„Here’s a little song I wrote
You might want to sing it note for note
Don’t worry, be happy
In every life we have some trouble
But when you worry you make it double
Don’t worry, be happy
Don’t worry, be happy now“
Der Monat Juli beginnt seltsam, irgendwas läuft nicht rund – das merkt ihr vermutlich NICHT unmittelbar an der Headline des Hochsommermonats, handelt es sich doch um DEN gute Laune Song von Bobby McFerrin aus dem Jahr 1988.
Doch weit gefehlt! Ich oute mich! Ich hasse dieses Lied – schon immer! Ich wähle es gerade deshalb als Headline des Monats, denn ich hatte einige Mühe „happy“ zu bleiben, trotz der kleinen Nackenschläge, der „worries“ der vergangenen vier Wochen – kurz – nicht toll!
Nun denn, was war denn so schräg am siebten Monat des Jahres? Was war so schlimm, dass er im Ranking ziemlich abrutscht?
Fangen wir von vorne an…
Ich war die letzten Tage und späten Abende des Juni fleißig gewesen, um den Blogbericht fertig zu stellen. Ihr solltet nicht lange warten müssen. So konnte ich pünktlich zum 01.07.2024 Vollzug melden und den Bericht online stellen.

Kurz bevor ich die Taste „Veröffentlichen“ drücke, glaube ich meinen Augen nicht trauen zu können. WordPress gibt mir die Anzahl der Worte und die geschätzte Lesedauer an – ich staune nicht schlecht…

So wird der Juniblog einer der längsten, die ich jemals geschrieben habe. Dies wird mir Ulrich im Laufe des Monats mit den Worten „…ich dachte der hört nie auf!“ quittieren, trotzdem hat er ihn gelesen und mir ein insgesamt positives Feedback hinterlassen – Danke dafür!
An alle anderen – ich gelobe Besserung, weiß aber nicht, ob es klappt 😉
Ein kurzer Rückblick auf die Übergabe von ALENA – wie zu erwarten, fielen den Neueignern Karl und Rosi einige Kleinigkeiten auf, welche beim Putzen und Räumen offensichtlich wurden. Nichts wirklich großes, aber so nervige Nickeligkeiten.
Ich habe mich aber, da bin ich konsequent, an Karls inszenierten „Übergabetag“ gehalten, zwar mit Ratschlägen und Hinweisen geholfen, auch mal einen Schluck Bilgenwasser mit den Beiden verköstigt, Hand angelegt habe ich bei ALENA nicht mehr – und werde es auch nicht mehr tun.
„Ob er mir etwas schuldig wäre…?“ wollte Karl noch wissen. Nein, das war er nicht! Seine Einladung an uns hatten wir auf Werner abgelegt und bei den Schwämmen waren wir uns nicht einig, daher ist diese Frage generell schlecht zu diskutieren…
Die Schwämme? Ihr erinnert euch doch sicher???

Karl hat am Kauftag von ALENA zwei Schwämme als Glücksbringer bei „Captain Kostas“ ausgewählt, diese aber in der ganzen Aufregung des Schiffskaufes dort vergessen – unbezahlt.
Ich habe ihm mit einem Augenzwinkern versichert, dass ich die Schwämme beschaffen würde, ALENA soll ihren Glücksbringer bekommen! Dafür habe ich in den vergangenen Wochen Gott und die Welt bewegt.
Über diese Schwämme sind Karl und ich ins Ungleichgewicht geraten – er meinte, er hätte mir das Geld bereits vorab gegeben, ich bin sicher, dass dies nicht der Fall ist. Er wollte Rosi dazu befragen, hat aber dieses Thema nie wieder erwähnt. Auf welcher Basis sollte ich also klären können, ob er mir etwas schuldet? Ich beschließe für mich, dass bei einer Gesamtbetrachtung des Verkaufsvolumens, die Schwämme für mich nicht relevant sind. Daher, Karl schuldet mir nichts, das Kapitel ALENA ist für mich geschlossen. Der Grundsatz „quid pro quo“, der zu einem bestimmten Maß auf Fingerspitzengefühl beruht, hat diesmal jedoch nicht gegriffen.
Wichtig ist – ALENA hat ihre Glücksbringer! Für mich hingegen gilt, don´t worry, be happy!
Inzwischen sind die Neueigner abgereist und die schöne Schwedin liegt an ihrem Platz an D – sie hat mich fast drei Jahre begleitet und ich wünsche ihr allzeit gute Fahrt!
Ich gehe zu Hans-Peter auf dessen LIBERTÈ, wir haben einiges zu besprechen. Bald ist sein Krantermin, wir müssen ein paar Dinge vorbereiten. Der Platz ist reserviert, auch weiß Kranführer Giannis, dass wir im Kran etwa 10 Minuten brauchen um das Ruderblatt herauszuziehen. Hierfür müssen wir nun Vorbereitungen treffen und alle Schraubverbindungen lösen und gangbar machen. Auch gilt es, den Tagesablauf zu besprechen.
Interessant was man von hier aus beobachten kann…

Vis a vis legt ein Gastschiff an. Der Skipper presst das breite Boot in eine recht schmale Lücke. Dass man dafür auch mal seine Fender innenbords nehmen könnte, hat er offenbar nie gehört – na egal.
Es kam wie es kommen musste! Die Fender verhaken sich, es zieht und zerrt an der Reling. Dabei ploppen ein paar der Gummipuffer nach oben – na kein Problem möchte man meinen! Doch weit gefehlt! Das Eignerpaar setzt andere Prioritäten, es wird geputzt und es werden Sonnensegel gespannt – um die Fender kümmert sich niemand!
Übrigens auch nicht während der nächsten drei Tage! Gelebte Seemannschaft, wen kümmert es, dafür gibt es ja Versicherungen…
Sibylle kommt mich abholen, gemeinsam gehen wir drei Schiffe weiter, dort liegt GIOIA, die ehemalige TARGUI von Emil und Chantal. Unsere Ex-Kaufinteressenten sind, auf meine Empfehlung hin, neue Eigner der Beneteau Oceanis 42CC. Wir treffen die beiden an Bord und sprechen sie auf den neuen Namen an…

Die Frage war ein Teaser für Ulrike, nun ist sie in ihrem Element – sie erklärt uns wie es zu dem Namen kam, „…GIOIA significa Freude, puoi vedere il parallelo con la parola inglese „Joy“, also ihr hört das englische „Joy“ ci è piaciuto, dovrebbe renderci felici, ich meine sie soll uns Freude machen…“, um dann, nach einer kurzen Atempause fortzufahren, „…TARGUI hat uns nicht so gefallen, wisst ihr was der Name bedeutet? C’est le singulier de Touareg, tu vois, versteht ihr ? Un Targui, deux Touareg !“ – sie lächelt.
Nein ich habe nicht verstanden! Ich Dummerchen spreche ja weder Französisch noch Italienisch, sie hätte es mir auf Deutsch erzählen müssen. Ist aber egal, denn ich wusste es bereits – Allgemeinwissen eben 😉 – don´t worry, be happy!
Wir verabschieden uns höflich, denn wir müssen weiter, ein Paket ist für uns angekommen. Schwiegertochter Sonja hat es vor 10 Tagen auf den Weg gebracht, es enthält ein paar Kleinigkeiten. So zum Beispiel zwei 55/60er Steckschlüssel, die ich für ELOWYN und NESSAJA gekauft habe.

Für was braucht man solche Monster? Nun, die passen auf die Heizstäbe der Warmwasserboiler und sind eigentlich nie verfügbar. Volker wollte sowas haben und ich habe mich drangehängt. Eine gute Idee! Wie groß die Dinger in der Realität sind, fällt beim Vergleich mit meinem, nicht gerade zarten, Unterarm besonders auf.

Ich bringe einen der beiden Giganten auf Volkers ELOWYN, beschaffe noch einen Ersatzheizstab und lasse den Tag dann ausklingen. Genug für heute!
Am Abend sind wir mit Ina und Ralf von der CHILI zum Dinner im „Pirofani“ verabredet, Sibylle leiht den Freunden abermals den „Breezy“ und wir gönnen uns wieder hauptsächlich die leckeren Meze, welche in dieser Taverne feilgeboten werden. Die beiden Sportler schauen ein bisschen darauf, sich weitgehend fleischlos zu ernähren und finden hier eine reichhaltige Auswahl.



Wir essen uns richtig satt an den „Vorspeisen“. Trotzdem beratschlagen wir, ob wir uns auch noch zwei Hauptgerichte teilen sollten. Diesmal verwerfen wir das, denn Ralf schlägt ein Speiseeis als „Abrundung“ vor. Ei der Daus! Wer kann da schon NEIN sagen?



Wir bleiben beim Eis, gönnen uns aber extragroße Portionen. Danach fahren wir in die Marina und wünschen uns eine gute Nacht.
Am nächsten Morgen bin ich mit Giorgos an der Stadtpier verabredet. Der Freund hat es tatsächlich geschafft, den Generator von EDINA zeitnah zu revidieren und mit Neuteilen aufzubauen. Ich könne vorbeikommen wenn ich möchte, einen Kaffee mit ihm trinken – und ob ich möchte!
Am Weg sehe ich bei „Mikes“ vorbei, ich möchte einen Happen frühstücken.

Ich gönne mir meinen Lieblingspie, den mit Chicken gefüllten – Chickenpie, auf Griechisch Kotopita. Ich bestelle also „Mia Kotopita kai ena Cappuccino sketo“ (μία κοτόπιτα και ένα καπουτσίνο σκέτος) – zu meiner Überraschung bekomme ich was ich bestellt habe, klappt doch!

Ich frühstücke auf die griechische Art, währenddessen schläft Sibylle noch, sie entwickelt sich zur Langschläferin. Ich dagegen fahre weiter an den Stadtkai um dort dem Spektakel der Motorenanlieferung beizuwohnen…

Ich lege etwas Hand mit an, Giorgos möchte den Motorblock ins Schiff heben und auch an seinem Platz verstauen. Just als dies erledigt ist, kommt auch schon der Kaffeelieferant mit seinem Moped angebraust – zum ersten Mal gelingt es mir, die Kaffees für uns alle zu bezahlen, das war ich lange schuldig.
Wir schlürfen das köstliche Gebräu in EDINAs Cockpit und quatschen ein wenig über Dieses und Jenes. Dann wollen die Jungs weiterarbeiten, ich fahre zurück auf NESSAJA.
Sibylle weilt inzwischen auch unter den Lebendigen, auch mit ihr trinke ich noch eine Tasse Kaffee, dann widme ich mich meiner GS. Auch für sie war etwas in dem Paket…

Während unseres Urlaubs hatte auf einmal das BMW Emblem gefehlt, einfach weg. Natürlich weiß ich nicht wo es abhanden gekommen ist, bemerkt habe ich es nach einer Fährpassage. Geklaut? Ich weiß es nicht! Don´t worry, be happy – was kann ich anderes tun als ein Neues zu bestellen? Lässige 52.-€ auf das Konto des deutschen BMW Händlers transferiert, und schon war es meines!
Die Montage gestaltete sich denkbar einfach…


Am Abend treffen wir uns zu einem großen Essen im „Kakomoiras“, eine Freundin von uns muss aus familiären Gründen nach Hause reisen, wir feiern ihren Abschied zusammen. Sie und ihren Mann werden wir wohl erst im November wiedersehen.
Das Essen im Mezelokal war lecker wie immer – ihr wisst, dass diese Taverne zwingend unter meinen Top-Five ist.


Der Abend klingt herrlich aus, wir bezahlen erst als es dunkel ist und ziehen dann noch auf ein abschließendes Eis in den Speiseeistempel nach Lakki. Dort trennen wir uns zu später Stunde, wir sind müde, ab ins Bett!
Am nächsten Morgen geht Sibylle mit der Crew der CHILI zum Dog-Shelter um dort die Hunde auszuführen. Während ihrer Abwesenheit versäumt sie ein Spektakel!
Ich sehe von NESSAJA aus, dass ein Mast sehr nahe am Wellenbrecher ist, zu nahe, außen! Erste Köpfe Schaulustiger werden sichtbar. Auch ich bin neugierig und begebe mich zum Schauplatz des Geschehens.
Potzblitz, was ist das? Ein Segelboot mit deutscher Flagge liegt auf den Felsen und der Wind steht kräftig auf das Boot – das ist eine gefährliche Situation, warum handelt keiner???

Ich rufe das Marinaoffice an und melde den Vorfall, der Marinero soll mit dem Schlauchboot kommen – SCHNELL.
Ich klettere, trotz Flip-Flops, über die Felsen und lehne mich mit meinem ganzen Gewicht gegen das Boot. Tatsächlich gelingt es mir, das Boot soweit wegzudrücken, dass kein Rumpfkontakt zu den Steinen besteht. Jetzt kommt Hilfe! Petros besteigt das Boot um von Bord aus zu helfen, der Skipper scheint wie gelähmt, Antonis, ein Mordskerl, hilft mir den Rumpf abzudrücken bis die Leine zu Kostas´ Schlauchboot gespannt ist.
Der 25PS Außenborder schafft es gerade so, das Segelboot vom Wellenbrecher zu ziehen.


Inzwischen hat auch der Chef der Marina den Vorfall mitbekommen. Zu allem Unglück ruft er die Port Police wegen eines „Seeunfalls“ bei seiner Marina an – ein großer Nachteil für den Skipper, wie sich herausstellen sollte.
Der Marinero schleppt das manövrierunfähige Segelfahrzeug in die Krangasse, dort wird es aus dem Wasser gehoben.


Dem kleinen Schiff ist nicht viel passiert. Die Port Police nimmt den Unfall auf und befragt den Skipper zum Hergang. Später wird er uns die Geschichte ebenfalls erzählen – hat was mit einem missglückten Toilettengang zu tun und soll hier nicht detailliert wiedergegeben werden.
Soviel nur – eine Verkettung von unglücklichen Umständen hat nun dazu geführt, dass der Skipper eine „Liegeverordnung“ erhalten hat. Die Papiere wurden ihm abgenommen, er darf erst weiterfahren, wenn ein Gutachter die Seetüchtigkeit des Schiffes bestätigt hat. Ungut! Sehr ungut!
Der Skipper meinte zu uns – „…der Propeller kommt nach Athen zur Reparatur, in fünf Tagen kann ich wieder ins Wasser und weitersegeln.“ Nach drei Wochen wird er feststellen müssen, dass er immer noch an Land steht – ohne Propeller! Ende offen…
Ich sitze entspannt auf LIBERTÉ und warte – wir haben heute Krantermin, alles ist vorbereitet und uns wurde mitgeteilt, dass unser 11.45 Uhr Termin auf etwa 13.00 Uhr verschoben wurde – super, vor der Mittagspause, genug Zeit um das Ruder zu ziehen.
11.30 Uhr, Kostas klopft ans Boot – „Captain, are you ready?“ Wir erschrecken – „Äh, ja, nein, jein!“ Bereits zwei Minuten später sind wir auf dem Weg zum Kran, Kostas gibt uns Geleit.




Von hier an geht alles ganz schnell, zu schnell um Fotos zu machen! Die Profis spannen die Gurte unter das Schiff, wir machen die Decksarbeit auf der Bavaria 41H, dann wird sie angehoben.
Wir dürfen aussteigen und rennen sofort los um eine Leiter, eine Palette und ein großes Kantholz zu holen – das freut Giannis, denn er merkt, dass wir genau wissen was zu tun ist.
Während das Boot schwebt, legen wir das Kantholz unter das Ruder, dann baut Hans-Peter den Quadranten vom Ruderschaft ab. Zuletzt entfernt er die Haltemutter. Giannis hebt das Schiff an, ich halte das Ruder, welches langsam nach unten aus den Lagern rutscht. Danach verlässt Hans-Peter das Schiff und wir legen das Ruderblatt auf die Palette an die Seite. Geschafft!!!


Kurz zur Erklärung – warum muss der Platz perfekt sein und warum ist er es? Nun, es steht kein Boot davor, hier wird einreihig aufgestellt und somit ist man flexibel im Falle eines Umparkens. Zudem kann der große Mastkran dorthin fahren und den Mast abnehmen.
Der Platz, fast der gleiche wie wir ihn hatten, ist sehr luftig und bietet eine schöne Ausssicht. Das ist vielleicht dann von Bedeutung, wenn man fast 5 Monate auf Trockendock am Schiff wohnt und zudem die Gattin für zwei Wochen zum Urlaub kommen wird.
Last not least, hat Hans-Peter seinen Merlin dabei und muss ihn immer mit nach oben tragen. Da ist es gut, wenn man Zugang vom Betonkai aus hat – das spart Sand und Dreck im Schiff.

Wir gehen auf NESSAJA um einen Kaffee zu trinken, klar, dass auch Merlin mit von der Partie ist. Er hadert noch ein wenig mit seiner neuen Lebenssituation, kann er doch nicht mehr ohne Herrchens Hilfe von Bord.

Für die Technikfans unter euch – warum machen wir das? Was steht an?
Nun, LIBERTÈ ist Erstwasserung 1998, also 26 Jahre alt. Wir machen folgende große Eingriffe – Demontage des Saildrive mit Überarbeitung und Tausch der Manschette, Tausch der Kurbelwellen – Dichtringe am Motor nebst einiger weiterer Kleinarbeiten, dazu kommt der Tausch der Ruderlager nebst Überholung des undichten Ruders. Als ob dies nicht reichen würde, wird der Mast gezogen und das stehende Gut erneuert. Last not least schleifen wir das Unterwasserschiff bis auf´s Gelcoat ab und tragen dann Coppercoat auf.
Aber nicht heute, denn heute haben wir einen Termin! Unser Zeitplan sieht vor, dass wir nach dem erfolgreichen Kranen von LIBERTÉ zu Susanne und Sophie nach Xirokampos fahren, um bei deren Bootsanhänger die Räder abzunehmen.

