewertungen.

Wir freuen uns, wir haben Hunger!

Im „O Bebelis“ sitzt man gemütlich und isst gut
Ein einladendes Meze-Lokal

In dieser Nacht haben wir etwas besser geschlafen – das war gut so, denn wir müssen heute noch einmal auf die Straße. Es ist der Tag an dem wir nach Hause reisen werden, zugleich ist „Oxi-Day“ in Griechenland, es ist der 28.10.!

Ich hatte abgeklärt, dass ich das Auto am Feiertag zurückgeben kann, wir würden aber überall etwas aufpassen müssen. Mit Verkehrsbehinderungen ist, speziell in Ortschaften und um Athen herum, zu rechnen.

Wir fackeln heute nicht lange – auf das „Frühstück des Grauens“ verzichten wir, den Check-Out nehmen wir selber in die Hand…

Schlüssel verbleiben im Appartement

Wir schreiben eine Mail an die Gastgeberin, bedanken uns und weisen darauf hin, dass wir den Schlüssel im Appartment hinterlassen haben.

Dann geht es los – entlang der „Old National Road“ fahren wir mautfrei Richtung Athen.

Sibylle bekommt Hunger, wir wollten unterwegs einen Happen essen und einen Kaffee trinken.

Dafür sucht Sibylle den Ort Livadia aus – an einem Fluß gelegen, idyllische Cafés, so steht es in Google geschrieben. Diesen Teil des Ortes finden wir zunächst aber nicht – wir landen direkt im Ortszentrum, auch hier wird alles für die Festtagsparade vorbereitet.

Der Snack ist schon in Vorbereitung
Sibylle gönnt sich ein Tiropita – und sitzt unter Limettenbäumen…
…mitten in der Stadt

Ok, Sibylles Hunger ist gestillt, der erste Kaffeedurscht ist mit einem Becher Cappuccino auch gelöscht – es droht keine Gefahr mehr! Um ein Wohlfühlgefühl zu generieren braucht es aber mehr – Wünsche müssen erfüllt werden.

Also machen wir uns auf die Suche nach den beschaulichen Cafés an dem Fluss mit den Mühlen und alten Stellwerken…

Wir finden diesen Teil des Ortes auch, es war durchaus nett dort, aber auch wieder nicht so, dass man hätte länger verweilen müssen. Wir Beide genehmigen uns einen weiteren Cappuccino, diesmal aus der Tasse, setzen dann aber die Fahrt Richtung Präus fort – für einen Spaziergang entlang des Flusslaufes fehlt mir die Ruhe.

Den Fluss haben wir gefunden
Hier hat es die alten Krafträder und Stellwerke

Die Straße zieht sich kilometerlang durch teils spannende, teils eher öde und triste Landschaften.

Mir fallen kleine weiße Wattebäusche am Straßenrand auf – unser erster Gedanke war Baumwolle, aber über so viele Kilometer???

Da irgendwann der Alternativgedanke „Blüten“ auch nicht mehr haltbar war, habe ich kurzerhand einen Stop eingelegt um so einen Bausch einmal anzusehen und anzufassen.

Wie ein Wattebausch, ganz klar Baumwolle

Der Zufall wollte es, dass kurz nach unserem Erkenntnis bringenden Stop, erste Anhänger mit Resten von Baumwolle zu sehen waren. Kurz darauf erste Fabriken – die Gewissheit!

Griechenland ist ein großer Baumwolllieferant, das wissen wir seit unserer Motorradtour. Dass diese auch hier angebaut wird, ist neu für uns.

Kilometerweit – mal mehr, mal weniger

Piräus lag vor uns, die Fahrt hat super geklappt, keine Probleme, keine Verzögerungen. Wir sind dadurch aber viel zu früh dran und haben mindestens zwei Stunden zur freien Verfügung – was tun?

Ich schlage vor, dass wir das Rad doch nicht neu erfinden müssten, wir könnten doch die Wartezeit „wie immer“ verbringen – mit einem Snack und einen Nachmittagskaffee in der Zea-Marina!

Die Marinaanlage ist schön, die Lokale haben offen und sind einladend. Zudem müssen wir nicht durch die Stadt fahren um dort anzukommen.

Da der Umweg wirklich überschaubar ist, stimmt Sibylle zu – und so finden wir uns nach kurzer Zeit in der Nobelmarina in Piräus wieder.

Ganz schön was los – „Oxi-Day“, die Griechen sind unterwegs und genießen den Feiertag
Luxusyachten soweit das Auge reicht

Wir bekommen gerade noch einen freien Tisch im „Barong“, unserem Stammcafé, wenn wir hier verweilen.

Ich habe Hunger und beschließe, lieber jetzt etwas zu essen und dafür auf der Fähre das Abendessen ausfallen zu lassen. Ich ordere mir einen „Barong Burger“, Sibylle lässt es mit einem Club Sandwich gut sein.

Hat was, kann was

Leider hat mein Freund Harry keine Zeit für ein Treffen, er ist durch den Feiertag in familiäre Verpflichtungen eingebunden – macht nix, dann eben wieder nächstes Mal.

Sibylle und ich gehen ein paar Schritte und sehen uns die Schiffe an, es ist schon Wahnsinn, was hier für Werte liegen.

Die 30m Wally AUGUSTA
Eine „Perini Navi“ 50m BARRACUDA – kann man chartern für 185.000.-€ – die Woche!

Ich muss an unsere kleine NESSAJA denken, bald sind wir wieder zurück! Ob Volker angesichts dieser Boliden auch an seine kleine ELOWYN denken würde, vermag ich nicht zu beurteilen – aber wie auch immer, ein Besuch in Zea Marina zeigt, nach oben gibt es kaum Grenzen!

Sibylle denkt, wie ich auch, an den heutigen Geburtstag eines Enkelkindes! Otto wird heute 7!

Klar, dass Oma und Opa Hellas da anrufen müssen – wir suchen uns einen Platz und machen einen Videocall…

Liebe Grüße – und feier´ schön!
Zum Abschluss noch ein Eis – dann ist die Wartezeit vorbei

Nachdem wir unser Eis geschlotzt hatten, war es soweit. Wir starten ein letztes Mal unseren treuen Püscho und tuckern rüber in den Piräus Port an Gate E1 – von hier fahren die Fähren in den Dodekanes.

Ich verständige den Verleiher, dass ich eine halbe Stunde vor Termin hier sei, wenn er wolle kann er gerne kommen.

Die Antwort kam postwendend – „I´m in the bus, will arrive in 5min!“ DAS nenne ich perfekt! „Word Up!“

Wir geben den Wagen zurück, die Fähre wartet schon

Alles klappt reibungslos! Unser Kalkül, dass wir als Fußgänger schon früher auf die Fähre dürfen, geht ebenfalls auf.

Wir checken also ein und gehen nur kurz in unsere Kabine um die Koffer abzustellen – dann verholen wir uns in den Salon und gönnen uns einen Ouzo auf die gelungene Reise. Den Rest der Wartezeit bis zum Ablegen verbringen wir hier – bei bester Aussicht!

Kurz in die Kabine eingecheckt
Dann einen Sitzplatz in erster Reihe ergattert
Der Ouzo war verdient – auf die gelungene Reise

Wir sitzen zusammen, schlürfen unseren Anisschnaps und klönen. Wir lassen die Reise und das Erlebte Revue passieren.

Vor uns ziehen die Schiffe vorbei, alle fahren Richtung Hafenausfahrt.

Plötzlich sehe ich Ungewohntes – eine weiße Bugwelle, aber das Schiff dazu fehlt, zumindest ist es nicht zu sehen. Was fährt da durch den Hafen? Unbeleuchtet und schwarz wie die Nacht???

Ihr ahnt es sicher…

Ein U-Boot verlässt Piräus – vermutlich war es wegen des „Oxi-Day“ zu Besuch

Bald darauf fährt auch unsere BLUESTAR II in die pechschwarze Nacht. Wir sehen auf die Uhr, es ist erst 18.45 Uhr – sollen wir wirklich schon ins Bett gehen?

Ja! Das machen wir heute! Die Nacht wird ohnehin unruhig und zerissen!

Biepbiepdudeldudeldu – der Wecker macht sich bemerkbar, es ist 03.00 Uhr. Wir stehen auf, ziehen uns an und gehen wortlos nach oben – um 03.35 Uhr legen wir in Leros an, die Passagiere sind zum Aussteigen aufgefordert.

Leros hat uns wieder – nach 14 Tagen

Obwohl ich gar nicht mehr so müde war, konnte auch ich noch einmal einschlafen, so war es schon 08.45 Uhr, als wir am „echten“ Morgen dieses Tages aufgewacht sind – in unserem Bett, zurück auf NESSAJA.

Leros hat uns wieder! Es hat sich nach längerer Abwesenheit angefühlt als es letztlich war. Ich freue mich, dass ich wieder zurück bin, habe aber auch den Eindruck, dass es Sibylle ebenso geht.

Wir treffen unsere Freunde und freuen uns jeden Einzelnen zu sehen – Ralf und Ina von der CHILI, Martin von der STENELLA II, Roland und Mireille von der SUNNY SIDE UP, sowie Tim und Jasmin von der TAO 3, um nur einige zu nennen!

Es sind noch soviele bekannte Gesichter hier, es ist schön zurück zu kommen und alle wieder zu treffen.

Ed hat mir die Schlüssel für seine EDINA hinterlegt, ihr erinnert euch sicher – ich hab´ die schöne CNB 60 also „wieder an der Backe“ 😉 – mach´ ich gerne!

Ich sehe sofort nach Pauls INSPIRATION, ich werde unmittelbar nach dem Blog die Verkaufsanzeige aufsetzen, diese findet ihr bald unter „Boote die zum Verkauf stehen

Paul verkauft seine Bavaria 39 Cruiser

Unser erstes Dinner führt uns wohin? Natürlich! Zum „SouVLakki“! Ich habe auf der Reise kein Giros gegessen und bis heute gewartet – ich labe mich an den leckeren Gerichten und sogar Sibylle freut sich, einmal wieder hier zu sein.

Den Abend mit Jasmin und Tim zu verbringen war überfällig und für uns sehr kurzweilig und interessant. Es würde uns freuen, wenn es nicht der letzte gewesen wäre.

Ich kann gar nicht so schnell fotografieren wie ich es aufesse

Natürlich waren wir auch in unserer Lieblingspizzeria – ich gebe offen zu, dass die Pizza in Preveza italienischer war, aber die aus dem „La Nostra“ ist geschmacklich durchaus auf Augenhöhe, wenn auch mit einem „griechischen Touch“!

Hier waren wir zusammen mit Martin nebst Schwiegersohn und zweien seiner Enkelsöhne – die Jungs mögen Pizza…

Teigfladen füllen den Tisch
Soooo lecker

JAAAAA! Klar, gehen wir auch zu „Repapis“!!! Das beste Eis weit und breit – ich habe es vermisst und gönne mir ein Extrakügelchen.

Die Eismanufaktur in Lakki – love it
Das schmeckt jung und alt

Leider haben wir uns eine saftige Erkältung mitgebracht. Diese war tageweise so schlimm, dass wir an einen Covid-Virus dachten.

Wir erinnerten uns an das Jahr 2021 und die empfohlenen Handlungsweisen – Wahnsinn, wie lange das schon wieder zurück ist. Wir vermissen diese schwierige Phase nicht, entschließen uns aber trotzdem einen Test zu machen.

Nur erkältet

Für mich war es allerhöchste Zeit, trotz meiner schwerwiegenden Erkältung 😉 , mal wieder die Haare geschnitten zu bekommen – ich sehe schon aus wie ein Waldschrat.

Das Haar muss weg!

Sibylle fasst sich, trotz ihrer schwerwiegenden Erklältung 😉 ein Herz und greift zum Werkzeug – mein Haartrimmer läuft schon warm, ich kann in ihrer Haltung durchaus etwas Bedrohliches erkennen.

Letztlich gelingt es ihr, mich an einen Stuhl zu fesseln und mich unter Androhung von Gewalt, von meinem Haupthaar zu befreien – seither weht wieder eine frische Brise über die Epidermis meines Oberstübchens.

Wenn ich dich kriege…
Na geht doch

Ihr merkt schon – viel ist nach unserer Ankunft nicht mehr passiert. Klar haben wir hier und da ein paar Handgriffe zu tun gehabt, aber es war nichts dabei, über was es sich zu berichten lohnen würde.

Wir haben uns neu sortiert, unsere NESSAJA wieder „eingewohnt“ und die Zeit mit Freunden verbracht.

Wir freuen uns, dass wir Plakate sehen, die auf Veranstaltungen im November hinweisen, denn so ist sicher gestellt, dass es uns nicht langweilig wird.

Da möchte ich hin

Der Monat endet mit einem gebührenden Finale – Roland lädt zum Anlass seines 70. Geburtstages!

Wir freuen uns auf die Feier im kleinen Rahmen und das Essen im „Trechantiri“ in Xirokampos. Wir wussten wer kommen würde, freuten uns auf Claude und Brigitte und darauf, mit Giannis und Esther eine neue Bekanntschaft zu machen.

Der letzte Tag des Monats endet
Wir fahren mit dem Motorrad zum „Trechantiri“ nach Xirokampos
Eine Fischtaverne, welche unter den Locals hoch gehandelt wird
Nett dekoriert, man spielt griechische Musik
Eine illustere Runde – wir sind die einzigen Gäste

Esther und Giannis liegen uns sehr – die Beiden sind ein schweizerisch-griechisches Paar und leben wechselweise in der Schweiz und auf Leros. Beide sprechen beide Sprachen fließend.

Spannend ist, dass es genau die Beiden sind, welche die Mangoplantage auf Leros betreiben. Davon haben wir schon oft gehört und waren seit jeher neugierig – jetzt haben wir eine Einladung für nächsten Sommer.

Das freut uns, wir würden uns echt freuen die Beiden wieder zu sehen.

Wir hatten eine Menge Spaß in unserer Runde und haben ausgelassen gefeiert und gegessen.

Gemischte Meze, danach Hautgerichte
Als Nachspeise einen Kuchen

Es war nicht nur einfach ein „Kuchen“ der hier serviert wurde – Esther hatte eine Mango-Mascarpone-Tiramisu gemacht für die es zu sterben lohnen würde.

Ich habe, als alle ihre Wänste gehalten haben, mit dem Finger die Schüssel ausgeschlotzt – so gut war das Teil…

Happy Birthday Roland – bleib gesund…

Der Tag endet, wir schauen noch einmal auf´s Meer und fahren dann nach Hause.

Am Weg fällt uns das erste weihnachtlich geschmückte Haus auf. Die noch allgegenwärtige Halloween-Dekoration wird langsam der weihnachtlichen weichen – der Winter steht vor der Haustüre, auch in Griechenland, auch hier auf Leros.

So klingt dieser Monat aus – „Word Up!“

Der nächtliche Hafen von Xirokampos
Die erste, dafür sehr üppige, Weihnachtsdeko

Ich gehe etwas unsicher und enttäuscht in den November – die Marinaleitung hat mich versetzt, man hat sich einfach nicht mehr gemeldet.

Es sieht also so aus, als ob ich diesen Winter nicht für die Marina arbeiten würde. Das hat Vor- aber auch Nachteile. Ich muss mich dazu erst sortieren, werde aber im nächsten Blogbericht meine sortierten Gedanken teilen – nur soviel, ich bin diesbezüglich genervt, es muss sich etwas ändern!

Ansonsten ist nicht viel offen – ob wir noch einmal nach Preveza müssen, wird der Refitverlauf an ELOWYN zeigen, dies wird aber wohl nicht im November sein.

Im November kommt die SAGITTA zurück in die Marina, Mario und ich werden ein paar Projekte starten – an SAGITTA und an NESSAJA!

Ich erhoffe mir einen entspannten Monat – ob es so kommt, erfahrt ihr im Blogbericht des vorletzten Monats.

Bis dahin bedanken wir uns für euer Interesse – aus Leros grüßen ganz herzlich von Bord der NESSAJA

Mario & Sibylle

September 2024 – Operator, this is an Emergency

Warnung – zum Ende des Berichts gibt es ein Bild von einem Katzenbaby!

Boah, für den vergangenen Monat war es echt schwierig eine Headline zu finden – ich habe mich letztlich für das „one Hit Wonder“ von Midnight Star aus dem Jahr 1984 entschieden…

Der Song selber hat mich schon in den 80ern nie wirklich gepackt – klar, er war funky, man hat ein bisschen mit den Hüften gewackelt und der Text war zu dieser Zeit ohnehin eher zweitrangig.

Heute, exakt 40 Jahre später, gestehe ich mir ein, dass ich nie der „Hero auf dem Dancefloor“ war oder sein wollte, Tiefgang in Liedern scheint mir heute erwähnenswert – und somit war ich fast entsetzt über die schwachsinnigen Lyrics dieses Songs!

Dennoch – der Titel selber passt wie die Faust auf´s Auge! Der neunte Monat des Jahres war von Hilfestellung und Unterstützung unsererseits geprägt – seid gespannt!

Am Anfang fing alles harmlos an…

Der 01. September – Sibylle lädt zum „Skipper´s Breakfast“

Ihr habt vielleicht noch das Ende des Augustblogs im Sinn und wisst daher, dass Sibylles Sohn Florian mit seiner Familie noch auf Leros verweilt.

Es war somit von vornherein klar – die erste Woche des September ist für die Lieben reserviert. Wir wollten unser Leros, unsere aktuelle Heimatinsel, vorstellen und natürlich auch ein wenig von unserem Umfeld und unserer Lebenssituation zeigen – kurz, unseren aktuellen Alltag näher bringen.

Heute stand der Besuch des Kastell von Leros auf dem Plan – Sibylle schlägt ein Frühstück im „Skipper´s“, dem Marinarestaurant, vor – das spare Zeit und diese könne man umgehend einsetzen, um die Details mit der Familie zu planen…

Wir sind in einer halben Stunde soweit! Wann und wo treffen wir uns?

Da das „Skipper´s“ eher ein wenig fancy und auch hochpreisig ist – schade eigentlich – entscheiden wir uns für das Aktionsangebot „Skipper´s Breakfast“. Das kennen wir schon, wir finden es gut und es ist mit 8.50€ inclusive Kaffee wirklich preiswert.

Skipper´s Breakfast – als Starter in den Tag gut geeignet

Dann heißt es „auf geht´s“! Sibylle hat, warum auch immer, vereinbart, dass wir nach Xirokampos fahren um die Familie dort an ihrem Ferienhaus abzuholen.

Das ist per se in Ordnung, aber danach fahren wir direkt an der Marinaeinfahrt vorbei um die lerianische Trutzburg anzusteuern – na egal, ich vermute, dass meine Gattin einfach „überwachen“ wollte, dass auch wirklich alles klappt und perfekt läuft!

So helfen wir noch dabei, alles Notwendige in den kleinen KIA zu packen – Badesachen nicht vergessen – dann geht es los…

Ich fahre über Leros und packe meinen KIA – Badesachen, Getränke, Brotzeit, Taucherbrille und vieles mehr…
Sibylle und ich müssen mit der GS fahren – kein Platz im Kleinstwagen

Sibylle und ich bilden die Vorhut. So ist sicher gestellt, dass Florian sich auf die Sehenswürdigkeiten und die Insel konzentrieren kann und nicht noch auf die Wegweisung achten muss – einfach der Mama auf dem Mopped hinterher.

Als erstes fahren wir schnurstracks nach Panteli und von dort aus hinauf zu den Windmühlen. Neben dem Kastell eines der Wahrzeichen von Leros.

Sibylle zeigt Sonja das Umfeld

Wir können Richtung Süden bis Kalymnos sehen, Richtung Osten erkennen wir die Küste der Türkei. Wir erzählen, dass die Bar in der ersten Windmühle, das „Harris“, einer unserer Lieblinsplätze ist. Leider ist die Bar geschlossen und wir können keinen raschen Drink nehmen – es bleibt nur, den spektakulären Blick auf Panteli und Vromolithos zu erahnen.

Weiter geht´s nach oben, nächster Halt – das Kastell! Wir parken den Wagen am Parkplatz, denn wir haben vor, das alte Gemäuer zu besichtigen und etwas zu verweilen.

Bereits der Weg vom Parkplatz zur Pforte eröffnet einen herrlichen Ausblick auf die Bucht von Agia Marina und Alinda und das, sich gegen Westen öffnende, Ägäische Meer.

Wir sprechen über den höchsten Berg, die Lage des Flughafens, des Fischtempels „Mylos“ und genießen den Ausblick

Das Kastell ist geöffnet, wir sind nicht die einzigen Besucher an diesem Tag. Eintrittsgeld? Fehlanzeige!

Wir betreten die Anlage, die Enkelchen, sechs und drei Jahre alt, sind fasziniert von dem Gemäuer und den Geschichten, welche die Oma in petto hat. Historisch fundiert? Nun, ich frage nicht…

Die Kasse nicht besetzt
War zuletzt vermutlich mit „Raider“ und „Treets Schokoklicker“ befüllt

Die Anlage ist beeindruckend und wird heute noch genutzt. Nicht nur als Touristenmagnet, sondern auch für Hochzeiten, Feierlichkeiten und Konzerte.

Es werden Gottesdienste abgehalten und nicht zuletzt ist die kleine Kapelle das Ziel der Wallfahrten zum 15. August – Maria Himmelfahrt.

Otto und die weiß-blaue Flagge Griechenlands auf einem Bild – das hat einen historischen Bezug
Alte, dicke Gemäuer und immer dieses Blau
Der Blick auf die Mühlen
Spannende Exkursion für die Bengel
Ich war schon ein paarmal hier – aber es gefällt mir immer wieder. Ein schöner Ort
Die ganze Anlage ist gepflegt und gut erhalten – alt und neu mischen sich gefällig

Wir sind bestimmt eine Stunde innerhalb der Kastellmauern – eh klar, dass so eine Entdeckungsreise durstig und ein wenig hungrig macht.

Wir gehen also zurück zum Auto und löschen den ersten Durst mit etwa 42°C warmer Limo. Die Gesichter verziehen sich…

Wo gibt´s was Kaltes zu trinken?

Ok, die Erwachsenen haben ein Einsehen – ein kleiner Snack in Begleitung einer köstlichen Kaltschale muss her! Für alle über 18 darf es eine Hopfenkaltschale sein, für die unter einsfuffzich Körpergröße gibt es heute nur Limonade – der Beschluss steht fest, wir fahren nach Panteli ins „Sorocos“!

Der Strand lädt ein – „…komm´ wir frischen uns ab!“
Angekommen in der Cafe-Bar „Sorocos“

Der Parkplatz – voll! Die Tische im Café – voll! Heiß, eng, viele Leute – genau was ich mag! Ich mache gute Miene zum bösen Spiel, weiß aber, dass es zumindest Florian genauso geht.

Egal, da müssen wir jetzt durch! Das Glück ist uns hold, ein relativ guter, schattiger Tisch wird frei. Wir nehmen Platz und bestellen…

„Ich wil ne Limo! Nein, ich! Nein, ich!

Die Jungs fangen gerade wieder an, sich gegenseitig zu kabbeln – nix da! Ab ins Wasser, wir schauen mal ob es hier Fische gibt. Ich werde die Geschichte der Mönchsrobbe los, welche vor zwei Jahren hier am Strand ein Sonnenbad nahm.

„Au ja! Wir setzen die Taucherbrillen auf und schauen ob hier Robben schwimmen!“ Ok, dann nix wie los…

Der Opa schaut noch nach Fischen, während die Oma die Jungs lieber im knietiefen Wasser weiß
Wie sooft geschrieben – eigentlich überschaubar, dennoch gefühlt überfüllt! Emsiger Trubel am Panteli Strand im August

BIMM! Eine Nachricht von Jürgen! Ihr erinnert euch vielleicht, Jürgen ist der Eigner der Outremer 45 GRASKARPFEN. Er hat vor ein paar Wochen Leros verlassen, die Rückkehr ist ungewiss. Auf seiner Reise hatte er Motorprobleme, wir konnten mittels einer telefonischen Diagnose den Fehler finden.

Der defekte Wärmetauscher ist mittlerweile ausgebaut, er wird instandgesetzt – Jürgen schickt mir noch einmal ein Bild und bedankt sich abschließend. Ich konnte helfen, per Telefon, das mag ich, es macht zufrieden – und wir konnten oft helfen in diesem Monat…

„Operator – this is an Emergency“

Problem gelöst – bin gespannt, ob wir Jürgen noch einmal treffen werden

Eine Stunde etwa halten wir es aus, dann wird stillschweigend klar – nix wie weg hier! Wir beschließen, in den Norden der Insel zu fahren, um dort beim kleinen Strand „Paralia Agia Kioura“ unser Glück zu versuchen.

Kaum haben wir unsere Siebensachen gepackt und uns ein paar Meter vom Beach-Trubel entfernt, erscheint auch Panteli wie eine Oase der Ruhe – leider täuscht dieser Eindruck!

Das Laub raschelt im Wind, die Katze betreibt Körperpflege – die Zeit steht still! Nur 50m weiter steppt der Bär

Wir schnallen die Buben auf ihre Kindersitze im Kleinstwagen, verstauen die nicht unerhebliche Menge Strandgepäck und starten die Motoren. Der KIA säuselt, die GS blubbert – dann geht es los – auf, Richtung Sandstrände im Norden!

Im Losfahren erhaschen wir noch einen letzten Blick auf die Windmühlen am Bergrücken.

Yassas Panteli, wir kommen wieder – im Herbst!

Der Weg in den Norden ist nicht weit! Eigentlich ist nichts weit auf Leros. Es sind rund 10-12km, dann erreichen wir die Weggabelung an der Militärkaserne – rechts geht es nach Blefoutis, dem größeren der beiden Sandstrände, hier gibt es auch Ankermöglichkeiten für Yachten, sollte einmal Südwind angesagt sein.

Wir biegen nach links ab, hier geht der Weg zu einer Kapelle, wird dort zur Schotterpiste und führt letztlich zum kleinen Sandstrand von „Agia Kioura“.

Leider haben wir auch hier die Rechnung ohne den Wirt gemacht! Am heutigen Sonntag ist dieser Fleck Erde fest in den Händen der Locals.

Klein aber fein – leider voll
Zumindest mal die Zehen reinhalten

Klar, wir hätten uns dazulegen können. Das hätte weder uns noch die griechischen Familien gestört, hier wird „Filoxenia“ noch real gelebt!

Da aber wirklich alle Plätze belegt waren, welche auch nur ein Fitzelchen Schatten boten, haben wir uns entschlossen, unsere Badeabsichten zu beenden und lieber den Eispalast der Familie „Repapis“ aufzusuchen. Die Jungs haben ein Eis eingefordert und mit ihrem Opa einen gewichtigen Mitstreiter für diesen Plan auf ihrer Seite gewusst!

Brüder im Geiste – Benno hat die Sorte „Vanille“ in meine Top-Five Liste zurück gebracht

Danach war der Part „Quality Time mit der Familie“ für heute beendet. Florian und Sonja wussten, dass Sibylle und ich heute eine Essenseinladung von Volker und Tina auf dem Plan hatten.

So haben wir uns nach dem Genuss unserer Eisspezialität voneinander verabschiedet und uns für den Folgetag verabredet. Sonja und Florian hatten beschlossen zuhause zu kochen und den Tag gemütlich ausklingen zu lassen, Sibylle und ich hingegen, sind in die Marina gefahren um uns aufzuhübschen und dann in den gemeinsamen Abend mit der ELOWYN Crew zu starten.

Und der sollte ablaufen wie immer – mit den, von Volker „Mühlentour“ getauften, Besuchen von „Harris“ Bar in der ersten der sechs Windmühlen und der anschließenden Einkehr im „Mylos“, dem mehrfach ausgezeichneten Fischtempel der Insel.

Gedacht – gemacht…

Der Schein trügt – ein Besuch hier ist immer ein Highlight
Wir genießen den Ausblick und unsere Drinks
„Hakuna Matata“, unser derzeitiger Favorit

Wir haben viel zu besprechen, zu planen – wir diskutieren wie es mit ELOWYN weitergeht und inwieweit ich mich weiterhin einbringen kann. Klar tauschen wir uns auch zu den Neuigkeiten zuhause aus, wir sind ja inzwischen lang genug befreundet, so dass es auch Themen abseits der Segelboote gibt.

Die Zeit vergeht wie im Flug! Wir genießen die Drinks, den wundervollen Ausblick und unsere Gesellschaft – schon heißt es „…wir müssen langsam weiter“.

Unser Tisch im „Mylos“ ist reserviert, der Weg dorthin nicht wirklich weit – so wie alle Wege auf Leros, aber das hatte ich ja schon erwähnt.

Die „blaue Stunde“ bricht gerade an, als wir das gehypte Fischlokal erreichen

Wir nehmen Platz am reservierten Tisch, dann beginnt das gleiche Procedere wie immer. Studieren der Speisekarte, Bestellung der Fischvorspeisen und dann Auswahl des Weines und der Hauptspeise. Wir genießen den Service und das Ambiente – ein Besuch im „Mylos“ ist immer wieder ein Highlight!

Das Motto in der Speisekarte ist Programm – „I am to dine with my friends tonight – I am happy!!
Zeit mit den beiden zu verbringen ist schön – Tina bringt das mal zum Ausdruck…
…was von unseren Gegenüber aber stande pede gekontert wird
Auf einen schönen Abend

Bei den Vorspeisen beweisen wir wenig Phantasie – Leser des Blogs wissen, dass wir absolut auf all die rohen Fischspezialitäten abfahren, diese bestellen wir auch heute in reichhaltiger Auswahl. Alleine diese Eröffnung des Dinners ist immer ein Feuerwerk für die Geschmacksknospen…

Heute aber, hat Volker für den Hauptgang eine besondere Idee – einer dieser flachen Fische, eine Art Steinbutt, hat es ihm angetan, dieser wird für uns vier bestellt.

Nochmal am Tisch gezeigt – dann geht es ab in die Küche
Angerichtet mit Trüffel – ein Gedicht

Ich bin da immer ein wenig skeptisch – ich mag die klassischen Fische mit viel bissfestem Fleisch und wenig Gräten sehr gerne, bei den flachen Exemplaren dieser Spezies hatte ich dazwischen auch schon Pech.

Nicht so heute! Der Butt wurde uns sehr gut zubereitet, mit etwas Trüffel angerichtet und mit einer Gemüsebegleitung serviert. Er war in jeglicher Hinsicht ein Schmankerl!

Wir waren zufrieden und happy.

Der herrliche Abend mit unseren Freunden klang aus, wir waren müde und kamen erst weit nach Mitternacht nach Hause.

Ein letzter Blick auf das nächtliche Alinda, dann tuckerten wir gemächlich zurück in die Marina

So war es nicht verwunderlich, dass wir am nächsten Morgen etwas länger schliefen. Wir starteten etwas später in den Tag, welcher als Faulenzertag geplant war.

Sibylle wollte frühstücken, aber gegeben durch die Tatsache, dass wir fast unsere ganzen Vorräte ins Ferienhaus der Kinder transferiert hatten – wir wollten ja schließlicher immer zusammen essen – war keine Lebensmittelbasis mehr gegeben. Es wird kurzerhand beschlossen, „…wir gehen heute zu Mikes!“

Auf dem Weg dorthin fällt mir die Fähre auf. Unsere Inselfähren gehören der „BlueStar“ Linie an. Diese wiederum gehört zur „Attika Group“, welche letztes Jahr die in finanzielle Schieflage geratene Fährlinie „ANEK Lines“ gekauft hat. Für uns Griechenlandreisende keine schlechte Fügung.

So kann es aber passieren, dass ehemalige Italien – Griechenland Passagefähren auf innergriechischen Linien „aushelfen“ müssen. Vor diesem Hintergrund läuft eine „alte Bekannte“ im Hafen von Lakki ein – die ASTERION 2, mit welcher ich schon viermal auf der Linie Venedig – Patras gefahren bin. Ein Riese!

Mir war nie die ausgeschnittene Bugsektion aufgefallen

Ich bestaune den Koloss noch ein wenig. Sibylle und ich rätseln, ob sie wirklich länger ist als die uns vertrautere BLUESTAR 2, können aber mittels Google sehr schnell feststellen, dass der weiße Riese mit einer Gesamtlänge von fast 195m nochmal rund 20m gegenüber der blauen Schwester herausragt.

Dann aber los – Frühstück bei „Mikes“ steht am Plan…

Cappuccino, Sandwich und Orangensaft – ein guter Start in den Tag

Wir beratschlagen – wie soll der Tag heute gestaltet sein? Nun, zunächst müssen wir einkaufen, dann würden wir wohl an den Strand nach Xirokampos gehen und dort mit der Familie einen Strandtag verbringen.

Wir würden die Crew der ELOWYN informieren, auch die der HARMONY, welche in der schönen Bucht an einer Boje liegt. Wer mag, kann uns besuchen kommen.

Am Abend dann, werden die Oma und der Opa in die Bresche springen! Kein wirklicher Hilferuf liegt unserem Einsatz zugrunde, es war eher ein von uns ausgesprochenes Angebot zum „Babysitting“, um den Eltern ein „Dinner for Two“ zu ermöglichen – auch Sonja und Florian wollen dem „Mylos“ einen Besuch abstatten.

Ok, packen wir es an! Erste Station, der feine Metzger in Lakki – „Xatzigrigoriou Artisan Butchery“…

Unsere erste Adresse was erstklassiges Fleisch angeht
Der Laden ist gut sortiert
Das Wagyu bleibt in der Auslage – wir kaufen Dry-Aged
Zwei Steaks für vier Personen – ja auch das linke ist ein Steak (für einen Braten fehlen 50gr.)

Ihr erkennt – es wird Grillgut für vier Personen gekauft! Vier??? Ja, Volker und Kristina haben sich kurzerhand entschieden, dass sie uns beim Kinder hüten Gesellschaft leisten und eine Wiederholung des Grillabends von ihrem Anreisetag eine gute Dinneroption wäre…

Ok, wenn´s weiter nix ist – das bekommen wir hin!

Sonja und Florian kommen mit den Buben nach Lakki. Gemeinsam kaufen wir die sonst noch notwendigen Lebensmittel für den Grillabend ein, auch für den Strandtag wird noch die ein oder andere Kleinigkeit benötigt.

So verstreicht der Vormittag – plötzlich beklagen die Jungs ein Hungergefühl, eine Portion Pommes wär recht. Da auch der Papa inzwischen ein „SouVLakki“ Fan geworden ist, wird dem Wunsch der Bengel gerne entsprochen.

Ein wenig überrascht stellen die Knaben fest, dass eine Portion Pommes in Griechenland von der in Deutschland etwas abweicht – eine Mahlzeit für echte Kerls 😉

Ja Otto, hau mal rein

Jetzt aber – ab zum Strand! Den Nachmittag verbringen und genießen wir dort. Am kleinen Strändchen vor der Taverne „To Kyma“, quasi dem Hausstrand unserer Kinder.

Wir hatten das Strändchen quasi für uns alleine – fast die ganze Besuchsdauer über
Die Jungs spielten im Kies, ließen mit dem Opa Steine hüpfen oder gingen Baden
Auch die neuen Kescher kamen zum Einsatz
Zudem haben wir immer einen Tisch besetzt

Wie locker vereinbart, kamen sowohl Tina und Volker als auch Gabi und Gottfried auf ein Bier vorbei. Wir schwammen zusammen, haben die Jungs ein wenig bespaßt und über Gott und die Welt geplaudert – ein herrlicher und entspannter Nachmittag!

Leider ist er viel zu schnell verflogen…

Zeit zum Fertigmachen! Die Runde löst sich auf. Gottfried und Gabi ziehen sich auf HARMONY zurück, Volker und Tina gehen zurück zu ELOWYN um sich frisch zu machen. Sibylle und ich bleiben in Xirokampos, wir haben schon alles ins Ferienhaus gebracht, was wir am heutigen Abend benötigen würden…

Um 19.30 Uhr treffen Volker und Tina am Ferienhaus ein – sie geben sich mit Florian und Sonja die Klinke in die Hand, denn für die beiden ist es Zeit ins „Mylos“ zu fahren, der Tisch ist auf 20.00 Uhr bestellt.

Papa und Mama haben heute frei…
…die Bengel winken noch hinterher – Volker überwacht das Geschehen

Wir werfen den Grill an – auf den Rost kommen ein paar Chicken Souvlaki für die Jungs, dazu etwas Brot und Salat. Ich bin überrascht, wie die beiden Racker ihr Essen wegmampfen, das ist bei beiden nicht selbstverständlich! Scheinbar hat der Strandtag hungrig gemacht!

Nach dem Abendessen beginnt die Aufgabenverteilung – Sibylle übernimmt das Zubettbringen der Kleinen, ich nehme es vorweg, das klappt heute vortrefflich! Die Oma kann´s…

Tina bereitet die Salate vor und richtet unseren Esstisch und, wie könnte es anders sein, Volker und ich machen FEUER! Wir grillen!!!

Ein Mann muss tun, was ein Mann tun muss
Die beiden Steaks erfahren ein „Special Treatment“

Wie Volker und ich mit den beiden Fransen Fleisch hantieren, kommt mir ein Bild in den Sinn – ich erinnerte mich, dies schon einmal so gesehen zu haben…

Es liegt im Blut des Mannes – seit tausenden von Jahren

Spaß beiseite – Volker hängt sich da richtig rein! Grillen mit Thermometer und Stoppuhr. Danach zum Nachgaren in den Ofen – natürlich bei exakt definierter Temperatur!

Aber auch hier bewahrheitet sich – Akribie führt zum Erfolg! Sowohl das Filet der Damen, als auch unser Rib-Eye werden perfekt! Wir sind happy und genießen unser Dinner!

Perfekt – genau wie wir es mögen

BIMM, BIMMBIMM, BIMMBIMMBIMM – Sibylles telefon schellt unaufhörlich! Wir wissen dann schon meist – Sonja sendet Bilder! Während wir gerade unser zweites Bierchen schlürfen, sitzen die Beiden zeitgleich im Fischpalast und lassen es sich gut gehen.

Als Beleg dafür und wohl auch als kleines „Dankeschön“ werden uns Bilder zugeschickt – die sagen ja bekanntlich mehr als tausend Worte!

Taverna „Mylos“ – Sonja und Florians erster Besuch dort
Ein schöner Tisch an der Waterfront

Die Beiden gönnen sich das volle Programm und kommen spät in der Nacht zufrieden zurück.

Wir sitzen zu der Zeit auch noch gemütlich beisammen, unser aller Restenergie reicht aus, um noch ein gemeinsames Bier auf der Terrasse des Ferienhauses zu trinken. Wir haben gegenseitig viel zu erzählen und freuen uns jeweils, dass wohl alle einen tollen Abend hatten.

Dieser Abend sollte noch einen kleinen Kick bekommen…

Sibylle und ich diskutieren schon seit ein paar Tagen mit den Kindern, inwieweit ein Bootsausflug ein Ferienhighlight wäre. Es war eigentlich nie ganz klar, wer eigentlich Lust dazu hat und wie ein solcher Tag ausgestaltet sein sollte.

Als Optionen lagen ein Ausflug mit NESSAJA, oder ein sportlicher Ritt mit Sophies Boston Whaler FLIPPER, am Tisch. Unser Schiff flott zu machen hätte Aufwand bedeutet, Tepai zahlen, Papiere bei der Polizei holen und noch ein paar Dinge mehr. FLIPPER wäre eine gute Alternative, aber für mehr als ein paar wilde Runden durch die Bucht hätte es nicht gereicht – lohnt es sich, den Flitzer aus der Garage zu holen?

Wir diskutieren auch an diesem Abend. Volker sitzt dabei und hört sich das an – dann schreitet er ein, „…was haltet ihr von einem Tagesausflug mit ELOWYN? Morgen?“

Alle staunen, alle stimmen begeistert zu – der Abend endet, wir fallen ins Bett. Morgen wird ein toller Tag!!!

Und der beginnt zeitig! Ich fahre nach Lakki um ein paar Pies und Sandwiches zu kaufen. Wir brauchen was zum Frühstück und ein wenig Brotzeit für den Ausflug.

Von der Straße aus sehe ich, dass Martins STENELLA gekrant wurde

Ich rufe Sibylle an, sie möge mir bitte ein Bild machen wo STENELLA abgestellt wird. Darum hat mich mein Freund Martin gebeten – er käme nachts an und wolle nicht nach seinem Schiff suchen.

Verständlich, dies bleibt ihm aber diesmal erspart, denn die feine „Wanderer 40P“ kommt an unseren F-Ponton, nur etwa fünf Plätze von NESSAJA entfernt.

Das vermelde ich meinen Freund und sende ein Bild – wir freuen uns auf euch!

Das Marinateam legt das Schiff sicher an

Kaum zurück in der Marina, kommen schon Florian und Sonja mit den Buben. Unsere Schwiegertochter nimmt die Enkelchen unter den Arm und geht zusammen mit Sibylle an Bord der ELOWYN.

Zusammen mit Tina bereiten sie alles für die Ausflugsfahrt vor und bespaßen gleichzeitig die Jungs.

Wir Männer verbringen die Fahrzeuge – ich fahre mit dem Motorrad nach Partheni zum Flughafen, Volker und Florian folgen mir mit zwei Leihwägen! Klingt verrückt? Ja, hat aber System!

Wir parken Florians Leihwagen und meine GS in Partheni am Fischerhafen. Dann fahren wir mit Volkers Leihwagen zurück zu ELOWYN. Dieses Leihauto wird Rena, die Vermieterin, später in der Marina abholen.

Zu dritt am Rückweg in die Marina…
…dort warten die anderen schon auf uns

Wir haben einen genialen Plan ausgeheckt! Wir legen ab und machen einen feinen Segelschlag Richtung Norden. Unser Ziel ist die kleine Bucht vor Archangelos.

Wir werden diese wohl mit einem Kreuzschlag erreichen können, der Wind scheint optimal zu sein. Dort wollen wir nach der Ankunft vor Anker liegen und baden, später dann zum Dinner ins „Stigma“ gehen. Ich habe unser Kommen bei der Betreiberfamilie angemeldet und einen Tisch reserviert.

Nach dem Dinner würden Sibylle und ich, nebst unserer Familie, mit einem Taxi-Speedboat nach Partheni auf Leros übersetzen und von dort aus mit den geparkten Fahrzeugen nach Hause fahren – genial, oder???

Los geht´s!

„Opa, wie lang dauert´s noch?“ „Nicht mehr lang, der Marinero kommt schon, schau da!“

Nur ein paar Minuten später legen wir ab, unser Abenteuer beginnt! Nicht nur die Buben sind aufgeregt, auch die Eltern sind gespannt – man geht nicht jeden Tag mit einer 21m Segelyacht auf Törn!

Ein paar Minuten später liegt die Marina achteraus und die Bucht mit ihrer markanten Ausfahrt vor dem Bug.

Die Marina liegt hinter uns
Unter Motor verlassen wir die Bucht
Ich genieße, dass mir der Wind wieder einmal um die Nase weht
ELOWYN verlässt Lakki – NESSAJA bleibt zurück

Als wir die Bucht verlassen haben, lässt Volker Segel setzen. Es werden noch kurz die Regeln für die Kinder aufgestellt – Cockpit nur mit Erwachsenen und nur mit Schwimmweste verlassen! Die Kinder bleiben nie unbeaufsichtigt!

Dann geht es los – Ziel Archangelos, Kurs erstmal grob Richtung Patmos!

Die Segel gehen hoch, das Groß bleibt wegen der Kinder im ersten Reff
Wir segeln hart am Wind um Höhe zu machen – dabei mit erfreulich wenig Lage und doch immer über 6kts schnell
So geht es zügig dahin und Leros bleibt achteraus

Wir segeln bestimmt zwei Stunden diesen Kurs, dabei geht es relativ weit hinaus, wir spüren den Seegang – aber allen geht es gut! Die ganze Mannschaft hält Ausschau nach Delfinen – erfolglos…

Wir kommen Patmos immer näher, können schon die weißen Häuser der Chora erkennen und sehen uns auf der Seekarte an wo wir uns befinden. Dann gibt der Skipper das weitläufig bekannte Kommando zu Wende – Re!

Die Segel gehen auf die Steuerbordseite über, ELOWYN legt sich auf den anderen Bug. Die Crew staunt – es ist beeindruckend welche Kräfte wirken und wie agil das 44 Tonnen schwere Boot doch ist!

Zuerst reicht es nicht für einen Anleger
Später dreht der Wind etwas und wir können unser Ziel direkt ansteuern
Könnte passen
Die Crew genießt

So erreichen wir nach rund drei Stunden die Durchfahrt zwischen Archangelos und Leros. Ich war am Steuer und will gerade die Ankerbucht ansteuern, da höre ich Tina rufen „Delfine!!!“

Ihr könnt euch vorstellen – alle rennen zum Bug, alle suchen den Horizont ab. Und tatsächlich – wir haben Glück! Eine ganze Schule schwimmt zunächst auf uns zu, dann um uns herum. Das ist immer schwer zu fotografieren, auch heute gelingt es uns nur rudimentär.

Aber – sie sind sogar gesprungen und haben Salti geschlagen, sind dabei laut klatschend auf dem Rücken wieder ins Wasser gefallen. Es war beeindruckend und das Highlight der Fahrt!

Delfine voraus

Dann aber…

Wir drehen noch eine Runde, um unseren Ankerplatz sauber anzufahren. Minuten später fällt das Grundeisen im zehn Meter tiefen, azurblauen Wasser. Ein Traum – ich liebe diesen Platz!

Das „Stigma“ voraus – hier werden wir ankern
Der Anker ist klar – der Anker fällt
ELOWYN liegt und wird zum „Badeparadies“ umfunktioniert

Na jetzt bin ich aber gespannt! Wie werden die Kleinen sich im freien Wasser verhalten? Klar, hier wird nur mit Weste gebadet, auch mit der Weste nur mit Begleitperson! Trotzdem ist es für einen Dreikäsehoch schon ein Unterschied, ob man den Meeresboden sehen kann oder nicht – schwimmen im Freiwasser ist auch für Erwachsene manchmal mulmig – zumal dann, wenn zehn Minuten zuvor eine Schule mit recht imposanten Delfinen an diesem Ort ihren Schabernack trieben.

Haben Sie Angst??? Keineswegs!!!

Von der Badeplattform hupfen und über die Leiter wieder rein – bestimmt ein Dutzend Mal
Benno – angstfrei

Schnell wurde, nach den manigfachen Trainingsrunden, der Ruf laut, die waghalsigen Sprünge auch von Deck der ELOWYN zu machen – „…so wie der Opa!“

Ich ernte böse Blicke von Sibylle, wiederwillig gibt sie dem Druck der Zwerge nach – „…ok, wenn es sein muss! Aber langsam und Nase zuhal…“

PLATSCH!!! Otto ist abgesprungen und jauchzt vor Freude! Benno steht auch schon an der Kante – ich merke an, dass der Freibord des 68-füsser wohl knapp zwei Meter hoch ist – und Benno ist drei Jahre alt.

Ich rufe von unten „…na da bin ja gespannt ob Du dich trau…“ – neben mir platscht und spritzt es. Der Bengel klatscht ins Wasser, geht kurz unter und schnellt wie ein Korken zurück an die Wasseroberfläche – er zwinkert und prustet „…ich trau mich!“ OK…

Wir planschen bestimmt eine Stunde, dann ist es Zeit für eine Pause, welche altersgruppengerecht ausgestaltet wird.

An Deck fletzen und eine Limo
Auf der Badeplattform sitzen und ein Bier

Leider haben wir nicht den ganzen Nachmittag Zeit. Das Taxi-RIB, welches uns zurück nach Leros bringen soll, fährt nur bis zum Einbruch der Dunkelheit, da gab es nichts zu verhandeln.

Da wir vorher zusammen Abendessen wollen, steht ein verfrühtes Dinner am Plan – übersetzen zum „Stigma“ um 18.00 Uhr!

Dafür muss der Shuttle aus seiner Garage! Ja richtig gehört, der WILLI, ein Williams Jettender, hat eine Garage auf ELOWYN! Alleine das Verladen mit dem Kran ist ein Spektakel, welches sich Jung und Alt nicht entgehen lassen.

Spannend – es rumpelt und scheppert, der WILLI geht zu Wasser
Noch kurz vom Staub befreit und einmal nachgepumpt – dann geht es los

Sibylle und ich konnten den WILLI nicht komplett fahrfertig machen, weil wir in der Marina keinen Platz zum Ausladen hatten. So mussten wir ein paar Minuten für das Abstauben und ein kurzes Nachpumpen investieren, dann konnte es losgehen.

Die Probefahrt machen Volker und ich, für den Fall, dass irgend etwas nicht klappt – das Paddeln wollen wir weder den Gästen noch unseren Frauen zumuten. Doch die Sorge war umsonst – der kleine Flitzer tat was er soll – flitzen!

Zuerst verhalten…
…da lacht man noch entspannt
Mit warmen Motor und bei full-speed zieht es mir die Backen beim Lächeln Richtung Ohren

Nach ein paar Minuten fahren wir zurück zum Mutterschiff – Sonja und Florian nebst Racker steigen zu, ich räume meinen Platz. Volker shuttelt die Familie zum kleinen Strand auf Archangelos, unsere Familie mustert ab.

Sitzen alle?
Langsam für´s Foto, dann ein paar Meter flott, um die Haare nach hinten zu frisieren

Im Anschluss shuttelt Volker noch Sibylle und mich. Wir sitzen nun mit unseren Kindern und Kindeskindern auf dem Mini-Eiland Archangelos – eigentlich unbewohnt, nur Giorgos mit seiner Evropi leben hier, sie betreiben das „Stigma“, temporär unterstützt durch Tochter Dimitra und Schwiegersohn Kostas. Ich kenne die Familie jetzt schon über Jahre, ich würde unser Verhältnis als freundschaftlich bezeichnen.

Volker und Tina müssen sich noch frisch machen – ich glaube aber, dass sie sich ein Gläschen Moët gegönnt haben und sich leise gefreut haben – endlich zu zweit… 😉

Eine schöne Bucht
Wir haben es nicht eilig und faulenzen noch etwas
Quality Time

Irgendwann wird es Zeit, wir sollten nach oben in die kleine, einladende Taverna gehen. Ich habe einen Tisch reserviert.

Ich liebe diesen Platz – einfach aber einladend, losgelöst von der Zeit, weitgehend still und off grid. Vielleicht nicht immer, aber zumindest in der Vor- und Nachsaison ein Kleinod, ein Paradies – wenn auch schon lange kein Geheimtip mehr.

Die Terrasse des „Stigma“…
…lädt zu einem ersten Willkommensbier
Für uns ist der große Tisch im Eck reserviert – mit Blick auf die ELOWYN

Während wir ein weiteres Bier und eine Runde Ouzo ordern, entdecken die Kinder eine Besonderheit der Insel – es ist eine Katzeninsel! Evropi hat eine Vorliebe für die schnurrenden Miezen und füttert hier sicher 70 so kleine Krallenträger durch.

Wenn die Maunzer nicht gerade futtern oder jagen, dann fletzen sie gemütlich in der Sonne…

Katzen überall

…oder sie holen sich bei den Touristen, hier mehrheitlich bei den weiblichen oder jugendlichen Besuchern, ihre Streicheleinheiten ab.

„Mama, darf ich die mitnehmen?“

Volker und Tina treffen ein, wir nehmen Platz und bestellen Meze und Hauptgerichte. Es gibt keine Speisekarte, der Wirt sagt an, was die Küche hergibt.

Leider war unser geliebtes „Octopus Tigania“ diesmal nicht im Angebot, aber wir wurden anderweitig fündig, so dass wir nach dem Dinner satt und zufrieden dem Ende des Abends entgegensehen konnten – gleich würde unser Speed-Taxi um die Ecke biegen!

Die Buben halten schonmal Ausschau…

Schaut mal da vorne, dort wird es kommen

Ein paar Minuten später war es soweit – pünktlich um 20.00 Uhr kommt das recht große RIB von Leros angefahren und macht am kleinen Anleger fest! Für uns das letzte Signal zum Aufbruch.

Wir verabschieden uns von Tina und Volker und bedanken uns für den einzigartigen Tag – die ELOWYN wird am nächsten Tag von hier aus zu einer Urlaubsrunde aufbrechen.

Wir sagen „Yassas“ zu Giorgos und Evropi, winken Dimitra und Kostas zu und sagen ευχαριστώ, dankeschön, zu „Mr. Dimitris“ der hier verweilte und in der Küche aushalf.

Es hilft nix, wir müssen los…

Wir drehen uns noch einmal zu Volker und Tina um, wir winken
Dann steigen wir am kleinen Anleger in das Taxi-RIB und legen ab
Als wir die Bucht langsam verlassen, passieren wir die ELOWYN zur „blauen Stunde“
Leider verwackelt – wir waren echt schnell – aber die Stimmung wird deutlich

Nach dem Buchtausgang legt der Fahrer den Gashebel auf die Konsole – Vollgas! Die Fahrt nach Leros – Partheni dauert wohl nur etwas mehr als fünf Minuten, ist aber schön für uns und spannend für Florian und seine Familie – nicht jeden Tag saust man mit einem XXL Schlauchboot durch die Dämmerung über das Meer.

Die Frage „wann sind wir da“ bleibt heute aus

Als wir in Partheni ankommen, wird es schon dunkel. Jetzt wird klar, warum der Fahrer nicht mit sich handeln ließ als wir die Abholzeit diskutierten.

Er manövrierte das RIB durch viele kleine Fischerboote an einen Mini-Holzsteg, um uns aussteigen zu lassen. Die Fahrt kostete für uns alle 50.-€ – preiswert wie ich meine.

Direkt oberhalb des Stegs standen unsere Vehikel. Wir stiegen ein und fuhren gemeinsam nach Xirokampos ins Ferienhaus. Dort legen wir die abgekämpften Jungs ins Bett, danach genehmigen wir uns noch einen Ouzo als Absacker – schön! So oft und so entspannt sind wir in Miesbach lange nicht mehr zusammen gesessen.

Zeit für´s Bett, es war ein wunderbarer Tag, wir sind erschöpft!

Der folgende Tag ist der letzte Tag, an dem unser Besuch auf Leros verweilen wird. Wir sind etwas melancholisch, beschließen aber, dass wir uns die Laune nicht verderben lassen und möglichst viel in die kommenden Stunden packen. Damit jeder auf seine Kosten kommt, trennen sich unsere Wege zunächst.

Sonja und Sibylle fahren mit den Jungs über die Insel…

Zunächst nach Agia Marina – ein bisschen bummeln und dann einen Drink in der „Faros Bar“ am alten Leuchtturm
Die Bengel entdecken den alten Leuchtturm – in ihren neuen „Leros“ T-Shirts
NATÜRLICH steht ein Besuch bei „Agios Isidoros“ am Plan
Sibylle möchte Sonja den alten Friedhof zeigen

So vetreiben sich die Frauen mit den Jungs den Vormittag – sie kehren mit vielen Eindrücken zurück. Leros kann noch ein paar Punkte sammeln und wird nachhaltig in Erinnerung bleiben.

Florian hingegen hatte andere Pläne, er wollte sich mal richtig auspowern und die Bergwelt von Leros, immerhin fast 400m hoch, bei einem Mountain-Run entdecken.

Er rennt in die Höhe und entdeckt Tunnels und allerhand Überbleibsel aus Kriegstagen
Die Wege sind geschottert, es geht bergauf, bergab
Es gab alte Gebäude – „Lost Places“ zu entdecken
Und es bot sich stets ein herrlicher Weitblick – hier Richtung Kalymnos
Hier über die Bucht von Xirokampos

Ich selbst habe mir einen Vormittag Pause gegönnt und habe alle Kleinigkeiten, welche während der letzten Tage aufgelaufen waren, für mich erledigt. Es war aber selbstverständlich, dass ich, als die Familie wieder zusammengefunden hat, auch an Ort und Stelle war – ok, zugegeben, dass wir uns im „SouVLakki“ auf ein letztes Giros getroffen haben, hat mir die Entscheidung quasi abgenommen.

Nochmal Giros für alle
Love it!

Danach ging es Schlag auf Schlag – was muss noch rein in den perfekten letzten Tag???

„Eis“ höre ich die Buben rufen – eh klar! Ein Nachmittagsbier soll getrunken werden, wir wollen noch einmal im Meer baden, Florian möchte noch einen kurzen Besuch auf NESSAJA abstatten und dabei wollen wir gleich das SUP noch aufräumen.

Naja, das sind ja ganz schön viele Punkte auf der Liste, packen wir es also an, bevor die Zeit knapp wird. Wir fahren zurück ins Ferienhaus nach Xirokampos und bereiten uns für ein, zwei Stunden am Strand vor.

Das SUP kommt ein letztes Mal zum Einsatz, später bringen wir es zurück auf NESSAJA
Im „To Kyma“ gönnen sich Florian und ich ein Bierchen – auf den perfekten Urlaub
Die Jungs gehen nochmal ins Wasser, dann heißt es fertig machen

Die gute Stunde am Strand hat uns gut getan. Wir haben etwas relaxt, uns erfrischt, jetzt kann es weitergehen. Zuerst in die Eisdiele, dann in die Marina zu NESSAJA.

Ihre neuen Kescher nehmen die Buben mit, Ziel ist es in der Marina einen Fisch zu keschern – ob das mal klappt? Ich habe Zweifel!

Egal, erstmal das SUP auf´s Autodach, wir nehmen es einfach mit zur Eisdiele – Surfin´Safari…

Auf´s Dach, zwei Spanngurte, feddich
Ladungssicherung? Na klar!
Heute gönnen wir uns nochmal was
DREI für den Opa und ZWEI für Otto – wenn das nix ist

Nach dem Besuch der Eisdiele fragt mich Otto, ob er denn, wenn er mal alleine hier wäre, auch DREI Kugeln haben dürfte, die Eltern wüssten es ja dann nicht…

Ich zwinkere ihm zu, ja klar, aber nur wenn es unser Geheimnis bleibt 😉

Wir fahren in die Marina, die Jungs kennen NESSAJA schon und entern sie sofort. Auch Florian sieht sich um, „…ok, hier wohnt meine Mutter“ – ich weiß nicht was in ihm vorgeht, er hätte es sicher befürwortet wenn wir reisen würden, er meint, dass dies den Horizont erweitert.

Ein letztes Mal zu Omas Zuhause
Wir kennen uns aus…
Florian ist neugierig, er hinterfragt die Situation
Schön ist es schon
Und – hat es mit einem Fisch geklappt?
Nein, leider nicht – die Jungs sind untröstlich…
…vergessen die Enttäuschung aber schnell, als sie sich von Merlin verabschieden

Der Tag ist wie im Flug vergangen. Wir wollen uns nicht stressen und haben daher beschlossen, dass wir heute schon früher zum Essen fahren. Ich habe um 18.00 Uhr einen Tisch im „To Steki“ in Alinda bestellt, unsere Idee ist es, dass wir ankommen, die Kleinen noch ein bisschen sausen können, während die Erwachsenen mit einem Ouzo auf den gelungenen Urlaub der Kinder anstoßen.

Um 19.00 Uhr würden wir dann essen – soweit der Plan. Der lief auch ganz gut an…

Die Jungs spielen am Strand
Die Eltern und Großeltern sitzen gleich daneben und begießen das nahende Ende des Besuchs
Dafür eignet sich ein Gläschen Ouzo bestens

Womit wir nicht wirklich gerechnet haben war, dass die Kinder noch einmal Lust auf ein wenig Planschen bekommen. Kaum haben wir uns versehen, lagen die meisten Klamotten schon auf der Seite und die Knaben tollten noch ein wenig in Ufernähe – es traf sich gut, dass Sonja an Ersatzkleidung gedacht hat!

Was man im Meer so alles findet
Zum Beispiel einen… ahhhh FEUERWURM!

Ich traue meinen Augen kaum, als ich ein paar Tage später Sonjas Bilder ansehe. Ich erkenne die Kreatur auf dem Bild sofort, hatte ich doch erst kurz zuvor einen Bericht über die Verbreitung des Feuerwurms im Mittelmeer gelesen! Das hätte am letzten Urlaubstag so richtig für Unbill sorgen können – Gott sei Dank haben die sonst so neugierigen Bengel hier Zurückhaltung gezeigt!

Es war langsam Zeit ans Essen zu denken. Wir bestellen bei Dimitris unsere favorisierten Meze, die Wahl überlassen wir ihm. Die Hälfte „from the land“, die andere Hälfte „from the sea“, das sollte reichen.

Hunger – kann losgehen
Die Meze-Teller sind lecker wie immer

Die Nacht bricht herein, der letzte Abend nimmt seinen Lauf. Wir sitzen gemütlich beisammen, genießen die Zeit miteinander und wissen doch – morgen ist der Tag an dem wir Abschied nehmen müssen.

Zwei wie Pech und Schwefel
Der Abend klingt aus

Obwohl es schon spät war, lädt Florian noch zu einem „letzten Bier“ nach Xirokampos. Ich sage zu, bevor Sibylle etwas erwidern kann. Schlafen können wir morgen, heute nutzen wir den Tag – „carpe diem“ – wir wissen nicht, wann wir uns wieder sehen.

Im Ferienhaus gehen die Jungs sofort ins Bett. Sonja, Sibylle, Florian und ich hingegen, genießen noch ein letztes Bier auf der herrlichen Terrasse.

Die Ankerlichter der Yachties sind zu sehen, ansonsten herrscht pechschwarze Nacht

Ein wenig betrübt schleichen wir ins Bett. Wir wissen heute schon, der Abschied wird uns schwer fallen.

Biepbiep, biepbiep – der Wecker klingelt um 06.30 Uhr. Wir rappeln uns auf und fahren nach Lakki um Brot und zwei Schoko-Croissant zu kaufen. Dann geht es abermals ans Südende der Insel, um unsere Familie abzuholen und sie nach dem Frühstück zum Flughafen zu begleiten.

Wir kommen pünktlich an und checken das Gepäck ein, dann heißt es warten…

Die Stimmung ist ein wenig mau heute
Aus dem Laune-Tief kann nur ein Opa heraushelfen…
Abschied ist ein scharfes Schwert (wäre auch eine passende Headline gewesen)
Ich denke, ich werde ihn vermissen
In einer Woche bin ich Schulkind

Die Türe zur Sicherheitskontrolle öffnet sich, wir drücken uns alle noch einmal, dann lassen wir los. Ich bin traurig! Speziell die Kleinen haben die letzten beiden Wochen bereichert, ich hätte sie gerne noch ein wenig hier.

Ich fühle mich aber auch in meiner Meinung bestätigt – in vielerlei Hinsicht war es unsere besondere Lebenssituation, welche den Besuch hat besonders werden lassen. Opa und Oma in Miesbach sein, ist sicher auch schön – aber Großeltern die in Griechenland auf einem Schiff leben, das ist eben doch etwas Besonderes. Wir hatten zehn Tage lang ein Instant an wertvollen Stunden, das wäre so in Miesbach kaum realisierbar.

Ein letzer Blick, dann verschwinden sie im Flugzeug…

Gute Heimreise
Noch einmal zuwinken
Dann heißt es einsteigen

Etwa 15 Minuten später hebt die kleine Turboprop-Maschine der „Olympic Airlines“ ab. Unsere Familie hat Leros verlassen, der erste Enkelbesuch endet in diesen Minuten.

Sibylle und ich fahren nach Kamara ins „Mikes“, wir wollen einen Happen frühstücken und uns neu sortieren. Sibylle fährt den Leihwagen, ich reite die GS, wir folgen einander bis zum Café…

Ein guter, zweiter Start des Tages, der sich ein wenig komisch anfühlt

Wir beratschlagen uns und beschließen, dass wir zuerst ins Haus nach Xirokampos fahren und dort die Lebensmittel und Getränke abholen. Auch die von NESSAJA geliehenen Utensilien werden eingepackt – wir nutzen aus, dass wir den Mietwagen noch haben.

Wasser, Bier, Lebensmittel und Utensilien wie unser Toaster finden zurück auf NESSAJA

Nachdem wir den Wagen in der Marina entladen haben, bringen wir ihn zurück zu „Leros Rent a Car & Moto“, wo Rena schon auf uns wartet um das Vehikel entgegen zu nehmen.

Wir bedanken uns, bezahlen sofort und lassen den Wagen zurück. Vor Monaten für uns reserviert – das ist nun Geschichte.

Die Übergabe wickelt Sibylle mit Rena ab

Wir gönnen uns eine kurze Pause, gehen dann aber noch einmal zurück in Susannes Haus nach Xirokampos. Es wird zwar eine Putzfrau zur Endreinigung kommen, dennoch sehen wir uns in der Pflicht, dass wir den Grill und die Kaffeemaschine selber sauber machen – dies sind wertige Gegenstände und es obliegt uns, sie in einen einwandfreien Zustand zu versetzen.

Ich spüle und reinige die Kaffeemaschine – ein aufwendiges Procedere
Den Grill reinige ich draußen – Sibylle beschäftigt sich mit den Anbauteilen
Etwas Bruch hat es auch gegeben – wir „beichten“ es Susanne per WhatsApp
Dann war die Checkliste abgearbeitet – wir können das Haus verlassen

Wir waren ein wenig geschafft, uns war nach einem Kaffee. Da traf es sich gut, dass wir meinen zu wissen, dass unsere Freunde Ina und Ralf, die Crew der CHILI, wieder in der Marina sind.

Wir sehen also bei der Hanse 419 vorbei, um uns zwei der exzellenten Espressi zu erbetteln, welche die Beiden guten Freunden ab und an kredenzen – doch nix da…

CHILI noch zu – eine WhatsApp ergibt, dass die Beiden zwar schon auf Kos, aber noch nicht auf Leros sind, morgen dann!

Hilft nix, der Kaffeedurscht ist da, den kann ich jetzt nicht wegdenken. Also gehen wir nach Hause auf NESSAJA und brühen uns selber ein Tässchen des guten Gebräus auf. Wir sind lange nicht mehr auf unserem Schiff zum Kaffee gesessen…

Sibylle bei ihrer Lieblingsbeschäftigung – Familystalking

Just in diesem Moment pirscht sich unser Nachbar Ciarán heran. Man sei vor ein paar Stunden angekommen, schön, dass wir jetzt hier seien, man hätte was für uns – „the taste of Ireland!“

Die Beiden wollen sich für meine Sprit-Reinigungsaktion bedanken und haben allerlei Köstlichkeiten aus Irland mitgebracht. Nicht so „fancy food“, nein, eher ganz einfaches, leckeres, aber typisches „Irish food“.

Unter Anderem ein riesiger Sack Chips – der hat es mir angetan und ich widme mich seiner Vertilgung…

Waren superlecker – was es sonst noch gab, dazu später mehr

Sibylle liest – endlich mal wieder! Dazwischen greift sie zum Mobiltelefon und stalkt die Familie, welche sich immer noch auf der Heimreise befindet.

Zunächst hört man nichts von den Reisenden – „…es wird doch nichts passiert sein?“ höre ich meine Gattin fragen. Ich sehe nach Oben und antworte, die Backen voller irischer Chips, „Nein, sifffer nifft, eff wird ffon alleff gut gehen…“

In den Lesepausen steigt die Spannung – wird sich Sonja melden?

Wenig später war es endlich soweit – ein Feedback von Schwiegertochter Sonja beantwortet alle Fragen – ja, alles hat geklappt, man sei gut in München angekommen und die Jungs futtern grad Breze mit Apfelschorle – jetzt ginge es mit dem Auto nach Hause.

Landeanflug über die alpenländischen Seen
Angekommen in MUC
Yeah – Apfelschorle und Breze

Ich saß derweil im Salon von NESSAJA an meinem Laptop und habe ein paar Mails getippt. Ich war etwas melancholisch, denn ich war zerrissen – einerseits war ich froh wieder selbstbestimmt zu sein und auch mal Freiräume zu haben, wie sehr sind wir doch daran gewohnt, anderseits fehlen mir die Racker und das Leben in der Bude.

Ich hänge dem Hintergrundbild auf meinem Bildschirm nach – NESSAJA von der Terrasse des „Stigma“ aus fotografiert – waren wir nicht erst vor drei Tagen dort? Hatten wir nicht wunderbare Stunden? Ich vermisse das jetzt schon ein bisschen…

Ein „Nymphi“ hilft gegen die Wehmut

Trost spendet mir, dass heute tatsächlich die Crew der CHILI angekommen ist – Ina und Ralf nebst Tochter Jana, sind im Begriff ihren Herbsttörn zu starten und wollen heute Abend mit uns zusammen essen gehen. Das trifft sich gut, wir haben einander viel zu erzählen.

Das Lokal unserer Wahl ist Mariettas Bistro.

Die typische Taverne von Marietta und Takis ist eine gesetzte Größe in Lakki und eine Drehscheibe für Informationen

Wir setzen uns an den für uns reservierten Tisch, am Nachbartisch ein Mann aus der Marina, ich kenne ihn nicht näher. Er telefoniert laut und auf Freisprechen – es scheint, als meine er, dass alle Anwesenden an seinem Telefonat interessiert sind.

Es schien mir wie ein Zufall, dass er aufstand als wir uns setzten und sein Telefonat auf dem Platz zwischen Café und Taverne weiterführte – ich fand das fast schon zum Fremdschämen!

Warum hat die Spezies Mensch verlernt, wie leise telefonieren geht???

Wer jetzt denkt, dass ich mal wieder über rücksichtslose Zeitgenossen ätze und gleichzeitig meinen Verdacht äußere, an Misantrophie zu leiden, der irrt gewaltig!

Der eben noch mit Fremdscham behaftete Zeitgenosse hatte sich wieder an seinen Tisch gesetzt. Das Telefonat war zu Ende, er trank sein Bier und lächelte herüber. Jetzt entscheidet er, dass das Schmauchen eines Glimmstengels eine gute Begleitung zum Gerstensaft wäre – und zündet sich eine an.

Ich will gerade mein Schicksal bejammern, ich sitze nämlich in Lee und wir erwarten in wenigen Augenblicken unser Essen, da steht der Tischnachbar unaufgefordert auf und setzt sich auf die Treppe der kleinen Freifläche um uns nicht mit seinem Rauch zu belästigen…

Potztausend – das haut mich jetzt um! Vielleicht war sein Entfernen beim Telefonat auch beabsichtigt – hat zwar nicht gewirkt, aber der Wille zählt ja bekanntlich. Ich stifte dem Fremden auf jeden Fall für seine Rücksichtnahme 1000 Karmapunkte und weiß – man sieht sich immer zweimal! Dankeschön!

Ich staune!

Unser Abendessen wird aufgetragen – es gibt Meze, vegetarisch oder ohne Fleisch 😉 , ich wähle aus Rücksicht auf die Vegetarier eine Fischspeise und Salat. Alles in Allem haben wir echt super gegessen.

Noch viel wichtiger – wir hatten einen sehr netten, geselligen und lustigen Abend mit der CHILI Crew!

Bacalao und Skordalia – es war Freitag

Spät in der Nacht haben wir uns auf unsere Schiffe verholt und sind in den Schlaf gefallen – die Kinder sind weg, der Tag war gelaufen.

Ab morgen startet der Alltag – willkommen zurück im „normalen Leben“!

Der neue Morgen – zunächst einmal durchatmen. Nichts steht auf dem Programm, gar nichts – und das soll auch so bleiben! Wir nehmen uns vor, uns heute einmal nichts vorzunehmen. Ein wenig Müßiggang täte uns gut, so unsere Einschätzung – und so starten wir in den Tag…

Erst nach Agia Marina

Wir fahren nach Agia Marina – morgen ist Petras Geburtstag, zu dem wir seit Langem eingeladen sind. Es gilt, ein Geburtstagsgeschenk zu kaufen.

Da die Wahl auf lerianische Töpferkunst gefallen ist und ich kein ausgesprochener Experte auf diesem Gebiet bin, habe ich mich von Sibylle im „To Paradosiako“ parken lassen. Ich habe etwas zu essen und zu trinken bekommen, begleitet von der Anordnung hier sitzen zu bleiben, bis sie mich wieder abholt.

Das war eine knappe halbe Stunde später der Fall. Sibylle konnte Vollzug melden, natürlich nicht, ohne auch „eine Kleinigkeit“ für sich selbst zu kaufen. Ok, sei´s drum!

Wir trinken noch einen gemeinsamen Cappuccino, dann fahren wir zurück zu NESSAJA. Wir wollen noch ein wenig klar Schiff machen. Sibylle wäscht eine Maschine Wäsche, ich hänge das SUP wieder winterfest an – wir werden es in diesem Jahr wohl nicht mehr brauchen.

Alles wieder in Butter auf´m Kutter

So haben wir wirklich den ganzen Tag verdröselt – irgendwie waren wir nebenbei produktiv, aber wirklich angepackt haben wir nichts. Ok, einkaufen waren wir noch, denn heute stand mal wieder ein BBQ an Bord der LIBERTÉ auf dem Plan.

Was es gab? Köfte natürlich… 😉

Mal wieder zusammen mit Hans Peter grillieren

Irgendwie war die Luft raus! Bei LIBERTÉ hingen wir in der Warteschleife – würden die neuen Wanten und Stage rechtzeitig fertig werden? Ich hatte, offen gesagt, im Moment keine Lust jede freie Minute an der Bavaria 41H herumzuschrauben, ohne ein klares Zeitziel definieren zu können.

ELOWYN war auf einer Rundreise welche sich ein wenig ausdehnte. Zunächst waren wir davon ausgegangen, dass wir irgendwann für ein paar Tage zusteigen würden, doch dies hat sich aus mehrerlei Gründen in Luft aufgelöst – eigentlich erwarten wir unser Patenschiff erst zum 18.09. zurück.

NESSAJA, knock on wood, lässt uns in Ruhe – auf sie ist im Moment Verlass! Dafür werde ich gleich Anfang Oktober die große Wartungsarbeit an der Eberspächer-Heizung machen – versprochen!

Wir hatten nichts zu tun – so auch heute nicht!

Ich mache einen Ausflug…

Sibylle beschließt, dass sie mit Ina und Jana von der CHILI zum Hundeshelter geht, um dort mit den Zamperl Gassirunden zu gehen. Das trifft sich gut, denn es beschert mir einen freien Vormittag!

Den nutze ich für einen besonderen Ausflug! Da ich nur ein sehr bedingt gläubiger Mensch bin und der Institution Kirche eher wenig abgewinnen kann, ist klassische Trauerarbeit keiner meiner Leitgedanken. Da heute aber der 5. Todestag meiner Mutter war, habe ich beschlossen, nach Agios Isidoros zu fahren und dort ein Kerzerl für sie und eines für unsere Kinder und Kindeskinder anzuzünden.

…und besuche Agios Isidoros

Ich mache das nicht aus religiösen Gründen, auch hege ich kaum spirituelle Gedanken, aber ich möchte mir selbst gegenüber ein Zeichen setzen – ich denke daran, ich habe nicht vergessen.

Solche Gedanken gehen im Alltag gerne unter, der Rückblick auf das Vergangene, der Ausblick in die, hoffentlich sorgenfreie, Zukunft. Um nicht mehr ging es mir, ich denke daran, es war mir an diesem Tag wichtig!

Der Kontrast könnte größer kaum sein, denn Sibylle meldet sich per WhatsApp und lässt mich wissen, dass sie zurück sei und wir uns in der Eisdiele treffen könnten – na da lass´ ich mich nicht zweimal bitten…

Wir kommen zeitgleich bei „Repapis“ an und bestellen unsere Nascherei, dann drückt Sibylle mir den Geldbeutel in die Hand, ich solle bezahlen – aber ich hab´ doch auch nur eine Hand frei! Was tun???

Ich hab´s – hier mein Freund, halt mal!

Aus der Not eine Tugend machen

Sibylle sieht mich strafend an, die Mädels hinter dem Tresen kichern, ich auch, aber eher innerlich.

Meine Gattin entreißt mir das Portemonnaie und zahlt selber. Nachtragend scheint sie, zumindest heute, nicht zu sein.

Leckerschmecker

Ehe wir uns versehen, bricht auch heute schon der Nachmittag an. Hans Peter ist auch zum Geburtstagsfest geladen, es soll um 17.00 Uhr mit einem Umtrunk am Panteli Strand beginnen.

Alle sind etwas aufgescheucht – man müsse sich „frisch machen“ und etwas „aufhübschen“ bevor man diesem Anlass gerecht würde. Ich habe für mich beschlossen, dass es zur Feier des Tages mal ein Poloshirt gibt – ansonsten würde ich eher am Strand baden gehen, erfrischt aus dem Wasser kommen und dann dem Geburtstagkind meine Aufwartung machen…

Sibylle schüttelt den Kopf, zeigt aber keine Gegenwehr – sie führe wegen ihres Kleides und der Riemchensandalen mit Hans Peter im Auto, ich könne ja mit meinen Flip-Flops und der GS anreisen. Das klingt gut, so machen wir es! 😉

Der Strand ist wieder „einsam“ – so mag ich es
Ich bade, erfrische mich gehörig und steige von T- auf Poloshirt um – den Kragen stelle ich auf, das machen die Italiener auch
Die Feier beginnt – ein Aperitiv im „Sorocos“ als Opener – HAPPY BIRTHDAY Petra

Die illustere Runde trinkt ein erstes alkoholhaltiges Getränk und spricht sich warm. Wir müssen einander kennen lernen, nicht alle hatten schon die Gelegenheit dazu.

Eine zweite Runde ging noch, dann war es an der Zeit, ein Haus weiter zu ziehen. Martin hatte im „Zorbas“ reserviert und die Meze vorbestellt – das Hauptgericht sollten wir “ a la carte“ bestellen.

Ok, ich bin gespannt! Unsere Kleingruppe nimmt am reservierten Tisch Platz, wir werden vorzüglich bedient und umsorgt.

„First row table“ für unsere Geburtstagsgesellschaft
Ein herrlicher Platz direkt am Wasser

Wir ordern die Getränke, dann gibt Martin das Signal die Vorspeisen aufzutragen. Es gab verschiedene Kleinigkeiten aus der griechischen Küche, alles in allem ein sehr guter Start…

Dakos-Salat, verschiedene Interpretationen sind möglich, immer ist das harte Brot dabei – irgendwo zwischen Bruschetta und griechischem Salat mit dem Knusperbrot
Schwarze Linsen mit Shrimps und Blattspinat
Tzatziki – hier mit Minze
Ich richte mir mein Tellerchen – und genieße

Damit nicht genug – es folgten noch weitere Gänge Meze, esssen wie es die Griechen zu tun pflegen. Alles in die Mitte, jeder greift zu…

Gefüllte Teigröllchen und Fried Prawns
Sibylle hatte angemahnt, dass ich mich in Zurückhaltung üben und anständig essen soll – ist doch eh klar, was meint sie nur???

Den Meze folgt mit etwas Abstand ein Hauptgericht und diverse Getränke. Wir laben uns an den Köstlichkeiten, alle sind zufrieden und irgendwann auch mehr als satt.

Gemütlich sitzen wir beisammen und genießen noch ein Bier zur Abrundung.

Prost Roland, auf das Leben

Auch das Geburtstagskind schien zufrieden und glücklich zu sein, hat ihr Göttergatte Martin doch alles hervorragend organisiert. Dass der Tag noch nicht ganz zu Ende war – das konnte Petra ja nun wirklich nicht ahnen…

„Danke, so ein schöner Abend!“
Surprise – HAPPY BIRTDAY TOOOOO YOUUUUU
Uff, jeder ein Stück – wir kämpfen uns die zip-Kalorien in den Wanst

Nicht Petra hat sich zu bedanken, WIR haben zu danken! Danke für die Einladung, es war uns eine Ehre!

So klang der Abend aus und wir verholten uns in unsere Schiffe. Ein schöner Abend, wirklich. Es hat Spaß gemacht!

Am nächsten Morgen wache ich auf und schalte mein Mobiltelefon ein – BIMM! Eine Nachricht von Petra, sie freut sich über die Töpferkunst und bedankt sich abermals. Schön, wenn ein Geschenk gut ankommt!

Ein Lob an meine Gattin – das gefällt auch mir

Der Tag ist abermals so ein Brei aus „immerfort beschäftigt“ und „eigentlich nix gemacht“ – ich kümmere mich nämlich fast ganztägig um die EDINA.

Ed hatte mich angerufen – „Operator, this is an emergency!“ – und eine dringliche Bitte abgesetzt. Er könne nicht pünktlich kommen, EDINA würde aber gekrant, ob ich mich nicht um einige Dinge kümmern könnte??? Ach ja, wenn ich grad dabei wäre, könnte ich sie ja auch gleich an den Liegeplatz fahren.

Gestrichen ist sie, Fender und Leinen müssen vorbereitet werden

Das klingt alles nach nix, aber das Arbeitspaket beginnt damit, dass mich drei Minuten später die Chefin der Marina anruft – „…Mr. Ed told us you take care of EDINA, please come to office!“

Es gibt viel zu diskutieren, der Termin wird um einen Tag verschoben, es wird festgelegt, dass die Marina die CNB 60 an ihren Platz verbringt, ich aber alles zum Termin vorbereite und dann nach dem Schiff sehe.

Ich spreche diese Vereinbarung mit dem Eigner ab und hole das finale OK. Bis dies soweit ist, ruft Sibylle zum Nachmittagskaffee.

Heute ist ein fader Tag, nichts geht zam. Deshalb beschließen meine Gattin und ich, dass wir unseren Herd mal wieder befeuern und uns was kochen. Was Leckeres? Nun, das möge jeder selbst entscheiden!

The taste of…

Ihr erinnert euch an unseren Nachbarn Ciarán, ich hatte erzählt, dass die beiden uns ein paar Leckereien aus Irland mitgebracht haben – Chips für mich, Pralinen für Sibylle.

Für uns Beide gab es Black Pudding und irische Bratwürstchen. Sibylle rümpft die Nase – aber ich weiß sofort was daraus zu „basteln“ ist…

Ein „full English Breakfast“! Ich liebe es!

Ok, ich gebe zu, es ist am Thema vorbei. Wir erzählen es Ciarán und Jill auch etwas abgewandelt und benennen es in „full Irish Dinner“ um. Das war nichtmal ganz gelogen, denn Sibylle verweigert den deftigen Schmaus am Morgen, so dass wir unser heutiges Abendessen daraus zaubern.

Richtig cool ist, dass wir sowohl „Baked Beans“ als auch „HP Brown Sauce“ bei Kritikos bekommen! Ich fühle mich an etliche Geschäftsreisen mit meinem Freund Reiner Holwein erinnert – eine tolle Zeit!

YES! Wie geil!

Wir machen frische Kartoffelrösti, braten den Black Pudding und die Würstel. Dazu richte ich die Bohnen, eine Scheibe gebratene Tomate und ein Spiegelei an.

Wir essen im Cockpit, haben wir lange nicht mehr gemacht!

Finde den Fehler – ein Salat Caprese ist nicht stilecht

Wir mampfen das Dinner weg und merken, dass sich der Inhalt unserer Teller in reziproker Relation zu dem unserer Bäuche verhält. Da hilft nur eines – ein Ouzo im „La Palma“ Café.

Spätabends verlassen wir die Marina noch einmal – ein Absacker muss sein
Den gibt es in Form eines Ouzo im „La Palma“ Café

So lassen wir diesen recht unproduktiven Tag ausklingen. Morgen geht es weiter! EDINA kommt ins Wasser, ich muss ein bisschen darauf achten, dass alles klappt.

Auch Hans Peter hat erkannt, dass die Zeit langsam drängt, er will morgen mit dem Streichen seines Unterwasserschiffes anfangen – das wird auch Zeit.

Der morgige Tag verspricht also etwas mehr „Normalität“ und Abwechslung anzubieten. Sind wir also gespannt was kommt!

Ich wache auf und bringe meinen müden Leib in die Vertikale – „sofort Kaffee“ fordert mein Gehirn und meine Gliedmaßen folgen diesem Befehl. Ich brühe mir ein Tässchen des köstlichen Gebräus auf und setze mich auf meinen Platz – langsam kehren die Lebensgeister zurück.

Als ich auf die Uhr sehe fällt mir die Kuriosität des Moments auf – es ist der zu tragischer Berühmtheit gekommene 11. September, 9-11! Und just um 09.11 Uhr sehe ich auf die Uhr, gerade noch rechtzeitig um einen Screenshot zu machen. Ich bin überzeugt, dass es sowas wie ein Schicksal gibt – dieses hat es an diesem Tag vor 23 Jahren mit tausenden von Menschen nicht gut gemeint.

Ein kurioser Moment

Jetzt muss ich aber los, EDINA ist das erste Schiff im Kran. Ich hoffe, dass alles wie geplant läuft.

Als ich zur Krangasse komme, hängt die blaue CNB 60 schon in den Gurten. Bis hierhin scheint alles geklappt zu haben.

EDINA hängt im Kran

Der Tag beginnt zwar gut, wettertechnisch aber verhangen – in diesen Tagen gibt es für den gesamten Mittelmeerraum schwere Sturmwarnungen. Auf den Balearen, in Kroatien und Italien sinken Schiffe, Wasserhosen sind zu sehen. Für das westliche Ionische Meer gibt es eine „echte“ Tornadowarnung – das Wetter spielt verrückt!

Wir sind nur sehr periphär betroffen. Es soll ein paar Tropfen regnen, danach soll der Wind stärker werden.

Hans Peter hat deshalb das Streichen seines Unterwasserschiffes immer wieder um einen Tag aufgeschoben – gewartet, kein Regen, gewartet, kein Regen.

Heute reicht es ihm! Er streicht! Was passiert? Regen!

Nur ein paar Tropfen

Es war recht früh für den ersten Regenschauer. Mich traf er just in dem Moment, als ich bei EDINA in der Krangasse war. Ich konnte aber schnell wieder abziehen, alles lief wie am Schnürchen – die schnittige Französin wurde an den A-Ponton verbracht und dort ordentlich fixiert. Die richtigen Festmacher wurden verwendet, die Fender waren korrekt platziert.

Passt soweit – hier liegt sie sicher

Ich lass´ es erstmal gut sein und informiere Ed über die Ist-Situation. Alles sei gut, das Schiff liegt statt auf B auf A, es wird reichen, wenn ich später nochmals nach dem Rechten sähe.

Das Wetter hat sich schnell gebessert, es ist bereits wieder blauer Himmel zu sehen.

Ich gehe zu Hans Peter. Wie wird es ihm ergehen, wie läuft es beim Streichen und hat der kurze Regenschauer Schaden angerichtet?

Erste Lage – Epoxiprimer grau

Ich nehme es vorweg – auch wenn mein saarländischer Freund nicht an sein eigenes Glück zu glauben scheint – es beginnt just in diesem Moment eine Glückssträhne für ihn.

Er wird, zunächst alleine, dann mit Hilfe der befreundeten Segler, sein Unterwasserschiff insgesamt sieben! Mal anstreichen, ohne dass auch nur ein Tröpfchen Regen fällt. Wir können das Projekt „Coppercoat“ innert drei Tagen finalisieren.

Sibylle und mich dagegen, holt die Zahlenkombination 9-11 in diesem Augenblick ein weiteres Mal an diesem Tag ein – 911 ist als Notrufnummer in USA bekannt – ich erlaube mir einen Gedankensprung und gebe gleichzeitig auch die Erklärung für die Headline dieses Monats…

„Operator – this is an Emergency“ – wir erhalten nahezu zeitgleich DREI „Notrufe“ per WhatsApp. Diese werden die Folgetage und somit nahezu den halben September außerordentlich prägen.

Bei mir meldet sich Ed – ich müsse dringend nach der Wassertiefe im Bereich des Ruders sehen. Er sei bereits einmal am A-Steg auf Grund gelaufen, es wäre dort nicht tief genug. Er bitte mich das zu prüfen und gegebenenfalls EDINA sofort zu verlegen.

Zudem höre ich von Volker – er könne seine gesamte hydraulische Anlage, Ankerwinsch, Bugstrahlruder, Winschen und den Kiel nicht mehr betätigen. Er vermute die sechs Batterien der Hochstromanlage seien defekt und ich möge daher dringend neue beschaffen – er sei bereits mit laufenden Generator auf dem Weg nach Leros.

Der wichtigste Notruf kommt aber von Schwiegertochter Sonja – Otto will nach zwei Tagen nicht mehr in die Schule. Er weint nur noch und wehrt sich mit Händen und Füßen. Sie fragt Sibylle, „…kannst Du kommen und helfen?“

Wir erkennen – wir werden gebraucht! Es hat in keinem der Fälle Sinn, nach einem „Warum“ zu fragen – es zählt jetzt einzig die Lösung!

Ich konnte ihn nie leiden – aber hier hat er Recht

Ich reagiere sofort! Ich gehe mit Sibylle zu NESSAJA, wir ziehen uns für den Rest des Tages zurück.

Volkers Thema ist leicht zu lösen. Ich frage die Batterien an drei Stellen an, auf Lager hat niemand sechs Stück 12V / 180Ah LKW-Batterien. Die Entscheidung fällt auf die „Boatyard Artemis“, sie bietet den professionellsten Service und die kürzeste Lieferzeit. Ich bestelle und gebe meinem Freund die positive Nachricht.

Zu EDINA werde ich morgen gehen, Da kann ich heute auch nichts mehr machen – außerdem ist Sibylles Thema vorrangig!

Mich hat gewundert, dass Sibylle nicht sofort zugesagt hat. Sie hatte sich auch auf den September auf Leros gefreut – gutes Wetter, Zeit mit Freunden, Saisonausklang…

Aber Familie geht vor – wir haben kurz diskutiert, unsere Meinungen und Argumente ausgetauscht, dann hat sie Sonja zugesagt und ihre Flüge gebucht.

Der Abend klingt bei einem kleinen Dinner aus – unser geplanter und erhoffter Monatsverlauf hat heute einen Haken geschlagen! Unverhofft kommt oft!

OK, macht auch Spaß! Wir sind wieder getaktet, eigentlich mögen wir das! So begebe ich mich am nächsten Morgen, wie vereinbart, zu EDINA und schalte die Navigation ein – und siehe da…

2,3m wäre deutlich zu wenig

Irgendwas kann nicht stimmen. Eds CNB geht am Ruder 2,7m tief. Weil das relativ viel ist, hat er extra einen Tiefenmesser für das Ruder verbauen lassen – dieser zeigt 2,3m. Würde alles mit rechten Dingen zugehen, dann würde das Ruder bereits 40cm tief im Schlick stecken.

Das kann aber nicht sein, denn es dreht sich leicht und scheint freigängig – was tun? Erster Impuls – tauchen! Zweiter Impuls – filmen!

Gedacht, gemacht!

Ich drehe ein Video für Ed – hier moderiere ich an. Klappe die Erste…
…wie in jedem guten Movie spielt auch hier ein sexy Starlet mit
Dann bringe ich die GoPro, an einer Segellatte befestigt, zum Heck des Schiffes…
Um das Ruder zu filmen – es steckt nicht im Schlick
Der Abstand zum Meeresboden ist ausreichend groß – der Tiefenmesser lügt

Ich messe mit der Segellatte noch die Tiefe und komme auf rund 3,5m – genug Wasser für die CNB!

Ich informiere Ed und gebe Entwarnung. Zudem schließe ich das Schiff noch an den Landstrom an, denn Manolis hatte mich informiert, dass die Starterbatterie kaum mehr genug Power zum Anlassen des Motors hatte. Auch ein schlagendes Fall binde ich noch ab – das war es zunächst, der erste Notfall war erledigt!

Sibylle und ich gehen zurück zu unserem Schiff. Ich muss die Kamera reinigen, die Batterien laden und die Fotos und Filme übertragen. Es ist ein schöner und warmer Sommertag!

Ein paar Wolken am Himmel, aber insgesamt sehr freundlich

Ich habe Schabernack im Sinn – wenn die GoPro doch schonmal im Einsatz ist, dann könnten wir sie doch zum Baden mitnehmen? Dabei könnte ich versuchen, mal wieder ein paar „Snapshots“ zu knipsen.

Machen ist wie wollen, nur krasser! Auf geht´s…

Irgendwie war die Linse nass – leider verschwommen
Ahhhh, Rückenplatscher!
Ok, da gibt es coolere Aufnahmen – aber lustich war es allemal
Wir schwimmen noch ein bisschen, bevor wir wieder an Land kraxeln

Am Rückweg zu NESSAJA sehen wir bei Hans Peter vorbei. Die erste Lage Epoxiprimer war von gestern auf heute getrocknet, nun war er dabei, die zweite Lage aufzubringen.

Zur besseren Unterscheidung beim Streichen, verwendet man zwei unterschiedliche Farben. Heute war Beige ander Reihe.

Auf Grau folgt Beige

Den Epoxiprimer wollte er alleine Streichen, dafür hatte er auch nur einen Satz Anstreicherausrüstung. Für den finalen Coppercoat aber, da würde er drei Personen zur Unterstützung brauchen – zwei zum Anrühren des Schutzanstriches, einen zum Streichen. Die Ausrüstung ist vorhanden. Er selbst wäre als zweiter Anstreicher gesetzt.

Dieser sensible und teure Anstrich soll morgen aufgebracht werden. Morgen ist „Coppercoat – Thursday“! Morgen ist aber auch der Tag von Sibylles Abreise nach Deutschland – ein spannender Tag steht uns bevor.

Ein bisschen Ablenkung bringt das für heute anberaumte Dinner mit Gottfried und Gabi von der HARMONY. Es traf sich gut, dass die Beiden die Lücke vor Sibylles Abreise noch geschlossen haben, ansonsten hätten sich die drei nicht mehr gesehen – die HARMONY Crew reist während Sibylles Abwesenheit ab und geht in die Winterpause.

Die Taverne der Wahl am heutigen Abend – „Taverna o´ Karaflas“, wir gehen zu meinem Freund Dimitris, dem Glatzkopf.

Herrliche Aussicht und Wolkenberge über der Türkei
Wir bekommen einen perfekten Tisch
Salate und Glangerle als Vorspeisen
Ein 1kg Tomahawk für Sibylle und mich als Hauptgang

Wie immer mit G&G verfliegt die Zeit. Wir unterhalten uns über Gott und die Welt, behandeln ernsthafte und weniger tiefgängige Themen. Abende mit den Beiden sind erfrischend – schon immer! Dafür schätze ich die Crew der Harmony.

Satt und zufrieden fallen wir ins Bett, morgen nimmt der September einen neuen, ungeplanten Lauf.

„Operator, this is an Emergency!“

Hans Peter ist angespannt! Da er für den Coppercoataufbau helfende Hände braucht, lässt er die Community wissen, dass Unterstützung gefragt ist. Bei solchen Aufrufen trennt sich häufig die Spreu vom Weizen – bei ganztägiger Drecksarbeit steht keiner gerne „Gewehr bei Fuß“!

Es heuern an – Markus von der TARA, Dieter von der INFINITY und natürlich ich selbst. Wir sollen uns um 09.00 Uhr einfinden, gestrichen wird bis wir fertig sind.

Für Sibylle und mich beginnt der Tag daher recht früh. Sibylle frühstückt verschlafen und ich diktiere ihr Aufgaben ins Lastenheft. Wenn sie schon so unverhofft nach Deutschland reist, dann möchte sie doch bitte ein paar Dinge mitbringen.

Die Zuckerwatte und die Nutella geht an die Enkelsöhne – Sibylle hört geduldig zu

„Bitte drei Gardena-Kupplungen mitbringen!“ „Ja“!

„Und noch einen Hahnanschluss!“ „Ja“

„In 1/2 Zoll!“ „Ja“

„Ich bestelle was bei Engelbert & Strauss, bitte mitbringen!“ „Ok“

„Ein Päckchen muss auch da sein, ein kleines Werkzeug!“ Ja, bring ich mit!“

„Und bitte den Ouzo nicht vergessen mitzunehmen, einzupacken und an Tobi versenden!“ Ja… Waaaaas??? Spinnst Du???“

Ich erkläre ihr geduldig, dass ich meinem früheren Arbeitskollegen Tobi noch eine Flasche Ouzo schuldig bin. Ich habe es versprochen, denn er hat mir bei ELOWYNs Turbolader wirklich weiter geholfen! Und es ist mir wichtig, dass es ein lokaler ist, nämlich der hier…

Ouzo aus Samos, den mögen wir durchaus auch gerne – das Beispielbild schicke ich ihr per WhatsApp

Sibylle verdreht die Augen. Sie stimmt aber zu, noch eine Flasche zu besorgen, dann aber müsse sie sich fertig machen und packen, ihre Fähre geht um 13.45 Uhr ab Agia Marina.

Sie hat gemischte Gefühle. Sie will Sonja zuhause helfen, sie freut sich abermals auf die Enkel – aber sie würde gerade jetzt auch gerne bleiben. Es ist ein zweischneidiges Schwert!

Wie ist eigentlich das Wetter in Deutschland so???

Äh, das ist ja nicht so toll
Naja, dafür sind die Aussichten gar nicht mal so gut
Und einen Spaziergang im Oberland würde ich mir gut überlegen

Auch Deutschland ist von einem echten Tief betroffen. Der Sommer weicht. Das macht die Situation gerade nicht besser, hilft aber nix.

Ok, ich muss jetzt los und beim Unterwasseranstrich von LIBERTÉ helfen, ich verspreche Sibylle, sie mittags zur Fähre zu bringen…

Wir kommen zur Baustelle – alles ist bereits vorbildlich gerichtet

Hans Peter scheint seit Stunden schon am werkeln. Alles ist vorbildlich angerichtet und vorbereitet. Werkzeuge und Schutzausrüstung liegen parat, auch das Material ist aufgerichtet und vorsortiert – gefällt mir!

Markus kommt an – er blickt auf den gestern gestrichenen Rumpf und noch bevor er ein „Guten Morgen“ über die Lippen bringt, fährt es aus ihm heraus…

„Da können wir gleich wieder gehen, der Rumpf ist viel zu rauh, da musst nochmal schleifen. Den Coppercoatanstrich kannst vergessen!“

Ok, das trifft Hans Peter bis ins Mark. Der Kläger hat zwar nicht Unrecht, der Rumpf hat tatsächlich eine Orangenhaut, aber ob das wirklich relevant ist, bleibt zunächst offen.

Markus setzt sich zu mir…

Da sitzen wir nun – an wen oder was erinnert mich das???

Wir sitzen also nebeneinander da. Hans Peter wehrt sich gegen die Vorwürfe. Es sei egal ob das ganz glatt oder etwas hubbelig ist – wenn man nicht gerade Regatten gewinnen wolle. Für ihn reiche es aus, er schleife nicht mehr – heute wird gestrichen!

Ich höre ihn fragen, „…oder was meinst Du?“

Er sieht in meine Richtung. Ich drehe mich um, doch da ist niemand. Mich beschleicht der Verdacht er könne mich meinen. Shit – gerade noch stiller Zuhörer, schon gerate ich in den Konflikt, was tun???

„Ähhhh….“ höre ich mich sagen – in dem Augenblick fällt mir ein, an welches Bild mich diese skurille Szene erinnert!

