Der Septemberbericht bietet sich förmlich an, um einen meiner „all time favourite“ Songs als Headline unterzubringen.
Geschrieben von Peter Gabriel und veröffentlicht im Jahr 1986, ist es ein Lied, welches genau in meine „Sturm und Drang Phase“ fällt.
„…I was taught to fight, taught to win
I never thought I could fail
Don’t give up
‚Cause you have friends
Don’t give up
You’re not beaten yet
Don’t give up
I know you can make it good…“
FREUNDE – das Schlüsselwort des Monats September! Unsere Freunde und die Community halfen uns, bewusst oder unbewusst, unsere Gedanken zu sortieren und zu priorisieren. Danke dafür…
Der erste Schritt war klar, wir können nicht nur darüber reden, was möglich wäre wenn wir NESSAJA verkaufen – wir müssen es versuchen!

Ich fasse mir also ein Herz und inseriere meine treue NESSAJA. Platz für Neues schaffen sagt man dazu – ich sehe das aber emotionslos. Bis heute habe ich eine Handvoll Interessenten – zwei davon beabsichtigen im Oktober zu kommen. Nächsten Monat wissen wir hierzu also mehr!
Darüber hinaus gibt es durchaus Neuigkeiten, ich will diese gerne teilen – und verspreche obendrein, dass dieser Monatsbericht für meine Verhältnisse kurz und knackig wird 😉
Der August hatte mit der Ankunft unserer Freunde Kristina und Volker nebst deren Gäste bei einem gemeinsamen Abendessen im „Pirofani“ einen wunderbaren Ausklang gefunden. Für die Vier war klar, dass sie die ELOWYN an den folgenden zwei Tagen reiseklar machen würden, dann sollte es für knapp zwei Wochen rund um die Dodekanesinseln gehen.
Doch diese Rechnung ging leider nicht ganz auf!
Ich höre kurz nach dem Frühstück den Hilferuf am Steg – „…hast Du Zeit, kannst Du mal schauen? Der Boiler tut nicht mehr, es haut immer die Sicherung raus!“

Ja, auch die ELOWYN kommt in die Jahre, auch sie hat ihre Zipperlein. Nachdem rasch klar wird, dass die Werkstatt der Marina nicht ad-hoc helfen kann, mache ich mich auf den Weg zum blauen Riesen und bahne mir durch eifriges Schrauben den Weg zum kurzschlussbehafteten Heizstab.


Nikolas, unser Marinachef, half durch die Leihgabe eines Spezialwerkzeuges – Ehrensache, dass wir die benötigten Neuteile in der Marina beschafften. Zum Glück war Ersatz auf Lager!

Ich konnte so, sehr rasch und unkompliziert, helfen – ich habe mich gefreut, hat meine Unterstützung doch dazu beigetragen, dass der Urlaub der Freunde ohne Verzug beginnen kann.
Dass dies im Verlauf des Monats noch eine Rolle spielen sollte, war zu diesem Zeitpunkt noch nicht klar.
Volker bedankt sich mit einer Einladung zu einer persönlichen „Mühlentour“ – zuerst zu „Harris“ Bar in der ersten Mühle…



Danach geht es zum Dinner ins „Mylos“ – natürlich verabsäume ich es nicht, auch diesmal ein paar Bilder zu posten. Ich liebe diese Taverne, sie ist das führende Lokal auf Leros!







Diese Nacht war nahe am Vollmond, dieser zauberte zusammen mit dem beleuchteten Kastell und der Kapelle am gleichen Berg, eine atemberaubende Stimmung. Das Bild kann leider die Realität nicht wiedergeben – fast das ganze Lokal hat zwischenzeitlich Fotos gemacht.

Wir genehmigen uns noch einen Absacker auf dem Schiff der Freunde und gehen dann zufrieden ins Bett – morgen wird noch einmal ein durchgetakteter Tag!
Der begann mit einem Kaffee und einem kleinen Frühstück an Bord der ELOWYN. Es mussten noch die, bei der Hafenpolizei hinterlegten, Papiere geholt werden, dann konnte die Crew die Leinen loswerfen – der erste Weg führte aber nur an den Stadtkai von Lakki…

Der Grund dafür war banal, es musste seitens des Segelmachers eine Messung vorgenommen werden, Volker und Tina hingegen hatten im Shop des tapferen Schneiders noch einen Polsterstoff und ein Schaummaterial für die Sitzfläche auszusuchen – dafür ist eine Sitzprobe unumgänglich.


Soviel Engagement verlangt einen letzten Koffeinschub! Wir setzen uns zu einem letzten Café Freddo zusammen , dann kommt der Moment des Abschieds…


Vor dem Ablegen hat Volker noch eine Einladung ausgesprochen. Wir können doch am Schluss des Urlaubs noch ein paar Tage mitsegeln, außerdem hätte man mit uns „etwas zu besprechen“.
Hm, ok, gerne – ich war neugierig…
Am Weg in die Marina merke ich, dass unsere treue GS irgendwie „schwammig“ fährt – ein Kontrollblick lässt uns einen Schauer über den Rücken laufen…

Puh, das ist nochmal gut gegangen – waren wir doch vor einer Woche noch auf großer Tour. Wir nehmen es als Zeichen, fahren zur befreundeten Mavroudis Familie und bestellen bei Vivi einen Satz neuer Reifen. In drei Tagen würden sie eintreffen! Das passt also – auf den Schreck ein Eis!!!

Wir verbummeln den Nachmittag, begleitet durch die Vorfreude auf den Abend – Hans-Peter hat nämlich uns und die Crew der JASPER zu selbstgemachten Rouladen eingeladen. Es gäbe Kartoffeln dazu. Getränke und einen Salat möchten wir doch bitte mitbringen. Nichts einfacher als das – DANKE für die Einladung!




