Die Headline war rasch gefunden – und es ist mal wieder ein echter 80er!
Ich könnte viel zu Nena erzählen, aber das sind kleine Geschichten, die in einem Segelblog nichts verloren haben – nur soviel, ich habe sie 1983 mal live getroffen und war als 16-jähriger fast ein bisschen verliebt in die kecke Sängerin.
In der Retroperspektive bin ich aber froh, dass ich letztendlich bei Sibylle gelandet bin 😉
Zurück zum weniger bekannten Song von Nena aus dem Jahr 1984 – ich will meinen Blogbericht des Monats Oktober nicht am Inhalt des Liedes festmachen – sondern mehr an einer Strophe des Refrains…
„Der Anfang vom Ende
Ist, dass man nichts vergisst
Die Uhr, die nicht mehr läuft
Will sagen, dass was zu Ende ist„
Das Kapitel NESSAJA neigt sich dem Ende zu, der Anfang ist gemacht! Der Verkaufsprozess wurde Mitte des Monats gestartet.
Unsere NESSAJA, welche ziemlich genau 11 Jahre der Mittelpunkt meines Lebenstraums war, wird wohl bald nicht mehr mir gehören.

Doch von Anfang an, der Oktober war nämlich ein ziemlich turbulenter Monat!
Dieser begann für mich damit, dass Sibylle mich bereits am ersten Tag des Monats beim Frühstück an die „Global Sumud Flotilla“ und damit auch an FREE WILLY erinnert.
Die Flotte ist inzwischen losgefahren und nimmt Kurs auf Gaza, ganz vorne dabei die zwei Schiffe, welche in der Leros Marina Evros aufgebrochen waren.

Ich mache den Screenshot und schicke diesen an die Verkäufer in der Schweiz.
Ab diesem Zeitpunkt werden auch Anita und Willi dem Kurs ihres alten Schiffes folgen.
Sie melden sich in kurzen Abständen bei mir, wir tauschen uns kurz aus und sie teilen ihre Gedanken mit mir.
Man merkt, dass es den Beiden hart ankommt, ihr Ex-Schätzchen ins Ungewisse segeln zu sehen – und sie werden Recht behalten.
Aus dem Septemberbericht wisst ihr, dass unsere Freundin Susanne im Moment auf Leros verweilt, auch ihre Tochter mit Familie war noch einmal nach Xirokampos angereist um ein letztes Mal in diesem Jahr Sonne zu tanken.
Es bot sich heute förmlich an, dass ich die Werkbank abhole, welche Sophie mir geschenkt hatte.
Hierfür brauche ich Hans Peters Unterstützung – unser A6 „Klicker“ ist zwar groß, aber die Werkbank passt nicht in den Laderaum.
Also fahren HP und ich in den Süden der Insel und verfrachten das Trum auf die Pritsche des Ford Ranger.

Sehr langsam brummeln wir die schmalen Rumpelstraßen bis nach Plaka und entladen dort.
Ich hatte vorher schon Platz geschaffen und so konnten mein Freund und ich die patinabehaftete Werkbank gleich an Ort und Stelle schaffen.
Hier steht sie jetzt erst einmal – klar, drumherum muss noch renoviert werden und es gilt, eine Werkstatteinrichtung zu beschaffen.
Aber ein erster Schritt ist getan!

Ich bedanke mich artig bei Hans Peter, ohne seine Unterstützung wäre manche Aufgabe nicht so einfach zu wuppen.
Wir sind ein richtig gutes Team geworden und ich bin sicher, dass wir noch das ein oder andere richtungweisende Projekt umsetzen werden.
Für heute trennen sich unsere Wege, denn unsere Familie will sich einen „light lunch“ gönnen – zu diesem Zweck sind wir im „SouVLakki“ verabredet.
Ich erinnere kurz – Tochter Franziska nebst Gatten und der kleinen Heidi verweilen noch ein paar Tage auf Leros.
Die Drei genießen während dieser Tage allerhöchste Priorität – wir „bauen“ unsere Termine rund um deren Tagesablauf.

Wettertechnisch hatten wir Glück im Unglück. Es lag eine großräumige Wetterdepression über ganz Europa und es hat nacheinander so ziemlich alle südeuropäischen Länder mit wolkenverhangenen Regentagen und niedrigen Temperaturen erwischt.
Nach dem schlechtesten September seit wir in Griechenland leben, hatte auch der Oktober nichts zu bieten, was ihm den Beinamen „golden“ verdienen ließe.
So hatte auch unsere Familie zu akzeptieren, dass wir zwei graue Tage hatten, einen halben Tag davon auch Regenschauer – und auch die Tatsache, dass es für diese Jahreszeit einfach zu kühl war.
Dies galt leider für Luft und Wasser.
Dennoch – wir haben uns die Laune nicht verderben lassen und waren nahezu jeden Tag einmal AM und kurz auch IM Meer baden.
So haben wir uns auch den heutigen Nachmittag am Panteli Strand vertrieben.
Vor dem Abendessen, wir waren heute alle zusammen bei Susanne zum Grillen eingeladen, sind Sibylle und ich zurück in die Marina um uns zu duschen und frisch zu machen – an den Sanitärräumen sticht uns ein Zettel ins Auge…

Oh oh, da hat wohl jemand vergessen oder nicht gewusst, dass die Bänke vor den Duschen als Ablageort für Flohmarktwaren aller Art genutzt werden.
Wer in der Marina liegt weiß, alles was hier liegt wechselt den Besitzer – oftmals binnen Sekunden.
Das klingt harsch, ist im täglichen Betrieb aber kein Problem, weil ja eigentlich niemand auf die Idee kommt seine Kleidung oder seine Duschsachen VOR der Dusche abzulegen.
Dennoch kommt es ab und an mal vor, dass Unwissende und Unbedachte, mal ihre Badeschlappen oder, wie hier, ein Kleidungsstück ablegen.
Weg! Ein Wimpernschlag reicht und das abgelegte Eigentum ist weg! In der Regel unwiederbringbar – ich befürchte auch in diesem Fall.
Sibylle und ich staunen – auf diesem Weg wechseln Waren den Besitzer. Von der angeschnittenen Zwiebel bis hin zum Designerschlüpfer oder einem ausgeleierten DD-BH kann alles in zweiter Hand Verwendung finden.
Gedankenschwanger treten wir unsere Fahrt nach Xirokampos an…


Seit wir das Haus haben, habe ich einen anderen Blickwinkel auf die typischen Häuser hier.
Wie setzen Freunde ihre Ideen um? Wie arbeiten die hiesigen Handwerker und welche von ihnen sind zu empfehlen?
Ich gewöhne mich langsam an den Gedanken, mich zukünftig wieder mehr mit Hausbauprojekten beschäftigen zu müssen und nehme mir vor, bereits diesen Monat noch die ein oder andere Arbeit am Haus umzusetzen oder zumindest einzusteuern.
Mir gefällt die Wand in Susannes Wohnzimmer und auch ihre Sitzecke hat es mir angetan.

Ich möchte das auch! In unserem kleinen Haus ist kaum Platz für eine derart ausgestaltete Wohn- und Relaxecke, aber eine Essecke mit Natursteinwänden und gemauerter Sitzbank kann ich mir gut vorstellen.
Nun, der Kontakt zu den „Meistern der Natursteinwände“ ist hergestellt – genau, den Beiden, welche auch die Mauer in der Marina hochziehen und es ist nurmehr eine Frage der Zeit, bis Kostas und Elefteris auch an unserem kleinen Häuschen werken dürfen.
Ein paar Minuten später kommen auch Franziska, Mikey und die kleine Heidi. Sie sind ja mit „Klicker“ unterwegs und haben somit eigene Mobilität.
Mich freut´s, denn aus diesem Blickwinkel hat es sich schon jetzt gelohnt, dass wir den großen A6 hierher gebracht hatten.

So ein schöner Abend! Heidi spielt mit Henry, wir haben Zeit und Ruhe uns lang und vielseitig mit Susanne auszutauschen und unsere „Kinder“ finden ihre eigenen Themen.
Es war wirklich sehr schön zu sehen, dass wir uns scheinbar über drei Generationen sehr gut verstehen und sich hier auf Leros, an dem Ort der schon einmal zum Schicksalsort wurde, neue Freundschaften bilden.
Natürlich waren Sophie und Susanne wiedermal perfekte Gastgeberinnen und wir hatten ein herrliches Dinner auf der Terrasse mit dem wunderschönen Ausblick.

Der nächste Morgen beginnt mit einem Paukenschlag! Wir erleben eine Überraschung welche keine echte war, zu Erwartendes traf ein.
Die israelische Armee hatte in dieser Nacht die „Global Sumud Flotilla“ aufgebracht und die Kontrolle über die Schiffe übernommen.
Diese wurden dann in einen Hafen in Israel verbracht, wo die Mannschaften in Gewahrsam genommen wurden und später nach Griechenland abgeschoben wurden.
Ich wiederhole mich, ich will und werde mich im Blog nicht politisch äußern oder gar positionieren, aber durch den Verkauf von FREE WILLY waren wir eben nah am Thema.
Ich habe Bilder von der kleinen Ketch im Internet gefunden, diese sind wohl aufgenommen, kurz bevor das Schiff aufgebracht wurde.


Es scheint, als ob bei der Enterung der Schiffe niemand verletzt wurde. Die Aktivisten haben sich sehr viel Mühe gegeben, eine große Menge Bildmaterial für die Presse hochzuladen, all das kann man mit Hilfe von Google leicht finden.
Wir haben ein paar dieser Filme angesehen und dabei natürlich auch bekannte Gesichter gesehen.
Ist es Mut? Oder doch naiver Leichtsinn? Ich kann es für mich wirklich nicht final beurteilen.
In jedem Fall freuen wir uns, dass kein Mensch Schaden genommen hat.


Heute muss ich ein paar Zeiteinheiten für ELOWYN aufwenden. Unser Patenschiff hat nach dem Desaster mit den Seeventilen erst einmal eine Pause verordnet bekommen, wir mussten und müssen komplett neu priorisieren.
Heute dreht sich unsere Aufmerksamkeit um den Tender des weißen Riesen, um WILLI.
Wir haben diesen ja zu Wasser bringen lassen um ihn zu reinigen und urlaubsklar zu machen.
Es ist nur eine logische Konsequenz, dass er jetzt wieder an Land muss und für die Winterpause eingewintert werden muss.
Bevor das passiert, habe ich Mikey noch eine Testfahrt versprochen – und so ein kurzer Run mit WILLI hat es in sich…



Nein, ich bin nicht zu doof die Fender auf die richtige Seite zu hängen! Es war nur ein kurzer Zwischenschritt, denn Giannis unser Kranführer hat mir versprochen, dass er ihn später an einen Platz stellt, an dem er ihn nicht stören würde – heute Abend, so sein Plan, stellt er ihn an Land.
Perfekt! Guter Plan! Dann können wir mit unserer Familie an den Strand nach Panteli und den Rest des Tages dort genießen.
Als Sibylle und ich zurück in die Marina kommen, hat der „Crane Operator“ Wort gehalten.
ELOWYNs Tender liegt sicher in einer Ecke – von Giannis jedoch keine Spur!

Ich harre der Dinge. Um mir die Zeit zu vertreiben, starte ich eine Greek-Lesson in Duolingo und fletze mich auf meine Saloncouch.
Ich bin gerade dabei meinen dreifach XP-Streak zu befeuern 😉 und rechne kaum mehr damit, dass sich heute noch etwas in Sachen WILLI tut, da klingelt mein Telefon…
Giannis! „Do you have time for the Williams? NOW?“
Ja, was willst da sagen? Ich sage also zu, verliere meine Triple XP Session und dackle zur Krangasse.
Der Meister der Portalkräne war schon dabei, Schlaufen an die kleine Gummiwurst zu binden, zu diesem Zweck stand er im Tender – tief unten in der Krangasse – allein! Kein Helfer weit und breit!
Wie kommt er nach oben? Wer bedient den Gabelstapler? Mein Gehirn fängt an zu arbeiten, Zahnräder greifen ineinander.
Mir dämmert, der Helfer an diesem Abend bin ICH!
„Sit in the forklifter and lift me up!“ höre ich den fleißigen Werker rufen, Mein Kopf dreht sich automatisch von links nach rechts – niemand da außer mir!
Ich höre Worte, die meinen Mund verlassen „Who? Me?“
Der Grieche nickt stumm, ich schlucke und besteige das Arbeitsgerät…

War eine coole Trainingsstunde! I-c-h f-a-h-r-e S-t-a-p-l-e-r!
Nur Insider der 80er wissen, dass der Gabelstaplerfahrer mit der Staplergabel prahlt, während er das Bruttosozialprodukt steigert…
Mehr Zeit für infantile Gedanken bleibt mir nicht – Giannis reinigt den Boden des Flitzers und ich räume ihn anschließend zu ELOWYN.
Die letzten Zentimeter übernimmt der erfahrene Staplerfahrer, dann verabschieden wir uns – für ihn ist verdienter Feierabend, für mich heißt es frisch machen, das Dinner ruft!
Während Sibylle und ich vor ein paar Tagen dafür gesorgt hatten, dass Franziska und Mikey ihren Hochzeitstag im „Mylos“ feiern konnten und dafür „kinderfrei“ hatten, war heute der Tag, an dem meine Frau und ich in den gleichen Genuss kamen und hierfür ebenfalls einen Tisch in der führenden Taverne auf Leros gebucht hatten.
Wir hatten nichts zu feiern, genossen aber den Saisonabschluss in der edlen und mehrfach ausgezeichneten Taverne, dies in Gesellschaft von Iwona und Ed, der Crew der EDINA.
Wie immer ein paar Impressionen – wir haben wieder vorzüglich gegessen.