Er sagt die Orangenhaut kann bleiben – hähähähä

„Ähhhh….“ wiederhole ich – Gott sei Dank kommt just in diesem Augenblick Dieter, welcher sich etwas verspätet hatte. Er wünscht einen guten Morgen, streicht über LIBERTÉs Rumpf und meint, „…ganz glatt ist es ja nicht geworden!“

Das lenkt ab! Meine offene Antwort ist nicht mehr relevant, die Diskussion auf´s Neue entfacht. Ich habe Glück, hätte aber salomonisch antworten können – Hans Peter hat Recht, es wird vermutlich nicht relevant sein – weder theoretisch, noch praktisch. Insgeheim stimme ich aber Markus zu, ich hätte bei NESSAJA auch ein besseres Finish angestrebt, rein aus optischen Gründen. Soll uns aber heute egal sein…

Hans Peter war sehr gut vorbereitet. Er hatte sich auch eine Einweisung des Arbeitsteams vorgenommen. „Alle mal herhören…“

Zwei mischen und rühren, zwei streichen…
Die Topfzeit beträgt bei 26°C und 51% Luftfeuchtigkeit etwa 27 Minuten und 13 Sekunden
Erst das, dann das – immer rühren, dann mit der Kappe des Härters den Alkohol dazugeben – zwei Kappen beim ersten Durchgang, drei Kappen beim zweiten Durchgang undsoweiter – und immer rühren

Genug der Worte – res, non verba – es geht los…

„Du, Hans Peter, das deckt nicht!“ „Jaaaa, das deckt erst ab dem vierten Durchgang!“
„Hans Peter, soll des echt nicht decken?“ „Nein, erst ab dem vierten Durchgang!“
„Vielleicht deckt des nicht weil der Rumpf so rauh ist!“ „Nein, das Finish reicht mir, es deckt erst ab dem vierten Durchgang!“
Hans Peter streicht stoisch, er legt ein sehr hohes Tempo vor

Cees von der LE CLAPOTIS kommt vorbei, der Niederländer grüßt freundlich“Goedemorgen, sagt mal, gehört der Rumpf so rauh?“ Hans Peter rollt die Augen, er erwidert, „…ja, das ist ok – und der Anstrich deckt erst nach dem vierten Durchgang!“

Ich schmunzle in mich hinein – Slapstick vom Allerfeinsten – Geschichten die das Leben schreibt.

Cees macht ein paar Bilder, dann geht er wieder.

Ich bin zum Rühren eingeteilt – der Mann mit dem goldenen Mixer
Wir Männer lieben schwarzen Latex – a „Boy Toy“
Men in Black (Gloves)
Hans Peter am Kiel – drei Lagen sind schon drauf
Love it or hate it – die „Orangenhaut“ von LIBERTÉ

Gottfried sieht nach dem Rechten – ihr ahnt was kommt – „Guten Morgen Männer! Sieht ja schon ganz gut aus. Aber es deckt noch nicht, ob das an der Orangenhaut liegt?“

Hans Peter holt tief Luft, ich merke wie sein Kamm schwillt – gerade noch rechtzeitig kann ich dazwischengehen und statt seiner antworten. „Nein Gottfried, die Orangenhaut ist irrelevant und für Hans Peter akzeptabel. Wir haben schon drei Anstriche drauf, aber es deckt wohl erst ab dem vierten!“

Ich sehe zu Hans Peter, er lässt die Luft ab und nickt – „Genau!“

Sibylle macht ihre Aufwartung – der Ouzo ist gekauft, sie müsse bald weg

Als Gottfried geht, kommt gerade Sibylle vorbei um mir zu sagen, dass sie in etwa einer Stunde weiter muss. Ich kenne meine Frau und bin auf der Hut.

Als sie die Arme in die Hüften stemmt und zum Rumpf schaut, zuckt ihr Mindwinkel – ich sage hastig, „…sieht gut aus Sibylle, oder? Das Finish ist ok und ab der nächsten Lage deckt es auch!“

Sibylle sieht mich an, ich kann ihre Gedanken lesen. Sie sagt nix, Gott sei Dank!

Wir streichen weiter…

Kurze Absprache, dann geht es weiter
Langsam wird es – ihr ahnt schon, die vierte Lage ist endlich drauf

Es wird nass in nass gestrichen – immer reihum. Man merkt sich, wo man schon gestrichen hat. Immer wenn man einmal rum ist, wird die Mischung neu angepasst.

Es wird ohne Pause gestrichen, so lange bis die Farbe verbraucht ist. Für LIBERTÉ wurden 13 Verpackungseinheiten berechnet, die soll für etwa sechs Lagen reichen.

Irgendwann ruft Hans Peter, „…die Farbe ist aus!“ Das war es, wir sind fertig! Ich frage noch nach, ob das wirklich alles sei, ob wir wirklich 11 Einheiten verstrichen haben? Mir kam es wenig vor, zumal es nur für fünf Lagen gereicht hat.

„Nein, passt schon, die Farbe ist aus! Wir sind fertig, Danke Jungs, ihr seid entlassen!“

Geschafft – fertig

Das trifft sich gut! Exakt jetzt muss Sibylle zum Fähranleger nach Agia Marina! Ich verabschiede mich, darf mir Hans Peters Ranger ausleihen und karre meine Gattin nebst Gepäck in das kleine Örtchen auf der anderen Inselseite.

Wir haben etwas Zeit, also gönnen wir uns noch einen „Freddo Cappuccino“ im neu eröffneten Café „Navarone“.

Man sitzt schön, alles ganz modern, nicht so eng bestuhlt
Der „Freddo“ war lecker, aber wir mussten ewig warten

Durch die lange Wartezeit auf unsere Bestellung, verging die Zeit wie im Flug. Bald schon kam Sibylles Zubringer um die Ecke und für uns war es an der Zeit, uns zur Rampe zu bewegen – ich verabschiede mich von meiner Frau, sie geht nach Deutschland, ich bleibe abermals alleine zurück auf Leros.

Gute Reise, bis irgendwann
Sie steigt ein, die Massen verschlucken sie – ich mache mich auf den Weg zurück

Weg ist sie! Damit hatten wir nicht gerechnet! Sibylle macht sich auf zu ihrem vierten Deutschlandbesuch in diesem Jahr. Die Frequenz steigt. Wir wissen Beide noch nicht wann sie zurück kommen wird, es kann eine Woche dauern oder vier. Sibylle selber rechnet mit einer Woche, ich denke, dass es länger dauert, die Mission lautet schließlich, dem kleinen Otto den Schulbeginn zu erleichtern – hierfür gibt es kein klassisches Enddatum.

Ich fahre zurück zu LIBERTÉ und Hans Peter – nanu, Dieter ist auch noch da, es stehen Farbdosen auf der Interimswerkbank – was hat das zu bedeuten? Was ist hier geschehen?

Dieter und HP setzen die Arbeit fort

Der Saarländer erklärt mir, dass er vergessen habe einen Karton mit „Coppercoat“ Zutaten auszupacken. Es muss rasch gehandelt werden – Operator, this is an Emergency – der letzte und sechste Anstrich muss gestrichen werden, bevor der vorherige angetrocknet ist.

Ich stecke meine Hände abermals in schwarzes Latex und denke an meine Frau, die wohl gerade auf der Fähre sitzt. Na dann, legen wir nochmals los…

Ok, sechs Lagen – jetzt aber!

Nach einer weiteren Stunde sind wir fertig, tatsächlich fertig! Wir räumen die Baustelle auf und ziehen das Klebeband für den Wasserpass ab. Jetzt endlich ist es geschafft – Hans Peters Projekt mit „Priorität 1“ ist erledigt! Seine LIBERTÉ trägt neue Unterwäsche, sie kommt kupferfarben daher, Coppercoat soll in Zukunft vor Bewuchs schützen.

Jetzt sieht sie gut aus – die Farbe hat nach der vierten Lage gedeckt

Wir haben jetzt zwei komplette Garnituren des „Coppercoat“ Anstriches zurückgehalten. Diese Einheiten sind für das Ruder, welches noch zu bearbeiten ist, zudem müssen noch die Auflageflächen der Stützen gestrichen werden. Beide Arbeiten planen wir für den April 2025!

Es gibt jetzt ein neues Projekt mit „Priorität 1“, nämlich die Erneuerung des stehenden Guts und das Stellen des Mastes. Ob das klappt werden wir sehen, im Moment gibt es keine Neuigkeiten aus Athen.

Inzwischen ist der Abend angebrochen, die Sonne verschwindet mittlerweile recht früh am Horizont.

Wir alle ziehen uns zurück und machen uns frisch

Unser „Bauleiter & Einpeitscher“ des heutigen Tages, hat es sich nicht nehmen lassen, ein Helferessen zu spendieren. Die ganze Truppe trifft sich also im „SouVLakki“ auf einen Grillteller – so muss das!

Ich weiß schon was ich bestelle – und der Kellner weiß es auch

Markus kommt an diesem Abend nicht alleine, er stellt uns Lilly vor, eine sehr nette und interessante Frau. Seglerin, Deutsch-Griechin, wortgewandt – sie war durchaus eine Bereicherung an diesem Abend. Ich bin gespannt, ob wir Lilly noch einmal sehen werden.

Klar, dass ein solcher Abend nicht ohne Eisabsacker enden darf. Wir drehen also die Runde über „Repapis“ Eistempel und beenden den Tag dann langsam – wir waren alle geschafft!

September – inzwischen hat sich die Besucherzahl nivelliert, alles ist wieder auf Normalniveau
Drei Kugeln – die Mädels lassen sich nicht lumpen
DAS sind Eisbecher – DAS sind Kugeln

Zuhause falle ich todmüde ins Bett. Der letzte Gedanke an den ich mich erinnern kann – „…was machen eigentlich ELOWYNs Batterien?“ Dann bin ich wohl eingeschla….Chrrrr, chrrrr….

Als ich am nächsten Morgen aufwache, habe ich die Stromspeicher meines Patenschiffes sofort wieder im Sinn. Ich stehe auf, trinke meinen Kaffee und fahre dann nach Lakki, um nachzufragen, ob denn mit der Verschiffung alles geklappt hat. Hat es! Das ist ja mal eine gute Nachricht, es kann also losgehen!

Kaliopi, die Juniorchefin, bestätigt – die Akkus sind da

Ja, irgendwie ist es verwunderlich. Natürlich habe ich die Batterien zunächst dort angefragt, wo man mich vermuten würde – ich war an der BP Tankstelle Mavroudis und habe mit Vivi darüber gesprochen. Von ihr habe ich den besten Preis aber leider eine inakzeptable Lieferzeit bekommen.

Ich war sebstverständlich bei unserem Ship-Chandler in der Evros Marina. Panos hat mir, auf Nachfrage, den gleichen attraktiven Liefertermin genannt wie Kaliopi, hat aber dann, als ich die Batterien selber definieren wollte gesagt, „Captain, send me a picture…“! Er kann eben nicht aus seiner Haut – doch diesmal war diese Aufforderung die falsche, die Zeit drängte.

So fiel die Wahl eben abermals auf den schönen, neuen und aufgeräumten Laden der „Artemis Boatyard“. Die zwei Damen im Laden haben das so gut im Griff, da passt jede Aussage – sie handeln absolut verlässlich und professionell!

Ich informiere Volker per WhatsApp, dass die begehrten Akkus vor Ort sind. Zudem meine neugierige Frage – und wo seid ihr?

Da nicht umgehend eine Antwort kommt, sehe ich einfach nach…

Ok, das ist noch ein Stück – aber Ankunft heute!

Nachdem klar wird, dass ich noch Zeit habe und der Einbau wohl erst morgen stattfinden wird, gönne ich mir erstmal ein Frühstück. Doch wohin nur??? Mikes? Ein Kotopita? Hm, heute nicht! Marietta? Ein Rührei mit Speck? Nein, ein Andermal. Ich weiß!!!

SO geht Frühstück

Ja tatsächlich, Eis kann ich zu jeder Tages- und Nachtzeit – schade, dass es bei „Repapis“ kein Himbeereis gibt, ich müsste sonst ernsthaft über den 1977er Schlager von Hoffmann & Hoffmann „Himbeereis zum Frühstück“ als Headline nachdenken. Dabei frage ich mich, ob es auf Leros eigentlich Fahrstühle gibt – aber das ist ein anderes Thema 😉 …

Zurück in der Marina, spricht mich Hans Peter an, er bräuchte Hilfe. Diesmal ist es kein „Emergency Call“, es geht nur um eine Kleinigkeit.

Mein Freund hat ein nur zwei Jahre altes 240er Hypalon-RIB gebraucht erworben, dies müsse am anderen Ende der Marina geholt werden. Klar, machen wir sofort…

Wir laden das neue Schnulli auf – der Weg ist nicht weit, ein Gurt reicht

Gemeinsam brummeln wir mit dem Ranger über den Sandplatz der Marina und bringen das Schnäppchen zu LIBERTÉ. Ein guter Kauf! Der Saarländer freut sich und lädt mich auf ein Sprudelwasser zu sich an Bord.

Dort werden wir sehr nett empfangen…

Er mag es wenn Menschen die Leiter hochkommen – für einen Moment auf Augenhöhe

Wir sitzen im Cockpit der Bavaria 41H und trinken das Blubberwasser. Es ist noch heiß, daher genießen wir die Zugluft auf HPs „Roof-Top Terrace“, dies wird sich im Laufe des September noch ändern – aber das wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.

Wir klönen, wir haben keinen Zeitdruck! Man merkt dem Saarländer die Erleichterung an – Coppercoat ist gestrichen, das stehende Gut ist in Athen. Es stehen zwar eine Menge Kleinarbeiten auf der Liste, aber für den Moment ist der Druck erstmal aus dem Kessel.

Dass Sibylle nach Deutschland musste und wir auf einen Kurzurlaub auf der ELOWYN verzichtet haben, hat Hans Peter in die Karten gespielt. Ich hatte mehr Zeit und Lust, mich auf seine offenen Punkte zu konzentrieren. Wir besprechen uns, wie geht es weiter?

Nun, wir müssen auf die Fertigung der neuen Wanten und Stagen warten, hier können wir kaum etwas tun, alles ist „just in time“ geplant. Mein Freund fordert ein paar Tage relaxen ein. Ich bestätige das und informiere ihn, dass sich dies gut träfe, denn ich würde mich die nächsten Tage auf Tina und Volker nebst ihrer ELOWYN konzentrieren.

Zusammen sehen wir noch einmal nach, wo die Beiden eigentlich unterwegs sind – eine klare Annäherung ist zu sehen, sie werden bald ankommen.

Ziel vor dem Bug

So haben wir Beide einen ganzen Nachmittag verratscht. Das hat auch einmal gut getan, zusammensitzen ohne Arbeitslast. Ich bleibe noch eine Stunde sitzen, dann möchte HP kochen.

Für mich dagegen ist es Zeit an den A-Ponton zu gehen um beim Anlegen von Volker und Tina zu helfen.

Marinero Giannis wartet schon als der blaue Riese einläuft, er will heim
Zusammen geht es schnell – die Sonne will gerade verschwinden, als die Algro 68 final befestigt ist. Maschine aus!
Schön, dass ihr wieder da seid – darauf einen Moët

Ich denke, ich muss nicht erwähnen, dass ich bereits einen Leihwagen organisiert habe und dieser parat steht! Wir gehen heute zusammen ins „SouVLakki“, weil Tina, man höre und staune, „Lust auf Fleisch“ hat. Ich grüble, ob dies die vielzitierte „Fleischeslust“ ist, bekomme aber keine abschließende Antwort – egal, wir lassen den Tag wunderschön ausklingen.

Als wir spät nachts in die Marina zurück kommen, ist nahezu absolute Ruhe. Der Mond schickt sich an, zum Vollmond zu werden und kann der Szenerie eine besondere Stimmung auferlegen.

Absacker auf meinem Patenschiff – jetzt aber heim

Am nächsten Morgen vernehmen meine Ohren zwei Geräusche. Das Klingeln des Weckers einerseits, anderseits das Brummen meines Kopfes.

Alles Jammern hilft aber nix, die Pflicht ruft! Heute bauen wir „mal schnell“ sechs Batterien um – jede 12V / 180Ah und rund 50kg schwer.

Ich bin zur verabredeten Zeit vor Ort – und siehe da, Volker war schon fleißig! Hier lässt er sich nichts nachsagen.

Salontisch, Bodenpanele und Verkabelung – alles schon demontiert

Sein Überengagement hat für mich einen Vor- und einen Nachteil – der Vorteil, ich muss mich nicht, in gebückter Stellung, auf den Knien rutschend, mit Kleinarbeiten plagen.

Der Nachteil – mit dem ersten Handgriff hängt ein 50kg Monster an meinen Ärmchen. Das Gewicht zerrt an den Schultern, Ellbogen und Handgelenken.

Wir „lupfen“ die „Kaventsmänner“ erst aus ihrem Fach – sind nur sechs Stück
Wir rackern – aber der Spaß kommt nicht zu kurz
Irgendwann ist es geschafft – Nummer 6 steht schon im Niedergang

Es ist nicht zu vermeiden, dass wir jede einzelne der wuchtigen Batterien etliche Male packen und anheben müssen. Es geht nicht anders als in kleinen Etappen.

Vom Batterie-Kompartment auf den Salonboden, von dort über die Niedergangstreppe auf den Cockpittisch, vom Cockpit ans Heck des Schiffes, von da über die Gangway auf den Ponton und, last not least, vom Ponton in den Kofferraum des Jimnys.

Alle drin! Obendrauf das SUP, das bringen wir zur Reparatur zu Giorgos

Wir fahren zu Giorgos „Boat & Parts“ und geben das SUP zur Reparatur ab, dann geht es weiter zum Laden von „Artemis Boatyard“, wo unsere Batterien schon auf einer kleinen Palette auf uns warten.

Es beginnt ein ähnliches Spiel – jede der sechs alten Batterien ausladen. Dann in den Lagerraum des Geschäftes tragen – auch hier gibt es eine Altteilrückgabe. Die Neuen stehen zum Glück vor dem Laden und sind relativ rasch ins Auto gestapelt – dann geht es zurück in die Marina.

Wir sind wieder da

Naja, ihr könnt euch vorstellen was jetzt kommt – wir machen alle Schritte des Vormittags noch einmal, nur in umgekehrter Reihenfolge.

Als wir die Dinger an Bord haben sind wir echt erleichtert. Das ist die „halbe Miete“…

Sieht lässig aus – war es aber nicht

Wir trinken einen Espresso und schuften weiter. Das Gute an solchen Arbeiten ist, irgendwann hast Du ein Ergebnis!

Ja, man plagt sich, man ärgert sich, aber irgendwann liegt die Hauptlast hinter einem. So auch heute! Am Spätnachmittag vermelden wir Vollzug! Die neuen Energieträger sind ausgepackt und auf ihre Plätze gehoben, die körperliche Schwerstarbeit hat ein Ende gefunden.

Sieht gut aus

Volker ruft ein „Freu-Bier“ aus, das hätten wir uns verdient! Ich muss sagen, so ganz unrecht hat er da nicht. Wir merken halt auch, dass wir nicht mehr 20 sind. Aber generell muss ich sagen, dass die Rackerei glimpflich an uns vorübergegangen ist – wir hatten andertags keine unsäglichen Schmerzen.

Geschafft – we „fixed“ it! Darauf ein FIX

Volker entlässt mich in den Feierabend. Er wolle noch das Interieur von ELOWYN zusammenbauen, dann könnten wir doch an den Panteli Beach fahren, ein weiteres Bierchen schlürfen und uns etwas erfrischen?

Ja, das klingt gut! Zudem einigen wir us auf das „La Nostra“ als Restaurant der heutigen Wahl. Volker ist´s nach Pizza und ich freue mich – Leibspeise!

Ich erhalte den Auftrag, am Weg zu NESSAJA sowohl Hans Peter als auch Gabi und Gottfried zu informieren – wer will kann mit!

An der HARMONY brauchts keine lange Überredung! Die Beiden freuen sich und sagen zu. Dann gehe zu LIBERTÉ und frage Hans Peter. Er zaudert, denn er hätte schon eingekauft und müsse erst überlegen, ob nicht etwas Verderbliches dabei wäre.

Es vergehen Sekunden, die mir wie Minuten vorkommen – ich experimentiere derweil mit des Sarländers Brille…

Steht mir – ich brauche auch eine runde Brille, leider hält Plastik hier nicht lange

Mein Freund reißt mich aus meinen Gedanken – „Ok, ich komm´ mit! Kochen kann ich morgen.“ Na also, geht doch!

Ich verhole mich auf NESSAJA und gönne mir eine Stunde Pause. Ich lege mich einfach auf die Salonbank und schaue in die Luft – Sibylle nennt es „doof schauen“. Obwohl ich den wortbrechenden Comedy-Star Willy Astor gar nicht so mag, fällt mir in dieser Sekunde sein Werk „Das Flunserl“ ein – „…ich lieg auf meiner Couch und sehe so a klitzekleines Flunserl…“

Viel zu schnell vergeht der Moment der Ruhe. Ich packe meine Badehose und fahre mit Tina und Volker an den Panteli Strand. Wir genießen den restlichen Tag!

Just in diesem Moment ertönt ein BIMM und eine Nachricht von Sibylle trudelt herein. Ich wusste, dass sie gut angekommen ist und sich voll ins Family-Business gestürzt hat. Leider läuft es mit der Eingewöhnung der Knaben in Schule und Kindergarten nur bedingt gut. Sie ist frustriert und hadert zudem mit dem Wetter. Ich erhalte dieses Bild…

Die Firstalm liegt direkt oberhalb unseres früheren Zuhause – ein beliebtes Ziel für Spaziergänge

Ich bin in einer Zwickmühle! Was soll ich antworten? Ich spreche ihr mein Bedauern aus, das mit dem Wetter ist echt Mist. Ich vermittle Zuversicht und stimme zu, dass es gut war anzureisen und zu helfen – sie würde das hinbekommen.

Gerade als sich der Ton in der Kommunikation normalisiert, entscheide ich ebenfalls ein Bild zu senden – war wohl keine gute Idee, die Kommunikation reißt ab…

Ich kann doch nix dafür

Wir bleiben nur etwa eineinhalb Stunden, dann geht es zurück in die Marina. Wieder zieht sich jeder in die privaten Gemächer zurück – „frisch machen“ steht auf dem Programm, denn dann ruft das „La Nostra“!

In der Marina wird wieder fleißig gekrant. Der Platz ist jetzt schon gut angefüllt, es herrscht eine 105% Auslastung, was manchmal für Unbill sorgt.

Aus diesem Grund und weil das „Skipper´s“ immer noch geöffnet hat, muss dafür Sorge getragen werden, dass genug Manöverraum für die großen Kräne und den Mover bleibt – dafür hat sich die Marinaleitung Maßnahmen einfallen lassen.

Leider gibt es eben auch hier immer diesen einen Deppen.

Kein Wort über die Herkunft – hätte jedem passieren können, oder?

Es parken eben um diese Jahreszeit noch viele Wägen innerhalb der Marina. Nicht jeder Zeitgenosse schaltet dabei das Gehirn ein und beachtet die Fahrwege der Arbeitsmaschinen oder Zulieferfahrzeuge.

Der arme „Crane Operator“ Giannis muss dann immer echt lang die Mieter oder Besitzer der Wägen suchen, das verzögert die Abläufe – aber Hauptsache, dass jeder sein Auto gaaaanz nah am Schiff hat.

Wenn ich Kalif wäre anstelle des Kalifen, ich würde es einmal auf eine Auseinandersetzung ankommen lassen und ein Auto mit einem Schiff zuparken. Klar, ein bisschen Zirkus, ein bisschen Heckmeck – warten bis es genug Leute gesehen haben und dann „Radio Ponton“ für sich arbeiten lassen.

Ich bin sicher, dass dann keine Autos mehr zwischen den Booten stehen würden. Na egal, ich reg´ mich wirklich nicht auf, wo Menschen sind menschelt es eben – ein Spiegel der Gesellschaft!

Wir zwängen uns in den kleinen Jimny und brummeln zur Pizzeria, dort treffen auch Hans Peter und G&G ein.

Feines Wägelchen so ein Jimny
Platz ist in der kleinsten Hütte
Die Pizza ist heute wieder superlecker
Gesellige Runde – wir senden Grüße an Sibylle

Es war ein kurzweiliger Abend! Wir haben uns kreuz und quer unterhalten, für jeden war ein Thema dabei und es herrschte keine Sekunde Langeweile.

Sehr zu meiner Überraschung, schließen wir auch den heutigen Abend bei „Repapis“ ab. Tina und Volker sind gar nicht so Ice-Lovers, wir gehen selten bis nie in Lakkis Eispalast – heute aber schon! Vielleicht war es einfach der „Gruppenzwang“, vielleicht die Neugierde – wie auch immer, der Tag klang bei einer süßen Köstlichkeit aus.

Pretty in Pink – ein „Freudenhaus“ im allerpositivsten Sinn

Der neue Morgen bricht an – ein Tag des Abschieds und des Wiedersehens gleichzeitig – kurios wird es dadurch, dass es sich um ein- und dasselbe Schiff handelt – die ELOWYN!

Durch die Unterbrechung ihrer Reise, haben Tina und Volker nur zwei bis drei Tage Zeit, bevor sie noch einmal, geplant diesmal, für zwei Tage in die Marina kommen. Dann, um das Schiff für ankommende Gäste vorzubereiten und um hier zu bunkern.

Die Beiden wollen unbedingt auslaufen, doch es stellt sich die Frage – wohin??? Dies erörtern und diskutieren die Beiden während eines Frühstücks im „Skipper´s“ – ich schließe mich einfach mal an und bin ganz Ohr!

Breakfast at… nein, nicht Tiffany´s – „Skipper´s“! Es wird überlegt, wohin die Reise geht
Es gibt eine neue Frühstückskarte – die ausgewählten Speisen sind gut

Mich wundert, dass auch die Locals zum Frühstücken kommen. So treffen wir Gianna Mavroudis mit Familie. Ihr Mann Maximos ist an der familieneigenen Tankstelle beschäftigt und ein Autonarr – dies bestätigt ein Blick auf sein Automobil.

Wer Leros kennt weiß, dass so eine Maschine hier eigentlich absurd ist – aber was soll´s?

Kann man, muss man aber nicht

Ach ja, wie ist es ausgegangen? Wohin führt der Törnplan der ELOWYN? Haltet euch fest, es soll nach Panteli gehen!

Es stehen also etwa 7nm auf dem Plan, Ankunft in ein bis zwei Stunden. Ich soll das Auto bitte einen Tag länger mieten und einen Tisch im „Harris“ und anschließend im „Pirofani“ bestellen – ok, das klingt aber nicht schlecht! In mir macht sich Vorfreude breit…

Doch zunächst heißt es Abschied nehmen – für zwei Stunden!

Da fahren sie dahin

Ich nutze die Pause für dringende Hilfe – „Operator, this is an Emergency!

Es ist ein „echter“ Notfall, einer der Art, wenn ein Vollblut DIY-Skipper um Hilfe ersucht, weil er mit seinem Latein am Ende ist. So ergeht es heute Gottfried.

Ich habe das so noch nie geschrieben, aber Gottfried ist einer von zweien, von denen ich mir bei NESSAJA habe helfen lassen. Er ist ein Tüftler, einer der es eher etwas zu genau nimmt und sich zu verstricken droht – aber er ist auch der, der sich in Lösungsansätze verbeißt wie kein Zweiter.

Er tüftelt lange schon an seinem Wassertank, dieser ist undicht. Mehrere Reparaturversuche führten nicht zu dauerhaften Erfolg. Zu guter Letzt hat er entschieden, einen neuen Tank auf Maß schweißen zu lassen. Gefertigt wurde der Tank von meinem Freund Giorgos.

Es sieht so aus, als ob auch der neue Tank undicht ist!!! Gottfried ist der Verzweiflung nahe, ich möge bitte vorbeisehen.

Klar zu erkennen, ein Tropfen an der Schweißnaht

Ich konnte helfen, auf ganz banale Art und Weise! Gottfried wollte nicht akzeptieren, was nicht sein darf – er hantierte mit Zewa, stellte Drucküberlegungen mit einer bestimmten Höhe Wassersäule an und überlegte ernsthaft, ob man den Tank vielleicht besser nicht ganz auffüllen soll.

Der Grund lag auf der Hand – er hatte den Tank inzwischen fünfmal ausgebaut, jedesmal gehofft, jedesmal den Nackenschlag wegstecken müssen. Nun steht in drei Tagen ihre Heimreise an und es gibt alle Hände voll zu tun – dies steigert die Kompromissbereitschaft und verhindert klare Gedanken.

Ich schaue mir den Tank an, warte zwei Minuten – ein Tropfen! Ich putze die Stelle ab und warte wieder zwei Minuten – wieder ein Tropfen. Klare Sache – undicht! Bei Wasser gibt es nur 1 oder 0! Dicht oder undicht, Top oder Flop.

Ich sehe ihn an und sage – „…lass´ das Wasser ab und bau´ ihn nochmal aus. Ich bring ihn mit Hans Peter zu Giorgos und kümmere mich während des Winters darum. Nächstes Frühjahr hast Du einen dichten Tank!“

Er vertraut mir und übergibt das Projekt in meine Hände – ich freue mich, dass ich etwas für Gottfried tun kann.

Für heute reicht es mir! Ich bin verschwitzt und freue mich auf ein Bad am Panteli Beach! Dort würde ich auch Volker und Tina wieder treffen. Ich packe meine Badebuxe und tuckere mit dem Mopped an den schönen Strand.

Herrlich – ein Traum
Ich gehe eine Runde schwimmen und fletze mich dann etwas auf die Liege

Ich kann nicht anders, es überkommt mich einfach – ich weiß auch, dass es ein bisschen gemein ist, aber ich MUSS Sibylle dieses Bild schicken! Ich verbinde es mit der scheinheiligen Frage, wie es denn bei ihr so sei…

Dazu hänge ich noch ein weiteres Bild an!

Weiter weg vom Wasser sollte man nun wirklich nicht ruhen

Sie antwortet prompt und schickt Emojis die ich ohne Brille nicht genau erkennen kann. Das eine scheint ein braunes Dreieck zu sein, das andere ein roter Kreis mit einem angedeuteten Blitz – komisch???

Natürlich schickt auch sie ein Bild, sie sei gerade etwas spazieren…

Oh wie schön – Winterwonderland! Gott sei Dank bin ich weit weg

Auch ich kommentiere ihr Bild mit einem Emoji, ein gelber Punkt mit einem grünen Strahl am unteren Ende lässt mich vermuten, dass ich das Kotzemoji ausgewählt habe!

Als ich mit Volker und Tina den Strand Richtung Parkplatz verlasse, wir sind auf dem Weg zum „Harris“, stehen zwei Musiker vor dem „Tante -Emma-Laden“. Just in diesem Augenblick kommen hupende Autos und stoppen auf dem kleinen Platz, dieser ist augenblicklich blockiert.

Das Brautpaar steigt nebst den Begleitern in den ersten drei Fahrzeugen aus, die Musiker fangen an zu spielen und es wird auf der Straße getanzt. Panteli ist für fünf Minuten blockiert, aber niemand regt sich auf.

Das ist Griechenland – I love it! το λατρεύω!!!

Gelebtes Brauchtum
Hier ein kleiner Clip um einen Eindruck zu bekommen

Kaum war der Tanz getanzt, gab es eine Runde Tsipouro und die Karawane setzte sich wieder in Gang. Der Stau löste sich schneller auf als gedacht, so konnten auch wir unsere Fahrt zu Haris´ Bar in der Windmühle am Bergkamm fortsetzen.

Ein paar Minuten später trafen wir ein und bekamen den perfekten Tisch zugewiesen – ein bisschen Glück war dabei, weil wir nur auf einen Drink bleiben wollten. Für die kurze Zeit war es kein Problem diesen besonderen Platz zu besetzen.

Wir bekommen den freistehenden Tisch auf der kleinen Terrasse
Die Luft ist klar, der Blick nach Kalymnos wunderschön
Unten das pittoreske Panteli und auf der anderen Inselseite die Lakki Bucht – am Horizont Wolkenberge über den Kykladen
Wir genießen die letzten Sonnenstrahlen und albern herum
Ein wunderbarer Platz

Wir gönnen uns einen „Hakuna Matata“, einen Longdrink, der scharf angemischt und sehr fruchtig ist – sehr geiles Getränk. So genießen wir die eineinhalb Stunden bis die Sonne weg ist, dann fahren wir den Berg wieder hinunter nach Panteli – wie bereits erwähnt, ist das „Pirofani“ heute die Taverne unserer Wahl.

Es ist ein toller Tag, sorgenfrei, alles in Ordnung – Hakuna Matata!

Auch im „Pirofani“ haben wir einen super Tisch – first row to shore

Hier passiert zum ersten Mal in diesem Jahr, dass Volker noch einmal mit dem Dinghy zu ELOWYN fahren muss. Beiden, Tina und ihm selbst, ist es nach einer leichten Jacke oder einem Pullover.

Ich will es nicht wahrhaben, aber ich muss beipflichten. Ich habe nicht den Luxus „schnell mal“ das Longsleeve holen zu können und harre daher aus – aber ich fröstle und ziehe mir wohl eine leichte Erkältung zu.

Der Hochsommer hat sich klammheimlich und viel zu früh verabschiedet. Es ist für Mitte September etwas zu kalt, die letzten Jahre waren wir erst ab Oktober langärmelig. Ich hoffe, dass dies noch einmal etwas besser wird wenn der Wind nachlässt – im Moment sieht es nicht danach aus.

Wir bestellen nur Meze – davon aber ausreichend

Heute belassen wir es dabei ausschließlich Meze zu bestellen. Das aber in einer solchen Vielfalt, dass wir alle satt werden und für jeden etwas dabei ist – es war ausgesprochen lecker!

Ab nach Hause

Spät am Abend trennen sich unsere Wege, Tina und Volker klettern in ihren WILLI, der sie zum Mutterschiff zurückbringen wird. Ich fahre mit dem geliehenen Jimny zurück, diesen muss ich morgen bei Rena abgeben.

Abermals verabschieden wir uns – wohlwissend, dass wir uns in zwei, drei Tagen in der Marina wieder sehen werden.

Ich drehe mich noch einmal um – ich mag das „Pirofani“

Auf der Heimfahrt vibriert es in meiner Hosentasche. Ich staune nicht schlecht als ich zuhause auf den Bildschirm gucke – soooo lange hat die Abstinenz ja nicht gedauert!

Eine Nachricht von Volker – „…beim WILLI leuchtet die Motormanagement Lampe! Wie kannst Du helfen? Dringend! Ich habe den Motor sofort abgestellt“

„Operator – this is an Emergency!“

Ich blättere noch ein wenig im Werkstatthandbuch des „Williams Jet-Tenders“ und schreibe Volker dann eine WhatsApp – „…siga, siga, Regel Nummer 1 in der Seefahrt lautet Ruhe bewahren! Bitte Batterie abklemmen, zehn Sekunden warten, wieder anklemmen. Was passiert? Licht aus? Bitte morgen Rückmeldung!“

Als ich am nächsten Morgen mein Mobiltelefon einschalte, ploppt die Nachricht bereits auf – „Alles ok, die Lampe ist aus, wir hauen heute ab und verlassen Leros noch einmal für ein paar Tage!“

Ok! Das hätten wir also. Die ELOWYN zieht ihre Kreise durch das „Rentnerdreieck“ – und was mache ich heute? Ich weiß! Kaffeetrinken – und dann bringen Hans Peter und ich Gottfrieds inkontinenten Tank zu Giorgos.

Der undichte Tank muss nachbearbeitet werden

Der Zufall will es, dass Giorgos an diesem Morgen gerade an Volkers SUP arbeitet. Genauer gesagt, es wird im Moment auf Dichtheit geprüft, denn des Schweißers bester Freund, seines Zeichens Vulkaniseur, hat schon ganze Arbeit geleistet.

Bisheriges Ergebnis – sieht gut aus! In zwei Tagen könne ich es abholen.

Das teure Board konnte noch einmal repariert werden

So, geschafft! Der nächste Punkt auf unserer Liste ist eher unangenehmerer Natur – wir hatten Terrier Merlin bereits in die Transportbox gepackt und ihn mitgenommen, denn jetzt führte unser Weg schnurstracks zum Tierarzt.

Hans Peters armer, schnauzbärtiger Weggefährte laborierte an einer Entzündung am Poppes, genauer gesagt, seine Analdrüsen machten ihm zu schaffen. Hier musste der Tierarzt ran, der treue Vierbeiner war geplagt, das merkte man ihm an…

Eine tolle Praxis und ein sehr guter Tierarzt – hier waren wir auch schon mit Mamos
Das Zamperl brauchte Trost – er ahnte wohl was kommt

Ich spare mir die „vorher“ Bilder, das sah schon schmerzhaft aus! Ich habe draußen gewartet, aber es war deutlich hörbar, dass Merlin schmerzhafte Sekunden aushalten musste.

Aber er war tapfer, hielt durch und konnte schon nach wenigen Minuten aus dem Behandlungszimmer entlassen werden. Sein Herrchen wurde noch mit allerhand Pflichten betraut, einsalben, Tabletten geben, undsoweiter – dann aber konnten wir zurück in die Marina fahren.

Merlin war geschafft, erst mal ausruhen! Die Wunde lässt erahnen, was der Terrier aushalten musste.

Man merkte deutlich – das Leid war weg! Alles richtig gemacht – die Pflichten des Hundehalters

Wie spanne ich nun den Bogen von Merlins rasiertem Hinterteil zu meinem Brunch??? Schwierig! Ich vermute, die beste Lösung ist ein Landschaftsbild!

„Göran-Schildt-Regatta“ in der Lakki Bucht

Ich verspürte nämlich einen kleinen Appetit und überprüfte den Inhalt meines Kühlschranks. Nix drin! Nun, verwunderlich war das nicht, denn ich fahre die Lebensmittelhaltung während Sibylles Abwesenheit immer auf Null zurück.

Ich musste also rasch in den Supermarkt, um mir ein Hummus zu den vorhandenen Grissini zu kaufen. Dabei fiel mir auf, dass gerade die „Göran-Schildt-Regatta“ in der Bucht von Lakki gestartet wurde. Die Segler kreuzten unter weißen Tüchern, um die heutige Aufgabenstellung der dreitägigen Veranstaltung zu erfüllen. Ich sah mir das Treiben ein wenig an, dann aber gab ich meinem Magenknurren nach…

Kleiner Snack am Mittag

Ich genieße diese Momente und sitze absichtlich im Salon von NESSAJA – ich freue mich über einen Augenblick Ruhe und Zurückgezogenheit!

Leider war dieser nicht von langer Dauer – ich höre von außen rufen „Mario (Operator) – this is an Emergency!“ Ok, zugegeben, der Wortlaut war leicht abweichend, dennoch ließ mich Alistair von unserem Schwesterschiff MONEY PENNY verstehen, dass er dringend meine Hilfe bräuche – nicht direkt, er bräuche ein Werkzeug, meine große Crimpzange!

Haben ist besser als brauchen

Er hat Probleme mit seiner Ladeelektrik und bereits zwei Lichtmaschinen abgefackelt. So langsam schwant ihm, dass es nicht an den Alternatoren liegen kann – er beabsichtigt daher die Verkabelung anzupassen. Später, als er die Zange zurück bringt erfahre ich, dass er den Fehler gefunden hat – zwei Kabel waren vertauscht! Ein teurer Faux-Pas!

Übrigens, auch Alistair wird seine Dufour 43CC verkaufen. Er bietet sie gerade in „boat24“ an und ich bin gespannt, wie sich das entwickelt. Wenn ihr jemand wisst – hier ist das Inserat…

Inzwischen ist es Abend geworden, ich bin zum Pizza essen verabredet – als ich über den Steg schlendere, fällt mir die schöne Szenerie auf – ich liebe diese Momente.

Die „blaue Stunde“ – der Tag verabschiedet sich…
…der Mond geht auf, die Nacht beginnt

Heute treffe ich Benno und Hilde von der CARPE DIEM. Weil es davon so viele gibt, sagen die Beiden immer dazu, „…von der kleinen, roten…“, weil ihre Sirius 31 eben rote Zierstreifen hat statt der üblichen blauen – dies trifft auch in unserer Marina zu, so handelt es sich um ein eindeutiges Unterscheidungsmerkmal.

Die beiden Geltinger beenden ihre Saison aufgrund einer Familienfeier auch etwas früher und werden übermorgen abreisen. Es war uns daran gelegen, noch einmal zusammenzusitzen.

So fahre ich ins „La Nostra“ in Lakki, den Blick immer über die, in spektakuläres Licht getauchte, Lakki Bucht gerichtet.

Die Wolken sorgen für Dramaturgie
Im „La Nostra“ lassen wir uns die Pizza schmecken

Ich kann es euch nicht ersparen auch diesmal ein „Repapis“ Bild anzuhängen. Auch Hilde und Benno sind Liebhaber der Eiskreationen aus der kleinen Speiseeismanufaktur – es ist nicht wegzudiskutieren , das ist ist… leider geil!

Ich gebe mich mit zwei bescheidenen Kügelchen zufrieden

Nachdem wir die köstliche Creme genossen haben, trennten sich unsere Wege. Wir verabschieden uns und sagen Lebewohl – bis 2025!

Der nächste Tag war ein Faulenzertag für mich. Ein bisschen Computerarbeit, ein bisschen Recherchieren und Organisieren. Am Nachmittag ein Sprung ins kühle Nass – mehr stand nicht auf dem Plan.

Ich habe den „freien Tag“ genossen, denn bald schon würden Volker und Tina mit ELOWYN wieder in die Marina kommen. Es gilt den blauen Riesen für eine einwöchige Urlaubsfahrt mit Gästen aufzuhübschen. Zunächst muss ich ein Auto reservieren – ich kontaktiere dafür Rena von „Leros Rent a Car & Moto“ um das begehrte Vehikel anzufragen.

Ihre nächtliche Antwort lässt mich ein paar Stunden später schmunzeln, sie hat´s erkannt 😉 …

Ich muss mal mit Volker sprechen 😉

Nachdem die Anfrage abgeschickt war, stand nur noch ein Punkt auf meiner heutigen Liste – ich hatte eine Verabredung zum Dinner mit der Crew der STARLIGHT III, ihr erinnert euch vielleicht an Romina und Heribert.

Die Beiden sind völlig überraschend noch einmal in Leros vorbei gekommen, dies nachdem wir uns vor etwas zwei Monaten verabschiedet hatten. Der Besuch war wirklich ungeplant und ich habe mich richtig gefreut.

Da die beiden kein Vehikel haben, lag es auf der Hand in Lakki eine Taverne auszusuchen. Die Wahl fiel, auf Rominas Wunsch hin, auf das „El Greco“.

Ich war lang nicht mehr da

Irgendwie ist das Band zu dieser Taverne gerissen, ich war lang nicht mehr da. Früher war das „El Greco“ unsere Lieblingstaverne am Panteli Beach. Wir dachten, dass die Inhaber mit dem Umzug nach Lakki alles richtig gemacht haben, denn hier sind sie konkurrenzlos, aber irgendwie hat sich auch die Charakteristik und die Performance der einst so guten Taverne geändert.

In Panteli gehen wir nun ins „Pirofani“, hier in Lakki konnte sich „El Greco“ bei uns nicht durchsetzen, denn wir hatten zweimal wirklich Pech mit dem Service.

Dennoch war ich open minded, denn inzwischen arbeitet Popi, die ehemalige Inhaberin des „Morano Café“ (heute „La Palma“) hier. Sie ist eine charismatische Menschenfängerin und Sympathieträgerin – vielleicht gelingt es „El Greco“ mit ihr zu punkten.

Offen gesagt – ich verstehe es, aber solche Statements in einer Speisekarte zu lesen macht einen unfreundlichen Eindruck

Der erste Eindruck war ok. Der reservierte Tisch war schön, Popi hat uns bedient, wenn auch nicht in der gewohnten Freundlichekit und Herzlichkeit – ich hoffe, ich habe mich in ihr als Person nicht getäuscht. Im „El Greco“ sind wir eben nicht die Stammkunden, die wir im damaligen „Morano Café“ waren.

Sagen wir einfach, es war nicht ihr Tag…

Ich ganz persönlich konsumiere eigentlich immer über 20.-€ beim Dinner. Auch habe ich nicht vor, halbe Portionen zu bestellen – dennoch finde ich eine Klausel auf der Speisekarte, welche dies kategorisch ausschließt, rot und fett gedruckt, irgendwie offensiv und unfreundlich. Naja, der Wirt wird wissen was er tut!

Mit Romina und Heribert im „El Greco“

Romina hatte noch eine kurze ZOOM Telefonkonferenz, dann konnte es losgehen. Wir haben unser Essen bestellt und uns derweil an der netten Szenerie erfreut, welche der Mond ans Firmament zauberte.

Spektakulär kommt der Mond nach oben
Die Farbe war unwirklich
Wir teilten ein paar Meze
Für mich gab es Spaghetti mit Scampi als Hauptgericht
Aber auch die anderen Hauptgänge waren nicht von schlechten Eltern
Kalamarifilets – haben auch sehr gut gemundet

Mein Fazit – wir haben gut gegessen, der Service war gut, alles war gut. Aber GUT ist eben eine „2“ – und warum soll man sich mit gut zufrieden geben, wenn man etwas sehr Gutes oder gar Steigerungen davon haben kann?

Ich bleibe dabei, ich gehe gerne zu „El Greco“ mit, wenn sich Freunde einen Besuch dort wünschen, erste Wahl ist es für mich nicht.

Abermals verabschieden wir uns, diesmal wird es länger dauern mit einem Wiedersehen – sofern es eines geben wird. Die STARLIGHT III wird weitersegeln nach Roccella Ionica in Italien.

Ein neuer Tag – mir schießt, sofort nach dem Starten meiner Gehrinsynapsen, Paul Panther in den Kopf…

„Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät? Heute ist nicht alle Tage, ich komm´ wieder, keine Frage!“ (Bedankt euch später für den Ohrwurm 😉 )

War die ELOWYN nicht erst abgereist? Egal, heute kehrt sie jedenfalls planmäßig in die Marina zurück.

Für mich heißt es – aufstehen, Kaffee trinken, Auto abholen und ein Paket in Empfang für Tina in Empfang nehmen.

Kurzes Foto für einen Statusbericht…
…dann sehe ich nach, wo die ELOWYN sich herumtreibt

Mein Screenshot veranlasst mich, eine WhatsApp an Ralf von der CHILI zu schreiben – „…ich weiß wo ihr euch rumtreibt! Kommt ihr nach Lakki?“

Nicht wenig verdutzt schreibt der Befragte zurück, dass dies nur so aussähe, man segle nur vorbei. Ziel ist Kos, man wechsle dort die Crew. Man sähe sich erst in ein paar Wochen.

Ich freue mich über die Antwort und erkenne auch, dass ich bis zur Ankunft meines Patenschiffes noch ein wenig Zeit habe. Ich entscheide spontan auf ein „Girosfrühstück“, etwas, was es nie gäbe, wäre Sibylle zugegen. Ich genieße mein Strohwitwerdasein…

Ohne Mampf kein Kampf – dabei den Leihwagen und die STARLIGHT III stets im Blick
Schmeckt auch mittags

Weil es gar so gut war und noch ein paar Minuten übrig waren, folgte ich einem guten Brauch – nein, ich sage nichts! Ihr dürft dreimal raten…

Obwohl ich sicher bin, dass es keine dreimal braucht!

SO wird der Tag rund (und der Mario auch)

Jetzt aber – auf der „Marine Traffic“ App kann ich sehen, dass Volker und Tina schon in der Marinaeinfahrt angekommen sind. Ich bezahle hurtig und fahre schnurstracks zum A-Ponton.

Als ich ankomme, haben die Marineros bereits ganze Arbeit geleistet. ELOWYN ist wieder da! Irgendwie ein lustiges Hin und Her, aber ich freue mich auf die abermalige Gesellschaft meiner Freunde.

Sind sind wieder hier, in ihrem Revier

Volker und ich machen kurzen Prozess, wir trinken ein Döschen „Mythos“ und fahren dann sofort nach Kamara zu Giorgos´ „Boat & Parts“, es gilt das reparierte SUP abzuholen.

Am Rückweg kaufen wir noch etwas ein, dann ist genug geschafft für heute. Wir genehmigen uns ein Feierabendbier und läuten eben diesen ein!

Als Opener habe ich uns einen Tisch im „Harris“ reserviert. Wir lieben diesen Platz! Die coole Bar in der ersten Mühle ist ein magischer Ort, er zieht uns förmlich an.

Wir parken am Abgrund – der Ausblick Richtung Türkei ist atemberaubend
Wir nehmen an unserem reservierten „First Row Table“ Platz…
…und gönnen uns jeweils einen „Hakuna Matata“ an Nüssleinbegleitung

Als Lokalität für den heutigen Abend haben wir uns Dimitris´ Taverne „To Steki“ in Alinda ausgesucht. Treue Blogleser wissen, dass diese kleine, unscheinbare Taverne seit langer Zeit ganz oben auf meiner Bestenliste zu finden ist.

Dimitris ist, offen gesagt, in keiner Disziplin der Spitzenreiter – es gibt günstigere Tavernen, pfiffigere Speisen und schönere Lokalitäten. ABER – die Gastgeberfamilie ist authentisch, offenherzig und zugänglich, das Lokal ist preiswert und die Meze sind immer sehr lecker – over all sicher eine der führenden All-Day-Tavernas auf Leros.

Hier gehen wir also heute hin, auf besonderem Wunsch von Tina – auch sie mag die leckeren Gerichte, die von Familie Spirou serviert werden.

Ich bin sicher, dass wir auch dieses Jahr an Weihnachten und / oder Silvester hier aufschlagen werden

Wir wählen, wie eigentlich immer, die Meze Überraschungen die der Chef empfiehlt. Zugegeben, es kostet etwas Überwindung, dass man die Auswahl der Gerichte komplett dem Küchenchef überlässt – aber zu allermeist liegt dieser genau richtig.

Wir stimmen zu, als wir gefragt werden „…you want from the land and from the sea?“, dann lassen wir den Dingen ihren Lauf.

From the land – Rote Bete Salat mit Skordalia, Feta in Kadaifi und das heißgeliebte Popi (Auberginen-Schinken-Röllchen ind Käse-Sahne Sosse)

Wir genießen vier kleine Gerichte „from the land“, gefolgt von drei Gängen „from the sea“ – wie immer wird griechisch serviert und gegessen, alles kommt in die Mitte des Tisches, jeder bedient sich. Dazu gibt es Brot.

Auch das fällt dem deutschen Gast schwer. Einfach in der Tischmitte zuzugreifen, Tellerchen leeren, bei Bedarf nachbestellen und zum Schluss gesammelt zu bezahlen. Lässt man sich aber einmal darauf ein erkennt man, dass diese Art gemeinsam zu essen die wesentlich geselligere ist – I love it!

Der Tag endet mit einem Absacker auf der ELOWYN.

Am Folgetag gilt für Volker und Tina – Endspurt! Die Freunde sind bereits auf Kos angekommen und werden morgen ihr Charterschiff übernehmen. Die Gäste, welche auf ELOWYN zu Gast sind, werden am morgigen Nachmittag anreisen, der blaue Riese sollte also heute fertig gemacht werden, um morgen früh Richtung Kos aufzubrechen.

Ich will mich an den ausstehenden Arbeiten beteiligen und werde von Tina, zusammen mit Volker, zum Einkaufen geschickt.

Auf dem Zettel stehen, neben Wasser und Bier, auch Frischwaren wie Brot und allerlei Gemüse und Obst. Wir liefern die vollen Tüten auf dem Schiff ab und erledigen letzte Handgriffe, dann wird die Arbeit als beendet deklariert.

Was tun mit dem angebrochenen Nachmittag? Nun, ein Sprung ins kühle Nass am Panteli Strand wäre doch ein perfekter Übergang in den Feierabend, oder?

Auf dem Weg könne man doch gleich noch ein paar „gute Tropfen“ besorgen, die dürfen schließlich auf einer Seereise mit Gästen nicht fehlen. So finden wir uns in Stratos´ gut sortiertem Spirituosenladen wieder.

Den noch, und den, und den…

Mit dem Wissen, dass ELOWYNs Weinkeller gut gefüllt sein wird, gehen wir in die Entspannungsphase des heutigen Tages über. Wir verholen nach Panteli, springen ins Meer und gönnen uns ein Getränk!

Für mich heute mal Milkshake statt Bier

Während wir bei „Sorocos“ sitzen, passiert ein sehr witziger Zufall! Ich bin seit einiger Zeit mit Josef und Michaela aus der Oberpfalz befreundet. Ich habe die Beiden in der Marina kennen gelernt, weil ich auf den Heimathafen ihres Schiffes aufmerksam wurde „Steinberg“.

Ich wusste, dass Volker für eine Segelschule am Steinberger See unterrichtet hatte und wollte von Josef wissen, ob er und Volker sich kennen. Tatsächlich tun sie das nicht, was verwunderlich genug ist, aber der Zufall wollte es, dass entfernte Verwandtschaft von Josef, ein Haus an Kristina verkauft hatten – man kannte sich vom „Hörensagen“!

Josef kennt die Zusammenhänge und weiß auch, dass Volker segelt und die ELOWYN hier stationiert ist. Warum erzähle ich das? Weil ebendieser Josef just in dem Moment mit mir Kontakt aufnimmt, als ich mit Tina und Volker am Strand von Panteli sitze – er sei hier, lässt er mich wissen, ob man sich auf ein Bier treffen wolle.

Nachdem Volker und Tina sofort zustimmen, verabreden wir uns am heutigen Abend zum Dinner im „Tis Kakomoiras“, meinem favorisierten Meze-Lokal.

Schnell zurück in die Marina, etwas frisch machen, umziehen und dann schon wieder los – Treffpunkt 19.30 Uhr…

Ihr merkt schon, eines meiner Lieblingsmotive zeigt sich wieder in wechselnden Farben
Blaue Stunde als wir das „Tis Kakomoiras“ erreichen
Die Oberpfälzer Nachbarn lernen sich auf Leros kennen – Volker und Michaela…
…Sepp, Tina und ich

Es war ein sehr netter, kurzweiliger Abend. Klar gab es zwischen den Oberpfälzern allerlei „Lokaltratsch“ auszutauschen und ich hatte Sendepause. Ich kann aber solche Phasen genießen und höre gerne zu. Wir haben aber auch allerhand Segel- und Allerweltsthemen beackert – wie gesagt, langweilig wurde es nie.

Ich dachte mehrfach an Sibylle, denn ich wusste, dass sie geschätzte 75% der heutigen Unterhaltung nicht verstanden hätte. Dies darf als gesichert gelten, denn selbst ich hatte manchmal Mühe, jedes einzelne Wort zu verstehen. Dialekte – ein Thema für sich…

Für den nächsten Morgen wird das Auslaufen der ELOWYN für 08.00 Uhr angekündigt – sobald der Marinero anwesend sei, wolle man die Leinen loswerfen. Ich biete an, frisches Brot zu holen.

Ich stelle mir den Wecker auf 07.00 Uhr, denn ich kann ohne Kaffee nicht einmal das Schiff verlassen. So schieße ich mir mit zwei Haferl Lebensgeister in den antriebslosen Körper – dann geht es! Ich starte meine GS, brummle zum Bäcker und kaufe fleißig ein, meine Freunde sollen gestärkt in den Tag starten.

Zurück in der Marina, schlapfe ich zum blauen Riesen – von Ponton F nach A, ein langer Weg. Meine Freunde WOLLEN schließlich um 08.00 Uhr ablegen, ich möchte diesem Ereignis beiwohnen und die Backwaren rechtzeitig anliefern.

Machen ist wie wollen, nur krasser…

07.45 Uhr – kein Lebenszeichen auf dem blauen Dampfer. Das erste Mal in dieser Saison trage ich lange Ärmel!!!

Nix, kein Lebenszeichen! Bin ich umsonst so früh aufgestanden? Ich wollte gerade auf dem Absatz kehrt machen, da kommt Volker an Deck – er bittet mich an Bord, man sei „…ein paar Minuten in Verzug, ob ich einen Kaffee wolle?“

Hm, unter diesen Umständen – ja!

Die Sonne kommt hinter dem Berg hoch, ein drittes Kaffeetscherl macht mich endgültig wach.

Dann aber geht alles ganz schnell! Es wird beschlossen, dass unterwegs gefrühstückt wird, man wolle los. Kurze, aber herzliche Verabschiedung, wir sehen uns ja abermals in ein paar Tagen wieder.

Ich gehe von Bord, die Leinen werden losgeworfen und die ELOWYN legt ab Richtung Kos.

Noch während ich zu NESSAJA zurück laufe, erreicht mich die Nachricht der „Marine Traffic“ App, dass SY ELOWYN, die Leros Marina Evros verlassen hat! Jetzt ist es besiegelt…

Weg sind sie – auf dem Weg nach Kos

Hm, wie starte ich in den Tag? Ich beschließe den Leihwagen zurück zu bringen und in Lakki eine Kleinigkeit zu frühstücken, dann würde ich weitersehen…

Ich schnappe mir den kleinen Flitzer und bringe ihn zum Car Rental zurück

Etwas frühstücken – ok, zu „Mikes“ auf ein Sandwich und einen Cappuccino? Oder lieber gleich zu Marietta um dort ein Kotopita und ein Omelett zu mampfen? Mich überfallen abermals Gelüste…

Soll ich wirklich? Nein, das macht man nicht! Aber wen interessiert das? Ich entscheide, dass ich mir heute ein „besonderes“ Frühstück gönne und somit zum Wiederholungstäter werde!

Geht auch!

Hans Peter war zu dieser Zeit gerade beim Einkaufen in Lakki und nimmt mich mit zurück in die Marina. Ich beschließe, den Herrgott einen guten Mann sein zu lassen und ziehe mich zum Nachdenken auf mein Salonsofa zurück – ob ich noch einmal ein Flunserl beobachten kann???

Sehr gemütlich

Während ich gerade so vor mich hindöse und versuche, die fehlende Stunde Schlaf zu kompensieren, meldet sich mein Telefon mit einen nervenzerfetzenden BIMM!!!

Diese Mobiltelefone sind eine Erfindung des Teufels – ich sehne die Zeit zurück, in der man auch mal nicht erreichbar war.

Ein Bild von Carola und Thomas ploppt auf, sie sind mit ihrer EMOTION unterwegs und segeln gerade von Kos nordwärts – ein wohlbekanntes Boot sei ihnen gerade begegnet 😉 …

ELOWYN hat die halbe Strecke geschafft

Ich bedanke mich für das Bild und leite es an Volker weiter – „…meine Spione sind überall!“ Ein zwinkernder Smiley als Antwort reicht – Spaß muss eben sein!

Ich lege das Telefon auf die Seite und setze meine Flunserlbeobachtung fort. Auch diesmal ist mir ein langanhaltendes Dösen nicht vergönnt – ich habe lang nicht mehr erwähnt, dass das Schicksal ein Eichhörnchen ist…

Abermals schellt das schrille BIMM durch den Raum. Diesmal meldet sich Gabi von der HARMONY, sie seien in den letzten Zügen ihrer Einwinterung und würden mir gerne ihre Lebensmittel vermachen. Ich freue mich darüber und vereinbare mit ihr die sofortige Abholung!

An der Sunbeam 39 von Gottfried und Gabi angekommen, nimmt Gottfried mich zur Seite. Er bedankt sich abermals, dass ich mich über den Winter um die Reparatur seines Wassertanks kümmern würde, zudem hätte er eine weitere Bitte – ob ich wohl eine kleine GfK Reparatur an seinem Rumpf übernehmen könne, bevor die Marina nächstes Jahr das neue Antifouling streicht? Er zeigt mir die kleine Beschädigung…

HARMONY ist fertig für den Winter
Drei kleine Abplatzer müssen repariert werden

Ich sage sofort zu! Erstens will ich dem Freund aus München helfen, zweites ist es schon fast die „hohe Weihe“ wenn Gottfried um Unterstützung an seinem Schatz bittet – während seiner Abwesenheit!

Ich vereinbare mit ihm, dass ich den Schaden im nächsten Frühjahr instandsetzen werde, dann, wenn Hans Peter und ich das Ruder der LIBERTÉ reparieren – dann hätten wir das Material und Werkzeug ohnehin auf der Werkbank und können alles in einem Aufwasch erledigen.

Ich übernehme die Lebensmittel und wir verabreden uns für diesen Abend auf ein Abschiedsdinner im „SouVLakki“.

Zurück auf NESSAJA packe ich die Tüten aus und finde einen Zettel an Sibylle – sehr nett! Ich mag die Beiden einfach…

Gabi scheint Sibylles Marmelade zu mögen – Nachschub wird im Winter produziert, versprochen!

Am Weg zurück ist mir ein französisches Schiff aufgefallen, welches vor ein paar Tagen noch an unserem Ponton F gelegen hatte. Das Paar war zu einer kleinen Runde aufgebrochen, hatte aber das Glück nicht auf ihrer Seite. Ich kenne den genauen Unfallhergang nicht, aber irgendwie hat die gepflegte MACOLIA einen fiesen Schaden davongetragen – es scheint, an einer Kaimauer. Die Saison ist für dieses Eignerpaar wohl zu Ende…

Ein nicht unerheblicher Schaden

Den Rest des Tages nutze ich mit Hans Peter. Wir sitzen im Cockpit von LIBERTÉ und erkennen messerscharf, dass der Versand des stehenden Guts an Seldén in Athen bereits zweieinhalb Wochen her ist.

Die Kommunikation mit dem Vertreter des schwedischen Riggproduzenten war immer gut, wenn auch typisch griechisch und somit etwas weniger verbindlich als wir Deutschen es uns wünschen.

Uns war klar, wenn wir unseren prophylaktisch reservierten Termin zum Maststellen am 25. September halten wollen, dann muss die Ware bald zurückkommen. Wir beschließen daher, dass wir unsere Zurückhaltung aufgeben und nachfassen…

Die Antwort, auch typisch griechisch, „…everything done, our Courier is on the way to the port, you will receive your order tomorrow by ferry!“

Ah, ok, aus heiterem Himmel – gut dass wir nachgefragt haben! Unsere Freude ist groß!

Für heute reicht es, ich verabschiede mich von meinem saarländischen Freund und brummle in den Girostempel in Lakki um dort noch einmal G&G zu treffen.

Leider geil

Wir quatschen über Gott und die Welt, haben Spaß und die Zeit verfliegt. Gabi fragt, wie es Sibylle in Deutschland ergeht und wie es mit dem Neu-Schulkind Otto läuft. Ich kann leider nicht vollumfänglich positive Rückmeldung geben – ja, Sibylle vermeldet zwar kleine Fortschritte, aber es läuft noch nicht perfekt. Nichtsdestotrotz hat meine Frau jetzt einen Rückflug für den 24. September gebucht.

Gottfried möchte heute früher abbrechen. Er ist nicht ganz fit, wie so viele laboriert er an einer Erkältung.

Wir verabschieden uns herzlich. Vielleicht sehen wir uns in München, wenn nicht, dann eben bis nächstes Jahr zur Saison 2025.

Ich beschließe, den Tag so ausklingen zu lassen wie ich es gewohnt bin – alleine gehe ich auf ein schnelles Eis zu „Repapis“.

Der Tag neigt sich dem Ende zu

Irgendwie fühlt sich der September 2024 anders an als sonst. Das Tiefdruckgebiet über Europa schickt Ausläufer und es ist frischer als sonst. Wir haben fast täglich ein paar Wolken am Himmel, es hat einmal kurz geregnet – all das hatten wir die Jahre zuvor nicht.

Viele Freunde hatten im Juli und August eine Sommerpause eingelegt, andere beenden die Saison deutlich früher als sonst. Es scheint, als ob sich das „normale“ Saisonverhalten der Segelcommunity etwas verändert.

Ich bin gespannt, ob sich dies auch für die Wintersaison so fortsetzt und wie sich die Wintercommunity zusammensetzen wird.

Am nächsten Morgen erhalte ich Nachricht von Volker. Ich soll bitte die Reservierungen für einen 9-Sitzer Bus, für das „Harris“ und für das „Mylos“ um einen Tag verschieben. Man sitze in Kos, zwei Crewmitglieder sind in Wien hängen geblieben, zwei andere hätten ihr Gepäck nicht erhalten.

Man komme einen Tag später los, außerdem ärgert einen der kräftige NW in diesen Tagen.

Nicht gefährlich – aber gegenan ungemütlich

Wohlwissend, dass die Umbucherei ein ziemlicher Act werden wird, bestätige ich sein Ansinnen – ich werde tun was ich kann, aber ich kann nichts versprechen!

Ich kümmere mich am Nachmittag darum, jetzt bin ich mit Hans Peter im Fährhafen, um die begehrte Warensendung von Seldén in Athen abzuholen.

Hier ist übrigens vom fiesen NW nichts zu sehen und auch nichts zu spüren. Volker quittiert meine Rückmeldung, man wird versuchen in Kos wegzukommen sobald man kann…

Nicht nur in der Bucht – auch am Horizont sind keine Wellenkämme zu sehen

Jetzt erstmal Konzentration – der Spediteur verlädt das stehende Gut von LIBERTÉ mit dem Gabelstapler in Hans Peters Pick-Up.

Alt und neu auf einer Palette
Geht sich grad so aus, passt aber
In der Marina fährt grad der Stapler vorbei – so ein Glück

Zurück in der Marina, wird gerade ein Gabelstapler am Nachbarschiff benötigt – so ein Glück. Monteur Marios hebt uns die Minipalette mit dem „Guido“ der Marina aus dem Wagen und wir können uns der sofortigen Beurteilung der teuren Ware widmen.

Unser Urteil – sieht top aus! Der erste Kontrollblick sorgt für Entspannung, es scheint alles zu passen, die Ware ist gruppenrein Seldén und besteht aus qualitativ hochwertigen Bauteilen. Mit der Rechnung wird später ein Zertifikat geliefert.

Ok, geschafft! Jetzt trennen sich unsere Wege – ich muss mich um die Umbuchungen von Volkers Reservierungen kümmern, Hans Peter hingegen, muss seine Gattin Petra in Agia Marina abholen, die reist nämlich heute an, um ihren Spätsommerurlaub hier zu verbringen. Zusammen werden die Beiden dann am 03.10. nach Deutschland zurück fahren.

Mein erster Weg führt mich zum „Mylos“ – die wichtigste der drei Buchungen…

Ich treffe Marios, den Chefkoch und stimme mich mit ihm ab

Das scheint zu klappen! Das wäre schonmal die halbe Miete. Ich stimme mich mit einem der beiden Inhaber ab, weil ich denke, dass die persönliche Umbuchtung sicherer ist, als dies über das Internet abzuwickeln.

Trotzdem rät Marios mir, dies noch einmal bei seinem Bruder über WhatsApp einzusteuern – mache ich auch gleich!

Da wir 11 Personen sind, zudem allesamt Segler, gebe ich uns der Einfachheit halber den Nickname „Oceans 11“ – funktioniert 😉

„Oceans 11“ meets Leros

Leider waren meine beiden anderen Umbuchungsversuche nicht so erfolgreich. Das „Harris“ hatte aus familiären Gründen die Saison etwas früher und sehr abrupt beendet, unsere Reservierung musste ersatzlos gestrichen werden.

Der Fiat Bus war für den Folgetag reserviert und nicht für uns zu buchen. Hier muss Volker umplanen – aber die Lösung liegt auf der Hand… Ankern direkt vor dem „Mylos“! Wir werden sehen.

So bekommt man seinen Nachmittag auch rum. Ich muss noch eine weitere Challenge anpacken – die Crew der STENELLA II verabschiedet sich nämlich auch und möchte noch einmal mit mir zu Abend essen. Gleichzeitig möchte Hans Peter seine Petra willkommen heißen und fragt auch nach einem gemeinsamen Dinner.

Alle zusammenzubringen ist nicht so schwer, man kennt sich, aber das geeignete Lokal zu finden ist immer eine Herausforderung – Martin möchte feinen Fisch, Hans Peter solide Hausmannskost.

Wir verabreden und treffen uns, wie sollte es anders sein, um 19.00 Uhr im „SouVLakki“!

Just als wir Platz genommen hatten, sendet Sibylle zwei Bilder – sie sei gerade mit Kate in Rosenehim beim Bummeln.

Sibylle und Kate treffen sich im „Dinzler“ – ich erinnere mich an alte Zeiten
Ok, eine Brezn – das macht fast ein wenig neidisch

Ich bestelle schöne Grüße an die Gruppe und wir formieren uns zum Gruppenbild um die Steilvorlage zu erwidern – einmal lächeln für Sibylle!

„Cheeeese“

Wir halten mit

Später schickt mir Kate noch ein Bild, auf dem Sibylle mit einem Eis abgelichtet ist – der Untertitel „neidisch???“

Ihr ahnt, dass ich das parieren konnte – nein, wer in Lakki zuhause ist, kann mit Speiseeis nicht neidisch gemacht werden!

Aber erstmal war es an der Zeit unsere Bestellung aufzugeben und uns unserem Dinnerzu widmen. Wie immer haben wir sehr gut gegessen.

Meine Bestellung heißt – „As always“

Der gute Merlin und ich haben uns recht angefreundet. Natürlich widme ich dem Hund mit dem Moustache immer einen Teil meiner Aufmerksamkeit – darüber hinaus sind wir aber auch Brüder im Geiste. Auch er scheint Giros zu lieben und versucht wohl, sich dieses telepathisch anzueignen.

Vielleicht starrt er aber auch auf mein Bier

Für Martin und SEINE Petra heißt es also Abschied nehmen. Das ist aber ein gedämpftes Lebewohl, denn die Beiden planen im Oktober und auch später im Winter, immer mal wieder anzureisen um Leros in allen Facetten kennen zu lernen.

Dennoch, auch Martin lässt es sich nicht nehmen, einer unserer gemeinsamen Leidenschaften nachzugehen – auch dieser Tag endet im Eispalast der Familie „Repapis“.

Pretty in Pink

Am nächsten Morgen bittet mich Hans Peter zum Längenvergleich! Ich verschlucke mich fast an meinem Kaffee und weise sein Ansinnen entrüstet zurück!

Ein kurzes, klärendes Gespräch bringt sein eigentliches Ansinnen zu Tage – er möchte die Länge der neuen Wanten und Stagen mit den alten vergleichen – um Produktionsfehler auszuschließen.

Klar, Hans Peter wäre nicht er selbst, wenn er nicht auch hier ein Attentat des vielzitierten Murphy vermuten würde – aber ich komme seiner Bitte natürlich gerne nach, man weiß ja nie…

Zu Poden, pleischweres Pefestigungsmaterial
Die neuen Drähte legen wir auf der Mauer zurecht
Draht für Draht vergleichen wir neu und alt – passt aber alles

Mein Freund, der Zweifler, hat sich umsonst gesorgt, die Rigger in Athen haben in jeglicher Hinsicht hervorragend gearbeitet. Alle Längen passen und wir legen zweierlei fest – erstens, der Krantermin wird gehalten, dies bestätigen wir der Marina. Zweitens, wir haben ab jetzt alle Hände voll zu tun, wir müssen den Mast für das Stellen vorbereiten.

Wir erstellen eine Art ToDo Liste und weil noch soviel Tag übrig ist fackeln wir nicht lange, sondern legen sofort los…

Punkt 1 – erneuern aller Fallen im Mast!

Die alten Leinen werden als Pilotleinen benutzt, das funktioniert gut

Zu dritt können wir relativ rasch Großfall und Dirk durch das Masttop ziehen. Auch das Genuafall, das Spinnakerfall und der Toppnant können auf diese Art schnell ersetzt werden.

Für die letzteren Drei mussten die Rollen in ihren Mastschächten erneuert werden. Das hatten wir im Vorfeld bereits erledigt, auch die neuen Fallen hatte Hans Peter vor einigen Wochen bereits in Deutschland bestellt.

Punkt 2 – Rückmontage der Funkantenne und Montage eines neuen Ankerlichtes. Auch diese beiden Schritte bekommen wir heute noch abgehakt.

Die Funkantenne musste nur neu positioniert und befestigt werden. Das alte Toplicht wurde jedoch gegen ein modernes LED Ankerlicht getauscht. Hier ging die Montage rasch, die Verkabelung mussten wir aber vertagen, weil uns Kabelverbinder mit Schrumpfschlauch gefehlt haben.

Punkt 3 – Montage des neuen Verklickers. Hier haben wir die restliche Arbeitszeit des Tages vergeudet, hier waren wir nicht erfolgreich.

Zu wenig Platz

Bei den vorliegenden Gegebenheiten, stößt der Verklicker gegen die Antenne. Das mag der Grund sein, warum LIBERTÉ bisher nicht mit diesem einfachen aber wichtigen Anzeiger ausgestattet war.

An Hans Peters Masttop war einfach zu wenig Platz. Das Versetzen der Antenne war keine Option für uns, weil sich die Masterlösung sehr rasch aufgedrängt hat – das Masttop bekommt eine Art „Schweif“ nach achtern. Dafür braucht es aber ein Alublech, welches wir erst morgen von Giorgos bekommen können.

Genug für heute, wir sind ohnehin gut voran gekommen. Ich gehe zurück auf NESSAJA, die Sonne steht schon tief.

Frisch machen und nix wie los – ich habe Hunger

Ich bin heute beim Dinner Gast von Petra und Hans Peter – das freut mich außerordentlich und ich nehme gerne an. Es zählt die Geste, nicht etwa eine Verpflichtung – Hans Peter und ich haben in den letzten zehn Wochen so viel an LIBERTÉ gerissen, so viel organisiert, recherchiert und geplant, es geht weit über den klassischen Freundschaftsdienst hinaus.

Für mich war es zu 95% der Zeit ein Vergnügen, ich habe viel neue Erfahrung gesammelt. Hans Peter wiederum weiß das gut einzuschätzen – das zeichnet ihn aus.

Als ich zu meiner GS gehe um zum „SouVLakki“ zu fahren, sind die Freunde aus dem Saarland schon am Weg. Merlin braucht seine Gassirunde. Wir treffen uns im Grillhouse und ich bin sicher, dass wir einen tollen Abend haben werden.

Ab nach Lakki – ich nehme mein geliebtes Mopped

Der Folgetag gehört der Rollanlage von LIBERTÉ – eine Arbeit vor der mir graut! Ganz im Gegenteil dazu mein Freund Hans Peter – hier und heute sieht er absolut keine Herausforderung.

„Das wird schon klappen, kann so schwer nicht sein!“ höre ich ihn sagen. Ich traue meinen Ohren kaum – diesen Satz habe ich von ihm noch nie gehört.

Ja, ich habe Zweifel! Warum? Dazu gleich noch ein paar Worte…

Doch zunächst stand die Wartung und Reinigung des Furlers und des Topwirbels an. Da halfen wir einfach zusammen, jeder hat ein wenig der Dreckarbeit übernommen.

Reinigung und Schmierung des Innenlebens der Rolleinrichtung – diese baue ich danach zusammen
Hier der komplettierte Furler mit neuer Reffleine – Petra poliert einstweilen das Püttingeisen des Vorstags
Wir richten alle noch zu verbauenden Teile des Riggs zurecht, bereiten diese auf und warten diese, sofern nötig

Dann ging es ans Eingemachte – wir mussten das Profilvorstag komplettieren. Dies war zunächst einfach, wir bringen den Furler an, auch das Drahtvorstag konnten wir recht leicht durch das zirka 20 Meter lange Profil schieben – aber jetzt geht es los…

Ein „Star-Lock“ Schraubterminal muss angebracht werden

Mir hat das echt Kopfzerbrechen bereitet – bereits die Demontage ging so zäh, dass ich mir kaum vorstellen konnte, dass der Zusammenbau einfacher gehen sollte.

Wir hatten es immerhin mit einem 10mm Vorstag zu tun, dessen Außenlitze „leicht aufgebogen“ werden müssen, um auf die innere Seele einen Konus zu stecken. Dann muss dieser fixiert werden, und das ganze mittels zweier Gegenkonen und eines Schraubterminals verpresst werden – das klingt ja einfach!

Zum Glück haben die Mitarbeiter bei Seldén in Athen das Vorstag millimetergenau abgelängt. Legen wir also los…

Ist alles zur Hand – erst lesen, dann arbeiten
Der Konus wird auf die zentrale Seele des 10mm Vorstags geschoben

Soweit alles gut – wir nehmen uns viel Zeit und kommen daher langsam aber zielgerichtet und pannenfrei voran. Mittags brauchen wir eine Pause – ich habe außerdem Hunger und beschließe, mir ein Giros zu kaufen. Ich setze mich auf meine GS und fahre nach Lakki, Hans Peter ruht etwas in seinem Cockpit…

Das Giros tut gut…
…als Nervennahrung ein Eis

Nach etwa einer Stunde nehmen wir die Arbeit wieder auf. Jetzt gilt es – alle Bauteile müssen an ihren Platz geschoben werden, dann zusammengefügt und verpresst werden.

Sieht gut aus – beim Verpressen legt es die Kabellitze nach innen um

Wir fügen die Schraubterminals zusammen und verpressen die Verbindung – jetzt gibt es kein Zurück mehr. Geplant schrauben wir die beiden Teile noch einmal auseinander, sieht echt gut aus! Ich entspanne mich, jetzt sollte wirklich nix mehr schiefgehen.

Die Außenlitzen scheinen uns etwas lang. Wir entscheiden, diese mit der Flex und einer hauchdünnen Scheibe zu kürzen. Dann folgt der finale Arbeitsschritt – wir fügen alles noch einmal mit Schraubensicherung zusammen und ziehen die Terminalverschraubung so fest an wie wir können! Das war´s! Auch Punkt 4 – Fertigstellung des Profilvorstags, bekommt einen Haken.

Was mich freut – der Optimist des Tages, mein Freund Hans Peter, hat Recht behalten. So muss das…

Fertig – ging wirklich besser als ich befürchtet habe

Auf der LIBERTÉ ist heute Schmalhans Küchenmeister. Es gibt eine Art Resteessen, schnelle Küche – ich bin eingeladen auf Nudeln mit Thunfisch-Sahnesosse.

Gerne nehme ich an, denn ich habe mein geplantes Dinner mit „Oceans 11“ heute abgesagt. Gegeben durch die Tatsache, dass ich nicht als „Chaffeur“ mit dem 9-Sitzer zur Verfügung habe stehen müssen, gab es eigentlich keinen Grund für die Gruppe, mich zum Dinner einzuladen. Ich selbst wäre mir wohl auch eher wie ein Fremdkörper in der homogenen Gruppe vorgekommen.

Volker schickt mir später Bilder – sie hätten viel Spaß gehabt, alles habe super geklappt. Er bedanke sich noch einmal für meine Mühen rund um das von ihm initiierte Dinner.

Thanasis und Volker mit dem Fisch der Wahl – „head to tail“ zubereitet
Die Gruppe besetzte zwei Schiffe, ich hätte mich nicht einfach so dazugesellen wollen

Für Petra, Hans Peter und mich, klingt der Abend gemütlich aus. Wir essen reichlich Nudeln und trinken zwei, drei Bier – dann ist auch für uns Schlafenszeit. Morgen ist Endspurt zum Thema Mastvorbereitung, zudem kommt Sibylle zurück.

Am nächsten Morgen stehe ich auf und stelle das Kaffeewasser auf. Dann schalte ich mein Mobiltelefon ein und… BIMM! Eine Nachricht von Hans Peter, ein Bild, aufgenommen vor einer Stunde!

Ein „early bird picture“ – NESSAJA im Morgenrot

Der Saarländer war offenbar der frühe Vogel am heutigen Tag. Ich dagegen versuche jetzt gerade, rund eine Stunde später, erste Lebensgeister zu erhaschen und pumpe meinen noch nahezu leblosen Körper mit Koffein voll.

Ohne Kaffee geht nix

Dies gelingt ganz gut und so bin ich eigentlich schon wenige Minuten später startklar. Das tut auch not, denn ich habe vor wenigen Sekunden eine Nachricht von Giorgos erhalten – „…I can make your Alu-Bracket, but you need to come NOW!“

Ich informiere HP und wir fahren sofort nach Kamara. Auf dem Weg dorthin, entdecke ich in der Bucht von Alinda die Boote der illusteren Truppe rund um meinen Freund Volker – seine ELOWYN und die gecharterte SALTY KISS. Ich mache ein Bild und schicke es ihm – meine Spione sind überall… 🙂

ELOWYN und SALTY KISS vor Anker in der Alinda Bucht

Wenig später erreichen wir die Werkstatt von Giorgos. Obwohl wir dringend und sofort haben kommen müssen, ist der Meister nicht da – eigentlich wie immer.

Ich mache zwei Bilder, die ich wortlos an Giorgos schicke. Natürlich mit einem Smiley, aber auch als Reminder, uns nicht allzulange warten zu lassen, oder uns gar zu vergessen.

Wir sind da – Giorgos nicht
Warten wir halt

Während wir warten, scheint Volker aufgewacht zu sein und meine Nachricht gelesen zu haben. Er kann seinerseits aufwarten mit einem Bild aus der Alinda Bucht – gerade seien Delfine zu Gast, die Mitreisenden seien ganz aufgeregt!

Ich erwidere lapidar, dass ich mich freue, dass scheinbar auch dieser von mir organisierte Programmpunkt geklappt hat, es wäre noch nicht ganz sicher gewesen…

Er hat nicht mehr geantwortet… 🙂

Delfine in der Alinda Bucht – ein Schauspiel (und ein tolles Foto)

Da endlich! Giorgos kommt, begrüßt uns freundlich und schreitet sofort zur Tat. Er hat blitzschnell erfasst um was es geht, ein Stück Material war rasch gefunden und die zwei Schnitte schnell gesetzt. Löcher würden wir bei Alu selber bohren können.

Alles in Allem hat die Arbeit keine 15 Minuten gedauert. Perfekt, wir können sofort zurück in die Marina fahren und mit der Finalisierung des Mastes anfangen.

Das Alublech ist rasch geschnitten
Wir bauen es sofort ein

Jetzt hatten wir Punkt 5 auf der Liste erledigt. Masttop finalisieren! Wir haben unsere Masttopverlängerung gebohrt und montiert, auf dieser konnten wir dann die Windex problemlos und freigängig fixieren.

Die Stoßverbinder mit Schrumpfschlauch hatten wir auch besorgt, so war es ein Klacks, die neue Ankerlaterne mit der bestehenden Verkabelung zu verbinden.

Jetzt noch einen Funktionstest für die Beleuchtung, dann haben wir das geschafft!

Bleibt, last not least, noch ein Punkt auf der Liste offen – Punkt Nummer 6, die Montage der neuen Wanten und Stage an den Mast.

Wir beginnen also, die neuen Drahtseile zu montieren…

Eigentlich einfach, Bolzen werden gesteckt und mit Splinten gesichert

Das geht zunächst ganz gut von der Hand. Wir arbeiten uns vom Masttop über die obere Saling bis hin zur unteren Saling. Hier werden verschiedene Wanten miteinander verbunden – auch das klappte verhältnismäßig gut, nur ein paar Plastikscheiben machten Kummer, da die Gabelfittinge von Seldén ein paar Millimeter dicker waren als die alten.

In der Folge waren diese Plastikspacer etwas zu dick – wir haben kurzerhand entschieden, dass wir sie über Schleifpapier mit der Hand flachschleifen.

Sisiphosarbeit – das händische Flachschleifen von Plastkringen
So könnt ihr euch das vorstellen – das weiße ist… Schleifstaub

Als die einzelnen Wanten an der unteren Saling verbunden waren, war die Arbeit fast geschafft. Wir haben alles geordnet und vorsortiert – somit war der Mast fertig für den kommenden „großen Tag“.

Das alles liest sich natürlich super easy – tatsächlich waren wir einen halben Tag mit der finalen Vorbereitung und der Montage der Wanten und des Acherstags beschäftigt.

Passt – alles dran, alles neu

Wir nehmen uns heute nichts mehr vor und machen früh Feierabend. Ich will die Stunden nutzen und einmal nach dem mir zum Verkauf gegebenen Boot sehen. Die Baltic 40 KEONDA ist inzwischen von der Marina unter die Vollpersenning gepackt worden.

Ich mache Bilder und informiere den Besitzer über den Sachstand. Die negative Nachricht dabei – leider gibt es bisher keinen Interessenten.

KEONDA ist ein wunderschöner, klassischer Performance Cruiser – leider ist sie sehr teuer

Danach ruhe ich mich echt ein bisschen aus, denn heute wird ein langer Tag. Sibylle kommt mit der Fähre um 22.50 Uhr, wir wollen noch einen Ouzo zusammen trinken, bevor wir NESSAJA entern.

So fletze ich auf unserem Boot herum, bis es an der Zeit ist zu Hans Peter und Patra zu verholen. Wir wollen grillen, heute gibt es Chicken Souvlaki.

Ich schnappe meinen COBB und gehe hinüber zur aufgebockten LIBERTÉ
Wir befeuern den COBB…
…und grillen unsere Spieße

Wir Drei klönen noch eine ganze Weile über den morgigen Tag. Wird alles klappen? Hoffentlich kommt nichts dazwischen! Beiläufig beschließen wir, dass wir um 07.00 Uhr an Bord von LIBERTÉ frühstücken und auf den Mastkran warten.

Dann fängt Petra an zu gähnen – für mich ein untrügliches Zeichen, dass es Zeit ist zu gehen. Ich darf den Schlüssel vom Ranger haben, gehe von dannen, weiß aber schon ganz genau, wo ich die restliche Wartezeit bis zu Sibylles Ankunft verbringe…

Nicht viel los heute
Ich gönne mir drei Kugeln

Zufällig treffe ich die walisische Crew der SHANIA. Phil und Chris sind ganz nette Zeitgenossen, aber sie sprechen einen fürchterlichen Dialekt der phasenweise schwer zu verstehen ist.

Ich lasse mich heute darauf ein und plaudere eine ganze Weile mit den beiden. Es ist lustig und vor Allem – die Zeit vergeht wie im Flug!

Ein Kontrollblick auf „Marine Traffic“ zeigt, es ist Zeit für mich aufzubrechen!

BLUESTAR II biegt schon in die Lakki Bucht ein
Die Fähre kommt pünktlich

Gerade als ich den Hafen erreiche, legt die Fähre auch schon an. Ich warte noch kurz, dann läuft mir meine Gattin in die Arme. Wir gehen zum Wagen, werfen die Tasche in den Kofferraum und fahren ins „La Palma“.

Dort kommen wir runter, tauschen erste Neuigkeiten aus und trinken eine Karafaki Ouzo. Dann ist es Zeit für´s Bett.

Beiläufig beichte ich Sibylle, dass der Tag morgen schon um 07.00 Uhr beginnt – auch für sie!

Und so war es auch – der Wecker klingelt unbarmherzig um 06.30 Uhr und holt uns aus den Federn. Wir richten uns grob zam und ich koche einen Liter Kaffee für Panagiotios und sein Team. Den hat er, zwar augenzwinkernd, bestellt – aber ich will mir hier keine Blöße geben.

Dann laufen wir zur LIBERTÉ um dort zu frühstücken.

Morgens um Sieben in Leros
Nach dem großen Hallo erstmal konzentriertes Essen – ohne Mampf kein Kampf

Auf einmal hören wir das unverkennbare Brummen eines LKW Diesels und das Zischen einer Druckluftbremse – er ist da! Und tatsächlich, während wir am Frühstsückstisch saßen, ist der Kranwagen eingetroffen.

Jetzt heißt es – „alle Mann an die Positionen – es geht los!“

Der Kranwagen ist in der Marina, wenig später wird er vor LIBERTÉ stehen
Auch das Team um Panagiotis trifft ein – zunächst wird der Mast aus seiner hinteren Ecke gehoben (nicht der weiße, der dahinter)
Dann wird der Kran umgeparkt und in seine finale Arbeitsposition dirigiert
Der Hauptverantwortliche ist um äußerste Coolness bemüht
Nach einer kurzen Vorbereitung wird der Spargel bereits angehoben
Ein paar Sekunden später hängt er in der Vertikalen
Dann geht es nach oben – es heißt dann, den Mast auf den Mastfuß zu stellen
Erste Drähte werden gespannt – hier das Achterstag
Dann bereitet sich Panagiotis zum Aufstieg vor – der Kranhaken muss ausgehängt werden
Der Mast steht frei, das Geschirr geht nach unten

Während diese Arbeitsschritte passieren, stehe ich am Rand und bin bereit auf Abruf zu helfen. Ich muss aber nichts tun, denn das Team um Panagiotis ist eingespielt. Zudem zeigt sich, dass unsere Vorarbeit der letzten drei Tage Früchte trägt – alles scheint zu passen und dem Team die Arbeit leicht von der Hand gehen zu lassen.

Während ich also da stehe und schaue, sehe ich unsere Nachbarn mit ihrer OLIVE ablegen.

Der Platz neben uns wird frei – OLIVE läuft aus

Ciarán und Jill haben Freunde zu Gast und wollen eine Baderunde drehen und heute Abend zurück kommen. Sie haben dies an den Marinero gemeldet und auch, dass sie gerne wieder auf diesen Platz liegen möchten.

Ich hoffe in diesem Augenblick sehr, dass dies klappen möge, denn ich schätze die beiden als Nachbarn sehr! Ich nehme an dieser Stelle aber gleich vorweg – es klappt! 😉

Währenddessen hat das Marinateam die Wanten soweit vorgespannt, dass der Mast sicher steht. Das ist die halbe Miete! Wir alle verlassen daher LIBERTÉ, um das Profilvorstag von der Betonkaimauer vor das Schiff zu tragen.

Um Schäden an dem rund 20 Meter langen Trum zu vermeiden, müssen wir das Teil mit fünf Männern tragen – Gott sei Dank ist es nicht weit!

Das Profilvorstag wird an Ort und Stelle getragen

Während wir so vor uns hin werkeln, beobachtet Terrier Merlin das emsige Treiben. Es scheint so, als ob der Trubel ihn ziemlich kalt lässt – das führt ab und an dazu, dass er ein wenig im Weg liegt – ein klein wenig nur…

Los jetzt Merlin, weg von der Leiter

Die Profis von der Marina hängen das Vorstag an den Kran und Panagiotis fährt mit dem ellenlangen Teil nach oben.

Ein Bolzen mit Sicherung oben, einer unten – angebracht durch Angelos nebst Helfer Marcos – fertig!

Das Vorstag geht nach oben

Das Rigg steht! Panagiotis entfernt alle Hilfsleinen und spannt alle Drähte gemäß Vorgaben nach – dafür verwendet er ein Messgerät für die Wantenspannung. Dann ist es vollbracht!

Der Kran zieht ab und kurze Zeit später auch das Marinateam. Wir bleiben zurück, glücklich und erleichtert. Es ist der 25.09.2024 und LIBERTÉ hat ihren Mast wieder. Das Arbeitsprojekt mit der, nach dem Coppercoat, höchsten Priorität ist ebenfalls erledigt!

Der Druck ist raus – wir haben es geschafft, der Rest ist Pipifax!

LIBERTÉ – mit Coppercoat und neuem stehenden Gut undundund

Ich bin zufrieden, ich bin erleichtert – ich brauche ein paar Minuten Abstand! Ich melde mich bei Hans Peter ab und gehe zu STENELLA II. Martin hat vergessen die Gangway hochzuklappen und bittet mich, dies für ihn zu tun – mach´ ich doch gerne!

Ich schicke ein Bild um die Erfüllung der Bitte zu quittieren.

Alles erledigt – alles ok

Ich gehe zurück zu NESSAJA, Sibylle wartet auf mich. Sie ist nach dem Frühstück zurück auf unser Schiff um ihre Reisetasche auszuräumen, eine Waschmaschine zu starten und um „sich wieder einzuleben“.

Jetzt müsst ihr wissen, dass ich eher so ein „Adrian-Monk-Typ“ bin. Wenn Sibylle weg ist, stelle ich einmal meine Schiffsordnung her, so bleibt es dann über Tage. Ich organisiere mich so, dass die Notwendigkeit für Hausarbeit auf ein Minimum schrumpft – ganz anders meine Sibylle!

Ich staune daher nicht schlecht, als ich in meinen Salon zurückkomme. Meinen Rückzugsort gibt es nicht mehr. Der Platz, an dem meine Augen etwas ruhen können ist wieder „belebt“, wie es Sibylle nennen würde.

Zum einen bereitet sie ein paar Kleinigkeiten für unser BBQ am heutigen Abend, zum anderen hat sie ein Käferchen im Mehl entdeckt…

Ich bitte um Gnade – es hilft alles nix!

Aus – meine Augen sind wieder rastlos, ich scanne alles was rumsteht

Diskutieren hilft nix, es führt nicht zum Erfolg. Also sitze ich da und schau´ blöd. Dabei hilft mir die Lebenserfahrung und das Wissen, dass alles einmal ein Ende hat – auch dieser Kelch wird an mir vorübergehen.

So ist es auch! Irgendwann ist das Käferchen erledigt und der Salat vorbereitet. Es ist an der Zeit zu Hans Peter und Petra zu gehen – ihre LIBERTÉ ist der Ort, an dem abermals unser COBB aufgestellt wird.

Auf dem Weg dorthin beobachten wir das Anlegemanöver der SEA KID II – einer Motoryacht der 60m Klasse. Haben wir auch nicht so oft in der Marina.

Gefällt mir nicht – außerdem versperrt er unseren Badeplatz für drei Tage

Merlin empfängt uns aufgeregt, er freut sich immer, wenn wir die Bavaria 41H seines Herrchens heimsuchen. Natürlich streicheln wir ihn auch immer, bevor wir uns den Weg bahnen.

Der Grill wird aufgebaut und gezündet, es ist inzwischen dunkel. Dann kommen die leckeren Köfte von Xatzigrigoriou auf den COBB. Dazu gibt es Brot und Salat – einfach aber lecker!

Es dämmert schon – die erste Runde Köfte liegt am Grill
Zu dunkel für die Frontkamera – trotzdem, wir sitzen beisammen, futtern, klönen, haben Spaß

Katzenbabyalarm!!! Am nächsten Morgen will ich die Reparatur unserer Roll-Reisetasche in Angriff nehmen. Einer der Reißverschlüsse ist in Mitleidenschaft gezogen, ich will einen neuen einsetzen lassen.

Leider klappt das nicht, denn alle drei Näher erklären mir, dass sie dafür nicht die richtige Maschine hätten. Ich glaube das bis heute nicht, ich vermute einfach, dass das Geschäft nicht lukrativ genug ist. Na egal, ich werde eine Lösung mit Druckknöpfen ersinnen.

Was hat das nun mit Katzenbabys zu tun? Nun, beim letzten Schneider erkenne ich schon beim Ankommen, dass die Inhaberin etwas winziges am Arm hält. Ich dachte zunächst wirklich, dass es ein anderes, sehr viel kleineres Tier als eine Katze ist.

Bei näherem Hinsehen war klar – ein Kätzchen!

Mini-Kitten

Was am Bild nicht so rauskommt – die war wirklich winzig. Ich habe noch nie so ein kleines Kätzchen gesehen. Ich vermute, dass die Familie den Knirps aufpäppelt, denn als Haustier war sie definitiv zu klein. Der Kopf war kaum größer als ein Tischtennisball.

In jedem Fall war sie süß! Kennt ihr Nermal? Ich hasse süß 😉 – kleiner Insider, für die „filosofischen“ unter euch…

Zurück zum Alltag – während ich mir also Absage um Absage bezüglich der Reparatur meiner Reisetasche abhole, beiläufig Katzenbabys bestaune, feiert die Bevölkerung Leros´ den Jahrestag des Untergangs der VASILISSA OLGA.

Gottesdienst für die Opfer

Diese Feierlichkeit findet jedes Jahr statt, beginnt mit einem Gottesdienst und mündet in eine große Parade. Eine Fregatte liegt im Hafen und hochdekorierte Generäle geben sich die Ehre.

Da die OLGA, wie sie kurz genannt wird, im Jahr 1943 unrühmlich von deutschen JU88 Bombern im Hafen von Lakki versenkt wurde und bis heute dort liegt, ziehe ich es vor, an diesem Tag deutsche Zurückhaltung auszuüben. Generell nehmen Sibylle und ich an solchen Zeremonien nicht teil.

Ich fahre zurück in die Marina und beschließe zusammen mit Hans Peter, dass wir heute seinen Baum montieren und so das Rigg fertig stellen. Das gelingt problemlos.

Der Baum ist dran, das Rigg ist fertig

Ein bisschen Knobelarbeit hatten wir zu lösen, als wir die Mastelektrik wieder an das Schiffssystem angeschlossen haben. Die Ausführung selbst war recht einfach herzustellen.

Leider waren danach nicht alle Lichter in Ordnung…

Die Kabel waren rasch in den Innenraum geführt
Wir haben die alte Durchführung wiederverwendet und mit „Affenbaaz“ und selbstverschweißenden Isolierband abgedichtet

Wirklich verwirrend war für mich, dass nach dem Anschließen der Kabel das Deckslicht und das Dampferlicht vertauscht waren, zudem das Ankerlicht nicht funktionierte.

Wir hatten im Vorfeld selbstverständlich alle Funktionen geprüft und beim Ausbau hatte ich die Kabel durchtrennt, so dass es ein Leichtes war den richtigen Slot für die Kabelfarben zu finden…

Wie auch immer, mit etwas Probieren und Umklemmen haben wir das Problem lösen und sicherstellen können, dass die Lampen am Mast ordnungsgemäß funktionieren.

Bis heute überlege ich, wie der Fehler hat auftreten können – ich erkenne langsam, dass dies ein misteriöses Rätsel bleiben wird.

Wieder ein Tag geschafft! Heute gibt es mal wieder Pizza zum Abendessen, wir verabreden uns für 19.00 Uhr im „La Nostra“.

Ich gehe zurück auf NESSAJA – ein bisschen Zeit bleibt wohl noch bis wir los müssen
Was gibt´s heute? Wir entscheiden uns für halb „La Nostra“ und halb „Quattro Formaggi“ – groß, zum Teilen

Am nächsten Morgen schlürfe ich meinen Kaffee, Sibylle gönnt sich ein kleines Frühstück. Als meine Gattin das Signal zum Start in den Tag gibt und damit beginnt ihre Aufgaben anzupacken, erkenne ich messerscharf, dass es Zeit für mich wird unser Schiff zu verlassen.

Ich verhole zu Hans Peter und wir beratschlagen gemeinsam, was wir jetzt noch erledigen wollen. Das Soll ist erfüllt, große Aufgaben packen wir nicht mehr an. Den Freunden aus dem Saarland bleiben noch fünf Tage, bevor sie die Heimreise antreten.

Und was kommt jeeeetzt?

Als wir da so sitzen, rutscht es Petra heraus, „…bei euch ist die Luft raus, gell?“ Ja, ich hatte es ja schon beschrieben und wir müssen uns das auch eingestehen – 10 Wochen durchgetaktetes Arbeiten an den großen Projekten zollen ihren Tribut.

Wir haben es geschafft, aber jetzt sinkt die Motivation. Daher muss gut überlegt werden, was wir uns jetzt noch antun! Es darf zudem nicht vergessen werden, dass das Aufräumen der Baustelle unter und auf LIBERTÉ auch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Hier hat Hans Peter ja die Unterstützung seiner Gattin.

Ich sage zu, dass ich den „dreihaxigen“ Motor der alten Ankerwinsch noch reinigen, servicieren und zusammenbauen werde – dies möchte ich nicht auf nächstes Jahr verschieben.

Und was will Hans Peter noch erledigen??? Er möchte sein neues, gebrauchtes Dinghy ausprobieren!

Bis es soweit war, hatten wir einen halben Arbeitstag hinter uns

Ok, das verstehe ich. Hans Peter hat sich ein kleines Alu-Rib mit Hypalon Schläuchen gegönnt. Es scheint ein Schnäppchen gewesen zu sein. Klar, dass er es zumindest mal probieren will.

Nur, der 2,3PS Honda lief nicht! Wir hatten also zunächst einen Vergaserservice vor der Brust. Diesen konnten wir aber erfolgreich erledigen und siehe da, der kleine Quirl lief sofort – und nicht mal schlecht!

