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Nessaja ist eine Dufour 43CC und in Griechenland stationiert. Seit Anfang 2021 leben wir unseren Traum und wohnen auf Nessaja. Mit Ihr machten wir zunächst die Ägäis unsicher, bevor wir aus privaten Gründen entschieden haben, NICHT auf "große Fahrt" zu gehen! In unserem Blog geht es daher zumeist um den Alltag zweier Segler die sich dem Leben auf einer kleinen griechischen Insel verschrieben haben... Hier und auf den üblichen Social Media Kanälen erzählen wir von unseren Erlebnissen und Abenteuern.

August 2021 – Life is live…

Facebook, immer wieder Facebook – kennt Ihr das? Da stellt jemand so eine sinnige Frage wie „…welches Lied war in Deutschland No.1 in den Charts als Ihr 18 wart?“…

Jetzt sitzt Du da und hast zwei Optionen. Entweder Du verdrehst die Augen und klickst weiter – was ich meist mache, oder Du fängst an zu grübeln – und schon hat es Dich!

Google sei Dank weiß ich, dass „Live is Life“ von Opus an meinem 18. auf Platz 1 der Single Charts stand und am Ende des Jahres auch „Schlager des Jahres“ war. Verdient oder nicht bleibt dahingestellt. Übrigens, Album des Jahres war „Born in the USA“ – aber das ist ein anderes Thema.

Zum Einen – ich habe es bewusst einmal so und einmal so geschrieben, denn Schreibweise 2 ist die richtige, während Schreibweise 1 den mir näher liegenden Sinn korrekt beschreibt. So wird der Titel zudem zum am häufigsten falsch geschriebenen Song und füllt auch deshalb diverse Google Seiten – könnt Ihr ja selbst mal nachsehen…

Zum Zweiten – und da spanne ich den Bogen zum Segelblog – trifft meine Interpretation dieses Songtitels sehr exakt das Hippiemotto an der berühmten Mauer von Matala auf Kreta – das Leben passiert heute!

Warum diese Einleitung? Was ist passiert?

Eigentlich nix – und doch etwas ganz besonderes, ich hatte im Laufe des August nach sehr langer Zeit wieder einmal die Zeit und Muse ein Buch in die Hand zu nehmen und mich einzulesen. Ich habe den dicken Schinken „Ich fange den Wind“ von Wilfried Erdmann gewählt, der passt so schön. Ich konnte nicht ahnen, dass darin auch ein paar Lebensweisheiten enthalten sind, welche ich in einer für mich passenden Weise übernehmen möchte. Der Mann hatte den Mut bei Entscheidungen alles auf eine Karte zu setzen, durchdacht, nie leichtsinnig – aber eben doch „hopp oder topp“!

Wer nun denkt, dass man dies mit dem Umzug auf ein Schiff und den damit verbundenen Verkauf des Hauses doch ebenfalls bereits umgesetzt hat, der trifft des Pudels Kern nur bedingt. Dies war nur der Start zu einem Prozess, der Eintritt in ein neues Lebensmodell welches ich vollumfänglich Leben möchte.

Steve Jobs hat einmal gesagt „Menschen, die verrückt genug sind zu denken, sie könnten die Welt verändern, sind diejenigen, die es auch tun!“ – nun maße ich mir nicht an die Welt verändern zu wollen, (obwohl…), nur innerhalb meiner eigenen Welt die Grenzen verschieben, das wäre prima. Wenn dann noch ein positiver Effekt für mein Umfeld, für meine Umwelt dabei herausspringt, wäre viel geschafft.

Hier hat der August viel bewegt – doch dazu später etwas mehr…

Ein vielleicht etwas schwieriger, gedankenschwerer Einstieg in einen Monat der ganz banal begann – mit dem Kauf eines gebrauchten ENO Gasherdes.

Das gute Stück wurde als das Modell „Gascogne 3“ in einer Verkaufsbörse angeboten und ich hatte schon vor Wochen Interesse bekundet weil wir erstens einen neueren Gasofen wollten, uns zudem – zweitens – mit einem dreiflammigen Modell mit Grill etwas mehr Kochkomfort an Bord holen wollten.

Es wurde etwas hin und her verhandelt, der Ofen entsprach nicht exakt unseren Vorstellungen, aber nachdem der Verkäufer von sich aus einen deutlichen Preissprung gemacht hat, konnte ich nicht widerstehen und habe die komplette Gasanlage des Verkäuferschiffes kurzerhand in meinen Minibus gepackt – ich denke, das Geschäft war so für beide Seiten ok.

Ich hatte wieder ein Projekt!

Ganz so leicht war es mit der Umsetzung verschiedener Projekte in diesen Tagen Anfang August nicht, wie allseits bekannt hatten wir ein paar Hitzewellen nacheinander, es war wirklich warm zu dieser Zeit – tagsüber und eben auch nachts…

Während wir um die Mittagszeit kontinuierlich über 40°C hatten, war es nachts selten unter 30°C – nun, ich wollte das so, Sibylle hat gelitten und sich in Ihren Heimaturlaub gewünscht – ich glaube, sie hat auch deshalb schon einen recht zeitigen Flug für Mitte August gebucht. Es war also klar, ich würde ca. 3 Wochen alleine hier auf Leros bleiben.

Wir haben uns in dieser Phase der Hitze mehr und mehr an den Strand verzogen um uns im Meer abzukühlen…

…das hat funktioniert, das Meer blieb über all die Tage erfreulich erfrischend und wir konnten die Tage so gut aushalten und auch genießen.

Bei diesen Temperaturen wurde wirklich jede Gelegenheit genutzt, sich irgendwie abzukühlen, von außen beim Baden, oder eben von innen – mit herrlichem Eis…

…oder kühlen Getränken – als „Espresso freddo“ wird selbst der geliebte und unverzichtbare Kaffee zum Erfrischungsgetränk!

Was für uns auf diese Art und Weise gut zu handhaben war, wurde für die Natur in Griechenland mehr und mehr problematisch. Alle Wiesen und Felder, das Gebüsch und Sträucher – alles war restlos ausgetrocknet und aufgeheizt. Es fehlte nur noch ein „Zündfunke“ und es würde ein Inferno geben – es wurde über alle verfügbaren Medien und Kanäle gewarnt.

So hat JEDE(R) der sein Telefon in einem griechischen Netz eingeloggt hatte eine Warnmeldung per SMS bekommen…

Allein – geholfen hat es nur bedingt, wie man später in den Medien hören konnte. Es sind verheerende Feuer ausgebrochen. Wir waren nie direkt betroffen, die Bilder die hier gezeigt wurden waren aber schrecklich.

Die Feuer waren nah an den Vororten Athens und haben Menschenleben bedroht…

Quelle Facebook

…und vor allem auf Euböa wüteten die Flammen unaufhaltsam – es war bedrückend und beängstigend dies mit ansehen zu müssen.

Quelle Internet

Mich hat eine ganze zeitlang beschäftigt, dass wir mit Stefan und Amelie dorthin fahren wollten. Nicht, dass ich Angst um uns oder das Schiff gehabt hätte – aber Augenzeuge zu werden ohne helfen oder eingreifen zu können ist eine Situation welche mich bedrücken würde. Ich war froh, dass wir zu dieser Zeit nicht hier unterwegs waren.

Zu etwa dieser Zeit wurde das Ahrtal in Deutschland überschwemmt – verrückt – hier die Wassermassen welche alles begraben und Leben auslöschen, dort die Flammen die zerstörerisch wüten – ob die Erde sich wehrt???

Es war schwierig in dieser Phase „einfach weiterzumachen“ – auch hier war alles in Alarmbereitschaft. Ich habe mich zur Ablenkung meinen Projekten gewidmet, es gab mal eine „bootsfremde“ Aufgabe anzupacken.

Mein treuer Italiener stand nicht mehr in frischem Gewand da, die Motorhaube war zerschunden, das war so nicht mehr hinnehmbar – also wurde das Teil kurzerhand zum Lackierer gebracht und der treue Scudo bekam ein weniger attraktives Übergangs-Ersatzteil verpasst…

Der Lackierer, (Sibylle meinte wir sind am Schrottplatz der Insel – sie muss da noch etwas entspannen), war ein supernetter Typ der sich mächtig ins Zeug legte und termintreu nach drei Tagen stolz sein Ergebnis präsentierte – tata, nicht schlecht, oder???

Mit dem wieder feschen Wagen suchten wir entweder die Nähe zum Meer oder schattige bzw. windige Plätzchen.

Da traf es sich mehr als gut, dass das „Harris“ wieder offen ist und es dort oben SOWOHL schattig als auch windig ist. Solange Sibylle noch hier war, sind wir regelmäßig dort oben aufgeschlagen um den Moment zu genießen und etwas „runterzukühlen“.

Ansonsten haben wir uns beschäftigt ohne zu viel Aktivität an den Tag zu legen – es war einfach zu heiß. Für Sibylle hieß das meist Lesen…

Bei mir ist es eher so, dass ich Ideen nachhänge und sich „lesen“ häufig auf Internetplattformen beschränkt – was ab und an in Spontanentschlüsse mündet…

„Du, Sibylle?“ Ich höre ein „hmmm“ – die Aufmerksamkeit scheint mir sicher. „Ist es nicht so, dass der Fiat immer fürchterlich heiß ist wenn wir losfahren?“ Wieder vernehme ich ein „hmmm“…

Es scheint mir clever, gleich eine Salve an Argumenten abzufeuern…

„Ist es nicht so, dass der Wagen eigentlich viel zu groß für die Straßen hier ist, zu gut um ihn hier zu verschrammeln? War es nicht immer fein mit dem Roller zum Baden zu fahren? Verbraucht ein Zweirad nicht generell weniger Sprit? Das Parken ist mit dem Minibus auch recht stressig, oder?“

Jetzt machte Sibylle den Fehler mir nicht Ihre volle Aufmerksamkeit zu schenken, wieder höre ich „Ja, schon, hmmhmmmm…“

Ha, das interpretiere ich als Zustimmung, gekauft – die Probleme löst nur ein Zweirad! Und weil ich nicht mehr 17 bin und auch mehr als, sagen wir 95 Kilo wiege, wurde es eines aus bayrischer Produktion – ein Kleinmotorrad für „echte Kerle“.

Mein Sohn Stefan wurde als Executive ins Rennen (nach Rosenheim) entsandt und vermeldete wenig später Vollzug – das Mopped gehört mir, wir haben unser Alternativfahrzeug für einen günstigen Preis bekommen. Das Beste – es passt in den Fiat und wird uns von nun an auf der Reise begleiten.

Bereits wenige Tage später trägt es seine neue Nummer und deutlich meine Handschrift – Nummernschilder waren schon immer eine Passion von mir 😉

Sibylle gab sich geschlagen, nicht ohne mir noch eine Denksportaufgabe mitzugeben…

Wie kommt das Ding denn nach Griechenland???

„Ähhhh, schluck, ähhhh – es ist ein Motorrad – ich fahre!!!“

Jetzt hab´ ich es mir eingebrockt. Ob das klappt und welche Rolle mein Freund Jens dabei spielt könnt ihr im Monatsbericht September lesen. Zurück zu nautischen Themen!

„WARUM FAHRT IHR NICHT RAUS?“

Diese Frage habe ich mehr als einmal beantworten müssen, fast schon rechtfertigend…

Die Antwort ist einfach wie nie, aber eben nicht selbstverständlich – weil wir nicht müssen! Weil wir hier wohnen! Weil wir Zeit haben…

Ich erinnere, es ist August, zu diesem Zeitpunkt noch ohne die Türken welche normaler Weise in Scharen in den Dodekanes fahren (während ich diese Zeilen tippe sind die Buchten voller türkischer Flaggen), war es dennoch reichlich voll in den Buchten der Kykladen und auch auf den kleinen Inseln rundum.

Wir wussten, dass Sibylle Mitte des Monats nach Deutschland fliegen würde, wir hatten das Auto hier und waren mobil, hatten schöne Tavernen und schöne Strände – was wir nicht hatten war ein bezahltes TEPAI, das wollten wir uns für den halben Monat August auch sparen. Zu guter Letzt, wir haben unseren Liegeplatz hier, es ist im Moment unsere Heimat – deshalb haben wir entschieden, der August wird ein statischer Monat…

Außerdem ist im August hier mächtig was los. Wir freuten uns hier vor Ort an Veranstaltungen teilnehmen zu können welche uns bisher versagt waren.

Ich habe vor einiger Zeit mit Manolis Platis Kontakt aufgenommen. Er spielt Fidel auf eine Art und Weise die ich liebe, ich könnte stundenlang zuhören. Das haben wir dann auch gemacht – auf einer Art „Probeveranstaltung“ im kleinen Kreis und dann beim großen Fest zu Maria Himmelfahrt, ein sehr hoher Feiertag in Griechenland.

Es war wunderbar „mitten drin“ zu sein und den Menschen aus Leros beim Feiern und Tanzen zuzusehen…

Bissl deutsch – wir waren die Ersten…
…aber nicht lange!

Hört sich nach Müßiggang an – weit gefehlt! Sibylle erinnerte mich stetig an die Projekte und die immer länger werdende „To-Do“ Liste. Inzwischen war es etwas abgekühlt und sie mahnte zu Fleiß und Leistung.

Ok ok, dann tragen wir das Monstrum von Herd mal in die „gute Stube“. Alleine das war schon ein Projekt, zumal „das Ding“ gerade so durch unseren Niedergang passt. Es wurde ein Platz gesucht und die Baustelle abgegrenzt…

Was Sibylle nicht wusste, längst hatte ich eine Taktik 😉 ! Ich würde warten bis sie abgereist ist, mich dann konzentriert und strategisch an die Arbeit machen und mir durch intelligentes Zeitmanagement ein Mehr an Freizeit erarbeiten – während ich das schreibe erinnere ich mich an die Meetings von früher, paaah, Vergangenheit…

Zuerst mussten wir aber noch Sibylle verabschieden – gebührend versteht sich – und das machten wir mit einem Festmahl bei Dimitris, zusammen mit den Crews der „Jasper“ und der „Harmony“ – wohl ahnend, dass es sich bei der ein oder anderen Crew, unter Einhaltung grober Zeitpläne, eher um ein „Lebewohl“ als um ein „Auf Bald“ handelt.

Am nächsten Tag hieß es „Adieu meine Capetania“, ich brachte die Gattin zur Fähre, ein letzter Kuss und sie verschwand am Horizont…

Ok, bisschen dick aufgetragen, aber nun war ich alleine, alleine zuhaus – Mario allein zuhause…

Na hoffentlich läuft es bei mir glimpflicher ab als bei meinem berühmten Filmpendant Kevin!

NESSAJA hatten wir zuvor verholt. Mir ging das ewige Gezerre des Schiffes an den Festmachern auf die Nerven. Ich selbst war nicht ganz so gierig nach Frisch- und Zugluft, mir war der soziale Anschluss und die Nähe zum Waschhaus wichtiger – NESSAJA liegt jetzt an ihrem gewohnten D-Steg und ich bin wieder mittendrin statt nur dabei.

ANPACKEN! LOS GEHT`S! Ok, aber nicht gleich – erst ein bisschen die Ruhe genießen, nicht eingetaktet sein, neue Abläufe gestalten – auch mal schön…

So traf es sich bestens, dass gleich nochmal ein Konzert stattfand – da gehe ich hin – alleine!

Giorgos und Nikos Stratakis – kennt man die? Heute weiß ich – JA! Die beiden machen Musik aus Kreta und lassen Kultur lebendig bleiben. Bemüht mal Google, es war durchaus Prominenz die sich hier auf Leros eingefunden hatte.

Ich war ja ab jetzt täglich bei Marietta zum Frühstücken (um Geschirrspülen und Einkaufen zu vermeiden) – sehr gut übrigens und auch ein Ort der Kommunikation…

Das Bistro war gleichzeitig der Kartenvorverkauf für die Konzerttickets – also habe ich mir kurzerhand eines gegönnt. Hier muss man wissen, 12.-€ sind für hiesige Verhältnisse kein Pappenstiel!

Der Abend des 19. war gekommen, ich also rein in die „Ausgehbuxe“ des Herrenausstatters meines Vertrauens (e&s) und ab zur „Arena“ von Leros / Platanos. Ich war zeitig dran, diesmal nicht der deutschen Tugend folgend, eher weil mein Scudo ja einen XXL Parkplatz braucht, die sind rar gesät auf der Insel – aber die Argumentationskette kennt ihr ja schon…

Manchmal braucht´s Glück und so konnte ich den treuen Großraumvan in eine passende Lücke in Gehweite der Konzertarena zwicken.

Die paar Schritte zur Kartenkontrolle getrabt und dort, das Billet in der Hand, mit der Frage konfrontiert „Maska???“ – nun, Maska ist ja (fast) international, ja, klar, die Maske! Ich greife in die Hosentasche in der ich das wichtige Accessoir immer bei mir trage… NICHTS! LEER!

Oweh, die Standard- gegen die Ausgehbuxe getauscht, die Maske vergessen – was tun? Nun, ich bin in Griechenland – man hat meine Not bemerkt und mir kurzerhand eine Maske (neu) geschenkt, sehr nett, wie ich finde!

Jetzt aber! Dermaßen vorbereitet und ausgestattet betrete ich die Arena und muss entscheiden – auf die Plastikstühle oder auf die Stufen der „Tribüne“ – ich entscheide mich, ohne zu wissen warum, für die Tribüne.

Das war wohl Glück, denn hier saßen die meisten Einheimischen, oft etwas jünger als ich, aber auch Gleichaltrige, ausgestattet mit Kühltaschen in denen mitgebrachte Speisen und Getränke auf Verzehr warteten.

Auf den Plastikstühlen nahmen mehr die Honorationen oder eben Touristen Platz – ohnehin nicht meine Welt…

Es ging los – und wie! ALLE Musiker waren gut – aber der Sänger war der Hammer! Zuerst wollte ich es nicht glauben, der hat sich hingesetzt und ist bis nach der Zugabe nicht aufgestanden – aber was der Typ im Sitzen für ein Feuerwerk abgeliefert hat, WAHNSINN!

In Gestik und auch Mimik eine Mischung aus Joe Cocker und Ian Anderson, nur eben im Sitzen und auf Griechisch, eine perfekte Mischung – „Special Blend“!

Die Stimmung war ausgelassen, das Ambiente durch den Blick auf Castell und Kapelle einzigartig und die Menge, ein paar Hundert bestimmt, hat getobt. Ein sehr spezieller Abend!

Unvergesslich wird er für mich bleiben weil mich auf einmal ein junger Mann von hinten antippt und auf Englisch fragt wie es mir geht – „…fine!“ antworte ich – dieser Smalltalk reicht einer Frau die des jungen Mannes Mutter sein konnte für ein „Where are you from?“, sie hatte offensichtlich gemerkt, dass ich nicht aus England komme.

„Germany…“ antworte ich, „..near Munich“ – sie wurde interessiert – „Aschheim?“ höre ich sie fragen, ich wusste, dass meine ehemalige Heimatstadt Partnerstadt von Leros ist.

Als ich Ihr das kurz erkläre, schwenkt die Dame um auf Deutsch, stellt mir Ihren Mann, Kostas, vor und meint, sie wäre in Wuppertal geboren und freut sich, ein paar Worte Deutsch mit mir sprechen zu können. Das hat mich gefreut.

