Nie, überhaupt NIE, war ich mir so sicher, welches Lied der Titelsong des Monats werden würde. Und wirklich NIE haben Titel UND Interpret so exakt unseren Monat beschrieben, wie MADNESS´ Song OUR HOUSE aus dem Jahr 1982!
Kurz – der Titel passt wie Arsch auf Eimer – der Dezember hat sich fast ausschließlich um „unser Haus“ gedreht und uns dabei fast in den Wahnsinn getrieben.
Dass es, nebenbei bemerkt, der 150. Blogbericht ist, macht die Sache rund – doch der Reihe nach…
Wir schreiben den 1. Dezember des sich zu Ende neigenden Jahres 2024 und Sibylle und ich hatten gerade das Frühstück beendet und saßen an der zweiten Tasse Kaffee beziehungsweise Tee. Es war ein Sonntag, wir hatten keine Eile…
Plötzlich, ein nervenzerreißender Warnton – das Mobiltelefon setzt eine Warnmeldung der griechischen Netzbetreiber ab.

Diese Warnungen sind hier üblich und auch ernst zu nehmen. Dies hat sich in diesem Fall leider auch bewahrheitet, in Rhodos standen Straßen unter Wasser, Autos wurden weggespült, es gab einen Toten.
Wir erhielten mehrere Anrufe von Freunden, die sich nach uns erkundigten, deren Sorge aber auch ihren Schiffen galt. Insgesamt hatten wir im Dezember einiges in Sachen „Caretaking“ zu tun, von diesem Unwetter blieb Leros aber verschont.
Ich habe an diesem Tag meinen Novemberblog beendet und online gestellt – es war ein sehr gemütlicher Sonntag.

Weil ich gerade SAGITTA erwähne – auch Anfang Dezember gab es noch ein paar Restarbeiten an Marios Dufour 38C zu erledigen. Es kam daher mehr als einmal vor, dass die beiden „Supermarios“ 😉 nach dem Abendessen oder bei einem Denkbier beieinander saßen und über Plänen grübelten.

Das Wetter war während des ganzen Dezember durchwachsen. Wir hatten wunderschöne Sonnentage jenseits der 20°C Marke, aber auch viele bewölkte Tage mit Regen.
Ich würde gefühlsmäßig sagen, dass die schönen Tage überwogen haben, aber die Schlechtwetterzeiten verhaften sich in Griechenland eben mehr – zumal wir ja nur ein Motorrad haben.
Wenn es das Wetter zuläßt, dann kann Sibylle mich derzeit leicht zu kleinen Spaziergängen in der Marina überreden. Wir sehen dabei nach den Schiffen der Freunde und Bekannten, helfen, wenn es etwas zu helfen gibt und sehen zu, ob sich die Gelegenheit zu einem geselligen Ratsch ergibt.
Als wir bei einer solchen Marinarunde an der JASPER von Uli und Angelika vorbeikommen, fällt uns auf, dass eine der Heckleinen ins Wasser hängt – ok, schnell wieder hinbinden…

Ich will die Leine aus dem Wasser lupfen und packe sie vorsichtig an, ich will mich nicht mit Salzwasserschlatz besudeln, außerdem gehört immer eine Hand dem Boot.
Uffz, da geht gar nichts! Hhhhgrr, selbst mit der ganzen Hand kann ich die Leine nicht anlupfen – was ist das???
Mir kommt Inspector Barnaby in den Sinn und ich befürchte schon, dass ein Segler der die Seemannsbräuche nicht befolgt hat, mit Betonschuhen an der Leine hängt. Ich suche mir also eine neue Position, stemme mein Gewicht in die Leine…
Endlich tut sich was!

Unglaublich! Hat doch das Einrucken der Hanse 400 dafür gesorgt, dass der Stahlpoller komplett von seiner Bodenplatte gerissen wurde.
Ok, da hat sicher der Rost mitgeholfen, aber so könnt ihr ahnen, dass schon Bewegung im Hafen ist, wenn starke Stürme über den Dodekanes fauchen.

Nach der ersten Überraschung stellt sich die Frage – was tun? Das Boot soll ja wieder sicher fixiert sein und keine allzu starken Bewegungen machen.
Auf den zweiten Blick zeigt sich, dass JASPER kräftig an ihren Festmachern gezerrt haben muss. Zunächst ist wohl der Ruckdämpfer gerissen, in der Folge dessen, wurde das Einrucken nicht mehr abgefedert und die Lastspitzen haben ausgereicht, um den maroden Poller in die ewigen Jagdgründe zu schicken.

Zum Glück ist gleich daneben noch ein Stahlbügel einbetoniert. Dieser macht einen soliden Eindruck und ich kann die zweite Heckleine neu belegen.

Ein Kontrollblick zeigt, dass an der Hanse der Freunde keinerlei Schäden entstanden sind. Klar ist aber auch, dass der Ruckdämpfer erneuert werden muss – das wird Uli als erste Arbeit nach der Rückkehr im Sommer 2025 auf seiner Liste haben.
Da uns dieser Schaden ein wenig sensibel gemacht hat, haben wir am Weg gleich noch andere Schiffe angesehen. Dabei wurde uns auch in diesem Winter klar, dass die Freunde wohl offensichtlich zuhause immer das Wetter vor Ort mitverfolgen – regelmäßig nach Stürmen kommen Anfragen, wie es wohl den Schiffen geht.
Wir beantworten die Anfragen gerne und senden auch gerne Bilder, so können wir für ein bisschen Entspannung bei den besorgten Eignern sorgen.


Wir schätzen die kurze Kommunikation, die sich aus den zugesandten Bildern ergibt. Es ist zwar meist nur ein kurzer Austausch, aber so reißt der Kontakt zu unseren Segelfreunden nicht ab.
In unseren Köpfen dreht sich seit Ende des letzten Monats alles um das Thema Haus – ich rekapituliere noch einmal kurz…
Bei einem Besuch bei Mireille und Roland in Vromolithos haben wir über die Renovierung deren Hauses gesprochen. Nur, wirklich nur aus dem Grund weil ich ein ebenfalls renovierungsbedürftiges Häuschen in Vromolithos wusste, habe ich dies überhaupt erwähnt! Die folgende Diskussion über Für und Wider hat den Hausgedanken neu entfacht, wir haben Interesse für das Objekt angemeldet.
Weil das Thema in unseren Köpfen war und gleich in der Nähe ein Nachbarhaus leerstand, haben wir das auch gleich in den Fokus genommen…

Als wir dieses Haus zu viert angesehen haben, ist sofort eine aufmerksame Nachbarin zu uns gekommen. Wir haben, so gut es eben ging, verständlich gemacht, dass wir Interesse hätten. Die Dame versprach uns, dies mit der Besitzerin abzuklären.
Leider stellte sich heraus, dass DIESES Häuschen nicht zu verkaufen ist. Dennoch, ihr dürft euch vorstellen, dass die ersten zwei Wochen des Dezember geprägt waren durch Gespräche über Häuser auf Leros, das Auswandern als solches und den Kleinkrieg, den sich Engelchen Ratio und Teufelchen Emotion in meinem Kopf lieferten.
Um gleich allen Unkenrufen zuvor zu kommen – die meisten werden sich vorstellen können, welche Position Sibylle bei den Gesprächen einnahm! Wir beide sind uns einig, dass unsere Aktivitäten in Griechenland meiner Verantwortung unterliegen, aber ich kann und will natürlich nicht über ihren Kopf hinweg entscheiden.
Kurz – 14 Tage einziges tiefer gehendes Gesprächsthema – Haus auf Leros!
Dieses Thema sollte zur Monatsmitte eine ungeahnte Dynamik entwickeln – mehr als einmal habe ich mir die Motivationssprüche im „The Leros Way“ Hub angesehen.

Obwohl in Lakki alles weihnachtlich geschmückt war und die Adventszeit inzwischen begonnen hatte, wollte wirkliche Weihnachtsstimmung nicht aufkommen. Ich war zwar entspannt, aber der Kopf war voll.
Ein wenig Abhilfe schaffte Martins dekorierte Nauticat BACK OF THE MOON, wir gehen auf dem Weg nach Hause immer bei dem über die Toppen geschmückten Schiff vorbei.

Wirklich viel gearbeitet haben wir zu diesem Zeitpunkt nicht. Es gab hier und da etwas zu helfen, so waren zum Beispiel Mario und Eva in den letzten Zügen ihrer Rückreisevorbereitungen.
Es mussten am Elektroroller noch die Pneus erneuert werden. Die Luftbereifung, die eine stetige Plattfußgefahr bedeutete, sollte einer speziellen Vollgummibereifung weichen – das war aber mechanisch durchaus herausfordernd…

So etwas geht nicht ohne Belohnung! Nein, nicht was ihr denkt! Obwohl, der Ort unserer Wahl war derselbe wie immer – „Repapis“ Zuckerbäckerei – aber im Winter mag das Eis nicht mehr jeden Tag schmecken. So gönnen wir uns jetzt zwischendurch aus mal eine typische Leckerei von Leros zum Espresso.

Im Dezember besuchen wir, zumindest bis zu den Feiertagen, kaum Restaurants oder Tavernen. Sibylle genießt das Kochen an Bord und ich freue mich darüber mal etwas anderes zu essen als Tavernenkost.
Wir sitzen gemütlich an Bord, die ersten Tage meist gemeinsam mit Mario und Eva und genießen die behagliche Wärme und die Bequemlichkeit.
Wenn wir doch mal in den Ort wollen, sei es um einfach mal Leute zu treffen oder auch um einmal einen Longdrink zu genießen, dann gehen wir gerne ins „Palma Café“ – auch dort haben die Besitzer inzwischen weihnachtlich geschmückt.

Die Abende geben uns Zeit! Das ist wertvoll – wir sitzen beisammen, Sibylle liest, ich denke über Häuser nach und versuche viel über Auslandsimmobilien zu lernen.
Wenn es uns beiden reicht, dann schauen wir ein bisschen YouTube. Mediathek geht oft nur eingeschränkt, weil ich kein VPN nutze und Vieles nur innerhalb gewisser Länderfreigaben anzusehen ist.
Im Winter sind zudem wieder die Microseminare des TO, des „Trans Ocean“, die ich zwischenzeitlich gerne einmal ansehe.

Immer mal wieder kommen Pakete für uns an. Ihr erinnert euch vielleicht, dass ich Bestellungen für Freunde und Bekannte auf kleinen Nachbarinseln annehme, zudem sind ein paar Kleinigkeiten für ELOWYN zu beschaffen.
Dies alles muss organisiert werden. Die Freunde müssen benachrichtigt werden, wir müssen abstimmen wie die Dinge geliefert werden und somit ihren Empfänger erreichen – und natürlich muss auch die Bezahlung erledigt werden. PayPal zeigt sich hier als sehr hilfreiche Option!


Ich freue mich auf diesem Weg helfen zu können – und auch hier gilt, solche Aktionen helfen auch bei der Kontaktpflege!
Als wir andertags beim Frühstück sitzen, reißt uns abermals eine Warnmeldung des griechischen Zivilschutzes aus der Ruhe, wir erschrecken ganz schön, als der laute, durchdringende Ton durch NESSAJA hallt!