Es war so gut! Wir haben geschlemmt und genossen – die Bilder stellen nur einen Auszug dar – denn wir haben alle rohen Fischspezialitäten geordert und probiert, welche die Karte zu bieten hatte!
So lecker! EIN Besuch im „Mylos“ gehört eben dazu…
Auch der neue Morgen begann nicht schlecht. Seit die Familie zu Gast ist, läuft Sibylle zur Hochform auf.
Der Frühstückstisch wird reichlich gedeckt, es hat sich etabliert, dass die Drei jeden Morgen bei uns frühstücken.
Da kann und will dann auch ich nicht Nein sagen…

Meist müssen wir ein bisschen warten bis Franziska nebst Familie eintrifft. Dann aber kommen sie wie ein Donnerhall – es kommt Leben in die Bude!
Klein Heidi übernimmt das Regiment – und dies solange, bis ihr erster Frühstücks-Heißhunger gestillt ist.

Meine „To Do – Liste“ für den heutigen Tag ist überschaubar. Der Eigner der zum Verkauf stehenden FESTINA LENTE kommt ein letztes Mal in dieser Saison an.
Da er keinen Zweitschlüssel dabei hat, bittet er mich das Boot aufzusperren und eine Passarelle bereitzulegen.
Dieser Bitte entspreche ich gerne, zudem platziere ich den mir überlassenen Schlüssel gleich an Bord.

Das Besitzerpaar rechnet fest mit dem Verkauf während der Winterpause, so lag es auf der Hand, dass die Anreise mit dem Auto gleich dafür genutzt wurde, ein paar persönliche Gegenstände zurück nach Deutschland zu nehmen.
Wir werden im Laufe dieser Woche noch zusammen essen gehen und ein paar Modalitäten besprechen – dann heißt es abwarten und Tee trinken.
Etwas Geduld ist notwendig, ich rechne erst im ersten Quartal 2026 mit einem Anstieg der Nachfrage.
So, erledigt! Jetzt können meine Frau und ich mit unserer Familie ins Nachmittagsprogramm starten – heute steht ein Besuch des Kastells auf Leros am Plan.
Hierfür fahren wir nach Panteli und schrauben uns die Serpentinen hoch bis wir die alte Burg erreicht haben.






Den frischen und durchaus kräftigen Wind spürt man auch bei unserer Rückkehr in die Marina.
Hier sorgt der zu dieser Zeit eher ungewöhnliche Südwestwind für eine kabbelige See in der Bucht von Lakki.
Wir freuen uns auf unser Abendessen an Bord. Hier ist es gemütlich und durch die Personen und den Ofen auch warm.
Sibylle hat nämlich am Nachmittag eine XXL Lasagne gebaut und wir werden uns jetzt die Wänste vollhauen.
Vorteil für Enkelin Heidi und mich – wir dürfen nämlich die restliche Hackfleischsoße aus dem Topf schlotzen! 😉

Der Tag endet gemütlich im Kreise der Familie an Bord von NESSAJA – es wird wohl das letzte Dinner mit Familie im Salon von unserem Schiff gewesen sein.
Draußen klatschen die Wellen an den Wellenbrecher und der Wind pfeift im Rigg.
Diese Momente werde ich eines Tages vermissen.

Zu dieser Zeit vergingen die Tage wie im Flug – das Urlaubsende unserer Kinder und Kindeskinder kam näher und wir wollten den kommenden, letzten Tag des Urlaubs noch einmal als Badetag gestalten.
Gott sei Dank war uns das Wetter hold und ich hatte darüber hinaus den Tag frei von „To Dos“ gehalten.
So brühe ich mir eine Tasse Kaffee auf und starte gutgelaunt in den Tag.

Ok, ich muss zugeben, ein ganz kleines „To Do“ gab es doch, uns ist gestern nämlich das Gas ausgegangen als Sibylle die riesige Reine Lasagne im Ofen buk.
Also bekam ich die Anordnung „gleich heute früh“ eine gefüllte Austauschflasche zu holen.
Das ist für mich immer ein wenig frustrierend, denn was hier als Tauschflasche angeboten wird, wäre in allen anderen Ländern Europas Schrott.
Ich habe mir mit dem Schiff zwei neue Buddeln Campinggaz gekauft, dies in der Hoffnung, meine neuen Flaschen füllen lassen zu können.
Das funktioniert aber selten bis nie und so wurden die Flaschen im Laufe der Zeit immer schlechter.

Ist das wichtig? Naja, offen gesagt nur bedingt – in der Regel fliegen die Dinger einem ja nicht um die Ohren, aber sie machen echt fiese Ränder im Gaskasten und sehen einfach scheiße aus.
Jetzt aber – genug gejammert! Die Familie wartet, die Badetaschen sind gepackt und wir wollen zum Strand.
Unsere Wahl fällt abermals auf Panteli, dort bekommen wir Liegen, können etwas trinken und zum krönenden Abschluss spendieren die Oma und der Opa der kleinen Heidi ein Eis.
Ein wunderschöner Tag klingt mit einem tollen Sonnenuntergang aus – wir ziehen uns alle zurück um uns frisch zu machen, denn heute ruft das Abschiedsessen, für welches wir uns das „Tis Kakomoiras“ ausgesucht haben.



Zum Abschluss ein Eis bei „Repapis“, dann geht es ab nach Hause. Wir alle sind bettschwer und morgen wird ein langer Tag für die drei Reisenden.
Ich bleibe noch ein bisschen sitzen und lasse den Tag Revue passieren. Während wir beim Essen saßen, hat die Tochter meines Freundes René ein Bild in ihren Status gestellt.
Ich sehe mir das Bild relativ lang an und freue mich für die Drei – auch sie genießen Familienzeit, in Italien, indem sie an einem historischen Radrennen teilnehmen, der L´Eroica.

Ich kommentiere kurz und wünsche viel Erfolg und eine unfall- wie pannenfreie Fahrt und denke an alte Zeiten, hat sich doch Renés und meine erste Teilnahme an der „adidas bike Transalp Challenge“ dieses Jahr zum zwanzigsten Mal gejährt.
Naja, die Zeit rennt eben und loslassen gehört dazu, dies gilt im wörtlichen wie im übertragenen Sinn und gilt für liebgewonnene Hobbies wie für liebe Menschen gleichermaßen.
Heute ist so ein Tag – unsere Familie wird abreisen! Wir treffen uns ein letztes Mal auf NESSAJA zum Frühstück und Sibylle und ich füttern zusammen mit Heidi ein letztes mal die Fische…


Wir fahren die kleine Familie zur Fähre nach Agia Marina, setzen uns dort ein letztes Mal zusammen und machen ein Abschiedsselfie – es war schön, dass Franziska mit Mikey und Heidi zu Besuch war und wir haben die Zeit ganz bestimmt genossen.
Wenn wir uns das nächste Mal sehen, dann wird die kleine Familie Zuwachs bekommen haben und Heidi eine „große Schwester“ sein.
Uns bleibt, viel Glück zu wünschen, euch alle noch einmal zu drücken und dann der Fähre hinterherzuwinken…





Ok, und jetzt? Für eine kurze Zeit fühlt es sich leer an. Keine Verabredungen mehr, kein Warten auf die Drei.
Sibylle und ich fahren zurück in die Marina und machen klar Schiff. Dann drehen wir eine Marinarunde und besuchen die Freunde die auch gerade hier verweilen um zu signalisieren, dass wir jetzt wieder frei planen können und uns darauf freuen, mit allen noch einmal beisammen zu sitzen.
Dann ziehen wir uns auf NESSAJA zurück und ruhen uns ein wenig aus – Sibylle liest und ich spiele eine Runde Duolingo.
Wir harren aus – denn heute haben wir noch einen Termin, es gilt noch ein weiteres Mal Abschied zu nehmen!
Während wir die Stille genießen trifft eine Nachricht von Franziska ein – man bedanke sich für den schönen Urlaub und man sei gut auf Kos angekommen.
Die Wartezeit auf den Flieger würde man sich bei einem letzten Giros verkürzen.
Na denn, guten Appetit, kali orexi.

Es ist soweit! Wir sind heute zum Essen eingeladen – diesmal nicht ins „SouVLakki“ sondern das Lokal der Wahl war heute das „Metzes“ in Agia Marina.
Die Einladenden war Petra und Hans Peter, auch für sie war es das Abschiedsessen mit uns.
Ohne HP wird sich mein Tagesablauf hier in der Marina drastisch ändern – er war meine feste Größe, er hat mich durch alle Projekte begleitet.
Es fühlt sich jetzt schon komisch an zu wissen, dass er ab morgen nicht mehr hier sein wird.
Ein Lichtblick ist, dass wir uns diesmal in Deutschland treffen werden! Warum? Nun, dreimal dürft ihr raten – wir haben ein gemeinsames Projekt!
Ich muss eine Renovierungsarbeit durchführen und er hat angeboten mir zu helfen.
See you in January my friend, τα λέμε τον Ιανουάριο – wie wir Duolingo Freaks zu sagen pflegen 😉



Weg isser. Ich gehe jetzt ins Bett, mir reicht es für heute!
Ach übrigens, behaltet mal das Bild mit dem Kürbis im Hinterkopf. Als Sibylle das gemacht hat, konnten wir nicht ahnen, dass es in ein paar Tagen ein ebensolches von ihr geben würde – in Natura, nicht gestellt!
Ich will, nein, ich MUSS etwas tun! Die Zeit des Müßiggangs muss nun enden – dies hat zweierlei Grund.
Erstens, ich habe allerlei Kleinigkeiten aufgrund des Familienbesuchs zurückgestellt, es ist ein bisschen was aufgelaufen, das gilt es abzuarbeiten.
Zweitens – ich will ab November ausnahmlos und auf täglicher Basis an ELOWYN arbeiten und meine Listen erledigen, dafür muss ich mir den Rücken freihalten.
Zu allem Überfluss gibt es zwei, diese Abläufe und diese Pläne beeinflussende Faktoren – das Wetter und der Besuch von Dominik und Ellen.
Was es damit auf sich hat erzähle ich später, für heute steht der Einbau einer neuen Wasserverteilung an.


Das sind so Kleinigkeiten – nicht zwingend notwendig, aber ein Upgrade. Die Verteilung habe ich geschenkt bekommen, es wäre zu schade sie einfach in die Tonne zu stampfen.
Also mache ich mir die Mühe und investiere zusätzlich die paar Euro um den Umbau nebst Verbesserung vorzunehmen.
Auch auf ELOWYN habe ich mit Kleinigkeiten zu kämpfen, welche zusätzlich zu den bestehenden Listen auftreten.
Durch die Hitze hat sich am Niedergangsschott eine geklebte Anschlagsleiste gelöst – diese gilt es zu fixieren.

Ich habe das Schott hier auf Leros fertigen lassen, aber es zeigt sich, dass die Umsetzung nur halbgut war.
Generell funktionell, aber an den Klebestellen mit PU Kleber ohne Primer ist es eben suboptimal…
Der Kleber lässt sich einfach abziehen, seine Haltekraft war nicht ausreichend.
Für mich bedeutet das, dass ich Material bestellen muss. Kleben kann ich mit SIKA, das habe ich, aber den speziellen Primer muss ich ordern, das wird rund zwei Wochen dauern.
Also brauche ich eine Notlösung für das Niedergangsschott, welche ich mir beim Schreiner anfertigen lasse.

Die Umsetzung war eilig, denn Regenschauer waren angesagt – und die kamen auch!
Das sorgt dafür, dass der Trockenplatz der Marina aufweicht und schlammig wird und zudem fallen die Temperaturen.
Das Wetter ist wechselhaft, zwischenzeitlich regnerisch und für die Jahreszeit zu kühl.
Es fühlt sich an, als seien wir schon im November, zumindest im Vergleich zu den Vorjahren.






Die Bilder sind gerade nicht chronologisch, sie sollen eher einen Überblick geben über die Wettersituation wie sie Mitte zum Ende des ersten Oktoberdrittels vorherrschte.
Offen gesagt, es war zum Verzweifeln. Wir alle in der Marina haben uns auf den Oktober gefreut – warme Tage, das Meer lädt noch zum Bade und man kann den Spätsommer genießen ohne zu schwitzen.
Pah, weit gefehlt! Davon war 2025 nichts zu spüren und auch die paar schönen Tage können die Gesamtbilanz nicht retten – der September und Oktober dieses Jahres werden sich in unserer Griechenlandzeit als die bisweilen schlechtesten etablieren.
Viele Länder in Europa hatten mit dem Wetter zu kämpfen, anderorts gab es Überschwemmungen und schwere Stürme, dies blieb uns Gott sei Dank erspart.
Richtig viel Glück hatten die Schlierseer Freunde in der Toscana – ihr Radwochenende war von Sonnschein verwöhnt – ich gönne es ihnen von Herzen und freue mich über das schöne Bild.

