Facebook, immer wieder Facebook – kennt Ihr das? Da stellt jemand so eine sinnige Frage wie „…welches Lied war in Deutschland No.1 in den Charts als Ihr 18 wart?“…
Jetzt sitzt Du da und hast zwei Optionen. Entweder Du verdrehst die Augen und klickst weiter – was ich meist mache, oder Du fängst an zu grübeln – und schon hat es Dich!
Google sei Dank weiß ich, dass „Live is Life“ von Opus an meinem 18. auf Platz 1 der Single Charts stand und am Ende des Jahres auch „Schlager des Jahres“ war. Verdient oder nicht bleibt dahingestellt. Übrigens, Album des Jahres war „Born in the USA“ – aber das ist ein anderes Thema.
Zum Einen – ich habe es bewusst einmal so und einmal so geschrieben, denn Schreibweise 2 ist die richtige, während Schreibweise 1 den mir näher liegenden Sinn korrekt beschreibt. So wird der Titel zudem zum am häufigsten falsch geschriebenen Song und füllt auch deshalb diverse Google Seiten – könnt Ihr ja selbst mal nachsehen…
Zum Zweiten – und da spanne ich den Bogen zum Segelblog – trifft meine Interpretation dieses Songtitels sehr exakt das Hippiemotto an der berühmten Mauer von Matala auf Kreta – das Leben passiert heute!
Warum diese Einleitung? Was ist passiert?

Eigentlich nix – und doch etwas ganz besonderes, ich hatte im Laufe des August nach sehr langer Zeit wieder einmal die Zeit und Muse ein Buch in die Hand zu nehmen und mich einzulesen. Ich habe den dicken Schinken „Ich fange den Wind“ von Wilfried Erdmann gewählt, der passt so schön. Ich konnte nicht ahnen, dass darin auch ein paar Lebensweisheiten enthalten sind, welche ich in einer für mich passenden Weise übernehmen möchte. Der Mann hatte den Mut bei Entscheidungen alles auf eine Karte zu setzen, durchdacht, nie leichtsinnig – aber eben doch „hopp oder topp“!
Wer nun denkt, dass man dies mit dem Umzug auf ein Schiff und den damit verbundenen Verkauf des Hauses doch ebenfalls bereits umgesetzt hat, der trifft des Pudels Kern nur bedingt. Dies war nur der Start zu einem Prozess, der Eintritt in ein neues Lebensmodell welches ich vollumfänglich Leben möchte.
Steve Jobs hat einmal gesagt „Menschen, die verrückt genug sind zu denken, sie könnten die Welt verändern, sind diejenigen, die es auch tun!“ – nun maße ich mir nicht an die Welt verändern zu wollen, (obwohl…), nur innerhalb meiner eigenen Welt die Grenzen verschieben, das wäre prima. Wenn dann noch ein positiver Effekt für mein Umfeld, für meine Umwelt dabei herausspringt, wäre viel geschafft.
Hier hat der August viel bewegt – doch dazu später etwas mehr…
Ein vielleicht etwas schwieriger, gedankenschwerer Einstieg in einen Monat der ganz banal begann – mit dem Kauf eines gebrauchten ENO Gasherdes.

Das gute Stück wurde als das Modell „Gascogne 3“ in einer Verkaufsbörse angeboten und ich hatte schon vor Wochen Interesse bekundet weil wir erstens einen neueren Gasofen wollten, uns zudem – zweitens – mit einem dreiflammigen Modell mit Grill etwas mehr Kochkomfort an Bord holen wollten.
Es wurde etwas hin und her verhandelt, der Ofen entsprach nicht exakt unseren Vorstellungen, aber nachdem der Verkäufer von sich aus einen deutlichen Preissprung gemacht hat, konnte ich nicht widerstehen und habe die komplette Gasanlage des Verkäuferschiffes kurzerhand in meinen Minibus gepackt – ich denke, das Geschäft war so für beide Seiten ok.
Ich hatte wieder ein Projekt!
Ganz so leicht war es mit der Umsetzung verschiedener Projekte in diesen Tagen Anfang August nicht, wie allseits bekannt hatten wir ein paar Hitzewellen nacheinander, es war wirklich warm zu dieser Zeit – tagsüber und eben auch nachts…