Da Hans-Peter sowohl einen Wagenheber als auch, im Fall der Fälle, ein Zugfahrzeug besitzt, hat er angeboten zu unterstützen – das nehme ich gerne an.
Könnt ihr euch vorstellen, wie Radschrauben festsitzen, bei einem Anhänger der ins Salzwasser gefahren wird und zudem vermutlich rund 10 Jahre steht? Ich sage euch, sehr fest! Dumm, wenn dann das meist nicht superprofessionelle Werkzeug abrutscht…


Susanne reagiert sofort – sie erzählt mir was von Blutvergiftungen, schmiert seltsame Salben auf die Haut, die sich nicht mehr über mein Gelenk spannt. Dann verpflastert und verbindet sie mich – na toll!
Don´t worry be happy! Ich bin happy – und wie!

Wir bringen die Arbeit zu einem zufriedenstellenden Ende und fahren zurück in die Marina. Ich bin gehandicapt, das kann ich gut leiden. Für heute ist daher erstmal Schluss, wir packen morgen an!
Just an diesem Tag sind wir nochmals bei Susanne und ihrer Tochter geladen. Es gibt ein gemeinsames Dinner und wir kommen gerne. Abermals finde ich mich auf der Terasse ein, erfreue mich der schönen Aussicht und nehme daher meinen verwundeten Finger aus dem Bild.


Die beiden Wahlschweizerinnen haben sich, wie eigentlich immer, alle erdenkliche Mühe gegeben, um ein Festmahl auf den Tisch zu bringen. Wir haben fürstlich gespeist und uns prächtig unterhalten – ein wunderbarer Abend – DANKE dafür!




Wir sitzen lange zusammen und reden über Gott und die Welt. Wir erfreuen uns unserer langjährigen Freundschaft und blicken zurück auf das gemeinsam Erlebte. Irgendwie war der Kontakt zu Susanne ja die Initialzündung für unsere Liebe zu Leros – ohne sie wären wir nie hier.
Der Abend klingt spät aus und wir fahren satt und zufrieden zurück auf unsere NESSAJA – morgen ist ein neuer Tag, Tag 1 von LIBERTÉs Refitprojekt!
Hans-Peter und ich haben uns einen Plan zurecht gelegt. Wir würden erst alle relevanten Projekte an seinem Schiff starten, alles zerlegen und eine Bestandsaufnahme machen – dies war nötig, um die erforderlichen Teile zu bestellen. Einen Teil davon könnte Sibylle aus Deutschland mitbringen.
Danach würden wir uns eine zeitlang mit meiner Liste auf ELOWYN beschäftigen, so ginge alles Hand in Hand.
Auf geht´s, packen wir also an, zerlegen wir LIBERTÈ…


Nachdem der Saildrive unter der Wasserlinie von allen Anbauteilen wie zum Beispiel Propeller, Ausgangswelle und -lager befreit war, sind wir nach oben ins Cockpit gegangen und haben erstmal eine kleine Pause gemacht.
Hier ist ein herrlicher Platz – es weht eine frische Brise und man hat einen tollen Ausblick. Perfekt um etwas herunter zu kühlen oder auch, um eine Tasse Kaffee oder ein Kaltgetränk zu genießen.

Danach widmen wir uns der Trennung von Motor und Saildrive. Wir bearbeiten den Volvo Penta MD22 von beiden Seiten gleichzeitig und entfernen alle verbindenden Schrauben nacheinander – zu guter Letzt muss nur noch der Motor um etwa 20cm nach vorne gezogen werden. Um dies zu bewerkstelligen, hängen wir ihn mit einem Spanngurt und einer Traverse in den Niedergang.
Gesagt, getan – wir ziehen an und die Antriebsmaschine rutscht vom Getriebe. Jetzt können wir die Schrauben der großen und sicherheitsrelevanten Gummimanschette entfernen und den Saildrive nach oben herausnehmen. Am Nachmittag liegt er auf unserer „Werkbank“!

Nicht falsch verstehen, das alles ist keine Raketenwissenschaft, aber eben auch nicht pillepalle. Es ist eine saubere Fummelei alle Schrauben zu entfernen, man muss auch ein bisschen wissen wo und wie und sollte keine zwei linken Hände haben. Wenn man dann noch einen guten, umfänglichen Werkzeugsatz hat – dann ist es relativ einfach.
Wir profitieren davon, dass ich einen fast baugleichen Motor habe und diese Arbeit vor zwei Jahren erledigt hatte.
Am Abend haken Sibylle und ich einen lang schon vor sich hinwabernden Punkt auf unserer „you should have done list“ ab. Wir wollten schon lange einmal im „Harris“ länger sitzen bleiben und mehr als einen Aperitiv zu uns nehmen. Diesen Plan erzählen wir den Freunden von der CHILI, die nutzen die Chance und springen sofort auf den Zug auf – respektive auf Sibylles „Breezy“!

Oben angekommen, werden wir sehr höflich platziert – wir sind zu früh, unser reservierter Tisch ist noch nicht frei. Wir nehmen Platz, genießen die Aussicht und starten mit einem ersten Getränk.

Pünktlich um 19.00 Uhr steht die leicht angeheiterte Damenrunde auf und macht Platz für uns. Wir haben die Speisekarte schon studiert und waren hungrig – so machen wir wahr, was sonst nur aus Spaß gesagt wird…
Wir nehmen alles – in dieser Reihenfolge 😉 !
Und dann ging es los…



Die Nachos mit Guacamole hatten wir schon zum Aperitiv, somit waren wir einmal quer durch – es hat super geschmeckt und letztlich waren wir pappsatt.
Wir saßen lang und haben viel gequatscht. Wir mögen Ina und Ralf, sie sind zu Freunden geworden. Sehr schade nur, dass die Beiden eine Sommerpause einlegen. Sie werden bald schon nach Hause fliegen und wohl erst im September wieder kommen.
Dieser Trend setzt sich durch, viele gehen dieses Jahr so vor, um der sommerlichen Hitze zu entfliehen.
Erst spätabends verlassen wir die sensationelle Location und genießen einen letzten Blick auf die Windmühlen und das Kastell. In der Ferne, in der Dunkelheit der Nacht, kann man die Lichter der Türkei erkennen.

Der neue Tag steht noch im Zeichen der Bestandsaufnahme auf Hans-Peters LIBERTÈ, wir müssen uns noch den Motor ansehen. Da der nun ohnehin sehr gut zugänglich „rumsteht“, zerlegen wir ihn in den Bereichen, wo es uns nötig erscheint Reparaturmaßnahmen anzusetzen – so garnieren wir den Jockel an der Hinterseite komplett ab, um so an den Dichtring der Kurbelwelle zu gelangen. Das gleiche machen wir dann noch auf der Vorderseite…

Am Nachmittag sind wir soweit – alles ist zerlegt, die Einkaufsliste ist fertig, wir bestellen die Teile und lassen diese zu Sibylles Sohn nach Miesbach liefern. Es sind glücklicher Weise keine großen, schweren Ersatzteile, so dass meine Gattin diese leicht mit nach Griechenland bringen kann.
Danach ist Feierabend! Den machen wir heute pünktlich, denn wir sind verabredet. Heute findet das Viertelfinale der Fußball EM statt, wir haben einen Tisch im „La Palma“ Café reserviert.
Da Sibylle einer Bitte von Marietta entsprochen hat, war sie bis unmittelbar vor dem Spiel im HUB beschäftigt – ich musste also sehen wo ich bleibe. So habe ich mich mit Ed im „SouVLakki“ verabredet.

Wir laben uns an den verschiedenen Giros Köstlichkeiten, gönnen uns heute aber nicht das volle Programm, sondern eher das, was man als „Häppchen“ bezeichnen könnte. Die Idee ist, dass wir im „La Palma“ Café Ouzo trinken und noch ein paar der dazu gereichten Meze schnabulieren.
Pünktlich gehen wir los um im Café unseren Tisch zu besetzen…

Der Fernseher läuft, es werden die Mannschaftsaufstellungen gezeigt, langsam füllen sich die Reihen, wir sitzen zu zweit am Fünfertisch und verteidigen die Plätze. Damit unsere Kehlen nicht austrocknen, bestellen wir eine erste Runde – es soll ein feiner Fußballabend werden – soll!!!

Es begann in diesem Moment eine Verkettung von unglücklichen Umständen, so sagt man da, glaube ich.
Etliche Leute fragen nach den drei freien Plätzen, wir weisen die Fragesteller höflich ab und erklären, dass wir reserviert haben und unsere Freunde noch kommen. Sibylle verspätet sich etwas, sie belegt dann aber ihren Platz, bestellt ein Getränk und es bleiben zunächst zwei Stühle frei – die Plätze für die CHILI Crew.
Ralf und Ina hatten angedeutet, dass es sein KÖNNTE, dass sie nicht kommen werden, zwar hat Ralf mit einem Augenzwinkern angemerkt, dass er sicher kommt, aber es blieb eine gewisse Unsicherheit.
Etwa zehn Minuten nach Spielbeginn kommt ein Mann und will sich einfach hinsetzen – kein Hallo, kein freundlicher Blick, geschweige denn eine Frage. Wir weisen darauf hin, dass die Plätze besetzt sind, er steht murrend auf und murmelt etwas Unverständliches vor sich hin. Ich habe ihn nicht verstanden, aber die Gesinnung war klar. Er nimmt sich einen Stuhl und setzt sich hinter uns.
Eine Viertelstunde nach Spielbeginn gebe ich auf – wir geben die Plätze frei, ein älteres Paar setzt sich zu uns. Just in diesem Moment, ich schwöre, keine zwei Minuten später, kommen Ralf UND Ina!
Sie erfassen das Problem sofort und wollen sich zwei Stühle nehmen und sich ebenfalls hinter uns setzten. Da fängt der Brummbär von vorher an, sich dies zu verbieten, er wolle jetzt freie Sicht auf den Fernseher, da dürfe sich niemand hinsetzen! Es sei unser Pech, wir hatten Plätze gehabt, die seien jetzt ja wohl weg.
Im Kern hat der kleine Mann ja Recht, wer zu spät kommt den bestraft das Leben. Aber er, der offensichtlich am Napoleon Syndrom leidet, hat kein Recht zu verbieten, dass Menschen sich einen Stuhl nehmen und zu ihren Freunden an den Tisch setzen, schon gar nicht darf er mich anraunzen – da habe ich eine kurze Lunte.
Ich stehe auf und biete dem Zwerg meinen Platz an, dann könne er besser sehen. Ich brauche den Platz nämlich jetzt nicht mehr, ich will nicht die gleiche Luft atmen wie er. Mir reicht´s ich gehe heim!
Deutschland verliert, das ist mir nicht wichtig – sauer bin ich trotzdem, der Gnom hat meinen Abend versaut. Was soll´s – don´t worry, be happy!
Der neue Tag beginnt wieder auf der Bavaria meines Freundes…

Nach meinen zwei Tassen Kaffee am Morgen, startet Sibylle die Waschmaschine und geht zur Hausarbeit über über. Einkaufen müsse sie auch, sie hätte viel zu tun! Ok, ich auch, ich gehe zu Hans-Peter und wir widmen uns heute seinem Rigg.
Er möchte gerne Stagen und Wanten austauschen, die Drähte sind schließlich schon 26 Jahre alt. Ich verstehe sein Ansinnen, erkenne aber, dass der Zustand noch top ist – offen gesagt, besser als bei mir.
Na egal, er will es so! Wir müssen also früher oder später den Mast legen lassen. Damit sich hier die Kosten im Rahmen halten, bereiten wir alles vor – sind die Spanner gangbar, sind alle Fallen sauber verräumt? Wir müssen sehen, wo die Mastverkabelung zu trennen ist und uns schonmal Zugang verschaffen. Last not least, schlagen wir den Baum ab – die Segel hatten wir vor Tagen schon abgeschlagen und verstaut.


Da Sibylle und ich heute Nachmittag verabredet waren, wollten wir nicht nach weiteren Arbeitsmaßnahmen suchen. Es bot sich aber an, die verbleibende Zeit zu nutzen, um eine Anfragemail zu formulieren und diese zum Seldén Vertreter nach Athen zu schicken. Diese Mail ging auch an „Meltemi“, der ist zwar Vertreter der Wettbewerbsmarken Sparcraft und Z-Spars, genießt aber einen hervorragenden Ruf in der Szene.
Die Marina werden wir später anfragen, sie soll nur den Mast abnehmen. Das Preislevel für die komplette Arbeit in der Marina ist uns bekannt, es scheint hoch angesetzt zu sein. Wir glauben, mit der externen Beschaffung ein oder zwei TAUSENDER zu sparen.
Danach gehen Sibylle und ich zum Abkühlen ins Meer! Das machen wir zwei, dreimal am Tag, es ist nicht weiter erwähnenswert. Heute aber erfrischen wir uns für ein besonderes Date – wir sind auf die GIOIA zum Aperitiv geladen. Danach gehen wir zusammen nach Panteli ins „Pirofani“ zum gemeinsamen Dinner.

Ich mache es kurz – wir besichtigen die neu erworbene Beneteau Oceanis 42CC, wie zu erwarten ein schönes, gepflegtes Schiff. Dass Gerald und Ulrike mir vorschwärmen, wie dieses Schiff zu ihnen passt und welche Vorteile es bietet, das überhöre ich geflissentlich, was interessiert mich das Geschwätz von gestern, aus einer Zeit als NESSAJA noch das Maß der Dinge war?
Gerald überhört im Gegenzug meinen Hinweis, dass seine Toppwanten gefährlich lose sind, nun, ich denke er wird es später richten lassen.
Mir wird aber schlagartig klar – es war die einzig richtige Entscheidung, den Verkauf von NESSAJA an die Beiden abzubrechen, sie wären mit ihrer Sicht der Dinge unserem Schiff niemals habhaft geworden, niemals!
Wir trinken einen Aperitiv, dann ziehen wir weiter nach Panteli.

Gerald formuliert gewählt – man würde uns heute einladen, man freue sich des Lebens. Gemeinsam essen und trinken, was gäbe es Schöneres? Dem will ich mich anschließen, da kann man nichts hinzufügen!
Unser letzter Besuch in dieser Taverne liegt einige Monate zurück, es war Winter. Damals saßen wir drinnen, ich habe bestellt, der Tisch hatte sich gebogen – ich kenne die Beiden als Genießer. Diesmal, so schlägt Gerald vor, sollen die Damen wählen, wir könnten ja zuerst nur Salate und eine Runde Vorspeisen bestellen. Dann gehen wir in die zweite Runde und zu guter Letzt wäre ja noch Platz für ein Hauptgericht – klingt gut! Ich bin dabei!
Wir sitzen gemütlich beisammen, reden über Pläne und wie sich die Eignerlaufbahn der Beiden entwickeln soll. Ich erfahre, dass die Neueigner morgen abreisen werden und erst im April wieder zurückkommen wollen – das ist mal ein langer Break gleich zu Beginn der Eignerschaft! Ich hoffe, dass Gerald in der kurzen Zeit alle Systeme soweit erfasst hat, um GIOIA fachgerecht in die lange Winterpause zu schicken. Ich höre weiter zu – der Grund für die lange Unterbrechung seien manigfaltige Verpflichtungen. Ja, das kann ich nachvollziehen, ich weiß sehr gut wieviel Überwindung es kostet, sich aus diesem Korsett zu befreien.
Irgendwann waren wir durch, die Teller waren leer. Ich überlege so, was mir noch fehlt um meine Zufriedenheit zu erlangen, was ich als Hauptspeise wählen würde, das wusste ich am Nachmittag schon 😉
Gerald ergreift wieder das Wort – „…das war doch jetzt lecker, oder? Eigentlich sind wir doch jetzt satt, wie wäre es mit einem Eis?“
Ulrike wirft zustimmend ein – „…wir können uns ja ein Kügelchen teilen!“
Äh nein! Eigentlich bin ich nicht satt und uneigentlich auch nicht, ich esse nur einmal am Tag und habe Hunger. Mir schießt es blitzartig in den Kopf „SOUVLAKKI“. Gerald bezahlt die Rechnung und wir bedanken uns artig, dann habe ich es eilig, ich will weg! Ich will kein Eis, kein ganzes und schon gar kein geteiltes, ich will gemütlich sitzen und noch etwas trinken und essen. Im Gehen werfe ich noch einen Blick auf die Fischtheke – heute bleibt der Wunsch der Vater des Gedanken…

Wir verabschieden uns, Eis gibt es nächstes Mal, lasst uns heimfahren. In Lakki biegen Sibylle und ich ab, nicht zum „SouVLakki“ wie zunächst per Geistesblitz manifestiert, nein, wir sind ins „La Palma“ Café, haben uns einen Ouzo gegönnt und Meze gegessen.


