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Nessaja ist eine Dufour 43CC und in Griechenland stationiert. Seit Anfang 2021 leben wir unseren Traum und wohnen auf Nessaja. Mit Ihr machten wir zunächst die Ägäis unsicher, bevor wir aus privaten Gründen entschieden haben, NICHT auf "große Fahrt" zu gehen! In unserem Blog geht es daher zumeist um den Alltag zweier Segler die sich dem Leben auf einer kleinen griechischen Insel verschrieben haben... Hier und auf den üblichen Social Media Kanälen erzählen wir von unseren Erlebnissen und Abenteuern.

Oktober 2021 – Herbst auf der Insel

Wer mich gut kennt und / oder den Blog schon länger verfolgt weiß, dass ich ein großer Fan der österreichischen Pop-Combo „STS“ bin. Hier haben es mir die Texte von Gert Steinbäcker besonders angetan. „Herbst auf der Insel“ ist ein weniger bekannter Song, aber einer, der die Stimmung die hier im Verlauf des Oktobers Einzug hält, exakt beschreibt.

Es ist Oktober – es ist Herbst auf der Insel! (Der Text ist am Schluss des Blogberichtes zu lesen)

Ich erinnere kurz an die Wettersituation Ende September…

Ich beendete meinen Blogbeitrag des September am 27.09. – es war zu diesem Zeitpunkt schon klar, dass wir wegen des kräftigen und relativ lang anhaltenden Meltemi bis zum 01.10. in Nisyros bleiben werden. So kam es dann auch! Wir haben hier ein wenig relaxt, gelesen, ich habe meine Logbucheinträge geschrieben und Franziska und Mikey, die ja noch ihren Urlaub an Bord verbrachten, sind mit Sibylle ein wenig spazieren gegangen.

Das Wetter war ja durchaus sehr gut, wir hatten Sonne, im Windschutz immer noch knapp 30°C – nur der kräftige Wind war frisch, hat die Temperatur gesenkt und im Schatten bzw. abends das Tragen einer Weste oder Jacke nötig gemacht. Naja, und die Frisur hat er auch ein wenig durcheinander gewirbelt…

Segeln war möglich, aber die Schaumkronen auf dem Meer haben klar gemacht – gemütlich geht anders!

Das konnte man auch durchaus erkennen, Chartercrews die Ihre Schiffe zurückbringen mussten stampften gegenan, wurden durcheinandergebeutelt und hatten wohl wenig Freude.

Wenig Freude hatte auch eine Männer-Chartercrew eines Lagoon 450F Katamarans. In Nisyros / Pali liegt man sicher, aber es herrscht Seitenwind am Quai. Der besagte Skipper brauchte geschlagene 2h um das zweirümpfige, schwimmende Wohnhaus in seine Lücke zu bugsieren. Er rammte zwei Schiffe und zog einem anderen Ankerlieger den Anker aus dem Grund, da kam Freude und Hektik auf. ALLE Anwesenden standen am Bug ihrer Schiffe und sahen zu, ohnmächtig zu helfen, besorgt – aber auch entsetzt über soviel Unkenntnis und Ignoranz.

Zurück zu schöneren Themen, zu unseren Wanderern – ich selbst ziehe mich da gerne raus, sofern Sibylle mich lässt bzw. wenn das Ziel nicht wirklich lohnend scheint. Da die Drei zur Inselhauptstadt Mandraki wollten, ließ ich mich auch durch das in Aussicht gestellte Eis nicht locken – ich wusste der Weg geht entlang der Hauptstraße…

Trotzdem hatte meine Crew einen schönen Tag, körperliche Bewegung und offensichtlich auch noch viel Spaß und ein paar nette Eindrücke.

Ich hatte neben dem Schreiben der erwähnten Logbücher noch allerhand nautische Vorbereitungen zu erledigen, so zum Beispiel Wetterberichte checken, Routenplanung, Tanks füllen und ein bisschen auf´s Ohr hauen.

Wir waren alle zufrieden und nach einer weiteren Nacht in Pali war es Zeit weiter zu reisen, der Wind hatte nachgelassen und wir konnten „Anker auf“ gehen – Symi wir kommen!

Meine Capetaña steuerte uns zuverlässig an der Küste von Nisyros entlang, Kurs Symi lag an und wir konnten derweil die Segel setzen. Der Wind kam aus der richtigen Richtung und war immer noch kräftig genug uns mit 6-7kn Fahrt Richtung Ziel voran zu treiben…

…aber nicht lange!

Die drei vorherrschenden Winde beim Segeln kennt Ihr ja, oder? Zuwenig Wind, zuviel Wind, Wind aus der falschen Richtung! Heute war ein Tag mit zuwenig Wind, zumindest für unser Schiff – wir brauchen einfach 10kn damit wir dem Ziel näher kommen. Also Segel rein und Motor an – Kurs bleibt gleich – Symi!

Wir suchten Schatten und vertrieben uns die Zeit mit der Ausschau nach Delfinen oder Schildkröten – die Einen beim stillen Sinnieren, die anderen bei einem Tässchen Kaffee, lässig ans Vorstag gelehnt…

…wieder Andere verfallen in einen meditativen Zustand der Ruhe, vermutlich ob der stetigen Verantwortung für die Crew – bis ein gellendes Piepsen eben genau diese Ruhe zerreißt und dem in sich Ruhenden einen gehörigen Schuss Adrenalin in die Adern pumpt!

Was war geschehen? Eine Annäherung? Da steuert doch genau ein Schiff auf uns zu! An die Waffen, Verteidigung…

Nun, so schlimm war es nicht! Ein Münchner, der sein Schiff ebenfalls in Evros stationiert hat und den ich aus unserem Skipperforum kenne, hat NESSAJA am AIS (Automatisches Identifizierungssystem) gesehen und gleich mal „vorbeigeschaut“ – Hand zum Gruß, das freut uns!

Wir haben ein bisschen mit der Besatzung der TAYA geplaudert und uns zum Bier in der Marina verabredet – während wir uns entfernten habe ich noch unsere Begegnung am Bildschirm fotografiert.

Schön! Das ungeplante Zusammentreffen mit der TAYA hat den Nachmittag etwas entzerrt und so hatten wir bald die Zufahrt und erste Landmarke von Symi voraus.

Wir mussten zwischen Symi und einer vorgelagerten Insel durchfahren, diese Durchfahrt hatte ich vom letzten Besuch als sehr eng in Erinnerung. Passen wir das mit der breiten NESSAJA überhaupt durch???

Ok, JA, wir passen durch, leicht sogar! Ich musste mir die verwunderten Gesichter der Crew noch lange ansehen. Die Einfahrt war so viel breiter als ich mich erinnert habe – manchmal sind gerade unsere Erinnerungen kein guter Ratgeber.

Von hier aus ging es schnell, wir bereiteten NESSAJA zum Anlegen vor, wollten wegen unserer Kinder, die ja touristisch umsorgt sein wollten, ganz bewusst im Stadthafen festmachen. Wir wussten, die Gefahr des „Ankersalates“ in Symi Ort ist gebannt seit es dort Muringbojen gibt, wir wussten auch, die eigene Muring ist mitzubringen, ein ca.20-30m langes, ausreichend dimensioniertes Tau ist notwendig…

…so kramte ich in den Tiefen meiner Backskisten nach dem Tauwerk welches man sonst nie braucht – und wurde fündig! Wir wussten auch – auf der Südseite, ganz innen, vor dem Cafe mit den blauen Läden sind die lautesten Liegeplätze.

Man half uns Anlegen und Festmachen (20.-€), beschaffte uns Strom (7.-€ / Tag) und kassierte sehr schnell die Hafengebühr (41.- / 2 Nächte) – aber wir hatten einen tollen, zentralen Platz! Auf der Südseite, ganz innen, vor dem Cafe mit den blauen Läden 😉 !

Wir waren glücklich, waren wir doch wieder in der Zivilisation und der Abend versprach ein schöner zu werden. So kultivierten wir uns und zogen los, „auf die Piste“ sozusagen, zumindest auf die touristische!

Franzi & Mikey ließen abermals Google (digital) entscheiden welches Lokal das beste für uns sei. Ich war beruhigt, da meine Recherche (analog) zum gleichen Ergebnis führte – wir hatten somit am Nachmittag schon reserviert und sind schnurstracks zum empfohlenen Lokal gelaufen…

Sowohl Google als auch Manfred (Danke nochmals!) hatten sich nicht getäuscht, wir haben sehr gut diniert. Spät abends sind wir nach einem Ouzo und bei perfekter Stimmung nach Hause geschwankt und haben sehr gut geschlafen!

Was war mit dem Cafe? Das mit den blauen Läden? Das laute??? Nun, das spielte heute Nacht (Freitag) nur eine kleine Rolle. Ouzo und Ohropax verhalfen der gesamten Crew zu einem seeligen Schlaf

Neuer Morgen – neues Glück! Early Bird Day? Ja, fast zumindest, so ganz geht das mit meiner Crew nicht, so habe ich mich morgens zum Cappuccino in ein Cafe am Quai gesetzt und auf mein Schiff geschaut während die Sonne anfing die Bucht von Symi zu erhellen.

Heute galt es die Insel zu entdecken! Dafür sollten zwei Roller gemietet werden. Einer mit 150cc für Sibylle und mich – kein Problem! Einer mit 50cc für Franzi und Mikey weil… Jaaaa, auch weil sie leichter sind – aber vorrangig weil die nötige Lizenz zum Bewegen des KRAFTrades fehlt – auch kein Problem, oder? DOCH, exakt die 50er waren an diesem Tag alle vergriffen, so dass wir auf einen Kleinstwagen ausweichen mussten. Egal, Hauptsache Symi entdecken – los ging es, hinauf in die Berge.

Wir genossen die Fahrt bis hoch zu einer kleinen Taverne, nein nicht Taverne, es war eine „Kantina“, äußerst einfach aber auf Google mit 4,9 bewertet. Dort zuerst ein Foto – ob der herrlichen Aussicht…

…dann hinein um zu reservieren. RESERVIEREN? Bei einer Kantina mitten im Nirgendwo? Ja, zugegeben, bissl deutsch halt, aber kann ja nicht schaden dachten wir. Der Platz für´s Abendessen war gesichert!

Als nächstes stand der Besuch eines alten Kirchleins auf dem Programm. Wieder alle Mann (und Damen) ab in den Miniwagen und abgedüst über die hier verbreiteten, betonierten, einspurigen „Strassen“…

Nach kurzer Fahrt waren wir an besagtem Kirchlein angekommen, falteten uns wieder aus dem Vehikel und starteten unsere Besichtigung. Offen gesagt hat mich diese Kirche nicht so gepackt und ich habe es stattdessen vorgezogen etwas im Schatten zu ruhen…

…die Steinmosaike innerhalb der Kirchenmauern waren aber auch für mich sehr beeindruckend – wie lange so etwas wohl dauert zu verlegen???

Weiter ging es in die Bucht von Panormitis, die „Klosterbucht“ – warum sie so heißt ist nicht schwer zu erraten und war auch schon von weit oben zu erkennen…

…diese rundum geschützte Bucht ist ein sicherer Platz für Yachties, zudem hat die Bäckerei des Klosters einen hervorragenden Ruf. Das wollten wir uns ansehen, vielleicht klappt am Rückweg von Rhodos ja ein Abstecher (ich nehme es vorweg – hat nicht geklappt).

Das Kloster selbst war schön, aber die gesamte Anlage hat mich nicht gepackt – ganz ehrlich. Ich finde den Spot etwas überbewertet, auch die Gastronomie hier. Die Bäckerei war gut, aber was hilft es wenn das drumrum einen etwas abgewirtschafteten und touristischen Eindruck macht. Nichtsdestotrotz, die Mosaike waren auch hier allgegenwärtig und sehr schön anzusehen.

Zurück nach Symi-Stadt ging es abermals über steile, kurvige Bergstrassen welche aber immer einen herrlichen Ausblick auf´s Meer boten.

In Symi angekommen, war es gerade Kaffeezeit, Sibylle und ich sind also in eines der vielen Cafes und haben zwei Cappuccino geschlürft, diese begleitet von einer Eisspezialität – lecker – hatten wir doch in Kos das letzte Eis gegessen, das war immerhin letzten Monat! Allerhöchste Zeit also…

Warum gerade ich so eine Waffel bekomme??? Egal…

Nach dem Eis ein kleiner Marsch durch den Ort, ein bisschen die Angebote der Geschäfte betrachten und einen Blick auf NESSAJA erhaschen…

…schon war es soweit, wir mussten uns fertig machen um noch einmal zur Kantina hochzufahren und unsere Reservierung dort wahrzunehmen. Was uns beim Reservieren gefreut hat – heute war Samstag, es sollte Live-Musik geben. Was uns erwartete wussten wir nicht, allerdings fragten wir uns fortwährend, warum diese – im allerpositivsten Sinn – „Spelunke“ – so gute Google Bewertungen hat.

Oben angekommen, es dämmerte schon, nahmen wir Platz. Wir hatten einen schönen Randtisch am Balkon mit herrlicher Aussicht. Noch war die Kantina nur spärlich gefüllt, wir waren die ersten Gäste.

Wir wussten, dass es an einem Tag mit Live-Musik nur drei Gerichte gab – Lamm Kleftiko, Bifteki und Souvlaki, alles mit Pommes, alles mit griechischem Salat – die Bestellung fiel also leicht, zweimal Souvlaki, zweimal Bifteki, jeweils mit Pommes und Salat – und einmal Lamm für die Mitte…

Seltsames passierte – die Massen, fast nur Einheimische, strömten ins Lokal, es zeigte sich rasch, die Reservierung war bitter nötig, denn bald war das Lokal bis auf den letzten Platz gefüllt. Ok…

Langsam wurde uns klar warum – wegen Petros!

Petros wollte Pfarrer werden und immer in einer Kirche singen. Er liebt das Singen! Leider hat er die Zulassungsprüfungen nicht geschafft um in den Kirchendienst eintreten zu können, so hat er kurzerhand eine eigene Kirche gebaut in der er jetzt singen kann. Nicht jeder mag den „Ketzer“ mit seinem „privaten Gotteshaus“, aber in touristischen Kreisen und bei den Griechen die etwas liberaler sind, ist er bekannt und beliebt.

Sein Hobby ist das Singen in der Kantina, immer am Samstagabend! Einen Haken hat die Sache – Petros kann nicht singen, gar nicht!!!

Ich habe überhaupt noch nie einen Sänger gehört, der in der Öffentlichkeit so schlecht sang. Aber gerade das machte den Abend aus. Die Gäste haben gejohlt, „Super Petros, ela“ gerufen und Petros war seelig und hat gelacht. Win-win Sitaution…

Die Stimmung kochte, Petros gab alles! Ein zweites Unikum war der Seniorchef des Ladens – keinen Zahn im Mund, kein Wort Englisch, bestimmt 80, aber mit den Damen geflirtet als gäbe es kein Morgen mehr – das auch der Grund warum Franzi auf der Tanzfläche zu sehen ist, sie konnte dem alten Charmeur keine Bitte abschlagen.

Solche Abende kannst Du nicht kaufen, da stolperst Du rein!

Fröhlich gingen wir nach Hause, legten uns in die Kojen und schliefen… NICHT!!! Heute war Samstag – PARTY! Das Cafe mit den blauen Läden hatten wir fast vergessen. Unser zentraler Superplatz entpuppte sich als Jugendtreffpunkt und Moped-Lautstärketestplatz, an Schlaf war bis morgens um 04.00 Uhr nicht zu denken – zumindest für meine Crew. Mir half Bier und Ohropax. Als ich diese Information zum Besten gab wurde dies nicht, wie erwartet, mit Anerkennung quittiert, sondern eher mit abfälligen, gar bösen Blicken…

Zeit abzulegen! Neuer Kurs Rhodos Marina. Hier planten wir vier Tage zu bleiben, hier sollte der Urlaub von Franzi und Mikey ausklingen…

Ich erwartete, laut Wetterbericht, einen NW3-4, ein Wind welcher mich bis nach Rhodos hätte segeln lassen. Der letzte Reisetag für Franzi & Mikey, das wollte ich anbieten. Was ich nicht am Schirm hatte, waren schwere Stürme in der Zentralägäis welche das Meer so wogen ließen, dass die Wasserbewegung bis hier spürbar war. Die Wellen liefen an Rhodos entlang, kamen also aus West und der Wind war schwächer als gedacht.

Das bedeutet unter Motor, mit Welle von hinten, fast fünf Stunden fahren – ein Vergnügen! Wir waren froh, als wir endlich um die Ecke waren, obwohl der Wind auf einmal aufdrehte, was hier nicht unüblich ist, und uns mit 25kn von vorne anblies, na toll! Wir sind in die Marina, haben einen ordentlichen Platz bekommen und waren bald sicher vertäut.

…man beachte unsere Gangway!

Ein paar Worte zur Rhodos Marina. Geplant als großzügiges, fast luxuriöses Projekt nahe der geschichtsträchtigen Altstadt, ist den Planern hier ein grober Fehler unterlaufen – die Marina hat Schwell, aber eben nicht nur Schwell, VIEL Schwell, wenn der Wind aus ungüstiger Richtung, aus den östlichen Quadranten kommt. Auch Abhilfemaßnahmen haben keine Besserung gebracht. Das sprach sich herum, die anfangs selbstbewusst kalkulierten Preise konnten und können nicht erzielt werden und Dauerlieger blieben aufgrund der Gefahr für´s Material aus.

Aus diesem Grund, wurden Baumaßnahmen eingestellt, so dass heute für eine Marina dieser Größe nur zwei Duschen pro Geschlecht zur Verfügung stehen. Zudem, schaut Euch mal das Bild an, sind die Betonquais viel zu hoch für die durchschnittliche Yacht – die Gangway steht sehr steil und bei Schwell weißt Du nicht wie Du raus- und reinkommen sollst.

Genug zur Marina, das war an diesem Abend nicht unser Thema. Wir haben uns auf die Altstadt gefreut und sind gleich los. Das war umso lustiger, als wir hier wieder auf die Crew der ELOWYN trafen und wir zusammen beim Abendessen in „Mama Sofia´s“ waren.

Das Lokal ist touristisch, wird aber sowohl in Google als auch in Sibylle´s Reiseführer gehypt. Wir kannten es schon und konnten die Bewertung bestätigen – und wurden nicht enttäuscht!

Fishermen Spaghetti

Danach sind wir durch die Gassen der Altstadt zurück zur Marina geschlendert. Franziska und Mikey konnten sich einen ersten Eindruck holen und Sibylle und ich haben zufrieden festgestellt, dass auch hier, in den touristischen Hochburgen, die Saison ein langsames Ende findet.

Zufrieden sind wir ins Bett gefallen und haben fest geschlafen. Das war auch nötig, denn bereits am nächsten Tag sollte unser „Discover Rhodes“ Programm beginnen! Ein Leihwagen muss her…

Hier hatten wir auf einmal eine nicht erwartete Problemstellung. Leihwägen waren rar oder teuer. Durch Covid haben viele Anbieter ihren Fuhrpark dezimiert, die geringere Anzahl an Wägen treibt den Preis. Wir hatten insofern Glück, als dass uns ein kleiner Anbieter einen Hyundai Accent („it´s an old car“) anbot – bis zuletzt wurden wir das Gefühl nicht los, dass es sein privates Auto war, dies aber zu einem attraktiven 4-Tages Preis.

Unser erster Weg führte schnurstracks zu „Pommes Bernd“!

Bernd Bergers Pommesbude – eine Institution

Aufmerksame Blogleser erinnern sich – wir haben Bernd auf Leros als Freund von der OREJA VELA Crew, Tanja und Stefan, kennen gelernt. Wir mochten den flippigen Typ sofort und haben unseren Besuch während dieses Törns in Aussicht gestellt. So ein Wort ist Ehrensache – so, here we are!

Die Currywurst, die Wraps, die Pommes – alles ausgezeichnet! Wer also offen für „German Essen“ in Griechenland ist sollte sich eine Stipvisite bei Bernd nicht entgehen lassen…

Uns zog es nach der Stärkung weiter in die Touristenhochburg Lindos – immerhin mit der zweitgrößten Akropolis Griechenlands.

Schöne Buchten ringsum und mitten in den ganzen Tourishops findet man nette Bars, ursprüngliche Cafes und auch wirklich nette Läden für Kunsthandwerk.

Wir erklommen den Berg auf dem die Akropolis steht um dann, vor dem Kassenhäuschen, festzustellen, dass der Eintritt erwähnenswerte 12.-€ pro Person kostet. Das hatten Sibylle und ich so nicht in Erinnerung! Wir beide haben dann auf den nochmaligen Besuch verzichtet, Franzi und Mikey haben sich die Besichtigung des Kulturgutes jedoch gegönnt – wenn man schonmal hier ist…

…und es schien zu gefallen!

Genug für heute! Wir haben in Lindos noch etwas gesnackt, einen frischen Orangensaft getrunken und sind dann zurück zur Rhodos Marina gefahren. Am Weg haben wir eingekauft und dem dortigen „Jumbo“ einen Besuch abgestattet – die Jugend war genauso fasziniert wie wir seinerzeit in Lavrion.

Das Dinner sollte diesmal etwas kleiner ausfallen, zumal wir keine Lust auf griechisches Essen hatten. PIZZA, es sollte mal wieder Pizza geben! Dank Google (wie ging das eigentlich früher?) haben wir die „beste Pizzeria am Platz“ gefunden und wurden abermals nicht enttäuscht!

Die Stimmung war gut, wir waren beschwippst und müde. So haben wir uns auf den relativ langen Heimweg gemacht und sind zurück auf NESSAJA geklettert – in der Hoffnung auf eine weitere ruhige Hafennacht.

Leider Pech gehabt! Auch uns hat es diesmal mit einer der „unruhigen Nächte“ erwischt. Der ohnehin kräftige, vorherrschende Wind hatte in der Nacht eine Ost-Komponente bekommen und für einen derartigen Schwell gesorgt, dass das Schiff immer hin und hergefahren ist. Einen Meter zurück, Stop durch zwei Muringleinen, durch deren Spannung wieder einen Meter vor, zack, Stop durch die Heckleinen!

Ich bin davon aufgewacht und hatte echt Sorge, dass es mir die achterlichen Festmacher zerreißt oder gar die Klampen aus dem Deck gerupft werden. So habe ich morgens um 03.00 meine Winterfestmacher mit den großen Federn belegt. Ich konnte nun unbesorgt sein – aber nicht mehr schlafen…

…da hilft nur ein kräftiges Frühstück!

Savory Pancakes im „Naval“ – dem Marinalokal

Nach dem Ausflug nach Lindos gestern, stand heute die ganz große Inselrunde am Plan, einmal rundum nach dem Routenvorschlag in Sibylles Reiseführer. Natürlich etwas abgewandelt durch die Google Vorschläge von Mikeys Mobiltelefon. Das mochte ich! Andere Blickwinkel und zudem während des ganzen Rhodos Aufenthaltes vom Fahrdienst befreit, sehr komfortabel!

Franzi pilotiert unseren „Hyundai Oldtimer“

Unser erstes Ziel war die antike Stätte von Kamiros, Kultur muss sein! Ohne Ironie, das war wirklich interessant zu sehen, eine sehr gut erhaltene Ausgrabung die ein Bild dieser Zeit vor vielen Jahrhunderten gibt.

Ihr kennt Sibylles typische Handbewegung???

Es war ein zwar windiger, aber dennoch heißer Spätsommertag, Schatten war willkommen…

…zumal dann, wenn schon netterweise so feine Stühlchen aufgestellt werden 😉

Nach diesem ersten Kulturteil sollte ein Ausflug in die Tourismuswelt folgen, der Besuch des „Honigdorfes“ Siana. Ok, kann man machen, besonders dann wenn man sich an den Honigspezialitäten laben möchte und / oder diese als Mitbringsel zu kaufen beabsichtigt…

Special Offer…

…auch wir haben einen Laden gefunden (einen anderen) und Franzi hat kräftig eingekauft. Sibylle hat sich in Zurückhaltung geübt, was ich ganz gut fand. Den obligatorischen Joghurt mit Honig haben wir uns dann, als Begleitung zum Cappuccino, aber doch gegönnt.

Außer einem Dutzend dieser Läden und ein paar touristischen Tavernen hat Siana nicht viel, man kann den Ort (so sagt es auch der Reiseführer recht deutlich) auch auslassen. Einzig sehenswertes Bauwerk des Ortes ist aus meiner Sicht die Kirche…

…die bei genauem Hinsehen aber Details zeigt von denen ich mir bis heute keine Klarheit verschafft habe ob ich das sehr lustig oder eher traurig finde – wer findet den Fehler???

Suchbild

Aus Siana sind wir zwar gestärkt aber auch ernüchtert wieder abgefahren, für Entschädigung sollte unser nächstes Ziel sorgen. Die Festungsruine Monolithos, eine verfallene, ehemalige Johanniterburg in spektakulärer Lage!

Hier kann man die Festungsruine besuchen, den Berg relativ kommod erklimmen und genießt dann herrliche Ausblicke auf Chalki und die kleinen vorgelagerten Inseln, ein beeindruckender Platz!

Wir hatten einen Nachteil unserer 2021er Urlaubsroute, gepaart mit unseren Vorlieben, hinzunehmen. Es gibt im südlichen Dodekanes nicht so viele kleine, liebliche Inseln wie nördlich von Leros. Wir hatten, nachdem wir die Inseln eben auch entdecken wollten, bisher keinen Buchttag und somit, bis auf eine kleine Ausnahme in Symi, keine Gelegenheit mal richtig zu baden – das wollten wir ändern!

Das nächste Ziel war somit der größte Strand von Rhodos, ein anerkannter Surfer- und Kite-Hotspot, dem Prasonisi Beach. Ein „Doppelstrand“, eine Sandzunge zur gleichnamigen Halbinsel.

Da standen wir nun! Hatte ich schon erwähnt, dass es windig war??? Die unbedingte Lust zum Baden wich beim Anblick der durchaus hohen Wellen und der vielen bunten Kites auf der einen, der vielen bunten Segel auf der anderen Seite, einem lala-Gefühl. Sollen wir? Oder lieber nicht? Die Aussicht nach dem Bade zähneklappernd und mit Gänsehaut überzogen im frischen 7 Beaufort Luftstrom zu stehen ließ die Antwort klar werden – NEIN?