Während wir also am Vergaser herumschraubten, hat Petra den neuen Schnulli ein bisschen aufgemöbelt und sauber gemacht. Jetzt nur noch die Schläuche prall aufpumpen, dann kann es losgehen!

Die Beschleunigung war immens – nahe dem Überschlag
Die Probefahrt verläuft gut…
…zumindest zunächst

Nein, ich kann Entwarnung geben – kein neues Projekt. Beim Herunterheben des Motors war Hans Peter wohl versehentlich an den Benzinhahn gekommen und hat diesen geschlossen.

Ein weiterer Test ergab einen einwandfreien Motorlauf und somit haken wir den Punkt „Probefahrt Schlauchboot“ erfolgreich ab und bringen sowohl den kleinen Außenborder als auch das neue Dinghy an Deck auf deren finale Plätze.

Danach verabschieden sich Sibylle und ich. Wir sind für heute Nachmittag mit Kristina und Volker verabredet, die ELOWYN läuft gerade ein, unsere Freunde aus der Oberpfalz fliegen morgen nach Hause.

Natürlich stehen wir parat – wir freuen uns
Wieder da…

Wir hatten bereits einen Leihwagen für die Freunde organisiert und einen Tisch im „Mylos“ reserviert – diesmal würden wir dabei sein.

Weiter waren noch Thomas und Christiane dabei, das Paar, welches während der letzten Woche zu Gast an Bord des blauen Riesen war. Wir stellen uns einander vor und freuen uns auf einen gemeinsamen Abend.

Was dann folgen wird klingt kompliziert – Volker bringt die Gäste morgen zur 10.30 Uhr Fähre, der Urlaub der Beiden endet und sie gehen über Kos zurück nach Deutschland.

Sibylle und ich bringen dagegen Volker und Tina zur 14.30 Uhr Fähre. Für Tina bedeutet das ebenfalls das Saisonende, Volker dagegen fliegt nur aus familiären Gründen mit nach Deutschland und wird in einer Woche zurückkommen.

Es war geplant, dass wir ELOWYN solange durch griechische Gewässer fahren bis Volker zurück kommt. Dies hat sich insofern geändert, als dass die Algro 68 jetzt in der Marina bleibt, bis wir sie Volker am 05.10. nach Kos bringen, von wo aus er mit einem Kumpel die Überführung zum Refit nach Preveza starten wird. Alles klar? Nein? Macht nix…

Und was machen wir jetzt??? Wir genießen noch einmal die kulinarischen Highlights von Leros…

Die Sonne verschwindet langsam – Zeit für uns, den Abend einzuläuten

Die Krux dabei – wie schon geschrieben, hat Haris seine Bar „Harris“ (beide Schreibweisen richtig!) in der ersten Mühle ja leider frühzeitig geschlossen.

Zu einem gehörigen Abschluss gehört ein Besuch dieses Ortes aber dazu! Gut, wenn man Kontakte hat…

Kaufen können wir dort zwar nichts mehr, aber wir dürfen jederzeit Platz nehmen und ein mitgebrachtes Getränk, unsere Wahl fällt auf ein Fläschchen „Moët“, vor Ort genießen. DAS lassen wir uns nicht entgehen!

Heute parke ich dort alleine – parking with a view
Die untergehende Sonne taucht den herrlichen Ort in ein besonderes Licht
Wir stoßen alle sechs mit einem Gläschen Moët rose an
Wir genießen die Szenerie bis zur „blauen Stunde“…
…dann machen wir uns auf den Weg ins „Mylos“
Blick Richtung Lipsi – ich liebe diese Stimmung

Wir fahren die Serpentine hinunter bis nach Panteli, dann über Platanos nach Crithoni zum „Food-Tempel“ von Leros.

In kleinerer Runde lassen wir Sechs den Abend dort gebührend ausklingen. Es war phantastisch wie immer!

Mit dem Motorrad kann ich quasi vor der Haustüre parken
Diesmal nur als ein Beispiel für ein hervorragendes Dinner – das „Shrimp Tatar“

Wir genehmigen uns noch einen Absacker in Form eines Dosenbiers an Bord der ELOWYN. Versumpft sind wir diesmal nicht, denn die Freunde haben einen anstrengenden Tag vor sich. Um Mitternacht hieß es daher – „…ab in die Kojen, gute Nacht, bis morgen!“

Dieser neue Morgen begann für Sibylle und mich quasi wie immer – kleines Frühstück, zwei Tassen Kaffee für mich, Tee für die Liebste. Eine Sache macht den Tag doch besonders – es ist der Geburtstag von Babsi! Sibylle übernimmt die Gratulation aus der Ferne, ich erinnere mich leise daran, dass meine Mutter heute 90 geworden wäre – vergessen ist sie nicht!

Das Frühstück endet – wir starten gleich in den Tag

Nachdem Volker und Tina ihre Gäste an die Fähre nach Agia Marina gebracht hatten, gaben sie uns Bescheid, dass wir uns treffen sollten. Es waren noch einige Details bezüglich der Vorbereitung und Verbringung von ELOWYN abzustimmen.

Zudem überraschte Volker mich mit der Bitte, ob ich nicht bei seiner Ankunft in Preveza anwesend sein könnte und beim Einwintern bzw. Vorbereiten seines Schiffes helfen könnte. Zudem kann er sich vorstellen, dass ich eine Art „Projektbetreuung“ während der Wintermonate übernehme.

Ok, ich sage unter Vorbehalt zu, Details müssen wir wohl besprechen. Es sieht jedoch so aus, als ob Sibylle und ich, das passende Wetter vorausgesetzt, im Oktober noch einmal eine kleine Motorradtour unternehmen werden. Ersatzweise wäre eine Anreise im Mietwagen ab Piräus denkbar – wird spannend! Ihr werdet es im Oktoberbericht erfahren.

Danach sind wir auf ein Mittagsgiros ins „SouVLakki“ und gleich im Anschluss daran, zum Fährhafen der Katamaranfähre gefahren.

Es heißt „auf Wiedersehen“ zu sagen – zu Tina bis zum nächsten Jahr, zu Volker bis zur nächsten Woche…

Da gehen sie dahin
Ein letztes Winken
Weg sind sie

Wir fahren zurück auf NESSAJA und sortieren uns neu. Ein paar Handgriffe sind auf der nun verwaisten ELOWYN zu erledigen, das schieben wir nicht auf die lange Bank.

Wasser abdrehen, Verbraucher ausschalten, Luken dicht und Schiff verschließen. Das nächste Mal sehen wir in zwei, drei Tagen nach ihr.

Ihr könnt euch das Gesicht von Anna und Niko, den Betreibern des „SouVLakki“, nicht vorstellen, als wir ein zweites Mal an diesem Tag hereinkommen. Wir haben ihnen zugezwinkert und uns zu Hans Peter und Petra an den Tisch gesetzt – na, was wollen wir uns heute Gutes gönnen?

Man kann noch draußen sitzen – merkt man

Irgendwie bestellt man ja doch immer das Gleiche. Jeder hat sein Lieblingsgericht und vielleicht noch ein Alternativmenü – aber generell gibt es kaum Abweichungen.

Heute allerdings, weil wir ja schon Giros hatten, musste etwas anderes her. Sibylle labt sich daher seit Langem mal wieder an einer „Covered Pita“…

Auch kein „kleiner Snack“ – man muss schon Hunger haben

Ich dagegen bestelle mir, nach langer Abstinenz, wieder einmal einen halben Broiler. Das hatte ich lang nicht mehr, darauf habe ich jetzt einen Guster.

Ich hatte mich echt nicht mehr erinnert, was für eine Portion das ist. Ganz offen gesagt, ich bin ja auch nicht mehr 20, mit dem Tellerchen habe ich zu kämpfen! Noch gewinne ich – aber das geht nicht mehr lang so. Das Zeitalter des Seniorentellers bricht an.

Eine ganz schöne Portion

Das Monatsende naht, es gibt auf unserer Baustelle nicht mehr so viel zu tun. Hans Peter ist kein Social Media Nutzer, er bittet mich daher, das alte Dinghy der LIBERTÉ für ihn in einer „Leros Yachting“ Gruppe zum Verkauf anzubieten.

Das mache ich doch gerne. Petra schickt mir zwei Bilder und den Preis, ich generiere eine kleine Anzeige. Mal sehen ob sich etwas tut und ob wir das gut erhaltene, frühere Schnulli der Bavaria bald verkaufen können…

Gut in Schuß – keine Reparaturstellen
Bis jetzt keine Anfragen – schade

Was uns richtig freut, ist die Tatsache, dass sich die SAGITTA von ihrem sommerlichen Rundtörn zurück gemeldet hat. Mario und Eva sind wieder im Dodekanes angekommen und werden Leros vermutlich heute streifen.

Als wir dies bestätigt bekommen, verabreden wir uns gleich am Panteli Beach auf ein „buntes Getränk“ und einen gehörigen Klönschnack. Es gibt viel zu erzählen und wir mögen die Beiden.

Wir kommen etwas früher als die Freunde am Café „Sorocos“ an und nehmen Platz – sehr schnell realisieren wir, dass das Glück uns wieder einmal hold ist! Denn auf der Dachterrasse des „Panteli Beach Hotel“ ist gerade eine Hochzeit in vollem Gange. Mein Lieblingsfiddler Manolis geigt was das Zeug hält und die Gäste tanzen ausgelassen.

So erhalten wir einen Nachmittag am Strand mit live „Island Music“ – hopahopa…

Greek Livestyle – I love it
Wir sitzen unweit des Spektakels und genießen mit den Hochzeitsgästen

Sibylle und ich warten etwa zehn Minuten, dann treffen Eva und Mario ein. Wir bestellen die erste Runde und ratschen sofort los – jeder erzählt den anderen das Erlebte und die lustigsten Stories.

Wir lachen, haben Spaß, freuen uns auf die Wochen die vor uns liegen und – bestellen eine weitere Runde!

Willkommen zurück

Nach einer dritten Runde, wir sind gerade am Aufbrechen, hupt es von Weitem. Das Hupen nähert sich und als wir gerade bei unserem Mopped stehen, biegt eine Hochzeitskolonne um die Ecke.

Zunächst denken wir, dass es sich um Hochzeitsgäste oder gar das Brautpaar handelt, dann aber drängt sich der Verdacht auf, dass hier ZWEI Hochzeitsgesellschaften zusammentreffen!

Die einen tanzen zur Musik, die anderen johlen zum Getöse der Hupen – und rundherum klatschen die Zaungäste – feiern wie es die Griechen tun! Das ist wohl das, was man Lebensfreude nennt!

Laut! Könnt ihr es hören???

Durch die Verzögerung sind wir ein wenig unter Zeitdruck. Wir sind heute um 18.30 Uhr in Drimonas am Gourna Strand mit Carola und Thomas von der EMOTION verabredet.

Diesmal etwas früher, weil die Sonne bereits um rund 19.00 Uhr hinter dem Horizont verschwindet. Dieses Schauspiel wollen wir uns, wenn wir schon einmal in der Westbucht sind, nicht entgehen lassen.

Das alleine wäre leicht zu schaffen, gleichzeitig findet in Lakki aber die Oldtimershow von Leros statt. Da darf man sich nicht zuviel vorstellen, aber vorbeisehen wollen wir auf jeden Fall.

Also nix wie los, vielleicht schaffen wir es ja!

Nun, nicht ganz! Mit rund einer Viertelstunde Verspätung treffen wir in Lakki ein…

Ahhhh, hier geht es los – bestimmt bis hinter zur „Lakki Marina“

Wir betreten das abgesperrte Straßenstück bei Mariettas Taverne. Ich bin zu diesem Zeitpunkt noch überzeugt, dass die Sperrung entlang des Stadtkais bis zur „Lakki Marina“ reicht.

Ich war vor zwei Jahren schon einmal hier. Damals wurde das breite und lange hintere Straßenstück gesperrt, es war alles voll und gedrängt – ein paar Young- und Oldtimer gibt es auf Leros schon!

Ich sehe mir die Pretiosen an und mache ein paar Bilder…

Detailtreue…
….meets Fantasy
Die Vespaecke hier…
…ein paar olle Mopeds dort
Youngtimer
Oldtimer

Das war´s – etwa 100m gesperrte Straße, wenige Autos und noch weniger Mopeds. Selbst ich kenne aus dem täglichen Straßenbild einige Fahrzeuge die komplett „geschwänzt“ haben!

Die gesamte Citroen Mehari Flotte etwa – nicht da! Kein einziger Suzuki LJ80 oder SJ410! Der C-Kadett, der Split-Window Bulli – keiner da! Ich war enttäuscht…

Gleichwohl war es Glück, denn so hatten wir keinen Interessenskonflikt – die Zeit drängte, wir müssen weiter zu unserer Verabredung!

Im Gehen sehe ich im Augenwinkel die Enduro-Ecke…

Jürgen und Andrea von der BE HAPPY vor den Enduros

Ich erschrecke – nein, nicht wegen der Farbkombination der XT600, auch nicht, weil auch hier mindestens drei alte XT und XL fehlen, die mir persönlich bekannt sind…

Ich erschrecke, weil mir bewusst wird, dass dies die Moppeds meiner Jugend sind. Fahrzeuge der 80er Jahre. Ich mache mir bewusst, dass 1982, das Baujahr meiner ersten XT500, bereits 42 Jahre her ist – verdammt lang her!

Wir fahren nach Drimonas zur „Ouzeri o´ Sotos“…

Ich parke die GS vor der Ouzeri, die Sonne taucht die Szenerie in warmes Licht
O´ Sotos ist eine einfache Ouzeri…
…mit einer sehr schönen Terrasse direkt am Wasser

Wir waren hier schon einmal – damals war es eine sehr positive Überraschung. Dies gilt es heute zu verifizieren.

Wir kommen hier selten her, denn es ist etwas abseits vom Schuss. Nicht auf „unserer Seite“ der Insel. Es ist schwer festzustellen ob und wann geöffnet ist.

Der Gesamteindruck könnte griechischer und authentischer nicht sein! Die Ouzeri hat sich behalten, was die Tavernen in Panteli geopfert haben – Ursprünglichkeit! Nichts ist fancy oder blingbling, alles so wie man sich eine griechische Taverne vorstellt. Ich muss zugeben, die „Ouzeri o´ Sotos“ fliegt unter meinem Radar – das sollte ich ändern!

Wir nehmen an unserem reservierten Tisch Platz und genießen den Ausblick – es ist sehr ruhig hier, ganz anders als in Panteli oder Lakki.

Der Blick schweift über die Gourna Bucht

Ein Nachteil ist vielleicht, dass die Ouzeri Richtung NW ungeschützt beziehungsweise sehr offen ist. Bei kräftigem Meltemi dürfte es hier ungemütlich sein, da es keinen Windschutz gibt.

Davor sind wir aber heute gefeit, wir haben einen nahezu windstillen und dazu noch recht lauen Spätsommerabend erwischt.

Generell ist zu sagen, dass die Abende eher frisch geworden sind. Nun, kalendarisch ist am 21. des Monats der Herbst eingezogen – es war Sommersonnwend. Sonst spüren wir das in unseren Breiten kaum, dies ist 2024 jedoch etwas anders…

Wir bestellen Getränke und genießen zunächst das Ambiente und den Sonnenuntergang!

Stilecht – der Octopus hängt zum Trocknen
Fast eines Kalenderbildes würdig
Stilleben – mit Fischernetz
Das Zentralgestirn dippt das Wasser

Als wir mit Carola und Thomas vereinbart hatten, dass wir die Ouzeri besuchen würden, habe ich mich an unser Essen von damals erinnert – etwas ganz außergewöhnliches – ein „Seafood Kokoretzi“!

Hier dient der Link zu klassischem Kokoretzi nur der Zubereitungsmethode – man umwickelt! In diesem Fall Meeresfrüchte, welche in ganz dünn geschnittene Streifen von Kalamari eingewickelt und gegrillt werden.

Dazu gibt es eine saure Soße auf Basis von Granatäpfelkernen – das schmeckt so anders – leider geil!

Seafood Kokoretzi für zwei Personen

Es versteht sich fast von selbst, dass wir zuvor ein Ensemble verschiedener Meze gegönnt haben.

Wie dem auch sei, wir waren nach dem Essen satt und zufrieden und haben den Tag bei „Repapis“ ausklingen lassen.

Thomas und Carola werden morgen nach Deutschland fliegen, wir werden uns erst 2025 wieder sehen!

Am letzten Tag des September wachen Sibylle und ich fast gleichzeitig auf. WIND! Ein kurzes Gastspiel des Meltemi ist gemeldet – wir hatten es bereits an der Anzahl der Segler gemerkt, welche sich in die Marina „geflüchtet“ haben.

Die kräftigen Böen bis zu 35kn waren angesagt und sind auch eingetroffen, das Ganze soll bis übermorgen andauern. Wir werden also vom Vibrieren des Mastes und dem Klimpern und Klappern der Wanten wach. Es gibt Kaffee, dann kann es losgehen – wobei, der letzte Tag des Monats ist rasch erzählt…

Die Ersatzteile von Hans Peters Ankerwinsch – komplettiert und sortiert

Ich löse meine letzte Zusage gegenüber Hans Peter ein und serviciere den Ersatzmotor der Ankerwisch für ihn. Ich baue das „dreihaxige“ Modell wieder zusammen und räume alle ausgeschlachteten Ersatzteile sortiert in einen Karton.

Fertig, das war´s für mich! Fast! Denn mein Freund aus dem Saarland benötigt noch etwas Hilfestellung – so montieren wir noch die Ausgangswelle des Saildrive, so dass diese Teile nicht in ihrer Box überwintern müssen.

Los, die Teile in der linken Box verbauen wir noch

Dann helfe ich noch dabei, seine neue Engel Gefrierbox nach oben zu tragen.

Ein wenig Baustellenordnung tut auch not, auch hier kann ich noch mit anpacken – er war mit Petra fleißig am werkeln. Langsam wird es Licht am Ende des Tunnels.

Dann aber war es für mich an der Zeit den Dienst zu quittieren – die Projekte sind geschafft, für mich geht die Unterstützung 2025 weiter!

Hans Peter wäre aber nicht Hans Peter wenn er nicht mit „…einen hab´ ich noch!“ hätte antworten können 😉 – so setze ich mich hin und schreibe ein Mail an Schenker in Athen. Bei positiver Reaktion, wollen wir den geschenkten Wassermacher noch auf den Versandweg dorthin bringen – es soll ein Service nebst Testlauf und etwaiger Reparatur gemacht werden.

Dazu mehr im Monatsbericht des Oktober, ich fahre jetzt mit Sibylle nach Panteli!

So, und jetzt stellt euch mal vor, ihr wollt euch auf die GS setzen und diese aufrichten
Ein schönes Plätzchen

Wir sind abermals mit Mario und Eva von der SAGITTA verabredet und wiederholen exakt das Procedere des Vortages – dabei stellen wir fest, dass „bunte Getränke“ ohne Hochzeitsmusik auch gut schmecken.

Wir verabreden uns für den Folgetag, den 01. Oktober, abends in Xirokampos zum Dinner. Auch Hans Peter und Petra werden dazu kommen – wird sicher lustig! Dann trennen sich unsere Wege…

Für uns endet der September unspektakulär – mit einem BBQ im Cockpit der LIBERTÉ. Vielleicht dem letzten der Saison. Der Wind pfiff unbarmherzig, es war frisch und zugig – offen gesagt, es war nicht mehr gemütlich!

Kalter NW vergällt uns den Grillspaß

Wir haben gegessen, uns etwas unterhalten und die letzten Tage bis zur Abreise der beiden Freunde aus dem Saarland geplant. Dann aber war es echt an der Zeit den Grillabend abzubrechen – der frische und kräftige Wind war durchdringend, die Longsleeves einfach zuwenig.

Wir haben uns auf unsere NESSAJA zurückgezogen, Sibylle liest noch ein wenig und ich tippe diese letzten Zeilen des Blogs.

NESSAJA an F16 – 30. September 2024

Der September liegt im Kielwasser – hier ein kleiner Ausblick auf den Oktober!

Etliche unserer Freunde segeln noch, wir freuen uns auf Treffen und den Saisonabschluss mit diesen Crews. Zudem wollen wir Marcus, Susanne und Lilly in Lipsi besuchen.

Hans Peter und Petra reisen am 03.10. ab – es enden fast elf Wochen Projektarbeit an LIBERTÉ! Wir werden Lebewohl sagen müssen.

Für Spannung sorgt die ELOWYN – werden wir den blauen Riesen nach Kos verbringen und ein paar Seemeilen abreißen? Oder werden wir unser Patenschiff erst in Preveza wieder sehen? Sofern wir überhaupt dorthin fahren…

Wir haben Einladungen zu zwei griechischen Festen – darauf freuen wir uns.

Ja, ich denke, dass auch der Oktober ein herrlicher, erlebnisreicher Monat wird. Gerne teilen wir weiter unsere Erfahrungen und Eindrücke – bleibt uns daher gewogen…

Danke für die investierte Zeit und euer Interesse – die NESSAJA Crew

Sibylle & Mario

August 2024 – That´s What Friends Are For

Ihr wisst ja, dass ich meine Blogbeiträge immer mit einem Songtitel, vornehmlich aus den 80ern, eröffne. Die Headline soll zumindest andeuten, was im vergangenen Monat der Leitgedanke war…

Diesmal ist es also „That´s what Friends are for“ aus dem Jahr 1982 geworden – es liegt auf der Hand, der vergangene August war ein Monat der Freundschaftsdienste.

Darf ich kurz in den Klugscheißermodus gehen? 😉

Man lernt nämlich nie aus!

Der Headline Song 08/2024 ist tatsächlich aus dem Jahr 1982 – und wenn Du jetzt das Gefühl hast, dass Dionne Warwick dieses Lied über Freundschaft gefühlt doch erst später intoniert hat, dann hast Du vollkommen Recht!

Die fast bekanntere Coverversion des Songs stammt aus dem Jahr 1985 und wurde durch die bereits genannte Soul Diva gesungen. Das Original hat aber kein Geringerer als Sir Roderick David „Rod“ Stewart eingespielt – der Titel steht diesmal für sich „That´s what Friends are for…“ (Klugscheißermodus aus)

95% der Wachstunden des vergangenen Monats habe ich mit Hans Peter verbracht

Bitte seht mir nach, dass ich eine kleine Schleife mache – ich muss kurz in die Vergangenheit zurück, um zu erklären, wie wichtig mir die Freunde der Gegenwart sind…

Im Juni 2016 waren wir zusammen mit einem befreundeten Paar aus unserer Heimat in Griechenland, wir waren mit NESSAJA unterwegs und hatten eine Woche Spaß zusammen – es war ein gemeinsamer Urlaub.

2016 – unter vollen Segeln Richtung Leros – der Urlaub geht zu Ende

Wie immer hatte ich eine gewisse Melancholie – NESSAJA glitt lautlos unter Vollzeug mit drei geblähten weißen Segeln Richtung Leros, wir wussten, die Heimreise naht.

Ich habe bejammert, dass ich am liebsten hier bleiben wolle, vielleicht sogar hier leben möchte – ich konnte nicht ahnen, dass sich diese Idee fünf Jahre später manifestieren sollte. Mein Freund Sepp hält dagegen – „…zuhause ist man verwurzelt, da sind deine Freunde!“

Wir diskutieren, ich gebe ihm Recht was die Wurzeln betrifft, würde es aber Heimat nennen. Zuhause kann ich überall sein – wherever I lay my hat…

In der Sekunde in der wir in die Marina einfahren, hupt es aus zwei Richtungen, Freunde winken von der Straße, in der Marina empfängt man uns – „…schön, dass ihr wieder da seid!“ Ich lächle und sehe Sepp an – nein, meine Freunde sind nicht nur im bayrischen Oberland, auch hier haben wir viele wertvolle Sozialkontakte.

Zurück nach 2024 – kann Freundschaft, wie sie aus einem gleichgearteten Interesse innerhalb kurzer Zeit entsteht, kann eine solche Freundschaft so wertvoll wie eine gewachsene sein?

Ich denke ja! Der August war ein Monat, der dies einmal wieder unter Beweis gestellt hat. Doch macht euch selbst ein Bild…

Warning Note! – es könnte passieren, dass der Rückblick auf den achten Monat des Jahres techniklastig wird – ich gelobe aber, dies kurzweilig zu erzählen und in eine geschmeidige Rahmenhandlung zu packen – das letzte Drittel des Berichtes wird die Nicht-Technikinteressierten dagegen versöhnen…

Der Monat begann entspannt, ich sitze am Rechner, lade den Blogbericht für den Juli hoch und trinke meinen ersten Kaffee – ohne den geht nix!

So kann der Tag beginnen

Ich habe für mich beschlossen, dass ich es heute langsam angehen lasse – es ist mein letzter Tag alleine, heute am späten Abend kehrt Sibylle aus Deutschland zurück.

So stimme ich mich nach dem morgendlichen Anlaufen mit Hans Peter ab – er kann derweil alleine an seiner LIBERTÉ weiterwurschteln, es gibt genug Arbeiten bei denen ich nicht unterstützen kann…

Ich dagegen verziehe mich auf ELOWYN um zumindest ein bisschen produktiv zu sein – der Schalter für den Wassermacher muss bestellt werden, zu diesem Zweck hat der Hersteller mir ein Foto geschickt.

Hier klafft die Lücke…
…der Hersteller lässt mich vor Bestellung abgleichen

Ich bin abermals von einer Designänderung betroffen – ihr wisst, wie mich das aufregt! Ich hatte den Originalschalter schon im Internet gefunden, es gibt einen Händler in Deutschland.

Der Hersteller der Anlage hingegen, bietet mir einen roten statt einen weißen Schalter an, auch die Anschlüsse sind anders. Wenn er passt, dann ist das alles lösbar – dennoch würde ich das Originalteil bestellen. Volker muss entscheiden!

„Du, ist mir egal, nimm´ den Roten, der kostet die Hälfte…“ – ok, ich bin überrascht, aber hier entscheidet er! Mir bleibt nur die Maße zu vergleichen – passt! Ich bestelle.

Relevant sind nur die Maße – einer Bestellung steht nichts entgegen

So, mehr mute ich mir heute nicht mehr zu. Ich gönne mir ein seltenes Nachmittagseis und verhole dafür zu „Repapis“ Eissalon – man gönnt sich ja sonst nix.

Ah, was für ein Genuss

Gedankenverloren sitze ich da. Ich grüble über meine Situation. Sibylle kommt zurück, ich freue mich auf sie. Ich muss aber auch zugeben, dass meine Phase alleine, sehr viel unkomplizierter war als unser sonstiges Leben.

Hans Peter und ich haben uns zwei Wochen lang nur auf das Notwendige konzentriert. Die Tage schienen länger, unsere Produktivität war größer. Naja, so kann es ja nicht weitergehen! Ab morgen also wieder ein geregeltes, wenn auch etwas aufwändigeres Lebensmodell 😉

Über mein Gedankenspiel verflog die Zeit – mein Telefon bimmelt und ich erhalte eine Nachricht von Hans Peter…

Waaaas, schon so spät???

So weit ist es also schon, der Freund ruft zum gemeinsamen Dinner. Heute wird nicht gegrillt, Reste müssen weg. Der Hobbykoch aus dem Saarland hat daher heute zum gemeinsamen Schmaus auf der „Hochterrasse“ geladen.

Ich starte die GS und tuckere zu ihm, wir machen es uns bequem, genießen den Blick über die Marina und unsere „Pasta alla Creme con Tonno“.

Eine klassische Essenseinladung – was für ein Luxus
Nudeln mit Thunfisch-Sahne Soße – ein klassisches „One-Pot“ Gericht. Lecker und reichlich

Obwohl wir heute nicht besonders fleißig waren, schlagen wir uns die Wänste voll und genehmigen uns auch ein, zwei Bierchen. Heute ist keine Eile geboten, denn ich werde hier bis 22.30 Uhr verweilen und dann direkt mit Hans Peters Auto zum Hafen fahren und Sibylle abholen.

Wir hatten genug zu bequatschen, die Zeit verflog rasch!

Der Abend bricht herein und taucht die Marina und Lakki in ein bezauberndes Licht

Ich beobachte den Weg der BLUESTAR 2 über die „Marine Traffic“ App und kann so „just in time“ reagieren. Leider bekomme ich im Hafenbereich keinen Parklplatz und werde des Geländes verwiesen – in der Hochsaison spinnen alle, es gelten andere, weniger entspannte Regeln.

Als ich von meinem finalen Abstellplatz zum Anleger gelaufen komme, läuft die Fähre bereits ein – Punktlandung!

Sibylle kommt zurück

Meine Angetraute ist unter den Passagieren, welche den Zubringer zu Fuß verlassen. Ich treibe sie zum zügigen Verlassen des Hafengeländes an, hier geht es zu wie auf dem Rummel – ich hasse das!

Dafür und auch um erst einmal richtig HALLO zu sagen, fahren wir nur ein paar Meter weiter und kehren ins „Palma Café“ auf einen Ouzo als Absacker ein. Wir erzählen einander ein wenig, fahren etwas runter und gehen erst danach nach Hause – zurück auf NESSAJA.

Das Gepäck stellen wir nur ab, naja fast, ein paar „Utensilien“ braucht Sibylle schon, bevor sie sich einfach schlafen legen kann – aber daran scheitert es nicht. Alles Weitere morgen, denn da ist auch noch ein Tag!

Der beginnt mit einem Frühstück bei Marietta – das halten wir bewusst kurz, denn Sibylle will auspacken und danach einkaufen und unser Schiff wieder in den „Sibylle Modus“ versetzen. Hausarbeit existiert wieder, gewollt!

Ich habe auch Interesse was im Reisegepäck meiner Gattin so alles untergebracht ist.

Die Teile für Hans Peter – Ruderlager und die Volvo Teile, die wir für den Saildrive benötigen
Die Teile für mich – Druckerpatronen, der Bremszylinder für meine BMW, das Gasregelventil für den ENO und ein paar Werkzeuge aus meinem alten Werkzeugwagen

Sibylle und ich haben mit Hans Peter vereinbart, dass wir den heutigen Tag auch noch „freinehmen“. Ich wollte mich der Rückkehr von Sibylle widmen und auch die Teile sofort verräumen oder, sofern möglich, gleich verbauen.

Mit dem Aufkleber im Cockpit fange ich an. Der Alte hat durch die stetige Sonneneinstrahlung arg gelitten, ein Neuer musste her.

Nicht elementar – verdeckt aber einen Kratzer und soll schön aussehen
So soll das – eine Arbeit die ausnahmsweise mal schnell erledigt war

So wurschtelten Sibylle und ich bis zum späten Abend vor uns hin. Zwischendrin war Sibylle einkaufen, dafür wurde sie durch Hans Peter und mich instruiert, wie unsere „Grillabende“ auf der Baustelle ablaufen – sie war zunächst einverstanden, obwohl der Speiseplan, der wechselweise Köfte oder Chicken-Souvlaki vorsah, nicht unbedingt auf Begeisterung stieß.

Wir haben zusammen gegrillt und sind dann nicht allzuspät ins Bett, so ein „relaxter“ Tag kann ganz schön anstrengend sein! Als Betthupferl gab es noch ein Feuerwerk – mehr kann ich nun wirklich nicht tun 😉

Wie bestellt – Feuerwerk über Lakki

Ein neuer Morgen – wir wollen, nein, wir müssen zurück in unseren geregelten Arbeitsablauf. So treffe ich den Skipper der LIBERTÉ unter der gleichnamigen Baustelle – heute beschäftigen wir uns mit dem Saildrive.

Weil das Auge ja auch immer ein bisschen mit verwöhnt werden will, beschließen wir, dass unansehnliche Teile ein neues Finish bekommen. Hans Peter macht sich also ans Lackieren der Anbauteile.

Der Klemmring des Saildrive – ein Neuteil für fast 500.-€, welches sich auf jeden Fall zu retten lohnt
Das Ergebnis kann sich sehen lassen

Wer genau hingesehen hat, dem ist im Hintergrund von Bild 1 vielleicht mein Motorrad und eine Palette mit einem Bauteil aufgefallen. Wir haben uns die Mühe gemacht, den Hochdruckreiniger anzuschließen, um das Saildrivegehäuse vollumfänglich zu reinigen. Klar, dass ich der treuen GS dann auch ein Waschprogramm gönne – an ihr hängt schließlich noch der Staub aus Kreta!

Beides, Saildrive-Getriebe und GS lassen wir in der Sonne trocknen, während wir die Teile für den Zusammenbau vorbereiten. Das Unterteil des Saildrive, die Finne, hatten wir im Vorfeld schon mit Epoxi-Primer behandelt und lackiert.

Jetzt kann es losgehen!

Alle Teile und Schrauben da, Anleitungen und Reinigungsmaterial???

Wie ich ja im letzten Monatsbericht geschrieben hatte, war der Zusammenbau nicht sehr herausfordernd. Ich hatte die gleiche Arbeit vor zwei Jahren an NESSAJA erledigt und wusste noch, was zu tun war. Wir gingen sehr gewissenhaft vor, denn diese Arbeit ist aufwändig und wir wollen kein zweites Mal ran!

Nix vergessen, alles auf Drehmoment anziehen

Alles in Allem hat der Zusammenbau einen Nachmittag in Anspruch genommen.

Um den Tag vollumfänglich auszunutzen, schreibe ich Giorgos an, ob es schon irgendwelche Fortschritte bezüglich der von uns vergebenen Projekte gibt. Im Moment sind vier Arbeitsaufträge bei „Boat & Parts“ anhängig.

Mein Freund hat gute Neuigkeiten, wir sollten heute gleich vorbeikommen, er wäre gerade mit unseren Aufgaben beschäftigt. Das trifft sich gut – villeicht bekomme ich endlich das Getriebe von ELOWYNs Deckswinsch zurück.

Wir kommen an und bereits der erste Blick macht klar – nein, wegen der Muringwinsch wurden wir nicht einbestellt!

Das Getriebegehäuse von ELOWYNs Deckswinsch ist zwar sandgestrahlt und bereit zum Zusammenbau – aber noch nicht fertig

Im hinteren Teil der Werkstatt brutzelt der Schweißapparat. Schnell wird klar, dass Giorgos sich heute vorgenommen hat die Ankerwinsch von Hans Peter zu individualisieren.

Der Meister an seinem Schweißgerät

Für die technisch versierten und interessierten Leser unter euch – Lofrans hat beim Modell „Caiman 88“ bei der Verschraubung einen Materialmix von V4A und Aluminium verbaut, nicht gut! Dazu kommt, dass die Verschraubungspunkte bezüglich der Krafteinleitung eher suboptimal angeordnet sind. So hat Hans Peter beschlossen, sich eine Montageplatte unter das Gehäuse schweißen zu lassen und die Problematik somit zu entschärfen – dies hat Giorgos übernommen. Das Ergebnis war einwandfrei.

Darauf ein Reparierbier

Nach getaner Arbeit genießen wir ein Bier zusammen, machen noch eine andere Kleinigkeit für HPs LIBERTÈ klar und fahren dann wieder zurück in unsere Marina.

Als wir losfuhren, verspricht mir mein Freund Giorgos, dass er als nächstes meine zwei Themen anpackt – ich freue mich, langsam müssen wir auf die Zeitachse achten.

Als wir zurück sind, zelebrieren wir abermals einen „Baustellengriller“, Sibylle hatte Salat vorbereitet und Brot sowie Grillgut gekauft. Der Abend klang unspektakulär aus.

Der Folgetag ist ein Sonntag – Sonntag ist NESSAJA Tag! Diesen in Sibylles Abwesenheit eingeführten Ablauf, möchte ich solange aufrecht erhalten, bis die mitgebrachten Teile verbaut sind. Mit dem wichtigsten fangen wir an – mit dem Regelventil für unseren ENO Bretagne.

Ich zerlege den in die Jahre gekommenen Gasherd

Bevor ihr euch alle fragt, ob sich eine solche Reparatur lohnt – insbesondere auch angesichts der relativ hohen Ersatzteilpreise, gepaart mit langen Wartezeiten – ja, das tut sie! Ein neuer Bretagne kostet zur Zeit rund 1.700.-€, das ist ein Haufen Geld.

Ich war und bin bereit, dieses Spiel noch eine Weile mitzuspielen – ich gehe dem französischen Kochgerät also ans Eingemachte und zerlege umfänglich…

Die Abdeckung muss komplett weg, das Versorgungsrohr auch – dann kann ich das Ventil abbauen
Links neu, rechts alt – Preis 180.-€, Wartezeit zwei Monate

Der Grund für den Austausch war banal. Kaum merklich, hat sich eine Schwergängigkeit beim Betätigen des Drehreglers eingeschlichen. Fies war, dass dies nur bei etwa der Hälfte des Betätigungsweges auftrat, ich konnte Sibylles Klagen kaum nachvollziehen – auch nicht, warum sie immer den Bedienknopf abgedreht hat.

Jetzt war die Ursache gefunden und somit auch zu beheben. Klar, dass auch dies nicht ohne Ärger abgeht – zumindest eine von neun Schrauben reißt ab!

Ausbohren und Gewinde nachschneiden

So arbeite ich langsam vor mich hin, zwischendrin gibt es eine Kaffeepause im Cockpit und nach rund dreieinhalb Stunden ist das Werk vollbracht – der ENO tut wieder und man sieht ihm die Operation nicht an.

Als wäre nie was gewesen

Am Sonntag gibt es einen weiteren Brauch – Hans Peter hat den Tag des Herrn zum „SouVLakki Tag“ ernannt. Wir gehen, das ist gesetzt, am Sonntag in den Lieblingsgrill zum Essen und danach zu „Repapis“! An allen anderen Tagen der Woche wird gegrillt, wechselweise Köfte und Chicken-Souvlaki, easy oder?

Das Feuerwerk am heutigen Abend war wohl für mich – der Gasofen ist repariert und NESSAJA ist nicht explodiert, ein gutes Ergebnis, welches man feiern darf!

Feuerwerk vom SouVLakki aus – wir wurden von der Crew der KARO begleitet

Am nächsten Morgen wollen Hans Peter und ich den Saildrive einbauen. Zuvor aber, so mahnt mich Sibylle, müssen wir Getränke kaufen! Sie sieht nicht ein, dass sie das schwere Zeug mit ihrem kleinen „Breezy“ rumkarren und an Bord schleppen soll. Ok, die Argumentationskette ist lückenlos, der Saarländer und ich fahren mit dem 4×4 zum Getränke bunkern…

Bier mit und ohne Alkohol, Schweppes und Cola sowie, ganz wichtig, acht 10 Liter Maxibottles Trinkwasser

Der eigentliche Grund für unser Ausrücken war allerdings, dass wir Trinkwasser kaufen mussten. Die Wasserversorgung auf Leros funktioniert mittels einer Wasseraufbereitungsanlage. Diese war seit Tagen defekt und das Wasser aus den Leitungen schmeckte salzig.

Aus diesem Grund waren auch die kostenlosen Trinkwasserautomaten der Insel außer Betrieb. Sowohl auf LIBERTÈ als auch auf NESSAJA drohte ein Trinkwassermangel. Dafür waren wir bereit die Big-Bottles zu kaufen und an Bord zu schleppen.

Es sollte eine einmalige Aktion bleiben, die Trinkwasseraufbereitung wurde ein paar Tage später repariert.

Mir fiel aber beim Weg über den Steg etwas auf…

Desaster auf OLIVE

Seit Tagen meine ich, einen latenten Benzingeruch zu vernehmen. Ich war der fälschlichen Annahme, dass dieser vom dritten Schiff in unserer Reihe käme und kein Grund zur Sorge wäre.

Heute sehe ich aber den wirklichen Grund – am Nachbarschiff, der OLIVE von Ciarán und Jill, ist der Kraftstoff aus dem Tank des Außenborders ausgelaufen und hat den Rumpf versaut. Da wir die Beiden echt gerne mögen, melde ich das Problem an Ciarán und frage ob ich helfen darf.

Dann endlich gehe ich zu Hans Peter, wir legen mit Verspätung los…

1001-mal bei Elring Trainings besprochen – wieder umgesetzt, aufgeschnittene Flasche in Ermangelung eines Spezialwerkzeuges

Zunächst müssen wir den Motor noch kurz vorbereiten. Es gilt den Wellendichtring der Kurbelwelle zu erneuern und sowohl Schwungscheibe als auch Adapterplatte und Getriebeglocke anzubringen.

Alle Schrauben ziehen wir mit den vorgeschriebenen Drehmomenten an

Als dies erledigt ist, kann Hans Peter den Saildrive an Bord holen und nach unten bringen. Gleich geht´s los! Wir wissen, dass dieser Job nicht einfach ist und holen uns daher Berthold zu Hilfe.

Gleich bauen wir ihn ein

Unser Plan ist, dass der Skipper das schwere Trum von der Hauptzugangsseite in sein Bett hebt und ich von der anderen Seite führe. Der Zugang ist eng und die Teile sind schwer – wir ahnen, dass dies keine filigrane Arbeit wird – doch wir haben einen Plan.

Ist das Getriebe erstmal in Position, würde HP den Saildrive führen, Berthold kann von der Schiffsunterseite das Getriebe drehen und, wenn nötig, etwas kippen – wenn alles in einer Flucht steht, dann schiebe ich den 200kg schweren Motor zurück auf seinen Platz

An seinem Platz ist er – etwas drehen noch – und höher muss er!

Gedacht, gemacht – wir ruckeln und wackeln, Kommandos werden gerufen – irgendwann höre ich Hans Peter rufen „…jetzt passt es!“

Ich schiebe den Motor an und er rutscht die paar Zentimeter in Richtung Getriebe – und siehe da, die Bauteile flutschen zusammen als wäre es ein Kinderspiel. Erster Versuch – Motor und Getriebe zusammenschieben – check!

Der Saildrive ist dran, die ersten Schrauben sind drin – da rutscht nichts mehr auseinander

Jetzt erstmal eine kurze Pause! Berthold ist entlastet, wir bedanken uns herzlich. Ein paar Schluck trinken, im Schiff ist es heiß – und letztlich auch etwas frische Luft schnappen.

Dabei wagen wir einen Blick von unten – der Saildrive ist wieder an seinem Platz. Hier hat Berthold, vor wenigen Minuten noch, die Finne ein wenig zu dirigieren versucht…

Das Zusammenfügen von Motor und Getriebe – ein Meilenstein

Weil es so gut geklappt hat und wir noch einen halben Tag haben, beschließen wir weiter zu machen und alle Schrauben zwischen Saildrive und Motor heute zu finalisieren. Um die Peripherie würden wir uns morgen kümmern.

Auch hier gilt das ungeschriebene Gesetz, dass eine Arbeit an einem Schiff nie, wirklich nie, reibungslos klappt, auch hier bleibt uns Unbill nicht erspart!

Merkt man auch erst beim Reindrehen, dass die krumm ist

Sibylle unterstützt! Sie ist unser „Bodenpersonal“, weil wir die Niedergangstreppe ausgebaut haben und somit im Schiff gefangen sind. Sie besorgt uns das „corpus delicti“ in Form einer neuen Schraube für die Motorlagerungen, so sind wir in der Lage unser Tagwerk planmäßig fertig zu stellen.

Nie, so mein Gefühl, war das Abendessen mehr verdient als heute!

Wir grillen an Bord der LIBERTÈ
Heute ist Köfte Tag
Bunte Salatbegleitung

Ich freue mich, es ist ein neuer Tag und ich soll heute mein Motorrad abholen – so gegen 11.00 Uhr. Es ist seit gestern bei „Moto Loukas“ um die malade Hinterradbremse reparieren zu lassen. Bei dieser Gelegenheit soll der Mechaniker gleich die vordere Bremse ebenfalls entlüften, die Antriebskette servicieren und die Gabeltauchrohre vom Flugrost befreien.

Da es bis dahin noch ein Weilchen hin ist, widme ich mich zunächst OLIVE. Ich lege mir eine Passerelle um auf das Nachbarschiff übersteigen zu können.

Ein oder zwei Holzbretter liegen an jedem Steg

Erstmal drüben, sehe ich nach der Ursache, diese ist in einem defekten Tank des Außenborders rasch gefunden. Da dieser aber inzwischen leer ist, kann ich Entwarnung geben, hier besteht im Moment kein Handlungsbedarf.

Hier lief es raus

Ich hole mir einen Eimer mit Spüliwasser und befreie OLIVE von dem klebrigen Zweitaktgemisch. Mit meinem Wasserschlauch spüle ich das Heck der irisch beflaggten Moody 42 mit klarem Wasser, bis sie wieder glänzt. Problem behoben, alles wieder in Butter auf´m Kutter.

Alles wieder gut – ich vermelde der Crew die positive Neuigkeit

Inzwischen ist es fast 11.00 Uhr! Ich bitte Hans Peter mich rasch nach Lakki zu fahren. Das wird umgehend erledigt, so dass ich bereits eine halbe Stunde später die GS zurück auf ihrem Platz habe – und seht selbst!

Die Gabeltauchrohre glänzen wieder…
…die neue Kette sieht wieder aus wie eine solche…
…und das Beste – der neue Bremszylinder ist verbaut, die Bremsanlage packt wieder zu

Ihr mögt euch fragen, warum der KFZ-Meister sein Mopped nicht selber repariert. Ich will ganz offen antworten – weil es sich nicht lohnt! Ich habe den Bremszylinder angeliefert und alle Arbeiten nebst Material von Loukas bezogen – bei der Abholung hat der junge Werkstattbetreiber lang erklärt wie viel Arbeit er hatte, alles sei ein wenig kompliziert gewesen aber ER hätte es hinbekommen.

Ich möge verstehen, dafür müsse er jetzt 40.-€ – in Worten, vierzig – verlangen. Natürlich lobe ich die tolle Arbeit und wertschätze sein Tun. Ich bezahle das aber auch gerne, weil ich genau solche Anlaufpunkte brauche. Ich kann mich indes den Herausforderungen an LIBERTÉ widmen.

Und da wären wir heute wieder bei meinem Fachgebiet, dem Einbau des vorderen Kurbelwellendichtringes. Wieder möchte ich mit einer Fotostrecke für die Interessierten, ein wenig von meiner, von unserer Erfahrung teilen.

Der alte Ring, vermutlich nicht die Ursache für den Ölverlust – wir tauschen prophylaktisch
Zum Ausbau bohren wir ein Loch in den Metallkäfig, das kann tricky sein
Mittels einer eingedrehten Blechschraube ziehen wir den Ring

Es ist ganz wichtig, den alten Ring nicht über die Welle oder den Sitz auszuhebeln. Zu groß ist die Gefahr, diese empfindlichen Dichtflächen zu verkratzen oder zu verdrücken.

Ist der Ring ausgebaut, reinigt man die Dichtflächen und baut den neuen Ring ein.

Ring ist ausgebaut – der Sitz und der Wellenstumpf müssen gereinigt werden
Für die Montage gibt es spezielle Montagehülsen, wir bauen diese aus einer PET-Flasche (Achtung! Kanten entschärfen)
Die Hülse verhindert ein Umklappen und eine Beschädigung der Dichtlippe beim Aufstecken – die Gummidichtlippen müssen geschmiert werden, PTFE Dichtlippen keinesfalls
Nach dem Ziehen der Hülse muss der Ring final in seinen Sitz gedrückt werden – beim VP MD22 0,5mm unter Flanschniveau

Zum Eintreiben haben wir uns eine passende Hülse gesucht und den alten Ring als Unterlage benutzt. Fertig!

Eines noch – ich lese und höre immer wieder vom „Simmerring“ – das ist umgangssprachlich, technisch falsch und beweist Unkenntnis. Ein Simmerring ist eine bestimmte technische Ausführung, streng genommen von einem bestimmten Hersteller.

Richtig heißen die Dinger „Radialwellen(dicht)ringe“ / RWDR. Jetzt lass´ ich es gut sein 😉

Last not least montieren wir die Antriebsräder für Zahn- und Keilriemen sowie die Riemenscheibe – auch hier arbeiten wir mit dem vorgeschriebenen Drehmoment von immerhin 180Nm (VP MD22).

Fertig – an der Kurbelwelle! Die Nockenwelle machen wir ein Andermal

Ok, ich entschuldige mich – Asche auf mein Haupt! Das war nun wirklich tief in der Materie – aber ich will eben nicht nur über „Repapis Eis“ und Badefreuden in Panteli berichten, auch die herausfordernden Seiten des Segleralltags sollen beleuchtet werden. Da gehört eben reparieren an allen Fronten dazu – und wann kann ich Expertise besser weitergeben und teilen, wenn nicht im Motorenbereich, besonders wenn es um Abdichtungssituationen geht. Man möge mir das nachsehen!

Am späten Nachmittag brechen wir ab, reinigen unsere verschwitzten Leiber und verholen dann auf die LE CLAPOTIS von Marijke und Cees. Dort sind wir zum Sundowner geladen, wir nehmen mit Freuden an!

Die Niederländer empfangen uns, es gibt Ouzo und Snacks
Wir genießen das einladende Schiff – es lenkt von der gewohnten Baustellenatmosphäre ab

Als wir gerade an Bord gekommen waren, hören wir von vis-a-vis eine bekannte Stimme – „…hey, was ist da los, ihr trinkt ohne mich?!“

Gottfried und Gabi waren bereits wieder von einer kleinen Runde zurück – völlig unerwartet eigentlich… Marijke reagiert sofort, sie schiebt ein „…kommt doch rüber!“ nach, dies wird aber abgelehnt. Man habe nur gefrotzelt, sei gerade angekommen und wolle erst „klar Schiff“ machen und etwas ausruhen.

HARMONY war schon zurück

Die Zeit verflog rasch und wir waren überrascht, wie schnell es kurz vor 20.00 Uhr war. Nicht, dass wir unhöflich wären, aber wir mussten weiter – zum nächsten Termin.

Wir hatten dies selbstverständlich mit unseren Gastgebern vorher so abgestimmt, so war es nicht überraschend als wir uns verabschiedeten um noch nach Vromolithos ins „Tis Kakomoiras“ zu fahren.

Dort waren wir mit Heidrun und Berthold von der KARO verabredet, es war deren letzter Abend, diesen wollten sie mit uns dreien verbringen.

Die Terrasse des „Tis Kakomoiras“ liegt hoch über der Bucht von Vromolithos und bietet einen guten Ausblick
Zu fünft teilen wir uns Meze und genießen einen schönen Abend – ich kann die Crew der KARO richtig gut leiden

Naja, irgendwie bin ich ja schon mitten drin im Headlinethema – wir leben ein mediterranes Leben und genießen eben dieses zusammen mit unseren Freunden.

Klar, nicht alle Freundschaften sind gleich tiefgehend, nicht alle von langer Dauer – aber für den Moment betrachtet, sind alle wertvoll und bereichernd. Wir haben im Laufe unseres Seglerlebens viele tolle Menschen kennen gelernt. Den Unterschied zwischen Freundschaft und Bekanntschaft sehe ich nicht mehr so streng wie früher – der rhetorischen Einfachheit halber, bekommt jede Person in meinem Dunstkreis, mit der ich ein Bier getrunken oder Meze geteilt habe, den Titel „Freund“.

Die, bei denen diese Freundschaft wächst, bei denen die Freundschaft Tiefgang bekommt, die merken das bei mir, so glaube ich, recht deutlich!

All´ diese Menschen zeichnen sich verantwortlich für die Geschichten die im Buch des Lebens manifestiert werden, sie kreieren die Bilder im Kopf – dazu später noch einmal ein paar Anmerkungen.

Am nächsten Morgen gehe ich auf ELOWYN, auch hier umfasst meine Arbeitsliste noch ein paar Punkte.

Ich setze die blaue Schönheit unter Strom, zudem fülle ich die knochentrockenen Wassertanks

Das Füllen der Wassertanks von ELOWYN dauert. Etwa zwei Stunden kann ich veranschlagen, bis ein Kontrollblick nötig ist – so lange dauert es, bis 1.3 Kubikmeter H2O gebunkert sind – 1.300 Liter müssen durch den Gartenschlauch gespült werden.

Batterien voll – Wassertanks voll

Als der Frischwasservorrat wieder aufgefüllt war, konnte ich mich der heutigen Aufgabe widmen – Fehlfunktion der Steuerbord Druckwasserpumpe feststellen, Reparaturumfang festlegen, Teile bestellen.

Aber nanu??? Es funktioniert alles! Was tun?

Ich telefoniere mit Volker und schicke ein Video. Alles funktioniert und tut dies auch über die nächsten Tage. Was sollte ich da reparieren? Wir beschließen also, dass wir dieses Thema weiter beobachten.

Tagwerk erledigt, manchmal braucht man eben auch Glück!

Nachdem noch etwas Tag übrig ist, geselle ich mich noch einmal zu meinem saarländischen Spezi, wir wollten doch noch die Arbeit rund um LIBERTÉs Motor abschließen, warum nicht gleich?

Gedacht, gemacht!

Ok, Durchsatz sollte noch da sein, aber eigentlich muss er raus – wir entscheiden zu entkalken

Wir montieren den Ausgleichsbehälter für die Kühlflüssigkeit, den Seewasserfilter und die Züge für Schaltung und Gasbetätigung.

Eigentlich wollten wir auch noch das Röhrenpaket des Wärmetauschers ausbauen und reinigen, dafür reicht aber der Platz nicht, man müsste den Wärmetauscher abnehmen. Das verwerfen wir und entscheiden stattdessen, dass wir das Röhrenpaket entkalken werden.

Last not least, bringen wir noch einen reparierten Flansch am Wärmetauscher an – dann ist es geschafft! Wir haben das Arbeitspaket „Saildrive“ abgeschlossen.

Alles wieder da wo es hingehört

Das Arbeitspaket „Motor“ umfasst noch das Abdichten von Nockenwelle und Ventildeckel – dies ist bei diesem Motor aufwändig, weil der „Ventildeckel“ etwas mehr ist – nämlich der Nockenwellenträger! Somit ist das noch einmal ein größerer Eingriff, den wir aber auf später verschieben.

Wir schließen den Motorraum und räumen das Werkzeug auf – wir sind zufrieden!

Da trifft es sich gut, dass der abendliche Griller heute etwas größer ausfällt! Sibylle und ich sind den Holländern Marijke und Cees schon lange eine Gegeneinladung schuldig, das holen wir heute nach…

Wir sitzen gemütlich zusammen – an unserem Grillplatz unter LIBERTÉ
Ich organisiere einen Sack Eis um gekühlte Getränke anbieten zu können
Auf dem Grill brutzeln die Köstlichkeiten von unserem Gourmetmetzger „Xatzigrigoriou – Artisan Butchery“…
…und Sibylle hat ein Salätchen gemacht – leider nicht nur für mich 😉

Ein schöner Abend, wir sitzen lange beisammen, bevor unsere Freunde aus den Niederlanden sich verabschieden.

Aufgräumt ist schnell, dann gehen auch wir nach Hause. Am Rückweg, es herrscht wieder strammer Meltemi, sehe ich einen richtig dicken Kugelfender an unserem Liegeplatz treiben – klar, dass mein Ehrgeiz erweckt ist, den greife ich mir!

Mit einem Bootshaken ausgerüstet, angle ich mir die „Dicke Bertha“

Vielleicht weil ich so ein guter Kerl bin, vielleicht auch zufällig, wird just in dem Augenblick als ich zurück an Bord bin, abermals ein Feuerwerk, diesmal über Temenia, abgeschossen.

Sibylle und ich genießen das Schauspiel aus dem Cockpit heraus, dann gehen wir ins Bett.

Diesmal aus entgegengesetzter Richtung

Neuer Tag, ich sitze noch beim Kaffee als mein Telefon bimmelt. Wach, aber kaum ansprechbar, sitze ich da und wünsche mir, dass es eine wichtige Nachricht ist, welche mich so früh penetriert…

JAAA, es ist eine wichtige Nachricht! Die Lebensgeister schießen in meinen Körper, Endorphine machen sich breit – Giorgos vermeldet Vollzug! Die Deckswinsch von ELOWYN ist fertig, die Seewasserpumpe für den Generator ebenfalls…

Neu lackiert, neue Dichtringe, neuer Service – ach ja, der alte Spindelstumpf ist auch entfernt

Sofort passen Hans Peter und ich die Pläne für die nächsten zwei Tage an. Ich müsse mich jetzt einmal intensiv dem blauen Riesen widmen, auch er hätte zwei, drei Kleinprojekte und kann sich alleine beschäftigen.

Ich fahre mit Sibylle zu Giorgos, hole die ersehnten Teile ab und bringe diese auf ELOWYN.

Beim Händewaschen fällt mir auf, dass das Wasser im Waschbecken der Tagestoilette nicht abläuft. Ich kann den Waschbeckenstöpsel nicht anheben – was ist das? Kein Hebel?

Ich sehe nach…

Ok, der Fehler ist gefunden, aber wo ist das fehlende Stangerl?

Während ich bei Volker abfrage, ob er etwas über den Verbleib der fehlenden Betätigungsstange wüsste, spiele ich mit einem Schläuchlein, welches der Eigner ebenfalls nur auf den Tresen gelegt hat…

Und wohin gehört das?

Die Antwort meines Freundes und Eigners der Algro 68 war ernüchternd – „…nein, er hat das mit der Betätigungsstange nie gehört und wüsste nichts über deren Verbleib, den Schlauch hätte er in der Motorbilge gefunden, der gehöre irgendwohin, ich würde das sicher finden!“

Ah ja, ok – Challenge accepted! Dann baue ich die Deckswinsch eben morgen zusammen und beschäftige mich heute mit dem Schläuchlein. Die Betätigungsstange für den Waschbeckenstöpsel kommt indes auf meine „To-Do Liste“.

Nur eine Stunde hat die Suche gedauert, vielleicht etwas länger – und schon hatte ich den Anschlussstutzen für das Schläuchlein gefunden. Na, wenn es sonst nix ist…

Gefunden, montiert, fixiert

Für heute reicht es mir, ich gehe zurück zu NESSAJA, wir sind schließlich an Bord von Marcus DARKSYDE zum Sundowner geladen, ich muss etwas früher als sonst „ready for Dinner“ sein. Sibylle mahnt zudem ein frisches T-Shirt an. Zeit also, den Feierabend einzuläuten.

Während ich zu unserem Schiff schlendere, fällt mir auf, dass jemand unser Mechanikerauto fotografiert. Ich habe das so noch nie gesehen, aber zugegeben, es ist schon speziell wie Petros und Adonis hier ausrücken! Ich mache ebenfalls ein Bild, so dass ihr euch das vorstellen könnt.

Der alte Datsun gehört zum Inventar – Werkzeuge und Teile werden auf der Haube und dem Dach transportiert

Nachdem Sibylle und ich uns aufgehübscht haben, fahren wir mit der GS zur Slipstelle in Lakki. Dort holt uns Marcus mit dem Tender ab und wir verholen auf die DARKSYDE.

Wir freuen uns, es ist einige Wochen her, dass wir die Drei zuletzt gesehen haben. Wir haben viel zu erzählen und genießen die zwei Stunden, bevor wir weiter müssen – wir mögen die kleine Familie und haben uns richtig befreundet, ich schätze das.

Die DARKSYDE in der Abendsonne
Bier mit Meersalz – das ist mal was anderes
Kurz vor 20.00 Uhr müssen wir zurück nach Lakki…
…es ist nicht weit, Marcus bringt uns pünktlich rüber

Auch hier haben wir den Zeitrahmen vorher abgesteckt um nicht unhöflich zu sein. Um 20.00 Uhr waren wir mit Hans Peter, sowie der Crew der HARMONY im „SouVLakki“ zum Dinner verabredet.

Der Abend war nett und kurzweilig, wir haben uns allerhand Geschichten erzählt und diesen dann bei „Repapis“ ausklingen lassen. Schön…

Wir haben den Abend diesmal nicht zu spät beendet – ich wusste, dass ich am nächsten Tag allerhand vor der Brust hatte.

So rappelte ich mich am nächsten Morgen auf und richtete mir auf der ELOWYN im Cockpit einen gemütlichen Arbeitsplatz ein – mein Ziel heute, die Wasserpumpe für den Generator montieren und die Deckswinsch zusammenbauen und für die finale Montage fertig machen.

Ich ahnte nicht, wie ich mich die nächsten Tage würde ärgern müssen.

Es fing alles harmlos an – mein Arbeitsplatz auf der ELOWYN, ein luftiges Plätzchen

Giorgos und ich hatten zunächst die abgerissene Schraube im Gehäuse der Seewasserpumpe entfernt und das M4 Gewinde auf M5 vergrößert. Toll fand ich das nicht, also wurde gemeinsam beschlossen, dass er einen M4 Helicoil Gewindeeinsatz beschafft und diesen montiert.

So weit, so gut – wie knapp das zugeht, wenn man solche Reparaturen bewerkstelligt, das könnt ihr hier sehen…

Beim Bohren und Gewindeeinsatz setzen, ist der Gewindegang nach außen durchgebrochen

Zum Glück befindet sich das kleine Löchlein nicht in einem wasserführenden Kanal, sondern wirklich nur am Gehäuserand – es ist kosmetisch imperfekt, hat aber keine die Funktion beeinflussende Auswirkung. Glück gehabt!

So konnte ich den Deckel mit neuen Schrauben montieren und auch die Pumpe dann relativ schnell anbringen. Dass mich einer der Wasserschläuche etwas geärgert hat, er hatte einen Cut direkt am Anschlusskragen und konnte aufgrund seiner Formgebung nicht gekürzt werden – dies bleibt eine Randnotiz, ich konnte dies mit PU-Masse sicher reparieren.

Sieht wieder gut aus und wird wohl funktionieren

Mehr Ärger hat mir dieses verfitzmaledeite Getriebe der Deckswinsch gemacht – es war echt zum Mäusemelken! Der Ausbau zog sich über Tage und war nur zerstörerisch zu vollziehen. Jetzt sollte mich der Einbau ebenso quälen – zu diesem Zeitpunkt wusste ich das aber noch nicht!

Einfach wie es scheint – drei Teile zusammenfügen

Das Ganze sah nach einer Aufgabe für einen Fünfjährigen aus – so eine Art Herausforderung wie man sie im Kindergarten zu meistern hat. Zu meinem Bedauern entpuppte sich dieser Arbeitsschritt aber als eine echte Challenge – eine, für die mir bis heute die Erklärung fehlt!

Das saß ich im Schweiße meines Angesichts und schaute bedröppelt…

Was war passiert? Nun, man musste eigentlich nur die große weiße Kunststoffscheibe auf die Welle stecken, was auch sehr einfach und gut funktioniert hat, danach war diese Einheit in die Aufnahme des Getriebes zu stecken – die Einbaurichtung war vorgegeben.

Glaubt es oder nicht – die neue Spindel hat, obwohl Giorgos dies geprüft haben wollte, um keinen Preis der Welt in diese Führung gepasst. Ich habe alles versucht, nichts hat geholfen.

Erst als ich in Erwägung gezogen habe, dass Irgendjemand irgendwann mit irgendwas auf diese Spindel geklopft haben muss, sichtbare Spuren waren jedoch keine vorhanden, die Spindel sich dabei leicht verformt haben muss – erst dann war ich auf dem richtigen Weg…

Einbaufertig – ich will nicht mehr drüber reden

Als ich dies zugestanden habe, war ich bereit mit meiner Akkuflex und einer relativ feinen 180er Fächerscheibe, einmal kurz über den unteren Rand der über 1.000.-€ teueren Spindel zu fahren – und siehe da, dies und ein bisschen Fett, schon flutscht es!

Ich war zufrieden und frustriert gleichzeitig – ahnte aber noch nicht, dass das erst der Anfang des Ärgers war. Für heute ließ ich es gut sein, ich verholte zu Hans Peter, um mit ihm – aus reiner Neugierde – eine Fleißaufgabe anzugehen.

Fleißaufgabe? Genau, wir haben nämlich nicht genug zu tun! Deshalb widmen wir uns jetzt mal einem wichtigen Projekt – einem geschenkten Wassermacher!

Ein Schenker 60 wechselt den Besitzer – der heißt jetzt Hans Peter

Obwohl mein Freund aus dem Saarland wohl weiß, dass man dem geschenkten Gaul ja sprichwörtlich nicht ins Maul schaut, hält er nicht so mit diesen Vorgaben. Er will genau schauen, weil man sonst ja gar nicht weiß was man hat…

Recht hat er – der Wassermacher hat für lau den Besitzer gewechselt, weil der Schenkende diesen nicht verwendet hat und er vermutet, dass die vielen Jahre Standzeit das Gerät zerstört haben.

Das mag stimmen, aber man kann alles reparieren, die Frage ist nur – lohnt es sich? Dieser Frage wollen wir auf den Grund gehen und bauen den Schenker testweise auf…

Sollte funktionieren

Funktioniert aber leider nicht – wir müssen den Test abbrechen, bevor wir aussagekräftig sind, weil das Aggregat eine Undichtigkeit hat. Vermutlich nur ein O-Ring, aber dies muss erst repariert werden, bevor wir weitermachen können.

Sonst aber funktioniert alles – Filter, Förderpumpe, Bedienteil – alles gut! Auch insgesamt schaut das Teil noch gut aus. Und gemessen am Neupreis, wäre eine Investition bis zu einer Höhe von etwa 2.000.-€ als Schnäppchen zu bewerten.

Ich denke, diese Geschichte bekommt ein Happy End – ein Andermal!

Ok, jetzt aber – ich gehe heim und will duschen. Als ich den Hahn aufdrehe werde ich naß gespritzt – ja toll! Reicht es nicht für heute?

Der Fehler ist rasch gefunden…

UV Strahlen und die Hitze setzen unserem Wasserschlauch arg zu – wir werden einen neuen brauchen

Bis ich die Reparatur durchgeführt und mich frisch gemacht habe, geht die Sonne bereits unter. Sibylle mahnt zur Eile, das Essen sei vorbereitet, wir beenden den Tag wieder mit einem gemeinsamen Griller unter LIBERTÉ.

Schöne Stimmung

Ich komme noch einmal zurück zur Überschrift dieses Monatsberichtes – einer unserer Marinafreunde hat mir ein nettes Feedback zum letzten Monatsbericht geschrieben, er hat dabei erwähnt, „…wieviel Einsatz ich doch für Hans Peter und für die beiden blauen Riesen ELOWYN und EDINA zeige…“ – er hat dies aus seiner Sicht mit einer Bewertung und einem Ratschlag begleitet.

Ich denke nach – ist Hilfe selbstverständlich? Ja, ich denke, dass im Rahmen guter Seemannschaft und unter Gleichgesinnten, hier den Bootsfahrern, eine generelle Bereitschaft zur Unterstützung gegeben sein sollte.

Weiter denke ich, dass man selbst als gutes Beispiel vorangehen muss! In einer Welt die immer egoistischer wird, in einer Gesellschaft, die immer mehr über Ellbogeneinsatz funktioniert, in einer solchen Welt kann man “ um dieses Quäntchen besser agieren“ und gewissermaßen vorleben, wie es funktionieren könnte.

Zuviel Pathos? Zu philosophisch? Ok, ein Beispiel aus dem Alltag…

Ich könnt´ im Strahl kotzen

Ich will auf der ELOWYN nur schnell die Deckswinsch an Ort und Stelle heben und festschrauben – nicht mehr! Hans Peter will helfen, das Ding ist schwer.

Überrascht stellen wir fest, dass der weiße Plastikring nicht mehr in sein Gehäuse passt. Es geht nicht, wie zunächst vermutet, um „ein oder zwei µ“ – wir werden feststellen, dass der Ring um mindestens 1mm „gewachsen“ zu sein scheint.

So werden aus den geplanten 30 Minuten Einbauzeit zwei volle TAGE, die Hans Peter und ich an dem Ring feilen und auch Raspeln – von Hand! Ich leistete mir eine Schwäche, ich hätte das Ding am liebsten versenkt, aber hier sprang der Saarländer in die Bresche – er feilte unermüdlich an dem Ding herum – bis es letztlich passte.

Zauberei – HP feilt den über Nacht gewachsenen PE Ring wieder kleiner

Mindestens zwanzig Mal haben wir gefeilt, das Trum auf´s Vordeck getragen, sind in das Kabuff gekrabbelt und haben das Ding in den Tunnel gewuchtet – um festzustellen, dass es noch nicht passt und wir die Procedur wiederholen müssen.

DIES geht über den Rahmen „normaler Hilfsdienste“ hinaus. Auch, dass HP ohne eine Sekunde zu überlegen, am Anfang dieses Jahres angeboten hatte, mir bei der Sanierung meines Decks zu helfen – es wäre eine monatelange Sauarbeit in der gleißenden Sonne gewesen!

Es ist nur selbstverständlich, dass ich für ihn leiste, was ich hier in den Berichten beschreibe – quid pro quo – er ist mein Freund und er wird es mir zurückgeben, das weiß ich!

Ein neuer Tag, ein Sonntag! NESSAJA Tag? Nein!

NESSAJA lässt mich in Ruhe, sie ist zur Zeit – da klopfe ich auf Holz – sehr zuverlässig. Daher widme ich mich einer Nacharbeit an NANA. Ihr erinnert euch an das Schiff, auf dem ich im Winter einiges zu tun hatte. Ich habe im letzten Bericht schon erwähnt, dass ich hier eine meiner Arbeiten überprüfen muss, ich habe mich vorbereitet und beschlossen, dies heute zu tun.

Mit der Planke rüber – dann Klappe auf
Ich verschaffe mir Zugang zum Solarsystem und entferne den von mir installierten Schalter
Die Messung ergibt – die Solarzelle liefert

Nachdem klar war, dass das Solarmodul funktionierte, war der Fehler schnell gefunden. Ich hatte ja eine relativ komplexe Schaltung mehrerer Regler unter einem Modul gebaut und diese ins Bordsystem integriert – ich muss mir anlasten lassen, dass ich zwei rote Kabel vertauscht habe. Sollte nicht, kann aber passieren – umso besser, wenn man das schnell korrigieren kann!

Kabel vertauscht – jetzt tut der Regler

Das ging ja flott! Ich freue mich – ein Erfolgserlebnis ohne Ärger, das war mal wieder nötig…

Entspannt schlendere ich zu LIBERTÉ, um zu sehen, was es auf Hans Peters Baustelle Neues zu berichten gibt. War klar! Gestern ist das erwartete Paket geliefert worden – es wird ausgepackt, geprüft, gezählt und schlussendlich auch neugierig ausprobiert.

Alles drin? Nix kaputt?
Die sündteure „Tercoo“ Scheibe erweckt unsere Neugierde

Die fast 100.-€ teuere „Tercoo“ Scheibe hat es uns angetan – kann sie das Werbeversprechen „Sandstrahlen ohne Sand“ halten?

Hans Peter liest die Anleitung, spannt das Teil in die Bohrmaschine und macht einen Versuch…

Blitzblank! Wir staunen…

Potztausend – ich mache es kurz, ja, die Scheibe kann was und es wird sich in den nächsten Tagen zeigen, dass sie jeden Cent wert ist! Sie erhält das Prädikat „uneingeschränkt empfehlenswert“, denn sie erleichtert und verkürzt den Abtrag des Kielanstriches erheblich.

Auch Sibylle fordert an diesem Sonntag noch eine Musestunde, sie mault, dass sie „…dringend mal wieder aus der Marina müsse!“ Ok, ich füge mich, wir fahren erst auf einen Cappucchino nach Agia Marina und dann, für einen Sprung ins erfrischende Nass, nach Panteli.

Gut ist der Cappu – ABER…

Wir bereuen Beide und leisten Abbitte – wie gut geht es uns doch in unserer Marina!

Zuerst warten wir lang auf einen Platz im Café, klar, es war Sonntag Nachmittag, Ferien in ganz Europa. Dann fahren wir weiter an den beliebten Strand – wir bekommen keinen Platz in der „Sorocos Bar“, gehen dann weiter an den, ebenfalls überfüllten, öffentlichen Teil des Strandes.

Wir sehen uns an, wir wollen nicht mehr Baden! Unverrichteter Dinge und ziemlich kleinlaut fahren wir zurück in die Marina. Ich mache keine Bilder von dem Tohuwabohu – auch Leros kann voll sein.

Der Sonntag klingt versöhnlich aus – dem Brauch folgend, dinnieren wir zusammen mit Hans Peter und Merlin im „SouVLakki“, gefolgt vom obligatorischen Besuch in „Repapis´“ Eispalast.

Die neue Woche beginnt nicht planmäßig! Ich soll beim Verkauf eines weiteren Schiffes unterstützen, dafür bin ich um 11.00 Uhr mit Eigner Willi in der „Artemis Boatyard“ verabredet. Sibylle will mich begleiten, wir nehmen uns vor, auf dem Weg noch ein paar Kleinigkeiten zu erledigen.

Hans Peter hört mir kaum zu, als ich ihm die Plananpassung erläutere, er ist vertieft darin, mit dem neuen Werkzeug an seinem Kiel zu hantieren…

Diese Arbeit wird ihn zwei Tage beschäftigen

Sibylle und ich gehen zu unserem Motorrad, diesmal aber können wir nicht an der von einem Katamaran aus Südafrika hinterlassenen Müllhalde vorbeigehen.

Ich hasse es Hausmeister zu spielen, aber noch mehr hasse ich dieses rücksichtslose und asoziale Verhalten mancher Skipper – shame on you!

Alles auf die Mauer gestellt, in die Luft geguckt, davongegangen, abgelegt – und andere können den Saustall wegräumen

Einen Moment habe ich überlegt ob ich, mit Segen der Marinaleitung, das Zeug zum an Land stehenden Schiff trage und dort ins Cockpit stelle – ich meine, das wäre die Richtige Antwort gewesen. Ich lasse es aber bei einer Infomail an das Marinaoffice, die Damen veranlassen daraufhin den Abtransport durch die Marinamitarbeiter.

Ok, jetzt pressiert es langsam, auf in die Boatyard an der Nordküste Leros´ – wir fahren einmal quer über das kleine Eiland, schon sind wir da. Und wir finden die FREE WILLY auf Anhieb!

Liebe auf den zweiten Blick – die FREE WILLY ist ein wunderschönes Schiff

Wir treffen Thomas von der ALLEGRA, großes Hallo, Sibylle unterhält sich mit ihm, so dass ich genug Zeit habe, den Verkauf mit Willi abzustimmen. Das Angebot ist inzwischen erstellt – ihr findet es hier.

Am Heimweg halten wir bei Giorgos und quatschen ein wenig mit ihm. Der Grund für den ungeplanten Besuch – er hat einen Kumpel, der auf der Insel mit einem Tankwagen Trinkwasser ausliefert, die Quelle ist gleich gegenüber Giorgos Werkstatt.

Hier befüllen die Tankwägen

Giorgos erklärt uns, dass sein Freund den „gelben LKW“ fährt und wir uns auf ihn berufen dürfen. Das machen wir auch gleich, denn wir brauchen Trinkwasser für die Zisterne in Susannes Haus in Xirokampos.

Ich habe ja schon erwähnt, dass es einen Schaden am Wasseraufbereitunssystem von Leros gibt – dies führt dazu, dass in Privathäusern das Wasser an manchen Tagen rationiert und zeitweise abgestellt wird. Um unseren Sohn Florian mit Familie diese Tortur während ihres Besuchses zu ersparen, haben wir beschlossen, die Zisterne mit 8.000 Liter Wasser zu befüllen. Wir verabreden uns für morgen 10.00 Uhr am Haus.

Was wir an diesem Tag nicht wussten – ein paar Tage später wird das Problem behoben sein. Dennoch bereuen wir den Kauf nicht, sicher ist sicher! Die 8.000 Liter kosten mit Anfahrt übrigens 50.-€!

Ok, wohin jetzt? Zum Elektrogeschäft! Da muss ich hin, mein Begehr ist eine Eiswürfelmaschine!

Es gibt EINE auf der Insel – 225.-€, zu teuer

Ja, ich weiß – Mumpitz, absoluter Luxus, nicht nötig, braucht nur Platz, blablabla…

Stimmt schon, aber mir gehen die Worte von Stefan und Tanja nicht aus dem Kopf. Die Beiden haben in einer belastenden Reparatursituation ihre Gelassenheit bewahrt, sich eine Eiswürfelmaschine gekauft und diese mit dem Prädikat „Lebensqualität“ versehen.

Diese Aussage stelle ich dagegen und sogar Sibylle stimmt mir zu. Wir finden ein Modell der begehrten Maschine auf unserem Eiland, dennoch versagt meine Gattin mir den Kauf, „…zu teuer!“, so ihr lapidares Urteil! Meine Lebensqualität spielt in diesem Moment keine Rolle.

Weiter geht es zu dem örtlichen OBI, Andreas Kritikos. Ich brauche ja immer noch die Betätigungsstange für ELOWYNs Waschbeckenstöpsel. Die gibt es dort, aber nur in Verpackungseinheit mit einem billigen Wasserhahn aus China – Kosten 35.-€! Diesmal entscheide ich – zu teuer! Ich werde wohl wiedermal in die Rolle des McGyver schlüpfen müssen und mir eine Lösung erdenken.

Sowas brauche ich – aber 35.- für den kompletten Wasserhahn sind mir zu teuer (einzeln auf Leros nicht zu bekommen)

Wieder zurück in der Marina, gehen Sibylle und ich baden, dann läuten wir den Feierabend ein. Weil wir die Gewohnheiten lieben, grillen wir bei Hans Peter, dabei erzählen wir uns die Geschichten des Tages – was hat geklappt und was eben nicht.

Meine Gedanken kreisen um meine nicht erstandene Eiswürfelmaschine und die damit einhergehende Minderung meiner Lebensqualität 😉

Schwamm drüber! Ein neuer Morgen bricht an, ich muss mich sputen um meine zwei Tassen Kaffee intus zu haben, bevor wir nach Xirokampos aufbrechen müssen – um 10.00 Uhr kommt die Wasserlieferung! Also nix wie hin…

Wir sehen generell nach dem Rechten – sieht alles gut aus
Ich öffne den Deckel – naja, wirklich leer ist die Zisterne nicht

Susanne hatte geschätzt, dass die Zisterne eher leer als voll sein dürfte. Ein erster Blick in den riesigen Schlund zeigt aber, dass dies pessimistisch gedacht war – ich denke halb voll trifft es gut. Das Wasser hätte sicher gereicht. Wenn wir aber auffüllen lassen, sind wir hier nichts schuldig.

Der Tankwagen kommt pünktlich!

Der große Truck passt gerade so in die Einfahrt
Dann wird aufgefüllt – unsere 8.000 Liter reichen kaum, um den Pegel merklich zu verändern 😉

Geschafft! Nach einer guten halben Stunde ist das lebenswichtige Elixir umgepumpt, wir bezahlen, der Lieferant zieht seiner Wege – gut zu wissen, wo man sich mit Trinkwasser versorgen kann! Man lernt nie aus…

Sibylle und ich pflücken noch ein paar Feigen, dann fahren wir zurück in die Marina und ich verhole mich auf Hans Peters Baustelle – heute steht eine kleine Fleißaufgabe auf dem Programm.

Der Ausbau des „dreihaxigen“ Ankerwinschmotors!

Irgendwie geht er nicht ab

Des waaaas??? Ach, das ist ein Insidergag, den muss man nicht verstehen – soviel nur, Gottfried hat vor Monaten seine Ankerwinsch zu reparieren gehabt, er konnte aufgrund einer Modellanpassung nur einen Motor mit zwei Anschlusskabeln, „Haxn“, wie Gottfried es nennt, erhalten und musste dafür einiges anpassen.

Das wurmt ihn, genauso wie die Tatsache, dass damals ein anderer Segler eine gebrauchte Winsch mit einem dreikabligen Motor günstig verkaufte und Hans Peter beim Kauf schneller war als er – der „dreihaxige“ Motor wurde ihm vor der Nase weggeschnappt.

Dies ist die Ankerwinsch, die Giorgos für Hans Peter optimiert hat, diese wird auf LIBERTÉ eingebaut – inklusive Motor. Der alte Motor jedoch, ebenfalls ein „dreihaxiges“ Modell, sowie das Innenleben der alten Winsch, sollen ausgeschlachtet und als Ersatzteile vorgehalten werden.

Viel Arbeit und Mühe – aber da isser, der begehrte „dreihaxige“ Motor

Das war echt eine Sauarbeit! Giorgos hatte schon aufgegeben – und das will etwas heißen! Die Antriebsachse des Motors hatte sich irgendwie in der ersten Welle „gefressen“ oder sie war einfach festgerostet.

Wir mussten mit Gewalt und mit der Flex einen Zugang schaffen – das waren uns die teuren Teile aber wert. Letztlich hat es geklappt, wir mussten das ohnehin marode Gehäuse opfern, alle anderen Einzelteile – einschließlich des „dreihaxigen“ Schatzes – konnten wir retten!

Gottfried hat mehrfach nach dem Stand der Dinge geschaut – ich bin überzeugt, dass wir einen Anschiss bekommen hätten, wenn wir dem Objekt der Begierde etwas angetan hätten – aber nichts dergleichen, im Gegenteil, der Motor ist im Moment zerlegt, bekommt einen Service und wird dann gehütet wie ein Augapfel.

Gottfrieds Trost – ich werde ihm MEINEN „dreihaxigen“ Motor von NESSAJA schenken wenn ich mein Projekt „Ankerwinsch-Tuning“ starte, aber das weiß er noch nicht – und es wird auch noch dauern!

So klang der Tag gemütlich mit einem gemeinsamen Griller an Bord von LIBERTÉ aus.

Der neue Tag ist für ELOWYN reserviert! Hans Peter hat an seinem Kiel genug zu tun, ich muss auf dem blauen Riesen vorankommen, schließlich hat mein Patenschiff am 29. dieses Monats Krantermin!

Ich habe inzwischen die Ersatzteile für den Wassermacher erhalten, diesen will ich zuerst komplettieren…

Der rote Schalter passt, alles klappt – wenn auch nicht ohne Stolpersteine

Ich will in diesem Fall nicht jammern! Der Einbau des Schalters klappte einigermaßen gut, wir wussten ja diesmal, dass das Layout vom Hersteller angepasst wurde und haben uns bewusst entschieden. So war die notwendige Anpassung von M4 auf M3 Schrauben, sowie die der Anschlussstecker, eher ein kleiner Umweg als richtiger Ärger.

Auch das neue Fitting für den Schlauch passt, die Stecker für den Schalter konnte ich umbauen

Alles in Allem, inklusive der Anpassungsarbeiten, war der Wassermacher nach etwa einer Stunde final repariert – super! Wieder ein Punkt auf der langen Liste abgehakt!

Viel wichtiger – wie kommen wir mit der Reparatur der Deckswinsch voran? Auch da tut sich was! Am Ende der zwei „Feiltage“, war es Hans Peter und mir noch gelungen, das Getriebe zumindest in Position zu bringen und festzuschrauben – ein Meilenstein!

Ich habe dann einen weiteren Tag damit verbracht ZWEI! schier unzugängliche Schrauben anbeißen zu lassen und diese ebenfalls zu befestigen – auch den Motor und die Anbauteile habe ich montiert, so dass die Einheit unter Deck als „fertig“ angesehen werden darf!

FERTIG! Die Drainageschläuche noch und einen Kabelbinder – dann hat sich´s

Sibylle unterstützt mich, sie hilft beim Saubermachen in der Vorpiek, weil ich die untere Etage nicht erreiche – ihre grazile Figur ist da hilfreich!

So schaffen wir es gemeinsam, dass auch auf ELOWYN alles „in time“ ist.

Diesmal hat Sibylle das Vergnügen in der Sauna zu arbeiten

So sind wir am Nachmittag zur besten Kaffeezeit fertig mit unserem Tagwerk und gönnen uns ein seltenes Nachmittagseis bei „Repapis“ – als Belohnung für geleistete Arbeit.

So eine positive Betrachtung der Rackerei tut manchmal not, so erhält man sich die Motivation.

Ich persönlich kann mein Eis am Nachmittag sogar mehr genießen – passt halt zeitlich nicht immer

In der Eisdiele verquatschen wir uns ein bisschen – uns beschäftigt immer noch und voraussichtlich auch noch länger die Frage, wie geht es weiter? Ja, wir leben ein entspanntes, mediterranes Leben, wir genießen es und sind zufrieden.

Aber, das habe ich ja schon öfter erwähnt, es ist nicht das Leben welches wir eigentlich vorhatten zu leben und vor allem, ICH sehe eine leider negative Entwicklung in den südeuropäischen Urlaubsländern, die fraglich erscheinen lässt, ob wir unser jetziges Lebensmodell über Jahre aufrecht erhalten können.

Die stets steigenden Kosten sind dabei nur ein Aspekt…

Darüber und über die Frage, warum die Marinaleitung sich nicht, wie besprochen, mit mir in Verbindung setzt, diskutieren wir eine ganze Weile – auch dieses ausstehende Gespräch ist richtungweisend, davon hängen andere Entscheidungen ab.

Ich beschließe, auf jeden Fall noch diesen Monat für Klarheit zu sorgen!

Huch! Ein Blick auf die Uhr verrät, dass bald Abendessenzeit ist. Wir sind mit HP zum Grillen verabredet und wollen vorher noch duschen – also nix wie heim…

20.00 Uhr auf LIBERTÉ…
…der Cobb ist heiß, heute ist Köfte-Tag
Dazu zwei Salate und Brot – Herz was willst Du mehr

Am nächsten Morgen fahre ich gleich nach dem Kaffee zu Andreas Kritikos´ Heimwerkermarkt – Hans Peter meint, dass er mal gelesen habe, dass ein Besuch im Baumarkt bei Männern die gleiche Wirkung hat wie Sex.

Ich bin davon noch nicht wirklich überzeugt und teste es gleich mal beim Stöbern nach irgendwelchen Teilen, aus denen ich das Betätigungsstangerl für ELOWYNs Waschbeckenstöpsel bauen könnte. Ich mäandere lang herum, betaste das, befummle dieses – gerade kann ich Paralellen zu sexueller Betätigung entdecken, als es mir kommt…

Hm, das sollte ich in diesem Zusammenhang vielleicht anders formulieren – also ich suche nach der Lösung als mir, wie weiland Wickie, eine Idee kam – ich hab´s!!!

Zwei Halterungen für Blisterverpackungen aus einem Lochwand-Sortiersystem

Ich sehe zwei dieser Metallhaken, welche in diese Lochwände im Einzelhandel gehakt werden, um dort Blisterverpackungen aufzuhängen – das ist es! Genau die richtige Drahtstärke, verchromt und die richtige Länge – ich erwerbe zwei Stück zu je 70ct und ziehe von dannen.

Die Frage nach der Hormonausschüttung bleibt ungeklärt, vielleicht muss ich Hans Peter noch einmal fragen, WO er das gelesen hat…

Ich gehe schnurstracks und ohne Umweg über Los an Bord der ELOWYN – ich hab´ die Faxen dicke, heute will ich das Schiff finalisieren und die zwei offenen Punkte von meiner Liste streichen. Ich will die technischen Arbeiten am blauen Riesen fertig haben!

Arbeiten im Schatten – schön!

Ich fange mit der Umsetzung meiner Idee an, ich erhoffe mir eine Arbeit, die schnell von statten geht und bei der ich mich wenig ärgern muss – mein Ziel ist es, die Stangen zum finalen Einbau vorzubereiten und abzuklären, ob die Idee umsetzbar ist.

Das gelingt ganz gut – ich schneide alles überflüssige Material ab und biege mir die Einzelteile zurecht. Ich muss mir noch überlegen, wie ich die beiden Stangen verbinde, dann kann ich diesen Punkt fertig machen.

Fertig – so kann ich die Stangen verbauen – sie passen wie die vielzitierte Faust auf´s Auge

Dies mache ich nicht heute, denn der restliche Tag soll der Montage der Deckswinsch gehören – das Thema will ich ENDLICH von der Platte haben. Die Idee ist also, die NEUE Trommel auf die NEUE Spindel zu schrauben, dabei das ganze System mit PTFE Fett zu schmieren und einen Probelauf zu machen – klingt einfach, oder?

War es aber nicht!!! Die Trommel, welche ich abgeschraubt habe, ließ sich auch nach einem halben Dutzend Versuche, nicht mehr auf die Spindel drehen.

Ich könnte heulen

Ich hatte echt einen Moment der Panik – ich rufe Sibylle an, sie soll kommen! Sie weiß am besten, wie es geht mich zu bändigen bevor ich ausraste – und ich war kurz davor!

Schaut euch das Bild an – das ist das Gewinde der NEUEN Trommel! Ich habe etliche Male versucht die Trommel gefühlvoll aufzuschrauben – es geht nicht! Das Gewinde ist verhunzt – ich verstehe auf einmal, warum es Volker passieren konnte, dass er die Einheit nach dem Service schief aufgesetzt hat und somit den Schaden eingeleitet hat.

Was tun??? Erstmal beruhigen, was trinken, etwas abkühlen – dann nachdenken!

Ich entschließe mich, zur Flex zu greifen! Das ist bei einem 2.000.-€ Teil sicher ultima ratio, aber ich will dieses Problem lösen und ein für alle Mal entschärfen – beim nächsten Service kein Ärger, das ist die Devise…

Und siehe da!

Montiert – leichtgängig – funktioniert – geschafft!!!

Ich nehme sowohl der Mutter, als auch der Spindel den ersten, messerscharf abgesetzten Gewindegang. Besser gesagt, ich breche die Ecke des Gewindeanlaufs, indem ich zwei, drei Millimeter schräg abflexe.

Auf einmal lässt sich die Trommel butterweich aufdrehen und gleitet in den Mechanismus, in dem sie auf und ab fährt – versenkt bei Nichtgebrauch, ausgefahren an Deck, wenn sie benötigt wird.

Ich drehe ein kurzes Video und sende es Volker – zwei Tage nach seinem Geburtstag finalisiere ich das vorletzte technische Projekt auf meiner Liste.

Es war das Projekt, mit dem ich letztes jahr im Winter begonnen hatte als ich ELOWYN übernahm, weil es Volker die wichtigste Arbeit war – ich wollte ihm eine Freude machen, nicht ahnend, dass ich die Büchse der Pandora öffne und das längste und teuerste Projekt starte. Das Arbeitspaket, das mich die meisten Nerven kostete.

Jetzt war die Welt wieder in Ordnung!

Noch auf der ELOWYN – das Lachen keht zurück

Es war noch nicht zu spät am Tag, so warf Sibylle den Wunsch auf, wieder einmal in Panteli Baden zu gehen. Ich hatte keine wirkliche Lust, wollte ihr dies aber nicht verwehren. So haben wir uns kurzentschlossen auf die GS gesetzt und sind an den, außerhalb der Saison, so wunderschönen, typischen Strand gefahren.

Wir finden einen Platz in „Sorocos Bar“ – ich fühle mich unwohl…

Menschen überall – ich bin kein Fan von solchen Touristenspots

Man kann hin und her diskutieren – sicher ist es möglich, eine solche Ansammlung von Touristen im August zu tolerieren, aber muss ich das??? Gott sei Dank muss ich das nicht mit meinem Weib ausfechten, denn als nach 15 Minuten immer noch keiner der Kellner eine Minute für unsere Getränkebestellung übrig hatte, ist Sibylle der Kragen geplatzt!

SIE kann nämlich nicht ausstehen, wenn untrainierte Servicekräfte in ihr Bestellgerät glotzen und kein Auge für die links und rechts sitzenden Gäste haben – und ich bestätige ihr, sie misst gnädig, die Jungs können es einfach nicht, sie sind überfordert.

Wir stehen auf und gehen auf die Terrasse des „Castelo Hotel“ – dort ist ein Tisch im Schatten frei, wir bekommen was zu trinken und Sibylle geht baden. Ich habe keine Lust, ich will heim!

18.00 Uhr – nicht viel los im Wasser, aber der Strand ist rappelvoll

Wir beschließen, dass wir bis zum 26.08. nicht mehr nach Panteli fahren – warum ausgerechnet dann? Weil wir an diesem Tag die Situation noch einmal abklopfen, denn tags darauf kommt Sibylles Sohn mit Familie – wir würden mit der Familie schon gerne hierher zum Baden gehen, aber nur wenn es passt!

Wir fahren zurück in die Marina, teilen unser Leid mit Hans Peter und bestellen Pizza, denn heute soll Abwechslung in den Menüplan kommen. Sibylle und HP haben jeweils einen Salat gemacht, die Pizza gibt es aus dem Karton – keep it simple!

Gespeist wird natürlich im Baustellenrestaurant „Zur maladen Liberté“ 😉

Pizza & Salat – es fehlt an nix

Trotz des Negativerlebnisses am Panteli Strand war ich guter Dinge – ich war erleichtert und froh, dass ich das Thema Deckswinsch abhaken kann, das habe ich ja ausführlich beschrieben.

Darüber hinaus gab es aber einen weiteren Grund, das Leben im Allgemeinen und diesen Tag im Besonderen, zu feiern – heute ist der kleine Timo auf die Welt gekommen und Sibylle und ich freuen uns über Enkelchen #7.

Welcome kleiner Timo

Naja, ich gebe zu, dass der gebührende Rahmen um das Opadasein zu feiern etwas passender hätte ausfallen können. Das war einfach nicht zu realisieren. Aber ich freue mich leise und sehe dem ersten Kennenlernen entgegen – leider wohl erst 2025.

Zurück auf NESSAJA geht Sibylle ins Bett, ich tippe noch ein paar Zeilen an René, meinen langjährigsten Freund. Ich realisiere, dass ich länger nichts von mir habe hören lassen – jetzt brauche ich etwas und schreibe, an sich nicht die feine englische Art! Ich eröffne daher mit der Betreffzeile…

„Ach der Mario – der meldet sich auch nur wenn er was braucht! 😉 „

Ich tippe meine Zeilen und bitte meinen Freund, eine Bestellung in einem nahegelegenen Autohaus abzuholen und bei unserem Sohn in den Briefkasten zu schmeißen. Dann erzähle ich noch etwas von unserem Dasein hier und frage nach den Neuigkeiten aus Schliersee. Ich sende das Mail ab und gehe ins Bett…

Am nächsten Morgen brühe ich mir mein Käffchen auf und schalte mein Telefon ein – BING! Nachricht aus Schliersee…

„Du kannst Dich immer melden, wenn Du was brauchst! Ich habe das Teil schon geholt, es ist schon beim Junior abgegeben!…“ Es folgt ein bisschen Blabla und ein Foto als „Beleg“.

Geholfen – in 3.000km Entfernung

Es ist schön zu wissen, dass die alten Freunde nicht wegbrechen, wenn neue hinzukommen! Zuviel gemeinsam erlebt – ich freue mich auf ein Wiedersehen. That´s what friends are for!

Um was für Teile geht es eigentlich? Nun, manchmal kann auch ich den Griechen in meinem lokalen Freundeskreis helfen – einer von ihnen hatte Probleme ein kleines Ersatzteil für sein Auto zu beschaffen – angeblich wäre eine Abdeckung (15.-€) nur in Verbindung mit dem kompletten Scheinwerfer zu bestellen (600.-€).

Ich besinne mich meiner früheren Kontakte und recherchiere ein wenig – und siehe da…

Und weil sie nur 12.-€ kosten, bestelle ich gleich zwei

Die Recherche lohnt sich! In Griechenland, wie erwähnt und vermutlich wegen Unlust eines Lageristen, nicht zu beschaffen. Das Amazon Teil aus China kostet 20.-€ und es bleibt unklar, ob es bei europäischen Modellen passt. In Deutschland bei Hyundai 12.-€ das Stück, lieferbar ab Zentrallager.

Ich bin sicher, dass dieser junge Mann auch mir einmal helfen würde, sollte ich Unterstützung brauchen.

Der heutige Tag soll nicht stressig ausfallen, es braucht dazwischen diese relaxten Tage, an denen man zwar produktiv, aber eben nicht gehetzt ist. Sibylle und beschließen, dass wir erst einmal Baden gehen, es ist immer noch heißer Hochsommer hier.

Die Temperaturen liegen tagsüber stets um die 35°C, nachts kommen wir mit der Klimaanlage gut über die Runden. Das Erfreuliche ist, dass sich die Wassertemperatur gut hält – der Sprung ins Meer ist immer noch erfrischend.

Nix los an der Kaimauer – wir genießen die Abkühlung

Wir genießen diesen Tag! Der blick auf den Kalender verrät, es ist der 15. August, die Monatsmitte ist erreicht! Heute ist Feiertag in katholischen Ländern, es ist Maria Himmelfahrt. In Griechenland ist dies nicht irgendein Feiertag – nein, aus religiöser Sicht ist es der, nach Ostern, vermutlich höchste Feiertag der orthodoxen Christen.

Es herrschte also allerorts Ruhe, kein emsiges Treiben am heutigen Tag. Immer mal wieder läuten die Kirchenglocken aus Lakki herüber, das sorgt für eine schöne Stimmung.

Eine zeitlang fragen wir uns, ob wir heute überhaupt etwas arbeiten sollen, beschließen dann aber, dass wir eine kleine Arbeit angehen, welche keinen Lärm macht – wir kleben die „Fenster“ in Hans Peters Ruder wieder zu!

Eine saubere Arbeitsweise tut not

Dafür nehmen wir dem bestehenden Schaumkern etwas Höhe, das Material lässt sich leicht herauskratzen – dann füllen wir Hohlräume mit wasserabweisenden PU-Montageschaum. Diesen spritzen wir auch auf die zu schließenden Flächen und legen dann die Ausschnitte auf.

Mit Spanngurten und Gewicht wird fixiert

Unser Kalkül ist, dass der Schaum beim Aufquellen alle Lücken schließt und gleichzeitig als Kleber wirkt. Sind die Platten erstmal fixiert, dann würden wir die Trennfugen zulaminieren und verspachteln.

Wir legen also alle Ausschnitte auf, suchen ein passendes Brett um die Teile plan zu halten und fixieren alles mit Spanngurten. Das sieht gut aus, sollte also klappen. Ob das so ist, sehen wir morgen, für heute reicht es – Feierabend!

Man muss die Feste feiern wie sie fallen! Da inzwischen ja wirklich genug Gründe zum Feiern zusammengekommen sind – ich darf an das gestern geborene Enkelchen erinnern, das Erreichen von Meilensteinen bei ELOWYN, den heutigen Feiertag, der, last not least, in Griechenland auch mein Namenstag ist – da wir also genug Gründe zum Feiern haben, legen wir fest, dass wir heute für das Dinner ausgehen.

Treffpunkt 20.00 Uhr im „SouVLakki“, aber Sibylle und ich beschließen, dass wir etwas früher dorthin gehen, uns einen schönen Tisch sichern und den Abend mit einer Karafaki Ouzo eröffnen.

Schöne Stimmung an der Riva von Lakki – der Mann im Bilde hat heute Namenstag
Wenn einem so viel Gutes widerfährt, das ist schon einen Ouzo wert
Noch sind Sibylle und ich alleine im Lieblingsgrill – aber Hans Peter und Merlin kommen sofort

Der Abend tut uns allen gut – und wir haben zudem etwas Glück, denn es ist erstaunlich wenig los. Wir vermuten, dass dieser Feiertag im Kreise der Familie verbracht wird, es waren einfach auffällig weniger Menschen unterwegs.

Wir schwatzen viel, schmieden Pläne rund um den weiteren Reparaturverlauf an LIBERTÉ. Wir wissen, dass am Monatsende die Familie zu Besuch kommt, ELOWYN geht zu Wasser und Volker und Tina werden ihre blaue Schönheit übernehmen – auf all´ das freuen wir uns, wir wissen aber auch, dass diese Phase uns „unter Strom“ setzen wird – positiver Stress erwartet uns.