Während wir um die Mittagszeit kontinuierlich über 40°C hatten, war es nachts selten unter 30°C – nun, ich wollte das so, Sibylle hat gelitten und sich in Ihren Heimaturlaub gewünscht – ich glaube, sie hat auch deshalb schon einen recht zeitigen Flug für Mitte August gebucht. Es war also klar, ich würde ca. 3 Wochen alleine hier auf Leros bleiben.
Wir haben uns in dieser Phase der Hitze mehr und mehr an den Strand verzogen um uns im Meer abzukühlen…

…das hat funktioniert, das Meer blieb über all die Tage erfreulich erfrischend und wir konnten die Tage so gut aushalten und auch genießen.
Bei diesen Temperaturen wurde wirklich jede Gelegenheit genutzt, sich irgendwie abzukühlen, von außen beim Baden, oder eben von innen – mit herrlichem Eis…

…oder kühlen Getränken – als „Espresso freddo“ wird selbst der geliebte und unverzichtbare Kaffee zum Erfrischungsgetränk!

Was für uns auf diese Art und Weise gut zu handhaben war, wurde für die Natur in Griechenland mehr und mehr problematisch. Alle Wiesen und Felder, das Gebüsch und Sträucher – alles war restlos ausgetrocknet und aufgeheizt. Es fehlte nur noch ein „Zündfunke“ und es würde ein Inferno geben – es wurde über alle verfügbaren Medien und Kanäle gewarnt.
So hat JEDE(R) der sein Telefon in einem griechischen Netz eingeloggt hatte eine Warnmeldung per SMS bekommen…

Allein – geholfen hat es nur bedingt, wie man später in den Medien hören konnte. Es sind verheerende Feuer ausgebrochen. Wir waren nie direkt betroffen, die Bilder die hier gezeigt wurden waren aber schrecklich.
Die Feuer waren nah an den Vororten Athens und haben Menschenleben bedroht…

…und vor allem auf Euböa wüteten die Flammen unaufhaltsam – es war bedrückend und beängstigend dies mit ansehen zu müssen.

Mich hat eine ganze zeitlang beschäftigt, dass wir mit Stefan und Amelie dorthin fahren wollten. Nicht, dass ich Angst um uns oder das Schiff gehabt hätte – aber Augenzeuge zu werden ohne helfen oder eingreifen zu können ist eine Situation welche mich bedrücken würde. Ich war froh, dass wir zu dieser Zeit nicht hier unterwegs waren.
Zu etwa dieser Zeit wurde das Ahrtal in Deutschland überschwemmt – verrückt – hier die Wassermassen welche alles begraben und Leben auslöschen, dort die Flammen die zerstörerisch wüten – ob die Erde sich wehrt???
Es war schwierig in dieser Phase „einfach weiterzumachen“ – auch hier war alles in Alarmbereitschaft. Ich habe mich zur Ablenkung meinen Projekten gewidmet, es gab mal eine „bootsfremde“ Aufgabe anzupacken.
Mein treuer Italiener stand nicht mehr in frischem Gewand da, die Motorhaube war zerschunden, das war so nicht mehr hinnehmbar – also wurde das Teil kurzerhand zum Lackierer gebracht und der treue Scudo bekam ein weniger attraktives Übergangs-Ersatzteil verpasst…

Der Lackierer, (Sibylle meinte wir sind am Schrottplatz der Insel – sie muss da noch etwas entspannen), war ein supernetter Typ der sich mächtig ins Zeug legte und termintreu nach drei Tagen stolz sein Ergebnis präsentierte – tata, nicht schlecht, oder???

Mit dem wieder feschen Wagen suchten wir entweder die Nähe zum Meer oder schattige bzw. windige Plätzchen.
Da traf es sich mehr als gut, dass das „Harris“ wieder offen ist und es dort oben SOWOHL schattig als auch windig ist. Solange Sibylle noch hier war, sind wir regelmäßig dort oben aufgeschlagen um den Moment zu genießen und etwas „runterzukühlen“.