Zurück nach Leros – wir haben versucht, uns nach dem Wetter zu richten.
Wenn es geregnet hat, haben Sibylle und ich kleinere Arbeiten am Haus verrichtet.
Wir haben in der Garage geräumt und Sperrmüll sortiert, den alten Schlafzimmerschrank haben wir endlich zu unserem Müllberg dazugelegt.
Es war mir ein Anliegen, dass dieser Müll andlich abtransportiert wird um Platz für weitere, nachfolgende Aktionen zu schaffen.



Weil die Garage einen hohen Stellenwert genießt – ist sie doch Drehscheibe, Lagerraum, Werkstatt und Organisationszentrale für handwerkliche Tätigkeiten zwischen Haus und Boot – hat sie bei mir auch Priorität bezüglich der Umsetzung von ersten kleinen Reparaturen und Renovierungen.
So stand zum Beispiel die Beauftragung einer Fachfirma für Garagentorbau an oberster Stelle meiner „Hausliste“.
Zum einen will ich nicht immer das alte Rappeltor aufwuchten müssen, zum anderen will ich schnelle Zufahrt haben, die Garage ist schließlich auch Parkplatz für meine GS.
Ein Garagentor in elektrischer Rollausführung mit Fernbedienung muss her!
Es gilt das alte Blechtor auszumessen und die Anforderungen dann mit der Fachfirma zu diskutieren.

Wir finden eine gute Lösung und das Angebot welches ich ein paar Tage später erhalte ist sehr günstig.
Ich erteile also den Auftrag und hoffe, dass der Meister des Tür- und Torbaus meine Garage noch in diesem Jahr mit einem neuen Zugang versieht.
Natürlich kommen die Gaumenfreuden nicht zu kurz. Viele unserer Seglerfreunde sind noch hier und bereiten schön langsam ihre Schiffe auf das Saisonende vor.
Es vergeht kaum ein Tag, an dem wir nicht aufgefordert sind an einem gemeinsamen Abendessen teilzunehmen, man möchte sich von uns verabschieden.
Eine Aufforderung, welcher wir gerne Folge leisten, denn wir genießen das gesellige Beisammensitzen mit den langjährigen Freunden.
Wenn es dann, wie in Dieters Fall, auch noch gepaart mit der Einladung anlässlich des Geburtstages verbunden ist – sehen wir dem Abend umso freudiger entgegen.


Petra und Martin von der STENELLA II haben ebenfalls Familienbesuch zu dieser Zeit.
Ich lerne nach vielen Jahren Tocher Carina kennen, sie ist mit ihrer Tochter Lia hier, sie kenne ich ja schon vom Vorjahr.
Auch wir haben ein paar gesellige Stunden, regeln Geheimbundaktivitäten über die ich hier nicht weiter berichten darf 😉 und müssen uns letztlich von allen Vieren verabschieden.
Auch wir gehen noch einmal zusammen essen und lassen die gemeinsame Zeit dann bei einem Eis in unserer Lieblings-Eismanufaktur ausklingen.





Heute steht der Abbau des Kleiderschrankes in Susannes Haus an. Die Schlafzimmer werden vollumfänglich renoviert, es wird kleine Umbrucharbeiten geben und danach wird der massive Schrank, welcher für Susanne von einem örtlichen Schreiner gefertigt wurde, nicht mehr in das Zimmer passen.
Wir sollen den Schrank geschenkt bekommen und freuen uns sehr darüber, denn das Möbel mit etwas Patina wird hervorragend in unsere alte, modern renovierte Katikia mit Retro-Elementen passen.
Also hieß es „auf nach Xirokampos“ und den Schrank abbauen. Dieser soll dann gleich ins Häuschen nach Plaka gebracht werden.
Auf dem Weg zum Auto versuche ich, die besondere Stimmung über der Lakki Bucht festzuhalten – Wolken können auch schön sein.




Der Schrank war massiv und verschraubt sowie verzapft. Es war eine Riesenarbeit diesen zu zerlegen und dann zu verladen und zu transportieren.
Kein Vergleich mit den Schränken aus den Möbelhäusern wie wir sie kennen – und schon gar nicht mit denen aus dem IKEA Sortiment.
Ob ich den Koloss jemals wieder aufgebaut bekomme ist eine andere Frage. Diese werde ich mir aber frühestens Ende 2026 stellen.
Es war an der Zeit, das geschenkte Schmuckstück abzuholen. Denn Susanne und auch ihre Tochter nebst Familie werden bald abreisen.
Das Abschiedsessen mit Susanne nehmen wir im „Pirofani“ ein – nur wenige Tage bevor die Taverne für die Winterpause schließen wird.



Als Susanne uns an der Marina absetzt, verabschieden wir uns bis zum nächsten Jahr.
Ich frage, ob ich sie am nächsten Morgen zum Flughafen bringen solle, aber sie verneint – „…der Flieger geht um 10.30 Uhr, das Taxi holt mich pünktlich um 10.00 Uhr ab!“
Ok! Sibylle und ich sehen uns verduzt an – das ist mutig! Nur 30 Minuten vor Abflug ein Taxi zum südlichsten Punkt der Insel zu bestellen und mit diesem dann bis ganz in den Norden zu fahren…
Der Taxler muss sehr pünktlich sein und es darf gar nichts verrutschen – dann könnte es klappen.
Wir erlauben uns, unsere Bedenken zu äußern – ausnahmsweise geselle ich mich diesmal zu der Gruppe der Bedenkenträger, der sonst nur Sibylle und Hans Peter angehören.
„Ach, papperlapapp, das klappt schon!“ höre ich die Freundin sagen, dann düst sie in ihrem alten Panda davon.
Am nächsten Morgen mache ich mir erstmal ein Tässchen Kaffee…

Ich freue mich auf einen gemütlichen Morgen und will entspannt in den Tag gleiten.
Erst mal lesen, was auf der Welt so los ist, ich schalte mein Mobiltelefon ein…
BIMM! BIMM! – ihr ahnt es, Susanne versucht mich zu erreichen. Sie habe wohl erkannt, dass es knapp werden könnte, kann aber den Taxifahrer nicht erreichen um die Fahrt vorzuverlegen.
Ob ich nicht vielleicht doch…???
Na klar kann ich! Adio mein leckerer Kaffee, es wäre mir ein Genuss gewesen.

Ich bringe Susanne just in time zum Flughafen und verabschiede mich, jetzt wird es klappen – dachten wir!
Später erfahre ich, dass der Flieger an diesem Tag wegen Starkwind nicht gekommen war, sie deswegen ihren Anschlussflug verpasst hat und infolge dessen am Nachmittag über Kos nach Hause geflogen ist.
Die Reise musste komplett neu gebucht werden, die Kosten bleiben bei ihr hängen – das ist ärgerlich!
Ich habe heute einen entspannten Tag, nachdem ich in die Marina zurück gekommen war, habe ich erstmal meine zwei Tassen Kaffee nachgeschüttet – das war dringend notwendig, es bestand ein Risiko dass ich in den Unterkoffeinbereich sacke.
Nachdem das erledigt war, habe ich eine Marinarunde gedreht. Zu meiner Überraschung und zu Alex´ Freude wurde seine ANAHITA heute zurück an den geliebten, alten Platz gestellt.
Er hatte so darauf gehofft, ich freue mich für ihn.

Sibylle und ich wohnen dem Spektakel ein wenig bei, dann trennen sich unsere Wege.
Zusammen gehen wir noch zur JASPER, dann machen sich die Damen auf, um ein wenig spazieren zu gehen.
Uli und ich haben dagegen eine Verabredung auf Heiners DAMIANA. Die Eigner müssen früher und eilig nach Hause, wir werden gebeten, die Einwinterung zu übernehmen.
Dazu gehört auch das Verbringen der Lagoon 380 in die Krangasse, die Arbeiten an Land und weitere Kleinigkeiten…

Für mich gibt es ein Extra-Zuckerl – Heiner möchte gerne ein Hardtop haben, dies soll auf sein bestehendes Edelstahlgestell montiert werden.
Im Kern soll es so gebaut werden wie bei mir, nur die Formgebung weicht etwas ab und ist vom Rahmen vorgegeben.
Ich möchte mich bitte erkundigen, ob Giorgos so etwas bauen kann und sollte mich, im Falle er kann es, bitte darum kümmern.
Na mal sehen, wie weit ich damit komme.

Um den Tag rund zu machen, gehen Alex und ich noch zu Ed, um auf seiner EDINA die Vorsegel zu bergen.
Wie immer wenn Ed an einem Gespräch beteiligt ist, verfliegt die Zeit. Das Abschlagen der großen Tücher ist kurzweilig und wir haben Spaß!
Alles paletti also? Nun ja, fast! Wenn nicht kurz vor Ende eine Panne passiert wäre…



Unglücklicher Weise, zieht Ed in einer Schrecksekunde am falschen Ende und holt das lose Ende in den Mast – das wird eine Fummelaufgabe für die neue Saison!
Wie auch immer, der Löwenanteil der Arbeit ist geschafft und zum Spätnachmittag hin transportiere ich die beiden schweren Säcke noch zum Segelmacher – ab hier übernimmt der Eigner wieder.
Auch das Abendessen nimmt mich noch kurz in die Pflicht. Ich hatte ja schon geschrieben, dass Johannes nebst seiner Gattin mit dem Wagen angereist war, um schonmal die persönlichen Sachen von seiner FESTINA LENTE zu räumen.
Dies war erledigt, die Heimreise der Beiden stand an und wir wollten uns noch einmal zusammensetzen um das weitere Vorgehen zu besprechen.
Dieses Treffen fand heute bei ALONI in Xirokampos statt. Wir haben gut gegessen und uns gut unterhalten – warten wir also ab, ob sich ein neuer Besitzer für die schöne Bavaria findet.


Am nächsten Tag, ich sitze noch beim Kaffee, kommt Sibylle von der Dusche zurück und berichtet aufgeregt, dass ein Mast von den Tonnen auf denen er abgelegt war, heruntergefallen wäre.
Es war Sonntag und es war niemand da, dem das auffallen würde. Um Folgeschäden zu vermeiden, sind wir Beide zum Ablageort gelaufen – wir wollten etwas unternehmen!

Ich habe mein Handfunkgerät mitgenommen und rufe auf Kanal 10 die diensthabenden Marineros, welche auch sofort an Ort und Stelle waren.
Gemeinsam haben wir es hinbekommen, den Spargel zurück auf die Tonnen zu wuchten und sicher abzustützen.
Meine Schuldigkeit war getan, Sibylle und ich ziehen wieder ab.
YES! In Facebook fällt mir eine Werbeanzeige auf – Mexikanische Wochen im „Navarone“ – da will ich hin!
Sibylle stimmt zu und auch Antonia und Alex finden die Idee super. Leider ist anrufen im Navarone eher schlecht – wenn überhaupt jemand ans Telefon geht, spricht die Person kaum Englisch.
Es ist frappierend, dass gerade in diesem, sehr zentral am Hafen gelegenen Lokal nicht mehr Angestellte ein paar Worte Englisch sprechen.
Lieder reicht mein Griechisch noch nicht für Konversation am Telefon, so beschließen Sibylle und ich, dass wir vor Ort reservieren würden.


Alles klappt! Sibylle und ich können einen Vierertisch für den Abend reservieren und kehren zufrieden in die Marina zurück.
Jetzt haben wir etwas, worauf wir uns freuen können!
Das Wetter war grau, aber es sollte der letzte verhangene Tag für die kommende Woche sein.
Das tröstet uns und so verplempern wir die Zeit heute für das Lernen der für uns fremden Sprachen – ich beschäftige mich mit meiner griechischen Grammatik, Sibylle möbelt ihr Englisch auf!
Bereits am Abend ziehen sich die Wolken zurück und der Sonnenuntergang stimmt freundlich – wir fahren mit der Crew der ANAHITA nach Agia Marina zum „Mexican Dinner“.



Die Spannung steigt, es folgen Tage in denen ich zu einer Art Untätigkeit verdammt war.
Wir nähern uns der Monatsmitte, die Interessenten für NESSAJA hatten sich für den 15. und 16. Oktober zur Besichtigung angekündigt.
Mir ist bewusst, dass ein Tag der Entscheidung näher rücken könnte – ich gebe zu, die Spannung steigt ein wenig an.
Ich sehe mir mein Schiff im Vorbeigehen mit anderen Augen an…

Ich werde keine neuen Projekte auf ELOWYN beginnen, auch am Haus werde ich jetzt nichts Neues anstoßen.
Ich konzentriere mich voll und ganz auf den Besuch, welcher in zwei Tagen hier eintreffen wird.
Während ich so sinniere, fährt KEONDA durch die Marina. Mario ist vor Ort um seine wunderschöne Baltic 40 einzuwintern.
Ich habe Unterstützung versprochen und werde heute Nachmittag helfen, die Winterplane aufzuziehen – das ist eine passende Tätigkeit, die zwei, drei Stunden kann ich gut abzwacken.