So standen wir da noch ein Weilchen und sahen dem bunten Treiben zu um dann, am Wendepunkt unserer Tagesfahrt, die Rückreise anzutreten.

Nächste Station, das Tal der Schmetterlinge! Man wies uns freundlicher Weise darauf hin, dass zu dieser Jahreszeit keine Schmetterlinge zu sehen sind. Man könne ja den Spaziergang durch die Natur genießen. Hier war ich raus – 45 Minuten bergauf um dann den selben Weg wieder runter zu laufen – gar nicht meins! Ich habe mich auf eine Bank gesetzt und Menschen beobachtet – sehr interessant übrigens – während meine Crew, angeführt durch den Wanderfex Sibylle, den Spaziergang meisterte.

Landschaftlich schön – aber keine Schmetterlinge

Wesentlich interessanter war unsere nächste Station! Eine Abwandlung der Route welche zumindest in unserem Reiseführer nicht zu finden war. Mikey und Franziska stehen auf sogenannte „Lost Places“ und Google half einen solchen auf Rhodos zu finden.

Die „Villa Vecchi“ ist gleich in der Nähe des Hotels im alpenländischen Stil aus 1929, das kannten wir schon. Sie wurde vom selben Architekten geplant und im Auftrag Mussolinis zur selben Zeit erbaut. Der italienische Diktator war jedoch niemals selbst eingezogen.

Bewohnt wurde die Villa von Mussolinis Gouverneur Cesare Maria de Vecchi, der dort „wilde Feiern und Orgien“ veranstaltete während er die Inseln des Dodekanes mit eiserner Hand führte – eine schlimme Zeit, aber ein mystischer Ort den es zu besichtigen lohnt!

Lost Places sind, das liegt in der Natur der Sache, immer auch ein wenig bedrückend, zumald dann wenn sie aus dieser schlimmen Epoche stammen. Es war an der Zeit wieder in das bunte Leben einzutauchen, wir waren ein wenig hungrig, etwas matt und wollten eine Rast. Da traf es sich gut, dass Franzi schon lange ein Auge auf das „Pavo“ geworfen hatte. Google befand das Ziel für gut (4.8) – also, nix wie hin!

Auch hier sollte der virtuelle Quell des Wissens Recht behalten. Ein traumhafter Platz, sehr geschmackvoll, modern, eine gute Karte für Snacks und Sweets, mit beeindruckender Aussicht…

…und mit einer handvoll Pfaue die um die Tische sausen, hat man auch nicht alle Tage!

Hier haben wir gesnackt – Chicken Wraps, sehr gut! – und zum Cappuccino ein kleines Dessert gegessen, auch das sehr gut! Das „Pavo“ ist definitiv eine empfehlenswerte Adresse auf Rhodos.

Ach, weil wir gerade bei empfehlenswerten Adressen sind – zurück in der Marina, es war der letzte Abend für Franzi und Mikey, wurde beschlossen endlich Mikeys Geburtstagsgutschein, natürlich ein feudales Dinner, einzulösen. Doch welche Adresse in Rhodos Stadt wird den Anforderungen gerecht – Geburtstags- und Abschiedsdinner in einem???

Die Antwort – das „Sissitio“!

Hier, so finden wir, hat „die Crowd“ in Google nicht ganz Recht, das Sissitio ist mit 4.5 unterbewertet, zumindest im Vergleich mit anderen. Das könnte vielleicht auch an gehobenen Ansprüchen des Publikums liegen? Wir wissen es nicht, haben jedoch hervorragend gegessen und getrunken, der Service und die Location – 1a! Ein empfehlenswertes, preiswertes, wenn auch etwas teureres Lokal.

Was isst man hier? Wir, besser Mikey, hat sich für… SUSHI entschieden, seht selbst…

Ein letzter Cocktail um den Abend abzurunden, Die Stimmung war perfekt und auch die Altstadt von Rhodos verabschiedete sich von Franzi und Mikey im besten Licht!

Der Tag der Heimreise war gekommen, die Koffer waren gepackt! Sehr perfekt war, dass der Flieger erst abends ging und somit dieser Tag noch für das klassische Sightseeing in Rhodes Old-Town geplant wurde. So gab es ein letztes ausgiebiges Frühstück an Bord…

…bevor wir bei Bullenhitze nochmals den Fußweg in die Altstadt in Kauf nahmen.

Wir hatten uns zunächst getrennt, die Jugend zog schnurstracks los um die Gassen innerhalb der Stadtmauern zu erkunden. Da Sibylle und ich das schon mehrfach gemacht hatten, gingen wir außen herum, warfen einen Blick auf die, wieder präsenten, Kreuzfahrtschiffe…

…und sind dann ebenfalls in das touristische Zentrum eingetaucht. Wir haben die Geschäftsstraßen weitgehend gemieden und uns entlang der kulturell interessanten Wege gehangelt – diese waren erfreulich leer.

Nachdem wir Franzi und Mikey wieder getroffen haben, musste noch Mikeys Hunger gestillt werden. Der Arme, offensichtlich haben ihm die Shoppingstunden richtig Kraft gekostet – ok, wenn ein Crewmitglied Hunger hat steht der Skipper bei. Diese Unsäglichkeit muss bekämpft werden – mit Giros Pita – so hat Mikey es sich gewünscht! Sehr zur Freude des Skippers…

Jetzt aber! Die Uhr tickt, zurück zur Marina, duschen, ein letztes Good Bye und ab zum Flughafen.

Noch am Abend bekommen Sibylle und ich die Nachricht, dass die Beiden gut zuhause angekommen sind – ein Teil der Crew verabschiedet sich mit einem Bild des Rückfluges. Sibylle und ich sind wieder alleine an Bord.

Ein Wetter- und Windfenster muss her! Seit Tagen beobachte ich das Wetter und die Windverhältnisse. Wir sind in den Süden gefahren, müssen wieder nach Norden. Der Wind hier kommt meist aus Nord, schlechte Karten also.

Warten auf Süd? Nein, zu lang, zu teuer! Noch woanders hin, Kreta, Karpathos? Nein, zu aufwendig und noch weiter südlich! Was dann? Erstmal heim, nach Leros? Ja, das machen wir!

Sibylle wollte hochtingeln, mehrere Etappen und die Zeit auf dem Wasser genießen. Da spricht nichts dagegen, aber leider haben wir bereits zwei Tage des Wetterfensters vergehen lassen müssen während derer der Nordwind etwas Pause machte. Laut Wetterbericht haben wir nur noch zwei weitere Tage um unter Motor Höhe zu machen, nach Norden zu fahren, bevor der Wind, in Sturmstärke, zurück kommt.

Hier entscheidet der Skipper, hier geht Sicherheit vor – wir fahren früh los und so viel wie wir auf einmal schaffen – die Route war klar.

Rhodos Marina – Kalymnos Palionissos

Offen gesagt, ich hatte im Hinterkopf bis Leros durchzufahren. Wenn wir um 07.00 die Rhodos Marina verlassen würden, wären wir wohl Mitternacht in Lakki vor Anker. Wir kennen die Bucht, eine sichere Planung.

Sibylle wollte lieber nur bis Nisyros oder eben maximal bis Kos. Aber ich habe das nicht als glückliche Alternativen erachtet, zumal die Kos Marina sicher voll war, es war Samstag.

Nun sind wir also los, waren abermals, ohne jegliche Probleme, recht lang in den Hoheitsgewässern der Türkei unterwegs, haben Meilen gemacht, bis wir die Gewässer der Türkei (zwischen Punkt 4 und 5) verlassen haben.

Die Fahrt verlief, wie geplant, problemfrei und wir konnten das Dahintuckern durchaus genießen – obwohl es sich schon hingezogen hat wie Kaugummi.

Wir hatten gerade die Kos Marina passiert und sprichwörtlich „links liegen lassen“, da setzte die Sonne zum Untergang an. Es war an der Zeit, bereits mit anliegendem Kurs Kalymnos, das leidige Thema Fahrtziel noch einmal herauszukramen…

…und wir fanden einen guten Kompromiss. Das neue Ziel sollte die Bucht Palionissos an der Ostküste der Nachbarinsel Kalymnos sein. Hier gibt es Bojen, hier waren wir bereits im Juni mit Gitti, die Ansteuerung ist uns also bekannt. Hier wären wir nah genug an Leros um unter (fast) allen Bedingungen in den Heimathafen fahren zu können, hier sind wir aber auch noch einmal in einer Bucht um das Bootsleben abschließend genießen zu können – gesagt, getan!

Auf dem Weg dorthin, es waren ca. 18nm, rund drei Stunden Fahrzeit, macht die türkische Grenze nochmals einen Knick. Ich wollte diesen umschiffen um bei Dunkelheit nicht in TR Hoheitsgewässern zu fahren. Sibylle meinte, ich hätte Paranoia, gab sich aber geschlagen.

Um 20.15, es war stockdunkel, traf mich fast der Schlag! Helles Licht am Wasser, im Rigg, voraus, von hinten kommend! Kennt Ihr das wenn das Adrenalin einschießt, es so im Bauch kribbelt? Hatte ich einen Tanker übersehen der uns jetzt von hinten überläuft?

Nichts dergleichen! Ein komplett schwarzes RIB Schlauchboot der griechischen Küstenwache kam unbeleuchtet von achtern auf, wir hatten NICHTS bemerkt, und nahm uns ins Scheinwerfer-Visier. Uns Beiden fiel, als wir erkannt hatten in welcher Situation wir uns befinden, nichts besseres ein als – zu WINKEN! Wahrscheinlich hat das die Beamten gefreut und sie haben einmal kurz das Blaulich blinken lassen, gewendet, die Positionslichter ausgeschaltet und sind in der Nacht verschwunden wie sie aufgetaucht waren.

Das will ich mit den Türken nicht haben, die Entscheidung nachts außenrum zu fahren war in diesen prekären Gewässern richtig!

Der nächste Morgen hat uns entlohnt!!!

Ich bin in Facebook mit der „Taverna Ilias“ in Kontakt. Konnte also klären, dass Bojen für die Nachtansteuerung frei waren und, viel wichtiger, wir um 22.00 noch etwas zu essen bekämen. Das hat alles super geklappt und wir haben herrlich geschlafen. Am Morgen hat uns die Bucht einladend begrüßt und ich war nochmals baden, wunderbar.

Derart ermutigt, haben wir kurzerhand beschlossen einen weiteren Tag anzuhängen. Wir würden nicht direkt nach Leros / Lakki fahren sondern einmal um Leros herum und dabei vor Archangelos beim „Stigma“ halt machen.

Wir tuckerten bis in die Enge zwischen Leros und Archangelos und machten gerade zum Anlegen an der Boje fertig als plötzlich der Motor anfing seine Drehzahl leicht abzusenken…

Nanu, erste Hilfe, rasch bevor er ausgeht! Tankdeckel auf falls die Belüftung verstopft sein sollte. Meinen Mini-Filter, der als Schauglas gegen Dieselpest dient, rasch ausgetauscht – das geht unter der Fahrt, man muss nicht entlüften – beides bringt keine Abhilfe. Ein Blick auf die Tankuhr…

…hm, sollte??? Nein, oder doch? Das Alles passierte in zwei, drei Minuten – ich entscheide also 10 Liter Diesel nachzufüllen, während wir die Boje ansteuern, und siehe da, der Jockel lief wieder einwandfrei.

Ich rechne seit 2014 alle Spritverbräuche auf unseren Fahrten nach und komme fast IMMER genau hin, ein paar Liter hin oder her. Heute schienen mir rund 60 Liter zu fehlen. Die Ursache hierfür muss ich suchen und finden – um es vorweg zu nehmen, das habe ich bis heute nicht in Angriff genommen – ich berichte darüber im Novemberrückblick. Für diese Fahrt hatten wir genug Diesel dabei (30 Liter) und können auch morgen unbesorgt nach Leros zurück.

Doch zunächst Archangelos! Wie immer lud das Meer zum Bade, diesem Ruf folgten wir an diesem Nachmittag mehrfach, es war nochmals ein richtiger Sommertag.

Den Oktober spürt man aber gewaltig, es wird inzwischen sehr zeitig dunkel und so setzten wir schon kurz vor 19.00 über ins „Stigma“ zum Dinner. Wir saßen auf „unserem“ Stammplatz und hatten wieder den Blick auf die Bucht, es war natürlich deutlich weniger los als im Sommer.

Dimitras Eltern waren so freundlich mir mein Lieblingsgericht zu zaubern, obwohl es nicht auf der Karte stand – Octopus Tigania! Tigani heißt Bratpfanne, das Gericht ist also simpler gebratener Octopus mit etwas Samoswein und Chili, ein absoluter Traum, einfach und lecker!

Am nächsten Morgen, wir haben super und auch recht lang geschlafen, waren wir alleine in der Bucht, das hatten wir auch noch nie…

…wir gingen noch einmal baden, haben gefrühstückt und sind dann nach Leros gefahren. Gegen Mittag lag NESSAJA sicher an ihrem Stammplatz D1 in der Leros Marina Evros.

„Wie hast Du den Platz bekommen…“ – noch nicht lange angelegt wurde ich gleich über die Schulter angsprochen. „Ich wollte den auch, habe ihn aber nicht bekommen…“ – ah ja, ich erwiderte sicherheitshalber, dass ich das nicht wüsste, Zufall wohl. Mein Telefonat mit dem Marinero unterschlug ich sicherheitshalber um keine Wellen zu machen – ich mag „meinen“ Platz 😉 , wir wohnen hier!

Es dauerte nicht lange bis der kräftige Wind kam – wir hatten alles richtig gemacht und unseren Törn bis zur letzten Minute ausgenutzt!

Der Wind hinterlässt seine Spuren, nicht nur an der Gastlandflagge! Auch an unseren Nerven zehrt er – im Jahr 2021, unserer ersten vollen Saison auf NESSAJA war der Starkwind allgegenwärtig, oft stärker als gewohnt, häufiger und vor allem länger anhaltend.

Inzwischen ziehen auch immer öfter Wolken auf, es war klar, der Sommer ist vorbei, es wird Herbst auf der Insel.

Der Herbst ist hier anders als in Deutschland – es ist generell schönes Wetter, auch noch warm, wir konnten jeden Tag in Panteli baden. Aber die Beständigkeit verschwindet. Hatten wir im Sommer monatelang keine Wolke gesehen, gab es jetzt auch kurze aber heftige Regenschauer…

…so dass es mir besser schien eine „Garage“ für das Motorrad zu finden.

Der Wind beeinflusst die gefühlte Temperatur beträchtlich und so sehr man ihn im Sommer gebraucht hat um nicht in der Sonne zu zergehen, so sehr wünscht man sich jetzt, dass er weg sein möge um die Sonnenstunden unbeschwert genießen zu können.

Leider tut er diesen Gefallen nicht…

…immer häufiger haben wir Starkwind auch in der Marina, an diesem Tag Beaufort 7, an solchen Tagen gehen wir nun auch nicht mehr baden, es ist einfach zu frisch wenn Du aus dem Wasser kommst.

An anderen Tagen ist noch richtig Sommer. Inzwischen war auch die Crew der ELOWYN in Leros angekommen um das Schiff hier ins Winterlager zu bringen und entsprechend vorzubereiten. Wir waren zusammen schwimmen und haben genau diese letzten „echten“ Sommertage richtig genossen.

Zum Vergleich hierzu ein Bild welches wir von unserer Schwiegertochter aus Miesbach bekommen haben – gleiche Zeit, Mitte Oktober…

…da weißt Du gleich wieder warum Du das gemacht hast – ich gelobe, ich will mich nicht mehr über den „Herbst auf der Insel“ beschweren!

Social Life – während dieser Zeit ändert sich alles. Freunde verabschieden sich täglich, machen ihre Schiffe nach und nach winterfest und besteigen Flieger oder Fähren die sie nach Hause in die Heimat bringen. Es sind inzwischen deutlich weniger Menschen im Hafen. Aber auch neue Freunde gewinnt man in diesen Tagen – so zum Beispiel Brigitte und Erwin aus Gmunden am Traunsee in Österreich.

Sie sind zusammen mit der ELOWYN hier eingetroffen und haben die Leros Marina Evros als Winterquartier für ihre QUO VADIS gewählt. Wir haben einige Zeit miteinander verbracht und waren oftmals zusammen beim Speisen…

Die Capetañas auf der Damenseite
Die Skipper auf der Herrenbank

Apropos Speisen – wir dachten ja irgendwie das meiste auf Leros zu kennen, die wichtigen Adressen zumindest – aber weit gefehlt, es kam eine neue dazu.

Für erstklassiges Essen, hier für Fleischgerichte, empfiehlt sich die „Persiana Churrasceria“ in Alinda. Hier sind wir eingekehrt weil wir in nettem Ambiente drinnen sitzen wollten (nur mit Impfung) und weil wir ein Steak wollten.

Das haben wir bekommen – und wie…

Tomahawk vom Feinsten
1,2kg für zwei

Abermals hatten wir Glück und es spielte an diesem Abend ein Live-Musiker. Chris(tos) macht Cover Songs alter Gitarren Gassenhauer – was zunächst ein bisschen abgedroschen klingt war aber echt gut und hat die Anwesenden mitgerissen – ein echt gelungener Abend, nicht der letzte in der „Persiana Churrasceria“!

You can leave your hat on…

Die im Verlauf des Abends durchgeführte „Impfrazzia“ empfanden wir nicht als störend, im Gegenteil, es bestärkte uns in dem Glauben, dass Griechenland seine Inseln für den Winter 2021 / 2022 schützen will.

Der Rest ist schnell erzählt – tagsüber vertrieben wir uns die Zeit mit Arbeiten an den Booten, hier vorrangig an der ELOWYN, z.B. beim Abschlagen der riesigen Segel…

Geschafft!

…nachmittags mit baden oder, wenn es zu windig war, mit dem langeplanten Besuch des hiesigen Kriegsmuseums.

Im Fadenkreuz
Bedrückende Geschichte
Grausiges Sammelsurium

Ich hatte Zeit mich mit wirklichen „nice to have“ Jobs zu beschäftigen, so zum Beispiel mit einem Schlüsselanhänger fürs Motorrad welcher meine Hosentasche nicht ausbeult oder kaputt macht. Da es von der Stange nichts passendes gab, wurde kurzerhand Manolis angesprochen ob er zum Armband nicht auch einen Schlüsselanhänger fertigen könne – er kann!!!

Der Abschied der ELOWYN Crew nahte, wir haben ein letztes Dinner mit Volker und Tina geplant, es war klar, dass uns dieser Weg in „Mylos“ führen würde. Es war eine Vollmondnacht, selbiger ging über dem Kastell von Leros auf, während wir unseren Wein in diesem erstklassigen Fischlokal genossen…

Kitschiger geht´s fast nimmer…

Unser Seafood war wieder sensationell, die Speisenfolge weitgehend die gleiche wie immer, daher nur ein kleiner Auszug…

Austern und Salat mit Octopus
Tiramisu – mehr als originell
Strawberry Pannacotta – ein Gedicht

Ein letzter Absacker führte uns in die Zweigstelle des „Persiana“, die Bar & Grill Filiale welche auch mit vielen Biersorten wirbt – ein echtes Pint of Guinness machte uns bettschwer, am nächsten Morgen reiste die ELOWYN Crew ab.

Cheers, das Guinness schmeckte

Der Spätsommer ist schön, die Luft ist kühl, feucht, Pflanzen kommen hervor, die Insel verändert ihr Gesicht. Die Luft ist gleichzeitig auch klar und sauber, die Sonnenuntergänge sehen anders aus als im Sommer – es entsteht eine spezielle Stimmung.

Für uns kehrt der Alltag zurück, sowohl beim Essen…

…Sibylle kocht wieder, abends muss drinnen gegessen werden!

Als auch beim Abendprogramm! Es wird zeitig dunkel, wir sehen ab und an wieder Videos oder holen auf YouTube nach was wir im Sommer versäumt haben. Wir wollen ja schließlich wissen wie es bei anderen denen wir folgen, gelaufen ist.

Weil wir Tobi und Franzi von der ZORA in Poros getroffen haben, fangen wir mit den Beiden an.

YouTube – „Wir Segeln“

Wie sieht es mit den Projekten aus? Erfreulich gut! Ich habe mich im Oktober projektfrei gehalten um meine Freude am Basteln für den November zu schonen. Ich musste einzig und allein meine Gangway auswechseln.

Die GS-Optima, für die ich jahrelang die Fahne hochgehalten habe weil sie leicht ist und dies mit hoher Tragkraft paart, musste einer massiveren Prasolux V4A Gangway weichen.

Warum? Nun, mehrere Gründe – war GS sehr freundlich und großzügig in der Reklamationsabwicklung meiner alten, ersten Optima – ich hatte zwei neue Hälften erhalten – konnte ich feststellen, dass kurz nach der Erneuerung im Frühjahr 2021 die gleichen Fehler auftraten.

Die Gangway bog sich durch, eine Hälfte mehr als die andere, zudem ging der Spalt, die Verklebung, nach kurzem Salzwasserkontakt wieder auf.

Es traten wieder Risse und Brüche an der gleichen Stelle auf, diesmal war ich nicht bereit das über Monate und Jahre anzusehen. Fazit, die Verklebung der Ober- und Unterteile scheint nicht seewasserfest und die zulässige Tragkraft von 150kg scheint mehr als optimistisch kalkuliert.

Ich versichere, ich bin deutlich darunter und niemals beladen über die Gangway gegangen, ich habe immer Umsicht walten lassen. Ich bin sicher, dass die tatsächliche Tragkraft, dauerhaft, deutlich unter den zugesagten 150kg liegt. Das sollte durch die Prasolux jetzt erledigt sein – hier vielen Dank nochmals an Robi von der MAXI, mein Nachbar hat mir das gute Stück gebraucht und kostenfrei überlassen.

So ist er, der „Herbst auf der Insel“! Wir haben beschlossen zunächst nicht mehr auszulaufen. NESSAJAs Papiere sind inzwischen bei der Port Police, so sind wir nicht mehr verpflichtet TEPAI zu bezahlen.

Ab und an kochen wir uns in unserer Kombüse herrliche Gerichte, werden auch bald wieder unseren Cobb Grill auspacken und uns im „goldenen Herbst“ leckere Sachen zaubern…

…wir genießen die inzwischen seltenen Abende an denen man noch draußen essen kann, haben wir doch die letzten Wochen sehr wenig an Bord gegessen, schade eigentlich – das werden wir 2022 ändern!

Andermal bleibt die Küche kalt und der Smutje hat frei, dann gehen wir budgetschonend ins „Souvlakki“ und essen Giros Pita mit Pommes und Salat. Da haben wir für 20.- richtig gut gegessen, das ist oft günstiger als Einkaufen und unterstützt die hiesigen Tavernen, zudem nehmen wir am Social Life der Locals teil, das funktioniert ganz gut…

Kleiner Spaß zum Schluss – wir waren vorgestern, am 26.10.2021 in Lakki beim Cappuccino trinken. Wir, Sibylle und Mario, die es befremdlich finden, wenn es in Deutschland Anfang Oktober Lebkuchen gibt (auch bei uns an Bord – Danke Franzi!). Was sehen wir, die Dame im Cafe trägt so ein aufsteckbares Rentiergeweih (kein Foto) und schmückt weihnachtlich…

DAS finde ich geil, ein echtes Statement! Auf meine Frage hin warum sie das JETZT macht und HIER war ihre lapidare Antwort „…I like Christmas, but here we don´t have snow, we don´t have winter, for what should I wait? I start now, so Christmas Time is longer!“ Ok, so gesehen genau richtig…

Das war der Oktober, Ihr habt wieder ein Bild von unserem Alltag. Noch kurz bevor Ihr den Bericht lesen konntet sah es bei mir so aus…

…der Salon wird zum Büro und ich tippe meine Gedanken in den Blog um das Erlebte mit Euch zu teilen.

Das habe ich auch diesen Monat wieder ein paar Tage früher gemacht weil wir Pläne haben…

Heute ist Feiertag, Oxi-Tag, der Tag an dem die Greichen „Nein“ zum Faschismus gesagt haben. Hier ist richtig was los, wir stürzen uns ins Getümmel. Mittags sind wir bei „Dimitris o Karaflas“ – in seiner Taverne gibt es heute Lunch mit Live-Musik. Während ich das schreibe packt Sibylle gerade unsere Motorradtasche – wir werden heute Abend auf die Fähre nach Piräus gehen und morgen weiter nach Heraklion / Kreta fahren.

Dort bleiben wir um zwei befreundete Paare zu besuchen, die völlig unabhängig voneinander und ohne sich zu kennen, im gleichen Ort Immobilien angeschafft haben. Beide sind vor Ort, eine gute Gelegenheit beide zu treffen. Wir planen bis 09.11. zu bleiben und uns Kreta auch einmal zu dieser Zeit anzusehen.

Mehr dazu im Bericht des Monats November, bis dahin grüßen wir herzlich aus Leros und wünschen Euch eine gute Zeit

Die NESSAJA Crew

„Herbst auf der Insel“ (Text: Steinbäcker / Quelle: Internet)

September 2021 – What a Lucky Man You Are

Den Monat September leite ich in der Headline mit einem Songtitel von Reinhard Mey ein – „What a Lucky Man You Are“ ist ein Song des Albums „Einhandsegler“ dessen Titel deutlich näher am Blogthema liegt als der Song selbst, oder??? Ich finde, dass es ein sehr schöner Text ist, ein Eye-Opener, der aufzeigt, dass der Mensch im Alltag manchmal nicht erkennt welch Glück er eigentlich hat.

Der Monat September war ein Familienmonat, der Monat in dem wir die Heimat nach einem halben Jahr Abwesenheit wieder einmal besucht haben, die Freunde getroffen haben und unsere Kinder sehen konnten…

Der Monatsbericht September teilt sich auf in zwei wesentliche Teile – zum Ersten in den des Heimatbesuches und meiner Rückfahrt mit dem Motorrad, zum Zweiten der erste Teil des Abschlusstörns 2021 von NESSAJA. Nehmt Euch Zeit, lasst Euch packen – ich habe diesmal sehr viele Bilder im Bericht.

Ich habe bewusst den ersten Teil des momentanen Törns, ich sitze gerade bei Sturm auf Nisyros, in diesen Monat gepackt – am Ende bleibt „sailingmoments“ ein Segelblog!

Leider nicht ganz scharf – zuviel Bier???