Ansonsten haben wir uns beschäftigt ohne zu viel Aktivität an den Tag zu legen – es war einfach zu heiß. Für Sibylle hieß das meist Lesen…

Bei mir ist es eher so, dass ich Ideen nachhänge und sich „lesen“ häufig auf Internetplattformen beschränkt – was ab und an in Spontanentschlüsse mündet…
„Du, Sibylle?“ Ich höre ein „hmmm“ – die Aufmerksamkeit scheint mir sicher. „Ist es nicht so, dass der Fiat immer fürchterlich heiß ist wenn wir losfahren?“ Wieder vernehme ich ein „hmmm“…
Es scheint mir clever, gleich eine Salve an Argumenten abzufeuern…
„Ist es nicht so, dass der Wagen eigentlich viel zu groß für die Straßen hier ist, zu gut um ihn hier zu verschrammeln? War es nicht immer fein mit dem Roller zum Baden zu fahren? Verbraucht ein Zweirad nicht generell weniger Sprit? Das Parken ist mit dem Minibus auch recht stressig, oder?“
Jetzt machte Sibylle den Fehler mir nicht Ihre volle Aufmerksamkeit zu schenken, wieder höre ich „Ja, schon, hmmhmmmm…“
Ha, das interpretiere ich als Zustimmung, gekauft – die Probleme löst nur ein Zweirad! Und weil ich nicht mehr 17 bin und auch mehr als, sagen wir 95 Kilo wiege, wurde es eines aus bayrischer Produktion – ein Kleinmotorrad für „echte Kerle“.

Mein Sohn Stefan wurde als Executive ins Rennen (nach Rosenheim) entsandt und vermeldete wenig später Vollzug – das Mopped gehört mir, wir haben unser Alternativfahrzeug für einen günstigen Preis bekommen. Das Beste – es passt in den Fiat und wird uns von nun an auf der Reise begleiten.
Bereits wenige Tage später trägt es seine neue Nummer und deutlich meine Handschrift – Nummernschilder waren schon immer eine Passion von mir 😉

Sibylle gab sich geschlagen, nicht ohne mir noch eine Denksportaufgabe mitzugeben…
Wie kommt das Ding denn nach Griechenland???
„Ähhhh, schluck, ähhhh – es ist ein Motorrad – ich fahre!!!“
Jetzt hab´ ich es mir eingebrockt. Ob das klappt und welche Rolle mein Freund Jens dabei spielt könnt ihr im Monatsbericht September lesen. Zurück zu nautischen Themen!
„WARUM FAHRT IHR NICHT RAUS?“
Diese Frage habe ich mehr als einmal beantworten müssen, fast schon rechtfertigend…
Die Antwort ist einfach wie nie, aber eben nicht selbstverständlich – weil wir nicht müssen! Weil wir hier wohnen! Weil wir Zeit haben…
Ich erinnere, es ist August, zu diesem Zeitpunkt noch ohne die Türken welche normaler Weise in Scharen in den Dodekanes fahren (während ich diese Zeilen tippe sind die Buchten voller türkischer Flaggen), war es dennoch reichlich voll in den Buchten der Kykladen und auch auf den kleinen Inseln rundum.
Wir wussten, dass Sibylle Mitte des Monats nach Deutschland fliegen würde, wir hatten das Auto hier und waren mobil, hatten schöne Tavernen und schöne Strände – was wir nicht hatten war ein bezahltes TEPAI, das wollten wir uns für den halben Monat August auch sparen. Zu guter Letzt, wir haben unseren Liegeplatz hier, es ist im Moment unsere Heimat – deshalb haben wir entschieden, der August wird ein statischer Monat…

Außerdem ist im August hier mächtig was los. Wir freuten uns hier vor Ort an Veranstaltungen teilnehmen zu können welche uns bisher versagt waren.
Ich habe vor einiger Zeit mit Manolis Platis Kontakt aufgenommen. Er spielt Fidel auf eine Art und Weise die ich liebe, ich könnte stundenlang zuhören. Das haben wir dann auch gemacht – auf einer Art „Probeveranstaltung“ im kleinen Kreis und dann beim großen Fest zu Maria Himmelfahrt, ein sehr hoher Feiertag in Griechenland.
Es war wunderbar „mitten drin“ zu sein und den Menschen aus Leros beim Feiern und Tanzen zuzusehen…