Tschakka – wir schaffen das! Darauf ein Eis 😉

Der Abend klingt süß aus

Irgendwie verfliegt die Zeit – es ist spät als wir heimkommen, wir schalten die Klimaanlage an, temperieren unser Schlafzimmer herunter und brausen uns auf der Badeplattform kalt ab. Dann sacken wir erschöpft ins Bett…

Der nächste Morgen beginnt spannend – war der erste Schritt unserer Ruderreparatur erfolgreich? Ich trinke meinen Kaffee und gehe dann zu Hans Peters Baustelle.

Auch mein Freund aus dem Saarland war wohl gespannt wie ein Flitzebogen, denn er werkelte schon an den eingeklebten Platten…

Der Schaum muss noch weg – vier von sechs sind gut

Leider war der erste Versuch nicht 100%ig erfolgreich. Die Kraft des quellenden, expandierenden Schaumes, hat tatsächlich zwei von sechs Platten soweit angehoben, dass es nicht tolerierbar scheint.

Wir reinigen also die Trennfugen der akzeptablen vier Einsätze und brechen die beiden Platten, welche nach oben überstehen, noch einmal heraus – ein zweiter Versuch ist nötig. Also wiederholen wir das Procedere des Vortages noch einmal an den beiden misslungenen Einsätzen, bevor wir dann ans Laminieren gehen.

Auf die Liste der heute zu erledigenden Arbeiten, kommt auch der Anstrich des Gusskiels. Das ist vielleicht ein Glump! Der rostet wirklich so schnell, dass man dabei zusehen kann.

Ihr erinnert euch, dass HP das Trum vor zwei, drei Tagen mit seiner neuen Scheibe von den Lackresten befreit hat? Dann seht mal heute…

Nach zwei Tagen schon wieder voll mit Flugrost – der muss weg

Das ist eine fiese Arbeit, denn den Rost aus den Narben zu holen, bedarf des Abschrubbens mit der sogenannten „Zopfbürste“ auf der Flex – das geht zwar einigermaßen gut, ist aber mit Höllenlärm und unsäglichem Dreck verbunden und die kleinen Metalldrähte die regelmäßig davonfliegen, dringen tief in die Epidermis und verursachen zwar kleine, aber blutende Wunden.

Sein Job! Wir haben nur eine Zopfbürste! Also gehe ich erstmal zu ELOWYN und sehe nach, was ich dort so erledigen könnte. Danach werde ich das Ruder von LIBERTÉ nochmal bearbeiten und die Fehler von gestern korrigieren. So werde ich den Tag meistern, während Hans Peter seinen Kiel bearbeitet.

Auf dem Weg zu ELOWYN fällt mir die TAO 3 auf…

Die wunderschöne HR48 steht ohne Mast da
Der Mast der HR liegt sauber am Rand der Marina

Wir haben das Eignerpaar Tim und Jasmin vor einigen Tagen vor „Moto Loukas“ kennen gelernt. Die Beiden sind sehr sympathische junge Leute und bereiten ihr Boot auf eine zweite Auszeit und einen ausgedehnten Törn vor – dafür muss auch der Mast runter, um das „stehende Gut“, also alle Wanten und Stagen, zu erneuern.

Zu diesem Zeitpunkt dachten wir noch, dass der Mast von LIBERTÉ ein, zwei Tage vor dem der TAO 3 gelegt wird, aber unser Termin wurde verschoben – die TAO 3 dagegen steht mittlerweile also ohne Mast da.

Mir gehen die Gedanken durch den Kopf. Das steht uns auch noch bevor! Auch hier noch eine Menge Arbeit und Schweiß zu investieren – vom Geld ganz abgesehen! Hans Peters Börserl dürfte inzwischen sehr schlank sein – aber so ist es nunmal ein Bootseigner zu sein.

Im Laufe des Monats werden wir uns auf jeden Fall noch etwas mehr mit Tim und Jasmin anfreunden und auch mal zusammen ins „SouVLakki“ gehen – das ist schön, denn es erweitert die Themenpalette beim täglichen Small-Talk ungemein. Dass Hans Peter und Tim sich darüber hinaus mit Rigg-Themen befassen, liegt auf der Hand.

Ich gehe weiter zu Volkers blauen Riesen – ich habe ja noch die ideale Arbeit für heute offen, die Reparatur des Waschbeckenablaufs!

Da muss ich ran

Ich baue dafür zuerst die Türe des Waschbeckenunterschranks aus – ansonsten habe ich nur eingeschränkten Zugang. Die Stangen passen ja schon, ich muss sie „nur noch“ verbinden und das Hebelwerk einstellen – aber wie verbinden?

Ich habe mir folgende Lösung erdacht…

Eine Lüsterklemme XXXL…
…wird von ihrer Isolation befreit

Ich nehme mir eine riesige Lüsterklemme und befreie diese von ihrer Isolation. Das Innenleben mit den zwei Befestigungsschrauben, funktioniert nicht nur zweckgebunden mit Kabeln, man kann es auch dafür verwenden, die zwei Stangen zu verbinden.

Das klappt super und ich kann die Teile so montieren, wie ich mir das vorgestellt habe. Die Einstellung war noch etwas Fummelarbeit, aber nach 15 Minuten war auch dies erledigt – ein weiterer Punkt, den ich auf meiner Liste abhaken kann!

So wird es klar – der Ablaufstöpsel wird mit einem Hebel am Wasserhahn bedient

Haha, ich bin zufrieden und auch ein bisschen stolz – es geht was von der Hand, ich kann mir Lösungen erdenken und umsetzen. Das werkeln an den Booten macht mir Spaß, zumindest meistens.

Ich gönne mir noch eine kleine Pause im Cockpit von ELOWYN und lüfte mich im Zug des Meltemi etwas durch. Dann verschließe ich die mächtige Algro 68 wieder und gehe zurück zu LIBERTÉ – mal sehen, was ich zur Ruderreparatur beitragen kann…

Was ist das? An der Abfalltonne nahe Hans Peters Schiff lehnt ein Windgenerator – unverkennbar ein „Air X“, ein gutes und teures Stück. Er ist offensichtlich mit Gewalt demontiert und aufgegeben, aber für mich nützlich, ich beschließe daher kurzerhand, ihm ein neues Zuhause zu bieten 😉

Kann ich brauchen

Was ich damit will? Weiß ich noch nicht – aber die Frage könnte sich eines Tages selbst beantworten – nämlich dann, wenn Volker für ELOWYN ein Ersatzteil benötigt, er hat nämlich einen „Air Breeze“ montiert, welcher dem „Air X“ sehr ähnlich ist. Oder vielleicht auch, wenn ich meinen „Silentwind“ noch einmal öffnen müsste und mir das verformte Gehäuse brechen würde. Dann würde ich versuchen aus zwei defekten Windgeneratoren einen funktionstüchtigen zu bauen. Einen „Silent-X“ sozusagen.

Das Gehäuse alleine, hat einen Wert von rund 400.-€!

Mit der stolzgeschwellten Brust eines Jägers und Sammlers, wende ich mich dem Ruderblatt zu.

Unser Ruder war in Sektionen unterteilt

Die Sektionen 3, 4 und 5 sowie das Fenster an der Ruder-Unterkante, waren haltbar und wurden geschäftet – das bedeutet, dass die Trennfuge mit der Flex und eine Fächerscheibe vertieft wurde, um Platz für das neue Laminat zu schaffen. Zudem wird so sicher gestellt, dass die Überlappung der neuen Glasfasermatten ausreichend ist und für Stabilität sorgt.

Die Sektionen 1 und 2 waren nicht ausreichend gut geklebt und mussten noch einmal ausgeschäumt werden. Diesmal haben wir kein Brett als Unterlage genommen, sondern die Spannkraft der Gurte direkt auf die Einsätze wirken lassen – so sollte es funktionieren!

Und was macht Hans Peter? Der Arme hat geflext und die erste Seite seines Kiels blank gemacht – das Ergebnis kann sich sehen lassen!

Der blanke Kiel wird mit Alkohol abgerieben

Um nun zu verhindern, dass der Kiel wieder rostet, muss er sofort gestrichen werden.

Also dann, worauf warten – los geht´s. Der Epoxi-Primer wird im richtigen Mischungsverhältnis angerührt und zunächst sehr hemdsärmelig aufgetragen – hier kommt es noch nicht auf Schönheit an. Das einzige Ziel ist es, dem Kiel einen sofortigen Rostschutz zu verpassen.

Einfach mal eine Lage drauf
Das muss schnell gehen

Feierabend – jeder von uns hat sein Tagwerk geschafft, für heute gibt es nichts mehr zu tun. Wir setzen uns noch ein Weilchen in den Schatten und sehen uns das Ruder und den Kiel an. Wir besprechen nächste Schritte und vergegenwärtigen uns die Zeitachse – ich sehe uns voll im Plan, Hans Peter übernimmt dagegen gerne die Rolle des Pessimisten. Er murmelt „…es kann so viel schief gehen!“ Papperlapapp, das will ich nicht – es wird alles klappen! Hoffentlich 😉

Sibylle kommt um´s Eck mit meinem Haartrimmer in der Hand – „…wir sind heute Abend zum Essen eingeladen, SO kommst Du mir nicht mit!“

Keine Chance auf Gegenwehr

Ich muss mich auf meinen Frisörpoller an der Kaimauer setzen und schon flitzt die kleine, brummelnde Maschine über meinen Kopf. Büschelweise weht es mir das Haupthaar vom Kopf – ach Du meiner Treu, ich bejammere den Verlust der wohligen Wolle.

Anderseits, es ist heißer Hochsommer und die Brise, die ich jetzt an der Kopfhaut spüre, ist auch fein! Ich springe ins Meer, wasche mich ab und checke meine neue „Frisur“ (ok, eine wirkliche Frisur ist es nicht…) 😉

Wieder sommerlich zurechtgestutzt

Sibylle ist zufrieden, sie hat mich zurechtgestutzt, das mag sie. Sie zieht von dannen und ich habe mir, mittels Haarschnitt, eine Zugangsberechtigung zu Thilos Abschiedsessen erwirkt!

Abschiedsessen? Ja, wie eingangs erwähnt, gehört zu unserem Lebensmodell, dass man Freunde auch ziehen lassen muss. Manche Freundschaften sind temporär – das wissen wir. Diesmal also Thilo…

Der Eigner der HOMEOFFICE hat Sibylle vor drei Tagen zu einem Abschiedsessen eingeladen. Er wolle alle an einem Tisch versammeln die er kennt, auf diese Weise wolle er „Lebewohl“ sagen, es ziehe ihn westwärts.

Leider hat er vergessen, dass im August die Leute entweder Sommerpause machen oder eben unterwegs sind – das hat die Runde dezimiert, von „alle die ich kenne“ blieben Sibylle und ich übrig. Wir treffen uns bei Marietta.

Abschiedsdinner für Thilo

Wir essen gut, quatschen viel und hören uns seine Pläne an. Zum Abschluss ziehen wir eine Ecke weiter und gönnen uns ein letztes gemeinsames Eis bei „Repapis“- dann heißt es „Servus Thilo, gute Reise und allzeit die notwendige Handbreit Wasser unter dem Kiel“ – er kann sie brauchen, er hatte diese nicht immer…

Über den nächsten Tag gibt es soviel nicht zu erzählen – er war staubig! Das Ruder war nun ok, wir konnten es komplett fertig schäften und soweit anschleifen, dass wir am Folgetag laminieren können würden.

Auf ELOWYN haben Hans Peter und ich beim gewaltsamen Ausbau der Deckswinsch einen kleinen Laminatschaden verursacht, auch den muss ich noch beheben – dafür versuche ich mit LIBERTÉ parallel zu laufen, so können wir immer das Material und das Werkzeug gemeinsam verwenden.

Also schleife ich auch dort und bereite alles für die Laminat- und Spachtelarbeiten vor.

Auf ELOWYN nur eine Kleinigkeit

Das Dinner am heutigen Abend bringt Abwechslung! Wir grillen zwar abermals unter LIBERTÉ, wir haben uns ja dort unsere Brotzeitecke eingerichtet, diesmal haben wir aber Besuch von Gabi und Gottfried.

Das freut mich, denn die Beiden sind ein Garant für Kurzweil und interessante Gespräche. Als wir noch „Urlauber“ waren, hatten wir uns oft im Oberland oder München getroffen, wir sind dabei eigentlich immer „versackt“, die Zeit verging stets wie im Flug.

Eine nette Runde also…

Die Crew der HARMONY grillt mit uns
Jeder bringt etwas mit – es gibt zum Fleisch eine leckere Salatvielfalt

An diesem Abend reift der Entschluss, dass wir uns am morgigen Sonntag einen arbeitsfreien Tag gönnen. Hans Peter und ich brauchen eine Pause – einen Tag ohne ELOWYN und LIBERTÉ.

Schön, darauf freue ich mich!

Der Tag beginnt mit einem feudalen Frühstück, das hatte ich lang nicht mehr. Sibylle macht Rührei, es gibt frisches Brot. Danach widmen wir uns so kleinen Arbeiten im Haushalt, die Dinge für die sie mich „mal eben“ braucht – für einen kräftigen Handgriff oder um etwas zu befestigen oder zum Durchführen von Kleinreparaturen – nichts Dramatisches, nichts Erwähnenswertes.

Für den Nachmittagskaffee möchte meine Gattin mal wieder ins „Coffee Lab“, das neue Café in Mariettas Nachbarschaft – der Ort, den wir nur am Sonntag besuchen (dürfen)…

Das Café ist cool, der Kaffee WAR echt spitze

Das Thema „Marietta brüskieren oder nicht“ erledigt sich am heutigen Tag bis auf Weiteres. Wie überall, lebt auch hier das Geschäft vom Personal – da hatten wir heute leider Pech.

Ich habe Verständnis, dass man an einem heißen Sonntag Nachmittag vielleicht nicht die unbändige Lust hat, in den Semesterferien zu bedienen, während die Freunde beim Baden sind – das wird aber zum Problem, wenn der Gast es merkt.

Ich habe es gemerkt und zudem war der Cappucchino, ganz anders als beim letzten Besuch, ein Grauen! Sibylle lässt öfter mal einen „rassen“ Kaffee stehen, ich eigentlich nie – wenn doch, will das was heißen!

Kannst nicht trinken – wir lassen es stehen, obwohl wir ahnen, dass dieses Statement verpufft

Was tun? Wir sind unzufrieden und es fällt uns nur eine Möglichkeit ein dies zu korrigieren – das Schlaraffenland! Der Ort an dem sowohl Service als auch Qualität IMMER auf einem verlässlich hohen Niveau sind…

Wir gehen zu „Repapis“ und gönnen uns ein Nachmittagseis!

Perfekt – ich freue mich schon darauf, die Enkelchen hierher zu locken

Ich habe es ja schon erwähnt, das Eis am Nachmittag setzt sich mehr und mehr durch. Es ist weniger Andrang im Eistempel, wir sind noch nicht satt vom Abendessen und es passt auch besser in unseren Tagesablauf. Mal sehen, ob man aus dieser Erkenntnis nicht eine Regel ableiten könnte.

Danach fahren wir zurück in die Marina und kommen bei LIBERTÉ vorbei. Hans Peter nutzt den freien Tag um etwas zu faulenzen und zu schlummern – Merlin wacht derweil und wirft uns im Vorbeigehen schmachtende Blicke zu…

Er ahnt, dass wir bei „Repapis“ waren

Jetzt ein Sprung ins kühle Nass, danach genießen auch wir ein paar freie Stunden.

Pünktlich um 20.00 Uhr sind wir ja schon wieder auf Achse, denn wie jeden Sonntag heißt es auch heute „Sonntag ist SouVLakki-Tag“

Nicht nur ich kann ordentlich mampfen

Just nach dem Essen, entdecken wir einen Haken an unserem Plan bezüglich des „Nachmittagseises“ – Hans Peter ruft nämlich den gewohnten Besuch der Eisdiele nach dem Sonntagsdinner aus.

DAS können wir ihm nun wirklich nicht verwehren. Also geht es ein zweites Mal an diesem Tag in die Speiseeismanufaktur an Lakkis Einfallstraße – ich mag das und kann es genießen.

Merlin auch, er spekuliert auf seine Eiswaffel. Sibylle dagegen hadert noch mit diesen fiesen kleinen Gesellen, der Volksmund nennt sie Kalorien, welche dem Eis innewohnen sollen.

Merlin schmachtet – die Eiswaffel ist sein Begehr

So endet dieser arbeitsfreie Sonntag – aber morgen geht´s wieder los! Pünktlich um 10.00 Uhr auf der Baustelle…

Laminieren ist auf dem Plan! Ihr erinnert euch vielleicht – als ich das Ruder von NESSAJA instandsetzen musste, hatte ich eine steile Lernkurve. Alles was mit Farbe und / oder spachteln beziehungsweise schmieren zu tun hat, kann man getrost als meine Achillesferse bezeichen. Ich bekomme es hin, aber der Weg ist steinig und weit.

Naja, ein bisschen was ist von Rolands damaligen Crash-Kurs übrig geblieben, so schneiden wir erst einmal die Gelegematten zurecht. Grobes Gelege für den Materialaufbau und die leichte Formanpassung, eine Gewebe-Decklage für die finale Stabilität und die Oberflächenbeschaffenheit.

Wir schneiden die Bahnen zurecht und legen sie in der richtigen Reihenfolge parat

Dann geht es los, wir mischen das Harz und den Härter im richtigen Verhältnis, dann bleiben uns ein paar Minuten um die Lagen aufzubringen und mit dem Harz zu tränken. Dabei sollen diese ordentlich und möglichst ohne Lufteinschlüsse angedrückt werden.

Klappt eigentlich ganz gut

Rein optisch wird das Ergebnis recht gut – wir sind zufrieden. Ich bin leider noch nicht ganz fertig, denn ich habe ELOWYN ja soweit zurecht gemacht, dass ich parallel zu Hans Peters LIBERTÉ arbeiten kann…

Also rasch noch die Matten für die Reparatur am blauen Riesen zurechtgeschnitten und mit dem restlichen Harz zu dessen Stellplatz geflitzt. Die Luke hatte ich am Morgen schon geöffnet, ich konnte die Matten also sofort auf die kleine Reparaturstelle aufbringen – auch das hat gut geklappt!

Der Schaden ist repariert, das Material aufgefüllt – der Rest wird verschliffen und gespachtelt

Und jetzt? Jetzt kommt der nicht ganz so herausfordernde Teil des heutigen Arbeitstages – wir sehen dem Harz beim Trocknen zu…

Das wird – für den ersten Schritt gar nicht so schlecht

Klar gibt es jeden Tag unzählige Kleinarbeiten – und sei es nur das Aufräumen der Baustelle. Auch diese Dinge müssen gemacht werden, so bringen wir unsere Arbeitstage gut rum.

Zum heutigen Abendessen haben wir uns bei unserem saarländischen Freund ausgeklinkt. Wir haben uns sehr spontan mit der Crew der EMOTION, einer wunderschönen Dufour 485, verabredet – ein Schiff übrigens, das auf meiner Wunschliste recht weit oben stehen würde. Wir kennen die Beiden durch die Seglerverlinkungen auf der Insel und das MSF – aber das hatte ich in der Vergangenheit ja schon erwähnt.

Wir haben uns also mit Carola und Thomas bei Dimitris in der „Taverna o´ Karaflas“ verabredet. Ein perfekter Ort für diesen Abend, denn es war die Vollmondnacht im August…

Dimitris Terrasse bietet einfach einen perfekten Ausblick
Die „blaue Stunde“ bricht an und der Mond beginnt sein Schauspiel
Wir machen dutzende von Bildern und wetteifern um das Schönste – gewonnen hat Carola

Ich weise ja gerne darauf hin, dass ich nur mit dem iPhone X fotografiere und die Bilder nicht nachbearbeite. Auch die letzten zwei Bilder sind nicht bearbeitet, aber mit Carolas iPhone 12 gemacht – man merkt den Qualitätsunterschied bei der Kamera schon zwischen diesen beiden Modellen ungemein.

Keine Sorgen um seine Qualität muss sich dagegen der gastgebende Glatzkopf machen! Der superbe Koch war im Stress, wir hatten leider keine Zeit zu sprechen, da er selber am Herd hantierte – aber was er da zauberte war sehr gut! Wir alle waren wirklich sehr zufrieden.

Ich hatte, wie so oft, meine „Fisherman Spaghetti“ bestellt – ich denke ich bin bei diesem Gericht inzwischen aussagekräftig und kann gut vergleichen – Dimitris´ waren optisch nicht ganz so getunt wie in manch anderer Taverne, aber geschmacklich auf sehr hohem Niveau – jederzeit wieder!

Viel Inhalt, al dente, gutes Sugo

Wir quatschen viel über dies und das und es tut gut, mal wieder völlig neue Meinungen und Themen durchzukauen. Der Abend war uns ein Genuss und wir beschließen, nach Rückkehr der EMOTION wird das Beisammensein wiederholt!

Ein letztes Foto vom Vollmond, dann brechen wir auf, denn Thomas und Carola müssen Familienbesuch von der Fähre abholen.

Inzwischen war Nacht – am Horizont (auf allen drei Bildern) die Lichter der Türkei
Wir verlassen die Taverne des Glatzkopfs – aber wir kommen wieder, versprochen

Ein witziger Sidekick an diesem Abend war, dass Sibylle und ich uns noch ein Betthupferl in Form einer Eisspezialität gegönnt haben – und wer kommt vorbei? Carola und Thomas! Die Fähre mit Tochter und Enkel hat Verspätung, auch die Beiden haben erkannt – die Zeit für ein Eis reicht immer und sei sie noch so knapp…

Ach wie schön ist Panam… ähhh Lakki

Der neue Tag beginnt wie die letzten auch – und täglich grüßt das Murmeltier! Es ist also „Groundhog-Day“ auf unserer Baustelle, wir spachteln und laminieren – Tag 2…

Zuerst sehen wir uns das Ruder der LIBERTÉ an, ok, zwei Felder haben Lufteinschlüsse, eines kann man nachbessern, eines laminieren wir neu – die anderen vier können wir verschleifen.

Sofort nach dieser Maßnahme sause ich zu ELOWYN und sehe dort nach dem Rechten – alles super, hier kann ich verschleifen. Das mache ich mit meinem Dreiecksschleifer, die anderen Maschinen sind zu groß.

Zum ersten Mal benutze ich den „Stanley FATmax“ mit Absaugung

Ich sauge mit dem Industriesauger ab, um nicht am Schleifstaub zu sterben – zu klein ist das Kämmerchen. Zudem wollen wir danach nicht alles reinigen müssen. So gewappnet, klappt das aber super und ich bin recht rasch fertig.

Das reicht aus, der Rest wird gespachtelt

Ich lasse die Schleifmaschine und den Staubsauger angeschlossen in ELOWYNs Vorpiek zurück, ich werde mindestens noch einmal schleifen müssen, plane dies zeitnah, so spare ich mir das ewige, zeitfressende Räumen.

Dann haste ich zurück zu Hans Peter, er hat inzwischen alles für den ersten Spachteldurchgang vorbereitet und auch die „Hexenküche“ bereits in Betrieb genommen.

Für heute beschließen wir, als Mitglieder der „Blue Man Group“ aufzutreten, ich denke, dass wir vom Original kaum zu unterscheiden sind!

Gleich geht´s los – das Epoxidharz nebst Härter, wird mit Powder aufgefüllt, um die Konsistenz von Spachtelmasse zu bekommen
Positive Vibrations – das können nicht nur, wie von Bob Marley besungen, die Rastafari, auch Hans Peter und ich in unserem Schlumpfoutfit

Ich ziehe gekonnt das Ruder von LIBERTÉ mit der Spachtelmasse ab – das reißt den Eigner zu der Vermutung hin, dass „…man hier sofort die früheren Autobastler erkennen würde!“

Ich nehme das als Kompliment – wenn der wüsste! Zum Spachteln war ich als junger Autofahrer einfach zu doof – ich hatte das Problem seinerzeit durch den Kauf eines Schweißgerätes gelöst, hatte statt mit Glasfasergelege lieber mit Blechplatten hantiert und die Nähte dann mit Karosseriedichtmasse geschlossen und alles mit Teroson abgedeckt – da war ich tatsächlich recht gut! War damals keine verkehrte Entscheidung – TÜV konform und mit Schweißgerät und Flex kann ich bis heute gut umgehen…

Dieses Schicksal bleibt LIBERTÉ allerdings heute erspart – der Spachteldurchgang verläuft sehr gut und auch beim anschließenden Verspachteln von ELOWYNs Wunde kann ich noch zielorientiert arbeiten.

Das ist NICHT gespachtelt – es ist mit dem Spatel aufgetragen

Bei ELOWYN hatte ich leider keinen kleinen Japanspachtel! Der den wir hatten, war für den vertikalen Auftrag zu groß und zu unhandlich. Ich habe daher nur mit dem Holzspatel aufgetragen, den Rest werde ich einfach verschleifen.

Am Weg zurück, fällt mir ein neues Boot in der Marina auf. Heute weiß ich, dass es Gäste waren. Mein Augenmerk wurde darauf gelenkt, weil es zum einen an unserem alten Platz festgemacht hatte, zum anderen war es das gleiche Yachtmodell wie die heutige GIOIA unserer Ex-Käufer – ihr erinnert euch sicher.

Mir fällt als erstes auf, dass die Besitzer von Beneteau Oceanis 42CC einen Hang zu auffälligen Namen haben, zumindest die, die ich kenne…

Die Segelyacht LiBido fährt unter italienischer Flagge

Ich schreibe ja Schiffsnamen immer in Großbuchstaben – mir scheint aber, dass es bei der LIBIDO darauf ankommen könnte, dass man LiBido schreibt.

Nur zu gerne hätte ich mir die Bedeutung von LIBIDO von Ulrike auf Italienisch und Französisch erklären lassen – in einer illusteren Runde, bei einem Glas Rotwein. Das wäre sicher ein denkwürdiger Moment – aber hier interessiert mich wirklich, was hinter dem Namen stehen könnte…

Google verrät „li bido ist nigerianisches Pidgin und bedeutet „er fing an„, ok, schon mal eine gelungene Überraschung – damit habe ich nicht gerechnet! Die Suche nach Italienisch liefert kein Ergebnis, wobei „li“ mit „dort“ übersetzt wird – es könnte also sein, dass die Crew Biagio und Domenica heißt und darauf hinweist, dass sie jetzt hier, also dort ist.

Last not least, es soll ziemlich sicher der Link zur eigentlichen Bedeutung gemacht werden – „Libido (lateinisch libido: „Begehren, Begierde“, im engeren Sinne: „Wollust, Trieb, Maßlosigkeit“) bezeichnet in der Psychoanalyse jene psychische Energie, die mit den Trieben der Sexualität verknüpft ist.“

Komischer Name, aber er fesselt – ich habe nicht nachgefragt, bereue ich heute 😉

Meine kleinen teuflischen Gedanken werden sofort bestraft! Sibylle rennt mir entgegen – „…der Schlauch, er ist geplatzt, Wasser, überall Wasser!“

Ok, ich beschleunige meinen Schritt, denn seit ich NESSAJA ans Stegwasser angeschlossen habe, stoppt der Wasserfluss nicht mehr, wenn der Tank leer ist – ich muss mich auf die Qualität meiner Installation verlassen! Nur, diese ist erst ein paar Wochen alt und kaum ein paar Tage in Betrieb.

Kaum bin ich an der Versorgungssäule bremse ich meinen Lauf – das Ausfallteil war sofort zu erkennen, das Schiff zu keinem Zeitpunkt in Gefahr.

Wird durch ein intaktes Teil ausgetauscht – weiter geht´s

Weil ich grad zu NESSAJA gesaust bin, kann ich gleich das neu installierte Betätigungsventil des ENO Backofens testen. Sibylle hatte die Schnauze voll vom Grillen, was übrigens nur eine Frage der Zeit war, es sollte „…mal wieder was Gscheids…“ geben.

Sie hatte sich bereit erklärt eine Lasagne zu machen, diese müsse nun in den Backofen.

Das Flämmchen züngelt, auch die Regulierung funktioniert – check

Ok, das war eine gute Idee, auch Hans Peter und mir war die Abwechslung sehr willkommen und wir mampften als gäbe es kein Morgen mehr.

So klang der Tag sehr gemächlich in NESSAJAs Cockpit aus!

Solche Abende sind eine gute Gelegenheit ein Resümee zu ziehen – wo stehen wir? Nun, ich würde sagen, dass wir genau im Plan sind. Wie dieser weitergeführt wird, hängt sehr davon ab, ob übermorgen der Mastkran kommt und unter Regie der Marina, LIBERTÉs Mast gelegt wird. Priorität 1 hat nach wie vor der Anstrich des Unterwasserschiffes, Deadline ist der 27.09., an dem Tag werden Sibylle und ich für eine Woche Urlaub machen. Wenn wir zurückkommen, werden Hans Peter und Petra bereits am Heimweg sein.

Das sollte zu schaffen sein, eventuell bekommen wir sogar den Mast noch gestellt. Wenn nicht, dann eben im April 2025.

Der nächste Tag beginnt für mich allerdings auf Volkers ELOWYN – heute schließe ich meine Liste der „Technischen Aufgaben“ ab, danach wird „nur noch“ sauber gemacht und gebunkert – wenn sie erstmal im Wasser ist.

Die neue Lackierung tut not – das Schiff ist zudem total versandet

Auf dem Weg zur Vorpiek fällt mir auf, wie sandig das Schiff innerhalb von zwei Monaten geworden ist. Zu allem Überfluss setzt sich dieser Sand auch noch unter den beschädigten Lack – wir werden dem mit dem Hochdruckreiniger zu Leibe rücken.

Ich zwänge mich ein letzes Mal zu Reparaturzwecken in die kleine Kammer, die als Wellnesssauna genutzt werden könnte – zum Glück geht das Schleifen und Lackieren schnell und ich kann rasch aufräumen und einen Haken an die Laminatreparatur machen – fertig!

Sieht gut aus, funktioniert – Herz was willst Du mehr

Den Rest des Tages lasse ich ein wenig verdröppeln – ich mache etwas Computerarbeit, recherchiere ein wenig und faulenze auch ein paar Minuten, das tut auch mal gut!

Um 17.00 Uhr ruft Sibylle zum Aufbruch – sie hat einen Videocall mit Susanne vereinbart, es gibt noch ein paar Feinheiten zu klären, bevor Florian mit Familie anreist. Ich lass´ meine Gattin gewähren und versuche gar nicht erst, sie ein wenig zu beruhigen – der erste Besuch des Sohnes auf „unserer Insel“, zudem mit den beiden Enkelsöhnen im Schlepptau, ist ein spezielles Ereignis und der Weg zum perfekten Urlaub wird durch die Oma geebnet.

Ich gehe in meiner Aufgabe als Erfüllungsgehilfe auf und agiere als der Hebel an dem sie sitzt.

Wir kommen in Xirokampos an…

Es ist einfach ein schönes Anwesen…
…mit perfektem Ausblick – in perfekter Lage

Es gelingt mir, trotz des wirren Gegackers der beiden Damen am Bildtelefon, die Wasserversorgung von Gemeindewasser auf Zisterne umzuschalten und das Hauswasserwerk mittels leichter Hammerschläge in Gang zu setzen.

Am Ende waren alle glücklich und zufrieden – jetzt noch ein Großeinkauf am Tag vor der Ankunft, dann kann der Filius kommen! Wir freuen uns, es wird sicher eine bereichernde Woche.

Am nächsten Morgen geschieht ein Wunder! Eines der Art, an der Hans Peter nicht zu glauben wagen würde – daher ruft er mich morgens um 08.00 Uhr fast schon euphorisch an – „…der Kran kommt!“

Ich war nicht so skeptisch, ich habe damit gerechnet, dass nach der ersten Absage, im zweiten Anlauf alles klappen würde. Daher hatte ich den Wecker gestellt, meine erste Tasse Kaffee bereits getrunken – nur für die zweite hat es nicht ganz gereicht…

Kein Problem!

08.00 Uhr – ich verlasse NESSAJA um „dem Wunder“ beizuwohnen

Also gehe ich zur Stelle, an der das Wunder seinen Lauf nehmen sollte. Mein Freund, der saarländische Berufsskeptiker, beobachtete alles von oben und war, ob des Umfangs „seines Wunders“, derartig in den Bann gezogen, dass er – wäre ich über´s Wasser zu ihm gelaufen, was ich sicher könnte, dass er dies sicher nicht bemerkt hätte 😉

So sieht ekstatische Freude aus

Ich will den Umfang der Ereignisse nicht schmälern, es ist wirklich ein wundersamer Erfolg, wenn es einem Skipper gelingt einen weitgehend termintreuen Slot für den Mastkran zu bekommen. Umso glücksseeliger waren wir, als der begehrte Kran tatsächlich eintraf und zum richtigen Aktionsplatz gewiesen wurde.

Um diesem Moment gerecht zu werden, hätte es Fanfaren gebraucht
Elektriker Panagiotis, der „Mastera“, weist den Boliden ein

Als der Kranwagen an die vermeintlich richtige Position dirigiert war, begannen die Vorbereitungen an und um LIBERTÉ – generell hatten wir an Deck alles vorbereitet was man eben vorbereiten kann – aber Panagiotis hat natürlich sein eigenes System, welches er dann, wie nach einem Drehbuch abspielte.

Hier ist der richtige Ort – die Stützen werden ausgefahren

Erst wurde eine „Probefahrt“ mit dem leeren Krankorb gemacht, dann stieg der Meister der Riggarbeiten in denselben um zusätzliche Sicherheitsleinen am Mast anzubringen…

Ok, alles gut – der Ausleger erreicht alle relevanten Stellen
Panagiotis fährt nach oben, um Leinen und Hebegurte anzubringen

Als der Mast gesichert war und erste Hebegurte angebracht waren, konnte die Vorsegel-Rollanlage mit dem Vorstag demontiert werden.

Das längste Bauteil bei dieser Aktion muss vorsichtig gehandelt und an einem geeigneten Platz abgelegt werden. Dies wird später entschieden, zunächst wird die Anlage gesichert auf die Seite gelegt.

Das Profilvorstag der Furlex wird nach hinten abgelegt und später aufgeräumt

Langsam wird es ernst – die Leinen an denen sich Panagiotis abseilen wird, nachdem er den Mast an den Kran gehängt hat, werden vorbereitet. Hans Peter klärt das mit dem Elektrikergehilfen und ich bekomme meine Position an der Winsch.

Jetzt geht´s los

Als der Mast am Kran hängt und gesichert ist, können die Wanten, zwei an jeder Seite, und das Achterstag frei gemacht werden.

Gut, dass wir die Gangbarkeit der Wantenspanner schon geprüft hatten und auch schon die Splinte entfernt haben – so war dieser Job schnell erledigt.

Letzte Verbindungen werden getrennt

Dann ist es soweit – der 16 Meter hohe Mast wird aus seiner Basis gezogen und von Deck gehoben – das geht recht schnell und ist, mal abgesehen von dem ganzen Brimborium drumherum, eigentlich eine unspektakuläre Arbeit.

Der Mast wird dann erst einmal auf zwei Fässer abgelegt.

Jetzt geht der Mast von Deck
Er wird erst einmal abgelegt, so dass er nicht im Weg ist
Zwei Fässer dienen als Ablageort

Dann beginnt die „typisch griechische“ Phase der Arbeit – man fragt sich, wohin mit dem Trum…

Wir sollen sagen, wie lange der Mast liegen wird – hm, kommt drauf an, wenn alles klappt, vielleicht einen Monat. Wenn dagegen nichts klappen würde, dann könnte es bis zum April 2025 dauern!

Man palavert, raucht eine Zigarette und gestikuliert wild. Da hinten? Dort vorne? Oder lieber hier?

Der Kranfahrer lehnt an dem 150.-€ pro Stunde teuren Kranwagen und telefoniert privat – Hans Peter kullern angesichts der tickenden Uhr die Schweißperlen über die Stirn.

Plötzlich die Entscheidung – der Mast wird neben dem der TAO 3 abgelegt. Schon sausen die Gabelstapler wie nervöse Krabbler um das sperrige Transportgut – ich muss unweigerlich an „Guido“ aus dem Disney Film „Cars“ denken. Die beiden „Guidos“ der Leros Marina Evros hängen den Spargel der LIBERTÉ an ihre Ausleger und transportieren ihn zur finalen Ablageposition…

„Guidos“ im Einsatz

Dort muss noch einmal der Kranwagen ran um den Mast etwas auszurichten und sicher zu positionieren, dann wird der teure Helfer aus seiner Pflicht entlassen und fährt von dannen – auch Hans Peters persönliche, innere Schuldenuhr läuft von nun an deutlich langsamer.

Der Mast liegt, der Kran hat seine Schuldigkeit getan

Dieses Bild führt mich zu einem anderen, wichtigen Handlungsstrang, zu einem abrupten Themenwechsel!

Der Mann in der Bildmitte ist der Juniorchef der Marina. Er, Nicolas, hat es sich nicht nehmen lassen, bei uns vorbei zu sehen und seinen Segen zu geben – alles gut? Ola kala? Er vergewissert sich, dass alles planmäßig läuft und zieht dann, das Mobiltelefon stets am Ohr oder vor der Brust, weiter um seine Runden zu drehen.

Gibt es etwas Neues von seiner Seite, bezüglich meiner Beschäftigung im Winter? Nun, die Popgruppe „Fettes Brot“ hat die perfekte Antwort einst intoniert – „Ja klar, äh nein, ich mein jein“!

Ich wollte nicht länger auf Klärung warten und habe ihm eine Mail geschrieben und um einen kurzen Sachstand gebeten. Die kurze Version der Antwort – „…verrückte Phase in der Marina… der tägliche Wahnsinn… alles beim Alten, keine Änderungen!“

So wie es aussieht, werden wir wohl erst im Herbst weitere Modalitäten besprechen, aber die Zeichen allgemein stehen wohl auf „Weiterbeschäftigung ab 11/2024“.

Zurück zum Tagesgeschäft – wobei, nicht ganz…

Es gibt einen weiteren Sidekick zu unserem täglichen Tun – Merlin ist nicht gut beinander, er „hat irgendwas“. Dies äußert sich darin, dass er nichts frisst und kaum trinkt, er ist apathisch. Das macht uns Sorgen und speziell Hans Peter fürchtet um seinen Gefährten. So beschließen wir, Merlin in Sibylles Obhut zu geben, so ist er versorgt, nicht alleine und unter Überwachung.

Auf NESSAJA scheint es ihm auch zu gefallen!

Ok, schön – aber mein Zuhause ist das nicht

Ich gehe zurück zu LIBERTÉ – der Mast liegt, wir hatten eine kurze Mittagspause, müssen jetzt aber wieder ran. Sollten wir eine Chance wahren wollen, dass der Mast vor HPs Abreise wieder gestellt wird – dann müssen wir jetzt dranbleiben und den Spargel abgarnieren!

Ich telefoniere mit „Meltemi Rigging“ in Athen – einer von zwei Anbietern die infrage kommen, die neue Verstagung für LIBERTÉ zu fertigen. Ich beantworte Fragen, sende Bilder – dann warten wir auf den Kostenvoranschlag.

Derweil steht die Demontage der alten Drähte an, ich will Hans Peter abholen und finde mich unter seinem entmasteten Dampfer ein…

Da steh´ ich nun und warte

Ich setze mich kurz in den Schatten und höre den Freund im Inneren des aufgebockten Schiffes fluchen. Er schreit, das irgendwas oder irgendwer „…ihm nicht auf den Sack gehen…“ sollen! Huch – ich bin mir keiner Schuld bewusst, ich will doch nur hier sitzen…

Dann kommt mein Freund über die Leiter und ist bereit mit mir zusammen die Wanten und Stagen von seinem liegenden Seldén Rigg abzumontieren.

Alles muss weg

Klar, dass auch dies nicht ohne Probleme geht, zudem arbeiten wir jetzt, am frühen Nachmittag, in der prallen Sonne – es gibt schöneres! Dennoch gelingt es uns, in relativ kurzer Zeit alle Drähte zu demontieren und auf die Seite zu räumen. Dafür rollen wir sie zusammen, so gut das eben aus freier Hand geht.

Erstmal sind sie verräumt

Zurück bleibt der von seinen Drahtseilen befreite Mast der Bavaria 41H – verwaist??? Nein, beileibe nicht – es gibt auch an dem Spargel noch einiges zu tun. So sollen zum Beispiel alle Rollen erneuert werden, auch das laufende Gut, das heißt alle Leinen, soll ersetzt werden und auch über Anbauteile wie die Lampen, Klampen und Klemmen sollte man sich jetzt Gedanken machen.

Entscheidungen die Hans Peter zu treffen hat! Es ist auch ein wenig Druck im Kessel, denn der imaginäre, letztmögliche Termin den Mast zu stellen ist der 25./26.09. – dies beschert auch eine Deadline bezüglich der Bestellungen.

Der gestrippte Mast bleibt zurück

Doch genug für heute, es wird Zeit für Feierabend. Ich merke, dass die Stimmung nicht mehr so ist, wie zu Anfang unserer Projektphase. Das ist selbsterklärend – seit zwei Monaten arbeiten wir zusammen, essen zusammen, planen zusammen. Wir arbeiten unter Druck, nicht alles klappt, wir müssen gegenseitigen Ärger kompensieren.

Zudem sind wir grundverschieden – Hans Peter ist der, der 1/10mm misst und behutsam beginnt, später aber zum Kompromiss bereit ist, weil er das gute Ende ohnehin stets in Frage stellt. Ich bin eher der, der grobschlächtig beginnt, am Ende aber ein möglichst gutes Ergebnis anstrebt, da kann ich mich auch verschwenderisch verkünsteln – denn ich weiß, es wird immer gut, es klappt immer!

Wir sollten also den verfrühten Feierabend nutzen um etwas Ruhe ins System zu bringen – ich gehe mit Sibylle ein Eis essen.

Am nächsten Tag geht es früh weiter, schließlich müssen wir die Drähte versandfertig machen und auch das Vorstag noch zerlegen, immer noch tickt die Uhr! Und wir merken am frühen Morgen schon, die gute Stimmung, die Gelassenheit ist noch nicht zurück!

Wir zerlegen zuerst die Furlex…

Die Rollanlage – die Trommel muss vom Profil

Ich versuche autodidaktisch zu arbeiten und mein Ansatz ist es, die Trommel erst einmal nach oben zu schieben um dann Zugang zum Drahtende zu haben – ist das erst entfernt, kann man die Trommel nach unten abziehen und dann auf der Werkbank servicieren.

Mein Freund will die Arbeit anders angehen – er hat ein Pamphlet von Furlex, in dem das Zerlegen der Anlage beschrieben ist. Die demontieren die Trommel zuerst und entfernen Teil für Teil.

Hat auch seine Berechtigung, runter muss das Ding ohnehin und zerlegt werden soll es auch – außerdem ist es Hans Peters Anlage und er darf bestimmen. Aber es beschert uns drei Stunden arbeiten unter erschwerten Bedingungen – im Sand kniend, die Hälfte der Zeit in praller Sonne.

Das Ziel erreichen wir allemal…

Auch ohne Handbuch ist klar – der Bolzen unten muss raus!
Der zerlegte Roller ist nach oben geschoben – wir können das Schraubterminal entfernen

Es kam wie es kommen musste – das verflixte Ding quält uns mehr als es eigentlich müsste. Hans Peters Anleitung versagt insofern, als dass sie zwar erklärt wie es theoretisch ginge, die Unabwägbarkeiten der Praxis aber außen vor lässt.

Wir dengeln also die nächsten Stunden an einem festsitzenden Schraubterminal herum – nur, es rührt sich nix!

Ich sage es offen und ehrlich, ich hätte nach zwei Versuchen kurzen Prozess gemacht und das Vorstag durchtrennt. Dann hätte ich mit dem Problemkind an eine Werkbank gehen können und dort in Ruhe, im Stehen und im Schatten arbeiten können. Diesen Vorschlag wage ich nicht zu machen, die Stimmung war angespannt.

Wir dengeln weiter…

Irgendwann kommt Panagiotis und er bringt frischen Wind mit – er kann den gordischen Knoten zerschlagen, indem er Ersatzteile aus dem Lager holt, welche uns die Gelegenheit und Sicherheit geben, den Schraubteil des Terminals aufzuflexen und zu entfernen – so können wir das System soweit zerlegen, dass wir den Vorstagdraht aus dem Profil ziehen können.

Fotos? Leider nein! No good mood for pictures…

Abermals tut eine Pause not. Ich sitze mit Sibylle auf NESSAJA, wir trinken Kaffee und essen Kekse. Ich schildere ihr die Situation. Während ich mich selbst reden höre beschließe ich, dass ich ab morgen frei nehmen werde! Ich unterbreche meine Unterstützung an der Projektarbeit bis zum 05.09.2024!

Dann gehe ich zu LIBERTÉ zurück um den Teil des Jobs zu erledigen, den ich noch „schuldig“ bin – die Drähte müssen ordentlich gerollt werden und auf eine Palette geschlichtet werden, sie sollen versandfertig sein.

Fast fertig

Ich denke mir ein System aus, wie ich die Drähte alleine rollen kann – dafür nutze ich eine dieser Bootsstützen. Zwischen deren Gestänge kann ich den festen Draht in Schlaufen legen und dann mit Kabelbindern fixieren – dann entnehme ich die Rolle und staple sie auf der Palette.

Verflixt, was für ein bescheuerter Tag! In der letzten Minute meines Werkens für heute, muss ich den Verlust meiner Arbeitsshort beklagen. Das ärgert mich – naja, zum Streichen kann ich sie noch nutzen, dann hat sie wohl ausgedient!

Ermüdet – Material und Mensch

Hans Peter kruscht derweil im Bauch seines Schiffes herum, er sucht etwas, man hört es rumpeln. Bei den letzten Schlingen hilft er mir, dann verabschiede ich mich in den Feierabend – bis zum Abendessen!

Dinner gibt es bei ihm an Bord, wir Grillen. Vielleicht auch dies das letzte gemeinsame BBQ des Monats August.

Ich erinnere – am kommenden Dienstag kommt Florian mit Familie, am 31. des Monats kommen Volker und Tina. Die Unterbrechung war also geplant – nur der Beginn wird von mir um drei Tage vorverlegt. Wir brauchen es – BEIDE!

Ahhhh, ein Samstag an dem ich nach dem Kaffee vor mich hinsinniere und mir selbst die Frage stelle – „…was könnte ich denn heute tun?“ Keine Baustelle ruft zur Pflichterfüllung, ich kann die Seele baumeln lassen und den Körper gleich mit 😉

Als erstes ein paar Besorgungen. Ich fahre eine Gasbuddel für den Cobb kaufen und besorge neue Ratschbandl. Dann noch ein Auto für Volker und Tina reservieren – ich stehe vor Ioannis Fahrradwerkstatt, er ist der Gatte der Autovermieterin unseres Vertrauens.

Wie ich so in die Werkstatt blicke, muss ich in mich hineinlachen – glaubt kein Mensch wenn Du es erzählst…

Auch das ist Griechenland – aber der Output ist gut und günstig

Das klappt alles soweit gut, dann fahre ich zurück in die Marina und stoppe bei ELOWYN. Dort ist Sibylle zugange und reinigt das Schiff von innen – der Sand, der Staub der vergangenen zwei Monate an Land muss raus.

Ich setze mich zu ihr, leiste etwas Gesellschaft und reserviere weiter für Volkers kurzen Aufenthalt auf Leros – einen Tisch im „Harris“, der coolen Bar in der Mühle, dann noch einen Tisch im „Mylos“, dem führenden Fischtempel der Insel. Volker nennt das seine „Mühlentour“ – wir werden teilnehmen und freuen uns sakrisch darauf.

Ich bekomme umgehend Rückmeldung von Haris – „…all ok, my friend, see you soon!“, das klingt schonmal gut. Auch aus dem Bauch des blauen Riesen schallt es zu mir hoch – „…ich bin fertig!“

Wunderbar, dann sperren wir ELOWYN wieder ab und gehen zurück auf unsere NESSAJA – nächster Besuch bei dem Boliden ist dann zum Krantermin am 29.08.!

Auf NESSAJA plaudern Sibylle und ich über die Situation rund um LIBERTÉ. Ja, es waren stressige Wochen, es macht auf uns den Eindruck, als ob HP die einzelnen Arbeitspakete lieber entzerren will. Alles auf einmal zu machen ist auch organisatorisch eine Herausforderung. Wie aber denkt der Eigner darüber?

Wir laden Hans Peter zum Kaffee ein und besprechen alles. Der Freund bestätigt zwar die momentane Stresssituation, entscheidet aber auf „weitermachen“! Ok, da will ich kein Spielverderber sein – dann bis morgen früh, Treffpunkt Mast…

Ich bin ich mich gekehrt – ist das die richtige Entscheidung? Wir werden sehen. Um ein wenig Ablenkung zu haben, befreie ich den „Schrott-Windgenerator“ von all seinen defekten Anbauteilen und finde einen Stauplatz für den Ersatzteilträger.

Ich will das Gehäuse retten

Das klappt gut – dann ist es erst einmal Zeit, einmal ins Meer zu springen und sich etwas abzufrischen. Die übrige Zeit vertreiben wir uns mit faulenzen, das tut uns Beiden gut.

Sibylle und ich haben uns für heute einen Tisch im „To Steki“ in Alinda reserviert. Wir waren lange nicht mehr bei Dimitris und haben Lust, mal wieder etwas anderes als Köfte oder Chicken Souvlaki zu essen.

Da sich die Betreiber des „Mylos“ noch nicht auf meine Reservierungsanfrage gemeldet haben, die Edeltaverne jedoch auf unserem Weg nach Alinda liegt, beschließen wir, unsere Reservierung direkt einzusteuern.

Kurzer Zwischenstop
Ich freu´ mich drauf

Klappt alles! Ich kann mir einen guten Tisch sichern und somit sind alle Anfragen bestätigt – der „Mühlentour“ steht nichts mehr im Wege.

Sibylle und ich fahren weiter zu Dimitris´ „To Steki“ – es weht ein strammer Nordwind, dennoch entscheidet Sibylle, dass sie am Wasser sitzen möchte. Es zieht mächtig, aber es ist ein warmer Wind – man kann es gut aushalten.

Die große Tochter des Wirts hat heute Geburtstag, so ein Zufall – wir gratulieren artig, dann nehmen wir Platz.

Wir mögen das „To Steki“ – eine zuverlässig gute Adresse und eine sehr nette Gastgeberfamilie

Ach ist das schön… Wir sind lange nicht mehr so nett gesessen, haben lange kein Gläschen Wein zusammen getrunken. Sibylle erzählt, dass ein anderer Segler aus der Marina wohl unschöne Erlebnisse mit einer Partyflottille hatte – in der Bucht von Archangelos!!! Vor dem „Stigma“! Charterflottillen mit angetrunkenen Gröhlern jetzt auch schon vor den Miniinseln, die Geschichte bestätigt mein Bauchgefühl!

Später kommt Nicolas, der Marinachef, mit seiner Frau und einem befreundeten Paar aus Athen in die Taverne. Er wirkt entspannt, kommt an unseren Tisch und wir plaudern ein bisschen. Er ist ein Freak – und ich mag ihn…

Klar, dass wir es uns gut gehen lassen – wir bestellen vornehmlich Fischgerichte und weil wir Hunger UND Gelüste haben, bestelle ICH, das ist Sibylle wichtig zu erwähnen, natürlich von allem zuviel. Gut war es trotzdem!!!

Popi – Auberginen-Schinken-Röllchen in Sahnesoße, ein „all time high“ im „To Steki“ – das einzige Fleischgericht heute
Ein gebratener, lerianischer Käse mit Feigen-Tomatenmus
Der „Leros-Salat“ – ein griechischer Salat mit lerianischem Käse und Sardelle
Scampi Risotto
Seafood Saganaki

Ok, es war ein wenig Völlerei, aber tolerierbar – trotzdem verzichten wir am Heimweg freiwillig auf das „Absackereis“ im Eispalast in Lakki.

Es war ein schöner Abend. Wir setzen uns noch ein wenig ins Cockpit, während unsere Klimaanlage das aufgeheizte Schlafgemach herunterkühlt. Dann ist Nachtruhe angesagt, morgen geht es weiter…

Wider Erwarten ist der Sonntag ein Arbeitstag – es geht weiter am Mast von LIBERTÉ!

Arbeitsplatz mit Aussicht

Ok, ich gebe zu, es könnte schlimmer sein! Auf den ersten Blick ist unser Arbeitsplatz am Marinarand, nahe des kleinen Strandes, ein schöner Fleck Erde. Wir haben eine gute Aussicht, es weht eine frische Brise.

Der Haken ist, dass wir natürlich kein gutes Arbeitsumfeld haben – es fehlt an Wasser, Strom und festem Untergrund. Zudem gibt es wenig Ablagefläche für die Werkzeuge, ein Teil des Werkens wird daher auf den sandigen Boden verlegt.

Selbsterklärend ist die fehlende Beschattung – ab Mittag wird´s warm am Oberkopf. Dann sinkt auch der Grad des Wohlfühlfaktors. Wir fangen daher relativ zeitig an.

Die Anbauteile des Mastes

Diesmal kommen wir gut voran und müssen uns wenig ärgern, daher sind wir auch zur Mittagszeit mit dem Abgarnieren des Seldén Mastes durch. Logisch, dass wir die Anbauteile dann sofort an unseren schattigen Arbeitsplatz unter LIBERTÉ verbringen, hier können wir in Ruhe an den Teilen arbeiten oder die zur Bestellung notwendige Recherche betreiben.

Es sollen neue Umlenkrollen für die Fallen verbaut werden, die Teile die wiederverwendet werden, polieren wir auf. Wo notwendig, wird instandgesetzt, Gewinde nachgeschnitten und entrostet.

Klar, dass auch dieser Tag nicht ohne Kollateralschäden abläuft – Werkzeug und Mensch leiden – aber Gott sei Dank in vertretbarem Maße.

Tx20 Bits können schonmal brechen – die Schrauben waren 26 Jahre lang geschlossen
Die Lidl-Arbeitsböcke sind scharfkantig – irgendwo muss der günstige Preis ja herkommen

An diesen Part der Arbeit können wir also einen Haken machen – jetzt heißt es, die Teile zu bestellen. Neue Fallen, ein neues Ankerlicht und die erwähnten Rollen sind zu ordern.

Was wäre noch zu tun? Ja, wir müssen das stehende Gut versandfertig machen! Ok, dann packen wir auch hier noch an…

Neu gestapelt und fest verschnürt
Mit Pappe und Folie gepackt – fertig für die Spedition

So, auch das ist in vertretbarer Zeit erledigt – eigentlich war es ein erfolgreicher Tag! Für einen Sonntag an dem ich an sich schon einen Break ausgerufen hatte, haben wir ordentlich was bewegt.

Warum das alles? Die Herausforderung ist, alles auf eine passende Zeitachse zu bringen. Durch HPs Heimreise am 01.10., gepaart mit der Tatsache, dass Sibylle und ich nochmal Urlaub machen werden und ab 27.09. nicht mehr zur Verfügung stehen, ist der letztmögliche Termin den Mast zu stellen der 26.09.!

Die Versandzeiten für die Ersatzteile betragen, Verfügbarkeit vorausgesetzt, etwa 14 Tage. Die neuen Wanten und Stage werden, nach der Betriebsruhe von Seldén Athen, ab 02.09. in etwa 14 Tagen gefertigt.

Wer sich das vergegenwärtigt sieht rasch, dass dies alles mit heißer Nadel gestrickt ist. Es muss alles klappen, wir dürfen keine Zeit vergeuden.

Zu alledem wabert im Hintergrund immer noch die Arbeit, welche das Prädikat „Priorität 1“ trägt – der Coppercoat-Anstrich des Unterwasserschiffes. Diesen wollen wir in der Zeit von 05.09. bis zum Eintreffen der Mast-Anbauteile erledigt wissen.

Vor diesem Hintergrund ziehe ich mich an mein Laptop auf NESSAJA zurück und erledige Administratives – ich steuere in der Marina einen Termin zum Maststellen am 25./26.09. ein, sage „Meltemi-Rigging“ in Athen ab, da Hans Peter dem Seldén Vertreter den Vorzug gibt.

Das Telefon klingelt – Tom von der BLODUGHADDA ruft an. Ich kenne ihn aus dem „Mittelmeer Skipper Forum“ und er fragt, ob wir Zeit auf ein Bier mit ihm und seiner Gattin Beate hätten – super, ja gerne!

So sitzen wir im „La Palma“ Café und gönnen uns zwei eiskalte Bier, bevor wir weiter ins „SouVLakki“ ziehen – dort sind wir um 19.30 Uhr mit Hans Peter verabredet – es ist schließlich Sonntag 😉 !

Wir ziehen „ein Haus weiter“ – zu unserer Lieblings-Grilltaverna…
…es herrscht eine wunderbare Stimmung
Um diese Zeit ist es noch ruhig im „SouVLakki“

Wir genießen unser Dinner und lassen den Abend bei einem Eis ausklingen. Dann trennen sich unsere Wege und wir gehen, beziehungsweise fahren, zurück auf unsere Schiffe – wir haben uns für den morgigen Montag noch einmal viel vorgenommen.

Ich wache auf, sortiere meine Sinne und verweigere mir das Schlummern – aufstehen, zwei Tassen Kaffee, dann ruft die Pflicht!

Ich treffe mich mit Hans Peter auf dem Parkplatz, wir wollen mit dem Ranger nach Partheni zur Boatyard von „Moor & Dock“

Gleich geht´s los…

Die Werft im Norden ist in direktem Wettbewerb zu unserer Marina. Ich gehe daher nicht regelmäßig dorthin, diesmal ist es aber angeraten, denn die ehemalige „Agmar-Marina“ ist Vertreter von Seldén – wir erhoffen uns, dass wir Kleinteile ohne Aufwand und Versandkosten erwerben können.

Ich nehme es vorweg, das hat nicht geklappt, die benötigten Teile waren nicht auf Lager. Die angebotene Lieferzeit war inakzeptabel und so werden wir diese Kleinteile wohl selber beschaffen.

Auf dem Weg wollten wir uns einer zweiten Problemstellung annehmen – bei einem Terminal welches weiterverwendet werden muss, war das Gewinde etwas verschrammelt und sollte nachgeschnitten werden. Da es sich um ein mächtiges M22 Gewinde handelte, so glauben wir zumindest, gehen wir in die LKW-Werkstatt von Lakki.

Der Eindruck täuscht – hier wird sehr perfekt gearbeitet! Ein ELRING Kunde übrigens

Der Junior Chef, Xristo, greift das Teil und bearbeitet es fachmännisch, aber mit großem, grobschlächtigen Werkzeug. Hans Peter kann gar nicht richtig hinsehen. Beim Nachschneiden des Gewindes klemmt es etwas – das ist eigentlich verwunderlich, denn prinzipiell hätte das Nachbarbeiten geschmeidig gehen sollen.

Ok, erledigt! Wir fahren vom Hof und weiter in den Norden der Insel – ich grüble…

Warum ging das Nachschneiden schwer? Mir schießt es in den Kopf – was, wenn das Gewinde kein metrisches 22mm Gewinde war, sondern ein Zollgewinde??? Dann hätten wir das 600.-€ Teil versaut! Ich beichte Hans Peter meine Sorgen, auch ihm gefriert das Blut in den Adern.

Ich will Zuversicht ausstrahlen und ziehe die unbelegte Vermutung ein wenig ins Lächerliche, doch mein saarländischer Freund lässt mich abtropfen – „…das ist nicht zum Lachen!“, meint er bitterernst und ich gebiete mir selbst Einhalt. Später werden wir feststellen, dass alles passt und perfekt funktioniert – warum ging der Bearbeitungsprozess schwer? Vermutlich weil das Gewinde verformt und voller Schraubensicherung war – alles richtig gemacht!!!

Während wir unterwegs in den Norden der Insel waren, hatte Sibylle den Leihwagen für ihren Sohn in Lakki abgeholt. Sie ist ein bisschen aufgeregt, denn Florian mit Familie trifft morgen ein und alles soll perfekt vorbereitet sein.

Da ahnte Sibylle noch nicht, dass wir später die weiße Möhre bekommen sollten…
Der Junior fährt einen „Quasi-Neuwagen“ vor – diese Eigenschaft wird mehrmals untermauert
Wie vereinbart sind die reservierten Popolift-Sitzerhöhungen für die Buben vorbereitet

Zwischenzeitlich sind auch wir zurück auf LIBERTÉ, das Telefon bimmelt, wir erhalten eine Mail von Seldén Athen, in der uns zugesagt wird, dass wir trotz Betriebsurlaubs unsere Palette mit den Drähten auf den Versandweg bringen können – je früher das stehende Gut am Hof wäre, desto zeitiger könne man beginnen.

Hans Peter meint, dann müsse er wohl mal Platz im Ranger schaffen…

Nein! Das dauert zu lange! Ich sause und hole den Schlüssel vom Leihwagen – wir bringen die Palette zur Spedition, jetzt!

Passt gerade so in den Hyundai i20
Emsiges Treiben – man nimmt sich unserer an

Der Chef persönlich nimmt sich unserer an und stellt die Frachtpapiere aus, das ist immer ein wenig griechisch umständlich, klappt am Ende aber gut! Sibylle kommt mit dem Roller nach, sie ist besorgt um den roten Flitzer.

Sie erklärt mir erst jetzt, dass dieser ihr quasi als „Neufahrzeug“ feilgeboten wurde, sie mache sich Sorgen, dass wir den feinen Wagen als Lastenmuli missbrauchen. Sie habe sich zudem überlegt, dass sie fürchtet, dass die Enkelchen das neuwertige Automobil (>40.000km 🙂 ) beschmutzen könnten und sie deshalb die Karosse gegen eine weniger hochwertige tauschen wolle – und zwar jetzt!

Ich erkenne diesen Wunsch als Befehl und chauffiere den edlen Wagen zu Rena und Ioannis´ Autovermietung, dort treffen wir uns…

Der rote ist zu gut für uns – wir nehmen den weißen Flitzer

Wir tauschen – roter Renner gegen malade Möhre, für mich ok – aber für das altersschwache Vehikel braucht´s auch gleich eine Einweisung – „…den Zündschlüssel IMMER stecken lassen (er ist mit zwei Ratschbändern an der Lenksäule fixiert), das Auto nur und ausschließlich mit dem Türschlüssel sichern – wenn überhaupt…“

Kein Problem, machen wir. Ich hätte Florian das neue Wägelchen gegönnt, da hätte wenigstens die Klimaanlage funktioniert – aber eigentlich stimmt es schon, auf den jetzigen muss man einfach nicht wirklich aufpassen, die weiße Klapperkiste erfordert tatsächlich weniger Aufmerksamkeit.

Das nutzen wir sofort und fahren alle Supermärkte der Insel ab – Sibylles Plan sieht vor, dass wir alle Gebrauchsgüter und Lebensmittel die keine Frischwaren sind, bereits heute kaufen und im Ferienhaus des Filius stauen – wie könnte ich da widersprechen???

Ich bin zuständig für die wirklich wichtigen Waren und muss diese ordnungsgemäß ihrem finalen Lagerplatz zuführen.

Das Wichtigste hätten wir schonmal

Geschafft! Wir gönnen uns auf der Terrasse des wunderschönen Anwesens eine Tüte Fruchtgummi und sind angefixt vom Rausch des Süssen – so beschließen wir, dass wir am Heimweg nicht links in die Marina abbiegen, sondern den Umweg über Lakki wählen und dort einen Boxenstop bei „Repapis“ machen!

Dieses Eis war wohlverdient – erst dann fahren wir auf NESSAJA zurück, verräumen auch unsere Einkäufe und stellen den Nachmittag zur freien Verfügung. Nur noch einmal schlafen…

Heute gibt es Pizza – wir haben beschlossen, dass wir die Pizzeria am Koulouki Strand noch einmal ausprobieren. Ich war dort einmal mit einer Gruppe Seglern aus Österreich und hatte sie als rudimentär aber solide in Erinnerung – man sitzt schön, also wollte Sibylle probieren, ob es sie eine Alternative zu unserer Stammpizzeria „La Nostra“ ist.

Vorher gehen wir duschen und sind überrascht, was sich zwischenzeitlich an Gaben vor unserem Lokus angesammelt hat – das Bänkchen vor der Sanitäranlage sieht aus wie ein mittelgroßer Marktstand…

Ein willkomenes Geschenk – für Katzen, Mäuse und vielleicht sogar Ratten

Ich bin sowas ähnliches wie fassungslos – das ist doch wirklich nicht zu Ende gedacht! Lebensmittel nicht wegwerfen ist eine Sache, diesen Weg gehe ich voll mit und auch wir bekommen oft etwas von befreundeten Seglern geschenkt. Aber solche Dinge legt man doch nicht öffentlich ab – wer nimmt das denn??? Das funktioniert doch nur bei direkter Übergabe aus bekannten Händen, oder?

Naja, sei´s drum, ich werde das nicht ändern können, Denken ist eben oft auch Glückssache.

Sibylle kommt auch aus der Dusche. Wir machen uns landfein und fahren ans andere Ende von Lakki zur „Koyloyki Pizzeria“…

Ein wunderbare Stimmung am Weg dorthin…
…heute reisen wir mit dem Wagen an – die bleiche Blechkiste schafft die 5km
Die Terrasse des Lokal ist weitläufig

Wir setzen uns an den kleinen Tisch an dem Baum in der Mitte – ein Sitzplatz in erster Reihe wird uns verwehrt, man wisse ja nicht wie der Andrang am heutigen Abend sein würde. Tatsächlich kamen später noch einige Besucher, dass nicht alle Tische an der Waterfront besetzt wurden, muss ich wohl nicht extra erwähnen – der erste Minuspunkt war bereits vergeben.

Wir ordern, zum Glück, nur eine große Pizza und einen griechischen Salat – warum weiß ich auch nicht, war es eine Vorahnung?

War ok

Ich mache es kurz – das Lokal hat uns nicht erreicht, es wird keinen weiteren Versuch mehr geben.

Die Pizza war ok, man könnte leidlich diskutieren, ob sie nun gleich gut wie im „La Nostra“ war oder ob unsere Stammpizzeria nun doch die Nase vorne hat – aber in der Kür verliert dieses Lokal deutlich!

Der Service war ok, aber diese nette, menschliche Sympathiekomponente hat gefehlt, das Ambiente ist nicht als solches zu bezeichnen und das Preisniveau liegt etwas über dem des „La Nostra“.

Wir gehen ernüchtert nach Hause, das hatten wir uns anders vorgestellt.

Morgen kommen die Kinder und Enkel!!!

Der Tag beginnt mit einer Erhöhung der Schlagzahl, noch während ich Kaffee trinke! Hans Peter hatte eine gute Idee, wir bauen ein teures Ersatzteil für den Mast um, so dass repariert werden kann, anstelle es durch das kostspielige Tauschteil zu ersetzen. Dafür würden wir Giorgos Hilfe brauchen! Ich hatte also den Tüftler aus Kamara bereits gestern kontaktiert – heute kommt seine Antwort…

„Ok Mario, no problem, come NOW!“

Ich schreibe eine WhatsApp an meinen Freund aus dem Saarland – „…wir müssen zu Giorgos, JETZT!“

Bereits zehn Minuten später sind wir auf dem Weg zu „Boat & Parts“ in Kamara. Am Parkplatz unserer Marina fordere ich nochmals einen kurzen Halt, denn ich muss ein Foto machen – völlig themenfremd und aus dem Zusammenhang gerissen, dennoch will ich euch meine Gedanken nicht vorenthalten…

DAS gefällt mir – KTM 790 Adventure

In mir reift der Plan, dass ich die gescheiterte Weltreise zu meinem Vorteil nutze und nie mehr fliegen möchte. Tatsächlich informiere ich mich diesbezüglich und checke existierende Zug-, Fähr-, und Busverbindungen von Athen nach München – das alles klingt spannend.

Ein weiterer Teil dieser Idee ist es, meine GS durch ein mehr reisetaugliches All-Terrain Bike zu ersetzen. Da kommen mehrere in Frage und ich sammle Informationen. Eine solche KTM hatte ich noch nicht am Schirm – muss ich mich mal etwas aufschlauen!

Ach, für die Motorradbegeisterten unter euch – der bisherige Favorit im Preis / Leistungs / Gewicht Ranking ist die Yamaha Ténéré 700 😉

Zurück zum Thema – wir kommen in Kamara an und schildern Giorgos unser Problem und die Idee dies zu lösen. Der Tausendsassa legt sofort los…

An der Drehbank wird ein Bolzen auf Maß gefertigt

Es ist schon eine seltsame Auslegung, die Seldén da an den Masten macht – es sind bei LIBERTÉ drei Fallenscheibenkästen (was für ein wundervolles, deutsches Wort) verbaut – bei zweien kann man die Rolle, die Fallenscheibe, entnehmen und bei Verschleiß tauschen – Preis einer Rolle rund 30.-€, das wäre an sich schon teuer genug.

Bei einem jedoch, ist die Achse beidseitig gestaucht und der Fallenscheibenkasten soll komplett erneuert werden, hier werden lässige 190.-€ aufgerufen, also rund 160.- unnötige Talerchen!

Dieses Problem haben wir gelöst, der Kasten wird auf eine tauschbare Rolle umgerüstet, die Scheibe selbst ist die gleiche wie die anderen auch und kann als Einzelteil bestellt werden…

Nach einer Stunde war die Challenge gewonnen – der Preis war mehr als akzeptabel

Wir wollten gerade den Nachhauseweg entreten, da kommt Giorgos Frau mit der kleinen Annamaria am Sozius – ein Bild für Götter! So geht Nahverkehr in Griechenland…

Übrigens haben griechische Mütter schon auch Helikopteransätze, aber alles in allem bleiben sie ziemlich geerdet – jedenfalls werden die kleinen Prinzessinnen und Racker nicht mit dem SUV chauffiert.

DAS ist MEIN Griechenland – Roller, Coffee to go, hübsche Mütter mit ihren kleinen Prinzessinnen

Die Zeit reicht für etwas Small-Talk und einen kurzen Austausch. Ich erzähle, dass heute die Familie eintrifft und wir für zehn Tage „Family Business“ haben werden.

Alle freuen sich für mich und vor allem Sibylle und wünschen eine gute Zeit, wir verabschieden uns…

Zuhause auf NESSAJA angekommen, treffe ich meine Gattin. Auch Sibylle ist vom Einkaufen zurück und kocht bereits vor – ich muss mich an den Gedanken gewöhnen, dass „Grillen“ für die nächsten zehn Tage anders funktioniert als die letzten zwei Monate, ich schmunzle in mich hinein.

Ich zeige ihr das Foto von Katerina und Annamaria auf dem Roller und erwähne beiläufig, dass ich mit Otto auch mal eine Runde Motorrad fahren werde. Natürlich kannte ich die Antwort – ich wollte nur mal testen wie lange es dauert bis sie gegeben wird! Ich sage nur – nicht messbarer Millisekundenbereich…

„Auf keinen Fall! Viel zu gefährlich!!!“

Es beginnt eine Wartephase, die der ähnelt, die wir als Kinder beim Warten auf das Christkind erlebt haben – die Aufregung bei meiner Gattin steigt, sie trackt die Flüge der Familie – jedes Mal wenn ein Zwischenziel erreicht wird, folgt der Ausruf – „Gott sei Dank!“

Ich beschwichtige – „…wird schon alles klappen!“ und denke mir, dass ich als Kind immer „Sendung mit der Maus“ ansehen durfte – ob das bei Sibylle auch helfen würde?

Wir müssen noch einmal in die Stadt fahren, die frischen Artikel wie Fleisch und Salat kaufen. Alles zusammen bringen wir ins Haus in den Kühlschrank – soweit der Plan.

Am Weg zum Einkaufen „finde“ ich ein herrenloses Kabel

Als wir über den Steg schlendern, fällt mir auf, dass unsere neuseeländischen Nachbarn bei ihrer finalen Weiterreise in die Türkei ihr Stromkabel am Steg haben liegen lassen – es baumelt verdächtig nah am Wasser. Ich sammle es ein und bringe es an Bord. Wenn sich der Mann die nächsten Tage meldet, dann bekommt er es natürlich wieder, wenn nicht, dann habe ich ein neues Kabel.

Wir fahren also nach Lakki und statten unserem Lieblingsmetzger „Xatzigrigoriou – Artisan Butchery“ einen Besuch ab. Ich liebe diesen Laden!

Ein ganz toller, besonderer Metzger

Wir fahren die Sachen gemütlich zum Haus, räumen alles in den, inzwischen reichlich gefüllten, Kühlschrank und erkennen – mehr kann man nicht tun!

Dafür müssen wir uns belohnen – ich überlege schon, wie ich Sibylle beibringen kann, dass wir auf der Rückfahrt einen Schlenker bei „Repapis“ einlegen müssen, als sie mich ansieht und meint – „…wollen wir ein Eis essen?“ Ich staune nicht schlecht…

Klar wollen wir! Ich antworte aber taktisch gelangweilt, dass ICH gerade gar nicht unbedingt eines wolle, aber ich ginge gerne mit ihr! Innerlich jubiliere ich…

Ich gönne mir drei Kugeln…
…und auch meine Frau genießt – einen Moment lang vergisst sie ihre Anspannung

Noch einmal fahren wir zurück in die Marina, noch knappe zwei Stunden, dann würden die Enkelchen Otto und Benno nebst Eltern hier eintreffen.

Ich freue mich auch, es ist nun doch wieder fast vier Monate her, als wir uns das letzte Mal gesehen haben. Das ist ok für mich, nichtsdestotrotz sehe auch ich den kommenden, gemeinsamen Tagen freudig entgegen.

Ich habe mir die Zeit freigeschaufelt – keine Arbeit die mich drängt. ELOWYN muss übermorgen gekrant und saubergemacht werden, aber das bekommen wir hin. Darüber hinaus haben wir ZEIT!

Als ich in der Marina ankomme, muss ich wiedermal all meine griechische Gelassenheit ausspielen…

September steht vor der Türe – die Parktrottel sind wieder da

Natürlich schafft es einer, die Hinweisschilder für die PKW Parkplätze zu ignorieren, natürlich parkt der Hanswurscht in der Auffahrtrampe für die Liefertrucks, die von der Kaimauer wieder nach oben fahren wollen – dass er dann auch noch die zwei Moppeds zuparkt kann eigentlich nur noch als Randnotiz gewertet werden.

Naja, die Lücke die er gelassen hat reicht aus, um die BMW mit zweimal rangieren auszuparken – was soll´s, ich rege mich nicht auf. ICH NICHT!!!

Sibylle setzt sich auf „ihren Platz“ und wartet, zermürbende Minuten zerren an ihren Nerven. Auf einmal höre ich – „…ohje, der Flug ist weg! Auf der Webseite des Athen Airport war der Flug von ATH nach LRS den ganzen Tag zu sehen, jetzt ist er weg!!!“

„Der Flug ist weg!“

Ich kann nicht helfen, versuche aber zu beschwichtigen und wiederhole gebetsmühlenartig, dass wohl alles klappen wird. Würde etwas schief laufen, dann wäre sie sicher die Erste, die davon erfährt.

Meine Worte hört sie wohl, ich aber merke, dass diese verhallen. Abhilfe schafft erst eine Nachricht des Sohnes – nebst Beweisfoto!

„Wir steigen gerade in den Flieger nach Leros, alles läuft nach Plan!“

Reisen mit den Knaben

Juhu, DAS war die Erlösung! Gleichwohl aber auch sowas wie ein imaginärer Marschbefehl.

Wir haben von jetzt an eine Stunde – zum Flughafen brauchen wir entspannte 20 Minuten, ich kann also noch rund 40 Minuten gemütlich sitzen – dachte ich!

„Wir müssen langsam los! Wir wissen nicht ob Stau ist, zudem wollen wir noch tanken. Bedenke, dass das Motorrad nicht anspringen könnte“

Ah, Stau auf Leros! Klar, dass müssen wir einplanen, wie alle anderen Risiken auch – ich widerspreche nicht, es hat keinen Sinn. Wir richten uns zusammen und machen uns auf den Weg zum Flughafen…

Noch bevor ich den Boliden starten kann, braust Sibylle an mir vorbei

Klar, dass wir nach weniger als 20 Minuten am Airport waren! Ist aber wirklich egal, denn hier gibt es immer was zu sehen – außerdem teile ich die Vorfreude mit meiner Gattin.

Ich parke das Motorrad und wir warten…

Dauert nicht mehr lang

Dann auf einmal geht es schneller als erwartet. Der Flieger landet heute aus der anderen Richtung und kann so, unbemerkt von uns, aufsetzen und vor das Terminal rollen.

Er war fast eine Viertelstunde vor der Zeit, was uns Wartenden doch entgegenkam. Endlich, JETZT hat das Warten ein Ende, der wochenlang herbeigesehnte Tag ist da!

Da sind sie drin – wir winken
Ich bleibe am Zaun und mache Bilder – Sibylle ist schon im Terminal
Da sind sie – willkommen auf Leros

Jetzt gehe auch ich ins Terminal – ich weiß, dass es in Leros ganz schnell geht, da es weder Transfer noch Wartezeiten auf das Gepäck gibt.

Sicher hat Sibylle die Enkel und Kinder schon fest gedrückt und herzlich begrüßt, ich will ihr da auch gerne den Vortritt lassen. Jetzt aber wird es Zeit „Hallo“ zu sagen und die Familie auf unserer Heimatinsel willkommen zu heißen. Es ist der erste Besuch von Florians Familie.

Da stehen sie ja schon – ich möchte noch ein Foto machen…
…welches ich unter dem Ansturm der Racker doch ein wenig verwackle
Die Beiden kennen mich noch wie es scheint – die Freude ist riesengroß

Wenn Du eine Reise tust, dann kannst Du was erleben. Unsere Kinder und Kindeskinder haben einen vollen Reisetag im Kielwasser – alles hat minutiös geklappt, bis jetzt!

Denn tatsächlich und wider Erwarten, ist das Reisegepäck unseres Besuches in Athen geblieben. Die Verlader haben es nicht geschafft innerhalb der Transferzeit von etwas mehr als einer Stunde, die Koffer umzuladen.

Es musste also, nach einer gewissen Wartezeit, noch ein Formular ausgefüllt werden. Natürlich haben wir gegrübelt, was alles Wichtiges im Koffer ist, haben uns gleichwohl die Freude aber nicht verderben lassen.

Egal, morgen ist auch noch ein Tag, das Gepäck wird schon kommen – irgendwann!

Wir machen uns auf den Weg ins Haus nach Xirokampos, einmal quer über die Insel.

Sibylle ernennt sich zur Reiseleiterin und Chauffeurin in Personalunion – Platz war ja im Wagen, so ohne Taschen

Sibylle wählt den langen Weg am Meer entlang, die Gäste sollen einen perfekten ersten Eindruck bekommen. Das hatten wir vorher so besprochen und das hat, meiner Ansicht nach, auch super geklappt.

Die tiefstehende Sonne taucht die Bucht von Alinda und Agia Marina, sowie das Kastell und die Windmühlen in ein warmes Licht. Wir erhaschen einen kurzen Blick auf Panteli und Vromolithos, bevor wir durch Lakki fahren – plötzlich blinkt Sibylle links…

„Repapis“??? Nanu, da waren wir doch vor zwei Stunden? Meine Frau erklärt mir, dass sie „…aus Versehen…“ das Wort EIS erwähnt habe, nun hätte sie nicht am Eisparadies vorbeifahren können. Die Kinder wollen ein Eis, ich müsse das verstehen!

Zwei Kugeln Schlumpfeis bitte

Klar verstehe ich das! Um ein Zeichen zu setzen, dass es das „Kind im Manne“ wirklich gibt, bestelle ich mir auch ein Eis – Erdbeere und Zitrone.

Ich frage die Buben aus was Erdbeereis gemacht wird „…aus Erdbeeren!“, so der Tenor. Und aus was wird Zitroneneis gemacht? „…aus Zitronen!“

Meine Frage, aus was dann Schlumpfeis gemacht wird, bleibt unbeantwortet. Sibylle schaut mich böse an, ich lächle in mich hinein.

Der Papa der Beiden gönnt sich seinen ersten Frappé – so schmeckt Griechenland! Schön, dass ihr da seid.

Wir setzen die Fahrt fort, es ist schon langsam Zeit für´s Abendessen!

Angekommen! Mangels Koffer brauchen wir keine Zeit zum Auspacken
Florian und ich gönnen uns ein Willkommensbier
Angekommen! Prost!

Natürlich wird das neue, temporäre Heim erstmal beschnuppert – dafür muss Zeit sein, auch wenn diese unglaublich schnell verronnen ist.

Alle gehen einmal durchs Haus, die Buben erkunden das recht große Grundstück…

Wo ist was?

Der Abend verläuft wunderbar – wir grillen miteinander, essen zusammen und klönen, bis die Kleinen ins Bett fallen wie gefällte Bäume. Der Ouzo als Absacker gibt auch uns Erwachsenen den Rest und so verabschieden wir einander gegen 22.00 Uhr – morgen ist auch noch ein Tag, ab morgen geht es richtig los!

Sibylle und ich gehen auf NESSAJA und lassen den Tag Revue passieren – hat doch alles perfekt geklappt – bis auf´s Gepäck…

Spaß mal beiseite – Florian hat dringend benötigte Arbeitsutensilien im Reisegepäck, die Kinder ein paar ersehnte Spielsachen, klar ist auch die ganze Kleidung und der Kulturbeutel in den Koffern. Es dürfte auf der Hand liegen, dass das Gepäck beim Reisen mit Kindern essentiell ist – dies zu beschaffen, wird unsere erste Aufgabe am kommenden Tag sein!

Der neue Tag bricht an, wir stehen ohne schuldhaftes Verzögern auf. Auch Sibylle legt ganz neue Energie an den Tag – die Familie wartet auf die Brotlieferung! Natürlich besorgen wir auch die von den Knaben so geliebten Schokocroissants…

SIE SIND DA!

Sibylle ist der „frühe Vogel“

Die gemachte Aussage gilt in zweierlei Hinsicht. Ja, die Familie ist da, wir freuen uns auf die zehn Tage die vor uns liegen.

Aber auch die Amici sind zurück und bevölkern die Marina – und es wird sofort um ein paar Dezibel lauter!

Sind es wirklich Landsleute aus „Bella Italia“? Wie kann ich das so steif und fest behaupten? Nun, das schallende „Allora“ ist ein erstes Indiz, ein weiterer eindeutiger Hinweis sind Männer in sehr kurzen Bademänteln, die durch die Marina spazieren – Sibylle lugt und wartet immer auf den entscheidenden Windstoss…

Nicht nur sie fragt sich – „…was trägt der Italiener unter dem zu kurzen Bademantel?“ Vielleicht kann es ein Schotte beantworten?

Ich übertreibe nicht und ich will es nicht verallgemeinern – aber zumindest die Italiener in unserer Marina sprechen IMMER! IMMER! Auf dem Moped, bla. Auf dem Weg zur Dusche, blabla. Beim Arbeiten, blablabla. Morgens, tagsüber, nachts – IMMER – blablablabla. Es ist der Wahnsinn, wenn sie nicht sprechen sind sie vermutlich ohnmächtig.

Hierbei nehme ich die Italiener mit denen ich befreundet bin natürlich aus 😉 – und ich verweise ganz deutlich auf den Zwinkersmiley! Ernsthaft, man merkt, dass die beliebte Nachsaison langsam anläuft, es ist wieder mehr los hier in der Leros Evros Marina.

Ich muss die Kurve kriegen – zurück zu unserem heutigen Tagesplan…

Unser Hauptengagement gilt dem Gepäck! Sibylle und ich kennen die Griechen inzwischen, wir vermuten, dass es die beste Lösung ist, wenn wir selber nach dem Gepäck sehen – ich fahre also zum Flughafen. Und siehe da…

Das Gepäck ist inzwischen auf Leros

Genauso habe ich mir das vorgestellt. Das Gepäck ist da, aber keiner kümmert sich darum. Ich bin überzeugt, dass es früher oder später angekommen wäre. Wer mit später zufrieden ist, der kann das sicher aussitzen – wir aber haben auf früher spekuliert, dann muss man sich selber kümmern!

Und was wäre ein richtiger griechischer Opa, wenn er sich nicht die hellenischen Transportmethodiken schon angeeignet hätte? Ich informiere die Familie und gebe Entwarnung – das Gepäck ist in 30 Minuten da!

Dann lade ich mein Muli…

Sitzt, passt, wackelt und hat Luft

Gut bepackt tuckere ich gemütlich nach Hause, dabei immer das griechische Mantra, den Leitgedanken, im Kopf – „siga siga“, immer schön langsam.

Nach knapp 30 Minuten bin ich im Haus und kann das Gepäck abstellen. Papa Florian hat sich ein remote Office aufgebaut, die Mama ist mit Sibylle und den Buben schon am Strand. Da gehe ich auch hin – sofort! Das kühle Bad habe ich mir verdient, ich habe Urlaub!

Familienlager im Schatten

Am kleinen Strand unterhalb der „Psarotaverna To Kyma“ haben wir uns ein Familienlager im Schatten aufgebaut. Von hier aus werden die Bengel abwechselnd bespasst.

Den Mini-Beach haben wir fast für uns alleine, das ist Ende August keineswegs selbstverständlich! Wir genießen das.

Zeit füreinander

Wir baden, tauchen und bewundern Ottos Schwimmkünste – ok, ein bisschen helfen wir noch, aber es fehlt nicht mehr viel.

Natürlich bleibt auch reichlich Zeit zum Faulenzen, das genieße auch ich, denn ein wenig merke ich durchaus die Arbeitsleistung und den Druck der letzten Wochen. Eine gute Gelegenheit, sowohl für mich wie auch für Hans Peter, etwas durchzuschnaufen und Energie für den Endspurt ab 06.09. zu generieren.

Mittags kommt Florian dazu und es versteht sich von selbst, dass wir im „To Kyma“ unseren kleinen Lunch einnehmen.

Es war wirklich gut

Ich erinnere mich an die kleine, einfach Taverne. Es war 2010 unsere erste Einkehr in Griechenland. Susanne hatte uns von der Fähre abgeholt, wir waren seinerzeit Interessenten für deren Bavaria 390 Lagoon WINDSPIEL, welche wir später auch gekauft haben. Wir sind, noch bevor wir ins Haus als Gäste einziehen durften, in diese Taverne, wo es laut Bekunden der Freundin „…die besten Kalamari weit und breit gäbe!“

Die Taverne, das Haus, Susanne – ich hätte damals, im Jahr 2010 NIE geahnt, welche Rolle diese Dinge in meinem Leben spielen würden. Viel hat sich geändert, aber Susanne ist uns als Freundin erhalten geblieben und Leros ist uns zur neuen Heimat geworden.

Wir speisen sehr gut, einfach aber frisch und wirklich preiswert. Dann gehen wir mit den Buben zurück zum Strand, Florian muss noch einmal an den Computer.

Griechenland – recht ehrlich und authentisch
Ein Ort, an dem nicht nur die Zeit still zu stehen scheint

Wir gehen noch einmal ausgiebig schwimmen, die Buben machen einen kleinen Mittagsschlaf – auch ich tu´ so als ob ich ein Nickerchen mache, ich will ja Vorbild sein! Ehrlich, ich hab´ nur so getan…

Dann ist Programm angesagt! Wir packen unsere Siebensachen, verräumen das Schwimmzeug und holen das Auto. Es soll in die Eisdiele gehen und danach steht ein Besuch auf NESSAJA an.

Auf zu „Repapis“
Otto liebt Schlumpfeis – ganz egal wieviele der blauen Kreaturen dafür in den Mixer müssen

Nachdem die Eiskugeln vertilgt waren, steuerten wir das Leihmobil in die Leros Marina Evros – schnurstracks zum Ponton F, an dessen Ende unser Zuhause liegt.

Die Kleinen waren neugierig, wo und wie wohnt die Oma? Auch Sonja wollte natürlich mal sehen, wie wir zwei da so hausen.

Also wurde unser Schiff geentert und bis in den kleinsten Winkel durchsucht.

Doch zunächst mussten wir an Wachhund Merlin vorbei – können wir das schaffen? Ja, wir schaffen das! Merlin und die Jungs haben rasch Freundschaft geschlossen.

Das mag er

DER BESUCH AUF NESSAJA

Los Piraten – über die Planke
Hier geht´s runter – besser rückwärts
Gemütlich hier
Ottos Resümee – „…alles da was man braucht!“
Auch an Deck gibt es viel zu entdecken
„Opa, für was ist das?“ – ich erkläre die Funktion einer Winsch, klingt komisch, ist aber so
Dann noch ein Rundgang über Deck

Bevor die Leichtmatrosen wieder abmustern, entdecken sie noch meinen „Käpt´n Blaubär und den Matrosen Hein Blöd“. Kinder ihrer Geburtsjahrgänge kennen diese Figuren nicht mehr, hier tut Nachhilfe not, welche ich zu leisten imstande bin!

Der erste Besuch war erfolgreich, wir werden sehen was noch kommt. Es hat ihnen gefallen, auch das „Kinderzimmer mit eigenem Kinderklo“ ist eine Versuchung. Da bahnt sich was an…

Sibylle und Sonja ziehen mit den Buben weiter, ich muss an ELOWYN noch etwas vorbereiten, schließlich wird der blaue Riese morgen früh gekrant. Wir verabreden uns um 18.30 Uhr am Haus.

Ich schleiche über den Platz – im Kran hängt eine große „X-Yacht of Denmark“ welche unter dänischer Flagge segelt. Ich weiß aus unseren Dänemarkurlauben, dass die Dänen ihren „Danebrog“ sehr ehren und die Flage schon als Statement nutzen – aber so???

Manchmal ist weniger mehr

Selbst bei der großen X ist diese Nationale irgendwie zu groß. Ich liebe ja die Seemannschaft und oute mich da auch gerne – die Flaggenetikette besagt hierzu, dass Flaggen die das Wasser dippen, den Traditionsschiffen vorbehalten sind – dazu gehört selbst eine X noch nicht. Ok, geht mich nichts an – ich wende mich also meinem Patenschiff zu – unmissverständlich prangt das morgige Datum auf dem Ruderblatt…

29.08.2024 – keine Fehlinterpretation möglich
Morgen kommt der Riese wieder in sein Element

Meine Arbeit an Deck ist rasch erledigt. Ich muss die Lenkräder montieren, die Fender und die Festmacher vorbereiten und, last not least, das Stromkabel abstecken und an Deck bringen – das war´s, nach einer Stunde ist der Spuk vorbei und ich kann nach Xirokampos zum Haus fahren, um mich dort mit der Familie zu treffen.

Ich war verschwitzt und schmutzig von der Arbeit an Deck – auf dem Weg gönne ich mir noch einen Sprung ins kühle Nass um mich herunterzukühlen. Umziehen und abbrausen kann ich mich am Haus – dann ein kühles Bier und das abendliche Rahmenprogramm kann starten!

Der Tag klingt aus

Sibylle hat vor einigen Wochen in den Sozialen Medien gelesen, dass ein kleines „Holi – Festival of Colors“ in Leros stattfindet. Ein Blick in das Programm des Monats, welches auf der Webseite von „The-Leros-Way“ publiziert wird, bestätigt – „Happy Elephant“ ist auf Inseltour.

Hierbei handelt es sich um eine Art Kinder-Aktionsmobil, welches allerlei Spiele und Games, unter anderem auch die erwähnte Holi-Colors Aktion, mitbringt.

„Happy Elephant“ tingelt über die Inseln der griechischen Ägäis um Kindern Spaß und Freude zu bereiten. Station heute – Leros! Klar, dass wir dort unsere Aufwartung machen.

„Happy Elephant“ am Strand von Gourna

Wir kommen ein wenig nach dem offiziellen Beginn und das Festival ist in vollem Gange. Wir fragen uns, warum noch so viele Menschen im Meer baden, erhalten aber schon Augenblicke später die Antwort auf diese Frage – die baden nicht, die waschen sich!!!

Ok, eine abgespeckte Form von „Holi-Colors“ – aber den Kindern und Jugendlichen macht es Spaß
Hoffentlich schimpft Muddern nicht…
…und Vaddern auch nicht

Eine Riesensauerei, eine Riesengaudi! Die Kinder haben Spaß und freuen sich – nur unsere nicht!

„Wollt ihr Bogenschießen?“ „Nein!“ „Wollt ihr mit Farbe schmeißen?“ „Nein!“ „Was wollt ihr dann?“ „Wir wollen heim, wir haben Hunger…“

Ok, wir kapitulieren und fahren nach Lakki. Florian meldet einen Gelust auf „…sowas wie Giros…“ an und es ist klar, dass wir das „SouVLakki“ in höchsten Tönen lobpreisen. Am Weg haben wir noch die Gelegenheit den Sonnenuntergang zu sehen – gerade für Urlauber doch immer wieder ein gerne genommenes Spektakel. Auf Leros nirgends so schön zu erleben wie in Gourna.

Die Sonne geht über der Bucht von Gourna unter

Vorher gehen wir mit den Knaben noch eine Runde zur Hüpfburg, diese kommt deutlich besser an als das Festival zuvor. Dann endlich ist es soweit – die ganze Familie ist ausgehungert und darf sich jetzt nach Herzenslust griechische Grilldelikatessen bestellen!

Das tun wir auch – wir bestellen und mampfen als gäbe es kein Morgen mehr. Die Nacht bricht herein und die Kinder bestaunen die beleuchteten Schiffe in der Lakki-Bucht sowie das Einlaufen der Fähre.

Hat uns super geschmeckt – „…liefern die auch?“

Florian regt einen Absacker im Haus an – „…wie wäre es mit einem schnellen Ouzo? Wir haben Eiswürfel!“

Ich hake sofort ein, bejammere die mir geraubte Lebensqualität durch die Zustimmungsverweigerung meiner Gattin zum Erwerb einer Eiswürfelmaschine – und ich sage zu! Unabgestimmt! Das hat sie jetzt davon!

Spät endet der Abend und wir fahren zurück auf unsere NESSAJA. Morgen müssen wir früh raus, ELOWYN hat Krantermin um 08.15 Uhr! Ich stelle den Wecker auf 07.00 Uhr.

Sonja will uns mit den Buben besuchen, sie wollen den „groooooßen Kran“ in Aktion sehen – „…wir sind um 08.30 Uhr da!“

Nächster Morgen – 08.30 Uhr. Keine Spur von Sonja und den Enkelsöhnen! Sibylle und ich sind uns einig, die Schwiegertochter hat das griechische Lebensmodell schnell inhaliert 😉 – schade für die Jungs, denn Giannis kennt kein Pardon, alles muss schnell gehen!

Sibylle, Hans Peter und ich sind die Crew
Um 08.15 Uhr ist der große Kran am Platz – gleich geht´s los
Bereits 20 Minuten später hängt der Bolide in den Gurten
„Crane Operator“ Giannis fährt ELOWYN direkt zur Krangasse – das sind nur ein paar Meter
Das 44 Tonnen schwere 21m Schiff schwebt mit angehobenen Kiel frei über dem Boden
Der Kran kann auf der Stelle drehen – 90° nach rechts und schon hat man die Gasse vor dem Bug
Jetzt noch langsam ablassen – dann ist die Aktion geschafft
09.00 Uhr – die Crew steigt über die hintere linke Ecke zu

Nachdem ja bekanntlich beim Bootfahren gar nichts ohne Probleme klappt, darf ich mich diesmal zum Idioten machen. Ich habe, einmal wieder, vergessen wie man die einfahrbaren Bug- und Heckstrahlruder ausfährt. Das System ist für mich nicht logisch und ich kann es mir nicht merken…

Ich stehe also da, probiere autodidaktisch – klappt nicht! Ich schreibe Volker an – antwortet nicht! Ich google die Bedienungsanleitung und lese in Ruhe – Minuten werden zu Stunden…

Aber es zeigt sich – „Ruhe bewahren“ hilft! Ich finde den entscheidenden Passus und kann die Helferlein „scharf schalten“. Jetzt heißt es „Leinen los!“ Unsere Fahrtstrecke – etwa 70 Meter!!! 😉

Ich fahre aus der Gasse, Ruder leicht nach rechts, bis vor die Lücke, Ruder leicht nach links, Arsch dreht ein – aufstoppen, rückwärts fahren und mit Bug- und Heckstrahlruder zielen! Passt! Wir treffen die Lücke, ich stoppe auf und die Heckleinen gehen über.

Während wir festmachen, trifft Sonja mit den Buben ein und begleitet unser restliches Manöver als Zuschauer.

Muring durchsetzen – Heckleinen anholen und belegen! Motor stop
Leider können wir die Gangway wegen der Stromsäule nicht verwenden – ein Brett hilft

Klar, dass sich die Racker einmal an Bord von so einem großen Schiff umsehen wollen. Wir bitten die Dreikäsehoch an Bord und führen sie einmal herum.

„Nicht stolpern und nirgends einzwicken!“
Wir müssen stets aufpassen, denn schwimmen können sie noch nicht
Rumsausen und Entdecken macht Durscht

Irgendwie hatten wir Pech – neben uns lag, als wir unser Anlegemanöver gefahren haben, ein Motorkatamaran unter italienischer Flagge. Wir wussten, dass die Manschaft sich zum Ablegen vorbereitet.

Wären sie abgelegt bevor wir gekommen wären, wir hätten deren Platz gewählt, weil wir dann unsere Gangway bei geschlossener Heckklappe hätten verwenden können.

Jetzt aber hätte es der Anstand verlangt, dass sie solange warten, bis wir mit unserem Manöver fertig sind, bevor sie ablegen – der Marinero kann nur einem Schiff seine volle Aufmerksamkeit widmen. Es kam wie es kommen musste – der Amici war eben wenig empathisch, er war auch ein miserabler Skipper, denn er hat schlichtweg „vergessen“, dass er die Muring loswerfen lässt.

Großes Geschrei! Der Marinero plärrt den Azzurri an, dieser kann seinem persönlichen Maßstab nach „bella figura“ nicht entsprechen und kurbelt wild aber wenig elegant oder gar zielorientiert am Lenkrad – seine Crew? Vollausfall! Die stehen mit hochgezogenen Schultern da!

Der Marinero vergisst, unsere Leinen zu belegen, wir machen es selber. Der Motorkat dreht sich durch die noch belegte Muring nahe zu uns und ich bin genötigt, obwohl ich eigentlich mein Steuer in der Hand halten und meine Crew anleiten muss, dessen Heck von unserer Bordwand abzuhalten.

Sekunden des Chaos, nur weil ein unfähiger Idiot nicht zwei Minuten warten kann und unaufgefordert und zudem falsch handelt. Es muss raus – diese Deppen werden mehr! Ich fange an zu hassen! Ich lerne an diesem Tag, dass es Misanthropie gibt und werde mich damit befassen. Mit etwas Rücksichtnahme wäre alles geschmeidig gelaufen – aber leider ist Rücksicht im Jahr 2024 nicht mehr „en vogue“.

Wir liegen jetzt gut und sicher. Ich will nicht umlegen, wir steigen über das Brett ein.

JETZT ist der Platz an steuerbord frei

Ich bedanke mich bei Hans Peter, der Freund ist in solchen Situationen ein verlässlicher und sicher agierender Partner. Sibylle weiß auch was sie zu tun hat und kennt mein Handeln inzwischen wortlos – das lässt sich sogar auf ELOWYN übertragen.

Wir belassen es für heute dabei! So war es geplant, denn heute wollen wir einen weiteren Strandtag mit den Rackern genießen. Wir packen also abermals unsere Badesachen und verholen mit Sack und Pack an den kleinen Strand in Xirokampos.