Kostas aber, für den ich an diesem Abend „my friend“ war, hat mich von dieser Sekunde an mit Raki aus Kreta (aus dem Plastikbecher) und Souvlaki versorgt – das passiert Dir eher wenn Du alleine unterwegs bist – ich habe den Abend genossen und bin sicher, ich werde Kostas wiedertreffen!

KEIN AUFSCHUB mehr möglich! Die Projekte…

Ich musste ran – das erste Projekt war ein vermeintlich einfaches. Den Ofen zerlegen und defekte Teile finden. Gesagt, getan!

Da ich weiß, dass Deutschland, hier will ich die Teile bestellen, nicht unbedingt berühmt dafür ist Weltmarktführer im Servicebereich für nervige Kleinteilbesteller zu sein, nehme ich mir vor, drei Lieferanten um die Ersatzteilliste zu bitten. Ich wollte die Teile selbst heraussuchen und mit Ersatzteilnummern bestellen – bestellen light – spart dem Lieferanten Zeit und mir Ärger.

Ich bekomme die ersehnte Liste und lege los, bemerke aber schnell – da stimmt was nicht! Der als Gascogne 3 gekaufte ENO entpuppt sich als das Topmodell der Marke, als ein „Bretagne 3“ mit Grill.

Dieser fast um 300.-€ teurere Gasofen lohnt die Investition in die Teile und ich nehme mir fest vor den Ofen anzupassen und einzubauen – komme was wolle, egal wann! Dieses „egal wann“ sollte recht rasch an Bedeutung gewinnen, die Teile müssen aus Frankreich bestellt werden, Lieferzeit rund drei Monate. Bis heute habe ich die Bestellung nicht final abschließen können! Es gilt jetzt noch Expressoptionen abzuklären, bis dahin darf der Ofen mit mir im Salon wohnen…

Ich notiere weitere Teilebestellungen und der aufmerksame Beobachter merkt sofort, am Tisch liegen nicht nur Ofenteile!

Das ist richtig, denn nachdem das Projekt „Ofen“ so abrupt beendet wurde, habe ich sofort die nächste Baustelle begonnen und abermals das Werkzeug für das sogenannte „Abgarnieren“, das Zerlegen, bereitgelegt – diesmal war mein immer nervender Außenborder Ziel meiner Attacke!

Mein Suzuki DF 6 ist immer mal wieder Anlass für Projektarbeiten diverser Coleur. Mal nur das Reinigen des Vergasers, mal der Tausch allerlei Verschleiß- oder Reparaturteile – Vergaser, Benzinhahn, Tank, Kraftstoffschläuche, Benzinfilter, Zündkerze – alles schon getauscht, die Freude an dem durchaus potenten Quirl immer nur von kurzer Dauer!

Dem Übel rücke ich nun zu Leibe! Ich stelle fest, dass im Tank immer wieder Partikel unbekannter Herkunft sind…

…und beschließe daher VOR diversen Einstell- und Anpassungsarbeiten erstmal den Rest der kompletten Kraftstoffversorgung zu erneuern. Das ist mir der Suzi noch wert – dann droht die Schrottpresse!

Es wird also zusammengefasst, bewertet und zur Bestellung freigegeben…

Hier habe ich mehr Glück. Gleich meine erste Anfrage ergibt einen Volltreffer. Fa. Jochum in München wird mir alles beschaffen und zur Abholung bereitlegen. Der Suzuki wird mein erstes Rückbau- und Reparaturprojekt im September. Bis dahin bleibt auch er zerlegt unter der Haube zurück.

Mancher technisch interessierte Leser wird sich fragen – hast Du eigentlich nix fertig gebracht, sind doch alles offene Baustellen?!

Ja, stimmt schon – war aber so geplant!

Natürlich habe ich auch Projekte fertigstellen können, so zum Beispiel revitalisierende Maßnahmen an unserem Schlauchboot. Der „Schnulli“ ist ja unsere Landbrücke, ein sehr wichtiges Utensil also. Es leidet durch Sonne (UV) und Salzwasser sowie die häufige und schonungslose Nutzung.

Unser Schnulli ist schon übel mitgenommen und nach sechs Jahren am Limit. Aber es muss 2021 noch durchstehen. Diese Anforderung drohte zu kippen nachdem sich Klebeverbindungen auflösten und das Dinghi Wasser machte. Wir mussten dauernd lenzen, das war so nicht zu akzeptieren.

So habe ich mir ein weitgehend schattiges Plätzchen gesucht und Arbeiten begonnen die ich wirklich HASSE! Kleben und Schmieren ist so gar nicht meines. Ich bekomme es immer irgendwie hin, meist klebt aber mehr des pappenden Schmodders an meinen T-Shirts und Fingern als an der Klebestelle. Der Verbrauch von Küchenrollen steigt exponential!

Zugegeben, schön ist anders – aber zuerst mit Zwei-Komponentenkleber geklebt, dann die Klebekanten mit Klebe-/Dichtmasse verschmiert, quasi die Hyaluronsäure der Schlauchboothaut – das sollte bis November halten – dann wird das Mercury Dinghi ersetzt.

Insgesamt ist es jetzt in einem jämmerlichen, beklagenswerten Zustand – ob ich es einmal mit einem Hypalon Modell versuche? Das muss ich mal behirnen!

Wer viel arbeitet muss viel essen! Das habe ich mir zu Herzen genommen und mir, der Einfachheit und des Geldbeutels halber, eine „Food Strategie“ ausgedacht – morgens Marietta, immer das Gleiche bestellen, mittags Eisdiele, immer die gleichen Kugeln und abends zum „Souvlakki“ Grill, ihr ahnt es, immer das Gleiche bestellen!

Das hat geklappt, die Strategie ist, auch glücklich, aufgegangen!

Bei Marietta sorgt ihr Gatte Takis und die Köchin für Abwechslung – ich bestelle immer das Gleiche, bekomme aber doch immer was anderes, je nachdem was noch da ist und wer gerade zubereitet. Geschmeckt hat es immer – so wurde das Bistro zu meiner Variablen innerhalb meiner Essenstaktik.

In der Eisdiele sorgte mein tägliches Erscheinen wirklich für Freude und Kurzweil, drei Kugeln gibt immer eine unrunde Summe mit viel Klimper-Rückgeld. So wurde kurzerhand festgelegt, dass ich für meine Bestellung täglich eine runde Summe zu zahlen hätte – Punkt! So spart man! 😉

Im Souvlakki (im Ort Lakki – Wortspiel – die Taverne heißt wirklich so) freut man sich über meine Bestellung die inzwischen mit sehr wenig Worten entgegengenommen wird.

„The Classics“??? „Yes“! „OK“!

Keinesfalls leidet die Freundlichkeit unter der schmalen Kommunikation, im Gegenteil, die jungen Damen sind Tag für Tag sehr nett und zuvorkommend, das Essen ausgezeichnet!

Im Ernst – dieses Verhalten ist natürlich ein teilweise männlicher Reflex. Einfach! Kein Einkaufen, kein Kochen, kein Abspülen – ich habe nur Wasser, zwei Dosen Bier, zwei Dosen Cola und Tsipero im Kühlschrank – es spart einfach Zeit. UND, ich kann super kalkulieren, ich weiß nämlich exakt was mein Tag kostet!

So gestärkt und motiviert ging es weiter. Es plagen mich schon lange die Füßchen meines Bimini. Das Problem mit Neuteilen zu lösen würde bedeuten mein Deck neu anzubohren – das will ich nicht!

Also brauche ich für ein im Durchmesser zu großes Rohr einen Adapter auf einen vorhandenen Fuß. Nach dem Überdenken stellte sich ein Lösungsansatz als der brauchbarste heraus, eine Passhülse.

Ein Freund von Stefan kann sowas wohl drehen, aber er braucht eine Zeichnung. Ich erinnerte mich an mein Bestreben im Jahr 1985 Technischer Zeichner werden wollen (hat zum Glück nicht geklappt) und machte mich ans Werk…

Vielleicht klappt´s ja und der Freund hat ein Einsehen – was ihm eine Erwähnung im Septemberbericht einbrächte – wäre auf jeden Fall ein Punkt weniger auf der ewigen „To-Do“ Liste.

Dermaßen ermutigt nehme ich mir den letzten Punkt vor die Brust – wieder was mit Schmieren und Kleben – nach der Backbord-Dachluke ist nun die Steuerbordseite undicht und schreit nach gutem SIKA.

Gutes SIKA?! Habe ich, ok, Ablaufdatum 2015 (schluck), ich scheine solche Aufgaben länger vor mir herzuschieben als ich es selbst bemerke! Egal, die edel weiße aber klebrige Melasse wird verwendet und somit dem tropfenden Wasser über unserem Salontisch der Garaus gemacht!

Und sonst???

Wie gesagt, Zeitmanagement meint natürlich nicht nur das Fertigstellen geplanter Projekte „just in time“ – perfekt, wenn man auch für Nebenschauplätze eine unverplante Reserve, früher nannten wir das „Kapa“, hat!

Das habe ich mir natürlich überlegt und gedanklich optimiert – so blieb täglich Zeit für den Gang zu meinem Lieblingsstrand. Idealer Weise etwas später, wenn die ersten urlaubenden Festlandgriechen die Liegen in der ersten Reihe räumen – für MICH!

Das Optimum ist erreicht, wenn dies, wie einleitend geschrieben mit soviel Zeitreserve geschieht, dass es für ein gutes Buch reicht! Ach ja, das kleine, tägliche Bier am Strand musste natürlich auch auf meinen „Food Budgetplan“.

Waren weitere Lücken im Zeitplan, konnte ich diese gut mit persönlichen Notwendigkeiten füllen – so zum Beispiel den Gang zum Friseur (meine Haus- und Hoffriseurin hatte ja temporär abgemustert)…

…oder dem Besuch der hiesigen „Retro Vehicles Show“, die aber leider unter Covid zu leiden hatte. Die Bilder geben, das meine ich ernst, nicht das wieder was auf dieser kleinen Insel an raren Schätzchen in Garagen steht. Die Leute kamen beileibe nicht in dem Maße um ihre Schätzchen auszustellen wie sich die Veranstalter und Gäste das erhofft hatten.

In dieser Sekunde, während ich diese Zeilen tippte, hat mich eine WhatsApp der Gattin in Deutschland erreicht. Sie hat scheinbar die „Schnauze voll“ vom Regen in der fernen Heimat – kann ich verstehen! Ein kotzender Smiley soll die Ernsthaftigkeit ihrer Aussage wohl untermauern.

Wie war mein Wetter hier?

Nun, es hatte sich nicht viel geändert. Die Hitzewellen sind vorbei, es sind tagsüber stetig so um die 30°C, nachts jetzt wieder angenehme 24°C. Das Meer lädt zum Bade, ist aber nach wie vor erfrischend.

Die Farbe des Himmels ist jetzt seit Monaten BLAU, einfach blau, PUNKT.

Obwohl, etwas Abwechslung beim Wetter gab es tatsächlich, gestern erst, da hatten wir kurzzeitig eine Wolke. War spannend nach so langer Zeit!

Ja, so endet (fast) der August – obwohl, eine „Kleinigkeit“ gibt es noch – Sibylle´s zeitige Buchung nach Deutschland hatte natürlich einen weitaus wichtigeren Hintergrund als die hohen Temperaturen hier. Wir freuten uns sehr darauf, erneut Großeltern zu werden, das inzwischen vierte Mal.

Am 25.08.2021 kam der kleine Benno auf die Welt, Sibylle konnte im Haushalt für etwas Erleichterung sorgen und sich um den „großen Bruder“ Otto kümmern. Ich werde den neuen Erdenbürger auch bald kennen lernen. Meine Fährpassage ist für Anfang September gebucht, der Scudo muss, obwohl Europäer, das Land nach 6 Monaten verlassen.

Gemeinsam wollen wir Mitte September zurück sein um nochmal einen Törn in den Südlichen Dodekanes, dann mit Franzi und Mikey zu machen.

Ist die Rückkehr sicher? Wie gehen wir mit Covid um?

Sibylle und ich sind seit ein paar Tagen „European Permantent Citizens“ in Griechenland. Dieses Dokument und unsere deutsche Staatsbürgerschaft stellt sicher, dass wir, wenn auch unter ggf. erschwerten Bedingungen, zwischen Deutschland und Griechenland reisen dürfen.

Life is live – warum die Einleitung?

Mir hat der August, der Monat OHNE Segelei, der Monat vor Ort, der Monat mit deutlich weniger Urlaubsstimmung, auch der Monat in dem ich ein paar Wochen alleine hier war, in mich gehen konnte – mir hat dieser Monat ungemein geholfen in dieses Leben einzutauchen, zu realisieren, dass es MEIN Lebensmodell ist, letzlich geholfen es anzunehmen. Es hat an Wichtigkeit gewonnen und dieser Prozess hat für Klarheit gesorgt, gerade auch im Hinblick auf die Frage wie es mit NESSAJA weitergeht, wie Sicherheiten und Prioritäten zu setzen sind – Danke Wilfried Erdmann!

Ich bin zufrieden – ich bin glücklich!

Wegen meiner Reise nach Deutschland ist der Augustbericht etwas früher online – mir bleibt in den beiden noch verbleibenden Tagen ein letztes Projekt abzuschließen. Ich muss ein aboxidiertes Erdungskabel sanieren und neu befestigen – das sollte zu schaffen sein!

Ein letzter Punkt liegt mir am Herzen – dabei spreche ich die Segler, die Motorbootfahrer, die Taucher unter Euch an, aber auch die Liebhaber des Meeres und der dort lebenden Tiere, Naturverliebte oder allgemein verantwortungsbewusste, zukunftsorientierte Menschen…

Unser Ansprechpartner in der Leros Marina Evros, Harry Pavlidis, hat gekündigt obwohl er hier einen sicheren Job hatte. Er wird in Zukunft als „Vice President“ der „Aquahelp Foundation“ tätig sein.

Ich finde, das ist ein persönliches Wagnis um Beruf zur Berufung zu machen. Ich möchte mich mehr und mehr für solche Organisationen interessieren und mich ggf. auch einbringen.

Schaut doch einfach mal auf die Webseite…

https://www.aquahelp.info/

In diesem Sinne wünsche ich Euch allen einen schönen restlichen August und einen, aus deutscher Sicht, hoffentlich wunderschönen, spätsommerlichen September.

Im Septemberbericht erwarten Euch News zu meiner „Motorradüberführung“ und zur Projektfertigstellung – und natürlich endlich mal wieder ein Törnbericht!

Herzliche Grüße von Bord der NESSAJA – der Skipper!

Juli 2021 – Cats in the Cradle

Wie immer ein Songtitel – diesmal einer den wohl die meisten von Euch in der Version von Ugly Kid Joe kennen. Ich mag das Original von Harry Chapin seit vielen Jahren und besitze bzw. besaß die original 45rpm Single (vielleicht hat mein Junior die ja noch). Im Text geht es darum, dass Väter gerne im Alltag übersehen, Zeit mit den Kindern zu verbringen – die Zeit verfliegt und ehe man sich versieht sind sie erwachsen – die Uhr lässt sich nicht zurückdrehen…

Ich kenne diese Krux auch, wenngleich es bei mir – hoffe ich zumindest – nicht so ausgeprägt war wie der Text beschreibt – dennoch war ich richtig glücklich und voller Vorfreude, dass mein Sohn Stefan nebst Freundin Amelie die ersten Familienmitglieder waren, die sich als Besuch angemeldet haben. Der Juli stand also im Zeichen des Familientreffens, das erste nach unserer Abfahrt am 02.03.!

Seht mir nach, dass dies auch der Grund ist, warum der Bericht etwas länger ausfällt, es gab einfach viel zu erzählen, zu teilen. Nehmt Euch etwas Zeit, ein kühles Getränk und lasst Euch in unsere Welt entführen.

Wir springen zurück zum letzten Tag des Monats Juni. Nach einem sehr guten Dinner hatten wir uns von der Crew der ELOWYN verabschiedet um Richtung Norden zu fahren. Wir waren ausgestattet mit Tipps und unser erstes Ziel sollte die Doppelbucht von Kythnos sein. Dort kamen wir am späten Nachmittag an – wir waren recht früh losgefahren…

Doppelbucht von Kythnos – NESSAJA liegt mittig (rechts)

Das Bild täuscht etwas, das Wetter macht einen trüben Eindruck, das war aber nicht so. Wir hatten einen guten Ankerplatz, schwammen an Land, hatten in der Taverne am Hang einen kleinen Snack und lauschten der Lounge-Music aus der Bar am Strand.

Was gut klingt, wurde dadurch getrübt, dass sehr kurzfristig Westwind angesagt wurde, dieser auch noch stärker als zunächst angenommen – das ist dann ärgerlich, wenn der tolle Ankerplatz in einer Westbucht liegt. Also haben wir uns kurzfristig entschlossen den Ankerplatz zu wechseln und in eine kleine „Bucht in der Bucht“ zu verholen welche besser geschützt schien. Doch weit gefehlt!!!

Ankerbewegungen in der Nacht – Negativbeispiel!

Der Wind kam, wurde durch Landeffekte aber so abgefälscht und verstärkt, dass unser Anker zwar hielt aber irgendwie falsch lag. Wir hatten zuwenig Platz! So musste ich zwischen 0230 und 0530 immer wieder den Motor starten und manuell die Kette neu ausrichten – so kam obiges Bild zustande – ein Beispiel wie es NICHT sein soll. Wieder etwas gelernt.

Wir haben den ungastlichen Platz früh verlassen und uns auf den Weg Richtung Saronischer Golf / Athen gemacht. Die unruhige Nacht hat Spuren hinterlassen und wir haben mit dem Schlaf gekämpft.

Doch auch diese Überfahrt bot Überraschungen und schöne Momente, zum Beispiel als wir den Weg einer Wasserschildkröte kreuzten, welche gemächlich dahinschwamm und sich durch unsere „Fotosession“ nicht stören ließ…

…war recht groß – kommt auf dem Bild gar nicht so raus.

Ein paar Stunden später kam das ersehnte Kap des griechischen Festlandes in Sichtweite – Sounion. Wir hatten viel davon gehört, waren aber selber mit dem Schiff noch nie hier. Neuland also für uns…

Poseidons Tempel sah umso beeindruckender aus, je näher man kam – diese Sehenswürdigkeit wollten wir uns später noch genauer ansehen. Doch jetzt stand erstmal die Suche nach einem guten Ankerplatz im Vordergrund.

NESSAJA vor Anker / Sounion
Sunset / Kap Sounion

Wir hatten Glück! In der sonst gerne recht vollen Bucht, haben wir noch einen schönen Platz im Zentrum gefunden. Der Anker hielt gut, es lag genug Kette und die Ankerpeilungen passten. Wir hatten genug Schwoiraum und konnten unseren Sundowner daher unbeschwert genießen.

Diesmal war es so wie es sein soll. Wir hatten eine ruhige Nacht, konnten ausschlafen und auch der morgentliche Blick auf die Ankerapp zeigte keine Probleme während der Nacht. Diesmal ist das Bewegungsbild unserer NESSAJA vor Anker wie es sich gehört…

Bewegungsbild über drei Tage – mit Winddreher und Zugabe von Kette

Die Bucht wurde zunehmend voller, das Wochenende nahte und die Charterkunden aus der näheren Umgebung nutzten Sounion ebenfalls als erstes oder letztes Ziel auf Ihrem Weg in die Stationen rund um Lavrion und Athen.