Es ist die Nacht vom 01.09. auf den 02.09. – die Fähre wird um 01.10 Uhr in Leros ablegen. Ich habe diese Verbindung gewählt, weil der Anschluss zur Fähre nach Italien nicht schlecht ist. So beiße ich in den sauren Apfel und setze mich nach dem Abschiedsdinner mit der Crew der JASPER im „Aloni“ noch zu Popi ins „Morano Cafe“. Dort hat man bis 0.30 offen und als ich merke, dass es Zeit ist zu gehen – ich war der letzte Gast – fuhren auch schon die Ladetrucks Richtung Hafen. Die Fähre würde bald kommen.

Leros – Piräus mit BlueStar

Die Fähre war pünktlich, wurde rasch verladen und auch ich durfte meinen treuen Minibus bald einparken, er fand ein sicheres und leicht rangierbares Plätzchen.

…am Ende war hier natürlich alles voll!

Ich hatte für die neunstündige Überfahrt eine Deckspassage gebucht und hastete deshalb nach oben auf Deck wo ich versuchte rasch einen idealen Sitzplatz zu finden. Ich war ausgestattet mit Kissen, Decke und Oropax, so konnte ich zumindest etwas schlummern.

Eckplatz & Comfort Seat – trotzdem, bequem ist anders!

Am Vormittag des Folgetages am griechischen Festland angekommen spuckte mich der schwimmende Riese mitsamt meinem italienischen Vehikel an Land…

…ich klemmte mich in Piräus sofort auf die Autobahn um das Hafenviertel der pulsierenden und nervigen Stadt schnellstmöglich zu verlassen. Ich fuhr Richtung Patras und hatte vor, irgendwo am Strand eine gehörige Rast einzulegen. Ich wollte etwas essen, ein wenig rasten und vielleicht zum Frischmachen ein bisschen schwimmen – gedacht, getan!

Nicht weit von der Autobahn – ein Cafe direkt am Strand

Ich fand in der Nähe von Megara genau was ich suchte – ein schönes Strandcafe welche mir alle Optionen bot und zugleich nicht zu busy war, perfekt!!!

Mein Frühstück, nein, Brunch – wohlverdient!

Ich habe mir zum Brunch ein Club-Sandwich gegönnt, dazu einen Freddo Espresso. Ich verbrachte hier eine recht lange Zeit, konnte im Meer baden und ein neues Buch lesen. Nach Erdmann (siehe August Bericht) war jetzt Schenk an der Reihe, selten hatte ich soviel Ruhe zum Lesen wie diese Tage.

Nach ein paar Stunden setzte ich „just in time“ meine Fahrt nach Patras fort, um dort im Hafen für die Überfahrt nach Italien einzuchecken. Als das erledigt war, ging ich zum Abendessen in das gleiche Lokal wie bei meiner letzten Dienstreise – ich habe mich gut erinnert – es sollte so etwas wie mein Stammlokal werden, warum, dazu später mehr…

Hier spricht man wenig Englisch, aber ich war bereit mich auf Überraschungen einzulassen als man mir „Meat“ anbot – und wurde nicht enttäuscht!

Mein Menü, zusammen für rund 20.-€

Derartig gestärkt war ich bereit, mich in die Schlange für den Fährtransport einzureihen…

Position 4 – nicht lange zu Warten

Das Ziel war diesmal ein anderes, es sollte zum ersten Mal nach Venedig gehen – ich wollte die lange (33h) Überfahrt ausprobieren, zu Gunsten der kürzeren Autofahrt, zumal ich ja alleine unterwegs war.

…so stand es geschrieben!

Ich war bei den Minibussen an erster Position, das hat nichts mit Drängeln zu tun, ist aber von Vorteil wenn man keine Kabine gebucht hat. Für die Schlafmöglichkeiten an Deck gilt ganz klar – die besten Plätze gehen an die Ersten!

Der Italiener in der Pole-Position

Ich war für die ASTERION II gebucht und hatte bei der Anfrage keine Kabine mehr bekommen. Ausgebucht!!! Meine Hoffnung war, über eine Warteliste noch ein Schlafgemach zu bekommen, ich war mit meiner Ausrüstung aber für die Deckspassage vorbereitet – in diesem Fall ZWEI Nächte!

Ich kannte das Schiff nicht, es sollte sich aber als eine gute Option herausstellen. Alles an Bord war sauber und funktionell, eine Kreuzfahrt ist es eben nicht…

Ich stürmte aus der Garage nach oben zur Rezeption, sollte ich wegen der Kabine fragen? Ach, nur kurz noch einen Stock nach oben sehen…

Ich fand zufällig in eine Lounge Area welche wohl einmal als Party oder Disco Bereich gebaut wurde. Getanzt wurde hier wohl länger nicht mehr, aber eben ein Bereich mit gemütlichen Möbeln, wenig Fenstern und… nahezu leer! Ich riskierte es – ich wollte das Geld sparen und habe auf die Kabine verzichtet und mir hier ein Nachtlager eingerichtet – ich nehme es vorweg, ich habe zwei Nächte super geschlafen und tagsüber immer einen Platz zum Zurückziehen gehabt – perfekt, das merke ich mir!

Meine Kuschelecke

Die Fahrt ging relativ pünktlich los und die Fähre fuhr in die Nacht hinaus, es wurde nach einem Zwischenstopp in Igoumenitsa Kurs Venedig angelegt.

Der nächste Tag war, zugegeben, recht langatmig! Wir fuhren über die offene See, ein Anblick den ich mag, aber von so einem großen Schiff nur begrenzt lang genießen kann…

Ein bisschen was zu lesen hatte ich noch, aber irgendwann war auch Bobby Schenks Lebensgeschichte aufgesogen – was tun?

Nun, mit etwas Geduld rettet man sich zum Sonnenuntergang der, ohne Land im Hintergrund, immer ein besonderes Spektakel darstellt – und somit auch gut für etwas Zeitvertreib ist!

Glück ist, dass Reisen ermüdet. Nach dem Dinner also auf die Couch und irgendwie gut geschlafen. So folgte dem soeben noch erlebten Sonnenuntergang auf hoher See, ein ebenso schöner Sonnenaufgang kurz vor Venedig.

Die Fahrt in und durch die Lagunenlandschaft war wunderschön, der riesige Pott glitt langsam und ganz nahe der Flachwasserzone durch die Fahrrinne.

„Fahrer bitte zu den Autos kommen, es wird bald entladen“ – ich eile zu meinem Wagen und stelle fest – hier komme ich nicht raus, zumindest nicht so schnell…

Suche den Scudo

Es folgten zwei Stunden welche mich Nerven kosteten und von denen ich keine Fotos habe – daher kurz zusammengefasst…

Der Fahrer des roten Ford kam in aller Ruhe 45 Minuten nach dem Ausruf, das Deck war fast leer, ich war, ehrlich gesagt etwas sauer – mein Plan den Gardasee vor den Urlaubern zu passieren schien gefährdet.

Ich hatte, kaum die Fähre verlassen, mein Impfzertifikat vorzuzeigen – in Griechenland erstellt und anerkannt, später in Deutschland und Österreich ohne Probleme – aber hier beim Eintritt in Italien war mein Nachweis beim Scannen „not valid“ – das sollte später noch eine Rolle spielen, ich wurde hier aber entnervt durchgewunken – manchmal brauchst halt Glück.

Zu guter Letzt wurde ich am Zoll noch komplett auseinandergenommen, nebst Spürhundeinsatz und dem Röntgen meines Autos – mir war mulmig, aber gefunden haben sie nix.

Also auf die Autobahn Richtung Brenner und schon in Verona wurde vermeldet – „90km Stau bis Trento“ – na toll!

Ich mache es kurz, ich bin gerade so durchgeschlüpft, habe statt der kalkulierten 6h rund 8h gebraucht und war gerade noch rechtzeitig zu Kaffee & Kuchen in der ehemaligen Heimat!

Das erste und wichtigste Tun war, neben duschen, den neuen Erdenbürger, unser viertes Enkelchen Benno kennen zu lernen. Der Kleine hat am 25.08. das Licht der Welt erblickt und ich habe mich darauf gefreut ihn in den Arm nehmen zu können.

Welcome

Der Rest des Ankunftstages war „Erholung“ – an Tag zwei ging es aber schon los. Zuerst gemütlich, mit einem feudalen Frühstück beim „Dinzler“ zu dem mich meine liebe Gattin aus lauter Wiedersehensfreude eingeladen hat…

Draußen – mit BERGblick
Gefrühstückt wie lange nicht mehr!
Ein Traum

…dann aber war deutlich Druck zu spüren. Hatten wir doch beschlossen den praktischen Minibus zu behalten, so musste der Logik folgend, der für Griechenland angeschaffte Volkswagen wieder veräußert werden – also eine Annonce verfasst und den Wagen in „mobile.de“ angeboten.

Baujahr 2009, 223tkm, 2.Hd, TÜV neu – zum schnellen Verkauf ein paar hundert Euro unter dem üblichen Marktpreis – Ihr ahnt nicht was an dem Abend los war!!!

Das Bild zeigt die Anrufe und Sprachnachrichten etwa eine Stunde nachdem ich auf „Online stellen“ geklickt hatte an – der Wahnsinn! Über WhatsApp bekam ich nochmals gleich viele Anfragen. Kurz gefasst – ich habe den Wagen noch am selben Abend an den ersten seriösen und entscheidungsfreudigen Interessenten verkauft – was mir auch Beschimpfungen von enttäuschten Zweitplatzierten einbrachte und mich in dem Glauben bestärkte den richtigen Käufer gefunden zu haben – Adieu mein lieber Golf, es hätte was werden können mit uns Beiden 😉

Da war doch noch was???

Ach ja, das Motorrad! Sohn Stefan war inzwischen zu Besuch in unserem ehemaligen Haus welches inzwischen dem Ältesten gehört und hat mir das neu erworbene Bike gebracht – nicht ohne es vorher getestet zu haben. Natürlich musste auch ich mich auf die Überführungsfahrt vorbereiten, checken was ich noch kann und vor Allem was NICHT, und dabei gleich feststellen inwieweit die Kleidung ausreichend ist. Ein adäquater Helm musste auf Wunsch der treusorgenden Gattin bereits vor der Testrunde gekauft werden.

So bin ich eine Morgens, als Sibylle einen Arzttermin zu erledigen hatte, auf das Bike und habe eine „große Runde“ im oberbayrischen, heimatlichen Voralpenland geplant. Dabei fiel mir auf, dass meine letzte „echte“ Biketour bestimmt schon mehr als 25 Jahre zurück liegt.

Egal! Die Wahl fiel auf den Klassiker – zuerst nach Holzkirchen um bei der Bäckerei „Kuhn“ zu frühstücken…

…danach über Bad Aibling, Bad Feilnbach und Brannenburg schnurstracks zum Tazlwurm der direkt nach Bayrischzell führt.

Kurze Hose? Ja schon, ich musste abwägen was ich neu kaufen wollte – immerhin nur für eine Fahrt – und was verzichtbar erschien. Die kurze Buxe musste aufgrund der morgendlichen Temperaturen weichen, auch ein Windbreaker wurde angeschafft – das war ausreichend für die Tour und hat sich bewährt. In Griechenland fährt man in Shorts und T-Shirts, ich weiß, nicht wirklich safety-konform, aber eben bei 35°C Usus.

Es war eine wunderschöne Tour und ich fühlte mich gewappnet für die Überführung des Bikes nach Leros!

Leider war das Wetter nicht immer auf unserer Seite und ich musste zum ersten Mal nach langen Wochen wieder Regen erleben…

Ein weiteres „To-Do“ auf meiner langen Liste für den Heimataufenthalt war das porentiefe Reinigen des verschmutzten und verstaubten Italieners. Er hatte sich die Oberwäsche redlich verdient und erstrahlte danach in neuem Glanze. So steht er jetzt fertig für die neue Beladung in Miesbach und wird Anfang 2022 wohl wieder auf Strecke gehen müssen.

Das alles hört sich stressig an, war es teilweise auch, es gab halt viel zu erledigen. Dabei waren wir aber immer darauf bedacht die Freude und die Freunde nicht zu kurz kommen zu lassen.

So waren wir mehrfach am „Seegartl“ um dort mit den Freunden zu schnabulieren – Weißwurschtfrühstück – nach Monaten der Abstinenz ein Gedicht!

Ein Andermal haben wir uns mit den Kindern verabredet um zusammen zu sitzen und zu klönschnacken und den Geschichten des letzten halben Jahres zu lauschen. Die Locations waren immer gut gewählt, mal im Privaten, mal in einem Biergarten bei guter bayrischer Küche.

Schweinsi mit Krusterl, ein Gaumenschmaus!

Letztlich war unser Kalender gespickt mit Besuchsterminen – wir haben nahezu alle Freunde, die Miesbacher und Schlierseer und auch die „von außerhalb“ getroffen. Der letzte Termin war ein Burgergrillen in Aufkirchen – ein lang geplanter Fixpunkt in unserem Kalender – der Termin dem die Abreise folgen sollte…

…wir hatten nochmal so richtig Spaß zusammen und letztlich auch Gelegenheit mit Franzi und Mikey den bald folgenden Urlaubstörn zu besprechen.

Der Tag verging wie im Flug, es war Zeit für mich wieder Abschied zu nehmen. Schon am Abend dieses Tages traf ich im „Haus Seegarten“ Jens und Marcel, die sich kurzentschlossen breit erklärt hatten mich auf den Motorrädern bis Venedig zu begleiten.

Im „Schnapperwirt“ zu Fischhausen wurde bei einem zünftigen Weißbier die Route der folgenden Tage besprochen und eine Art Zeitplan aufgestellt – Abfahrt morgen früh um 09.00 Uhr!

Die Uhr tickte – Sibylle war einen Monat bei der Familie des Sohnes um etwas Unterstützung anzubieten und sich nach der Geburt des Jünsten einzubringen. Ich hatte nur rund 10 Tage. Das war einerseits genug, andererseits hat es nicht mehr zum Legospielen mit Enkelchen Otto gereicht – das werde ich nachholen müssen, hier stehe ich im Wort! Nächstes Mal bleibe auch ich ein paar Tage länger.

Wir haben uns vor dem Kindergarten nochmals fest gedrückt, nach dem Frühstück mit Sibylle ging es für mich los – fast ein kleines Abenteuer…

Gut bepackt – kurz vor der Abfahrt
Fertig – es kann losgehen!

Ich fuhr also morgens alleine nach Schliersee / Fischhausen um die beiden Freunde und Begleiter dort abzuholen – ich wurde bereits erwartet und nach einer kurzen Verabschiedung von René und Rita ging es schon los…

…nach Thiersee – weil der Sprit dort fast 30 Cent billiger ist! Irgendwo muss man ja sparen! Hier wurden die Bikes bis zur Tankkante druckbetankt und der Zähler auf Null gesetzt.

Jetzt hieß es über Kufstein entlang der Autobahn und des Inn auf wunderschönen Landstraßen bis etwa Innsbruck zu fahren.

Wir machten die ein oder andere kurze Kaffeepause um dann kurz vor Innsbruck das erste Mal in die Bergwelt zu fahren, es ging über kleine Bergstraßen nach Brenner und von dort in die vorgelagerten Gebiete der südtiroler Dolomiten.

Ganz offen, bis hierhin war ich verwundert – nicht enttäuscht – verwundert, dass wir nicht gleich bei Kufstein ins Herz der Dolomiten vorgefahren sind. Jetzt wurde mir mehr und mehr klar warum. Es gab hier an dieser Seite wunderschöne, viel weniger frequentierte Routen für Motorradfahrer. Die Qualität der Pässe lässt sich aber gut an den Bildern erkennen…

…wir fuhren gemütlich aber doch fokusiert, so dass ich als Wiedereinsteiger zwar gefordert aber immer auf der sicheren Seite fahren konnte. Kurz – wir waren zufrieden und glücklich!

Ein Pass folgte inzwischen dem anderen und wir gewannen mehr und mehr Vertrauen zu Jens´ App, welche uns die besten Bikerouten zur Zielerreichung vorgab.

In der Region Sarntal erreichten wir den höchsten Punkt unserer Tour, es ging bis auf über 2200m!

Dabei kamen wir den „wirklichen Berühmtheiten“ der Dolomiten sehr nahe…

Wir fuhren Kilometer um Kilometer, Stunde um Stunde – ehrlich, ich konnte die zurückgelegte Strecke inzwischen besser am Hintern spüren als am Tacho ablesen. Es war Zeit sich Gedanken über ein Nachtquartier zu machen.

Dank der modernen Medien war dies keine allzugroße Herausforderung und bald schon konnten wir unsere preiswerten und schönen Zimmer in einem Berggasthof des Val di Fiemme beziehen!

Es war abgefahren, inzwischen wusste ich ungefähr wo ich war, wo wir fuhren, welcher Route wir folgen. Wir kamen durch Regionen und Bergdörfer welche ich vor vielen Jahren mit dem MTB kennen lernen durfte. Jetzt komme ich mit dem Bike auf diesen Traumrouten zurück – Sarntal mit Sarnthein, Val di Fiemme, Belluno und so viele mehr – es war ein Traum!

Ich habe das Bier mehr als genossen…

Beim Bier sollte es nicht bleiben. Ich habe mich den ganzen Tag auf meine Pizza gefreut und das sollte auch klappen. Nach dem Duschen hat uns nichts mehr halten können, auf in die Pizzeria, einmal Capricciosa bitte!

Ein TRAUM, die Pizza war ein Gedicht! Dennoch war mir eine Laus über die Leber gelaufen – es war der QR Code meines Impfzertifikates. Das Übel kehrte zurück obwohl ich mich mit dem Download der italienischen GreenPass App bestens vorbereitet hatte und gewappnet schien.

Der Teufelsscanner der Italiener will meinen Code nicht akzeptieren! Konnten wir das in der Pizzeria noch lösen, wusste ich, beim Einchecken auf der Fähre stellt sich hier ein unerwartetes Problem in den Weg!

Egal zunächst, es musste weitergehen! Tag 2 der Tour brach an, Ziel heute sollte bereits Venedig sein. Jens, der Weitgereiste, der mit dem ich tausende Kilometer im Auto verbrachte, tausende Meilen geflogen bin, dieser Freund war niemals in der Stadt der Gondeln – wir wollten mein Ziel zum Zweck des Besuches nutzen.

Die Bikes waren gepackt, mit einem Lächeln im Gesicht ging es los – bereits die ersten Kilometer des Tages sollten ein Highlight der Reise werden…

…es ging sehr rasch zum Einstieg in den Manghenpass, es reihte sich eine Kurve an die nächste, eine Serpentine folgte der anderen – es war ein Stakkato an Eindrücken und ein perfektes „zweites Frühstück“ für den Biker!

Auf der Passhöhe angekommen waren wir zunächst wirklich alleine, genau wie auf der Straße zuvor – wir konnten die Natur und den Gipfel für uns genießen.

So viele Eindrücke, zuviele um sie auf Bildern festzuhalten – ein Versuch der ohnehin meist misslingt!

Die kleine Alm etwas unterhalb der Passhöhe war zu schön um nicht kurz dort einzukehren. Und obwohl wir erst vor einer, vielleicht eineinhalb Stunden gefrühstückt hatten, nahmen wir uns die Zeit dort einen Cappuccino zu trinken. Ein Fest für die Sinne.

Wir mussten weiter! Hatten wir doch unser Ziel in der Lagune vor Augen…

Es ging wieder runter ins Tal, vorbei an Schluchten und saftig grünen Landschaften. Ich konnte das nach den Monaten der Abstinenz und meinem Leben im Blau schon außerordentlich genießen!

Bald verließen wir Südtirol und kamen ins „echte Italien“, dies merkte man an den Gaststätten…

…und der Beflaggung – wir kamen dem Ziel deutlich näher!

Eine letzte Pause bevor wir den letzten Pass in Angriff nahmen…

…es ging noch einmal richtig hinauf – auf die Anhöhen rund um den Monte Grappa, über Straßen die ich mich in Deutschland nicht trauen würde sie zu befahren, wären sie doch sicherlich auch als gesperrte Versorgungswege gekennzeichnet.

Dort bot sich uns ein letzter herrlicher Ausblick, nicht zuletzt über einen Teil der heutigen Strecke. Ich war stolz und happy.

Von jetzt an ging es nur noch bergab. Wir fuhren direkt in die Landschaft des Veneto und hatten noch rund 100km über Land durch die Ortschaften zu fahren. Es war plötzlich bullenheiß, eine Pause und ein kleiner Mittagssnack taten Not – klar, dass auch hier landestypisch entschieden wurde.

Eine gute Stunde später waren wir in unserem Hotel angekommen. Das Haus war wenig frequentiert, viele Bereiche geschlossen – aber insgesamt waren wir zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis untergebracht, kein Grund zum Klagen!

Und das Beste, kein Zufall, das Hotel lag nur 4km von der Fährstelle Fusina entfernt, ich hatte am nächsten Morgen keinen lästigen Berufs- oder Stadtverkehr zu erledigen.

Es war inzwischen 16.30 Uhr, wir mussten uns sputen um den geplanten Venedigbesuch noch umsetzen zu können. Frisch geduscht und kurz behost nahmen wir zwei der Bikes und fuhren direkt bis an die Stadtgrenze – wir konnten die Ponte del Liberta überfahren und direkt am Piazza le Roma parken – das geht mit dem Motorrad, sogar relativ günstig!

Mancheiner mag sich denken, dass Venedig in ein paar Stunden nicht zu schaffen ist – das ist richtig! Und doch reicht es, sich einen ersten Eindruck zu holen. Wir sind also vom Piazza le Roma schnurstracks per pedes Richtung Rialto – dabei haben wir Eindrücke gesammelt…

Natürlich – die Gondeln
Ponte Rialto

…wir haben uns für das obligatorische Touristenfoto auf der Rialtobrücke angestellt!

Aber auch auf Kleinigkeiten geachtet, kurzum, wir haben den Flair der Stadt aufgesogen – das war an diesem Traumtag, zu dieser Stunde, nicht schwer!

Schöne Details
Tolle Stimmung

Von der Rialtobrücke ging es weiter – wie sollte es anders sein – zur Piazza San Marco, zum Markusplatz…

Campanile San Marco

…mit seinen berühmten und beeindruckenden Bauwerken!

Museo di San Marco / Basislica di San Marco
Palazzo Ducale – der Dogenpalast

Ich denke, wenn man das erste Mal in Venedig ist packen einen die Eindrücke. Es war ok für uns nur ein paar Stunden gewesen zu sein, wir wollten zurück – aber mit dem Vaporetto.

So haben wir uns drei Einzelfahrten vom Dogenpalast zum Piazzo le Roma gekauft und uns ins feierabendliche Gedränge gestürzt…

…aber auch diese, relativ weite Fahrt hat Spaß gemacht und zum Abschluss noch eine andere Perspektive auf Venedig ermöglicht!

Geistesblitz -> Glücksfall! Meine Bedenken bezüglich des Impfzertifikates kehrten zurück, ich habe auch ein einer Bar in Venedig ein „Fail“ hinnehmen müssen, was tun???

Testen! So suchten und fanden wir das Testzentrum Venedigs welches noch eine halbe Stunde geöffnet hatte…

Ich füllte meine Unterlagen aus, berappte brav die geforderten 22.-€ (als Geimpfter) und bekam nach 20 Minuten mein Ergebnis – NEGATIV!

Dass man für das Einchecken mit Test ein anders PLF (Personal Locating Form) als für die Einreise als Geimpfter braucht wusste ich – das würde ich im Hotel erledigen. Doppelt gemoppelt hält besser, so sah ich meinem Check-In für den Folgetag gelassen entgegen.

Mittlerweile war es 20.00 Uhr, wir gingen tatsächlich nochmals in die Gassen des dunklen Venedig und aßen an einem kleinen Kanal zu Abend – danach ging es per Bike zurück ins Hotel.

Jens und Marcel traten am nächsten Tag frühmorgens Ihre Heimreise in den Landkreis Reutlingen an, wir hatten uns verabschiedet und ich war und bin dankbar für die nette und kurzweilige Reisebegleitung. In Jens´ Fall zeigt mir diese Tour, dass im Job geschlossene Freundschaften auch nach dem Abschied des Einen Bestand haben können, in Marcel´s Fall wurde klar, dass genau über diesen Weg auch neue Kontakte und Freundschaften entstehen können!

Ich habe die Tour sehr genossen – DANKE Euch Beiden!

Von nun an ging es alleine weiter. Der Tag meiner Fährpassage war gekommen, einen Wecker brauchte ich nicht zu stellen, das Ablegen war für 12.00 Uhr geplant, ich müsste mich etwa zwei Stunden vorher einfinden – Zeit genug für ein Frühstück in einer der Bars beim Hotel um die Ecke…

Das Panino schmeckte nach Italien, der Cappu war eine Wucht – zusammen für 4,70€, günstiger und besser kannst Du kaum frühstücken. Ich war bereit, auf geht´s, die Fähre wartet.

Ok, zunächst wartete nicht nur die Fähre sondern vorrangig ICH – nämlich am Ende der Warteschlange vor dem Check-In. Wegen Covid war alles etwas komplizierter, es muss aber dabei angemerkt werden, dass hier alles hervorragend organisiert war. Die Wartezeit verging und ich realisierte rasch, auch hier werden die QR Codes der Impfung gescannt! Das habe ich gar nicht erst versucht, ich habe mit meinem Testergebnis eingecheckt und war kurz darauf fertig um die Fähre zu boarden.

Da es sich wieder um die ASTERION II handelte und zudem der Rückweg nur eine Übernachtung umfasst, war mein Plan klar – die Bikes werden als erstes geboardet, ich werde meine Taschen packen und sofort zu MEINEM Platz in der ehemaligen Disco rennen! Gesagt, getan und schon wenige Minuten später war mein Nachtlager gerichtet…

Ich konnte es mir gemütlich machen und auf die – pünktliche – Abfahrt der Fähre warten.

Bald schon ging es los und wir verließen zur Mittagszeit die Lagunen und Venedig blieb achteraus. Irgendwann, viele Stunden später, waren die griechischen Gewässer erreicht und wir hatten wieder Landsicht – das ist insgesamt auch kurzweiliger.