Das Procedere des Vortages wiederholt sich, nur haben wir diesmal unser SUP Board dabei – das gefällt den Frauen und den Buben. Auch im „To Kyma“ schmeckt es uns wieder! Ein herrlicher Strandtag!

Die Racker spielen am Wasser, Sibylle nutzt mal wieder ihr SUP
Danach paddelt Sonja mit den Jungs quer durch die Bucht – Abenteuer
Fischtaverne „To Kyma“ – einfach aber wirklich gut, es gibt nichts zu beanstanden
Wir haben Hunger, Hunger, Hunger…
Die Taverne, der Fischer der sie betreibt, seine Familie, das Umfeld – alles superauthentisch! Merhr Griechenland geht kaum

Den Nachmittag verdröseln wir wieder mit UNO spielen, Sibylle liest etwas vor oder wir gehen baden. Mal mit Otto ernsthaft Schwimmen üben, ein andermal eher zum Blödeln und Quatsch machen.

Otto staunt nicht schlecht, als er beim „Raketenstart“ mit dem Schwimmbrett aus dem Wasser, vom Opa beschleunigt, etwa einen Meter hochfliegt! Er hatte erwartet, dass er eher ein bisschen „dahinflitscht“ – ja so ein Opa hat halt Power!

Das kostet Körner! Sonne, Meeresluft und ständige Action, das haut den stärksten Krieger um. Eine Pause tut not…

ICH denke nur nach – ich schwör…

Am Nachmittag waren die Akkus wieder etwas angefüllt und wir waren bereit zu neuen Taten. Sibylle und Sonja wollten „ein paar Meter gehen“, die Wahl fiel auf den Weg zum Leuchtturm. Da wir auf dem Weg dorthin bei der Eisdiele der Familie „Repapis“ vorbeikommen würden, war es ein Leichtes, mein Versprechen „jeden Tag ein Eis“ einzuhalten – danach bin ich aus dem Nachmittagsprogramm ausgestiegen und habe ein paar Seiten Blog geschrieben. Von den Ausflüglern erhalte ich zwischenzeitlich Bilder…

Viel zu sehen auf der Wanderung

Natürlich bleibt es nicht bei ein „paar Meter gehen“, die Bengel können Mama und Oma überzeugen, dass sie für eine derart erbrachte Leistung doch sicher eine Belohnung verdient hätten. Viel Überzeugungskraft gehörte wohl nicht dazu!

Vor dem Spielzeugladen „To Steki“

Die letzte Nachricht die ich erhalte, ist dann der Marschbefehl. Du kannst jetzt wieder nach Xirokampos kommen, wir sind am Heimweg! Ok, mache ich, aber am Weg bestelle ich noch die von Volker erbetenen 500 Liter Diesel für ELOWYN, dann geht es zurück ins Ferienhaus.

Dort angekommen, muss, nein darf ich Spielzeug bewundern – aber nicht nur das. Otto hat noch ganz andere Trophäen bei der Wanderung eingesammelt.

Vermutlich ein Saurier

Langsam beginnen wir, die Kleinen etwas herunterzufahren, es war ein langer Tag. Erst etwas trinken, dann mit der Oma ein bisschen auf der Terrasse sitzen – das gefällt den Enkeln und der Großmutter.

„Oma, das ist ein Transformer!“

Wir Erwachsenen gönnen uns ein erstes, leicht alkoholisches Getränk – es vermittelt den Eindruck, als stärke es die Nerven – und das braucht man, wenn man mit zwei Knaben im Alter von 3 und 6 Urlaub macht – da ist das Bootreparieren mit Hans Peter reinstes Sanatorium.

Ein „Mythos“ als Sundowner – die Damen trinken Aperol-Spritzz

Wir lassen den Tag heute langsam ausklingen und sitzen noch ein wenig auf der Terrasse, die Kinder spielen friedlich. Dann waren die Batterien der Beiden abermals leer – HUNGER! Die Kinder wollten etwas essen!

Wir probieren „SouVLakki“s Lieferservice aus – so der allgemeine Tenor. In weiser Voraussicht war ich bereits nachmittags bei der Grillkantina unserer Wahl und habe erklärt, wo sich das Haus befindet. Eine klassische Adresse gibt es nicht – aber die Ausfahrer kennen die Insel und so war schnell klar – wenn Mario bestellt, dann liefern wir in Susannes Haus…

Ok, ein guter Anfang – das setzen wir jetzt um, es ist exakt 19.30 Uhr, als ich in unserem Lieblingsgrill anrufe und die Bestellung aufgebe. Alex spricht fließend Englisch und bestätigt – Lieferung nach Xirokampos, alles klar!

Wir warten! Und warten! Und warten! Es ist 20.15 Uhr – Otto fragt „…wie lange dauert´s noch?“ Eine Frage, die alle Eltern und Großeltern kennen. Wir warten! Und warten…

Als wir um 20.30 Uhr anfangen über Not- und Alternativpläne zu beratschlagen, hören wir in der Ferne das Knattern eines Viertakt-Mopedmotors. Das könnte er sein – und tatsächlich, um 20.45 Uhr erfolgt die Lieferung, im letzten Augenblick bevor die Stimmung gekippt wäre.

Das Essen war ok, aber nicht mit der Vor-Ort Qualität zu vergleichen – das wird ein einmaliger Test bleiben. Ein Ouzo noch, dann fahren Sibylle und ich zurück auf NESSAJA – morgen müssen wir auf ELOWYN ran…

Ohne Weckerklingeln wache ich um 07.15 Uhr auf. Ich brühe mir eine frische Tasse Kaffee auf und genieße das Wachwerden. Als ich gerade die zweite Tasse ansetze, steht auch Sibylle auf – sie frühstückt ein wenig, dann gehen wir schnurstracks zum blauen Riesen, der jetzt wieder in seinem Element liegt.

Drei blaue Boliden in unmittelbarer Nachbarschaft

Kurze Zeit später, wir bereiten gerade alles für das „große Reinemachen“ vor, kommt der Tankwagen der BP Tankstelle Mavroudis mit 500 Liter „Ultimate Diesel“ – deutlich vor der vereinbarten Zeit. Ich kenne Maximos, den Fahrer, seit drei Jahren – er reicht mir den Zapfhahn…

Der Tankwagen kommt
Wir ziehen den Schlauch über Deck – dann geht es los

Die 500 Liter sind rasch befüllt, ich zahle mit Karte, wechsle ein paar Worte mit Maximos, der sich dann verabschiedet.

500 Liter – 875€

Dann verlangt Sibylle nach meiner Aufmerksamkeit – der Strom muss aufgeschaltet werden, das Wasser muss aktiviert werden und die Schläuche müssen auf Deck gebracht werden. Dann geht es los – von oben nach unten, dann von vorne nach hinten…

Erst Dächer, Persenninge und Solar – dann das Deck

Das Boot ist durch die zwei Monate an Land derart staubig und sandig, dass wir nach einer Vollreinigung noch keinen zufriedenstellenden Erfolg haben.

Ich entscheide – für heute reicht es, es wird heiß und wir haben die Familie hier. Jetzt gehen wir baden und machen morgen noch einmal zwei, maximal drei Stunden. Das ist mit heißer Nadel gestrickt, denn morgen kommen bereits Tina und Volker, aber manchmal muss man Prioritäten setzen – und Familie ist Priorität 1!

Wir bringen ein paar Kleinigkeiten auf NESSAJA zurück und holen dort unsere Badesachen – dann geht es abermals an den kleinen Strand von Xirokampos.

Nach wie vor – nix los

Wir treffen gerade noch Sonja an, wie sie gerade die Badesachen zusammenpackt und nach Hause will. Der kleine Benno hat Bauchweh und ist unleidig. Wir beschließen kurzerhand, dass Otto und der Opa, also ich, noch ein paar Züge Schwimmen üben und Sibylle die Schwiegertochter begleitet. Das Badezeug kann dann hier bleiben.

Der sechsjährige Dreikäsehoch und ich genießen die Zeit unter Männern – wir gehen ins Meer und planschen herum.

Ein schöner Strand

Als Sibylle zurück war, machen wir nicht lang rum. Wir essen Pommes und ein paar Kalamari – das freut den Bengel. Ich habe fast den Eindruck, dass er die Stunde alleine mit Oma und Opa genießt.

Dass er mir die Pommes fast komplett wegmampft ist nicht am Plan – wir müssen reden

Als nach mehreren Runden UNO der Beschluss fällt, dass wir ebenfalls zurück zum Haus gehen, es ist fast 16.30 Uhr, springt Sibylle über ihren Schatten – „…wenn er unbedingt will, dann fahr´ ihn halt mit dem Motorrad hoch!“

Ich weiß, dass sie Angst um ihn hat und das eigentlich nicht möchte – aber sie weiß auch, dass unsere größte Chance bei den Enkeln im Gedächtnis verankert zu sein, neben Liebe, Zuwendung und „Quality Time“, eben „das Besondere“ unserer Lebenssituation ist. Sie vertraut mir!

Auf zur großen Tour – ca. 200 Meter, Sibylle läuft!

Zum Haus geht eine steile, kurze Betonrampe hoch – man darf nicht verwackeln und muss etwas Gas geben. Ich teste, ob der Knabe nicht etwa ängstlich ist und fahre dreimal auf der Straße auf und ab – dann wagen wir es!

Festhaltäääään – aus der Bahn Kartoffelschmarrn
Ich konzentriere mich, der Lümmel hat Spaß – wir kommen sicher an

Im Haus angekommen, treffen wir Sonja und Benno wieder. Der Dreijährige hat wohl einen Mittagsschlaf gebraucht, jetzt ist er jedenfalls wieder fit und – ruft nach einem Eis!

Haha, abermals kann der eisverliebte Opa alle Trümpfe ausspielen. Es wird umgehend beschlossen, dass der Weg in den Eistempel angetreten wird. Ich mache die Vorhut, packe im Vorbeigehen die Mülltüte und fahre mit der GS zum Müllcontainer. „Frauen und Kinder – folgt mir!“

Ich stehe am Müllcontainer und warte. Und warte! Und warte! Na so langsam müssten sie doch kommen, ich hatte doch nur 200m Vorsprung???

Ich wende, um nach dem Rechten zu sehen, da kommt mir Sibylle schon entgegengelaufen – „…das Auto macht keinen Mucks mehr!“ Puh, wenn ich weitergefahren wäre – es müsste jemand sowas wie kleine Telefone für die Hosentasche erfinden…

Ich wende und fahre zurück zum Haus, wo der waidwunde koreanische Leihwagen schon mit geöffneter Motorhaube wartet.

„Kann´s der Opa reparieren?“ Kann er!

Ich überlege kurz und entscheide dann, Susanne möge mir verzeihen, die Batterie aus ihrem kleinen Fiat zu leihen. Der Umbau geht rasch und so können wir im zweiten Versuch die Eisdiele ansteuern.

Tja, so ein Superheldopa ist schon was – trotzdem versuchen die Bengel, sich mit mir zu messen. Ob sie es gemeinsam schaffen? Das Eis gerade leergelöffelt, muss ich es mit zwei kleinen Quälgeistern aufnehmen…

Zunächst scheinbar harmlos…
…muss ich mich Sekunden später und aus heiterem Himmel einer „Attacke“ erwehren
Was der große Bruder kann…
…meint der kleine Wicht auch ausprobieren zu müssen

Klar, den Beiden steckt der Tag in den Knochen – daher gelingt es relativ einfach „sie müde zu spielen“. Man muss sie „nur“ hochheben und ein bisschen schütteln und an einem Arm nach unten baumeln lassen ;-)…

Wir Alten atmen durch – 20 Sekunden Pause! Das gelingt nicht immer so leicht

Jetzt aber – die Kür ist vorbei, die Pflicht ruft! Sibylle und Sonja wollen, ja müssen, für heute und morgen einkaufen. Mir ist es wichtig, dass wir uns um die Batterie des Leihwagens kümmern, ich möchte das noch umbauen.

Also fahren wir zuerst zu Ioannis kleinem Autoverleih um dort das Problem zu lösen.

Ich schildere das Problem – haben wir gleich…
…der Meister selbst macht sich ans Werk

Zuerst grantelt er ein wenig rum und erzählt mir mehrfach „…it is a new battery…“! Das glaube ich ihm ohne Zweifel, dennoch ist das Auto tot. Natürlich kommt auch die obligatorische Frage „…did you leave the lights on?“ Nein, haben wir nicht! Ob es etwas mit seiner „der Zündschlüssel bleibt immer stecken Bastellösung“ zu tun haben könnte, verkneife ich mir zu fragen.

Er gibt nach und baut eine neue Batterie ein – sehen wir also, was die nächsten Tage passiert. Sibylle wollte ja die alte Klapperkiste!

Erledigt – ich fahre zurück auf NESSAJA und schreibe ein paar Seiten Blog, die Damen setzen ihren Einkauf fort, später treffen wir uns zum Dinner im Ferienhaus. Dort wird heute gekocht, Sonja macht Gorgonzolanudeln und wir sind eingeladen – wunderbar!

So klingt der Tag schön und unspektakulär aus. Ach ja, den Fiat habe ich natürlich wieder komplettiert 😉

Es bricht der 31.08.2024 an, der letzte Tag des Monats. Ein Tag, der ein besonderer werden soll. Florian hat heute frei, es ist Wochenende – er will und wird an unseren Unternehmungen partizipieren.

Weil dies so ist, hat Sibylle eine Art „Unternehmungskatalog“ erstellt. Ich gehe also davon aus, dass wir nach der finalen Reinung der ELOWYN gut eingetaktet sind.

Darüber hinaus komme ich noch einmal auf die Headline zurück – That´s what Friends are for – heute kommen Volker und Tina an, wir freuen uns auf die Beiden!

Packen wir es also an! Aber erst NACH dem ersten Kaffee…

Ich nutze die Zeit um den Blogbericht voranzutreiben – und die Ruhe für meine erste Tasse Kaffee

Etwas später steht Sibylle auf und „richtet sich etwas her“, dann schwingen wir uns auf die GS und wir fahren zum Bäcker und anschließend zu unserer Familie. Gemeinsames Frühstück steht auf dem Plan – Frühstück mit Vollausstattung einschließlich Rührei – YES, lecker!

Benno freut sich mehr über seinen Yoghurt mit Honig und mampft schonmal ein bisschen. Ich unterstütze den Knirps, während in der Küche die Vorbereitungen laufen.

Griechischer Yoghurt mit Honig – das liebt er

Wir frühstücken gemütlich und versuchen irgendwie, dem Tag eine Struktur zu geben – böse Zungen würden behaupten, dass Sibylle und ich versuchen „zu planen“. Ok, da ist was dran, das mögen wir beide, wir wissen aber auch, dass es mit der Familie eher schwierig ist. Also lassen wir es lieber…

So verabschieden wir uns nach dem Frühstück mit offenem Ausgang – „…wir gehen jetzt die ELOWYN fertig machen, ihr geht wandern und baden, dann rufen wir uns zam!“

Ich schicke ein PING an Hans Peter, heute brauchen wir seine Hilfe – „…wir fahren jetzt los, Treffpunkt ELOWYN!“

Hans Peter saugt die Lackfitzelchen weg – eine Höllenarbeit
Sibylle beginnt das Edelstahl zu polieren

Wir sind gestern nicht fertig geworden. Nicht nur wegen der Familie, nein, auch die Hitze setzt uns zu – wir können nicht acht Stunden am Boliden arbeiten.

Zudem hat die Hochdruckreinigung wieder den alten Klarlack abgefetzt. Ihr wisst ja, dass ELOWYN dringend lackiert werden muss, was diesen Winter auch umgesetzt wird.

Bevor wir also Deck schrubben, müssen die ganzen Fitzelchen eingesaugt werden, denn wenn die erstmal nass sind, haften die an wie Aufkleber und man bekommt sie nicht mehr weg. Hans Peter übernimmt das und spart uns somit bestimmt eine Stunde. Später poliert er Edelstahl, während ich mit Sibylle Deck schrubbe.

Dazu noch ein Dutzend Kleinarbeiten, die uns Zeit und Nerven kosten – dennoch sind wir gegen 13.30 Uhr fertig, etwa eine halbe Stunde hinter Plan.

ELOWYN ist fertig, Volker und Tina können kommen

Wir sprechen eine Eiseinladung Richtung HP aus, dann schreiben wir unsere Kinder an – „…wie sieht es aus, was machen wir?“ Die Antwort war wachsweich – „…ach kommt erstmal rüber, wir sind noch am Strand, dann sehen wir weiter.“

Ok, ich habe echt keine Eile und unser Besuch kann ja selbst entscheiden was und wieviel sie von der Insel sehen wollen – Sibylle und ich lassen den „Fremdenführermodus“ hinter uns und relaxen erstmal. Die Verpflichtung bezüglich ELOWYN ist erstmal erledigt – darauf ein Bier!

Ein Nachmittagsbier – selten, aber heute hochverdient

Mein Telefon schellt, Jürgen ist dran, er erwischt mich aber zu einem ungünstigen Zeitpunkt, denn ich spiele gerade UNO mit Enkelchen Otto und bin am Gewinnen – da kann ich unmöglich ans Telefon! Prioritäten setzen! Ich werde später zurückrufen – letzte Karte, UNO!

Sibylle und ich essen eine Kleinigkeit im „To Kyma“, die Knirpse gehen noch einmal baden. Irgendwie verdröseln wir den Nachmittag, aber es ist schön. Entspannt!

Irgendwann beschließen wir, dass wir dem Tag noch etwas Inhalt verpassen. Florian will mit Otto einen der Tunnel aus Kriegszeiten ansehen, wir müssen für unseren Grillabend einkaufen und das Fleisch beim Metzger holen.

Ich muss irgendwann den Leihwagen für Volker und Tina übernehmen und die Beiden damit vom Flughafen abholen.

So einen Plan geginnt man am besten mit einem Eis – wir verholen also als sechsköpfige Kleingruppe zu „Repapis“ und sorgen dort für Leben in der Bude – dann geht´s los…

go to – es muss go to heißen – ich bekomme die Info, dass der Wagen abholbereit ist
Die BMW bleibt vor dem Autoverleih, ich setze die Fahrt mit dem Wägelchen fort

Alles klappt. Ich stelle mein Motorrad ab und übernehme den Wagen, der dort für mich bereitsteht. Dann trennen sich die Wege der Familie und mir.

Sibylle fährt mit den anderen zu den Tunnels und dann die Einkaufstour, ich fahre langsam zum Flughafen, denn ich bin doch etwas zu früh dran.

Gähnende Leere – noch! Bald werden Volker und Tina ankommen
Ich bin da – eine Stunde zu früh

Ich warte – was könnte ich mit der Stunde anfangen? Ich weiß, ich rufe Jürgen zurück. Mal hören, was er wollte.

Es stellt sich heraus, dass an seiner Outremer 45 GRASKARPFEN ein Motor ein Problem hat. Er vermutet einen Zylinderkopfschaden und möchte sich mit mir abstimmen. Er schildert die Symptome…

Ich höre zwei Minuten zu, dann unterbreche ich ihn – „Jürgen, mein Freund, ich denke nicht, dass es deine Kopfdichtung ist, ich vermute, dass dein Wärmetauscher ein Loch hat!“

Wir diskutieren hin und her, besprechen Fakten, Wahrscheinlichkeiten, Preise, Lieferzeiten, Optionen – es war ein relativ langes Telefonat. Trotz seiner Zweifel will er meiner Bitte entsprechen und den „Mixing Elbow“ noch einmal abschrauben – und siehe da…

Meine Ferndiagnos trifft ins Schwarze

Mein Gefühl war das richtige! Der Freund sitzt in Messolongi, ich auf Leros und kann von hier aus diagnostizieren und helfen. DAS freut mich – „that´s what friends are for!“

Zwischenzeitlich erhalte ich Bilder von der Familie, auch sie scheinen Spaß beim Erforschen und Entdecken der alten Kriegshinterlassenschaften zu haben.

Unterwegs abseits der ausgetretenen Pfade
Wer traut sich?
Ja klar – wer sonst?

Ich sehe mir die Bilder an und schmunzle in mich hinein – ich habe den Eindruck, dass sich unser Besuch recht wohl fühlt.

So ist meine Wartezeit wie im Flug vergangen. Plötzlich war es 17.20 Uhr und der „Olympic Air“ Flug mit den Freunden an Bord kam pünktlich an.

Gleich setzt sie auf – willkommen auf Leros
Der kleine, zweimotorige Inselflieger rollt auf seine Parkposition

Tina und Volker steigen aus und kommen ins Terminal – großes HALLO! Wir haben uns einige Monate nicht mehr gesehen und freuen uns auf die Tage zusammen.

Das Gepäck ist diesmal dabei, es hat alles geklappt! Wir schnappen uns die Koffer, laden ein und…

Mein Telefon klingelt, Sibylle ist dran – „Scheißkarre, blabla, Schrottmühle, blablabla, nix geht mehr, süder, Ioannis schon angerufen, rhabarberrhabarber…“ Es wird sofort klar, das Auto geht abermals nicht mehr.

Wir fahren einen Umweg und sehen bei den Havarierten vorbei. Dort ist die Rettungsaktion schon in vollem Gange, es wird klar, heute wird das Auto getauscht! Jetzt haben wir ein besseres, aber sehr kleines Automobil.

Egal – ich nehme am Weg mein Motorrad mit und fahre gemeinsam mit der ELOWYN Crew zum blauen Riesen. Die Beiden checken auf ihrem Schiff ein und wir trinken erstmal ein Willkommensbier!

Natürlich gibt es viel zu erzählen – das passt gut, denn wir sollen erst um 19.30 Uhr in Xirokampos zum Grillen erscheinen. So können wir ein wenig klönen und noch ein zweites Bierchen genießen.

Es ist halbacht, wir treffen am Ferienhaus der Kinder ein und bestaunen, was Sibylle und Sonja gezaubert haben. Perfekte Salate, Ofengemüse und vieles mehr. Die ideale Begleitung zu den bestellten Steaks.

Der „Star des Abends“ war das von Volker georderte „Dry Aged Rib Eye“ mit einem Rohgewicht von 860gr – das kann sich sehen lassen.

Nicht von schlechten Eltern
„Mein Schatz“ – stolz präsentiert

Wir machen ein gigantisches Bohei um den riesigen Fransen Fleisch – die richtige Temperatur am Grill, nachgaren im Backofen – natürlich bei 122°C, dazu frisch gemahlenes Himalaya Hagelsalz 😉 und „Ankerkraut Steakpfeffer“ – Spaß beiseite, das edle Stück war es wert…

Das feine Grillgut darf alleine auf den Grill
Das Ergebnis konnte sich sehen lassen und schmeckte fantastisch

Wir saßen lang beisammen und hatten Spaß und Kurzweil. Für uns passt es perfekt, dass es keine Berührungsängste zwischen der Familie und den Freunden gibt, wir haben so keine Terminkonflikte.

Spät klingt der gemeinsame Abend aus, es fanden einige Ouzo und „Mamos“ dankbare Abnehmer.

Nicht nur der gemeinsame Grillabend fand ein Ende, auch der letzte Tag des Monats endet in diesen Stunden. Sibylle und ich fahren mit Volker und Tina heim. Tina muss an den Volant des Leihwagens und diesen in die Marina pilotieren. Wir verabschieden uns von der ELOWYN Crew – das war ein schöner Einstand! Wir dürfen gespannt sein, wie es weitergeht!

Die Nacht ist über die Marina hereingebrochen – Zeit schlafen zu gehen!

Leros Evros Marina bei Nacht

Der Monatsbericht für den August ist geschrieben! Danke für die Zeit, die ihr euch für das Lesen genommen habt. Ich hoffe, dass das letzte Drittel auch für die nicht an Technik interessierten Leser und Leserinnen kurzweilig war und ich euch somit in „unsere Welt“ abholen konnte.

Ein kurzer Ausblick auf den September…

Tina und Volker haben bis Monatsmitte keine Eile auf Törn zu gehen, wir diskutieren gerade ein paar gemeinsame Segeltage auf ELOWYN. Ende September werden wir den blauen Riesen für eine Woche übernehmen und damit ein paar Tage Urlaub machen – aufregend für uns!

Spannend wird auch, ob Hans Peters Projekte an LIBERTÉ alle soweit im Zeitrahmen bleiben, dass wir die beiden obersten Aufgaben der Prioritätenliste abarbeiten können. Für das letzte Septemberdrittel kommt seine Gattin Petra nach Leros…

Ganz wichtig für uns – die Familie bleibt noch bis zum 05.09.! Die Zeit bis dahin ist für die Kinder und Kindeskinder blockiert. Was werden wir noch zusammen erleben?

Last not least – viele Freunde kehren aus der Sommerpause zurück zu ihren Schiffen um noch einmal segeln zu gehen und die Saison gebührend abzuschließen. Wir freuen uns auf ein Wiedersehen und viele gemeinsame Stunden – denn „That´s what Friends are for!“

Liebe Grüße aus Leros – die NESSAJA Crew, Mario & Sibylle

Juli 2024 – Don´t Worry, Be Happy

„Here’s a little song I wrote
You might want to sing it note for note
Don’t worry, be happy
In every life we have some trouble
But when you worry you make it double
Don’t worry, be happy
Don’t worry, be happy now“

Der Monat Juli beginnt seltsam, irgendwas läuft nicht rund – das merkt ihr vermutlich NICHT unmittelbar an der Headline des Hochsommermonats, handelt es sich doch um DEN gute Laune Song von Bobby McFerrin aus dem Jahr 1988.

Doch weit gefehlt! Ich oute mich! Ich hasse dieses Lied – schon immer! Ich wähle es gerade deshalb als Headline des Monats, denn ich hatte einige Mühe „happy“ zu bleiben, trotz der kleinen Nackenschläge, der „worries“ der vergangenen vier Wochen – kurz – nicht toll!

Nun denn, was war denn so schräg am siebten Monat des Jahres? Was war so schlimm, dass er im Ranking ziemlich abrutscht?

Fangen wir von vorne an…

Ich war die letzten Tage und späten Abende des Juni fleißig gewesen, um den Blogbericht fertig zu stellen. Ihr solltet nicht lange warten müssen. So konnte ich pünktlich zum 01.07.2024 Vollzug melden und den Bericht online stellen.

Noch kurz Korrektur lesen – dann ab ins www

Kurz bevor ich die Taste „Veröffentlichen“ drücke, glaube ich meinen Augen nicht trauen zu können. WordPress gibt mir die Anzahl der Worte und die geschätzte Lesedauer an – ich staune nicht schlecht…

Mehr als 25.000 Wörter bescheren eine Lesedauer von 133 Minuten

So wird der Juniblog einer der längsten, die ich jemals geschrieben habe. Dies wird mir Ulrich im Laufe des Monats mit den Worten „…ich dachte der hört nie auf!“ quittieren, trotzdem hat er ihn gelesen und mir ein insgesamt positives Feedback hinterlassen – Danke dafür!

An alle anderen – ich gelobe Besserung, weiß aber nicht, ob es klappt 😉

Ein kurzer Rückblick auf die Übergabe von ALENA – wie zu erwarten, fielen den Neueignern Karl und Rosi einige Kleinigkeiten auf, welche beim Putzen und Räumen offensichtlich wurden. Nichts wirklich großes, aber so nervige Nickeligkeiten.

Ich habe mich aber, da bin ich konsequent, an Karls inszenierten „Übergabetag“ gehalten, zwar mit Ratschlägen und Hinweisen geholfen, auch mal einen Schluck Bilgenwasser mit den Beiden verköstigt, Hand angelegt habe ich bei ALENA nicht mehr – und werde es auch nicht mehr tun.

„Ob er mir etwas schuldig wäre…?“ wollte Karl noch wissen. Nein, das war er nicht! Seine Einladung an uns hatten wir auf Werner abgelegt und bei den Schwämmen waren wir uns nicht einig, daher ist diese Frage generell schlecht zu diskutieren…

Die Schwämme? Ihr erinnert euch doch sicher???

Zwei Schwämme als Glücksbringer

Karl hat am Kauftag von ALENA zwei Schwämme als Glücksbringer bei „Captain Kostas“ ausgewählt, diese aber in der ganzen Aufregung des Schiffskaufes dort vergessen – unbezahlt.

Ich habe ihm mit einem Augenzwinkern versichert, dass ich die Schwämme beschaffen würde, ALENA soll ihren Glücksbringer bekommen! Dafür habe ich in den vergangenen Wochen Gott und die Welt bewegt.

Über diese Schwämme sind Karl und ich ins Ungleichgewicht geraten – er meinte, er hätte mir das Geld bereits vorab gegeben, ich bin sicher, dass dies nicht der Fall ist. Er wollte Rosi dazu befragen, hat aber dieses Thema nie wieder erwähnt. Auf welcher Basis sollte ich also klären können, ob er mir etwas schuldet? Ich beschließe für mich, dass bei einer Gesamtbetrachtung des Verkaufsvolumens, die Schwämme für mich nicht relevant sind. Daher, Karl schuldet mir nichts, das Kapitel ALENA ist für mich geschlossen. Der Grundsatz „quid pro quo“, der zu einem bestimmten Maß auf Fingerspitzengefühl beruht, hat diesmal jedoch nicht gegriffen.

Wichtig ist – ALENA hat ihre Glücksbringer! Für mich hingegen gilt, don´t worry, be happy!

Inzwischen sind die Neueigner abgereist und die schöne Schwedin liegt an ihrem Platz an D – sie hat mich fast drei Jahre begleitet und ich wünsche ihr allzeit gute Fahrt!

Ich gehe zu Hans-Peter auf dessen LIBERTÈ, wir haben einiges zu besprechen. Bald ist sein Krantermin, wir müssen ein paar Dinge vorbereiten. Der Platz ist reserviert, auch weiß Kranführer Giannis, dass wir im Kran etwa 10 Minuten brauchen um das Ruderblatt herauszuziehen. Hierfür müssen wir nun Vorbereitungen treffen und alle Schraubverbindungen lösen und gangbar machen. Auch gilt es, den Tagesablauf zu besprechen.

Interessant was man von hier aus beobachten kann…

Prioritäten setzen!

Vis a vis legt ein Gastschiff an. Der Skipper presst das breite Boot in eine recht schmale Lücke. Dass man dafür auch mal seine Fender innenbords nehmen könnte, hat er offenbar nie gehört – na egal.

Es kam wie es kommen musste! Die Fender verhaken sich, es zieht und zerrt an der Reling. Dabei ploppen ein paar der Gummipuffer nach oben – na kein Problem möchte man meinen! Doch weit gefehlt! Das Eignerpaar setzt andere Prioritäten, es wird geputzt und es werden Sonnensegel gespannt – um die Fender kümmert sich niemand!

Übrigens auch nicht während der nächsten drei Tage! Gelebte Seemannschaft, wen kümmert es, dafür gibt es ja Versicherungen…

Sibylle kommt mich abholen, gemeinsam gehen wir drei Schiffe weiter, dort liegt GIOIA, die ehemalige TARGUI von Emil und Chantal. Unsere Ex-Kaufinteressenten sind, auf meine Empfehlung hin, neue Eigner der Beneteau Oceanis 42CC. Wir treffen die beiden an Bord und sprechen sie auf den neuen Namen an…

TARGUI heißt jetzt GIOIA

Die Frage war ein Teaser für Ulrike, nun ist sie in ihrem Element – sie erklärt uns wie es zu dem Namen kam, „…GIOIA significa Freude, puoi vedere il parallelo con la parola inglese „Joy“, also ihr hört das englische „Joy“ ci è piaciuto, dovrebbe renderci felici, ich meine sie soll uns Freude machen…“, um dann, nach einer kurzen Atempause fortzufahren, „…TARGUI hat uns nicht so gefallen, wisst ihr was der Name bedeutet? C’est le singulier de Touareg, tu vois, versteht ihr ? Un Targui, deux Touareg !“ – sie lächelt.

Nein ich habe nicht verstanden! Ich Dummerchen spreche ja weder Französisch noch Italienisch, sie hätte es mir auf Deutsch erzählen müssen. Ist aber egal, denn ich wusste es bereits – Allgemeinwissen eben 😉 – don´t worry, be happy!

Wir verabschieden uns höflich, denn wir müssen weiter, ein Paket ist für uns angekommen. Schwiegertochter Sonja hat es vor 10 Tagen auf den Weg gebracht, es enthält ein paar Kleinigkeiten. So zum Beispiel zwei 55/60er Steckschlüssel, die ich für ELOWYN und NESSAJA gekauft habe.

Big Boys – Big Toys

Für was braucht man solche Monster? Nun, die passen auf die Heizstäbe der Warmwasserboiler und sind eigentlich nie verfügbar. Volker wollte sowas haben und ich habe mich drangehängt. Eine gute Idee! Wie groß die Dinger in der Realität sind, fällt beim Vergleich mit meinem, nicht gerade zarten, Unterarm besonders auf.

Hat was – ich mag es jetzt schon

Ich bringe einen der beiden Giganten auf Volkers ELOWYN, beschaffe noch einen Ersatzheizstab und lasse den Tag dann ausklingen. Genug für heute!

Am Abend sind wir mit Ina und Ralf von der CHILI zum Dinner im „Pirofani“ verabredet, Sibylle leiht den Freunden abermals den „Breezy“ und wir gönnen uns wieder hauptsächlich die leckeren Meze, welche in dieser Taverne feilgeboten werden. Die beiden Sportler schauen ein bisschen darauf, sich weitgehend fleischlos zu ernähren und finden hier eine reichhaltige Auswahl.

Auberginen mit Fischmus
Quinoa-Blattsalat
Ich stelle mir ein leckeres Ensemble zusammen

Wir essen uns richtig satt an den „Vorspeisen“. Trotzdem beratschlagen wir, ob wir uns auch noch zwei Hauptgerichte teilen sollten. Diesmal verwerfen wir das, denn Ralf schlägt ein Speiseeis als „Abrundung“ vor. Ei der Daus! Wer kann da schon NEIN sagen?

Der Eistempel der Familie „Repapis“ in Lakki
Eine Süssigkeit statt Eis gefällig?
Die Auswahl an mit Kalorien angereicherten Sauereien wäre groß

Wir bleiben beim Eis, gönnen uns aber extragroße Portionen. Danach fahren wir in die Marina und wünschen uns eine gute Nacht.

Am nächsten Morgen bin ich mit Giorgos an der Stadtpier verabredet. Der Freund hat es tatsächlich geschafft, den Generator von EDINA zeitnah zu revidieren und mit Neuteilen aufzubauen. Ich könne vorbeikommen wenn ich möchte, einen Kaffee mit ihm trinken – und ob ich möchte!

Am Weg sehe ich bei „Mikes“ vorbei, ich möchte einen Happen frühstücken.

„Mikes“ Bäckerei – spricht man Mi-kes aus, nicht Meiks

Ich gönne mir meinen Lieblingspie, den mit Chicken gefüllten – Chickenpie, auf Griechisch Kotopita. Ich bestelle also „Mia Kotopita kai ena Cappuccino sketo“ (μία κοτόπιτα και ένα καπουτσίνο σκέτος) – zu meiner Überraschung bekomme ich was ich bestellt habe, klappt doch!

Ich liebe Kotopita – wenn sie noch frisch ist

Ich frühstücke auf die griechische Art, währenddessen schläft Sibylle noch, sie entwickelt sich zur Langschläferin. Ich dagegen fahre weiter an den Stadtkai um dort dem Spektakel der Motorenanlieferung beizuwohnen…

Der kleine Kran hat einen langen Ausleger und hebt den Motor bis auf Deck

Ich lege etwas Hand mit an, Giorgos möchte den Motorblock ins Schiff heben und auch an seinem Platz verstauen. Just als dies erledigt ist, kommt auch schon der Kaffeelieferant mit seinem Moped angebraust – zum ersten Mal gelingt es mir, die Kaffees für uns alle zu bezahlen, das war ich lange schuldig.

Wir schlürfen das köstliche Gebräu in EDINAs Cockpit und quatschen ein wenig über Dieses und Jenes. Dann wollen die Jungs weiterarbeiten, ich fahre zurück auf NESSAJA.

Sibylle weilt inzwischen auch unter den Lebendigen, auch mit ihr trinke ich noch eine Tasse Kaffee, dann widme ich mich meiner GS. Auch für sie war etwas in dem Paket…

Ein neues BMW Badge

Während unseres Urlaubs hatte auf einmal das BMW Emblem gefehlt, einfach weg. Natürlich weiß ich nicht wo es abhanden gekommen ist, bemerkt habe ich es nach einer Fährpassage. Geklaut? Ich weiß es nicht! Don´t worry, be happy – was kann ich anderes tun als ein Neues zu bestellen? Lässige 52.-€ auf das Konto des deutschen BMW Händlers transferiert, und schon war es meines!

Die Montage gestaltete sich denkbar einfach…

Einmal alles abputzen
Einrasten – ankleben! Passt! Jetzt ist sie wieder ausgehfein

Am Abend treffen wir uns zu einem großen Essen im „Kakomoiras“, eine Freundin von uns muss aus familiären Gründen nach Hause reisen, wir feiern ihren Abschied zusammen. Sie und ihren Mann werden wir wohl erst im November wiedersehen.

Das Essen im Mezelokal war lecker wie immer – ihr wisst, dass diese Taverne zwingend unter meinen Top-Five ist.

Ich habe eine tolle Aussicht von meinem Platz
Wir teilen uns Meze – superlecker

Der Abend klingt herrlich aus, wir bezahlen erst als es dunkel ist und ziehen dann noch auf ein abschließendes Eis in den Speiseeistempel nach Lakki. Dort trennen wir uns zu später Stunde, wir sind müde, ab ins Bett!

Am nächsten Morgen geht Sibylle mit der Crew der CHILI zum Dog-Shelter um dort die Hunde auszuführen. Während ihrer Abwesenheit versäumt sie ein Spektakel!

Ich sehe von NESSAJA aus, dass ein Mast sehr nahe am Wellenbrecher ist, zu nahe, außen! Erste Köpfe Schaulustiger werden sichtbar. Auch ich bin neugierig und begebe mich zum Schauplatz des Geschehens.

Potzblitz, was ist das? Ein Segelboot mit deutscher Flagge liegt auf den Felsen und der Wind steht kräftig auf das Boot – das ist eine gefährliche Situation, warum handelt keiner???

Wir können das Boot wegdrücken, Hilfe ist da

Ich rufe das Marinaoffice an und melde den Vorfall, der Marinero soll mit dem Schlauchboot kommen – SCHNELL.

Ich klettere, trotz Flip-Flops, über die Felsen und lehne mich mit meinem ganzen Gewicht gegen das Boot. Tatsächlich gelingt es mir, das Boot soweit wegzudrücken, dass kein Rumpfkontakt zu den Steinen besteht. Jetzt kommt Hilfe! Petros besteigt das Boot um von Bord aus zu helfen, der Skipper scheint wie gelähmt, Antonis, ein Mordskerl, hilft mir den Rumpf abzudrücken bis die Leine zu Kostas´ Schlauchboot gespannt ist.

Der 25PS Außenborder schafft es gerade so, das Segelboot vom Wellenbrecher zu ziehen.

Die kleine Yacht ist frei
Jetzt sollte nichts mehr passieren

Inzwischen hat auch der Chef der Marina den Vorfall mitbekommen. Zu allem Unglück ruft er die Port Police wegen eines „Seeunfalls“ bei seiner Marina an – ein großer Nachteil für den Skipper, wie sich herausstellen sollte.

Der Marinero schleppt das manövrierunfähige Segelfahrzeug in die Krangasse, dort wird es aus dem Wasser gehoben.

Nur noch ein paar Meter
Als er festgemacht ist, wartet schon die Marinaleitung und die Port Police

Dem kleinen Schiff ist nicht viel passiert. Die Port Police nimmt den Unfall auf und befragt den Skipper zum Hergang. Später wird er uns die Geschichte ebenfalls erzählen – hat was mit einem missglückten Toilettengang zu tun und soll hier nicht detailliert wiedergegeben werden.

Soviel nur – eine Verkettung von unglücklichen Umständen hat nun dazu geführt, dass der Skipper eine „Liegeverordnung“ erhalten hat. Die Papiere wurden ihm abgenommen, er darf erst weiterfahren, wenn ein Gutachter die Seetüchtigkeit des Schiffes bestätigt hat. Ungut! Sehr ungut!

Der Skipper meinte zu uns – „…der Propeller kommt nach Athen zur Reparatur, in fünf Tagen kann ich wieder ins Wasser und weitersegeln.“ Nach drei Wochen wird er feststellen müssen, dass er immer noch an Land steht – ohne Propeller! Ende offen…

Ich sitze entspannt auf LIBERTÉ und warte – wir haben heute Krantermin, alles ist vorbereitet und uns wurde mitgeteilt, dass unser 11.45 Uhr Termin auf etwa 13.00 Uhr verschoben wurde – super, vor der Mittagspause, genug Zeit um das Ruder zu ziehen.

11.30 Uhr, Kostas klopft ans Boot – „Captain, are you ready?“ Wir erschrecken – „Äh, ja, nein, jein!“ Bereits zwei Minuten später sind wir auf dem Weg zum Kran, Kostas gibt uns Geleit.

Beim Auslaufen sehen wir NESSAJA
LIBERTÈ kommt für Großprojekte an Land – bis 04/2025
Wir müssen warten – noch hängt MONEY PENNY, NESSAJAs Schwesterschiff, in den Gurten
Dann sind wir an der Reihe

Von hier an geht alles ganz schnell, zu schnell um Fotos zu machen! Die Profis spannen die Gurte unter das Schiff, wir machen die Decksarbeit auf der Bavaria 41H, dann wird sie angehoben.

Wir dürfen aussteigen und rennen sofort los um eine Leiter, eine Palette und ein großes Kantholz zu holen – das freut Giannis, denn er merkt, dass wir genau wissen was zu tun ist.

Während das Boot schwebt, legen wir das Kantholz unter das Ruder, dann baut Hans-Peter den Quadranten vom Ruderschaft ab. Zuletzt entfernt er die Haltemutter. Giannis hebt das Schiff an, ich halte das Ruder, welches langsam nach unten aus den Lagern rutscht. Danach verlässt Hans-Peter das Schiff und wir legen das Ruderblatt auf die Palette an die Seite. Geschafft!!!

Nach der Hochdruckreinigung wird LIBERTÉ an ihren neuen Platz gefahren…
…und dort sauber abgestellt – der perfekte Platz

Kurz zur Erklärung – warum muss der Platz perfekt sein und warum ist er es? Nun, es steht kein Boot davor, hier wird einreihig aufgestellt und somit ist man flexibel im Falle eines Umparkens. Zudem kann der große Mastkran dorthin fahren und den Mast abnehmen.

Der Platz, fast der gleiche wie wir ihn hatten, ist sehr luftig und bietet eine schöne Ausssicht. Das ist vielleicht dann von Bedeutung, wenn man fast 5 Monate auf Trockendock am Schiff wohnt und zudem die Gattin für zwei Wochen zum Urlaub kommen wird.

Last not least, hat Hans-Peter seinen Merlin dabei und muss ihn immer mit nach oben tragen. Da ist es gut, wenn man Zugang vom Betonkai aus hat – das spart Sand und Dreck im Schiff.

Die Leiter steht – bis zum Oktober

Wir gehen auf NESSAJA um einen Kaffee zu trinken, klar, dass auch Merlin mit von der Partie ist. Er hadert noch ein wenig mit seiner neuen Lebenssituation, kann er doch nicht mehr ohne Herrchens Hilfe von Bord.

Seufz – was für ein Hundeleben

Für die Technikfans unter euch – warum machen wir das? Was steht an?

Nun, LIBERTÈ ist Erstwasserung 1998, also 26 Jahre alt. Wir machen folgende große Eingriffe – Demontage des Saildrive mit Überarbeitung und Tausch der Manschette, Tausch der Kurbelwellen – Dichtringe am Motor nebst einiger weiterer Kleinarbeiten, dazu kommt der Tausch der Ruderlager nebst Überholung des undichten Ruders. Als ob dies nicht reichen würde, wird der Mast gezogen und das stehende Gut erneuert. Last not least schleifen wir das Unterwasserschiff bis auf´s Gelcoat ab und tragen dann Coppercoat auf.

Aber nicht heute, denn heute haben wir einen Termin! Unser Zeitplan sieht vor, dass wir nach dem erfolgreichen Kranen von LIBERTÉ zu Susanne und Sophie nach Xirokampos fahren, um bei deren Bootsanhänger die Räder abzunehmen.

FLIPPERs Anhänger hat einen Platten, es sollen beide Reifen erneuert werden – dafür müssen die Räder runter

Da Hans-Peter sowohl einen Wagenheber als auch, im Fall der Fälle, ein Zugfahrzeug besitzt, hat er angeboten zu unterstützen – das nehme ich gerne an.

Könnt ihr euch vorstellen, wie Radschrauben festsitzen, bei einem Anhänger der ins Salzwasser gefahren wird und zudem vermutlich rund 10 Jahre steht? Ich sage euch, sehr fest! Dumm, wenn dann das meist nicht superprofessionelle Werkzeug abrutscht…

Das Fleisch an der Felgenkante aufgestanzt – etwas mehr als AUTSCHN
Muss das ab? Wird das wieder? Fragen über Fragen

Susanne reagiert sofort – sie erzählt mir was von Blutvergiftungen, schmiert seltsame Salben auf die Haut, die sich nicht mehr über mein Gelenk spannt. Dann verpflastert und verbindet sie mich – na toll!

Don´t worry be happy! Ich bin happy – und wie!

Pocht…

Wir bringen die Arbeit zu einem zufriedenstellenden Ende und fahren zurück in die Marina. Ich bin gehandicapt, das kann ich gut leiden. Für heute ist daher erstmal Schluss, wir packen morgen an!

Just an diesem Tag sind wir nochmals bei Susanne und ihrer Tochter geladen. Es gibt ein gemeinsames Dinner und wir kommen gerne. Abermals finde ich mich auf der Terasse ein, erfreue mich der schönen Aussicht und nehme daher meinen verwundeten Finger aus dem Bild.

Ich mag diesen Platz, hier ist es wunderschön
Der Garten, der Blick, ein Paradies

Die beiden Wahlschweizerinnen haben sich, wie eigentlich immer, alle erdenkliche Mühe gegeben, um ein Festmahl auf den Tisch zu bringen. Wir haben fürstlich gespeist und uns prächtig unterhalten – ein wunderbarer Abend – DANKE dafür!

Krabben auf Ruccola – ein leckerer Einstieg
Danach einen Loup de Mer, einen Wolfsbarsch, auf den Grill – ein Gaumenschmaus
Superlecker gegrillt – dazu gibt es…
…gemischtes Gemüse

Wir sitzen lange zusammen und reden über Gott und die Welt. Wir erfreuen uns unserer langjährigen Freundschaft und blicken zurück auf das gemeinsam Erlebte. Irgendwie war der Kontakt zu Susanne ja die Initialzündung für unsere Liebe zu Leros – ohne sie wären wir nie hier.

Der Abend klingt spät aus und wir fahren satt und zufrieden zurück auf unsere NESSAJA – morgen ist ein neuer Tag, Tag 1 von LIBERTÉs Refitprojekt!

Hans-Peter und ich haben uns einen Plan zurecht gelegt. Wir würden erst alle relevanten Projekte an seinem Schiff starten, alles zerlegen und eine Bestandsaufnahme machen – dies war nötig, um die erforderlichen Teile zu bestellen. Einen Teil davon könnte Sibylle aus Deutschland mitbringen.

Danach würden wir uns eine zeitlang mit meiner Liste auf ELOWYN beschäftigen, so ginge alles Hand in Hand.

Auf geht´s, packen wir also an, zerlegen wir LIBERTÈ…

Wir bauen die Ruderlager unten und oben aus – beide werden erneuert
Der Saildrive wird unter der Wasserlinie abgarniert, wir müssen ihn nach oben herausziehen

Nachdem der Saildrive unter der Wasserlinie von allen Anbauteilen wie zum Beispiel Propeller, Ausgangswelle und -lager befreit war, sind wir nach oben ins Cockpit gegangen und haben erstmal eine kleine Pause gemacht.

Hier ist ein herrlicher Platz – es weht eine frische Brise und man hat einen tollen Ausblick. Perfekt um etwas herunter zu kühlen oder auch, um eine Tasse Kaffee oder ein Kaltgetränk zu genießen.

HP überblickt das innere Hafenbecken

Danach widmen wir uns der Trennung von Motor und Saildrive. Wir bearbeiten den Volvo Penta MD22 von beiden Seiten gleichzeitig und entfernen alle verbindenden Schrauben nacheinander – zu guter Letzt muss nur noch der Motor um etwa 20cm nach vorne gezogen werden. Um dies zu bewerkstelligen, hängen wir ihn mit einem Spanngurt und einer Traverse in den Niedergang.

Gesagt, getan – wir ziehen an und die Antriebsmaschine rutscht vom Getriebe. Jetzt können wir die Schrauben der großen und sicherheitsrelevanten Gummimanschette entfernen und den Saildrive nach oben herausnehmen. Am Nachmittag liegt er auf unserer „Werkbank“!

Da liegt das Trum – fertig zum Überarbeiten

Nicht falsch verstehen, das alles ist keine Raketenwissenschaft, aber eben auch nicht pillepalle. Es ist eine saubere Fummelei alle Schrauben zu entfernen, man muss auch ein bisschen wissen wo und wie und sollte keine zwei linken Hände haben. Wenn man dann noch einen guten, umfänglichen Werkzeugsatz hat – dann ist es relativ einfach.

Wir profitieren davon, dass ich einen fast baugleichen Motor habe und diese Arbeit vor zwei Jahren erledigt hatte.

Am Abend haken Sibylle und ich einen lang schon vor sich hinwabernden Punkt auf unserer „you should have done list“ ab. Wir wollten schon lange einmal im „Harris“ länger sitzen bleiben und mehr als einen Aperitiv zu uns nehmen. Diesen Plan erzählen wir den Freunden von der CHILI, die nutzen die Chance und springen sofort auf den Zug auf – respektive auf Sibylles „Breezy“!

Wir tuckern voran, der Breezy schlägt sich wacker

Oben angekommen, werden wir sehr höflich platziert – wir sind zu früh, unser reservierter Tisch ist noch nicht frei. Wir nehmen Platz, genießen die Aussicht und starten mit einem ersten Getränk.

Wir sitzen gemütlich und warten auf unseren reservierten „First Row Table“

Pünktlich um 19.00 Uhr steht die leicht angeheiterte Damenrunde auf und macht Platz für uns. Wir haben die Speisekarte schon studiert und waren hungrig – so machen wir wahr, was sonst nur aus Spaß gesagt wird…

Wir nehmen alles – in dieser Reihenfolge 😉 !

Und dann ging es los…

Drei verschiedene Bruschette
Mixed Meze und Shrimp Shots
Vegetarian Meze – Obst und Käse

Die Nachos mit Guacamole hatten wir schon zum Aperitiv, somit waren wir einmal quer durch – es hat super geschmeckt und letztlich waren wir pappsatt.

Wir saßen lang und haben viel gequatscht. Wir mögen Ina und Ralf, sie sind zu Freunden geworden. Sehr schade nur, dass die Beiden eine Sommerpause einlegen. Sie werden bald schon nach Hause fliegen und wohl erst im September wieder kommen.

Dieser Trend setzt sich durch, viele gehen dieses Jahr so vor, um der sommerlichen Hitze zu entfliehen.

Erst spätabends verlassen wir die sensationelle Location und genießen einen letzten Blick auf die Windmühlen und das Kastell. In der Ferne, in der Dunkelheit der Nacht, kann man die Lichter der Türkei erkennen.

Eine wunderbare Stimmung

Der neue Tag steht noch im Zeichen der Bestandsaufnahme auf Hans-Peters LIBERTÈ, wir müssen uns noch den Motor ansehen. Da der nun ohnehin sehr gut zugänglich „rumsteht“, zerlegen wir ihn in den Bereichen, wo es uns nötig erscheint Reparaturmaßnahmen anzusetzen – so garnieren wir den Jockel an der Hinterseite komplett ab, um so an den Dichtring der Kurbelwelle zu gelangen. Das gleiche machen wir dann noch auf der Vorderseite…

Weil es so schön ist

Am Nachmittag sind wir soweit – alles ist zerlegt, die Einkaufsliste ist fertig, wir bestellen die Teile und lassen diese zu Sibylles Sohn nach Miesbach liefern. Es sind glücklicher Weise keine großen, schweren Ersatzteile, so dass meine Gattin diese leicht mit nach Griechenland bringen kann.

Danach ist Feierabend! Den machen wir heute pünktlich, denn wir sind verabredet. Heute findet das Viertelfinale der Fußball EM statt, wir haben einen Tisch im „La Palma“ Café reserviert.

Da Sibylle einer Bitte von Marietta entsprochen hat, war sie bis unmittelbar vor dem Spiel im HUB beschäftigt – ich musste also sehen wo ich bleibe. So habe ich mich mit Ed im „SouVLakki“ verabredet.

Heute nur etwas Kleines – im Café soll es Ouzo und Meze geben

Wir laben uns an den verschiedenen Giros Köstlichkeiten, gönnen uns heute aber nicht das volle Programm, sondern eher das, was man als „Häppchen“ bezeichnen könnte. Die Idee ist, dass wir im „La Palma“ Café Ouzo trinken und noch ein paar der dazu gereichten Meze schnabulieren.

Pünktlich gehen wir los um im Café unseren Tisch zu besetzen…

Wir kommen an, noch ist es nicht voll

Der Fernseher läuft, es werden die Mannschaftsaufstellungen gezeigt, langsam füllen sich die Reihen, wir sitzen zu zweit am Fünfertisch und verteidigen die Plätze. Damit unsere Kehlen nicht austrocknen, bestellen wir eine erste Runde – es soll ein feiner Fußballabend werden – soll!!!

Erste Runde – und ab geht die Post

Es begann in diesem Moment eine Verkettung von unglücklichen Umständen, so sagt man da, glaube ich.

Etliche Leute fragen nach den drei freien Plätzen, wir weisen die Fragesteller höflich ab und erklären, dass wir reserviert haben und unsere Freunde noch kommen. Sibylle verspätet sich etwas, sie belegt dann aber ihren Platz, bestellt ein Getränk und es bleiben zunächst zwei Stühle frei – die Plätze für die CHILI Crew.

Ralf und Ina hatten angedeutet, dass es sein KÖNNTE, dass sie nicht kommen werden, zwar hat Ralf mit einem Augenzwinkern angemerkt, dass er sicher kommt, aber es blieb eine gewisse Unsicherheit.

Etwa zehn Minuten nach Spielbeginn kommt ein Mann und will sich einfach hinsetzen – kein Hallo, kein freundlicher Blick, geschweige denn eine Frage. Wir weisen darauf hin, dass die Plätze besetzt sind, er steht murrend auf und murmelt etwas Unverständliches vor sich hin. Ich habe ihn nicht verstanden, aber die Gesinnung war klar. Er nimmt sich einen Stuhl und setzt sich hinter uns.

Eine Viertelstunde nach Spielbeginn gebe ich auf – wir geben die Plätze frei, ein älteres Paar setzt sich zu uns. Just in diesem Moment, ich schwöre, keine zwei Minuten später, kommen Ralf UND Ina!

Sie erfassen das Problem sofort und wollen sich zwei Stühle nehmen und sich ebenfalls hinter uns setzten. Da fängt der Brummbär von vorher an, sich dies zu verbieten, er wolle jetzt freie Sicht auf den Fernseher, da dürfe sich niemand hinsetzen! Es sei unser Pech, wir hatten Plätze gehabt, die seien jetzt ja wohl weg.

Im Kern hat der kleine Mann ja Recht, wer zu spät kommt den bestraft das Leben. Aber er, der offensichtlich am Napoleon Syndrom leidet, hat kein Recht zu verbieten, dass Menschen sich einen Stuhl nehmen und zu ihren Freunden an den Tisch setzen, schon gar nicht darf er mich anraunzen – da habe ich eine kurze Lunte.

Ich stehe auf und biete dem Zwerg meinen Platz an, dann könne er besser sehen. Ich brauche den Platz nämlich jetzt nicht mehr, ich will nicht die gleiche Luft atmen wie er. Mir reicht´s ich gehe heim!

Deutschland verliert, das ist mir nicht wichtig – sauer bin ich trotzdem, der Gnom hat meinen Abend versaut. Was soll´s – don´t worry, be happy!

Der neue Tag beginnt wieder auf der Bavaria meines Freundes…

Das Rigg muss zum Ziehen des Mastes vorbereitet werden

Nach meinen zwei Tassen Kaffee am Morgen, startet Sibylle die Waschmaschine und geht zur Hausarbeit über über. Einkaufen müsse sie auch, sie hätte viel zu tun! Ok, ich auch, ich gehe zu Hans-Peter und wir widmen uns heute seinem Rigg.

Er möchte gerne Stagen und Wanten austauschen, die Drähte sind schließlich schon 26 Jahre alt. Ich verstehe sein Ansinnen, erkenne aber, dass der Zustand noch top ist – offen gesagt, besser als bei mir.

Na egal, er will es so! Wir müssen also früher oder später den Mast legen lassen. Damit sich hier die Kosten im Rahmen halten, bereiten wir alles vor – sind die Spanner gangbar, sind alle Fallen sauber verräumt? Wir müssen sehen, wo die Mastverkabelung zu trennen ist und uns schonmal Zugang verschaffen. Last not least, schlagen wir den Baum ab – die Segel hatten wir vor Tagen schon abgeschlagen und verstaut.

Der Baum ist ab, noch Kabel und Fallen verräumen
Da liegt er nun, die nächsten Monate

Da Sibylle und ich heute Nachmittag verabredet waren, wollten wir nicht nach weiteren Arbeitsmaßnahmen suchen. Es bot sich aber an, die verbleibende Zeit zu nutzen, um eine Anfragemail zu formulieren und diese zum Seldén Vertreter nach Athen zu schicken. Diese Mail ging auch an „Meltemi“, der ist zwar Vertreter der Wettbewerbsmarken Sparcraft und Z-Spars, genießt aber einen hervorragenden Ruf in der Szene.

Die Marina werden wir später anfragen, sie soll nur den Mast abnehmen. Das Preislevel für die komplette Arbeit in der Marina ist uns bekannt, es scheint hoch angesetzt zu sein. Wir glauben, mit der externen Beschaffung ein oder zwei TAUSENDER zu sparen.

Danach gehen Sibylle und ich zum Abkühlen ins Meer! Das machen wir zwei, dreimal am Tag, es ist nicht weiter erwähnenswert. Heute aber erfrischen wir uns für ein besonderes Date – wir sind auf die GIOIA zum Aperitiv geladen. Danach gehen wir zusammen nach Panteli ins „Pirofani“ zum gemeinsamen Dinner.

Willkommen an Bord der GIOIA

Ich mache es kurz – wir besichtigen die neu erworbene Beneteau Oceanis 42CC, wie zu erwarten ein schönes, gepflegtes Schiff. Dass Gerald und Ulrike mir vorschwärmen, wie dieses Schiff zu ihnen passt und welche Vorteile es bietet, das überhöre ich geflissentlich, was interessiert mich das Geschwätz von gestern, aus einer Zeit als NESSAJA noch das Maß der Dinge war?

Gerald überhört im Gegenzug meinen Hinweis, dass seine Toppwanten gefährlich lose sind, nun, ich denke er wird es später richten lassen.

Mir wird aber schlagartig klar – es war die einzig richtige Entscheidung, den Verkauf von NESSAJA an die Beiden abzubrechen, sie wären mit ihrer Sicht der Dinge unserem Schiff niemals habhaft geworden, niemals!

Wir trinken einen Aperitiv, dann ziehen wir weiter nach Panteli.

Wir sollen schonmal hinsetzen, es gäbe noch etwas zu erledigen, man käme gleich nach

Gerald formuliert gewählt – man würde uns heute einladen, man freue sich des Lebens. Gemeinsam essen und trinken, was gäbe es Schöneres? Dem will ich mich anschließen, da kann man nichts hinzufügen!

Unser letzter Besuch in dieser Taverne liegt einige Monate zurück, es war Winter. Damals saßen wir drinnen, ich habe bestellt, der Tisch hatte sich gebogen – ich kenne die Beiden als Genießer. Diesmal, so schlägt Gerald vor, sollen die Damen wählen, wir könnten ja zuerst nur Salate und eine Runde Vorspeisen bestellen. Dann gehen wir in die zweite Runde und zu guter Letzt wäre ja noch Platz für ein Hauptgericht – klingt gut! Ich bin dabei!

Wir sitzen gemütlich beisammen, reden über Pläne und wie sich die Eignerlaufbahn der Beiden entwickeln soll. Ich erfahre, dass die Neueigner morgen abreisen werden und erst im April wieder zurückkommen wollen – das ist mal ein langer Break gleich zu Beginn der Eignerschaft! Ich hoffe, dass Gerald in der kurzen Zeit alle Systeme soweit erfasst hat, um GIOIA fachgerecht in die lange Winterpause zu schicken. Ich höre weiter zu – der Grund für die lange Unterbrechung seien manigfaltige Verpflichtungen. Ja, das kann ich nachvollziehen, ich weiß sehr gut wieviel Überwindung es kostet, sich aus diesem Korsett zu befreien.

Irgendwann waren wir durch, die Teller waren leer. Ich überlege so, was mir noch fehlt um meine Zufriedenheit zu erlangen, was ich als Hauptspeise wählen würde, das wusste ich am Nachmittag schon 😉

Gerald ergreift wieder das Wort – „…das war doch jetzt lecker, oder? Eigentlich sind wir doch jetzt satt, wie wäre es mit einem Eis?“

Ulrike wirft zustimmend ein – „…wir können uns ja ein Kügelchen teilen!“

Äh nein! Eigentlich bin ich nicht satt und uneigentlich auch nicht, ich esse nur einmal am Tag und habe Hunger. Mir schießt es blitzartig in den Kopf „SOUVLAKKI“. Gerald bezahlt die Rechnung und wir bedanken uns artig, dann habe ich es eilig, ich will weg! Ich will kein Eis, kein ganzes und schon gar kein geteiltes, ich will gemütlich sitzen und noch etwas trinken und essen. Im Gehen werfe ich noch einen Blick auf die Fischtheke – heute bleibt der Wunsch der Vater des Gedanken…

Satz mit X

Wir verabschieden uns, Eis gibt es nächstes Mal, lasst uns heimfahren. In Lakki biegen Sibylle und ich ab, nicht zum „SouVLakki“ wie zunächst per Geistesblitz manifestiert, nein, wir sind ins „La Palma“ Café, haben uns einen Ouzo gegönnt und Meze gegessen.

SO mag ich das…
…alles wieder gut

Ich beruhige mich – eigentlich war alles zu überstürzt. Wir hätten die Beiden verabschieden und sitzen bleiben sollen. Den Abend wie erhofft zu Ende bringen. Das wäre ein klareres Statement und auch auch eine rundere Sache gewesen, aber manchmal ist besonnenes Handeln schwierig.

Was war passiert? Nun, vielleicht war es wirklich nur eine unterschiedliche Erwartungshaltung, ist möglich. Es kann aber auch sein, dass es nicht nur uns aufgefallen ist, dass die Kommunikation nicht rund läuft. Es prallen Welten aufeinander und es kann sein, dass die Beiden einfach den Ausgang gesucht haben. Ich muss beide Optionen als möglich akzeptieren – don´t worry, be happy!

Die Geschichte wird ihren Lauf nehmen, dieses Kapitel aber ist erst einmal geschlossen. Gerald und Ulrike reisen ab, GIOIA wird, so wurde erzählt, irgendwann an Land gestellt werden. Bis 2025 also!

Am darauffolgenden Morgen, wechseln Hans-Peter und ich erstmal auf die ELOWYN. Die Ersatzteilbestellung für die LIBERTÈ ist abgeschlossen, die Anfragen für die Überarbeitung des Riggs abgesetzt. Bevor wir mit dem Schleifen beginnen, wollen wir das gröbste Projekt auf dem blauen Riesen anpacken – die Reparatur der sogenannten Mooring-Winch.

Anfangs sind wir guter Dinge, wir richten uns das Werkzeug im Cockpit sauber her, Arbeitsplatzordnung ist das halbe Geschäft – dies sollte sich später jedoch ändern…

Das Werkzeug im Schatten des Cockpits – einzelne Werkzeuge tragen wir nach vorne zur Segellast
Im Prinzip kommt man gut ran, die Arbeitshaltung ist etwas mühselig, es ist warm wie in der Sauna
Auf Deck dagegen wird man gegrillt – wir wechseln uns ab, auch ich kann im Kasten arbeiten

Ich hatte ja schon im Winter versucht, die Trommel der versenkbaren Deckswinsch von der Spindel zu bekommen – keine Chance! Der Plan war daher, das Ganze von unten anzugehen, alles zu zerlegen und das schadhafte Teil nach unten herauszuziehen – auf der Werkbank hat man dann andere Handhabe und kann alle Problemstellungen lösen. Soweit der Plan…

Leider wich die Praxis deutlich ab! Was ich als Arbeit für einen Tag angesetzt hatte, mauserte sich zu einem Vier-Tage Marathon – nur für das Zerlegen!

Das begann schon damit, dass wir uns Werkzeuge zurechtschleifen mussten.

Ich kaufe einen Satz billiger Inbusschlüssel – ich brauche einen kurzen 5er Inbus…
…den richte ich mit Hilfe meiner Akkuflex auf NESSAJA her – bei einer Tasse Kaffee, versteht sich von selbst

Nach einer Weile gelingt es uns, den kräftigen Antriebsmotor vom Getriebe zu trennen und die Schrauben, die das Getriebe mit dem Tunnel verbinden, zu lösen und herauszudrehen.

Leider ist das Getriebe in einem bemitleidenswerten Zustand, der Lack fliegt aufgrund fortgeschrittener Korossion davon, mit ihm das Typenschild. Macht aber nichts, es war ohnehin nicht mehr lesbar.

Der Motor ist ab, die Schrauben des Tunnelflansches ebenso

Leider fällt das Getriebe nicht „einfach auseinander“ wie ich es mir vorgestellt habe. Wir klopfen die Einheit mit einem Kantholz nach unten – ich sehe uns kurz vor dem erfolgreichen Abschluss unseres Tagwerkes, doch dann…

…steht die Trommel an einem Absatz im Tunnel an – nichts geht mehr. Der scheinbar geniale Plan scheitert, es wird klar, irgendwo müssen wir die Verbindung Trommel – Spindel – Getriebe trennen. Wenn nötig mit Gewalt!

In dieser Position bleibt sie hängen – nichts geht mehr, Schluss für heute

Wie so oft in diesem Monat gilt – don´t worry, be happy. Ich kläre die Situation mit Volker, er gibt grünes Licht für den Ausbau, egal wie. Morgen gehen wir wieder ran.

Um den Zustand HAPPY zu erreichen braucht es was zu essen, wir beschließen, auf NESSAJA den Grill anzuheizen.

Salat und Chicken-Souvlaki

Sibylle hatte eingekauft und einen Salat vorbereitet, ich kümmere mich um die Spieße, die auf unserem Cobb Grill brutzeln. Zusammen mit Hans-Peter genießen wir das Dinner und zwei, drei Dosen Bier.

Für den nächsten Tag habe ich eine grandiose Idee – wir werden die komplette Spindel aus dem Getriebe herauspressen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das von unten gehen muss, es sieht aus, als ob die Spindelwelle in eine Hohlachse gesteckt wäre. Das wäre toll, so könnten wir das Problem gut lösen.

Die silberne Welle in der Mitte soll nach oben herausgedrückt werden – respektive das Getriebe nach unten abgezogen werden

Von vorne herein war klar, dass wir das nicht schaffen würden, indem wir mit Kristinas rosa-geblümten Hämmerchen auf die Welle dengeln – ein Abzieher muss her!

Wie? Ihr könnte euch kein rosa-geblümtes Hämmerchen vorstellen? Ihr glaubt mir nicht???

Für den Spaß bei der Arbeit 😉

Ich rufe Giorgos an und er bietet an, dass ich sofort kommen solle um das Ding abzuholen, er sei gerade in der Werkstatt.

Wir fahren gemeinsam nach Kamara und holen das begehrte Tool – an dieser Stelle öffnet sich ein Neben-Handlungsstrang…

Wir fahren mit dem Ford Ranger kurz Offroad

Unweit von Kamara befindet sich eine riesige, moderne Lagerhalle. Dort können auch Autos und Boote abgestellt werden. Ulrich von der SOLEIL BLEU hatte mich gebeten, mal kurz nach seinem Opel „Karl“ zu sehen wenn ich wieder in Kamara sei.

Der Kleinwagen sei dort über den Sommer abgestellt und ich möge bitte kurz checken, ob das Team der Arbeiter den kleinen Flitzer auch eingepackt hat und die Batterie abgeklemmt wurde. Klar! Machen wir! Doch leider heute ohne Erfolg, der Betrieb war geschlossen, keine Menschenseele zu sehen. Na, dann ein Andermal, wir kommen ja wieder her…

Ich mache es kurz – ich kam am selben Abend noch einmal mit Sibylle und dem Motorrad hierher, um den Abzieher zurück zu bringen. Die Welle hat sich auch mit größtmöglicher Kraft nicht einen Millimeter bewegt – alles darüber hinaus wäre ein Risiko für das Getriebe gewesen. Wir brechen unverrichteter Dinge ab.

Auch am Spätnachmittag war die Lagerhalle verschlossen und niemand da. Der Tag war somit insgesamt wenig erfolgreich. Na was soll´s – don´t worry, be happy! Morgen ist auch noch ein Tag!

Der Tag, an dem wir mittelschweres Geschütz auffahren – ab heute wird zerstörerisch demontiert…

Mit dem „Fein“ schneiden wir die festgefressene, weil schräg angelaufene, Plastikmutter in kleine Stücke
Erst eins…
…dann zwei, dann drei, dann vier…

Tatsächlich wechseln wir uns ab, auch ich werkle in der engen und heißen Lücke, es sieht kleiner aus als es in Wirklichkeit ist. Man konnte ganz gut arbeiten und so „sägten“ wir uns Stück für Stück dem Erfolg näher – dachten wir…

Es war hundertfach der gleiche Prozess, ein oder zwei Schnitte mit dem „Fein“, dann mit Hammer und Meißel die Stücke ausbrechen. Ziel war, diese verfitzmaldeite Plastikmutter restlos zu entfernen.

…dann viele
Weg ist die kaputte Spindelmutter – aber nichts rührt sich

Bis zum Abend hatten wir es geschafft! Die Mutter war restlos entfernt, aber leider rührte sich immer noch nichts. Wir waren ratlos und verzweifelt, irgendwie wäre eine Art „Explosionszeichnung“ hilfreich gewesen, so hätten wir vestehen können, was sich da noch verbirgt.

Heute wissen wir, dass all unsere Mühen sinnlos waren. Die Trommel hat nach unten einen relativ langen „Hals“, das erkennt man auch auf dem Bild, dieses Aluminiumteil hat sich wohl mit der Edelstahlspindel auf einer großen Fläche per Korrosion verbunden. Leider wussten wir das noch nicht, aufgeben war keine Option.

Am nächsten Tag machen wir weiter, aber für heute reicht es, wir haben uns unser Dinner mehr als verdient – Volker schreibt per WhatsApp, dass er eine Runde Giros im „SouVLakki“ ausgibt, da lassen wir uns nicht zweimal bitten.

Zu dritt lassen wir es uns im Grillpalast gut gehen

Danach, soviel war klar, runden wir den Abend bei „Repapis“ ab, so vergisst man die Schinderei des Tages.

Zwei Kügelchen und ein Espresso – das kommt gut…
…auch Sibylle genießt, Merlin schmachtet sie derweil an – die Eiswaffel ist sein Objekt der Begierde

Am nächsten Morgen starten Hans-Peter und ich einen neuen Versuch. Wir wissen stillschweigend, dass dies unsere letzte Option sein wird, unser letzter Trumpf.

Wir haben besprochen, dass wir der verbackenen Einheit einmal „richtig einheizen“. Dafür kaufe ich mir extra einen Gasbrenner, den wollte ich schon lange haben. Wir stellen Wasser bereit, um im Falle eines Falles löschen zu können – dann halte ich die 900°C heiße Flamme auf die korrodierte Verbindung…

Es brutzelt die letzten Plastikreste weg

Während ich von unten, unter Einwirkung der Hitze, versuche die Oxidationsablagerungen zu lösen, übt Hans-Peter von oben „sanfte Gewalt“ aus – mittels eines extra angeschafften 1kg Hammers! Doch leider auch diesmal – ohne Erfolg!

Alles gibt nach, alles verformt sich, alles geht kaputt – aber die Welle rührt sich keinen Millimeter

Ich kapituliere! Wir haben genug Kleinholz gemacht, wir haben unsere Möglichkeiten ausgeschöpft. Wir haben jetzt drei volle Tage lang versucht, diese Spindel von der Trommel zu trennen – im Schiff! Alles jedoch ohne Erfolg, das Trum hängt immer noch da wie an Tag 1.

Es gibt nur eine Lösung – die ist offensichtlich

Unsere Versuche bis hierhin waren Volkers Börserl geschuldet. Wir wollten vollumfänglich reparieren und dabei Geld sparen. Wir wissen, dass so eine komplette Winsch etwa 8.000.-€ kostet – viel Geld – auch in ELOWYNs Kategorie.

Ich weiß wie ich es löse! Die Idee schlummert schon seit zwei Tagen in meinem Kopf – ich habe mit meinem Plan aber bisher hinter dem Berg gehalten. Jetzt muss es raus – „…wir schneiden die Spindel ab – Flex raus, tschengpeng, ab ist das Getriebe!“

Hans-Peter schaut mich an wie ein Auto – ich höre was er denkt. „Ach Du meiner Treu, will er das wirklich? Oder macht er Spaß?“ Nein mein Freund, es ist kein Spaß! Ich muss aber wissen, ob es die Spindel als Ersatzteil gibt, auch muss ich Volker informieren.

Wir klarieren die Baustelle auf ELOWYN und legen das Projekt auf Eis. Ich informiere Volker per Mail und schreibe eine Anfrage an den Hersteller – ich erkläre den Sachstand, zeige das Problem auf und frage Ersatzteile und eine neue Winsch als Alternative an.

Dann verlassen wir ELOWYN und wenden uns LIBERTÉ zu…

Wir gehen ihr an den Kragen, besser gesagt an den Bauch, an den Rumpf um genau zu sein. Das Antifouling und alle weiteren Anstriche müssen runter! Hans-Peter ist bestens vorbereitet, packt sein Handwerkszeug und dann kann es losgehen!

Auf LIBERTÈ ist alles im Eimer – uuups, das dürft ihr jetzt aber nicht falsch verstehen

Unsere Baustelle ist gut sortiert, wir haben Paletten um Teile und Werkzeug abzustellen, die Nachbarschiffe spenden ein wenig Schatten und mit dem Pick-Up sind wir schnell mobil, zudem können wir nachts die wertvollen Werkzeuge wegräumen – so kann man schaffen!

Genug Platz, genug Schatten und meist ein leichtes Lüftchen – man kann schlechter Arbeiten

Mein saarländischer Freund hat ein Zaubermittel gekauft – einen Abbeizer, mit dem das Antfouling wie eine alte Tapete vom Rumpf fällt – so zumindest vor unserem geistigen Auge. Genau das wollen wir heute am Ruder einmal ausprobieren.

Das Blaue soll weg – idealer Weise fallen sogar ALLE Anstriche wie von selbst ab

Hans-Peter geht mit saarländischer Unaufgeregtheit an die Sache ran. Geduldig pinselt er das Ruder mit der bräunlichen Melasse ein – dann müssen wir eine halbe Stunde warten.

Jetzt nur noch abspülen…

OK, geht halbgut

Tatsächlich geht das einigermaßen gut. Der Haken an der Sache, man müsste viel Wasser verwenden, dies würde für eine Riesensauerei am Boden sorgen – vom Umweltgedanken einmal ganz abgesehen.

Wir erkennen ebenfalls rasch, dass sich hier an diesem Platz, der Einsatz eines Hochdruckreinigers von selbst verbietet. Wir nehmen rasch Abstand von diesem Gedanken.

Wir realisieren aber, dass das Antifouling sich besser abkratzen lässt, wenn es vorher mit dem Abbeizer behandelt wurde. Dieser Schritt kristallisiert sich also als der erste Arbeitsschritt heraus – Abbeizer auftragen, einwirken lassen und dann mit der Abziehklinge von Hand abziehen. Daraus folgt automatisch Schritt zwei – den ganzen Rumpf mit der handgeführten Maschine abschleifen, wie geil! Don´t worry, be happy 😉

Weil wir wissen, dass wir hier viele Stunden verbringen werden, richten wir uns eine Pause- respektive Brotzeitecke ein. Ein Tisch war bereits da, Hans-Peter kann am Waschhaus zwei Klappstühle ergattern und ich beschaffe für die Prinzessin einen Thron.

Neu gekauft, für Sibylle ist mir nix zu teuer

Der Stuhlkauf war lustig – ich prüfe aufgrund meines Gewichtes ja immer, wie stabil ein Stuhl ist – dies gilt gerade bei diesen billigen Plastikstühlen.

Der Verkäufer hatte eine gewisse Auswahl – so zwischen 10.-€ und 25.-€ – ich gehe also die ausgestellte Reihe ab, drücke auf jeden Stuhl einmal fest drauf und sehe nach, ob er irgendwo nachgibt oder weich ist.

Auf einmal – kraaaaak! Der Verkäufer schaut mich an, ich schaue den Verkäufer an… Ich sage nur, „…den nehme ich!“ Super!

Na egal, Sibylle wird er aushalten, wir weihen unsere neue Sitzecke ein – heute wird gegrillt!

Gemütlich hier – jeder bringt was mit
Der Cobb muss ran, dafür haben wir ihn gekauft
Sibylle macht einen großen Salat, sein Fleisch und Getränke kauft jeder selber
Später gesellt sich Emanuel von der RUKIPE zu uns

Emanuel ist ein neues Gesicht. Er ist alleine hier auf seiner Jeanneau 35 RUKIPE, die bei uns am F-Ponton liegt. Wenn ihr den Namen des Schiffes rückwärts lest, dann wird klar, wie die Gesinnung des Skippers ist – Emanuel ist philosophisch, er ist ist pensionierter Lehrer und bezeichnet sich selber als Künstler – und er ist nett. Philosophen scheinen insgesamt bereichernd zu sein, ich denke dabei an meine Tochter oder an Garfield, beide haben Phasen meines Lebens geprägt – jetzt also Emanuel.

Wir hatten ein bisschen Anlaufprobleme, weil auch er natürlich ab und an Schwierigkeiten mit seinem Schiff hat. Gebe ich, selbstverständlich nur auf Nachfrage, einen Rat oder äußere meine Meinung, dann habe ich aber immer den Eindruck, als ob er genau das Gegenteil machen würde. Es kann nicht sein, was nicht sein darf (Christian Morgenstern, dt. Lyriker).

Wir haben Spaß mit dem Schwaben der, als er Sibylles Salat sah, fragte „…und wer kommt noch?“ um dann die letzte Schaufel aus der Schüssel zu holen, begleitet von dem Kommentar „…Hunger ist es nicht, aber es wär schad´ drum!“ Er wird noch das ein- oder andermal an unseren Runden teilnehmen…

Währenddessen liegt die EDINA noch an der Stadtmauer. Der Generator läuft wieder, aber nicht zuverlässig. Es ist nicht der bereits reparierte Motor der Zicken macht, nein, es ist die Einspritzpumpe, die immer wieder für Unbill sorgt. Ed beschließt, dass er die Pumpe ausbauen lässt und dann nach Hause fliegt – EDINA kommt an Land!

Ich komme gerade dazu – Zeit sich von Ed zu verabschieden, er wird unmittelbar nach dem Kranen abreisen

Heute geht es mit Hans-Peters Unterwasserschiff weiter. Wir haben die richtige Arbeitsmethodik noch nicht gefunden. Der Saarländer reißt sein Werkzeug aus dem Wagen, der „Fein“ wird als Schleifmaschine getestet (zu klein) und zudem kommt eine Poliermaschine, welche auch zum Schleifen verwendet werden kann, zum Einsatz (zu wenig effizient).

Erst das Blaue weg, dann Rot, Schwarz und Grau – Leopardenmuster sind en vogue

Während der Eigner das blaue Antifouling mit dem Abbeizer einstreicht, sich dabei die Armbeuge verätzt und dann den Rotz vom Rumpf kratzt, nehme ich die schleifende Poliermaschine und brummle damit über das Ruderblatt.

Der erste Schritt

Ich schleife das Ruder ab, wir bohren Löcher und lassen das Wasser ablaufen. Das Ruderblatt ist beschädigt. Es hat leichte Osmose, einen Riss auf der Oberseite und mehrere Reparaturstellen unterschiedlicher Qualität.

Wir werden es retten können, soviel ist klar, aber es wird Mühe machen. Wir müssen obendrein exakt feststellen, wie weit das Wasser im Inneren des Ruderblattes schon zerstörerisch wirken konnte.

Ein Andermal! Sibylle und ich müssen weg, wir sollen zu einer Testfahrt mit dem FLIPPER nach Xirokampos kommen. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen!

Links der FLIPPER

FLIPPER ist ein Boston Whaler mit einem 70PS Zweitakt Evinrude. Er gehört Susannes Tochter Sophie und sie findet, dass so ein Fahrzeug bewegt werden muss. Dem kann ich nur zustimmen!

Der Anhänger wurde inzwischen repariert, der Flipper bekam eine neue Batterie und wurde geslippt. Jetzt soll er im Wasser bleiben und genutzt werden, gerne auch durch uns – zum Beispiel wenn im August Sibylles Sohn Florian mit Familie zu Besuch kommt. Das klingt gut, also machen wir eine Einweisung mit anschließender Testfahrt!

Langsam brummeln wir aus dem Ankerfeld
Aber dann geht´s ab

Ich muss an früher denken, an meine Bertinetti Cigalla mit ihrem Traummotor. Ich liebe dieses Geräusch – rängdängdängdäng – und gut gehen tun sie allemal, die Zweitakter 😉

Als wir zu Susannes Haus fuhren, haben wir ein uns bekanntes Boot in der Bucht gesehen – er ist wieder da! Nein, nicht der, Philipp ist mit seiner AMAÉ wieder da!!!

HR 352 AMAÉ – zurück nach einer Weltumsegelung

Philipp und Kristel sind ein junges schweizer Paar. Wir haben die Beiden im ersten Jahr unseres #Lebens 2.0 kennen gelernt. Sie hatten da gerade die Hallberg-Rassy 352 gekauft und diese in der Leros Marina für die Reise ihres Lebens hergerichtet. Klar, dass wir uns einige Male getroffen haben, uns ausgetauscht und gefachsimpelt haben. Der Unterschied nur – sie haben es dann gemacht! Einfach abgelegt und bis Neuseeland gesegelt.

Von da aus ist die AMAÉ auf einem Frachter zurück nach Europa gereist und ist jetzt von Genua aus nach Leros zurückgekehrt.

Wir fahren vorbei, winken Philipp zu und verabreden uns für einen der nächsten Abende.

Wir bringen FLIPPER zurück an den Anlegesteg und verabschieden uns von Susanne und Sophie, bis heute Abend, da würden wir gemeinsam eine neue Taverne besuchen und testen.

Sibylle und ich beschließen am Heimweg, dass wir uns ein Eis gönnen!

Eis am Nachmittag – selten aber lecker

Während wir bei „Repapis“ sitzen, schellt mein Telefon. Eine Nachricht von Ed – er möchte wissen, ob seine EDINA sauber aufgepallt wurde und sicher an Land steht. Ob ich wohl ein Foto…?

Klar, mach ich gerne!

Wie ELOWYN steht auch EDINA nun bis September an Land

Viel Zeit bleibt nicht mehr, macht aber nichts, denn auch Sibylle muss sich diesmal nicht „frisch machen“ – denn wir sind am Merikia Strand zum Baden verabredet, gleich anschließend wollen wir, wie bereits erwähnt, das neue Lokal direkt am Strand austesten.

Gesagt, getan – auf zum Merikia Beach…

Schattenplatz für´s Mopped

Ich bemerke Seltsames – meine hintere Bremse an der GS funktioniert nicht mehr. Sie hatte ab und an etwas gezickt, aber jetzt geht gar nichts mehr.

Ich werde das später bei Loukas ansehen lassen, er wechselt die Bremsflüssigkeit, entlüftet das System, auf Dauer aber erfolglos. Ich nehme es vorweg, ich werde ein paar Tage später einen neuen Bremszylinder bestellen, Sibylle wird ihn aus Deutschland mitbringen – derweil muss die Vorderbremse reichen.

Aber jetzt erstmal baden…

Pepe hat seinen Spaß mit uns – und wir mit ihm

Ich bin kein Fan des Merikia Strandes. Er hat nach fünf bis sechs Metern so komische Steinplatten im Wasser, man weiß nicht, soll man drüberklettern oder drüberschwimmen. Irgendwie nervt mich das.

Aber diesmal war es nett, zumal wir ja unmittelbar vor der Taverne beim Schwimmen waren. So konnten wir abgefrischt an unseren, reservierten, Tisch gehen.

Das „Serza“ ist ein neues Lokal

Wir haben schon von anderen Seglern gehört, dass das „Serza“ tolle Gerichte anbieten würde. Das Ambiente passt, man könne es empfehlen.

Dieser Meinung schließen wir uns vollumfänglich an! Wir haben nahezu alle Meze probiert, die der Wirt anbietet, alles war ausnahmslos gut bis sehr gut. Der Service war wirklich prima. Die 4,9 aus Google Maps ist verdient und gerechtfertigt.

Wir bleiben dran, ich werde berichten, ob diese Taverne auch auf die lange Bank dieses Qualitätslevel halten kann – dort waren wir nicht zum letzten Mal!

Eines sei aber als Nachteil erwähnt, wir hatten an unserem Tisch, nahe am Garten, eine Menge Wespen die sich auf unser Essen stürzten, das war unangenehm.

Spaghetti mit Tuna, Lemongras und Knoblauch – waren sehr gut

Der Folgetag ist ein Sonntag, Sibylle und ich nehmen einen Tag von den Fremdbaustellen frei um uns um NESSAJA zu kümmern – ich habe einfach Lust, mal wieder etwas an unserem Zuhause zu arbeiten.

Nach dem Frühstück gehen wir baden und dann sehen wir bei Hans-Peter vorbei. Nichts zu sehen von unserem saarländischen Freund – nur Merlin hält Wache! Naja, nicht schlimm, er weiß wo er uns findet und dass wir heute auf NESSAJA werkeln.

Hallo Merlin

Die Idee ist, dass wir heute gemeinsam das Bett zerlegen, auf meiner Seite die Wasserleitung für den externen Druckwasseranschluss verlegen und danach alles wieder aufräumen. Das geht zu zweit besser, zudem will Sibylle mal „in den Ecken porentief sauber machen“ – nicht zuletzt deshalb beginnen wir mit diesem Arbeitsposten, denn in ein paar Tagen schon wird meine Gattin nach Deutschland abreisen.

Potztausend, was da alles unter dem Bett verstaut ist – Sibylle ist übermächtigt von der Menge der auszuräumenden Teile. Die Matratze verschwindet schonmal im Salon…

Wir machen Platz um die Ersatzteile ablegen zu können
Das alles muss raus – ich brauche kein Foto, denn ich liebe „Tetris“ und habe einen Stauplan
Ging recht schnell, jetzt noch die Ersatzschläuche raus – dann kann es losgehen

Nachdem wir den Zugriff zu den Ecken und Winkel freigelegt hatten, durfte Sibylle loslegen. Staub wurde gewischt, Wasserspuren in Richtung Bilge beseitigt. Es wurde die Gelegenheit genutzt, ein wenig Schimmel aus den Ecken zu popeln und diese Bereiche chemisch zu behandeln.

Porentiefe Reinigung – auch in den Ecken und Kanten

Alles wurde gründlich geputzt und gesaugt, dann war ich wieder am Zug. Es musste nun die 15mm starke Whale Kunststoffleitung entlang der anderen Leitungen verlegt werden. Ich hoffte, dass die vorhandenen Schottdurchbrüche ausreichend groß waren, um noch eine weitere Leitung aufnehmen zu können.

Ungefähr vier Meter Leitung waren zu verlegen
Die ersten drei Meter sind geschafft

Die Leitung musste über die gesamte Länge des Bettes und durch meinen Stauraum am Kopfende geführt werden. Diesen musste ich zuerst komplett ausräumen, erst dann hatte ich Zugang zum Außenwasseranschluss, genauer zur Anschlussdose, das Anschlussventil musste ich ebenfalls in diesem Zug einbauen – jetzt, als ersten Schritt.

Barbapapaarbeiten – wie ich das liebe! Aber „Flexman“ passt in jede Lücke
Anschlussventil mit Whale WX15 Anschlussleitung

Man kommt da echt schlecht ran, hoffentlich ist alles dicht! Ich will es vorwegnehmen, war es nicht! Doch dazu später mehr…

Soweit, so gut! Wir gönnen uns ein Päuschen und eine Tasse Kaffee. Ich muss mich durchlüften. Es muss aber gesagt werden, dass das Arbeitsklima so schlecht nicht war, wir hatten nämlich die Klimaanlage im Schlafzimmer laufen und konnten so bei angenehmen Temperaturen schaffen.

Trotzdem war der Kaffee mehr als verdient!

Kaffeepause, danach geht es weiter

Nach der kurzen Verschnaufpause machen wir den Anschluss am anderen Ende fertig, indem wir die Whale Leitung mit dem bereits verbauten 3-Wege Hahn verbinden. Geschafft, einen Zulauf haben wir schonmal, den Rest des Systems mache ich später, das ist ein Job für mich alleine.

Wir räumen alles wieder auf und sind zufrieden. So haben wir uns das heute vorgestellt.

Weil ich gerade in Schwung bin, hisse ich noch eine neue Gastlandflagge, diesen Respekt sind wir unseren Gastgebern schuldig. Die Alte hat der stetige und kräftige Meltemi förmlich „aufgefressen“!

Höchste Zeit – eine neue Gastlandflagge kommt unter die Steuerbordsaling

Abends gehen wir zusammen mit der schweizer Fraktion zum Dinner. Es gilt Roland zu verabschieden, er hat eine Operation vor sich und muss hierfür in die Schweiz. Ein Routineeingriff, wenn alles klappt sehen wir uns im November wieder. Für sein „Abschiedsessen“ wählt er die Pizzeria „La Nostra“.

Zu uns gesellen sich Christa und Rinaldo von der AEGEAN BLUE sowie Hans-Peter und Merlin.

Als Rinaldo auf die Pizzeria zuläuft, erkenne ich schon von Weitem, dass auch er dem „Blanc du Nil“ Fieber verfallen ist. Neben Sibylles Bruder und unseren Freunden Nader und Christine aus Erding, kennen wir so viele Segler die diese weiße Leinenkleidung tragen – unweigerlich muss ich dabei immer an Julia und Hajo denken, die Beiden haben wir leider aus den Augen verloren.

Muss man als Segler haben

Sibylle will mir das immer einreden – „…Du die haben bis 5XL, das könntest Du auch immer anziehen wenn wir abends fortgehen!“ Hm, ok, aber wie oft gehen wir abends fort? Und gehen aus dem Leinenzeugs auch Motorölflecken wieder raus? Ich weiß nicht…

Mal sehen! 😉

Am nächsten Morgen geht es richtig zur Sache! Hans-Peter und ich haben uns in die Augen gesehen und uns eingestanden, dass das Leopardenmuster an LIBERTÈs Rumpf zwar sexy aussieht, aber aufgrund der unbekannten Verträglichkeit mit seinen neuen Anstrichen eher abgemacht werden sollte.

Als wir über den Kauf einer neuen Exzenterschleifmaschine nachdenken, kommt Roland hinzu und bietet uns seine an. Super! Nehmen wir gerne an! Trotzdem kaufen wir eine baugleiche Zweite und können fortan gemeinsam dem dicken Rumpf der Bavaria zu Leibe rücken.

So muss das aussehen! Ich schleife rechts…
Hans-Peter schleift links – wir nehmen alle Anstriche bis auf´s Gelcoat herunter und bauen danach neu auf

Die Arbeit ist anstrengend, schweißtreibend, kräftezehrend. Wir merken es jeden Tag mehr, dass die Maschinen, welche wir von Hand führen, ein gewisses Gewicht haben und dass auch der Anpressdruck den wir ausüben müssen nicht ohne ist.

Abends essen wir meistens zusammen, nicht so heute – denn heute ist der Tag, an dem wir mit Philipp von der AMAÈ verabredet sind. Wir treffen uns in Xirokampos, wo er immer noch vor Anker liegt, auf ein gemeinsames Dinner im „Porto Nicola“. Der Tag war bewusst gewählt, denn Sibylle wollte teilhaben – aber morgen schon wird sie nach Deutschland fliegen.

Es wird ein langer, aber sehr kurzweiliger Abend

Ich denke ihr könnt euch vorstellen, was man einen Abend lang mit einem Freund bespricht, der gerade von einer Weltumsegelung zurück gekommen ist. Er berichtet in hehren Worten, zeigt bunte, beeindruckende Bilder. Wir kleben an seinen Lippen und fragen viel.

Gerade Sibylle löchert den Eidgenossen mit ihren Fragen, ich merke natürlich, dass sie alle ihre Negativpunkte abfrägt. Philipp weiß das nicht oder ahnt es nur ansatzweise, er antwortet ehrlich und die Antworten sind, zu unserer beider Überraschung, allesamt positiv! Klar, es gibt die üblichen, allgemein bekannten Einschränkungen, aber am Ende keinen Grund es nicht zu tun.

Sibylle wirkt nachdenklich, ich bin sicher, dass es Tage gibt an denen sie weiß, dass sie mit ihren Bedenken den letztmöglichen Peak unseres Lebens kappt, die Phase auf die ich 30 Jahre lang hingelebt habe. Hat das Auswirkungen? Ich weiß es nicht…

Spät am Abend lösen wir die illustere Runde auf. Philipp geht auf seine geliebte Hallberg-Rassy, mit der er in ein paar Tagen in die Marina kommen wird. Wir dagegen ziehen uns auf unsere NESSAJA zurück, wir schlafen ein, wortlos, heute gibt es nichts mehr zu besprechen, jeder hängt seinen Gedanken nach.

Beepbeep, beepbeep, beepbeep – ich hasse den verfitzmaledeiten Wecker! Besonders dann, wenn er um 03.00 Uhr klingelt! Sibylle steht auf und richtet sich zusammen, ich folge ihr ein paar Minuten später. Um 03.30 Uhr laden wir ihre Tasche in Hans-Peters Ford Ranger, ich fahre sie zum Fährterminal. Die Fähre läuft schon ein, als wir am Parkplatz ankommen.

Wir parken gerade den Pick-Up, schon lässt die Fähre den Anker fallen
Sibylle ist verschlafen, ich auch
Es dauert einen Moment bis der riesige Zubringer am Kai festgemacht hat…
…dann ist er bereit zum Einsteigen

Wir verabschieden uns kurz, dann steigt meine Gattin zu. Sie verlässt Leros mitten im Sommer, wie immer gibt es auch dafür ein Dutzend Gründe, so dass jegliches Argument verpuffen würde bevor man es überhaupt geäußert hat.

Ich bin, offen gesagt, nicht begeistert. Der Sommer ist die Phase in der auf Leros die Feste sind, die Veranstaltungen. Das Meer lädt zum Bade und die Freunde sind auch wechselweise hier. Das Wetter ist stets stabil, ok, es ist sehr warm, aber es ist zuverlässiger Hochsommer. Wir sitzen in der Eisdiele und Grillen fast täglich. Es ist die Zeit, die wir gemeinsam genießen könnten – wer da nach Hause muss, weil es zu heiß ist, weil Sehnsüchte plagen, weil Arzttermine zu erfüllen sind…

…der ist vielleicht generell falsch aufgestellt. Ich persönlich vertrete auch den Standpunkt, dass die Abstände zwischen den Deutschlandaufenthalten immer kürzer werden, ich erinnere, wir sind erst am 16. Mai, also vor einem Monat, vom Heimatbesuch zurückgekehrt. Sibylle spielt dies als Zufall herunter, nun, wir werden sehen wo sich das hinentwickelt, in jedem Fall beeinflusst es mein Denken und meine Pläne.

Am Nachmittag schickt mir Sibylle die Bilder von ihrem Flug. Der Jet hat Leros überflogen und sie konnte ein paar nette Aufnahmen machen. Sie ist gut angekommen und wird erst im August zurückkehren.

Leros von oben
Sibylle auf dem Weg nach München

Ich fahre zurück auf NESSAJA, es beginnt die Monatshälfte, in der ich auf mich alleine gestellt bin. Ich muss mich umorganisieren, das dauert immer ein bisschen.

Ich erinnere, es ist ungefähr 04.30 Uhr, ich überlege gerade, ob ich mich noch einmal hinlegen soll. Nur noch schnell den Laptop auf den Salontisch stellen, dort soll er für die nächsten zwei Wochen stets greifbar sein. Dafür muss ich einen Kabelbinder aufschneiden…

Ihr ahnt was kommt, schlaftrunken greife ich zur High-End „Fiskars“ Haushaltsschere, setze diese an und… rutsche ab! Autschn!

Gut, wenn man ganz superscharfe Scheren hat

Mein Mittelfinger rutscht zwischen die beiden Scherenklingen und bevor der Widerstand des Fleisches die schwerkraftbedingte Abwärtsbewegung bremst, schneidet sich die eine Schneide tief durch die Epidermis meines ersten Fingergliedes.

Ich bin sowas gewohnt und normaler Weise ficht mich das nicht an – hier aber war ich einen Moment aufgeregt – das Blut rann aus dem 1cm langen Schnitt, anders als sonst, ließ sich der Blutfluss nicht durch festes Zudrücken stoppen, zumindest solange, bis man ein Pflaster geklebt hat.

Im zweiten Versuch haut es hin

Ich dachte schon, dass ich Hans-Peter wecken muss – entweder um mich zu verarzten, oder um mich zum Nähen zu fahren. Im zweiten Versuch bekomme ich es aber hin, ein Pflaster zu kleben und den Blutfluss zu stoppen – die Nacht war natürlich jetzt vorbei…

Was tun? Ruhe bewahren und Kaffee trinken!

Das bekomme ich auch einhändig hin

Ich besinne mich des selbstklebenden Verbandes, den Ina uns geschenkt hat. Ich bin 57 Jahre durchs Leben gekommen, musste im Laufe dieser Jahre viele Cuts und Wunden wegstecken, hatte aber von dieser genialen Erfindung noch nie gehört – ein Verband, der auch am Finger zumindest ein paar Stunden sicher hält!

Für die kommenden Tage gehört es zur morgendlichen Routine die Schutzverbände für meine Wunden anzulegen, so halten auch die Pflaster.

Beide Mittelfinger – na toll

Dass ich zum Zurechtschneiden der schmalen Verbandstreifen wieder die fiese „Fiskars“ Schere verwenden muss, ist sicher ein Streich des Schicksals.

Der Tag hat ja gerade erst angefangen – waidwund schlurfe ich zu Hans-Peter. Der Saarländer hat scheinbar Energiesemmeln mit Ovomaltine gefrühstückt, denn er ist schon am Kratzen. Der untere Bereich des Rumpfes obliegt ihm, denn ich wage es nicht, mich auf das Brett zu platzieren – obwohl, gemütlich sieht es schon aus! SO arbeitet man heute – Wellnessarbeit…

Relaxtes Arbeiten – ich gebe ihm ab und an einen Stups um zu verhindern, dass er einnickt

Ich habe den Eindruck, dass es ihm gelegen kommt, dass ich heute Hilfe bei einem meiner Projekte an ELOWYN brauche. Er lässt die Ziehklinge fallen und wir gehen gemeinsam zum blauen Riesen, der aufgepallt an Land steht – heute machen wir der Spindel den Garaus, die Teile müssen endlich raus!