Dabei gibt es immer viel zu beobachten. Von sehr „speziellem“ Ankerverhalten mal ganz abgesehen, ist auch die Flaggenführung nicht immer regelkonform. Naja, hier muss ich wohl meine nautischen Prinzipien über den Haufen schmeißen 😦

Flaggenführung – neu interpretiert

Auf einem Seeschiff hast Du das Wetter und dessen Entwicklung über die nächsten Tage immer im Blick. Der eine (Skipper) angemessen aber weniger oft, die andere (Capetania) gaaaaanz viel öfter! Es gibt hier hilfreiche Apps die den Wetter- und vor allem Windverlauf optisch recht eindeutig darstellen – blau bedeutet motoren, grün bedeutet schön segeln, gelb bedeutet für uns unangenehmes Segeln welches es zu vermeiden gilt und rot bedeutet GEFAHR!!!

Die Capetania mahnte zum Aufbruch, Gefahr im Verzug – es war an der Zeit unseren Ankerplatz zu verlassen und einen sicheren und angenehmen Rückzugsort zu suchen bis Stefan und Amelie ankommen würden – der Meltemi fährt zum erstem Mal im Jahr 2021 seine Krallen aus!

Auch mir war nach ein paar Tagen ohne Verantwortung, so mussten wir uns zwischen der Kaimauer von Lavrion und der Olympic Marina Lavrion entscheiden. Es war eine Entscheidung zwischen ruhigem Liegen, idealem Empfangsort für unseren Besuch und hohen Kosten auf der einen Seite und lautem Trubel, unsicherer Platzvergabe und fehlenden Sanitäranlagen zu einem wesentlich günstigeren Preis anderseits. Wir wollten uns das ansehen und sind in den Hafen von Lavrion gefahren…

Hafeneinfahrt Lavrion

Just nachdem wir ankamen haben ich die Antwort auf ein vor Tagen geschriebenes Mail erhalten – wir könnten kommen, müssten aber zum Wochenende den Kai verlassen. Genau zu dieser Zeit brauchten wir den Platz aber! Sowohl der Meltemi als auch der Besuch aus der Heimat hatten ihr Erscheinen für das Wochenende angekündigt – alea iacta est – wir entscheiden uns für das „Rundum Sorglos Paket“ und verholen in die Olympic Marina Lavrion. Ich habe in diesem Moment begonnen ein Bündel kleiner Scheine zu zählen und mich von denselben zu verabschieden…

NESSAJAs Platz in der Olympic Marina (Pier 4 / 133)

Ein schöner Platz! Eng zwar, aber außen am Ponton. Das mögen wir – hier latscht dir keiner am Cockpit vorbei, hier kannst mal duschen wenn du schwitzt und es ist gut durchlüftet.

Was wir zu dieser Zeit schon wussten – Freunde von uns hatten auch diesen Ort gewählt um den Meltemi auszusitzen und um in dieser Zeit noch ein paar Reparaturen durchzuführen. Die AMAE ist auf dem Weg Richtung Westen, wir hatten uns in Leros verabschiedet und es war schön, hier noch einmal zusammenzutreffen. Ok, so ganz stimmt das nicht, Kristel war für einige Tage in der Schweiz und so kam es, dass wir Philipp zur Einweihung unseres neuen COBB Grills eingeladen haben…

TOP! Der Grill ist super! Er hat sich bewährt, heizt – tschengpeng – superschnell auf und ist nach der Nutzung easy zu reinigen. Ein Topprodukt welches wir aus heutiger Sicht sehr empfehlen können. Wir haben Ihn inzwischen mehrfach genutzt und grillen für zwei Personen fünfmal mit einer Kartusche (welche übrigens ca. 5.- bis 6.-€ kostet – der Preis war für ein anderes Produkt).

Auf diese Art und Weise können auch Hafentage sehr schön sein – wir hatten einen herrlischen Abend mit Philipp und fielen nach ein paar Dosen „Mamos“ recht seelig ins Bett.

Neuer Tag – neues Glück! Ob mir der Song „Himbeereis zum Frühstück“ (kennt eh keiner mehr) jemals eine Headline wert sein wird? Eher nicht! Dennoch war es zu dieser Zeit schon so heiß, dass ich kurzerhand entschieden habe statt der üblichen Morgenmahlzeit eine Portion der frostigen Schleckerei zu mir zu nehmen – ein GENUSS!

Nach dem obligatorischen Einkauf in Supermarkt (klar) und „Jumbo“ (muss man kennen!), klagte Sibylle ihr Recht auf Bewegung und Kultur ein. Wir mieteten einen Scooter und machten die Gegend unsicher…

Klar, dass nun neben diversen Badestränden auch der Besuch von Poseidons Tempel auf dem Programm stand. Wir fuhren also am Landweg zum Kap Sounion und berappten brav die geforderten 10.-€ (pro Person) für die Kulturstätte. Nun, das war es wert! Ein ausgesprochen schöner Tempel, gut erhalten und beeindruckend…

Wir stellen uns immer vor, Wege zu betreten die schon vor mehr als 2000 Jahren von Menschen in Ledersandalen begangen wurden (ok, neuere Pfade finden sich meist daneben)…

…und freuen uns Blicke auf Plätze zu erhaschen welche wir zuvor besegelt hatten.

Ankerbucht von Sounion

Es ging zurück in die Marina, inzwischen war Dinnertime. Uns war klar wohin wir an diesem Tag wollten, wir hatten eine Tavernenempfehlung von der Crew der COCO LOCO welche wir tags zuvor an der Kaimauer von Lavrion getroffen hatten. Das Ziel war per Roller leicht zu erreichen – die Taverne „To Steki Tou Mina“, ein auch von TripAdvisor empfohlenes Ziel.

Wir staunten nicht schlecht, als wir uns gesetzt haben und die Bedienung zu uns kam… „you are friends of CocoLoco?“

„Äääähhh, yes!“

„Wait a second…“

Wir waren von den Socken! Auf Verdacht ein Präsent als Erinnerung hinterlassen… Das steht auf meiner Merkliste sehr weit oben – wir sehen uns wieder! DANKE!!!

Achja, gegessen haben wir natürlich fantastisch! Super Meze und geniale Hauptgerichte. Uns hat es so gut geschmeckt, dass wir nach der Rückkehr Kristel´s auf die AMAE und der Ankunft von Stefan und Amelie gleich noch einmal zu sechst hier beim Essen waren!

Stuffed Calamari

Wir essen übrigens nicht immer so feudal. Häufiger wird zuhause, auf NESSAJA, gekocht oder eben gegrillt bzw. etwas bestellt – meist, wenn man die griechische Küche mal satt hat.

So haben wir uns einmal, wieder zusammen mit Philipp, Pizza an Bord von NESSAJA liefern lassen…

…ich mochte den Slogan (Sibylle war weniger begeistert) und auch das Produkt 😉

Während unseres Aufenthaltes war eine Regatta in vollem Gange – die „Aegean 600“ – 600nm vom Startpunkt Kap Sounion bis rund Karpathos und zurück. Das alles non-stop und während der Meltemi seine Muskeln spielen lässt. Großes Kino daher in der Marina, Applaus für die ersten und die letzten der Heimkehrer!!!

Hägar 4 (links) und „first ship home“ – eine Farr 70 (rechts)

Direkt bei uns lag der spanische Klassiker LIBELULA, eine 1974er Swan welche von Ihrer Crew vom Renn- in den Cruise Modus versetzt wurde bis der Besitzer kam. Spannend zu beobachten!

Was macht eigentlich der Meltemi, der alte Genosse? Nun, der blies so vor sich hin, kräftig eben, so wie man ihn kennt, und hasst, oder liebt…

7-8 Beaufort im Hafen

Wir waren jedenfalls froh im Hafen zu sein, verlängerten um ein paar Tage (ich machte wieder ein Bündel kleiner Scheine zurecht) und freuten uns auf den nahenden Besuch der Kinder.

Es war soweit! Heute war der Tag! Zum ersten mal seit mehr als drei Monaten haben wir zumindest zwei unserer Lieben wieder getroffen. Die Wiedersehensfreude war groß als das Taxi ankam und wir uns mal wieder „live“ in den Arm nehmen konnten.

Ok, die Beiden waren da, aber war da nicht noch etwas? Ah ja – Fußball…

Stimmt, es war EM. Ich habe so gut wie nichts mitbekommen, am ersten Tag des Aufenthaltes von Stefan und Amelie war jedenfalls Finale und wo kann man ein Finale England – Italien besser ansehen als in einem Pub (ok, nicht englisch – aber immerhin)…

Guinness – 1+1, man muss nicht Griechisch können um zu erahnen, dass eine Aktion angeboten wurde. Alsdann, mal her mit den Pints, es war ein netter Abend für uns Nicht-Fußballfans.

Neben uns ein Tisch mit Russen (wegen des Biers, nicht wegen dem Fußball), der Rest des Lokals mit Griechen besetzt – es war eigentlich wurscht wer gewinnt.

WER HAT EIGENTLICH GEWONNEN???

Ringringring – ahhhh, der Wecker! Was soll das? Achso, ja, wir haben einen Leihwagen, der Meltemi tobt, wir haben uns die Besichtigung Athens auf den Plan geschrieben.

Hier hatten wir verschiedene Ansätze. Sibylle und ich haben die Hauptstadt Griechenlands vor nicht allzulanger Zeit intensiv besucht und dabei auch alle Sehenswürdigkeiten und Museen abgearbeitet. Wir wollten das entspannt angehen, uns von den Jungen trennen und ein bisschen durch die Stadt bummeln. Für Stefan und Amelie stand hingegen das „Vollprogramm“ auf der To-Do Liste.

In Athen war weniger los als gedacht. Ich fand einen Parkplatz unterhalb der Akropolis – der war so zentral, dass ich sofort einen griechischen Freund angerufen habe, ob man in Athen überhaupt außerhalb von Parkzonen parken darf – spooky!!! Darf man, war die lapidare Auskunft und schon konnte es, per pedes natürlich, losgehen.

Die Wege trennten sich, Sibylle und ich liefen sofort Richtung „Flea Market“ und suchten uns ein Cafe…

Während wir so durch die Straßen und Fußgängerzonen zogen, versuchten wir, Sehenswertes zu erfassen und auch zu fotografieren.

Wir besuchten Sehenswürdigkeiten und drückten auf den Auslöser unserer Kameras – große Kirchen…

…und natürlich – kleine Kirchen!

Wir gingen einkaufen, für mich gab es die lang fällige neue Badebuxe in einem Sportgeschäft und Sibylle konnte noch ein paar Tanktops ergattern.

Natürlich sind auch wir entlang der Touristenroute gewandert, haben die „Klassiker“ gestreift…

…haben aber auch versucht, in dem heißen, pulsierenden Moloch ruhige Oasen zu finden und uns Momente der Ruhe zu gönnen.

Witzig fanden wir, dass in allen Gärten und Parks Athens Wasserstellen zu finden waren in denen Wasserschildkröten herumschwammen – einfach so…

Währenddessen haben sich Stefan und Amelie mit einer Touristenkarte welche die Eintrittsgelder fast aller Sehenswürdigkeiten umfasst, durch ebendiese gekämpft – das wesentlich anstrengendere Programm wie ich finde. Gelohnt hat es sich allemal wie die Bilder zeigen. Hier ein Potpourri…

Athen ist eine riesige Stadt die es lohnt zu besuchen. Gespickt mit Sehenswürdigkeiten, lebendig, laut – im Großraum mit 4 Mio. Einwohnern eine Großstadt, anders als wir es aus Deutschland kennen.

2021 – allein schon wegen Corona ein ungewöhnliches Jahr. Auch, weil die Olympischen Spiele eben auf dieses Jahr verschoben wurden. Die Spiele sind in vollem Gange während ich diese Zeilen tippe – mit einer gewissen Vorfreude und Spannung haben wir daher die alten olympischen Stätten der Antike besucht.

BEEINDRUCKEND – ich denke auch Stefan und Amelie haben den Ausflug genossen – es sieht zumindest so aus…

Moderne Technik hilft sich wieder zu treffen. Gemeinsam haben wir noch den Szene-Stadtteil Plaka durchstreift, etwas getrunken und dann die Heimreise angetreten.

Lagerkoller! Wir wollten raus! Baden, die Inseln der Ägäis entdecken und reisen. Der Meltemi ließ etwas nach, so wurde festgelegt – morgen geht es los!

Nur wohin? Auf dem Plan standen eigentlich die Nördlichen Sporaden. Doch dafür hätten wir ca. drei Tage gegen den noch vorhandenen Nordwind durch den Euböa Kanal motoren müssen – kein guter Einstieg. In die Kykladen? Die zentralen Inseln? Für den Anfang für unsere beiden Novizen vielleicht etwas viel…

So sind wir von allen Plänen abgerückt und haben entschieden den ersten Tag „downwind“ Richtung Poros anzugehen. 35nm mit dem Wind sollten in 5-6h zu machen sein, Poros verspricht schön zu sein und hat ausreichend große Ankerfelder.

Leinen los, wir verlassen die Olympic Marina Lavrion mit Ziel Poros im Saronischen Golf.

Von wegen DOWNWIND Segeln! Zwei Stunden hatten wir herrlichen Segelspaß, ab etwa der Hälfte der Strecke schlief der Wind, welcher uns 10 Tage gequält hatte, tief und fest ein und erwachte die nächsten Tage auch nicht mehr erwähnenswert.

Wir tuckerten dahin, man vertrieb sich die Zeit mit modernen Medien!

Poros kenne ich von der Überführung der alten NESSAJA im Jahre 2012 – zusammen mit Burcki und Christine sind wir seinerzeit hier vorbei gekommen. Hier hat Burcki den Brauch des Anlegeschluckes auf der NESSAJA manifestiert – dies hat so manches mal Hektik nach dem Anlegen verhindert, bis heute bin ich dankbar!

Die Einfahrt ist schön, ich erinnerte mich, deshalb liefen wir Poros aus SE Richtung an.

Wir fuhren durch den schmalen Kanal, konnten das Treiben im Dörfchen beobachten und die Schiffe an den Muringleinen ansehen.

Konzentriertes Steuern tat Not, wir hatten sehr viel Spaß an der Durchfahrt.

Nach kurzer Suche war nördlich der Stadt Poros ein guter Ankerplatz ausgemacht und noch während das Grundeisen fiel, konnten wir unsere neuen Nachbarn identifizieren…

ZORA & NESSAJA vor Poros

ZORA ist das Schiff von Franzi und Tobi. Die Beiden sind seit vier Jahren auf dem kleinen Boot zuhause und betreiben einen YouTube Kanal den wir lieben (Wir segeln). Die Beiden sind geraderaus, machen Spaß und haben viele wertige Informationen und Tipps.

Da wir bereits vorher Kontakt zueinander hatten, war es uns nicht peinlich mal rüberzufunken ob den ein kaltes Bier Anklang fände? Fand es – und aus dem Bier wurde ein gemeinsamer Grillabend den wir sehr genossen haben. Es war uns ein Vergnügen und eine ehrliche Freude die Beiden mal kennen gelernt zu haben!

Erfrischung tat Not – ab ins kühle Nass…

An Stefans Gesicht kann man erkennen – irgend etwas stimmt nicht! Wir konnten „etwas“ rasch definieren – die erwartete ERFRISCHUNG trat nicht ein! Die Wassertemperatur hier bei Poros betrug für uns unfassbare 29° Grad Celsius. Das will doch keiner – das ist wie Baden in Tee…

Wir hatten die erste Hitzewelle des Jahres und, wenn überhaupt, kühlte es nur abends ein wenig herunter und wir konnten die herrlichen Momente vor Anker genießen.

Im letzten Monat, vor Milos, hatten wir kurzzeitig Batterieprobleme welche wir bis hierhin nicht wieder losbekamen. Was war nur los? Irgendetwas stimmte nicht, ich hatte die alten Bordbatterien in Verdacht mein Strom-Management (ok, nur ein sehr rudimentäres) durcheinander zu bringen.

Aus diesem Grund mussten wir zwei Nächte später an den Stadtkai von Poros verholen um dort die Batterien zu laden. Diesen Umfang wollten wir mit dem Generator nicht machen, macht er doch mollige Wärme unter Deck und verbraucht unseren wertvollen Diesel.

Noch ohne direkte Nachbarn

So nutzten wir die Zeit am Kai, die Ladezeit um Wäsche zur Laundry zu bringen und einen Stadtbummel zu machen.

Diesen widerrum mussten wir abbrechen, es war einfach zu heiß zwischen den Häuserzeilen. Wir verzogen uns in den Schatten, tranken literweise Wasser und kalte Erfrischungen und futterten Eis zur notwendigen „Innenkühlung“ unserer aufgeheizten Leiber.

Abends ein neuer Anlauf – die Sonne ging langsam unter und wir erkundeten abermals die Stadt, welche uns aber schlußendlich etwas überbewertet vorkam.

Inzwischen war es voll am Kai

Der Sommer hinterlässt Spuren – in der Natur und am Menschen…

…aber ich hab doch immer 50er drauf!

…wir entdeckten abermals nette Kleinigkeiten.

Wir schlenderten gemütlich durch die Gassen und genossen den Schatten und die langsam sinkenden Temperaturen…

…natürlich ging es auch wieder nach ganz oben – dort steht ja immer das Kirchlein!

Ziel unserer Suche war ein vom TripAdvisor empfohlenes Lokal, eine Taverne mit eigener Metzgerei, etwas ab vom Schuß. Das mögen wir, das verspricht ehrlichen Service und Qualität zu annehmbaren Preisen. Die Tavernen in der ersten Reihe können dieses Serviceversprechen oft nicht halten.

Wir hatten abermals Glück! Ein schöner Tisch, Blick nach unten auf´s Meer und sehr gutes Essen begleitet von gutem Service.

…und zum Nachtisch endlich die langersehnte Melone!

Nach dem Essen noch einmal die gesamte Riva auf und ab. Verdauungsspaziergang und Sturz ins Getümmel gleichermaßen. Inzwischen waren alle Kneipen geöffnet, alle Läden nach oben geklappt und alle Musikanlagen auf „volle Dröhnung“ – schön und ätzend zugleich.

Morgen geht es weiter, ich war froh drum!

Wohin geht die Reise Kapitän? Nun, nach der ersten Überfahrt von Lavrion nach Poros hatten Stefan und Amelie ein Bild wie Reisen in einem Segelboot funktioniert. Es ist langsam aber entspannend, kann anstrengend und kräfteraubend aber auch faszinierend sein. Wir haben uns viel beratschlagt und beschlossen – nächster Halt Kykladen, das „echte“ griechische Seglerparadies.

Früh ging es „Anker auf“ in Poros. Der Plan war ein besonderer – wir wollten Strecke machen ohne es für Amelie zu lang werden zu lassen. Die Reise sollte also in die sandige Doppelbucht von Kythnos gehen wo wir einen Badestopp planten und Abendessen wollten – gesagt getan…

Nach einer siebenstündigen Überfahrt, verzögert durch ein kurzes Intermezzo mit unserem Autopiloten (mit Bordmitteln gelöst), waren wir in Kythnos angekommen und hatten einen herrlichen Ankerplatz ergattert.