Hört sich nach Müßiggang an – weit gefehlt! Sibylle erinnerte mich stetig an die Projekte und die immer länger werdende „To-Do“ Liste. Inzwischen war es etwas abgekühlt und sie mahnte zu Fleiß und Leistung.
Ok ok, dann tragen wir das Monstrum von Herd mal in die „gute Stube“. Alleine das war schon ein Projekt, zumal „das Ding“ gerade so durch unseren Niedergang passt. Es wurde ein Platz gesucht und die Baustelle abgegrenzt…

Was Sibylle nicht wusste, längst hatte ich eine Taktik 😉 ! Ich würde warten bis sie abgereist ist, mich dann konzentriert und strategisch an die Arbeit machen und mir durch intelligentes Zeitmanagement ein Mehr an Freizeit erarbeiten – während ich das schreibe erinnere ich mich an die Meetings von früher, paaah, Vergangenheit…
Zuerst mussten wir aber noch Sibylle verabschieden – gebührend versteht sich – und das machten wir mit einem Festmahl bei Dimitris, zusammen mit den Crews der „Jasper“ und der „Harmony“ – wohl ahnend, dass es sich bei der ein oder anderen Crew, unter Einhaltung grober Zeitpläne, eher um ein „Lebewohl“ als um ein „Auf Bald“ handelt.


Am nächsten Tag hieß es „Adieu meine Capetania“, ich brachte die Gattin zur Fähre, ein letzter Kuss und sie verschwand am Horizont…
Ok, bisschen dick aufgetragen, aber nun war ich alleine, alleine zuhaus – Mario allein zuhause…

Na hoffentlich läuft es bei mir glimpflicher ab als bei meinem berühmten Filmpendant Kevin!
NESSAJA hatten wir zuvor verholt. Mir ging das ewige Gezerre des Schiffes an den Festmachern auf die Nerven. Ich selbst war nicht ganz so gierig nach Frisch- und Zugluft, mir war der soziale Anschluss und die Nähe zum Waschhaus wichtiger – NESSAJA liegt jetzt an ihrem gewohnten D-Steg und ich bin wieder mittendrin statt nur dabei.

ANPACKEN! LOS GEHT`S! Ok, aber nicht gleich – erst ein bisschen die Ruhe genießen, nicht eingetaktet sein, neue Abläufe gestalten – auch mal schön…
So traf es sich bestens, dass gleich nochmal ein Konzert stattfand – da gehe ich hin – alleine!

Giorgos und Nikos Stratakis – kennt man die? Heute weiß ich – JA! Die beiden machen Musik aus Kreta und lassen Kultur lebendig bleiben. Bemüht mal Google, es war durchaus Prominenz die sich hier auf Leros eingefunden hatte.
Ich war ja ab jetzt täglich bei Marietta zum Frühstücken (um Geschirrspülen und Einkaufen zu vermeiden) – sehr gut übrigens und auch ein Ort der Kommunikation…


Das Bistro war gleichzeitig der Kartenvorverkauf für die Konzerttickets – also habe ich mir kurzerhand eines gegönnt. Hier muss man wissen, 12.-€ sind für hiesige Verhältnisse kein Pappenstiel!

Der Abend des 19. war gekommen, ich also rein in die „Ausgehbuxe“ des Herrenausstatters meines Vertrauens (e&s) und ab zur „Arena“ von Leros / Platanos. Ich war zeitig dran, diesmal nicht der deutschen Tugend folgend, eher weil mein Scudo ja einen XXL Parkplatz braucht, die sind rar gesät auf der Insel – aber die Argumentationskette kennt ihr ja schon…
Manchmal braucht´s Glück und so konnte ich den treuen Großraumvan in eine passende Lücke in Gehweite der Konzertarena zwicken.

Die paar Schritte zur Kartenkontrolle getrabt und dort, das Billet in der Hand, mit der Frage konfrontiert „Maska???“ – nun, Maska ist ja (fast) international, ja, klar, die Maske! Ich greife in die Hosentasche in der ich das wichtige Accessoir immer bei mir trage… NICHTS! LEER!
Oweh, die Standard- gegen die Ausgehbuxe getauscht, die Maske vergessen – was tun? Nun, ich bin in Griechenland – man hat meine Not bemerkt und mir kurzerhand eine Maske (neu) geschenkt, sehr nett, wie ich finde!