Ansonsten nehme ich auch von Freunden keine weiteren Aufgaben an – ich wiederhole mich, der Fokus liegt auf dem Besuch der Kaufinteressenten.
Da kommt es gerade recht, dass wir uns mit Freunden bei „Repapis“ verabredet haben.
Der Zufall will es, dass exakt zu dieser Stunde in der Kirche gegenüber eine Hochzeit stattfindet – ein Spektakel!
Natürlich sind wir Zaungäste, applaudieren, winken und jubeln dem Brautpaar später ein wenig zu.

Später treffen wir uns mit einer ganzen Reihe von befreundeten Seglern, um Marijkes Geburtstag zu feiern.
Auch sie feiert, wie zuvor schon Dieter, im „La Palma“ Café, auch an ihrem Ehrentag findet sich eine illustere Gesellschaft zusammen.
Wir haben Spaß, feiern zusammen, bleiben letztendlich aber nicht allzu lang.

Es ist spannend zu sehen, wie unser Hobby Fahrtensegeln die Menschen verbindet.
Unterschiedliche Charaktere mit unterschiedlichen Interessen und Professionen treffen aufeinander und werden durch die Gleichartigkeit ihrer Aufgaben und Herausforderungen sozusagen „synchronisiert“.
Sehr oft bin ich der Jüngste in der Runde, wenn wir dagegen mit den drei jungen Crews unterwegs sind, gehe ich schon fast als der Segelopa durch – unser engerer Freundeskreis ist zwischen 26 und 77 Jahre alt.
In unserer Altersgruppe sind Freunde rar, die meisten müssen noch arbeiten, aber es gibt sie doch…
Nur noch ein Tag bis zur Bootsbesichtigung!
Ich möchte einen Testlauf für den Generator machen und starte unseren Stromerzeuger noch während des Frühstücks – alles läuft perfekt!

Weitere Probeläufe gibt es nicht – das Interessentenpaar soll NESSAJA so kennenlernen wie sie ist.
Wir machen keinerlei Aufriss, unser Boot ist generell ok, wir müssen nichts verbergen oder im Vorfeld „mal checken“, ihre Patina trägt sie mit Würde.
Ok, ich gebe zu – wir wischen kurz Staub und saugen noch einmal in den Ecken, das muss aber reichen. Lieber eine eingeschmutzte Bilge die über alle Zweifel erhaben ist, als eine hochglanzpolierte, welche den Spekulationen Tür und Tor öffnet.
Mein Motor springt IMMER perfekt an, nur wenige haben einen aktuellen Öltest wie ich, welcher beste Verschleißwerte für die vorliegenden Motorstunden ausweist – ich verzichte daher auf einen Testlauf.
Generell denke ich, dass es kaum ein besser dokumentiertes Boot als NESSAJA geben dürfte – seit zehn Jahren halte ich alle Aktivitäten rund um mein Schiff fest, alle Höhen und Tiefen sind beschrieben, ich kann und will da nichts revidieren.
Nur ein ahnungsloser Thor würde hier Gegenteiliges behaupten!
Wäre nur mein Deck schon repariert – ich würde sehr breitschultrig auftreten, so aber habe ich, kommt es zu diesem Diskussionspunkt, kurze Hosen an.
Ich werde abgelenkt – heute ist eine Art Meeting anberaumt, bei dem wir festlegen, wann unser Griechischkurs beginnt und wer in welche Gruppe eingeteilt wird.
Ich freue mich jetzt schon, will aber auf jeden Fall in einer „Anfängergruppe“ bleiben…

Auf das anschließende Abendessen freue ich mich besonders – ein Treffen mit Carola und Thomas von der EMOTION hat sich in den letzten Jahren etabliert.
Gegeben durch die Tatsache, dass wir in unterschiedlichen Marinas sind und auch dadurch, dass die Beiden immer recht rasch von Leros aus zu ihren Törns abreisen, sehen wir uns eigentlich immer nur zu Beginn und zum Ende derer Saison.
Dafür sind unsere Treffen kurzweilig und geprägt von interessanten, themenübergreifenden Gesprächen.
Ich schätze die Abende mit den Beiden und würde mich freuen, wenn wir das so beibehalten würden.
Für heute haben wir uns Dimitris „o´ Karaflas“ Taverne in Vromolithos ausgesucht.
Wir wählen einen Platz innen und essen sehr gut – er lässt seine Taverne als eine der letzten offen, wir aber ebenfalls bald in die Winterpause gehen.



Wir laben uns an verschiedenen Meze und letztlich noch an dem unvergleichlichen Fisch Souvlaki von Dimtris, alternativ dazu an Bekri Meze als Hauptgericht.
Wie lecker! Zufrieden brechen wir auf und fahren zurück zu unseren Schiffen.
Sibylle und ich sacken neugierig in die Federn – morgen wird ein besonderer Tag!
Wo fange ich an???
Ok, mit dem Interessentenpaar – sie heißen Ellen und Dominik und kommen aus der Schweiz.
Beide sind blutjung, arbeiten vom Boot aus und haben diese Lebensform für sich entdeckt.
Sie haben einen durchaus beachtlichen Erfahrungsgrad und wissen was sie wollen – kurz, sie sind sehr sypathisch.
Die Beiden leben bereits auf 33 Fuß und wollen sich vergrößern. Bei der Internetrecherche sind sie auf NESSAJA gestoßen.
So haben wir uns für heute verabredet – der Flieger soll um 12.50 Uhr eintreffen, ich werde Ellen und Dominik vom Flughafen abholen.

Leider hatte der Flieger aufgrund des Starkwindes am Vormittag fast zwei Stunden Verspätung.
Wir haben daher gleich am Flughafen beschlossen, dass der Hotel Check-In warten muss und zuerst mit der Besichtigung zu beginnen ist.
Um die Privatsphäre zu wahren und auch um den Verkaufsablauf nicht zu torpedieren, haben wir während der Besichtigung auf Bilder verzichtet.
Das Wichtigste beim Bootskauf, ist aus meiner Sicht die Beantwortung der Frage ob das Boot dich „einfängt“ – hast Du das Gefühl, dass Du auf „Deinem zukünftigen Boot“ stehst?
Danach sind natürlich erste Eindrücke bezüglich der Ausstattung und Aufteilung zu sammeln.
Für Beides haben sich die Interessenten genug Zeit genommen bis es zu der spannenden Frage bezüglich einer Probefahrt kam.
Wegen der Regelungen rund um e-Tepai und der knapp bemessenen Zeit, habe ich zur Diskussion gestellt, ob man nicht bis zum nächsten Tag eine generelle Entscheidung treffen könne ob NESSAJA überhaupt interessant ist.
Wäre es nicht fair diese Grundsatzfrage zu klären, bevor man über die nächsten, durchaus aufwendigeren Schritte debattiert?
Dies fand Zustimmung und mit diesem Mindset haben wir uns auch getrennt.
Tatsächlich haben die Beiden vorgezogen den Abend alleine zu verbringen und die Zeit für Abstimmungsgespräche zu nutzen – richtig so!
Sibylle und ich sind daraufhin kurzentschlossen zu „Stis Anna“ gefahren um dort zu Abend zu essen.





Wie immer essen wir ausgezeichnet und sind wirklich sehr zufrieden. Natürlich dreht sich an diesem Abend alles um den Besuch unserer Interessenten auf NESSAJA.
Die Beiden sind uns sympathisch und ich kann mir vorstellen, dass Ellen und Dominik unsere Dufour in einen dritten Lebensabschnitt führen.
Nach Christine und Rudi, den Erstbesitzern, welche sie OTARIE nannten und mit ihr viele Jahre und Meilen im gesamten Mittelmeer absegelten…
Nach Sibylle und mir, welche das seltene Schiff ihrem ersten großen Refit unterzogen und sie als NESSAJA sechs Jahre für alle Jahresurlaube in der griechischen Ägäis nutzten und zuletzt fünf Jahre dauerhaft auf ihr wohnten…
Nun vielleicht ein junges Paar aus der Schweiz, welches seinen Lebenstraum damit umsetzt???
Auf dem Heimweg haben Sibylle und ich Lust auf etwas Süßes – nein, diesmal nicht, oder FAST nicht…
Wir setzen uns nicht bei „Repapis“ hin, inzwischen ist es abends einfach zu frisch – aber ein Eis zum Mitnehmen wäre doch was, oder?


Der nächste Morgen beginnt für mich mit einem Aufreger – auf dem Weg zu den Sanitäranlagen werden wir angesprochen…
Ob wir den Besitzer des ungarischen Wagens kennen würden, eine Babykatze miaut jämmerlich und niemand kann helfen.
Nein, leider können wir nicht helfen, einen Ungarn kennen wir nicht.
Männer wälzen sich vor dem Wagen im Staub und versuchen von unten unter die Motorhaube zu greifen – die ganze Marina wird in Alarmbereitschaft gesetzt.
Einen kurzen Augenblick lang ergibt es sich, dass nur Ewa und ich alleine am Wagen waren – meine Chance.
Beherzt greife ich in den Radkasten – ein geringes Risiko für Kollateralschäden schwingt immer mit…

In diesem Moment beginnt für das Kätzchen das Glück im Leben, sie weiß das natürlich nicht, wir alle wissen es noch nicht, aber es ist ein Schicksalsmoment.
Sie ist hungrig und traut sich daher wohl mehr zu, als ihr Instinkt gestatten würde.
Sie vergisst ihre Scheu und lässt sich mit Käse locken – und ich kann nach ihr schnappen noch bevor sie sich zurückzieht.
An der Nackenhaut ziehe ich sie aus ihrer Falle und verfrachte sie in Ewas Käfig.

Normaler Weise trägt man die Katze jetzt in die Freiheit, mit oder ohne Umweg über den Tierarzt – nicht so heute.
Als wir auf dem Weg zu Ewas TOP CAT an Alex und Antonias ANAHITA vorbeikommen rufe ich den muskelbepackten Adonis und zeige ihm die kleine Katze.
Der Gestählte zerfließt beim Anblick der kleinen Mieze und adoptiert sie sofort – natürlich nicht ohne vorher Antonias Einverständnis geholt zu haben.
In dieser Sekunde bekam „Feivel“ eine kleine Katzenschwester, welche auf den Namen „Aria“ getauft wurde.
Das „A-Team“ hat Zuwachs bekommen – und wir bekommen nur wenige Stunden später ein Foto…

Inzwischen waren Ellen und Dominik aus dem Hotel zurückgekommen – ja, man habe weiterführendes Interesse, müsse nun aber ihrerseits erst ein Thema klären – die Preisfindung.
Ok, das war klar – der Zeitpunkt war früh, aber zur rechten Zeit. Für eine halbe Stunde wurden die Bandagen etwas enger gebunden und es wurden nachdrückliche Argumentationen und Standpunkte ausgetauscht.
Irgendwann war das Limit erreicht, die Bandbreite ausgereizt – abermals zogen sich die Schweizer zurück um sich zu beratschlagen, auch ich musste ein paar Punkte mit Sibylle abstimmen.
Nach zwei Stunden war der Verkauf besiegelt, wir gaben uns die Hand auf ein Paket, welches zu erledigende Arbeiten festschreibt und einen vereinbarten Preis beinhaltet – auch eine ungefähre Zeitachse haben wir festgelegt.
Der Verkaufsprozess von NESSAJA startet – inoffiziell – am 16.10.2025, fast exakt 11 Jahre nachdem ich sie gekauft habe, es fehlen genau 10 Tage.
Was folgt, war ein nunmehr entspanntes Zusammensitzen gepaart mit dem Austausch von Gedanken und Plänen. Die Anspannung war gewichen, nicht einmal mein so hochgelobter Motor wurde mehr gestartet…
All das wird Zug um Zug in den nächsten Monaten passieren.
Wir gehen noch zusammen ins „SouVLakki“, stoßen nach dem Abendessen mit einem Ouzo auf das Geschäft an, dann müssen die Beiden schon wieder abreisen – ihre Pflichten rufen.

Sibylle und ich sacken ins Bett – die Köpfe sind leer, die Gedanken fliegen davon.
Der Anfang vom Ende…
Bin ich traurig? Nein, das wäre zuviel. Bin ich zufrieden? Inzwischen ja. Ich habe ein paar Tage lang das Wort „zufrieden“ abgelehnt – es hat für mich lediglich gepasst.
Inzwischen stellt sich Zufriedenheit ein.
Ich bekomme meinen Minimumpreis, muss aber noch viel Arbeit investieren. Dafür habe ich Käufer die mir sympatisch sind – das war mir wichtig.
Stimmt das wirklich, oder sagt man das nicht nur so? Nein, es stimmt in meinem Fall wirklich!
Ich „verschenke“ mehrere hundert Stunden Arbeit und nehme empfindliche Wertverluste bezüglich meiner Investitionen hin – das alles fühlt sich nur dann „gut“ an, wenn die Personen die davon profitieren nett erscheinen.
Daher mein Fazit – die richtigen Käufer zum richtigen Zeitpunkt! Ich freue mich für uns Vier und hoffe, dass wir zu einem perfekten Abschluss im Jahr 2026 kommen.
Ich brauche eine Bootspause! Wir widmen uns ein paar Tage lang dem Haus, hier können wir ein paar Kleinigkeiten erledigen.