Wir haben ausgiebig gebadet, hier war das Wasser sauber und erfrischend, anschließend hat die Jugend sich Zeit genommen die Drohne fliegen zu lassen – es gibt ein paar tolle Aufnahmen und die Filmclips ziehe ich in ein paar Tagen in unserem YouTube Kanal nach…

Wir waren sehr zufrieden diesen Teil des Plans geschafft zu haben, gleich setzen wir über an den Strand, es gibt Abendessen – dann zu Teil 2 der heutigen Reise…

…das Zauberwort heißt NACHTFAHRT! Seit unserer Fahrt von Leros nach Milos bin ich noch mehr Fan davon als ich es vorher schon war. Ich liebe die Nacht, sofern die Hoffnung besteht, dass diese problemfrei und friedvoll verläuft, sie schont Ressourcen, man macht Strecke und kann den folgenden Tag nutzen.

Eine Nachtfahrt sollte Amelie und Sibylle Schlaf ermöglichen und uns als Crew mit einem Rutsch ins Zentrum der Kykladen bringen. Unser Ziel hieß Paros, wir wollten vor Naoussa ankern.

Um 2300 gingen wir in Kythnos „Anker auf“ – wir bogen aufmerksam um die Nordspitze von Kythnos und legten Paros direkt an. Es wurden Navigationslichter gefahren, alle Mann an Deck trugen Westen. Irgendwann weit nach Mitternacht war ich alleine im Cockpit.

Ich liebe es die Sterne zu betrachten und den Lichtern zuzusehen. Zu erahnen ob sie sich annähern, sich entfernen oder statisch sind. Bei Annäherung gilt es natürlich, diese zu identifizieren und ggf. am AIS zu beobachten.

So vergeht die Zeit und ehe man sich versieht zeigt sich die Morgenröte…

Genau hinsehen – Delfin voraus!!!

Ich hatte unsägliches Glück – genau im Morgengrauen (dawn oder twilight mag ich lieber) – tauchten Delfine vor mir auf. Zuerst bin ich erschrocken weil ich nur Wasserkreise gesehen habe. Was war das??? Als ich aber die erste Finne beobachten konnte war ich begeistert – eine recht große Schule begleitete mich eine ganze zeitlang – ein „perfektes Foto“ gelang mir wieder einmal nicht…

Dolphins
Sunrise

Etwas später kam Stefan dazu, nach und nach auch der Rest der Crew. Ich konnte das Steuer abgeben und etwas schlafen, dann steuerten wir gemeinsam unser Ziel an. Der Leuchtturm an der Nordspitze Paros´ war schon von Weitem auszumachen.

Und wenn einer schonmal am Ruder steht, darf er das auch weiter tun. So genoß ich den Luxus mich einmal rund um die weitläufige Ankerbucht fahren zu lassen – immer auf der Suche nach dem richtigen Spot…

Ich mache es an dieser Stelle kurz – wir sind in den, empfohlenen, Nordteil der Bucht – Monastery Bay. Wir lagen sicher und doch habe ich es nicht gemocht. Etliche Megayachten, meist Athener die sich das Wochenende hier vertreiben wollen, zogen kurz vor dem Spätnachmittag in die Bucht. Das ist natürlich legitim, aber was dann an Wasserspielzeug ausgepackt wurde spottet jeder Beschreibung!

Toys die ich noch nicht einmal kannte, flitzten mit minderjähriger oder graumelierter Besatzung durchs Ankerfeld. Die „Big Boy Toys“ mit Monstermotoren, bemannt mit Adonis´ Nachfolgern nebst Begleiterin in knappster Badbekleidung, zogen Wasserski- und Wakeboardjunkies drei Meter an Deiner Badeplattform vorbei!

Das war in Poros ähnlich – nennt mich Spießer oder Spaßbremse – ich kann das nicht leiden! Das ist gefährlich und stört.

Einmal, und ich übertreibe nicht, rutschte unser Geschirr über den Tisch wegen so einem Deppen – leider hatten wir insgesamt eine Hand zuweinig und Stefan in der Folge seine Salatschüssel im Schoß – nicht lustig, keine Fotos…

Ich sage es ehrlich, ich war froh meine Batterien als Grund nennen zu können an die Mauer der kleinen „Marina“ in Naoussa zu gehen. Es war ein Wunder, dass wir einen Platz bekommen haben, hier hatten wir Strom (kein Wasser) und das Schiff war sicher (und wir auch)…

…noch Lücken – abends war gerammelt voll!

Naoussa heißt, nicht zu Unrecht, „Klein Mykonos“ – als wir am ersten Abend in der Stadt waren haben sich dort die Massen versammelt, gefeiert und gezecht als gäbe es kein Morgen mehr. Vor allem – als hätte es Corona nie gegeben…

Versteht mich nicht falsch – wir waren ja auch da. Es ist schön Menschen wieder ausgelassen zu sehen und zu merken, dass es ein „Danach“ geben könnte. Naoussa ist wirklich wunderschön und, außerhalb der Saison, unbedingt einen Besuch wert.

Dennoch schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Während ich diese Zeilen schreibe gibt es in Mykonos schon wieder Ausgangssperren, Santorin, das von uns besuchte Milos und eben auch Paros stehen schon unter Beobachtung – die Zahlen steigen wieder! Es muss auch etwas ZWISCHEN kompletter Abriegelung und exzessiven Feiern geben.

Zurück zu angenehmeren Themen – die Insel – was gibt Paros her? Um das zu erkunden, haben wir uns einen Leihwagen genommen und ich konnte den außerordentlichen Luxus genießen NICHT am Steuer des Mietvehikels sitzen zu müssen – es wurde chauffiert.

Einmal quer über die Insel und ab nach Parikia, die andere Stadt auf Paros. Schön! Echt schön hier! Parikia gab einiges her, kleiner, nicht ganz so fein wie Naoussa, aber auch nicht so „schicki-micki“ – lohnt, genauer angesehen zu werden…

Hier ein paar Impressionen!

Wir haben, trotz der Hitze, die Gassen abgelaufen und dabei schöne Flecken entdeckt – Cafes…

Natürlich – Kirchlein…

Darüber hinaus – BESONDERES…

Enge Gassen – menschenleer!!!

Last not least – besondere und beeindruckende Bauten aus längst vergangenen Tagen und Zeiten!

Unser Weg führte uns zurück zum Auto, wir konnten Wasserflugzeuge beobachten welche ihre Kreise über Stadt und Bucht zogen – alles in allem ein herrliches, nicht überladenes Spektakel!

Weiter geht´s auf unserer Inseltour. Amelie und Sibylle saßen an Internet bzw. schmökerten, leicht angegraute, Reiseführer um weitere „must sees“ der Insel zu identifizieren. Als nächstes standen also die mittelalterlichen Steinbrüche von Paros auf unserem Programm in denen vor Jahrhunderten wertigster Marmor abgebaut wurde.

Das Schild „Cave“ versprach viel, zudem auch Sibylles antiquierter Reiseführer versprach, dass man die früheren Abbaustollen mit Hirnbirn (Stirnlampe) entdecken könne. Es sei außerdem frisch wenn nicht kühl dort – also nix wie rein…

Denkste – ein paar alte Häuser und ein Pfad, den man bei gutem Willen als ehemaligen Stolleneingang hätte identifizieren können – ab dort war aber alles mit Maschendrahtzäunen abgesichert, ein Entdecken der Höhle somit ausgeschlossen.

Wir sind somit unverrichteter Dinge weiter nach Lefkes gefahren um uns dort entlang der Byzantinischen Pfade zu bewegen.

Lefkes war schön, aber inzwischen war es bullenheiß geworden – wir haben den alten Dorfkern entdeckt und bemerkt, dass alle Bewohner Lefkes´ nach einer Siesta sehnten.

Wir sind ermattet noch ein wenig die schmalen Gassen entlang geschlendert – ohne dabei wirklich bis zu den Byzantinischen Pfaden vorgedrungen zu sein – und sind dann zurück zum Auto gelaufen. Dennoch, Lefkes ist es wert im Rahmen einer Inseltour entdeckt zu werden, es ist ein kleines, feines Dörfchen.

Unser Weg führte uns zurück nach Naoussa, abermals genoss ich die Rückfahrt im Auto, hatte dabei aber schon im Sinn, wie unsere Segelreise weitergehen würde – morgen war Aufbruch angesagt…

Tanken! Ich muss noch ein paar Liter tanken! Da meint man, man ist an einer Kaimauer, bzw. im Hafen, tanken sollte also nicht allzu schwer sein – zumindest dann nicht, wenn drei bis vier Tankwägen in Dauerwarteschleife an der Hafeneinfahrt kreisen und die Tankwarte sich abwechselnd oder auch mal zusammen einen Frappé in den Hafenbars gönnen.

Doch denkste, auf meine Anfrage ob man mich betanken könne, wurde mir erwiedert „yes, of course, how many liters?“ Durch ein beherztes „boah, around 120!“ hoffte ich den Meister der Zapfpistole überzeugen wenn nicht beeindrucken zu können. Doch nichts dergleichen – der Mann im „blauen Anton“ drehte sich wortlos um, ließ mich stehen um einem Motorboot beim Anlegen zu helfen (nicht sein Job) – hier war mehr Geschäft zu erwarten, hier zählt man auf der Tausenderstelle.

Getankt habe ich dann mittels meiner Kanister und Stefans Hilfe – daher mein Fazit – Paros, schön, sehenswert, Wiederholung gerne – aber definitiv außerhalb der Saison. Und dem Tankwagenfahrer von Ελίν sei gesagt – bei Dir tanke ich nimmermehr…

Leinen los und auf zu neuen Ufern!

Zeitsprung – wir sind schon auf hoher See, der Abend bricht an, wir sind für die nächste Nachtfahrt vorbereitet. Was war geschehen?

Aufgrund unserer Lade- und Batteriesituation und aufgrund der Tatsache, dass die nächste Meltemiphase im Anmarsch war, hatten wir beschlossen nach Leros zurückzukehren. Ich wollte das Schiff reparieren, Amelie und Stefan genießen noch drei Tage Inselurlaub und Sibylle und ich können nach der Abreise der Kinder den Meltemi hier aussitzen. Soweit der Plan…

Die Route sollte von Paros / Naoussa über die Nordspitze von Naxos zur kleinen Insel Donousa gehen. Hier hatten wir die Herausforderung anzunehmen, dass eine zweitägige Südwindphase die Suche nach geeigneten Ankerbuchten schwieriger machte.

Fotos haben wir keine von der rund sechsstündigen Überfahrt – ein angesagter SW4 mit geplanter raumer Brise mauserte sich zum SE6 und dem damit verbundenen Am-Wind-Segeln. Wir hatten eine sportliche Anreise zu unserer Ankerbucht.

Diese entpuppte sich als Enttäuschung. Der Schutz nach S war nicht so gut wie vermutet (zumal eher SE als SW herrschte) und ein Berg sorgte für stramme Fallböen in einer schon gut angefüllten Bucht. Ich hatte keine Lust auf nächtliche Ankerwache und somit als Schiffsführer entschieden – wir fahren weiter – fertig machen zur Nachtfahrt.

Der Wind ließ nach Sonnenuntergang nach, wir motorten in die Nacht und bekamen wieder tolle Momente…

Uns allen war klar, diesmal würde es nicht die ganze Nacht dauern bis wir unser Ziel, die Ankerbucht von Lakki auf Leros, erreichen würden. Wir tuckerten geradeaus, machten fast 6kn Fahrt und erreichten um ca. 0200 die Einfahrt der großen, geschützten Bucht – just in dem Moment als eine der großen Bluestar Ferries eben diese verließ. Ich finde immer wieder spannend, wie unbekannt und aufregend das Bekannte aus einer neuen Perspektive sein kann.

Um 0230 fiel unser Grundeisen in den guten Ankergrund vor Lakki – in die Marina wollten wir morgen nach dem Frühstück.

Gut geschlafen! Sicher zurück! Wir hatten eine ruhige restliche Nacht und ich kann sagen, dass ich nach 5-6h Schlaf durchaus fit bin. Perfekt! Frühstück, Schiff klariert und ab in die Marina – Sibylle hatte einen Wunschplatz den wir auch bekamen – Leinen über – NESSAJA ist zurück in ihrem Heimathafen.

Wir haben auf dieser Runde, die so anders verlief als geplant, 437nm geloggt…

…davon haben wir etwas weniger als die Hälfte, nämlich 217nm, zusammen mit Amelie und Stefan abgeleistet. Die Strecke führte uns einmal quer durch die Ägäis, das ist für Segelanfänger schon eine Leistung!

NESSAJA ließ uns nicht im Stich, sie lief problemfrei und es addierte sich kein wichtiger Punkt auf die „To-Do“ Liste. Deshalb gibt es diesmal auch keine kleinen Reparierstories. Was war mit den Batterien? Antwort – nichts! Wir haben inzwischen alles durchgemessen, sowohl Verbräuche als auch Ladeströme geprüft und einen Bedienerfehler als Ursache ausgemacht. Ich habe einen „1/2/Both/Off“ Schalter und dachte, dieser sei für die Ladelogik und dass ich somit die Schalterstellung „Off“ nie brauchen würde. Das hat sich bei Urlauben nie als Problem gezeigt, war aber falsch. Zum Laden kann man wohl die Kreise wählen, diese Einstellung gilt dann aber auch für die Stromentnahme. Wenn nicht geladen wird muss der Schalter auf „Off“ stehen. Da er aber immer auf „Both“ stand, konnte der neue Kühlschrank seine durchaus recht hohen 6A aus allen Batterien ziehen, das hatte für Kummer gesorgt und war mit kurzen Generatorlaufzeiten nicht zu lösen. Jetzt passt alles wieder und wir können die Batterien vorläufig lassen – um eine gute Solartechnik und eine Modernisierung unseres Strommanagements kommen wir wohl nicht herum – das wird eine andere Geschichte…

Keinen Verschleiß? Doch, der Meltemi hinterließ seine Spuren…

Muss neu – unsere Stander…

Die Crew dieses Törns schaltete sehr rasch in den Urlaubsmodus. Wir hatten einen tollen Platz an der äußeren Mauer, ruhig, luftig und weitgehend ungestört.

So war es uns möglich auch ohne dauernd am Strand zu sein für Durchlüftung (im Schiff) und Abkühlung bzw. Erfrischung (der Crew) zu sorgen. Es war auch an diesen Tagen schon sehr heiß, kein Tag unter der 30° Grad Marke, nachts selten unter 28° Grad. Klar also, dass regelmäßige Badestopps oder zumindest eine kurze Abfrischung unter der Brause zur Routine gehörten…

Das Auto stand parat, trotzdem haben wir uns noch einen Scooter dazu gemietet, so waren Stefan und Amelie weitgehend unabhängig von uns und konnten die Insel entdecken, Plätze besuchen die wir schon kennen.

Am ersten Abend besuchten wir zusammen das neue „Harris“, die Location in der ersten der sechs Mühlen, ein Ort den wir noch öfter besuchen würden.

Unserer Empfehlung folgend, hat die Jugend die Sehenswürdigkeiten der Insel erkundet – das Kirchlein in Xirokampos…

…natürlich – die obligatorischen Windmühlen, eines der weithin sichtbaren Wahrzeichen von Leros!

Und wenn man schonmal da hoch gefahren ist, lohnt es sich das Castell zu besuchen. Ob man nur den Ausblick genießt und das Bauwerk ansieht, oder auch das kleine Museum besucht, ist dabei den persönlichen Vorlieben belassen.

Ich hatte den Eindruck, dass Leros durchaus Überraschungen bieten konnte und dass die Beiden die letzten Urlaubstage durchaus genossen haben.

Wenn es gewünscht war, haben „wir Alten“ das junge Glück begleitet und waren gemeinsam unterwegs. Meist sind wir einmal am Tag zum touristischen Zentrum der Insel, dem „Panteli Beach“ gefahren um dort ein wenig auf der Liege zu relaxen und ausgiebig zu baden.

Oder wir haben uns einfach einen der anderen, weniger frequentierten Strände ausgesucht und waren dort um uns in das kühlende Nass zu stürzen.

Das letzte Highlight, das Kirchlein von „Agios Isidoros“ haben wir am Abend besucht bevor wir in der Mühle, im „Mylos“ unser Abschiedsessen hatten. Die Drohne musste nochmals fliegen, morgen schon hieß es Abschied nehmen von Stefan und Amelie.

Zwei Wochen können lang sein mit Gästen an Bord, auch wenn es die Kinder sind! Mit den Beiden war es anders, es hat uns ganz viel Spaß gemacht, es war kurzweilig. Wir haben uns riesig gefreut, dass die Reihe der Familienbesuche nun eröffnet ist und es war schön, dass wir nach so langer Zeit mal wieder ohne Skype oder WhatsApp mit den Kids sprechen konnten. Schweren Herzens haben wir die Beiden am nächsten Tag zur Fähre begleitet und Richtung Kos verabschiedet…

Was macht eigentlich der Meltemi? Nun, er tut was er kann, Segler ärgern…

Er kam wie vorhergesagt, und blies kräftig – einmal Fluch (für alle Reisepläne der Segler), andermal Segen (ohne ihn wäre die Hitze nicht auszuhalten) – wir hatten jedenfalls an unserem Marinaplatz wieder eine kräftige Brise stehen was das ein oder andere Mal für ein Knarzen und Ruckeln an den Festmachern gesorgt hat.

Doch auf unserem Platz ist es möglich eine lange Springleine zu legen, so lagen, bzw. liegen wir sicher und entspannt in unserer Ecke „far outside“.

Genug erlebt für den Juli? Weit gefehlt! Die ELOWYN ist im Anmarsch und hat Kurs Leros gesetzt. Volker hat entschieden, dass sein Schiff für ein Jahr im Dodekanes bleiben soll, er möchte diesen in 2021 und 2022 umfänglich bereisen und es freut ihn, dass wir immer ein Auge auf das prächtige Schiff werfen können.

Zwei Tage nachdem Stefan und Amelie abgereist waren, machte die ELOWYN in Leros fest. Neben dem Eignerpaar waren noch die Kinder einer Freundin an Bord, Karl und Lena. Mit allen Vieren hatten wir die nächsten drei Tage viel Spaß und einiges zu erleben.

Wir waren zu sechst, mein Scudo bietet in der aktuellen Bestuhlung nur Platz für fünf – was tun sprach Zeus?

Einem 18-jährigen kann man die Reise im Gepäckraum zumuten, also los zur Inseltour – die Geschichte rund um die Highlights von Leros wiederholt sich ab jetzt…

Dinner gab es, der Einfachheit und des Bierkonsums halber, im „Skipper´s“, dem Restaurant unserer Marina.

Auch hier reiste die Jugend zuerst ab, ebenfalls mit dem Katamaran Richtung Kos. Karl und Lena tingeln noch ein bisschen über die griechischen Inseln bevor der finale Heimflug ansteht.