Diesmal sind Freunde von uns unmittelbar betroffen! Eva und Mario haben für morgen ihre Rückflüge ab Leros gebucht. Eine Wetterlage wie diese, stellt ein hohes Risiko dar, dass der kleine Inselhopser nicht fliegt.
Es hilft aber nichts – die Flüge sind gebucht, es gibt noch keine Absage, also machen sich die Freunde mit einem schlechten Bauchgefühl auf den Weg zum Flughafen.
Markus hat angeboten, die Österreicher mit seinem Micro-Transporter zum Flughafen zu fahren. Es heißt Abschied von den Freunden nehmen!

Da der kleine Micro-LKW, der witziger Weise „Mega“ heißt, wirklich seeeehr klein ist und zudem nur zwei Personen Sitzplätze bietet, muss die arme Eva im Frachtraum Platz nehmen.
Ok, kann man auf Leros schonmal machen…

Es kam wie es kommen musste – bereits eine Stunde später waren die blauen Flecken am Himmel verschwunden, ein Gewitter zog heran, alles war mit dunkelgrauen Wolken verhängt.
Der Wind nahm zu, das Gewitter kam mit voller Wucht – für ein, zwei Stunden war ein Armageddon Szenario über Leros!
Dann, nur etwas später, verzog sich das Gewitter so schnell wie es gekommen war. Ein Regenbogen tat sich auf…

Nennt mich theatralisch oder paranormal – ich weise jetzt einfach mal darauf hin, dass der Regenbogen NESSAJA überspannt und sein Ende im Ortsteil PLAKA auf Leros findet.
Plaka wird später noch eine Rolle spielen!
Nachdem das Gewitter so über Leros gefaucht war, gehen Sibylle und ich noch einmal die Boote der Freunde ab. Alles ok diesmal – nur auf ALENA fällt mir, als ich gerade auf der INSPIRATION die Festmacher prüfe, ein geplatzter Fender auf.
Augenscheinlich keine Folge des Sturmes, sondern eher durch den Borddurchlass oder die ausgeprägte Scheuerleiste an dieser Stelle – hier kann ich nichts unternehmen, es droht aber auch keine Gefahr.

Das Wetter wird auch bis abends nicht besser, wir ziehen uns auf NESSAJA zurück.
Schade, das Wetter hatte uns gestern schon die Nikolausfeier der Marina versaut. Heute hat es dafür gesorgt, ihr habt es vermutlich geahnt, dass unsere Freunde nicht nach Hause fliegen konnten.
Sie werden für eine Nacht im „Crithoni Hotel“ einquartiert, in die Marina kommen sie nicht zurück. Am nächsten Tag schaffen sie es nach Österreich.

Der Ausfall der Nikolausfeier unserer Marinacommunity war bedauerlich, da wir abermals versucht hätten, alle Überwinterer zumindest einmal zusammen zu bringen. Das hatte letztes Jahr super geklappt und wir hatten uns auch diesmal einen positiven Effekt versprochen.
Immerhin sind auch diesmal einige Nationalitäten vertreten – es sind Crews aus Israel, England und Frankreich hier. Dazu gesellt sich Italien, die Schweiz und Neuseeland. Abgerundet wird das Potpourri durch Spanien und uns, als die einzige rein deutsche Crew.
Naja, das Wetter kann man nicht ändern. Entschädigt wurden wir durch den örtlichen Weihnachtsmarkt, der als Event mit dem „Anzünden“ des Weihnachtsbaumes einhergeht.
Alle Stände wurden privat und ehrenamtlich betrieben um Erlöse für gemeinnützige Organisationen oder Vereine zu erzielen. Natürlich war hier auch der Dog-Shelter vertreten, um Spenden zu sammeln – Ehrensache, dass wir vorbeisehen und auch ein paar Euro Umsatz machen.

Die Verwaltung von Leros gibt sich sehr Mühe den Weihnachtsmarkt schön zu gestalten. Dieses Jahr ist er umgezogen und findet jetzt am Platz vor der Kirche statt. Ich persönlich fand den alten Ort schöner, aber der Umzug hatte den positiven Effekt, dass dieser Platz für den Weihnachtsmarkt, die Krippe und den Baum, außerordentlich hübsch gestaltet wurde.
Solche Verschönerungen tun Lakki gut – ganz generell…
Natürlich trifft sich alles und jeder zu diesem Anlaß. Ein stetiges Hallo nach links und rechts. Wir drehen eine Runde, trinken unseren Glühwein und erhaschen zu guter Letzt noch einen Blick auf den Nikolaus.

Da Sibylle grad mit Damen vom Hundeshelter quasselt, habe ich Zeit meinen Gedanken nachzuhängen. Ich suche immer noch nach einer Beschäftigung die mir ein Taschengeld einbringt.
Ob ich mich als Nikolaus bewerben soll? Ich brächte einige Einstellungsvoraussetzungen mit, wäre ab sofort verfügbar und erkenne natürlich auch die Vorzüge des Jobs…

Spaß beiseite – das Thema Job ist nicht wirklich ein brisantes, es treibt mich aber immer wieder um. Ich sondiere gerade eine Option, welche noch nicht spruchreif ist, werde aber, soviel nehme ich vorweg, am 24.12. von der Marinaleitung überrascht, als ich um Unterstützung gebeten werde. Als ich diese Zeilen tippe, steht die Entscheidung noch aus, dazu also später mehr.
Ich muss nicht erwähnen, dass es einen Link zwischen den allgegenwärtigen „Hausthemen“ und dem „Jobgedanken“ gibt…
Die Zeremonie des Einschaltens der Christbaumbeleuchtung lenkt uns ab. Der Bürgermeister hält eine Rede, die Menschen zählen herunter, 10, 9, 8…
Dann wird der Baum beleuchtet!

Wir verlassen den Weihnachtsmarkt und gehen nach Hause, es fängt tröpfeln an. Glück gehabt, die Zeremonie war vom Regen verschont geblieben.
Ein letztes Mal drehen wir uns um, es sieht nett aus. Die kleine Ägäisinsel Leros schafft es, ein wenig Weihnachtszauber zu verbreiten.

Weil es grad zum Thema passt – ganz anders als wir es aus Deutschland kennen, wird hier der Ort, ich spreche von Lakki, ganztägig mit Weihnachtsmusik beschallt.
Es gibt einen „Uhrturm“ in Lakki, von dem aus weihnachtliche Popmusik gespielt wird – man kann es durchaus „laut“ nennen. Steht der Wind günstig, können wir es bis in die Marina hören und haben bestes Entertainment. „Last Christmas“ und „Driving Home for Christmas“ sowie „All I want for Christmas“ in Dauerschleife – ok, zugegeben, ein paar mehr sind schon in der Playlist…
Ein Gedankensprung – diese Tage erreicht mich eine WhatsApp von Volker. Es geht einmal nicht um ELOWYN, wegen der wir in stetigem Kontakt sind um das Refit zu tracken. Diesmal schickt er mir ein „Bild des Tages“ – wie er darauf kommt weiß ich nicht und es ist auch völlig aus dem Zusammenhang gerissen.

Es zeigt uns vor einem Hotel – an meinem 50. Geburtstag, den wir zusammen auf Mykonos gefeiert haben. Es ist eine Erinnerung an einen sensationellen Tag, aber auch an eine Zeit, während der Sibylle und ich noch gearbeitet haben und in Oberbayern wohnten.
Es ist viel passiert seither, wir hatten erst DANACH unser Haus gekauft und dennoch unser Leben ein paar Jahre später komplett gedreht – jetzt sind wir im Begriff diese Anstrengung noch einmal anzugehen.
Machen wir alles richtig? Ich versinke in Gedanken, in positiven Gedanken…
Es ist abermals das Wetter, welches mich aus meinen Gedanken reißt – NESSAJA schwankt, sie krängt sich im Hafen! Was war los? Es ziehen die ersten kräftigen Stürme über uns hinweg, meist kommen sie aus südlichen Richtungen und bringen auch Regen mit sich.
Als ich zum Fotoapparat greife, haben die Böen schon etwas nachgelassen, aber man sieht deutlich, dass ein paar Minuten vorher heftige Windstöße über die Marina gefaucht sind…

Hilft alles nix, wir gehen trotzdem vor die Türe! Wir sind ein weiteres Mal mit Roland und Mireille bei „unserem“ Haus in den Hügeln über Vromolithos verabredet.
Es waren zuletzt einige Fragen zu den Grundstücksgrenzen aufgetaucht, diese wollen wir versuchen zu klären ohne eine offizielle Anfrage zu stellen.
So fahren Sibylle und ich mit der GS zu dem Grundstück, Roland und Mireille sind schon dort, waren aber offenbar nur wenige Minuten vorher angekommen.
Gemeinsam schreiten wir das Grundstück ab…

An einer Steinmauer, welche wir für die Grundstücksgrenze halten, bleiben wir stehen und ich nehme einen GPS-Ort mit dem Mobiltelefon. Ich denke, dass ich diese Position später mit dem Katasterauszug vergleichen kann und in etwa einschätzen kann, ob dieser Bereich noch zu dem angebotenen Objekt gehört oder nicht.

Klar, diese Aktion würde später offiziell wiederholt werden müssen. Ein Vermessungsingenieur würde kommen müssen, um klar festzustellen wo die Grundstücksgrenzen verlaufen und welcher Teil der Gesamtfläche im sogenannten „City Limit“ liegt. Dies zu wissen ist wichtig, um daraus die Bebaubarkeit abzuleiten.
Eine weitere Fläche interessiert uns – es gibt auf dem Grundstück eine natürliche Terrasse auf einem Natursteinplateau. Diese hat eine wesentlich bessere Sicht als die bestehende alte, verfallene „Katikia“, ein altes Bauernhaus.


Bevor wir hierher gefahren sind, haben wir uns beim Makler unserer Wahl den Schlüssel für das Objekt geholt. Wir wollten auch das bestehende Gebäude noch einmal ansehen.
Die alte Katikia war sanierungsbedürftig – die gute Nachricht dabei war, dass dies auch möglich gewesen wäre. Eine Menge Arbeit wäre es allemal gewesen, aber die Gebäude hätten sich als Gästekomplex förmlich aufgedrängt.

An diesem Tag sind wir Vier gedanklich tief in die Materie getaucht. Wir haben einen Neubau für Sibylle und mich erdacht, diesen erstmals von der bestehenden Katikia gelöst und auf das Plateau geplant.
Wir haben frei gedacht und dieses Brainstorming wurde zu einem Schmelztiegel der Möglichkeiten – ich war angefixt! Zum ersten Mal seit Langem wieder.
Naja, nach wie vor blieb mir nur abzuwarten, das Haus war angefragt, die Legalitätsprüfung lief und ich habe mich als Interessent vormerken lassen. Wir schreiben den 12.12.2024…
Am Heimweg fuhren wir einen Schlenker – meine Enkelin Ronja hat ihrer Mama nicht geglaubt, dass ihr Opa auf einer Insel wohnt, auf der es Orangenbäume gibt. Dies galt es zu beweisen!