Da die Überfahrt und der Zwischenstopp in Igoumenitsa planmäßig verliefen, war auch die Ankunft etwa termintreu. Ich wusste, dass wir gegen 21.00 oder 22.00 Uhr in Patras ankommen würden und hatte deshalb ein Nachtquartier in der Hafenmetropole gebucht.

Doch zunächst wurden die Fahrer gebeten zu den Fahrzeugen zu kommen um ein schnelles Entladen des weißen Riesen zu gewährleisten – es ist schon Wahnsinn wie die Dinger vollgepackt werden! Mein Bike stand wieder in der letzten Ecke, doch diesmal war ich rasch draußen…

In Griechenland konnte ich ohne Probleme mit meiner griechischen Impfung einreisen, insgesamt ging auch das generelle Procedere rascher vonstatten.

Die Herberge war vorgebucht „Lovely Appartement“ – nun ja, der Name klingt in deutschen Ohren komisch finde ich, aber das Zimmer entsprach voll den Erwartungen!

Das wirklich Gute aber war, dass ich mir eine Lage ausgesucht hatte welche man aus „normalem“ Blickwinkel eher als suboptimal bezeichnen würde. Direkt an einer Einfallsstraße nach Patras, unweit des Autobahnzubringers, in der ersten Etage eines Autohauses – aber eben verkehrsgünstig zum Port (5 Minuten) und fußläufig zu meinem „Stammlokal“ in dem mich die Bedienung und der Chef inzwischen kennen. Es wurde wieder gefragt ob „Meat“ meinen Vorstellungen entspräche, abermals wurde ich nicht enttäuscht…

Elefteria und Kostas gaben sich große Mühe mit mir, so konnte ich zwei Raki später in mein Zimmer trotten und mich auf´s Ohr hauen, morgen ist ein neuer Tag!

Und der ging gut los! Perfektes Wetter, warm, sonnig – ich stand recht früh morgens auf und fuhr auf der Autobahn an Patras vorbei. Ich hatte keine Lust durch die Stadt zu fahren. Kurz nach Patras wechselte ich auf die „Old National Road“ um die rund 200km nach Piräus auf der Landstraße abzuspulen.

Ich fuhr durch Dörfer, meist am Meer entlang, konnte Düfte wahrnehmen und die Sonne auf der Haut spüren. Nach etwa einer Stunde suchte ich mir einen wunderschönen Platz zum frühstücken aus.

Entlang solcher Routen gibt es so viel zu sehen, ich genieße das, ich mag die kleinen Details – sei es, beim Betrachten von aus meiner Sicht witzigen Graffito…

…oder beim Pflichtstopp an kulturell wertvollen Bauwerken, wie dem weltberühmten Kanal von Korinth. Hier bin ich 2011 mit der alten NESSAJA durchgefahren und jetzt habe ich den Kanal mit dem Motorrad passiert – ich fühlte mich griechisch 😉 …

Mein Weg führte mich schnurstracks nach Piräus, ich kam überpünktlich an und hatte noch etwas Zeit abzusitzen. Bei BlueStar kann man online einchecken, ähnlich wie beim Fliegen – ein sehr guter Service! So hatte ich keine Formalitäten zu erledigen und entschied kurzfristig die Wartezeit in Piräus in der mir bekannten Zea Marina zu verbringen.

Gegen 16.30 Uhr war es an der Zeit zum Hafenterminal zu fahren, der blaue Riese stand bereits mit offenem Schlund zum Beladen bereit…

Hier wurden die ganzen Bikes an einem Platz gesammelt und entsprechend dem Ausstiegshafen sortiert, alles war perfekt organisiert.

Ich hatte wieder Deckspassage, aber wiederum Glück bei der Platzwahl. Ich fand einen freien Eckplatz und konnte mir ein Lager für die neunstündige Überfahrt bauen.

Uff, leider doch Pech! Irgendwie war in dieser Nacht der Wurm drin, ich habe kein Auge zugetan. Da die Ankunftszeit um ca. 04.35 auch nicht unbedingt zuträglich war, habe ich zu gegebener Zeit entschieden, dass ich dann eben diese Nachtruhe ausfallen lasse! Um kurz nach 04.00 hatten wir Leros querab…

Ich war geschafft! Aber einfach hinlegen und schlafen? Nein, ich hatte Sibylle versprochen, dass ich bei Ihrer Ankunft um 12.30 Uhr meinen Verwaltungskram und die Computerarbeit weitgehend erledigt hätte und das Schiff schon ein wenig wohnlich sein würde – hatte ich doch bei meiner Abreise alles was nicht niet- und nagelfest war in den Salon geräumt.

Sibylle kam wie geplant an, wir machten entspannt klar Schiff und gönnten uns am Abend ein Willkommensdinner bei unserem Freund Dimitris. Wir waren erledigt von der Anreise und wollten danach nur noch schlafen…

Tick tack, die Uhr lief! Wir hatten rund eine Woche Zeit bevor Franziska und Mikey zum Abschlusstörn 2021 kommen würden. Die Projektarbeiten standen noch an, ich musste die Werkzeugkiste auspacken und ran…

So konnte ich mit Hilfe eines Ersatzteiles für meine alte ST50+ Anlage, beschafft durch Fa. Ober in Österreich (der Raymarine Papst), endlich das matte Display meines Tridata ersetzen.

Fummelarbeit für filigrane Fingerchen, eigentlich nix für mich! Aber schon nach einer Stunde konnte ich Vollzug melden, das Gerät tut wieder, die Daten sind wieder ablesbar!

Ähnlich ging es mit der Reparatur des Außenborders voran. Ich habe die Teile welche mir die Fa. Jochum in München beschafft hat – vollständig und in-time – verbaut und der 6PS Quirl ist sofort angesprungen und schien perfekt zu laufen. Die finale Probefahrt steht noch aus…

Nicht so perfekt lief es mit dem Ofen, treue Blogleser erinnern sich! Ich konnte zwar vor meiner Abreise die Bestellung der Teile final absetzen, die Lieferzeit beträgt bei SVB aber rund zwei Monate. Zum Glück konnte ich wenigstens die Federn für die Ofentüre erwerben, so war zumindest der Zusammenbau des Trums sicher gestellt.

Sibylle durfte nochmal in den letzten Ecken des zerlegten Befeuerers nachreinigen – in diese Winkel kommt man später nicht mehr!

Begeisterung sieht anders aus, ich habe in diesem Moment mit Bemerkungen aller Art gespart…

Die Tage waren stressig, aber eben positiv stressig! Wir kamen am Schiff voran, die meisten Freunde waren zurück in der Marina und auch Volker und Kristina von der ELOWYN waren ein paar Tage da.

Wir hatten fast jeden Tag Verabredungen zum Kaffee oder Dinner, trafen dabei die Crews der HARMONY, der LIBERTÉ, der SHAKA, der MAXI und der CHRISTINA – wir hatten Spaß und viele Geschichten zu erzählen. Mit manchen Freunden war es das erste Treffen 2021, mit anderen Crews das vielleicht wirklich letzte für lange Zeit oder gar für immer. Mit einer Crew haben wir in einer Schnapslaune ein „Losfahrertreffen auf den Kanaren“ für 11/2023 verabredet – mal sehen…

Ich war zufrieden, ich war in meiner Welt, auch wenn Familie und Freunde aus dem Oberland manchmal fehlen!

Mit dem Motorrad konnten wir uns gut auf der Insel bewegen, die Fahrten zum Strand und den Tavernen, das Parken, alles war einfacher – eine gute Entscheidung!

So suchten wir die schönen Plätze der Insel mit dem Bike auf, zum Beispiel die Anhöhen bei den Mühlen, beim „Harris“…

…von wo aus wir bei einem Sundowner mit der Crew der ELOWYN den Sonnenuntergang beobachteten.

Um gleich anschließend bei Vollmond bei „Dimitris o´ Karaflas“ zu dinieren und Meze zu genießen.

Im Rahmen der Reparatur- und Wartungsarbeiten wollte ich meinem neuen Kühlkompressor noch etwas mehr Atemluft gönnen – so hat er an der Wartungsklappe ein weiteres Lüftungsgitter bekommen.

Sogar für Fleißaufgaben blieb ein bisschen Zeit – ich konnte als Gegenleistung für viele gute Tips und eine stetige helfende Hand auch bei Gottfried´s HARMONY ein wenig unter die Arme greifen.

Der alte Mariner Zweitakt Außenborder brauchte eine neue Vergaserdichtung und ich erinnerte mich bei dem Wort „Dichtung“ nicht nur grob an meine Tätigkeit der letzten 20 Jahre, auch das Material war mir noch im Kopf – und in der Lagerhaltung…

So präpariert bin ich überzeugt, dass der alte Vaporisateur seine Aufgabe weitere 30 Jahre verrichten kann!

Sonst was Neues??? JA!!! Es wurde kalt!

Der griechische Herbst ist anders als der deutsche. Noch kein Regen, aber ab und an eine Wolke, wenn Wind weht, dann tut er dies meist recht frisch, so dass die Temperaturen nur noch selten die 30° Marke erreichen. Wir hatten auf einmal immer öfter um die 25°C, abends frischer…

Zeit den Pulli dauerhaft auszupacken…

Dies sollten wir leider auch beim Abschlusstörn zu spüren bekommen, aber das wussten wir ja noch nicht!

Die Tage verflogen, Freunde beendeten ihre Saison und flogen nach Hause. Wir schreiben die dritte Septemberwoche, Franzi und Mikey werden bald anreisen. Es war vereinbart die beiden in der Kos Marina aufzunehmen.

So legten wir am 25.09. ab um nach Kalymnos / Emborio zu fahren. Wir wollten eine Nacht an die Boje, für den Folgetag war ein Liegeplatz in der Marina reserviert.

In der Bojenbucht waren wir in illusterer Gesellschaft, seit langer Zeit war mal wieder eine Megayacht mit Heli nahebei. Der Heli kam auch zum Einsatz, wahrscheinlich um Semmeln zu holen. Wem gehört das Gefährt? Nun, Google meint dazu, dass der drittreichste Russe der Eigner wäre, ach so…

Emborio meinte es wieder nicht so gut mit uns. Wir lagen zwar sicher, aber die Fallböen waren eiskalt und der Seegang sorgte durch ein Abprallen an den Inseln für stetigen Schwell in der Bucht. Wir haben kaum geschlafen und waren froh in die Marina verholen zu können.

Kos Marina mag ich! Sicher, gepflegt, einladend – und immer was zu sehen…

Diesmal sind es singende Bayern denen bei „Turn me loose“ schon in Zeile zwei der Text ausgeht, die aber dafür den Refrain umso lauter grölen. Man setzt voraus, dass die ganze Marina den Musikgeschmack teilt und beschallt darum die ansonsten friedvolle und leise Marina den ganzen Nachmittag.

Da die Crew derartig pubertär vorgeglüht war schwante mir Fürchterliches – aber ein Wunder geschah! Man besann sich auf die Kinderstube und um 21.30 Uhr war Schicht im Schacht – DANKE!

Ein Lob an den Skipper, der offensichtlich sein Team im Griff hat. Ok, an den Regeln der Seemannschaft und dem respektvollen Benehmen im Gastgeberland können wir noch etwas feilen…

Genug geunkt – Franzi und Mikey kamen an, die Anreise war problemfrei und wir konnten noch einen Absacker in der Marinabar nehmen – wir haben uns von der selbsternannten „besten Bedienung Griechenlands“ verabschiedet (ich mag sie wirklich und sie ist auch gut!) und haben das Schiff für die Abreise am nächsten Tag klar gemacht.

Geplant war ein One-Way Törn für unsere Gäste, von Kos nach Rhodos. Sind wir doch letztes Jahr ausgiebig durch den nördlichen Teil des Dodekanes gereist, wollten wir dieses Jahr den südlichen Teil bereisen. Unsere Route war in etwa so geplant…

Ob ein Abstecher nach Tilos möglich und gewünscht ist wollten wir unterwegs entscheiden, heute wissen wir – das wird nix mehr! Zur Wettersituation, die uns natürlich bekannt war, später noch ein paar Worte mehr. Es war Zeit abzulegen, wir verließen die Kos Marina in bester Laune und setzten umgehend die Segel.

So ging es Richtung Osten, wir hatten um das östliche Kap von Kos zu fahren, die Türkei und die Küste rund um Bodrum dabei stets im Blick.

Obwohl Sibylle ja viele Tage in Deutschland war, waren Mutter und Tochter froh ein paar Urlaubstage gemeinsam verbringen zu können, die Vorfreude war groß.

Der Wind frischte zwischenzeitlich auf, wir kamen bei 24kn / NW gut voran. Von einer Minute zur anderen hatten wir aber auch Phasen der Flaute. Unser erstes Ziel hieß Nisyros, wir wollten den Vulkan erkunden und die Insel entdecken. Sibylle und ich kannten das Eiland schon und konnten Franziska in ihren Plänen nur bestätigen. So musste navigiert werden um die Hafeneinfahrt von Paloi auch zuverlässig zu treffen – diesen Job übernahmen Mikey und ich.

DELFINE!!! Franzi schien etwas gesehen zu haben – nein, doch nicht! Aber was ist das dann? Des Rätsels Lösung, eine Schildkröte welche sich in der Sonne während einer Flaute gesonnt hat und sich auch durch unser langsames und vorsichtiges Herangleiten nicht aus der Ruhe bringen ließ.

Danke für´s Fotoshooting Frau Turtle, weiter ging es bei völliger Windstille, es musste ein Stück motort werden…

Eine Viertelstunde später kam der Wind als WNW 6 zurück und wir mussten am Wind die letzten Meilen bis Nisyros ansegeln.

Sibylle wurde etwas nervös als sie mehrere Masten, ein Dutzend oder eher zwei, zählen konnte. Dachte sie doch zu dieser Zeit wäre sie ganz alleine in Nisyros! Weit gefehlt! Die leere Marina Kos (bis auf die Bayern die noch einen Tag vorglühen mussten) war ein Indiz, man ist unterwegs Ende September.

So kam es, dass wir den drittletzten „echten“ Platz bekommen haben, es wurde an diesem Abend echt eng im kleinen Hafen von Paloi – der Anlegeschluck war verdient!

Da Sibylle ja immer den Drang zu Bewegung verspürt, folgte dem Anlegeschluck ein kleiner Fußmarsch Richtung alte Therme, dabei wird auch der Laden des Bäckers passiert, er ist bekannt für gute und frische Backwaren – nun morgen zum Frühstück!?

Die alte Therme aus den 1920er Jahren ist weitgehend verfallen, gibt aber ein beeindruckendes Fotomotiv ab.

Mit etwas Phantasie kann man die einzelnen Badehäuser noch erkennen und fragt sich unweigerlich, was diese Gemäuer in den 100 Jahren ihres Bestehens alles schon gesehen haben. Schade, dass dieses Bauwerk langsam verfällt…

Paloi selber ist ein kleiner Ort in dem es eigentlich nix und alles gibt. Es gibt eine kleine Strandbar, etliche Autoverleiher, ein paar Tavernen und zwei, drei Minimärkte. Man bekommt Vieles, nicht Alles, hat aber selten eine wirkliche Auswahl, Spezialgeschäfte fehlen – man kommt aus meiner Sicht als Selbstversorger besser voll gebunkert hier her.

Die Liegeplätze sind sicher, aber quer zur herrschenden Windrichtung, dafür hält der Anker gut. Es gibt Strom und Wasser am Kai, es wird verlässlich aber unregelmäßig abkassiert. Wir haben für vier Nächte, dazu später mehr, mit Strom, ohne Wasser, bei 43ft 70.-€ bezahlt. Sanitäre Anlagen gibt es nicht, wer duschen will tut dies entweder am Kai (kalt)…

…oder beispielsweise bei Nikki und Stavros vom Autoverleih „Petastra“. Sie bieten hervorragende sanitäre Anlagen an, Preis 3.-€ pro Person / Nutzung. Man kann sich also gut arrangieren.

Hier lagen wir nun recht sicher und komfortabel!

Geplant war, dass wir zwei Nächte bleiben um einen ganzen Tag zu haben die Insel zu entdecken. Zu diesem Zweck haben wir von Nikki zwei ATVs 4×4 gemietet, welche ausdrücklich für den Offroad Einsatz freigegeben waren. So gerüstet ging es auf Entdeckungstour…

Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase bekommt man raus wie das Vehikel gut zu beherrschen ist. Wir trauten uns mehr zu und wagten uns auch in das Gelände des Vulkankraters.

Dort angekommen, gingen wir dem Track nach, um diese Uhrzeit noch fast alleine, um einen Eindruck des Krater-Innenraums zu bekommen – in Deutschland fast unvorstellbar, dass man neben den Löchern, aus denen nach faulen Eiern riechendes, heißes Schwefelgas ausströmt, einfach so umhergehen darf…

Angekommen an der Caldera
Beeindruckend – der Abstieg in den Krater
Im Krater
Unwirkliche Landschaft, stetiger Schwefelgeruch

In einem Panoramabild kann man die Ausmaße festhalten, es lohnt sich ein genauer Blick auf das Bild 😉

Zwillinge???

Wir erforschten die Felsspalte, entdeckten Fellreste toter Tiere, vermutlich Ziegen die irgendwie abgestürzt sind, ein wirklich sehenswerter Ort und lohnender Ausflug! Man sollte aber unbedingt VOR den Ausflüglern von Kos hier sein, frühes Aufstehen lohnt also…

Wir traten den Rückweg an, Nisyros hat soviel mehr zu bieten! Ein letzter Blick auf den Kraterrand…

…und ein letztes Panaorama von der Anhöhe – der letzte Ausbruch war übrigens vor 35.000 Jahren, wir fühlten uns einigermaßen sicher!

Yeah, ab ins ATV und über die Schotter- und Sandpisten der Insel zu den kleinen Städtchen am Kraterrand, zuerst nach Nikia…

…das Dörfchen welches bekannt für seine Mosaike ist, besonders das am Stadtplatz! Wir waren zeitig dort, es herrschte kaum Andrang.

So konnten wir gemütlich durch die Gassen schlendern und unsere Eindrücke sammeln, typisch griechisch ist es hier, einfach schön!

Gassen von Nikia
Was ist hinter dieser Türe???

Nach der Erkundung des Dörfchens hatten wir Hunger und waren durstig, wir hatten kaum etwas gefrühstückt weil wir früh dran sein wollten!

So muss auch der „frühe Vogel“ irgendwann eine Rast einlegen…

Genießer

Von Nikia aus kann man hoch zum Kirchlein des Heiligen Propheten Elias, ein Kirchlein wie es griechischer kaum sein kan. Es steht den berühmten und viel fotografierten Schwestern auf Santorin in nichts nach!

Von hier hat man nochmals einen herrlichen Blick über den Krater und kann die Ausmaße noch einmal überblicken…

Wir setzten unsere Fahrt entlang einer Schotterstraße am Vulkanrand fort und kamen als nächstes in das Bergdorf Emborio. Auf dem Weg dorthin kommt man unweigerlich an einer „natürlichen Sauna“ vorbei – ein Gemäuer welches durch den Vulkan auf etwa 60°C aufgeheizt wird und welches früher wohl wirklich zu Erholungszwecken genutzt wurde. Natürlich haben Mikey und ich die Chance ergriffen einen Saunagang einzulegen…

Emborio selbst ist ein wenig verfallener, besticht aber durch seine Burgruine und ein wunderschönes Lokal, das „Balcony“. Dort haben wir etwas getrunken, aber erst NACHDEM wir die Burg erklommen hatten – unter der Anleitung unserer belesenen Fremdenführerin.

…machen sie eine typische Handbewegung!

Hier zeigte sich deutlich, dass Mikey offensichtlich Fußstapfen gefunden hat denen er folgen will – bei unserer nächsten Tour kann er den Part des Richtungsgebers übernehmen!

…kenn ich doch?!

Letzte Station unserer Nisyros Runde war der Besuch der Inselhauptstadt Mandraki. Da darf man sich aber nicht zuviel vorstellen. Auch Mandraki ist nur ein Dörfchen, nur eben etwas größer als Paloi. Der Haupthafen der Insel ist dort, Fährgäste und -touristen kommen in Mandraki an. Es ist wert einmal dorthin zu fahren, wenn es mich auch nicht direkt gepackt hat…

Wir gingen noch zum Kloster (leider geschlossen) und zum um die Ecke liegenden Strand der laut Reiseführer aus lauter schwarzen Vulkansteinen besteht. Das war wirklich schön anzusehen!

Unsere Idee war in Mandraki zu essen, hier gibt es ein Lokal welches in TripAdvisor mit 4,9 bewertet ist und direkt am Fuß des Klosters liegt. Da dies aber dauerhaft geschlossen schien, gingen wir kurzerhand der Empfehlung von Segelfreunden nach und reservierten im „Aphrodite“ in Paloi. Diese Taverne scheint die beste am Platze zu sein, wir können das nicht vergleichen aber im Ergebnis durchaus bestätigen. Das „Aphrodite“ ist sehr empfehlenswert, man wird freundlich empfangen und alles was wir gegessen und probiert haben war super. Reservierung ist empfehlenswert! Wir haben hier Johannes aus der Nähe von München kennen gelernt, er segelt alleine und wir konnten ihm ein wenig Kurzweil bescheren.

Ja, nun schreiben wir den 30.09.2021 – der September ist fast vorbei, der Monatsbericht ist online, unser Törn ist aber noch im vollen Gange.

Wie es weitergeht erfahrt ihr in einem zweiten Teil im Bericht des Monats Oktober.

Vorab sei gesagt, wir sind jetzt seit 27.09. hier und werden definitiv noch bis zum 01.10. bleiben! Der vorhergesagte, stürmische NW 7 ist gekommen, weht beständig mit 6 und hat eben seine 7er Phasen. Das sind für mich Bedingungen unter welchen ich einen sicheren Liegeplatz nicht verlasse.

Wir haben also beschlossen, hier zwei zusätzliche Faulenzertage einzulegen, beschäftigen uns mit Lesen, Wandern, Essen – und eben Blog schreiben! Wir verzichten, wie eingangs schon erwähnt, auf Tilos und planen am 01.10. Richtung Symi abzulegen, dort sind auch moderate Bedingungen vorhergesagt. Es gilt dann Symi zu entdecken und zum Abschluss des Urlaubs von Franzi und Mikey noch Rhodos zu erkunden und unsicher zu machen.

Sibylle und ich werden NESSAJA anschließend zurück nach Leros bringen, erste Einwinterungsarbeiten vornehmen und unseren Winterplatz belegen. Dann planen wir mit dem Motorrad Freunde in Kreta zu besuchen.

Wir haben für den Oktober also Einiges vor – ob das alles so gelingt und wenn ja, wie – das gibt es im Oktoberbericht nachzulesen.

Dazwischen sind wir in Facebook und Instagram präsent, so könnt Ihr Erlebtes immer mit uns teilen.

Wir sind wieder „zuhause“, wir leben wieder unser Leben, wir sind glücklich und zufrieden – wie heißt es doch im Song aus der Überschrift so treffend…

„Da ist die Frau an meiner Seite, die diese Arche mit mir lenkt
Die mir ihre schöne Seele und ihre Klugheit schenkt
Die ich liebe und an der ich jedes kleinste Wort und jede Regung mag, die Freundin, die Komplizin, die mit mir zusammenhält
Wie Pech und Schwefel, zwei gegen die ganze Welt
Mit der ich jeden Lebensturm durchqueren kann und jeden ganz normalen Tag…
Du hast alles, was du wolltest! Was um alles in der Welt
Wieviel unwichtiges Zeug dir oft den Blick darauf verstellt!
„What a lucky man you are!“

Herzliche Grüße von Bord der NESSAJA vom Skipper, der Capetana und der Crew Franzi & Mikey

August 2021 – Life is live…

Facebook, immer wieder Facebook – kennt Ihr das? Da stellt jemand so eine sinnige Frage wie „…welches Lied war in Deutschland No.1 in den Charts als Ihr 18 wart?“…

Jetzt sitzt Du da und hast zwei Optionen. Entweder Du verdrehst die Augen und klickst weiter – was ich meist mache, oder Du fängst an zu grübeln – und schon hat es Dich!

Google sei Dank weiß ich, dass „Live is Life“ von Opus an meinem 18. auf Platz 1 der Single Charts stand und am Ende des Jahres auch „Schlager des Jahres“ war. Verdient oder nicht bleibt dahingestellt. Übrigens, Album des Jahres war „Born in the USA“ – aber das ist ein anderes Thema.

Zum Einen – ich habe es bewusst einmal so und einmal so geschrieben, denn Schreibweise 2 ist die richtige, während Schreibweise 1 den mir näher liegenden Sinn korrekt beschreibt. So wird der Titel zudem zum am häufigsten falsch geschriebenen Song und füllt auch deshalb diverse Google Seiten – könnt Ihr ja selbst mal nachsehen…

Zum Zweiten – und da spanne ich den Bogen zum Segelblog – trifft meine Interpretation dieses Songtitels sehr exakt das Hippiemotto an der berühmten Mauer von Matala auf Kreta – das Leben passiert heute!

Warum diese Einleitung? Was ist passiert?

Eigentlich nix – und doch etwas ganz besonderes, ich hatte im Laufe des August nach sehr langer Zeit wieder einmal die Zeit und Muse ein Buch in die Hand zu nehmen und mich einzulesen. Ich habe den dicken Schinken „Ich fange den Wind“ von Wilfried Erdmann gewählt, der passt so schön. Ich konnte nicht ahnen, dass darin auch ein paar Lebensweisheiten enthalten sind, welche ich in einer für mich passenden Weise übernehmen möchte. Der Mann hatte den Mut bei Entscheidungen alles auf eine Karte zu setzen, durchdacht, nie leichtsinnig – aber eben doch „hopp oder topp“!

Wer nun denkt, dass man dies mit dem Umzug auf ein Schiff und den damit verbundenen Verkauf des Hauses doch ebenfalls bereits umgesetzt hat, der trifft des Pudels Kern nur bedingt. Dies war nur der Start zu einem Prozess, der Eintritt in ein neues Lebensmodell welches ich vollumfänglich Leben möchte.

Steve Jobs hat einmal gesagt „Menschen, die verrückt genug sind zu denken, sie könnten die Welt verändern, sind diejenigen, die es auch tun!“ – nun maße ich mir nicht an die Welt verändern zu wollen, (obwohl…), nur innerhalb meiner eigenen Welt die Grenzen verschieben, das wäre prima. Wenn dann noch ein positiver Effekt für mein Umfeld, für meine Umwelt dabei herausspringt, wäre viel geschafft.