Wir aßen vorzüglich und hatten einen geselligen Abend, der bei einem spontanen Ouzo an Bord der JASPER ausklang. Sibylle und ich hatten es ja nicht weit heim – geschätzte drei Meter – aber wir sind ins Bett gefallen wie gefällte Bäume. Ein schöner Tag!
Die nächsten Tage lassen sich nicht in Tagebuchfom darstellen – zu wenig ist passiert. Alltag kehrte ein. Freunde kommen, Freunde gehen, stetiger Wechsel. Wir gehen oft ins „SouVLakki“ zum Essen, natürlich gibt es fast täglich die Glückshormone freisetzende Süssigkeit in Form eines „Repapis“ Eisbechers.
Dennoch möchte ich einen kurzen Überblick über die Geschehnisse des vergangenen Monats geben – das Wort „Highlights“ vermeide ich bewusst – wir lebten die nächsten rund 10 Tage einfach unseren Alltag!
Wir konnten an Festivitäten teilnehmen…


Wir freuten uns über den Anruf von Vivi – unsere Reifen sind angekommen, Maximos würde diese sofort montieren – also nix wie hin!



Wir trotzten heißen, schwülen Wetterphasen – mit stetigem Schwimmen an unserer Marinamauer, welche jetzt mit „neuen“ Leitern ausgestattet ist. Darüber hinaus mussten uns Starkwindphasen stellen!

Gerade in solchen Phasen blieb Zeit, etwas über die zukünftigen Projekte nachzudenken und dabei etwas in sich zu gehen. Sibylles profanen Einwand ich würde einfach nur schlafen, weise ich empört zurück!

Würde ich einen Grund für diese tiefe innere Ruhe suchen, vielleicht käme ich zu dem Schluss, dass es an dem Mittagsbier liegen könnte, zu dem uns König Erwin geladen hatte – es wurde der Einfachheit halber gleich am Steg geschlürft.

Ein weiterer Grund für mein Sinnieren könnte sein, dass ich immer noch auf der Suche nach einer Antwort bin. Einer Antwort auf die Frage, warum es mir nicht möglich war, in drei Shops auf der Insel ein Marine PU-Dichtmittel zu bekommen, welches nicht abgelaufen ist – das Thema Qualität ist immer noch omnipräsent, ich hatte es ja schon mehrfach beschrieben.


Na egal, pünktlich zum Abendessen war ich wieder auf Touren und konnte, wie die anderen auch, das Feuerwerk zum Anlass einer Hochzeit bestaunen. Immer wieder schön anzusehen.

Es gab, wie eigentlich immer, Reparaturen an unterschiedlichen Schiffen zu erledigen. Mal konnte ich tatkräftig unterstützen – wie zum Beispiel bei Hans-Peters Kühlmittelwechsel an der LIBERTÉ…

…ein andermal war eher mein Rat gefragt – so konnte ich Felix bei vielen Reparaturansätzen an seiner ALLEGRA mit meiner Meinung unterstützen. Leider hatte die ALLEGRA einen arbeitsintensiven Monat – hoffentlich können die Beiden im Oktober noch ein wenig die Segelfreuden genießen…
Manchen Themen von Felix stand ich sehr nahe – ohne, dass er es wusste 😉

Die einen Freunde huschen kurz nach dem Starkwind aus dem Hafen um sich zu verabschieden – so zum Beispiel Erwin und Brigitte mit ihrer QUO VADIS. Die Österreicher verlassen den Dodekanes Richtung Peleponnes und ich vermute, dass es ein Abschied für immer sein könnte. Na, wer weiß…
Andere Freunde kommen kurz vor dem Sturm zurück in die Marina um eine „Auszeit“ zu nehmen und etwas Schutz zu finden. Dabei werden dann natürlich auch Reparaturen vorgenommen. So bei Gottfried und Gabi, die an ihrer HARMONY die Frischwassertanks schweißen lassen müssen und an einem Problem mit dem Autopiloten arbeiten.
Wer die Beiden kennt – die gute Laune lassen sie sich nicht verderben. Schön, dass ihr wieder da seid!



Während wir durch die Marina schlendern, schauen wir uns andere Boote an. Welche Lösungen wurden dort umgesetzt, was gibt es hier noch zu tun? Man sieht Intelligentes, genial Einfaches, manchmal Ungeschicktes – und auch Skurriles!

Zwischenzeitlich genießen wir die Kultur! Angelika merkt an, dass sie den „Bellini Tower“ besuchen möchte. Sowohl die JASPER Crew als auch wir sind lange genug auf der Insel, haben dieses Haus, welches zu einem Museum umgebaut wurde, aber noch nicht besucht – dies sollte sich heute ändern!





Da Uli und Angelika das Eis bei „Repapis“ genauso mögen wie wir, schließen wir unseren Nachmittagsausflug in der Eisdiele ab…

Last not least – zur Beschreibung unseres Alltags gehört natürlich die Tatsache, dass wir ab und an einkaufen gehen müssen. Dies ist im Sommer tatsächlich reduziert, da Sibylle nicht so oft kocht. Wir sind häufig mit Freunden in den günstigen Lokalen, das ist kaum teurer als selbst zu kochen – das wird sich aber im Winter wieder ändern.
Wenn wir einkaufen, geht es meist um frische Sachen, deshalb sind wir häufig bei unserem Obst- und Gemüsehändler – ein feiner Laden, gut und günstig!

Wechseln wir dasThema – ihr wisst, dass wir uns mit einem Hauskauf auf Leros beschäftigen. Sollten wir NESSAJA verkaufen, dann wird das eine ernsthafte Alternative für uns.
Diese Tatsache war Anlaß genug, einmal mehr unsere Suche nach einem geeigneten Objekt zu intensivieren. Diesmal mit einem anderen Makler. Mal sehen ob sich etwas tut.
Und tatsächlich, ein Objekt hat es uns angetan – seht mal hier…

Dieses Objekt hoch am Hang in Platanos, mit Blick über Platanos und Panteli, hat eine gute Lage, genug Grundstück, einen akzeptablen Ausblick, sieht nicht schlecht aus und ist zudem noch preiswert.
Zum ersten Mal seit Langem überlegen wir, einen Schritt weiter zu gehen. Wir gehen mit dem Makler hin, stellen hundert Fragen. Wir gehen mit der Crew der JASPER hin und hören deren Meinung – wir haben echtes Interesse.
Ich nehme es vorweg – zum Ende des Monats haben wir abgesagt. Sowohl Volker, mit dem wir das Haus besehen haben, als auch unser Freund Marcus, der das Haus kennt, arbeiteten in der Baubranche und haben erhebliche Mägel entdeckt – beide raten ab. Wir sind enttäuscht, aber nicht traurig…
…denn wir haben schon was anderes gefunden!