Ok, erledigt. Wir fahren zurück auf NESSAJA und ich setze mich an den Computer. Ich schicke meiner Enkelin das Bild vom Orangenbaum, vergleiche die GPS Aufnahmen vom Vormittag mit den Katasteraufnahmen und vermelde an Roland, „…Du wirst es nicht glauben, alle abgeschrittenen Flächen gehören zum Grundstück!“
Danach ist Zeit – ich muss mal wieder Griechisch lernen und vertiefe mich in den für mich anspruchsvollen Stoff.

Inzwischen habe ich mein Lernprogramm erweitert und übe zusätzlich noch täglich 20 Minuten mit Duolingo. Langsam, sehr langsam, ist ein Fortschritt erkennbar.
Nicht alles was ich aufschnappe und lerne ist dabei bierernst zu nehmen – es ist wie immer, die Locals füttern einen zuerst mit Unfug…

Während ich hier so sitze und lerne, biept mein Telefon – eine WhatsApp vom Makler schneit herein und trifft mich unverhofft und unvorbereitet!
„Bad News! The plot is in a Green Zone, you are not allowed to build up new, or to change the existing construction. The maximum is, to legalize the existing building.“
Bääääm, das sitzt! Ohne Neubau geht es nicht und ohne kontruktuktive Änderungen ist auch die Katikia nicht interessant. Ende! Traum ausgeträumt! Wieder mal ein Griff ins Klo…
Ich zögere nicht und schreibe sofort zurück, dass damit kein weiteres Interesse mehr an diesem Objekt besteht.
An diesem Abend reden Sibylle und ich lange. Wir trösten uns gegenseitig damit, dass wir auf NESSAJA doch sehr gut aufgehoben sind. Enttäuscht und doch gefasst schlafen wir ein.
Neuer Tag – es ist Freitag der 13.12., der Tag an dem sich alles ändert!
Ich habe seit Jahren keinen Tag mehr erlebt, der eine solche Eigendynamik entwickelt hat – doch der Reihe nach.
Ich war morgens etwas früher wach und schalte mein Mobiltelefon ein. BimmbimmbimmBIMM, Nachrichten prasseln herein, der Makler versucht mich zu erreichen – seine letzte Frage „Can I call you?“
Sibylle war inzwischen wach, wir frühstückten und ich antwortete eher entspannt, dass er mich wohl anrufen kann, ich aber auch in einer Stunde bei ihm vorbeisehen könnte. Ich hatte keine Eile, weil ich vermutete, dass er noch ein „Türchen“ für den gestern geplatzen Deal gefunden hatte – an diesem hatte ich aber das Interesse verloren.
Sofort klingelte mein Telefon, „…we should meet NOW, come to my office! I received a house which is not in offer so far, this is the house you are looking for, it´s YOUR house, all parameters are ok!“
Ok, was willst da sagen? Sibylle und ich setzen uns auf unser Mopped und fahren mit dem emsigen Makler zu einem Haus auf der Anhöhe von PLAKA.




Auf dem ersten Blick gefällt uns, was der Makler uns zeigt. Das Haus ist alt und braucht etwas Liebe, aber es ist in einem Zustand, bei dem ich sehr viel selber machen könnte.
Die Garage ist groß genug für ein kleines Auto und die zwei Moppeds, dazu gibt es eine Werkstatt.
Der Garten hat mehr als 1.000qm und es gibt etwa ein Dutzend Olivenbäume und einen Zitronenbaum.
Das Umfeld ist eine gepflegte Wohnsiedlung der Einheimischen, nicht etwa eine seelenlose Ferienhaussiedlung. Alles in Allem macht das Objekt einen sehr soliden Eindruck.
Ich merke meiner Gattin ihre Begeisterung an, sie pflanzt in Gedanken schon Bäume…

…und auch für die „Privathöhle“ auf dem Grundstück hat sie eine Verwendung – „…die wird den Buben sicher gefallen, eine eigene Piratenhöhle!“ Ok, ich will nicht wissen was da drin ist – dürfen die Buben erforschen 😉

Der Makler macht Bilder und wir sehen uns in die Augen – ein Moment wie 2017 in Miesbach. Aber Sibylle hat Zweifel – „…das ist zu teuer, wirst sehen!“
Stimmt, über den Preis haben wir noch kein Wort verloren. Das muss geklärt werden. Der Makler war inzwischen im Haus, um auch dort Aufnahmen zu machen. Wir folgen ihm…

Wir tauschen uns weiter aus, dabei erfahren wir, dass offensichtlich hier schon klar zu sein scheint, dass alle Papiere in Ordnung sind, dass das ganze Objekt innerhalb des City Limits liegt und die Legalität bereits 2006 bei einem Erbfall nachgewiesen wurde.
Klingt super, aber jetzt mal Karten auf den Tisch – was kostet das Objekt?
Ohne Übertreibung, nachdem wir den Preis gehört hatten, hat Sibylle mir fragend zugeflüstert, ob sie sich nicht auf der ersten Stelle verhört hätte – nein, hatte sie nicht! Der Preis war auf einem Niveau, wie etwa vor vier Jahren, als wir die ersten Häuser angesehen hatten.
Häuser dieser Art und zu einem solchen Preis sind auf Leros inzwischen vergriffen, es gibt sie nicht mehr. Entweder werden für gleiches oder nur etwas weniger Geld Ruinen angeboten, oder man bekommt bezugsfertige Häuser für deutlich mehr.
Es war klar – lange überlegen dürfen wir nicht. Es war auch klar, wenn wir hier nicht zusagen, ist das Thema Haus durch! Was machen wir also???
Wir sehen uns an, das Gehirn rattert – wir sagen zu!!!
Der Makler muss weiter, wir verabschieden uns und bleiben noch ein wenig hier. Wir machen eigene Bilder und lassen das Objekt noch wirken. Sofort fangen wir zu planen an – klar, das ist viel zu früh, aber SO kenne ich uns, Vorfreude, Ideen, Pläne…
Dann beginnt es zu sacken – wir haben zugesagt, der Prozess ist gestartet. Wir brauchen einen Kaffee und fahren ins „Navarone“.

Hier sitzen wir nun und behirnen, was wir gerade getan haben. Dabei durchlaufen wir eine Achterbahn der Gefühle, denn eine mündliche Zusage ist in Griechenland gar nichts wert. Es kann jederzeit ein anderer Interessent kommen, es kann sich der Preis verändern oder es poppen irgendwelche anderen Probleme auf – alles schon gehabt.
Umgekehrt, wie leisten wir uns das? Was bedeutet die Zusage für NESSAJA? Wie würden wir das neue Objekt einsortieren? In unsere breitbrüstige Überzeugung mischt sich der ein oder andere Zweifel.
Wir gehen zurück auf NESSAJA und noch einmal an diesem Tag überschlagen sich die Ereignisse – es kam, was kommen musste…
Eine WhatsApp vom Makler kommt an – „…are you sure enough with your decision to sign a Letter of Intend“? The other Real Estate guy has a buyer as well!“
Das Haus war an beide Makleragenturen vergeben worden, auch der Wettbewerber hatte einen Käufer an der Hand. Ich war sicher, dass es kein Bluff war und erkundigte mich nach den rechtlichen Folgen des „Letter of Intend“, der Kaufabsichtserklärung. Es leuchtete mir ein, dass irgendeine Unterschrift nötig war.
So fuhr ich, ohne alle Hintergrundinformationen zu haben, zum Büro des Maklers und unterschrieb am Freitag dem 13.12. einen „Letter of Intend“ – meine bereits mündlich erklärte Kaufabsicht war besiegelt, der Prozess wird gestartet!
An diesem Tag fuhren auch Roland und Mireille nach Hause. Wir gingen zusammen ins „La Nostra“, es gab viel zu erzählen. Am Weg zum Fährhafen machten wir sowohl einen Stop bei „Repapis“…

…als auch im Café „La Palma“, um dort bei einem letzten gemeinsamen Ouzo die Ankunft der Fähre abzuwarten und um auf diesen besonderen Tag anzustoßen.

Als wir die Freunde verabschiedet hatten, gingen wir zurück an Bord und sackten ins Bett. So ein verrückter Tag! Alles fühlte sich surreal an. Trotz der Gedankenflut schliefen wir gleich ein.
„Our House“ war jetzt das omnipräsente Thema. Wir haben es zunächst nur ganz engen Freunden erzählt, um das in der Schwebe befindliche Geschäft nicht zu gefährden. Es fanden im Hintergrund Überprüfungen statt, wir mussten Geduld beweisen, um abzuwarten, bis alle Papiere beisammen waren.
Während dieser Zeit schrieb ich täglich mehrmals mit dem Makler. Tausend Angaben zu meiner Person waren nötig, alles musste bei Anwälten und beim Notar eingesteuert werden.
Um mich abzulenken, beschäftigte ich mich mit den Schiffen auf die ich ein Augenmerk hatte. Auf EDINA hatte ich ein Problem zu lösen…


Durch das Schiebeluk kann ich erkennen, dass ein Paket im Schiff liegt – mir war sofort klar, was passiert war. Meine Gedanken kamen aus der Erfahrung, denn auch ich hatte schon einen Schlüssel abgebrochen – diesmal war es der Marinaangestellte der das Paket abgeliefert und deponiert hatte.
Wenn man nämlich bei der CNB60 den Schlüssel stecken lässt und dann das Steckschott öffnet, dann schlägt es beim Herunterfahren den Schlüssel ab. Meine Challenge war nun, das abgebrochene Stück aus dem Schlüsselloch zu bringen – ich hatte ja Zeit…

Was mich nachdenklich machte war, dass in der Marina niemand etwas davon wusste. Es sollte verheimlicht werden – das hat mich geärgert.
Schön war, dass an diesem Tag auch Marcus und Susanne mit der kleinen Lilly noch einmal nach Leros kamen. Es war für sie Zwischenstation auf dem Weg nach Deutschland. Die Taverne unserer Wahl für das gemeinsame Dinner war das „Metzes“ in Agia Marina.




Ihr merkt, es wurde uns keinen Tag langweilig! Immer noch waren Freunde unterwegs, wir hatten Gelegenheit alle noch einmal zu treffen und uns bis zum nächsten Jahr zu verabschieden.
Die Adventszeit ist umgekehrt auch die Phase des Jahres, in der man generell mehr Kontaktpflege betreibt als zu anderen Zeiten. Wir waren daher im Dezember auch recht häufig mit Videocalls beschäftigt.
Nicht nur mit der Familie in Deutschland, auch Freunde aus der alten Heimat oder auch dem Ausland, nahmen einmal wieder Kontakt mit uns auf oder erhielten einen Anruf von uns.