Jetzt aber! Dermaßen vorbereitet und ausgestattet betrete ich die Arena und muss entscheiden – auf die Plastikstühle oder auf die Stufen der „Tribüne“ – ich entscheide mich, ohne zu wissen warum, für die Tribüne.

Das war wohl Glück, denn hier saßen die meisten Einheimischen, oft etwas jünger als ich, aber auch Gleichaltrige, ausgestattet mit Kühltaschen in denen mitgebrachte Speisen und Getränke auf Verzehr warteten.
Auf den Plastikstühlen nahmen mehr die Honorationen oder eben Touristen Platz – ohnehin nicht meine Welt…
Es ging los – und wie! ALLE Musiker waren gut – aber der Sänger war der Hammer! Zuerst wollte ich es nicht glauben, der hat sich hingesetzt und ist bis nach der Zugabe nicht aufgestanden – aber was der Typ im Sitzen für ein Feuerwerk abgeliefert hat, WAHNSINN!
In Gestik und auch Mimik eine Mischung aus Joe Cocker und Ian Anderson, nur eben im Sitzen und auf Griechisch, eine perfekte Mischung – „Special Blend“!

Die Stimmung war ausgelassen, das Ambiente durch den Blick auf Castell und Kapelle einzigartig und die Menge, ein paar Hundert bestimmt, hat getobt. Ein sehr spezieller Abend!
Unvergesslich wird er für mich bleiben weil mich auf einmal ein junger Mann von hinten antippt und auf Englisch fragt wie es mir geht – „…fine!“ antworte ich – dieser Smalltalk reicht einer Frau die des jungen Mannes Mutter sein konnte für ein „Where are you from?“, sie hatte offensichtlich gemerkt, dass ich nicht aus England komme.
„Germany…“ antworte ich, „..near Munich“ – sie wurde interessiert – „Aschheim?“ höre ich sie fragen, ich wusste, dass meine ehemalige Heimatstadt Partnerstadt von Leros ist.
Als ich Ihr das kurz erkläre, schwenkt die Dame um auf Deutsch, stellt mir Ihren Mann, Kostas, vor und meint, sie wäre in Wuppertal geboren und freut sich, ein paar Worte Deutsch mit mir sprechen zu können. Das hat mich gefreut.
Kostas aber, für den ich an diesem Abend „my friend“ war, hat mich von dieser Sekunde an mit Raki aus Kreta (aus dem Plastikbecher) und Souvlaki versorgt – das passiert Dir eher wenn Du alleine unterwegs bist – ich habe den Abend genossen und bin sicher, ich werde Kostas wiedertreffen!
KEIN AUFSCHUB mehr möglich! Die Projekte…
Ich musste ran – das erste Projekt war ein vermeintlich einfaches. Den Ofen zerlegen und defekte Teile finden. Gesagt, getan!


Da ich weiß, dass Deutschland, hier will ich die Teile bestellen, nicht unbedingt berühmt dafür ist Weltmarktführer im Servicebereich für nervige Kleinteilbesteller zu sein, nehme ich mir vor, drei Lieferanten um die Ersatzteilliste zu bitten. Ich wollte die Teile selbst heraussuchen und mit Ersatzteilnummern bestellen – bestellen light – spart dem Lieferanten Zeit und mir Ärger.

Ich bekomme die ersehnte Liste und lege los, bemerke aber schnell – da stimmt was nicht! Der als Gascogne 3 gekaufte ENO entpuppt sich als das Topmodell der Marke, als ein „Bretagne 3“ mit Grill.
Dieser fast um 300.-€ teurere Gasofen lohnt die Investition in die Teile und ich nehme mir fest vor den Ofen anzupassen und einzubauen – komme was wolle, egal wann! Dieses „egal wann“ sollte recht rasch an Bedeutung gewinnen, die Teile müssen aus Frankreich bestellt werden, Lieferzeit rund drei Monate. Bis heute habe ich die Bestellung nicht final abschließen können! Es gilt jetzt noch Expressoptionen abzuklären, bis dahin darf der Ofen mit mir im Salon wohnen…

Ich notiere weitere Teilebestellungen und der aufmerksame Beobachter merkt sofort, am Tisch liegen nicht nur Ofenteile!
Das ist richtig, denn nachdem das Projekt „Ofen“ so abrupt beendet wurde, habe ich sofort die nächste Baustelle begonnen und abermals das Werkzeug für das sogenannte „Abgarnieren“, das Zerlegen, bereitgelegt – diesmal war mein immer nervender Außenborder Ziel meiner Attacke!