Es gibt ein weiteres Haus welches (fast) unserem Ideal entspricht. Leider ist es etwas über Budget – mal sehen was sich da machen lässt. Hierzu wird es frühestens im Blogbericht des Oktobers Neuigkeiten geben – seid gespannt!
Eine Anekdote am Rande – während wir ein drittes Haus ansehen, welches letztlich aber nicht in die engere Wahl kommt, kommen Nachbarn aus den angrenzenden Gärten und betrachten uns neugierig – was machen die Fremden hier??? Wir geben uns zu erkennen und offenbaren den Grund unseres Besuches – dann schlägt die Stimmung um! Gelächter, Winken, eine Frau kommt mit dem Schlüssel und zeigt das Haus von innen. Sie zwinkert – sie hätte selber ein Haus zu verkaufen, wir sollen mitkommen…

…wir müssen auf die Terrasse der wildfremden Frau und uns setzen, wir sprechen mit ihr über den Google-Translator am Handy. Sie bringt uns mit dem Auto zu zwei Häusern und zeigt uns diese, aber erst nachdem wir mit Kaffee und Kuchen eingedeckt waren – DAS IST GRIECHENLAND, das ist Leros!!!
Die Häuser kommen zwar nicht infrage, aber wir sollen nochmal zum Kaffee kommen! Ok, machen wir…
Wir haben neue Gedanken im Kopf – wir müssen uns besprechen und gönnen uns ein Eis! Nein, nicht bei „Repapis“ – zur Abwechslung für uns und für euch mal im „To Paradosiako“ – die zartschmelzende Köstlichkeit ordern wir nebst einer Kuchenbegleitung…

Das Thema Haus ruht im Moment, es beschäftigt uns aber gedanklich! Es ist definitiv eine der zu favorisierenden Optionen, nachdem wir NESSAJA verkauft hätten. Sicher sind wir uns nicht, speziell ich gäbe die Unabhängigkeit und Flexibilität des Bootslebens nur ungerne auf. Hier haben Herz und Hirn noch ein Gefecht auszutragen – aber sicher dürfte sein, dieses Thema verfolgen wir weiter. Ein Haus mit einem großen RIB im Hafen und einem größeren Motorrad in der Garage – das wäre ein gutes Setup.
Informativ sei erwähnt, dass die Option „PanAmericana mit dem ExMo“ zwar noch durchdacht wird, die Anfangsbegeisterung aber ein wenig abgeflaut ist – zu weit sind die Enkel weg, zu klein der Lebensraum im Wohnmobil über den Zeitraum von zwei, drei Jahren. Bleibt aber im Hinterkopf!
Ja, so ist er, unser Alltag – es geht uns gut, wir haben keinen Grund zu klagen. Die Lust nach Abenteuern weicht ein wenig der Freude am süßen Leben auf einer kleinen griechischen Insel – wie sich das wohl noch entwickeln wird???
So sind die Tage verflogen, die ELOWYN hat ihre Rückkehr angekündigt! Man habe die Gäste in Samos planmäßig zur Heimreise abgesetzt, jetzt wolle man uns abholen – ist ein Platz am A-Steg der Marina frei?

Äh, leider nein! Habt ihr euch angekündigt? Nicht? Ja dann…
Leider kommt es in letzter Zeit öfter vor, dass die Marina überbelegt ist – Jahresplatzinhaber müssen ihre Rückkehr zwingend anmelden! Trotzdem ist es lästig, wenn man keinen geeigneten Platz bekommt oder irgendwo an den Rand gezwickt wird. Volker und Tina fackeln nicht lange – es ist ihnen egal, es wird einfach in der Bucht geankert…

Am nächsten Morgen geht alles ganz schnell – wir kaufen Brot und packen unsere Siebensachen, Volker kommt nur kurz an die Außenmole der Marina, wir steigen über und los geht die Fahrt!

Wir haben uns nicht viel vorgenommen. An Tag 1 wollen wir einen langen Schlag Richtung Patmos segeln um dann die kleine Nachbarinsel Lipsi direkt anzulegen. Dort wollen wir im „Manolis´ Tastes“ dinieren – soweit der Plan!

Wir liegen am frühen Nachmittag sicher am Ankerplatz gleich neben dem Hauptort der Insel. Wir gehen natürlich schwimmen, freuen uns danach auf eine Brotzeit und einen Anlegeschluck. Dieser bekommt eine besondere Gewichtung, weil an diesem Tag die Münchner „Wies´n“ – das Oktoberfest – eröffnet wird. Wir sehen uns den Anstich des ersten Faßes im Fernseher an und kurz darauf heißt es auch bei uns „O´zapft is!“


Es ertönt ein nicht überhörbares BIMM auf meinem Handtelefon – unser Ankommen und das gesellige Treiben blieben nicht unbemerkt – Big Brother is watching you – das gilt immer und im Besonderen hier auf Lipsi. Ich erhalte ein Bild…

Spaß beiseite – wir hatten unseren Freund Marcus informiert, dass wir Kurs Lipsi gesetzt haben. Marcus wohnt mit seiner Familie auf Lipsi, es war klar, dass wir zumindest Bescheid geben, dass wir hier sind. So hat er uns natürlich von seiner Terrasse aus beobachtet und den Schnappschuss gesendet.
Wir verabreden uns in der Ouzeri auf einen „griechischen Aperitiv“ und etwas Smalltalk…


Das „Asprakis“ ist eine Institution auf Lipsi – eine Woche vorher war Pierce Brosnan hier – ich aber muss gestehen, dass ich hier noch nie eingekehrt war. Es gefällt uns auf Anhieb und es wird nicht unser letzter Besuch gewesen sein.