Wir schätzen das! Klar, ein Videocall ersetzt nicht das persönliche Beisammensitzen, aber man kann sich einmal wieder gegenseitig austauschen und sich mit Neuigkeiten eindecken, zumal gerät man einander nicht in Vergessenheit. Wir nutzen daher auch alle zur Verfügung stehenden Kanäle – und staunen oft, wie unterschiedlich die Präferenzen unserer Freunde sind.
Zurück zu den Vor-Ort Begebenheiten. Es ist an der Zeit, dass die Marina Community die Reservierungen in den Tavernen für Weihnachten und Silvester vornimmt.
Wir denken, dass wir rund ein Dutzend Personen sind, für eine Runde dieser Größe muss zeitig geplant werden. Dummerweise ist es 2024 gar nicht so einfach – die Einen haben entweder nur Weihnachten ODER Silvester auf, andere wollen uns an Silvester schon um 22.00 Uhr wieder loshaben. Was aus der Sicht der Gastwirte völlig verständlich ist, mausert sich für uns zum Problem.
Heute wollen wir bei Dimitris´ „To Steki“ in Alinda unseren Weihnachtslunch fixieren, dafür gönnen wir uns einen Snack vor Ort um alles zu besprechen.



An diesem Tag beschließen wir, zusammen mit der Crew der SIMPLY FREE, dass wir den Weihnachtslunch am ersten Feiertag bei Dimitris buchen. Thomas hatte hierbei den Hut auf, er hat sich sehr gekümmert. Die Wahl fällt auf Salate und verschiedene Meze, gefolgt von einem Zicklein und einem Dessert.
Silvester bleibt offen, das „To Steki“ hat dieses Jahr nur an Weihnachten offen und bleibt zum Jahreswechsel geschlossen.
Wie schon angedeutet, war der Monat wettertechnisch sehr durchwachsen. Wirklich warme und sonnige Tage wechseln sich mit heftigen Regenstunden und Gewittern ab. Die Gewitter haben eine ziemliche Wucht und die damit verbundenen Gewitterböen sind nicht ohne.




Am nächsten Tag – alles wie weggeblasen! Kein Wölkchen am Himmel, kein Indiz für eine Schlechtwetternacht!
Das sind die „geschenkten Tage“, die an denen wir kleine Ausflüge unternehmen, einfach um die Marina einmal zu verlassen und unter die Leute zu gehen. Unser Ziel ist dabei recht häufig das neue „Navarone“. Wir mögen das geschmackvoll eingerichtete Lokal, es gefällt uns und der Cappuccino schmeckt lecker…


Da sitzen wir dann und sprechen über… nein, nicht Gott und die Welt, wir sprechen über unser Haus. Eine Entscheidung ist noch nicht final gefallen – hoffentlich kommt nichts dazwischen!
Diesmal wären wir enttäuscht! Wir sind ja gedanklich schon soweit, dass wir am IKEA-Online Küchenplaner sitzen und unsere neue Küche konfigurieren – nur als Brainstroming, klar…
Was macht der Griechischkurs? Nun, der wird wichtiger denn je, denn er dient nun als klarer Meilenstein auf dem Weg zur Integration. Ich hatte mir daher noch die Lernapp „Duolingo“ dazugeholt, um meine im Kurs erworbenen Kenntnisse zu vertiefen. Die spielerisch aufgebaute App erinnert einen auf witzige Art und Weise an eine Lernroutine, ich lasse mich einfangen…
Der Kurs selber setzt zum Weihnachtsendspurt an. Heute ist die letzte Stunde vor Weihnachten, dann wird Irini sich in den wohlverdienten Urlaub begeben. Ich mache mich also auf den Weg nach Lakki.


Ihr ahnt vermutlich, dass wir nicht nur einmal zum Haus gefahren sind um uns neue Eindrücke zu holen. Wir ermitteln Distanzen und suchen Fußwege und Abkürzungen.
Natürlich fragen wir uns mehrfach, ob wir alles richtig machen und ob wir nichts übersehen. Aber manchmal gehört eben etwas Mut dazu…





Unsere Abläufe wiederholen sich – abermals fahren wir zum Sortieren unserer Gedanken ins „Navarone“ nach Agia Marina. Diesmal sind wir mit Freunden aus Israel verabredet. Auch sie haben ein Haus auf Leros, er kommt aus der Baubranche und war uns auch bisher schon stets ein guter Ratgeber.
Diesmal wollten wir zusammensitzen und uns eine Kleinigkeit gönnen – eine gute Gelegenheit zu sehen, ob das Restaurant auch in den Disziplinen „Salat“ und „Sweets“ punkten kann…



Spaß beiseite – ob nun 9,45 oder 9,65 oder doch „the perfect ten“, das „Navarone“ beweist, dass sie es können. Das Lokal kommt auf unsere Liste und wir nehmen uns vor, auch die klassische Speisekarte zu testen, um es auf ebendieser Liste einordnen zu können.
Leider kommt es zu Silvester für uns nicht infrage. Das Menü scheint zwar gut, aber dies ist das Lokal, welches uns um 22.00 Uhr weiter haben will. Unseren Vorschlag an die Gruppe, danach in eine der vielen Bars zu gehen und den Jahreswechsel abzuwarten, wurde von den anderen Marinabewohnern nicht so positiv aufgenommen wie wir das erhofft hatten.
Die Marina ist inzwischen in eine Art „Winterschlaf“ verfallen. Es herrscht so etwas wie Betriebsruhe. Die Monteure sind im Urlaub, der Shop ist geschlossen und das Büro arbeitet mit halber Schlagzahl.
Wir beschließen, den beiden Damen im Büro eine Freude zu machen und kaufen jeweils eine Schachtel Weihnachtskekse bei „Repapis“.


Wir bringen das kleine Präsent gleich ins Büro, halten ein bisschen Smalltalk und bereiten Momente der Freude. Dann gehen wir nach Hause, zurück auf NESSAJA.
Im Moment haben wir wieder eine Schönwetterphase. Es herrscht Sonnenschein und es ist kaum Wind. Das bedeutet, dass wir tagsüber immer rund 20° C oder auch mal zwei, drei Grad mehr haben.
Sibylle bestimmt, „…Du brauchst einen neuen Haarschnitt. Du sollst an Weihnachten wieder wie ein Mensch aussehen!“ Oh wie nett! Na gut – happy wife, happy life. Ich beuge mich dem Druck und lasse es geschehen.
Die Haarstoppeln kleben an meinem Körper, denn ich habe mir für den Haarschnitt das Shirt vom Leib gerissen. Wie werde ich die lästigen Borsten nur wieder los???
Sibylles Antwort ist pragmatisch und phantasielos – „Geh duschen!“ Aber ich weiß etwas Besseres! 😉


Selbst auf die Gefahr hin, dass ich mich wiederhole – es hat sich alles um das Haus gedreht, es verging kein Tag, an dem ich nicht mit dem Makler im Austausch war.
Meine aktuelle Aufgabe hieß – Eröffnung eines griechischen Bankkontos. Das darf man sich nicht so vorstellen wie in Deutschland. Vielleicht wie in Deutschland des Jahres 1985, erschwert durch den Faktor, dass ICH hier der Ausländer bin.
Ich hatte einen Termin zu vereinbaren, einiges an Unterlagen zu beschaffen, dann hieß es – auf zur Bank!

Hier muss ich meine Meinung etwas revidieren. Wir sind als Gesellschaft inzwischen gewöhnt, dass alles irgendwie online funktioniert, unpersönlich, zeitoptimiert – dies ist hier nicht der Fall!
Ich hatte in meinem ganzen Leben noch NIE einen so langen und kundenorientierten Banktermin, die freundliche junge Dame hat mir in sehr gutem Englisch den Weg zum eigenen Konto so geebnet, dass ich inzwischen eine Karte habe und in der Lage bin Online Banking zu machen. Zudem, so sagt sie, sei sie jederzeit für mich ansprechbar. Der Termin dauerte knapp über zwei Stunden!
Ich vermelde dies dem Makler, er freut sich und hat postwendend eine Überraschung parat – die Anwaltsprüfung sei abgeschlossen, alles passt und der Vorvertrag ist in Vorbereitung. Noch ein, zwei Tage warten…
Ich freue mich! Über das Haus und über „Inspektor Barnaby“!

Warum ist das eine Erwähnung wert? Weil wir unser Medienverhalten etwas angepasst haben. Wir haben ja einen eigenen Router an Bord und somit unser eigenes w-LAN Netzwerk. So weit, so gut.
Durch unsere griechische Karte ist es uns aber mehrfach passiert, dass wir deutsche Medien nicht streamen konnten. Dies mussten wir lösen. Aus diesem Grund habe ich auf meine alten Tage noch einen VPN Zugang auf meinem Rechner eingerichtet – das funktioniert prächtig und erweitert unsere Optionen ungemein.
Ja ok, über Barnaby kann man trotzdem geteilter Meinung sein – aber wer mich besser kennt weiß, dass ich anglophil bin und die in englischen Krimis vermittelte Stimmung so mag. Es erinnert mich an viele legendäre Dienstreisen.
Der „große Tag“!
Es ist der 21. Dezember 2024, mein Mobiltelefon zeigt eine WhatsApp Nachricht vom Makler an. „Can you come over and sign the pre-contract?“
Ok, es wird ernst – leider passt das Wetter nicht zu meiner Stimmung, anderseits, bei soviel Sonne im Herzen und Gemüt, war vielleicht einfach nix mehr übrig für´s Wetter.

Sibylle und ich fahren nach Lakki ins Büro des Maklers, wir besprechen uns kurz, dann der große Moment…

Es ist also soweit, ich habe einen verbindlichen Vertrag unterzeichnet. Inzwischen ist dieser Vertrag durch beide Parteien unterschrieben und die Anzahlung ist geflossen.
Ich war inzwischen beim Notar und habe dort einige Angaben gemacht, meine Schuldigkeit ist getan. Der Ball liegt jetzt im Spielfeld der Verkäufer, es muss noch eine bauliche Legalitätsprüfung gemacht werden, bei der festgestellt wird, ob sich seit 2006 etwas getan hat. Ist dieses Papier beim Notar, wird es einen Termin geben.
Warum spreche ich noch nicht vom HAUSKAUF? Rechtlich gesehen kann man, wenn man Vertragsstrafen akzeptiert, noch aus dem Vertrag ausbrechen. Wir wissen auch von Notarterminen, bei denen die griechischen Verkäufer einfach mehr Geld verlangten oder das Notariat einfach verlassen haben. Ich bin deshalb immer noch verhalten vorsichtig mit meinen Formulierungen.
Dennoch bin ich zuversichtlich, dass alles klappt und dass wir Anfang 2025 Hausbesitzer sind.
Wir verlassen das Büro des Maklers. Ich bin, offen gesagt, etwas überfordert. Sibylle muss Gewürze kaufen, ich warte vor dem Laden und schaue auf den Weihnachtsmarkt…


Ich sinniere so vor mich hin – es war Schicksal, ich bin überzeugt, dass es irgendwie Schicksal war. Ich schmunzle in mich hinein, weil ich an den Regenbogen denken musste, der NESSAJA überspannte und sein Ende an der Stelle fand, wo wir jetzt das Haus gekauft haben.
Sibylle kommt aus dem Geschäft und will sich die Kirche in der Nähe unseres Hauses ansehen. Das kommt mir gelegen, denn ich habe noch etwas zu erledigen…



Ich zünde Kerzlein an – eines für die Kinder und eines, weil ich ein Versprechen einlösen wollte. Nun bin ich eher pantheistisch als religiös, aber es kann sicher nicht schaden, seiner Dankbarkeit Ausdruck zu verleihen – hier ist ein passender Ort.
Unsere Gedankenwelt entspannt sich. Wir können in Sachen Haus nur noch warten, das ist gut so. Zeit, sich auf die vorweihnachtlichen Tage zu konzentrieren.
Als wir in die Marina zurückfahren hat der Wind abermals aufgefrischt. Die Wellen überlaufen die Riva von Lakki und werden bis zum Abend beide Kreisverkehre unter Wasser gesetzt haben.