Hier hat der August viel bewegt – doch dazu später etwas mehr…

Ein vielleicht etwas schwieriger, gedankenschwerer Einstieg in einen Monat der ganz banal begann – mit dem Kauf eines gebrauchten ENO Gasherdes.

Das gute Stück wurde als das Modell „Gascogne 3“ in einer Verkaufsbörse angeboten und ich hatte schon vor Wochen Interesse bekundet weil wir erstens einen neueren Gasofen wollten, uns zudem – zweitens – mit einem dreiflammigen Modell mit Grill etwas mehr Kochkomfort an Bord holen wollten.

Es wurde etwas hin und her verhandelt, der Ofen entsprach nicht exakt unseren Vorstellungen, aber nachdem der Verkäufer von sich aus einen deutlichen Preissprung gemacht hat, konnte ich nicht widerstehen und habe die komplette Gasanlage des Verkäuferschiffes kurzerhand in meinen Minibus gepackt – ich denke, das Geschäft war so für beide Seiten ok.

Ich hatte wieder ein Projekt!

Ganz so leicht war es mit der Umsetzung verschiedener Projekte in diesen Tagen Anfang August nicht, wie allseits bekannt hatten wir ein paar Hitzewellen nacheinander, es war wirklich warm zu dieser Zeit – tagsüber und eben auch nachts…

Während wir um die Mittagszeit kontinuierlich über 40°C hatten, war es nachts selten unter 30°C – nun, ich wollte das so, Sibylle hat gelitten und sich in Ihren Heimaturlaub gewünscht – ich glaube, sie hat auch deshalb schon einen recht zeitigen Flug für Mitte August gebucht. Es war also klar, ich würde ca. 3 Wochen alleine hier auf Leros bleiben.

Wir haben uns in dieser Phase der Hitze mehr und mehr an den Strand verzogen um uns im Meer abzukühlen…

…das hat funktioniert, das Meer blieb über all die Tage erfreulich erfrischend und wir konnten die Tage so gut aushalten und auch genießen.

Bei diesen Temperaturen wurde wirklich jede Gelegenheit genutzt, sich irgendwie abzukühlen, von außen beim Baden, oder eben von innen – mit herrlichem Eis…

…oder kühlen Getränken – als „Espresso freddo“ wird selbst der geliebte und unverzichtbare Kaffee zum Erfrischungsgetränk!

Was für uns auf diese Art und Weise gut zu handhaben war, wurde für die Natur in Griechenland mehr und mehr problematisch. Alle Wiesen und Felder, das Gebüsch und Sträucher – alles war restlos ausgetrocknet und aufgeheizt. Es fehlte nur noch ein „Zündfunke“ und es würde ein Inferno geben – es wurde über alle verfügbaren Medien und Kanäle gewarnt.

So hat JEDE(R) der sein Telefon in einem griechischen Netz eingeloggt hatte eine Warnmeldung per SMS bekommen…

Allein – geholfen hat es nur bedingt, wie man später in den Medien hören konnte. Es sind verheerende Feuer ausgebrochen. Wir waren nie direkt betroffen, die Bilder die hier gezeigt wurden waren aber schrecklich.

Die Feuer waren nah an den Vororten Athens und haben Menschenleben bedroht…

Quelle Facebook

…und vor allem auf Euböa wüteten die Flammen unaufhaltsam – es war bedrückend und beängstigend dies mit ansehen zu müssen.

Quelle Internet

Mich hat eine ganze zeitlang beschäftigt, dass wir mit Stefan und Amelie dorthin fahren wollten. Nicht, dass ich Angst um uns oder das Schiff gehabt hätte – aber Augenzeuge zu werden ohne helfen oder eingreifen zu können ist eine Situation welche mich bedrücken würde. Ich war froh, dass wir zu dieser Zeit nicht hier unterwegs waren.

Zu etwa dieser Zeit wurde das Ahrtal in Deutschland überschwemmt – verrückt – hier die Wassermassen welche alles begraben und Leben auslöschen, dort die Flammen die zerstörerisch wüten – ob die Erde sich wehrt???

Es war schwierig in dieser Phase „einfach weiterzumachen“ – auch hier war alles in Alarmbereitschaft. Ich habe mich zur Ablenkung meinen Projekten gewidmet, es gab mal eine „bootsfremde“ Aufgabe anzupacken.

Mein treuer Italiener stand nicht mehr in frischem Gewand da, die Motorhaube war zerschunden, das war so nicht mehr hinnehmbar – also wurde das Teil kurzerhand zum Lackierer gebracht und der treue Scudo bekam ein weniger attraktives Übergangs-Ersatzteil verpasst…

Der Lackierer, (Sibylle meinte wir sind am Schrottplatz der Insel – sie muss da noch etwas entspannen), war ein supernetter Typ der sich mächtig ins Zeug legte und termintreu nach drei Tagen stolz sein Ergebnis präsentierte – tata, nicht schlecht, oder???

Mit dem wieder feschen Wagen suchten wir entweder die Nähe zum Meer oder schattige bzw. windige Plätzchen.

Da traf es sich mehr als gut, dass das „Harris“ wieder offen ist und es dort oben SOWOHL schattig als auch windig ist. Solange Sibylle noch hier war, sind wir regelmäßig dort oben aufgeschlagen um den Moment zu genießen und etwas „runterzukühlen“.

Ansonsten haben wir uns beschäftigt ohne zu viel Aktivität an den Tag zu legen – es war einfach zu heiß. Für Sibylle hieß das meist Lesen…

Bei mir ist es eher so, dass ich Ideen nachhänge und sich „lesen“ häufig auf Internetplattformen beschränkt – was ab und an in Spontanentschlüsse mündet…

„Du, Sibylle?“ Ich höre ein „hmmm“ – die Aufmerksamkeit scheint mir sicher. „Ist es nicht so, dass der Fiat immer fürchterlich heiß ist wenn wir losfahren?“ Wieder vernehme ich ein „hmmm“…

Es scheint mir clever, gleich eine Salve an Argumenten abzufeuern…

„Ist es nicht so, dass der Wagen eigentlich viel zu groß für die Straßen hier ist, zu gut um ihn hier zu verschrammeln? War es nicht immer fein mit dem Roller zum Baden zu fahren? Verbraucht ein Zweirad nicht generell weniger Sprit? Das Parken ist mit dem Minibus auch recht stressig, oder?“

Jetzt machte Sibylle den Fehler mir nicht Ihre volle Aufmerksamkeit zu schenken, wieder höre ich „Ja, schon, hmmhmmmm…“

Ha, das interpretiere ich als Zustimmung, gekauft – die Probleme löst nur ein Zweirad! Und weil ich nicht mehr 17 bin und auch mehr als, sagen wir 95 Kilo wiege, wurde es eines aus bayrischer Produktion – ein Kleinmotorrad für „echte Kerle“.

Mein Sohn Stefan wurde als Executive ins Rennen (nach Rosenheim) entsandt und vermeldete wenig später Vollzug – das Mopped gehört mir, wir haben unser Alternativfahrzeug für einen günstigen Preis bekommen. Das Beste – es passt in den Fiat und wird uns von nun an auf der Reise begleiten.

Bereits wenige Tage später trägt es seine neue Nummer und deutlich meine Handschrift – Nummernschilder waren schon immer eine Passion von mir 😉

Sibylle gab sich geschlagen, nicht ohne mir noch eine Denksportaufgabe mitzugeben…

Wie kommt das Ding denn nach Griechenland???

„Ähhhh, schluck, ähhhh – es ist ein Motorrad – ich fahre!!!“

Jetzt hab´ ich es mir eingebrockt. Ob das klappt und welche Rolle mein Freund Jens dabei spielt könnt ihr im Monatsbericht September lesen. Zurück zu nautischen Themen!

„WARUM FAHRT IHR NICHT RAUS?“

Diese Frage habe ich mehr als einmal beantworten müssen, fast schon rechtfertigend…

Die Antwort ist einfach wie nie, aber eben nicht selbstverständlich – weil wir nicht müssen! Weil wir hier wohnen! Weil wir Zeit haben…

Ich erinnere, es ist August, zu diesem Zeitpunkt noch ohne die Türken welche normaler Weise in Scharen in den Dodekanes fahren (während ich diese Zeilen tippe sind die Buchten voller türkischer Flaggen), war es dennoch reichlich voll in den Buchten der Kykladen und auch auf den kleinen Inseln rundum.

Wir wussten, dass Sibylle Mitte des Monats nach Deutschland fliegen würde, wir hatten das Auto hier und waren mobil, hatten schöne Tavernen und schöne Strände – was wir nicht hatten war ein bezahltes TEPAI, das wollten wir uns für den halben Monat August auch sparen. Zu guter Letzt, wir haben unseren Liegeplatz hier, es ist im Moment unsere Heimat – deshalb haben wir entschieden, der August wird ein statischer Monat…

Außerdem ist im August hier mächtig was los. Wir freuten uns hier vor Ort an Veranstaltungen teilnehmen zu können welche uns bisher versagt waren.

Ich habe vor einiger Zeit mit Manolis Platis Kontakt aufgenommen. Er spielt Fidel auf eine Art und Weise die ich liebe, ich könnte stundenlang zuhören. Das haben wir dann auch gemacht – auf einer Art „Probeveranstaltung“ im kleinen Kreis und dann beim großen Fest zu Maria Himmelfahrt, ein sehr hoher Feiertag in Griechenland.

Es war wunderbar „mitten drin“ zu sein und den Menschen aus Leros beim Feiern und Tanzen zuzusehen…

Bissl deutsch – wir waren die Ersten…
…aber nicht lange!

Hört sich nach Müßiggang an – weit gefehlt! Sibylle erinnerte mich stetig an die Projekte und die immer länger werdende „To-Do“ Liste. Inzwischen war es etwas abgekühlt und sie mahnte zu Fleiß und Leistung.

Ok ok, dann tragen wir das Monstrum von Herd mal in die „gute Stube“. Alleine das war schon ein Projekt, zumal „das Ding“ gerade so durch unseren Niedergang passt. Es wurde ein Platz gesucht und die Baustelle abgegrenzt…

Was Sibylle nicht wusste, längst hatte ich eine Taktik 😉 ! Ich würde warten bis sie abgereist ist, mich dann konzentriert und strategisch an die Arbeit machen und mir durch intelligentes Zeitmanagement ein Mehr an Freizeit erarbeiten – während ich das schreibe erinnere ich mich an die Meetings von früher, paaah, Vergangenheit…

Zuerst mussten wir aber noch Sibylle verabschieden – gebührend versteht sich – und das machten wir mit einem Festmahl bei Dimitris, zusammen mit den Crews der „Jasper“ und der „Harmony“ – wohl ahnend, dass es sich bei der ein oder anderen Crew, unter Einhaltung grober Zeitpläne, eher um ein „Lebewohl“ als um ein „Auf Bald“ handelt.

Am nächsten Tag hieß es „Adieu meine Capetania“, ich brachte die Gattin zur Fähre, ein letzter Kuss und sie verschwand am Horizont…

Ok, bisschen dick aufgetragen, aber nun war ich alleine, alleine zuhaus – Mario allein zuhause…

Na hoffentlich läuft es bei mir glimpflicher ab als bei meinem berühmten Filmpendant Kevin!

NESSAJA hatten wir zuvor verholt. Mir ging das ewige Gezerre des Schiffes an den Festmachern auf die Nerven. Ich selbst war nicht ganz so gierig nach Frisch- und Zugluft, mir war der soziale Anschluss und die Nähe zum Waschhaus wichtiger – NESSAJA liegt jetzt an ihrem gewohnten D-Steg und ich bin wieder mittendrin statt nur dabei.

ANPACKEN! LOS GEHT`S! Ok, aber nicht gleich – erst ein bisschen die Ruhe genießen, nicht eingetaktet sein, neue Abläufe gestalten – auch mal schön…

So traf es sich bestens, dass gleich nochmal ein Konzert stattfand – da gehe ich hin – alleine!

Giorgos und Nikos Stratakis – kennt man die? Heute weiß ich – JA! Die beiden machen Musik aus Kreta und lassen Kultur lebendig bleiben. Bemüht mal Google, es war durchaus Prominenz die sich hier auf Leros eingefunden hatte.

Ich war ja ab jetzt täglich bei Marietta zum Frühstücken (um Geschirrspülen und Einkaufen zu vermeiden) – sehr gut übrigens und auch ein Ort der Kommunikation…

Das Bistro war gleichzeitig der Kartenvorverkauf für die Konzerttickets – also habe ich mir kurzerhand eines gegönnt. Hier muss man wissen, 12.-€ sind für hiesige Verhältnisse kein Pappenstiel!

Der Abend des 19. war gekommen, ich also rein in die „Ausgehbuxe“ des Herrenausstatters meines Vertrauens (e&s) und ab zur „Arena“ von Leros / Platanos. Ich war zeitig dran, diesmal nicht der deutschen Tugend folgend, eher weil mein Scudo ja einen XXL Parkplatz braucht, die sind rar gesät auf der Insel – aber die Argumentationskette kennt ihr ja schon…

Manchmal braucht´s Glück und so konnte ich den treuen Großraumvan in eine passende Lücke in Gehweite der Konzertarena zwicken.

Die paar Schritte zur Kartenkontrolle getrabt und dort, das Billet in der Hand, mit der Frage konfrontiert „Maska???“ – nun, Maska ist ja (fast) international, ja, klar, die Maske! Ich greife in die Hosentasche in der ich das wichtige Accessoir immer bei mir trage… NICHTS! LEER!

Oweh, die Standard- gegen die Ausgehbuxe getauscht, die Maske vergessen – was tun? Nun, ich bin in Griechenland – man hat meine Not bemerkt und mir kurzerhand eine Maske (neu) geschenkt, sehr nett, wie ich finde!

Jetzt aber! Dermaßen vorbereitet und ausgestattet betrete ich die Arena und muss entscheiden – auf die Plastikstühle oder auf die Stufen der „Tribüne“ – ich entscheide mich, ohne zu wissen warum, für die Tribüne.

Das war wohl Glück, denn hier saßen die meisten Einheimischen, oft etwas jünger als ich, aber auch Gleichaltrige, ausgestattet mit Kühltaschen in denen mitgebrachte Speisen und Getränke auf Verzehr warteten.

Auf den Plastikstühlen nahmen mehr die Honorationen oder eben Touristen Platz – ohnehin nicht meine Welt…

Es ging los – und wie! ALLE Musiker waren gut – aber der Sänger war der Hammer! Zuerst wollte ich es nicht glauben, der hat sich hingesetzt und ist bis nach der Zugabe nicht aufgestanden – aber was der Typ im Sitzen für ein Feuerwerk abgeliefert hat, WAHNSINN!

In Gestik und auch Mimik eine Mischung aus Joe Cocker und Ian Anderson, nur eben im Sitzen und auf Griechisch, eine perfekte Mischung – „Special Blend“!

Die Stimmung war ausgelassen, das Ambiente durch den Blick auf Castell und Kapelle einzigartig und die Menge, ein paar Hundert bestimmt, hat getobt. Ein sehr spezieller Abend!

Unvergesslich wird er für mich bleiben weil mich auf einmal ein junger Mann von hinten antippt und auf Englisch fragt wie es mir geht – „…fine!“ antworte ich – dieser Smalltalk reicht einer Frau die des jungen Mannes Mutter sein konnte für ein „Where are you from?“, sie hatte offensichtlich gemerkt, dass ich nicht aus England komme.

„Germany…“ antworte ich, „..near Munich“ – sie wurde interessiert – „Aschheim?“ höre ich sie fragen, ich wusste, dass meine ehemalige Heimatstadt Partnerstadt von Leros ist.

Als ich Ihr das kurz erkläre, schwenkt die Dame um auf Deutsch, stellt mir Ihren Mann, Kostas, vor und meint, sie wäre in Wuppertal geboren und freut sich, ein paar Worte Deutsch mit mir sprechen zu können. Das hat mich gefreut.

Kostas aber, für den ich an diesem Abend „my friend“ war, hat mich von dieser Sekunde an mit Raki aus Kreta (aus dem Plastikbecher) und Souvlaki versorgt – das passiert Dir eher wenn Du alleine unterwegs bist – ich habe den Abend genossen und bin sicher, ich werde Kostas wiedertreffen!

KEIN AUFSCHUB mehr möglich! Die Projekte…

Ich musste ran – das erste Projekt war ein vermeintlich einfaches. Den Ofen zerlegen und defekte Teile finden. Gesagt, getan!

Da ich weiß, dass Deutschland, hier will ich die Teile bestellen, nicht unbedingt berühmt dafür ist Weltmarktführer im Servicebereich für nervige Kleinteilbesteller zu sein, nehme ich mir vor, drei Lieferanten um die Ersatzteilliste zu bitten. Ich wollte die Teile selbst heraussuchen und mit Ersatzteilnummern bestellen – bestellen light – spart dem Lieferanten Zeit und mir Ärger.

Ich bekomme die ersehnte Liste und lege los, bemerke aber schnell – da stimmt was nicht! Der als Gascogne 3 gekaufte ENO entpuppt sich als das Topmodell der Marke, als ein „Bretagne 3“ mit Grill.

Dieser fast um 300.-€ teurere Gasofen lohnt die Investition in die Teile und ich nehme mir fest vor den Ofen anzupassen und einzubauen – komme was wolle, egal wann! Dieses „egal wann“ sollte recht rasch an Bedeutung gewinnen, die Teile müssen aus Frankreich bestellt werden, Lieferzeit rund drei Monate. Bis heute habe ich die Bestellung nicht final abschließen können! Es gilt jetzt noch Expressoptionen abzuklären, bis dahin darf der Ofen mit mir im Salon wohnen…

Ich notiere weitere Teilebestellungen und der aufmerksame Beobachter merkt sofort, am Tisch liegen nicht nur Ofenteile!

Das ist richtig, denn nachdem das Projekt „Ofen“ so abrupt beendet wurde, habe ich sofort die nächste Baustelle begonnen und abermals das Werkzeug für das sogenannte „Abgarnieren“, das Zerlegen, bereitgelegt – diesmal war mein immer nervender Außenborder Ziel meiner Attacke!

Mein Suzuki DF 6 ist immer mal wieder Anlass für Projektarbeiten diverser Coleur. Mal nur das Reinigen des Vergasers, mal der Tausch allerlei Verschleiß- oder Reparaturteile – Vergaser, Benzinhahn, Tank, Kraftstoffschläuche, Benzinfilter, Zündkerze – alles schon getauscht, die Freude an dem durchaus potenten Quirl immer nur von kurzer Dauer!

Dem Übel rücke ich nun zu Leibe! Ich stelle fest, dass im Tank immer wieder Partikel unbekannter Herkunft sind…

…und beschließe daher VOR diversen Einstell- und Anpassungsarbeiten erstmal den Rest der kompletten Kraftstoffversorgung zu erneuern. Das ist mir der Suzi noch wert – dann droht die Schrottpresse!

Es wird also zusammengefasst, bewertet und zur Bestellung freigegeben…

Hier habe ich mehr Glück. Gleich meine erste Anfrage ergibt einen Volltreffer. Fa. Jochum in München wird mir alles beschaffen und zur Abholung bereitlegen. Der Suzuki wird mein erstes Rückbau- und Reparaturprojekt im September. Bis dahin bleibt auch er zerlegt unter der Haube zurück.

Mancher technisch interessierte Leser wird sich fragen – hast Du eigentlich nix fertig gebracht, sind doch alles offene Baustellen?!

Ja, stimmt schon – war aber so geplant!

Natürlich habe ich auch Projekte fertigstellen können, so zum Beispiel revitalisierende Maßnahmen an unserem Schlauchboot. Der „Schnulli“ ist ja unsere Landbrücke, ein sehr wichtiges Utensil also. Es leidet durch Sonne (UV) und Salzwasser sowie die häufige und schonungslose Nutzung.

Unser Schnulli ist schon übel mitgenommen und nach sechs Jahren am Limit. Aber es muss 2021 noch durchstehen. Diese Anforderung drohte zu kippen nachdem sich Klebeverbindungen auflösten und das Dinghi Wasser machte. Wir mussten dauernd lenzen, das war so nicht zu akzeptieren.

So habe ich mir ein weitgehend schattiges Plätzchen gesucht und Arbeiten begonnen die ich wirklich HASSE! Kleben und Schmieren ist so gar nicht meines. Ich bekomme es immer irgendwie hin, meist klebt aber mehr des pappenden Schmodders an meinen T-Shirts und Fingern als an der Klebestelle. Der Verbrauch von Küchenrollen steigt exponential!

Zugegeben, schön ist anders – aber zuerst mit Zwei-Komponentenkleber geklebt, dann die Klebekanten mit Klebe-/Dichtmasse verschmiert, quasi die Hyaluronsäure der Schlauchboothaut – das sollte bis November halten – dann wird das Mercury Dinghi ersetzt.

Insgesamt ist es jetzt in einem jämmerlichen, beklagenswerten Zustand – ob ich es einmal mit einem Hypalon Modell versuche? Das muss ich mal behirnen!

Wer viel arbeitet muss viel essen! Das habe ich mir zu Herzen genommen und mir, der Einfachheit und des Geldbeutels halber, eine „Food Strategie“ ausgedacht – morgens Marietta, immer das Gleiche bestellen, mittags Eisdiele, immer die gleichen Kugeln und abends zum „Souvlakki“ Grill, ihr ahnt es, immer das Gleiche bestellen!

Das hat geklappt, die Strategie ist, auch glücklich, aufgegangen!

Bei Marietta sorgt ihr Gatte Takis und die Köchin für Abwechslung – ich bestelle immer das Gleiche, bekomme aber doch immer was anderes, je nachdem was noch da ist und wer gerade zubereitet. Geschmeckt hat es immer – so wurde das Bistro zu meiner Variablen innerhalb meiner Essenstaktik.

In der Eisdiele sorgte mein tägliches Erscheinen wirklich für Freude und Kurzweil, drei Kugeln gibt immer eine unrunde Summe mit viel Klimper-Rückgeld. So wurde kurzerhand festgelegt, dass ich für meine Bestellung täglich eine runde Summe zu zahlen hätte – Punkt! So spart man! 😉

Im Souvlakki (im Ort Lakki – Wortspiel – die Taverne heißt wirklich so) freut man sich über meine Bestellung die inzwischen mit sehr wenig Worten entgegengenommen wird.

„The Classics“??? „Yes“! „OK“!

Keinesfalls leidet die Freundlichkeit unter der schmalen Kommunikation, im Gegenteil, die jungen Damen sind Tag für Tag sehr nett und zuvorkommend, das Essen ausgezeichnet!

Im Ernst – dieses Verhalten ist natürlich ein teilweise männlicher Reflex. Einfach! Kein Einkaufen, kein Kochen, kein Abspülen – ich habe nur Wasser, zwei Dosen Bier, zwei Dosen Cola und Tsipero im Kühlschrank – es spart einfach Zeit. UND, ich kann super kalkulieren, ich weiß nämlich exakt was mein Tag kostet!

So gestärkt und motiviert ging es weiter. Es plagen mich schon lange die Füßchen meines Bimini. Das Problem mit Neuteilen zu lösen würde bedeuten mein Deck neu anzubohren – das will ich nicht!

Also brauche ich für ein im Durchmesser zu großes Rohr einen Adapter auf einen vorhandenen Fuß. Nach dem Überdenken stellte sich ein Lösungsansatz als der brauchbarste heraus, eine Passhülse.

Ein Freund von Stefan kann sowas wohl drehen, aber er braucht eine Zeichnung. Ich erinnerte mich an mein Bestreben im Jahr 1985 Technischer Zeichner werden wollen (hat zum Glück nicht geklappt) und machte mich ans Werk…

Vielleicht klappt´s ja und der Freund hat ein Einsehen – was ihm eine Erwähnung im Septemberbericht einbrächte – wäre auf jeden Fall ein Punkt weniger auf der ewigen „To-Do“ Liste.

Dermaßen ermutigt nehme ich mir den letzten Punkt vor die Brust – wieder was mit Schmieren und Kleben – nach der Backbord-Dachluke ist nun die Steuerbordseite undicht und schreit nach gutem SIKA.

Gutes SIKA?! Habe ich, ok, Ablaufdatum 2015 (schluck), ich scheine solche Aufgaben länger vor mir herzuschieben als ich es selbst bemerke! Egal, die edel weiße aber klebrige Melasse wird verwendet und somit dem tropfenden Wasser über unserem Salontisch der Garaus gemacht!

Und sonst???

Wie gesagt, Zeitmanagement meint natürlich nicht nur das Fertigstellen geplanter Projekte „just in time“ – perfekt, wenn man auch für Nebenschauplätze eine unverplante Reserve, früher nannten wir das „Kapa“, hat!

Das habe ich mir natürlich überlegt und gedanklich optimiert – so blieb täglich Zeit für den Gang zu meinem Lieblingsstrand. Idealer Weise etwas später, wenn die ersten urlaubenden Festlandgriechen die Liegen in der ersten Reihe räumen – für MICH!

Das Optimum ist erreicht, wenn dies, wie einleitend geschrieben mit soviel Zeitreserve geschieht, dass es für ein gutes Buch reicht! Ach ja, das kleine, tägliche Bier am Strand musste natürlich auch auf meinen „Food Budgetplan“.

Waren weitere Lücken im Zeitplan, konnte ich diese gut mit persönlichen Notwendigkeiten füllen – so zum Beispiel den Gang zum Friseur (meine Haus- und Hoffriseurin hatte ja temporär abgemustert)…

…oder dem Besuch der hiesigen „Retro Vehicles Show“, die aber leider unter Covid zu leiden hatte. Die Bilder geben, das meine ich ernst, nicht das wieder was auf dieser kleinen Insel an raren Schätzchen in Garagen steht. Die Leute kamen beileibe nicht in dem Maße um ihre Schätzchen auszustellen wie sich die Veranstalter und Gäste das erhofft hatten.

In dieser Sekunde, während ich diese Zeilen tippte, hat mich eine WhatsApp der Gattin in Deutschland erreicht. Sie hat scheinbar die „Schnauze voll“ vom Regen in der fernen Heimat – kann ich verstehen! Ein kotzender Smiley soll die Ernsthaftigkeit ihrer Aussage wohl untermauern.

Wie war mein Wetter hier?