Ich beruhige mich – eigentlich war alles zu überstürzt. Wir hätten die Beiden verabschieden und sitzen bleiben sollen. Den Abend wie erhofft zu Ende bringen. Das wäre ein klareres Statement und auch auch eine rundere Sache gewesen, aber manchmal ist besonnenes Handeln schwierig.
Was war passiert? Nun, vielleicht war es wirklich nur eine unterschiedliche Erwartungshaltung, ist möglich. Es kann aber auch sein, dass es nicht nur uns aufgefallen ist, dass die Kommunikation nicht rund läuft. Es prallen Welten aufeinander und es kann sein, dass die Beiden einfach den Ausgang gesucht haben. Ich muss beide Optionen als möglich akzeptieren – don´t worry, be happy!
Die Geschichte wird ihren Lauf nehmen, dieses Kapitel aber ist erst einmal geschlossen. Gerald und Ulrike reisen ab, GIOIA wird, so wurde erzählt, irgendwann an Land gestellt werden. Bis 2025 also!
Am darauffolgenden Morgen, wechseln Hans-Peter und ich erstmal auf die ELOWYN. Die Ersatzteilbestellung für die LIBERTÈ ist abgeschlossen, die Anfragen für die Überarbeitung des Riggs abgesetzt. Bevor wir mit dem Schleifen beginnen, wollen wir das gröbste Projekt auf dem blauen Riesen anpacken – die Reparatur der sogenannten Mooring-Winch.
Anfangs sind wir guter Dinge, wir richten uns das Werkzeug im Cockpit sauber her, Arbeitsplatzordnung ist das halbe Geschäft – dies sollte sich später jedoch ändern…



Ich hatte ja schon im Winter versucht, die Trommel der versenkbaren Deckswinsch von der Spindel zu bekommen – keine Chance! Der Plan war daher, das Ganze von unten anzugehen, alles zu zerlegen und das schadhafte Teil nach unten herauszuziehen – auf der Werkbank hat man dann andere Handhabe und kann alle Problemstellungen lösen. Soweit der Plan…
Leider wich die Praxis deutlich ab! Was ich als Arbeit für einen Tag angesetzt hatte, mauserte sich zu einem Vier-Tage Marathon – nur für das Zerlegen!
Das begann schon damit, dass wir uns Werkzeuge zurechtschleifen mussten.


Nach einer Weile gelingt es uns, den kräftigen Antriebsmotor vom Getriebe zu trennen und die Schrauben, die das Getriebe mit dem Tunnel verbinden, zu lösen und herauszudrehen.
Leider ist das Getriebe in einem bemitleidenswerten Zustand, der Lack fliegt aufgrund fortgeschrittener Korossion davon, mit ihm das Typenschild. Macht aber nichts, es war ohnehin nicht mehr lesbar.

Leider fällt das Getriebe nicht „einfach auseinander“ wie ich es mir vorgestellt habe. Wir klopfen die Einheit mit einem Kantholz nach unten – ich sehe uns kurz vor dem erfolgreichen Abschluss unseres Tagwerkes, doch dann…
…steht die Trommel an einem Absatz im Tunnel an – nichts geht mehr. Der scheinbar geniale Plan scheitert, es wird klar, irgendwo müssen wir die Verbindung Trommel – Spindel – Getriebe trennen. Wenn nötig mit Gewalt!

Wie so oft in diesem Monat gilt – don´t worry, be happy. Ich kläre die Situation mit Volker, er gibt grünes Licht für den Ausbau, egal wie. Morgen gehen wir wieder ran.
Um den Zustand HAPPY zu erreichen braucht es was zu essen, wir beschließen, auf NESSAJA den Grill anzuheizen.

Sibylle hatte eingekauft und einen Salat vorbereitet, ich kümmere mich um die Spieße, die auf unserem Cobb Grill brutzeln. Zusammen mit Hans-Peter genießen wir das Dinner und zwei, drei Dosen Bier.
Für den nächsten Tag habe ich eine grandiose Idee – wir werden die komplette Spindel aus dem Getriebe herauspressen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass das von unten gehen muss, es sieht aus, als ob die Spindelwelle in eine Hohlachse gesteckt wäre. Das wäre toll, so könnten wir das Problem gut lösen.

Von vorne herein war klar, dass wir das nicht schaffen würden, indem wir mit Kristinas rosa-geblümten Hämmerchen auf die Welle dengeln – ein Abzieher muss her!
Wie? Ihr könnte euch kein rosa-geblümtes Hämmerchen vorstellen? Ihr glaubt mir nicht???

Ich rufe Giorgos an und er bietet an, dass ich sofort kommen solle um das Ding abzuholen, er sei gerade in der Werkstatt.
Wir fahren gemeinsam nach Kamara und holen das begehrte Tool – an dieser Stelle öffnet sich ein Neben-Handlungsstrang…

Unweit von Kamara befindet sich eine riesige, moderne Lagerhalle. Dort können auch Autos und Boote abgestellt werden. Ulrich von der SOLEIL BLEU hatte mich gebeten, mal kurz nach seinem Opel „Karl“ zu sehen wenn ich wieder in Kamara sei.
Der Kleinwagen sei dort über den Sommer abgestellt und ich möge bitte kurz checken, ob das Team der Arbeiter den kleinen Flitzer auch eingepackt hat und die Batterie abgeklemmt wurde. Klar! Machen wir! Doch leider heute ohne Erfolg, der Betrieb war geschlossen, keine Menschenseele zu sehen. Na, dann ein Andermal, wir kommen ja wieder her…
Ich mache es kurz – ich kam am selben Abend noch einmal mit Sibylle und dem Motorrad hierher, um den Abzieher zurück zu bringen. Die Welle hat sich auch mit größtmöglicher Kraft nicht einen Millimeter bewegt – alles darüber hinaus wäre ein Risiko für das Getriebe gewesen. Wir brechen unverrichteter Dinge ab.
Auch am Spätnachmittag war die Lagerhalle verschlossen und niemand da. Der Tag war somit insgesamt wenig erfolgreich. Na was soll´s – don´t worry, be happy! Morgen ist auch noch ein Tag!
Der Tag, an dem wir mittelschweres Geschütz auffahren – ab heute wird zerstörerisch demontiert…



Tatsächlich wechseln wir uns ab, auch ich werkle in der engen und heißen Lücke, es sieht kleiner aus als es in Wirklichkeit ist. Man konnte ganz gut arbeiten und so „sägten“ wir uns Stück für Stück dem Erfolg näher – dachten wir…
Es war hundertfach der gleiche Prozess, ein oder zwei Schnitte mit dem „Fein“, dann mit Hammer und Meißel die Stücke ausbrechen. Ziel war, diese verfitzmaldeite Plastikmutter restlos zu entfernen.


Bis zum Abend hatten wir es geschafft! Die Mutter war restlos entfernt, aber leider rührte sich immer noch nichts. Wir waren ratlos und verzweifelt, irgendwie wäre eine Art „Explosionszeichnung“ hilfreich gewesen, so hätten wir vestehen können, was sich da noch verbirgt.
Heute wissen wir, dass all unsere Mühen sinnlos waren. Die Trommel hat nach unten einen relativ langen „Hals“, das erkennt man auch auf dem Bild, dieses Aluminiumteil hat sich wohl mit der Edelstahlspindel auf einer großen Fläche per Korrosion verbunden. Leider wussten wir das noch nicht, aufgeben war keine Option.
Am nächsten Tag machen wir weiter, aber für heute reicht es, wir haben uns unser Dinner mehr als verdient – Volker schreibt per WhatsApp, dass er eine Runde Giros im „SouVLakki“ ausgibt, da lassen wir uns nicht zweimal bitten.

Danach, soviel war klar, runden wir den Abend bei „Repapis“ ab, so vergisst man die Schinderei des Tages.


Am nächsten Morgen starten Hans-Peter und ich einen neuen Versuch. Wir wissen stillschweigend, dass dies unsere letzte Option sein wird, unser letzter Trumpf.
Wir haben besprochen, dass wir der verbackenen Einheit einmal „richtig einheizen“. Dafür kaufe ich mir extra einen Gasbrenner, den wollte ich schon lange haben. Wir stellen Wasser bereit, um im Falle eines Falles löschen zu können – dann halte ich die 900°C heiße Flamme auf die korrodierte Verbindung…

Während ich von unten, unter Einwirkung der Hitze, versuche die Oxidationsablagerungen zu lösen, übt Hans-Peter von oben „sanfte Gewalt“ aus – mittels eines extra angeschafften 1kg Hammers! Doch leider auch diesmal – ohne Erfolg!

Ich kapituliere! Wir haben genug Kleinholz gemacht, wir haben unsere Möglichkeiten ausgeschöpft. Wir haben jetzt drei volle Tage lang versucht, diese Spindel von der Trommel zu trennen – im Schiff! Alles jedoch ohne Erfolg, das Trum hängt immer noch da wie an Tag 1.

Unsere Versuche bis hierhin waren Volkers Börserl geschuldet. Wir wollten vollumfänglich reparieren und dabei Geld sparen. Wir wissen, dass so eine komplette Winsch etwa 8.000.-€ kostet – viel Geld – auch in ELOWYNs Kategorie.
Ich weiß wie ich es löse! Die Idee schlummert schon seit zwei Tagen in meinem Kopf – ich habe mit meinem Plan aber bisher hinter dem Berg gehalten. Jetzt muss es raus – „…wir schneiden die Spindel ab – Flex raus, tschengpeng, ab ist das Getriebe!“
Hans-Peter schaut mich an wie ein Auto – ich höre was er denkt. „Ach Du meiner Treu, will er das wirklich? Oder macht er Spaß?“ Nein mein Freund, es ist kein Spaß! Ich muss aber wissen, ob es die Spindel als Ersatzteil gibt, auch muss ich Volker informieren.
Wir klarieren die Baustelle auf ELOWYN und legen das Projekt auf Eis. Ich informiere Volker per Mail und schreibe eine Anfrage an den Hersteller – ich erkläre den Sachstand, zeige das Problem auf und frage Ersatzteile und eine neue Winsch als Alternative an.
Dann verlassen wir ELOWYN und wenden uns LIBERTÉ zu…
Wir gehen ihr an den Kragen, besser gesagt an den Bauch, an den Rumpf um genau zu sein. Das Antifouling und alle weiteren Anstriche müssen runter! Hans-Peter ist bestens vorbereitet, packt sein Handwerkszeug und dann kann es losgehen!

Unsere Baustelle ist gut sortiert, wir haben Paletten um Teile und Werkzeug abzustellen, die Nachbarschiffe spenden ein wenig Schatten und mit dem Pick-Up sind wir schnell mobil, zudem können wir nachts die wertvollen Werkzeuge wegräumen – so kann man schaffen!

Mein saarländischer Freund hat ein Zaubermittel gekauft – einen Abbeizer, mit dem das Antfouling wie eine alte Tapete vom Rumpf fällt – so zumindest vor unserem geistigen Auge. Genau das wollen wir heute am Ruder einmal ausprobieren.

Hans-Peter geht mit saarländischer Unaufgeregtheit an die Sache ran. Geduldig pinselt er das Ruder mit der bräunlichen Melasse ein – dann müssen wir eine halbe Stunde warten.
Jetzt nur noch abspülen…

Tatsächlich geht das einigermaßen gut. Der Haken an der Sache, man müsste viel Wasser verwenden, dies würde für eine Riesensauerei am Boden sorgen – vom Umweltgedanken einmal ganz abgesehen.
Wir erkennen ebenfalls rasch, dass sich hier an diesem Platz, der Einsatz eines Hochdruckreinigers von selbst verbietet. Wir nehmen rasch Abstand von diesem Gedanken.
Wir realisieren aber, dass das Antifouling sich besser abkratzen lässt, wenn es vorher mit dem Abbeizer behandelt wurde. Dieser Schritt kristallisiert sich also als der erste Arbeitsschritt heraus – Abbeizer auftragen, einwirken lassen und dann mit der Abziehklinge von Hand abziehen. Daraus folgt automatisch Schritt zwei – den ganzen Rumpf mit der handgeführten Maschine abschleifen, wie geil! Don´t worry, be happy 😉
Weil wir wissen, dass wir hier viele Stunden verbringen werden, richten wir uns eine Pause- respektive Brotzeitecke ein. Ein Tisch war bereits da, Hans-Peter kann am Waschhaus zwei Klappstühle ergattern und ich beschaffe für die Prinzessin einen Thron.

Der Stuhlkauf war lustig – ich prüfe aufgrund meines Gewichtes ja immer, wie stabil ein Stuhl ist – dies gilt gerade bei diesen billigen Plastikstühlen.
Der Verkäufer hatte eine gewisse Auswahl – so zwischen 10.-€ und 25.-€ – ich gehe also die ausgestellte Reihe ab, drücke auf jeden Stuhl einmal fest drauf und sehe nach, ob er irgendwo nachgibt oder weich ist.
Auf einmal – kraaaaak! Der Verkäufer schaut mich an, ich schaue den Verkäufer an… Ich sage nur, „…den nehme ich!“ Super!
Na egal, Sibylle wird er aushalten, wir weihen unsere neue Sitzecke ein – heute wird gegrillt!




Emanuel ist ein neues Gesicht. Er ist alleine hier auf seiner Jeanneau 35 RUKIPE, die bei uns am F-Ponton liegt. Wenn ihr den Namen des Schiffes rückwärts lest, dann wird klar, wie die Gesinnung des Skippers ist – Emanuel ist philosophisch, er ist ist pensionierter Lehrer und bezeichnet sich selber als Künstler – und er ist nett. Philosophen scheinen insgesamt bereichernd zu sein, ich denke dabei an meine Tochter oder an Garfield, beide haben Phasen meines Lebens geprägt – jetzt also Emanuel.
Wir hatten ein bisschen Anlaufprobleme, weil auch er natürlich ab und an Schwierigkeiten mit seinem Schiff hat. Gebe ich, selbstverständlich nur auf Nachfrage, einen Rat oder äußere meine Meinung, dann habe ich aber immer den Eindruck, als ob er genau das Gegenteil machen würde. Es kann nicht sein, was nicht sein darf (Christian Morgenstern, dt. Lyriker).
Wir haben Spaß mit dem Schwaben der, als er Sibylles Salat sah, fragte „…und wer kommt noch?“ um dann die letzte Schaufel aus der Schüssel zu holen, begleitet von dem Kommentar „…Hunger ist es nicht, aber es wär schad´ drum!“ Er wird noch das ein- oder andermal an unseren Runden teilnehmen…
Währenddessen liegt die EDINA noch an der Stadtmauer. Der Generator läuft wieder, aber nicht zuverlässig. Es ist nicht der bereits reparierte Motor der Zicken macht, nein, es ist die Einspritzpumpe, die immer wieder für Unbill sorgt. Ed beschließt, dass er die Pumpe ausbauen lässt und dann nach Hause fliegt – EDINA kommt an Land!

Heute geht es mit Hans-Peters Unterwasserschiff weiter. Wir haben die richtige Arbeitsmethodik noch nicht gefunden. Der Saarländer reißt sein Werkzeug aus dem Wagen, der „Fein“ wird als Schleifmaschine getestet (zu klein) und zudem kommt eine Poliermaschine, welche auch zum Schleifen verwendet werden kann, zum Einsatz (zu wenig effizient).

Während der Eigner das blaue Antifouling mit dem Abbeizer einstreicht, sich dabei die Armbeuge verätzt und dann den Rotz vom Rumpf kratzt, nehme ich die schleifende Poliermaschine und brummle damit über das Ruderblatt.

Ich schleife das Ruder ab, wir bohren Löcher und lassen das Wasser ablaufen. Das Ruderblatt ist beschädigt. Es hat leichte Osmose, einen Riss auf der Oberseite und mehrere Reparaturstellen unterschiedlicher Qualität.
Wir werden es retten können, soviel ist klar, aber es wird Mühe machen. Wir müssen obendrein exakt feststellen, wie weit das Wasser im Inneren des Ruderblattes schon zerstörerisch wirken konnte.
Ein Andermal! Sibylle und ich müssen weg, wir sollen zu einer Testfahrt mit dem FLIPPER nach Xirokampos kommen. Das lassen wir uns nicht zweimal sagen!

FLIPPER ist ein Boston Whaler mit einem 70PS Zweitakt Evinrude. Er gehört Susannes Tochter Sophie und sie findet, dass so ein Fahrzeug bewegt werden muss. Dem kann ich nur zustimmen!
Der Anhänger wurde inzwischen repariert, der Flipper bekam eine neue Batterie und wurde geslippt. Jetzt soll er im Wasser bleiben und genutzt werden, gerne auch durch uns – zum Beispiel wenn im August Sibylles Sohn Florian mit Familie zu Besuch kommt. Das klingt gut, also machen wir eine Einweisung mit anschließender Testfahrt!


Ich muss an früher denken, an meine Bertinetti Cigalla mit ihrem Traummotor. Ich liebe dieses Geräusch – rängdängdängdäng – und gut gehen tun sie allemal, die Zweitakter 😉
Als wir zu Susannes Haus fuhren, haben wir ein uns bekanntes Boot in der Bucht gesehen – er ist wieder da! Nein, nicht der, Philipp ist mit seiner AMAÉ wieder da!!!

Philipp und Kristel sind ein junges schweizer Paar. Wir haben die Beiden im ersten Jahr unseres #Lebens 2.0 kennen gelernt. Sie hatten da gerade die Hallberg-Rassy 352 gekauft und diese in der Leros Marina für die Reise ihres Lebens hergerichtet. Klar, dass wir uns einige Male getroffen haben, uns ausgetauscht und gefachsimpelt haben. Der Unterschied nur – sie haben es dann gemacht! Einfach abgelegt und bis Neuseeland gesegelt.
Von da aus ist die AMAÉ auf einem Frachter zurück nach Europa gereist und ist jetzt von Genua aus nach Leros zurückgekehrt.
Wir fahren vorbei, winken Philipp zu und verabreden uns für einen der nächsten Abende.
Wir bringen FLIPPER zurück an den Anlegesteg und verabschieden uns von Susanne und Sophie, bis heute Abend, da würden wir gemeinsam eine neue Taverne besuchen und testen.
Sibylle und ich beschließen am Heimweg, dass wir uns ein Eis gönnen!