Wir sind bei Dora und Miguel auf die OCEANOVI geladen, es soll einen Snack und einen Umtrunk geben. Wir freuen uns, sind aber auch gespannt, denn die Beiden sprechen rudimentär Englisch, wir dagegen weder Spanisch noch Italienisch.
Als wir den Steg entlang zum Schiff der beiden Weltumsegler gehen, faucht eine Bö über die Marina…


Die Damen waren schon im Salon und rufen uns zu, dass es gerade noch 61 Knoten Wind waren! Wow, nicht schlecht – das erste Mal 60+ in diesem Winter.
Wir haben echt Spaß! Die Beiden geben sich alle Mühe mit uns zu kommunizieren und dies gelingt auch recht gut – unter Zuhilfenahme aller Sprachbruchstücke die jeder von uns eben kann, gelingt eine ausreichende Kommunikation.
Wir sprechen viel über die Weltumsegelung des spanischen Paares, sie erzählen uns, dass sie lange Zeit zusammen mit dem deutschen Buchautor Michael Wnuk (+2020) Seite an Seite unterwegs waren und wir hören viel über die Reise auf der Barfußroute – eine Fahrt, welche wir nie antreten werden.
Miguel amüsiert sich köstlich über meine beginnende Haarfärbung und meint, ich sähe aus wie ein „skunk“…


Ich finde – der Vergleich hinkt!!! 😉
Als wir zurück zu unserem Schiff gehen, hat der Wind zwar nachgelassen, aber es herrscht immer noch strammer Sturm. Auch jetzt klatschen die Wellen noch an den Wellenbrecher der Marina, der seinem Namen heute alle Ehre macht…

NESSAJA schaukelt, wir machen es uns gemütlich und flezen uns auf die Saloncouch. Sibylle liest, ich schreibe erste Blogzeilen.
Dazwischen beobachten wir den Wind auf unserem Display, auch hier steht bei den Böen (der letzten 10 Minuten) immer noch der Fünfer (51kts) und wir haben aktuell immer noch über 40kts, das ist immerhin Bft.9 – kein Wetter um noch einmal rauszugehen. Wir duschen an Bord und lassen den Abend gemütlich ausklingen.

Dieser Sturm hat zur Folge, dass in den nächsten Tagen die kompletten Stege von einem Taucher abgetaucht werden und die Muringblöcke kontrolliert werden. Kranfahrer Giannis wird aus dem Urlaub in die Marina zitiert und prüft mit einem Team ALLE Festmacher und Muringbefestigungen auf den Schiffen.
In der Folge erhalten die Eigner der Boote, wohlgemerkt ALLER im Wasser liegenden Yachten, eine Infomail welche, sagen wir, recht unglücklich formuliert ist.
In Folge dessen, erhalte auch ich ein halbes Dutzend Anrufe mit der Bitte, nachzusehen ob alles passt und ob ich nicht ein Foto schicken könne.
Ich erledige das, kann nebenbei ein bisschen Entwarnung geben…

Die tatsächlichen Schäden bleiben dagegen oftmals unbemerkt. Ich versuche zu informieren so gut es geht und dabei den Spagat zwischen „German Hausmeister“ und einer freundlichen Information zur Vermeidung von Folgeschäden stets im Auge zu behalten.

Neben all dieser kleinen Geschichten gibt es einen weiteren Handlungsstrang, eine sehr nette Geschichte…
Ich wurde unverabredet von den Eignern der ANAHITA II kontaktiert. Ich wüsste ja, dass das Schiff verkauft werden soll. Es sei jetzt ein Interessent im Anmarsch, man versuche mit der Marina Kontakt aufzunehmen um kleine Dienstleistungen einzusteuern – die Kontaktaufnahme gelänge aber nicht.
Ich antworte prompt und erkläre, dass die Betriebsruhe wohl der Grund sei. Um zu helfen biete ich an, diese „kleinen Dienstleistungen“ auszuführen. Ich trage also eine zwölfsprossige rote Holzleiter zum Seiteneinstieg des Schiffes, lege eine Palette zum Fußabstreifen davor und rolle den Teppich aus – nicht den roten, sondern die Fußmatte.
Da ich lüften soll, sperre ich auf und öffne das Schiebeluk, dabei sehe ich eine rote Lampe leuchten. Der Eigner erkennt sofort, dass die Solarmodule nicht laden und bittet weiter, dass ich diese zur Sonne ausrichte und die Ladespannung prüfen möge – weil ich ein guter Kerl bin und das Sammeln von Karmapunkten eine meiner Lieblingsbeschäftigungen ist, sage ich zu…


Die Interessenten kommen an einem Samstag und sind begeistert von dem „ollen Kahn“ – offen gesagt, ich verstehe das zunächst nicht und frage offen nach. Die Beiden, ein junges Paar aus Landshut, erklären mir, dass sie ganz bewusst so eine stäbige Ketsch suchen. Der „Piratenlook“ täte sein Übriges – dem war nichts hinzuzufügen!
Wir lernen so also Antonia und Alex kennen und verbringen ein paar Stunden und ein Dinner mit ihnen. Ich kann nur sagen, eine sehr interessante Bekanntschaft und herrlich mitzuerleben, wie bei den jungen Leuten ein Plan wächst. Lebenslinien überschneiden sich, ein Grund, warum ich unsere Art und Weise zu leben so mag!
Später erfahre ich, dass es wohl klappen wird mit dem Kauf – wir würden uns über ein Wiedersehen sehr freuen!
Weihnachten steht kurz bevor, wir erfahren durch die Blume, dass ein paar nette Freunde an uns gedacht haben und Pakete auf den Weg gebracht wurden. Es ist gut, wenn es durchklingt, dass etwas unterwegs ist, denn zu dieser Zeit müssen wir etwas Mühe investieren um die Sendungen „zu finden“. Päckchen zum Beispiel müssen wir auf der Post holen. Das geht aber nur, wenn wir wissen, dass etwas an uns adressiert ist…


Von der JASPER Crew erhalten wir wieder einen der sagenhaft leckeren Butterstollen. Wie jedes Jahr futtern wir diesen zusammen mit Thomas und Paola bei einem Glühweinmeeting an Bord von NESSAJA ratzeputz auf. Danke an die JASPER Crew Angelika und Uli.
Mehr zufällig, als wir eigentlich ein Päckchen unserer Kinder abfangen wollen, drückt uns die Dame am Postamt ein unerwartetes Paket in die Hand. Nanu, woher ist das denn?

Unsere Nachbarn Ciarán und Jill von der OLIVE haben an uns gedacht! Vielen Dank! Ich ahnte was drin war, denn ich habe einmal die „Crisps“, die Kartoffelchips aus seiner Heimat, so gelobt – und er wollte ein Zeichen setzen…


Alles was dagegen mit einer Tracking Nummer abgeschickt wird, kommt direkt in die Marina. Aber auch hier müssen wir etwas dahinter sein, denn der Shop hat geschlossen. Die Pakete werden also irgendwo abgegeben.
Je nach Qualität des involvierten Mitarbeiters, kommt das Paket sofort zu uns oder man informiert uns umgehend. Es kann aber auch sein, dass der Shop kurz aufgesperrt wird und es dort abgelegt würde – bis 07.01.2025! Das gilt es zu vermeiden. Auch unschön ist es, wenn es an der Pforte abgegeben wird und die diensthabende Person das Paket auf den Boden vor den Elektro-Heizstrahler legt…
Alles schon passiert – deshalb verfolgen wir unsere Pakete. Wir erwarten noch zwei – ein Freßpaket aus Franken und ein Weihnachtspaket von unseren Kindern, man hat uns angedeutet, es würde eine Überraschung geben…
Das Wetter ist herrlich, soll sich aber zum Abend hin wieder verschlechtern. Leider ist für die kompletten Weihnachtstage mieses Regenwetter und starker Wind vorausgesagt. Grund genug, dass wir heute noch einmal ein Ausflugsfährtle machen.

Ok, das ist noch nicht offiziell und ich werde sie vielleicht noch einmal zurückgeben müssen – aber er meint, wenn wir vielleicht etwas planen wollten oder noch Eindrücke brauchen, sollten wir einen Schlüsselsatz haben.
Wow, wir sind so verdutzt, dass wir gar nicht realisieren, dass wir uns ein großzügiges Weihnachtsgeschenk gemacht haben 😉 !

Weil wir ohnehin wieder checken wollen ob weitere Päckchen eingetrudelt sind, fahren wir zur Feier des Tages nach Agia Marina und gönnen uns einen Cappuccino – diesmal nicht im „Navarone“, das hatte noch geschlossen.

Werkzeug habe ich den Monat kaum angefasst, es war nichts Gravierendes mehr zu tun. Inzwischen setzen die Salzluft und der stetige Dreck in der Marina, meinem Mopped aber doch zu. Eine umfängliche Wäsche lohnt derzeit nicht, aber die Kette schreit nach Öl – dem Ruf folge ich gerne…


Wie vorhergesagt, kommt am Abend der Wind auf und schon bald prasselt der Regen auf unser Kajütdach. Gut, dass wir der Wettervorhersage vertraut haben und aufgrund unserer Verabredungen an den Weihnachtstagen einen Leihwagen reserviert haben – den bekommen wir morgen um 10.00 Uhr.
Als wir ins Bett gehen, haben wir wieder stürmische Winde und NESSAJA schaukelt uns friedlich in den Schlaf.

Der neue Morgen – es ist der 24.12.2024!
Wir stehen auf und frühstücken ohne großes Brimborium. Der 24. ist hier völlig ohne Bedeutung, die Geschäfte haben offen. Hier beginnt Weihnachten am 25.12.! Es war daher kein Problem, dass wir den Leihwagen am Vormittag in die Marina gebracht bekamen – und wir waren froh, denn es regnete fast den ganzen Tag.

Auch uns ist noch nicht richtig weihnachtlich zumute, daher nutzen wir den Wagen und machen Getränkeeinkäufe. Das entlastet Sibylle ungemein – ich kann ihr helfen und wir bringen die Sixpacks und Dosen einfach und trocken nach Hause.
Dann haben wir eine weitere Idee – wir wollen zu unserem Haus fahren um es bei Mistwetter anzusehen. Im strahlenden Sonnenschein zu glänzen ist nämlich nicht schwer – aber kann das Häuschen auch bei Schietwetter bestehen?