Mein Suzuki DF 6 ist immer mal wieder Anlass für Projektarbeiten diverser Coleur. Mal nur das Reinigen des Vergasers, mal der Tausch allerlei Verschleiß- oder Reparaturteile – Vergaser, Benzinhahn, Tank, Kraftstoffschläuche, Benzinfilter, Zündkerze – alles schon getauscht, die Freude an dem durchaus potenten Quirl immer nur von kurzer Dauer!
Dem Übel rücke ich nun zu Leibe! Ich stelle fest, dass im Tank immer wieder Partikel unbekannter Herkunft sind…


…und beschließe daher VOR diversen Einstell- und Anpassungsarbeiten erstmal den Rest der kompletten Kraftstoffversorgung zu erneuern. Das ist mir der Suzi noch wert – dann droht die Schrottpresse!
Es wird also zusammengefasst, bewertet und zur Bestellung freigegeben…

Hier habe ich mehr Glück. Gleich meine erste Anfrage ergibt einen Volltreffer. Fa. Jochum in München wird mir alles beschaffen und zur Abholung bereitlegen. Der Suzuki wird mein erstes Rückbau- und Reparaturprojekt im September. Bis dahin bleibt auch er zerlegt unter der Haube zurück.
Mancher technisch interessierte Leser wird sich fragen – hast Du eigentlich nix fertig gebracht, sind doch alles offene Baustellen?!
Ja, stimmt schon – war aber so geplant!
Natürlich habe ich auch Projekte fertigstellen können, so zum Beispiel revitalisierende Maßnahmen an unserem Schlauchboot. Der „Schnulli“ ist ja unsere Landbrücke, ein sehr wichtiges Utensil also. Es leidet durch Sonne (UV) und Salzwasser sowie die häufige und schonungslose Nutzung.
Unser Schnulli ist schon übel mitgenommen und nach sechs Jahren am Limit. Aber es muss 2021 noch durchstehen. Diese Anforderung drohte zu kippen nachdem sich Klebeverbindungen auflösten und das Dinghi Wasser machte. Wir mussten dauernd lenzen, das war so nicht zu akzeptieren.

So habe ich mir ein weitgehend schattiges Plätzchen gesucht und Arbeiten begonnen die ich wirklich HASSE! Kleben und Schmieren ist so gar nicht meines. Ich bekomme es immer irgendwie hin, meist klebt aber mehr des pappenden Schmodders an meinen T-Shirts und Fingern als an der Klebestelle. Der Verbrauch von Küchenrollen steigt exponential!


Zugegeben, schön ist anders – aber zuerst mit Zwei-Komponentenkleber geklebt, dann die Klebekanten mit Klebe-/Dichtmasse verschmiert, quasi die Hyaluronsäure der Schlauchboothaut – das sollte bis November halten – dann wird das Mercury Dinghi ersetzt.

Insgesamt ist es jetzt in einem jämmerlichen, beklagenswerten Zustand – ob ich es einmal mit einem Hypalon Modell versuche? Das muss ich mal behirnen!
Wer viel arbeitet muss viel essen! Das habe ich mir zu Herzen genommen und mir, der Einfachheit und des Geldbeutels halber, eine „Food Strategie“ ausgedacht – morgens Marietta, immer das Gleiche bestellen, mittags Eisdiele, immer die gleichen Kugeln und abends zum „Souvlakki“ Grill, ihr ahnt es, immer das Gleiche bestellen!
Das hat geklappt, die Strategie ist, auch glücklich, aufgegangen!
Bei Marietta sorgt ihr Gatte Takis und die Köchin für Abwechslung – ich bestelle immer das Gleiche, bekomme aber doch immer was anderes, je nachdem was noch da ist und wer gerade zubereitet. Geschmeckt hat es immer – so wurde das Bistro zu meiner Variablen innerhalb meiner Essenstaktik.
In der Eisdiele sorgte mein tägliches Erscheinen wirklich für Freude und Kurzweil, drei Kugeln gibt immer eine unrunde Summe mit viel Klimper-Rückgeld. So wurde kurzerhand festgelegt, dass ich für meine Bestellung täglich eine runde Summe zu zahlen hätte – Punkt! So spart man! 😉