Wir waren mit Tina und Volker allein – wohin zum Essen? Bei meinem Freund Dimtris waren wir vorgestern zusammen, auch schon mit Stefan und Amelie davor – unter diesem Gesichtspunkt fiel die Wahl ein weiteres Mal auf das „Mylos“, hier wollten wir die Meinung der ELOWYN Crew hören und uns auch dem Vergleich mit dem „Hanabi“ auf Milos stellen. Doch zuvor war noch ein Apero im „Harris“ geplant – einer der coolsten Spots auf Leros – ein absolutes „must see“…

Im „Mylos“ hatten wir die übliche Speisefolge – eigentlich alles was es an Gerichten mit rohem Fisch gibt – Thunfischtartar, Schwertfischcarpaccio, Ceviche, Garnelentartar mit Mango und einiges mehr. Meist ist man dann schon fast satt und teilt sich einen Hauptgang oder isst zumindest nur noch eine Kleinigkeit – auch hier meist Seafood.

Das alles begleitet von einer herrlichen Aussicht an einem schönen Platz…

Während man da so sitzt, isst, trinkt, genießt, bricht die Nacht herein und das gegenüber liegende Agia Marina zeigt sich im Lichterschein.

Zurück in der Marina liefert die private Rauch´sche Kleinbuslinie die ELOWYN Crew vor ihrem schwimmenden Zuhause ab um dann selbst in die andere Ecke der Marina zu fahren. Dabei fällt auf, dass das Thermometer kaum fällt – um 23.00 Uhr 32° Grad – das kann man Sommer nennen!

Ich schlafe zur Zeit meist draußen und ziehe mich irgendwann ins Schlafgemach zurück. Der Meltemi sorgt für eine angenehme Brise auf der Haut, Oropax mindern die ärgsten Geräusche und ich schlummere meist gut – wenn nur unsere Bänke etwas breiter wären. Nach dem Rückzug ins Bett, vor dem der Ventilator 24/7 seine Dienste tut, falle ich meist nochmal in eine Tiefschlafphase…

RINGRINGRINGRING -was? Wieso? Wo und vor allem wer bin ich? Es ist unchristliche 06.30 Uhr, der Wecker reißt mich aus dem Schlaf – ahja, Volker und Tina fliegen heim, der Pendelbus hat die Transportaufgabe zum Flughafen übernommen.

Ich karre also das Gefährt Richtung ELOWYN und wir verladen das Gepäck der Mannschaft plus dieselbige.

Kaum eine halbe Stunde später stehen wir zu viert am „Flughafen“ von Leros. Die Reisenden sind eingecheckt, das Gepäck aufgegeben und das Kleinflugzeug welches die Beiden nach Athen zum Weiterflug bringt ist gerade gelandet.

Nochmals 30 Minuten später sitzen Sibylle und ich im Scudo, fahren nach Lakki und gönnen uns erstmal ein Frühstück.

Früher Vogel fängt den Wurm! Der Tag ist noch jung und der Tankwart staunt nicht schlecht, als wir um kurz nach 08.00 Uhr zur Wagenwäsche erscheinen. Diesmal kann er mich nicht mit einem „tomorrow“ abweisen! Er erkennt die Situation und handelt für sich noch ein entspanntes „until 14.00 o´clock“ heraus – am Abend ist der erdbraune Bus, der den Dreckmantel seit März trug, wieder ein weißer Schwan (zuviel Prosa???)…

Ist Euer Erfrischungsgetränk noch kühl, noch einmal nachschenken? Ok, ich mach´s kurz, der Rest ist schnell erzählt.

Mit der Crew der HARMONY, Gottfried und Gabi, wollten wir noch ins „To Steki“ nach Alinda gehen – gesagt, getan! Hier hatten wir das Glück auf sehr dezente und sehr schöne Live-Musiker zu treffen, ein herrlicher Abend bei sehr guten Meze.

Gestern haben wir uns mit Kostas im „Harris“ getroffen, er ist einer der örtlichen Makler. Er und Harris kennen sich schon lange und auf Harris Empfehlung haben wir ein Grundstücksangebot diskutiert – in würdigem Rahmen…

…das feilgebotene Objekt ist ein Meergrundstück von 5.000qm mit eigenem Strand. Interessant als Kapitalanlage und / oder für später?! Ich weiß es noch nicht. Die Informationen waren jedenfalls so interessant, dass wir am gleichen Tag noch zum Objekt gefahren sind um mal einen neugierigen Blick darauf zu werfen.

Die Betonstrasse endet etwa 500m vor dem Grund, mehr war dem geplagten Italiener nicht zuzumuten, wir mussten zu Fuß weiter…

…bis auf die Anhöhe um das Objekt als Ganzes zu Überblicken. Von den Zehenspitzen bis zum Meer – alles eines. Von der Mauer links bis zur kleinen Schlucht rechts – danach Naturschutzgebiet, das letzte einer Reihe also.

Mit einem spektakulären Panorama…

…gleichwohl aber auch mit nicht einzuschätzenden Kosten durch Befriedung, Strasse, Erschließung. Will ich das? Kann ich das?

Viel zu überlegen, das Rattern unserer Köpfe war unüberhörbar – da standen wir nun…

Ihr merkt schon, es wird nicht langweilig! Während wir unser neues Leben genießen, es langsam adaptieren, machen wir im Hintergrund schon Pläne über Alternativen oder ein Danach – etwas Vernunft muss sein.

In mir selber reift die Einsicht, dass der „Ursprungsplan“, die große Reise, der vielleicht beste ist, der den es sich lohnt zu verfolgen.

Wir lieben Griechenland, fiebern aber jetzt schon mit der OREJA VELA und der AMAE, welche unterwegs sind auf den Routen welche sie sich vorgenommen haben. Es bleibt dabei, unser Ziel 2022 heißt Sizilien.

Aber wie geht es jetzt weiter?

Aufgrund der Kosten des e-TEPAI und aufgrund der Tatsache, dass Sibylle am 17.08. nach Deutschland fliegt, haben wir beschlossen im August, bei dieser Hitze, zur Hauptsaison, nicht auszulaufen.

Wir nutzen NESSAJA jetzt als Ferienwohnung auf Leros, ich werde nach Sibylle´s Abreise ein paar kleinere Projekte abschließen und dann in der ersten Septemberwoche das Auto nach Deutschland bringen. Zwischenzeitlich sitzen wir mit Freunden zusammen, trinken kühles Bier und gehen baden oder Eis essen – es gibt Schlimmeres.

NESSAJA liegt an ihrem Platz und bleibt wohl auch hier (vielleicht verlege ich für die Zeit der Abwesenheit nach innen) bis wir Mitte September wieder hier sind und abermals die Kinder, diesmal Franziska und Mikey, zum Segeltörn erwarten.

Die nächste Reise führt NESSAJA von Leros durch den kompletten südlichen Dodekanes bis Rhodos. Aber auch ohne Segeltörn wird es einen August-Bericht geben – mit allen News, Erlebnissen und Allem was uns bewegt und umtreibt – es wird nicht langweilig!

Bis dahin wünschen wir Euch allen einen schönen Sommer und alles Gute – die NESSAJA Crew, Mario & Sibylle

Juni 2021 – La Cucaracha

Es ist schwer, einen Blogbeitrag – insbesondere den des Sommermonats Juni – mit dem Titel eines Songs zu benennen den man selbst noch nie leiden konnte.

Auch Wikipedia sagt dazu, dass der Titel des Artikels mehrdeutig ist…

Ich distanziere mich auch von jeglicher politischen Auslegung sondern möchte einfach nur tendenziell einen Hauptgedanken des sechsten Monats aufgreifen – Ihr ahnt es – la Cucaracha 😦

Doch wie immer – dazu später mehr!

Treue Bloganhänger wissen, dass ich neben der Taverne von Dimitris einen weiteren Favoriten für besonderes Essen auf Leros habe – die „Mühle“ das Mylos.

Unser Besuch war abgereist, wir schreiben schon die zweite Woche des Monats Juni und es hatte sich einiges getan in unserer Heimatmarina auf Leros. Neue Yachties waren angereist, wir haben uns gefreut bekannte Gesichter wiederzusehen, uns zu treffen und Klönschnack zu halten. Welche Location bietet sich besser an als das Mylos?

So saßen wir einen gemütlichen Abend mit den Crews der „Shaka“ und der „Serafine“ beisammen. Wir konnten feiern, dass die Serafine verkauft wurde – nicht ohne eine Träne im Auge – hoffen wir doch, dass die Kontakte auch in der bootslosen Zeit nicht abreißen.

Doch der Trennungsschmerz war rasch überbrückt, waren wir doch an diesem zauberhaften Platz der seinem Namen alle Ehre macht.

Nicht nur, dass es ein schöner Flecken Erde mit sehr netten und kompetenten Gastgebern ist, auch das Essen ist allemal eine Wucht!

In etwa einer Woche erwarten wir einen weiteren Gast, unsere Freundin Gitti aus der ehemaligen Heimat, eine frühere Kollegin von Sibylle, hat sich für eine Woche angemeldet. Für mich war es also an der Zeit den Blogbericht des Monats Mai – mit einiger Verspätung – zu schreiben. Viele haben den Bericht inzwischen gelesen, es gab viel positives Feedback, DANKE dafür!

Diesmal waren gottlob nicht viele Reparaturen zu machen. Nur „Kleinzeug“, es gibt daher auch diesmal keine gesonderte Abhandlung zu erledigten Technikprojekten. Das bedeutet aber nicht, dass das Werkzeug in der Schublade geblieben wäre – zu reparieren gibt es IMMER etwas!

Zwischenzeitlich war ein billiges Fitting für den Wassermacher, welches ich hier nicht bekommen konnte, per Post von zuhause angekommen – vielen Dank dafür an die Schwiegertochter. Dieses einzubauen wäre normaler Weise keine Herausforderung, wäre da nicht die Wasserpumpe im Weg. Dafür müssen nur zwei Schrauben geöffnet werden, von denen aber eine wie unsichtbar verbaut ist…

Ihr denkt jetzt sicher „was ist das so schwer?“ – einfach Schraubenzieher drauf und raus…

Ja, leider sind die beiden Bilder entstanden, als ich von rechts oben mit dem Mobiltelefon per Fotokamera gesucht habe wo überhaupt eine Schraube ist – somit – einmal durch die Kniekehle gegeigt! Aber, letztlich wurde auch diese Aufgabe gemeistert!

Ein weiteres Manko war meine GPS Antenne am Furuno GPS35. Ein altes Gerät welches kurz nach der Entdeckung der Glühbirne auf den Markt kam – aber ich mag es! Also Fehler gesucht – und gefunden…

Nach 20 Jahren darf so etwas schon sein, so habe ich zügig Ersatz bestellt, Lieferung per Amazon Prime zu unserer Freundin Gitti nach Hause, innerhalb eines Tages! Wow, die Antenne konnte mir bereits drei Tage später übergeben werden.

Es gibt schlimmeres als solche Bastelarbeiten während man im Paradies sitzt. Der Sommer war eingekehrt, es war noch nicht zu heiß, gute Freunde rundherum, jederzeit ein Bierchen und eine kleine Plauderei – so lässt es sich leben – ich mag die Leros Marina Evros!

Es gab einen Haken – zur Erinnerung, das Wetter war herrlich, stetig eine leichte Brise, warm, nur Sonne… – wo ist da der Haken mag sich manchereiner fragen???

Nun, Gitti sollte nächste Woche kommen, für diese Periode war eine kleine Wetterdepression angesagt – der Teufel ist eben ein Eichhörnchen! Wir mussten los, es galt die Freundin in Kos abzuholen! Wir legten ab und setzten Kurs nach Kalymnos in die Emporio Bucht wo wir bei „Kostas“ einkehren wollten.

Dort haben wir uns die „erste Boje am Platz“ – erste Reihe – geschnappt und sind per Dinghy hinübergerudert um die feine und sichere Lage zu genießen.

Ich hatte mein Logbuch zu schreiben, auch hier gibt es schlimmere Gesamtsituationen als dies bei einem „Mamos“ (neues Lieblingsbier) mit Blick auf sein Schiff zu tun, und ich hatte Facebook bedient. Vielleicht erinnert Ihr Euch noch an den Post „10 Jahre Griechenland“ – den hatte ich hier verfasst.

Ich hatte den Gedanken, als ich dieses Bild sah – nahezu das gleiche Motiv gab es von der alten NESSAJA. Die nahezu gleiche Boje, die gleiche Bucht, es war Mai 2011 als wir das erste mal in griechischen Gewässern unterwegs waren und seither dem Dodekanes treu geblieben sind.

Emporio ist ein schöner Spot auf Kalymnos, der Insel der Sportkletterer und Schwammtaucher, es gibt viele kleine Motive zu entdecken, es ist ein reizender kleiner Ort. Wir haben bei „Kostas“ gut gegessen und können den Platz nur empfehlen – auch wenn diesmal etwas Schwell in die Bucht gestanden ist.

Wir mussten weiter – heute kommt Gitti an! Ab nach Kos. Wir hatten einen herrlichen Segeltag, das ist nicht sooooo häufig der Fall wie man vielleicht denkt, und hatten uns als Ziel die Kos Marina ausgesucht.

Wir bekamen einen Platz neben unseren Freunden aus Berlin, der ANAHITA II Crew. Das Anlegemanöver musste sitzen, Wolfgang ist ein kritischer Beobachter 😉 – vermutlich erinnert er sich gar nicht mehr daran, dass er mich (als wir uns noch nicht kannten) in Arki mal ziemlich angeraunzt hat…

Ratzdatz oder tschengpeng würden die Umstände des Anlegens nicht exakt beschreiben – wir sind in die Lücke GEGLITTEN, GESCHLÜPFT es war förmlich ein „saugendes Anlegemanöver“ ohne jegliche Fremdberührung (und ohne Schlauchboothilfe) – ich war konzentriert und erleichtert 😉

Wir haben das Boot auf Vordermann gebracht und schon einige Stunden später unseren Besuch begrüßt mit dem wir in die Altstadt zum Essen spaziert sind.

ACHTUNG – WARNUNG! Jetzt kommt der Bezug zur Überschrift! Zart besaitete Naturen mögen dieses Kapitel bitte überspringen!

Beispielbild

Als wir vom Essen zurückkamen, wir hatten Wein getrunken (wichtig zu wissen) ging Sibylle ins Schiff und schaltet erst spät – wegen der Mücken – das Licht ein. Ich erinnere mich nicht mehr exakt ob ein markerschütternder Schrei die Marinabewohner weckte oder ob es eher ein gellender Hilferuf an mich war – wie auch immer, sie hat einen Kakerlak gesehen!

Der Effekt bei Sibylle und mir war unterschiedlich! Ich erinnerte mich an eine Geburtstagskarte mit dem Spruch „Weil ich Dich so gerne mag, schenk´ich Dir nen Kakerlak“ (war das eigentlich witzig gemeint?), Sibylle hingegen wollte erst ausziehen, dann das Schiff AUSGASEN lassen und faselte etwas von 200 Eiern und einer Schar von Kakerlaken welche uns vermutlich bis auf die Knochen abnagen will…

Ok, die Aufregung hat sich gelegt, Google half etwas, und wir gingen schlafen. Morgen ist auch noch einTag.

Mit Nachbar Wolfgangs Hilfe wurde dem blinden Passagier eine Henkersmahlzeit serviert – ein leckeres Häppchen, begleitet von einem „Mousse du Poison“.

Es dauerte etwas bis Sibylle einverstanden war, dass ich den Gast für tot erklärt habe. Vermutlich werden wir den Leichnam irgendwann finden. Bisher hat es auf jeden Fall keine Sichtungen mehr gegeben (oder war es doch der Alkohol)?

Unsere Fahrt ging los – nach einem weiteren Tag Kos Marina, um ehrlich zu sein, wegen des verhangenen Wetters – legten wir ab Richtung Kalymnos. Diesmal wollten wir die Bucht Palionissos auf der Ostseite entdecken. Komisch, ich merke gerade, dass keiner von uns Bilder gemacht hat. Naja, auch hier ein offenes Wort, es war frisch, verhangen und gar nicht so prickelnd.

Ich habe diese Situation genutzt um eine Reparatur vorzunehmen die jeder Skipper fürchet – die Reinigung des verstopften Klos. Ein heikles Thema, ist es doch eine im wahrsten Sinne des Wortes „Scheißarbeit“! Nicht so bei uns – ich hatte „GLÜCK“ (im Unglück) und durfte nur zentimeterdicke Verkalkungen und Urinstein entfernen, ging so…

Auch der nächste Tag, arme Gitti, war noch einer mit bescheidenem Wetter. Wir beschlossen daher einen Marinatag in Leros einzulegen – nach Baden war uns allen Dreien nicht. Die Entscheidung war gut – Leros hat uns entlohnt, wir haben die Hot-Spots besucht und waren mehrmals gut einkehren.

Am Abend noch schnell eine kleine Fahrt zu den Windmühlen und zum beleuchteten Kastell – wie immer halte ich vor Mühle 1 um zu sehen was eines meiner Lieblingslokale, das „View“ macht. Ein Ruf ertönt „Mario, Yassas“! Nanu, wer ruft nach mir? Schon sehe ich Haris, den Besitzer meiner Lieblingseisdiele in Agia Marina auf uns zulaufen.

Das ehemalige View heißt jetzt „Haris´“, erklärt er und sei von Ihm gepachtet worden und würde am kommenden Freitag eröffnet. Heute seien Freunde von Ihm hier um Cocktails zu testen. Ob es daran lag, dass er meine hoffnungsvollen Augen gesehen hat, Gedanken lesen konnte, oder er mich einfach mag – es sei dahin gestellt. Einen Moment später jedenfalls saßen wir auf der Terrasse und schlürften einen phantastischen Gin Tonic – 5 Sterne!!!

Ein pragmatischer Grund die Marina kurz zu besuchen war der Erhalt eines Paketes. Sibylle und ich hatten beschlossen uns zum Geburtstag je einen hälftigen Grill zu schenken. Gottlob konnte SVB die beiden Hälften zusammen verschicken und wir konnten unseren neuen COBB Gasgrill in Empfang nehmen – ich werde berichten sobald das Ding sich beweisen konnte.

Das Wetter war wieder toll und Gitti sollte endlich das Segelfeeling in Griechenland so kennenlernen wie wir es schätzen und lieben. Also ab nach Archangelos, an „unsere“ Boje, einem meiner Lieblingsplätzchen vor dem „Stigma“.

Ein traumhafter Badetag wie er im Buche steht! Eine Gastgeberfamilie die sich alle Mühe gab mit uns zu plaudern, uns zu bewirten und alle Trümpfe Ihrer Gastfreundschaft ausspielte.

Ich mag das Einfache an diesem Lokal, ich mag Dimitra, die Tochter des Wirtes, ihren Bruder und die Wirtsleute selber – Archangelos ist ein Platz den ich, aufgrund seiner Nähe zur Marina, erst viel zu spät entdeckt habe!

Gegessen wird was die Küche hergibt, eine Speisekarte gibt es nicht…

Dennoch – oder gerade deswegen waren wir immer gut bedient!

Wir mussten weiter, der Rückweg nach Kos wurde angetreten – Gitti hatte Kos – Kos gebucht und bei einer Woche Urlaubsdauer wollten wir sie gerne an den Abflugort bringen. So sind wir mit einem Stop in Kalymnos / Emporio zurück nach Kos. Leider ließ der Wind just in dem Moment als wir nach Süd wollten nach, ein bisschen Segeln konnten wir aber trotzdem.