Nachdem wir das erledigt hatten, war es an der Zeit den „Heiligabend“ einzuläuten – der Heiligabend, welcher dieses Jahr bewusst als „Heilignachmittag“ geplant wurde.
Ich lerne etwas Griechisch mit Duolingo, Sibylle liest. Später genießen wir einen Tee und die Lebkuchen der ELOWYN Crew dazu. Im Laufe des Nachmittags telefonieren wir mit allen Kindern und wünschen ein frohes Weihnachtsfest – es ist besinnlich, es läuft Weihnachtsmusik, es ist schön.

So dürfte es ausklingen, wenn… ja wenn da nicht eine Einladung dazwischengekommen wäre, zu der Sibylle ohne Zögern und sehr zu meiner Verwunderung, sofort zugesagt hat.
Wir wurden von Marietta zu einem „X-mas BBQ“ in Dirks Haus eingeladen. Was ohnehin schon etwas abgefahren klingt, hat sich exakt so bestätigt…
Wir müssen also noch einmal raus in die Kälte, fahren dabei durch Lakki und begegnen dem „Christmas-Golf“ eines Lerianers. Wie gesagt, Weihnachten ist etwas bunter hier!

Als wir ankommen, sind einige Gäste schon da – bestens also, denn es ist immer Sibylles Sorge, dass wir gemäß deutscher Pünktlichkeit immer die ersten Gäste sind.


Funktioniert hat die ganze Party so, dass Dirk für uns gegrillt hat, jeder hat zudem etwas mitgebracht. So hat sich die Tafel gefüllt, für das leibliche Wohl war mehr als gesorgt.
Es fanden rund 20 Personen aus verschiedenen Nationen zusammen, eine interessante und illustere Runde. Sehr interessant, neue Leute kennen zu lernen und neue Themen zu verfolgen.
Wir realisieren sehr schnell, dass es alles Hausbesitzer auf Leros waren, alles Menschen, die als Expats hier leben – von den Locals mal abgesehen…




Offen gesagt, ich verstehe bis heute nicht, nach welchen Kriterien die Gäste ausgewählt wurden und vor welchem Hintergrund diese Party stattfand – aber das ist auch nicht soooo wichtig. In jedem Fall war es uns eine Ehre dabei sein zu dürfen und wir freuen uns auf Wiederholung.
Aber – wir sind uns auch einig, dass wir den nächsten Heiligabend wieder in trauter Zweisamkeit verbringen – ist einfach feierlicher.
Als wir spätabends zurück an Bord von NESSAJA kommen, ist es uns beiden nach einem Absacker und einer Folge „Barnaby“ zum Runterfahren – dann sacken wir todmüde ins Bett.
Puuuh, es ist der erste Weihnachtstag – auch in Griechenland ist nun Christfest und somit, ganz nebenbei bemerkt, auch Namenstag von Christos und Christina. Das öffentliche Leben wird heruntergefahren, es ist ein gesetzlicher Feiertag. Sibylle und ich schlendern nach dem Frühstück unsere Marinarunde und schnappen dabei ein wenig frische Luft. Wir vertreten uns die Beine und genießen die Regenpause.
Das Wetter passt zur generellen Stimmung – während wir laufen, schlagen wir kleine Haken und sehen auch am Trockendock nach den uns bekannten Schiffen. Diesmal gehen wir mal wieder bei der Hanse 418 unserer Freunde Ina und Ralf vorbei. Wir denken an die schönen, letzten Sommerstunden im „Roof-Top Café CHILI“ und senden ein Foto.

Als wir zurück auf NESSAJA waren, mussten wir uns sputen um uns noch schick zu machen. Denn heute ist das Weihnachtsessen der Marina Community für die Mittagsstunden geplant! Wir wollen uns um 13.00 Uhr im „To Steki“ in Alinda treffen, die Zeit drängt.
Da wir den Leihwagen haben, nehmen wir noch Enrico und Luisa von der SAIL HO mit. Es machen sich 11 Personen auf den Weg einmal quer über die Insel. Als wir in Alinda ankommen, regnet es in Strömen – es herrscht Weltuntergangsstimmung.




Das „To Steki“ ist nach der Renovierung vor zwei Jahren auch innen sehr gemütlich und einladend. Es gibt zudem Gasstrahler, welche für eine angenehme Wärme sorgen.
Wir waren nicht die einzigen Gäste – Chefmechaniker Manolis und sein Bruder Petros waren mit Familien hier, es gab ein großes Hallo und ein herzliches Καλά Χριστούγεννα, Frohe Weihnachten…
Dann nehmen wir an dem für uns reservierten Tisch Platz, später wird sich das Lokal bis auf den letzten Platz füllen.



Das Essen bei Dimitris und seiner Familie war, wie immer, außerordentlich gut! Ich will aber auch offen sagen, dass unsere Menüwahl vom Vorjahr einen etwas festlicheren Touch hatte. Ich bin an solchen Tagen eher ein Fan von einem Braten statt von der Knochenfieselei, habe mich aber den Vorschlägen des Wirtes und der Mehrheit angepasst.
Und – die Marinahunde hatten am Ende auch etwas davon…
Kein Festschmaus ohne Nachtisch – hier hat, kein Wunder für den geneigten Blogleser, wieder einmal die Zuckermanufaktur „Repapis“ ausgeholfen, denn auch Wirte kaufen dort ein.

Das wirklich Tolle am Inselwetter der Ägäis ist, dass Schlechtwetterphasen zwar durchaus andauern können, aber der Wetterwechsel recht schnell vonstatten geht. Zweiwöchiger Landregen wie etwa in Deutschland, ist hier nicht bekannt.
Herrschten bei unserer Ankunft noch wolkenbruchartige Regenfälle, so schien bei unserem Aufbruch am späten Nachmittag schon wieder die Sonne…

Nach der Rückkehr in die Marina, ziehen Sibylle und ich uns auf NESSAJA zurück und verleben unser „staades Weihnachtsfest“ – ein Heiligabend mit 24 Stunden Verspätung!
Wir machen es uns gemütlich, trinken Tee, essen Lebkuchen. Später gibt es einen kleinen Salat und ein Glas Wein, wir schauen einen Weihnachtsfilm und lassen den Feiertag ausklingen.
Am nächsten Morgen, ebenfalls Feiertag in Hellas, bringen wir das Auto zurück und fahren mit der GS wieder in die Marina. Ich habe für das Motorrad einen guten Winterabstellplatz gefunden, hier parke ich das Bike während der Schlechtwetterphasen zumindest etwas geschützt.

Wir nutzen die freie Zeit und das kurzfristig schöne Wetter, um abermals eine Marinarunde zu drehen und etwas frische Luft zu schnappen.
Wer genau hinschaut, wird positiv bemerken, dass selbst ich für die Weihnachtstage meine löchrigen T-Shirts und meinen Hoodie abgelegt habe und im Poloshirt nebst klassischem schwarzen Pullover unterwegs bin – der ein oder andere wird es mit zufriedenem Lächeln bemerken 😉

Die Wolken verheißen nichts Gutes und tatsächlich wird eine halbe Stunde später ein Gewitter über die Marina ziehen, wir können gerade noch unsere Runde zu Ende bringen.
Dabei kommen wir auch an NESSAJA vorbei – schön, wie sie an ihrem Platz liegt. Schön, unser Zuhause!

Weil wir gerade bei NESSAJA sind – wie geht es mit ihr weiter? Nun, ich will da nicht herumreden, irgendwann muss sie in neue Eignerhände übergeben werden, das Verkaufsangebot für das Schiff gibt es, auch in „boat24“ ist sie inseriert.
Es wird kein Notverkauf, ich hoffe auf einen Nachfolger, der sie weiter so entwickelt wie ich das getan habe und sie letztlich für eine würdige und gehörige Blauwasserfahrt nutzt. Dafür ist sie ausgebaut worden, sie sollte das erleben…
Bis es soweit ist, werden wir darauf wohnen, es stehen am Haus ja noch aufwändige Renovierungsarbeiten an. Wenn allerdings eine neue Skipperin oder ein neuer Skipper Interesse zeigen und gleich loslegen wollen, dann werden wir diesen Plänen nicht im Wege stehen.
Szenenwechsel, ein neuer Tag – Weihnachten ist vorüber! Lakki erwacht zu neuem Leben, beflügelt auch durch den Sonnenschein am heutigen Tag.
Wie so oft im Dezember, gehen Sibylle und ich unsere Runde durch die Marina. Dabei stellen wir fest, dass die Stürme der letzten Tage wohl einen Schaden an der Plane von ALLEGRA verursacht haben.

Da auch der Eigner von EDINA und unsere Nachbarn Ciarán und Jill von der unglücklichen Rundmail bezüglich des Sturms betroffen waren und sich inzwischen bei mir gemeldet hatten, machen wir auch hier ein paar Bilder und sorgen in Deutschland und Irland für Aufklärung diesbezüglich…

Die CNB 60 liegt sicher und auch ein Kontrollblick im Inneren zeigt keine Auffälligkeiten.
So ein schöner Tag! Auf dem Weg zurück zu unserem Schiff überlegen wir, was wir heute noch anstellen können und beschließen, dass wir noch einmal zum Haus fahren. Danach würden wir uns einen Cappuccino gönnen – ein guter Plan.
Doch zunächst gilt es, die Bilder von OLIVE nach Irland zu senden und dafür zu sorgen, dass Jill und Ciarán ruhig schlafen können 😉 .

Wir schnappen uns unsere Helme, starten die GS und tuckern gemütlich nach Plaka. Am Weg bezahlen wir den Leihwagen und bekommen von Rena einen Sack Mandarinen geschenkt. Das freut uns!
Wir quatschen ein bisschen über Silvesterpläne und sie freut sich für uns über die aktuelle Entwicklung.
Am Haus angekommen, schleichen wir über das Grundstück – wir diskutieren und planen. Vom Nachbargrundstück kommt ein Mann herangelaufen, eine Frau schaut um die Ecke. Sie winken uns heran „Problem, Problem“ rufen sie…
Sie deuten auf die Trockenmauer – „unsere“ Trockenmauer…!