Während wir bei „Repapis“ sitzen, schellt mein Telefon. Eine Nachricht von Ed – er möchte wissen, ob seine EDINA sauber aufgepallt wurde und sicher an Land steht. Ob ich wohl ein Foto…?
Klar, mach ich gerne!

Viel Zeit bleibt nicht mehr, macht aber nichts, denn auch Sibylle muss sich diesmal nicht „frisch machen“ – denn wir sind am Merikia Strand zum Baden verabredet, gleich anschließend wollen wir, wie bereits erwähnt, das neue Lokal direkt am Strand austesten.
Gesagt, getan – auf zum Merikia Beach…

Ich bemerke Seltsames – meine hintere Bremse an der GS funktioniert nicht mehr. Sie hatte ab und an etwas gezickt, aber jetzt geht gar nichts mehr.
Ich werde das später bei Loukas ansehen lassen, er wechselt die Bremsflüssigkeit, entlüftet das System, auf Dauer aber erfolglos. Ich nehme es vorweg, ich werde ein paar Tage später einen neuen Bremszylinder bestellen, Sibylle wird ihn aus Deutschland mitbringen – derweil muss die Vorderbremse reichen.
Aber jetzt erstmal baden…

Ich bin kein Fan des Merikia Strandes. Er hat nach fünf bis sechs Metern so komische Steinplatten im Wasser, man weiß nicht, soll man drüberklettern oder drüberschwimmen. Irgendwie nervt mich das.
Aber diesmal war es nett, zumal wir ja unmittelbar vor der Taverne beim Schwimmen waren. So konnten wir abgefrischt an unseren, reservierten, Tisch gehen.

Wir haben schon von anderen Seglern gehört, dass das „Serza“ tolle Gerichte anbieten würde. Das Ambiente passt, man könne es empfehlen.
Dieser Meinung schließen wir uns vollumfänglich an! Wir haben nahezu alle Meze probiert, die der Wirt anbietet, alles war ausnahmslos gut bis sehr gut. Der Service war wirklich prima. Die 4,9 aus Google Maps ist verdient und gerechtfertigt.
Wir bleiben dran, ich werde berichten, ob diese Taverne auch auf die lange Bank dieses Qualitätslevel halten kann – dort waren wir nicht zum letzten Mal!
Eines sei aber als Nachteil erwähnt, wir hatten an unserem Tisch, nahe am Garten, eine Menge Wespen die sich auf unser Essen stürzten, das war unangenehm.

Der Folgetag ist ein Sonntag, Sibylle und ich nehmen einen Tag von den Fremdbaustellen frei um uns um NESSAJA zu kümmern – ich habe einfach Lust, mal wieder etwas an unserem Zuhause zu arbeiten.
Nach dem Frühstück gehen wir baden und dann sehen wir bei Hans-Peter vorbei. Nichts zu sehen von unserem saarländischen Freund – nur Merlin hält Wache! Naja, nicht schlimm, er weiß wo er uns findet und dass wir heute auf NESSAJA werkeln.

Die Idee ist, dass wir heute gemeinsam das Bett zerlegen, auf meiner Seite die Wasserleitung für den externen Druckwasseranschluss verlegen und danach alles wieder aufräumen. Das geht zu zweit besser, zudem will Sibylle mal „in den Ecken porentief sauber machen“ – nicht zuletzt deshalb beginnen wir mit diesem Arbeitsposten, denn in ein paar Tagen schon wird meine Gattin nach Deutschland abreisen.
Potztausend, was da alles unter dem Bett verstaut ist – Sibylle ist übermächtigt von der Menge der auszuräumenden Teile. Die Matratze verschwindet schonmal im Salon…



Nachdem wir den Zugriff zu den Ecken und Winkel freigelegt hatten, durfte Sibylle loslegen. Staub wurde gewischt, Wasserspuren in Richtung Bilge beseitigt. Es wurde die Gelegenheit genutzt, ein wenig Schimmel aus den Ecken zu popeln und diese Bereiche chemisch zu behandeln.

Alles wurde gründlich geputzt und gesaugt, dann war ich wieder am Zug. Es musste nun die 15mm starke Whale Kunststoffleitung entlang der anderen Leitungen verlegt werden. Ich hoffte, dass die vorhandenen Schottdurchbrüche ausreichend groß waren, um noch eine weitere Leitung aufnehmen zu können.


Die Leitung musste über die gesamte Länge des Bettes und durch meinen Stauraum am Kopfende geführt werden. Diesen musste ich zuerst komplett ausräumen, erst dann hatte ich Zugang zum Außenwasseranschluss, genauer zur Anschlussdose, das Anschlussventil musste ich ebenfalls in diesem Zug einbauen – jetzt, als ersten Schritt.


Man kommt da echt schlecht ran, hoffentlich ist alles dicht! Ich will es vorwegnehmen, war es nicht! Doch dazu später mehr…
Soweit, so gut! Wir gönnen uns ein Päuschen und eine Tasse Kaffee. Ich muss mich durchlüften. Es muss aber gesagt werden, dass das Arbeitsklima so schlecht nicht war, wir hatten nämlich die Klimaanlage im Schlafzimmer laufen und konnten so bei angenehmen Temperaturen schaffen.
Trotzdem war der Kaffee mehr als verdient!

Nach der kurzen Verschnaufpause machen wir den Anschluss am anderen Ende fertig, indem wir die Whale Leitung mit dem bereits verbauten 3-Wege Hahn verbinden. Geschafft, einen Zulauf haben wir schonmal, den Rest des Systems mache ich später, das ist ein Job für mich alleine.
Wir räumen alles wieder auf und sind zufrieden. So haben wir uns das heute vorgestellt.
Weil ich gerade in Schwung bin, hisse ich noch eine neue Gastlandflagge, diesen Respekt sind wir unseren Gastgebern schuldig. Die Alte hat der stetige und kräftige Meltemi förmlich „aufgefressen“!

Abends gehen wir zusammen mit der schweizer Fraktion zum Dinner. Es gilt Roland zu verabschieden, er hat eine Operation vor sich und muss hierfür in die Schweiz. Ein Routineeingriff, wenn alles klappt sehen wir uns im November wieder. Für sein „Abschiedsessen“ wählt er die Pizzeria „La Nostra“.
Zu uns gesellen sich Christa und Rinaldo von der AEGEAN BLUE sowie Hans-Peter und Merlin.
Als Rinaldo auf die Pizzeria zuläuft, erkenne ich schon von Weitem, dass auch er dem „Blanc du Nil“ Fieber verfallen ist. Neben Sibylles Bruder und unseren Freunden Nader und Christine aus Erding, kennen wir so viele Segler die diese weiße Leinenkleidung tragen – unweigerlich muss ich dabei immer an Julia und Hajo denken, die Beiden haben wir leider aus den Augen verloren.

Sibylle will mir das immer einreden – „…Du die haben bis 5XL, das könntest Du auch immer anziehen wenn wir abends fortgehen!“ Hm, ok, aber wie oft gehen wir abends fort? Und gehen aus dem Leinenzeugs auch Motorölflecken wieder raus? Ich weiß nicht…
Mal sehen! 😉
Am nächsten Morgen geht es richtig zur Sache! Hans-Peter und ich haben uns in die Augen gesehen und uns eingestanden, dass das Leopardenmuster an LIBERTÈs Rumpf zwar sexy aussieht, aber aufgrund der unbekannten Verträglichkeit mit seinen neuen Anstrichen eher abgemacht werden sollte.
Als wir über den Kauf einer neuen Exzenterschleifmaschine nachdenken, kommt Roland hinzu und bietet uns seine an. Super! Nehmen wir gerne an! Trotzdem kaufen wir eine baugleiche Zweite und können fortan gemeinsam dem dicken Rumpf der Bavaria zu Leibe rücken.


Die Arbeit ist anstrengend, schweißtreibend, kräftezehrend. Wir merken es jeden Tag mehr, dass die Maschinen, welche wir von Hand führen, ein gewisses Gewicht haben und dass auch der Anpressdruck den wir ausüben müssen nicht ohne ist.
Abends essen wir meistens zusammen, nicht so heute – denn heute ist der Tag, an dem wir mit Philipp von der AMAÈ verabredet sind. Wir treffen uns in Xirokampos, wo er immer noch vor Anker liegt, auf ein gemeinsames Dinner im „Porto Nicola“. Der Tag war bewusst gewählt, denn Sibylle wollte teilhaben – aber morgen schon wird sie nach Deutschland fliegen.

Ich denke ihr könnt euch vorstellen, was man einen Abend lang mit einem Freund bespricht, der gerade von einer Weltumsegelung zurück gekommen ist. Er berichtet in hehren Worten, zeigt bunte, beeindruckende Bilder. Wir kleben an seinen Lippen und fragen viel.
Gerade Sibylle löchert den Eidgenossen mit ihren Fragen, ich merke natürlich, dass sie alle ihre Negativpunkte abfrägt. Philipp weiß das nicht oder ahnt es nur ansatzweise, er antwortet ehrlich und die Antworten sind, zu unserer beider Überraschung, allesamt positiv! Klar, es gibt die üblichen, allgemein bekannten Einschränkungen, aber am Ende keinen Grund es nicht zu tun.
Sibylle wirkt nachdenklich, ich bin sicher, dass es Tage gibt an denen sie weiß, dass sie mit ihren Bedenken den letztmöglichen Peak unseres Lebens kappt, die Phase auf die ich 30 Jahre lang hingelebt habe. Hat das Auswirkungen? Ich weiß es nicht…
Spät am Abend lösen wir die illustere Runde auf. Philipp geht auf seine geliebte Hallberg-Rassy, mit der er in ein paar Tagen in die Marina kommen wird. Wir dagegen ziehen uns auf unsere NESSAJA zurück, wir schlafen ein, wortlos, heute gibt es nichts mehr zu besprechen, jeder hängt seinen Gedanken nach.
Beepbeep, beepbeep, beepbeep – ich hasse den verfitzmaledeiten Wecker! Besonders dann, wenn er um 03.00 Uhr klingelt! Sibylle steht auf und richtet sich zusammen, ich folge ihr ein paar Minuten später. Um 03.30 Uhr laden wir ihre Tasche in Hans-Peters Ford Ranger, ich fahre sie zum Fährterminal. Die Fähre läuft schon ein, als wir am Parkplatz ankommen.




Wir verabschieden uns kurz, dann steigt meine Gattin zu. Sie verlässt Leros mitten im Sommer, wie immer gibt es auch dafür ein Dutzend Gründe, so dass jegliches Argument verpuffen würde bevor man es überhaupt geäußert hat.
Ich bin, offen gesagt, nicht begeistert. Der Sommer ist die Phase in der auf Leros die Feste sind, die Veranstaltungen. Das Meer lädt zum Bade und die Freunde sind auch wechselweise hier. Das Wetter ist stets stabil, ok, es ist sehr warm, aber es ist zuverlässiger Hochsommer. Wir sitzen in der Eisdiele und Grillen fast täglich. Es ist die Zeit, die wir gemeinsam genießen könnten – wer da nach Hause muss, weil es zu heiß ist, weil Sehnsüchte plagen, weil Arzttermine zu erfüllen sind…
…der ist vielleicht generell falsch aufgestellt. Ich persönlich vertrete auch den Standpunkt, dass die Abstände zwischen den Deutschlandaufenthalten immer kürzer werden, ich erinnere, wir sind erst am 16. Mai, also vor einem Monat, vom Heimatbesuch zurückgekehrt. Sibylle spielt dies als Zufall herunter, nun, wir werden sehen wo sich das hinentwickelt, in jedem Fall beeinflusst es mein Denken und meine Pläne.
Am Nachmittag schickt mir Sibylle die Bilder von ihrem Flug. Der Jet hat Leros überflogen und sie konnte ein paar nette Aufnahmen machen. Sie ist gut angekommen und wird erst im August zurückkehren.


Ich fahre zurück auf NESSAJA, es beginnt die Monatshälfte, in der ich auf mich alleine gestellt bin. Ich muss mich umorganisieren, das dauert immer ein bisschen.
Ich erinnere, es ist ungefähr 04.30 Uhr, ich überlege gerade, ob ich mich noch einmal hinlegen soll. Nur noch schnell den Laptop auf den Salontisch stellen, dort soll er für die nächsten zwei Wochen stets greifbar sein. Dafür muss ich einen Kabelbinder aufschneiden…
Ihr ahnt was kommt, schlaftrunken greife ich zur High-End „Fiskars“ Haushaltsschere, setze diese an und… rutsche ab! Autschn!

Mein Mittelfinger rutscht zwischen die beiden Scherenklingen und bevor der Widerstand des Fleisches die schwerkraftbedingte Abwärtsbewegung bremst, schneidet sich die eine Schneide tief durch die Epidermis meines ersten Fingergliedes.
Ich bin sowas gewohnt und normaler Weise ficht mich das nicht an – hier aber war ich einen Moment aufgeregt – das Blut rann aus dem 1cm langen Schnitt, anders als sonst, ließ sich der Blutfluss nicht durch festes Zudrücken stoppen, zumindest solange, bis man ein Pflaster geklebt hat.

Ich dachte schon, dass ich Hans-Peter wecken muss – entweder um mich zu verarzten, oder um mich zum Nähen zu fahren. Im zweiten Versuch bekomme ich es aber hin, ein Pflaster zu kleben und den Blutfluss zu stoppen – die Nacht war natürlich jetzt vorbei…
Was tun? Ruhe bewahren und Kaffee trinken!

Ich besinne mich des selbstklebenden Verbandes, den Ina uns geschenkt hat. Ich bin 57 Jahre durchs Leben gekommen, musste im Laufe dieser Jahre viele Cuts und Wunden wegstecken, hatte aber von dieser genialen Erfindung noch nie gehört – ein Verband, der auch am Finger zumindest ein paar Stunden sicher hält!
Für die kommenden Tage gehört es zur morgendlichen Routine die Schutzverbände für meine Wunden anzulegen, so halten auch die Pflaster.

Dass ich zum Zurechtschneiden der schmalen Verbandstreifen wieder die fiese „Fiskars“ Schere verwenden muss, ist sicher ein Streich des Schicksals.
Der Tag hat ja gerade erst angefangen – waidwund schlurfe ich zu Hans-Peter. Der Saarländer hat scheinbar Energiesemmeln mit Ovomaltine gefrühstückt, denn er ist schon am Kratzen. Der untere Bereich des Rumpfes obliegt ihm, denn ich wage es nicht, mich auf das Brett zu platzieren – obwohl, gemütlich sieht es schon aus! SO arbeitet man heute – Wellnessarbeit…

Ich habe den Eindruck, dass es ihm gelegen kommt, dass ich heute Hilfe bei einem meiner Projekte an ELOWYN brauche. Er lässt die Ziehklinge fallen und wir gehen gemeinsam zum blauen Riesen, der aufgepallt an Land steht – heute machen wir der Spindel den Garaus, die Teile müssen endlich raus!
Und das geht diesmal wirklich gut, deutlich schneller als erwartet!

Hans-Peter ist der Bedenkenträger von uns beiden, er ist zudem unsere Stimme der Vernunft – er mahnt Löschvorbereitungen an. Ok, ich willige ein. Wir stellen einen Wassereimer bereit und hängen die Vorpiek mit feuchten Tüchern aus. Dies soll verhindern, dass die kleinen Funken welche beim flexen entstehen, das Schiff anzünden.
Tatsächlich haben wir die 50mm V4A Spindel mit der kleinen Flex durchtrennen können, der Scheibendurchmesser war gerade groß genug, ich musste aber von drei Seiten reinschneiden.
Die letzten 2mm konnte ich das Getriebe „abnackeln“ und so auch kontrolliert halten und an Deck legen. Die Trommel mit dem festgefressenen Wellenteil ließ sich dann mühelos nach oben aus dem Tunnel schieben.
Wir verlassen ELOWYN, nehmen die Teile mit und bauen sie wie Trophäen auf…


Ich kontaktiere Giorgos, denn hier brauche ich seine Hilfe. Er reagiert sofort und weist mich an, sofort zu ihm zu kommen.
Das trifft sich gut! Ich gebe die Teile ab, er verspricht mir baldmöglichst Bescheid zu geben. Wenn ich schonmal da bin, kann ich auch gleich die Einspritzpumpe von Eds EDINA bezahlen, darum hat mich der Wahlberliner gebeten.

Vermutlich liegt es auf der Hand, dass der Hersteller der Deckswinch positiv auf meine Teileanfrage reagiert hat, ich hätte die Spindel sonst nicht so leichtfertig durchtrennt.
Eine Mitarbeiterin der Herstellerfirma, Chiara, bot erstklassigen Service und eine tolle Kundenkommunikation – dafür hatte ich mich sogar dazu entschieden auf Italienisch mit ihr zu kommunizieren! Natürlich hat Google dabei geholfen, aber der Zweck heiligt die Mittel!
Wir bekommen das begehrte Ersatzteil, welches als Kit angeboten wird.