Zurück in der Marina Kos! Ich treffe viele Menschen, die uns immer wieder fragen warum wir doch ab und an in Marinas hängen. Nun, dazwischen müssen wir ver- und entsorgen. Das ist das Eine…

Das Andere sind einfach auch soziale Kontakte, eine ordentliche Dusche, Zivilisation und Geschäfte sowie Wifi. Wir mögen die Vielfalt des Lebens, da gehört das Eintauchen in diese Welt auch dazu. Das Thema Kosten bleibt aber unwiedersprochen ein Minuspunkt – eine Nacht Marina kostet in GR rund 40 – 50€, wir haushalten hier sehr.

Dennoch, auch eine Marina kann ihre schönen Seiten haben…

In der Marina haben wir auch Hans ein zweites Mal getroffen. Das letzte Mal noch hatte er Motorsorgen an seinem Katamaran und zusammen mit dem nicht geplanten Liegeplatz eine nicht unerhebliche Summe zu zahlen (Originalkommentar – „…do fliagt da doch a Ei aus da Hosn!“) – hatte er diesmal zu vermelden, dass er quasi „im Vorbeigehen“ einen anderen Katamaran (Lagoon 450L) für ein nicht weniger erkleckliches Sümmchen gekauft hat – Hans im Glück kann ich da nur sagen.

Gitti hat ausgecheckt, die Woche Urlaub ist vorbei – trotz der anfänglichen Wetterkapriolen und einem fetzen Sonnenbrand ist uns eine gute Runde gelungen wie ich meine.

Für uns hieß es das Schiff zurück in die Leros Marina zu bringen – unsere eigene „große Runde“ stand bevor. Wir wollten noch einmal durchatmen, noch einmal alles befüllen, ein paar kleine Handgriffe am Schiff machen und dann für zwei Monate ablegen.

Doch zuvor wieder den langen Schlag gegen Wind und Welle zurück nach Leros. Da zufällig unsere Freundin Susanne auf der Insel war haben wir nicht die Marina als Ziel gewählt, sondern die Bucht von Xirokampos wo Susanne verweilte. Das Grundeisen sollte vor ihrem Haus fallen…

Nach dem Ankommen gibt es einen Anlegeschluck – meist Gin Tonic – bevor wir baden gehen. Auch hierüber möchte ich als unabhängiger Berichterstatter ein Bild abgeben, ich wurde jedoch Opfer unfreiwilliger Zensur. Ich bekam, ohne weiter ins Detail gehen zu können, eine Anordnung von allerhöchster Stelle…

Es sind die Sonnenuntergänge, aber auch die Sonnenaufgänge, welche den Zauber einer Übernachtung vor Anker in einer Bucht ausmachen. Gestern noch hatten wir einen fabelhaften Fisch auf Susannes Terrasse genossen – Danke für die Einladung! Heute empfängt uns der Tag so…

…was gibt es Schöneres???

Nun, das könnte zum Beispiel sein, dass ein Freund an dich denkt. So geschehen in Leros, als wir zurück in der Marina waren. Einer der Marineros macht Armbänder aus Bändsel und ich habe die Bilder in Facebook geliked – worauf ich bei meiner Ankunft ein solches Unikat geschenkt bekam. Ich werde es mit Stolz tragen!

Des einen Freud´ des Anderen Leid`- Stefan und Tanja waren zurück in Leros! Ich habe mich gefreut die Beiden noch einmal wieder zu sehen. Der Grund für die Rückkehr war jedoch ein ärgerlicher – ein Ruderschaden bei Amorgos machte ein Abschleppen zurück in den Hafen notwendig, die Beiden stehen mit ihrer „Oreja Vela“ und Hündchen Tara jetzt auf dem Trockendock und sehen der Reparatur entgegen. Dabei tragen sie es mit einer Portion Galgenhumor – sie haben sich eine Eiswürfelmaschine gekauft, denn „…Eiswürfel sind ein Stück Lebensqualität“ – das muss ich mir merken…

Was hilft in dieser Gesamtsituation besser als ein gemeinsames Dinner???

Der Besuch bei „Dimitris o´Karaflas“ war besonders wie immer – wegen der Location, dem Essen, natürlich dem Wirt und wegen des blutroten Vollmondes einige Stunden später.

Der fünfte Mann! WER ist der fünfte Mann? Tanja und Stefan hatten uns viel von einem Deutschen erzählt der nach Rhodos ausgewandert ist und dort eine Imbissbude eröffnet hat. „POMMES – BERND“ – wir hatten verwegene Vorstellungen von diesem Mann! In der Realität haben wir einen super Typen kennen gelernt, einen Abend lang viel Spaß gehabt, ein bisschen zuviel getrunken… (what ever happened in Leros stays in Leros…)

Bernd, wir freuen uns darauf Dich im Herbst in Rhodos wieder zu sehen!

Der Tag des Abschieds, der Abreise, war gekommen. Wir wollten los, etwas erleben! Wir hatten den Wecker gestellt und wollten um 0700 los. Nichtsdestotrotz kamen sowohl Robi & Baba von der „Maxi“ als auch Stefan um sich zu verabschieden – das hat mich beeindruckt – so gingen die Leinen erst um 0730 über (fast ein bissl zu spät)…

Warum ist 0730 zu spät mag sich mancher Blogleser fragen. Nun, wir wollten segeln, wussten, es war wenig Wind und wir hatten uns mit Schinoussa, einer Insel in den kleinen Kykladen, ein entferntes Ziel ausgesucht. Es sollte sich auch „rächen“ (oder zumindest die Karten neu mischen).

Segel raus, Segel rein – Motor an, Motor aus – zäh wie Kaugummi zog sich die Reise. Erst bei Amorgos, es war schon später Nachmittag vergingen zwei herrliche Segelstunden und fanden Einzug ins Logbuch.

Wir näherten uns den kleinen Kykladen, nur noch schnell um diese Ecke, dann sind wir da. Wir haben schon besprochen was es zu essen geben wird.

Meistens kommt es anders als man denkt…

Wo wir uns vorher stundenlang zwischen motoren und segeln gequält haben, schafft es das Kap der kleinen Kykladeninsel Koufonisi, den kaum vorhandenen Wind so abzufälschen und zu beschleunigen, dass wir allerhand zu tun hatten mit den 26kn Böen zurecht zu kommen. NESSAJA galoppierte los und war kaum zu bremsen – und so schossen wir an unserem Ziel, an welches wir uns vorher so mühselig angenähert hatten, einfach vorbei.

Bis die Böen nachließen dämmerte es, zurückfahren wollte ich nicht, und so machten wir uns klar zur Nachtfahrt zum finalen Ziel Milos. Karten wurden studiert, Westen angelegt, Wachen besprochen und es gab noch eine kleine Mahlzeit. Dann hieß es – from dusk till dawn…

Sunset Richtung Ios
Sunrise zwischen Polyagos und Milos

Wir liefen in die Bucht von Milos ein, zum ersten Mal waren wir auf der westlichen Seite der Ägäis – und wir waren neugierig.

Wir sahen die alten, pittoresken Fischerdörfer, hier Klima…

…und kamen im Ankerfeld vor Adamas an – nach 25h Fahrt ließen wir erschöpft den Anker fallen. Sicher liegen, ausruhen, baden…

Am nächsten Tag schon stand der Plan – ein Leihwagen musste her, diesen durften wir 24h behalten und tuckerten tagsüber, wie auch abends über die Insel. Sehr kommod…

Die Insel ist sehr schön, hier einige Eindrücke die wir teilen wollen – von unserem Ausflug in die Oberstadt Plaka…

…und von unseren Besuch in den Katakomben in denen früher christliche Bestattungen stattfanden. Ein sehr beeindruckender Ort!

Milos ist berühmt für seine Kalksandsteinformationen. Auch hierhin haben wir Ausflüge unternommen und Buchten mit bizarren Felsbrücken und -türmen gesehen.

Getreue Leser wissen, dass ein Freund von mir mit der ELOWYN die Meere bereist. Die ELOWYN war auf dem Weg vom Peleponnes in die Zentralägäis, es war also durchaus ein Plan dahinter als ich meine Position an Volker & Kristina gesendet habe.

So war es auch kein wirklicher Zufall, dass einen Tag später ein bekanntes Schiff (siehe Bilder am linken Blogrand „Impressionen Brest – Lissabon“) in der Bucht auftauchte – großes Hallo und Wiedersehensfreude!

Klar, ab jetzt unternehmen wir gemeinsam – und weil wir ja noch ein Auto hatten ging es schon am ersten Abend ins „Medusa“ ein bekanntes Fischrestaurant. Obwohl nicht reserviert, mussten wir nur kurz warten. Diese Zeit verging aufgrund der Scenery wie im Flug…

Schon kurze Zeit später saßen wir an unserer Tafel und bestellten gemeinsam Vorspeisen und Seafood – ein herrliches Dinner, ein sehr guter Abend (der aber noch getoppt werden konnte)!

Wir liebten die Ankerbucht! Luftig, etwas schaukelig, kostenfrei – Volker hatte die ELOWYN inzwischen zum Versorgen an die Kaimauer gebracht. Ich sinniere so vor mich hin und genieße den Sonnenaufgang…

…währenddessen also, wird Sibylle wach und gibt Alarm. DER KÜHLSCHRANK IST AUS!!!

Ich schieße wie von der Tarantel gestochen nach oben und erkenne – einmal zu lange mit dem Generator gewartet, Batterie leer. Wir müssen an den Steg zum Laden. Anker auf!

Doch was tut sich? Nix! Irgendwie hängt die Ankerwinsch an einer Stromquelle wo ich es nicht erwartet hätte – muss ich checken! Aber nicht JETZT! Also, Generator an, bisschen warten, erneut probieren – langsam hebt sich die Kette und rattert gequält Meter für Meter in den Kasten. Frei, nix wie an den Steg, festgemacht und Ladekabel ran – Problem gelöst! Wasser können wir jetzt auch noch tanken (Diesel haben wir schon mit dem Schlauchboot und Kanistern geholt).

So kam es, dass NESSAJA und ELOWYN nebeneinander an einem Steg lagen – damals auf Milos…

Den Unterschied von 68ft auf 43ft kann man schon gut erkennen – von vorne gesehen aber wird es noch deutlicher…

Wenn man auf Schiffen unterwegs ist hat man immer das Wetter im Auge. Aufkommender Südwind drohte unseren Platz unsicher zu machen, wir wollten weiter – unser Ziel hieß grob Athen um am 10. Juli Stefan und Amelie abzuholen. Nach Nord zu reisen heißt, darauf zu achten, dass kein Meltemi bläst. Es war also klar, der Abschied naht…

Wir wussten auf Empfehlung ein Lokal welches Volker bereits kannte – im Ort Pollonia war das „Hanabi“, ein Lokal welches klassische und griechische Sushi-Spezialitäten feilbot. Nix wie auf nach Polonnia.

Weil wir etwas früh dran waren haben wir noch einer Winery am Weg einen Besuch abgestattet. Hier konnten wir probieren und…. kaufen!

Dort verbrachten wir ein Stündchen bis wir in das Lokal unserer Wahl ziehen konnten, wir hatten für 1900 reserviert.

Das „Hanabi“ liegt direkt an der Waterfront und wir waren mal wieder „just in time“ zum Sonnenuntergang, so wurde der Gratiscocktail (vom Autoverleiher spendiert) zum Sundowner.

Das „Hanabi“ hielt was es versprach – einladend, nettes Personal und sehr modern. Eine echte Vielfalt an Speisen.

So ging unser letzter Abend auf Milos perfekt zu Ende – abgsackt mit Volker und Kristina, gut gegessen (das „Hanabi“ kommt in mein Top 3 Ranking) in einer wunderbaren Umgebung!

Wir fallen todmüde ins Bett – wohlwissend, dass morgen früh der Wecker um 04.50 klingelt. Wir wollen Höhe machen und es passiert mir nicht noch einmal, dass ich zu spät losfahre.

Morgen – das ist dann der 01.07.2021 – das bedeutet Juli, das heißt ein neuer Monat. Wie es also weitergeht bzw. weiterging auf unserer Reise könnt Ihr im Folgebreicht des Monats Juli nachlesen.

Wir fahren in den Saronnischen Golf, freuen uns, dass Stefan und Amelie für zwei Wochen bei uns sind und entscheiden in welche Richtung es weitergeht und ob wir die Nördlichen Sporaden noch erreichen.

Während Ihr das lest sind wir schon in der Olympic Marina Lavrion angekommen um hier den Starkwind der nächsten Tage abzuwettern, zu tanken, Wäsche zu waschen, undsoweiter, undsoweiter…

Bleibt also dran, es lohnt sich – bis zum nächsten Mal. Bis dahin gibt es News immer mal wieder auf Facebook (unsere Accounts und unsere Seite „sailingmoments“)

Ganz herzliche Grüße von Bord der NESSAJA – die Crew

Mai 2021 – Unterwegs

So wie der Vogel auf’m Draht hast immer nur dei‘ Freiheit g’sucht
Bist aner, der’s net aufgeb’n hat, niemals vorbei immer nur mittendurch
Der Weg is wichtig, net das Ziel, all’s is richtig, nix is z’viel
Und du bist unterwegs…

Wer mich länger kennt oder den Blog schon etwas länger verfolgt weiß, dass ich den Songs von STS durchaus zugeneigt bin und hier besonders die Stücke vom Steinbäcker schätze und mag. So hat er bereits 1988 die obigen Zeilen zu Papier gebracht – ein Lied welches meinen Nerv bis heute trifft! Es passt gut als Mai Headline.

Der Mai ist aus unserer Sicht in zwei Hälften aufzuteilen – Mai v.Co. und Mai n.Co. – Ihr könnt es Euch denken, es hat mit der Covid-19 Situation in Griechenland zu tun.

Hier auf Leros, eine Insel unter 10.000 Einwohner, hatte man sehr früh reagiert und eine Impfcampagne gestartet. Auch Ausländer welche sich länger aufhalten, konnten geimpft werden, es wurde stets BionTech / Pfizer verimpft.

Mittels einer temporären AMKA Nummer, einer Sozialversicherungsnummer, konnte man sich erfassen lassen und wurde in das erstaunlich gut organisierte Impfprogramm aufgenommen.

Wir haben uns entschieden hier ein Statement zu setzen und den Weg unserer Gastgeber mitzugehen, nicht uneigennützig, das wollen wir offen kommunizieren, erwarten wir doch etwas mehr Bewegungsfreiheit und vereinfachte Prozesse beim Reisen.

Inzwischen sind wir beide vollumfänglich geimpft und haben eine Impfbescheinigung mit QR-Code welche einmal ein einen digitalen Impfpass integriert wird. Von unserem gelben Impfbuch wollte hier keiner was wissen. Wir hatten keinerlei Nebenwirkungen, haben aber an den Impftagen auch gehörig Ruhe gesucht…

Wie passt die Impfgeschichte hier rein?

Nun, einfach zu beantworten – sie hat unsere Pläne geändert. Zuerst hatten wir gedacht, dass wir alsbald möglich, die Leinen loswerfen und Richtung Nördliche Sporaden aufbrechen. Unsere Gäste sollten über Athen anreisen und uns auf den Etappen begleiten.

Dies hat nun nicht mehr geklappt, weil wir ja zu den Zweitimpfungen und zum Abholen der Bescheinigungen wieder auf Leros sein mussten. Also wurde kurzerhand umgeplant und für den ersten Besuch eine Runde durch den nördlichen Dodekanes angesetzt. Doch soweit war es noch lange nicht…

Wir schreiben den Monatsanfang – Mai 2021 – eine Freigabe für den Segelsport ist noch nicht in Sicht! Man munkelt bei „Radio Ponton“, dass ggf. am 15.05., mit der Öffnung der Grenzen Griechenlands für den Tourismus auch das Segeln wieder möglich sei, doch bestätigt ist das noch nicht.

Wir halten uns daher zurück, touren mit unserem treuen Minibus über die Insel und sehen nach ob einer unserer Lieblingsspots, das „View“ in der ersten Mühle, wieder öffnet. Leider sieht es düster aus, es macht eher den Anschein, als sei dieser Betrieb den Corona Nachwirkungen zum Opfer gefallen.

Anfang Mai war in Griechenland orthodoxes Osterfest. Wir waren sehr gespannt dies hier erleben zu dürfen, hatten aber wohl etwas Pech, da durch die Maßnahmen wegen Corona an sich alles verboten war, was dieses Fest hier ausmacht. Außer ein wenig Böllerei war auf den Straßen nicht viel davon zu merken. So hat Sibylle kurzerhand das Back-Gen in sich wiederentdeckt und eine DIY Abhilfe geschaffen – das Ergebnis konnte sich sehen lassen…

Es waren auch noch Projekte offen – ich wollte das „Geheimnis“ um eines dieser Großprojekte diesen Monat lüften – tataaaaa, so sei es!

DAVITS – Nessaja trägt nun stolz ihre neuen Davits!

Ich habe die Aludavits bereits vor zwei oder drei Jahren von einem Freund in Kroatien gekauft und immer durchgelagert, es war keine Gelegenheit diese nach Griechenland zu bringen. Diesmal durften sie mitreisen und ich habe mir vorgenommen das Projekt „Montage“ auch umzusetzen.

Das war zunächst nicht so einfach, brauchte ich doch Hilfe beim Bau der Basis aus Edelstahl. Da war es doch „ein Stück von Glück“, dass ein Norweger, der eigentlich Amerikaner ist, hier in der Marina verweilte, von Beruf Schweisser ist und ihm ein bisschen langweilig schien…

Es brauchte nicht viel ihn zu überreden mir die Dinger auf seiner Schweißanlage an Bord einer Bavaria 36 zusammenzubauen – die spinnen die Amis – im allerpositivsten Sinn!

Das alles klingt einfach – wer schonmal Edelstahl 1.4401 in 8mm mit der Flex geschnitten und mit dem Akkubohrer gebohrt hat, der weiß wovon ich rede. Das Lackieren und die Endmontage waren dann ein Kinderspiel – ok, mal abgesehen vom Gezeter der Hausherrin als ich ihr Schneidbrett aus Delrin als Isolator zwischen Edelstahl und Alu einsetzte, ein Kuss beruhigte sie rasch und sie half mir sogar beim Aufräumen der als Werkstatt zweckentfremdeten Pantry.

Die im Schweiße meines Angesichts gebauten Dinger reichen aus um ein Atom-U-Boot als Dinghy zu fahren – und sie bewährten sich vom ersten Moment an – ich liebe sie! (Ok, nicht so wie meine Frau 😉 )

Das hört sich stressig an? Keinesfalls! Wir haben den Luxus das zweitwertvollste Gut im Überfluss zu besitzen – ZEIT! So war zwischen den Projekten reichlich davon einzusetzen um beispielsweise in die Welt der Mittelalterromane einzutauchen…

…oder auch um die Online Kommunikation mit den Daheimgebliebenen zu pflegen. So erfuhren wir auch, dass in Deutschland der Winter noch einmal zurückgekehrt ist – im Mai! Ich wusste es schon immer, er ist ein Schuft!

Nachdem die Davits montiert waren, hatte ich noch Kleinprojekte auf der inzwischen erfreulich kurzen „To-Do Liste“ so war zum Beispiel eine 5V USB Buchse zu installieren…

…die Polsterbezüge im Cockpit auszubessern und teilweise die Klettverschlüsse zu erneuern – hier hat sich Sibylles Nähmaschine das erste mal bewähren dürfen.