Waaaas? Das geht ja gut los – wir kaufen ein Haus und wenig später stürzt es ein???
Ernsthaft, wir fotografieren den Schaden, der bei den schweren Regenfällen entstanden sein muss und leiten das Bild an den Makler. Wir haben ja noch keinerlei Befugnisse, streng genommen auch noch keine Verantwortung. Trotzdem ist es tasächlich ein „Problem“, welches diskutiert und beseitigt werden muss.
Wir lernen den Mann und die Frau als Manolis und Anna kennen, unsere neuen Nachbarn. Wir stellen uns vor und erklären, dass wir das Haus kaufen möchten und hier leben wollen. Das freut die Beiden, denn klassische Ferienhäuser, die die meiste Zeit leerstehen, sind eigentlich nicht das was die Lerianer wollen.
Ich übersetze mit dem Mobiltelefon, dass ich die meisten Arbeiten selber anpacken möchte und aus dem alten Haus ein kleines Idyll zaubern will – daraufhin zeigt uns Manolis sein gesamtes Anwesen mit stolzgeschwellter Brust. DAS alles habe ER selber gebaut! Ich staune und bewundere…
Ich glaube ich habe einen Heimwerkerkumpel gefunden! Ich muss an „Hör´ mal wer da hämmert“ denken. Die Beiden sind nett, ich bin happy!
Tags darauf treffen wir uns mit Shira und Noam am Haus, auch sie sind neugierig, auch sie wollen erste Details wissen. Ich teile meine Freude gerne mit den Beiden, denn sie waren uns immer gute Ratgeber. Auch diesmal helfen die Beiden – zunächst, als sie ihr Auto als „Maßstab“ für die Garage zur Verfügung stellen…

…dann mit dem Angebot, dass sie mir mit ihrer Planungssoftware Pläne für das Haus erstellen werden.
Beides hilft mir – bei der Garage kann man natürlich auch messen, aber nichts ersetzt das Gefühl, als einen Wagen real in die Garage zu stellen! Gehen die Türen auf? Wie rangiert man hinein? Wieviel Luft bleibt nach oben und den Seiten? Wir erkennen – der CR-V stellt das Maximum dar, was aber eine sehr positive Nachricht für mich ist.
Die Pläne helfen wirklich sehr, da wir zwar alle Wände stehen lassen wollen, aber eine Türe durchbrechen wollen und zwei neue Fenster setzen müssen. Zudem ist über einen Eingangsbereich nachzudenken. All das kann man sich sehr gut vorstellen, wenn es 3-D Ansichten gibt – erste Pläne existieren bereits – man verzeihe mir die Wortwahl – es sieht echt geil aus!!!
Zufrieden fahren wir nach Hause und erledigen dabei am Weg noch unsere Einkäufe. Sibylle geht zum Hähnchenmetzger, ich fahre rasch zu Loukas und kaufe Kettenspray für die GS – der Dreck und das Schlechtwetter lassen den Verbrauch in die Höhe schnellen.

Das letzte Mal hatte er das Kettenspray von Bel-Ray noch als „best of the best“ angepriesen, er hat damals schon auf den hohen Preis hingewiesen. Als ich ihn diesmal auf das Edelspray anspreche, lehnt er ab – er verkauft das nicht mehr, zu teuer! Seine Hand greift nach einem no-name Spray mit einer deutschen Flagge am Ende des Artikelnamens…
Er strahlt mich an – „…Germania!“ höre ich ihn sagen, dann erklärt er, dass dieses Spray „…noch viel besser sei…“ und zudem 10.-€ billiger! Schlitzohr! Egal, ich schmunzle in mich rein und kaufe das beworbene Produkt – der Kette der GS wird es egal sein.
Dann picke ich meine Sibylle auf und wir brausen zu NESSAJA, der nächste Videotermin ist anberaumt! Sibylle videochattet mit Enkelin Heidi…

Ich staune – die Kleine ist eineinhalb Jahre alt und interagiert am Mobiltelefon mit der Oma. Sie tut das aktiv. So ist das mit den Zwergen, die mit diesen Medien aufwachsen. Sie winkt und lacht und lässt Sibylle so merken, dass die Oma am anderen Ende Europas nicht in Vergessenheit gerät.
Ok, dass sie auch dreimal auflegt soll der Sache keinen Abbruch tun! Nachdem die Mama wieder übernommen hat, schickt sie uns ein Bild unseres Fltzers in Deutschland – der steht im Landkreis Erding, der Nähe zum Flughafen wegen. Wir staunen nicht schlecht – es scheint kalt zu sein…

Temperaturtechnisch können wir punkten, wettertechnisch leider nicht. Hilft aber nix, unser Trinkwasser ist zur Neige gegangen, wir müssen zeitnah auffüllen. Arbeitsteilung heißt die Devise! Sibylle möfelt mit dem Breezy hin und her, ich trage den schweren Kanister zu NESSAJA und befülle den Tank.

Leider hat Sibylle den Vorsatz „Regenpausen nutzen“ falsch verstanden – nicht, dass es diese nicht gegeben hätte, nur war Sibylle immer dann auf dem Weg, wenn es wieder ergiebig geregnet hat.
Während der tatsächlichen Regenpausen hat sie sich dann im Schiff aufgewärmt – es ist uns an diesem Tag nicht gelungen, diesen Teufelskreis zu durchbrechen.

Was fängst an, wenn das Wetter es nicht gut mit Dir meint? Nun, ich tippe immer ein paar Blogzeilen oder lerne Griechisch.
Mein Lerneifer hat Sibylle angefixt – Sie, die sonst lieber lange Romane liest oder mit der Familie Videocalls macht, sie hat auch ihren Duolingo Zugang wiederentdeckt und möbelt ihr Englisch auf.
Da sitzen wir dann – „Wie geht es Dir?“ „How are you? Τι κάνετε;

Zuhause scheinen die Seglerfreunde auch Zeit zu haben und an den Plänen für das nächste Jahr zu schmieden. Immer wieder mal erreichen mich Nachrichten, ob ich nicht unterstützen könnte, indem ich etwas fotografiere oder ausmesse. Diesmal war es Martin, der eine Rechnungskopie bräuchte, ich könne bei der Gelegenheit gleich noch nach den Batterien von STENELLA sehen…
Das Wetter war toll, mach´ ich gerne – Sibylle und ich gehen zu dem süßen roten Schiff.


Ich hole mir das lange Brett und balanciere an Bord. Alles ist perfekt, kein augenscheinliches Problem. Auch der Blick nach innen bestätigt, hier ist alles in Butter auf´m Kutter!


Ich suche noch das benötigte Dokument und gebe dann Rückmeldung an Martin. So ist sichergestellt, dass in Hessen die neue Saison reibungslos geplant werden kann. 😉
Auch Felix hat sich ob seiner Persenning inzwischen zurückgemeldet. Er würde es durchaus schätzen, wenn ich nachsehen würde, ob man die Plane neu fixieren kann. Natürlich machen wir das! Nächste Station also ALLEGRA…

Hm, was war da nur passiert? Die Leine baumelte am Rumpf nach unten, war aber aus allen Ösen ausgefädelt, es war nichts zerissen oder beschädigt!
Egal, Hauptsache ist, dass der Fehler schnell behoben werden kann. Ich fädle also alles wieder ein und kann nach 15 Minuten Vollzug melden…



Jetzt aber – die Sonne wandert Richtung Horizont, langsam wird es frisch. Sibylle und ich gehen noch zum Leuchtfeuer der Marinaeinfahrt, dann wollen wir zurück ins Warme und es uns gemütlich machen.


Wir entern unser Zuhause und es kommen uns die Lebkuchen von Tina und Volker in den Sinn. Das wäre jetzt doch was! Five o´ clock Tea und echte Elisen Bratapfel-Lebkuchen – das Leben ist schön!

Heizen müssen wir noch nicht, denn Sibylle kocht mal wieder etwas Feines. Der Hähnchen-Rollbraten schmort im Ofen, die Abwärme des kräftigen Backrohrs, kann den kleinen Raum gut heizen – ich kann es gut im gschlamperten T-Shirt aushalten.
Leider wabert im Hinterkopf der Gedanken daran, dass wir noch ein weiteres Mal „ausrücken“ müssen. Es ist also noch nicht soweit, dass wir in den absoluten „Relaxmodus“ wechseln können – den erkennt man daran, dass Sibylle in ihre grauen Schlabber-Jogginghosen wechselt! Frei nach Karl Lagerfeld, gibt sie damit die Kontrolle über ihr Leben ab und kann ab dieser Minute nicht mehr an meinen geliebten „Golfshirts“ rummeckern (die mit den 9 Löchern) 😉 …
Also auf geht´s – rein in die Jacken, Taschenlampe an und ab zu ANAHITA – hier haben wir auf die Dunkelheit gewartet, um die Batterien ohne den Einfluss der nicht abschaltbaren Solarmodule zu messen.

Ich mache ein Bild, sende es an den Eigner und gebe Entwarnung. Auf der Delta 46 ist alles ok.
Jetzt darf der Braten schmecken, ab jetzt wird´s ein gemütlicher Abend.
Das Jahr geht in den Endspurt, noch zwei Tage! Was ist noch zu tun? Wir wollen nicht mit einer „Offene Punkte 2024“ Liste in das neue Jahr starten!
EDINA muss gelüftet werden, unsere Freundin Shira wartet auf die Realmaße vom Haus. Das packen wir noch an…

Ich staune nicht schlecht! Im Moment ist nur eine Abfahrt auf die Kaianlage geöffnet. Aber selbst im Dezember, in einer völlig aktionslosen Marina, schafft es ein Autolenker sich exakt und mittig in diese Einfahrt zu stellen – Herr lass´ Hirn regnen!
Klar, die Wahrscheinlichkeit, dass jetzt ein Tankwagen oder der Wasserwagen dorthin müssen ist gering, aber auch unser Müllfahrer oder der Taucher fahren hier herunter und müssten sich jetzt den Weg bahnen. Jaaaa, ich weiß, ich bin in Griechenland! Siga, siga – aber es müsste doch nun wirklich nicht sein. Entspanntheit ersetzt doch nicht das Denken.
Egal, wir öffnen die Luken bei EDINA und kümmern uns weiter um unsere To-Dos.


Nachdem wir rasch unsere Einkäufe nach Hause gebracht hatten, fuhren wir umgehend zum Haus und nahmen alle relevanten Innen- und Außenmaße des Wohngebäudes.
Das Laser-Meßgerät hat sich sehr schnell als lohnende Anschaffung gezeigt, denn obwohl wirklich viele Maße zu nehmen war, ging die Aufgabe rasch von der Hand.

Wir trugen die Berichtigungen und Detailabweichungen in den erstellten Grobplan ein und senden das Bild an Shira. Jetzt heißt es zu warten, bis die Freundin die berichtigten Daten in ihr Programm eingepflegt hat.
Gemessen daran, dass wir noch nicht vollumfänglich Eigentümer des Hauses sind, haben wir schon allerhand erreicht.
Sibylle und ich gehen auf einen Cappuccino ins „Coffee Lab“. Sie wünscht es sich und ich gebe dem Schuppen ein zweite Chance. Wir bestellen das Bohnengebräu und dazu etwas Süßes.

Ok, Chance genutzt, sowohl die Cappucci als auch das Bougatza waren köstlich.
Während wir über die Grundrisse des Hauses sinnieren, besprechen wir auch die Ausrichtung von Terrassen und Zimmern. Dabei lassen wir uns von Google Earth helfen. Um in etwa einschätzen zu können, wie alt die Aufnahmen sind, schaue ich mir auch die Luftaufnahme der Marina an – da habe ich Anhaltspunkte.
Mich erstaunt was ich sehe…

Wir liegen auf der Luftaufnahme schon auf unserem aktuellen Platz. Hierher haben wir am 31.12.2023 verholt, also vor fast exakt einem Jahr. Da die Aufnahmen ganz klar vom Sommer sind, kann man ziemlich sicher sagen, dass sie vom Sommer 2024 sind – sehr aktuell also!
Im Gehen werfe ich noch einmal einen Blick in das Lokal. Es ist schon nett hier. Ich lenke ein, es soll auch eine weitere Chance bekommen und dann sehen wir weiter.
Mein letzter Blick gilt einer Auszeichnung – „Südeuropas Kaffeekette des Jahres 2023“! Ok, nicht schlecht! Muss man anerkennen. Übrigens, der Rechnungsbetrag war verschwindend gering. Wenn sich der Barista nicht verrechnet hat, dann ist das „Coffee Lab“ auch noch günstig!