Klar, viel Geld – aber im Vergleich zu den rund 7.500.-€ die eine neue Winsch laut Angebot gekostet hätte, ist das vergleichsweise günstig. Das Getriebe kostet als Ersatzteil rund einen Tausender, den wollen wir sparen.
Ich bitte Giorgos, das Getriebe, wenn möglich, nicht zu zerlegen. Ich hatte bis dato nicht abgeklärt, ob es Ersatzteile dafür gibt.
Wir verabschieden uns und fahren noch einmal zu der Lagerhalle um nach Karl dem Opel zu sehen – und siehe da, es war offen! Doch was sag´ ich nun???
Ich lüge und riskiere hierfür ein paar meiner Karmapunkte…

Ich kam mir blöd vor. Hätte ich sagen sollen, „…hallo, ich bin der Mario und komme um zu kontrollieren ob ihr den Karl auch gut behandelt!“
Nein, keine Option – ich sehe mit einem Blick, dass der kleine Flitzer gut geparkt ist, er ist abgedeckt, die Haube kann ich später dem Besitzer beschreiben. Ob allerdings die Batterie abgeklemmt ist, hätte ich erfragen müssen – unter der Haube kann man die Türen nicht öffnen.
Ich berichte dem Besitzer und appelliere an sein Vetrauen in die Griechen. Lassen wir es darauf ankommen!
Danach fahren wir zurück Richtung Marina – heute haben wir nicht hart gerackert und doch viel geschafft. Hans-Peter will am Weg noch einkaufen, das trifft sich gut, auch ich muss auf den „Strohwitwerleben-Modus“ umstellen und meine Schubladen füllen…

Genug für heute – mein Freund aus dem Saarland kocht heute an Bord, zudem muss er noch eine Runde mit Merlin gehen. Für mich, soviel ist klar, gibt es an Tag 1 von Sibylles Abwesenheit nur eine Adresse für´s Dinner 😉



Am nächsten Morgen treffe ich Hans-Peter wieder – ich melde mich gehorsamst zum Einsatz auf der Baustelle LIBERTÈ. Ich habe auch eine Idee in petto was ich heute machen könnte – ich säge Fenster in das Ruder!
Schockschwerenot, WAS machst Du? Ich säge Fenster in das Ruder! Das muss so, denn wir müssen den Zustand des Füllschaums und den Feuchtigkeitsgrad innen bestimmen – erst dann können wir beurteilen, welche Maßnahmen zur Rettung des rund 5.000.-€ teuren Ruderblattes ergriffen werden müssen.




Erfreulicher Weise zeigt sich, dass die Schäden nicht so gravierend sind wie befürchtet. Der Füllschaum ist nur an zwei Stellen zerfressen, insgesamt ist er weitgehend trocken.
Das bedeutet, dass wir das Ruder wohl eine Woche in der Sonne liegen lassen werden, so kann es innerlich komplett austrocknen. Dann werden wir die Lücken im Schaum schließen und die Ausschnitte wieder einkleben. Danach entfernen wir alle alten Reparaturstellen, um im Anschluss daran das Ruderblatt neu zu laminieren und mit Epoxidharz instand zu setzen – danach erfährt es die gleiche Behandlung wie der Rumpf.
Ach ja, der Rumpf – was macht der eigentlich???

Inzwischen haben wir eine gute Arbeitsaufteilung – Hans-Peter kratzt das blaue Antifouling nach dem Einlassen mit dem Abbeizer ab. Das macht nur er, denn wir haben nur eine Abziehklinge nebst Staubsauger. Ich hingegen schleife mit dem Exzenterschleifer alles was danach rot, schwarz und grau ist – von oben nach unten, soweit wie man sich bücken kann.
Der untere Bereich des Rumpfes obliegt dann wieder Hans-Peter, diesen Bereich macht er im Liegen. So teilt sich die Arbeit gut auf, wir sind uns nicht im Weg und jeder weiß was er zu tun hat.
So vergeht der Tag – und die folgenden auch! Am Abend essen wir meist zusammen, gerne heizen wir den Grill an und sehen dabei zu, dass wir uns nicht mehr Arbeit machen als nötig. So kam es auch, dass wir uns eine Lage Pappteller gegönnt haben, der Abwasch fällt so geringer aus.



Zum Einkaufen gehen wir meist zusammen, wir fahren fast jeden Tag eine Runde durch den Ort. Meist sind es Getränke, denn wir kübeln zur Zeit richtig was weg, klar, wir schwitzen den ganzen Tag, die Temperaturen fordern ihren Tribut!
Andermal brauchen wir Werkzeuge oder Ersatzteile, oder wir kaufen beim Metzger das Grillgut. Hier passiert es mir, dass ich nur noch 7,50€ in der Tasche habe – ich mache es mir einfach und lege das Geld auf den Tresen. Dafür Souvlaki Kotopoulo bitte…



Just in dem Augenblick als wir futtern, geht der heute angekommene Nachbar duschen – an Bord des an Land stehenden Schiffes. Das ist nicht nett!

Lang wird der Nachbar nicht bleiben, erfahren wir – er sei extra angereist um dem Austausch seines Bootsmotors beizuwohnen. Der Arbeitsbeginn für morgen sei ihm schriftlich zugesagt worden.
Bei einer Rücksprache mit der Marinaleitung wurde ihm aber mitgeteilt, dass dies nicht so ist. Der Motor wird nicht jetzt eingebaut – es gab wohl einen Disput, welchen uns der Angelsachse aber nicht näher erläutert hat. Jedenfalls ist der Mann zwei Tage nach seiner Ankunft wieder nach Hause geflogen.
Dass am Tag darauf die Mechaniker mit der Arbeit begonnen haben, ist wohl eher ein Zufall…
Plopp – ich denke noch darüber nach, als mich eine Nachricht von Giorgos aus den Gedanken reißt! Er hat die Achse draußen, ich könne bestellen – ach und die zwei Lager und die beiden Dichtringe für´s Getriebe soll ich auch gleich mitbestellen!
WAAAAAS? Nein, bitte nicht! Doch…


Frust! Ich mag Giorgos so gerne und schätze seine Arbeit als hochprofessionell – aber manchmal verselbstständigt er sich. Eine Nachricht hätte genügt…
Und es kam wie es kommen musste! Die Nachfrage beim Hersteller ergab, dass die Teile nicht einzeln verfügbar sind, man böte uns das komplette Getriebe für reduzierte 825.-€ plus VAT an. Na super!
Don´t worry, be happy – es gelingt diesmal nicht vollumfänglich, ich bin ein wenig angesäuert, nehme aber den einfachsten Lösungsweg. Ich schreibe Giorgos, dass ich die Teile nicht bekomme, er möge sie bitte beschaffen. Naja, die Antwort kommt prompt – er sieht keine Probleme die Lager und die Dichtringe in Athen zu bekommen, er kümmere sich darum.
Perfekt! Ich bestelle später am Tag den Reparaturkit und wir legen dieses Projekt an ELOWYN erstmal auf Eis – es geht weiter, wenn die Teile angekommen sind und das Getriebe repariert ist.
Für den nächsten Morgen bin ich mit Marietta verabredet – wir wollen Werbeschildchen für „The-Leros-Way“ aufhängen. Ich stelle den Wecker, denn wir treffen uns frühmorgens – es herrscht Südwind, es ist heiß und schwül.

Nach getaner Arbeit zieht die quirlige Lerianerin von dannen und ruft mir, während sie in ihr Auto steigt noch zu, dass es heute Abend Kotopita (ihr erinnert euch) in ihrer Taverne „Μπακάλικο με τσίπουρο“ gibt – ich solle vorbeikommen, ich sei eingeladen!
„Danke!“ rufe ich ihr nach – aber sie hört es nicht mehr, sie braust davon…
Ich bin verschwitzt und will noch eine zweite Tasse Kaffee, ich gehe zurück auf NESSAJA.

Danach gehe ich zu Hans-Peter, melde mich zum Dienst und greife nach dem Exzenterschleifer – ich arbeite mit dem von Roland ausgeliehenen Modell. Er schleift, er quietscht, er dreht sich langsamer, er exzentert nicht mehr – Ende Gelände, ich habe das Ding geliefert!
Schreck lass´ nach! Hans-Peter eilt herbei um sich ein Bild von dem Schaden zu machen – er beginnt, die nun scheinbar verlorenen 50.-€, welche mit Roland als Entschädigungssumme bei Totalverlust vereinbart wurden, zu bejammern.
So schnell gebe ich nicht auf! Ich weihe meinen Freund in meinen Plan ein – „…wir öffnen das Ding und sehen nach ob etwas zu reparieren ist!“

Im Inneren kann ich keine Fehler feststellen. Die Kohlen des Elektromotors sehen noch gut aus, alles dreht sich frei. Die Exzentermechanik liegt außerhalb.
Ich reinige das Gerät ein wenig und baue es wieder zusammen. Im nächsten Schritt sehen wir uns den Exzenter an…

Hier liegt der Fehler im Verborgenen – das kleine Lager ist gefressen.
„Ach Du großer Gott…“
Hans-Peter hat Bedenken, dass man dieses Lager auf Leros bekommt. Ich bin anderer Meinung, denn ich weiß, dass unser Panos in Sachen Lager recht gut sortiert ist – und siehe da, er hat exakt dieses Lager, sogar vom führenden deutschen Hersteller SKF, im Regal liegen.
Perfekt – ich baue das Gerät wieder zusammen und weiter geht´s mit der Schleifarbeit…

Was die Arbeit an den Schiffen angeht, bin ich etwas forscher als mein saarländischer Freund. Umgekehrt bin ich ausgeprägt defensiv, fast schon ein Faulpelz, was all die Rundumarbeiten betrifft – hier entlastet mich Sibylle in unserem normalen Alltag. Zur Zeit optimiere ich meinen Haushalt wo es geht, komme so meist um das Kochen und das Abspülen herum.
Hier hat Hans-Peter alle Trümpfe in der Hand. Er liebt das Kochen, die Hausarbeit macht ihm, obwohl er an Land steht und erschwerte Bedingungen hat, nicht viel aus – er ist da echt hart im Nehmen – Chapeau!
So kommt es, dass er mich heute zum Essen einlädt – ich nehme gerne an, die Einladung von Marietta habe ich eher für so eine „wenn Du Zeit hast“ Aussage gehalten. Es spricht somit nichts dagegen, dass ich zusammen mit meinem Freund auf dessen LIBERTÉ dinniere.



Während des Essens schreibt mir Marietta und fragt nach, wo ich denn bliebe. Sie erklärt mir, dass sie extra „ein bisschen“ Chickenpie für mich aufgehoben hat.
Ich gestehe ihr die Situation und sie bietet an, dass ich den Chickenpie am nächsten Tag abholen könne. Ok, so machen wir das – ein sehr gerne genommenes Angebot!
Am nächsten Morgen, nach vier Tagen gemeinsamen Schleifens, haben Hans-Peter und ich eine Patt-Situation erreicht. Ich habe ihn eingeholt, er muss erst wieder etwas Antifouling abkratzen, bevor ich weiter Schleifen kann – wir vereinbaren, dass wir einen Tag getrennt arbeiten, er kratzt den Bauch von LIBERTÉ und ich poliere den Propeller von ELOWYN!
Um nicht etliche Male zu Fuß durch die ganze Marina marschieren zu müssen, mache ich Sibylles „Breezy“ als Shuttle klar – ich packe mein Werkzeug in den Rucksack und fahre zum aufgebockten Riesen.


Ich wusste, dass die Akkus die ich besitze, nicht für das lange Schleifen geeignet sind. Ich habe daher gleich das Ladegerät und den Zweitakku mitgenommen. So gewappnet lege ich los und rücke den Muschelrückständen am „Max-Prop“ zu Leibe.



Ich mache dieses Setup während die Akkus das erste Mal laden, dann aber merke ich schnell, dass das Nachladen sehr viel länger dauert, als ich diese Stromspeicher beim arbeiten leere – ich entscheide mich für die kabelgebundene Variante.

Ich stehe zu Akkugeräten wie zu Elektroaustos – alles vorteilhaft – in einem bestimmten Korridor! Beides nicht geeignet, um die scheinbar aus der Mode gekommene Alternative vollumfänglich zu ersetzen.
Es erscheint möglich, dass der Strom der meine Kabelflex antreibt, aus einem Kohle- oder gar Atomkraftwerk kommt – die Leistung die sie zur Verfügung stellt ist aber ungleich höher als die der akkubetriebenen Profiausführung. Na egal, die Arbeit war so jedenfalls rasch erledigt.



Ich sehe mir den Zustand des Propellers an, wirklich gut ist dieser nicht. Der Vierflügler hat viele kleine Narben, dieser Sache muss ich auf den Grund gehen.
Dabei sehe ich mir auch die Opferanoden an und bemerke, dass die an der Propellerwelle fehlt, die des Propellers ist stark angegriffen.


So, der Job bezüglich des Propellers ist erledigt. Ich räume mein Werkzeug zusammen und stelle den Strom auf ELOWYN ab. Ich muss mal bei Volker anrufen, um mit ihm abzustimmen, was wir bezüglich der Propelleranode machen – diese konnte ich in der Chandlery nicht bekommen.
Der Freund meldet sich umgehend und dirigiert mich durch die Tiefen seiner Lagerort auf dem blauen Riesen – kopfüber hänge ich in diversen Kisten und Kästen und siehe da, da haben wir noch eine…

Weil wir gerade am Austausch waren und das Thema „Opferanoden“ tagesaktuell war, haben wir auch gleich noch die anderen Anoden auf Verschleiß geprüft – bis auf zwei kleine Kielkühleranoden waren alle anderen ok.

Am Rückweg fahre ich geradezu in die Arme des Marinachefs. Ich stoppe, wir begrüßen uns herzlich. Ich hatte mich sofort nach unserer Rückkehr aus Kreta bei ihm „zurückgemeldet“, für den vergangenen Samstag hatten wir ein lockeres Beisammensitzen bei einem Bierchen verabredet. Leider hatte er mich versetzt und sich danach auch nicht gemeldet.
„Yassou Nico, ti kanis, kala?“ frage ich ihn – wie geht es, alles gut? Er erwiedert, dass alles gut sei und entschuldigt sich, ohne dass ich nachgefragt hätte, für den vermasselten Termin. Wir bleiben unverbindlich – ich informiere, dass ich ja jetzt stetig hier bin, flexibel sei und Zeit hätte. Ich warte auf seine Meldung. Er entgegnet freundlich, dass er sich bestimmt bald melden würde.
Zum 23. des Monats hatten wir noch nicht gesprochen – mal sehen, ob noch etwas kommt. Sibylle, meine kleine Bedenkenträgerin, vermutet ja schon lange, dass unser Plan nicht umgesetzt wird. Mal sehen, ob sie Recht behält…
Zum Dinner fahre ich zu Marietta, ich freue mich auf die versprochene Kotopita und möchte mir einen Salat dazu bestellen – doch es kommt ganz anders!

Als ich auf die zugesagte Kotopita zu sprechen komme, schüttelt meine Lieblings-Marietta energisch den Kopf! Die bekomme ich nicht! Wo würde ich hindenken! Das sei schließlich kein Abendessen und außerdem hätte sie die schon eingepackt, damit ich sie mitnehmen kann – für morgen!
Jetzt soll ich mir „was Gscheid´s“ bestellen. Ok, was willst da sagen?

Ich bleibe nicht lang, alleine ist es langweilig. Als ich gehe, gibt sie mir eine Tüte in die Hand – vollgepackt mit Transportbehältern und bestimmt 1kg Kotopita. Ok, das ist eine Ansage – vielen Dank!!!
Am Rückweg zu NESSAJA komme ich bei Hans-Peter vorbei, ich erzähle von meinem „Kotopita-Deal“. Wir erkennen den nutzbaren Effekt und beschließen, dass wir am Folgetag den Cobb einheizen und den Chickenpie darauf wärmen. Ein gemeinsames Dinner nach der Arbeit – er bringt den Salat, ich die Kotopita…
Der nächste Morgen beginnt verwirrend. Hans-Peter hatte an seiner LIBERTÉ zu schleifen, ich wollte an ELOWYN ein neues Projekt starten – irgendetwas stimmt mit den Batterien nicht. Als ich gerade am Weg zu Volkers blauen Riesen war, fängt mich Jens ab und begrüßt mich herzlich.
Ihr erinnert euch? Jens ist der Eigner der NANA, dem Boot, auf dem ich im Winter die meisten Arbeitsstunden abgeleistet habe. Er kommt zum Punkt und meint, dass eine Solarzelle nicht liefert, ich solle mir das mal ansehen. Nun stehe ich zwar im Sommer nicht in den Diensten der Marina, aber ich sehe mich verantwortlich – daher sage ich zu, wir machen das aber offiziell. Dafür verschiebe ich auf morgen, für jetzt sofort war mir das zu überfallartig.
Ich tausche also meinen Arbeitsplan – der heutige Samstag wird zum „NESSAJA-Sonntag“ und die Arbeit an ELOWYN mache ich morgen, am echten Sonntag, nachdem ich auf NANA war – genial…

Manchmal muss man sich einfach aufrappeln – so mache ich das heute. Ich packe eine eigentlich kleine und simple Arbeit an, wohl wissend, dass mich irgendwas sicher ärgern wird – ich schließe meinen Außenwasser-Dreiwegehahn an die Wasserversorgung des Schiffes an.
Dafür muss ich einmal die Tanks samt Druckwasserpumpe vom System abklemmen und dann auf meinen Dreiwegehahn führen, zudem muss ich danach eine Leitung vom Dreiwegehahn zum heutigen Anschlussknoten der Wasserversorgung legen.
Das kann man sich vielleicht schwer vorstellen, aber eigentlich sind es nur zwei neue, etwa 1m lange Leitungen, die verlegt und angeschlossen werden müssen – aber der Teufel steckt im Detail.