Nun, es hatte sich nicht viel geändert. Die Hitzewellen sind vorbei, es sind tagsüber stetig so um die 30°C, nachts jetzt wieder angenehme 24°C. Das Meer lädt zum Bade, ist aber nach wie vor erfrischend.

Die Farbe des Himmels ist jetzt seit Monaten BLAU, einfach blau, PUNKT.

Obwohl, etwas Abwechslung beim Wetter gab es tatsächlich, gestern erst, da hatten wir kurzzeitig eine Wolke. War spannend nach so langer Zeit!

Ja, so endet (fast) der August – obwohl, eine „Kleinigkeit“ gibt es noch – Sibylle´s zeitige Buchung nach Deutschland hatte natürlich einen weitaus wichtigeren Hintergrund als die hohen Temperaturen hier. Wir freuten uns sehr darauf, erneut Großeltern zu werden, das inzwischen vierte Mal.

Am 25.08.2021 kam der kleine Benno auf die Welt, Sibylle konnte im Haushalt für etwas Erleichterung sorgen und sich um den „großen Bruder“ Otto kümmern. Ich werde den neuen Erdenbürger auch bald kennen lernen. Meine Fährpassage ist für Anfang September gebucht, der Scudo muss, obwohl Europäer, das Land nach 6 Monaten verlassen.

Gemeinsam wollen wir Mitte September zurück sein um nochmal einen Törn in den Südlichen Dodekanes, dann mit Franzi und Mikey zu machen.

Ist die Rückkehr sicher? Wie gehen wir mit Covid um?

Sibylle und ich sind seit ein paar Tagen „European Permantent Citizens“ in Griechenland. Dieses Dokument und unsere deutsche Staatsbürgerschaft stellt sicher, dass wir, wenn auch unter ggf. erschwerten Bedingungen, zwischen Deutschland und Griechenland reisen dürfen.

Life is live – warum die Einleitung?

Mir hat der August, der Monat OHNE Segelei, der Monat vor Ort, der Monat mit deutlich weniger Urlaubsstimmung, auch der Monat in dem ich ein paar Wochen alleine hier war, in mich gehen konnte – mir hat dieser Monat ungemein geholfen in dieses Leben einzutauchen, zu realisieren, dass es MEIN Lebensmodell ist, letzlich geholfen es anzunehmen. Es hat an Wichtigkeit gewonnen und dieser Prozess hat für Klarheit gesorgt, gerade auch im Hinblick auf die Frage wie es mit NESSAJA weitergeht, wie Sicherheiten und Prioritäten zu setzen sind – Danke Wilfried Erdmann!

Ich bin zufrieden – ich bin glücklich!

Wegen meiner Reise nach Deutschland ist der Augustbericht etwas früher online – mir bleibt in den beiden noch verbleibenden Tagen ein letztes Projekt abzuschließen. Ich muss ein aboxidiertes Erdungskabel sanieren und neu befestigen – das sollte zu schaffen sein!

Ein letzter Punkt liegt mir am Herzen – dabei spreche ich die Segler, die Motorbootfahrer, die Taucher unter Euch an, aber auch die Liebhaber des Meeres und der dort lebenden Tiere, Naturverliebte oder allgemein verantwortungsbewusste, zukunftsorientierte Menschen…

Unser Ansprechpartner in der Leros Marina Evros, Harry Pavlidis, hat gekündigt obwohl er hier einen sicheren Job hatte. Er wird in Zukunft als „Vice President“ der „Aquahelp Foundation“ tätig sein.

Ich finde, das ist ein persönliches Wagnis um Beruf zur Berufung zu machen. Ich möchte mich mehr und mehr für solche Organisationen interessieren und mich ggf. auch einbringen.

Schaut doch einfach mal auf die Webseite…

https://www.aquahelp.info/

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen einen schönen restlichen August und einen, aus deutscher Sicht, hoffentlich wunderschönen, spätsommerlichen September.

Im Septemberbericht erwarten Euch News zu meiner „Motorradüberführung“ und zur Projektfertigstellung – und natürlich endlich mal wieder ein Törnbericht!

Herzliche Grüße von Bord der NESSAJA – der Skipper!

Juli 2021 – Cats in the Cradle

Wie immer ein Songtitel – diesmal einer den wohl die meisten von Euch in der Version von Ugly Kid Joe kennen. Ich mag das Original von Harry Chapin seit vielen Jahren und besitze bzw. besaß die original 45rpm Single (vielleicht hat mein Junior die ja noch). Im Text geht es darum, dass Väter gerne im Alltag übersehen, Zeit mit den Kindern zu verbringen – die Zeit verfliegt und ehe man sich versieht sind sie erwachsen – die Uhr lässt sich nicht zurückdrehen…

Ich kenne diese Krux auch, wenngleich es bei mir – hoffe ich zumindest – nicht so ausgeprägt war wie der Text beschreibt – dennoch war ich richtig glücklich und voller Vorfreude, dass mein Sohn Stefan nebst Freundin Amelie die ersten Familienmitglieder waren, die sich als Besuch angemeldet haben. Der Juli stand also im Zeichen des Familientreffens, das erste nach unserer Abfahrt am 02.03.!

Seht mir nach, dass dies auch der Grund ist, warum der Bericht etwas länger ausfällt, es gab einfach viel zu erzählen, zu teilen. Nehmt Euch etwas Zeit, ein kühles Getränk und lasst Euch in unsere Welt entführen.

Wir springen zurück zum letzten Tag des Monats Juni. Nach einem sehr guten Dinner hatten wir uns von der Crew der ELOWYN verabschiedet um Richtung Norden zu fahren. Wir waren ausgestattet mit Tipps und unser erstes Ziel sollte die Doppelbucht von Kythnos sein. Dort kamen wir am späten Nachmittag an – wir waren recht früh losgefahren…

Doppelbucht von Kythnos – NESSAJA liegt mittig (rechts)

Das Bild täuscht etwas, das Wetter macht einen trüben Eindruck, das war aber nicht so. Wir hatten einen guten Ankerplatz, schwammen an Land, hatten in der Taverne am Hang einen kleinen Snack und lauschten der Lounge-Music aus der Bar am Strand.

Was gut klingt, wurde dadurch getrübt, dass sehr kurzfristig Westwind angesagt wurde, dieser auch noch stärker als zunächst angenommen – das ist dann ärgerlich, wenn der tolle Ankerplatz in einer Westbucht liegt. Also haben wir uns kurzfristig entschlossen den Ankerplatz zu wechseln und in eine kleine „Bucht in der Bucht“ zu verholen welche besser geschützt schien. Doch weit gefehlt!!!

Ankerbewegungen in der Nacht – Negativbeispiel!

Der Wind kam, wurde durch Landeffekte aber so abgefälscht und verstärkt, dass unser Anker zwar hielt aber irgendwie falsch lag. Wir hatten zuwenig Platz! So musste ich zwischen 0230 und 0530 immer wieder den Motor starten und manuell die Kette neu ausrichten – so kam obiges Bild zustande – ein Beispiel wie es NICHT sein soll. Wieder etwas gelernt.

Wir haben den ungastlichen Platz früh verlassen und uns auf den Weg Richtung Saronischer Golf / Athen gemacht. Die unruhige Nacht hat Spuren hinterlassen und wir haben mit dem Schlaf gekämpft.

Doch auch diese Überfahrt bot Überraschungen und schöne Momente, zum Beispiel als wir den Weg einer Wasserschildkröte kreuzten, welche gemächlich dahinschwamm und sich durch unsere „Fotosession“ nicht stören ließ…

…war recht groß – kommt auf dem Bild gar nicht so raus.

Ein paar Stunden später kam das ersehnte Kap des griechischen Festlandes in Sichtweite – Sounion. Wir hatten viel davon gehört, waren aber selber mit dem Schiff noch nie hier. Neuland also für uns…

Poseidons Tempel sah umso beeindruckender aus, je näher man kam – diese Sehenswürdigkeit wollten wir uns später noch genauer ansehen. Doch jetzt stand erstmal die Suche nach einem guten Ankerplatz im Vordergrund.

NESSAJA vor Anker / Sounion
Sunset / Kap Sounion

Wir hatten Glück! In der sonst gerne recht vollen Bucht, haben wir noch einen schönen Platz im Zentrum gefunden. Der Anker hielt gut, es lag genug Kette und die Ankerpeilungen passten. Wir hatten genug Schwoiraum und konnten unseren Sundowner daher unbeschwert genießen.

Diesmal war es so wie es sein soll. Wir hatten eine ruhige Nacht, konnten ausschlafen und auch der morgentliche Blick auf die Ankerapp zeigte keine Probleme während der Nacht. Diesmal ist das Bewegungsbild unserer NESSAJA vor Anker wie es sich gehört…

Bewegungsbild über drei Tage – mit Winddreher und Zugabe von Kette

Die Bucht wurde zunehmend voller, das Wochenende nahte und die Charterkunden aus der näheren Umgebung nutzten Sounion ebenfalls als erstes oder letztes Ziel auf Ihrem Weg in die Stationen rund um Lavrion und Athen.

Dabei gibt es immer viel zu beobachten. Von sehr „speziellem“ Ankerverhalten mal ganz abgesehen, ist auch die Flaggenführung nicht immer regelkonform. Naja, hier muss ich wohl meine nautischen Prinzipien über den Haufen schmeißen 😦

Flaggenführung – neu interpretiert

Auf einem Seeschiff hast Du das Wetter und dessen Entwicklung über die nächsten Tage immer im Blick. Der eine (Skipper) angemessen aber weniger oft, die andere (Capetania) gaaaaanz viel öfter! Es gibt hier hilfreiche Apps die den Wetter- und vor allem Windverlauf optisch recht eindeutig darstellen – blau bedeutet motoren, grün bedeutet schön segeln, gelb bedeutet für uns unangenehmes Segeln welches es zu vermeiden gilt und rot bedeutet GEFAHR!!!

Die Capetania mahnte zum Aufbruch, Gefahr im Verzug – es war an der Zeit unseren Ankerplatz zu verlassen und einen sicheren und angenehmen Rückzugsort zu suchen bis Stefan und Amelie ankommen würden – der Meltemi fährt zum erstem Mal im Jahr 2021 seine Krallen aus!

Auch mir war nach ein paar Tagen ohne Verantwortung, so mussten wir uns zwischen der Kaimauer von Lavrion und der Olympic Marina Lavrion entscheiden. Es war eine Entscheidung zwischen ruhigem Liegen, idealem Empfangsort für unseren Besuch und hohen Kosten auf der einen Seite und lautem Trubel, unsicherer Platzvergabe und fehlenden Sanitäranlagen zu einem wesentlich günstigeren Preis anderseits. Wir wollten uns das ansehen und sind in den Hafen von Lavrion gefahren…

Hafeneinfahrt Lavrion

Just nachdem wir ankamen haben ich die Antwort auf ein vor Tagen geschriebenes Mail erhalten – wir könnten kommen, müssten aber zum Wochenende den Kai verlassen. Genau zu dieser Zeit brauchten wir den Platz aber! Sowohl der Meltemi als auch der Besuch aus der Heimat hatten ihr Erscheinen für das Wochenende angekündigt – alea iacta est – wir entscheiden uns für das „Rundum Sorglos Paket“ und verholen in die Olympic Marina Lavrion. Ich habe in diesem Moment begonnen ein Bündel kleiner Scheine zu zählen und mich von denselben zu verabschieden…

NESSAJAs Platz in der Olympic Marina (Pier 4 / 133)

Ein schöner Platz! Eng zwar, aber außen am Ponton. Das mögen wir – hier latscht dir keiner am Cockpit vorbei, hier kannst mal duschen wenn du schwitzt und es ist gut durchlüftet.

Was wir zu dieser Zeit schon wussten – Freunde von uns hatten auch diesen Ort gewählt um den Meltemi auszusitzen und um in dieser Zeit noch ein paar Reparaturen durchzuführen. Die AMAE ist auf dem Weg Richtung Westen, wir hatten uns in Leros verabschiedet und es war schön, hier noch einmal zusammenzutreffen. Ok, so ganz stimmt das nicht, Kristel war für einige Tage in der Schweiz und so kam es, dass wir Philipp zur Einweihung unseres neuen COBB Grills eingeladen haben…

TOP! Der Grill ist super! Er hat sich bewährt, heizt – tschengpeng – superschnell auf und ist nach der Nutzung easy zu reinigen. Ein Topprodukt welches wir aus heutiger Sicht sehr empfehlen können. Wir haben Ihn inzwischen mehrfach genutzt und grillen für zwei Personen fünfmal mit einer Kartusche (welche übrigens ca. 5.- bis 6.-€ kostet – der Preis war für ein anderes Produkt).

Auf diese Art und Weise können auch Hafentage sehr schön sein – wir hatten einen herrlischen Abend mit Philipp und fielen nach ein paar Dosen „Mamos“ recht seelig ins Bett.

Neuer Tag – neues Glück! Ob mir der Song „Himbeereis zum Frühstück“ (kennt eh keiner mehr) jemals eine Headline wert sein wird? Eher nicht! Dennoch war es zu dieser Zeit schon so heiß, dass ich kurzerhand entschieden habe statt der üblichen Morgenmahlzeit eine Portion der frostigen Schleckerei zu mir zu nehmen – ein GENUSS!

Nach dem obligatorischen Einkauf in Supermarkt (klar) und „Jumbo“ (muss man kennen!), klagte Sibylle ihr Recht auf Bewegung und Kultur ein. Wir mieteten einen Scooter und machten die Gegend unsicher…

Klar, dass nun neben diversen Badestränden auch der Besuch von Poseidons Tempel auf dem Programm stand. Wir fuhren also am Landweg zum Kap Sounion und berappten brav die geforderten 10.-€ (pro Person) für die Kulturstätte. Nun, das war es wert! Ein ausgesprochen schöner Tempel, gut erhalten und beeindruckend…

Wir stellen uns immer vor, Wege zu betreten die schon vor mehr als 2000 Jahren von Menschen in Ledersandalen begangen wurden (ok, neuere Pfade finden sich meist daneben)…

…und freuen uns Blicke auf Plätze zu erhaschen welche wir zuvor besegelt hatten.

Ankerbucht von Sounion

Es ging zurück in die Marina, inzwischen war Dinnertime. Uns war klar wohin wir an diesem Tag wollten, wir hatten eine Tavernenempfehlung von der Crew der COCO LOCO welche wir tags zuvor an der Kaimauer von Lavrion getroffen hatten. Das Ziel war per Roller leicht zu erreichen – die Taverne „To Steki Tou Mina“, ein auch von TripAdvisor empfohlenes Ziel.

Wir staunten nicht schlecht, als wir uns gesetzt haben und die Bedienung zu uns kam… „you are friends of CocoLoco?“

„Äääähhh, yes!“

„Wait a second…“

Wir waren von den Socken! Auf Verdacht ein Präsent als Erinnerung hinterlassen… Das steht auf meiner Merkliste sehr weit oben – wir sehen uns wieder! DANKE!!!

Achja, gegessen haben wir natürlich fantastisch! Super Meze und geniale Hauptgerichte. Uns hat es so gut geschmeckt, dass wir nach der Rückkehr Kristel´s auf die AMAE und der Ankunft von Stefan und Amelie gleich noch einmal zu sechst hier beim Essen waren!

Stuffed Calamari

Wir essen übrigens nicht immer so feudal. Häufiger wird zuhause, auf NESSAJA, gekocht oder eben gegrillt bzw. etwas bestellt – meist, wenn man die griechische Küche mal satt hat.

So haben wir uns einmal, wieder zusammen mit Philipp, Pizza an Bord von NESSAJA liefern lassen…

…ich mochte den Slogan (Sibylle war weniger begeistert) und auch das Produkt 😉

Während unseres Aufenthaltes war eine Regatta in vollem Gange – die „Aegean 600“ – 600nm vom Startpunkt Kap Sounion bis rund Karpathos und zurück. Das alles non-stop und während der Meltemi seine Muskeln spielen lässt. Großes Kino daher in der Marina, Applaus für die ersten und die letzten der Heimkehrer!!!

Hägar 4 (links) und „first ship home“ – eine Farr 70 (rechts)

Direkt bei uns lag der spanische Klassiker LIBELULA, eine 1974er Swan welche von Ihrer Crew vom Renn- in den Cruise Modus versetzt wurde bis der Besitzer kam. Spannend zu beobachten!

Was macht eigentlich der Meltemi, der alte Genosse? Nun, der blies so vor sich hin, kräftig eben, so wie man ihn kennt, und hasst, oder liebt…

7-8 Beaufort im Hafen

Wir waren jedenfalls froh im Hafen zu sein, verlängerten um ein paar Tage (ich machte wieder ein Bündel kleiner Scheine zurecht) und freuten uns auf den nahenden Besuch der Kinder.

Es war soweit! Heute war der Tag! Zum ersten mal seit mehr als drei Monaten haben wir zumindest zwei unserer Lieben wieder getroffen. Die Wiedersehensfreude war groß als das Taxi ankam und wir uns mal wieder „live“ in den Arm nehmen konnten.

Ok, die Beiden waren da, aber war da nicht noch etwas? Ah ja – Fußball…

Stimmt, es war EM. Ich habe so gut wie nichts mitbekommen, am ersten Tag des Aufenthaltes von Stefan und Amelie war jedenfalls Finale und wo kann man ein Finale England – Italien besser ansehen als in einem Pub (ok, nicht englisch – aber immerhin)…

Guinness – 1+1, man muss nicht Griechisch können um zu erahnen, dass eine Aktion angeboten wurde. Alsdann, mal her mit den Pints, es war ein netter Abend für uns Nicht-Fußballfans.

Neben uns ein Tisch mit Russen (wegen des Biers, nicht wegen dem Fußball), der Rest des Lokals mit Griechen besetzt – es war eigentlich wurscht wer gewinnt.

WER HAT EIGENTLICH GEWONNEN???

Ringringring – ahhhh, der Wecker! Was soll das? Achso, ja, wir haben einen Leihwagen, der Meltemi tobt, wir haben uns die Besichtigung Athens auf den Plan geschrieben.

Hier hatten wir verschiedene Ansätze. Sibylle und ich haben die Hauptstadt Griechenlands vor nicht allzulanger Zeit intensiv besucht und dabei auch alle Sehenswürdigkeiten und Museen abgearbeitet. Wir wollten das entspannt angehen, uns von den Jungen trennen und ein bisschen durch die Stadt bummeln. Für Stefan und Amelie stand hingegen das „Vollprogramm“ auf der To-Do Liste.

In Athen war weniger los als gedacht. Ich fand einen Parkplatz unterhalb der Akropolis – der war so zentral, dass ich sofort einen griechischen Freund angerufen habe, ob man in Athen überhaupt außerhalb von Parkzonen parken darf – spooky!!! Darf man, war die lapidare Auskunft und schon konnte es, per pedes natürlich, losgehen.

Die Wege trennten sich, Sibylle und ich liefen sofort Richtung „Flea Market“ und suchten uns ein Cafe…

Während wir so durch die Straßen und Fußgängerzonen zogen, versuchten wir, Sehenswertes zu erfassen und auch zu fotografieren.

Wir besuchten Sehenswürdigkeiten und drückten auf den Auslöser unserer Kameras – große Kirchen…

…und natürlich – kleine Kirchen!

Wir gingen einkaufen, für mich gab es die lang fällige neue Badebuxe in einem Sportgeschäft und Sibylle konnte noch ein paar Tanktops ergattern.

Natürlich sind auch wir entlang der Touristenroute gewandert, haben die „Klassiker“ gestreift…

…haben aber auch versucht, in dem heißen, pulsierenden Moloch ruhige Oasen zu finden und uns Momente der Ruhe zu gönnen.

Witzig fanden wir, dass in allen Gärten und Parks Athens Wasserstellen zu finden waren in denen Wasserschildkröten herumschwammen – einfach so…

Währenddessen haben sich Stefan und Amelie mit einer Touristenkarte welche die Eintrittsgelder fast aller Sehenswürdigkeiten umfasst, durch ebendiese gekämpft – das wesentlich anstrengendere Programm wie ich finde. Gelohnt hat es sich allemal wie die Bilder zeigen. Hier ein Potpourri…

Athen ist eine riesige Stadt die es lohnt zu besuchen. Gespickt mit Sehenswürdigkeiten, lebendig, laut – im Großraum mit 4 Mio. Einwohnern eine Großstadt, anders als wir es aus Deutschland kennen.

2021 – allein schon wegen Corona ein ungewöhnliches Jahr. Auch, weil die Olympischen Spiele eben auf dieses Jahr verschoben wurden. Die Spiele sind in vollem Gange während ich diese Zeilen tippe – mit einer gewissen Vorfreude und Spannung haben wir daher die alten olympischen Stätten der Antike besucht.

BEEINDRUCKEND – ich denke auch Stefan und Amelie haben den Ausflug genossen – es sieht zumindest so aus…

Moderne Technik hilft sich wieder zu treffen. Gemeinsam haben wir noch den Szene-Stadtteil Plaka durchstreift, etwas getrunken und dann die Heimreise angetreten.

Lagerkoller! Wir wollten raus! Baden, die Inseln der Ägäis entdecken und reisen. Der Meltemi ließ etwas nach, so wurde festgelegt – morgen geht es los!

Nur wohin? Auf dem Plan standen eigentlich die Nördlichen Sporaden. Doch dafür hätten wir ca. drei Tage gegen den noch vorhandenen Nordwind durch den Euböa Kanal motoren müssen – kein guter Einstieg. In die Kykladen? Die zentralen Inseln? Für den Anfang für unsere beiden Novizen vielleicht etwas viel…

So sind wir von allen Plänen abgerückt und haben entschieden den ersten Tag „downwind“ Richtung Poros anzugehen. 35nm mit dem Wind sollten in 5-6h zu machen sein, Poros verspricht schön zu sein und hat ausreichend große Ankerfelder.

Leinen los, wir verlassen die Olympic Marina Lavrion mit Ziel Poros im Saronischen Golf.

Von wegen DOWNWIND Segeln! Zwei Stunden hatten wir herrlichen Segelspaß, ab etwa der Hälfte der Strecke schlief der Wind, welcher uns 10 Tage gequält hatte, tief und fest ein und erwachte die nächsten Tage auch nicht mehr erwähnenswert.

Wir tuckerten dahin, man vertrieb sich die Zeit mit modernen Medien!

Poros kenne ich von der Überführung der alten NESSAJA im Jahre 2012 – zusammen mit Burcki und Christine sind wir seinerzeit hier vorbei gekommen. Hier hat Burcki den Brauch des Anlegeschluckes auf der NESSAJA manifestiert – dies hat so manches mal Hektik nach dem Anlegen verhindert, bis heute bin ich dankbar!

Die Einfahrt ist schön, ich erinnerte mich, deshalb liefen wir Poros aus SE Richtung an.

Wir fuhren durch den schmalen Kanal, konnten das Treiben im Dörfchen beobachten und die Schiffe an den Muringleinen ansehen.

Konzentriertes Steuern tat Not, wir hatten sehr viel Spaß an der Durchfahrt.

Nach kurzer Suche war nördlich der Stadt Poros ein guter Ankerplatz ausgemacht und noch während das Grundeisen fiel, konnten wir unsere neuen Nachbarn identifizieren…

ZORA & NESSAJA vor Poros

ZORA ist das Schiff von Franzi und Tobi. Die Beiden sind seit vier Jahren auf dem kleinen Boot zuhause und betreiben einen YouTube Kanal den wir lieben (Wir segeln). Die Beiden sind geraderaus, machen Spaß und haben viele wertige Informationen und Tipps.

Da wir bereits vorher Kontakt zueinander hatten, war es uns nicht peinlich mal rüberzufunken ob den ein kaltes Bier Anklang fände? Fand es – und aus dem Bier wurde ein gemeinsamer Grillabend den wir sehr genossen haben. Es war uns ein Vergnügen und eine ehrliche Freude die Beiden mal kennen gelernt zu haben!

Erfrischung tat Not – ab ins kühle Nass…

An Stefans Gesicht kann man erkennen – irgend etwas stimmt nicht! Wir konnten „etwas“ rasch definieren – die erwartete ERFRISCHUNG trat nicht ein! Die Wassertemperatur hier bei Poros betrug für uns unfassbare 29° Grad Celsius. Das will doch keiner – das ist wie Baden in Tee…

Wir hatten die erste Hitzewelle des Jahres und, wenn überhaupt, kühlte es nur abends ein wenig herunter und wir konnten die herrlichen Momente vor Anker genießen.

Im letzten Monat, vor Milos, hatten wir kurzzeitig Batterieprobleme welche wir bis hierhin nicht wieder losbekamen. Was war nur los? Irgendetwas stimmte nicht, ich hatte die alten Bordbatterien in Verdacht mein Strom-Management (ok, nur ein sehr rudimentäres) durcheinander zu bringen.

Aus diesem Grund mussten wir zwei Nächte später an den Stadtkai von Poros verholen um dort die Batterien zu laden. Diesen Umfang wollten wir mit dem Generator nicht machen, macht er doch mollige Wärme unter Deck und verbraucht unseren wertvollen Diesel.

Noch ohne direkte Nachbarn

So nutzten wir die Zeit am Kai, die Ladezeit um Wäsche zur Laundry zu bringen und einen Stadtbummel zu machen.

Diesen widerrum mussten wir abbrechen, es war einfach zu heiß zwischen den Häuserzeilen. Wir verzogen uns in den Schatten, tranken literweise Wasser und kalte Erfrischungen und futterten Eis zur notwendigen „Innenkühlung“ unserer aufgeheizten Leiber.

Abends ein neuer Anlauf – die Sonne ging langsam unter und wir erkundeten abermals die Stadt, welche uns aber schlußendlich etwas überbewertet vorkam.

Inzwischen war es voll am Kai

Der Sommer hinterlässt Spuren – in der Natur und am Menschen…

…aber ich hab doch immer 50er drauf!

…wir entdeckten abermals nette Kleinigkeiten.

Wir schlenderten gemütlich durch die Gassen und genossen den Schatten und die langsam sinkenden Temperaturen…

…natürlich ging es auch wieder nach ganz oben – dort steht ja immer das Kirchlein!

Ziel unserer Suche war ein vom TripAdvisor empfohlenes Lokal, eine Taverne mit eigener Metzgerei, etwas ab vom Schuß. Das mögen wir, das verspricht ehrlichen Service und Qualität zu annehmbaren Preisen. Die Tavernen in der ersten Reihe können dieses Serviceversprechen oft nicht halten.