Wir fahren zurück in die Marina – dachte ich…
Ich merke schon, Sibylle hat heute Hummeln im Arsch, sie liebt es „ein Fährtle“ zu machen. So will sie es auch heute! „Komm´ lass´ uns nach Xirokampos fahren“, höre ich sie sagen.
Warum eigentlich nicht???
Wir fahren an Susannes Haus vorbei und versuchen zu überblicken, ob alles in Ordnung ist. Von der Straße aus gibt es keine Auffälligkeiten, ich bin sicher, dass unsere Freundin sich über das Bild freuen wird.

Dann machen wir, mal wieder, einen Abstecher zur kleinen Felskapelle „Panagia Kavouradaina“. Die ist aber auch wirklich einzigartig – miniklein, in den Fels gebaut! Eigentlich charmanter als ihre berühmtere Schwester „Agios Isidoros“.
Die Sonne zaubert eine perfekte Stimmung…






Jetzt sind unsere Speicher wieder voll! Meiner zumindest! Als wir an NESSAJA ankommen, ist es Sibylle noch nach einer Runde „Walking“. Das freut auch mich, denn so kann auch ich mal eine halbe Stunde durchatmen.
Wer meint, dass ich nun faullenzen würde, der hat sich getäuscht! Ich durchblicke meine Lernapp immer besser und finde Gefallen an der spielerischen Aufmachung.
Ich fleze mich also auf die Salonbank und versuche mich voranzuarbeiten – und das gelingt doch ganz gut!

Spaß beiseite, ich nehme das recht ernst und will Ziele erreichen. Erste Basics setzen sich fest, aber ich stehe ganz am Anfang eines langen Weges. Die ersten Schritte sind getan.
Der Abend verplätschert, wir essen gut und trinken ein Gläschen Wein, später gucken wir Krimiserien. Der vorletzte Tag des Jahres geht zu Ende, wir sind beide gespannt, was Silvester bringen wird.
Nach dem Ausschlafen und einem guten, kräftigen Frühstück erhalte ich eine e-Mail von der Marina. Ein großer Umschlag sei angekommen, er läge im Büro und wir möchten ihn doch bitte abholen.
Da Sibylle ohnehin noch ein paar Kleinigkeiten einkaufen muss, bringt sie die Sendung im Vorbeifahren mit und hat somit das Recht erworben, diese auch zu öffnen! Naja, offen gesagt wussten wir was drin sein würde – es war halt die Vorfreude…



Wer genau hinsieht erkennt, welche Freude und welche Überraschung wir mit euch teilen wollen – Enkelchen #8 ist im Anmarsch! Was für ein Weihnachtsgeschenk.
Oooops, erwischt! Hier habe ich etwas gemogelt – wir wissen es nämlich schon seit Weihnachten, die werdenden Eltern hatten uns das Ultraschallbild beim Videocall in die Kamera gehalten! Wir konnten unmittelbar gratulieren.
Dieser Kalender ist wieder etwas Besonderes für uns – er kommt sofort an seinen Platz.

BIMM! Na heute geht es ja zu wie im Taubenschlag! Shira meldet sich und bietet ein Treffen an. Wir könnten einen Cappuccino trinken und dabei gleich die Pläne des Hauses ändern.
Außerdem hätte sie eine Idee für eine Umgestaltung, diese wolle sie uns vorstellen. Wir treffen uns also im „Mocal“ in Agia Marina.
Während wir über die Pläne und Vorschläge grübeln, kommen Kinder vorbei, die etwas aufsagen und dann ein paar Münzen sammeln. Natürlich geben auch wir ein paar Groschen.

Als wir in die Marina zurückkehren, sind die Stunden gerade so verflogen.
Sibylle kocht einen Tee, wir wollen uns wieder eine Packung der leckeren Lebkuchen gönnen. Da fällt mir ein, dass ich EDINA noch zumachen muss – ich hatte die CNB 60 auch heute noch einmal gelüftet um jeglichen Muff zu vermeiden.
Als ich zurück zum Schiff laufe, fällt mir die schöne Stimmung über der Marina auf – das Leben ist schön!

Ab jetzt läuft die Uhr rückwärts – wir haben alles erledigt, sitzen gemütlich in unserem Salon und gönnen uns zum Tee – in Ermangelung von Alternativen – die „Helene Fischer Show“. Einmal im Jahr kann ich das aushalten.
So verbringen wir einen gemütlichen Abend, sinnieren über das, was uns wohl im Jahr 2025 erwarten wird und hoffen, dass uns Unheil erspart bliebe.
Hilft nix, um 20.45 Uhr müssen wir noch einmal raus, die Marinacommunity trifft sich im „To Steki tou Dingenskirchen“ zum Silvesterdinner.

Es war schwierig, für dieses Silvester etwas Geeignetes zu finden. Thomas und Paola hatten sich so eingesetzt und keine Mühen gescheut, trotzdem prallten zuviele Interessen bei geringem Angebot aufeinander.
Der beste Kompromiss schien dieses Lokal zu sein – dabei ist ein Kompromiss aber auch immer der kleinste gemeinsame Nenner.
Aufgrund dieser Tatsache, sind auch eingeplante Freunde ausgestiegen und haben sich auf eigene Faust anderweitige Alternativen gesucht. Unsere Gruppe wurde um Bekannte erweitert, welche in der Lakki Bucht vor Anker liegen.

Ab da lief es, ich denke ich darf das sagen ohne die Leistung unserer Organisatoren zu schmälern, ein bisschen ungut ab.
Was wir nicht ahnten – Paola hatte der Wirtin ein Silvestermenü fur unsere Gruppe aus den Rippen geleiert. Diese war nun daran interessiert uns abzufüttern, so dass die später ankommenden Gäste nicht merken, dass unser Essen von der „Tageskarte“ abweicht.
Die Vorspeisen kamen alle auf einmal und unter Hast auf den Tisch…

Obwohl einige am Tisch eine kleine Pause zwischen den Gängen einforderten, wurde diesem Wunsch nicht Rechnung getragen – irgendwann war die Tafel vollgebaut mit den kleinen Meze Tellerchen und wir hatten allerhand zu futtern.
Leider damit nicht genug! Wir hatten diese Vorspeisen noch nicht gegessen, kamen schon die ersten Hauptgerichte – wir waren zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal eine Dreiviertelstunde hier.
Der Protest an unserem Tisch wurde lauter, das musste er auch, denn inzwischen hatte die Musik angefangen zu spielen.

Obwohl die Wirtin tatsächlich vor dem letzten Gang den Druck etwas herausnahm, war das Kind schon in den Brunnen gefallen.
Die Musik war superlaut, zwischen den Tischen war keinerlei Gang oder Raum, dies sorgte für Unruhe im Raum. Jürgen von der BE HAPPY beschwerte sich ob der Lautstärke der Musik – ich war gespannt was passieren würde…
Die Antwort – NIX! War aber klar!
Bis hierhin nahm ich es mit Gelassenheit, sich zu beklagen bringt nichts, es kann nicht immer perfekt sein. Außerdem – schlimmer geht immer…

Ich war relativ entspannt – noch 81 Minuten bis zum Jahreswechsel. Doch dann passiert es…
RAUCHER! Es wird geraucht! Im Speiselokal! Für mich ein absolutes NO GO!
Ich sehe sofort den Quell des beißenden Gestanks und erkenne auch, es ist nicht nur einer! Am Nebentisch schmaucht eine ganze Gruppe, es wird akzeptiert. Für mich ein ganz klares Zeichen zum Aufbruch – es gilt „sero tolerance“.
Ja ich weiß, auch unter euch werden einige sein die sich fragen, ob ich da nicht etwas überreagiere. Nun, ohne mein Leben komplett offenzulegen will ich anmerken, dass sich der Verdacht auf Kehlkopfkrebs durch Passivrauchen nicht geil anfühlt. Zwanzig Jahre Trainings vor rauchendem Publikum gehen nicht spurlos an einem vorbei – ich hatte einfach Glück. Diese Situation nehme ich heute nicht mehr hin – unter keinen Bedingungen!
Ich tippe Thomas, unserem Organisator, auf die Schulter, melde mich ab und lasse ihm unseren Obolus hier. Dann gehen Sibylle und ich – kurz und schmerzlos. Unglücklich war, dass offensichtlich zwei andere Segler ähnliche Gedanken hegten und uns folgten…
Was nun? Ich mache es kurz!

Da die Bar unserer Wahl geschlossen hatte, haben wir kurzerhand beschlossen, dass wir das Jahr zuhause ausklingen lassen. Wir haben mit einem Tsipouro angestoßen und einen Blick nach draußen gewagt – für Entertainment sorgte die „Große Silvesterparty“ des ZDF.
Es war gediegen, es war schön – wir haben ein entspanntes Silvester erlebt!

Dieses Silvester war etwas mehr Feuerwerk als die Jahre zuvor. Vielleicht freuen sich die Griechen, dass sie 2024 endlich verabschieden durften – aus globaler Sicht war es ja ein eher durschnittliches Jahr, in vielerlei Hinsicht sogar ein denkbar schlechtes.
Wir freuen uns auf 2025 – obwohl wir wissen, dass mit jeder zu erwartenden Veränderung auch Mühen und Aufwand einhergehen.
Wir erwarten ein spannendes, abwechslungsreiches und hoffentlich zufriedenstellendes Jahr, wissen aber auch, dass für all das Gesundheit, Frieden und das persönliche Glück die Grundlage darstellt.
Das wünschen wir uns für uns, unsere Familien und euch allen da draußen!
Gruß von Bord der NESSAJA
Mario & Sibylle
Ach PS.: Der Ausblick – im Januar wird sich letztendlich herausstellen ob und wieviel ich für die Marina arbeiten soll, dies muss sich mit dem geplanten Besuch bei ELOWYN in Preveza vereinbaren lassen.
Spannend wird sein, ob wir den Hauskauf unter Dach und Fach bringen und beim Notar abschließen können – was wird sich hier ergeben?
Für den Blog plane ich umfangreiche Veränderungen – der Seglerblog wird irgendwann ein „Greek Island Mood“ Blog werden. Es gilt „sailingmoments“ in einen neuen, übergeordneten Blog zu implementieren. Ob ich das 2025 schaffe???
Die besten Wünsche für 2025 !!!
Immer wieder interessant Deinen Blog zu lesen und zu sehen wie sich alles entwickelt.
Ich wünsche euch daß alles klappt und ihr das mediterane Leben weiter genießen könnt 😎
Grüße aus Hessen bzw. zur Zeit Livigno
Udo
Hallo Udo,
danke für das nette Feedback – ja, wir selber sind auch ganz gespannt wie es weitergeht, oft wissen wir das selbst nicht…
Aber wir haben Spaß und genießen das Leben!
Livigno kennen wir vom Bergradeln, ist aber ein paar jahre her – hat uns gefallen.
Wir wünschen ebenfalls ein gutes neues Jahr und senden herzliche Grüe nach Hessen
Die NESSAJA Crew