Alle Parameter sprechen gegen mich – erstens, man kommt schlecht hin, alles ist generell schlecht zugänglich, zudem durch andere Bauteile und Leitungen verbaut. Darüber hinaus, sind noch die alten Whale Steckverbindungen mit Sicherungsring und -kappe verbaut, diese sind umständlicher zu öffnen. Zu allem Überfluss ist das Zeug natürlich 20 Jahre alt, nicht alle Teile sind im Topzustand – so auch die Gummiringe eines T-Stücks an dem ich arbeite.
Nachdem ich erstmal begonnen hatte, ging die Arbeit flott von der Hand. Ich war nach rund zwei Stunden soweit, dass ich die Anlage einmal unter Druck setzen konnte. Also Druckwasserpumpe auf „on“ – ich gehe zum Motorraum, es spritzt aus dem am wenigsten zugänglichen T-Stück.
Ich renne vor, rumple dabei an unseren neu platzierten Mülleimer, die Gangwege habe ich noch nicht verinnerlicht. Der Mülleimer hat eine Beule, mein Zeh schmerzt, derweil spritzt das Wasser – Pumpe „off“, uff!
Ich feile an der Leitung, runde Kanten ab, nehme etwas Gleitmittel zum Einbau – hundertfach gemacht. Neuer Versuch, das gleiche Spiel! Noch eine Runde, wieder spritzt es aus dem T-Stück! Ich gebe auf und baue das Trum aus – den Fehler seht ihr oben im Bild. Ich nehme an, dass der Gummiring einfach nicht mehr geschmeidig war.
Ich tausche das T-Stück aus – alles dicht! Warum nicht gleich so…
Sonst alles gut – nun, nicht ganz!


Ich war leicht angesäuert – der Anschluss war neu, nie benutzt, warum tropft er? Ich hatte vertraut und gehofft, dass alles passen wird, denn die Stelle an der dieser Hahn verbaut ist, ist nicht so ohne Weiteres zugänglich.
Und jetzt tropft es ausgerechnet da! Ich besinne mich ob des Monatsmottos – don´t worry, be happy…
Zum Glück kommt mir auch noch ein weiterer Gedanke – was wäre, wenn die eine Verschraubung welche werksseitig angebracht wurde, nicht dicht wäre? Diese hatte ich nicht überprüft. Und tatsächlich, ich schaffe es, mich so zu strecken, dass ich mit dem großen Schraubenschlüssel bis zur Anschlussmutter komme – diese ist locker und ich kann sie fast eine Umdrehung festziehen! Das Tropfen endet, der Anschluss ist dicht!
Ich mache nochmal einen kompletten Systemcheck, Druckwasser aus den Tanks – dicht! Druckwasser von außen mit einem direkten Schlauchanschluss an die Wasserversorgung – auch dicht!
Passt! Ich bin zufrieden…

Warum das alles? Nun, vielleicht erinnert ihr euch an den frühen Ausfall meiner neuen Druckwasserpumpe und die sehr aufwändige Reparatur. Der Druckschalter dieser Pumpen ist ein anfälliges Teil, es wäre nicht auszuschließen, dass dieser wieder einmal kaputt geht, wenn er weiter so stark beansprucht wird – hier zollt die Waschmaschine und die Tatsache, dass wir 365 Tage des Jahres auf dem Schiff leben, ihren Tribut.
Um das Teil zu schonen und auch das häufige Auffüllen der Tanks, besonders im Winter, zu reduzieren und somit für mehr Komfort zu sorgen, schließen wir NESSAJA ab jetzt im Hafen direkt an die Wasserversorgung der Marina an. Somit bleibt die Druckwasserpumpe aus und das Wasser kommt aus dem Hahn, so wie ihr es von zuhause gewohnt seid.
Mein Tagwerk war geschafft – ich packe den Cobb, die Kotopita und zwei Bier und mache mich auf den Weg zu Hans-Peter. Dabei fällt mir auf wie schön das Leben ist…

NESSAJA liegt stolz an ihrem Platz F16 – es gibt diese Momente in denen mir sonnenklar ist und ich auch aktiv daran denke, dass dieses Schiff seit 03/2021, seit mehr als drei Jahren, mein Zuhause ist.

Ich bin zufrieden, ich bin glücklich und ich gehe endlich weiter zu meinem saarländischen Freund, er wartet schon! Wir bauen unsere „Dinnerecke“ auf und legen los…





Wenn ihr euch fragt, wie Hans-Peter das eigentlich mit Merlin löst solange er an Land steht – es ist tatsächlich so, dass er ihn jedes Mal wenn er nach oben oder unten geht, auf den Arm nimmt und über die Leiter trägt. Nur am Nachmittag bleibt der Terrier oben – solange wir eben arbeiten. Oben ist es luftiger und angenehmer für ihn.
Der Saarländer ist ohnehin hart im Nehmen, die wenigsten von euch können es sich vorstellen was es heißt, über Wochen und Monate am Boot auf dem Hardstand zu leben. Kein Abwasser, keine funktionierende Toilette, keine Kühlung durch das Seewasser, der erschwerte Zugang…
Es ist mühselig!
Der Tag klingt aus, wir trinken unsere zwei Bierchen, dann sacken wir erschöpft ins Bett.
Am kommenden Sonntagmorgen stehe ich zeitig auf. Ich will meine zwei Tassen Kaffee in aller Ruhe genießen, dann starte ich langsam in den Tag. Heute bedeutet das, dass ich um 09.00 Uhr auf NANA eintreffe, um mir vom Eigner die Fehlfunktion zeigen zu lassen.
Es ist brutheiß im Inneren des Schiffes, ich schwitze, der Schweiß rinnt mir in die Augen – trotzdem sehe ich mir das System genau an. Ja, was soll ich sagen, Jens hat Recht!

Ich bin irritiert – ich messe über 16V am Eingang der Solarzelle, das könnte passen, es ist noch früh am Morgen. ABER – an den Batterien messe ich auch 16V! Das wäre alarmierend – ich werde stutzig und messe an der Batterie direkt – 16V!
Da stimmt was nicht! Wir verwenden Jens´ Voltmeter und siehe da, jetzt sind es rund 13V die im System zur Verfügung stehen – es scheint, als wäre mein Messgerät kaputt. Kann das sein?
Ich gehe nochmals alle Anschlusspunkte durch, verschiebe die Fehlersuche dann aber auf einen der Folgetage. Ich muss das behirnen, meine damaligen Bilder dazu ansehen. Zudem wird Jens morgen abreisen, genug Zeit also die Lösung in Ruhe zu suchen.
Ich gehe zurück auf NESSAJA, der Messfehler meines Voltmeters lässt mich nicht in Ruhe – ich prüfe nach…

Ach Du liebe Zeit! Das Adrenalin schießt mir durch die Adern – wie spät ist es??? Es ist schon 11.00 Uhr, zum Donnerwetter, ich hatte um 10.00 Uhr eine Verabredung mit meiner Tochter zum Videocall, natürlich habe ich diese, über all die Termine und Nickeligkeiten, schlichtweg vergessen.
Ich checke mein Mail – na super, sie schrieb, dass ich einen Link schicken soll. Mein Kalender? Ja, der Termin ist drin, aber warum hat er mich nicht mit einem Ton erinnert? Scheiß Technik…

Ich schreibe ihr sofort zurück und entschuldige mich – aber leider geht sich heute kein Telefonat mehr aus, sie hat am Nachmittag schon was vor. Das ärgert mich, ich zahle einen hohen Preis für meine Absicht zu helfen – ich hätte gerne noch einmal mit ihr telefoniert bevor sie das Baby bekommt.
Was soll´s – don´t worry, be happy! So wird sie mir bei unserem nächsten Telefonat eben Enkelchen #7, den kleinen Timo, vorstellen. Ich drücke die Daumen!
Um den Tag mit etwas Sinn anzufüllen, wasche ich Wäsche, bestelle noch Druckerpatronen und kann, bedingt durch die Zeit am Computer, die Wäsche auch gleich noch aufhängen.

Jetzt aber los, ab zu ELOWYN – ein Punkt auf meiner Liste ist eine Fehlfunktion der Batterien, dies gilt es zu prüfen. Ich nehme also meinen Batterie-Belastungstester mit und lege die komplette Service-Batteriebank frei. Immerhin sind das sechs richtige Kaventsmänner die zunächst abgeklemmt und dann einzeln gemessen werden müssen.
Doch die Messung ergibt nichts Auffälliges, alle Batterien scheinen, auch unter Last, fehlerfrei zu sein.


Die Solaranlage liefert, trotzdem ist der Fehler eindeutig erkennbar – das Philippi Display zeigt nämlich einen nicht unerheblichen Teil der Gesamtkapazität grau an. Die Bedienungsanleitung verrät, dass das ein „nicht nutzbarer“ Teil der Kapazität ist, da das System einen Fehler erkannt haben will.

Ok, ich will das glauben – trotzdem würde ich das System gerne einem Reset unterziehen. Dafür muss ich erstmal die Solarzellen ausschalten, denn die Batterien zeigen ja 100% an, ich will mindestens 30% entladen! Wenn das erledigt ist, dann kann ich mit dem Ladegerät einmal einen vollen Ladezyklus durchlaufen – wenn dieser fehlerfrei durchläuft, dann erfolgt der Systemreset automatisch vier Minuten nach Ende des Ladezyklus.


Soweit der Plan, das mache ich aber morgen! Ich bin schweißgebadet, denn auch im Innenraum der blauen Polin hat es ein Temperaturniveau wie in einer Wellnesssauna. Ich setze mich an den Cockpittisch, lasse mich von der leichten Brise etwas durchlüften und schreibe Volker an um zu fragen, welchen starken Verbraucher ich an Land laufen lassen kann – das ist nämlich nicht so einfach, weil fast alle Aggregate auf ELOWYN wassergekühlt sind. Ich sperre zu, erwarte seine Antwort und gehe zurück auf NESSAJA.
Dabei fällt mir etwas auf – eine Erklärung für die schweißtreibende Luftfeuchtigkeit???

Ich will helfen – es ist Mitte Juli, Hochsommer! Schaut euch die Flaggen an, sie wehen aus der falschen Richtung! Wir haben tatsächlich immer wieder, besonders gegen Abend, manchmal auch einen ganzen Tag, Phasen in denen der Wind aus südlichen Richtungen kommt. Das ist ungewöhnlich, denn um diese Jahreszeit kann man stetigen, tagelangen, oft kräftigen Meltemi aus NW erwarten.
Temperaturen um 30°C, manchmal auch mehr, hat man im Hochsommer in Südeuropa zu akzeptieren. Viele sind deswegen hier (ich), viele andere – und es werden stetig mehr – machen aus demselben Grund Sommerpause in kühleren Gefilden (Sibylle). Das alles ist mit Meltemi gut auszuhalten, der Nordwind bringt etwas eine kühlende Brise und trockene Luft.
Mit dem Südwind haben wir höhere Luftfeuchtigkeit und wärmere Temperaturen, tagsüber so zwischen 35°C und 40°C, der Wind hat weniger Kühleffekt.

Die Menschen klagen dann meist über fehlende Nachtruhe – ich dagegen bin froh unsere Klimaanlage zu haben. Sie läuft zur Zeit jede Nacht – zwar auf reduziertem Betrieb, aber doch durchgängig. Weder Sibylle noch ich möchte dieses Gerät mehr missen – die Anschaffung war ein Gamechanger.

Der Sonntag neigt sich dem Ende zu, ich habe noch ein wenig Zeit. Dies deshalb, weil wir zur Zeit eher später zum Essen gehen, da es meist erst ab 20.00 Uhr angenehm lau wird.
Ich nutze diese ein, zwei Stunden, um am Blog zu schreiben – für mich bedeutet das, Zeit für mich zu haben, Zeit zum „runterkommen“, unverplante Zeit. Ich genieße das! Zudem wird der Blogbericht dann rechtzeitig fertig…

Da heute die Woche auch kalendarisch endet, hat Hans-Peter einen Besuch im „SouVLakki“ ausgerufen – man höre und staune! Das lass´ ich mir nicht zweimal sagen – ab geht´s zum Grill meines Vertrauens…



Es muss nicht erwähnt werden, dass zum Abschluss einer guten und durchaus erfolgreichen Woche, auch der Besuch des Speiseeistempels der Familie „Repapis“ gehört. Auf das Zählen unnützer Kalorien verzichten wir – und gönnen uns lässige drei Kugeln!

Habe ich nicht erwähnt, warum die Woche durchaus als erfolgreich bezeichnet werden darf? Mach ich doch gerne…
Zum Einen, weil mein schriftlicher Nachdruck mit Fristsetzung endlich Wirkung gezeigt hat! Ich habe nach drei!!! Monaten Hickhack endlich die benötigten Reparatur- und Erweiterungsteile für meine Eberspächer Heizung erhalten. Ich nehme an, dass dies der letzte Geschäftsvorgang mit der Firma Klepsch war, jetzt bin ich aber froh, die Teile erstmal zu haben.

Darüber hinaus haben wir an Hans-Peters LIBERTÈ ganz schön was gerissen. Den Motor zerlegt, den Saildrive ebenso, die Ruderlager ausgebaut und das Rigg zum Legen des Mastes vorbereitet. Wir haben alle Teile bestellt und das stehende Gut angefragt. Auch die Terminanfrage zum Legen des Mastes läuft.
Das war aber nicht alles! Die Hauptarbeit war auch die große Drecksarbeit – wir haben bisher rund drei Viertel des alten Anstriches bis auf´s Gelcoat entfernt…





Wir rackern gemeinsam und machen gemeinsam Pause, wir rocken den Job, ganz im Sinne des Sprichwortes „geteiltes Leid ist halbes Leid“!
Wir leiden, fluchen und schwitzen zusammen – und wir haben zusammen Spaß und motivieren einander!



Wir arbeiten meist von 10.00 Uhr bis 16.00 Uhr, dann gehen wir mit Merlin baden. Manchmal höre ich etwas früher auf, um am Computer Anfragen abzusetzen. Mein saarländischer Freund kratzt dann noch ein bisschen weiter am Bauch seines Dickschiffes.

Ja, man kann wirklich sagen – wir sind gut im Rennen, wir waren bisher erfolgreich!
Dass wir auch zusammen futtern und Bier trinken, habe ich schon erwähnt – so auch heute. Köfte am Spieß standen auf dem Programm. Wir fahren nach getaner Arbeit zum Einkaufen, füllen unsere Vorräte und Hans-Peter zaubert einen Salat.
Ich hole derweil den Cobb, dann geht es los…



Nach dem Dinner trennen sich unsere Wege am heutigen Tag. Marietta hat einen Gitarristen eingeladen, um bei ihr in der Taverne für Stimmung zu sorgen.
Der junge Mann ist nicht aus Leros und spielt auch nicht die typische „Island Music“ der ostägäischen Inseln. Ich kenne den Musiker vom letzten Jahr und finde ihn gut. Marietta fragte neulich, ob ich denn kommen wolle – klar, ich sage sofort zu!
Leider hat Hans-Peter keine Lust und Philipp arbeitet bis in die Nacht an der weitgereisten AMAÈ, ich muss dennoch nicht alleine gehen – Rinaldo und Christa von der AEGEAN BLUE treffen sich mit mir auf einen Absacker.
Es war ein toller und kurzweiliger Abend!





Der nächste Morgen begann eher entspannt. Ich habe mir gemütlich meine zwei Tassen Kaffee gegönnt, nebenbei habe ich etwas Recherchearbeit erledigt. Freunde von uns, ihr erinnert euch vielleicht, der „kleine Mario“ und seine Göttergattin Eva von der SAGITTA, haben angerufen und ein Saildriveproblem geschildert. Ich möchte helfen und erkläre anhand der Explosionszeichnungen meinen Verdacht…


Jetzt weiß ich bereits, dass die SAGITTA im Winter an Land kommt und diverse Arbeiten erhält. Es wäre also naheliegend, gleich an eine Saildrivereparatur zu denken – das tun wir auch, aber angesichts des Preises wird kollektiv beschlossen, das Problem erst einmal unter intensive Beobachtung zu stellen.
Wer weiß, vielleicht tut sich eine andere, nicht so kostspielige Fehleroption auf.
Ich gehe zu Hans-Peter und bin bereit in den Arbeitstag zu starten. Ach herrje, was ist denn da zugange? Der große Kran steht direkt an LIBERTÈ – es wird doch nicht schon der Mast gezogen werden? Nein, falscher Alarm, der Kran steht am Nachbarboot…

Ich schmunzle ich mich rein, hier ist wieder irgendwas gründlich schief gelaufen. Der Besitzer ist erst vor wenigen Tagen wieder abgereist, kurz nachdem er extra wegen des versprochenen Motorumbaus aus England angereist war, es wurde ihm gesagt, dass es nicht wie zugesagt hinhauen würde.
Jetzt, keine vier Tage später, ist der neue Motor an Ort und Stelle – ich wüsste zu gerne die Hintergründe dieser Aktion. Oder war es nur, dass man den Besitzer nicht die ganze Zeit auf der Baustelle wollte? Ich weiß es nicht…
Egal, wir müssen wieder an unsere eigene Baustelle denken, wir sind auf der Zielgeraden – noch zwei Tage schleifen!