Wir hatten abermals Glück! Ein schöner Tisch, Blick nach unten auf´s Meer und sehr gutes Essen begleitet von gutem Service.

…und zum Nachtisch endlich die langersehnte Melone!

Nach dem Essen noch einmal die gesamte Riva auf und ab. Verdauungsspaziergang und Sturz ins Getümmel gleichermaßen. Inzwischen waren alle Kneipen geöffnet, alle Läden nach oben geklappt und alle Musikanlagen auf „volle Dröhnung“ – schön und ätzend zugleich.

Morgen geht es weiter, ich war froh drum!

Wohin geht die Reise Kapitän? Nun, nach der ersten Überfahrt von Lavrion nach Poros hatten Stefan und Amelie ein Bild wie Reisen in einem Segelboot funktioniert. Es ist langsam aber entspannend, kann anstrengend und kräfteraubend aber auch faszinierend sein. Wir haben uns viel beratschlagt und beschlossen – nächster Halt Kykladen, das „echte“ griechische Seglerparadies.

Früh ging es „Anker auf“ in Poros. Der Plan war ein besonderer – wir wollten Strecke machen ohne es für Amelie zu lang werden zu lassen. Die Reise sollte also in die sandige Doppelbucht von Kythnos gehen wo wir einen Badestopp planten und Abendessen wollten – gesagt getan…

Nach einer siebenstündigen Überfahrt, verzögert durch ein kurzes Intermezzo mit unserem Autopiloten (mit Bordmitteln gelöst), waren wir in Kythnos angekommen und hatten einen herrlichen Ankerplatz ergattert.

Wir haben ausgiebig gebadet, hier war das Wasser sauber und erfrischend, anschließend hat die Jugend sich Zeit genommen die Drohne fliegen zu lassen – es gibt ein paar tolle Aufnahmen und die Filmclips ziehe ich in ein paar Tagen in unserem YouTube Kanal nach…

Wir waren sehr zufrieden diesen Teil des Plans geschafft zu haben, gleich setzen wir über an den Strand, es gibt Abendessen – dann zu Teil 2 der heutigen Reise…

…das Zauberwort heißt NACHTFAHRT! Seit unserer Fahrt von Leros nach Milos bin ich noch mehr Fan davon als ich es vorher schon war. Ich liebe die Nacht, sofern die Hoffnung besteht, dass diese problemfrei und friedvoll verläuft, sie schont Ressourcen, man macht Strecke und kann den folgenden Tag nutzen.

Eine Nachtfahrt sollte Amelie und Sibylle Schlaf ermöglichen und uns als Crew mit einem Rutsch ins Zentrum der Kykladen bringen. Unser Ziel hieß Paros, wir wollten vor Naoussa ankern.

Um 2300 gingen wir in Kythnos „Anker auf“ – wir bogen aufmerksam um die Nordspitze von Kythnos und legten Paros direkt an. Es wurden Navigationslichter gefahren, alle Mann an Deck trugen Westen. Irgendwann weit nach Mitternacht war ich alleine im Cockpit.

Ich liebe es die Sterne zu betrachten und den Lichtern zuzusehen. Zu erahnen ob sie sich annähern, sich entfernen oder statisch sind. Bei Annäherung gilt es natürlich, diese zu identifizieren und ggf. am AIS zu beobachten.

So vergeht die Zeit und ehe man sich versieht zeigt sich die Morgenröte…

Genau hinsehen – Delfin voraus!!!

Ich hatte unsägliches Glück – genau im Morgengrauen (dawn oder twilight mag ich lieber) – tauchten Delfine vor mir auf. Zuerst bin ich erschrocken weil ich nur Wasserkreise gesehen habe. Was war das??? Als ich aber die erste Finne beobachten konnte war ich begeistert – eine recht große Schule begleitete mich eine ganze zeitlang – ein „perfektes Foto“ gelang mir wieder einmal nicht…

Dolphins
Sunrise

Etwas später kam Stefan dazu, nach und nach auch der Rest der Crew. Ich konnte das Steuer abgeben und etwas schlafen, dann steuerten wir gemeinsam unser Ziel an. Der Leuchtturm an der Nordspitze Paros´ war schon von Weitem auszumachen.

Und wenn einer schonmal am Ruder steht, darf er das auch weiter tun. So genoß ich den Luxus mich einmal rund um die weitläufige Ankerbucht fahren zu lassen – immer auf der Suche nach dem richtigen Spot…

Ich mache es an dieser Stelle kurz – wir sind in den, empfohlenen, Nordteil der Bucht – Monastery Bay. Wir lagen sicher und doch habe ich es nicht gemocht. Etliche Megayachten, meist Athener die sich das Wochenende hier vertreiben wollen, zogen kurz vor dem Spätnachmittag in die Bucht. Das ist natürlich legitim, aber was dann an Wasserspielzeug ausgepackt wurde spottet jeder Beschreibung!

Toys die ich noch nicht einmal kannte, flitzten mit minderjähriger oder graumelierter Besatzung durchs Ankerfeld. Die „Big Boy Toys“ mit Monstermotoren, bemannt mit Adonis´ Nachfolgern nebst Begleiterin in knappster Badbekleidung, zogen Wasserski- und Wakeboardjunkies drei Meter an Deiner Badeplattform vorbei!

Das war in Poros ähnlich – nennt mich Spießer oder Spaßbremse – ich kann das nicht leiden! Das ist gefährlich und stört.

Einmal, und ich übertreibe nicht, rutschte unser Geschirr über den Tisch wegen so einem Deppen – leider hatten wir insgesamt eine Hand zuweinig und Stefan in der Folge seine Salatschüssel im Schoß – nicht lustig, keine Fotos…

Ich sage es ehrlich, ich war froh meine Batterien als Grund nennen zu können an die Mauer der kleinen „Marina“ in Naoussa zu gehen. Es war ein Wunder, dass wir einen Platz bekommen haben, hier hatten wir Strom (kein Wasser) und das Schiff war sicher (und wir auch)…

…noch Lücken – abends war gerammelt voll!

Naoussa heißt, nicht zu Unrecht, „Klein Mykonos“ – als wir am ersten Abend in der Stadt waren haben sich dort die Massen versammelt, gefeiert und gezecht als gäbe es kein Morgen mehr. Vor allem – als hätte es Corona nie gegeben…

Versteht mich nicht falsch – wir waren ja auch da. Es ist schön Menschen wieder ausgelassen zu sehen und zu merken, dass es ein „Danach“ geben könnte. Naoussa ist wirklich wunderschön und, außerhalb der Saison, unbedingt einen Besuch wert.

Dennoch schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Während ich diese Zeilen schreibe gibt es in Mykonos schon wieder Ausgangssperren, Santorin, das von uns besuchte Milos und eben auch Paros stehen schon unter Beobachtung – die Zahlen steigen wieder! Es muss auch etwas ZWISCHEN kompletter Abriegelung und exzessiven Feiern geben.

Zurück zu angenehmeren Themen – die Insel – was gibt Paros her? Um das zu erkunden, haben wir uns einen Leihwagen genommen und ich konnte den außerordentlichen Luxus genießen NICHT am Steuer des Mietvehikels sitzen zu müssen – es wurde chauffiert.

Einmal quer über die Insel und ab nach Parikia, die andere Stadt auf Paros. Schön! Echt schön hier! Parikia gab einiges her, kleiner, nicht ganz so fein wie Naoussa, aber auch nicht so „schicki-micki“ – lohnt, genauer angesehen zu werden…

Hier ein paar Impressionen!

Wir haben, trotz der Hitze, die Gassen abgelaufen und dabei schöne Flecken entdeckt – Cafes…

Natürlich – Kirchlein…

Darüber hinaus – BESONDERES…

Enge Gassen – menschenleer!!!

Last not least – besondere und beeindruckende Bauten aus längst vergangenen Tagen und Zeiten!

Unser Weg führte uns zurück zum Auto, wir konnten Wasserflugzeuge beobachten welche ihre Kreise über Stadt und Bucht zogen – alles in allem ein herrliches, nicht überladenes Spektakel!

Weiter geht´s auf unserer Inseltour. Amelie und Sibylle saßen an Internet bzw. schmökerten, leicht angegraute, Reiseführer um weitere „must sees“ der Insel zu identifizieren. Als nächstes standen also die mittelalterlichen Steinbrüche von Paros auf unserem Programm in denen vor Jahrhunderten wertigster Marmor abgebaut wurde.

Das Schild „Cave“ versprach viel, zudem auch Sibylles antiquierter Reiseführer versprach, dass man die früheren Abbaustollen mit Hirnbirn (Stirnlampe) entdecken könne. Es sei außerdem frisch wenn nicht kühl dort – also nix wie rein…

Denkste – ein paar alte Häuser und ein Pfad, den man bei gutem Willen als ehemaligen Stolleneingang hätte identifizieren können – ab dort war aber alles mit Maschendrahtzäunen abgesichert, ein Entdecken der Höhle somit ausgeschlossen.

Wir sind somit unverrichteter Dinge weiter nach Lefkes gefahren um uns dort entlang der Byzantinischen Pfade zu bewegen.

Lefkes war schön, aber inzwischen war es bullenheiß geworden – wir haben den alten Dorfkern entdeckt und bemerkt, dass alle Bewohner Lefkes´ nach einer Siesta sehnten.

Wir sind ermattet noch ein wenig die schmalen Gassen entlang geschlendert – ohne dabei wirklich bis zu den Byzantinischen Pfaden vorgedrungen zu sein – und sind dann zurück zum Auto gelaufen. Dennoch, Lefkes ist es wert im Rahmen einer Inseltour entdeckt zu werden, es ist ein kleines, feines Dörfchen.

Unser Weg führte uns zurück nach Naoussa, abermals genoss ich die Rückfahrt im Auto, hatte dabei aber schon im Sinn, wie unsere Segelreise weitergehen würde – morgen war Aufbruch angesagt…

Tanken! Ich muss noch ein paar Liter tanken! Da meint man, man ist an einer Kaimauer, bzw. im Hafen, tanken sollte also nicht allzu schwer sein – zumindest dann nicht, wenn drei bis vier Tankwägen in Dauerwarteschleife an der Hafeneinfahrt kreisen und die Tankwarte sich abwechselnd oder auch mal zusammen einen Frappé in den Hafenbars gönnen.

Doch denkste, auf meine Anfrage ob man mich betanken könne, wurde mir erwiedert „yes, of course, how many liters?“ Durch ein beherztes „boah, around 120!“ hoffte ich den Meister der Zapfpistole überzeugen wenn nicht beeindrucken zu können. Doch nichts dergleichen – der Mann im „blauen Anton“ drehte sich wortlos um, ließ mich stehen um einem Motorboot beim Anlegen zu helfen (nicht sein Job) – hier war mehr Geschäft zu erwarten, hier zählt man auf der Tausenderstelle.

Getankt habe ich dann mittels meiner Kanister und Stefans Hilfe – daher mein Fazit – Paros, schön, sehenswert, Wiederholung gerne – aber definitiv außerhalb der Saison. Und dem Tankwagenfahrer von Ελίν sei gesagt – bei Dir tanke ich nimmermehr…

Leinen los und auf zu neuen Ufern!

Zeitsprung – wir sind schon auf hoher See, der Abend bricht an, wir sind für die nächste Nachtfahrt vorbereitet. Was war geschehen?

Aufgrund unserer Lade- und Batteriesituation und aufgrund der Tatsache, dass die nächste Meltemiphase im Anmarsch war, hatten wir beschlossen nach Leros zurückzukehren. Ich wollte das Schiff reparieren, Amelie und Stefan genießen noch drei Tage Inselurlaub und Sibylle und ich können nach der Abreise der Kinder den Meltemi hier aussitzen. Soweit der Plan…

Die Route sollte von Paros / Naoussa über die Nordspitze von Naxos zur kleinen Insel Donousa gehen. Hier hatten wir die Herausforderung anzunehmen, dass eine zweitägige Südwindphase die Suche nach geeigneten Ankerbuchten schwieriger machte.

Fotos haben wir keine von der rund sechsstündigen Überfahrt – ein angesagter SW4 mit geplanter raumer Brise mauserte sich zum SE6 und dem damit verbundenen Am-Wind-Segeln. Wir hatten eine sportliche Anreise zu unserer Ankerbucht.

Diese entpuppte sich als Enttäuschung. Der Schutz nach S war nicht so gut wie vermutet (zumal eher SE als SW herrschte) und ein Berg sorgte für stramme Fallböen in einer schon gut angefüllten Bucht. Ich hatte keine Lust auf nächtliche Ankerwache und somit als Schiffsführer entschieden – wir fahren weiter – fertig machen zur Nachtfahrt.

Der Wind ließ nach Sonnenuntergang nach, wir motorten in die Nacht und bekamen wieder tolle Momente…

Uns allen war klar, diesmal würde es nicht die ganze Nacht dauern bis wir unser Ziel, die Ankerbucht von Lakki auf Leros, erreichen würden. Wir tuckerten geradeaus, machten fast 6kn Fahrt und erreichten um ca. 0200 die Einfahrt der großen, geschützten Bucht – just in dem Moment als eine der großen Bluestar Ferries eben diese verließ. Ich finde immer wieder spannend, wie unbekannt und aufregend das Bekannte aus einer neuen Perspektive sein kann.

Um 0230 fiel unser Grundeisen in den guten Ankergrund vor Lakki – in die Marina wollten wir morgen nach dem Frühstück.

Gut geschlafen! Sicher zurück! Wir hatten eine ruhige restliche Nacht und ich kann sagen, dass ich nach 5-6h Schlaf durchaus fit bin. Perfekt! Frühstück, Schiff klariert und ab in die Marina – Sibylle hatte einen Wunschplatz den wir auch bekamen – Leinen über – NESSAJA ist zurück in ihrem Heimathafen.

Wir haben auf dieser Runde, die so anders verlief als geplant, 437nm geloggt…

…davon haben wir etwas weniger als die Hälfte, nämlich 217nm, zusammen mit Amelie und Stefan abgeleistet. Die Strecke führte uns einmal quer durch die Ägäis, das ist für Segelanfänger schon eine Leistung!

NESSAJA ließ uns nicht im Stich, sie lief problemfrei und es addierte sich kein wichtiger Punkt auf die „To-Do“ Liste. Deshalb gibt es diesmal auch keine kleinen Reparierstories. Was war mit den Batterien? Antwort – nichts! Wir haben inzwischen alles durchgemessen, sowohl Verbräuche als auch Ladeströme geprüft und einen Bedienerfehler als Ursache ausgemacht. Ich habe einen „1/2/Both/Off“ Schalter und dachte, dieser sei für die Ladelogik und dass ich somit die Schalterstellung „Off“ nie brauchen würde. Das hat sich bei Urlauben nie als Problem gezeigt, war aber falsch. Zum Laden kann man wohl die Kreise wählen, diese Einstellung gilt dann aber auch für die Stromentnahme. Wenn nicht geladen wird muss der Schalter auf „Off“ stehen. Da er aber immer auf „Both“ stand, konnte der neue Kühlschrank seine durchaus recht hohen 6A aus allen Batterien ziehen, das hatte für Kummer gesorgt und war mit kurzen Generatorlaufzeiten nicht zu lösen. Jetzt passt alles wieder und wir können die Batterien vorläufig lassen – um eine gute Solartechnik und eine Modernisierung unseres Strommanagements kommen wir wohl nicht herum – das wird eine andere Geschichte…

Keinen Verschleiß? Doch, der Meltemi hinterließ seine Spuren…

Muss neu – unsere Stander…

Die Crew dieses Törns schaltete sehr rasch in den Urlaubsmodus. Wir hatten einen tollen Platz an der äußeren Mauer, ruhig, luftig und weitgehend ungestört.

So war es uns möglich auch ohne dauernd am Strand zu sein für Durchlüftung (im Schiff) und Abkühlung bzw. Erfrischung (der Crew) zu sorgen. Es war auch an diesen Tagen schon sehr heiß, kein Tag unter der 30° Grad Marke, nachts selten unter 28° Grad. Klar also, dass regelmäßige Badestopps oder zumindest eine kurze Abfrischung unter der Brause zur Routine gehörten…

Das Auto stand parat, trotzdem haben wir uns noch einen Scooter dazu gemietet, so waren Stefan und Amelie weitgehend unabhängig von uns und konnten die Insel entdecken, Plätze besuchen die wir schon kennen.

Am ersten Abend besuchten wir zusammen das neue „Harris“, die Location in der ersten der sechs Mühlen, ein Ort den wir noch öfter besuchen würden.

Unserer Empfehlung folgend, hat die Jugend die Sehenswürdigkeiten der Insel erkundet – das Kirchlein in Xirokampos…

…natürlich – die obligatorischen Windmühlen, eines der weithin sichtbaren Wahrzeichen von Leros!

Und wenn man schonmal da hoch gefahren ist, lohnt es sich das Castell zu besuchen. Ob man nur den Ausblick genießt und das Bauwerk ansieht, oder auch das kleine Museum besucht, ist dabei den persönlichen Vorlieben belassen.

Ich hatte den Eindruck, dass Leros durchaus Überraschungen bieten konnte und dass die Beiden die letzten Urlaubstage durchaus genossen haben.

Wenn es gewünscht war, haben „wir Alten“ das junge Glück begleitet und waren gemeinsam unterwegs. Meist sind wir einmal am Tag zum touristischen Zentrum der Insel, dem „Panteli Beach“ gefahren um dort ein wenig auf der Liege zu relaxen und ausgiebig zu baden.

Oder wir haben uns einfach einen der anderen, weniger frequentierten Strände ausgesucht und waren dort um uns in das kühlende Nass zu stürzen.

Das letzte Highlight, das Kirchlein von „Agios Isidoros“ haben wir am Abend besucht bevor wir in der Mühle, im „Mylos“ unser Abschiedsessen hatten. Die Drohne musste nochmals fliegen, morgen schon hieß es Abschied nehmen von Stefan und Amelie.

Zwei Wochen können lang sein mit Gästen an Bord, auch wenn es die Kinder sind! Mit den Beiden war es anders, es hat uns ganz viel Spaß gemacht, es war kurzweilig. Wir haben uns riesig gefreut, dass die Reihe der Familienbesuche nun eröffnet ist und es war schön, dass wir nach so langer Zeit mal wieder ohne Skype oder WhatsApp mit den Kids sprechen konnten. Schweren Herzens haben wir die Beiden am nächsten Tag zur Fähre begleitet und Richtung Kos verabschiedet…

Was macht eigentlich der Meltemi? Nun, er tut was er kann, Segler ärgern…

Er kam wie vorhergesagt, und blies kräftig – einmal Fluch (für alle Reisepläne der Segler), andermal Segen (ohne ihn wäre die Hitze nicht auszuhalten) – wir hatten jedenfalls an unserem Marinaplatz wieder eine kräftige Brise stehen was das ein oder andere Mal für ein Knarzen und Ruckeln an den Festmachern gesorgt hat.

Doch auf unserem Platz ist es möglich eine lange Springleine zu legen, so lagen, bzw. liegen wir sicher und entspannt in unserer Ecke „far outside“.

Genug erlebt für den Juli? Weit gefehlt! Die ELOWYN ist im Anmarsch und hat Kurs Leros gesetzt. Volker hat entschieden, dass sein Schiff für ein Jahr im Dodekanes bleiben soll, er möchte diesen in 2021 und 2022 umfänglich bereisen und es freut ihn, dass wir immer ein Auge auf das prächtige Schiff werfen können.

Zwei Tage nachdem Stefan und Amelie abgereist waren, machte die ELOWYN in Leros fest. Neben dem Eignerpaar waren noch die Kinder einer Freundin an Bord, Karl und Lena. Mit allen Vieren hatten wir die nächsten drei Tage viel Spaß und einiges zu erleben.

Wir waren zu sechst, mein Scudo bietet in der aktuellen Bestuhlung nur Platz für fünf – was tun sprach Zeus?

Einem 18-jährigen kann man die Reise im Gepäckraum zumuten, also los zur Inseltour – die Geschichte rund um die Highlights von Leros wiederholt sich ab jetzt…

Dinner gab es, der Einfachheit und des Bierkonsums halber, im „Skipper´s“, dem Restaurant unserer Marina.

Auch hier reiste die Jugend zuerst ab, ebenfalls mit dem Katamaran Richtung Kos. Karl und Lena tingeln noch ein bisschen über die griechischen Inseln bevor der finale Heimflug ansteht.

Wir waren mit Tina und Volker allein – wohin zum Essen? Bei meinem Freund Dimtris waren wir vorgestern zusammen, auch schon mit Stefan und Amelie davor – unter diesem Gesichtspunkt fiel die Wahl ein weiteres Mal auf das „Mylos“, hier wollten wir die Meinung der ELOWYN Crew hören und uns auch dem Vergleich mit dem „Hanabi“ auf Milos stellen. Doch zuvor war noch ein Apero im „Harris“ geplant – einer der coolsten Spots auf Leros – ein absolutes „must see“…

Im „Mylos“ hatten wir die übliche Speisefolge – eigentlich alles was es an Gerichten mit rohem Fisch gibt – Thunfischtartar, Schwertfischcarpaccio, Ceviche, Garnelentartar mit Mango und einiges mehr. Meist ist man dann schon fast satt und teilt sich einen Hauptgang oder isst zumindest nur noch eine Kleinigkeit – auch hier meist Seafood.

Das alles begleitet von einer herrlichen Aussicht an einem schönen Platz…

Während man da so sitzt, isst, trinkt, genießt, bricht die Nacht herein und das gegenüber liegende Agia Marina zeigt sich im Lichterschein.

Zurück in der Marina liefert die private Rauch´sche Kleinbuslinie die ELOWYN Crew vor ihrem schwimmenden Zuhause ab um dann selbst in die andere Ecke der Marina zu fahren. Dabei fällt auf, dass das Thermometer kaum fällt – um 23.00 Uhr 32° Grad – das kann man Sommer nennen!

Ich schlafe zur Zeit meist draußen und ziehe mich irgendwann ins Schlafgemach zurück. Der Meltemi sorgt für eine angenehme Brise auf der Haut, Oropax mindern die ärgsten Geräusche und ich schlummere meist gut – wenn nur unsere Bänke etwas breiter wären. Nach dem Rückzug ins Bett, vor dem der Ventilator 24/7 seine Dienste tut, falle ich meist nochmal in eine Tiefschlafphase…

RINGRINGRINGRING -was? Wieso? Wo und vor allem wer bin ich? Es ist unchristliche 06.30 Uhr, der Wecker reißt mich aus dem Schlaf – ahja, Volker und Tina fliegen heim, der Pendelbus hat die Transportaufgabe zum Flughafen übernommen.

Ich karre also das Gefährt Richtung ELOWYN und wir verladen das Gepäck der Mannschaft plus dieselbige.

Kaum eine halbe Stunde später stehen wir zu viert am „Flughafen“ von Leros. Die Reisenden sind eingecheckt, das Gepäck aufgegeben und das Kleinflugzeug welches die Beiden nach Athen zum Weiterflug bringt ist gerade gelandet.

Nochmals 30 Minuten später sitzen Sibylle und ich im Scudo, fahren nach Lakki und gönnen uns erstmal ein Frühstück.

Früher Vogel fängt den Wurm! Der Tag ist noch jung und der Tankwart staunt nicht schlecht, als wir um kurz nach 08.00 Uhr zur Wagenwäsche erscheinen. Diesmal kann er mich nicht mit einem „tomorrow“ abweisen! Er erkennt die Situation und handelt für sich noch ein entspanntes „until 14.00 o´clock“ heraus – am Abend ist der erdbraune Bus, der den Dreckmantel seit März trug, wieder ein weißer Schwan (zuviel Prosa???)…

Ist Euer Erfrischungsgetränk noch kühl, noch einmal nachschenken? Ok, ich mach´s kurz, der Rest ist schnell erzählt.

Mit der Crew der HARMONY, Gottfried und Gabi, wollten wir noch ins „To Steki“ nach Alinda gehen – gesagt, getan! Hier hatten wir das Glück auf sehr dezente und sehr schöne Live-Musiker zu treffen, ein herrlicher Abend bei sehr guten Meze.

Gestern haben wir uns mit Kostas im „Harris“ getroffen, er ist einer der örtlichen Makler. Er und Harris kennen sich schon lange und auf Harris Empfehlung haben wir ein Grundstücksangebot diskutiert – in würdigem Rahmen…

…das feilgebotene Objekt ist ein Meergrundstück von 5.000qm mit eigenem Strand. Interessant als Kapitalanlage und / oder für später?! Ich weiß es noch nicht. Die Informationen waren jedenfalls so interessant, dass wir am gleichen Tag noch zum Objekt gefahren sind um mal einen neugierigen Blick darauf zu werfen.

Die Betonstrasse endet etwa 500m vor dem Grund, mehr war dem geplagten Italiener nicht zuzumuten, wir mussten zu Fuß weiter…

…bis auf die Anhöhe um das Objekt als Ganzes zu Überblicken. Von den Zehenspitzen bis zum Meer – alles eines. Von der Mauer links bis zur kleinen Schlucht rechts – danach Naturschutzgebiet, das letzte einer Reihe also.

Mit einem spektakulären Panorama…

…gleichwohl aber auch mit nicht einzuschätzenden Kosten durch Befriedung, Strasse, Erschließung. Will ich das? Kann ich das?

Viel zu überlegen, das Rattern unserer Köpfe war unüberhörbar – da standen wir nun…

Ihr merkt schon, es wird nicht langweilig! Während wir unser neues Leben genießen, es langsam adaptieren, machen wir im Hintergrund schon Pläne über Alternativen oder ein Danach – etwas Vernunft muss sein.

In mir selber reift die Einsicht, dass der „Ursprungsplan“, die große Reise, der vielleicht beste ist, der den es sich lohnt zu verfolgen.

Wir lieben Griechenland, fiebern aber jetzt schon mit der OREJA VELA und der AMAE, welche unterwegs sind auf den Routen welche sie sich vorgenommen haben. Es bleibt dabei, unser Ziel 2022 heißt Sizilien.

Aber wie geht es jetzt weiter?

Aufgrund der Kosten des e-TEPAI und aufgrund der Tatsache, dass Sibylle am 17.08. nach Deutschland fliegt, haben wir beschlossen im August, bei dieser Hitze, zur Hauptsaison, nicht auszulaufen.