Im Souvlakki (im Ort Lakki – Wortspiel – die Taverne heißt wirklich so) freut man sich über meine Bestellung die inzwischen mit sehr wenig Worten entgegengenommen wird.
„The Classics“??? „Yes“! „OK“!
Keinesfalls leidet die Freundlichkeit unter der schmalen Kommunikation, im Gegenteil, die jungen Damen sind Tag für Tag sehr nett und zuvorkommend, das Essen ausgezeichnet!
Im Ernst – dieses Verhalten ist natürlich ein teilweise männlicher Reflex. Einfach! Kein Einkaufen, kein Kochen, kein Abspülen – ich habe nur Wasser, zwei Dosen Bier, zwei Dosen Cola und Tsipero im Kühlschrank – es spart einfach Zeit. UND, ich kann super kalkulieren, ich weiß nämlich exakt was mein Tag kostet!
So gestärkt und motiviert ging es weiter. Es plagen mich schon lange die Füßchen meines Bimini. Das Problem mit Neuteilen zu lösen würde bedeuten mein Deck neu anzubohren – das will ich nicht!

Also brauche ich für ein im Durchmesser zu großes Rohr einen Adapter auf einen vorhandenen Fuß. Nach dem Überdenken stellte sich ein Lösungsansatz als der brauchbarste heraus, eine Passhülse.
Ein Freund von Stefan kann sowas wohl drehen, aber er braucht eine Zeichnung. Ich erinnerte mich an mein Bestreben im Jahr 1985 Technischer Zeichner werden wollen (hat zum Glück nicht geklappt) und machte mich ans Werk…

Vielleicht klappt´s ja und der Freund hat ein Einsehen – was ihm eine Erwähnung im Septemberbericht einbrächte – wäre auf jeden Fall ein Punkt weniger auf der ewigen „To-Do“ Liste.
Dermaßen ermutigt nehme ich mir den letzten Punkt vor die Brust – wieder was mit Schmieren und Kleben – nach der Backbord-Dachluke ist nun die Steuerbordseite undicht und schreit nach gutem SIKA.
Gutes SIKA?! Habe ich, ok, Ablaufdatum 2015 (schluck), ich scheine solche Aufgaben länger vor mir herzuschieben als ich es selbst bemerke! Egal, die edel weiße aber klebrige Melasse wird verwendet und somit dem tropfenden Wasser über unserem Salontisch der Garaus gemacht!

Und sonst???
Wie gesagt, Zeitmanagement meint natürlich nicht nur das Fertigstellen geplanter Projekte „just in time“ – perfekt, wenn man auch für Nebenschauplätze eine unverplante Reserve, früher nannten wir das „Kapa“, hat!
Das habe ich mir natürlich überlegt und gedanklich optimiert – so blieb täglich Zeit für den Gang zu meinem Lieblingsstrand. Idealer Weise etwas später, wenn die ersten urlaubenden Festlandgriechen die Liegen in der ersten Reihe räumen – für MICH!

Das Optimum ist erreicht, wenn dies, wie einleitend geschrieben mit soviel Zeitreserve geschieht, dass es für ein gutes Buch reicht! Ach ja, das kleine, tägliche Bier am Strand musste natürlich auch auf meinen „Food Budgetplan“.

Waren weitere Lücken im Zeitplan, konnte ich diese gut mit persönlichen Notwendigkeiten füllen – so zum Beispiel den Gang zum Friseur (meine Haus- und Hoffriseurin hatte ja temporär abgemustert)…

…oder dem Besuch der hiesigen „Retro Vehicles Show“, die aber leider unter Covid zu leiden hatte. Die Bilder geben, das meine ich ernst, nicht das wieder was auf dieser kleinen Insel an raren Schätzchen in Garagen steht. Die Leute kamen beileibe nicht in dem Maße um ihre Schätzchen auszustellen wie sich die Veranstalter und Gäste das erhofft hatten.