Wir stellen unsere Freunde einander vor – ELOWYN meets DARKSYDE auf Lipsi. Man beschnuppert sich und findet rasch ein gemeinsames Thema – Immobilien auf griechischen Inseln. Die beiden Skipper haben einen gemeinsamen beruflichen Background und tauschen rege Meinungen aus – ich horche, lerne und profitiere (hoffentlich) durch diese Erweiterung meines Laienwissens rund um die kleinen weiß-blauen Häuschen 😉

Das Essen bei Manolis war sehr gut wie immer, obwohl man auch hier ein wenig die lange Saison zu spüren bekam – der Service war nicht mehr auf Zack, aber das ficht uns nicht an, wir haben ja Zeit!

Ich schlafe sehr gut in der mir zugeteilten Kabine – obwohl in dieser Nacht der Wind sauber gepfiffen hat. Wir hatten mehr als 30kn am Ankerplatz, das reicht aus um auch das Trum von einem Schiff etwas zu krängen. Ich wache früh auf und genieße es, den Tag anbrechen zu sehen…

Die anderen schlafen noch, ich checke meine Mails, lese ein bisschen die News um nicht ganz uninformiert durch das Weltgeschehen zu tapsen – dann komme ich auf alberne Ideen…

Kristinas Ruf reißt mich aus meiner Fotosession – „…wer mag einen Kaffee?“ Sie hatte das zweite E des magischen Wortes noch nicht ausklingen lassen, höre ich das Wort JA aus meinem Mund fallen. So saß ich Minuten später im Cockpit des stolzen Riesen und labte mich an der koffeinhaltigen Köstlichkeit!


Am Vortag hatten wir vereinbart, dass wir am Morgen noch einmal in den Ort gehen wollten. Brot kaufen, im Café frühstücken, sich noch einmal mit Susanne, Lilly und Marcus treffen. Die beiden Skipper wollten noch Marcus´ Bauprojekt ansehen.
Wir zaudern etwas, denn mit dem Ersatztender der ELOWYN, der Williams ist ja noch bei Giorgos zur Reparatur, müssen wir zweimal im Krabbeltempo in den Ort fahren.
Ob uns Marcus nicht mit seinem großen Dinghy abholen könnte? Ein Anruf genügt…


Wir machen unsere Erledigungen, verabschieden uns gehörig – dann bringt uns der Freund zurück zur ELOWYN und verschwindet so rasch wie er gekommen war…

Unser zweiter Reisetag führt uns schon wieder Richtung Leros. Wieder machen wir einen langen Schlag um etwas zu segeln, Volker übergibt mir für die Manöver das Kommando über sein Baby – ich ahne bereits warum…




Als Ziel des heutigen Tages war das „Stigma“ auf Archangelos ausgerufen. Wir lieben alle Vier das sagenhafte „Octopus Tigania“ von Evropi – da es nicht immer auf der Karte steht, bestelle ich es immer vor, so auch heute…
Ich fahre das Ankermanöver unter den strengen Augen des Kapitäns, der aus Autoritätsgründen auf das Tragen seiner gehäkelten Kapitänsmütze verzichtet. Alles passt, der Käpt´n nickt stumm aber zustimmend, wir haben das Ziel erreicht.


Volker und ich setzen uns auf die Badeplattform – es gibt etwas zu besprechen. Wir schnappen uns einen gehörigen Vorrat „Mythos“ und beginnen Pläne zu diskutieren…

Sicher ahnt ihr was kommt – wir Beide wissen längst, dass ich eigentlich jedes Mal bevor die ELOWYN ausläuft und nachdem sie zurückkommt meinen Teil beitrage um diese Phase für die Freunde geschmeidig zu gestalten. Im Winter sehe ich nach ihr und kümmere mich um ordentliche Belüftung und zwischenzeitliches Laden der Batterien. Ich konnte schon viele Reparaturen und Handgriffe erledigen.
Volker erklärt mir, dass er und seine Frau in Zukunft ihre Urlaube anders gestalten wollen, die langen Aufenthalte würden wegfallen, lieber häufige, kurze Auszeiten. Er wolle zudem weniger Urlaubszeit in das Schiff investieren – er bräuchte einen „Kümmerer“.
Wir denken uns also ein Modell aus, wie ich als „Bootsmann+“ die vollumfängliche Organisation rund um den blauen Riesen übernehmen kann und finden nach einigem Hin und Her eine optimale, auf unsere Freundschaft gestützte Lösung! Ich will nicht zu weit vorgreifen, denn wir sind zunächst in Phase 1 einer ausbaufähigen Idee.
Nur soviel, diese Option hat unserer momentanen Situation als Liveaboards in der Leros Marina Evros neuen Sinn und Antrieb gegeben – wir haben eine gute Basis für zukunftsorientiertes und besonnenes Handeln geschaffen. Alles kann, nix muss…
Ein Grund, darauf anzustoßen und einen „Bauchplatscher-Contest“ auszurufen!

Wir duschen uns und machen uns landfein. Als die Sonne hinter dem Inselrücken verschwindet, setzen wir über…



Wir futtern wie bei Muttern und essen uns einmal quer durch die kleine Karte der urigen Taverne. Das Tigania war wieder vorzüglich und wir haben den Abend so richtig genossen – irgendwann waren wir die letzten Gäste…
In solchen Situationen passieren die Dinge, die Du für Geld nicht kaufen kannst! Ich kenne Giorgos und Evropi schon etliche Jahre, wir haben uns gern und verstehen uns gut. An diesem Abend sitzen sie mit Freunden an ihrem „Stammtisch“ in ihrer kleinen Taverne.
„Ela Mario…“ höre ich ihn rufen. Die Gruppe ruft uns an ihren Tisch, es kommt die klar verständliche Aufforderung zum gemeinsamen Tzipouro – ja, was soll ich sagen???

Wir leeren ein paar Flaschen, sehen aber zu, dass wir Herr unserer Sinne bleiben. Das gelingt (fast) und so kann ich zu später Stunde, gemeinsam mit den Freunden, sicher und aus eigenem Antrieb die ELOWYN erreichen. Trotzdem muss ich eingestehen, etwas beschwippst war ich wohl.
Es erübrigt sich zu erklären, warum ich geschlafen habe wie ein Stein.
Der nächste Morgen – Tina bereitet ein Frühstück „de Luxe“, alles muss weg, der Urlaub der Beiden endet bald. Sibylle erkundigt sich nach Neu-Enkelchen Heidi, sie würde bald zu Besuch kommen.