Wir nutzen NESSAJA jetzt als Ferienwohnung auf Leros, ich werde nach Sibylle´s Abreise ein paar kleinere Projekte abschließen und dann in der ersten Septemberwoche das Auto nach Deutschland bringen. Zwischenzeitlich sitzen wir mit Freunden zusammen, trinken kühles Bier und gehen baden oder Eis essen – es gibt Schlimmeres.

NESSAJA liegt an ihrem Platz und bleibt wohl auch hier (vielleicht verlege ich für die Zeit der Abwesenheit nach innen) bis wir Mitte September wieder hier sind und abermals die Kinder, diesmal Franziska und Mikey, zum Segeltörn erwarten.

Die nächste Reise führt NESSAJA von Leros durch den kompletten südlichen Dodekanes bis Rhodos. Aber auch ohne Segeltörn wird es einen August-Bericht geben – mit allen News, Erlebnissen und Allem was uns bewegt und umtreibt – es wird nicht langweilig!

Bis dahin wünschen wir Euch allen einen schönen Sommer und alles Gute – die NESSAJA Crew, Mario & Sibylle

Juni 2021 – La Cucaracha

Es ist schwer, einen Blogbeitrag – insbesondere den des Sommermonats Juni – mit dem Titel eines Songs zu benennen den man selbst noch nie leiden konnte.

Auch Wikipedia sagt dazu, dass der Titel des Artikels mehrdeutig ist…

Ich distanziere mich auch von jeglicher politischen Auslegung sondern möchte einfach nur tendenziell einen Hauptgedanken des sechsten Monats aufgreifen – Ihr ahnt es – la Cucaracha 😦

Doch wie immer – dazu später mehr!

Treue Bloganhänger wissen, dass ich neben der Taverne von Dimitris einen weiteren Favoriten für besonderes Essen auf Leros habe – die „Mühle“ das Mylos.

Unser Besuch war abgereist, wir schreiben schon die zweite Woche des Monats Juni und es hatte sich einiges getan in unserer Heimatmarina auf Leros. Neue Yachties waren angereist, wir haben uns gefreut bekannte Gesichter wiederzusehen, uns zu treffen und Klönschnack zu halten. Welche Location bietet sich besser an als das Mylos?

So saßen wir einen gemütlichen Abend mit den Crews der „Shaka“ und der „Serafine“ beisammen. Wir konnten feiern, dass die Serafine verkauft wurde – nicht ohne eine Träne im Auge – hoffen wir doch, dass die Kontakte auch in der bootslosen Zeit nicht abreißen.

Doch der Trennungsschmerz war rasch überbrückt, waren wir doch an diesem zauberhaften Platz der seinem Namen alle Ehre macht.

Nicht nur, dass es ein schöner Flecken Erde mit sehr netten und kompetenten Gastgebern ist, auch das Essen ist allemal eine Wucht!

In etwa einer Woche erwarten wir einen weiteren Gast, unsere Freundin Gitti aus der ehemaligen Heimat, eine frühere Kollegin von Sibylle, hat sich für eine Woche angemeldet. Für mich war es also an der Zeit den Blogbericht des Monats Mai – mit einiger Verspätung – zu schreiben. Viele haben den Bericht inzwischen gelesen, es gab viel positives Feedback, DANKE dafür!

Diesmal waren gottlob nicht viele Reparaturen zu machen. Nur „Kleinzeug“, es gibt daher auch diesmal keine gesonderte Abhandlung zu erledigten Technikprojekten. Das bedeutet aber nicht, dass das Werkzeug in der Schublade geblieben wäre – zu reparieren gibt es IMMER etwas!

Zwischenzeitlich war ein billiges Fitting für den Wassermacher, welches ich hier nicht bekommen konnte, per Post von zuhause angekommen – vielen Dank dafür an die Schwiegertochter. Dieses einzubauen wäre normaler Weise keine Herausforderung, wäre da nicht die Wasserpumpe im Weg. Dafür müssen nur zwei Schrauben geöffnet werden, von denen aber eine wie unsichtbar verbaut ist…

Ihr denkt jetzt sicher „was ist das so schwer?“ – einfach Schraubenzieher drauf und raus…

Ja, leider sind die beiden Bilder entstanden, als ich von rechts oben mit dem Mobiltelefon per Fotokamera gesucht habe wo überhaupt eine Schraube ist – somit – einmal durch die Kniekehle gegeigt! Aber, letztlich wurde auch diese Aufgabe gemeistert!

Ein weiteres Manko war meine GPS Antenne am Furuno GPS35. Ein altes Gerät welches kurz nach der Entdeckung der Glühbirne auf den Markt kam – aber ich mag es! Also Fehler gesucht – und gefunden…

Nach 20 Jahren darf so etwas schon sein, so habe ich zügig Ersatz bestellt, Lieferung per Amazon Prime zu unserer Freundin Gitti nach Hause, innerhalb eines Tages! Wow, die Antenne konnte mir bereits drei Tage später übergeben werden.

Es gibt schlimmeres als solche Bastelarbeiten während man im Paradies sitzt. Der Sommer war eingekehrt, es war noch nicht zu heiß, gute Freunde rundherum, jederzeit ein Bierchen und eine kleine Plauderei – so lässt es sich leben – ich mag die Leros Marina Evros!

Es gab einen Haken – zur Erinnerung, das Wetter war herrlich, stetig eine leichte Brise, warm, nur Sonne… – wo ist da der Haken mag sich manchereiner fragen???

Nun, Gitti sollte nächste Woche kommen, für diese Periode war eine kleine Wetterdepression angesagt – der Teufel ist eben ein Eichhörnchen! Wir mussten los, es galt die Freundin in Kos abzuholen! Wir legten ab und setzten Kurs nach Kalymnos in die Emporio Bucht wo wir bei „Kostas“ einkehren wollten.

Dort haben wir uns die „erste Boje am Platz“ – erste Reihe – geschnappt und sind per Dinghy hinübergerudert um die feine und sichere Lage zu genießen.

Ich hatte mein Logbuch zu schreiben, auch hier gibt es schlimmere Gesamtsituationen als dies bei einem „Mamos“ (neues Lieblingsbier) mit Blick auf sein Schiff zu tun, und ich hatte Facebook bedient. Vielleicht erinnert Ihr Euch noch an den Post „10 Jahre Griechenland“ – den hatte ich hier verfasst.

Ich hatte den Gedanken, als ich dieses Bild sah – nahezu das gleiche Motiv gab es von der alten NESSAJA. Die nahezu gleiche Boje, die gleiche Bucht, es war Mai 2011 als wir das erste mal in griechischen Gewässern unterwegs waren und seither dem Dodekanes treu geblieben sind.

Emporio ist ein schöner Spot auf Kalymnos, der Insel der Sportkletterer und Schwammtaucher, es gibt viele kleine Motive zu entdecken, es ist ein reizender kleiner Ort. Wir haben bei „Kostas“ gut gegessen und können den Platz nur empfehlen – auch wenn diesmal etwas Schwell in die Bucht gestanden ist.

Wir mussten weiter – heute kommt Gitti an! Ab nach Kos. Wir hatten einen herrlichen Segeltag, das ist nicht sooooo häufig der Fall wie man vielleicht denkt, und hatten uns als Ziel die Kos Marina ausgesucht.

Wir bekamen einen Platz neben unseren Freunden aus Berlin, der ANAHITA II Crew. Das Anlegemanöver musste sitzen, Wolfgang ist ein kritischer Beobachter 😉 – vermutlich erinnert er sich gar nicht mehr daran, dass er mich (als wir uns noch nicht kannten) in Arki mal ziemlich angeraunzt hat…

Ratzdatz oder tschengpeng würden die Umstände des Anlegens nicht exakt beschreiben – wir sind in die Lücke GEGLITTEN, GESCHLÜPFT es war förmlich ein „saugendes Anlegemanöver“ ohne jegliche Fremdberührung (und ohne Schlauchboothilfe) – ich war konzentriert und erleichtert 😉

Wir haben das Boot auf Vordermann gebracht und schon einige Stunden später unseren Besuch begrüßt mit dem wir in die Altstadt zum Essen spaziert sind.

ACHTUNG – WARNUNG! Jetzt kommt der Bezug zur Überschrift! Zart besaitete Naturen mögen dieses Kapitel bitte überspringen!

Beispielbild

Als wir vom Essen zurückkamen, wir hatten Wein getrunken (wichtig zu wissen) ging Sibylle ins Schiff und schaltet erst spät – wegen der Mücken – das Licht ein. Ich erinnere mich nicht mehr exakt ob ein markerschütternder Schrei die Marinabewohner weckte oder ob es eher ein gellender Hilferuf an mich war – wie auch immer, sie hat einen Kakerlak gesehen!

Der Effekt bei Sibylle und mir war unterschiedlich! Ich erinnerte mich an eine Geburtstagskarte mit dem Spruch „Weil ich Dich so gerne mag, schenk´ich Dir nen Kakerlak“ (war das eigentlich witzig gemeint?), Sibylle hingegen wollte erst ausziehen, dann das Schiff AUSGASEN lassen und faselte etwas von 200 Eiern und einer Schar von Kakerlaken welche uns vermutlich bis auf die Knochen abnagen will…

Ok, die Aufregung hat sich gelegt, Google half etwas, und wir gingen schlafen. Morgen ist auch noch einTag.

Mit Nachbar Wolfgangs Hilfe wurde dem blinden Passagier eine Henkersmahlzeit serviert – ein leckeres Häppchen, begleitet von einem „Mousse du Poison“.

Es dauerte etwas bis Sibylle einverstanden war, dass ich den Gast für tot erklärt habe. Vermutlich werden wir den Leichnam irgendwann finden. Bisher hat es auf jeden Fall keine Sichtungen mehr gegeben (oder war es doch der Alkohol)?

Unsere Fahrt ging los – nach einem weiteren Tag Kos Marina, um ehrlich zu sein, wegen des verhangenen Wetters – legten wir ab Richtung Kalymnos. Diesmal wollten wir die Bucht Palionissos auf der Ostseite entdecken. Komisch, ich merke gerade, dass keiner von uns Bilder gemacht hat. Naja, auch hier ein offenes Wort, es war frisch, verhangen und gar nicht so prickelnd.

Ich habe diese Situation genutzt um eine Reparatur vorzunehmen die jeder Skipper fürchet – die Reinigung des verstopften Klos. Ein heikles Thema, ist es doch eine im wahrsten Sinne des Wortes „Scheißarbeit“! Nicht so bei uns – ich hatte „GLÜCK“ (im Unglück) und durfte nur zentimeterdicke Verkalkungen und Urinstein entfernen, ging so…

Auch der nächste Tag, arme Gitti, war noch einer mit bescheidenem Wetter. Wir beschlossen daher einen Marinatag in Leros einzulegen – nach Baden war uns allen Dreien nicht. Die Entscheidung war gut – Leros hat uns entlohnt, wir haben die Hot-Spots besucht und waren mehrmals gut einkehren.

Am Abend noch schnell eine kleine Fahrt zu den Windmühlen und zum beleuchteten Kastell – wie immer halte ich vor Mühle 1 um zu sehen was eines meiner Lieblingslokale, das „View“ macht. Ein Ruf ertönt „Mario, Yassas“! Nanu, wer ruft nach mir? Schon sehe ich Haris, den Besitzer meiner Lieblingseisdiele in Agia Marina auf uns zulaufen.

Das ehemalige View heißt jetzt „Haris´“, erklärt er und sei von Ihm gepachtet worden und würde am kommenden Freitag eröffnet. Heute seien Freunde von Ihm hier um Cocktails zu testen. Ob es daran lag, dass er meine hoffnungsvollen Augen gesehen hat, Gedanken lesen konnte, oder er mich einfach mag – es sei dahin gestellt. Einen Moment später jedenfalls saßen wir auf der Terrasse und schlürften einen phantastischen Gin Tonic – 5 Sterne!!!

Ein pragmatischer Grund die Marina kurz zu besuchen war der Erhalt eines Paketes. Sibylle und ich hatten beschlossen uns zum Geburtstag je einen hälftigen Grill zu schenken. Gottlob konnte SVB die beiden Hälften zusammen verschicken und wir konnten unseren neuen COBB Gasgrill in Empfang nehmen – ich werde berichten sobald das Ding sich beweisen konnte.

Das Wetter war wieder toll und Gitti sollte endlich das Segelfeeling in Griechenland so kennenlernen wie wir es schätzen und lieben. Also ab nach Archangelos, an „unsere“ Boje, einem meiner Lieblingsplätzchen vor dem „Stigma“.

Ein traumhafter Badetag wie er im Buche steht! Eine Gastgeberfamilie die sich alle Mühe gab mit uns zu plaudern, uns zu bewirten und alle Trümpfe Ihrer Gastfreundschaft ausspielte.

Ich mag das Einfache an diesem Lokal, ich mag Dimitra, die Tochter des Wirtes, ihren Bruder und die Wirtsleute selber – Archangelos ist ein Platz den ich, aufgrund seiner Nähe zur Marina, erst viel zu spät entdeckt habe!

Gegessen wird was die Küche hergibt, eine Speisekarte gibt es nicht…

Dennoch – oder gerade deswegen waren wir immer gut bedient!

Wir mussten weiter, der Rückweg nach Kos wurde angetreten – Gitti hatte Kos – Kos gebucht und bei einer Woche Urlaubsdauer wollten wir sie gerne an den Abflugort bringen. So sind wir mit einem Stop in Kalymnos / Emporio zurück nach Kos. Leider ließ der Wind just in dem Moment als wir nach Süd wollten nach, ein bisschen Segeln konnten wir aber trotzdem.

Zurück in der Marina Kos! Ich treffe viele Menschen, die uns immer wieder fragen warum wir doch ab und an in Marinas hängen. Nun, dazwischen müssen wir ver- und entsorgen. Das ist das Eine…

Das Andere sind einfach auch soziale Kontakte, eine ordentliche Dusche, Zivilisation und Geschäfte sowie Wifi. Wir mögen die Vielfalt des Lebens, da gehört das Eintauchen in diese Welt auch dazu. Das Thema Kosten bleibt aber unwiedersprochen ein Minuspunkt – eine Nacht Marina kostet in GR rund 40 – 50€, wir haushalten hier sehr.

Dennoch, auch eine Marina kann ihre schönen Seiten haben…

In der Marina haben wir auch Hans ein zweites Mal getroffen. Das letzte Mal noch hatte er Motorsorgen an seinem Katamaran und zusammen mit dem nicht geplanten Liegeplatz eine nicht unerhebliche Summe zu zahlen (Originalkommentar – „…do fliagt da doch a Ei aus da Hosn!“) – hatte er diesmal zu vermelden, dass er quasi „im Vorbeigehen“ einen anderen Katamaran (Lagoon 450L) für ein nicht weniger erkleckliches Sümmchen gekauft hat – Hans im Glück kann ich da nur sagen.

Gitti hat ausgecheckt, die Woche Urlaub ist vorbei – trotz der anfänglichen Wetterkapriolen und einem fetzen Sonnenbrand ist uns eine gute Runde gelungen wie ich meine.

Für uns hieß es das Schiff zurück in die Leros Marina zu bringen – unsere eigene „große Runde“ stand bevor. Wir wollten noch einmal durchatmen, noch einmal alles befüllen, ein paar kleine Handgriffe am Schiff machen und dann für zwei Monate ablegen.

Doch zuvor wieder den langen Schlag gegen Wind und Welle zurück nach Leros. Da zufällig unsere Freundin Susanne auf der Insel war haben wir nicht die Marina als Ziel gewählt, sondern die Bucht von Xirokampos wo Susanne verweilte. Das Grundeisen sollte vor ihrem Haus fallen…

Nach dem Ankommen gibt es einen Anlegeschluck – meist Gin Tonic – bevor wir baden gehen. Auch hierüber möchte ich als unabhängiger Berichterstatter ein Bild abgeben, ich wurde jedoch Opfer unfreiwilliger Zensur. Ich bekam, ohne weiter ins Detail gehen zu können, eine Anordnung von allerhöchster Stelle…

Es sind die Sonnenuntergänge, aber auch die Sonnenaufgänge, welche den Zauber einer Übernachtung vor Anker in einer Bucht ausmachen. Gestern noch hatten wir einen fabelhaften Fisch auf Susannes Terrasse genossen – Danke für die Einladung! Heute empfängt uns der Tag so…

…was gibt es Schöneres???

Nun, das könnte zum Beispiel sein, dass ein Freund an dich denkt. So geschehen in Leros, als wir zurück in der Marina waren. Einer der Marineros macht Armbänder aus Bändsel und ich habe die Bilder in Facebook geliked – worauf ich bei meiner Ankunft ein solches Unikat geschenkt bekam. Ich werde es mit Stolz tragen!

Des einen Freud´ des Anderen Leid`- Stefan und Tanja waren zurück in Leros! Ich habe mich gefreut die Beiden noch einmal wieder zu sehen. Der Grund für die Rückkehr war jedoch ein ärgerlicher – ein Ruderschaden bei Amorgos machte ein Abschleppen zurück in den Hafen notwendig, die Beiden stehen mit ihrer „Oreja Vela“ und Hündchen Tara jetzt auf dem Trockendock und sehen der Reparatur entgegen. Dabei tragen sie es mit einer Portion Galgenhumor – sie haben sich eine Eiswürfelmaschine gekauft, denn „…Eiswürfel sind ein Stück Lebensqualität“ – das muss ich mir merken…

Was hilft in dieser Gesamtsituation besser als ein gemeinsames Dinner???

Der Besuch bei „Dimitris o´Karaflas“ war besonders wie immer – wegen der Location, dem Essen, natürlich dem Wirt und wegen des blutroten Vollmondes einige Stunden später.

Der fünfte Mann! WER ist der fünfte Mann? Tanja und Stefan hatten uns viel von einem Deutschen erzählt der nach Rhodos ausgewandert ist und dort eine Imbissbude eröffnet hat. „POMMES – BERND“ – wir hatten verwegene Vorstellungen von diesem Mann! In der Realität haben wir einen super Typen kennen gelernt, einen Abend lang viel Spaß gehabt, ein bisschen zuviel getrunken… (what ever happened in Leros stays in Leros…)

Bernd, wir freuen uns darauf Dich im Herbst in Rhodos wieder zu sehen!

Der Tag des Abschieds, der Abreise, war gekommen. Wir wollten los, etwas erleben! Wir hatten den Wecker gestellt und wollten um 0700 los. Nichtsdestotrotz kamen sowohl Robi & Baba von der „Maxi“ als auch Stefan um sich zu verabschieden – das hat mich beeindruckt – so gingen die Leinen erst um 0730 über (fast ein bissl zu spät)…

Warum ist 0730 zu spät mag sich mancher Blogleser fragen. Nun, wir wollten segeln, wussten, es war wenig Wind und wir hatten uns mit Schinoussa, einer Insel in den kleinen Kykladen, ein entferntes Ziel ausgesucht. Es sollte sich auch „rächen“ (oder zumindest die Karten neu mischen).

Segel raus, Segel rein – Motor an, Motor aus – zäh wie Kaugummi zog sich die Reise. Erst bei Amorgos, es war schon später Nachmittag vergingen zwei herrliche Segelstunden und fanden Einzug ins Logbuch.

Wir näherten uns den kleinen Kykladen, nur noch schnell um diese Ecke, dann sind wir da. Wir haben schon besprochen was es zu essen geben wird.

Meistens kommt es anders als man denkt…

Wo wir uns vorher stundenlang zwischen motoren und segeln gequält haben, schafft es das Kap der kleinen Kykladeninsel Koufonisi, den kaum vorhandenen Wind so abzufälschen und zu beschleunigen, dass wir allerhand zu tun hatten mit den 26kn Böen zurecht zu kommen. NESSAJA galoppierte los und war kaum zu bremsen – und so schossen wir an unserem Ziel, an welches wir uns vorher so mühselig angenähert hatten, einfach vorbei.

Bis die Böen nachließen dämmerte es, zurückfahren wollte ich nicht, und so machten wir uns klar zur Nachtfahrt zum finalen Ziel Milos. Karten wurden studiert, Westen angelegt, Wachen besprochen und es gab noch eine kleine Mahlzeit. Dann hieß es – from dusk till dawn…

Sunset Richtung Ios
Sunrise zwischen Polyagos und Milos

Wir liefen in die Bucht von Milos ein, zum ersten Mal waren wir auf der westlichen Seite der Ägäis – und wir waren neugierig.

Wir sahen die alten, pittoresken Fischerdörfer, hier Klima…

…und kamen im Ankerfeld vor Adamas an – nach 25h Fahrt ließen wir erschöpft den Anker fallen. Sicher liegen, ausruhen, baden…

Am nächsten Tag schon stand der Plan – ein Leihwagen musste her, diesen durften wir 24h behalten und tuckerten tagsüber, wie auch abends über die Insel. Sehr kommod…

Die Insel ist sehr schön, hier einige Eindrücke die wir teilen wollen – von unserem Ausflug in die Oberstadt Plaka…

…und von unseren Besuch in den Katakomben in denen früher christliche Bestattungen stattfanden. Ein sehr beeindruckender Ort!

Milos ist berühmt für seine Kalksandsteinformationen. Auch hierhin haben wir Ausflüge unternommen und Buchten mit bizarren Felsbrücken und -türmen gesehen.

Getreue Leser wissen, dass ein Freund von mir mit der ELOWYN die Meere bereist. Die ELOWYN war auf dem Weg vom Peleponnes in die Zentralägäis, es war also durchaus ein Plan dahinter als ich meine Position an Volker & Kristina gesendet habe.

So war es auch kein wirklicher Zufall, dass einen Tag später ein bekanntes Schiff (siehe Bilder am linken Blogrand „Impressionen Brest – Lissabon“) in der Bucht auftauchte – großes Hallo und Wiedersehensfreude!

Klar, ab jetzt unternehmen wir gemeinsam – und weil wir ja noch ein Auto hatten ging es schon am ersten Abend ins „Medusa“ ein bekanntes Fischrestaurant. Obwohl nicht reserviert, mussten wir nur kurz warten. Diese Zeit verging aufgrund der Scenery wie im Flug…

Schon kurze Zeit später saßen wir an unserer Tafel und bestellten gemeinsam Vorspeisen und Seafood – ein herrliches Dinner, ein sehr guter Abend (der aber noch getoppt werden konnte)!

Wir liebten die Ankerbucht! Luftig, etwas schaukelig, kostenfrei – Volker hatte die ELOWYN inzwischen zum Versorgen an die Kaimauer gebracht. Ich sinniere so vor mich hin und genieße den Sonnenaufgang…

…währenddessen also, wird Sibylle wach und gibt Alarm. DER KÜHLSCHRANK IST AUS!!!

Ich schieße wie von der Tarantel gestochen nach oben und erkenne – einmal zu lange mit dem Generator gewartet, Batterie leer. Wir müssen an den Steg zum Laden. Anker auf!

Doch was tut sich? Nix! Irgendwie hängt die Ankerwinsch an einer Stromquelle wo ich es nicht erwartet hätte – muss ich checken! Aber nicht JETZT! Also, Generator an, bisschen warten, erneut probieren – langsam hebt sich die Kette und rattert gequält Meter für Meter in den Kasten. Frei, nix wie an den Steg, festgemacht und Ladekabel ran – Problem gelöst! Wasser können wir jetzt auch noch tanken (Diesel haben wir schon mit dem Schlauchboot und Kanistern geholt).

So kam es, dass NESSAJA und ELOWYN nebeneinander an einem Steg lagen – damals auf Milos…

Den Unterschied von 68ft auf 43ft kann man schon gut erkennen – von vorne gesehen aber wird es noch deutlicher…

Wenn man auf Schiffen unterwegs ist hat man immer das Wetter im Auge. Aufkommender Südwind drohte unseren Platz unsicher zu machen, wir wollten weiter – unser Ziel hieß grob Athen um am 10. Juli Stefan und Amelie abzuholen. Nach Nord zu reisen heißt, darauf zu achten, dass kein Meltemi bläst. Es war also klar, der Abschied naht…

Wir wussten auf Empfehlung ein Lokal welches Volker bereits kannte – im Ort Pollonia war das „Hanabi“, ein Lokal welches klassische und griechische Sushi-Spezialitäten feilbot. Nix wie auf nach Polonnia.

Weil wir etwas früh dran waren haben wir noch einer Winery am Weg einen Besuch abgestattet. Hier konnten wir probieren und…. kaufen!

Dort verbrachten wir ein Stündchen bis wir in das Lokal unserer Wahl ziehen konnten, wir hatten für 1900 reserviert.

Das „Hanabi“ liegt direkt an der Waterfront und wir waren mal wieder „just in time“ zum Sonnenuntergang, so wurde der Gratiscocktail (vom Autoverleiher spendiert) zum Sundowner.

Das „Hanabi“ hielt was es versprach – einladend, nettes Personal und sehr modern. Eine echte Vielfalt an Speisen.

So ging unser letzter Abend auf Milos perfekt zu Ende – abgsackt mit Volker und Kristina, gut gegessen (das „Hanabi“ kommt in mein Top 3 Ranking) in einer wunderbaren Umgebung!

Wir fallen todmüde ins Bett – wohlwissend, dass morgen früh der Wecker um 04.50 klingelt. Wir wollen Höhe machen und es passiert mir nicht noch einmal, dass ich zu spät losfahre.

Morgen – das ist dann der 01.07.2021 – das bedeutet Juli, das heißt ein neuer Monat. Wie es also weitergeht bzw. weiterging auf unserer Reise könnt Ihr im Folgebreicht des Monats Juli nachlesen.

Wir fahren in den Saronnischen Golf, freuen uns, dass Stefan und Amelie für zwei Wochen bei uns sind und entscheiden in welche Richtung es weitergeht und ob wir die Nördlichen Sporaden noch erreichen.

Während Ihr das lest sind wir schon in der Olympic Marina Lavrion angekommen um hier den Starkwind der nächsten Tage abzuwettern, zu tanken, Wäsche zu waschen, undsoweiter, undsoweiter…

Bleibt also dran, es lohnt sich – bis zum nächsten Mal. Bis dahin gibt es News immer mal wieder auf Facebook (unsere Accounts und unsere Seite „sailingmoments“)

Ganz herzliche Grüße von Bord der NESSAJA – die Crew