Im großen Schlafzimmer unseres Hauses stand ein alter, bereits zerlegter Kleiderschrank.
Nachdem Sibylle den Schrank von Susanne geschenkt bekam, war es keinen Gedanken mehr wert, aus dem vorhandenen Schrankteilen etwas zu bauen – die Fronten gefielen uns nicht, der Rest war nicht von hoher Qualität.
Wir begannen also einen zweiten Haufen mit Sperrmüll in der Garage anzusammeln.
Weil es gar so gut lief, haben wir am Folgetag gleich noch den massiven und sehr dunklen und drückenden Schrank im kleinen Schlafzimmer abgebrochen und zu unserer kleinen „Mülldeponie“ dazugelegt.



Perfekt! Das hat ja gut geklappt. Bereits zwei Tage später wird die Garage wieder frei sein und wir werden nur noch eine weitere Fuhre Sperrmüll für den Abtransport haben.
Es ist nun noch die Küche abzubrechen und die ersten Teile des bestehenden Badezimmers – aber das ist eine Aufgabe für später, der November ist vollumfänglich für ELOWYN reserviert!
Ich habe zudem noch einen perfekten, wenn auch temporären Platz für mein Hauswasserwerk gefunden.
Wir werden es in die aktuelle Außenküche stellen, um die Nachbarn nicht mit Lärm zu belästigen und um keine Begehrlichkeiten zu wecken.
Den Anschluss an die Zisterne wird ein befreundeter Installateur die nächsten Tage vornehmen – ab dann haben wir neben Strom auch fließend Wasser.
Um die Leitungen legen zu können, muss ich meinen neuen Bohrhammer einweihen…



Läuft! Eine kleine Sache wäre da noch – wenn ich den Bohrhammer schonmal ausgepackt und eingeweiht habe, dann könnte ich doch gleich den Briefkasten montieren.
Kaum hatte ich den Gedanken im Kopf, habe ich mich ans Werk gemacht. Ich erwarte bis heute eigentlich nur die Stromrechnung, aber man weiß ja nie – ein Briefkasten ist ja schon ein Statement.
Besonders in einer Gegend, in der die Straßen keinen Namen haben – da fällt mir doch gleich eine neue Headline ein 😉 …

Der Tag geht zu Ende, wir haben etwas gerissen! Das freut mich, es geht etwas voran – und was mich fast noch mehr freut ist, dass ich tief in mir drin eine Art „Befreiung“ spüre.
Die kleinen Arbeiten am Haus machen mir sehr viel mehr Spaß als vor der Verkaufsentscheidung NESSAJA betreffend.
Es fühlt sich zum ersten Mal gut an, wir sind auf dem richtigen Kurs, dem Ende scheint ein neuer Anfang inne zu wohnen.
Ich bin gespannt, wie sich der Baubeginn anfühlt.
Heute sind wir zum Sonnenuntergang hin zum Grillen verabredet…



Es wird am Abend inzwischen frisch, ich beschließe heute das erste Mal meinen dicken Hoodie mitzunehmen und werde diesen im Verlauf des Abends auch brauchen.
Mit dieser Kleidung bin ich letztes Jahr durch den ganzen Winter gekommen, es ist echt zu kalt für diesen Oktober, brrrr!

Während wir noch auf unsere Gäste warten, heizen wir die Grills schon einmal an und beginnen Fleisch, Fisch und vegetarische Gerichte aufzulegen.
Ben und Ceatlin haben frisches Brot gebacken, jeder bringt etwas mit.
Es wird getrunken, gelacht und etwas später kommen auch die Gäste.
Übrigens, die Namen Ben und Caetlin solltet ihr euch vielleicht merken.




Ben und Caetlin sind aus den Niederlanden und haben die ehemalige DWARSLÖPER übernommen, das Schiff heißt jetzt DONNA.
Ben habe ich letztes Jahr im Winter kennen gelernt, als er kurz auf NESSAJA zu Besuch war. Er hat zu dieser Zeit das Interesse an der alten Jeanneau SO44 bekundet.
Jetzt steht er mit seiner Freundin Caetlin auf dem Trockendock neben Alex und Antonia, alle arbeiten an ihren Schiffen und werden Teil der heuer sehr jungen Wintercommunity sein.
Was aber sehr viel bemerkenswerter ist, ist die Tatsache, dass Ben und Caetlin an der alten Französin exakt die gleichen Mammutaufgaben wie ich zu erledigen haben – den Abbruch des Teakdecks nebst einer Deckssanierung und darauffolgendem Anstrich und zudem noch den Ersatz des „stehenden Guts“, also aller Wanten und Stage, die Drähte die den Mast halten.
Wir haben vereinbart, dass wir uns gegenseitig helfen und Synergien, zum Beispiel beim Versand, nutzen werden.
Ich freue mich, dass sich unsere Lebenslinien mit denen der jungen Holländer geschnitten haben, die Beiden liegen uns sehr!
Übrigens hat Ben die alte DONNA auch an die „Global Sumud Flotilla“ verkauft, sie teilt das Schicksal mit FREE WILLY.
Inzwischen sind Eirini und Giannis hier, dieser hat Wort gehalten und bringt Sibylle einen Kürbis mit – erinnert ihr euch an mein Bild mit dem rosanen Riesenkürbis? Hier nun meine Gattin…

Wir haben einen sehr spaßigen Abend und bringen, nach eingen Dosen Bier, ein paar sehr wilde Ideen auf´s Tablett.
Diese reichen von Optimierungsgedanken zu der von Jörg und mir geborenen Idee einer Leberkasproduktion auf Leros, bis hin zu „Schrott wird flott Ideen“ bezüglich alter Segelboote.
Als wir ins Bett gehen, bin ich mir selber nicht mehr sicher, ob ich nun ein Segelboot, zwei oder am Ende gar keines besitze.
Ich denke aber, dass der Blog „sailingmoments“ nicht plötzlich sterben muss 😉 – ihr dürft neugierig bleiben…
Am nächsten Morgen brummt mir der Kopf – ich sollte sicherheitshalber mal meine Segelboote zählen!


Es bleibt bei EINS, den Rest wird die Zeit richten! Ein paar Handgriffe stehen heute an ELOWYN an, wir waschen Leinen und packen schon allerhand für den Winter weg.
Zudem muss ich den Schlauchanschluss noch einmal korrigieren, zuviele Änderungen im näheren Umfeld machen dies nötig.
Auf meinem Patenschiff ist alles in bester Ordnung, alles ist für den November vorbereitet, dann geht es wieder mit vollem Einsatz weiter.
Leider bin ich auch bezüglich ELOWYN nicht vor Idioten sicher. Ich habe den Wasserschlauch für den weißen Riesen immer am Wasserhahn angeschlossen, zusammen mit der Stromversorgung.
Die Säule ist mit unserem Geld geladen, die Anschlüsse sind gekennzeichnet.
Ich frage daher – was geht in einem Kopf vor, wenn „jemand“ einen angeschlossenen Wasserschlauch abzieht und dann den Gardena-Anschlussadapter abschraubt und mitnimmt???
Wenn dies bei nicht belegten Wasserhähnen passiert kann man es „unbefugtes ausleihen“ nennen, hier ist es einfach nur klauen! Mir hat einer eine Kupplung geklaut, die man für 70ct kaufen kann…

Ein paar Tage später stellt sich heraus, dass der Nippelklau auch die 9,38€ die noch auf der Säule waren, gemopst hat.
Da fällt mir nix mehr ein, außer vielleicht „schäm dich“!
Apropos schämen – eine Marina ist wie ein Campingplatz, es wird geredet.
Für diesen Gossip wurde einmal die Bezeichnung „Radio Ponton“ kreiert, das trifft es gut.
Jeder sollte wissen, dass er oder sie mal Sender mal Empfänger ist, jeder wird mal Geber sein und wohl auch Nehmerqualitäten haben müssen.
Man sollte sich aber auch bewusst sein, dass jedes „Geschwätz“ die Runde macht und nicht selten die betroffene Person erreicht.
Wenn der Inhalt dann aus Mutmaßungen und gar falschen Behauptungen besteht, wird die Sache doof.
So ergeht es mir und Sibylle nur ein paar Tage nach dem ersten Schritt bezüglich unseres Schiffsverkaufs.
Klar kommt das dumme und falsche Gerede über Sibylle und mich auch bei uns an – oft gefiltert, meist verfälscht, aber es kommt an.
Auch da hinterfrage ich dann den Geisteszustand des Senders, wie dumm kann man in einer so kleinen Gesellschaft sein?
Na Schwamm drüber! Ich habe keine Zeit und keine Muße mich mit so etwas zu beschäftigen – ein Bild, das mein Sohn mir schickt, lenkt mich ab.
Anton, unser kleinster Enkelsohn, übt sich früh und scheint in die Fußstapfen des Papas und des Opas treten zu wollen.
Nun, Handwerk hat goldenen Boden, warum nicht?

Zurück zum Hier und Jetzt! Der Himmel hatte sich ja schon zugezogen, ich habe nicht viel mehr geschafft als nach ELOWYN zu sehen, als die angesagte Regenfront eintraf.
Es prasselt auf´s Kajütdach, eine weitere Schlechtwetterfront zieht durch – jetzt möchte man meinen, dass man sich so einen Tag ja mit Lesen, Duolingo oder sonstwas vertreiben könnte…
Aber wie schon Roland Kaiser vor vielen Jahren wusste – „…es kann der Frömmste nicht in Frieden leben…“
Sibylle will, dass ich den Riesenkürbis in Einzelteile zerlege – meine Frage ob ich dies auch mit dem Fäustel machen darf, überhört sie stoisch…

Na egal, mit dem relaxten Tag wäre es sowieso nichts geworden, denn ausgerechnet heute war der bereits erwähnte Krantermin für Heiners Katamaran DAMIANA anberaumt.
Das hilft nix, da müssen Uli und ich jetzt durch! Unsere Frauen stehen tapfer an unserer Seite und rackern mit uns, während uns kühle Regentropfen auf das Haupthaar prasseln.




Wir warten relativ lang in der Kranbox, können uns derweil aber in den Salon der Lagoon 380 zurückziehen.
Das passt so, aber wir sind trotzdem froh, dass es nach fast einer Stunde endlich weitergeht.
Insgesamt geht uns so an diesem Tag die gesamte „Kernarbeitszeit“ von 10.30 Uhr bis 14.00 Uhr verloren.
Irgendwann ist es geschafft und DAMIANA hängt in den Gurten.

Nach dem Herausheben wird der kleine Kat nahe der Sanitäranlage abgestellt und wir schließen die Türen.
Die Restarbeiten verschieben wir auf einen anderen Tag, einen mit besserem Wetter.
Uli und Angelika packen das dann alleine an, als ich drei Tage später an der alten 380er vorbeifuhr, war alles gemäß Heiners Liste erledigt.
Für mich endet der Tag versöhnlich – Sibylle hat drei! Töpfe Kürbissuppe gekocht und wir haben die Crew der DONNA, Caetlin und Ben, zum Essen eingeladen.
Für mich war die sehr leckere Suppe eine gute Gelegenheit mich aufzuwärmen, für die beiden Holländer war es eine willkommene vegetarische Einladung, das ist relativ selten.
Caetlin bietet an, dass sie frisches, selbstgebackenes Brot mitbringen würden – top!!!

Was soll ich sagen? Es war ein wirklich außerordentlich netter Abend mit dem jungen Paar!
Ich respektiere Ben für seine Kenntnisse um Bootsreparaturen und seinen verbissenen Einsatz.
Caetlin ist aus meiner Sicht eine clevere junge Frau, die das Lebensmodell mit ihrem Freund teilt und unheimlichen Einsatz zeigt.
Wir hatten Spaß, viele Themen zu besprechen und zu guter Letzt auch eine Überscheidung finden können – eine sehr wichtige Gemeinsamkeit, welche für Synergieeffekte sorgen wird…
Ben und Caetlin werden über den Winter ihr Teakdeck abbrechen und Kiwi-Grip streichen. Zudem werden sie ihr stehendes Gut erneuern!
Meine zwei Mammutaufgaben überschneiden sich also mit ihren – da wird es einiges zu fachsimpeln geben, wir werden voneinander profitieren und uns gegenseitig helfen.
Der neue Morgen beginnt mit einer Negativüberraschung…

Der Regen tut der Natur gut – aber nicht allerorts. Hier in der Marina sorgt er für ein Schlammintermezzo.
Klicker ist an allen vier Sitzplätzen mit trockenem Dreck besudelt – ich versuche, zumindest die gröbsten Spuren zu beseitigen.
Auch das Becken der Marina ist total versaut – es schwämmt das schlammige Regenwasser über die Abflüsse mehr oder minder kontrolliert ins Meer.
Klar, dass einiges an Schmutz und Sonstigem mit fortgewaschen wird.

Ich weiß noch nicht, dass ich abermals einen Tag vor mir habe, an dem ich nur so Kleinscheiß wegarbeite. Das sorgt leider nicht für ein vollkommenes Glücksgefühl.
Wenn man aber am Abend noch einmal den Tag Revue passieren lässt merkt man, dass man doch etliches erledigen konnte.
So habe ich zum Beispiel für Hans Peter seine Schalteinheit des Wassermachers überprüft – hier muss ein Ersatzschalter bestellt werden.
Doch die entscheidende Frage war – Taster oder Raster???