Wir segeln gemütlich zur Einfahrt der Lakki Bucht, der Plan sieht vor, hier noch einmal zu ankern um zwei externen Arbeitern den Zugang zum Schiff zu ermöglichen.
Alles klappt vorzüglich und unspektakulär. Der Segelmacher Sotiris kommt noch einmal um ein Maß abzunehmen, bevor er das neue, wasserdichte Segelkleid fertigstellt. Danach sind wir mit Giorgos verabredet, ELOWYN soll auch einen Solarträger erhalten, auch er muss Maße abnehmen und sich ein Bild verschaffen.

Danach ging´s in die Marina – trotz Voranmeldung war noch kein Mooringplatz an Ponton A frei. So wurde der Riese auf zwei Plätze des Ponton B gequetscht – später muss sie umgelegt werden, ratet mal wer das machen muss!


Für mich beginnen zwei knackig, positiv stressige Tage – Volker weist mich in alle anfallenden Arbeiten ein, welche nötig sind um ELOWYN einzuwintern. Im Großen und Ganzen weiß ich das, aber kleine Unterschiede im Detail gibt es doch – ich muss mir viel merken.
Zudem gibt es auch hier eine „To-Do Liste“, diese nehme ich entgegen und werde mir die Punkte mal ansehen. Diese Details können wir dann per Videocall oder Messenger klären.
Ok, letzter Tag, da liegt es auf der Hand, dass wir noch einmal eine „Mühlentour“ starten – der Abschied naht! Auf zu „Harris“…





Dann stande pede ins „Mylos“, auch hier wiederholen sich die Ereignisse – wir speisen abermals köstlich. Ein würdiges „Grande Finale“ der Segelsaison 2023 von Kristina und Volker.


Der neue Tag bietet unseren Freunden ein neues, unbekanntes Gefühl – noch nie haben sie ihr Schiff so zurückgelassen – unfertig, nichts verräumt, nichts abgeschaltet – einfach aussteigen und weg! Das ist bequem und genau das gesteckte Ziel, trotzdem kann ich Nachfühlen, dass es sich komisch anfühlt. Ich übernehme die Verantwortung, die Freunde verlassen Leros…


Sibylle und ich fahren zurück in die Marina. Der erste Weg führt uns zu dem uns nun vollumfänglich anvertrauten Schiff, welches immer noch „am falschen Platz“, also am B-Ponton liegt.
Wir sperren den Boliden ab, tragen erste Lebensmittel zu uns an Bord. Dabei kommen wir immer wieder an Thomas´ SIMPLY FREE vorbei. Wie wenn wir telepathisch verbunden wären, höre ich das vertraute BIMM von meinem Telefon – Thomas fragt, ob ich mal die Bilgenpumpe betätigen könne und mal nach dem Rechten sähe – klar, mach ich!

Ja, da sitzen wir nun – den Schlüssel der ELOWYN nebst zwei langer Listen in der Hand. Ich setze mich erstmal und tippe das Ganze in eine Excel Liste – sortiert nach Arbeitsblöcken und Priorität. Die Zeit nehme ich mir…
Für den Abend sind wir verabredet. Auch unsere Nachbarn von der JASPER gehen dieses Jahr früher als gewohnt nach Deutschland zurück. Sie sind mit den Motorrädern hier, wollen das gute Wetter nutzen und eine ordentliche Tour als Nachhauseweg umsetzen. Am Abend soll es ins „SouVLakki“ gehen – Abschiedsdinner!



Neuer Tag – nach dem Aufwachen nehme ich mein Smartphone mit den neu erstellten Arbeitslisten und gehe diese auf der ELOWYN durch. Es ist wichtig zu definieren, für welche Arbeiten Teile benötigt werden, Material welches ich auf Leros nicht oder nur schwer in der gewünschten Qualität bekomme.
Ich fertige also eine Art „Einkaufsliste“ an…

Inzwischen haben viele der Freunde und Bekannten mitbekommen, dass Sibylle am 25.09. nach Deutschland geht. Ihre Rückkehr wird sich mit der Abreise einiger Crews überschneiden, wir werden daher in dieser Phase des Monats häufiger zu Abschiedsfeiern eingeladen – so auch auf der LE CLAPOTIS von Cees und Marijke.


Als wir an Bord zurückkommen, steht eine gute Flasche Tzipouro an Bord von NESSAJA – ein Dankeschön der ALLEGRA Crew. Auch von ihnen hatten wir uns verabschiedet, sie wollten die Segelsaison ausklingen lassen. Leider sollte dies anders kommen, wegen einiger kleinerer Defekte kamen sie bald schon in die Marina zurück.

Der neue Tag sorgt für Aktionismus – ich übernehme die Entscheidungshoheit. Um dies auch tatsächlich umzusetzen, muss Sibylle außerplanmäßig zum Geldautomaten… 😉

Was war passiert? Trotz einiger nicht geplanter Restaurantbesuche konnten wir gut haushalten, doch heute war eine Aufstockung angesagt – ich habe den Kauf des wohl umstrittensten Ausrüstungsgegenstandes beschlossen. Eine Klimaanlage kommt ins Haus – oder besser gesagt, an Bord von NESSAJA!


Auf dieses Angebot bin ich schon Ende Juli angesprungen, damals hat mir jemand die Anlage vor der Nase weggeschnappt – so schien es zumindest.
Der Verkäufer hat mich jedoch abermals kontaktiert, das neuwertige Gerät sei noch zu haben, der Interessent sei abgesprungen. Sibylle zweifelte ebenfalls – zu groß, wohin damit, der dicke Abluftschlauch, rhabarberrhabarberrhabarber…
Ich kenne das ja schon – dann aber am ersten heißen Tag jammern! Und wir hatten, beziehungsweise haben immer noch heiße Tage – jetzt ist für Abhilfe gesorgt, sie wird es mir danken (eines Tages – vielleicht)!
Ich kaufe das Ding also für vertretbare 160.-€ und bringe es mit Hans-Peters Hilfe auf unser Schiff. Der erste Testlauf unter nicht optimalen Bedingungen zeigte, dass ich innerhalb vier Stunden in der Lage bin unsere Kabine von fast 35°C auf letztlich erreichte 20°C runterzukühlen – das war fast ein bisschen kalt.
Ich bin zufrieden und werde mir, gesetz dem Fall NESSAJA verkauft sich nicht, eine vernünftige Einbaulösung einfallen lassen.
Den Tag ließen wir bei Marietta ausklingen…