Und das geht diesmal wirklich gut, deutlich schneller als erwartet!

Nach einer Stunde liegen die beiden Teile an Deck

Hans-Peter ist der Bedenkenträger von uns beiden, er ist zudem unsere Stimme der Vernunft – er mahnt Löschvorbereitungen an. Ok, ich willige ein. Wir stellen einen Wassereimer bereit und hängen die Vorpiek mit feuchten Tüchern aus. Dies soll verhindern, dass die kleinen Funken welche beim flexen entstehen, das Schiff anzünden.

Tatsächlich haben wir die 50mm V4A Spindel mit der kleinen Flex durchtrennen können, der Scheibendurchmesser war gerade groß genug, ich musste aber von drei Seiten reinschneiden.

Die letzten 2mm konnte ich das Getriebe „abnackeln“ und so auch kontrolliert halten und an Deck legen. Die Trommel mit dem festgefressenen Wellenteil ließ sich dann mühelos nach oben aus dem Tunnel schieben.

Wir verlassen ELOWYN, nehmen die Teile mit und bauen sie wie Trophäen auf…

Das linke Teil ist Schrott, da ist nichts mehr zu retten, das rechte Teil ist das Getriebe, dies soll wiederverwendet werden…
…dafür muss der abgeschnittene Wellenstumpf entfernt werden

Ich kontaktiere Giorgos, denn hier brauche ich seine Hilfe. Er reagiert sofort und weist mich an, sofort zu ihm zu kommen.

Das trifft sich gut! Ich gebe die Teile ab, er verspricht mir baldmöglichst Bescheid zu geben. Wenn ich schonmal da bin, kann ich auch gleich die Einspritzpumpe von Eds EDINA bezahlen, darum hat mich der Wahlberliner gebeten.

Die Pumpe ist repariert, eine Feder war gebrochen – eingebaut wird sie im September

Vermutlich liegt es auf der Hand, dass der Hersteller der Deckswinch positiv auf meine Teileanfrage reagiert hat, ich hätte die Spindel sonst nicht so leichtfertig durchtrennt.

Eine Mitarbeiterin der Herstellerfirma, Chiara, bot erstklassigen Service und eine tolle Kundenkommunikation – dafür hatte ich mich sogar dazu entschieden auf Italienisch mit ihr zu kommunizieren! Natürlich hat Google dabei geholfen, aber der Zweck heiligt die Mittel!

Wir bekommen das begehrte Ersatzteil, welches als Kit angeboten wird.

Kostet lässige 2.500.-€

Klar, viel Geld – aber im Vergleich zu den rund 7.500.-€ die eine neue Winsch laut Angebot gekostet hätte, ist das vergleichsweise günstig. Das Getriebe kostet als Ersatzteil rund einen Tausender, den wollen wir sparen.

Ich bitte Giorgos, das Getriebe, wenn möglich, nicht zu zerlegen. Ich hatte bis dato nicht abgeklärt, ob es Ersatzteile dafür gibt.

Wir verabschieden uns und fahren noch einmal zu der Lagerhalle um nach Karl dem Opel zu sehen – und siehe da, es war offen! Doch was sag´ ich nun???

Ich lüge und riskiere hierfür ein paar meiner Karmapunkte…

Ein Foto mache ich nur von den Reifen – völlig sinnbefreit

Ich kam mir blöd vor. Hätte ich sagen sollen, „…hallo, ich bin der Mario und komme um zu kontrollieren ob ihr den Karl auch gut behandelt!“

Nein, keine Option – ich sehe mit einem Blick, dass der kleine Flitzer gut geparkt ist, er ist abgedeckt, die Haube kann ich später dem Besitzer beschreiben. Ob allerdings die Batterie abgeklemmt ist, hätte ich erfragen müssen – unter der Haube kann man die Türen nicht öffnen.

Ich berichte dem Besitzer und appelliere an sein Vetrauen in die Griechen. Lassen wir es darauf ankommen!

Danach fahren wir zurück Richtung Marina – heute haben wir nicht hart gerackert und doch viel geschafft. Hans-Peter will am Weg noch einkaufen, das trifft sich gut, auch ich muss auf den „Strohwitwerleben-Modus“ umstellen und meine Schubladen füllen…

Alles was man(n) so braucht

Genug für heute – mein Freund aus dem Saarland kocht heute an Bord, zudem muss er noch eine Runde mit Merlin gehen. Für mich, soviel ist klar, gibt es an Tag 1 von Sibylles Abwesenheit nur eine Adresse für´s Dinner 😉

„SouVLakki“ – I love it
Die Sonne geht langsam hinter den Hügeln unter, die Temperaturen werden angenehm
Heute speise ich alleine

Am nächsten Morgen treffe ich Hans-Peter wieder – ich melde mich gehorsamst zum Einsatz auf der Baustelle LIBERTÈ. Ich habe auch eine Idee in petto was ich heute machen könnte – ich säge Fenster in das Ruder!

Schockschwerenot, WAS machst Du? Ich säge Fenster in das Ruder! Das muss so, denn wir müssen den Zustand des Füllschaums und den Feuchtigkeitsgrad innen bestimmen – erst dann können wir beurteilen, welche Maßnahmen zur Rettung des rund 5.000.-€ teuren Ruderblattes ergriffen werden müssen.

Hans-Peter hat eine technische Zeichnung des Ruders, das hilft immens…
…wir übertragen die Bemaßung und legen die Ausschnitte fest
Dann heißt es – ran an die Flex
Kurze Zeit später haben wir unser eigenes „Windows“

Erfreulicher Weise zeigt sich, dass die Schäden nicht so gravierend sind wie befürchtet. Der Füllschaum ist nur an zwei Stellen zerfressen, insgesamt ist er weitgehend trocken.

Das bedeutet, dass wir das Ruder wohl eine Woche in der Sonne liegen lassen werden, so kann es innerlich komplett austrocknen. Dann werden wir die Lücken im Schaum schließen und die Ausschnitte wieder einkleben. Danach entfernen wir alle alten Reparaturstellen, um im Anschluss daran das Ruderblatt neu zu laminieren und mit Epoxidharz instand zu setzen – danach erfährt es die gleiche Behandlung wie der Rumpf.

Ach ja, der Rumpf – was macht der eigentlich???

Langsam geht es voran

Inzwischen haben wir eine gute Arbeitsaufteilung – Hans-Peter kratzt das blaue Antifouling nach dem Einlassen mit dem Abbeizer ab. Das macht nur er, denn wir haben nur eine Abziehklinge nebst Staubsauger. Ich hingegen schleife mit dem Exzenterschleifer alles was danach rot, schwarz und grau ist – von oben nach unten, soweit wie man sich bücken kann.

Der untere Bereich des Rumpfes obliegt dann wieder Hans-Peter, diesen Bereich macht er im Liegen. So teilt sich die Arbeit gut auf, wir sind uns nicht im Weg und jeder weiß was er zu tun hat.

So vergeht der Tag – und die folgenden auch! Am Abend essen wir meist zusammen, gerne heizen wir den Grill an und sehen dabei zu, dass wir uns nicht mehr Arbeit machen als nötig. So kam es auch, dass wir uns eine Lage Pappteller gegönnt haben, der Abwasch fällt so geringer aus.

Wir machen es uns nett, jeder bringt seines mit – Emanuel kommt auch
Der Ausblick von unserem Speiseplatz ist akzeptabel
Wir sorgen täglich für eine gewisse Baustellenordnung

Zum Einkaufen gehen wir meist zusammen, wir fahren fast jeden Tag eine Runde durch den Ort. Meist sind es Getränke, denn wir kübeln zur Zeit richtig was weg, klar, wir schwitzen den ganzen Tag, die Temperaturen fordern ihren Tribut!

Andermal brauchen wir Werkzeuge oder Ersatzteile, oder wir kaufen beim Metzger das Grillgut. Hier passiert es mir, dass ich nur noch 7,50€ in der Tasche habe – ich mache es mir einfach und lege das Geld auf den Tresen. Dafür Souvlaki Kotopoulo bitte…

Äh, ok – ich bekomme 840gr und akzeptiere die Challenge
Salate, Brot und Chicken Souvlaki – das Leben kann so einfach, so schön sein
Klar, dass es ein Bierchen dazu gibt – irgendwie erinnert mich das alles an früher

Just in dem Augenblick als wir futtern, geht der heute angekommene Nachbar duschen – an Bord des an Land stehenden Schiffes. Das ist nicht nett!

Das Duschwasser prasselt nach unten, bildet aber auf seinem eigenen Schlauchboot eine Pfütze – Glück gehabt

Lang wird der Nachbar nicht bleiben, erfahren wir – er sei extra angereist um dem Austausch seines Bootsmotors beizuwohnen. Der Arbeitsbeginn für morgen sei ihm schriftlich zugesagt worden.

Bei einer Rücksprache mit der Marinaleitung wurde ihm aber mitgeteilt, dass dies nicht so ist. Der Motor wird nicht jetzt eingebaut – es gab wohl einen Disput, welchen uns der Angelsachse aber nicht näher erläutert hat. Jedenfalls ist der Mann zwei Tage nach seiner Ankunft wieder nach Hause geflogen.

Dass am Tag darauf die Mechaniker mit der Arbeit begonnen haben, ist wohl eher ein Zufall…

Plopp – ich denke noch darüber nach, als mich eine Nachricht von Giorgos aus den Gedanken reißt! Er hat die Achse draußen, ich könne bestellen – ach und die zwei Lager und die beiden Dichtringe für´s Getriebe soll ich auch gleich mitbestellen!

WAAAAAS? Nein, bitte nicht! Doch…

Giorgos freut sich – alles zerlegt, alles gut
NEIN – ich weiß nicht ob es die Lager und die Dichtringe einzeln gibt

Frust! Ich mag Giorgos so gerne und schätze seine Arbeit als hochprofessionell – aber manchmal verselbstständigt er sich. Eine Nachricht hätte genügt…

Und es kam wie es kommen musste! Die Nachfrage beim Hersteller ergab, dass die Teile nicht einzeln verfügbar sind, man böte uns das komplette Getriebe für reduzierte 825.-€ plus VAT an. Na super!

Don´t worry, be happy – es gelingt diesmal nicht vollumfänglich, ich bin ein wenig angesäuert, nehme aber den einfachsten Lösungsweg. Ich schreibe Giorgos, dass ich die Teile nicht bekomme, er möge sie bitte beschaffen. Naja, die Antwort kommt prompt – er sieht keine Probleme die Lager und die Dichtringe in Athen zu bekommen, er kümmere sich darum.

Perfekt! Ich bestelle später am Tag den Reparaturkit und wir legen dieses Projekt an ELOWYN erstmal auf Eis – es geht weiter, wenn die Teile angekommen sind und das Getriebe repariert ist.

Für den nächsten Morgen bin ich mit Marietta verabredet – wir wollen Werbeschildchen für „The-Leros-Way“ aufhängen. Ich stelle den Wecker, denn wir treffen uns frühmorgens – es herrscht Südwind, es ist heiß und schwül.

Acht solcher Schilder hänger wir auf – an jedem Steg eines

Nach getaner Arbeit zieht die quirlige Lerianerin von dannen und ruft mir, während sie in ihr Auto steigt noch zu, dass es heute Abend Kotopita (ihr erinnert euch) in ihrer Taverne „Μπακάλικο με τσίπουρο“ gibt – ich solle vorbeikommen, ich sei eingeladen!

„Danke!“ rufe ich ihr nach – aber sie hört es nicht mehr, sie braust davon…

Ich bin verschwitzt und will noch eine zweite Tasse Kaffee, ich gehe zurück auf NESSAJA.

Puh, Ventilator an, T-Shirt zum trocknen hängen

Danach gehe ich zu Hans-Peter, melde mich zum Dienst und greife nach dem Exzenterschleifer – ich arbeite mit dem von Roland ausgeliehenen Modell. Er schleift, er quietscht, er dreht sich langsamer, er exzentert nicht mehr – Ende Gelände, ich habe das Ding geliefert!

Schreck lass´ nach! Hans-Peter eilt herbei um sich ein Bild von dem Schaden zu machen – er beginnt, die nun scheinbar verlorenen 50.-€, welche mit Roland als Entschädigungssumme bei Totalverlust vereinbart wurden, zu bejammern.

So schnell gebe ich nicht auf! Ich weihe meinen Freund in meinen Plan ein – „…wir öffnen das Ding und sehen nach ob etwas zu reparieren ist!“

Der Patient liegt auf dem OP-Tisch – wir öffnen das Gehäuse

Im Inneren kann ich keine Fehler feststellen. Die Kohlen des Elektromotors sehen noch gut aus, alles dreht sich frei. Die Exzentermechanik liegt außerhalb.

Ich reinige das Gerät ein wenig und baue es wieder zusammen. Im nächsten Schritt sehen wir uns den Exzenter an…

Fehler gefunden – das Lager ist gefressen

Hier liegt der Fehler im Verborgenen – das kleine Lager ist gefressen.

„Ach Du großer Gott…“

Hans-Peter hat Bedenken, dass man dieses Lager auf Leros bekommt. Ich bin anderer Meinung, denn ich weiß, dass unser Panos in Sachen Lager recht gut sortiert ist – und siehe da, er hat exakt dieses Lager, sogar vom führenden deutschen Hersteller SKF, im Regal liegen.

Perfekt – ich baue das Gerät wieder zusammen und weiter geht´s mit der Schleifarbeit…

Tut wieder

Was die Arbeit an den Schiffen angeht, bin ich etwas forscher als mein saarländischer Freund. Umgekehrt bin ich ausgeprägt defensiv, fast schon ein Faulpelz, was all die Rundumarbeiten betrifft – hier entlastet mich Sibylle in unserem normalen Alltag. Zur Zeit optimiere ich meinen Haushalt wo es geht, komme so meist um das Kochen und das Abspülen herum.

Hier hat Hans-Peter alle Trümpfe in der Hand. Er liebt das Kochen, die Hausarbeit macht ihm, obwohl er an Land steht und erschwerte Bedingungen hat, nicht viel aus – er ist da echt hart im Nehmen – Chapeau!

So kommt es, dass er mich heute zum Essen einlädt – ich nehme gerne an, die Einladung von Marietta habe ich eher für so eine „wenn Du Zeit hast“ Aussage gehalten. Es spricht somit nichts dagegen, dass ich zusammen mit meinem Freund auf dessen LIBERTÉ dinniere.

Ich bin pünktlich – Merlin erwartet mich schon
Natürlich findet der Terrier seinen Platz bei uns
Es gibt Tagliatelle mit Thunfisch-Sahne Sosse

Während des Essens schreibt mir Marietta und fragt nach, wo ich denn bliebe. Sie erklärt mir, dass sie extra „ein bisschen“ Chickenpie für mich aufgehoben hat.

Ich gestehe ihr die Situation und sie bietet an, dass ich den Chickenpie am nächsten Tag abholen könne. Ok, so machen wir das – ein sehr gerne genommenes Angebot!

Am nächsten Morgen, nach vier Tagen gemeinsamen Schleifens, haben Hans-Peter und ich eine Patt-Situation erreicht. Ich habe ihn eingeholt, er muss erst wieder etwas Antifouling abkratzen, bevor ich weiter Schleifen kann – wir vereinbaren, dass wir einen Tag getrennt arbeiten, er kratzt den Bauch von LIBERTÉ und ich poliere den Propeller von ELOWYN!

Um nicht etliche Male zu Fuß durch die ganze Marina marschieren zu müssen, mache ich Sibylles „Breezy“ als Shuttle klar – ich packe mein Werkzeug in den Rucksack und fahre zum aufgebockten Riesen.

Strom für das Ladegerät ist da, die Akkuflex ist das Werkzeug der Wahl
Auf die Akkuflex kommt die Messing Topfbürste

Ich wusste, dass die Akkus die ich besitze, nicht für das lange Schleifen geeignet sind. Ich habe daher gleich das Ladegerät und den Zweitakku mitgenommen. So gewappnet lege ich los und rücke den Muschelrückständen am „Max-Prop“ zu Leibe.

Geht ganz gut
Auch die Nabe reinige ich – Hans-Peter hatte unter Wasser den Pitch auf 15 gesetzt…
…welche Leistung das war, wird mir klar, als ich mich an Land mühen muss die Steigung einzustellen – wir entscheiden uns final für 17

Ich mache dieses Setup während die Akkus das erste Mal laden, dann aber merke ich schnell, dass das Nachladen sehr viel länger dauert, als ich diese Stromspeicher beim arbeiten leere – ich entscheide mich für die kabelgebundene Variante.

Ein Unterschied wie Tag und Nacht

Ich stehe zu Akkugeräten wie zu Elektroaustos – alles vorteilhaft – in einem bestimmten Korridor! Beides nicht geeignet, um die scheinbar aus der Mode gekommene Alternative vollumfänglich zu ersetzen.

Es erscheint möglich, dass der Strom der meine Kabelflex antreibt, aus einem Kohle- oder gar Atomkraftwerk kommt – die Leistung die sie zur Verfügung stellt ist aber ungleich höher als die der akkubetriebenen Profiausführung. Na egal, die Arbeit war so jedenfalls rasch erledigt.

Jetzt geht was
Finale Einstellung – wir ziehen das 17er Setup den 18,5 vor
Der teure Propeller hat relativ starke galvanische Korrosion, oder es sind Kavitationsmarken, muss ich mal behirnen

Ich sehe mir den Zustand des Propellers an, wirklich gut ist dieser nicht. Der Vierflügler hat viele kleine Narben, dieser Sache muss ich auf den Grund gehen.

Dabei sehe ich mir auch die Opferanoden an und bemerke, dass die an der Propellerwelle fehlt, die des Propellers ist stark angegriffen.

Propelleranode – leider nicht auf Lager
Die Anode der 50mm Welle kann ich beschaffen und anbringen

So, der Job bezüglich des Propellers ist erledigt. Ich räume mein Werkzeug zusammen und stelle den Strom auf ELOWYN ab. Ich muss mal bei Volker anrufen, um mit ihm abzustimmen, was wir bezüglich der Propelleranode machen – diese konnte ich in der Chandlery nicht bekommen.

Der Freund meldet sich umgehend und dirigiert mich durch die Tiefen seiner Lagerort auf dem blauen Riesen – kopfüber hänge ich in diversen Kisten und Kästen und siehe da, da haben wir noch eine…

Die werde ich das nächste Mal auch noch anbringen

Weil wir gerade am Austausch waren und das Thema „Opferanoden“ tagesaktuell war, haben wir auch gleich noch die anderen Anoden auf Verschleiß geprüft – bis auf zwei kleine Kielkühleranoden waren alle anderen ok.

Sieht noch gut aus – im November kommt ELOWYN abermals an Land

Am Rückweg fahre ich geradezu in die Arme des Marinachefs. Ich stoppe, wir begrüßen uns herzlich. Ich hatte mich sofort nach unserer Rückkehr aus Kreta bei ihm „zurückgemeldet“, für den vergangenen Samstag hatten wir ein lockeres Beisammensitzen bei einem Bierchen verabredet. Leider hatte er mich versetzt und sich danach auch nicht gemeldet.

„Yassou Nico, ti kanis, kala?“ frage ich ihn – wie geht es, alles gut? Er erwiedert, dass alles gut sei und entschuldigt sich, ohne dass ich nachgefragt hätte, für den vermasselten Termin. Wir bleiben unverbindlich – ich informiere, dass ich ja jetzt stetig hier bin, flexibel sei und Zeit hätte. Ich warte auf seine Meldung. Er entgegnet freundlich, dass er sich bestimmt bald melden würde.

Zum 23. des Monats hatten wir noch nicht gesprochen – mal sehen, ob noch etwas kommt. Sibylle, meine kleine Bedenkenträgerin, vermutet ja schon lange, dass unser Plan nicht umgesetzt wird. Mal sehen, ob sie Recht behält…

Zum Dinner fahre ich zu Marietta, ich freue mich auf die versprochene Kotopita und möchte mir einen Salat dazu bestellen – doch es kommt ganz anders!

Das mit dem Salat klappt noch…

Als ich auf die zugesagte Kotopita zu sprechen komme, schüttelt meine Lieblings-Marietta energisch den Kopf! Die bekomme ich nicht! Wo würde ich hindenken! Das sei schließlich kein Abendessen und außerdem hätte sie die schon eingepackt, damit ich sie mitnehmen kann – für morgen!

Jetzt soll ich mir „was Gscheid´s“ bestellen. Ok, was willst da sagen?

Ich labe mich an Chicken a la Creme mit Reis

Ich bleibe nicht lang, alleine ist es langweilig. Als ich gehe, gibt sie mir eine Tüte in die Hand – vollgepackt mit Transportbehältern und bestimmt 1kg Kotopita. Ok, das ist eine Ansage – vielen Dank!!!

Am Rückweg zu NESSAJA komme ich bei Hans-Peter vorbei, ich erzähle von meinem „Kotopita-Deal“. Wir erkennen den nutzbaren Effekt und beschließen, dass wir am Folgetag den Cobb einheizen und den Chickenpie darauf wärmen. Ein gemeinsames Dinner nach der Arbeit – er bringt den Salat, ich die Kotopita…

Der nächste Morgen beginnt verwirrend. Hans-Peter hatte an seiner LIBERTÉ zu schleifen, ich wollte an ELOWYN ein neues Projekt starten – irgendetwas stimmt mit den Batterien nicht. Als ich gerade am Weg zu Volkers blauen Riesen war, fängt mich Jens ab und begrüßt mich herzlich.

Ihr erinnert euch? Jens ist der Eigner der NANA, dem Boot, auf dem ich im Winter die meisten Arbeitsstunden abgeleistet habe. Er kommt zum Punkt und meint, dass eine Solarzelle nicht liefert, ich solle mir das mal ansehen. Nun stehe ich zwar im Sommer nicht in den Diensten der Marina, aber ich sehe mich verantwortlich – daher sage ich zu, wir machen das aber offiziell. Dafür verschiebe ich auf morgen, für jetzt sofort war mir das zu überfallartig.

Ich tausche also meinen Arbeitsplan – der heutige Samstag wird zum „NESSAJA-Sonntag“ und die Arbeit an ELOWYN mache ich morgen, am echten Sonntag, nachdem ich auf NANA war – genial…

Ich packe das Werkzeug auf NESSAJA aus

Manchmal muss man sich einfach aufrappeln – so mache ich das heute. Ich packe eine eigentlich kleine und simple Arbeit an, wohl wissend, dass mich irgendwas sicher ärgern wird – ich schließe meinen Außenwasser-Dreiwegehahn an die Wasserversorgung des Schiffes an.

Dafür muss ich einmal die Tanks samt Druckwasserpumpe vom System abklemmen und dann auf meinen Dreiwegehahn führen, zudem muss ich danach eine Leitung vom Dreiwegehahn zum heutigen Anschlussknoten der Wasserversorgung legen.

Das kann man sich vielleicht schwer vorstellen, aber eigentlich sind es nur zwei neue, etwa 1m lange Leitungen, die verlegt und angeschlossen werden müssen – aber der Teufel steckt im Detail.

Der Gummiring ist verdrückt – undicht

Alle Parameter sprechen gegen mich – erstens, man kommt schlecht hin, alles ist generell schlecht zugänglich, zudem durch andere Bauteile und Leitungen verbaut. Darüber hinaus, sind noch die alten Whale Steckverbindungen mit Sicherungsring und -kappe verbaut, diese sind umständlicher zu öffnen. Zu allem Überfluss ist das Zeug natürlich 20 Jahre alt, nicht alle Teile sind im Topzustand – so auch die Gummiringe eines T-Stücks an dem ich arbeite.

Nachdem ich erstmal begonnen hatte, ging die Arbeit flott von der Hand. Ich war nach rund zwei Stunden soweit, dass ich die Anlage einmal unter Druck setzen konnte. Also Druckwasserpumpe auf „on“ – ich gehe zum Motorraum, es spritzt aus dem am wenigsten zugänglichen T-Stück.

Ich renne vor, rumple dabei an unseren neu platzierten Mülleimer, die Gangwege habe ich noch nicht verinnerlicht. Der Mülleimer hat eine Beule, mein Zeh schmerzt, derweil spritzt das Wasser – Pumpe „off“, uff!

Ich feile an der Leitung, runde Kanten ab, nehme etwas Gleitmittel zum Einbau – hundertfach gemacht. Neuer Versuch, das gleiche Spiel! Noch eine Runde, wieder spritzt es aus dem T-Stück! Ich gebe auf und baue das Trum aus – den Fehler seht ihr oben im Bild. Ich nehme an, dass der Gummiring einfach nicht mehr geschmeidig war.

Ich tausche das T-Stück aus – alles dicht! Warum nicht gleich so…

Sonst alles gut – nun, nicht ganz!

Schaut mal genau hin…
…genau – ein Tropfen der fällt

Ich war leicht angesäuert – der Anschluss war neu, nie benutzt, warum tropft er? Ich hatte vertraut und gehofft, dass alles passen wird, denn die Stelle an der dieser Hahn verbaut ist, ist nicht so ohne Weiteres zugänglich.

Und jetzt tropft es ausgerechnet da! Ich besinne mich ob des Monatsmottos – don´t worry, be happy…

Zum Glück kommt mir auch noch ein weiterer Gedanke – was wäre, wenn die eine Verschraubung welche werksseitig angebracht wurde, nicht dicht wäre? Diese hatte ich nicht überprüft. Und tatsächlich, ich schaffe es, mich so zu strecken, dass ich mit dem großen Schraubenschlüssel bis zur Anschlussmutter komme – diese ist locker und ich kann sie fast eine Umdrehung festziehen! Das Tropfen endet, der Anschluss ist dicht!

Ich mache nochmal einen kompletten Systemcheck, Druckwasser aus den Tanks – dicht! Druckwasser von außen mit einem direkten Schlauchanschluss an die Wasserversorgung – auch dicht!

Passt! Ich bin zufrieden…

Dreiwegehahn mit neuer Verteilung – alles klar? Nein? Macht nix – ich bin froh, dass ich das nicht unserem Ex-Käufer erklären muss

Warum das alles? Nun, vielleicht erinnert ihr euch an den frühen Ausfall meiner neuen Druckwasserpumpe und die sehr aufwändige Reparatur. Der Druckschalter dieser Pumpen ist ein anfälliges Teil, es wäre nicht auszuschließen, dass dieser wieder einmal kaputt geht, wenn er weiter so stark beansprucht wird – hier zollt die Waschmaschine und die Tatsache, dass wir 365 Tage des Jahres auf dem Schiff leben, ihren Tribut.

Um das Teil zu schonen und auch das häufige Auffüllen der Tanks, besonders im Winter, zu reduzieren und somit für mehr Komfort zu sorgen, schließen wir NESSAJA ab jetzt im Hafen direkt an die Wasserversorgung der Marina an. Somit bleibt die Druckwasserpumpe aus und das Wasser kommt aus dem Hahn, so wie ihr es von zuhause gewohnt seid.

Mein Tagwerk war geschafft – ich packe den Cobb, die Kotopita und zwei Bier und mache mich auf den Weg zu Hans-Peter. Dabei fällt mir auf wie schön das Leben ist…

Die Sonne versinkt bald hinter den Hügeln von Lakki

NESSAJA liegt stolz an ihrem Platz F16 – es gibt diese Momente in denen mir sonnenklar ist und ich auch aktiv daran denke, dass dieses Schiff seit 03/2021, seit mehr als drei Jahren, mein Zuhause ist.

Alles in Butter auf´m Kutter

Ich bin zufrieden, ich bin glücklich und ich gehe endlich weiter zu meinem saarländischen Freund, er wartet schon! Wir bauen unsere „Dinnerecke“ auf und legen los…

Roter Pfeil – diese Boxen sind voll mit dem leckeren Chickenpie von Marietta…
…den wir am Grill einfach aufwärmen
Dazu Karottensalat aus Hans-Peters Gourmetküche
Gefällt uns! So kann der Abend ausklingen
Merlin – immer dabei

Wenn ihr euch fragt, wie Hans-Peter das eigentlich mit Merlin löst solange er an Land steht – es ist tatsächlich so, dass er ihn jedes Mal wenn er nach oben oder unten geht, auf den Arm nimmt und über die Leiter trägt. Nur am Nachmittag bleibt der Terrier oben – solange wir eben arbeiten. Oben ist es luftiger und angenehmer für ihn.

Der Saarländer ist ohnehin hart im Nehmen, die wenigsten von euch können es sich vorstellen was es heißt, über Wochen und Monate am Boot auf dem Hardstand zu leben. Kein Abwasser, keine funktionierende Toilette, keine Kühlung durch das Seewasser, der erschwerte Zugang…

Es ist mühselig!

Der Tag klingt aus, wir trinken unsere zwei Bierchen, dann sacken wir erschöpft ins Bett.

Am kommenden Sonntagmorgen stehe ich zeitig auf. Ich will meine zwei Tassen Kaffee in aller Ruhe genießen, dann starte ich langsam in den Tag. Heute bedeutet das, dass ich um 09.00 Uhr auf NANA eintreffe, um mir vom Eigner die Fehlfunktion zeigen zu lassen.

Es ist brutheiß im Inneren des Schiffes, ich schwitze, der Schweiß rinnt mir in die Augen – trotzdem sehe ich mir das System genau an. Ja, was soll ich sagen, Jens hat Recht!

Status grün – aber keine Ladung

Ich bin irritiert – ich messe über 16V am Eingang der Solarzelle, das könnte passen, es ist noch früh am Morgen. ABER – an den Batterien messe ich auch 16V! Das wäre alarmierend – ich werde stutzig und messe an der Batterie direkt – 16V!

Da stimmt was nicht! Wir verwenden Jens´ Voltmeter und siehe da, jetzt sind es rund 13V die im System zur Verfügung stehen – es scheint, als wäre mein Messgerät kaputt. Kann das sein?

Ich gehe nochmals alle Anschlusspunkte durch, verschiebe die Fehlersuche dann aber auf einen der Folgetage. Ich muss das behirnen, meine damaligen Bilder dazu ansehen. Zudem wird Jens morgen abreisen, genug Zeit also die Lösung in Ruhe zu suchen.

Ich gehe zurück auf NESSAJA, der Messfehler meines Voltmeters lässt mich nicht in Ruhe – ich prüfe nach…

Tatsächlich – 3V zuviel! Ich entsorge das Gerät sofort

Ach Du liebe Zeit! Das Adrenalin schießt mir durch die Adern – wie spät ist es??? Es ist schon 11.00 Uhr, zum Donnerwetter, ich hatte um 10.00 Uhr eine Verabredung mit meiner Tochter zum Videocall, natürlich habe ich diese, über all die Termine und Nickeligkeiten, schlichtweg vergessen.

Ich checke mein Mail – na super, sie schrieb, dass ich einen Link schicken soll. Mein Kalender? Ja, der Termin ist drin, aber warum hat er mich nicht mit einem Ton erinnert? Scheiß Technik…

Zu spät, genau versäumt

Ich schreibe ihr sofort zurück und entschuldige mich – aber leider geht sich heute kein Telefonat mehr aus, sie hat am Nachmittag schon was vor. Das ärgert mich, ich zahle einen hohen Preis für meine Absicht zu helfen – ich hätte gerne noch einmal mit ihr telefoniert bevor sie das Baby bekommt.

Was soll´s – don´t worry, be happy! So wird sie mir bei unserem nächsten Telefonat eben Enkelchen #7, den kleinen Timo, vorstellen. Ich drücke die Daumen!

Um den Tag mit etwas Sinn anzufüllen, wasche ich Wäsche, bestelle noch Druckerpatronen und kann, bedingt durch die Zeit am Computer, die Wäsche auch gleich noch aufhängen.

Wenn ich von ELOWYN zurückkomme ist sie trocken

Jetzt aber los, ab zu ELOWYN – ein Punkt auf meiner Liste ist eine Fehlfunktion der Batterien, dies gilt es zu prüfen. Ich nehme also meinen Batterie-Belastungstester mit und lege die komplette Service-Batteriebank frei. Immerhin sind das sechs richtige Kaventsmänner die zunächst abgeklemmt und dann einzeln gemessen werden müssen.

Doch die Messung ergibt nichts Auffälliges, alle Batterien scheinen, auch unter Last, fehlerfrei zu sein.

Erst alles freilegen, dann abklemmen
13.10V bis 13,25V – auch das ist ok. Die CCA Werte waren alle deutlich über Minumum

Die Solaranlage liefert, trotzdem ist der Fehler eindeutig erkennbar – das Philippi Display zeigt nämlich einen nicht unerheblichen Teil der Gesamtkapazität grau an. Die Bedienungsanleitung verrät, dass das ein „nicht nutzbarer“ Teil der Kapazität ist, da das System einen Fehler erkannt haben will.

Bei den Verbrauchern ist fast die Hälfte nicht nutzbar

Ok, ich will das glauben – trotzdem würde ich das System gerne einem Reset unterziehen. Dafür muss ich erstmal die Solarzellen ausschalten, denn die Batterien zeigen ja 100% an, ich will mindestens 30% entladen! Wenn das erledigt ist, dann kann ich mit dem Ladegerät einmal einen vollen Ladezyklus durchlaufen – wenn dieser fehlerfrei durchläuft, dann erfolgt der Systemreset automatisch vier Minuten nach Ende des Ladezyklus.

Solarmodule aus – jetzt die Batterien entladen
Das T-Shirt wie wenn ich damit gebadet hätte, an den Armen rinnt mir der Schweiß runter

Soweit der Plan, das mache ich aber morgen! Ich bin schweißgebadet, denn auch im Innenraum der blauen Polin hat es ein Temperaturniveau wie in einer Wellnesssauna. Ich setze mich an den Cockpittisch, lasse mich von der leichten Brise etwas durchlüften und schreibe Volker an um zu fragen, welchen starken Verbraucher ich an Land laufen lassen kann – das ist nämlich nicht so einfach, weil fast alle Aggregate auf ELOWYN wassergekühlt sind. Ich sperre zu, erwarte seine Antwort und gehe zurück auf NESSAJA.

Dabei fällt mir etwas auf – eine Erklärung für die schweißtreibende Luftfeuchtigkeit???

Findet den Fehler

Ich will helfen – es ist Mitte Juli, Hochsommer! Schaut euch die Flaggen an, sie wehen aus der falschen Richtung! Wir haben tatsächlich immer wieder, besonders gegen Abend, manchmal auch einen ganzen Tag, Phasen in denen der Wind aus südlichen Richtungen kommt. Das ist ungewöhnlich, denn um diese Jahreszeit kann man stetigen, tagelangen, oft kräftigen Meltemi aus NW erwarten.

Temperaturen um 30°C, manchmal auch mehr, hat man im Hochsommer in Südeuropa zu akzeptieren. Viele sind deswegen hier (ich), viele andere – und es werden stetig mehr – machen aus demselben Grund Sommerpause in kühleren Gefilden (Sibylle). Das alles ist mit Meltemi gut auszuhalten, der Nordwind bringt etwas eine kühlende Brise und trockene Luft.

Mit dem Südwind haben wir höhere Luftfeuchtigkeit und wärmere Temperaturen, tagsüber so zwischen 35°C und 40°C, der Wind hat weniger Kühleffekt.

36°C innen, fast 35°C außen – im Schatten! Heute normale Luftfeuchtigkeit, das ist häufig anders

Die Menschen klagen dann meist über fehlende Nachtruhe – ich dagegen bin froh unsere Klimaanlage zu haben. Sie läuft zur Zeit jede Nacht – zwar auf reduziertem Betrieb, aber doch durchgängig. Weder Sibylle noch ich möchte dieses Gerät mehr missen – die Anschaffung war ein Gamechanger.

Noch als Standgerät – die Integration ins Mobiliar ist ein eigenes Projekt

Der Sonntag neigt sich dem Ende zu, ich habe noch ein wenig Zeit. Dies deshalb, weil wir zur Zeit eher später zum Essen gehen, da es meist erst ab 20.00 Uhr angenehm lau wird.

Ich nutze diese ein, zwei Stunden, um am Blog zu schreiben – für mich bedeutet das, Zeit für mich zu haben, Zeit zum „runterkommen“, unverplante Zeit. Ich genieße das! Zudem wird der Blogbericht dann rechtzeitig fertig…

Gestern und heute verschmelzen

Da heute die Woche auch kalendarisch endet, hat Hans-Peter einen Besuch im „SouVLakki“ ausgerufen – man höre und staune! Das lass´ ich mir nicht zweimal sagen – ab geht´s zum Grill meines Vertrauens…

Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein
Goldgelb leuchtet der Gerstensaft im mit Tau beschlagenem Glas
Ich gönne mir einmal „wie immer“, dazu ein großes Bier

Es muss nicht erwähnt werden, dass zum Abschluss einer guten und durchaus erfolgreichen Woche, auch der Besuch des Speiseeistempels der Familie „Repapis“ gehört. Auf das Zählen unnützer Kalorien verzichten wir – und gönnen uns lässige drei Kugeln!

Drei Kügelchen, wer kann da schon nein sagen?

Habe ich nicht erwähnt, warum die Woche durchaus als erfolgreich bezeichnet werden darf? Mach ich doch gerne…

Zum Einen, weil mein schriftlicher Nachdruck mit Fristsetzung endlich Wirkung gezeigt hat! Ich habe nach drei!!! Monaten Hickhack endlich die benötigten Reparatur- und Erweiterungsteile für meine Eberspächer Heizung erhalten. Ich nehme an, dass dies der letzte Geschäftsvorgang mit der Firma Klepsch war, jetzt bin ich aber froh, die Teile erstmal zu haben.

Sieht nach nix aus – bedeutet aber mindestens drei bis vier Tage Arbeit! Ein Projekt für den Oktober

Darüber hinaus haben wir an Hans-Peters LIBERTÈ ganz schön was gerissen. Den Motor zerlegt, den Saildrive ebenso, die Ruderlager ausgebaut und das Rigg zum Legen des Mastes vorbereitet. Wir haben alle Teile bestellt und das stehende Gut angefragt. Auch die Terminanfrage zum Legen des Mastes läuft.

Das war aber nicht alles! Die Hauptarbeit war auch die große Drecksarbeit – wir haben bisher rund drei Viertel des alten Anstriches bis auf´s Gelcoat entfernt…

Unsere tägliche Baustelle
Es hat sich was getan
Hier muss Hans-Peter noch kratzen…
…und wo gekratzt ist, da darf Mario schleifen
Geht aber – zu zweit macht alles mehr Spaß

Wir rackern gemeinsam und machen gemeinsam Pause, wir rocken den Job, ganz im Sinne des Sprichwortes „geteiltes Leid ist halbes Leid“!

Wir leiden, fluchen und schwitzen zusammen – und wir haben zusammen Spaß und motivieren einander!

Ich denke in Planquadraten – mein Tagwerk
Mühsam nährt sich das Eichhörnchen
Irgendwann ist es geschafft – Zeit zum Baden

Wir arbeiten meist von 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr, dann gehen wir mit Merlin baden. Manchmal höre ich etwas früher auf, um am Computer Anfragen abzusetzen. Mein saarländischer Freund kratzt dann noch ein bisschen weiter am Bauch seines Dickschiffes.

Wo er heute kratzt, kann ich morgen schleifen

Ja, man kann wirklich sagen – wir sind gut im Rennen, wir waren bisher erfolgreich!

Dass wir auch zusammen futtern und Bier trinken, habe ich schon erwähnt – so auch heute. Köfte am Spieß standen auf dem Programm. Wir fahren nach getaner Arbeit zum Einkaufen, füllen unsere Vorräte und Hans-Peter zaubert einen Salat.

Ich hole derweil den Cobb, dann geht es los…

Geschafft, gute Laune macht sich breit – wir haben einen Bärenhunger
Neugierig? Köfte liegen drauf…
Schmeckt super – und dank Pappteller und Dosenbier absolut frei von Aufwand.

Nach dem Dinner trennen sich unsere Wege am heutigen Tag. Marietta hat einen Gitarristen eingeladen, um bei ihr in der Taverne für Stimmung zu sorgen.

Der junge Mann ist nicht aus Leros und spielt auch nicht die typische „Island Music“ der ostägäischen Inseln. Ich kenne den Musiker vom letzten Jahr und finde ihn gut. Marietta fragte neulich, ob ich denn kommen wolle – klar, ich sage sofort zu!

Leider hat Hans-Peter keine Lust und Philipp arbeitet bis in die Nacht an der weitgereisten AMAÈ, ich muss dennoch nicht alleine gehen – Rinaldo und Christa von der AEGEAN BLUE treffen sich mit mir auf einen Absacker.

Es war ein toller und kurzweiliger Abend!

Um 21.00 Uhr war noch nicht ganz voll
Der Musiker spielt leise Töne, völlig unaufgeregt – man könnte es griechische Balladen nennen
Später wird es voll, wir trinken Ouzo und Wein
Auch die Musik gewinnt an Dramaturgie, er animiert zum Duett – und Takis, Mariettas Mann, der kann das auch sehr gut
Auch die junge Dame aus dem Publikum gab sich keine Blöße – weit weg vom Karaokeklamauk, hier waren Menschen die singen konnten

Der nächste Morgen begann eher entspannt. Ich habe mir gemütlich meine zwei Tassen Kaffee gegönnt, nebenbei habe ich etwas Recherchearbeit erledigt. Freunde von uns, ihr erinnert euch vielleicht, der „kleine Mario“ und seine Göttergattin Eva von der SAGITTA, haben angerufen und ein Saildriveproblem geschildert. Ich möchte helfen und erkläre anhand der Explosionszeichnungen meinen Verdacht…

Technik zum morgendlichen Kaffee – der „Reverse Gear“ macht Kummer
Wir hoffen gemeinsam, dass es etwas anderes ist

Jetzt weiß ich bereits, dass die SAGITTA im Winter an Land kommt und diverse Arbeiten erhält. Es wäre also naheliegend, gleich an eine Saildrivereparatur zu denken – das tun wir auch, aber angesichts des Preises wird kollektiv beschlossen, das Problem erst einmal unter intensive Beobachtung zu stellen.

Wer weiß, vielleicht tut sich eine andere, nicht so kostspielige Fehleroption auf.

Ich gehe zu Hans-Peter und bin bereit in den Arbeitstag zu starten. Ach herrje, was ist denn da zugange? Der große Kran steht direkt an LIBERTÈ – es wird doch nicht schon der Mast gezogen werden? Nein, falscher Alarm, der Kran steht am Nachbarboot…

Alter Motor raus, neuer Motor rein

Ich schmunzle ich mich rein, hier ist wieder irgendwas gründlich schief gelaufen. Der Besitzer ist erst vor wenigen Tagen wieder abgereist, kurz nachdem er extra wegen des versprochenen Motorumbaus aus England angereist war, es wurde ihm gesagt, dass es nicht wie zugesagt hinhauen würde.

Jetzt, keine vier Tage später, ist der neue Motor an Ort und Stelle – ich wüsste zu gerne die Hintergründe dieser Aktion. Oder war es nur, dass man den Besitzer nicht die ganze Zeit auf der Baustelle wollte? Ich weiß es nicht…

Egal, wir müssen wieder an unsere eigene Baustelle denken, wir sind auf der Zielgeraden – noch zwei Tage schleifen!

Langsam geht uns die Kraft und die Energie aus…
…hilft aber nix, wir müssen wieder ran

In einer Pause fällt mir auf, dass mein Motorrad, wie schon gestern, mit den Bootsstützen zugestellt ist. Kann das Zufall sein? Will mich jemand ärgern?

Die Stützen werden mit dem Gabelstapler gefahren und geschoben, keiner achtet auf mein Mopped, aber dass eine Stütze quer über die anderen liegt ist kein Ergebnis der Gabelstaplerstapelei – ist es das Werk eines Schufts?

Meine „Ausfahrt“ ist versperrt
Gestern noch habe ich mir die Dinger so hingerückt, dass ich vorwärts rausfahren konnte

Na egal – don´t worry, be happy! Ich hole tief Luft, pumpe meinen Oberkörper auf und staple die Dinger selber so wie ich es brauche – ich bastle mir eine solide Ausfahrt! Mal schauen, wie lange es anhält.

Ich schleife noch mein heutiges Tagwerk weg, dann muss ich auf die ELOWYN. Ich habe inzwischen Antwort von Volker, der Kühlschrank im Cockpit ist luftgekühlt, den kann ich laufen lassen – und das möchte ich jetzt machen!

Am Weg komme ich an GIOIA vorbei, sie steht inzwischen an Land – Pause bis voraussichtlich 04/2025 – das ist lang.

Da steht sie nun und staubt ein

Ich erreiche ELOWYN und kraxle die beiden Leitern nach oben an Deck. Nach wie vor herrscht in dem blau lackiertem Rumpf eine SPA Atmosphäre – kaum betrete ich den Salon, läuft mir das Wasser aus dem Kopf und tropft ungebremst auf den Boden.

Puh, Schweißperlen stehen mir auf der Stirn – Sekunden nachdem ich das Schiff betreten habe…
…ich versaue den Boden und muss wischen – nix wie raus hier

Ich mache also hurtig und schalte den Cockpitkühlschrank ein. Dieser startet sofort und zieht knapp über 3A bei 24V – das sollte reichen, um bis morgen eine maßvolle Entleerung der Batterien zu erreichen.

Kühlschrank an…
…Stromverbrauch geht hoch – perfekt

Sofort verlasse ich den aufgebockten Riesen. Zum Durchlüften setze ich mich ein paar Minuten in das luftige Cockpit, da klingelt mein Telefon. Mein Sohn ist dran, er wolle mir nur rasch sagen, dass er in eine Leitungsfunktion befördert wurde. SUPER! Ich freue mich mit ihm, bin stolz und gratuliere – alles richtig gemacht! Man erntet was man sät…

Danach sperre ich das Schiff ab und beende mein Tagwerk für heute, mir reicht´s!

ELOWYN, kenne ich seit sie gebaut wurde – das Schicksal ist ein Eichhörnchen

Ich gehe auf NESSAJA, dusche mich und warte darauf, dass der große Zeiger sich zur 12 bewegt – ich bin im „SouVLakki“ zum Essen verabredet – Gabi und Gottfried sind wieder da! HARMONY hat gestern in Rufweite von mir festgemacht und wir haben sofort ein gemeinsames Dinner für heute vereinbart.

Bingbing, bingbing – eine Nachricht von Philipp! Ob ich Zeit hätte für ein Bier? Hm, im Prinzip schon, aber nur 40 Minuten! Die Antwort des weitgereisten Freundes – „…das reicht, ich komme!“

Er stiftet mir ein Bier aus Neuseeland – ich danke und genieße

Abermals quatschen wir über Gott und die Welt, ich erfahre viel über die Ideen und Pläne von Kristel und Philipp und freue mich darauf, alle zusammen im Oktober wieder in Leros zu sehen.

Philipp bleibt nur noch ein paar Tage, dann muss auch er wieder in die Schweiz und ein paar Franken verdienen.

Die Zeit drängt, es ist kurz vor 20.00 Uhr, ich muss los. Wir vereinbaren spontan ein Pizzaessen auf NESSAJA für den kommenden Donnerstag, also übermorgen. Dann knüpfen wir dort an wo wir jetzt aufgehört haben.

Ich schwinge mich auf meine GS und fahre nach Lakki – das mache ich übrigens recht langsam, denn nach wie vor habe ich ja nur meine vordere Verzögerungseinrichtung. Ich nehme Platz am Tisch und warte auf die Crew der HARMONY.

Ab 20.00 Uhr ist die Sonne weg, wir haben phantastische, laue Sommerabende

Frei nach dem Motto „das bisschen Essen kann ich auch trinken“, teilt Gottfried mit, dass er einen ordentlichen Durscht hätte. Wir bestellen erstmal eine Runde Bier.

Sicher liegt es an der hohen Temperatur, dass die Gläser rasch leer sind – mindestens 30% des Gerstensaftes scheinen zu verdunsten. Wir ordern die Gerichte unserer Wahl, dazu noch einmal eine Runde Bier.

Gottfried schaut mich an, sein Teller ist leer, sein Glas auch – der Durscht ist aber noch da! Ich nicke verständnisvoll. Wir bestellen eine dritte Runde – so schaffen wir es gerade so, Gevatter Durscht in Schach zu halten.

Spät am Abend gehen wir nach Hause, es war wie immer – informativ, unterhaltsam, kurzweilig! Die Beiden gehen zu Fuß heim, ich muss vorsichtig meine GS nach Hause bringen – dabei mache ich noch eine kurze Rast auf halbem Weg. So ein Tag muss abgerundet werden…

Nachts, nicht mehr viel los – ich gönne mir ein Absackereis

Mittwoch der 24.07. – Endspurt! Wenn nichts dazwischen kommt, dann werden wir heute LIBERTÈ untenrum frei machen! Klingt obszön? Und ob das schön ist!!!

Wir gehen am frühen Vormittag eifrig ans Werk…

Viel ist nicht mehr dran – die „Schleif-Squad“ ist im Einsatz
Der letzte halbe Quadratmeter gebührt dem Eigner
Geschafft! Eine halbe Stunde später ist Hans-Peters LIBERTÈ nackig – wir haben sie von Hand abgeschliffen, sind glücklich und erleichtert

Stimmt schon, es ist keine Raketenwissenschaft – aber es ist ein Milestone. Es ist eine anstrengende, ermüdende und auch stupide Arbeit – aber sie ist notwendig um eine Grundlage für den Neuaufbau des Unterwasserschiffes zu schaffen.

Und JA, eine Drecksarbeit ist es auch…

Wir müssen ins Meer hüpfen – dringend, JETZT

Saarländer im Allgemeinen und Hans-Peter im Speziellen, sind nicht das, was man umgangssprachlich „Emos“ nennen würde. Gefühlsausbrüche und tief emotionale Regungen sind eher selten und verhalten, oft auch verklausuliert.

Ich erkenne die tiefe innere Befriedigung von Hans-Peter, das Glück das er empfindet und gleichwohl auch die Erleichterung, den Stein der ihm vom Herzen fällt, vor allem daran, dass er den verfrühten Feierabend ausruft und zum Nachmittagseis lädt – das klingt dann so…

„Für heut´ lassen wir´s, wir gehen baden und dann zu Repapis – ich hol´ Merlin!“

Ja, SO klingt ein Ausruf tiefer innerer Freude!!!

Ich freue mich mit ihm, lächle in mich hinein und lasse mich auf ein Eis einladen – DREI Kugeln UND einen Espresso! Ganz oder gar nicht 😉

Hey there Cat – it´s my Ice-Cream
So kann man es aushalten – das haben wir uns verdient

Danach gehen wir einkaufen, er die Basislebensmittel, ich ein knappes Kilo Hühnerbrust – heute Abend kocht er uns eine „Hähnchen-Gemüsepfanne“ mit Reis oder Nudeln – eine Überraschungskomponente muss sein.

Es sind noch ein paar Stunden Tag übrig, diese investiere ich auf ELOWYN, der Cockpitkühlschrank hat nämlich inzwischen ganze Arbeit geleistet und den Servicebatterien ca. 25% der Gesamtkapazität entnommen. Ich will heute noch das große Ladegerät starten und einen kompletten Ladezyklus durchlaufen lassen, mal sehen ob sich ein automatisches Reset einstellt.

Sofort legt „der Gerät“ los – 100A werden durch die üppig dimensionierten Kabel geschickt
Davon werden 90A als Ladestrom verwertet

So lasse ich den blauen Riesen ruhen. Ich sperre ab und verlasse den Landliegeplatz der Algro 68 – stolz steht sie da…

Dabei fällt mir auf, dass heute alle Mauern auf der Oberseite neu und weiß gestrichen wurden. Sieht gut aus! Ja, man merkt schon wenn der Chef da ist.

Chic sehen die Mauern aus

Ich verhole mich auf NESSAJA, schreibe ein paar Blogzeilen oder mache meine Mails. Manchmal geht sich ein Telefonat mit Sibylle aus. Im Anschluss heißt es sich frisch zu machen, genauer gesagt steht Duschvorgang Nummer 1 an! Dieser findet in der Dämmerung statt und dient dazu, den Schweiß abzuspülen und sich zu erfrischen – der Vorwaschgang.

Erst nachts wenn alles schläft, dann folgt Duschrunde Nummer 2 – ich schleiche mit einem Tropfen umweltverträglichem Duschgel an meine Außendusche und reinige mich gründlich. Ich vertraue darauf, dass niemand den Moment, in dem ich mir die Badehose kurz unter die Pobackenkante ziehe, fotodokumetarisch festhält. Die Duschanlage meide ich im Sommer wie der Teufel das Weihwasser.

Ich gehe zu Hans-Peter zum Dinner, wir essen hoch droben auf seiner „Dachterrasse“.

Super Aussicht – das Geheimnis wird gelüftet, es gibt das Hähnchengeschnetzelte mit Reis

Der Abend verläuft ereignislos – wir essen zusammen und unterhalten uns über Gott und die Welt. Natürlich auch über´s Segeln, das Reisen und Langfahrten – Hans-Peter ruht noch der Plan inne, den ich aufgeben musste. Das wir dabei auch kleine Ideen ausbaldowern und gebären, das muss wohl nicht extra erwähnt werden, lasst euch überraschen.

Zurück auf NESSAJA, checke ich noch einmal meine Nachrichten – Sibylle schickt mir Fotos von ihrem Tag. Sie war mit den Buben im Märchenpark…

Warum schaut der Knabe so ängstlich – vertraut er der Pilotin nicht?

Danach heißt es ab ins Bett, denn morgen gehen wir den Kiel an. Dazu muss man wissen, dass Hans-Peters LIBERTÈ einen Stahlkiel hat. NESSAJA hat dagegen einen Bleikiel, das war damals ein aufpreispflichtiges Extra des „Grand Large“ Paketes. Ich bin froh, dass Rudi und Christine dies seinerzeit so ausgewählt hatten, so bleibt mir der Unbill meines Freundes erspart – die Gusskiele rosten nämlich wie der Teufel.

Und genau diesem Rost wollen wir heute an den Kragen…

Verschiedene Schleifbilder – wir sind nicht zufrieden

Wir kaufen bei unserem „OBI“ – Andreas Kritikos – verschiedene aggressive Schleifmedien für die Flex. Uns ist klar, hier müssen wir grob arbeiten.

Unser Plan ist, am heutigen Tag alle erdenklichen Scheiben und Bürsten auszuprobieren – auf chemisch vorbehandelten Bereichen und auf unbehandelten Bereichen. Danach wollen wir entscheiden, wie wir die Kielsanierung angehen und von welchen Medium wir größere Mengen kaufen müssen.

Zwei Dinge sind als negatives Ergebnis festzuhalten – zum Einen sind die Dinger nicht nur aggressiv zu den abzutragenden Lackschichten, sondern auch zu uns!

Die Fetzen die fliegen, schlagen in Armen und Beinen ein – Schutzbrillen tragen wir natürlich

Zum Anderen ist festzuhalten, dass die groben Bürsten zwar die Anstriche wegfetzen wie nix, aber an den Stellen, an denen der Epoximantel des Kiels unbeschädigt ist, da leisten sich die Monsterbürsten Schwächen – obwohl sie mit 11.000 Umdrehungen rotieren.

Zudem zeigt sich, es wird eine schmutzintensive Arbeitswoche!

Nach dem Testlauf sehen wir aus wie Sau – erstmal rasch abduschen

Wir setzen uns gegen Mittag gemütlich an unserer „Pausenecke“ nieder, besprechen im Schatten unser Vorgehen und einigen uns auf folgende Arbeitsschritte…

Zuerst wird der Kiel mit dem Abbeizer behandelt, denn es war spürbar einfacher diese vorbehandelten Stellen zu entrosten. Dann gehen wir mit der groben Zopf-Topfbürste daran, den groben Abtrag der alten Anstriche vorzunehmen. Es wird uns nicht erspart bleiben, danach mit einem Hammer (nicht Tinas Blumenhämmerchen) Rost zu klopfen und so lose Bereiche zu finden. Danach wird ein zweites Mal mit der Topfbürste feingeschliffen und, wenn nötig, mit der Schruppscheibe ein relativ feines, blankes Finish erzeugt.

Zu guter Letzt wird geflämmt und dann sofort mit Epoxi-Primer gestrichen. Ab hier folgt der Kiel den Rumpfanstrichen.

Ich höre Hans-Peter im Hintergrund und aus heiterem Himmel fragen – „…wo ist der Kärcher Industriesauger, wo ist Heinzelmann?“

„Ähhh, ich weiß es nicht, gestern war er da…“ – ich deute auf einen leeren Platz. Der Sauger nebst Abziehklinge war weg, richtig weg. Wir haben uns umgesehen, am Nachbarschiff, auf LIBERTÈ, im Auto – weg! Wie kann es passieren, dass in Griechenland etwas wegkommt? Es kann nicht sein, was nicht sein darf…

Wir starten eine Suchaktion!

Ich entwerfe einen Steckbrief, den ich als pdf und als Foto zur Verfügung stelle
Das Bild publiziere ich in der „Leros Yachting“ Facebookgruppe
Hans-Peter druckt drei Exemplare, die verteilen wir an den Toiletten und Duschen in der Marina
So hoffen wir Aufmerksamkeit zu erzeugen

Die Marina hilft uns, indem das Office ein Exemplar ausdruckt und ans „schwarze Brett“ hängt. Auch das kann helfen.

Wir denken viel darüber nach – klar, es ist nach deutschen Regeln nicht üblich und wohl sträflich, wenn man sein Werkzeug nachts unter dem Boot liegen lässt. Aber diese Regeln sind hier nicht anwendbar! Hier stehen Autos und Roller mit heruntergelassenen Scheiben und steckenden Schlüsseln, die Helme hängen am Bike. Menschen lassen Haustüren offen und am Strand stehen die Taschen rum und die Mobiltelefone liegen auf den Tischen der Strandbars, während die Menschen baden.

Jaaaa, mögt ihr denken, aber die anderen Touristen? Die Durchreisenden? Haben wir hier doch kaum – und würde ein Segler einem anderen etwas stehlen? Ich war fassungslos!

Ich glaubte lange daran, das meine ich ernst, dass jemand den Sauger ausgeliehen hat ohne zu fragen, gedankenlos. Alles andere Werkzeug blieb unangetastet, kleinere Beute, wertvolleres Diebesgut – nur der Riesen-Industriesauger verschwindet – am Tag als wir die Arbeit beendet hatten, vielen Dank übrigens dafür!

Ich nehme es vorweg, bis heute taucht der Staubsauger nicht wieder auf, ich habe inzwischen auch keine Hoffnung mehr. Wie wir damit umgehen und inwieweit sich das auf unser Verhältnis zum Thema „Eigentumssicherung in Griechenland“ auswirkt, wissen wir noch nicht. Ob wir noch Handlungsmöglichkeiten haben, zum Beispiel das Auslesen der Videoaufnahmen, das wissen wir noch nicht. Auch ist uns noch nicht klar, wieviel Aufwand sich lohnt – der Sauger kostet 80.-€, die Abziehklinge nochmals 30.-€, aber beides war erst zwei Wochen alt!

Die Laune zum Abendessen war getrübt. Gut, dass wir diesmal Tapetenwechsel hatten. Ich hatte Hans-Peter und Philipp auf NESSAJA zum Pizzaessen geladen.

Heute muss ich spülen – daran führt kein Weg vorbei

Nachdem meine Gäste beide Sonderwünsche bei der Pizzabestellung hatten und ich zudem weiß, dass im „La Nostra“ nur die Tochter wirklich gut Englisch spricht, beschließe ich, dass ich am Nachmittag vorbeifahre um die Pizza vorzubestellen…

Gedacht, gemacht – drei Pizzen bestellt, zwei große, eine kleine, jeweils unterschiedlich, teils speziell belegt. Die Chefin selbst nimmt alles schriftlich auf. Wir haben es in der Karte gezeigt und per Google Translate erklärt was wir wollen.

Um 20.00 Uhr zu NESSAJA, ok? Ich zeige die Position des Schiffes auf dem Lageplan. Ok!

Doch es kam komplett anders…

Klar, gut waren sie schon – aber halt nicht das, was wir wollten

Es kommen vier Pizzen, ich bezahle 50.-€ statt der kalkulierten 38.-€, rumlamentieren würde nicht helfen, denn der Fahrer spricht nur rudimentär Englisch. Zudem will ich die Betreiberfamilie der Pizzeria nicht verärgern, denn es sind total nette Menschen! Die Chefin schenkt Sibylle beim Spazierengehen immer Citrusfrüchte, wenn sie an ihrem Haus vorbeikommt, sie hat einfach nicht verstanden was wir wollten.

Egal, ich schlucke die Kröte und nehme das auf meine Kappe – irgendwie haben wir uns die Pizzen dann aufgeteilt, gut waren sie allemal – aber viel zu viel, schade drum…

Der weitgereiste Philipp bereichert die Runde, ich mag den jungen Mann aus der Schweiz
Auch HP mundet es, er hat den Salat gestiftet

Der Abend befeuert unser Thema vom letzten Essen, Hans-Peter fragt Philipp viel und ist neugierig auf das Erlebte. Wir hören dem jungen Eidgenossen zu, er hat alles richtig gemacht, er war mit seiner Freundin und einem kleinen Segelboot in der Südsee, dem Sehnsuchtsziel aller Blauwassersegler.

Aber das war nicht das einzige Thema, wir haben uns sogar an die „große Politik“ gewagt – spannend, wie drei Männer mit jeweils 10 Jahren Altersunterschied und aus verschiedenen Ländern oder Regionen, mit unterschiedlichem familiären und beruflichen Hintergrund, die Welt heute beleuchten.

Dabei blieb es nicht – wir bekamen unser „Segelabenteuer“, obwohl wir im sicheren Hafen lagen. Auf einmal hören wir das bekannte Geräusch von berstenden Leinen, das Problem war sichtbar – unsere Spring an Backbord brach unter der Last des kräftigen Meltemi.

Ich musste Handeln!

Nur noch ein Kardeel hielt das Schiff – ein Nottampen half aus der Misere

Zugegeben, passiert wäre nichts, aber im Falle die Spring würde reißen, würde NESSAJA mehr schwojen und sich abgefendert am Nachbarschiff anlehnen – es ist eher eine Komfort- und Wohlfühlfrage, erst in allerletzter Instanz eine Sicherheitsfrage. Dennoch ich will diese Spring haben, ich werde morgen eine neue setzen müssen.

Für heute Nacht hilft der eilends in einen Nottampen gebundene Stopperstek, der nun die Last vom beschädigten Tau nimmt.

Nach ein paar weiteren Dosenbier löst sich unsere Runde auf. Philipp fliegt morgen nach Hause und wird im Oktober noch einmal kommen. Darauf freuen wir uns.

Hans-Peter geht mit Merlin zurück auf die LIBERTÈ und ich mache „klar Schiff“, dann sacke auch ich erschöpft und leicht angedüdelt in die Federn.

Neuer Tag – ein besonderer Tag, der Geburtstag meines Freundes Hans-Peter. Ich trinke meinen Kaffee und nutze die Zeit zum Basteln eines Geschenkgutscheines!

Wir werden uns an einem feudalen Frühstück laben – er und seine Liebste, in unserer Begleitung 😉

Ich besuche den Jubilar kurz, wir beschließen, dass wir es heute langsam angehen lassen wollen. Ok, das passt mir in den Kram, ich habe an ELOWYN zu tun. Nachmittags einkaufen? Ja gerne, da bin ich dabei.

Ich überlasse das Geburtstagskind seinen Gratulanten und gehe weiter zu Volkers blauen Riesen – heute widme ich mich, während die Batterien immer noch im Hintergrund laden, dem Austausch des Druckmanometers der Wasseraufbereitungsanlage.

Alt – kaputt / neu – schön

Ich will mir zuerst ein Bild machen, wieviel Aufwand es ist, dieses kleine Manometer auszutauschen. Erstmal alles in Ruhe besehen – dabei fällt mir auf, dass die neue Druckanzeige schon Bläschen im Display hat.

Der Hersteller bestätigt später – alles ok, das ist normal

Ich schaue mir das System von hinten an, alles ist gut zugänglich. Es wird schnell klar, das Manometer ist nur eingeschraubt, nicht mehr. Das Gesamtbild ist zwar verwirrend, es sieht auch verbaut aus – aber in erster Instanz scheint der Tausch des Anzeigeinstruments ein Klacks zu sein.

Sieht verwirrend aus, aber ist relativ gut zugänglich und ich kann das Werzeug ansetzen

So ging der Ausbau rasch vonstatten und ich hielt kurze Zeit später schon die alte Uhr in der Hand. Jetzt nur noch das neue Manometer einbauen – nanu, warum beißt das Gewinde nicht an? Was ist da los?

Und es wäre ja ein Wunder gewesen, wenn es soooo leicht gegangen wäre – NICHTS geht leicht!

Seht ihr den Unterschied – nur 5mm zu kurz, aber die machen es aus

Wie oft habe ich schon im Blog über Designanpassungen geätzt? Das ist wieder so ein Musterbeispiel! Ein geringfügig anderes Zukaufteil, vermutlich zweifuffzich billiger. Was im Neubau kein Problem darstellt, ist bei der Reparatur ein Fluch.

Ich muss jetzt die Anlage anpassen – wie gehe ich es an???

Mein erster Ansatz ist der Umbau des Anschlussstutzens

Kann ich den Anschlusstutzen umbauen? Bei der alten Anzeige bekomme ich diesen relativ einfach ab, bei der neuen aber rührt sich nichts. Ich habe Angst etwas zu zerstören und schreibe dem Hersteller.

Während der Wartezeit wechsle ich Opferanoden aus – ich hatte ja in ELOWYNs Lagerraum noch eine Propelleranode gefunden.

Gut, jetzt ist antriebsseitig alles ok
War bitter nötig – ich habe ein besseres Gefühl

Volker dirigiert mich zu den Anoden für den Kielkühler, aber davon finde ich nur eine. Ok, dann mache ich zunächst nur die eine hin, vielleicht kann ich nach der Mittagspause der Chandlery, dort noch ein Stück nachkaufen.

Eine ist schonmal dran

Ich kontrolliere meine Mails, der Mann, der am Vormittag Volkers Anfrage innerhalb von Minuten beantwortet hatte, lässt mich mit einem Rat im Stich. Er wird, ich nehme es vorweg, auch im weiteren Verlauf des Tages nicht helfen.

Ich zerbreche mir selber den Kopf und sehe mir die Sachlage noch einmal an – ja klar, das ist die Lösung, so mache ich es…

Gewinde – Pfeil / Mutter – Oval

Das Regelventil lässt sich, im Verhältnis zur Montageplatte der Schalttafel, über eine große Gewindemutter (im Oval) in der Montagetiefe auf einem Gewinde (Pfeil) verstellen – ich muss hier also „nur“ 5-10mm herausholen.

Ich versuche die Mutter zu drehen, nichts passiert. Ich muss das Ventil etwas lösen um mehr Kraft einleiten zu können – und es passierte was passieren musste…

Kraaaaaks – Kunststofffittinge, hier auf der Insel schwer bis nicht zu bekommen

Ich bin sauer, das hätte es nicht gebraucht – die „eigentlich einfache“ Arbeit entwickelt sich zur Baustelle. Zu allem Überfluss bekomme ich auch kein Päckchen mehr an Sibylle raus, letzter möglicher Bestelltermin war gestern.

Ich brauche Abstand, ich muss nachdenken – ich gehe zur Chandlery. Zum Glück bekomme ich dort die fehlende Opferanode für den Kielkühler und kann den Punkt „Opferanoden“ von meiner Liste streichen.

Kielkühler ist wieder safe

Nach der Verschnaufpause gehe ich den Watermaker noch einmal an – jetzt kann ich das Regelventil schadlos ausbauen, ich überprüfe alle Anschlüsse – sonst scheint alles gut! Auch den abgebrochenen Stummel kann ich leicht und schnell entfernen. Alles zunächst mal halb so schlimm!

Da liegt das Corpus Delicti
Diese Mutter kann ich nicht drehen – das Pendant außen war mit den Fingern zu bewegen

Ich verschiebe die Lösung des Problems auf morgen – entweder lasse ich mir von Giorgos helfen, oder ich bekomme die Mutter selbst gangbar. Es sollte auf jeden Fall lösbar sein. Dann kann ich zumindest alles wieder zusammenbauen – ob ich das Anschlussfitting auftreiben kann, werden wir sehen…

Ich sperre ELOWYN ab und gehe wieder zurück nach Hause, ich muss schließlich noch die Spring erneuern, das liegt mir am Herzen. Der Wind ist immer noch kräftig und soll es auch bleiben!

Ich finde zum Glück eine Leine, neu und lang genug, zudem ausreichend dimensioniert, eine Leine welche ich jetzt über Jahre spazierenfahre – diese werde ich verwenden. Zum Glück kann ich mir mit den Winschen selbst helfen und NESSAJA gegen den Winddruck so positionieren und fixieren, dass ich die Springleine alleine tauschen und durchsetzen kann – nach einer Stunde ist alles erledigt…

Keine Knoten mehr, keine alten Schrottleinen – jetzt kann ich ruhig schlafen

Danach war es an der Zeit. Hans-Peter und ich fahren unsere Köfte holen und heizen den Cobb an – jetzt wird gefeiert!

Es war sein Wunsch, dass wir im kleinen Kreis auf der Dachterrasse seiner LIBERTÈ ein leckeres BBQ ohne shishi machen – und sein Wunsch war mir Befehl!

Der Cobb brutzelt, wir haben ein frisches Lüftchen und eine herrliche Aussicht
Erste Runde von drei – wir haben 1kg Köfte für uns bei Xatzigrigoriou, dem DeLuxe Metzger, bestellt
Fröhlich strahlt der Gastgeber, das Geburtstagskind – HAPPY BIRTHDAY und Danke für die Einladung

Wir mampfen unsere Köfte weg, diese waren deutlich besser als die vom letzten Mal, auch die Salate und das rund 1m lange Brot haben wir verputzt – es war so einfach und so lecker!

Ich denke HP war zufrieden mit seinem Geburtstag, auch wenn er „nur“ mit meiner Gesellschaft vorliebnehmen musste – natürlich wäre es fein, wenn die Familie anwesend wäre…

Ihr ahnt was kommt – zur Feier des Tages runden wir das ganze mit einem Besuch im Speiseeis-Schlaraffenland ab, Es gibt drei Kugeln bei „Repapis“ und ich bin ein weiteres Mal Hans-Peters Gast. Was für ein Glück, abermals Danke an den Gastgeber.

Ach was nehm´ ich nur???

Ich weiß seit ein paar Tagen, dass Hans-Peter tatsächlich Hans Peter heißt – ein kleiner aber wichtiger Unterschied. Seither überlege ich, wie und wann ich dieses Faktum in den Blog einfließen lasse.

Natürlich kann und will ich nicht rückwirkend ausbessern, sein OK dies so zu belassen habe ich schon – und doch ist so ein Geburtstag auch ein guter Anlass, es ab jetzt richtig zu machen…

Hans Peter, Danke für den schönen Abend, Sibylle und ich wünschen Dir von Herzen alles Gute!

Am nächsten Morgen erwache ich voller Tatendrang, es hat ein wenig abgekühlt, ich habe sehr gut geschlafen. Noch während mein Kaffee aufbrüht, packe ich das Werkzeug aus und versuche, die festgewordene Mutter des Wassermacher-Regelventils zu lösen.

Großkalibriges Werkzeug als gutes Argument

Mit Hilfe zweier guter „Argumente“ rücke ich der Mutter zu Leibe, es braucht nicht viel Kraft um eine erste Drehbewegung zu generieren. Diese und ein paar Tropfen Öl reichen aus, um das widerspenstige Trum abzuschrauben – der Reparatur steht nichts im Wege…

Etwas gereinigt und geschmiert – läuft wie Schmidts Katze

Ich sehe bei Hans Peter vorbei um den Tag zu planen. Wir beschließen, dass wir heute zuerst unsere Besorgungsfahrten machen, um nicht später vor leeren Regalen zu stehen. Im Kern geht es uns, neben ein paar Kleinigkeiten, um ein Gastgeschenk für Gabi und Gottfried, wir sind heute nämlich auf der HARMONY zum Dinner geladen.

Auf der Einkaufstour entdecke ich einige neue Plakate, welche auf bevorstehende Veranstaltungen hinweisen. Das freut mich, ich liebe diese Sommerfeste der Griechen…

Manolis, mein Lieblingsmusiker, spielt am 10. August in Blefoutis – das muss ich mir merken

Unser Einkauf geht schnell vonstatten und wir sind bald wieder in der Marina zurück – hier ist inzwischen ein Wunder geschehen!!!

Ein ausgebuffter Zeitgenosse hat exakt unsere Abwesenheit genutzt, um den vermissten Kärcher wieder an Ort und Stelle zu stellen. Er ist wieder da, wir haben es nicht mehr zu hoffen gewagt.

Heinzelmann – da isser wieder

Ja, es gibt einen Verdacht, aber der ist nur auf Mutmaßungen gestützt und wird daher weder erzählt noch propagiert. Wir werden mal sehen, ob da nochwas kommt. Ich bin inzwischen jedenfalls 100% sicher, dass es kein klassischer Diebstahl war, eher ein „ungefragtes Ausleihen mit offenem Ende, welches durch ein aufkommendes schlechtes Gewissen kurzfristig auslief“ – ja, so in etwa.

In jedem Fall haben wir überall Entwarnung gegeben und freuen uns einfach – darüber, dass der Industriesauger der auch Blasen kann wieder da ist, noch mehr aber über die Tatsache, dass Griechenland wieder sicher ist 😉

Wir verräumen unsere Einkäufe und fahren zu Giorgos, wir sollen nach 13.00 Uhr da sein. Weil wir die Griechen kennen, treffen wir um 13.26 Uhr ein – wer ist NICHT da? Genau, Giorgos…

Niemand da…
…wir warten vor verschlossenen Toren

Als der Tausendsassa endlich eintrifft, nimmt er sich Zeit für uns. Wir besprechen Hans Peters Ankerwinsch, lassen sein Ofengitter schweißen und noch weitere zwei Kleinigkeiten reparieren oder klären.

Ich kann nach meinen Kunststofffittingen für Volkers Wassermacher fragen. Leider sind diese Teile rar, sie sind nicht auf Lager. Aber Giorgos verspricht, dass er mir welche bestellt. Das wäre fein, ich bekomme sie in Deutschland nicht mehr geordert.

13mm x 1/4 Zoll – kostet im Internet 1,09€! Kleine Ursache, große Wirkung

Als wir zurück in der Marina sind, ruft Sibylle an. Sie war wegen der Fittinge im Baumarkt, hat aber nur ein Sammelsurium an Einzelteilen bekommen, welches man zu etwas Passendem zusammenfügen kann – funktioniert wohl, ist aber Pfusch und maximal eine temporäre Lösung.

Vermutlich der zehnfache Preis – was so ein OBI Verkäufer aus dem vorher gezeigten Zielbild machen kann

Ich will am heutigen Tag noch etwas schaffen und gehe auf die ELOWYN, zumindest das Regelventil nebst dem Manometer möchte ich montieren. Ich gehe also sofort zur Sache…

Der Einbau ist etwas frickelig, zwar ist die Einbaustelle gut zugänglich, aber der Montageraum ist aufgrund der vielen Schläuche und Anschlüsse recht knapp. Trotzdem kann ich das Regelventil justieren und nebst dem Druckanzeiger in kurzer Zeit montieren.

Regelventil und Manometer sind wieder an Ort und Stelle…
…auch die Einstellung und damit die Einbautiefe des Druckanzeigers sind perfekt justiert

Da beim Hobeln ja immer Späne fallen, bleibt auch mir weiterer Bruch nicht erspart. Nicht genug, dass das kleine, rare Fitting gestern gebrochen ist – nein, heute bricht beim Einfädeln des klobigen Ventils auch noch ein Kontakt aus dem Schalter. Es sind also zwei defekte Teile zu beklagen.

Ich mache das Foto um es der Bestellung anzufügen

Was soll´s, ich bin zwar leicht angesäuert, aber es hilft ja nix – don´t worry, be happy.

Frei nach diesem Motto setze ich mich hin und formuliere eine Ersatzteilanfrage an den Hersteller, auch die Option einer Lieferung nach Griechenland frage ich an – mir wird klar, dass dies ein Thema wird, welches ich mit in den nächsten Monat nehmen werde.

Ein bisschen Zeit ist noch, was machen eigentlich die Serviceakkumulatoren der ELOWYN? Sie sind voll geladen, aber leider ist der Anzeigefehler immer noch da. Ich entschließe mich das Philippi Anzeigeinstrument stromlos zu schalten – es ergibt sich eine seltsame Anzeige.

Während es bei zwei Batteriebänken einen Reset gibt, bleibt die „Problembank“ wie eingefroren

Ich habe einen Geistesblitz – obwohl es nicht unmittelbar fehlerrelevant ist, möchte ich mir die Settings ansehen – und ich staune nicht schlecht, als ich feststelle, dass die ganzen Batteriewerte nicht stimmen! Es macht den Eindruck, als ob beim Batteriewechsel vor zwei Jahren vergessen wurde, die Werte entsprechend anzupassen.

Dieses Datenupdate führe ich manuell durch – und siehe da…

Alles wieder so wie es gehört

Ein versöhnlicher Abschluss des heutigen Werkelsamstags. Ich versperre den blauen Riesen und gehe nach Hause. Ich will etwas ausruhen und mich frisch machen.

Um 19.30 Uhr treffen wir uns auf der HARMONY, ich bin sicher es wird ein kurzweiliger und geselliger Abend. Morgen werde ich auch etwas arbeiten – wie immer ist für den Sonntag NESSAJA geplant.

Pünktlich holt mich Hans Peter ab und wir machen uns auf den Weg – immerhin 200m gilt es zurückzulegen. Dabei gehen wir an der Außenecke von Steg F vorbei, ich erhasche eine andere Perspektive unseres Zuhauses – ich mag es, wie NESSAJA da so liegt…

Mein Zuhause, seit dreieinhalb Jahren

Am Nachbarsteg G, sozusagen in Sicht- und Rufweite, liegt die HARMONY, eine Sunbeam 39, ebenfalls eine Centercockpityacht und unserer NESSAJA typähnlich.

Unsere Gastgeber erwarten uns schon und bahnen uns den Weg durch die Abschattungen. Sofort nach dem Zuweisen der Plätze geht Gabi in tabula rasa – „…was gibt es Neues in der Marina?“

„Eigentlich nix, ach ja, der Staubsauger ist wieder da!“

Dinner auf HARMONY, einer Sunbeam 39

Gabi trägt leckeres Essen auf, wir laben uns an Dosenbier und diskutieren uns vom Marinageschehen in Richtung Weltgeschehen – unser Fazit, wenn WIR es machen würden, wäre es besser, aber uns lässt ja keiner. Darauf stoßen wir an, Prost!

Gegen 22.30 Uhr verlässt Hans Peter die Runde. Er möchte mit seiner Angetrauten telefonieren und auch Merlin fordert noch seine abendliche Gassirunde. Ich bleibe noch, aber nur kurz! Aus diesem hehren Vorsatz werden weitere eineinhalb Stunden – erst um Mitternacht schleiche ich zurück auf mein Schiff. Ich bin leicht angedüdelt und habe den Abend genossen – wie eigentlich immer mit Gabi und Gottfried. DANKE für die Einladung!

Irgendwie schlafe ich schlecht, ich kann nicht sagen warum. Um 03.40 Uhr gebe ich auf, mache das Licht an und brühe mir einen Kaffee auf. Ich will die schlaflose Nacht nutzen, um ein paar Blogzeilen zu tippen – es ist Sonntag!

Sonntag ist HEIMwerkertag – ich schaffe an NESSAJA – und weil ich früh wach war, geht es zeitig los. Ich beginne mit der Pumpe im Duschsumpf des vorderen Bads, das liegt mir im Magen.

Natürlich brauche ich aus jedem Fach etwas – das heimelige Zuhause verliert seine Unschuld
Das Bad der vorderen Kabine ist relativ eng, ich baue die Türe aus um besseren Zugang zu haben – ich arbeite von außen

Warum eiert mich diese Arbeit so? Sie ist ein „false friend“ würden die Engländer sagen. Eine Sachlage, die dir unschuldig begegnet und dann unliebsame Überraschungen bereithält.

Dass die Ersatzpumpe mit der gleichen Bestellnummer komplett im Design angepasst wurde und somit nicht mehr passt, hatte ich ja schon beschrieben. Ich hatte also vor Wochen schon eine weitere Pumpe beschafft, diese sieht optisch exakt so aus wie die vorher verbaute.

Hier ein Bild um eure Vorstellung zu unterstützen…

Um diesen Zustand zu erreichen, habe ich drei Stunden gebraucht

Ohne das jetzt allzusehr auszuschmücken – die Pumpe passt von der Höhe exakt in die kleine Vertiefung am Boden. Man kann sie nicht anders montieren, sie wäre sonst zu hoch.

Wer genau beobachtet sieht, dass die Laschen der blauen Basis, in welchen der weiße Pumpenkörper eingerastet wird, nicht ganz parallel stehen – die alten waren aber exakt um 90° zum Pumpenkörper ausgerichtet.

Dies hat zur Folge, dass ich natürlich erst die blaue Basis einschraube, dann aber feststelle, dass der Pumpenkörper nicht passt, weil der Schlauchstutzen schräg nach vorne steht und so die Durchführung nicht treffen würde.

Um diesen Fehler zu korrigieren, muss ich die Basis um ein paar Grad drehen, dafür aber vier neue Löcher bohren – übrig bleiben vier alte in einem Duschsumpf! Toll! Also vier unnütze Löcher verschließen und abdichten.

Dann erkenne ich, dass der Schlauchstutzen ein paar Millimeter höher ist als beim optisch gleichen „Rule“ Vorgänger – also muss ich das ohnehin riesige Loch für die Schlauchdurchführung nach oben ovalisieren…

Ich höre jetzt auf mit dem Wehklagen und besinne mich des Monatsmottos – don´t worry, be happy!

Nicht schön, aber (vermutlich) funktionell

Ihr hättet mich sehen sollen, wie ich mit schwarzen Latexhandschuhen die Dichtmasse an die Schlauchdurchführung geschmiert habe – unfassbar! Auf einer Seite habe ich nichts gesehen und blind geschmiert, auf der anderen Seite – siehe Bild – konnte ich hinsehen, aber die Spalten waren zu eng, als dass ich die Dichtmasse hätte mit den Fingern schön verstreichen können.

Nun, gut – ich akzeptiere den Kompromiss, lege das Deckelchen des Schweigens auf den Duschsumpf und lobe mich selbst für meine übermenschliche Geduld und Hingabe.

Weil ich gerade das Tätigkeitsfeld „Sanitär“ beackere, wechsle ich vom Kapitel „Wasser“ zum fast unaussprechlichen Kapitel „Scheiße“.

Ich tausche die manuelle WC-Pumpe des Eignerbads.

Auch nur semilustig – schaut genau hin, zum Arbeiten stehe ich in der Plörre

Wir hatten einen seltsamen Fehler – irgendwann „flappte“ die Spülung mal so komisch, ging danach schwerer. Das hätte man tolerieren können, aber das Problem war ab da, dass nach zehn Pumpenhüben eine bestialische Gestankwolke ins Bad waberte – immer wieder.

Dies war dann sofort vorbei, wiederholte sich aber bei jedem Toilettengang auf´s Neue. Ich vermutete, dass ich ein Fischlein eingesaugt hatte, welches jetzt in der Pumpe langsam vor sich hinfaulte und hoffte auf den Zeitfaktor. Aber nichts geschah.

Ich beschloss, die Pumpeneinheit einmal wieder zu tauschen…

Ein Job, bei dem man nach getaner Arbeit nichts davon sieht – das liebe ich ja

Nach einer guten Stunde war das Werk vollbracht – und siehe da, der Gestank war weg, die Pumpe geht jetzt auch wieder geschmeidiger.

Es erübrigt sich zu sagen, dass das Saubermachen in etwa so lange gedauert hat, wie vorher der Tausch der Pumpe.

Tatsächlich wird dies nicht so bleiben. Ich habe schon einen Umrüstkit auf elektrisch gekauft, werde dies aber als Projekt einsteuern – dafür habe ich vor Oktober aber keine Zeit.

Ich war im Flow, fast schon im Wahn – wo mache ich weiter??? Ich weiß, ich baue, als kleine „Fleißaufgabe“, noch den USB Stecker „Scanstrut Flip-Pro“ in meine Instrumentenkonsole am Steuerstand ein!

Ladebuchsen für elektrische Kleingeräte – USB-A und C

Braucht´s das? Nein, offen gesagt nicht unbedingt. Aber es gibt Tage, an denen möchte man den e-Reader oder das Mobiltelefon mal laden während man draußen sitzt. Man möchte die kleinen Devices nutzen, während man im Cockpit verweilt – OBWOHL der Akkustand gerade zur Neige geht. Es ist ein kleines bisschen Komfort – außerdem konnte ich das teure Ding günstig als neues, originalverpacktes Gebrauchtteil von einem Bekannten erwerben.

Hier hat er einen guten Platz

Der mechanische Einbau war rasch erledigt, das Arbeitsklima an der frischen Luft und im Schatten angenehm. Ich musste zwar den Plotter herausnehmen, um zunächst den Einbauplatz zu prüfen und später zu verkabeln, aber das ging rasch und ohne Komplikationen…

…habe ich verkabeln gesagt? Verdammt! Wie kann es passieren, dass ich keine gelben Crimp-Flachstecker habe? So ein peinliches Versäumnis – und es war Sonntag!

Ich schreibe Hans Peter an und frage um Hilfe – „…leider nein!“ Was tun sprach Zeus??? Ha, ich hab´s, ich sehe auf ELOWYN nach! Um nicht während der nachmittäglichen Bruthitze über den Sandplatz marschieren zu müssen, nehme ich Sibylles „Breezy“ als Shuttle.

Rasch brummle ich zum aufgepallten blauen Riesen
Hier werden Sie geholfen – ich nehme die begehrten Steckerchen an mich

Das Verkabeln selbst ist rasch erledigt, denn ich kann die in der Konsole vorhandene Stromversorgung nutzen. Dass die dort anliegenden 12 Volt mit der Navigation aus- und eingeschaltet werden, erachte ich als sinnvoll und gut.

Der Funktionstest zeigt – passt alles, das Telefon lädt.

So soll das

Geschafft! Es ist früher Nachmittag und ich habe die ganzen Kleinigkeiten auf NESSAJA erledigt. Neue Sofortmaßnahmen werden erst fällig wenn Sibylle kommt, sie wird einige Kleinteile mitbringen. Darüber hinaus widme ich mich NESSAJA im Oktober mit fälligen Projekten.

Ich gehe baden und stelle fest, dass das Meer durch den Meltemi kühler geworden ist – perfekt, sehr erfrischend! Genau meine Temperatur.

Ich gönne mir nach dieser Erfrischung zwei Musestunden und döse etwas im Cockpit – dann muss ich los. Ich bin heute um 19.30 Uhr mit Susanne verabredet. Sie hat ihren letzten Abend und wir wollen gemeinsam bei „Dimitris o´Karaflas“ essen, sie holt mich um 19.15 Uhr am Marinagate ab.

Wie immer gibt es beim Glatzkopf sehr gute Speisen. Wir lassen es uns gut gehen, trinken einen halben Liter Wein und schlemmen Fischgerichte…

Dimitris Haussalat
Weißer Taramosalata
Cevice
Fisch-Souvlaki

…und unterhalten uns sehr gut. Es war ein sehr schöner Abend und ich kann bei ihr etwas Wehmut feststellen, als wir uns verabschieden – irgendwie ist es immer zu früh um nach Hause zu fahren, auch wenn es gute Gründe gibt.

Wenn man sich aber mit den Worten „…bis in einem Jahr…“ verabschiedet, dann zeigt das deutlich, dass Zeit aus unserer Perspektive eine andere Dimension hat – wir nutzen diese intensiv, aber sie scheint auch zu fliegen.

Naja, vielleicht geht sich ein Treffen in der Schweiz oder am Bodensee aus…

Ich trinke im Cockpit noch ein Bier, dann falle ich todmüde ins Bett. Am nächsten Morgen wache ich auf, es ist verdächtig hell! Ich recke und räkle mich, dann sehe ich auf die Uhr – waaaas, 09.38 Uhr??? So lange habe ich seit Jahren nicht mehr geschlafen – ich merke, wie mir die letzte Nacht gefehlt hat.

Und was machen wir heute? Heute spielen wir Sonntag, ein Sonntag, der an einem realen Montag nachgeholt wird.

Als ich zu Hans Peter komme, bereitet dieser schon die Baustelle vor

Wie das? Nun, ich hatte ja mit Hans Peter vereinbart, dass wir immer am Sonntag zum Dinner ins „SouVLakki“ gehen. Nun war ich gestern aber mit Susanne essen und mein saarländischer Freund wollte partout nicht alleine in den Grillpalast.

Also lösen wir das Problem pragmatisch – wir ernennen diesen Montag kurzerhand zum Sonntag und gehen eben heute dorthin, Problem gelöst! Und sonst?

Nanu? Fertig zum Aufguss?

Nein, falsch geraten! Auf ELOWYN gibt es keine Sauna, mir wäre auch nicht danach gewesen. Obwohl, so ganz stimmt das auch nicht – es gibt so was ähnliches wie eine Sauna, den Motorraum! Und genau da muss ich heute rein!

Ich mache mich also frei bis auf den Schlüpfer, für das Kopfkino entschuldige ich mich, betrete den Motorraum und das Wasser fängt an, unaufhörlich und in Strömen aus meinem Kopf zu rinnen – unglaublich!

Der Arbeitsauftrag heute – das Entfernen einer abgerissenen Schraube aus dem Gehäuse der Generator-Seewasserpumpe.

Mal sehen, das sollte doch klappen

Natürlich klappt auch das nicht wie geplant – Murphys Law eben. Der 2mm Bohrer bricht ab, er rutscht dadurch nach außen über die Kante. Das passiert schon mal, aber das hätte es hier und heute nicht gebraucht.

Don´t worry, be happy!

Ganz happy beschließe ich, mich nicht lange zu ärgern oder meinen Saunagang gar unnötig in die Länge zu ziehen – ich baue das Ding kurzerhand aus und werde es die nächsten Tage mal mit zu Giorgos nehmen. Mal sehen, was wir in der Werkstatt retten können – Ersatz wäre teuer.

Vielleicht bekommen wir es noch hin – ich bin zuversichtlich

Ich breche an der Stelle ab und bekleide mich wieder. Dann hole ich abermals Sibylles „Breezy“ und fahre auf Verdacht zur Chandlery in der Marina. Es könnte gut sein, dass meine Bestellung für ELOWYN angekommen ist – ihr erinnert euch an Spindel und Trommel der defekten Deckswinsch.

Und tatsächlich, das DHL Tracking hat nicht zuviel versprochen, ich greife mein Paket, noch bevor die Marina mich informieren kann. Mit dem kleinen Roller fahre ich das Trum auf den waidwunden 68 Füsser.

Modernes Transportwesen
Die Teile sind da – jetzt muss Giorgos noch das Getriebe zusammenbauen

Jetzt aber – für heute bin ich auf ELOWYN fertig. Ich räume das Werkzeug auf und recherchiere noch ein wenig, bezüglich der noch fehlenden Ersatzteile für den blauen Riesen. Aber das macht nicht richtig Spaß, trotz des großen Ventilators ist es recht warm auf NESSAJA.

33°C im Schatten – drinnen etwas mehr

Ich will baden gehen, noch einmal ins frische Meer springen und mich ganzkörperlich runterkühlen. Mal sehen, ob mein saarländischer Wegbegleiter seiner Funktion gerecht wird und mich auf meinem Weg begleitet…

Ein wenig werde ich warten müssen…

Der aber tanzt gerade, wie einst Catweazle, um die rudimentäre Werkbank und salbadert etwas von 2:1 mischen, 2;1 mischen – ich erkenne, das Szenario dreht sich um den Anstrich des Saildrives!

Ok, wir gehen baden, aber ich müsse warten, die erste Lage muss drauf! Ja klar, kein Thema, ich setze mich in den Schatten und sehe dem Hobbydruiden dabei zu, wie er seinen persönlichen „Zauberanstrich“ mischt – penibel genau, auf Petras Küchenwaage! Wenn das mal kein Mecker von der Chefin gibt…

…nur noch 0,5 Gramm, dann passt es

Der Mann aus dem Saarland wächst über sich hinaus – er greift zum Pinsel und schwingt diesen, virtuos wie einst die großen Maler, über das nackige Aluminium des Saildrive-Unterteils. Dann erklärt er die Arbeit für beendet, nein, für vollkommen und holt Terrier Merlin, er darf uns zum wohlverdienten Bade begleiten – und so geschah es, wir fluteten unsere Alabasterkörper und genossen das kühle Nass.

Wie fast jeden Tag, bleibt jedem eine Stunde „private time“ in der wir Mails erledigen, Ersatzteilrecherche betreiben oder einfach nur faul rumliegen und etwas relaxen. Dann ruft der allabendliche Dinnertermin – sei es zum Grillen oder, wie heute am nachgeholten Sonntag, zur Einkehr in den Lieblingsgrill.

Dort lassen wir es uns so richtig gut gehen…

Jeder hat so seine Leibspeise

Merlin darf abends immer mit. Das quittiert er mit großer Dankbarkeit und Freundschaft. Inzwischen schmachtet er nicht nur seinen Herrn und Gebieter um ein Stück Brot an, auch bei mir versucht er sein Glück – auf eine sehr liebreizende Art und Weise.

So steht er während des ganzen Essens da, der Kopf auf meinem Bein ruhend, wartend – und selbstverständlich bekommt er ein Stück Brot

Heute waren wir etwas früher dran als sonst, die Sonne verschwand erst hinter den Hügeln als wir fast fertig mit dem Essen waren – ich liebe diese Stimmung! Ich bin gerne hier…

Ja, direkt an der Straße – laut, trubelig aber auch voller Leben und mit Blick auf die weitläufige Bucht

Wir lassen den Tag im „Repapis“ ausklingen, dort gesellen sich Yo von der INDIGO BLUE sowie Christa und Rinaldo von der AEGEAN BLUE zu uns. Wir sind uns im Gespräch einig, dass die Entwicklung im Yachtsport eher kritisch zu sehen ist – ich persönlich finde das untertrieben, es macht mir Sorgen, diese behalte ich aber an diesem Abend für mich.

Heute wird es nicht zu spät, beim Zubettgehen stelle ich mir noch den Wecker auf 07.00 Uhr – denn morgen wird ein „Early Bird Day“.

Warum das? Weil mein Freund Giorgos Hilfe in Sachen Wasserpumpe signalisiert hat – „…be at my shop at 08.00am…“ schreibt er mir.

Ok, das lass´ ich mir nicht zweimal sagen…

Unsere „Garage“ unter dem kleinen Kat von Freunden – der SHANIA

Ich starte frühmorgens den Boliden, um pünktlich in Kamara zu sein. Ich muss langsam fahren, denn meine Hinterradbremse funktioniert ja noch nicht. Also tuckere ich ganz „siga siga“ über den Bergrücken auf die gegenüberliegende Inselseite.

Da ich Giorgos an seinem Lieblingscafé überhole, bin ich nicht verwundert, dass ich, wie so oft, vor verschlossenen Türen stehe – er wird gleich kommen!

„Boat & Parts“ in Kamara – Giorgos „Shop“ und Werkstatt

Und tatsächlich, keine 5 Minuten später kommt der fleißige Familienvater angebraust, mit einem Kaffee in der Hand. Er erkennt den Fehler sofort – „…ah, you don´t have Coffee, I order…“, greift zum Telefon und bestellt auch mir von dem heißen Labsal, inzwischen weiß er, wie ich meinen Kaffee trinke.

Klar, dass der Arbeitstag in Griechenland mit einem gemeinsamen Kaffee beginnt, der Freund fragt mich zu Deutschland aus, er möchte dort Urlaub machen. Ich würde gerne als Gastgeber fungieren – mit ihm und seiner Familie einmal eine Woche im „Haus Seegarten“ – das wäre was!

So kann man in den Tag starten

Dann aber geht es los – wie wenn man einen Schalter umgelegt hätte, steht der emsige Werker auf und legt los. Auch ihm macht es Mühe, das verhunzte Bohrloch wieder einigermaßen hinzubekommen und den abgebrochenen Bohrer zu entfernen – aber es gelingt.

Das größte Problem konnte gelöst werden

Schön wäre aber anders – ideal wäre ein M4 Helicoil Gewindeeinsatz. Das weiß der Meister seines Fachs natürlich auch, aber er entgegnet, dass er wohl das Material habe, das benötigte Einbauwerkzeug besitze er aber nicht!

Da dieses Werkzeug als „geringfügige Werkstattausstattung“ gewertet werden darf, einigen wir uns darauf, dass er FÜR MICH und auf meine Rechnung das Werkzeug bestellt und dann behalten darf – ich bekomme im Gegenzug meinen M4 Gewindeeinsatz.

Die defekte Pumpe verbleibt für die Finalisierung bei ihm – inzwischen haben Hans Peter und ich eine erkleckliche Liste von Kleinarbeiten bei ihm eingesteuert, ich hoffe er übersieht nicht die Timeline!

Was macht eigentlich Hans Peter? Er wartet, dass wir endlich unsere Einkaufsrunde drehen können! Und damit legen wir sofort los…

Xatzigrigoriou, unser „five star“ Metzger – hier kaufen wir Grillgut…
…im Gemüsemarkt den Salat

Überall herrscht emsiges, südländisches Treiben. Ich kenne die Gerüche und Geräusche von meinen Geschäftsreisen, ich mag das.

Wir sehen noch beim Bäcker vorbei, um Brot zu kaufen und fahren abschließend zur Spedition im Hafen, um zu sehen, ob Hans Peters Matratzen schon angeliefert wurden. Leider nein, vielleicht mit der nächsten Fähre…

Danach geht es zurück in unsere Marina. Irgendwie ist die Luft ein wenig raus – wir sind faul und beschließen, dass wir uns einen Tag Pause gönnen. Hans Peter bestellt bei SVB in Deutschland den Epoxi-Primer für den Rumpf und spezielle Schleifscheiben für den Kiel – die Lieferung erwarten wir in zehn Tagen.

Ich kümmere mich währenddessen auf NESSAJA um die Teile von ELOWYNs Wassermacher und um den Termin für das Legen des Mastes von LIBERTÉ – durchaus erfolgreich wie ich meine, beides wird mir für Ende nächster Woche zugesagt.

Den Rest des Tages verbringe ich mit dem Schreiben des Blogs, morgen schon ist der letzte Tag des Monats. Ich komme gut voran, denn ich bin erst um 20.00 Uhr mit Hans Peter zum Grillen verabredet.

Der Meltemi faucht – der Windgenerator liefert, kostenlos

Während ich die Zeilen tippe, neigt sich NESSAJA auf die Seite. Der Meltemi faucht kräftig, ich bin froh und beruhigt, dass ich die Spring erneuert habe.

Ich mag den „Silentwind“ inzwischen – er liefert normaler Weise wenig Ladestrom, dies tut er aber stetig. Wenn der Wind, wie jetzt, anhaltend mit 30kn bläst, dann stehen schonmal 15A zur Verwertung bereit – im Schnitt wohl um die 7 – 10A, das reicht an windreichen Tagen allemal um den Standardverbrauch aufzufangen.