In einer Pause fällt mir auf, dass mein Motorrad, wie schon gestern, mit den Bootsstützen zugestellt ist. Kann das Zufall sein? Will mich jemand ärgern?
Die Stützen werden mit dem Gabelstapler gefahren und geschoben, keiner achtet auf mein Mopped, aber dass eine Stütze quer über die anderen liegt ist kein Ergebnis der Gabelstaplerstapelei – ist es das Werk eines Schufts?


Na egal – don´t worry, be happy! Ich hole tief Luft, pumpe meinen Oberkörper auf und staple die Dinger selber so wie ich es brauche – ich bastle mir eine solide Ausfahrt! Mal schauen, wie lange es anhält.
Ich schleife noch mein heutiges Tagwerk weg, dann muss ich auf die ELOWYN. Ich habe inzwischen Antwort von Volker, der Kühlschrank im Cockpit ist luftgekühlt, den kann ich laufen lassen – und das möchte ich jetzt machen!
Am Weg komme ich an GIOIA vorbei, sie steht inzwischen an Land – Pause bis voraussichtlich 04/2025 – das ist lang.

Ich erreiche ELOWYN und kraxle die beiden Leitern nach oben an Deck. Nach wie vor herrscht in dem blau lackiertem Rumpf eine SPA Atmosphäre – kaum betrete ich den Salon, läuft mir das Wasser aus dem Kopf und tropft ungebremst auf den Boden.


Ich mache also hurtig und schalte den Cockpitkühlschrank ein. Dieser startet sofort und zieht knapp über 3A bei 24V – das sollte reichen, um bis morgen eine maßvolle Entleerung der Batterien zu erreichen.


Sofort verlasse ich den aufgebockten Riesen. Zum Durchlüften setze ich mich ein paar Minuten in das luftige Cockpit, da klingelt mein Telefon. Mein Sohn ist dran, er wolle mir nur rasch sagen, dass er in eine Leitungsfunktion befördert wurde. SUPER! Ich freue mich mit ihm, bin stolz und gratuliere – alles richtig gemacht! Man erntet was man sät…
Danach sperre ich das Schiff ab und beende mein Tagwerk für heute, mir reicht´s!

Ich gehe auf NESSAJA, dusche mich und warte darauf, dass der große Zeiger sich zur 12 bewegt – ich bin im „SouVLakki“ zum Essen verabredet – Gabi und Gottfried sind wieder da! HARMONY hat gestern in Rufweite von mir festgemacht und wir haben sofort ein gemeinsames Dinner für heute vereinbart.
Bingbing, bingbing – eine Nachricht von Philipp! Ob ich Zeit hätte für ein Bier? Hm, im Prinzip schon, aber nur 40 Minuten! Die Antwort des weitgereisten Freundes – „…das reicht, ich komme!“

Abermals quatschen wir über Gott und die Welt, ich erfahre viel über die Ideen und Pläne von Kristel und Philipp und freue mich darauf, alle zusammen im Oktober wieder in Leros zu sehen.
Philipp bleibt nur noch ein paar Tage, dann muss auch er wieder in die Schweiz und ein paar Franken verdienen.
Die Zeit drängt, es ist kurz vor 20.00 Uhr, ich muss los. Wir vereinbaren spontan ein Pizzaessen auf NESSAJA für den kommenden Donnerstag, also übermorgen. Dann knüpfen wir dort an wo wir jetzt aufgehört haben.
Ich schwinge mich auf meine GS und fahre nach Lakki – das mache ich übrigens recht langsam, denn nach wie vor habe ich ja nur meine vordere Verzögerungseinrichtung. Ich nehme Platz am Tisch und warte auf die Crew der HARMONY.

Frei nach dem Motto „das bisschen Essen kann ich auch trinken“, teilt Gottfried mit, dass er einen ordentlichen Durscht hätte. Wir bestellen erstmal eine Runde Bier.
Sicher liegt es an der hohen Temperatur, dass die Gläser rasch leer sind – mindestens 30% des Gerstensaftes scheinen zu verdunsten. Wir ordern die Gerichte unserer Wahl, dazu noch einmal eine Runde Bier.
Gottfried schaut mich an, sein Teller ist leer, sein Glas auch – der Durscht ist aber noch da! Ich nicke verständnisvoll. Wir bestellen eine dritte Runde – so schaffen wir es gerade so, Gevatter Durscht in Schach zu halten.
Spät am Abend gehen wir nach Hause, es war wie immer – informativ, unterhaltsam, kurzweilig! Die Beiden gehen zu Fuß heim, ich muss vorsichtig meine GS nach Hause bringen – dabei mache ich noch eine kurze Rast auf halbem Weg. So ein Tag muss abgerundet werden…

Mittwoch der 24.07. – Endspurt! Wenn nichts dazwischen kommt, dann werden wir heute LIBERTÈ untenrum frei machen! Klingt obszön? Und ob das schön ist!!!
Wir gehen am frühen Vormittag eifrig ans Werk…



Stimmt schon, es ist keine Raketenwissenschaft – aber es ist ein Milestone. Es ist eine anstrengende, ermüdende und auch stupide Arbeit – aber sie ist notwendig um eine Grundlage für den Neuaufbau des Unterwasserschiffes zu schaffen.
Und JA, eine Drecksarbeit ist es auch…

Saarländer im Allgemeinen und Hans-Peter im Speziellen, sind nicht das, was man umgangssprachlich „Emos“ nennen würde. Gefühlsausbrüche und tief emotionale Regungen sind eher selten und verhalten, oft auch verklausuliert.
Ich erkenne die tiefe innere Befriedigung von Hans-Peter, das Glück das er empfindet und gleichwohl auch die Erleichterung, den Stein der ihm vom Herzen fällt, vor allem daran, dass er den verfrühten Feierabend ausruft und zum Nachmittagseis lädt – das klingt dann so…
„Für heut´ lassen wir´s, wir gehen baden und dann zu Repapis – ich hol´ Merlin!“
Ja, SO klingt ein Ausruf tiefer innerer Freude!!!
Ich freue mich mit ihm, lächle in mich hinein und lasse mich auf ein Eis einladen – DREI Kugeln UND einen Espresso! Ganz oder gar nicht 😉


Danach gehen wir einkaufen, er die Basislebensmittel, ich ein knappes Kilo Hühnerbrust – heute Abend kocht er uns eine „Hähnchen-Gemüsepfanne“ mit Reis oder Nudeln – eine Überraschungskomponente muss sein.
Es sind noch ein paar Stunden Tag übrig, diese investiere ich auf ELOWYN, der Cockpitkühlschrank hat nämlich inzwischen ganze Arbeit geleistet und den Servicebatterien ca. 25% der Gesamtkapazität entnommen. Ich will heute noch das große Ladegerät starten und einen kompletten Ladezyklus durchlaufen lassen, mal sehen ob sich ein automatisches Reset einstellt.


So lasse ich den blauen Riesen ruhen. Ich sperre ab und verlasse den Landliegeplatz der Algro 68 – stolz steht sie da…
Dabei fällt mir auf, dass heute alle Mauern auf der Oberseite neu und weiß gestrichen wurden. Sieht gut aus! Ja, man merkt schon wenn der Chef da ist.

Ich verhole mich auf NESSAJA, schreibe ein paar Blogzeilen oder mache meine Mails. Manchmal geht sich ein Telefonat mit Sibylle aus. Im Anschluss heißt es sich frisch zu machen, genauer gesagt steht Duschvorgang Nummer 1 an! Dieser findet in der Dämmerung statt und dient dazu, den Schweiß abzuspülen und sich zu erfrischen – der Vorwaschgang.
Erst nachts wenn alles schläft, dann folgt Duschrunde Nummer 2 – ich schleiche mit einem Tropfen umweltverträglichem Duschgel an meine Außendusche und reinige mich gründlich. Ich vertraue darauf, dass niemand den Moment, in dem ich mir die Badehose kurz unter die Pobackenkante ziehe, fotodokumetarisch festhält. Die Duschanlage meide ich im Sommer wie der Teufel das Weihwasser.
Ich gehe zu Hans-Peter zum Dinner, wir essen hoch droben auf seiner „Dachterrasse“.

Der Abend verläuft ereignislos – wir essen zusammen und unterhalten uns über Gott und die Welt. Natürlich auch über´s Segeln, das Reisen und Langfahrten – Hans-Peter ruht noch der Plan inne, den ich aufgeben musste. Das wir dabei auch kleine Ideen ausbaldowern und gebären, das muss wohl nicht extra erwähnt werden, lasst euch überraschen.
Zurück auf NESSAJA, checke ich noch einmal meine Nachrichten – Sibylle schickt mir Fotos von ihrem Tag. Sie war mit den Buben im Märchenpark…

Danach heißt es ab ins Bett, denn morgen gehen wir den Kiel an. Dazu muss man wissen, dass Hans-Peters LIBERTÈ einen Stahlkiel hat. NESSAJA hat dagegen einen Bleikiel, das war damals ein aufpreispflichtiges Extra des „Grand Large“ Paketes. Ich bin froh, dass Rudi und Christine dies seinerzeit so ausgewählt hatten, so bleibt mir der Unbill meines Freundes erspart – die Gusskiele rosten nämlich wie der Teufel.
Und genau diesem Rost wollen wir heute an den Kragen…

Wir kaufen bei unserem „OBI“ – Andreas Kritikos – verschiedene aggressive Schleifmedien für die Flex. Uns ist klar, hier müssen wir grob arbeiten.
Unser Plan ist, am heutigen Tag alle erdenklichen Scheiben und Bürsten auszuprobieren – auf chemisch vorbehandelten Bereichen und auf unbehandelten Bereichen. Danach wollen wir entscheiden, wie wir die Kielsanierung angehen und von welchen Medium wir größere Mengen kaufen müssen.
Zwei Dinge sind als negatives Ergebnis festzuhalten – zum Einen sind die Dinger nicht nur aggressiv zu den abzutragenden Lackschichten, sondern auch zu uns!

Zum Anderen ist festzuhalten, dass die groben Bürsten zwar die Anstriche wegfetzen wie nix, aber an den Stellen, an denen der Epoximantel des Kiels unbeschädigt ist, da leisten sich die Monsterbürsten Schwächen – obwohl sie mit 11.000 Umdrehungen rotieren.
Zudem zeigt sich, es wird eine schmutzintensive Arbeitswoche!

Wir setzen uns gegen Mittag gemütlich an unserer „Pausenecke“ nieder, besprechen im Schatten unser Vorgehen und einigen uns auf folgende Arbeitsschritte…
Zuerst wird der Kiel mit dem Abbeizer behandelt, denn es war spürbar einfacher diese vorbehandelten Stellen zu entrosten. Dann gehen wir mit der groben Zopf-Topfbürste daran, den groben Abtrag der alten Anstriche vorzunehmen. Es wird uns nicht erspart bleiben, danach mit einem Hammer (nicht Tinas Blumenhämmerchen) Rost zu klopfen und so lose Bereiche zu finden. Danach wird ein zweites Mal mit der Topfbürste feingeschliffen und, wenn nötig, mit der Schruppscheibe ein relativ feines, blankes Finish erzeugt.
Zu guter Letzt wird geflämmt und dann sofort mit Epoxi-Primer gestrichen. Ab hier folgt der Kiel den Rumpfanstrichen.
Ich höre Hans-Peter im Hintergrund und aus heiterem Himmel fragen – „…wo ist der Kärcher Industriesauger, wo ist Heinzelmann?“
„Ähhh, ich weiß es nicht, gestern war er da…“ – ich deute auf einen leeren Platz. Der Sauger nebst Abziehklinge war weg, richtig weg. Wir haben uns umgesehen, am Nachbarschiff, auf LIBERTÈ, im Auto – weg! Wie kann es passieren, dass in Griechenland etwas wegkommt? Es kann nicht sein, was nicht sein darf…
Wir starten eine Suchaktion!




Die Marina hilft uns, indem das Office ein Exemplar ausdruckt und ans „schwarze Brett“ hängt. Auch das kann helfen.
Wir denken viel darüber nach – klar, es ist nach deutschen Regeln nicht üblich und wohl sträflich, wenn man sein Werkzeug nachts unter dem Boot liegen lässt. Aber diese Regeln sind hier nicht anwendbar! Hier stehen Autos und Roller mit heruntergelassenen Scheiben und steckenden Schlüsseln, die Helme hängen am Bike. Menschen lassen Haustüren offen und am Strand stehen die Taschen rum und die Mobiltelefone liegen auf den Tischen der Strandbars, während die Menschen baden.
Jaaaa, mögt ihr denken, aber die anderen Touristen? Die Durchreisenden? Haben wir hier doch kaum – und würde ein Segler einem anderen etwas stehlen? Ich war fassungslos!
Ich glaubte lange daran, das meine ich ernst, dass jemand den Sauger ausgeliehen hat ohne zu fragen, gedankenlos. Alles andere Werkzeug blieb unangetastet, kleinere Beute, wertvolleres Diebesgut – nur der Riesen-Industriesauger verschwindet – am Tag als wir die Arbeit beendet hatten, vielen Dank übrigens dafür!
Ich nehme es vorweg, bis heute taucht der Staubsauger nicht wieder auf, ich habe inzwischen auch keine Hoffnung mehr. Wie wir damit umgehen und inwieweit sich das auf unser Verhältnis zum Thema „Eigentumssicherung in Griechenland“ auswirkt, wissen wir noch nicht. Ob wir noch Handlungsmöglichkeiten haben, zum Beispiel das Auslesen der Videoaufnahmen, das wissen wir noch nicht. Auch ist uns noch nicht klar, wieviel Aufwand sich lohnt – der Sauger kostet 80.-€, die Abziehklinge nochmals 30.-€, aber beides war erst zwei Wochen alt!
Die Laune zum Abendessen war getrübt. Gut, dass wir diesmal Tapetenwechsel hatten. Ich hatte Hans-Peter und Philipp auf NESSAJA zum Pizzaessen geladen.

Nachdem meine Gäste beide Sonderwünsche bei der Pizzabestellung hatten und ich zudem weiß, dass im „La Nostra“ nur die Tochter wirklich gut Englisch spricht, beschließe ich, dass ich am Nachmittag vorbeifahre um die Pizza vorzubestellen…
Gedacht, gemacht – drei Pizzen bestellt, zwei große, eine kleine, jeweils unterschiedlich, teils speziell belegt. Die Chefin selbst nimmt alles schriftlich auf. Wir haben es in der Karte gezeigt und per Google Translate erklärt was wir wollen.
Um 20.00 Uhr zu NESSAJA, ok? Ich zeige die Position des Schiffes auf dem Lageplan. Ok!
Doch es kam komplett anders…

Es kommen vier Pizzen, ich bezahle 50.-€ statt der kalkulierten 38.-€, rumlamentieren würde nicht helfen, denn der Fahrer spricht nur rudimentär Englisch. Zudem will ich die Betreiberfamilie der Pizzeria nicht verärgern, denn es sind total nette Menschen! Die Chefin schenkt Sibylle beim Spazierengehen immer Citrusfrüchte, wenn sie an ihrem Haus vorbeikommt, sie hat einfach nicht verstanden was wir wollten.
Egal, ich schlucke die Kröte und nehme das auf meine Kappe – irgendwie haben wir uns die Pizzen dann aufgeteilt, gut waren sie allemal – aber viel zu viel, schade drum…


Der Abend befeuert unser Thema vom letzten Essen, Hans-Peter fragt Philipp viel und ist neugierig auf das Erlebte. Wir hören dem jungen Eidgenossen zu, er hat alles richtig gemacht, er war mit seiner Freundin und einem kleinen Segelboot in der Südsee, dem Sehnsuchtsziel aller Blauwassersegler.
Aber das war nicht das einzige Thema, wir haben uns sogar an die „große Politik“ gewagt – spannend, wie drei Männer mit jeweils 10 Jahren Altersunterschied und aus verschiedenen Ländern oder Regionen, mit unterschiedlichem familiären und beruflichen Hintergrund, die Welt heute beleuchten.
Dabei blieb es nicht – wir bekamen unser „Segelabenteuer“, obwohl wir im sicheren Hafen lagen. Auf einmal hören wir das bekannte Geräusch von berstenden Leinen, das Problem war sichtbar – unsere Spring an Backbord brach unter der Last des kräftigen Meltemi.
Ich musste Handeln!

Zugegeben, passiert wäre nichts, aber im Falle die Spring würde reißen, würde NESSAJA mehr schwojen und sich abgefendert am Nachbarschiff anlehnen – es ist eher eine Komfort- und Wohlfühlfrage, erst in allerletzter Instanz eine Sicherheitsfrage. Dennoch ich will diese Spring haben, ich werde morgen eine neue setzen müssen.
Für heute Nacht hilft der eilends in einen Nottampen gebundene Stopperstek, der nun die Last vom beschädigten Tau nimmt.
Nach ein paar weiteren Dosenbier löst sich unsere Runde auf. Philipp fliegt morgen nach Hause und wird im Oktober noch einmal kommen. Darauf freuen wir uns.
Hans-Peter geht mit Merlin zurück auf die LIBERTÈ und ich mache „klar Schiff“, dann sacke auch ich erschöpft und leicht angedüdelt in die Federn.
Neuer Tag – ein besonderer Tag, der Geburtstag meines Freundes Hans-Peter. Ich trinke meinen Kaffee und nutze die Zeit zum Basteln eines Geschenkgutscheines!