Der Folgetag steht schon lange dick markiert bei uns im Kalender – es ist der Tag von Marcus´ Geburtstagsfeier! Der Freund aus Lipsi hatte zwar den 50er Durchlauf schon im Kielwasser, hatte aber entschieden an just diesem Samstag nachzufeiern, die Party sollte auf seiner Heimatinsel stattfinden.
Abermals besinnen wir uns auf das bewährte Konzept – wir lassen NESSAJA stehen und fahren mit Fähre und Motorrad auf die Nachbarinsel. Weniger Aufwand bei voller Flexibilität – ich realisiere, aus mir wird kein Kurzstreckensegler mehr.





Wir kommen pünktlich auf Lipsi an und fahren zum Yachtanleger um dort in unser Hotel „Calypso“ einzuchecken. Das Zimmer war groß, sauber und günstig – ideal für eine Nacht – was will man mehr?


Wir vermelden Freund Marcus unsere Ankunft und verabreden uns bei ihm am Haus. Dann fahren wir gemeinsam auf die andere Inselseite – dort hat Marcus eine komplette Terrasse einer Taverne in einer sehr feinen Bucht für sich reserviert – das Flair ist fast karibisch…

Für unser Mopped findet sich ein lauschiges Plätzchen im Schatten, das Gepäck verblieb im Hotel – an Badesachen hatten wir natürlich gedacht!

Wir setzen uns oben im Lokal mit Marcus´ Eltern an einen Tisch. So eine Konstellation birgt Risiken, kennen wir die Leute doch nicht und es gilt, rasch ein geeignetes Thema für Small Talk zu finden. Was soll ich sagen – nach einer kurzen „Warm-Up Phase“ hatten wir einen sehr netten, kurzweiligen Nachmittag. Hat uns sehr gefallen.
Nach und nach trudelte die Geburtstagsgesellschaft ein…


Es fand sich eine illustere Truppe aus ca. 35 Personen ein – Griechen, Belgier, Australier, Schotten undsoweiter undsofort. Zum Lunch gab es zunächst eine gemischte Meze-Platte, dann gebackene Kalamari, gefolgt von einem Grillteller nebst Pommes – alles wurde auf Platten in die Tischmitte gestellt, jeder greift nach Gusto zu. Es war für jeden etwas dabei. Klar, dass auch der Kaffee- und Kuchengelust gestillt wurde.
Es war ein richtig lustiger Nachmittag! Der Wirt tat das Seine und hat, nachdem er die Gesellschaft alterstechnisch eingeordnet hatte, die Hits der 80er aufgelegt – irgendwann ging richtig die Post ab!
Ouzo gab es nicht, dafür Tzipouro – und den nicht zu knapp! In Ermangelung einer, dem Anlaß angemessenen, adäquaten Bar, haben Marcus und ich beschlossen eine Poolbar selbst zu bauen…
Dafür braucht es einen geeigneten Tresen – in unserem Fall ein Einhorn-Schwimmbrett von Lillys Freundinnen…



Ihr merkt schon, wir hatten richtig Spaß! Es war ein wunderschöner Tag. Dieser klang mit dem Sunset zunächst aus – die Griechen verabschieden sich, etwas später dann auch wir. Im Gehen verabreden wir mit Marcus einen Absacker bei ihm auf der Terrasse – er würde sich melden.
Wir fahren zunächst ins Hotel und machen uns frisch…

Der Abend hatte es dann noch in sich. Nach dem Absacker bei Marcus haben wir beschlossen, noch einmal den Anleger auf und ab zu gehen. Hier trafen wir nicht nur die Besatzung der ALLEGRA, sondern in direkter Nachbarschaft auch die CALYPSO aus Steinberg in der Oberpfalz.
Während die Damen der Crew schon fast schliefen und nur noch zu einem kurzen Hallo in der Lage waren, haben wir die Männer der Urlaubscrew in der eingangs erwähnten Ouzeri getroffen – selbstverständlich konnten wir zu einer Einschlafhalben nicht Nein sagen…
Der Morgen danach war schwer – alles! Aufstehen, schwer. Kopf, schwer. Beine, Arme, alles schwer! Erst ein Kaffee brachte Abhilfe. Nach einem finalen Treffen mit Marcus und seiner Familie packten wir unsere GS und fuhren zur Fähre…


Zurück auf Leros begann eine kurze Phase der Hektik. Sibylle hatte drei Stunden Zeit um ihr Gepäck umzupacken und sich für die Abreise nach Deutschland vorzubereiten. Geld? Check! Kreditkarte? Check! Ausweise? Check! Ok, kann losgehen…
So fanden wir uns am Mittag des 25.09. abermals am Fährhafen ein, hier waren wir vor zweieinhalb Stunden aus Lipsi angekommen.

Wir treffen Anja und Volpert von der ALICJA, die mit der gleichen Fähre nach Kos gehen, auch sie fliegen, wenn auch mit anderem Ziel, nach Deutschland.

Der „Wasserbus“, der die Dodekanesinseln miteinander verbindet kommt diesmal planmäßig.



Ich fahre zurück zu NESSAJA, ein Interessent hat sich angemeldet. Einer der weniger interessant wirkenden, ein Israeli aus unserer Marina – er wolle zunächst „nur einmal schauen“. Ok, auch kein Problem! Ich zeige ihm das Schiff, er stellt Fragen – wir tauschen Konatktdaten, er würde sich melden. Das klingt vernünftig, ist mir in dieser Sekunde aber, offen gesagt, einfach wurscht!

Den Abend verbringe ich weitgehend alleine. Ich muss alles erstmal sacken lassen, mich sortieren und mir einen Plan für die nächsten Tage zurechtlegen. Ich gehe, was sonst, ins „SouVLakki“ zum Abendessen und gönne mir anschließend ein Speiseeis – hier gesellt sich Hans-Peter dazu.