Um 20.00 Uhr schnappe ich den Cobb und gehe zu LIBERTÉ, wir grillen und es weht uns die Haare ordentlich durcheinander. Wir brauchen einen Windschutz für den Gasgrill.

Passt, so funktioniert das

Es wird heute nicht zu spät, wir essen unsere Souvlaki und besprechen das weitere Vorgehen. Dabei beschließen wir auch, dass wir die kommenden zwei Tage bis Sibylle die Teile liefert, noch zum Durchschnaufen nutzen – danach heißt es wieder Vollgas. Klingt nach einem Plan – darauf ein letzter Schluck Dosenbier, dann gehe ich nach Hause und hau´ mich auf´s Ohr…

Der letzte Tag des Monats Juli bricht an, wir schreiben den 31.07. – morgen am späten Abend kommt Sibylle zurück. Ich möchte heute Abend noch einmal Wäsche waschen, nach der Rückkehr meiner Liebsten geht es wieder in den gemeinsamen Alltag über.

Nach der ersten Tasse Kaffee eile ich rasch über den Trockenliegeplatz zur KEONDA. Ich habe nämlich einen weiteren Mario kennen gelernt. Der Italiener möchte sein Schiff, eine Baltic 40, verkaufen und hofft auf meine Hilfe. Wir haben vor seiner Abreise heute, noch ein paar Kleinigkeiten zu besprechen.

Wird die Baltic 40 KEONDA das nächste Schiff das ich verkaufe?

Auf dem Rückweg treffe ich Gabi und Gottfried – das trifft sich sehr gut, denn ich möchte die Beiden gerne zu unserem heutigen Griller einladen. Wir stimmen uns kurz ab – alles klar – dann bis heute Abend 19.30 Uhr!

Danach gehe ich zu Hans Peter, wir brechen gleich auf um unsere heutige Besorgungsfahrt hinter uns zu haben. Mein Freund aus dem Saarland wird langsam unruhig, seine Matratzenlieferung ist überfällig – daher führt unser erster Weg abermals zu „Leros Trans“ im Hafen von Lakki. Und siehe da, wir haben Glück!

Die Matratzen sind angekommen, wir transportieren „Greek Style“

Mit dem XXXL Paket am Autodach erledigen wir unsere Besorgungsfahrt durch Lakki, dann geht es zurück in die Marina – abgeladen wird direkt vor LIBERTÈ. Zu zweit gelingt es uns, die ausgepackten Matratzen auf das Schiff zu hieven, sie ordentlich an Ort und Stelle zu bringen und dann den Riesenkarton der Müllverwertung zuzuführen – geschafft!

Solche Hauruck-Aktionen schreien nach Belohnung und Ruhe – wir gönnen uns daher zunächst ein Eis, dann beschließen wir, dass wir uns den Nachmittag zur freien Verfügung stellen.

Na so was – damit habe ich nicht gerechnet! Ich beschließe, die gewonnene Zeit zu nutzen und schmeiße meine Waschmaschine eben jetzt schon an…

Kurzprogramm – 45° Mix in 45 Minuten

Ich hatte ja schon geschildert, dass ich versuche jegliche Zeitinvestition für Hausarbeit zu minimieren. Ich denke alles pragmatisch an, alles geht in einem Zug – so auch das Wäsche waschen.

Ich muss natürlich auch die Kleider an meinem Leib waschen, daher schlüpfe ich in die Badehose und nutze die Zeit in der meine Kleidung mitgewaschen wird, zum Schreiben des Blogberichtes, der heute fertig werden soll.

So lässt es sich aushalten – dazwischen kann ich mich abbrausen

Nach einer Dreiviertelstunde kommt die frisch geschleuderte Wäsche auf die Leine – der Meltemi bläst noch und ich erwarte, dass der Stoff nach etwa einer Stunde trocken sein wird – dann habe ich wieder meine Kleidung, frisch gewaschen von der Unterbuxe bis zum feinen e&s T-Shirt, rechtzeitig bevor der Besuch eintreffen wird 😉

Die Wäsche flattert in der steifen Brise

19.00 Uhr, gleich kommen die Gäste – ich will mich noch rasch frisch machen und mich abbrausen. Mache ich ein paarmal am Tag, etliche Male in der Woche – nicht nur dafür muss ich über unsere Passerella – ein tausendfach gegangener Weg.

Nicht so heute, heute werde ich zum Opfer der Heimtücke dieser Gangways…

Eigentlich keine Herausforderung

Ich gehe also über das noch trockene, hölzerne Laufbord und habe, das ist wichtig zu erwähnen, noch trockene Füße. Dass meine Hornhaut an den Füßen dazu führt, dass ich auf dem Holz keinerlei Haftung habe, es sich eher glatt anfühlt, hatte ich nicht im Sinn. Es kam wie es kommen musste, ich „rutsche“ aus, verliere den Halt und segle in hohem Bogen ab.

Das hat zwei Nachteile – erstens, wenn ich mal falle bremst mich nix mehr. Zweitens, mein Fall wird meist durch einen heftigen Einschlag gestoppt. So auch heute!

Wie zum Henker kann man sich DA verletzen???

Der Teufel will es, dass eine der Geländerstützen den Weg unter meinen Arm findet – sie rammt sich tief in mein weiches Gewebe, komprimiert das Fleisch und verwendet eben dieses als Stoßdämpfer zum Knochen.

Aua – don´t worry, be happy!

Das Ding bohrt sich in meine Achsel

Happy zu sein fällt jetzt gerade schwer. Gottfried hat den Sturz gesehen und eilt mit Coolpads heran, das lindert den ersten Schmerz. Ich brauche echt ein bisschen, bis ich mich sortiert habe, die Stelle ist empfindlich, es tat sakrisch weh.

Ich setze mich ins Cockpit und atme durch. In diesem Augenblick kommt Hans Peter und ich erzähle ihm von meinem Unbill. Die Lösung – wir betäuben den Schmerz! Wie??? So…

Erst mit der Dose kühlen, dann das Bier in den Rachen – es hilft

Jetzt trudeln auch Gabi und Gottfried ein. Sie haben Voltaren dabei – wie nett von den Beiden! Nanu, einer fehlt noch – Hans Peter hat Merlin nicht mitgenommen, das ausgerechnet an dessen Geburtstag.

Auf allgemeine Nachfrage erklärt uns Merlins Herrchen, dass der Terrier sich an seinem Rinderknochen vom de Luxe Metzger labt und sich somit an Bord von LIBERTÈ wohler fühlen würde – ok, akzeptiert…

Terrier Merlin feiert alleine – er ist mit seinem Geburtstagsknochen beschäftigt

Wir vier haben einen geselligen Abend, eigentlich wie immer mit Gabi und Gottfried, wir haben Spaß, lachen und erzählen uns Geschichten aus dem Leben.

Das klingt profan, ist es aber nicht! Die Themen sind vielseitig und abwechslungsreich, wir diskutieren durchaus mit Tiefgang und gegenseitigem Interesse – einer der Gründe, warum die Zeit immer fliegt wenn wir beisammen sitzen.

Auf dem Grill brutzeln Köfte und Chicken Souvlaki, dazu gibt es Tomaten-Feta Salat und Brot – einfach aber lecker!

Heute auf NESSAJA…
…der Tisch ist gedeckt
Auf dem Cobb brutzeln die Köstlichkeiten

Erst spät am Abend gehen alle nach Hause, die Runde löst sich auf, der Juli ist in den letzten Zügen. Zwei Wochen nach Sibylles Abreise trifft es mich, ich kann mich der Hausarbeit heute nicht entziehen, das Geschirr stapelt sich diesmal auf NESSAJA – aber der nette Abend war es wert!

Soooo viel ist es ja letztlich nicht

Ich mache also „klar Schiff“ und räume alles auf. Dann setze ich mich an den Computer und finalisiere den Monatsbericht dieses etwas schrägen Juli 2024.

Um den Monat auch visuell zu beenden, blättere ich noch das Kalenderblatt um – der August soll mich morgen früh vollumfänglich begrüßen.

Was wird der letzte Hochsommermonat bringen?

I´m happy, don´t worry – ich habe die Gute Laune nie verloren, auch wenn manche Momente mich zum Verzweifeln brachten. Ich bin dennoch überzeugt, dass der August mühelos besser werden kann.

Was wird der letzte Hochsommermonat bringen, was steht an?

ELOWYN und LIBERTÉ – um die beiden Schiffe dreht sich alles! Nach Sibylles Rückkehr am späten Abend des 01.08. haben wir die Teile die nötig sind, um auf der Bavaria 41H von Hans Peter den Zusammenbau des Motors zu starten. Wir werden den Mast legen lassen und hoffen, dass wir die ersten Lagen Epoxi an den Rumpf bringen.

Für ELOWYN erwarte ich die bestellten Teile, dann werde ich die begonnenen und aufgezeigten Projekte finalisieren können – der blaue Riese wird am 29.08. gekrant und am 31.08. an seine Eigner übergeben.

Sibylle und ich müssen wieder in unseren gemeinsamen Lebensrhythmus zurückfinden. Darüber hinaus freuen wir uns sehr auf den ersten Besuch unseres Sohnes Florian mit Familie – die Racker Otto und Benno kommen mitsamt den Eltern nach Leros zu Besuch! Zum Glück steht auf NESSAJA nur die Reparatur des ENO Gasofens an…

Die wichtigste Frage des kommenden Monats dürfte sein, ob es ein klärendes Gespräch mit der Marinaleitung geben wird – ich möchte eine Idee haben, wie ich die Wintermonate ausgestalten kann und ob ich eine Zukunft als Mitarbeiter der Marina sehe.

Natürlich werden wir wieder viele kleine Erlebnisse haben und diese gerne mit euch teilen! Wir freuen uns daher, wenn ihr weiter dranbleibt!

Vielen Dank für euer Interesse und die investierte Zeit für das Lesen unseres Blogberichtes – herzliche Grüße aus Hellas

Mario & Sibylle

Nachtrag – ein persönlicher Gedanke: Bis zur Unterschrift hat dieser Bericht nun doch 24.583 Wörter und 130 Minuten Lesezeit, er ist damit nur unwesentlich kürzer als der des Vormonats. Ich hoffe dennoch, dass euch mein kleines Tagebuch Freude macht und ihr die lange Lesezeit vielleicht bei Schlechtwetter und einer Tasse Tee (in Deutschland) oder bei einem langen Segelschlag (im Mittelmeer) investiert und somit auch genießen könnt.

Wir möchten Erlebtes und unsere Gedanken dabei, gerne mit Freunden und Bekannten teilen, dies auch mal detailverliebt. Ich mag es, das alles aufzuschreiben und hoffe, dass ihr mir die vielen Worte nachseht.

Worte prickeln das Denken und entzücken den Geist.

Aristophanes (um 450 – 385 v. Chr.), griechischer Lustspieldichter

Juni 2024 – Is there anybody out there?

Wir machen Urlaub! Oder – nennen wir es besser, wir sorgen für Tapetenwechsel! Urlaub machen als Greek Resident, sorgt ab und an für unverständige Blicke und Kommentare wie „…ihr habt doch IMMER Urlaub!“

Tapetenwechsel tut also Not, der Blick über den Tellerrand hinaus wird angestrebt – wir haben daher vor einigen Wochen beschlossen, dass wir die ersten vierzehn Tage des Monats Juni nach Kreta fahren, um uns dort mit Nader und Christine zu treffen und mit ihnen entspannte Urlaubstage zu verleben.

Urlaub zur besten Reisezeit also – dachten wir…

Und da wären wir schon bei der Headline dieses Monats – diese bitte ich diesmal als Metapher zu sehen, denn sie entfernt sich ein wenig von der eigentlichen Tiefe des Songs von Pink Floyd auf dem „The Wall“ Album aus dem Jahre 1980 – ich möchte eher eine reziproke Relation herstellen, ihr werdet die Ironie bemerken.

„The Wall tells the story of Pink, an alienated young rock star who is retreating from society and isolating himself. At this point in the plot, the bitter and alienated Pink is attempting to reach anybody outside of his self-built wall. The repeated question „Is there anybody out there?“ suggests that no response is heard…“

Exakt gegenteilig erging es mir, dem der große Menschengruppen eher skeptisch betrachtet – ich war also in der vermeintlichen Vorsaison im Urlaub, hoffte auf einsame Strände und ruhige, entspannte Tage. Innerlich rief ich „…is there anybody out there?“ Die Antwort hallte mir zehntausendfach entgegen – JAAAAAAA! Der Urlaub wurde zum Trip an den Rand des Wahnsinns – doch beginnen wir von vorne…

01.06. um kurz vor 03.00 Uhr

Kurz vor dem Getöse des Weckers wache ich auf. Selbst drei Jahre nachdem ich das Berufsleben hinter mir gelassen habe, funktioniert die innere Uhr noch.

Sibylle und ich kämpfen uns aus den Federn und machen uns reiseklar. Das Motorrad ist schon gepackt, wir müssen nur noch den Rucksack einräumen und auf NESSAJA die Ventile schließen sowie die Schalter auf „0“ stellen – dann kann es los gehen. Auf zum Hafen!

Die Fähre ist schon in Sichtweite

Müde warten wir auf die Ankunft der BlueStar Fähre. Diesmal waren wir nicht zu früh am Anleger, der stählerne Zubringer war pünktlich, das ließ die Wartezeit auf ein erträgliches Minimum schrumpfen.

Pünktlich gegen 04.00 Uhr traf die BLUESTAR II ein und wir stiegen zu. Sibylle als Fußgängerin mit dem Ziel, uns einen guten Platz zu ergattern. Ich dagegen hatte die Aufgabe, die GS auf die Motorradabstellplätze zu pilotieren und mir dann den Weg durch die Katakomben der Autofähre zu bahnen.

Pünktlich trifft die Fähre nach Rhodos ein

Wir treffen uns dann meist im vorderen Salon. Sibylle sitzt schon, es drückt ihr die Augendeckel runter. Wir versuchen noch etwas zu dösen – an Schlaf ist kaum zu denken.

Wenig los – alle Reisenden versuchen, zumindest etwas auszuruhen

Unsere erste Station auf der Reise ist Rhodos. Dort würden wir einmal übernachten müssen, am nächsten Tag geht unsere Fähre am frühen Nachmittag – Ziel ist Heraklion auf Kreta.

Soweit der Plan, welcher auch aufgeht, bis wir auf Rhodos angekommen waren – dann überschlugen sich die Ereignisse.

Ich war in Jammerstimmung! Was war passiert? Nun, Sibylle hatte Wanderstöcke eingepackt und ich Dummerchen hatte diese beim ersten Mal packen zur „Aufsteigeseite“ des Moppeds heraussterzen lassen – dies führte zu einem Einstich in mein T-Shirt, natürlich eines der neuen!

Heul, süder – das gute Shirt
Ein Stich ins Herz – (fast) im Wortsinn

Sibylle schaltet auf Durchzug, sie ist keine gute Empfängerin für mein Geheule, zumindest noch nicht. Sie will einfach frühstücken! Wer Sibylle kennt weiß, dass mit ihr nicht gut Kirschen essen ist, wenn sie Kohldampf hat – also füttere ich erstmal mein fleischgewordenes Tamagotchi.

Dafür besuchen wir das „Naval“ in der Rhodos Marina, das kennen wir, das ist gut!

Ein tolles Frühstück im „Naval“ – so soll der Urlaub starten
Das klappt gut – wir mampfen und freuen uns des Lebens (ich bejammere ab und an mein T-Shirt)

So, jetzt passt alles. Es kann ins Hotel eingecheckt werden. Sollte das Zimmer nicht fertig sein, dann dürften wir derweil am Pool verweilen. Das ist ein gutes Angebot – und so kommt es auch. Wir müssen etwas warten und legen uns für ein, zwei Stunden auf eine schattige Liege am Hotelpool.

So kann man es aushalten – ich schlummere ein wenig

Während ich also leidlich ein paar Minütchen Schlaf nachhole, sorgt mein momentanes Gefühlsleben für albtraumähnliche Schlafphasen. Als ich Sibylle schweißgebadet davon erzähle und nebenbei erwähne, dass im Nachbarhaus ein Schneider residiert, gibt sie auf – endlich!

Sie bringt mein T-Shirt zum Nadelartisten und lässt mich unbekleidet zurück. In diesem Moment erhalte ich ein Foto von Freund Marcus, er ist gerade in unserer Marina…

Unser Zuhause – verlassen für knapp zwei Wochen

Ich bedanke mich artig und gehe zum Abfrischen in den Pool – was kannst Du sonst machen, wenn Deine Kleidung in der Reparaturwerkstatt des Schneidermeisters ist? Sibylle erklärt mir, nachdem sie wieder hier war, dass der Mann an Nadel und Faden versprochen hat, dass er die Schadstelle „unsichtbar würde verschwinden lassen“ – ok, das klingt gut!

Nach exakt einer Stunde geht meine liebe Frau wieder nach nebenan, um das instandgesetzte, knapp 20.-€ teure Shirt abzuholen. Der tapfere Vertreter der Schneiderszunft hat Ideenreichtum bewiesen! Stolz erklärt er Sibylle, dass er früher in Dortmund eine Schneiderstube hatte und dass er, die Reparatur betreffend, eine tolle Idee hatte…

SUPER – wenn ich es nicht wüsste, ich würde den Schaden nicht mehr erkennen

Ahhhhrgh, mein Herz! Mich trifft der Hauptschlag! Aus einem 5mm Loch wird eine 50cm Naht. Mein T-Shirt sieht aus wie eine Reffgardine, weil es nämlich Stretchanteile hat und, da bin ich sicher, der Held an der Nähmaschine dieses wohl unter Zug genäht hat.

Seither trage ich eine, meine Problemzone eher betonende als kaschierende, Zier-Reffnaht nahe der Unterbrustweite – das ganze für lässige 12.-€. Ich spüre das erste Mal, dass ich nicht mehr auf Leros bin!

Na egal, ich werde es verschmerzen. Um mir etwas Gutes zu tun, gehe ich erstmal zum Friseur, auch der ist gleich neben dem Hotel.

Mr. Barberos – klingt vielversprechend

Ich komme sofort dran, was mich verwundert und auch hätte stutzig machen sollen. Man spricht mich griechisch an, ich erwidere die mir bekannten Begrüßungsformeln und wechsle dann auf Englisch, dies verrät – hier sitzt ein Tourist!

Ich kann meinen 3-6-9 Harrschnitt erklären und der Barbier beginnt sein Werk. Beide sind wir irritiert, als bei 9mm am Oberkopf nichts weggeht, na egal, mach halt einfach wie Du willst – sommerlich kurz bitte.

Das klappt ganz gut – ABER…

Beim Bezahlen merke ich, dass andere Regeln als auf Leros gelten. Ich berappe 38.-€ für den Haircut. Die gleiche Leistung bekomme ich auf Leros für 10.-€. In Zukunft lasse ich nur noch Sibylle an meinen Kopf – aus Schaden wird man klug.

Ich komme zurück an den Pool und eine blasse Sibylle schaut mich an – „…wir müssen sofort in die Stadt, ins Reisebüro, in den Hafen!“ Ich frage nicht lang, wir fahren einfach…

An der Stadtmauer parken wir, wo ist das nächste Reisebüro?

Ich fordere eine Erklärung von der paralysiert vor mir herlaufenden Frau – ich schlage ein Bierchen zur Abkühlung des Gemütes vor, sie möge mir doch bitte erläutern was passiert ist!

Vorschlag angenommen, wir setzen uns zum Bier in eine der Tavernen am zentralen Brunnen in Rhodos Old Town und bestellen ein kleines und ein großes Blondes – wir erwarten, wie allgemein üblich, ein 0,5er und ein 0,3er Glas.

Nicht so in Rhodos…

Stiefelsaufen in Rhodos – willkommen im touristischen Wahnsinn
ICH HASSE SOWAS!

Wir trinken jeder etwa die Hälfte der an sich leckeren Hopfen-Kaltschale, danach wird das Gebräu warm und lack. Ich strafe den menschenfangenden Gastwirt mit Missachtung und frage mich – wer kann sowas leiden? Welcher Tourist macht die Griechen glauben, dass sowas zum Urlaub gehört? Ich bin das erste Mal fassungslos.

Doch was war eigentlich mit Sibylle???

Sie hat, während ich beim Barbier war, unsere morgige Fährverbindung noch einmal gecheckt. Diese gibt es aber nicht mehr! Eine völlig andere Fähre geht nach Heraklion, aber um 07.00 Uhr statt um 14.00 Uhr und wir haben ja auch keine Tickets für diese Verbindung – was tun?

Wir checken den Schalter am Fährterminal – geschlossen! Wir finden ein Reisebüro und erhalten Aufklärung – es stimmt, die Fähre geht früher und braucht statt 10h rund 15h, aber unsere Tickets haben Gültigkeit! Zu 99% – wir sollen halt spätestens um 06.15 Uhr am Fährkai sein.

Na toll!

Wir sortieren uns und fügen uns dem Schicksal. Dann suchen wir ein Geschäft, in dem Sibylle vor drei Jahren mal Schuhe gekauft hat – Tina will die Gleichen. Tatsächlich finden wir die Stecknadel im Heuhaufen!

Da hängt der begehrte Schlappen – wir kaufen ein Paar

Der Rest des Abends verläuft versöhnlich, wir bekommen, trotz gescheiterter Reservierung, einen Tisch im „Mama Sofia“ und ich kann die von mir so geschätzten „Fisherman Spaghetti“ bestellen. Sibylle entscheidet sich für Muscheln – wir essen vorzüglich im Touristenmoloch Rhodos Old Town, danach suchen wir das Weite.

„Mama Sofia“ ist unser Tip – wenn man schon nach Rhodos Old Town muss
Die „Fisherman Spaghetti“ sind sensationell
Auch Sibylle war happy mit ihrem Muschel Saganaki
Das Umfeld der Taverne ist touristisch geprägt, zeigt aber schöne Details

Nach dem Dinner sind wir zurück ins Hotel. Wir waren müde und groggy, der Start in den Urlaub war zwar pannenfrei aber holprig. Zudem wussten wir nun, dass das gebuchte und bezahlte Hotelfrühstück ausfallen würde – ein weiterer „Early Bird Day“ steht uns ins Haus.

Am nächsten Tag sind wir, wie vorgeschlagen, um 06.15 Uhr am Fährhafen. Nicht zu früh wie sich zeigt, wir sind beileibe nicht die Einzigen.

Ich stelle mich am Fahrkartenschalter an, Sibylle kauft bei „Gregoris“ Sandwiches für die überlange Fährfahrt.

Dann geht es los…

Es waren keine neuen Tickets nötig
Mit den vorhandenen Fahrscheinen können wir einfahren und die GS parken
Statt auf der schönen CHIOS sind wir jetzt auf der PREVELIS, einer alten Möhre – statt um 14.00 Uhr legt sie um 07.00 Uhr ab

Sibylle hat uns wieder einen guten Platz erhascht. Wir sitzen in Fahrtrichtung an vorderster Front, können nach vorne aus dem Fenster sehen. Auch meine Vorgabe, eine Steckdose, war erfüllt – ich richtete mir ein kleines Büro ein, wollte ich doch meiner Schriftstellertätigkeit nachgehen und an meinem Maiblog schreiben. So würde ich die verhältnismäßig lange Fahrtdauer von 15h30min sinvoll nutzen!

Der Ausblick aus unserem Fenster – über das Vordeck
Ich sitze einigermaßen gut und feile am Blog für den vergangenen Monat

Die längere Reisedauer ergibt sich aus der Tatsache, dass diese Linie mehrere Zielorte anläuft. Es waren Inseln und Orte dabei, welche wir schon bereist hatten, darüber hinaus auch solche, die wir nicht kannten.

Sibylle nutzte die Hafenstops, um sich die Beine zu vertreten und ein paar Bilder zu machen. Ich habe zwischenzeitlich auf unsere Siebensachen aufgepasst – den Laptop möchte ich dann doch nicht unbewacht stehen lassen.

Die Fähre läuft folgende Zielorte an…

Hafen der Insel Chalki
Hafen Diafani auf Karpathos…
…überall emsiges Treiben – hier noch verhältnismäßig entspannt
Als nächstes der Haupthafen von Karpathos…
…Pigadia – hier waren wir vor zwei Jahren mit dem Motorrad
Nächster Stop war Kasos
Dann erreichen wir Kreta – zunächst legt die Fähre in Sitia an

So vergingen die Stunden. Als wir in Sitia ablegten und Kurs auf Heraklion auf Kreta setzten, begann die Sonne im Meer zu versinken. Wir hatten von unserem Platz aus den „perfekten Ausblick“ auf das Szenario – wenn dieser auch durch die verschmutzten, salzigen Scheiben etwas „getrübt“ war.

Großes Kino

Ich fand es fast schon witzig, wie auf einmal andere Fahrgäste an die vordere Fensterfront kamen, um einen Blick auf das Schauspiel zu erhaschen. Klar, Sonnenuntergänge wirken immer, aber durch diese Scheiben war die Wirkung eben gemindert – trotzdem herrschte phasenweise Gedränge an der Fensterfront. Wer macht das beste Selfie???

Die Asiatin ganz links mühte sich im weiteren Verlauf redlich…

Die „blaue Stunde“ beginnt, wir ruhen noch ein wenig aus. Dann naht endlich das Ende der langen Fahrt. Die Gäste, die in der Hauptstadt der größten griechischen Insel aussteigen wollen, werden gebeten sich fertig zu machen und zu ihren Fahrzeugen zu gehen.

Wenige Minuten später geht es ruck-zuck, wir starten den Boliden und fahren über die Rampe. Den Weg zum Hotel kennen wir. Ein Parkplatz für die GS bietet sich direkt vor dem „Marin“, wir checken ein.

Ein typisches Stadthotel, alles da was man braucht, um eine Nacht ohne gehobenen Anspruch zu verbringen. Trotzdem war das Zimmer den aufgerufenen Tarif nicht wert, denn die Dusche in unserem Zimmer war eine Frechheit! Dabei lag es ausdrücklich NICHT an meiner Statur, dass die Größe der Duschwanne sich zum Problem mauserte, auch Sibylle hatte echte Schwierigkeiten in der 60 x 50cm großen Dusche – ich kam nichtmal rein!

Wenn wir am Rückweg die gleiche Dusche im Zimmer haben gibt es ein Foto – eine Chance bekommt jeder…

Am Folgetag frühstücken wir relativ einfach, aber mit spektakulärem Blick – dann setzen wir die Fahrt nach Chania fort.

Kurze Pause zum Hintern entspannen

Sibylle wollte es, wie eigentlich immer, erstmal langsam angehen lassen. Ich musste langsam fahren, es sollten Pausen entlang der 150km langen Gesamtstrecke gemacht werden undsoweiter.

Da meiner Gattins Befehl mir stets auch Wunsch ist, habe ich all diese Anordnungen befolgt. Daraus ergab sich, dass wir kurz nach der Pause eine weitere Pause einlegten – die Hälfte der Strecke war geschafft, immerhin 75km, wir waren in Rethymnon – Bergfest!

Natürlich fahren wir zielgerichtet in die Marina
Rechts die SAIL AWAY von Gerd, links der graue Bug der TRINITÉ

Gerhard und Christiane kennen wir persönlich seit Mykonos 2017. Wir sind beide im MSF, einem Skipper Forum, engagiert und hatten damals die Gelegenheit für ein Treffen genutzt. Die Beiden haben ihre Homebase in Rethymnon und es lag auf der Hand, dass wir für einen Drink vorbeisehen.

MSF Forumstreffen in einer Strandbar in Rethymnon

Wir haben bei einem Freddo Cappuccino unsere Seelen gesalbt, denn Gerd ist Fußball Superfan von Borussia Dortmund und musste ein paar Tage vorher die Niederlage im CL Finale gegen Real Madrid verdauen, ich dagegen hatte noch die verkorkste Gesamtsaison der Bayern im Sinn – Schwamm drüber!

Ich gehe eine Runde ins Meer und frische mich ab, die Örtlichkeit bietet sich geradezu an. So kann ich auch die ausgefallene Dusche am Morgen kompensieren und als Randnotiz verbuchen.

Wir müssen weiter, wir wollen nach Chania!

Schnell noch einen Blick auf die TRINITÉ unseres Freundes Jörg geworfen, ein kurzes Bild nach Hannover geschickt…

Soweit alles ok – wir tauschen ein paar Nachrichten mit dem Freund

…dann heißt es wieder in der Sattel der GS zu steigen, wir setzen die Reise fort. Eigentlich wollte ich ja gemütlich entlang der „Old Road“ von Heraklion nach Chania fahren, leider war diese mir bekannte Strasse, aber nur im Osten, zwischen Agios Nikolaos und Heraklion, durchgängig erhalten geblieben als vor einigen Jahren die „New National Road“ gebaut wurde.

Der westliche Teil wurde auf mehreren Teilstücken ausgebaut und für die neue Straße verwendet. Es gibt somit keinen durchgängigen Weg außerhalb der neuen Schnellstraße – das war bitter, aber nichtmal meine „Calimoto“ App wusste eine bessere Alternative.

Nun denn, da müssen wir durch! Wir passieren eine Stunde später Chania und wundern uns, warum die Ausfahrt zu unserem Zielort nicht kommt. Pause – Neuorientierung!

Schon an Chania vorbei – etwas trinken, Route checken

Ah ok, wir sind fünf Kilometer zu weit gefahren. Dieses kurze Stück können wir aber entlang der Küstenstraße retour fahren. So erreichen wir bald schon unseren Zielort Agia Marina, ein Küsten-Touristenörtchen etwa 9km westlich von Chania.

Wir checken in unserer Pension ein, sind happy mit unseren Gastgebern und unserem Zimmer. Dann fahren wir sofort zum Hotel von Nader und Christine, hier wollen wir uns mit den Freunden aus Deutschland treffen.

Im „amalthia“ Hotel sind die Freunde untergebracht – das wird unsere Anlaufstation für die nächsten 10 Tage

Großes HALLO! Wir freuen uns, dass bis hierhin alles geklappt hat und einem gemeinsamen, erlebnisreichen Urlaub nichts mehr im Wege steht. Wir beschließen, diesen Auftakt erstmal bei einem Bierchen zu würdigen und verholen uns in die Strandbar des feinen Hotels.

Nice – der erste Eindruck passt schonmal
An der Strandbar gibt es alles, was das Herz begehrt
Wir trinken erstmal ein kühles Blondes – es gibt viel zu erzählen und zu planen

Das „amalthia“ sollte eine wichtige Rolle spielen. Es wurde während des Urlaubs zu unserer Drehscheibe, zum Treffpunkt – unser Platz für Musestunden und unser Zugang zum Meer. Das Hotel lag an einem feinsandigen, einladenden Strand.

Es sollte sich herausstellen, dass auch in solchen Hotels nicht alles was glänzt auch aus Gold ist, aber ein schöner Platz zum Verweilen war es allemal.

Ideal für Sibylle und mich, wir konnten die Vorteile aus beiden Welten bündeln – Strandbar, Sandstrand und Poolambiente wenn gewünscht, ansonsten Rückzug in unsere familiäre und stille Pension etwa 500m vom Strand entfernt.

Wir ziehen uns zum Spätnachmittag hin zurück in unsere Pension „El Greco“, der Seniorchef empfängt uns mit einem Raki und Gemüse aus seinem Garten. Wir setzen uns zu ihm und erzählen ein wenig. Von ihm erhalten wir den Tip ins „Roka“ zum Dinner zu gehen. Das setzen wir umgehend um!

Normal gehe ich nicht in Lokale mit „Foto-Speisekarten“
Aber die Empfehlung unseres Gastgebers war super – wir essen vorzüglich
Geschmortes Rindfleisch mit mediterranem Gemüse…
…dazu ein kretisches Bier – herrlich! Ein sehr schöner erster Abend

Spät kommen wir nach Hause. Der Junior des Hauses ist inzwischen zurück aus Chania. Er sitzt zusammen mit seinem Vater auf der Veranda. Bei den Beiden sitzen Klaus und Sonja aus dem Ruhrgebiet, ebenfalls ein deutsches Gästepaar. Wir sollen uns dazusetzen und noch einen Raki trinken, oder zwei, oder drei…

Es stellt sich heraus, dass die Gastgeberfamilie auch motorisierte Zweiräder hat, der Vater eine original Honda Dax, 43 Jahre alt, der Sohn eine 600er Bandit – das schafft Bindung! Ich werde angewiesen, meine GS nicht am Parkplatz sondern im Hof zu parken – ok, gerne…

Das Moto steht sicher – jetzt aber ins Bett, ich bin müde

Etwas später fallen wir wie gefällte Bäume ins Bett, wir sind groggy vom zweimaligen früh aufstehen und der Fahrt hierher. Jetzt erstmal ausschlafen, morgen ist ein neuer Tag!

Dieser beginnt früh, etwas zu früh – wir müssen die Nachtruhe noch optimieren, ganz toll war es noch nicht. Wir hatten ein paar Schnaken im Zimmer, welche uns ordentlich zerstochen haben. Zudem war die richtige Einstellung der Klimaanlage noch nicht gefunden. Beides bekamen wir aber in den Griff, die folgenden Nächte haben wir gut geschlafen.

Ich hole Semmeln, in der Nähe ist ein guter Bäcker…

Wir frühstücken einfach

Unsere Frühstücke fallen bescheiden aus, wir wollen hierfür nicht zuviel Geld verplempern. Es gibt die guten, frischen Bäckersemmeln mit etwas Käse und Salami, später kaufen wir einen Blütenhonig an einem Honigstand im Hinterland. Kaffee und Tee bereiten wir selber – das reicht uns, es ist stets ein guter Start in den Tag!

Für heute haben wir uns den Besuch der „Theriso-Schlucht“ vorgenommen. Ein verhältnismäßig kleiner Programmpunkt auf der Liste der Unternehmungen, welche Christine und Sibylle für uns zurechtgelegt hatten.

Es war ein „weicher Start“, denn diese Schlucht kann komplett mit einem Fahrzeug durchfahren werden. Sibylle entscheidet sich für den vollklimatisierten Fiat Panda, welcher als Vehikel von unseren Freunden angemietet wurde. Ich wähle, Ehrensache, die GS als den fahrbaren Untersatz für diesen Ausflug.

Die gut ausgebaute Straße zieht sich in die Schlucht
Ab und an stoppen wir und bewundern die Natur und die malerische Landschaft
Das kurvige Sträßchen schlängelt sich entlang dem Schluchtverlauf
Wir machen Pause und entdecken Ortschaften
Wir erfahren Interessantes zu Geschichte und Kultur
Finden aber auch nette Plätzchen zum Verweilen
Wir setzen die Fahrt durchs Hinterland fort

Es ist wie immer in solchen Urlaubsorten – kaum fährst Du einen Kilometer vom Strand weg in Richtung des Hinterlandes, hast Du weitgehend Ruhe. Die Touristen folgen den ausgetretenen Pfaden. Bis hierhin schöpfe ich noch keinen Verdacht – der Ruf „is there anybody out there?“ – er wäre heute ungehört verhallt.

Das sollte sich aber noch ändern…

Die Straße zieht sich nach oben auf ein kleines Plateau, sie wird serpentinenartiger.

Ich genieße die Fahrt, folge dem Panda und mache Bilder
Es bieten sich herrliche Ausblicke…
…und natürlich will jeder ein Foto machen – wir gründen eine WhatsApp Gruppe zum Tauschen der Bilder
Das freut mich, denn so gibt es auch mal Schnappschüsse von mir
Das Schild deutet auf eine kurvenreiche Straße hin – und auf eine schießfreudige Bevölkerung
Die Straße windet sich wieder nach unten, wo bleibt der Fiat?
Ah, da isser ja…
…und bis ich mich versehe ist er schon weg
Am nächsten Parkplatz treffen wir uns wieder
Dann geht es gemeinsam weiter
Schilder warnen weiter vor Gefahren – direkten und indirekten
Dann erreichen wir eine Ortschaft

Wir beschließen, dass wir in dem kleinen Örtchen eine Pause einlegen. Der weibliche Teil unserer Gruppe möchte das sakrale Bauwerk bestaunen und mehr darüber erfahren, der männliche Part ruft nach einem erfrischen Getränk – wir stoppen.

Wie geht es weiter? Wir beratschlagen

Leider war die Kirche geschlossen. Doch das tat der guten Stimmung keinen Abbruch. Wir gönnten uns eine eiskalte Cola, alternativ einen frischgepressten Orangensaft und berieten uns, wie wir die Fahrt fortsetzen wollten.

Die zuvor noch etwas verschlossen wirkende Bedienung taute auf und riet zu einem Besuch einer nahegelegenen Schlucht. Ah, ok – die stand gar nicht auf unserem Plan…

Jetzt muss der geneigte Leser wissen, dass Nader und ich die leidenschaftliche Abneigung gegen Wandern generell weitgehend teilen. Nader hat zudem noch ein kaputtes Knie, so müssen Wanderungen, auch wenn es nur Abstecher sind, eigentlich sehr detailliert geplant werden – eigentlich!

Darf ich vorstellen – unser „off-road Shuttle“ für Fußlahme

Wir nehmen uns also vor, dass wir die verpasste Schlucht zumindest mal ansehen wollen. Ich shuttle Nader zum Eingang, zum Glück ist mein Zweirad bayrischer Herstellung weitgehend off-road tauglich.

Wir erreichen den Eingang der Schlucht…

Die 300m sind die Strecke, die ich Nader zubringe
Am Eingang ist für mich Ende – ab hier ist es ein Track
Wie immer ist alles gut ausgeschildert

Ich beschließe, bei Nader zu bleiben und ihm etwas Gesellschaft zu leisten. Wir setzen uns in den Schatten. Die Damen eilen von dannen, denn sie haben sich vorgenommen, zumindest einen Teil der Schlucht anzusehen. In ein paar Minuten wollen sie zurück sein.

Da ziehen sie dahin…
…über einen schmalen, aber gut angelegten Pfad
Die ersten, beeindruckenden Felsformationen sind erreicht – der Bach führt kaum Wasser
Erinnerungsfoto – klar!

Nach etwa einer halben Stunde findet sich unsere kleine Gruppe wieder zusammen. Schön war´s, bestätigen die Damen. Ok, dann können wir jetzt weiter.

Als nächstes Ziel wird einer der beiden Süßwasserseen von Kreta ausgerufen. Wir wollen gerne baden und etwas trinken. Soweit der Plan…

Leider kam es anders, denn der See entpuppte sich als Naturreservat für alles was kreucht und fleucht – nicht nur, dass Baden vermutlich verboten war, es war auch nicht einladend.

Sehenswert war der Natursee allemal – er lag ohnehin am Weg
Überall Vogelgetier rund um den wirtlichen Lebensraum

Wir akzeptieren, dass es mit dem Badestopp und auch dem erfrischenden Getränk nichts wird. Doch so einfach wollen wir den Tag nicht ausklingen lassen. Ein Speiseeis wäre toll und nachdem wir am Heimweg ohnehin Chania streifen würden, könnten wir doch einen kleinen Abstecher machen.

Gesagt, getan. Sibylle und ich waren schon in Chania, aber nur für einen Tagesausflug vom Osten her kommend. Ich konnte mich aber noch an einen sehr günstig gelegenen Parkplatz erinnern. Das passt auch diesmal, wir finden eine Lücke für den Panda und parken auch das Moto sehr zentral.

Direkt an der Altstadtmauer – der Panda nur 50m entfernt

Sibylle und ich hatten Kreta schon dreimal bereist. Zweimal war Agios Nikolaos unsere Base, von dort aus haben wir den Osten umfänglich entdeckt und auch mal einen Tagesausflug nach Chania gemacht.

Einmal war Kamilari auf der Südseite unsere Base. Von dort aus haben wir die gesamte Mitte Kretas bereist und mit dem Motorrad entdeckt.

Diesmal haben wir uns entschieden, unsere Zelte im Westen, eben im Umfeld von Chania, aufzuschlagen. Wir wollen diesmal den gesamten Westen Kretas für uns entdecken. Chania ist die größte Stadt dieser Region.

Der Leuchtturm – die Eingangspforte zum alten venezianischen Hafen
Heute touristisch genutzt – wie alles hier
Wir finden eine Eisdiele…
…die überraschend gutes Eis anbot

Eine kleine Runde durch die Stadt haben wir uns angetan. Insgesamt war es aber zu heiß. Wir beschließen, dass wir noch etwas trinken, dann wollen wir zurück an den Strand. Nach Chania kommen wir andertags noch einmal, später, abends, wenn es nicht mehr so heiß ist.

Kutschfahrt durch Chania gefällig? Ich finde es pervers
Da widmen wir uns lieber lokalen Bierspezialitäten – dem bekannten „Mamos“ zum Beispiel…
…oder dem etwas weniger bekannten „Nymphi“ aus Thessaloniki – nice name 😉

Danach fahren wir zurück ins Hotel von Nader und Christine. Wir sind von den Beiden an der Rezeption vorgestellt worden und da der Bereich der Hotelbar und des Strandes ohnehin öffentlich sind, ist es kein Problem, dass wir stetig im Schlepptau sind.

Wir gehen zusammen eine Runde ins Meer – Abfrischung tut Not. Dann ziehen Sibylle und ich uns zurück um uns ausgehfein zu machen. Unsere Pensions-Mitbewohner Klaus und Sonja haben uns einen Tavernen Tip gegeben, den wollen wir heute ausprobieren, Nader und Christine sind informiert, wo diese kleine Taverne zu finden ist.

Das „Palirria“ versteckt sich – Zugang über ein schmales Gässchen
Schöner Blick, man sitzt schön…

Leider verwehrt uns der Wirt den Sechsertisch rechts. Er ist verwundert und überzeugt gleichzeitig – „…all tourists want to sit in the first row!“ Mag sein, wir aber nicht! Wir wollen den Schatten und einen größeren Tisch, weil wir ein Sammelsurium an Meze bestellen wollen.

Wir bekommen den Tisch nicht! Sibylle und Christine wählen einen anderen und wir freuen uns auf´s Essen – aber die Tischdiskussion hat dem Wirt Punkte gekostet.

Egal, ein Bier und ein Humpen Wein passen auf jeden Tisch
Das Essen war sehr gut – leider war der Tisch dann knapp, wir bekamen einen Stuhl hingestellt auf dem wir das Brot deponieren sollten
Eine wundervolle Abendstimmung…
…die von der untergehenden Sonne in ein besonderes Licht getaucht wurde
Ich genieße „Seafood Spaghetti“, die denen im „Mama Sofia“ auf Rhodos kaum nachstehen

Naja, unser Fazit – eine tolle Kneipe mit gutem Essen. Wir haben es hinbekommen, dass der Vierertisch gereicht hat, der Sechsertisch blieb diesen Abend leer, wie die meisten Sechsertische.

Wir sind nicht noch einmal ins „Palirria“ gegangen, der Wirt hat uns nicht erreicht, schade…

Wir haben an diesem Abend aber eine Idee für den Folgetag geboren, man könnte von einer „Schnapsidee“ im Wortsinn sprechen. Wir fahren nämlich nach Matala! Das ist streckentechnisch nicht ganz in der Nähe, um den ehemaligen Hippieort zu erreichen, müssen wir zunächst rund 75km nach Rethymnon fahren, dann einmal von Nord nach Süd die Insel überqueren – Gesamtstrecke rund 130km, aber unsere Freunde sind angefixt.

Wir brechen früh auf!

Ich darf hinten sitzen und lasse mich chauffieren
Der Panda ist ganz kommod, Platz für uns alle

Wir ratschen viel, die Strecke zieht sich. Unsere Route führt uns entlang kleiner Straßen durch teilweise unberührte Natur. Sibylle und ich kennen den Weg, wir sind ihn schon gefahren.

Die hohen Berge von Kreta zeigen noch Schneefelder…

Die höchsten Riesen sind immerhin über 2.000m hoch

Als wir den kleinen Ort Kamilari durchfahren, wissen wir – bald sind wir da. In Kamilari haben zwei Freunde von uns Häuser gekauft. Auch wir waren in dem kleinen, beschaulichen Nest, um ein Häuschen anzusehen. Leider hat dies damals nicht geklappt.

Da beide befreundete Paare zu Zeit nicht auf Kreta verweilen, kommt es nicht zu einem Abstecher. Wir fahren die letzten sechs Kilometer und erreichen bald die ehemalige Hochburg der Blumenkinder.

Alles ein bisschen bunter und eigenwilliger hier
Natürlich fotografieren wir das berühmte Motto von Matala auf der neu bemalten Mauer

Wir wollen Matala ansehen, Christine möchte die Höhlen besuchen und wir möchten etwas baden. Nader hat Hunger – was liegt also näher, als erstmal eine Art „Base“ zu etablieren.

Wir nehmen uns einen Tisch in einer der Touristentavernen und machen uns breit.

Wir erfrischen uns – innerlich und auch äußerlich

Um dem Wirt nicht unfair zu begegnen, wir hatten zunächst ja erklärt, dass wir nur etwas trinken wollen, bestellen wir uns ein paar „Glangerle“, so hat auch der Tavernenwirt etwas von unserer, nun längeren, Verweildauer.

War ganz gut

An diesem Tag habe ich das erste Mal gemerkt, dass Anfang Juni schon etwas mehr als Vorsaison auf Kreta ist. Es ist schwer zu beschreiben…

Es war nirgends wirklich zum Bersten voll oder gar überfüllt. Aber zwei Tatsachen machten zumindest mir etwas zu schaffen – erstens, ich habe mich an Leros gewöhnt. Alles auf Leros ist kleiner, langsamer, leiser – außer die Italiener vielleicht, aber das ist ein anderes Thema.

Zweitens, ich war schon in Rethymnon, in Chania und auch in Matala – im Spätherbst, Ende Oktober, Anfang November. Ich kenne den Strand von Matala fast menschenleer – und jetzt das…

Liege neben Liege, Handtuch neben Handtuch

Ich bin sicher, dass da im Juli oder August noch sehr viel mehr geht, aber ich merke, dass mich die vielen Menschen nerven. Zum ersten Mal geht mir eine Blog-Headline durch den Kopf – „You are not Alone“.

Ich melde mich freiwillig, unsere Siebensachen zu bewachen, während Sibylle mit Nader und Christine die ehemaligen Hippiehöhlen besichtigen will. Für Christine, die geschichtlich Interessierte, sind es natürlich vielmehr Grabkammern aus römischer Zeit. Ich sehe eher die kiffenden 68er dem Idealbild von freier Liebe anhängen.

Wie auch immer – ich war schon dort, ich darf baden und auf die Taschen aufpassen…

Christine, Sibylle und Nader am Felsen mit den markanten Höhlen
Die Besichtigung muss man sich hart erarbeiten
Dafür gibt es genug lauschige Plätzchen zum Ausruhen

Nach der Rückkehr der Entdecker, frischen wir alle uns noch einmal ab, dann packen wir zusammen, bezahlen unsere Zeche und machen uns auf den Heimweg. Nicht aber, ohne zuvor einmal die Gassen von Matala abgegangen zu sein. Man entdeckt so viele liebevolle Details.

Werbekäfer
Wandmalerei einer Taverne
Der berühmte Baum am Ortseingang
„Love & Peace“ überall

Wir fahren zurück und beschließen, dass wir heute in Rethymnon zu Abend essen wollen. Christine und Nader kennen diese Stadt noch nicht, sie liegt etwa auf halbem Weg. Es bleibt genug Zeit, um sich den aus unserer Sicht sehr hübschen Ort, einmal in Ruhe anzusehen. Danach könnten wir dort essen, bevor wir uns auf das letzte Stück des Heimweges machen.

Die erste Hälfte des Weges führt durch das kretische Hinterland – Natur pur, wir sind meist allein auf weiter Flur.

Imposante Felsformationen und wilde Macchia überall

In Rethymnon angekommen, wandelt sich das Blatt. Trubel, Hitze und Gedränge. Wir parken an der Marina und laufen in die Altstadt.

Natürlich bemühe ich mich, die Bilder der Sehenswürdigkeiten so zu machen, dass nicht immer Hinz und Kunz durchs Foto latschen. Das gelingt auch meist, daher müsst ihr mir einfach glauben – nach meinen Messkriterien war es für die Jahreszeit ziemlich voll.

Nichtsdestotrotz – Rethymnon ist sehr schön
Es gibt allerlei „besondere“ Gastronomie
Tolle Sehenswürdigkeiten wie den Rimondi Brunnen aus dem Jahr 1629…
Das Minarett der Neratze Moschee
Sibylle und Christine gönnen sich noch den Weg zur Burg

Dann reicht es uns, wir haben Hunger! Ich schreibe an Jörg, er ist ja ein Kulinariker und kennt sich in Rethymnon aus. Er antwortet sofort und empfiehlt das „Prima Plora“ als eines der besten griechischen Restaurants die er kennt. Super! Wir haben einen Insidertip…

Doch da hatte ich die Rechnung ohne die Wirtin gemacht, namentlich Sibylle, die sich im späteren Verlauf des Urlaubs selbst als „Spaßbremse“ charakterisieren wird. Sie ist diesmal die Bedenkenträgerin in Sachen Finanzhaushalt und unterstellt dem von Jörg empfohlenen Restaurant, ohne jegliches Hintergrundwissen, ein überteuerter Gourmettempel zu sein – abglehnt!

Die Google Suche führt uns ins „Nostos“ (4,9), wo wir sehr gut, aber auch dem Mainstream folgend, zu Abend essen.

Die gleichen Teller wie im „SouVLakki“ – aber da kommt das „Nostos“ nicht ran, tja

Erschöpft von dem langen Tag, treten wir die Heimfahrt an – und plötzlich, aus dem Nichts, ein Stau! Das darf doch nicht wahr sein, was ist denn hier passiert???

Nur ein Bus als Liegenbleiber in der Baustelle

Die Situation konnte zum Glück rasch bereinigt werden. Wenn man da Pech hat, kann man auch mal schnell eine oder zwei Stunden stehen. Dieses Schicksal blieb uns erspart, wir konnten die Fahrt fortsetzen und wurden von Nader vor der Haustüre unserer Pension abgesetzt. Wir schleichen die Treppe rauf und fallen ohne Brimborium ins Bett.

Am Folgetag war ein Ruhetag ausgerufen. Die Freunde wechselten das Zimmer, weil das ursprüngliche ein paar Mängel aufwies. Die Beiden hatten Glück und bekamen ein Upgrade auf eine Junior Suite. Ein gerne genommenes Bonbon.

Leider klappte nicht alles so reibungslos. Die gebuchte Halbpension verfiel ersatzlos, weil es die Küche des Hotels bis zuletzt nicht schaffte, Gerichte ohne Zwiebeln für Nader anzubieten. Dies Unbill sollte sich aber zu guter Letzt als Gewinn herausstellen, da wir sehr gute Lokale entdecken konnten und daher immer gut gegessen haben. Bei dieser Bewertung bleibt die finanzielle Betrachtung natürlich außen vor.

Sibylle und ich sitzen derweil in der Strandbar des Hotels, wir warten auf die Freunde und beobachten die Natur…

Ziemlich schwarz! Und groß!

Später sitzen wir zusammen, die Damen lesen, Nader tüftelt am iPad, wir gehen immer wieder ins Meer um zu schwimmen oder uns einfach nur abzufrischen – dazwischen gönnen wir uns ein Lieblingsgetränk.

Und was macht der Skipper? Der schreibt den Blogbericht für den vergangenen Monat Mai!

Hart, so ein Schriftstellerleben

Ich hatte optimale Bedingungen. Eine Steckdose und eine ebene, gepolsterte Auflagefläche für den maladen Ellbogen. Ich saß im Schatten und konnte den Bericht, den ich ja in der Fähre bereits begonnen hatte, an diesem Tag vollumfänglich fertig stellen – perfekt, ich habe mich gefreut!

Zum Dinner waren wir noch einmal im „Roka“, grundsolide und leckere kretische Küche gleich ums Eck.

Als Sibylle und ich das letzte Mal auf Kreta waren, wollte ich unbedingt zum „Balos-Beach“. Dies wurde, aufgrund der relativ weiten Anfahrt, damals abgelehnt. Diesmal stand der Strand für mich an zweiter Stelle meiner Wishlist, heute sollte es soweit sein!

Lasst euch überraschen! Nader und Christine waren am ersten Tag ihres Urlaubes, wir waren zu dem Zeitpunkt noch auf der Fähre, schonmal bis zur Mautstation des Nationalparks gefahren. Sie beschreiben die Anfahrt als schmale, staubige Schotterpiste – „…wir sollten mit dem Fiat fahren!“

Ich lächle und wähle – die GS 😉

Wir stoppen vor einem Supermarkt um Brot für morgen zu kaufen – nanu???
Morgen wird ein „Early Bird Day“ sein, der Bäcker würde geschlossen sein
Nader warnt – „…das ist erst der Anfang“! Ich lächle abermals und freue mich verschmitzt
Wir erreichen die Mautstraße – 9km Piste bis zum Parkplatz
Auch hier ein Naturreservat
Gleich geht es los…
…jetzt! Ich brummle los
Eine gut gesicherte, schmale, staubige Piste – Ziegen überall
Natürlich wissen nicht nur wir vom Balos Strand
Ich überhole die anderen Leihwägen und fahre voraus, weil es Spaß macht und…
…weil ich so Bilder vom dahinzuckelnden Fiat machen kann
Selbstverständlich wird auch aus dem Auto herausfotografiert
Dann wieder auf´s Mopped…
…und die Kolonne der weißen, schleichenden Maden von hinten aufgerollt

Ich habe mit der Enduro leichtes Spiel. Die Leihwägen fahren langsam. Pech für Nader war, dass ein anderer Wagen wirklich sehr langsam fuhr und so eine Kolonne hinter sich auffahren ließ. Diese zog sich wie eine Perlenkette über die staubige Piste nach oben.

Ich hatte derweil alle Zeit, die unglaublich beeindruckende Natur zu bestaunen. Ich habe Details beobachtet und meine Fotos gemacht. Danach habe ich die Kolonne einfach überholt und mich abermals neu positioniert – so zogen sich die 9km hin…

Ein weißes Kirchlein, das blaue Meer und dieses grün-grau der Landschaft – ich mag das
Für kleine Farbtupfer sorgen die rosa Blüten des Oleander
Ich werde mutiger, erklimme Felsen um neue Perspektiven zu erhalten
Was soll passieren? Hab´ ja nen Helm auf

Die Kilometer ziehen sich. Ich schätze, dass es fast eine halbe Stunde dauert, biss die Karawane den Parkplatz erreicht. Ab hier geht es nur zu Fuß weiter, das wussten wir.

Aber was ist das? Ein gebührenpflichtiger Großparkplatz in der Wildnis?

Mit Trillerpfeifen werden die Fahrzeuglenker eingewiesen – der Parkplatz trennt versierte Fahrer von denen die sonst nur zu Lidl fahren

Während ich meine GS auf dem für Moppeds und Quads reservierten Teil abstelle, füllt sich der Parkplatz unaufhörlich. Klar, das hätte man schon ahnen können – aber bewusst wird es mir erst jetzt!

Ich glaube, dass meine GS das einzige private Fahrzeug weit und breit war

Das Foto vom Parkplatz zeigte den unteren, noch nicht ganz vollen Teil. Es gibt dazu noch einen oberen Abschnitt und einen Mittelteil – beide Sektionen waren bereits voll.

Oben – voll!
Mitte – voll!

Der untere Teil füllte sich rasend schnell an. Von dort aus ging eine Art Track, ein Pfad, durch die gute Stube der Ziegen. Man muss rund 600m gehen und dabei etwa 200hm abwärts überwinden.

Die Wege sind prima ausgeschildert
Wir wissen also – hier geht´s lang

„IS THERE ANYBODY OUT THERE?“ Jaaaaaaa, hunderte von Menschen haben sich auf den Weg in die Wildnis gemacht um den Traumstrand zu erleben. Jeglicher Hauch von Abenteuer verfliegt.

Ich habe meinen Blogtitel gefunden – und bin hart auf dem Boden der Tatsachen gelandet.

Baby am Bauch, fehlender Sonnenschutz für den Knaben und Klapperle an den Füßen – Herr lass´ Hirn regnen
So ganz ohne war der Pfad nicht, es gab keinerlei Schatten
Natur so weit das Auge reicht – hier gibt es, außer dem Parkplatz, weit und breit nichts

Und endlich kam das Objekt der Begierde in Sichtweite – wir erhaschen erste Blicke auf den „Balos Strand“, einer Art blauen Lagune, welche alleine durch ihr Farbenspiel begeistert.

Das „Balos Beach“ Panorama – sieht schon toll aus
Ich stehe am als „View Point“ gekennzeichneten Platz und staune, es gefällt mir
Natürlich gibt es auch das obligatorische Gruppenfoto

Wir verweilen etwas. An uns ziehen Horden von Menschen vorbei, viele mit bereits aufgeblasenen Gummitierchen um Hals oder Bauch. Wieviel schöner könnten solche Flecken sein, wenn der Mensch behutsamer vorgehen würde. Der Mensch, in seiner Art solche Besuche in der Natur ausleben zu wollen, konterkariert die Einzigartigkeit solcher Plätze. Manchmal würde defensives Verhalten einen Mehrwert bringen.

Na egal, ich werde das wohl nicht ändern…

Immer noch strömen die Massen am View Point vorbei Richtung Strand.

Eine Völkerwanderung am Traumstrand

Wir Vier beratschlagen uns – wollen wir die letzten 110hm nach unten gehen? Nader hat Sorge um sein Knie. Uns alle nerven die Menschenmassen, würde es unten wirklich zum besonderen Erlebnis, dort zu baden?

Mich beschäftigt etwas ganz anderes – der kommende Morgen! Warum hatten die Damen eigentlich Brot für morgen früh gekauft???

Die Antwort ist mein Punkt 1 auf der Wishlist – die Samaria Schlucht, die haben wir nämlich für morgen geplant! Doch dazu später mehr…

Ich habe Angst, dass ich meine Beine kaputt mache, ich will für morgen fit sein. So lassen wir es bei der beeindruckenden Aussicht und machen kehrt. Ein richtiger Entschluss wie sich herausstellt, denn der Strom der Besucher reißt nicht ab!

Querfeldein, über Stock und Stein – überall, einfach ÜBERALL
Die Ziegen ficht das nicht an – sie starren auf die bunten Touristenscharen…
…oder suchen sich ein schattiges Plätzchen

Zurück am Parkplatz, staunen wir nicht schlecht. Dieser war nun reichlich angefüllt, man könnte fast sagen, dass er voll war. Vor dem Kassenhäuschen bildete sich bereits eine Schlange. Wir waren froh, diese Stätte des Touristenwahnsinns, sei sie noch so schön, wieder verlassen zu können.

Ich hatte Tage später noch einmal überlegt, sehr früh mit dem Motorrad zu kommen und nach unten zu gehen um am „Balos-Beach“ zu schwimmen, den Gedanken dann aber verworfen…

Juni 2024 – Verkehrsinfarkt am Großparkplatz in der Wildnis
Die Fahrt nach unten war wieder ein Genuss

Eine witzige Randnotiz ergab sich bei einem Gespräch mit einem Fahrzeuglenker, der neben Nader zum Parken eingewiesen wurde. Er sei besorgt, erklärte uns der Belgier, weil „…es ihm vom Autovermieter ja untersagt sei, mit dem nicht geländetauglichen KIA hierher zu fahren“, er hätte beobachtet, wie die ganze Zeit ein Motorradfahrer mit griechischem Kennzeichen auf und ab gefahren sei und Autos fotografiert hätte. Er sei sich sicher, dass „…dies ein von den Vermietern beauftragter Ermittler gewesen sei!“

Ich schmunzle in mich rein und lasse den Mann in dem Glauben 😉

Wir kommen zurück zur Mautstation und sammeln uns dort. Es muss kurz besprochen werden, wie wir den Rest des Tages sinnvoll verbringen können.

Der off-road Staub haftet ihr an

Wir beschließen, uns erst einmal an einen gastlichen Ort zu verholen. Dafür bietet sich eine Bar an der Riva von Kissamos an.

Das setzen wir um und laben uns an Cappuccino und Kuchen, dann lässt Christine die Katze aus dem Sack – „…es gäbe hier noch eine frühbyzantinische Kirche…“ höre ich sie sagen. Nader und ich sind begeistert – uiii toll, frühbyzantinisch, oder? Das wollen wir auch sehen!

Wir setzen unsere Vehikel in Gang und fahren das Sträßchen, welches zum alten Kirchlein führt. Dort angekommen, staunen auch Nader und ich, wirklich beeindruckende Relikte aus einer Zeit die mehr als 1.400 Jahre zurück liegt.

Von außen ziemlich sicher restauriert….
…zeigen sich innen alte Bilder, Fresken und Mosaike…
…bei deren Anblick der Phantasie freien Lauf gelassen werden kann – was hier schon alles passiert ist
Auch das Bauwerk beeindruckt
Bilder, die die Zeit überdauert haben
Das Kirchlein wird auch genutzt, um christliche Bilder auszustellen

Nader und ich waren schneller mit der Besichtigung durch als unsere Frauen. Es lag also in der Natur der Dinge, dass wir uns griechisch verhielten, uns einen Platz im Schatten suchten und palaverten. Hätten wir so eine Holzperlenkette zum Spielen gehabt, wir wären als echte Hellenen durchgegangen.

„Sag mal, wann war eigentlich frühbyzantinisch???“
„Das ist lang her, verdammt lang her…“
Das unscheinbare Kirchlein ist einen Besuch wert, es hat uns sehr positiv überrascht

Es ist an der Zeit die Rückreise anzutreten. Nader bringt Sibylle vor die Haustüre, ich pilotiere mein bayrisches Zweirad ebenfalls zu unserer „El Greco“ Pension.

Das jüngste Bike ist das rechts

Dort parkiere ich es auf dem mir zugeteilten Parkplatz im Innenhof. Sibylle und ich wollen in unser Zimmer huschen, doch da haben wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Manolis fängt uns ab und noch bevor ich „kalispera“ aussprechen kann, halte ich ein Glas Raki in der Hand. Na dann, Yammas, zum Wohl.

Wir müssen uns setzen und werden mit einer Gemüseplatte und Obst gefüttert. Dies nehmen wir gerne an, es ist uns eine Ehre. Wir plaudern ein bisschen, tauschen uns aus und erzählen einander. Dazu gibt es noch ein oder zwei Raki. Oder waren es drei? Ich erinnere mich nicht mehr!

Ist aber egal, denn heute müssen wir nicht mehr fahren. Unser Gastgeber empfiehlt eine weitere Taverne in fußläufiger Entfernung, das „Aletri“ ist, selbstverständlich in dieser Region, auch touristisch, hat aber das gewisse Etwas, den Twist!

Wir sitzen sehr schön in einem alten, renovierten Haus…
…und bekommen tolle Meze – darunter den besten Saganaki Käse den ich bisher gegessen habe
Auch das Tigania mit Speck, frischem Gemüse und Ei kannte ich so noch nicht
Und immer gibt es den frischen, köstlichen „Cretan Salad“

Wir stärken uns und freuen uns – über den, trotz aller Widrigkeiten, sehr gelungenen Tag, das gute Essen und natürlich auf morgen! Ich erinnere, für morgen haben wir uns die Samaria Schlucht vorgenommen.

Wikipedia gibt dazu interessante Informationen…

„Die Samaria-Schlucht (griechisch Φαράγγι της Σαμαριάς) im Südwesten der griechischen Insel Kreta ist mit 17 Kilometern Länge eine der längsten Schluchten Europas. Sie führt aus über 1200 m Höhe fast von der Mitte der Insel bis zum Libyschen Meer. An Länge wird die Samaria-Schlucht durch die Verdonschlucht in Frankreich mit über 20 Kilometern Länge und die Tara-Schlucht in Montenegro mit 78 Kilometern übertroffen.

Die Samaria-Schlucht ist einer der touristischen Höhepunkte Kretas; bis zu 4000 Menschen durchwandern sie während der sommerlichen Hochsaison täglich. Die Schlucht wird gesäumt von bis zu 600 m hohen senkrechten Felswänden, die an der engsten Stelle der Schlucht, an der sogenannten „eisernen Pforte“, einen Durchlass von lediglich drei bis vier Metern gewähren.“

Es wird ein „Early Bird Day“, wir stehen um 05.00 Uhr auf…

Von unserer Terrasse sehen wir die Sonne gerade aufgehen

…wir frühstücken ein bisschen, machen uns frisch und richten Brotzeit und Wasser für den Tag. Dann packen wir unsere Siebensachen zusammen und warten auf unseren Pick-Up Service. Nader und Christine wollen uns um 06.00 Uhr abholen.

Die Beiden sind, wie immer, sehr pünktlich

Jetzt heißt es, eine Stunde Auto zu fahren. Wir müssen uns ins Gebirge hochschrauben, auf immerhin 1.200m ü. NN. Wir fahren direkt in den Nationalpark „Lefka Ori“, der nach dem höchsten Berg Kretas benannt ist.

Pünktlich erreichen wir das Ziel, den Eingang zur Schlucht – wir sind die ersten und bislang einzigen Touristen dort, unser Kalkül scheint aufzugehen.

„National Park Samaria“
Noch war der Park geschlossen…
…während der Wartezeit konnten wir uns umfassend informieren
Offiziell 13,3km und 1.100hm – Gehzeit ca. 6:00h

Die Eckdaten sollten sich noch relativieren, aber ich war ohnehin mental gut vorbereitet. ICH wollte die Schlucht durchlaufen, schon lange! SOLCHE Unternehmungen reizen mich!

Zumal ist es ein zusätzlicher Ansporn, dass die Schluchtwanderung als die längste Schlucht-Hikingroute in Europa gilt. Das wollte ich schaffen!

Nun war ich nicht gerade trainiert zu diesem Zeitpunkt. Bergauf hätte ich das wohl aufgrund meiner fehlenden Ausdauer nicht geschafft. Bergab aber kann ich es mir zutrauen, wenn ich mich gut einteile – dabei geht es dann weniger um Kondition als um Muskelausdauer, besonders treppab müssen meine Oberschenkel und Wadeln Schwerstarbeit leisten.

Dass ich Muskelkater zu erwarten habe weiß ich, ich fühle mich relativ entspannt. Unser Plan war, zur Öffnung der Kasse loszulaufen, um den ersten, steilen Teil, mehr oder minder alleine für uns zu haben. Wir gingen von einem langsamen Marschtempo aus, es bestand Grund zur Annahme, dass Christine langsamer Gehen würde als ich – wir haben das alles im Vorfeld besprochen.

Trotzdem gehe ich davon aus, dass wir die 6:00h schaffen. Nader geht nicht mit, aufgrund seines Knies ist er unser Bring- und Hol-Service. Wir genießen die Szenerie, bald wird aufgesperrt…

Die Berge bilden ein richtiges Massiv – die eine Wand der Schlucht
Ein Blick über das Geländer gibt einen ersten Eindruck
Das Gruppenbild ist obligatorisch

Wir gehen noch rasch rüber in das Café am Parkplatz und bezahlen brav unsere 50ct pro Person um den letzten „Angstbisler“ loszuwerden, dann öffnen die Kassen…

Wir kaufen unsere Tickets als Nummer 3, 4 und 5 am heutigen Tag
Die Tickets dienen beim Ausgang als Ausweis – aus Sicherheitsgründen
Dann beginnen wir mit dem ersten Teil, dem steilen, muskelfressenden Abstieg

Ich war vor ein paar Tagen froh, als Christine ein Höhenprofil der Schlucht gefunden hatte. Ich bin aus meiner MTB Zeit gewohnt, solche Profile zu lesen und für mich auszuwerten und einzuschätzen.

Hier für die Interessierten…

Für mich eine wichtige Orientierung

Die Strecke wird mit 13,3km angegeben, bis zum Ort sind es insgesamt 15,2km. Die Kilometer muss man zählen, der untere Balken gibt die angenommene Zeit an, so kann man die Pace für 6:00h einschätzen.

Der steile Teil ist nach ca. 4km und zwei Stunden, bzw. nach 7km und drei Stunden geschafft. Das Tempo sollten wir schaffen.

Irgendwann werden die Touristen aus den Bussen, welche gegen 10.00 Uhr an der Kasse erwartet werden, uns einholen – aber das wird uns egal sein, bis dahin sind wir im flachen Teil.

Eines noch, ich sehe im Profil auch die zwei „Schnapperer“, kurze aber meist qualvolle Anstiege, gut zu wissen, ich werde mich da drüberkämpfen ohne mich demotivieren zu lassen.

Los geht´s…

Die ersten Kurven und Treppen sind steil, wir müssen uns einlaufen
Der Untergrund ist lose, bietet aber dennoch guten Halt, wir kommen gut voran
Wir nehmen uns Zeit für Eindrücke und Fotos – wir wissen, dass das Zeit kostet
Die Schlucht ist ein beeindruckendes Naturschauspiel
Der vor uns gestartete Franzose ist wenig trittsicher und langsam – wir überholen
Christine ist schon im richtigen Tritt – wir sind jetzt die ersten Touristen, die heute die Schlucht durchlaufen. ALLEINE
Nicht, dass es wichtig wäre, aber die Franzosen bleiben achteraus
Käfighaltung? Keinesfalls! Die Stimmung ist gut!
Wir genießen die Blicke auf das beeindruckende Felsmassiv auf gegenüberliegender Seite
Der Weg zieht sich weiter steil bergab – mal stufig, mal eingeebnet, immer gut befestigt
Wir sind im Fluss – panta rhei
Es besteht Steinschlaggefahr – die Schutzmaßnahmen sind aber vorzüglich

Um 07.32 Uhr erreichen wir ein Schild – es zeigt KM1 an. Das bedeutet, dass wir ziemlich gut im Schnitt liegen, wir sind genau nach unserer eigenen Vorgabe gestartet und haben gut in „unseren Tritt“ gefunden.

So kann es weitergehen!

KM1 – nur noch 14 weitere
Statt Rucksack trägt Christine einen… – ja was eigentlich???

Ich persönlich wundere mich über Christines geliebten „All-In-Versorgungs-Bauchbeutel“. Ein sogenanntes „Wimmerl“ ist es nicht, dafür ist er zu groß. Ein „Wammerl“ ist er aber auch nicht, er ist abnehmbar. Er bleibt ein undefinierbarer Zwitter.

Ich erkenne die Vorteile beim Zugriff, kenne aber auch die Nachteile von zu großem Buggewicht und davon, seine Zehenspitzen nicht zu sehen. Wie auch immer, selbstgewählt werden Christine und ich zu Leidensgenossen während dieser Wanderung, es zerrt einiges an Gewicht im Frontbereich!

Mir geht es noch prima, Sibylle gesteht mir die Rolle des „Pacemakers“ zu. Wann immer ich bemerke, dass Christine etwas nachhängt, wird gewartet bis die Gruppe wieder beisammen ist.

Christine fürchtet das Verletzungsrisiko – sie ist sehr vorsichtig

Wir waren mit je 2 Liter Trinkwasser gut versorgt, glaubten wir. Die Wahrheit war, dass wir im unteren Bereich der Schlucht, dort wo die Bäume lichter wurden und gleichzeitig die Sonne schon höher stand, mehr Wasser brauchten als angenommen.

Dennoch brauchten wir nicht haushalten, denn ein Schild wies schon im Eingangsbereich der Schlucht darauf hin, dass sowohl Quell- wie auch Flusswasser im gesamten Bereich trinkbar wären.

Wir lernten schnell, Quellen kamen in regelmäßigen Abständen, wir konnten die Flaschen immer mit kaltem Wasser gefüllt halten und somit auch trinken wann uns danach war.

Kleine Quellen überall

Etwas später wurden wir das erste Mal eingeholt – aber nicht von anderen Wanderern, nein, von einem der Sanitäter, die mit Mauleseln und Lastpferden die Versorgung der Schlucht mit Sanitätsausrüstung sicher stellen und notfalls auch Verletzte transportieren könnten. In der Mitte der Schlucht gibt es einen angelegten Hubschrauber-Landeplatz.

So würde der Krankentransport funktionieren – wir werden ihn nicht benötigen
Um 08.04 Uhr erreichen wir KM2 – exakt im Schnitt

Wir fragen uns schon lange – warum gehen die Streckenangaben für die Schlucht im Internet so auseinander. Sie ist doch offiziell mit 15,2km ausgewiesen. Im Internet findet man dagegen Angaben von bis zu 25km?!

Christine meldet sich zu Wort – sie hätte auf ihrer GPS Uhr schon mehr als 2km, fast 3! Ok, das würde die Ungenauigkeiten erklären, vielleicht auch die verhältnismäßig langsame zu erwartende Durchschnittsgeschwindigkeit.

Aber was soll das jetzt helfen? Wir müssen uns nach dem richten was wir haben. Das Höhenprofil ist mit den Schildern abgeglichen – ich werde mich daran orientieren.

Ok, abgesichert ist abgesichert – Hauptsache es hält
Weiter geht es steil bergab, die Wege werden „natürlicher“ in ihrer Auslegung
Klar, dass es auch auf so einer Wanderung irgendwo „Stoanerne Manderl“ gibt
Die Wegweisung ist meist mit den gewohnten Farbmarkierungen, ab und an mit rudimentären Hinweisen
Die Steilwände lassen wir hinter uns, der Abstieg ist geschafft – ab jetzt folgen wir dem Lauf des Wassers
Wir erreichen den ersten offiziellen Rastplatz, noch führen wir das Feld an

Obwohl die Wanderung durch die Samaria Schlucht als hochalpin eingestuft werden darf, gibt es in regelmäßigen Abständen Quellen, Rastplätze und auch Toiletten. Alles war, zumindest im Juni und früh morgens, funktionell und hilfreich.

Die Gegend wird wirtlicher, die Landschaft freundlicher, auch den gröbsten Abstieg haben wir hinter uns. Jetzt heißt es etwas schneller zu werden und gleichwohl den Blick für das Schöne nicht verlieren.

Die ersten Höhenmeter sind weg – die Vegetation ändert sich
Auf den flachen Stücken kommen wir schneller voran, wir müssen aber mehrmals den Fluß queren
Den Bau eines Steinmännchens sparen wir uns diesmal
Hier ist der Weg gut einzuschätzen – die Damen bevorzugen Wanderstöcke
Am Eingang des alten Ortes Samaria queren wir die Brücke zur Raststation.

Wir erreichen den Ortseingang des alten Ortes Samaria. Dieser ist auch eine Art „Haupt-Raststation“. Hier stehen die Lastentiere, es gibt Ziegen. Auch eine kleine ärztliche Versorgungsstation ist hier zu finden.

Es ist etwas mehr als ein Drittel der Strecke und mehr als die Hälfte der Höhenmeter geschafft. Die mich begleitenden Frauen rufen nach einer längeren Pause nebst Brotzeit.

Der Ruf findet Gehör…

Es gibt nichts zu kaufen, man verzehrt mitgebrachte Brotzeit
Die Ziegen sind Menschen gewohnt, sie haben keine Angst…
…und zwar gar keine! Klaut der Frechdachs doch den Apfelbutz vom Tisch
ICH bekomme mein Foto – und ER nichts was ihm schaden könnte! Versprochen!
Bei den Nachbarn stellt er sich gleich ganz auf den Tisch – er scheint der Herr im Haus zu sein

Die Gefahr ist groß, dass man sich hier festsitzt, das können sich die langsamen Geher aber kaum erlauben. Wir müssen also weiter.

Inzwischen habt ihr gemerkt, dass wir eingeholt wurden. Zuerst kamen ein paar Sportler von hinten, darunter ein Paar, welches uns später noch einmal BEGEGNETE, als die Beiden wieder HOCHLIEFEN, der Wahnsinn. Dann kamen natürlich auch normale Wanderer die einfach schneller waren als wir. Bei einigen war klar, das sie einfach flott unterwegs sind, bei anderen drängte sich der Gedanke auf, wie das noch bis zum Ende der Schlucht gutgehen soll.

Ein paar Amerikaner waren mit einem weiblichen Guide so über dem gesunden Tempo, dass man befürchten muss, dass sie für den Rest des Urlaubs keinen Schritt mehr vor den anderen bekommen.

Apropos, wie geht es eigentlich uns. Nun, ich kann nur für mich sprechen, mir hat die Pause eher geschadet als gut getan. Mir taten die Beine weh, das Essen lag im Wanst, es dauerte lang, bis ich wieder im Lauf war.

Auch die Frauen fingen an zu klagen, doch das tat der insgesamt guten Stimmung keinen Abbruch.

Wir gehen lang am Unterlauf des Flusses – die Schlucht wird langsam enger
Schön ist es hier – ob da hinten schon der Ausgang ist?
Die Warnhinweise sind überall – ein paar Wanderer waren mit Kletterhelmen unterwegs
Imposant – die Wände der Schlucht ragen steil empor
Aha, auch den Wanderliebhabern gehen die Körner aus

Langsam zieht es sich, es wird warm. Erste „wie weit ist es noch“ Fragen werden laut. Jeder von uns hat sein Zipperlein zu tragen, wirklich fit ist niemand mehr.

Die Schlucht hat schon mehrmals ihr Ende vorgetäuscht, aber wir lassen uns nicht ins Bockshorn jagen. Erstens habe ich gelesen, dass es mehrere „Pforten“ gibt, zweitens sind die 13,3km eben noch nicht vorbei!

Zehn sind geschafft, noch drei liegen vor uns
Auch Christine muss mal sitzen – wir füllen die Flaschen im Fluss
Die letzten Kilometer gehen in der Sonne durch´s geröllartige Flussbett – das ist nur mäßig spassig
Dann aber ist es soweit – das MUSS sie sein…
…die berühmte „Eisene Pforte“, die das Ende der Samaria Schlucht darstellt
Logisch machen wir Bilder – die Touristenscharen nehmen Rücksicht, jeder darf mal
Dann verlassen wir die Schlucht an ihrem berühmten Ausgang

Ab hier lurren wir ein wenig. Ich rechne damit, dass Nader hinter einem Busch hervorspringt und uns begrüßt. Wir hatten locker vereinbart, dass er mit dem Auto vom Startort der Wanderung zum Zielort der Fähre fährt, welche die Wanderer zurück in die Zivilisation bringt.

Mit ebendieser Fähre wollte er dann zum Zielort der Wanderung fahren, denn dieser ist mit dem Auto nicht zu erreichen. Auch dieses Procedere macht die Durchwanderung der Schlucht aufwändig. Der Pauschaltourist bekommt das etwas aufbereitet serviert, ist dafür aber dem Strom der Massen ausgeliefert.

Aber Nader springt hinter keinem Busch hervor, wir gehen weiter…

Die Landschaft entlang des Flusses ist herrlich, kleine Gumpen überall
Wir legen noch etwa 2km entlang des Flusses zurück, queren ihn dabei mehrmals
Endlich erreichen wir das Ende der Wanderung – hier wartet auch Nader

Wir kommen ums Eck und erkennen das Kassenhäuschen, welches KM13,3 markiert und damit den offiziellen Ausgang und das Ende der Wanderung darstellt.

Hier wartet auch Nader, wir sehen ihm von Weitem und winken. Er macht unser „Finisher-Foto“, wir haben es geschafft, wir haben die Samaria Schlucht durchwandert.

Geschafft – wir sind stolz

Wir setzen uns zu Nader in den Schatten und erzählen ein wenig. Dabei vergleichen wir auch die finalen Daten. Wir sind offiziell bei KM13,3, Christines Uhr zeigt aber ein ganz anderes Bild…

Fast 20km auf der GPS Uhr

Ihr dürft glauben was ihr wollt – mir war es zu diesem Zeitpunkt auch egal, denn ganz am Ziel waren wir noch nicht.

Es galt noch rund zwei Kilometer bis in den Zielort zu laufen, dort würde um 17.30 Uhr die Fähre ablegen und uns zu unserem Auto bringen.

Doch die Frage lautet – zu Fuß gehen oder mit dem Minibus fahren, welcher ab hier angeboten wird? Es werden Stimmen für den Bus laut, vor allem, man höre und staune, von meiner Frau. ICH lehne ab! Ich komme nicht mit dem Bus an, ICH laufe!

Sibylle jammert. Der Rucksack schmerzt, ihre Füße auch. Meine Gefühlswelt, das gebe ich zu, ist gemischt – es tut auch mal ganz gut, drei Prozent mehr Restenergie oder auch Leidensfähigkeit als sie zu haben – um nicht als gemein zu gelten, nehme ich ihr den Rucksack ab. Meine Beine brennen, sie müssen die letzten zwei Kilometer mehr Kilos schleppen als Sibylle und Christine zusammen wiegen – inklusive Bauchbeutel!

Ruinen, hier gab es bessere Zeiten – und durch die Kriege auch schlechtere
Da vorne ist das Meer – da will ich rein
Ein Bier, ein Bier will ich auch! Nur noch ein paar Meter

Wir kommen an! Mein biologischer Restenergieanzeiger steht bei 0,47% – es wurde Zeit! Aber das Kalkül ging auf, ICH habe es geschafft, ich habe mir selbst bewiesen, dass ich mich richtig einschätze und mehr kann als andere mir zutrauen – aber jetzt reicht es erstmal.

Zuerst raus aus den Schuhen!

Meine „neuen“ Kastinger haben sich bewährt, sie dürfen jetzt als eingelaufen angesehen werden

Danach schaue ich auf mein Telefon und bemühe die „Health-App“. Mir ist klar, dass dies kein belastbares Auswertungsinstrument ist, aber zumindest näherungsweise kann man mal sehen, was man geleistet hat.

„Health“ zeigt 22,3km

Hm, das stimmt mich nachdenklich. Health und Christines GPS Uhr sind sich nahezu einig. Wir haben rund sechseinhalb Stunden für etwa 22km gebraucht – das ist ein 3km/h Schnitt im Gelände.

Das ist was wir erwartet hatten und ohnehin auch langsam genug – aber wenn man die unstrittige Zeit unter die 15,2km legt, dann ergibt sich ein knapper 2,5er Schnitt. Ich neige dazu, dass ich an die längere Strecke glaube – und werde das natürlich auch überall erzählen 😉

Spaß beiseite, es geht einzig und alleine darum, dass die Tour richtig eingeschätzt wird. Kein Wanderer soll sich verschätzen und in Gefahr bringen.

Jetzt ein kühles Getränk – Cola für den Brand oder gleich ein kühles Blondes?

Ich nehme Beides – Prost

Ah, ab jetzt beginnt der entspannte Teil des Tages – ich fühlte mich super. Die Beine zerrten und zogen ein wenig, ein Vorgeschmack auf das, was morgen kommen würde.

Wir gönnten uns ein Eis, einen Kaffee, Nader einen Saganaki Käse. Wir hatten immerhin drei Stunden zu warten. Die meiste Zeit verbrachten wir aber im Wasser. Der schwarze Strand war, aus meiner Sicht, einladend und das Wasser superklar.

Badefreuden, die erhitzten Leiber schrien nach Abkühlung

IS THERE ANYBODY OUT THERE?

Wenn ihr zufällig mal den Artikel von Wikipedia überflogen habt, dann wisst ihr, dass in Hochzeiten auch mal bis zu 4.000 Touristen AM TAG durch die Schlucht gehen. Heute waren es nur ein paar Hundert, aber alle sammeln sich in diesem kleinen Fährort.

Und alle beantworten meine Frage mit einem imaginären JAAAAAA!

Die Horde trifft sich pünktlich um 17.00 vor der Fähre und stürmt diese. Es gibt nur einen der Zubringer pro Tag, wer ihn nicht erwischt hat Pech. Ich will mir nicht vorstellen, was passiert, wenn die zehnfache Anzahl an Touristen die Schiffe entern. Klar, es wird dann mehrere Fähren geben, aber jede einzelne wird voll gepropft sein.

Mit 15 Minuten Verspätung legen wir ab und fahren entlang der wunderschönen Südküste Kretas Richtung Westen.

Die Gebirge des Lefka Ori Nationalparks bleiben achteraus
Eine wunderschöne Wasserfarbe und zauberhafte kleine Buchten entlang der Küste

Nach knapp einer Stunde kommen wir im Zielort an. Die Massen verlassen das Schiff, die Busse stehen bereit – es ist der ganz normale Wahnsinn. Die meisten der Urlauber werden sich heute Abend mit einem bunten Bändchen Zugang zu ihrem „All-Inclusive“ Clubhotel verschaffen.

Menschen überall…
…und ich mittendrin – ich leide

Wir stellen uns auf die Seite, die Beine tun inzwischen sauber weh. Nader hat sich angeboten das Auto zu holen und hierher zu bringen. Das ist eine nette Geste!

Während der Freund den Wagen holt, spuckt der Stahlriese die letzten Wanderer aus seinem Schlund. Der Spuk ist in Minuten vorbei, die Masse verzieht sich in ihre Reisebusse.

Die letzten Wandersleut´ sind an Land, die Fähre legt gleich wieder ab
Bis Nader mit dem Fiat kommt, was nur zehn Minuten dauert, ist keine Menschenseele mehr zu sehen

Und nun? Es ist inzwischen fast 19.00 Uhr. Wir haben Hunger und müssen aber mindestens noch eine Stunde Fahrzeit in unseren Ferienort einplanen.

Wir schmieden einen Plan – wir gehen unterwegs in einer Hinterlandtaverne authentisch kretisch essen. Ohne das Shishi der Touristenlokale. Nader übernimmt die Aufgabe, ein entsprechendes Lokal auf halbem Weg, also in etwa 30 – 35km Entfernung, über Google zu suchen.

Das gelingt rasch! Es bietet sich das „Filosofos“ an, rund 30km vom Standort entfernt. Den Fakt, dass es am Meer liegt, teilt Nader in diesem Augenblick nicht mit uns – wir wären stutzig geworden.

Wir fahren und fahren, das Lokal kommt nicht! Auch nicht, als wir den Bergrücken, der Kreta in Nord und Süd trennt, längst überquert hatten. Auch nicht, als wir längst mehr als die Hälfte der Fahrzeit und Strecke hinter uns hatten.

Statt einfach das Ziel zu prüfen, verfingen wir uns in Argumentationsketten, weswegen sich erst sehr spät der Grund für den Faux-pas zeigte. Nader hatte einfach die Luftlinienstrecke zugrunde gelegt – diese bietet Google solange zum Vergleich an, bis eine Route gewählt wird.

Egal! Jetzt waren wir fast zuhause, das „Filosofos“ nur noch fünf Kilometer entfernt. Dann gehen wir eben trotzdem dorthin – leider!

Schlecht war es nicht – ordentlicher Durchschnitt würde ich sagen

Ok, wir haben nicht schlecht gegessen – aber gegen die anderen Tavernen die wir kennen gelernt haben und die ja durchaus auch in der Nähe gewesen wären, schneidet dieses Restaurant einfach schlechter ab.

Ich meine mir einzubilden, dass ich das schon vorab eine Ahnung hatte. Ich bestelle daher vorsorglich ein Bifteki, ein „Brot & Butter Gericht“, da kann man nichts falsch machen.

Wir essen, fahren heim und gehen ins Bett – die Luft war raus!

Der nächste Morgen! Ich klappe ein Augenlid nach oben und bin damit biotechnisch wach. Ich starte mein Gehirn und lasse es warmlaufen, dann gebe ich dem rechten Großzeh den Befehl zu wackeln, das funktioniert und ist ein erstes Indiz dafür, dass ich noch lebe.

Alle weiteren Bewegungen lassen diese Annahme nicht zu! Ich fühle Schmerzen überall, besonders das Abwinkeln der Beine ist eine Höllenqual. Ich überlege, ob es technisch möglich wäre, mich mit einem Gabelstapler über die Terrasse auf mein Motorrad heben zu lassen…

Gott sei Dank haben wir vorausschauend gedacht und für heute einen Badetag am berühmten „Elafonissi Beach“ geplant. Die Freunde holen uns ab, ich schleppe mich in den Fiat und falte mich auf den Fahrersitz – heute bin ich als Pilot der „sperrigen Kiste“ aus Italien eingeteilt.

Kleine Zubringersträßchen, heute bin ich Fahrer, Nader war gestern den ganzen Tag hinter dem Volant

Ich muss erst die geeignete Position hinter dem Volant finden. Ich muss den Sitz so einstellen, dass Nader hinter mir Platz findet, daraus ergibt sich, dass ich meinen Gasfuß immer etwas anziehen muss um ihn über das Pedal zu bringen.

Gleichzeitig versucht mein Vorderfuß stetig die Gummipantolette festzuhalten. Beide Bewegungen zusammen lassen mich leiden, mein Wadl fühlt sich an wie ein Molotow-Cocktail. Um die Pein zu lindern entledige ich mich meiner spärlichen Fußbekleidung und fahre barfuß. Der Großzeh gibt dabei Gas, das ist verboten, funktioniert aber wunderbar – manchmal heiligt der Zweck die Mittel.

Wir durchfahren kurvenreiche Passagen und Tunnels

Um uns die Fahrt angenehmer zu gestalten, legen wir Päuschen ein. Klassische Fotostops, gepaart mit der Chance das Knochengerüst etwas zu justieren. Genau das ist aber ein schmerzhaftes Unterfangen – ich bezahle den Preis für meine heldenhafte Wanderung am Vortag. Nun, wie ging das Zitat doch gleich wieder??? „Pain is temporary…“

Eine sagenhafte Straße mit tollen Ausblicken
Die Straße führt entlang einer Schlucht durch die Berge

Nach etwa einer Stunde Fahrzeit erreichen wir die Zielregion. Wir sind im äußersten Südwesten von Kreta angelangt und freuen uns auf den Badestopp am gehypten Beach – wir lesen in Wikipedia…

„Der Strand Elafonissi, der in einem Naturschutzgebiet der Insel Kreta in Griechenland liegt, wurde 2014 unter die 25 beliebtesten Strände weltweit gewählt und das mit gutem Grund. Das seichte Wasser und der feine rosafarbene Sand machen den Strand besonders familienfreundlich. Der Sand besteht aus bunten Mikroorganismen und Korallenstückchen und lässt dadurch den Sand rosa erscheinen.

Besuchen Sie bei einem Tagesstrandausflug auch das blendendweiße Kloster Chrissoskalitissa, das auf einem Felsen über dem Meer thront.“

Unsere Erwartungshaltung war also hoch, drei Personen im flotten Fiat träumen von feinrosanem Sand – Moment, drei???

Ja, die vierte Person, Christine, stolpert über die Infor zum Kloster! Ein Umweg wird eingefordert! Ok, dann eben…

Die Damen stürmen das heilige Gemäuer.

Schön gell? Ja – bei 35°C

Nader und ich hingegen – wir opfern uns für gruppendienliche und verantwortungsvolle Aufgaben! Wir halten den Panda kühl und beaufsichtigen die Arbeit der auf Hochtouren laufenden Klimaanlage.

Nachdem unsere Frauen zurück waren, sind wir die restlichen Kilometer bis zum Beach gefahren. Die immerwährende Frage „…ob da draußen denn jemand sei…“ konnte ich hier getrost für mich behalten. Man sah schon von Weitem, dass hier allerhand Touristen herbeiströmen

Irgendwas vergessen? Eimerchen & Schaufel, Sonnenschirm, Präservative und hölzerne Flaschenöffner in Dildoform – gibt´s hier alles

Wir berappen unsere 5.-€ Parkgebühr am Großparkplatz und latschen zum gelobten Strand. Die Eindrücke am Weg dorthin waren nice, der Strand wirkt optisch sehr einladend…

Rosa, klar…
Ein lagunenartiger Starnd – die schwarzen Pünktchen sind Badende – na toll
600m Fußmarsch – die Beine brennen
Von Weitem schöner als aus der Nähe – das wussten wir aber noch nicht

Nader mault. Er war der Meinung man könnte strandnah parken, sein Knie schmerzt. Meine Beine schmerzen auch, ich wackle wie einst „Herman Munster“ in seinen Filmen, mache aber gute Miene zum bösen Spiel – ein Chuck Norris weint eben nicht wenn er Schmerzen hat, es weint der Schmerz!

Wir erreichen über die sandigen Zuwege die touristische Zone. Es stehen erste Strandbars im Naturreservat, Getränke im Plastikbecher werden feilgeboten. Man zeigt was man hat…

Neueste Bikinimode, geschickt kombiniert – wer kann, der kann

Wir sind am Strand angekommen und sehen uns um. Als die Frauen das Kloster besichtigt hatten, habe ich die Zeit genutzt, um mich noch einmal auf das vorzubereiten, was uns erwarten würde. Entsprechend hoch lag die Messlatte…

Bild aus „Tripadvisor“

Ich renne an die Wasserkante – so ein Bild möchte ich auch machen! MEIN persönlicher Schnappschuss, ich will den Auslöser gedrückt haben, ich will es mit eigenen Augen gesehen haben!

Bild aus Marios iPhone – unbearbeitet

Das Lustige ist, dass man tatsächlich einen Rosaschimmer entdecken kann. Es handelt sich also nicht um Fake. Ich räume auch ein, dass zu anderen Tageszeiten das Licht gegebenfalls besser sein könnte.

ABER – als kleine Erinnerung an alle Photoshopper da draussen, ihr betrügt nicht nur die Menschen in eurem Umfeld, die eure Bilder ansehen, in erster Linie betrügt ihr euch selbst!

Daher – in diesem Blog sind alle Bilder aus meiner Kamera unbearbeitet und beschönigen nichts! Wenn ein bearbeitetes Bild von Freunden reinrutscht, dann weise ich darauf hin.

Ganz schön was los – ist das jetzt schon viel oder noch wenig
Ich empfinde es als viel
Hunderte von Menschen stehen bis zum Zwickel im Wasser – Pinkeltiefe

Wir gehen baden, das Wasser ist durch den Wind überraschend erfrischend. Man findet auch noch freie Stellen zum „im Wasser stehen“. Es ist voll, aber nicht überlaufen. Ich mag mir nicht ausmalen, was hier im August abgeht.

Schnell noch einen Schnappschuss für´s Album – dann nix wie weg hier!

Klar, schön war es allemal

Kommen die touristischen Regionen bei mir zu schlecht weg? Liegt es an mir und meinem Setup, dass ich von Menschen etwas Rücksicht und Zurückhaltung erwarte. Kann Tourismus nicht smart und verträglich sein?

Ich erkenne, ich bin nicht alleine – wenn ich auch in meinen Äußerungen etwas defensiver wäre…

Möwen kacken auf Faschisten und Touristen

Wir gehen die 600m zurück in den Touristenweiler und kaufen uns ein erfrischendes Getränk, es wird beratschlagt, wie es weitergehen soll. Wir wollen die Zeit sinnvoll nutzen, gleichwohl nehmen wir uns ein paar Augenblicke um die Details und den Ausblick zu genießen.

Wunderschöne Ausblicke, eine schöne Ecke
Freundliche Kakteen

Es ist an der Zeit, dass wir uns auf den Heimweg machen. Wir nehmen die gleiche Route und sind abermals begeistert von dem schmalen Sträßchen. Unser Zwischenziel heißt Kissamos, eine an sich unspektakuläre Kleinstadt im Nordwesten Kretas. Hier gibt es eine Eisdiele, hier wollen wir den Erlebnisteil des heutigen Tages ausklingen lassen.

Grün – die Tunneldurchfahrt wartet
Macht Spaß

Direkt am Weg gibt es den Ort Potamida mit seinen berühmten pyramidenförmigen Steinformationen. Klar, dass wir auch dorthin einen Abstecher machen.

Bei Weitem nicht so spektakulär, aber ich muss trotzdem an Kappadokien denken
Christine und Sibylle wählen eine andere Perspektive
Sieht toll aus – war den Schlenker wert
Das Gesamtgebiet ist eher überschaubar…
Zudem brennt die Sonne

Jetzt wird es aber Zeit – mein vom Muskelkater gepeinigter Körper ruft nach Innenraumkühlung. Ein Speiseeis muss her, die Eisdiele in Kissamos bietet sich förmlich an.

Wir erreichen das kleine, pulsierende Städchen und schlagen zu – vier Kugeln muss die überraschte Eis-Fachverkäuferin in mein Becherchen schaufeln, bevor ich Einhalt gebiete.

Ahhhh, ein Hochgenuss
Nicht nur mir schmeckt es – Stille am Tisch, wir laben uns an der fruchtigen Creme

Der Tag klingt aus, wir brummeln zurück ins „amalthia“ Hotel unserer Freunde und fahren uns selbst erstmal runter. Ein bisschen relaxen darf man schon – wie bereits erwähnt, war das „adult only“ Hotel welches Nader und Christine gebucht hatten, der ideale Ort dafür. Unsere Base…

Freddo Espresso scetto an der Strandbar – und natürlich gehörig schwimmen

Danach immer das gleiche Procedere. Wir überlegen uns die Taverne des Tages, jeder zieht sich in die Privatgemächer zurück um sich frisch zu machen und sich aufzuhübschen.

Danach treffen wir uns zum gemeinsamen Dinner. Entweder wir kommen runter zum Hotel oder wir werden abgeholt. Bei weiteren Fahrten mit dem Fiat, wenn wir in der Nähe speisen, dann auch mal zu Fuß.

Das Hotel ist nur 5 Gehminuten entfernt – und JA, es gibt einen „Blanc du Nil“ Shop im Ort 😉

Wir gehen abermals ins „Roca“. Ich habe heute echt keine Lust auf Meze und typisch griechisches Essen. Die Wahl fällt auf ein Allerweltsgericht – aber auch das können sie in der Familientaverne.

Wenn´s mal was anderes als Giros & Co. sein soll

Am darauffolgenden Tag wache ich früh auf. Ich kann nicht mehr einschlafen, weil mir meine Gräten noch mehr schmerzen als am Tag zuvor. Ich bringe mich in die Vertikale um ein Foto vom Sonnenaufgang zu machen – der Tag beginnt herrlich, aber ich fühle mich malad.

Von unserer Terrasse aus

Wie jeden Tag treffen wir uns im Hotel. Wir vereinbaren, dass heute ein Ruhetag eingelegt wird. Um den Tag nicht vollends verplätschern zu lassen, haben wir uns den Chania Bummel für den Spätnachmittag auf die Fahne geschrieben…

Wir gehen baden, trinken ein Bierchen, lassen uns die Sonne auf´s Wammerl scheinen – ein schöner Tag!

Um 15.30 brechen wir auf in die größte Stadt der Region. Eine Mischung aus Geschichte und Kultur, sowie Gaumenfreuden und Shopping ist angedacht. Ich gehe mit, denn der Besuch des Schifffahrtsmuseums interessiert mich.

Klingt vielversprechend

Der Plan war ausgeklügelt. Wir erreichen den Parkplatz um kurz vor vier, laufen zum Museum und kaufen Tickets. Von 16.00 Uhr an, bliebe uns eine Stunde um die Artefakte anzusehen.

Leider hatten unsere beiden Analogliebhaberinnen die Rechnung ohne den Zeitgeist gemacht. Dieser hat nämlich dafür gesorgt, dass die Informationen in Sibylles zehn Jahre alten Kretaführer nicht mehr gültig waren…

Ziel erreicht – jetzt nur noch die Karten kaufen…
…Satz mit X – war wohl nix

Super – was mir bleibt ist ein Blick durch die Absperrgitter auf den Innenhof des Bauwerks und beim Abmarsch der Blick zurück auf die vor dem Museum ausgestellten Stücke. Ich war enttäuscht.

Wäre bestimmt interessant gewesen
Es gab Einiges zu sehen
Sollte nicht sein

Kurz keimte eine Diskussion auf, in der Nader und ich die Sinnhaftigkeit von alten Reiseführern im Zeitalter des Internets in Frage stellten. Unsere Frauen hielten dagegen, dass das Internet auch nicht frei von Fehlern sei.