In dieser Sekunde, während ich diese Zeilen tippte, hat mich eine WhatsApp der Gattin in Deutschland erreicht. Sie hat scheinbar die „Schnauze voll“ vom Regen in der fernen Heimat – kann ich verstehen! Ein kotzender Smiley soll die Ernsthaftigkeit ihrer Aussage wohl untermauern.
Wie war mein Wetter hier?
Nun, es hatte sich nicht viel geändert. Die Hitzewellen sind vorbei, es sind tagsüber stetig so um die 30°C, nachts jetzt wieder angenehme 24°C. Das Meer lädt zum Bade, ist aber nach wie vor erfrischend.

Die Farbe des Himmels ist jetzt seit Monaten BLAU, einfach blau, PUNKT.
Obwohl, etwas Abwechslung beim Wetter gab es tatsächlich, gestern erst, da hatten wir kurzzeitig eine Wolke. War spannend nach so langer Zeit!

Ja, so endet (fast) der August – obwohl, eine „Kleinigkeit“ gibt es noch – Sibylle´s zeitige Buchung nach Deutschland hatte natürlich einen weitaus wichtigeren Hintergrund als die hohen Temperaturen hier. Wir freuten uns sehr darauf, erneut Großeltern zu werden, das inzwischen vierte Mal.
Am 25.08.2021 kam der kleine Benno auf die Welt, Sibylle konnte im Haushalt für etwas Erleichterung sorgen und sich um den „großen Bruder“ Otto kümmern. Ich werde den neuen Erdenbürger auch bald kennen lernen. Meine Fährpassage ist für Anfang September gebucht, der Scudo muss, obwohl Europäer, das Land nach 6 Monaten verlassen.
Gemeinsam wollen wir Mitte September zurück sein um nochmal einen Törn in den Südlichen Dodekanes, dann mit Franzi und Mikey zu machen.
Ist die Rückkehr sicher? Wie gehen wir mit Covid um?

Sibylle und ich sind seit ein paar Tagen „European Permantent Citizens“ in Griechenland. Dieses Dokument und unsere deutsche Staatsbürgerschaft stellt sicher, dass wir, wenn auch unter ggf. erschwerten Bedingungen, zwischen Deutschland und Griechenland reisen dürfen.
Life is live – warum die Einleitung?
Mir hat der August, der Monat OHNE Segelei, der Monat vor Ort, der Monat mit deutlich weniger Urlaubsstimmung, auch der Monat in dem ich ein paar Wochen alleine hier war, in mich gehen konnte – mir hat dieser Monat ungemein geholfen in dieses Leben einzutauchen, zu realisieren, dass es MEIN Lebensmodell ist, letzlich geholfen es anzunehmen. Es hat an Wichtigkeit gewonnen und dieser Prozess hat für Klarheit gesorgt, gerade auch im Hinblick auf die Frage wie es mit NESSAJA weitergeht, wie Sicherheiten und Prioritäten zu setzen sind – Danke Wilfried Erdmann!
Ich bin zufrieden – ich bin glücklich!
Wegen meiner Reise nach Deutschland ist der Augustbericht etwas früher online – mir bleibt in den beiden noch verbleibenden Tagen ein letztes Projekt abzuschließen. Ich muss ein aboxidiertes Erdungskabel sanieren und neu befestigen – das sollte zu schaffen sein!

Ein letzter Punkt liegt mir am Herzen – dabei spreche ich die Segler, die Motorbootfahrer, die Taucher unter Euch an, aber auch die Liebhaber des Meeres und der dort lebenden Tiere, Naturverliebte oder allgemein verantwortungsbewusste, zukunftsorientierte Menschen…
Unser Ansprechpartner in der Leros Marina Evros, Harry Pavlidis, hat gekündigt obwohl er hier einen sicheren Job hatte. Er wird in Zukunft als „Vice President“ der „Aquahelp Foundation“ tätig sein.
Ich finde, das ist ein persönliches Wagnis um Beruf zur Berufung zu machen. Ich möchte mich mehr und mehr für solche Organisationen interessieren und mich ggf. auch einbringen.
Schaut doch einfach mal auf die Webseite…

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen einen schönen restlichen August und einen, aus deutscher Sicht, hoffentlich wunderschönen, spätsommerlichen September.
Im Septemberbericht erwarten Euch News zu meiner „Motorradüberführung“ und zur Projektfertigstellung – und natürlich endlich mal wieder ein Törnbericht!
Herzliche Grüße von Bord der NESSAJA – der Skipper!


































































































































































































































































































































































































