Meine Idee für die nächsten Tage war, zuerst ELOWYN regenfest zu machen. Es waren Gewitter für das kommende Wochenende angesagt, ich wollte auf jeden Fall vermeiden, dass die Segel noch einmal nass werden.
Hans-Peter bietet an, mir beim Bergen der schweren Lappen zu helfen – das ist ein Wort! Wir vereinbaren, dass wir die nächsten Tage Synergien nutzen und zusammen kochen oder zum Essen gehen – das vereinfacht Vieles.
Gesagt – getan…


Obwohl das neue Segelkleid nicht perfekt sitzt, hier muss 2024 nachgearbeitet werden, bekommen wir alles so hin, dass es ordentlich ist und passt. Wir sind zufrieden mit uns und gönnen uns erst einmal eine Hopfenkaltschale auf der Terrasse des „Skipper´s“.

Ich erhalte eine Lehre – kein Bier vor vier! Das hat seinen Grund! Ich gehe nach dem Bierchen auf´s Schiff um etwas zu pausieren – in der Mittagshitze ist es nicht so nice zu schuften. Später wollen wir noch die Fock herunternehmen…
Mein Telefon klingelt! WARUM, WIESO, WO BIN ICH?
Ich liege auf meinem Bett und habe fest geschlafen – das 0,3er Bier hat mich umgehauen. Die WhatsApp von HP ist als Frage formuliert – „…geht heute noch was?“ Es ist 17.10 Uhr!
Klar! A bißl was geht immer…

Wir rappeln uns also auf und bergen noch die Kutterfock die etwa so groß ist wie unsere 140% Genuas. Dennoch bekommen wir das Trum ordentlich gefaltet und verpackt – das Tagwerk ist geschafft.
Ehrensache, dass der fleißige Helfer eine Einladung zur Riesenpizza erhält. Stegnachbar Ulrich schließt sich der „Strohwitwertruppe“ an.

Manchmal brauchst Glück – Ulrich erzählt, dass er morgen seine Tauchflaschen zum PADI Tauchcenter bringen würde. Auf meiner Liste von Volker gibt es den Punkt „Tauchflaschen warten lassen“ – ich erkenne auch hier Synergie Effekte. Auf Nachfrage bietet der Schwabe an, mir meine Flaschen mitzunehmen…
Perfekt! Auch heute klingt der Tag bei einem Eis aus – normal nicht der Rede wert, ich weiß, aber wenn es doch so ein nettes Bild vom schmachtenden Merlin gibt!

Der nächste Morgen beginnt schmerzhaft. Ich habe einen Pickel am Schienbein. Eklig – normal kein Thema für den Blog – aber hier ging es, meiner Einschätzung nach, um Leben und Tod! Denn leider habe ich punktieren wollen und wohl falsch gezielt. Ich hatte auf einmal einen riesigen Eumel unter der Haut und dachte zunächst, ich würde an einer Sepsis sterben.

Ich informiere Sibylle und Hans-Peter über mein bevorstehendes Ableben. Die Reaktionen der Beiden waren unterschiedlich – Sibylle schimpft mich erstmal zam, weil ich „…wieder dran rumgefuhrwerkt habe“, Hans-Peter meint lapidar, „…nimm´ eine Salbe, Du wirst nicht sterben!“ – und reicht mir wortlos die Tube.
Nun, er sollte Recht behalten, ich bin auf dem Weg der Besserung. Gequält hat mich das Ding allemal – nämlich bei der Sklavenarbeit schlechthin, dem Bergen der großen Genua.
Das Tuch, das lässig 200kg wiegt, ist kaum zu bändigen, wir brauchen einen dritten Mann! Zusammen mit Benno von der CARPE DIEM rollen wir das riesige weiße Tuch aus und öffnen das Genuafall – schon rauscht das Monster auf´s Deck.
Auch hier stellen wir einen kleinen Schaden fest, welcher im Winter repariert werden muss – der Punkt addiert sich zur Liste.



Wir leeren die Segellast und machen sauber. Wir reinigen die Bilge, wischen kurz aus und verstauen anschließend die riesigen Segelsäcke. Oben auf kommt der 220qm Gennaker, der soll verkauft werden und muss zugänglich sein. Eingeräumt werden die bleischweren Säcke mit dem Fockfall und den Hydraulikwischen – schnell „mit der Hand reinheben“ funktioniert hier nicht!
Ulrich schaut vorbei und erinnert an die Tauchflaschen – ja, stimmt, fast vergessen! Ich räume die beiden Druckbehälter aus ihrer Staukiste und stelle sie für den Transport parat, wieder ein Punkt weniger auf der Liste. Hier schonmal ein herzliches DANKESCHÖN für die Unterstützung!

So neigt sich der Monat dem Ende zu. In dieser letzten Phase des August ist hier auf Leros richtig was los, es wird der 80. Jahrestag der „Schlacht um Leros“ gefeiert, letztlich der Tag der Befreiung von der deutschen Besatzung.
Ich verstehe das Ansinnen solcher Feiern, bin dabei auch der Meinung, dass man manche Dinge nicht in Vergessenheit geraten lassen soll. Dennoch bin ich kein Fan von solchen Paraden, zumal dann, wenn nicht nur Einheimische feiern, sondern auch Angehörige dritter Nationen Bilder ihrer verstorbenen Uropas durch´s Dorf tragen.
Wie auch immer, ich toleriere hier jede Meinung, nehme aber aufgrund meiner eigenen nicht an solchen Paraden teil – die Bilder hat mir Marietta geschickt…


Während dieses Endspurts des neunten Monats des Jahres 2023, holt mich ein weiteres großes ELOWYN Projekt ein. Ihr erinnert euch, Giorgos war zum Messen der Solarplanung auf dem Schiff – jetzt wolle er das Projekt besprechen, er habe sich erste Gedanken gemacht…

Ich fahre also zum Gespräch nach Kamara und stelle rasch fest, dass er den Träger super geplant hat, aber die Solarmodule viel zu mickrig ausgelegt sind. Ich recherchiere also selbst und erkenne schnell, dass wir statt seiner veranschlagten 68cm rund 103cm brauchen würden – das müssen wir hinbekommen – ich informiere meinen Freund…

Wenn wir es laut meiner Maßgabe hinbekommen, dann würden wir 900Wp draufpacken können, das wäre für den ersten Step ausreichend. Ich muss also noch einmal nachmessen – der Ball liegt in meinem Spielfeld!
Den Abend beenden Hans-Peter und ich bei einem sehr preiswerten Dinner im „Gia Sena“ – eine echt unterschätzte Adresse. Super Service, sehr gutes Essen, große Portionen – nur auf´s „fancy“ Ambiente muss man verzichten. Wer das kann, ist hier gut aufgehoben.