Danach habe ich mich der „Fertigung“ eines speziellen Werkzeugs gewidmet.
Ewa und Steve werkeln seit Tagen an ihrer TOP CAT herum. Ich habe gestern etwas unterstützt, das bringt mir jetzt Mehrarbeit ein.
Auf eine Mutter hat man den Standardschlüssel einfach nicht aufsetzen können – eine Individuallösung musste her.
Ewa hängt sich total in diese Reparatur rein, das ringt mir Respekt ab! Daher will ich helfen, obwohl ich eigentlich nicht helfen will.
Verwirrend? Ich erkläre – ich habe keine Zeit und der Marinachef sieht es nicht unbedingt gerne, wenn ich meinen Dunstkreis erweitere. Aus diesem Grund will ich mich generell nicht in solche Arbeiten einmischen.
Irgendwie konnte ich aber nicht anders, den Ewa und Steve sind ein besonderes Paar – sie ist „die Macherin“ und sie war und ist so Stolz auf das bereits Vollbrachte.
Ich kann sie nicht scheitern lassen!


Ob mein Tun letztlich hilfreich sein wird? Ich weiß es noch nicht – zum Ende des Monats war der Fehler gefunden, allerdings war der Kühlkreislauf des Motors umfänglich zerlegt.
Das Ergebnis war offen, der Zusammenbau steht noch an. Vielleicht kann ich nochmals unterstützen…
Ich habe mir etwas Süßes verdient – sage ich! Und da Sibylle gerade beim Einkaufen ist und mir das Gefasel der ANAHITA und DONNA Crews während der letzten Tage nicht aus dem Kopf ging, schreibe ich eine WhatsApp mit der Bitte um Bougatsa…
Oder Galaktoboureko. Oder Beides? Ja genau, Beides!!!

Sibylle und ich trinken Kaffee, dann haben wir einen besonderen Punkt auf unserem Tagesplan.
Wir treffen Giannis, den Mann von Esther. Zu den Beiden irgendwann einmal etwas mehr…
Die Schweizerin und der Grieche aus Leros sind seit vielen Jahren verheiratet und er hat, als pensionierter Gärtner, eine Plantage für exotische Früchte auf Leros hochgezogen.
Er ist ein Gartenexperte und Fachmann – und genau ihn konnten wir für eine Einschätzung bezüglich unserer Oliven gewinnen.
Sein Fazit – top Qualität, top Menge, alle reif! Bitte sofort ernten, wir fahren gleich zur Ölmühle.

Der Mann war ein Segen am heutigen Tag! Er regelt für uns unsere gesamte Olivenernte – zunächst einen Fachmann, welcher kommt, arbeitet, alles Werkzeug und Zubehör mitbringt und mich anleitet.
Dann einen Termin bei der Ölmühle und die abschließende Abfüllung. Zu guter Letzt noch den Preis. Ok, das ist top! Und wieviel erwarten wir zu bekommen? Ich rechne mit 15 Liter, oder doch 20?
Er lacht laut! Waaaas, vergiß´ es, Du bekommst 150 Liter, oder vielleicht 180!
Ich verblasse und hoffe fast ein bisschen, dass er mich auf die Schippe nimmt.
„Wann geht es los?“ „Kommenden Montag um 07.30 Uhr, morgens! Die Helfer organisierst Du!“
Ich habe Angst – und ich brauche ein Bier!

Die Helfer – woher nehmen??? Der Zufall will es, dass ich in Facebook ein Inserat lese „Any option for me to help as a volunteer harvesting Olives?“
Und wer fragt das? Ich schmunzle in mich hinein – Femma! Die junge Motorrad-Weltreisende aus Holland!
Unsere Lebenslinien schneiden sich ein zweites Mal. Neben ihr sagen Uli und Angelika von der JASPER und Ben und Caetlin von der DONNA zu, das sollte reichen.
Beruhigt und zufrieden kann ich mich in den wohlverdienten Feierabend stürzen.

Heute Abend kommen Roland und Mireille zum Essen. Sibylle hat gekocht und wir revanchieren uns für so viele wunderschöne Einladungen in ihrem Haus mit einer Gegeneinladung – an Bord von NESSAJA.
Es gibt einen Putenrollbraten in Zitronensoße mit Nudeln und eine Schüssel Salat.
Wir alle schlemmen und essen das berühmte Quäntchen zuviel – aber es schmeckt eben so gut.
Der Rollbraten mit 2kg geht komplett weg 😉

Als Gesprächsopener sagen nun auch die Freunde aus Vromolithos zu, dass sie zu unserer Olivenernte kommen werden – jetzt haben wir wirklich genug Men- und Womenpower!
Auch sonst haben wir einander viel zu erzählen und wieder einmal kommt es im Gespräch zum Thema „enge Liegeplätze“.
Roland ist unglücklich über seinen Platz und wollte eigentlich in unsere Richtung verholen, hat sich aber letztlich doch entschieden zu bleiben.
Er weiß, dass unsere lieben, irischen Nachbarn Jill ind Ciarán ihre OLIVE über den Winter an Land gestellt haben und wir uns gefreut hätten, wenn er seine SUNNY SIDE UP auf den freigewordenen Platz gelegt hätte.
Warum dies für uns eine win-win Situation gewesen wäre liegt auf der Hand – ich will einfach ein unbewohntes Schiff neben mir haben, am liebsten mit einem Eigner, mit welchem ich zumindest in Kontakt stehe.
Unsere Freunde fragen nach meiner finalen Lösung, ihnen sei aufgefallen, dass neben mir keine Lücke klafft.
Ich erzähle daraufhin von meiner Aktion mit FESTINA LENTE vor ein paar Tagen.

Ich habe die Schlüssel der Bavaria 39C vom Besitzer erhalten, um im Falle eines Verkaufs bestmöglich reagieren zu können.
Da das Schiff im Wasser bleiben soll, möchte ich doch bitte ein Auge darauf werfen.
Die Option FESTINA LENTE an unseren Steg zu bringen wurde diskutiert, aber mangels Plätze verworfen.
Für mich war das Umparken DIE Lösung – das von mir betreute Schiff gibt mir einen gewissen Einfluss auf mein direktes Umfeld und ich kann so sicher stellen, dass uns niemand zu nah auf die Pelle rückt.
Die Reihe am zweiten Teil von Ponton F ist nun komplett, es wird vor dem Winter keine Änderungen mehr geben.

Die Freunde gehen nach Hause, unsere Runde löst sich auf. Ich schreibe noch ein paar e-Mails und recherchiere ein wenig, denn ich möchte relativ bald mit der Erneuerung des stehenden Guts beginnen.
Der neue Tag beginnt unspektakulär bei einer Tasse Kaffee. Dennoch ist es ein besonderer Tag.
Nicht nur, dass mein Sohn Stefan heute Geburtstag hat – was Sibylle und mir ein außerordentlich lustiges Telefonat mit ihm und Enkelchen Anton beschert – nein, heute ist exakt der Tag an dem ich auch NESSAJA gekauft habe.
Ich habe den Vertrag am Geburtstag meines Sohnes im Jahr 2014 unterschrieben – heute vor 11 Jahren!
Ich denke zurück und muss gestehen, dass ich ein bisschen wehmütig bin – aber wirklich nur ein bisschen.
Auch heute will ich etwas tun, obwohl der Sonntag zum Faulenzen lädt – daher beschließen Sibylle und ich, dass wir zumindest eines der Segel abschlagen.
Die Takelage muss frei sein.

Sibylle und ich schlagen das kleine Vorsegel ab und legen es zusammen. Morgen werden wir es im Haus einlagern.
Diese Alibiarbeit klappt wie am Schnürchen, so haben wir bald Feierabend und widmen uns den angenehmen Dingen.
Heute gönnen wir uns einen freien Nachmittag, denn bei „Stis Annas“ gibt es eine Charityeinladung.
Der Hundeshelter lässt ein Mittagsbuffet aufbauen und verlangt 20.-€ Eintritt pro Person – die Einnahmen gehen, natürlich, an den Verein zum Schutz der Vierbeiner.
Es werden kleine Gadgets angeboten und selbstverständlich ist man offen für Spenden.
Da Brigitte und Hans gleich um die Ecke wohnen, treffen wir uns auf einen Kaffee bei ihnen und gehen dann gemeinsam zum Lunch zu Anna.

Da wir uns einig sind, dass diese Einkehr heute das Abendessen ersetzt, genehmigen wir uns noch ein zweites Tellerchen nebst einem zweiten Bier.
Wir treffen nette Menschen, quatschen ein wenig, wollen aber auch am fortgeschrittenen Nachmittag nicht heim – zu schön ist es hier.
Was spricht dagegen, sich an die inzwischen frei gewordenen Tische am Strand zu setzen und dort noch eine Karafaki Ouzo zu teilen?
Nichts! Genau – und deshalb setzen wir auch das sofort in die Tat um…

Wir sitzen noch eine ganze Weile – bis die Sonne hinter den Hügeln von Crithoni verschwindet.
Dies ist schon gegen 17.30 Uhr der Fall, denn gestern Nacht wurde die Zeit auf Winterzeit umgestellt.
Wir verabschieden uns und gehen nach Hause, zurück auf NESSAJA. Der Abend wird der erste, gefühlt lange, Winterabend an Bord.
Zwar können wir uns die Heizung noch sparen, aber es ist dunkel, nicht allzu spät und wir müssen uns die Zeit vertreiben.
Sibylle streamt einen „Tatort“ in der Mediathek und ich schreibe diese Zeilen hier.
Dann gehen wir zeitig ins Bett, denn morgen klingelt der Wecker bereits um 06.00 Uhr – Olivenernte!
Treffpunkt am Haus um 07.30 Uhr – ich werde bereits ab 07.00 Uhr dort sein.

Ich schlafe unruhig und stehe früh auf. Nicht schlimm, so habe ich trotz der frühen Stund´ Zeit für meine zwei Humpen Kaffee – das braucht´s einfach.
Dann fahre ich zum Haus – ich will ein Stromkabel in den Garten legen, alle Türen aufsperren und anwesend sein, wenn der organisierte Olivenprofi kommt.
Dann würde ich Sibylle Bescheid geben, dass sie mit unserem Team kommen kann.
Das macht vermutlich Sinn, denn der Grieche wird vermutlich ein flexibles Arbeitszeitmodell haben.
Weit gefehlt!

Als wir den Mann organisiert haben, wusste ich nicht, dass Nikos mein Nachbar ist.
Noch skuriller wurde es, als wir erfuhren, dass er in unserem Haus geboren ist, es ist sein Elternhaus. Seine Tochter Efdokia ist unsere direkte Nachbarin, er wohnt im Austragshäusl.
Vermutlich war ihm deshalb die Parkplatzsituation rund um unser Haus auch scheißegal.
Ich schreibe das bewusst so, denn er hat mitten auf der fetten „No parking“ Schrift in der Einfahrt einer anderen Nachbarin geparkt.
Dies führte zu einem heftigen Streit, aber gefühlt ist Nikos als Sieger aus dem Wortgefecht hervorgegangen – er ging zurück an die Arbeit, sein Auto blieb stehen.
Im Garten war alles schon vorbereitet – ich schreibe Sibylle an „…gib Gas, Nikos arbeitet schon…“! Es war 07.25 Uhr…






Hier geht ein ganz herzliches und dickes Dankeschön an unsere Freunde und Erntehelfer – ohne eure Hilfe wäre das nicht in der kurzen Zeit zu schaffen gewesen.
Uns hat es Spaß gemacht und es hat uns sehr gefreut, unser erstes Ernteerlebnis mit euch zu teilen.
Es ist mir wichtig die Freiwilligen zu nennen – mit vollem Einsatz dabei waren…
Angelika und Uli von der JASPER, Mireille und Roland von der SUNNY SIDE UP, Caetlin und Ben von der DONNA und last not least die Motorradreisende Femma, die ihr aus früheren Erzählungen kennt.
Wir alle haben von morgens 07.30 Uhr bis etwa 12.30 Uhr gerackert was das Zeug hält – hier noch ein paar Impressionen!




Interessant ist zu wissen, dass man ab einem Baumbestand von 20 Stück in eine Art Register eingetragen werden muss.
Dies ist bei uns nicht der Fall, wir haben 16 Bäume und sind daher von einer Meldepflicht befreit.
Mit der Zeit kam die Übung und wir haben die Arbeiten weitgehend übernommen.
Nikos hatte sichtlich Freude und hat dies mit lautstarkem Gesang untermalt.
Ich hatte die in Deutschland gekaufte JBL Partybox im Garten aufgestellt und griechische Musik laufen – es war fast zu perfekt!




Plötzlich fängt Nikos an, seine Netze einzurollen. Wir sehen uns um – tatsächlich, die Arbeit war geschafft, alle Bäume waren abgeerntet.
Ein Teil unserer Mannschaft hat sich verabschiedet – Mireille hatte noch zu tun, Femma musste arbeiten und Angelika und Uli mussten noch ihre morgige Heimreise vorbereiten.
Der übrige Teil der Helfer hat Nikos und mich zur Ölmühle begleitet, die Oliven müssen dort auf einer Art Sieb von den Blättern befreit werden und anschließend in Körbe gepackt werden.