Wir haben uns vom Schreiner Einlegeböden für die Schränke machen lassen, teuer zwar, aber eine hervorragende Arbeit. Er wird im Winter wohl auch das Interieur für den Einbau der Waschmaschine vorbereiten…

…und last not least haben wir uns ein Moskitonetz der „De Luxe Ausführung“ für den Niedergang machen lassen. Hier verrate ich mal den Preis ——– 35.-€ ——- sehr fair wie wir fanden!

Genug Geschichten um die Projekte des Monats Mai – Nessaja war segelklar, was war denn nun mit der Freigabe?

Das Gerücht, dass der 15.05. der Tag-X sein könnte verhärtete sich, erste Segler machten sich auf zur Port Police um die hiesige Taxe, das TEPAI zu bezahlen. Ich wollte noch warten, zumal wir kurz vor der Monatsmitte unseren Hochzeitstag zu feiern hatten – dieser hat uns zur Abwechslung einmal nicht zu Dimitris, sondern ins „El Grecco“ am Panteli Beach geführt. Wir hatten einen sehr netten Abend…

Während wir also der Dinge harrten – Auslaufen oder nicht Auslaufen? – das war hier die Frage welche in aller Munde war, konnten wir ein anderes Spektakel beobachten.

Es gab in der Nähe (Nisyros) ein leichtes Erdbeben und die Bewegung des Meeres konnten wir in der Marina sehen und spüren.

Das Meer hob sich zu einem vorher nicht so häufig gesehenen Maximalpegel, um dann innerhalb von 5 Minuten um 50-60cm abzusinken – dies wiederholte sich mehrfach.

Das war zu keinem Zeitpunkt gefährlich, seltsam war es allemal…

Der 15.05. – eine Art „Independence Day“ für Griechenlandsegler 2021! Es wurde sehr kurzfristig beschlossen, dass Fahrtensegeln und die damit einhergehende freie Bewegung ab Mitte Mai erlaubt ist – also nix wie hin zur Port Police, TEPAI bezahlt und Schiff klar machen!

Sigasiga, würde der Grieche nun sagen – langsam mein Freund, Abschied von einer netten Wintercommunity tut not und so haben wir uns alle nochmals bei Dimitris getroffen um „lebewohl“ oder „auf Wiedersehen“ zu sagen…

Sibylles Geburtstag rückte näher, sie wollte in Lipsi bei Manolis feiern – der Capetanias Befehl ist des Skippers Wunsch oder so ähnlich und so habe ich einen Tisch in dem uns wohlbekannten Lokal reserviert – unser Aufbruch stand bevor, Day of Departure, 2021, May 19th!

Bevor ich es vergesse aber noch zwei dicke „Dankeschön“!

Eines an die Crew der „ALADIN“ für die Einladung in das „Mylos“ – ich hatte im Winter einen Kurzeinsatz für das Schiff – wir haben den Abend sehr genossen!

Das zweite an Susanne für ein „Fläschchen“ Tsipouro – leider konnte ich unsere Idee nicht komplett umsetzen, aber ich denke der Schnaps hält bis wir uns hier wiedersehen…

Es war soweit – „Leinen los“ auf der NESSAJA, wir schreiben den 19.05.2021, wir legen ab zum ersten Törn unseres „Lebens 2.0“ – es fühlte sich ein wenig surreal an.

Das Meer hatte uns die wieder, wir genossen das sanfte Schaukeln und die Weite nach den Monaten in der Marina. Wir verließen die geschützte Lakki Bucht und setzten Kurs auf Lipsi, hier wollten wir in der Südbucht ankern, Freiheit spüren…

Wir verbrachten den Nachmittag mit Baden, Schnorcheln und Relaxen – wunderbar! Später dann machten wir uns auf den Weg in die „Stadt“ welche uns immer wieder begeistert. Alles ist aufgeräumt, einladend und irgendwie hübsch.

Wir haben Susanne, Markus und Lilli von der „Darksyde“ wiedergetroffen und haben ein kühles Bier zusammen genossen – herrlich – aber dann rief schon unsere Tischreservierung, galt es doch den Ehrentag der Capetania gebührlich zu feiern.

Wir wurden herzlich bei „Manolis Tastes“ empfangen und durften in der Küche wieder allerlei Köstlichkeiten probieren. Das Geburtstagsdinner wurde so zum außerordentlichen Genuss – hier wollen wir mit unserem Besuch noch einmal essen!

Die Portionen waren riesig und mein „Orso Bucco“ war kaum zu schaffen.

Ich war so voll, dass ich die gnädig angebotene Taxifahrt zu unserer Ankerbucht bereitwillig gegen den halbstündigen Fußmarsch getauscht habe. Zufrieden haben wir übergesetzt und sind ins Bett gefallen – ich habe mich sehr auf eine ruhige Nacht vor Anker gefreut…

…nix da! Depp! Anfängerfehler! An Schlaf war kaum zu denken, es war eine sehr unruhige Nacht. Ich habe den Fehler gemacht trotz des vorhergesagten Südwindes („…sind doch nur 10 Knoten…“) in eine Südbucht zu gehen. Nun, 10-15kn Wind reichen aus um eine kabbelige Welle in die Bucht stehen zu lassen, die unser Schiff, dem Klangkörper eines Kontrabasses gleich, in eine horrende Geräuschkulisse verwandeln kann. Nun, zumindest sicher sind wir gelegen, auf unser Ankergeschirr war Verlass!

Neuer Tag, neues Glück! Wir haben Kurs auf Samos / Pythagorion gesetzt, wo wir am 23.05. Kate & Lisa als unsere ersten Gäste 2021 empfangen wollten. Es waren ab dem nächsten Tag starke Nordwinde angesagt, so dass wir zeitig am nördlichsten Punkt unseres geplanten Gästetörns ankommen wollten.

Nach einer ereignislosen Motorfahrt erreichten wir am frühen Nachmittag Pythagorion und fuhren kurz durch das Hafenbecken. Was wir sahen war enttäuschend – trotz der Werbekampagne für Griechenland als sicheres Urlaubsziel war nichts los! Die Murings waren noch nicht aktiv, die halbe Waterfront wegen des Erdbebens vom Oktober 2020 noch eine Baustelle. Auf der anderen Hälfte waren nur ein paar Cafes offen – es wirkte ungastlich.

So haben wir kurzerhand entschieden in die Samos Marina zu verholen, den Starkwind dort sicher auszusitzen und unsere Gäste hier willkommen zu heißen. Die Vorteile lagen auf der Hand – Strom, Wasser und sanitäre Anlagen erleichtern das Leben und die Bordkasse konnte den relativ günstigen Tagespreis stemmen.

Wir haben uns sofort ein Auto gemietet um die nächsten zwei Tage selber mobil zu sein – und natürlich um unsere Freunde nach der Ankunft stilgerecht in der Limousine abholen zu können…

Der nächste Tag begann perfekt! Sibylle hat ein 1a Frühstück hergerichtet und war sehr nett, fast schon fürsorglich, zu mir – was war geschehen??? Achso, ja – ich hatte Geburtstag…

Das Gesicht der Capetania täuscht, wir starteten mit sehr guter Laune unseren Ausflug nach Kokkari. Auch dort waren die Folgen des Erbebens noch deutlich zu sehen, aber nur einen Schritt weiter warteten die Gastgeber dringend auf die nötigen Kunden um sich diese Saison zu sichern. Wir waren gerne Gäste und haben den Ausflug sehr genossen.

Mehr wollten wir an diesem Tag nicht unternehmen, stand uns doch das klassische „touristische Programm“ noch mit unseren Gästen bevor. So sind wir am frühen Nachmittag wieder zurück auf´s Boot gefahren und haben in der Marina noch ein paar Meze genossen.

Geburtstagswünsche gab es sowohl für mich als auch für Sibylle zuhauf, Geschenke auch – so hat uns ein ganz nettes Foto von Enkelchen Otto erreicht (da hat die Mama wohl mitgeholfen) und Franzi hat einen Blumengruß organisiert an dem auch ich noch meine Freude hatte.

Das Wetter war besonders – es wehte heftiger Wind, wir hatten also richtig entschieden. Es war warm, abends jedoch recht frisch. An sich war das Wetter gut, dazwischen jedoch zogen bedrohliche Wolken auf, welche für eine phantastische Stimmung sorgten.

Am Abend haben wir uns nach dem Dinner in Pythagorion, der Stadt des Pythagoras (a2 + b2 = c2 / Danke Herr Franta – bis heute nicht vergessen), einen Absacker gegönnt und sind danach müde zurück in die Marina getorkelt…

Der 23.05.2021 war angebrochen – unsere Gäste sollten am späten Nachmittag landen. Genug Zeit also um auch diesen Tag zu genießen. Wenn da nicht Sibylles deutlicher Ruf nach einer vollumfänglichen Bootsreinigung im Weg stünde!

Nun, so sei es – der Kahn wurde für den Besuch auf Vordermann gebracht und kurz nachdem Wurzelbürste und Meister Propper wieder in der Backskiste verstaut waren, stand der Skipper (ich) schon vor der Eisdiele, deren Motto ich mir auf die Fahne schreiben werde…

…war nicht so schwer zu erfüllen – alleine die Vielfalt der dargebotenen Schleckerei ließ mein Herz lachen!

So, jetzt wird´s aber Zeit – der Besuch kommt an und wir müssen die Limousine vorfahren. Der Jet landete pünktlich und die bepackten Gäste (nicht zuletzt wegen unserer Transportaufträge) waren schon Minuten später im gelobten Land (ja, Urlaub 2021 ist etwas besonderes!).

Ihr seht schon, die Gitarre durfte wieder mit! Das ließ annehmen, dass wir wieder besondere Momente erleben dürfen – doch dazu später mehr…

Der Tag selber endete mit dem Einchecken auf NESSAJA und einem Bummel nach Pythagorion und einem netten Abendessen.

Samos! Touristischer Spot, eine Insel die nicht nur nach einer leckeren Grillplatte beim heimischen Griechen klingt, sondern auch Lust auf mehr macht – so starteten wir, mit vielen bunten Einmerkern im Reiseführer, los zu unserer Inseltour – wohl wissend, dass nicht alle touristischen Ziele schon wirklich auf Besuch vorbereitet sind.

Wir waren zum Frühstücken in Kokkari und sind anschließend weiter nach Manolates, dem umtriebigen Bergdorf. Dieses war aber noch im Winterschlaf und wir die einzigen Touristen dort – egal…

Unsere Route führte uns weiter zu den Wasserfällen mit den herrlichen Gumpen. Dafür muss man eine kleine, 30 minütige Wanderung durch einen verwunschenen Wald in kauf nehmen. Dieser führt über etliche Brücken und tollen Baumformationen zum Talschluss in dem die Wasserfälle in den Bach münden.

Ich persönlich verkneife mir das Bad in den Gumpen nicht – obwohl, es war schon zapfig kalt. So hat die Mehrheit unserer illusteren Gruppe beschlossen, dass es mehr Spaß bringt, mir beim Eisbad zuzusehen…

Sibylle ist die selbstdefinierte Sportskanone im Team – so war klar, dass sie als Vorhut die windschiefe Treppe zur Taverne erklimmen musste, um nachzusehen ob sich der Nerven- und Kalorien zehrende Anstieg für den Rest der Truppe lohnen würde. Grünes Licht, offen, wir können los…

Klar, dass so eine kräftezehrende Leistung auch eine Art „Carboloading“ zur Folge hat. Der Wirt brachte also eine kleine Auswahl aus seiner Küche und wir stärkten uns für den Abstieg. Den Broiler hat Mikey letztes Jahr schon gegessen – absolute Empfehlung!!!

Hier oben haben wir uns alte Geschichten erzählt – unter anderem auch die, dass wir mit Doris und Sepp schon auf Samos waren. Bei der Erklärung wer denn Sepp sei, haben wir die Wortkreation „tschengpeng“ in den Raum gestellt. (Sepp, Du hast nix dagegen, dass wir uns DEIN Wort während dieses Urlaubes angeeignet haben 😉 )

Gesagt, getan – wir mussten wieder runter, mit zwei Schnaps geht das aber – tschengpeng – wie von selber…

Der Tag sollte seinen Abschluss mit einem Bad im Meer finden – das Wasser war auch hier noch kühl, aber nach einem kurzen Moment des Atemstillstandes ging es recht gut.

Wir fuhren zurück nach Pythagorion, gaben den Wagen zurück und machten uns in der Marina frisch. Danach war die obligatorische Fischmahlzeit fällig – das gehört zumindest in der Touristenversion unseres Bordlebens einmal auf den Speiseplan.

Auf zu neuen Zielen. Samos hat als Ankunftshafen seine Schuldigkeit getan und wir beschließen Richtung Arki abzulegen. Der Wind verspricht ein optimaler zu sein und so legen wir ganz bewusst die kleine Schwester der ohnehin schon kleinen Insel Arki, Marathi, als Reiseziel des heutigen Tages fest.

Lasst Euch nicht von den Bildern täuschen, wir konnten gleich nach der Marinaausfahrt die Segel setzen und hatten bis auf einen Moment im Windschatten der Berge von Samos immer einen kräftigen 5er stehen. Deshalb haben wir uns für den ersten Segeltag für die Genua entschieden, welche sogar minimal gerefft war – so konnten wir 6kn loggen und direkt auf unser Ziel anlegen.

Nach etwas über 4h bogen wir um das Kap bei Arki und mussten aufgrund der Windrichtung unter Motor bis in die Bucht von Marathi fahren.

Es waren noch keine Bojen gesetzt und alle Tavernen hatten zu, so gab es zum Dinner kurzerhand Spaghetti und einen Salat – ich bin mir bis heute nicht sicher, ob dieses Abendessen das bisher beste war seit unser Besuch angekommen war! Ein Lob an die Kombüse!!!

Überhaupt, es war eine ganz besondere Stimmung! Kaum Schiffe unterwegs, nix los in der Bucht und der Abend mündete in eine Nacht in der fast Vollmond war – Momente die schwer zu kaufen sind…

Wir waren glücklich, unser neues Leben fühlte sich perfekt an – alles richtig gemacht!

Unser nächstes Tagesziel war, glaubt es oder nicht, gerade einmal 10 Fahrminuten entfernt.

Wir hatten zwischenzeitlich so viel von der Kaimauer von Arki / Porta Augusta erzählt, dass in uns Vieren der Wunsch aufkeimte auch dort eine Nacht zu verbringen und uns dieses Kleinod anzusehen.

Im Vorjahr hatten wir mit Franzi und Mikey Pech, der Anleger war voll – diesmal waren wir jedoch guter Hoffnung einen Platz zu finden – also Leinen los und einmal nach Arki, bitte!

2!! In Worten ZWEI!! Das ist zwar mehr als eins aber doch weniger als drei – zwei Boote am Kai von Arki. Nie vorher erlebt!

Wundert Euch nicht warum ich mich dann neben dem einzigen anderen Boot gelegt habe! Vorher war noch ein Weiteres am Kai und weiter nach steuerbord wollte ich nicht. Das war aber ok, weil der Franzose frühmorgens los musste und wir am Morgen des nächsten Tages ALLEINE in Arki waren.

Arki hat drei Strassen, wirklich! Man braucht kein Auto, man kann allenfalls einen Schubkarren als taugliches „Fahrzeug“ bewerten – und dann das!

Ein Bulli aus Wien – ich hatte noch nichts getrunken und so verbuchte ich das Bild unter „skurrile Momente“!

Der Tag verging ruhig und am Abend ließen wir es bei Nikolas in seiner Taverne ausklingen. Der Wirt hatte Zeit und wir einen launigen, aufschlussreichen und wertigen Abend.

Am nächsten Morgen hatten wir uns vorgenommen Patmos anzulaufen. Irgendwie hatten wir keine Lust auf den lauten Stadtkai von Scala und wir legten die Bucht Grikos als Ziel fest. Dort wollten wir an einer Boje unter der Taverne Flisvos festmachen welche wir uns für das Abendessen ausgesucht hatten.

Die Überfahrt begann unter Segeln, der Wind nahm aber stetig ab, so dass wir ab der Hälfte der Strecke motoren mussten. Kate nahm sich abermals die Gitarre zur Brust und spielte für uns vom Gassenhauer (Griechischer Wein) bis hin zu den üblichen Verdächtigen (Sailing, Streets of London) ein herrliches Repertoire ab. Hier muss ich erwähnen, dass das unvermeidliche „Irgendwann bleib´I dann dort“ noch nie so süß für mich geklungen hat!

Die Entscheidung nicht nach Scala einzulaufen war richtig! Der Hafen wurde umgebaut und war eine riesige Baustelle. Das zeigte sich auch im benachbarten Bojenfeld, welches am Abend auch reichlich voll war – kassiert hat aber noch niemand.

Wir hatten Glück, erreichten die von uns präferierte Boje und schon wenige Minuten nachdem die Muringleine gelegt war stand der „Gin-Tonic“ als Anlegeschluck bereit.

Wir gingen an Land, mieteten uns ein Auto und konnten uns kaum sattsehen an dem Blick über die Bucht in der unser Schiff friedlich vor sich hinschaukelte.

Für mich beginnt ein perfekter Morgen früh – mit einem Bad im Meer zum Abfrischen und Wachwerden und einer Tasse Kaffee kurz nachdem die Sonne über die Hügel kommt und den Tag erwärmt – that´s Life!

Es folgte das übliche touristische Programm…

…bestehend aus einem Besuch der „Höhle der Apokalypse“, einen Gang durch die Chora, gepaart mit einem Kaffee in einem der Cafes welche eine herrliche Aussicht bieten – abgerundet mit einem Besuch der Windmühlen und einer abschließenden Fahrt zum Lampi Beach welcher im Reiseführer auch „Pebbles Beach“ genannt wird, weil er durch seine leuchtenden Kiesel betört.

Ein weiteres Mal gingen wir in einer der Tavernen in der Grikos Bucht zum Essen und unterhielten uns darüber wie wir die Reise fortführen wollen.

Ich musste zur Zweitimpfung am 01.06. in Leros sein. Leros würde also definitiv ein Reiseziel werden. Sibylle hingegen musste am 05.06. zur Zweitimpfung, das war einen Tag nach dem Rückreisedatum unseres Besuches.

Leider zeigte sich für genau die Periode 04.06. bis 06.06. einschließlich, ein Starkwindfeld über dem nördlichen Dodekanes. Winde bis Bft.6 sind zwar gut segelbar um die Gäste zum Rückflughafen Kos zu bringen – sind aber umgekehrt zu kräftig um dann innert eines Tages gegenan zurück nach Leros zu tuckern.

Was tun sprach Zeus??? Die Antwort gab der Skipper!

Wir schrieben Lipsi, Archangelos und Leros ins Törnbuch und entschieden, dass die Reise in Leros enden sollte. Kate und Lisa würden mit der Fähre nach Kos übersetzen.

Klingt nach einem Plan – also „Leinen los“ in Patmos, neuer Kurs Lipsi liegt an…

Diesmal entschieden wir am Stadtkai festzumachen, bezahlten 5.-€ für´s Helfen beim Anlegen, 5.-€ für Strom und 14,38€ für´s Liegen an sich – ich erinnere mich, dass dies schon günstiger war, nun denn…

Über Lipsi habe ich ja schon genug Worte verloren – klar genossen wir als Vierercrew ebenfalls die kleine, feine Insel.