Der letzte Tag bricht an. Was wird der September noch für mich parat halten? Wenn alles geklappt hat, dann ist heute Nacht mein Freund Werner mit dem Wohnmobil angekommen – ich muss mal sehen ob der einem Omnibus gleiche Riese irgendwo geparkt steht…

Da scheint also alles geklappt zu haben. Das freut mich! Im späteren Verlauf des Tages werde ich mit Werner bei Marietta eine Art Brunch einnehmen – wir haben viel zu besprechen, ich will mich schließlich um den Verkauf seiner ALENA kümmern. Ich freue mich jedenfalls, dass der Haudegen wieder zurück ist.
Den Rest des Tages schreibe ich an meinem Blog – ich tippe Buchstaben zu Wörtern bis die Uhr zum Aufbruch mahnt! Hans-Peter und ich haben einen Termin bei der Crew der SUNNY SIDE UP, Roland und Mireille, wir sind in deren Haus zum Grillen eingeladen.
Um kurz vor 19.00 Uhr besteigen wir Hans-Peters Pick-Up und fahren nach Vromolithos. Auf dem Weg dorthin schlagen wir einen Haken zur Spirituosenhandlung von Stratos, eine Flasche Rosé soll unser Gastgeschenk sein.

Während ich also den Wein kaufe, sehe ich einen Wagen mit Blaulicht an Hans-Peters Wagen parken. Ich traue meinen Augen kaum, die zwei Polizisten machen eine mustergültige Verkehrskontrolle!
Fahrzeugpapiere? Ja, hier bitte! Versicherungsnachweis? Haben wir nicht! Verduzt schaut der Beamte – wie haben wir nicht? Bis zuletzt bleibt ungeklärt, was er sehen wollte, die „Grüne Karte“ ist in GR nicht vorgeschrieben und einen Zettel wie er in GR üblich ist, gibt es in Deutschland nicht. Aus dieser Pattsituation resultiert die unvermeidliche Frage – „…wie lange ist der Wagen in Griechenland?“
Nun, aus heutiger Sicht kann mein saarländischer Freund wahrheitsgemäß antworten ohne in Bedrängnis zu geraten – das könnte anders ausgehen.
Eine Verkehrskontrolle auf Leros, spooky…
Wir werden mit einer Verwarnung entlassen und dürfen fahren. Pünktlich treffen wir bei Mireille und Roland ein, auch deren Nachbar Claude ist zu Gast.



Roland heizte den Grill an und legte ordentlich auf – das Gegrillte war vorzüglich und wir alle mampften als gäbe es kein Morgen mehr. Das war eine sehr nette Einladung, Danke dafür!


Zur zweiten Runde wurden saftige und auf den Punkt gegrillte Rindersteaks kredenzt. Dazu gab es Mireilles hausgemachten Kartoffelsalat – so einfach und doch so lecker!
Das Menü wurde durch einen Pflaumenkuchen und eine Tasse Kaffee abgerundet.

Wir haben uns über Gott und die Welt unterhalten – Segeln, Häuser auf Leros, Urlaube mit dem Motorrad – ich habe von unseren Erfahrungen und Erlebnissen berichtet, die anderen von den Ihren. Es war ein spannender und kurzweiliger Austausch – der Abend verging wie im Flug!

Zwischendrin ruft Sibylle an – sie bestellt schöne Grüße an alle und erzählt von den ersten Tagen ihres Besuches in Deutschland. Sie ist glücklich die Enkel und Kinder wieder zu sehen, natürlich wurde die kleine Heidi willkommen geheißen und durfte sich an die „Oma aus Griechenland“ gewöhnen.

Nun sitze ich wieder hier – ich sitze in meinem Zuhause, meinem Segelboot NESSAJA und tippe die letzten Zeilen des Blogberichts 09/2023.
Das Bild von Sibylle macht mich glücklich. Es zeigt, dass es mehr gibt als nur um die Welt zu segeln. Ich weiß, dass auch für mich die Zeit kommt, in der die Nähe zu den Enkeln und unseren Kindern wieder eine größere Rolle spielen wird. Bis es soweit ist, möchte ich aber noch (er)leben und die sprichwörtliche Freiheit, die besondere Form von Zwanglosigkeit und des ungebunden Seins genießen.
Der Grundstein dafür ist durch die Übernahme der Verantwortung für die ELOWYN, während der Abwesenheit der Eigner, gelegt – ich habe eine Aufgabe genau nach meinem Gusto. Ob wir nun in einem Haus wohnen oder auf NESSAJA bleiben werden ist ungewiss, aber irgendwo in dieser Schnittmenge wird sich eine Lösung finden.
Ausblick auf Oktober – Sibylle kommt am 12.10. zurück. Bis dahin gilt es die Projektarbeiten an ELOWYN voranzutreiben und die Listen abzuarbeiten. Mit Werner muss ich die Modalitäten für den Verkauf seiner Hallberg Rassy festlegen.
Spannend wird wohl, ob die Interessenten für NESSAJA am Ball bleiben. Vielleicht verkauft sich unser Schiff schon im kommenden Monat. Ich bin sicher, dass wir nach Sibylles Rückkehr auch weiter am Thema Haus hirnen werden – vielleicht tut sich auch an dieser Front schon etwas – turbulente Zeiten in jedem Fall.
„Repapis“ schließt vom 10.10. bis zum 18.10. – ich werde an einer Überlebenstaktik arbeiten müssen – sicher wird mir aber für die Fans der Eisbilder eine Lösung einfallen… 😉 – stay tuned!

Danke für´s Lesen und euer Interesse – es grüßt herzlich die Crew der NESSAJA
Mario & Sibylle