Im Laufe des Tages hat jeder Beteiligte, egal ob Mann oder Frau, einmal gesagt, dass es jetzt klar würde, warum ein Liter Olivenöl solche Preise erreicht.
Die mit der Ernte und der Herstellung verbundene Handarbeit ist so immens, dass Dumpingpreise von 3.- oder 4.- Euro schon einiges aussagen.
Bei uns naht das Ende UNSERER Arbeit, gleich sind wir bereit für die Übergabe an die Ölmühle, welche nur fünf Fußminuten von unserem Haus entfernt ist.



Wir haben 250 Kilogramm Oliven – wow! Ich bin gespannt wie es jetzt weitergeht.
Es sieht so aus, als ob wir auf unsere Ölherstellung warten können, wir sind gleich dran.
Roland verabschiedet sich, Sibylle bringt Ben und Caetlin zurück in die Marina. Ich bleibe und betrachte meinen Schatz und den weiteren Verlauf des Herstellungsprozesses.
Ich ahne nicht, dass Sibylle und ich wenige Augenblicke später in ein peinliches Fettnäpfchen treten werden.
Ich beobachte, wie sechs Kisten Oliven die vor mir auf der Waage waren in die Maschine geschüttet werden.
Die Maschine mahlt, ein Kanister wird gefüllt, die Letzten Tropfen fallen, dann wird ein rotes Fass unter den Auslass gestellt und meine Oliven kommen in die Maschine – jetzt geht es los, dachte ich…

Der Mühlenbetreiber telefoniert, kurz darauf kommt der Pope mit dem Auto und überwacht den Prozess.
Er streichelt meine Oliven und pult ein übersehenes Blättchen aus dem Behälter.
Super! Der Segen der Kirche – was will man mehr.
In diesem Augenblick kommt Sibylle zurück. Wir beobachten den Prozess weiter, bis die ersten fünf meiner Körbe im Schlund der Maschine verschwunden sind.

Die Maschine stoppt, das Öl läuft nach – lang! Bestimmt eine halbe Stunde oder länger.
Auf einmal endet der Ölfluss, der Pope schnappt sich das rote Fass, lädt es in sein Auto und verschwindet.
Sibylle stachelt mich an und sagt „…der Pope hat Dein Öl geklaut!“ Sie ruft unseren Freund Giannis an um zu übersetzen.
In diesem Moment startet die Mühle wieder – mit der zweiten Charge unserer Ernte, ein weiteres Mal werden fünf Körbe in die Maschine gekippt.
Jetzt erst kommen die von uns bestellten Blechkanister unter den Auslass.
Auch ich werde nervös – hat der Pfarrer wirklich die Hälfte unseres Öls stibitzt oder musste ich den Zehnt abtreten? Ist es eine Machenschaft? Die Leros-Öl Mafia?
Zum ersten Mal zweifle ich an den Hiesigen…

Giannis beruhigt Sibylle am Telefon – „…Du musst Geduld haben!“ Er verlangt den Mühlenbetreiber an den Apparat, mir wird mulmig – mir schwant, dass etwas nicht stimmt, ich will keine Welle!
Schon gar nicht will ich, dass Sibylle die Kirche des Diebstahls bezichtigt.
Das Mysterium klärt sich auf – die Maschine besteht aus drei Kammern, eine zum Zerkleinern, eine zum Extrahieren und eine zum Trennen.
Bei unserer Ölmühle zumindest ist es so, dass beim Einfüllen beispielsweise meiner Oliven, ein Teil derer des Pfarres noch in einer der folgenden Kammern war.
Wenn also meine Oliven zerkleinert werden, dann werden die des Popen beispielsweise getrennt und es läuft sein Öl in den Kanister, während meine Oliven den ersten Schritt durchlaufen.
Puh, verstanden! Alle glotzen auf uns, ich schäme mich und versuche hölzern die Situation zu retten – „ah, tolle Maschine! Ich verstehe jetzt! Drei Schritte, wow!“
Ich denke, die lachen heute noch über uns…
Na egal – wir bekommen drei volle Kanister, das sind 50 Liter bestes, natives und kaltgepresstes Olivenöl.
Wir fahren noch einmal zum Haus, ein Kontrollgang durch den Garten, alles verschließen – dann geht es ab nach Hause.



Zurück zuhause sitze ich komplett erschöpft auf dem Salonsofa – ich bin glücklich und zufrieden!
Ich habe 50 Liter Olivenöl aus Oliven, welche heute morgen noch am Baum hingen – nachhaltiger gehts nicht! Ich bin fast ein bisschen stolz.
Der Plausibilitätscheck erklärt, dass für einen Liter Olivenöl 5 bis 10 Kilogramm Oliven benötigt werden.
Legt man dies zugrunde, dann haben wir sehr gut abgeschnitten – vermutlich bin ich dem Popen eine Entschuldigung für meine Abtrünnigkeit schuldig.
Ich werde ein Kerzchen anzünden…
Heute schlafe ich tief und fest, was so ein bisschen körperliche Arbeit so alles verursacht.
Leider bleibt es nicht bei einer seeligen Nachtruhe, die geleistete Arbeit zeigt sich auch am nächsten Morgen – nämlich in Form von ganzheitlichen Körperschmerzen…
Ob ich die angebotene Massage von Femma annehme? Na, heute sicher nicht, denn ich bin um 09.00 Uhr mit Antonia und Alex an deren ANAHITA verabredet – heute ist Borddurchlasstag!

Ich muss noch einmal zurück zum Schiff um meine XL-Gummihandschuhe zu holen, da fällt mir die schöne Stimmung über der Lakki Bucht auf.
Ich halte kurz inne und banne das Szenario in einen digitalen Abzug um so die Bilder in meinem Kopf zu manifestieren.
Mein Audi A6 „Klicker“ steht am Wegesrand nahe unseres Steges. Direkt neben ihm die Baustellenauffahrt zum Wellenbrecher.
Die Baustelle ist noch voll aktiv, wenn auch der Nachdruck etwas nachgelassen hat.


Heute ist ein besonderer Tag – es ist der 28.10., ein griechischer Feiertag, der sogenannte „Oxi-Day“.
Es wird das „Nein“ der Griechen gefeiert, welches von Diktator Metaxas an diesem Tag im Jahr 1940 ausgesprochen wurde – er lehnte Mussolinis Aufforderung in Griechenland einmarschieren zu dürfen und strategische Punkte besetzen zu dürfen ab und begab sich in den Krieg gegen Italien anstatt zu Schwäche zu zeigen.
Das Gespräch zwischen Metaxas und dem italienischen Unterhändler Grazzi gab die Tageszeitung Ellinikon Mellon in ihrer Ausgabe vom 30. Oktober 1940 in der Schlagzeile verkürzt als „Ochi“ wieder, dies trug wesentlich zur Verbreitung dieser Verkürzung bei.
Wir planen, die Parade zu besuchen, aber zunächst hieß es an ANAHITA zu arbeiten – Alex war gut vorbereitet…


Wir schaffen es, dass wir bis 11.00 Uhr die heute zu verklebenden Borddurchlässe vermessen, nummerieren und zuschneiden.
Dann holt mich Sibylle ab, um mit dem Motorrad nach Lakki zu fahren.
An der Delta 46 des „A-Teams“ würden wir am Nachmittag weitermachen.
Die Parade war gerade am Anlaufen, als wir in Lakki an der Riva eintrafen.









Die Parade endet so abrupt wie sie begonnen hatte – nach einer Militärgruppe war es vorbei.
Sibylle und ich waren mehrfach am Nationalfeiertag zugegen und haben die getarnten Soldaten und die prächtig uniformierten Marinesoldaten vermisst.
Wir vermuten, dass es zwei Paraden gab und wir aufgrund einer falsch interpretierten Übersetzung, an der anderen Parade keine Teilhabe hatten.
Na egal, dann nächstes Jahr wieder…
Zurück zu ANAHITA – aufgrund der bereits erfolgten Vorbereitung, konnten wir die Borddurchlässe sehr rasch einkleben, das hat ohne Probleme geklappt,

Weil noch etwas Tag übrig war, kann Sibylle mich motivieren, noch einmal zum Haus zu fahren und ein paar Flaschen Olivenöl abzufüllen.
Wir werden das Öl nicht verkaufen! Es wird ausschließlich an die Helfer vergeben, als Geschenk für Familie und Freunde verwendet und natürlich zum Eigenbedarf verbraucht.
Weil wir gerade unterwegs waren, sind wir noch bei Brigitte und Hans vorbeigefahren um einen 3,3m langen Balken abzuholen.
Obwohl Klicker durch Volkers Rodkicker erprobt im Transportieren langer Lasten war, konnten wir das Langholz nicht im Innenraum des Kombis unterbringen.
Andere Lösungen mussten her – griechische Lösungen…

Jetzt hieß es zurück in die Marina – Klicker geht heute Nacht an Alex, er muss seine Mam am Fährterminal abholen, sie wird zwei Wochen zu Besuch sein.
Sibylle will kochen, es wird mal wieder zuhause gegessen – und last not least – der zweite sehr wichtige Grund, warum der heutige Tag ein ganz besonderer ist, unser Enkel Otto hat heute seinen 8. Geburtstag!
Wir wollen auf jeden Fall noch anrufen und dem Knaben ein Geburtstagsständchen singen – „Happy Birthday to you, Marmelade im Schuh…“! 😉
Dann klingen diese beiden verrückten Tage aus – morgen soll bitte wieder Normalität einkehren!
Ich kann es vorweg nehmen – das hat nur FAST geklappt…
BÄÄÄÄÄMM!

Ich war um 09.00 Uhr mit Alex verabredet, wir wollten den Einbau seiner Borddurchlässe finalisieren.
Ich vermute, das Koffein meiner beiden Haferl Kaffee war noch nicht in meinem zentralen Nervensystem angekommen, nur so ist es erklärbar, dass die Wirksamkeit des Müdigkeit auslösenden Botenstoffes Adenosin noch nicht unterbunden war und ich in Folge dessen bereits um 09.03 Uhr mit dem Kopf frontal und ungebremst gegen ein Brett von Alex Gerüst gelaufen bin.
Das rund drei Zentimeter dicke Vollholzbrett schlug über meinem linken Auge ein und mir war klar, dass ich just in dieser Sekunde zum Veilchenträger geworden bin.
Ganz so schlimm kam es letztlich nicht, aber ein Tag kann, da sind wir uns einig, besser starten.
Ich teste, ob der Kopf noch funktioniert oder ob die Erschütterung etwa meine Kleinhirnrinde abgewetzt hat – ich probiere mich im Kopfrechnen…

Wir sägen die Borddurchlässe je nach Rumpfstärke und unter Berücksichtigung der Verwendung sogenannter „Load-Collars“ zurecht und nummerieren beziehungsweise markieren diese.
Dann sind sie fertig zum Einbau und können nach dem Primern mit den SIKA Spezialprimern, mit der Klebe-Dichtmasse eingedichtet werden.
Für die Technikinteressierten – wir verwenden die Primer 3N und 207, verklebt wird mit 291i.

Heute geht das alles schnell von der Hand und wir sind, trotz einer kleinen Brotzeit, denn Sibylle hatte uns Kotopita von Marietta mitgebracht, recht rasch fertig.
Gegen 12.00 Uhr genehmigen wir uns ein Reparierbier, denn die Arbeit war geschafft.
Just in diesem Augenblick kam Alex´ Mutter nebst ihrem Lebensgefährten Jim ums Eck. Die Beiden waren gestern Nacht angekommen um Sohn und Schwiegertochter zu besuchen und sich hier vor Ort ein Bild von deren Lebensprojekt zu machen.
Wir lernen uns kennen und verabreden uns für den Abend zu einem gemeinsamen Dinner im „Tis Kakomoiras“, dann suche ich erstmal das Weite und lass´ die Familie mal in Ruhe ihre Zeit miteinander genießen.
Am Weg zu NESSAJA fällt mir an LIBERTÉ das Duck-Tape auf, welches HP am Mast angebracht hatte.

Ich hole mir von meinem Freund die Genehmigung ein, eine Rolle von dem Zauberband zu kaufen, um es verschwenderisch um den Mast zu wickeln.
Die Genehmigung kam prompt! Ich solle das im Volksmund auch „Panzerband“ genannte Tape derartig um die Schutzfolie wickeln, dass es seinem Namen alle Ehre machen würde.
So sei es, so werde ich morgen schon handeln…
Heute aber ruft mich die Pflicht noch einmal auf die Anhöhen von Plaka – ich muss noch einmal zu unserem Häuschen hoch, um mich um Montagearbeiten zu kümmern.
Ich war mit Giaggos dem Installateur verabredet, mein aus Deutschland mitgebrachtes Hauswasserwerk sollte endlich angeschlossen werden.
Der vielgefragte Fachmann kam pünktlich und fackelte nicht lange…

Ich kenne Giaggos inzwischen schon recht lange. Er gehört zu Giorgos´ Clique und hatte seinerzeit bei der Montage meines Hardtop geholfen.
Wir haben ihn mehrfach in Giorgos´ Werkstatt zum Smalltalk getroffen und auch schon Ostern miteinander gefeiert – ich kann sagen, dass wir befreundet sind.
Ich hatte ihn schon vor Monaten gefragt, ob er auch die Gesamtinstallation des Hauses übernehmen würde und er hat zugesagt.
Er ist mein Mann für alle Installationsarbeiten.
Heute nur eine Kleinigkeit – die aber perfekt!