Das ist per se richtig, in diesem speziellen Fall aber, hätte das Internet uns nicht in die Irre, respektive vor die verschlossene Museumstüre geleitet.

Digital vs. Analog – 1:0

Was mache ich nun? Ich bin, offen gesagt, nur wegen des Museums mitgefahren. Ich hätte später nachkommen können – jetzt war ich aber hier, shoppen und Kirchen interessieren mich nicht so.

Ich weiß – ich verhole mich in eine der coolen Bars und trinke Cocktails bis der andere Teil unserer Gruppe mich wieder abholt. Ich google die „coolsten Bars“ und werde fündig. Wir verabreden uns, ich laufe los.

Am „Synagogi“, der coolen Bar meiner Wahl angekommen, stehe ich vor verschlossenen Pforten. War ja klar! Welche wirklich COOLE Bar hat nachmittags um vier schon offen???

Ich gebe mich geschlagen und mit der zweiten Liga zufrieden!

Ok, wenigstens das Thema passt
Ein Bierchen – der Cocktail des kleinen Mannes

Während ich da sitze und mein Dunkles schlürfe, kann ich die vorbeiziehenden Touristen beobachten. Ich komme zu dem Fazit, dass ich wohl ein für alle Mal verdorben bin – weder Großstadt noch Mainstreamurlaub kommen für mich jemals mehr in Frage. Mir ist das alles zuviel…

Bing, bing, bing – Bilder der umherschweifenden Freunde und meiner Gattin treffen ein. Schön! Aber tauschen möchte ich auch nicht.

Sibylle vertieft sich in die Geschichte der Gebäude
Das Gotteshaus mit Kirchturm UND Minarett wird bestaunt

Ich bin wieder zufrieden mit meinem Schicksal. Dass die Drei auch beim Eiseessen waren ohne mich mitzunehmen, bleibt eine Randnotiz – eins im Kopf!

Wir treffen uns wieder. Ich werde abgeholt und ausgelöst – man sei durstig, schallt es mir entgegen. Sich zu mir zu setzen wird abgelehnt, man wolle etwas Besseres suchen! Ja da bin ich gespannt…

Ok, gefunden! 😉

Es wird versucht, mir das vermeintlich Versäumte nahe zu tragen – „…wir haben auch eine gaaanz tolle Taverne gefunden und gleich einen Tisch reserviert!“

Ah, ok – na dann nix wie hin. Wir haben Hunger. Der reservierte Tisch ist frei, wir befinden uns im touristischen Zentrum von Chania. Das Lokal macht einen netten Eindruck, trotzdem bin ich skeptisch.

In alten Gemäuern
Für nettes Ambiente gesorgt
Gute Käsebällchen
Auch die anderen Meze waren top

Wir spachteln! Es schmeckt uns und ich bin gerade dabei meine Zweifel über Bord zu werfen. Ich fahre gerade mit dem Brot über meinen Vorspeisenteller um ihn frei zu machen für den Salat und die gemischten Aufstriche, welche noch reichlich am Tisch stehen – da höre ich eine Stimme hinter mir „…are you ready for main course?“

Äh nein, sind wir nicht, nicht mal annäherungsweise! Die Frage, so stelle ich rasch fest, war wohl eher rhetorisch gemeint, denn schon wird mir der Teller unter dem Brot in meiner Hand weggezogen und statt dessen meine Hauptspeise an diesen Platz gestellt.

Den anderen ging es genauso. Das Brot wurde abgetragen, der Salat und die Aufstriche blieben stehen. Das Ganze ging schnell, wir waren zu verdutzt um zu reagieren, außerdem hatten wir die Münder noch voll, zudem will man ja nicht unangenehm auffallen.

Wie kann ein Lokal seine durch gutes Essen erworbenen Pluspunkte auf so dumme Weise wieder verspielen? Mir reicht´s! Ich stochere mein Essen weg, die Meze lasse ich stehen – ich will weg hier!

Zu unserem Glück hätte uns gefehlt, dass uns die Taube auf den Teller geschissen hätte – ein Damoklesschwert!

Speisen im Hochrisikobereich

Am Fußweg zum Auto überlege ich, ob wir Alternativen gehabt hätten. Ich erkenne, eher nein! An einer Riva, wo es als positives Argument gilt, dass man nicht behelligt wird, was willst Du da erwarten???

Alle anderen „bothern“ – mit nervigen Menschenfängern vor den Lokalen

Der Abend war unvollendet, das haben alle gespürt. Wir haben uns deshalb auf einem Absacker an der hoteleigenen Strandbar verständigt. Das war gut so, denn an diesem Abend war Live-Music, das war ein versöhnlicher Ausklang.

Von „Country Roads“ bis „Hotel California“ – alle Gassenhauer waren dabei

Am nächsten Morgen beginnt unser letzter voller Urlaubstag auf Kreta. Ich habe mir einen Strand- und Pooltag erbeten, ich wollte mit diesem Blog anfangen um schon ein wenig Zeit für den kommenden Monatswechsel zu gewinnen.

Sibylle hingegen, wollte mit Christine und Nader noch einmal Klöster und eine Höhle besichtigen. Diese touristischen Ziele waren irgendwie um die Ecke.

Nach dem Aufstehen springe ich auf die GS und fahre in den Ort. Ich kaufe Semmeln, Sibylle richtet derweil das Frühstück. Die Schmerzen verflogen auch langsam, ich konnte wieder freihändig Treppen nach unten gehen.

Semmeln, Wurst und Käse gibt´s gleich um´s Eck

Direkt neben dem Supermarkt ist die Taverne „Aletri“. Sie stellte sich in der Zeit unseres Aufenthaltes als die beste heraus, hier wollten wir UNSER Abschiedsessen einnehmen. Ich nutze die Gelegenheit und reserviere gleich einen Tisch für den Abend.

Unscheinbar, aber eine tolle Taverne mit sehr netten Gastgebern
Wir werden später noch in die Geschichte eingelernt

Nach dem Frühstück treffen wir uns, wie eigentlich jeden Tag, an der Strandbar. Die unternehmungslustigen Drei packen ihre Sachen für die bevorstehenden Unternehmungen, ich dagegen richte mir mein Büro für den heutigen Tag ein.

Morgens ist noch nichts los
Bis zum Mittag habe ich einige Seiten dieses Blogberichtes geschrieben – Stärkung tut Not

Ich erhalte Bilder in unserer, eigens für diesen Zweck gegründeten, WhatsApp-Gruppe. Auch die anderen scheinen Spaß zu haben. Manchmal tut es gut, seinen Vorlieben nachzugehen.

Kreuzfahrttourismus – nicht immer ist meine Meinung gefragt, ich halte mich daher zurück
Kloster Nummer 1, es kann von innen besichtigt werden…
…wenn man sich züchtig kleidet. Nader entdeckt seine Vorliebe für rosa Röckchen
Danach wandern unsere zwei Berggemsen 200hm abwärts…
…um einen Monolith in einer Höhle zu bestaunen
Die Höhle gäbe noch mehr her – aber irgendwas hemmt den Entdeckungsdrang
Jetzt noch Kloster Nummer 2
Hier werden Weinverköstigungen angeboten

Mein Telefon schellt. Am anderen Ende der imaginären Leitung sind die drei Ausflügler – „…man wäre jetzt fertig und käme zurück. Wollen wir uns bei der Eisdiele treffen?“

Klar gerne! Wir gehen zum „Eis Queen“ Salon in Agia Marina und machen eine eher durchschnittliche Erfahrung was Qualität und Ambiente betrifft. Na egal, man kann eben nicht alles haben.

Umso besser dagegen unser Abendessen, welches wir, nach einem ausgiebigen Bad im Meer und zwei Bierchen, im „Aletri“ zu uns genommen haben.

Liebe zum Detail

Wir essen wieder vorzüglich und schließen das Dinner mit einer Süßigkeit und einem Raki auf´s Haus ab. Service und Qualität des „Essens mit Pfiff“ waren exzellent.

Wir bekamen von Wirt Andreas angeboten, etwas über die Familiengeschichte und die des Hauses zu erfahren. Die Taverne war früher das Elternhaus und schon das Haus der Großeltern. Andreas erzählt diese Geschichte gerne – wir nehmen dankend an.

Der Chef erklärt wie das Leben damals war
Viele Ecken des Hauses sind wie ein kleines Museum

Letzter Abend – fast geschafft! Wir wollen uns bei einem Absacker langsam an den Gedanken gewöhnen, uns morgen ade sagen zu müssen. Diesen Absacker gibt es – ihr ahnt es – ein letztes mal an der Bar des „almathia“.

Schönes Ambiente

An diesem Abend bekommt Christine einen Zeitungsbericht aus Deutschland in die Finger – eine Hitzewelle in Griechenland ist im Vormarsch! Wir hatten das schon gemerkt, aber der Höhepunkt soll morgen und übermorgen kommen. Na, mal sehen…

Kreta ist betroffen

Wir lassen den Urlaub noch einmal Revue passieren. Es hat alles gepasst, es war ein schöner Urlaub! Wir konnten umsetzen was wir geplant hatten und hatten tolle Erlebnisse. Mit Nader und Christine war es harmonisch und keinen Moment langweilig – das ist wertvoll.

Ja, mir war es vielleicht zu touristisch, aber das kann ich gut trennen. Ich ziehe eine mehr als positive Bilanz.

Kurz vor Mitternacht gehen wir ins Bett – morgen treten wir die Heimreise an!

Der nächste Morgen beginnt eigentlich wie immer. Wir frühstücken und machen uns strandfein – im Anschluss daran folgt aber eine generalstabsmäßige Abarbeitung der zur Abreise und dem damit verbundenen Checkout nötigen Punkte. Gegen 09.00 Uhr sind wir fertig, verabschieden uns von unseren Gastgebern und packen die Tasche auf´s Motorrad – Treffpunkt ist abermals das „amalthia“, das Hotel der Freunde aus Erding.

Am Hotelparkplatz finden wir einen Schattenplatz für die fertig gepackte GS

Wir haben uns folgenden Rückreiseplan zurecht gelegt – nachdem wir erst um 17.00 Uhr in Heraklion im Hotel ankommen möchten, sollte es ausreichend sein, wenn wir hier in Chania um 14.00 Uhr abfahren. Aufgrund der Hitzewelle hat es in den Nachmittagsstunden leicht 35°C oder mehr, wir wollen die Fahrt schnell hinter uns bringen.

Was lag also näher, als den Vormittag noch in der Strandbar der feinen Hotels zu verbringen?

Um 09.00 Uhr ist es am Pool noch ruhig – es ist noch Frühstückszeit
Auch am Strand ist noch nichts los – hier sind die Liegen noch nicht reserviert, im Gegensatz zum Pool
Ich will die Gunst der Stunde nutzen und erst einmal baden
Der Strand fällt flach ab, man muss weit laufen
Es täuscht – ich sitze! Man muss wirklich weit laufen
Die Kri-Kri Insel ist Schutzgebiet für die gleichnamig Ziege – betreten verboten

Ich mag diese Stimmung am Strand. Eine handvoll Menschen nur, die Luft noch frisch und angenehm, alles in ein noch gedämpftes Sonnenlicht getaucht. So genieße ich den Start in den Tag.

Ich will ehrlich sagen – so ein Hotelurlaub wie der unserer Freunde wäre nichts für mich. Aber gegeben durch die Tatsache, dass wir die Außenanlage quasi mitnutzen durften, war unser Urlaub doch etwas wertvoller und bequemer geworden.

Danke „amalthia“, Danke Nader & Christine…

Eine schöne Anlage

Die Freunde kommen vom Frühstück, wir sitzen zusammen und quatschen noch ein bisschen über die Pläne der nächsten Wochen. Wir trinken kalte, heute aber alkoholfreie Getränke und gönnen uns ein kleines Mittagessen – ich glaube, so funktioniert klassischer Urlaub.

Club Sandwich an der Hotelbar – dann geht es los

Kurz vor 14.00 Uhr – wir gehen noch einmal baden und erfrischen uns. Dann heißt es klarmachen zur Abfahrt.

Wir kraxeln auf das Moto und starten den Boliden – dann geht alles ganz schnell. Die Freunde gedrückt, Gang rein und los. Es sind vier Kilometer bis zur Schnellstraße, welche die Städte der Insel verbindet.

Uff, damit habe ich nicht gerechnet! Kaum waren wir von der Küste weg, wurde die Luft so heiß, dass man es kaum aushielt. Dies natürlich begünstigt, durch den aufgeheizten Straßenbelag und die Abwärme des Motors, der jetzt richtig zu rackern hatte.

Wir hatten phasenweise das Gefühl, dass es uns die Haut von den Unterschenkeln kocht – sehr unangenehme Stunden! Der Öltank der GS ist dort, wo man eigentlich den Tank vermuten würde – das ist nicht clever gelöst, denn die Bauteile in Bauchnähe werden durch das rund 100° C heiße Öl mehr als aufgeheizt. Ich musste mir ein T-Shirt unter das Wammerl legen, um zu vermeiden, dass mein Bauchfett auf der Tankoberseite gebraten wird.

Wir wollten es hinter uns bringen! Sibylle hat nicht gemault, als ich etwas schneller als sonst fuhr. Auch unsere Pause fiel kürzer aus – Tanken, Cappuccino, Wasser und weiter geht´s! Um Punkt 16.56 Uhr stehen wir vor dem Hotel – en minute…

Hotel „Marin“ in Heraklion – die Stadt war aufgeheizt

Wir checken ein und gehen ins Zimmer – unser erster Blick gilt der Dusche. Siehe da, das „Marin“ hat Wort gehalten, ich bekomme ein Zimmer, in dem ich in die Dusche passe. Das Zimmer war aber auch insgesamt größer und zum Meer hin gerichtet – ich vermute, dass man uns stillschweigend ein Upgrade hat zukommen lassen. Wie auch immer, es hat alles gepasst.

Großes Bad, Dusche in der Wanne – keine Klagen
Von unserem Balkon haben wir einen super Panoramablick

Wir gehen duschen und legen uns erstmal zum Runterkühlen auf´s Bett. Die Klimaanlage läuft und lässt uns wieder in den Bereich der „normalen“ Betriebstemperatur kommen. Wir warten, bis die Sonne hinter den Hochhäusern verschwindet – dann ziehen wir los um einmal durch die Stadt zu latschen und etwas zu essen.

Wir kennen Heraklion, finden aber immer wieder etwas Neues
Wir gönnen uns eine innere Abkühlung

Als wir auf ein Bierchen in einer Bar sitzen, melde ich mich kurz bei Roza. Wir haben sie auf Leros kennen gelernt, als sie noch Eisverkäuferin bei „Repapis“ war. Sie hatte uns über Facebook angeschrieben, als ich auf der Anreise einen Post aus Heraklion gemacht hatte – „…let me know when you are here the next time“

Roza lebt inzwischen auf Kreta und es war klar, dass wir uns melden. Mal sehen ob ein Treffen klappt…

Wir gehen derweil weiter um etwas zu essen. Unsere Wahl fällt auf ein Grilllokal, welches wir schon kennen, wir brauchen im Moment keine Meze mehr, davon hatten wir mehr als genug!

Das „Politia“ liegt zentral in Heraklions Fußgängerzone – ist aber durchaus empfehlenswert
Wir essen auf jeden Fall gut – und reichlich

Und tatsächlich – plötzlich kommt Roza um die Ecke und gesellt sich auf ein Bierchen zu uns. Klar, viel zu erzählen – was macht ihr hier? Was hat dich nach Kreta verschlagen? Wir erfahren viel über die schwierige Situation auf dem Arbeitsmarkt in Griechenland.

Wir treffen Roza in Heraklion

Roza bleibt nur etwa eine halbe Stunde, sie muss weiter lässt sie uns wissen, denn sie war gerade am packen und will heute auch zeitig ins Bett – „…I go to Leros by ferry tonight! I visit my family and the ferry will depart at 04.00.“

Ja, wissen wir, wir nehmen die gleiche Fähre! So ein Zufall – na dann, bis nachher!

Sibylle schreit nach einem Eis. Wir kennen die Eisdiele hier, sie ist gleich um die Ecke.

Sehr gutes Eis hier – aber ich hatte keine Lust

Irgendwie war mir nicht nach Eis. Ich verzichte! Das lässt Sibylle vermuten, dass ich krank sei, dem ist aber nicht so. Ich wäre lieber auf einen Drink in die Bar der Marina gegangen, dies scheiterte aber am Veto meiner Gattin.

So schlotzt sie ihr Eis, ich harre aus – es dauert nicht mehr lang bis ich zu „Repapis“ darf! Wir gehen zurück zum Hotel.

Heraklion ist einen Besuch wert

Wir gehen früh schlafen. Ich maule nicht, denn ich weiß, dass es diesmal kein Problem ist, wenn ich dann früh wach bin – unser Wecker klingelt um 02.30 Uhr, wir wollen das Hotel um 03.15 Uhr verlassen!

Das klappt alles wie am Schnürchen – um 03.30 Uhr sind wir am Fährhafen und stellen uns in die Warteschlange. Sibylle checkt als Fußgängerin gleich ein.

Die GS in der Pole Position – Motorräder dürfen immer als erstes ein und ausfahren
Zuvor dürfen die Fußgänger einchecken – Sibylle geht immer schon vor um einen guten Platz zu finden
Irgendwann pilotiere ich unser Mopped in den Schlund des Zubringers

Die Aufgabe meiner Gattin besteht abermals darin, einen möglichst guten Platz zu ergattern. Kriterien hierfür sind zum Beispiel die Fensternähe, eine Steckdose oder auch eine Couch auf der man sich mal langmachen kann.

Diesmal hat sie Glück, sie ergattert eine Ecke in der es sich aushalten lässt!

Minuten nach meinem Eintreffen fallen ihr die Augen zu

Mit Sibylle ist um diese Uhrzeit nichts anzufangen. Das ist manchmal schwierig für mich, ich vergesse es auch manchmal, es überrascht mich aber nicht mehr.

Während meine Gattin also mit geschlossenen Glotzn auf der Couch lümmelt und nicht ansprechbar ist, kümmere ich mich um eine Verbindung zur Außenwelt – das klappt vorzüglich!

Ein 3.-€ Voucher gibt mir Internet – ich kann am Blog weiterschreiben, das sorgt für Kurzweil

So müssen wir jetzt die nächsten 10h rumbringen. Das geht leidlich gut, wir helfen uns mit kleinen Snacks und Cappuccino über die Runden, dösen ein wenig und schauen uns um – irgendwas passiert immer auf einer Fähre.

Ein guter Platz – das ewige Gemurmel aus dem Fernseher mal außen vor gelassen, da hilft Ohropax

Irgendwann versammeln sich an einem Nachbartisch vier Männer. Sie scheinen jeweils Vater und Sohn zu sein. Im späteren Verlauf trennen sie sich wieder, es macht den Eindruck, dass sie nicht als Vierergruppe unterwegs sind.

Vier Musiker am Nachbartisch

Die Vier packen ihre Instrumente aus und fangen an zu musizieren und zu singen. Einfach so, aus dem Nichts. Sie strahlen dabei eine solche Lebensfreude aus – das sind die Momente für die ich Griechenland liebe! Die Vier musizieren eine ganze Zeit lang und verkürzen so die gefühlte Reisedauer – ein toller Moment!

Kretische Musik auf der Fähre

Der Rest der Fahrt ist schnell erzählt. Die Fähre aus Kreta trifft mit Verspätung in Rhodos ein, unser ursprünglicher Plan hier etwas zu essen scheitert also – wir kaufen daher bei „Gregoris“ im Hafen Sandwiches und wechseln von einer Fähre auf die andere – diese wird bereits in einer halben Stunde ablegen.

Das Procedere ist das gleiche, Sibylle reserviert einen Platz, ich komme etwas später nach…

Wieder haben wir einen guten Platz – erste Reihe

Die zweite Passage dauert dann „nur“ noch fünf Stunden. Wir treffen also etwa gegen 22.30 Uhr auf Leros ein. Das ist an sich eine vernünftige Zeit, da gibt es unangenehmere Ankunftszeiten.

Ich muss das Motorrad ausparken, diesmal geht Sibylle mit in die Garage. Wir stehen in erster Reihe und sehen zu, dass wir den trubligen Hafen rasch verlassen.

3-2-1 – der Countdown läuft

Ein paar Minuten später treffen wir in der Marina ein. Im „Skipper´s“ Restaurant herrscht noch emsiges Treiben, es ist Live-Music Abend. Uns ist aber eher nach schlafen – zugegeben, jetzt holt auch mich die Müdigkeit ein! Morgen ist auch noch ein Tag. Wir schnallen die Tasche ab, entern NESSAJA, öffnen die Ventile und aktivieren die Systeme – dann geht es ab ins Bett.

Wir BEIDE erwachen früh am nächsten Tag und gönnen uns eine Fahrt nach Panteli, um uns mit einem Sprung ins kühle Nass die Lebensgeister zurück zu holen – das haben wir lange nicht mehr gemeinsam gemacht.

Die Sonne kommt gerade über den Berg – ich liebe diese Stimmung und Ruhe
Leider sind wir nicht alleine – eine Frau sitzt und telefoniert, ihre Stimme hallt über´s Wasser

Schade! Ein Störenfried kann die herrliche Ruhe zerstören. Naja, da kann man wohl nichts machen, ich bleibe aber meiner Überzeugung treu, Mobiltelefone sind des Teufels Werkzeug – ungeachtet der Tatsache, dass ich selbst es nutze.

Sibylle und ich gehen auf einen Kaffee ins „Tzouma“…

Wir parken die GS direkt vor dem Kaffee
Ein erstes Tässchen zum Wachwerden
Es bleibt beim Kaffee, wir finden nichts Adäquates auf der Frühstückskarte

Zurück in der Marina, drängt sich die Antwort auf unsere Frage, wo wir heute frühstücken sollten, förmlich auf – während unserer Abwesenheit wurde ein neues Angebot vom „Skipper´s“ Team erdacht, das wollen wir probieren!

„Skippers Breakfast“ – klingt doch gut
Cappuccino dazu – passt schonmal…
…und auch das Frühstück ist nett hergerichtet und schmeckt

Geht in Ordnung! Der Cappuccino ist in unserem Marinalokal leider teuer. Wenn man das abzieht, dann geht der Gesamtpreis von 8,50€ in Ordnung. Mir war die Portion zu klein, ist aber für heute ok.

So gestärkt, starten wir in den Tag – Tag 1 nach unserer Rückkehr, wir sind wieder zu Hause – es gibt viel zu tun, es geht gleich mit einem Paukenschlag los!

ELOWYN wird gekrant! Für die Sommerpause kommt sie an Land. Wir sehen also gleich nach dem Frühstück, nach dem uns abermals anvertrauten Riesen.

Da liegt sie noch im Wasser

Kristina und Volker sind nur wenige Stunden vor unserer Ankunft nach Deutschland zurück geflogen – die EM ruft! Wir haben eine virtuelle Übergabe geplant, aber zunächst soll die Dicke an Land.

Ich darf sie so nennen, denn beim Kranen zeigt sich, ich nehme das vorweg, dass sie etwas übergewichtig ist – eine Leidensgenossin quasi.

Wir machen alles klar, unser Helferteam kommt an Bord, dann fahren wir das Schiff der Freunde in die Krangasse – kurze Zeit später kommt schon der große Kran um den blauen 68 Füsser aufzuheben.

In die kleine Box passen wir nicht – der Kran kommt zu uns

Nicht ganz klar war, wo die Gurte anzusetzen sind. Die Markierungen konnten nicht verwendet werden, da bei unserem Kran die Schlitten mit den Drahtseilen nicht verstellbar sind. Kranführer Giannis will einen Taucher, der ihm die optimale Gurtposition bestätigt.

Uli erklärt sich sofort bereit, diesen Job zu übernehmen – das ist eine Einladung ins „SouVLakki“ wert!

Tauchen im Kranbecken – eine spezielle Leidenschaft
Uli bringt die Gurt in die richtige Position

Wer nun meint, dass ich hier gut abgeschnitten habe, der irrt gewaltig. Ich hatte die ehrenvolle Aufgabe die Gurte zu sichern – mit Leinen aus dem Fundus der Kranfahrer, die waren nicht mehr alle top in Schuss.

Wieder dreckige Bratzen – na was soll´s

Trotzdem ging es relativ flott und auch ohne Probleme voran. Etwa 30 Minuten später hing ELOWYN mit aufgeholtem Kiel in den Gurten – wir durften das Schiff verlassen.

Sie hängt frei, wir verlassen das Schiff…
…dann wird sie angehoben
Der Kranfahrer fährt sie bis zum Reinigungsplatz zurück

Zum Kranen gehört immer auch eine Hochdruckreinigung des Unterwasserschiffes. Die dauert bei ELOWYN etwas länger, so gehe ich erstmal zurück auf NESSAJA, ich muss etwas runterkühlen. Es herrscht eine Bullenhitze am Sandplatz.

Leider war es auf unserem Schiff auch nicht wirklich kühler. Der frische Nordwind, der Meltemi, ließ uns im Stich, es rührte sich kaum ein Lüftchen. Die heiße Luft stand im Schiff.

Ich muss für Abhilfe sorgen…

Ich baue mir die Klimaanlage auf

Ich erinnere mich an meine Standklimaanlage, die wartete ja nach wie vor auf die Umsetzung meines „Projektes Airconditioning“. Ich habe ja vor, die Anlage auszuschlachten und mir vom Schreiner ein passgenaues Möbelstück fertigen zu lassen, um die günstige Haushaltsanlage in das Boot zu integrieren.

Bis das soweit ist, kann ich die Anlage ja noch „fliegend“ verwenden – gedacht, gemacht!

Wieviel Strom braucht die überhaupt?

465W, rund 35A ist noch akzeptabel – das könnte Solar sogar liefern, könnte

Am Nachmittag gehe ich zurück zu ELOWYN. Nicht nur, dass sie inzwischen vom leichten Bewuchs befreit ist, sie steht jetzt aufgepallt an ihrem Parkplatz für die nächsten zweieinhalb Monate.

Wir machen das Deck klar, räumen zunächstmal alles weg, was nicht der Sonne und dem Staub ausgesetzt sein soll. Auch den Kühlschrank räumen wir aus und bringen die restlichen Lebensmittel zu uns. Dann fallen die Schalter – ELOWYN hat Sommerpause.

Da steht sie – geparkt bis 29. August

Mit den Arbeiten beginne ich aber wohl erst im Juli, zuvor habe ich mich um ALENA zu kümmern, doch dazu später mehr.

Für heute ist erstmal Schluss. Wir gehen zusammen mit der Crew der JASPER in unser bevorzugtes Grillrestaurant – ich habe einen Glangerer nach meinem Lieblings-Girosteller!

ENDLICH!!!

Was dann kommt, brauche ich wohl nicht zu erwähnen! Klar, dass wir uns noch eine zauberhafte Eisspezialität aus dem Speiseeisparadies gönnen – bei „Repapis“ freut man sich, uns wieder zu sehen.

Auch darauf habe ich mich gefreut – wieder daheim
Die Dame hinter dem Tresen schaufelt ordentlich – heute mal DREI Kugeln

Als wäre das nicht genug, gehen wir noch ein Haus weiter. Bei Marietta findet heute Karaoke statt. Offen gesagt, ich finde das albern und selten gut – das bewahrheitet sich auch heute!

Aber der Zweck heiligt die Mittel – es wird abermals für einen guten Zweck gesammelt, wieder soll der Hundeshelter in Leros profitieren. Also spenden wir bereitwillig, lauschen den Darbietungen der meist jungen Pseudo-Sängerinnen und schlürfen dazu einen Ouzo als Absacker.

Die Hütte war voll
Die Blondine sang um Klassen besser als alle anderen – DIE konnte es

Danach waren wir geschafft, es war fast Mitternacht, wir waren müde und sind zurück an Bord unserer NESSAJA. Jetzt ist erstmal Wochenende – aber am Montag geht es los! So richtig…

Klingt nach Friede, Freude, Eierkuchen – war es aber nicht! Kann es aber auch nicht immer sein!

Ich war genervt, Sibylle und ich zanken, sie ist beleidigt – das kann passieren und nach einem Urlaub oder einer „besonderen“ Phase ist das Risiko größer. Wir müssen beide in unseren Trott zurück finden, wir haben unterschiedliche Herangehensweisen.

Sibylle versucht dann stets, mich vor ihren Karren der anstehenden Aufgaben zu spannen…

Ich dagegen brauche immer etwas Zeit um zu erkennen und zu akzeptieren, dass eine spannende, erlebnisreiche Phase zu Ende geht und jetzt der weniger facettenreiche Alltag gelebt werden muss.

Wir lösen das Problem, indem wir uns aus dem Weg gehen. Sibylle geht wandern oder zu den Hunden – ich an einen Strand, an dem Sibylle eher nicht zu finden ist.

Gehe ich mal nach Xirokampos – auch nicht schlecht

Weil ich dann auf mich selber achten muss, gönne ich mir einen Mittagssnack, wer weiß, was es abends zu essen gibt.

Griechischer Salat und Skordalia, waren ganz gut gemacht, dazu noch Kalamari

Naja, ihr könnt es euch vorstellen, wenn das Abendessen nicht gewährleistet ist, dann muss ich das Eis bei „Repapis“ noch mehr in Zweifel ziehen – also sichere ich mich auch an der Flanke ab.

Eis schmeckt alleine auch gut – ist aber langweiliger

Zum Glück dauern solche seltenen Phasen meist nicht lange an. Wir raufen uns irgendwie zusammen, häufig nach dem „Happy Wife – Happy Life“ Prinzip. Manchmal gebe ich aber auch einfach auf – zum Beispiel dann, wenn ich für Sibylle im Schlafzimmer angenehme 22°C herstelle und sie dann bei 35°C Außentemperatur „nur kurz lüften“ muss. So what…

Ich schlafe dann eben draußen im Cockpit, was jetzt mangels italienischer Störgrößen anstandslos möglich ist.

Morgens wache ich auf und gönne mir mal wieder eine Fahrt nach Panteli – ich möchte erfrischt und belebt in den Tag starten.

IS THERE ANYBODY OUT THERE? Nein, außer mir wird sicher niemand diese Idee haben…

Die Bucht von Vromolithos – mir kommen erste Zweifel
Auch Richtung Panteli ganz schön viele Schiffe

Hm, ganz schön was los. Warum nur? Google beantwortet meine Frage nach dem Grund, mit der Erklärung, dass exakt in dieser Woche das türkische Opferfest gefeiert wird.

Klar, die Osmanen wissen auch wo es schön ist und kommen in Massen herüber auf die angrenzenden Ägäisinseln. Ich hätte wohl nicht so provokant Fragen sollen – JA, außer mir waren noch etliche Andere unterwegs!

Aber ich hatte die Gunst der Stunde für mich! Es war noch sehr früh am Morgen, die Urlauber waren noch nicht am Strand – also nichts wie rein ins kühle Nass, der Strand ist mein…

Einladend – ich folge gerne…
…nehme Anlauf und tauche ab
Das Wasser ist noch herrlich frisch
Es spült den Schlaf aus den Augen, belebt und erfrischt
Wunderbar!

Danach gönne ich mir einen Cappuccino und mache mir Gedanken über mein Frühstück. Sibylle schläft noch tief und fest, ich werde wohl am Rückweg einen zweiten Kaffee trinken und mir eine Kotopita kaufen.

Es ist noch alles ruhig – der beste Cappuccino des Tages
That´s Life
Einen zweiten Kaffee und die Kotopita gibt es bei „Mikes“ in Lakki

Immer noch war es früh am Tag. Ich war noch nicht sicher, ob Sibylle schon ausgeschlafen hat. Weil es sich gerade angeboten hat, besuche ich Marietta und Shira im HUB.

Das HUB ist die reale Drehscheibe der Webseite „The Leros Way„, einer URL die ich ja schon mehrfach genannt habe. Diese Seite ist ein zentraler Link für Touristen aller Couleur, welche sich entschieden haben, Urlaubstage auf Leros zu verbringen. Die beiden hyperaktiven Damen haben die Webseite auf die Beine gestellt und füllen sie mit Leben.

Das HUB ist nun so etwas wie das Büro für diese Tourismusplattform, gleichwohl ein Treffpunkt für jung und alt aus allen Nationen, remote Workspace, oder auch Kursraum für Yoga oder etwa Sprachkurse.

Hier tut sich was
Der Wegweiser gibt die Richtung vor – für die nötige Schlagzahl sorgen die Powerfrauen selbst
Wir hatten noch etwas zu besprechen

Ich mag die beiden Frauen, so hat es sich ergeben, dass Sibylle und ich unterstützen wo wir können. Ich übersetze den Content ins Deutsche, denn es soll eines Tages eine deutsche Version geben. Sibylle hilft ab und an im Büro, wir dienen auch häufig als Schnittstelle zur Seglercommunity, zu den deutschsprachigen Interessenten, oder wenn mal wieder nach neuem Content gesucht wird.

Ich bleibe eine halbe Stunde, danach fahre ich auf NESSAJA und treffe Sibylle, die gerade frühstückt.

Ich habe etwas Zeit, das ist selten genug. Dies nutze ich sofort aus, um diesen Blogbericht etwas vorzuschreiben – das hilft zum Monatswechsel sehr, denn exakt dann stehen stressige Tage vor der Türe. Meine Ex-Käufer Gerald und Ulrike kommen, sie wollen ihr neues Schiff, die TARGUI, endlich in Besitz nehmen, sich dabei aber auch mit uns treffen.

Wichtiger für mich, am 26.06. kommt Karl, gefolgt von Rosi ein paar Tage später. Die Beiden wollen ihre ALENA übernehmen, ich bin noch für die Übergabe verantwortlich, dann gebe ich den Schlüssel ab und schließe das spannende Kapitel rund um die schöne Schwedin.

Als wäre das nicht genug, habe ich eine lange Arbeitsliste für ELOWYN und stehe bei Hans-Peter im Wort, auch an seiner LIBERTÉ einiges an Arbeitsumfang zu erledigen.

Deshalb – ich bin froh um jede Blogzeile, welche schon geschrieben ist, werde das noch ein paarmal in diesem Monat so machen…

Der Junibericht wächst schon im gleichnamigen Monat

Am Nachmittag holt mich aber die Unruhe ein, den ganzen Tag am Computer geht nicht! Ich habe noch einige kleine Aufgaben an ALENA abzuarbeiten, bevor ich die Hallberg-Rassy übergebe.

Es ist heiß draußen, so nehme ich mir vor, jeden Tag nur einen kleinen Punkt zu erledigen. Heute ist das Paddelrad vom Geschwindigkeitsgeber dran…

Fest! Da dreht sich nix mehr – ich baue den Geber aus, ich muss den Muschelkalk entfernen

Da ich keinen Entkalker habe, setze ich den Job „on hold“ und sehe nach ELOWYN. Ein paar Sachen müssen vom blauen Riesen geholt werden, ein paar Dinge haben wir beschafft und können diese verräumen, so zum Beispiel die Wäsche, die wir von der Laundry abgeholt haben.

Sibylle hat die Wäsche mit dem BREEZY geholt – die muss verräumt werden

Danach fahre ich zum Baumarkt, um mir den fehlenden Entkalker zu kaufen. Jetzt steht der finalen Reinigung und damit der Instandsetzung des Durchbruchgebers nichts mehr im Wege.

Andreas Kritikos – unser „OBI“
Der Geber kommt 24h in den Entkalker, wird dann geschmiert und wieder installiert

Früher Nachmittag – genug gerackert für heute! Mein T-Shirt ist schweißdurchtränkt. Sibylle und ich beschließen, wir gehen an den Lieblingsstrand zum Baden, vielleicht geht sich ein Eis aus.

Am Panteli-Beach angekommen, zeigt sich ein anderes Bild als am Morgen. Es war voll, per meiner Definition. Ich gebe zu, es geht voller, aber mir war es zuviel.

Wir sitzen ganz hinten, ich trinke ein Bier
Menschen überall – eng bestuhlt, man kommt kaum ins Wasser

Ich will nicht baden, ich will nur weg! Sibylle sieht es ein, frischt sich rasch ab und schlägt vor, dass wir noch ein Eis essen. Im „Sorbet“ war auffällig wenig los.

Salted Caramel & Black Chocolade Sorbet – die beste Kombi ever
Auch der Cappuccino war lecker

Wir wurden auf den Boden der Tatsachen zurück geholt – als es ans Bezahlen ging! Die Kugel Eis kostet 3,50€!!! Der eigentliche Wucher ist aber, dass es ein Saisonpreis ist – die Türken sind hier und der ohnehin schon relativ hohe Preis von 2,50€ wird um sage und schreibe 1.-€ angehoben!

Nicht mit uns! Wir boykottieren das „Sorbet“ bis die Preise wieder runtergehen. Wenn sie es denn tun…

Vielleicht streichen wir es auch von unserer Liste – sowas ärgert uns! Generell!

Wir müssen zurück – heute ist Tanzkurs. Ja, richtig gelesen! Griechischer Tanzkurs! Auch der wird vom HUB angeboten und Angelika und wir haben uns eingeschrieben. Wir wollen mittendrin sein, statt nur dabei

Der Kurs beginnt pünktlich um 19.00 Uhr – die Tanzlehrerin erklärt

Wer mich kennt weiß, dass mich das Überwindung kostet. Ich liebe Musik, auch die „Island Music“ der Ägäis hat es mir angetan. Ich liebe die Lebensfreude die die Griechen bei ihren Festen, den Panagias, ausstrahlen – ich will das auch können! Eat, drink and dance like a Greek!

Wir lernen zwei Tänze, den „Leriko“ und den „Sousta“

Neben einer mäßigen Rhythmusbegabung habe ich leider Tanzlegasthenie. Ich tanze wie Pooh der Bär. Wenn man das weiß, ist es nicht schlimm, man lässt es einfach. Wenn man jedoch mitmachen möchte, ist etwas Übung unerlässlich…

Wir tanzen „Sousta“
Hier unser „Leriko“

Der Abend vergeht wie im Flug – wir haben richtig Spaß in der Gruppe und bekommen es zu guter Letzt auch so hin, dass wir zumindest mal als Anfänger teilhaben können, wenn die Locals mal wieder gemeinsam tanzen.

Hunger! Uli trifft uns im „SouVLakki“ und der Abend klingt dort aus – wir haben viel zu erzählen.

Heute mal was anderes – ein halbes Hähnchen soll her
Ok, Challenge accepted

Der nächste Morgen beginnt für Sibylle und mich, unabhängig voneinander, eher untermittelprächtig.

Meine Gattin buk ein Brot und hat meinen Hinweis, dass „…es hier irgendwie verbrannt riecht“, nicht als eine Warnung in ihre Richtung gewertet. Sie hat ohnehin eine Feindschaft mit unserem ENO und schob den kokelnden Gestank auf „…irgendeinen Teigklecks, der auf dem Blech verbrennt!“

Hmmm, ganz so war es nicht!

Der Versuch, zu retten was zu retten ist

Ich dagegen habe mir vorgenommen, heute eine der vermeintlich kleinen, aber unangenehmen Aufgaben auf ALENA zu erledigen. Die tiefste Stelle der Bilge, dort wo all das Wasser zusammenläuft, ist etwas schmuddelig und auf meiner Liste steht, dass diese zu reinigen ist und drei Kielbolzen wieder ansehnlich gemacht werden sollen.

Ok, auf geht´s…

Hier läuft aller Schlatz aus den Katakomben eines Schiffes zusammen
Salzkristalle haben sich im Lauf der Jahre abgesetzt und müssen entfernt werden

Ich nehme es vorweg – es dauerte mal wieder länger als geplant! Wie immer eigentlich. Zuerst haben die neu gekauften Bürsten nicht in den gleichmarkigen Pseudo-Dremmel gepasst. Ich habe dann die Krusten und den Rost mit der Bürste am Akkuschrauber abgeschliffen – das hatte zur Folge, dass mir durch die unnatürliche Haltung und das schwere Akkuwerkzeug, fast der Arm weggeflogen wäre.

Die Stelle war natürlich perfekt zugänglich – klar!

Dann war es im Schiff fast unerträglich heiß, ich habe die tiefe Bilge nur auf dem Bauch liegend mit gestrecktem Arm ausputzen können. Ein mieses Geschäft – seither hat der Begriff „Kielschwein“ eine für mich neue, andere Bedeutung.

Wie auch immer – im „vorher – nachher“ Vergleich hat sich der Aufwand gelohnt, auch wenn ich letztlich zwei Tage beschäftigt war.

So kann sich die Bilge sehen lassen

Jetzt aber nix wie an den Strand. Aus zuvor beschriebenen Gründen, gehen Sibylle und ich diesmal gemeinsam nach Xirokampos. Es ist davon auszugehen, dass der dortige Strand weniger überlaufen ist – und siehe da, wir bekommen ein Liegenpärchen und können eine Weile relaxen.

Schön! Zwei Liegen im Schatten und glasklares Wasser

Am Heimweg dürstet es mich – meine trockene Kehle schreit nach einem Bier im gefrosteten Glas. Leider besinnt Sibylle sich ihrer Fähigkeit als Spaßbremse und gibt mir unmissverständlich zu verstehen – „ohne mich!“

Ok, dann eben alleine! Ich setzte Sibylle bei NESSAJA ab und mache noch einen Einkehrschwenker. SO wird es ein runder Tag!

Ein Bierchen bei Marietta – ich genieße es

Zurück in der Marina, komme ich an ELOWYN vorbei. Sie hat einen guten Platz, direkt am Betonkai und mit dem Bug nach vorne. Dieser ist eingerahmt zwischen Palmen.

Der Grund meiner Stipvisite war die Überlegung, wie und wo ich das Schiff ab Juli mit Strom versorge – Gott sei Dank hat ELOWYN einen Buganschluss und eine Versorgungssäule war direkt unter dem Bug! Eine Sorge weniger…

Für die Arbeiten im Juli steht sie ideal

Meine Frau möchte einmal wieder ins „To Steki“ zum Abendessen. Diesmal aber nicht, wie eigentlich bisher immer, um dort Meze zu essen. Diesmal hat sie ein Gericht im Sinn, welches sie als Hauptgericht essen möchte – Risotto mit Garnelen!

Für mich trifft sich das gut, denn ich habe in Facebook einen Post der Taverne gesehen, dass sie ein „Kalamari-Kokoretsi“ anbieten – das soll meine Wahl sein!

Wir machen uns also auf nach Alinda – doch was ist das???

Ein, wenn auch kleines, Kreuzfahrtschiff in der Bucht vor Agia Marina

Ich will vorsichtig formulieren – ich gönne jedem seine Art von Urlaub und kann die Vorteile einer Kreuzfahrt für den einzelnen Touristen auch erkennen. Ich will nicht bekehren und auch nicht mit Fingern zeigen, so bleiben alle umwelttechnischen Argumente außen vor.

ABER – nicht jeder klitzekleine Platz auf Gottes Erden ist auch geeignet ein Ziel für die Kreuzfahrttouristen zu sein – wer zur Saison schonmal auf Santorin oder in Dubrovnik war, der weiß was ich meine.

Die Relation von Nutzen und Schaden geht aus meiner Sicht zu Lasten der Zieldestinationen. Leros ist, dazu stehe ich, KEIN geeignetes Ziel für Kreuzfahrtschiffe aller Art. Es ist und bleibt hoffentlich ein Ziel für Individualtouristen.

Wir erreichen das Ende der Alinda Beachfront, auch hier tut sich was in touristischer Hinsicht…

Der Bau der kleinen „Marina“ schreitet voran

Dieses Projekt wird gerade dem Seglerforum in dem ich aktiv bin, heiß diskutiert. Es obliegt mir nicht, zu bewerten ob die Fördermittel der EU zugunsten des nautischen Tourismus, hier richtig eingesetzt sind oder nicht – aber man muss akzeptieren, dass Leros bereits ein nautischer Hot-Spot in der östlichen Ägäis ist und auch, dass Segeltouristen sehr wohl Individualurlauber sind – sie würden der Insel mehr Nutzen bringen als Kreuzfahrer.

Alles gut also? Leider nein! Wer die Pläne kennt weiß, dass die „Marina“ viel zu eng und klein geplant ist. Es werden letztlich eine handvoll Yachties Platz finden, alle anderen Plätze werden, wie so oft, von Fischerbötchen belegt sein. Ich traue mich wetten…

Egal – wir sind hungrig, bestellen unser Essen und genießen die vorzüglichen Gerichte mit Blick auf die beleuchtete Burg.

Kalamari Kokoretsi – gefüllt mit Skampis
Schönes Ambiente – direkt am Meer, Blick auf das Kastell, über die Bucht von Agia Marina

Der Abend klingt aus, das „To Steki“ beweist einmal mehr, dass es zurecht auf unserer Top-Five Liste overall ist. Eine wunderbare Gastgeberfamilie, ein super Essen, das alles unspektakulär und ohne Shishi – dafür aber zu günstigen Preisen.

Wir verlassen den gastlichen Platz – ab nach Hause!

Wir kommen wieder

Auf dem Heimweg fahren wir entlang der Vromolithos Bucht. Ich konzentriere mich auf´s Pilotieren der GS, meine Gedanken fliegen. Am Horizont flackern die Lichter der Türkei.

Plötzlich höre ich… – nein, so kann man das eigentlich nicht sagen, plötzlich meldet mein Gehirn in einer Schaltsekunde einen Impuls der als akustische Schwingung eingeordnet werden kann und sich etwa so anhört…

Düdeldideldideldi, opaopa, dideldi…

Wenige Sekunden später sitze ich, in Begleitung meiner verduzten Gattin, an einem Tisch im „Kakomoiras“. Das alles ging so schnell, dass Sibylle, als sie ihren Mund öffnete um ein spaßbremsendes Gegenargument auszusprechen, schon ein mit Ouzo gefülltes Glas ansetzte. DAS ist angewandte Überrumpelungstaktik!

Seine Fidel erkenne ich im Vorbeifahren

Wir haben Xristo, den Wirt der Meze-Taverne, natürlich gefragt, ob es ok sei nur etwas zu trinken. Klar, hatte er gemeint – dies aber sehr flexibel ausgelegt…

Meze zum Ouzo – und wir kamen vom Abendessen

Die jungen Leute tanzten und hatten Spaß. Wir waren wieder mittendrin, zufällig! Aber wir waren willkommen. Man winkt uns zu, man prostet uns zu, wir feiern mit, wenn auch als Außenstehende. Dies deshalb, weil es ein privates Fest war, die Lehrerinnen einer Schule feierten den Beginn der Sommerferien.

Hübsches Kollegium – wenn ich mich da an früher erinnere (Ausnahme: Frau Keller – aber die wird meinen Blog wohl nie lesen)

Gretchenfrage – haben wir auch das Tanzbein geschwungen? Nein, diesmal nicht – wie gesagt, eine eher offene „geschlossene Gesellschaft“. Hier war es an uns, sich defensiv zu verhalten und nur zu genießen. Aber das nächste Mal… 😉

Am nächsten Morgen komme ich an ALENA vorbei und stelle fest – es tut sich was! Arbeiten am Rumpf haben begonnen, diese werden sich über die kommenden zwei Tage hinziehen. Das neue Eignerpaar hat ihrerseits diese Arbeiten in Auftrag gegeben, ich muss hier nichts tracken, melde aber trotzdem den Beginn und Fortschritt nach Deutschland.

ALENAs Rumpf wird poliert
Das Unterwasserschiff bekommt neues Antifouling
Nach zwei Tagen ist sie fertig und zeigt sich von ihrer besten Seite – die neuen Eigner können kommen

Auch Karl und Rosi sind nicht untätig gewesen. Es liegt auf der Hand, dass das Beziehen des neuen Schiffes, die Inbesitznahme, ein toller Augenblick ist. Man möchte schalten und walten, alles sauber machen und so richten wie man selbst es möchte. Dazu gehört natürlich auch das Einrichten – mit meist eigenen und neuen Dingen.

Das war mir klar, so überrascht es mich nicht, als Karl nach der Postadresse fragt – „…er hätte da ein Paket zu senden.“

Eines????

Die Pakete sind inzwischen unterwegs – ok

Man merkt ihnen die Vorfreude an – und ich freue mich auf ein Wiedersehen und die Übergabe!

Heute, zwei Tage bevor Karl hier eintreffen wird, ist nur noch ein Punkt offen – es müssen zwei Seeventile getauscht werden. Dies ist mir vom Marinachef für morgen zugesagt – just in time 😉

Das mit dem roten Schlauch – Cockpitdrainage an Steuerbord…
…und backbord
Die Zugänglichkeit durch den Motorraum ist gut – diesen werde ich morgen, nach erledigter Arbeit, schließen

Hans-Peter kommt in Begleitung seiner Frau Petra und Terrier Merlin zurück in die Marina. Petra arbeitet noch und macht zweimal im Jahr Urlaub mit ihrem Göttergatten. Diesmal ein dreiwöchiger Törn in den südlichen Dodekanes – just während unseres Kreta-Aufenthaltes.

Wir freuen uns Petra noch einmal zu treffen und verabreden ein gemeinsames Dinner im „SouVLakki“ und anschließendem Besuch im Eispalast. Es würde gleichzeitig Petras Abschiedsessen sein, morgen fliegt sie schon nach Hause.

Klingt super! Sibylle und ich setzen aber noch einen drauf! Wir waren lange nicht mehr alleine im „Harris“, das wollen wir ändern – ein Aperitiv an einem der schönsten Plätze der Insel, danach die Freunde treffen! Perfekt!

Das „Harris“ – hat früher „View“ geheißen – nicht zu unrecht
Sehr schönes Ambiente – aber auch alles reserviert
Wir bekommen einen Platz und gönnen uns eine Kleinigkeit
Sibylle einen Cocktail, für mich einen Ouzo
Viel Liebe zum Detail

Wir vertreiben uns die Wartezeit und genießen unsere Nachos und die Drinks. Die Zeit vergeht wie im Flug. Dann müssen wir los, wir sind mit den Freunden in Lakki verabredet – wir starten die GS und geben Gas, gerade als die untergehende Sonne die Umgebung in ein faszinierendes Licht taucht!

Die Serpentinen nach unten – im Hintergrund Kalymnos
Die Mühlen und das Kastell im Sonnenuntergang

Angekommen im „SouVLakki“, setzen wir uns an eine große Tafel, zusammen mit der Crew der LIBERTÉ und der JASPER. Es gilt, Petra ein würdiges Abschiedessen in bester Gesellschaft zu bieten – wir erzählen unsere Geschichten bis spätabends, dann wird es Zeit, den Abend im „Repapis“ ausklingen zu lassen.

Die Zeit verfliegt – bald ist es stockfinster
Hans-Peter gönnt sich drei Kügelchen…
…auch ich genehmige mir heute die Extrakugel 😉

Gähn – wie spät ist es? Ah, Zeit zum Aufstehen! Wir sind mit Hans-Peter und Petra zum gemeinsamen Frühstück verabredet. Danach würden wir direkt mit den Beiden nach Agia Marina fahren, um Petra dort zu verabschieden – sie würde mit „Dodekanisos Seaways“, dem Katamaran, nach Kos fahren und von dort aus den Heimflug antreten.

Frühstück gibt es bei Mariettas „μπακαλικο με τσιπουρο“ – wir sind aber nicht schlecht überrascht, als wir sehen, was dort im Nachbarladen während unserer Abwesenheit hochgezogen wurde…

Eine Kaffeekette, das „Coffee Lab“ hat dort eine Filiale eröffnet – alles blitzsauber und ziemlich cool

Wir setzen uns zu unserer griechischen Freundin in deren kleine Taverne und bestellen unser Frühstück. Wie nicht anders zu erwarten, klagt sie über den neuen Nachbarn, er würde ihr natürlich Umsatz nehmen, den hätte es nicht gebraucht.

Uns wird schlagartig klar – ungenierte Besuche dort, sollten wir uns zunächst verkneifen, obwohl es mich reizt, den Kaffee dort einmal zu probieren.

Ich werde aus meinen Gedanken gerissen, unser Frühstück wird serviert…

Endlich mal wieder Rührei

Dann geht alles ziemlich rasch. Wir klönen ein bisschen, ratschen über Gott und die Welt und ehe wir uns versehen, ist es schon an der Zeit nach Agia Marina zu fahren.

Wir kommen rechtzeitig an – dann heißt es, von Petra Abschied zu nehmen. Bis zum Oktober…

Servus mach´s guad – komm´gut heim
Die Fähre kommt pünktlich…
…und die Freundin muss los – Zeit zum Einsteigen
Die Klappe schließt sich, Petra winkt uns noch zu…
…dann braust der Zubringer davon

Zur gleichen Zeit, das fanden wir ganz interessant, fuhr Shira mit einem Speedboat welches den VIP Shuttle Service nach Kos anbietet, die gleiche Strecke.

Der Preis ist natürlich ungleich höher, relativiert sich aber, wenn man die Fahrt durch drei bis vier Personen teilen kann. Die Fahrzeit hingegen beträgt statt der üblichen 90 Minuten, nur rund 25 Minuten – so kann man durch geschickte Planung, einen Teil der Individualkosten wieder einsparen, wenn man beispielsweise den Bus erwischt statt mit dem Taxi zu fahren, oder wenn man am gleichen Tag an- beziehungsweise abreisen kann und so eine Hotelübernachtung spart. Wir wollen uns das merken.

Shira schickt Grüße von ihrem Transfer

Im Hintergrund spielt sich eine verrückte Geschichte ab. Ihr erinnert euch an die EDINA, das Schiff, auf welchem wir über den Winter gegen den Wassereintritt gekämpft haben.

Hier scheint der Generator kaputt zu sein und bei einer ersten Diagnose wird dieser als „nicht der Reparatur wert“ eingeordnet und daher ein Ersatz für rund 20.000.-€ angeboten. Der Besitzer hat mich gebeten, eine Meinung abzugeben und ich habe, obwol ich ebenfalls pessimistisch orakelt habe, empfohlen, in jedem Fall den Kopf abzubauen um eine klare Diagnose zu machen.

Womit ich nicht gerechnet habe – der Eigner hat meinen Rat SOFORT befolgt und sich an die Kaimauer von Lakki verholt. Dort hat mein Freund Giorgos den Kopf zwischenzeitlich demontiert.

Wasser in den Brennräumen – es scheint aber reparabel

Die letzte Entscheidung ist in diesem Moment noch nicht gefallen, aber ich hoffe, dass ich ein paar Absätze später Vollzug melden kann. Wir gehen davon aus, dass repariert werden kann! Die Kosten würden sich dann vielleicht auf 1.000.-€ belaufen – ein Unterschied wie ich meine!

Ich bespreche das mit dem Eigner, mit dem wir uns inzwischen angefreundet haben und schaue dann, dass ich nach Hause komme. Sibylle wartet schon auf mich, wir haben heute abermals einen Kurs von „The-Leros-Way“ zu besuchen.

Offen gesagt, zugrunde liegen besondere Umstände – die Mindestteilnehmerzahl wurde nicht erreicht, Marietta wollte den Kurs aber auf keinen Fall kippen. So haben wir die Teilnahme am KOCHKURS zum halben Preis bekommen. Super! Wir packen Hans-Peter ein und füllen zu dritt die offenen Plätze.

Pünktlich um 18.00 Uhr treffen wir beim Haus von Mariettas Großeltern ein. In der alten, originalen Katikia finden alle Outdoor-Kurse statt.

Ein schönes Fleckchen Erde
Die alte Küche – hier werden, stilecht, die Vorbereitungen getroffen

Im Rezeptbuch steht, wie sollte es anders sein, eine originale griechische Moussaka, dazu ein frisch gebackenes Brot, Tzaziki und ein griechischer Salat.

Die Moussaka wird später im bereits angefeuerten Holzbackofen gebacken.

Im Ofen die glodernde Lut

Wir komplettieren die Basisgruppe, welche aus fünf Italienerinnen und einer Französin besteht. Die Französin spricht Deutsch und Englisch und hat uns sehr positiv mit der Tatsache überrascht, dass sie keine Hemmungen hat, diese Sprachen auch zu sprechen – sehr sympatisch!

Die Italienerinnen hatten leider nicht diese Fähigkeiten und daher eine Übersetzerin mitgebracht. Diese sprach ein hervorragendes Englisch, so dass eigentlich keine Sprachbarriere hätte entstehen müssen – eigentlich! Hätte!

Die illustere Kochtruppe

Nun war es leider so, dass Marietta auch Italienisch spricht – und so kam es wie es kommen musste. Statt Englisch war die Kurssprache auf einmal Italienisch, was es uns natürlich schwieriger machte zu folgen.

Da wir ja begünstigt waren, stand es uns nicht zu, hier ein Veto einzulegen. Wir haben uns stattdessen ein bisschen auf uns selbst konzentriert.

Man spricht Deutsh

Wir bekommen die Schalen für die Moussaka und die Zutaten werden auf den Tisch gestellt, Kartoffeln, Auberginen, Hackfleischsosse. Marietta erklärt, wie man dies schneidet und zubereitet.

Alles ist vorbereitet – jetzt geht es los

Wir legen die einzelnen Lage in unser Schälchen, jeder kann die Menge der einzelnen Zutaten im gewissen Rahmen variieren. Ich lege weniger Aubergine, dafür mehr Käse und Hackfleischsosse.

Dann kochen wir die Bechamelsosse, hier werden, anders als bei einer Lasagne, Eier und Käse beigemischt.

Marietta erklärt

Die fertige Sosse kommt on top, auch hier halte ich mich zurück – ich bin nicht so sehr der Bechamel Fan. Dann sind „unsere“ Moussaka fertig für den Ofen!

YES – markiert mit einem „M“ – Maximus 😉
Auch Sibylle trägt ihr nahezu leeres Schälchen zum Ofen
Stolz auf das Geschaffene – wird sofort verewigt

Während die Schalen im Ofen stehen und der Inhalt langsam beginnt vor sich hinzuköcheln, bereiten wir das Tzaziki. Auch hier war einiges schon vorbereitet, so dass sich unser Tun auf das Verrühren der Zutaten beschränkte.

EINE Zehe Knoblauch pro 200g Joghurt – ich entscheide mich für DREI

Weil noch etwas Zeit blieb, bis die Moussaka völlig durchgebacken war, haben für etwas Kurzweil gesorgt. Wie? Ganz klar – mit einer Runde „Leriko“!

Wie war das gleich? Wer genau hinsieht merkt, da fehlt doch einer
Schön – lustig! Hans-Peter hatte plötzlich „Rücken“ und hat sich selbst zum Fotografen ernannt

Mariettas Cousine rief zu Tisch, die Moussaka war fertig, jeder holte sein Schüsselchen aus dem Ofen. Ich war angetan, meine Creation sah gar nicht mal so schlecht aus.

Goldgelb, leicht resch – so muss Moussaka sein
Der griechische Salat passt hervorragend dazu

Die Gruppe isst miteinander, man quatscht noch viel. Ein sehr bunter, geselliger Abend. Ok, als Kochkurs bewertet, kann man, muss man aber nicht teilnehmen. Ich war schon auf solchen Veranstaltungen, die haben zwar das fünffache gekostet, aber auch mehr geboten.

Als Event und gemeinsames Koch- und Dinnererlebnis ist es den Besuch aber allemal wert!

Am Heimweg gönnen wir uns ein Eis als „Absacker“, dann geht es zurück in die Marina, es ist schon spät!

Der Vollmond über der Marina

Frühmorgens, ich schalte mein Telefon an, es schellt! Nachrichten von Martin treffen ein. Ihr erinnert euch an ihn, er ist der Besitzer der STENELLA II, welche bei uns in der Marina liegt.

Martin hat bei der Abreise ein paar Kleinigkeiten vergessen, braucht ein paar Bilder und möchte, dass ich ein paar Reparaturen für ihn bei der Marina einsteuere.

Ich will helfen. Ich bespreche mich mit ihm, schreibe alles zusammen und fange mit den Bildern an – der einfachste Part des Jobs wie es scheint!

Wie hat die Marina das Schiff aufgepallt?
Ist das Schwert oben oder unten und wie ist der Zustand des Antifouling?
Wie bekommen wir die Schadstellen am Antifouling repariert?
Und last not least…
…wie ist der Zustand der Opferanoden?

Ich sende die Bilder und beantworte die Fragen. Es entstehen daraus neue Fragen, welche ich abermals bündle und aus denen wir einen Arbeitsauftrag an die Marina ableiten – mal sehen, wie weit ich damit komme!

Diese Saison verläuft etwas anders als die anderen zuvor. Viele der befreundeten Segler sind auf größeren Runden unterwegs, die Marina ist relativ ruhig. Ich finde das erfreulich. Unser Freundeskreis hat sich damit allerdings auch auf ein Minimum reduziert, dennoch wird es nie langweilig.

Schade ist allerdings, dass dieses Jahr auch die beiden anderen „Dauercamper“ in der Marina, die Crew der JASPER, die Saison vorzeitig beenden. Ein Familienfest steht an, die Zeit danach soll mit Motorradtouren gefüllt werden. Die Abreise von Uli und Angelika steht kurz bevor, wir verabreden uns daher zum Dinner im – wie soll es anders sein – „SouVLakki“.

Doch was ist das???

Alarm! Das „SouVLakki“ ist geschlossen

Ich gebe sofort eine Warnung aus – der Grilltempel unserer Wahl scheidet als Ziel aus. Wir einigen uns zähneknirschend darauf, das benachbarte „Food House“, ebenfalls ein Grill, zu besuchen.

Doch zuvor nutzen Sibylle und ich die Gunst der Stunde – wir besuchen das „Coffee Lab“, das neue Café neben Mariettas kleiner Taverne.

Mal sehen was es da so gibt

Die Zeit ist deshalb günstig, weil es ein Sonntag ist. An diesem Tag hat Marietta geschlossen, unser Besuch beim Nachbarn grenzt also nicht an Hochverrat. Ansonsten gehört unser Herz (und unsere Talerchen) natürlich ihr 😉

Wir sehen uns um, nett eigentlich, dann bestellen wir…

Schön dekoriert – das Markenlabel ist omnipräsent
Sehr guter Cappucchino und ein feines Bougatza

„Coffee Lab“ ist eine griechische Café-Kette. Der Cappuccino ist super, das Bougatza auch. Eigentlich ist auch die Deko schön, aber trotzdem strahlt das ganze Ensemble so eine McDonalds Atmoshäre aus.

Wir vergeben ein „gut“, wissen aber auch, dass dieses Café keine langfristige Konkurrenz für Marietta sein wird. Zumindest nicht aus unserer Sicht.

Der Tag verdröselt – wir gehen die drei Schritte zum „La Palma“ Café um für den Abend einen Tisch zu reservieren, es ist Fußball EM und Deutschland spielt gegen die Schweiz. Wir haben uns mit den schweizer Freunden von der AEGEAN BLUE verabredet um das Match zusammen anzusehen.

Da die Gruppe mittlerweile auf 8 Personen aufgebohrt ist, scheint eine Reservierung angebracht.

Dann gehen wir zurück in die Marina, springen noch einmal ins Meer um uns abzufrischen. Recht rasch rückt unsere Verabredung zum Dinner näher, wir treffen uns mit Uli, Angelika und Hans-Peter im „Food House“.

Die beiden Giros-Grillhäuser sind unmittelbare Nachbarn

Ich kann nicht genau erklären warum, aber bei mir hat sich das „SouVLakki“ gegenüber dem „Food House“ durchgesetzt. Zugegeben, die Betreiber sind hier auch ausgesprochen nett, das Essen ist ebenfalls gut.

Dennoch geht der Service in unserem Lieblingsgrill etwas flotter, das Essen ist eine Nuance besser – wir bleiben dem „SouVLakki“ treu. Nichtsdestotrotz essen wir an diesem Abend durchaus gut!

Platz war noch reichlich
Meine Wahl war top – die Salate der anderen etwas mächtig mit Mayonnaise angereichert

Wir waren früh dran mit dem Essen, denn der weitere Verlauf des Abends war gut durchgetaktet – ein rasches Eis im rosafarbenen Eistempel, danach ging es schnurstracks ins „La Palma“, wo unsere 8er-Tafel noch freigehalten wurde. Wir kamen en minute, das Spiel war gerade dabei angestoßen zu werden…

Erste Reihe vor dem großen Bildschirm
Es scheint eine gute Stimmung in Deutschland zu sein
Aha, viele Namen kenne ich nicht mehr

Ich oute mich – ich bin kein Fußballfan! Es interessiert mich gar nicht! ABER – ich kann gut so tun als wäre ich einer, genau das haben wir gegenüber der eidgenössischen Fraktion so umgesetzt. Deutschland vor, noch ein Tor…

Ok, wäre fast schief gegangen. Das Spiel, der Verlauf, das Ergebnis – wie gesagt, ist mir eigentlich egal. Aber als den Schweizern der sicher geglaubte Sieg und damit auch das hämische Grinsen, in der Nachspielzeit „entrissen“ wurde – das war doch ein lustiger Moment 😉

Egal, ein 1:1 hat niemanden geschadet, das Ergebnis war versöhnlich und Grundlage für einen letzten, einen allerletzten Ouzo.

„Das war ein Foul, ganz sicher!“ – es wird gefachsimpelt

Am nächsten Morgen sind wir schon wach, als der Wecker zum Aufstehen mahnt. Wecker??? Ja, denn Sibylle geht jobben.

Waaaas? Warum das? Weil sie Marietta versprochen hat für eine Woche am Empfang im HUB auszuhelfen, da Shira für diese Zeit nach Italien reisen muss. Danach will meine Frau nur noch ein, zweimal die Woche unterstützen.

Wir frühstücken, dann macht Sibylle sich auf, um ihren ersten „Arbeitstag“ nach Rente anzutreten.

Nervös? Ich doch nicht!
Das HUB in Lakki, die Drehscheibe von „The-Leros-Way“

Ich begleite Sibylle, nur für den Fall, dass es irgendwelche Stolperfallen für sie gibt. Außerdem will sie mir das HUB, welches ich bisher nur von einem Kurzbesuch kenne, einmal kurz zeigen…

Motivationssprüche – wie früher 😉
Schöner Arbeitsplatz
Ok, passt alles – ich ziehe mich zurück

Ich brummle zurück in die Marina, ich muss heute unbedingt sehen, dass sich etwas auf ALENA tut! Die Seeventile müssen noch montiert werden und der neue Eigner ist schon im Anflug. Also habe ich meine treue GS schnurstracks zu dem mir zur Übergabe anvertrauten Schiff pilotiert…

Genau rechtzeitig – gerade geht es los

Potztausend! Ich komme just in dem Augenblick an, in dem Petros und Antonis die beauftragte Arbeit beginnen. Werner und ich haben uns entschieden, dass wir diesen Part vergeben, es geht hierbei mehr um gewährleistungsrechtliche Gründe.

Ich stimme mich mit den Monteuren ab, bin zufrieden und gehe zurück auf unser Schiff – dabei werfe ich einen Blick auf die Bucht, gerade kommt die BlueStar Fähre an. Ich mag das…

Der Zubringer holt Menschen ab und bringt neue Besucher auf die Insel

Zurück auf NESSAJA erlebe ich eine Überraschung, eine positive wie es scheint! Ich habe im März diesen Jahres Ersatzteile für meine Heizung bestellt – es war ein holpriger Weg bis hierhin, aber jetzt scheint sich alles zum Guten zu richten.

Ein Signal welches Hoffnung macht

Ich will es vorweg nehmen – es war nur ein Strohfeuer, bis zum Ende des Monats habe ich weder aktualisierte Rechnung noch die Teile. Ich habe jetzt eine Frist gesetzt, wenn es bis Anfang Juli nicht klappt, werde ich von meiner Bestellung zurücktreten und die Teile woanders kaufen. Der zunächst so emsige und bemühte Eberspächer Händler stellt sich als Luftnummer heraus.

Ein Thema welches ich in den Julibericht tragen muss…

Sibylle ruft an – ihr Job sei für heute beendet, sie habe eine „Naturalvergütung“ vereinbart. Ich soll rüberkommen, wir essen bei Marietta zu Mittag.

Lachsbruschetta für meine liebe Frau
Den Bohnensalat teilen wir uns
Ich entscheide mich für Spaghetti

Derart gestärkt beschließen wir, dass das Abendessen heute etwas kleiner ausfallen darf.

Ich bin gedankenverloren, ich habe die Fertigstellung von ALENA im Kopf, ich will, dass alles klappt und ich das Boot nebst Verantwortung pannenfrei übergeben kann. Wir fahren daher am Rückweg abermals bei der schönen, aber aufgebockten Schwedin vorbei – oha, dort hat sich mächtig was getan!

Ventile sind eingebaut
Auch von außen alles ok

Petros, der Mechaniker, informiert mich noch, dass er die Schläuche morgen anbringen würde, die Dichtmasse müsse noch etwas ausvulkanisieren. Ok, das verstehe ich – dennoch bitte um eine rasche Bearbeitung am Folgetag, der Eigner würde mittags da sein.

Der schlaksige Monteur schmunzelt, nickt und sichert mir die rechtzeitige Fertigstellung zu. Ich bin zufrieden, wenn auch mal wieder alles sehr knapp und mit heißer Nadel gestrickt ist.

Zurück auf NESSAJA ist mir fad…

Und was mach´ ich jetzt???

Sibylle liebt es wenn mir fad ist, es ist ein sicheres Mittel sie in den „Peitschenmodus“ zu versetzen. Allerdings nicht in den, welcher sich in einer schlüpfrigen Gedankenwelt aufdrängt, eher in den, in dem sie mir mit peitschender Stimme Arbeitsanordnungen erteilt.

Ich höre sie zischeln – „…mach endlich die Dinge die Du seit Tagen vor Dir herschiebst!“

Ok, da war noch was. Dinge die mir unangenehm erscheinen. Das jetzt bitte nicht bewerten, aber es gibt so Sachen, die passen irgendwie nicht „in den Kram“.

Martin hat mir neben der Bitte um die Bilder, noch eine Art „Checkliste“ geschickt. Dinge, die er vielleicht vergessen hat oder solche, bei denen er mal um einen Kontrollblick bittet. Doof ist nicht die Liste an sich, es ist mehr die Tatsache, dass Arbeiten auf Deck oder im geschlossenen Schiff bei 35°C eher minder angenehm sind.

Trotzdem rapple ich mich auf und folge dem Befehl meiner Frau, die mich begleitet. Will sie helfen oder mich antreiben, frage ich mich leise…

Punkt 1 auf der Liste – immer mal die Klospülung betätigen. Ok, das ist einfach – dachte ich…

Not nice…

Etwas Spülwasser war zurückgesickert und faulte in der Keramik vor sich hin – ja toll! Zum Glück hat die Spülung das meiste beseitigt, den Rest habe ich mit der Lokusbürste abgeschrubbt. Ich kann dem Eigner Vollzug melden.

So geht´s wieder

Punkt zwei – Batterien checken. Hier zumindest zeigt sich, dass STENELLA neu und durchdacht ist. Die Solarmodule laden die Batteriebank, der Akkustand ist im grünen Bereich.

13,63V – alles ok

Wir machen STENELLA fertig, klarieren das Deck und melden Martin, dass auf seinem Kutter alles ok ist. Er kann beruhigt schlafen und auch die Marina mit den restlichen Aufgaben betrauen.

Mein Telefon klingelt – ich erhalte WhatsApp Nachrichten von meinem Freund Giorgos. Er hatte zwischenzeitlich den Zylinderkopf des großen ONAN Cummins Generators der EDINA zerlegt und aufgrund des schlechten Zustandes entschieden, dass er den Motorblock auch noch ausbauen und überholen möchte.

OK, da ist schon echt viel Schlodder drin

Er hatte sich mit dem Eigner abgestimmt und kurzen Prozess gemacht. Zusammen mit seinem Onkel ist er mit dem Kranwagen angerückt und hat das Trum aus den Tiefen der CNB 60 geholt.

Natürlich hat der Virtuose an den Schraubenschlüsseln das Aggregat sofort zerlegt – es zeigte sich, die Entscheidung war gut!

Rost und Salzwassermelasse überall
Einen Teil der Bauteile kann man weiterverwenden

Giorgos hat die Ausfallursache gefunden, einen Kostenvoranschlag erstellt und, nach Zusage, die Teile bestellt.

Ok, die Gesamtreparatur wird nun etwas teurer, trotzdem kommt der Eigner mit etwa 20% der zunächst veranschlagten Summe für einen Komplettersatz aus – und bekommt einen komplett überholten Motor.

Anfang Juli soll der Einbau erfolgen – ich bin gespannt ob er das schafft. Wäre eine sensationelle Umsetzung. Ich werde berichten!

An diesem Abend waren wir von der Crew der ALLEGRA zum Dinner ins „To Steki“ nach Alinda geladen – es war ein sehr netter und schöner Abend!

Nächtlicher Blick über die Bucht von Alinda – man sieht Agia Marina und das Kastell

Am nächsten Morgen stehe ich um kurz nach 08.00Uhr auf der Matte – wie geht es ALENA? Was macht der Reparaturfortschritt? Ist sie fertig?

Hm, sehen kann ich nix…

Da steht sie und wartet auf ihren neuen Eigner

Ich klettere die Leiter hoch und werfe einen Blick in den Motorraum – ha, alles bestens! Petros war schon hier, offensichtlich wirklich ganz früh am Morgen und hat die Schläuche angebracht, sowie einen verdrückten Belüftungsschlauch abgeschnitten und in Position gebracht!

An die Arbeitsliste von ALENA kommt ein Haken!

Die Schläuche sind angebracht und fixiert
Auch der Belüftungsschlauch sieht wieder gut aus und hängt ordentlich in Position

Ich bin zufrieden! Es sieht alles gut aus, die Hallberg Rassy ist fertig zur Übergabe. Der neue Eigner, Karl, kann kommen!

Und das tut er auch – pünktlich wie die Maurer! Es hat sich aufgedrängt, sich erstmal bei einer Kaltschale zu begrüßen und das Ankommen zu feiern…

Zum Wohl, schön, dass Du da bist

Wir gönnen uns ein Nachmittagsbierchen im „Skipper´s“ und klönen ein Weilchen. Dann hält Karl es nicht mehr aus – wir gehen zu ALENA und er nimmt SEIN Schiff in Besitz!

Der Rest des Tages verlief unspektakulär. Wir haben viel besprochen, es galt, die von mir durchgeführten Arbeiten abzunehmen und einige Fragen zu beantworten. Natürlich konnte ich ein paar Dinge erklären. Karl hingegen hat sofort begonnen, eine Liste für den Baumarkt zu schreiben – ein langer Wasserschlauch, ein langes Landstromkabel und vieles mehr…

Den Rest des Tages verbrachten wir im Marinabüro. Ich habe alle offenen Posten für Werner bezahlt, Karl seinerseits die bereits in seiner Verantwortung gegebenen Aufträge – so konnten wir nach ein paar Stunden die Übergabe finalisieren.

Die Accounts des alten und des neuen Eigners waren getrennt, der alte Account von Werner wurde geschlossen, ich habe meinen Schlüsselsatz und die administrative Verantwortung übergeben.

Ich schließe den ersten Teil des Kapitels ALENA – es hat mir viel Spaß gemacht und mir viele denkwürdige Momente beschert. Werner ist mein Freund geworden, ich werde den Seebären hier vermissen!

Wir beschließen den Tag zusammen mit Karl und Hans-Peter im „SouVLakki“, natürlich gefolgt von einem Eis der Extraklasse – dann war es Zeit für die Nachtruhe – wir waren erschöpft!

Heute hat alles geklappt – aber es war ein fordernder Tag

Auch der Folgetag stand im Zeichen von Karls „to do Liste“ an ALENA. Er hatte sich die Reinigung des Decks vorgenommen, ein kleiner Schaden sollte durch die Marina ausgebessert werden. Zudem wollte er den Propeller polieren.

Viel zu tun – packen wir es an!

Aber halt! Zunächst galt es ja noch die Bootssteuer für ALENA zu bezahlen. Die Entrichtung des eTepai ist eine typisch griechische Bürokratiehürde – man kann es online erledigen, es ist aber, vor allem beim ersten Mal, ein wenig kompliziert.

Deshalb treffen sich Karl und ich zur gemeinsamen Datenerfassung im „Skipper´s“, bei einem Freddo Cappuccino geht das einfach besser.

Nach eineinhalb Stunden war der Bürokratiekram erledigt

Danach sind wir zusammen auf die Post nach Agia Marina gefahren um die Steuer gleich zu bezahlen – somit war es statthaft ALENA zu Wasser zu bringen und sie in griechischen Gewässern zu nutzen.

Danach war Shopping angesagt – zum Elektriker und 25m Kabel nebst Steckern gekauft…

Sibylle wartet derweil vor der Türe

…dann sofort zu Andreas Kritikos in den Baumarkt, unseren OBI, um dort den Wasserschlauch und diverse Schwämmchen und Mittelchen zu besorgen.

So gewappnet ging Karl ans Werk. Wir ließen den Mann schaffen und zogen uns zurück. Der Nachmittag war frei, wir gingen baden!

Ein zweites Mal tappen Sibylle und ich in die Touristenfalle – IS THERE ANYBODY OUT THERE? Yes, leider – und die Tavernen und Bars haben dummerweise auch den Servicegrad etwas angepasst – nach unten!

Zum zweiten Mal bekomme ich lackes Bier und die Chipsbegleitung fehlt – ich werde vor September nicht mehr dorthin gehen. Bestimmt! Glaube ich…

Nicht noch einmal

Am Abend verabreden wir uns wieder mit Neueigner Karl zum Dinner. Er möchte Fisch, das leuchtet ein. Wir empfehlen das „Pirofani“ in Panteli und freuen uns ebenfalls auf die leckeren Meze und ein paar Fischhäppchen.

Super Platz – herrlicher Hauswein

Der Wirt kennt mich, wir mögen uns. Trotzdem haben wir diesmal Pech. Nicht mit dem Essen, das war ausnahmslos gut, aber der Service hing diesmal hinter den Erwartungen zurück.

Zunächst kamen die Meze sehr schnell, ok, das kann man akzeptieren…

Zucchinichips

…dann aber kam die Hauptspeise von Karl mit den Vorspeisen. Das war ärgerlich, wir haben es aber damit abgetan, dass er eine Vorspeise als Hauptspeise bestellt hatte – das kann vom Service in die Küche schonmal verloren gehen.

Als dann aber meine Spaghetti auch aufgetragen wurden, als der Tisch noch voller Meze war, hat es mich doch geärgert.

Ihr habt ja gelesen, dass uns das auch in Chania passiert ist – vom „Pirofani“ habe ich das nicht erwartet.

Auch wenn das Essen super geschmeckt hat – es war irgendwie unschön…

Geschmacklich super – aber viel zu früh

Als wäre das nicht genug, hat man dann eine der Vorspeisen vergessen – naja, wenn ja auch die Hauptgerichte schon hier sind – und auch der zweite Wein hat es nicht zu uns an den Tisch geschafft.

Das Ärgerlichste aber war, dass Sibylles Essen, im Gegensatz zu allem anderen, sehr viel länger gebraucht hat. Die Arme musste ganz alleine essen, der Tisch war zwischenzeitlich abgeräumt.

Wir waren längst fertig als Sibylle ihr Essen bekam

Das war nix! Ich meine aber, dass der Wirt selber gemerkt hat, dass irgedwas schief lief. Sei es drum – das „Pirofani“ hat diesbezüglich Kredit, weil wir dort so oft lecker gegessen haben.

Es wird eine weitere Chance bekommen.

Wir verlassen das Fischlokal und gehen nach Hause

Für den nächsten Morgen hatten wir einen ausgeklügelten Plan – wir wollten am Sibylles letztem Arbeitstag, dem Freitag, die Annehmlichkeiten des HUB nutzen und dort gemeinsam unsere Steuererklärung machen.

Ich packe also ebenfalls meinen Rechner und alle notwendigen Unterlagen ein und verhole mich mit Sibylle an einen Schreibtisch in Mariettas Büro.

NATÜRLICH nutzt die clevere Griechin die Situation

Marietta kommt dazu, erfasst die Situation und nutzt diese sofort für einen Werbepost für ihre Remote-Arbeitsplätze, sehr geschickt!

Wir klopfen, ungeachtet dessen, weiter unsere Zahlen des Vorjahres in das Computerprogramm – nach drei Stunden war es geschafft! Wir senden die Daten online ab, eine Last fällt von unseren Schultern!

Abermals dürfen in Mariettas Bistro zum Mittagessen kommen. Auf diese Art sparen wir uns Einkäufe, ein indirektes Einkommen also – das ist für uns eine sehr adäquate Art der Entlohnung.

Ich bestelle ein Cola zum Essen und staune nicht schlecht als ich das Glas anhebe, um mich an der eiskalten Brause zu laben.

Das Glas geht nach oben, der Boden bleibt stehen – zum Glück war der Humpen noch nicht befüllt
Heute was Leichtes – Salat für mich, Gemüse für Sibylle
Schmeckt uns gut

Am Mittag habe ich einen wichtigen Termin, Vertragsgespräche mit der Marinaleitung. Um 14.00 Uhr hatte ich zu entscheiden, wie mein Vertrag für die Saison 2024/2025 ausgestaltet sein soll und welche Modalitäten zugrunde liegen.

Es war höchste Zeit, denn mein Vertrag ist bereits Ende Mai ausgelaufen. Ich war fast etwas aufgeregt, denn ich wusste nicht ob und inwieweit sich meine Beschäftigung für die Marina auswirken würde.

Nur soviel – es ist alles gut und doch ganz anders als erwartet. Ich habe das Gefühl, dass dieser Tag ein Puzzlestein für weiterführende Entscheidungen war. Wirklich happy war ich nicht, Möglichkeiten für klare Statements wurden vertan.

Am Abend treffen wir uns mit der Crew der CHILI zum vegetarisch, veganen Dinner im „Stis Anna“. Die Beiden sind von ihrer Segelreise mit Familie zurück gekommen, wir haben einander viel zu erzählen.

Sibylle borgt Ralf den Roller um damit nach Crithoni zu fahren, wir fahren mit der GS wie eine Entenmama voran.

Bei Anna sitzen wir direkt am Beach

Ina und Ralf waren angetan, dass es ein vegetarisches Lokal auf Leros gibt. Für mich war es mehr als ok, denn es gibt auch Gerichte mit Fisch, außerdem mag ich so Sachen wie Falafel oder Hummus auch.

Zudem hatten Sibylle und ich ja mittags eine Kleinigkeit gegessen, alles ok also. Und wirklich, wir haben sehr gut gegessen und hatten viel Spaß.

Mein Tellerchen aus verschiedenen Vorspeisen
Hinterher noch ein Risotto – ganz anders als erwartet

Weil es gar so schön war, haben wir beim abschließenden Eis festgelegt, dass wir diesen Abend wiederholen müssen – am besten gleich morgen!

So kam es, dass ich einen Tisch im „Pirofani“ reservierte, auch um zu erfühlen, ob die Pannen beim letzten Besuch einmalige Ausrutscher waren. Danach wollten wir in „Harris“ Bar in der ersten Mühle einen Absacker trinken.

Perfekt – wir freuen uns auf morgen und gehen zufrieden ins Bett!

Der neue Tag begann spannend, ALENA hat Krantermin, wir treffen uns um 09.00 Uhr an der Hallberg Rassy. Zu unserer Überraschung war Giannis sehr pünktlich. Der Wagen kam und lud die schöne Schwedin kurzerhand auf…

29.06. – ALENA geht wieder zu Wasser

Als ALENA auf dem Weg zum Kran ist, kommt uns ein händchenhaltendes Paar entgegen – schon von Weitem kann ich Gerald an seinem RingelT-Shirt erkennen.

Wir, die Eigner von NESSAJA, stellen die Ex-Käufer von ALENA, welches gleichzeitig die Ex-Käufer von NESSAJA sind, dem jetzigen Besitzer von ALENA vor – alles klar? Nein? Macht nix – wir müssen ohnehin dem Kran folgen…

Der Wagen bringt sie zum Kran
Mit diesem wird sie später in ihr Element zurück gehoben
Klar, dass Karl als Neueigner das alles filmt
3-2-1 – dann schwimmt sie wieder, wir dürfen zusteigen
Sind die neuen Ventile dicht? Motorventil offen? Wir bereiten alles vor – Hans-Peter hilft ebenfalls
Motor starten – alles klar? Ok! Dann wird sie vollends abgesenkt
Wir werfen die Leinen los…
…und Karl fährt die ersten Meter mit SEINEM Boot

Diese ersten Meter von der Krangasse bis zum Liegeplatz hatten es in sich. Wir hatten strammen Nordwestwind mit ca. 30kn. Zudem fährt die Rassy wirklich schlecht rückwärts und es waren die ersten Meter des Neueigners mit dem ihm nicht vertrauten Schiff.

Nachdem wir den künftigen Liegeplatz kannten, haben wir die Nachbarn informiert und vorgewarnt. Zudem wusste der Marinero Bescheid.

Umso verwunderlicher war es, als ein eigentlich zur Steg-Community gehörender Bootseigner, beim Anlagemanöver des Novizen vollends die Beherrschung verlor.

Der Gigant, ein Mann mit meiner Statur aber 20cm größer, wurde laut im Ton – nicht nur, als ALENA seinem Schiff wirklich nahe kam, das hätte ich verstanden, sondern auch, als die Gefahr gebannt war und er lauthals „gute Ratschläge“ nachschob.

Na prächtig – auf gute Nachbarschaft…

Wie auch immer, nach einer Minute der Aufregung und einem im Kern guten, aber ausbaufähigen Manöver, lag ALENA an ihrem Platz. Wir vertäuten sie sicher.

Alle Leinen über und belegen…

Ich half Karl noch kurz, den neu reparierten Kühlschrank in Betrieb zu nehmen, da man diese wassergekühlte Variante entlüften muss. Dann trennten sich unsere Wege.

Karl hatte es sich in den Kopf gesetzt, seine Rosi in Kos abzuholen. Also ging er auf die Fähre, um sie dort zu treffen und um morgen gemeinsam mit ihr zurück zu kommen.

Das war perfekt für uns, bescherte es uns doch einen freien Nachmittag – den wollten wir nutzen, um Susanne in ihrem Haus zu treffen. Sie war inzwischen mit Tochter und Enkelchen für den Sommerurlaub hier eingetroffen.

Mit Susannes Haus in Xirokampos verbinden wir UNSERE Geschichte auf Leros – hier hat alles begonnen

Wir hatten einen herrlichen Nachmittag – vertraut wie immer, entspannt und doch informativ und ergiebig. Als Sophie beiläufig erwähnt, dass „…sie das Gefühl hat, mich ihr halbes Leben zu kennen…“, weiß ich, dass dies rechnerisch nicht ganz stimmt. Aber der Satz erreicht mich an diesem Tag – die Woche im Mai 2011 sollte mein Leben in eine neue Richtung lenken. Nie hätte ich gedacht, dass diese kleine Ägäisinsel einmal mein Zuhause sein würde!

Spätnachmittags gehen wir zurück auf NESSAJA, packen unsere Badesachen und ziehen sofort weiter nach Panteli. Wir machen dies – man höre und staune – ohne zu duschen, uns einzuparfümieren, oder uns umzuziehen und aufzuhübschen.

Kurz – Sibylle springt über ihren Schatten.

Denn – wir sind zum Baden mit Ralf und Ina verabredet. Ein- oder zweimal ins kühle Nass gesprungen, einfach lufttrockenen lassen und dann mit zerzaustem Haar und feuchtem T-Shirt ins benachbarte Lokal gegangen.

DAS ist Leben wie ich es mag!!!

Abermals „Pirofani“ – diesmal mit Ralf und Ina, der Crew der CHILI

Ich mache es kurz – die „Pirofani“ Crew nutzt ihre Chance und macht alles 105% perfekt. Wir hatten einen herrlichen Abend in perfektem Ambiente und mit vorzüglichem Essen.

Geräucherte Auberginen mit Paprika und einer weißen Taramas-Creme
Pilze in Weißwein Sugo mit gegrilltem Manouri
Tuna Tartar

Dies und noch einige andere Gerichte gab es an diesem Abend – wir waren superhappy. Dies war nur der Einstieg, so sollte es weitergehen…

Wir waren eingetaktet – warum, kläre ich sofort auf. Als nächstes fuhren wir von Panteli aus nach oben zu den Windmühlen. Der Meltemi pfiff über uns hinweg, aber im „Harris“ saßen wir im Windschatten. Alles passte – die Sonne und der Dunst am Himmel ließen eine ganz besondere Atmosphäre entstehen.

Nicht bearbeitet – die Mühlen von Leros im Sunset
Der Blick Richtung Türkei zeigt die Schaumkronen am Meer und lässt die Wucht des Meltemi erahnen
Wir haben einen Tisch in erster Reihe und genießen den Ausblick…
…und die sensationell guten Cocktails
Station zwei von drei – check

Gegen 21.45 Uhr mussten wir weiter! Es war schon dunkel geworden und wir bezahlten. Die CHILI Crew hat wieder Sibylles „Breezy“ als Vehikel, auch er hat die Steigung zu den Mühlen gut gemeistert, so werfen wir noch einen letzten Blick auf die nächtliche Bucht von Panteli, bevor wir die Serpentine nach unten fahren und den Rückweg nach Lakki antreten.

Blick von oben bei Nacht

Wir hatten, das habe ich noch nicht erwähnt, eine weitere Station an diesem Abend! Es war das Achelfinale der Fußball EM und Deutschland hatte gegen Dänemark anzutreten.

Ed von der EDINA hatte angeregt, doch wieder einen Tisch zu belegen und das gesellige Beisammensein vom letzten Mal zu wiederholen. Da sagen wir nicht Nein und kommen zusammen mit Ralf und Ina ins „La Palma“ Café, um die deutsche Mannschaft zu unterstützen.

Wir bestellen Ouzo und ein Bierchen, dazu gibt es Meze
Das Spiel beginnt

Es war kein tolles Spiel, begleitet von einer Menge Entscheidungen „am grünen Tisch“ – aber zu guter Letzt, glaube ich, hat Deutschland verdient gewonnen.

Kurz vor Abpfiff schickt mir Christa aus der Schweiz ein Bild von ihrem „Gelage“ am Nachmittag – auch die Schweizer haben sich zusammengefunden um ihr Team zu supporten. HOP SCHWYZ – hat geholfen! Die Eidgenossen warfen Italien aus dem Turnier!

Wie schade 😉 – arrivederci Italia…

Gratulation an die Schweizer!!!

Das Deutschlandspiel wurde Ende der ersten Halbzeit wegen eines Gewitters länger unterbrochen. Dies führte dazu, dass sich der Abend länger hinzog als geplant. Wir waren erst gegen 0.45 Uhr im Bett und haben daher auch relativ lange ausgeschlafen.

Macht aber nichts, denn heute ist Sonntag! Zudem ist der letzte Tag des Monats. Seit einer Woche schon werden die Tage wieder kürzer, hier ist Hochsommer. Das merke ich sehr ausgeprägt, denn ich bin mit dem Haareschneiden in Verzug, die Matte muss weg!

Wir frühstücken, dann ruft Sibylle zum Rapport. Ich packe das Handwerkszeug zusammen, dann verziehen wir uns an die Kaimauer um mir einen luftigen Sommerschnitt zu verpassen.

Setz´ Dich hin, dann geht´s los…
…ich will nicht! Nein!!! Aaahhhhrgh…

Der brummelnde Rasierer flitzt mir, geführt durch die flinke Hand meiner Gattin, über die sonnengegerbte Kopfhaut – weg mit der Wolle.

Und schon kurze Zeit später ist das Werk vollbracht. Ich springe ins Meer um mich von den juckenden Borsten zu befreien, dann dusche ich mit Süßwasser und gönne mir selbst noch eine Rasur.

Feddich – ich kann mich wieder sehen lassen, die Hitze des Sommers ficht mich nicht länger an!

Yesss – so ist´s wieder vier Wochen gut

Ich nutze den freien Sonntagvormittag um ein paar Blogzeilen zu tippen. Ich will baldmöglichst veröffentlichen, denn ich befürchte, dass ELOWYN und Hans-Peters LIBERTÉ mich während des Juli ganz schön in Beschlag nehmen werden.

Um kurz vor 14.00 Uhr mahnt Sibylle zur Unterbrechung des Schreibflusses, wir seien schließlich auf die EDINA geladen – Ed kredenzt selbstgemachtes Ceviche – dazu lassen wir uns nicht zweimal bitten…

Auf EDINA ist der Tisch schon gedeckt
Selber gemachte, superfrische und exorbitant leckere Ceviche – ein Gaumenschmaus

Ich mampfe, als gäbe es kein Morgen mehr – das Zeug ist superlecker! Das hat Ed echt super hinbekommen. Wir haben einen lustigen Nachmittag, der Tausendsassa erzählt abermals unglaubliche Geschichten und wir lauschen gebannt.

Die Tatsache, dass eine der Geschichten das Ceviche Rezept ist und Sibylle sich hinreißen lässt, in den Raum zu stellen, dies bald nachkochen zu wollen, lässt mein Herz höher schlagen.

NESSAJA wird in Zukunft das „Ceviche Schlaraffenland“ von Leros werden…

Auch Sibylle schmeckt es, sie fasst nach!

Wir schlemmen

Nach dem Essen gönnen wir uns ein Nachmittagsbierchen – ein Fehler wie sich herausstellt! Wir sacken in uns zusammen und eine unbesiegbare Müdigkeit überfällt uns.

Unserem Gastgeber fallen fast die Augen zu, wir verabschieden uns und überlassen den Mann seinem Schicksal – einem tiefen Mittagsschlaf!

Ich möchte die vereinnehmende und lähmende Müdigkeit loswerden – ich weiß auch schon wie…

Splish-Splash
Arschbombeeee

Auch Sibylle springt noch einmal zum Abfrischen ins kühle Nass – das Meer war nach dem Starkwind der letzten Tage deutlich kühler, richtig erfrischend geworden.

Wir schwimmen ein paar Züge

Dann rast die Zeit – wie eigentlich immer! Wir machen uns fertig, denn heute steht ein weiteres Abendessen mit Karl auf dem Programm. Diesmal sind wir komplett, denn auch Rosi ist inzwischen aus Kos angekommen und freut sich, dass sie bereits auf ALENA einchecken konnte.

Die Beiden waren den ganzen Nachmittag mit Saubermachen und Einräumen beschäftigt – klar, dass das erste Dinner ein besonderes sein sollte. Fisch sollte auf der Speisekarte stehen, wir gehen abermals, ein drittes Mal hintereinander, ins „Pirofani“…

Treffpunkt 20.00 Uhr im Lokal – um 19.57 Uhr klingelt mein Telefon – BIMM – Karl fragt wo wir uns eigentlich treffen.Ich antworte – „…im Lokal, wir sind schon da!“

Sibylle und ich kommen NIE zu spät

Um die Wartezeit zu vertreiben, bestellen wir uns schonmal einen Ouzo, das kann nie schaden.

Und weil es dem leckeren Anisgetränk nicht an einer Unterlage fehlen soll, genehmigen wir uns vorab einen Taramosalata als Überbrückungsgedeck – eine Schlotzerei mit leckerem Brot.

Ein Ouzo verkürzt die Wartezeit
Wir laben uns am weißen Taramosalata

Zu dem Fischrogenaufstrich gibt es eine Anekdote – ich habe mich in Deutschland an dem meist rosafarbenen Brei mal so überfressen, dass ich jahrelang keinen Taramosalata mehr ansehen konnte. Nur der Gedanke daran löste Brechreiz aus.

Es muss klar gesagt werden – die rosafarbene Industrieschmiere mit Fischaroma hat nichts, überhaupt nichts, mit einem echten Taramosalata zu tun. Besonders der weiße ist ein Gedicht mit einer völlig feineren und abweichenden Geschmacksnote – viel besser! I love it!

Karl und Rosi trudeln ein – wir bestellen und essen hervorragend. Auch der Service ist perfekt! Ein perfekter Abend also?

Nun, nicht ganz! Der schreiende und wichtigtuende Türke am Nachbartisch hatte sich zwar irgendwann beruhigt, vermutlich als seine weibliche Begleitung ihm körperliche Zuwendung auch ohne auffälliges Balzverhalten versprochen hatte – an der Flanke war alsbald Ruhe.

Auf der anderen Seite, leider in Luv, also in Windrichtung, hat sich ein Damentisch eingerichtet. Der Typ Frau, an denen nichts echt ist außer den Klunkern an Hals und Ohr. Zu dicke Lippen, zu pralle Boobies, zu lange Fingernägel…

Eine von ihnen packt eine lange und fette Zigarre aus und zündet diese ZUM ESSEN an. Sie pafft während sie futtert! Es hebt mich fast – alleine die Vorstellung, pfui Spinne!

Leider zieht der ganze Schmauch exakt zu mir und vergällt mir die Freude an meinen leckeren „Thalasso Linguine“, naja, manchmal hast Du eben kein Glück und oft kommt auch noch Pech dazu…

Die Lady mit der dicken Havanna zwischen den Schlauchbootlippen…
…verleiht meinen Linguine eine „Smoked Wood“ Note – nur Fußpilz ist schlimmer

Der Abend bekommt ein würdiges Ende, eines das zu ihm passt – ein lustig-kurioses gar.

Karl spricht, wie angekündigt, eine Einladung aus – sie soll im Namen seiner Frau und ihm für die Hilfe und Unterstützung beim Kauf von ALENA sein. Er wusste zu diesem Zeitpunkt aber schon, dass auch Werner mich gebeten hat, eine Einladung in seinem Namen auszusprechen – ich sollte später dran sein.

Der Erzschwabe Karl klappt die Rechnung auf und denkt kurz nach. Er erklärt den heutigen Tag kurzerhand zum Übergabetag und meint, „…dass Werner sich doch sicher freuen würde, die Einladung am Übergabetag zu übernehmen.“

Ich war kurz überrascht, fast perplex, aber ich kann Wortwechsel diesbezüglich nicht leiden – also nehme ich mein Telefon und bezahle die Rechnung. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt 😉

Klar, 180.- mit Trinkgeld ist nicht McDonalds

Ich sehe es so, ALENA ist mit dem heutigen Tag final übergeben, ich schließe das Kapitel somit komplett ab. So schreibe ich es auch Werner in einer Mail. ALENA ist ein Part unserer Geschichte – ein würdiges Ende für einen Sommermonat.

Wie geht es weiter? Hier ein kurzer Ausblick…

Ich widme mich zunächst LIBERTÉ bis diese am 03.07. gekrant wird, dann werde ich abwechselnd an LIBERTÉ und ELOWYN arbeiten müssen – es gibt für beide Schiffe eine Projektliste.

Wir werden mit Gerald und Ulrike zum Essen gehen, mal sehen, was es da Neues gibt. Auch spannend dürfte sein, ob Giorgos seine eigene Zeitvorgabe einhalten kann und den Generator bis zum 03.07. einbaut.

An NESSAJA gibt es Kleinprojekte, werde ich Zeit finden?

Ganz wichtig – Sibylle hält es nicht aus ohne die Enkel. Sie wird Mitte des Monats nach Deutschland fliegen. Ich nehme zur Kenntnis, dass die Abstände kürzer werden – was sie natürlich leugnet 😉

Last not least – der Marinachef ist zurück am field, wir haben ihn heute mit seiner Familie im „Pirofani“ getroffen. Wir werden sprechen müssen und einen Zukunftsplan schmieden müssen…

All das und noch viel mehr dann im Blogbericht für den Juli 2024!

Vielen Dank für eure Geduld, eure Zeit und das überwältigend gute Feedback, welches ich von Zeit zu Zeit erhalte!

Gruß aus Hellas, Mario & Sibylle