Wir gingen zum feinsandigen Strand zum Baden und genossen all die kleinen Details, die diese Insel, die Griechenland, so ausmachen…

Am Abend gingen wir zum Dinner ins „Manolis Tastes“ und wir hatten Glück – der Chef hatte Geburtstag und es spielte Live-Musik. Herrlich, so darf es weitergehen!

Nach Patmos als touristischem Ziel und dem Stadtkai von Lipsi, hatten wir noch einmal richtig Lust auf Boje, Baden und Freiheit – so haben Sibylle und ich die Bucht von Archangelos, unterhalb der Taverne „Stigma“, als Ziel ausgemacht.

Doch was ist das??? REGEN! Nie gesehen in Griechenland um diese Zeit. Na egal, wir bleiben dem Plan treu und legen ab. Kurz nachdem wir die Bucht von Lipsi verlassen haben, kommt ein Charterschiff auf und überholt uns. In der Folge macht das moderne Schiff, mit dem Skipper der gerade noch Liegestütze auf seiner Badeplattform gemacht hat, Faden um Faden (für Nichtsegler – kurze Distanz) gut.

Deutlich vor uns erreicht der Kontrahent um den besten Platz in der Bucht das Ziel und…. beginnt ein Ankermanöver! Offensichtlich ist er das erste Mal hier und weiß nicht, dass die unscheinbaren Kanister perfekte Muringleinen unter der Wasserlinie halten – 1:0 für uns!

Wir fahren langsam an dem ankernden Adonis vorbei und schnappen uns – tschengpeng – die beste Boje am Platze. Mit offenem Mund und rasselnder Kette schaut uns der Zweitplatzierte beim Einschenken des Anlegeschluckes zu…

Verschmitzte Freude meinerseits? Nein, das würde ich leugnen 😉

Wir lagen perfekt, das Wetter war uns egal, es war ideal zum Lesen, Dösen und Relaxen.

Abends gab es ein typisch griechisches Tavernenessen im „Stigma“ und ich habe mich gefreut, Dimitra, die Tochter des Wirtes, wieder zu treffen.

Neuer Tag, neues Glück – wie war das gleich mit dem Wetter???

Der Wettergott hatte ein Einsehen und bescherte uns einen sonnigen Tag. Wir konnten ausgiebig schwimmen und das Buchtleben noch einmal vollumfänglich genießen. Aus diesem Grund auch sind wir relativ spät Richtung Leros aufgebrochen.

Die Fahrt nach Leros sollten die letzten Meilen für unseren Besuch werden, am Ende werden wir exakt 100nm geloggt haben. Fehlt noch etwas? Ja, ein Highlight wurde uns verwehrt – Delfine! Obwohl Sibylle stets ordentlich Wahrschau gehalten hat…

„Lakki Bay in Sicht“, nur noch wenige Augenblicke und wir werden in unsere finale Bucht Kurs setzen. In dieser Sekunde ertönt Sibylles Ruf wie ein Donnerhall – „DELFINE querab“! Wo? Die Fotoapparate werden gezückt…

Familie Flipper kam uns sehr nahe, tauchte einmal unter dem Bug durch, zeigte den hellen Bauch, um dann, wie ignorant, rasch wieder abzuhauen. Ok, wir akzeptieren das so, der Besuch war entzückt, wir konnten Wort halten!

LEROS, fast Heimat! Was sollen wir dazu sagen, vor Allem, wie können wir mit Leros gegen die Konkurenz der letzten Tage anstinken? Wir haben (fast) alle Register gezogen!

Kate wollte einmal griechisch Giros essen – so bekam sie das beste Giros der Insel (sogar die No.1 meiner ewigen Giros-Bestenliste) – Kroupia, da wird sogar das Kätzchen neidisch…

Dazu vielleicht der passende Sonnenuntergang? Gerne, fangen wir doch mal so an…

Wenn die Zeit knapp ist, funktionieren die Sehenswürdigkeiten von Leros auch bei Nacht – wie zum Beispiel der Blick auf die berühmten Mühlen und das Kastell…

…oder auch der nächtliche Blick von der kleinen Kapelle unterhalb des wunderschön illuminierten Kastells auf das nächtliche Agia Marina!

Am nächsten Tag nahmen wir uns die „musts“ vor welche am Tage erlebt werden sollten – so zum Beispiel der Besuch der Inselkapelle…

…oder des hiesigen Klosters, welches aber leider geschlossen war und somit nur von außen besichtigt werden konnte.

Zwischenzeitlich tat Stärkung not, zum Glück war es gerade Kaffeezeit und ein Galaktoboureko in unserem Lieblingscafe drängte sich förmlich auf.

Eine nüchterne Analyse und der Abgleich von Kalorienzufuhr und -abgang zeigte Erschreckendes auf – sogleich wurden Gegenmaßnahmen eingeleitet und versucht, die Sünden mittels Streckenschwimmen wieder abzubüßen.

Geschafft! Doch der Erfolg war nicht von langer Dauer, denn am letzten Abend war der Ruf der Lieblingstaverne unüberhörbar – der Glatzkopf (o´Karaflas) rief zum Dinner – wir konnten nicht nein sagen!

Auch hier gab es noch einmal einen Sonnenuntergang für´s Album – zunächst in schönen Farben (alle Fotos mit Mobiltelefon ohne Filter)…

…später dann noch mit einer Prise mehr Theatralik!

Zufrieden torkelten wir nach Hause und der Besuch schlief eine letzte Nacht auf NESSAJA, welche friedlich in der Marina festgemacht war – so liegt sie übrigens immer noch, aber nicht mehr lange!

Ende! Abreisetag! Urlaubsfinale!

Was für mich früher ein Grund war in großes Gejammer auszubrechen, wurde von Kate und Lisa mit entspannter Freude auf zuhause weggelächelt. Aber da war noch was – wir schreiben das Jahr 2021, Reisen an sich ist alles andere als einfach! Die Einreiseerklärung für Deutschland ist gemacht, alle Unterlagen sind beisammen – aber das aktuelle Testergebnis fehlt noch. Also auf zum Selbsttest…

Der Baukasten wird geöffnet und ein kleines Chemielabor kann aufgebaut werden. Mittels eines 15cm langen Stäbchens soll man sich kurz vor das Gehirn fahren und dort Sekret abstreichen…

Na toll, Kate scheint sich auf den Test zu freuen während ich die Schmerzen meines Impfarmes auf einmal nicht mehr so stark empfinde…

Ok, nix wie rein damit und die Auswertung kann beginnen – ich erinnere mich an ähnliche Test mit ähnlicher Spannung beim Warten – obwohl diese schon Jahrzehnte zurück liegen. Der Balken klettert…

…um sich dann, so wurde mir erklärt, in der erwarteten Position einzupendeln – NEGATIV! Damals wie heute eine erleichternde Nachricht!

Nach dieser Hürde, welche es zwingend zu nehmen galt, stand der Fährpassage nach Kos nichts mehr im Weg und wir haben unsere Gäste zum Fähranleger gebracht und gebührend verabschiedet.

Der erste Törn liegt im Kielwasser, wir waren eine gute Crew und haben unsere Tage zusammen gegenseitig bereichert – es war schön mit Euch, wir freuen uns auf eine vierte Wiederholung!

Wir? Wir haben unsere Zweitimpfungen hinter uns, warten noch auf unsere europäischen Impfzertifikate und treffen regelmäßig Freunde welche inzwischen hier eingetroffen sind.

Wir genießen die Tage, bereiten NESSAJA auf den nächsten Törn vor und haben ein paar kleine Reparaturen zu erledigen.

Am 11. oder 12.06. geht es ab nach Kos, wo wir am 13.06. unseren nächsten Besuch für eine Woche erwarten und dann den zweiten Törn starten werden.

Doch dazu mehr im Blogbericht des kommenden Monats!

Bleibt dran – News wie immer in Facebook, Instagram oder eben hier – auf unserem „sailingmoments“ Blog!

Liebe Grüße von Bord der NESSAJA

Mario & Sibylle

April 2021 – Easy Day

It’s like dancing in the sun
Having trouble, having fun
Having anything you wish to come
Then it suddenly smiles your way
And you have an easy day

Lang ist es her, dass mich die Bananafishbones mit dem Lied begeistern konnten – das gilt auch heute noch – und wenn man den Rest des Textes mal weglässt, dann passt der Refrain sehr gut auf den vergangenen Monat, den April 2021!

Wir fingen an uns einzuleben, das durchwachsene Wetter der ersten Wochen wich mehr und mehr einer gewissen Schönwetterbeständigkeit (obwohl Wind und zeitweise Wolken auch dem typischen Aprilwetter alle Ehre machten) und immer häufiger festigte sich der Gedanke, dass es nicht nur Urlaub ist was wir hier machen.

Es waren Büroarbeiten zu erledigen, ehrlich gesagt war es das was ich zumindest für eine gewisse Zeit hinter mir lassen wollte – dies war aber nicht möglich, weil es nötig war Prozesse einzuleiten um meine Fehlfunktion der Stimme als Folge meines Berufes feststellen zu lassen und zudem zu entscheiden wie es weitergeht wenn unser heutiges Lebensmodell endet.

Das klingt zunächst verrückt, über ein Ende nachzudenken bevor etwas richtig begonnen hat, aber Weichen müssen eben zeitig gestellt werden. Diese Gedanken und die Kontaktaufnahme zu den verantwortlichen Stellen haben mich ein paar Tage beschäftigt – having trouble, having fun – das war definitiv der Teil TROUBLE…

FUN folgte stande pede!

Das Wetter war beständig gut, die Projekte am Schiff gingen mehr oder minder gut von der Hand, so dass wir im Plan waren. Die Ausgangssperren und -regeln zur „freien Bewegung“ wurden alle paar Tage gelockert, so stand der ein oder anderen Wanderung über die Insel nichts im Wege. Sibylle forderte dies doch deutlich ein, so folgte ich dem Ruf der Holden und schnürte meine Wanderstiefel.

Die im Frühling erwachende Insel zeigte sich von Ihrer besten Seite…

Unsere Wege führten uns über Hügel welche noch grün bewachsen waren, auch durch Wälder und von einer Seite der Insel zur anderen. Es duftete herrlich nach Kräutern und Gewürzen, so wie man sich mediterrane Düfte eben vorstellt.

Auf dem Weg in diese Gegenden mussten wir am Meer entlang und Griechenland zeigte sich von seiner besten Seite…

Unsere Wanderungen waren meist so um die 10km lang und haben uns, Pausen eingerechnet, so um die 3h beschäftigt, bewegt und abgelenkt. Klar, dass Aktivität belohnt werden muss – das Schlotzeis nach der Rückkehr in Lakki war somit obligatorisch.

…and you have an Easy Day – ja, so war das oft! Aber nicht immer. Das Boot brauchte unsere Zuwendung und eine häufig gestellte Frage, auch aus dem Freundes- und Bekanntenkreis lautete „…wie geht es eigentlich mit Eurem Auto weiter?“

Nun, wir bekamen eine Anfrage des hiesigen Schreiners ob wir es denn verkaufen wollen. Der Preis war dem Mann letztlich zu hoch, aber wir folgten der Idee und fassten den Plan unseren flotten Italiener in Griechenland an eine Person zu verkaufen welche ebenfalls nach einem Transporter sucht – so abwegig ist das nicht. Ich habe Ihn also in alle mir bekannten Leros-Facebookgruppen gestellt und ihm zudem mit einem „For Sale“ Schildchen ausgestattet.

Da steht er nun, der treue Scudo, und wartet auf seinen nächsten Besitzer. Das Vorhaben gestaltet sich aber dennoch schwierig, denn auf alte Autos werden in Griechenland recht hohe Einfuhrzölle berechnet. Ob es mit dem Verkauf klappt scheint somit mehr als fraglich – wie auch immer, es ist Gesetz, dass er nach 6 Monaten ausreisen muss (Danke EU).

Können wir ihn also nicht verkaufen, bringen wir ihn Anfang September nach Deutschland um ihn dort zu veräußern und auf unseren treuen Volkswagen zu wechseln. Smaller is smarter – das gilt auf Inseln wie Leros im Speziellen, sind die Gassen hier doch recht eng.

Unser soziales Umfeld erweitert sich, wir finden Anschluss und Freunde. Die Besucher in der Marina werden mehr und man findet sich. So haben wir uns recht gut mit Agnes und Dieter angefreundet und man trifft sich auf den ein oder anderen Ouzo bei uns oder bei ihnen an Bord.

Darüber hinaus sind es die modernen Medien die uns helfen mit zuhause und den daheimgebliebenen Freunden und natürlich der Familie Kontakt zu halten. Für dieses Thema ist Sibylle die Fachfrau und Datenmanagerin an Bord. Sei es bei ZOOM Meetings mit Freunden…

…oder den regelmäßigen Skype oder WhatsApp Calls mit den Kindern oder anderen Familienmitgliedern.

Inzwischen sind ja alle Geschäfte wieder offen, so dass wir jeden Tag in die Stadt laufen um einzukaufen. Das ist für uns Teilnahme am „Social Life“, Bewegung und letztlich Nahrungsbeschaffung.

Es macht uns Spaß mehr und mehr frisch kochen zu können und Sibylle stellt auch hier auf mediterran um. Die Preise sind mit zuhause nicht zu vergleichen, Gemüse und Fisch sind günstig, so dass wir den ersten Monat voll im Budget abschließen konnten.

Wie ich schon geschrieben hatte – der April zeigte sich von seiner sprichwörtlichen Seite, er wusste nicht so recht was er will – wettertechnisch betrachtet, meine ich…

Die Tendenz zum Sommer ist erkennbar, wir brauchen auch keine Heizung mehr, trotzdem war es phasenweise ordentlich windig und auch mal grau und durchwachsen. Aber auch dieses Wetter sorgte für besondere Stimmungen.

„Having anything you wish to come, then it suddenly smiles your way…“

Es ist einfach schön hier zu sein, es tut dem Körper und der Seele gut!

Andererseits – die Temperaturen lassen inzwischen mehr zu. Den Pullover braucht man nur noch abends und mittlerweile lädt das Meer auch zum Bade. Die Wassertemperaturen liegen bei recht frischen 17-18°C, die Luft zwingt einen an manchen Tagen aber förmlich ins kühle Nass!

Kommen wir langsam zu den Höhepunkten des Monats April -trommeltrommeltrommel…

TATA – hier ist die neue Sibylle!!!

Nach gaaaaaaaaanz langem Zögern hat sie sich endlich entschlossen dem Braun und Blond ein Adieu entgegen zu schmettern und hat sich vertrauensvoll in die Hand einer griechischen Künstlerin an der Haarschneideschere begeben.

Das ist das Ergebnis! Ich finde es trotz dem altersgerechten Grau (meliert! nur meliert!) frecher und natürlicher – und die Färberei hat endlich ein Ende! Während ich diese Zeilen tippe regt sich in mir die Furcht etwas geheimes ausgeplaudert zu haben. Nun denn, wenn Ihr in den nächsten Tagen kein Lebenszeichen von mir bekommt – sucht mich mit Betonschuhen an den Füßen im Hafenbecken…

Das nächste Highlight war das orthodoxe Osterfest welches wir hier miterleben durften und welches drei Tage lang mit Böllern und Feuerwerk gefeiert wurde. Es hat uns selbstverständlich ein zweites Mal in eine österliche Stimmung versetzt.

Dem Schiffslaien mag sich der Eindruck aufdrängen, dass NESSAJA diesen Monat keine oder nur wenig Aufmerksamkeit brauchte. Weit gefehlt!!! Ein Schiff braucht IMMER Zuwendung!

Der lang ersehnte Tank kam endlich auf dem Postweg an, hier gebührt der Dank meinem Junior der die 200 Liter Gummiblase im Fachgeschäft bei München kaufte, verpackte und nach Hellas schickte. Das Packerl fand nach rund 10 Tagen seinen neuen Besitzer – MICH!

Umgehend wurde das Objekt der Begierde eingebaut, befüllt und getestet – funktioniert! Wieder ein Punkt der an unserer imaginären Pinwand von der „ToDo“ Seite auf die „Done“ Seite wandert.

Zudem konnte ich die Reparatur der Haupt-Bilgenpumpe (Impeller wechseln) und der Ansaugvorrichtung (Sieb und Rückschlagventil erneuern) auf die andere Seite der zu erledigenden Aufgaben bringen.

Ich habe weitere zwei (von 6) der schwer zugänglichen Tankbelüftungen erneuert und zudem die Gangway ersetzt (Gewährleistungsgeschichte).

Ich komme insgesamt also gut voran…

Zwischendrin gab es bei den Reparaturen Begegnungen mit „dem Früher“, meiner beruflichen Vergangenheit, welche inzwischen in einer nebulösen Erinnerung verdriftet. Ok, vielleicht zuviel Prosa, aber doch immer ein kurzes Lächeln wert – fast 20 Jahre und Elring begegnet mir auch hier ab und an.

Das bedeutet, aus heutiger Sicht, dass Nessaja soweit gut in Schuss ist. Inzwischen sind die Segel angeschlagen, das Dinghy aufgeblasen und wir sind eigentlich „ready to go“. Eigentlich?

Ja, ich habe noch zwei Großbaustellen von denen eine zu 50% abgeschlossen ist. Wie weit ich hier komme kann ich noch nicht sicher sagen, das wird eher im Mai-Bericht nachzulesen sein. Bleibt also gespannt. Im Großen und Ganzen bin ich aber sehr zufrieden…

Kleine Anekdote am Rande?

Ihr erinnert Euch, dass bei unserer Ankunft ein anderes Seglerpaar wollte, dass wir die Marina wieder verlassen und unsere Quarantäne gefälligst außerhalb ihres Dunstkreises absitzen sollen. Diese Beiden hatten im Schiffsnamen das Wort „wild“ was wohl sehr wörtlich zu nehmen war.

Man munkelt nämlich, dass der Skipper des Schiffes bei einer Diskussion im Büro der Marina handgreiflich gegenüber einem Marinaangestellten geworden wäre. Nun, auf jeden Fall musste das Schiff gestern die Marina verlassen. Das Schicksal ist eben ein Eichhörnchen und auch hier in der Marina sind die Menschen wohl ein Spiegel der Gesellschaft…

Was gibt es sonst noch?

Nun, abschließend vielleicht einen „Fun-Fakt“. In unserem Dunstkreis kannte niemand, wirklich niemand, die Insel Leros im griechischen Dodekanes. Zumindest solange nicht bis wir davon erzählt haben – das könnte sich ändern…

Wurde Leros doch auf Platz 1 eines Berichtes im „Miesbacher Merkur“ gesetzt – die Headline war „Griechenland ohne Gedränge“!

Ich unterschreibe was der MM da schreibt, zudem gilt dies (fast) auch außerhalb der Corona Zeit, Leros ist einfach nicht am Radar der Touristen. Man muss aber auch wissen was einen erwartet – ein Urlaub ohne Boutiquen, bunte Andenkenläden, gerechelte Strände – es erwartet einen Urlaub jenseits des organisierten und aufgeräumten Touristenstroms – mit allen Vor- aber auch Nachteilen.

In diesem Sinne bereiten wir uns darauf vor im Mai ablegen zu dürfen und die ersten Gäste zu empfangen – mehr dazu wie immer hier auf unserer Blog-Seite und zwischendrin auf den bekannten Facebook Seiten.

Herzliche Grüße von der Nessaja-Crew!