An die Installationsexperten unter euch – es ist nur eine Notinstallation! Ich brauchte dringend Wasser am Haus, die Zisterne ist randvoll.
So kann ich ab sofort Wasser entnehmen – das ist perfekt gelöst.
Natürlich ist diese Lösung grobschlächtig und temporär – die spätere Hausinstallation wird fachgerecht UND optisch perfekt umgesetzt.
Jetzt aber – Testlauf! Bereits nach 20 Minuten war der Wasserhahn angebracht, Wasser marsch!

Funktioniert! Endlich steht Wasser zur Verfügung…
An den Hahn kommt jetzt noch eine Gardena Schlauchkupplung und ein Wasserzähler, dann kann der Schlauch angeschlossen werden, mit dem wir dann an allen Stellen auf Wasser zugreifen können.
So können wir Pflanzen gießen, die Hände waschen und wenn nötig auch mal mit der Gießkanne die Toilette spülen.
Ich fahre zurück zu NESSAJA und sage meinen Griechischkurs ab – es werden neue Gruppen gebildet, ich habe keine Lust noch einmal mit der mir fremden Fortgeschrittenengruppe zu praktizieren.
Ich setze auf die neue Anfängergruppe und hoffe, dass es nächste Woche richtig los geht!
Schon bald holen wir Hanna und Jim ab um uns mit Antonia und Alex in unserem Lieblings-Mezelokal zu treffen.

Wir haben einen echt supernetten Abend und kommen auch recht spät nach Hause – klar, dass ein Ouzo den Abend abrundet, Yammas!
Ich schlafe gut! Der Ouzo und das Freibier vom Wirt zeigen Wirkung.
Sibylle und ich fahren abermals nach Plaka zum Haus. Wir pflanzen eine erste Salbeipflanze in unseren Kräutergarten, denn wir können ab jetzt ja gießen.
Dann füllen wir die letzten Geschenkflaschen Olivenöl für die Helfer ab.
Am Rückweg bleiben wir kurz bei Mireille und Roland stehen um deren Geschenk zu übergeben, leider waren sie nicht zuhause und wir stellen die Flaschen nur ab.
Beim Wenden in Nachbars Garten, winken uns Brigitte und Claude aber zu, „…kommt auf einen Apero, die Sonne scheint so schön auf die Terrasse!“
Wer könnte dazu schon Nein sagen???

Wir sitzen mit den Beiden zusammen und unterhalten uns ein wenig. Man sitzt so schön hier – fast bleiben wir kleben.
Wir ermahnen uns zur Disziplin, trinken aus und ziehen weiter – eigentlich könnten wir ein paar Kleinigkeiten erledigen…
Das klappt aber nicht, denn als wir bei „Repapis“ vorbeifahren, bekommt mein Audi so einen starken Linksdrall, dass ich das Steuer kaum halten kann.
Da der Schreck mir in den Gliedern sitzt, brauche ich erstmal eine Pause!

Ich labe mich an der Eisspezialität und die Zeit verrinnt uns zwischen den Fingern.
Als wir auf NESSAJA zurück kommen, haben wir nur noch eine Stunde bis zur nächsten Verabredung.
Ich nutze diese Zeit um meinen Greek-Score in Duolingo in ungeahnte Höhen zu treiben – ich spiele zur Zeit in der höchsten Liga, plage mich aber sehr.
Um kurz vor 15.00 Uhr fahren wir nach Gourna an den gleichnamigen Strand.
Wir sind dort im Café „Sunset Bar“ mit Esther und Giannis verabredet, wir sprechen eine Einladung zu Ouzo mit Meze aus, als Dankeschön für Giannis´ Beratung rund um unsere Olivenernte.
Er hat bei uns den gedanklichen Prozess gestartet, hat Erntemeister Nikos für uns organisiert und den Termin in der Ölmühle für uns klar gemacht.
Zusammen mit dem Mastermind unserer Olivenernte und seiner Frau Esther haben wir einen lustigen und sehr entspannten Nachmittag…



Ich kaufe mir am Heimweg noch einen Snack im „SouVLakki“, dann ziehen wir uns in NESSAJA zurück, lassen die Heizung eine halbe Stunde laufen und schauen uns eine erste Folge“wunderschön“ in der Mediathek an.
Am Morgen des letzten Oktobertages telefoniere ich mit meinem Freund René aus Schliersee – er spielt mit dem Gedanken im November mit dem Motorrad zu Besuch zu kommen.
Wir beratschlagen uns und schmieden erste Pläne – er teilt mit, dass er neben Leros noch einen Abstecher nach Rhodos machen wolle.
Da Sibylle zu dieser Zeit in Deutschland weilt, habe ich den Geistesblitz meinen langjährigsten Freund auf diesem Schlenker zur Nachbarinsel zu begleiten – so einen Männerausflug hatten wir lang nicht mehr, ich hoffe, dass es klappt.
Sibylle fährt zum Supermarkt und kauft noch Glasflaschen, wir wollen die letzten Olivenölpräsente an Helfer und Freunde aushändigen um hier nicht mehr länger im Wort zu stehen.
Währenddessen nehme ich zwei Pakete für Ed in Empfang und trage diese auf EDINA – mein Winterservice nimmt wieder Fahrt auf…

Danach fahren wir abermals zu unserem μικρή σπίτι, unserem kleinen Haus in Plaka.
Wir haben einen Teil der alten Küche zu einer Art „Schaltzentrale“ umgebaut.
Hier hat es eine Verteilersteckdose, hier steht die Box um Musik zu machen und hier füllen wir das Öl ab.
Zudem lagern wir auch unsere Genua, das zweite Vorsegel ein, welche wir heute abgeschlagen haben. Die Erneuerung des stehenden Guts soll bald beginnen.

Eine Nachbarin kristallisiert sich als „die Hexe“ heraus. Eigentlich verteidigt sie nur, völlig zurecht, ihre Grundstücksgrenzen gegen wildes Parkieren. Dies tut sie aber auf eine solch böse und flegelhafte Art und Weise, dass es nahezu untragbar ist.
Sie scheint mit allen Nachbarn ein wenig Stress zu haben…
Bisher konnten wir gut ausweichen, aber seit bei uns immer mal wieder Heimwerker oder auch Freunde kommen, kam es vor, dass Anna ihren Zorn auch gegen uns gerichtet hat – wir konnten oft gar nicht schnell genug ausladen und wieder wegfahren, bevor uns ihr Groll traf.
Da wir nichts verstehen und auch nicht reagieren können, prallt das an uns ab, dennoch springen die Nachbarn für uns ein und bieten Parkplätze auf oder vor ihren Grundstücken an.
So parken wir den großen Audi von nun an vor der Kirche „Agios Dimitros“, eine private Kirche die zur Erinnerung an Dimitra, die Schwester der Supermarktbetreiberin Eftyxia, errichtet wurde.
Mit Eftyxia vertehen wir uns gut, wir kennen sie schon lange und vor ihrer Kirche dürfen wir parken – Danke dafür!

Wir fahren direkt zurück in den Ort, wo wir uns mit Cornelia und Martin, der Crew der ALADIN, bei „Repapis“ treffen.
Wir sind auf ein Eis eingeladen und haben ein sehr interessantes Thema – Martin hat deren Haus in der Schweiz nahezu autark aufgebaut, er ist ein Experte in diesem Berufsfeld und hat etliche grandiose Ideen für mich.
Ich freue mich, dass ich Fragen stellen darf und weiß nun, wer mir in Zukunft ganz sicher wertvolle Tips geben kann…
Dann lassen wir die Stunden beim Lernen mit Duolingo vergehen – heute Abend treffen wir uns in Lakki mit Hilde und Benno in einer für uns neuen Taverne.

Die Taverne sieht von außen grausig aus, dafür ist sie innen nicht schön.
Ein Relikt aus den 80er Jahren, aber sowas von authentisch, man will es nicht glauben.
Eigentlich sitzen dort nie Gäste, die Antwort auf die Frage „warum“ drängt sich rasch auf…
Von anderen Seglern haben wir aber gehört, dass das Essen nicht schlecht sein soll und so haben wir beschlossen, dass wir dies heute dort testen werden.
Benno und Hilde waren schon einmal dort, für Sibylle und mich ist es der erste Besuch – obwohl wir sicher schon hunderte Male an dem einsam vor seinem Schuppen sitzenden Wirt vorbei gegangen sind.
Unweigerlich wurden Parallelen zum „Gia Sena“ gezogen, in dem wir letzten Winter ein paar Mal waren.
Wie war das Essen???

Die Meze, wir haben Gigantes, Zaziki und Saganaki bestellt, verdienen Bestnoten!
Geschmacklich toll, große Portionen zum Teilen und zu einem günstigen Preis – super!
In der B-Note schwächelt die unscheinbare, aus der Zeit gefallene Taverne etwas.
Die Hauptgerichte, ich hatte Schweinefleisch in Honig-Senfsauce, konnten nicht mit den Meze mithalten und waren auch nicht so gut wie die, welche Maria im „Gia Sena“ anbietet.
Wir waren nicht enttäuscht von unserem Besuch, aber ich befürchte, dass sich diese Taverne nicht in unsere Liste vorarbeitet.
Für genau diese Lücke haben wir das „Gia Sena“, welches wir um eine Nuance besser einstufen.
So klingt der Tag und auch der Monat aus – der „Anfang vom Ende“ ist eingeläutet!
Sibylle und ich sind gespannt wie es weitergeht – bleibt dran, dann seid ihr immer auf dem Laufenden…
Hier ein Ausblick…
Viel Arbeit an ELOWYN, im November geht es richtig los!
Können wir das stehende Gut von NESSAJA schon tauschen?
Sibylle geht Mitte des Monats nach Deutschland – wie lange wird sie bleiben und wie ergeht es mir in dieser Zeit?
Kommt René mit dem Motorrad und geht sich eine Tour über Rhodos aus?
Wird das neue Garagentor geliefert?
Welche Wintercommunity formiert sich und wie starten wir in den Winter auf Leros – viele Fragen…
Wir blicken neugierig auf den kommenden November und grüßen euch herzlich von Bord der NESSAJA
Mario & Sibylle

Hallo ihr beiden, ich lese ja nun auch schon einige Zeit mit und bemerke immer wieder das du gerade im Hinblick auf die Segelcommunity uneingeschränkt recht hast. Auch wenn wir erst seit 3 Jahren und auch nur für ca. 4 Monate pro Saison auf unserem Boot in Kroatien sind, trägt das Kennenlernen vieler unterschiedlicher Segler/innen zum Großteil dazu bei die Sommer unvergesslich zu machen und unsere Seglerleben zu bereichern.
Hallo Udo,
ganz herzlichen Dank für Dein Feedback. Es ist schön zu hören, dass es nicht nur uns so geht – sind es nicht genau diese Begegnungen, die unser Lebensmodell so spannend und schön machen?
Wir waren ja auch viele Jahre in Kroatiien und haben bis heute echte Freunde aus dieser Zeit – einer hat es sogar bis zu uns in die Marina geschafft!
Klar, man trifft auch Menschen auf die man verzichten kann, viele Begegnungen verlaufen im Sand – aber der Großteil der Bekanntschaften entwickelt sich…
Es entstehen bereichernde und wertvolle Freundschaften – wenn man nur die Bereitschaft dafür mitbringt.
Ich wünsche Dir, dass es in Deinem Seglerleben so weitergeht – und solltest Du jemals nach Leros kommen, dann melde Dich.
Viele Grüße Mario
Danke für einen wieder wunderbaren Monatsbericht. Die Beschreibung der Olivenernte hat mir besonders gut gefallen. Das ist ja etwas, was man als Segler sonst nie mitbekommt.
Pope hat Dein Öl gestohlen… – hätte ich auch gedacht. Man kann nie genug dazu lernen.
Solche und ähnliche Momente für einen Nicht-Griechen wird es wohl weiterhin geben. Bitte berichten!
Und hoffentlich klappt alles beim Nessaja-Verkauf.
Nebenbei, aber Dir wahrscheinlich eh bekannt: Moor & Dock hat alle für die Erneuerung des stehendes Gutes notwendigen Materialien, Werkzeuge und Pressen, Evros wahrscheinlich noch nicht.
Ich wünsche Euch einen schönen, gesunden und nicht zu kalten verregneten Winter!
Liebe Grüße Tom / Blodughadda
Lieber Tom, auch dieses Mal ein großes DANKESCHÖN für Dein nettes Feedback.
Für uns war es ein spannender Monat und wir sind fast ein wenig aufgeregt, was das nächste halbe Jahr bringt.
Tatsächlich bekomme ich mein stehendes Gut von „Meltemi“ in Athen…
Hoffen wir, dass der Pope uns nicht nachträglich verwunschen hat und dass in der kommenden Phase alles klappt.
Gruß von Bord, Mario