Ich besuche den Jubilar kurz, wir beschließen, dass wir es heute langsam angehen lassen wollen. Ok, das passt mir in den Kram, ich habe an ELOWYN zu tun. Nachmittags einkaufen? Ja gerne, da bin ich dabei.
Ich überlasse das Geburtstagskind seinen Gratulanten und gehe weiter zu Volkers blauen Riesen – heute widme ich mich, während die Batterien immer noch im Hintergrund laden, dem Austausch des Druckmanometers der Wasseraufbereitungsanlage.

Ich will mir zuerst ein Bild machen, wieviel Aufwand es ist, dieses kleine Manometer auszutauschen. Erstmal alles in Ruhe besehen – dabei fällt mir auf, dass die neue Druckanzeige schon Bläschen im Display hat.

Ich schaue mir das System von hinten an, alles ist gut zugänglich. Es wird schnell klar, das Manometer ist nur eingeschraubt, nicht mehr. Das Gesamtbild ist zwar verwirrend, es sieht auch verbaut aus – aber in erster Instanz scheint der Tausch des Anzeigeinstruments ein Klacks zu sein.

So ging der Ausbau rasch vonstatten und ich hielt kurze Zeit später schon die alte Uhr in der Hand. Jetzt nur noch das neue Manometer einbauen – nanu, warum beißt das Gewinde nicht an? Was ist da los?
Und es wäre ja ein Wunder gewesen, wenn es soooo leicht gegangen wäre – NICHTS geht leicht!

Wie oft habe ich schon im Blog über Designanpassungen geätzt? Das ist wieder so ein Musterbeispiel! Ein geringfügig anderes Zukaufteil, vermutlich zweifuffzich billiger. Was im Neubau kein Problem darstellt, ist bei der Reparatur ein Fluch.
Ich muss jetzt die Anlage anpassen – wie gehe ich es an???

Kann ich den Anschlusstutzen umbauen? Bei der alten Anzeige bekomme ich diesen relativ einfach ab, bei der neuen aber rührt sich nichts. Ich habe Angst etwas zu zerstören und schreibe dem Hersteller.
Während der Wartezeit wechsle ich Opferanoden aus – ich hatte ja in ELOWYNs Lagerraum noch eine Propelleranode gefunden.


Volker dirigiert mich zu den Anoden für den Kielkühler, aber davon finde ich nur eine. Ok, dann mache ich zunächst nur die eine hin, vielleicht kann ich nach der Mittagspause der Chandlery, dort noch ein Stück nachkaufen.

Ich kontrolliere meine Mails, der Mann, der am Vormittag Volkers Anfrage innerhalb von Minuten beantwortet hatte, lässt mich mit einem Rat im Stich. Er wird, ich nehme es vorweg, auch im weiteren Verlauf des Tages nicht helfen.
Ich zerbreche mir selber den Kopf und sehe mir die Sachlage noch einmal an – ja klar, das ist die Lösung, so mache ich es…

Das Regelventil lässt sich, im Verhältnis zur Montageplatte der Schalttafel, über eine große Gewindemutter (im Oval) in der Montagetiefe auf einem Gewinde (Pfeil) verstellen – ich muss hier also „nur“ 5-10mm herausholen.
Ich versuche die Mutter zu drehen, nichts passiert. Ich muss das Ventil etwas lösen um mehr Kraft einleiten zu können – und es passierte was passieren musste…

Ich bin sauer, das hätte es nicht gebraucht – die „eigentlich einfache“ Arbeit entwickelt sich zur Baustelle. Zu allem Überfluss bekomme ich auch kein Päckchen mehr an Sibylle raus, letzter möglicher Bestelltermin war gestern.
Ich brauche Abstand, ich muss nachdenken – ich gehe zur Chandlery. Zum Glück bekomme ich dort die fehlende Opferanode für den Kielkühler und kann den Punkt „Opferanoden“ von meiner Liste streichen.

Nach der Verschnaufpause gehe ich den Watermaker noch einmal an – jetzt kann ich das Regelventil schadlos ausbauen, ich überprüfe alle Anschlüsse – sonst scheint alles gut! Auch den abgebrochenen Stummel kann ich leicht und schnell entfernen. Alles zunächst mal halb so schlimm!


Ich verschiebe die Lösung des Problems auf morgen – entweder lasse ich mir von Giorgos helfen, oder ich bekomme die Mutter selbst gangbar. Es sollte auf jeden Fall lösbar sein. Dann kann ich zumindest alles wieder zusammenbauen – ob ich das Anschlussfitting auftreiben kann, werden wir sehen…
Ich sperre ELOWYN ab und gehe wieder zurück nach Hause, ich muss schließlich noch die Spring erneuern, das liegt mir am Herzen. Der Wind ist immer noch kräftig und soll es auch bleiben!
Ich finde zum Glück eine Leine, neu und lang genug, zudem ausreichend dimensioniert, eine Leine welche ich jetzt über Jahre spazierenfahre – diese werde ich verwenden. Zum Glück kann ich mir mit den Winschen selbst helfen und NESSAJA gegen den Winddruck so positionieren und fixieren, dass ich die Springleine alleine tauschen und durchsetzen kann – nach einer Stunde ist alles erledigt…

Danach war es an der Zeit. Hans-Peter und ich fahren unsere Köfte holen und heizen den Cobb an – jetzt wird gefeiert!
Es war sein Wunsch, dass wir im kleinen Kreis auf der Dachterrasse seiner LIBERTÈ ein leckeres BBQ ohne shishi machen – und sein Wunsch war mir Befehl!



Wir mampfen unsere Köfte weg, diese waren deutlich besser als die vom letzten Mal, auch die Salate und das rund 1m lange Brot haben wir verputzt – es war so einfach und so lecker!
Ich denke HP war zufrieden mit seinem Geburtstag, auch wenn er „nur“ mit meiner Gesellschaft vorliebnehmen musste – natürlich wäre es fein, wenn die Familie anwesend wäre…
Ihr ahnt was kommt – zur Feier des Tages runden wir das ganze mit einem Besuch im Speiseeis-Schlaraffenland ab, Es gibt drei Kugeln bei „Repapis“ und ich bin ein weiteres Mal Hans-Peters Gast. Was für ein Glück, abermals Danke an den Gastgeber.

Ich weiß seit ein paar Tagen, dass Hans-Peter tatsächlich Hans Peter heißt – ein kleiner aber wichtiger Unterschied. Seither überlege ich, wie und wann ich dieses Faktum in den Blog einfließen lasse.
Natürlich kann und will ich nicht rückwirkend ausbessern, sein OK dies so zu belassen habe ich schon – und doch ist so ein Geburtstag auch ein guter Anlass, es ab jetzt richtig zu machen…
Hans Peter, Danke für den schönen Abend, Sibylle und ich wünschen Dir von Herzen alles Gute!
Am nächsten Morgen erwache ich voller Tatendrang, es hat ein wenig abgekühlt, ich habe sehr gut geschlafen. Noch während mein Kaffee aufbrüht, packe ich das Werkzeug aus und versuche, die festgewordene Mutter des Wassermacher-Regelventils zu lösen.

Mit Hilfe zweier guter „Argumente“ rücke ich der Mutter zu Leibe, es braucht nicht viel Kraft um eine erste Drehbewegung zu generieren. Diese und ein paar Tropfen Öl reichen aus, um das widerspenstige Trum abzuschrauben – der Reparatur steht nichts im Wege…

Ich sehe bei Hans Peter vorbei um den Tag zu planen. Wir beschließen, dass wir heute zuerst unsere Besorgungsfahrten machen, um nicht später vor leeren Regalen zu stehen. Im Kern geht es uns, neben ein paar Kleinigkeiten, um ein Gastgeschenk für Gabi und Gottfried, wir sind heute nämlich auf der HARMONY zum Dinner geladen.
Auf der Einkaufstour entdecke ich einige neue Plakate, welche auf bevorstehende Veranstaltungen hinweisen. Das freut mich, ich liebe diese Sommerfeste der Griechen…

Unser Einkauf geht schnell vonstatten und wir sind bald wieder in der Marina zurück – hier ist inzwischen ein Wunder geschehen!!!
Ein ausgebuffter Zeitgenosse hat exakt unsere Abwesenheit genutzt, um den vermissten Kärcher wieder an Ort und Stelle zu stellen. Er ist wieder da, wir haben es nicht mehr zu hoffen gewagt.

Ja, es gibt einen Verdacht, aber der ist nur auf Mutmaßungen gestützt und wird daher weder erzählt noch propagiert. Wir werden mal sehen, ob da nochwas kommt. Ich bin inzwischen jedenfalls 100% sicher, dass es kein klassischer Diebstahl war, eher ein „ungefragtes Ausleihen mit offenem Ende, welches durch ein aufkommendes schlechtes Gewissen kurzfristig auslief“ – ja, so in etwa.
In jedem Fall haben wir überall Entwarnung gegeben und freuen uns einfach – darüber, dass der Industriesauger der auch Blasen kann wieder da ist, noch mehr aber über die Tatsache, dass Griechenland wieder sicher ist 😉
Wir verräumen unsere Einkäufe und fahren zu Giorgos, wir sollen nach 13.00 Uhr da sein. Weil wir die Griechen kennen, treffen wir um 13.26 Uhr ein – wer ist NICHT da? Genau, Giorgos…


Als der Tausendsassa endlich eintrifft, nimmt er sich Zeit für uns. Wir besprechen Hans Peters Ankerwinsch, lassen sein Ofengitter schweißen und noch weitere zwei Kleinigkeiten reparieren oder klären.
Ich kann nach meinen Kunststofffittingen für Volkers Wassermacher fragen. Leider sind diese Teile rar, sie sind nicht auf Lager. Aber Giorgos verspricht, dass er mir welche bestellt. Das wäre fein, ich bekomme sie in Deutschland nicht mehr geordert.

Als wir zurück in der Marina sind, ruft Sibylle an. Sie war wegen der Fittinge im Baumarkt, hat aber nur ein Sammelsurium an Einzelteilen bekommen, welches man zu etwas Passendem zusammenfügen kann – funktioniert wohl, ist aber Pfusch und maximal eine temporäre Lösung.

Ich will am heutigen Tag noch etwas schaffen und gehe auf die ELOWYN, zumindest das Regelventil nebst dem Manometer möchte ich montieren. Ich gehe also sofort zur Sache…
Der Einbau ist etwas frickelig, zwar ist die Einbaustelle gut zugänglich, aber der Montageraum ist aufgrund der vielen Schläuche und Anschlüsse recht knapp. Trotzdem kann ich das Regelventil justieren und nebst dem Druckanzeiger in kurzer Zeit montieren.


Da beim Hobeln ja immer Späne fallen, bleibt auch mir weiterer Bruch nicht erspart. Nicht genug, dass das kleine, rare Fitting gestern gebrochen ist – nein, heute bricht beim Einfädeln des klobigen Ventils auch noch ein Kontakt aus dem Schalter. Es sind also zwei defekte Teile zu beklagen.

Was soll´s, ich bin zwar leicht angesäuert, aber es hilft ja nix – don´t worry, be happy.
Frei nach diesem Motto setze ich mich hin und formuliere eine Ersatzteilanfrage an den Hersteller, auch die Option einer Lieferung nach Griechenland frage ich an – mir wird klar, dass dies ein Thema wird, welches ich mit in den nächsten Monat nehmen werde.
Ein bisschen Zeit ist noch, was machen eigentlich die Serviceakkumulatoren der ELOWYN? Sie sind voll geladen, aber leider ist der Anzeigefehler immer noch da. Ich entschließe mich das Philippi Anzeigeinstrument stromlos zu schalten – es ergibt sich eine seltsame Anzeige.

Ich habe einen Geistesblitz – obwohl es nicht unmittelbar fehlerrelevant ist, möchte ich mir die Settings ansehen – und ich staune nicht schlecht, als ich feststelle, dass die ganzen Batteriewerte nicht stimmen! Es macht den Eindruck, als ob beim Batteriewechsel vor zwei Jahren vergessen wurde, die Werte entsprechend anzupassen.
Dieses Datenupdate führe ich manuell durch – und siehe da…

Ein versöhnlicher Abschluss des heutigen Werkelsamstags. Ich versperre den blauen Riesen und gehe nach Hause. Ich will etwas ausruhen und mich frisch machen.
Um 19.30 Uhr treffen wir uns auf der HARMONY, ich bin sicher es wird ein kurzweiliger und geselliger Abend. Morgen werde ich auch etwas arbeiten – wie immer ist für den Sonntag NESSAJA geplant.
Pünktlich holt mich Hans Peter ab und wir machen uns auf den Weg – immerhin 200m gilt es zurückzulegen. Dabei gehen wir an der Außenecke von Steg F vorbei, ich erhasche eine andere Perspektive unseres Zuhauses – ich mag es, wie NESSAJA da so liegt…

Am Nachbarsteg G, sozusagen in Sicht- und Rufweite, liegt die HARMONY, eine Sunbeam 39, ebenfalls eine Centercockpityacht und unserer NESSAJA typähnlich.
Unsere Gastgeber erwarten uns schon und bahnen uns den Weg durch die Abschattungen. Sofort nach dem Zuweisen der Plätze geht Gabi in tabula rasa – „…was gibt es Neues in der Marina?“
„Eigentlich nix, ach ja, der Staubsauger ist wieder da!“

Gabi trägt leckeres Essen auf, wir laben uns an Dosenbier und diskutieren uns vom Marinageschehen in Richtung Weltgeschehen – unser Fazit, wenn WIR es machen würden, wäre es besser, aber uns lässt ja keiner. Darauf stoßen wir an, Prost!
Gegen 22.30 Uhr verlässt Hans Peter die Runde. Er möchte mit seiner Angetrauten telefonieren und auch Merlin fordert noch seine abendliche Gassirunde. Ich bleibe noch, aber nur kurz! Aus diesem hehren Vorsatz werden weitere eineinhalb Stunden – erst um Mitternacht schleiche ich zurück auf mein Schiff. Ich bin leicht angedüdelt und habe den Abend genossen – wie eigentlich immer mit Gabi und Gottfried. DANKE für die Einladung!
Irgendwie schlafe ich schlecht, ich kann nicht sagen warum. Um 03.40 Uhr gebe ich auf, mache das Licht an und brühe mir einen Kaffee auf. Ich will die schlaflose Nacht nutzen, um ein paar Blogzeilen zu tippen – es ist Sonntag!
Sonntag ist HEIMwerkertag – ich schaffe an NESSAJA – und weil ich früh wach war, geht es zeitig los. Ich beginne mit der Pumpe im Duschsumpf des vorderen Bads, das liegt mir im Magen.


Warum eiert mich diese Arbeit so? Sie ist ein „false friend“ würden die Engländer sagen. Eine Sachlage, die dir unschuldig begegnet und dann unliebsame Überraschungen bereithält.
Dass die Ersatzpumpe mit der gleichen Bestellnummer komplett im Design angepasst wurde und somit nicht mehr passt, hatte ich ja schon beschrieben. Ich hatte also vor Wochen schon eine weitere Pumpe beschafft, diese sieht optisch exakt so aus wie die vorher verbaute.
Hier ein Bild um eure Vorstellung zu unterstützen…

Ohne das jetzt allzusehr auszuschmücken – die Pumpe passt von der Höhe exakt in die kleine Vertiefung am Boden. Man kann sie nicht anders montieren, sie wäre sonst zu hoch.
Wer genau beobachtet sieht, dass die Laschen der blauen Basis, in welchen der weiße Pumpenkörper eingerastet wird, nicht ganz parallel stehen – die alten waren aber exakt um 90° zum Pumpenkörper ausgerichtet.
Dies hat zur Folge, dass ich natürlich erst die blaue Basis einschraube, dann aber feststelle, dass der Pumpenkörper nicht passt, weil der Schlauchstutzen schräg nach vorne steht und so die Durchführung nicht treffen würde.
Um diesen Fehler zu korrigieren, muss ich die Basis um ein paar Grad drehen, dafür aber vier neue Löcher bohren – übrig bleiben vier alte in einem Duschsumpf! Toll! Also vier unnütze Löcher verschließen und abdichten.
Dann erkenne ich, dass der Schlauchstutzen ein paar Millimeter höher ist als beim optisch gleichen „Rule“ Vorgänger – also muss ich das ohnehin riesige Loch für die Schlauchdurchführung nach oben ovalisieren…
Ich höre jetzt auf mit dem Wehklagen und besinne mich des Monatsmottos – don´t worry, be happy!

Ihr hättet mich sehen sollen, wie ich mit schwarzen Latexhandschuhen die Dichtmasse an die Schlauchdurchführung geschmiert habe – unfassbar! Auf einer Seite habe ich nichts gesehen und blind geschmiert, auf der anderen Seite – siehe Bild – konnte ich hinsehen, aber die Spalten waren zu eng, als dass ich die Dichtmasse hätte mit den Fingern schön verstreichen können.
Nun, gut – ich akzeptiere den Kompromiss, lege das Deckelchen des Schweigens auf den Duschsumpf und lobe mich selbst für meine übermenschliche Geduld und Hingabe.
Weil ich gerade das Tätigkeitsfeld „Sanitär“ beackere, wechsle ich vom Kapitel „Wasser“ zum fast unaussprechlichen Kapitel „Scheiße“.
Ich tausche die manuelle WC-Pumpe des Eignerbads.

Wir hatten einen seltsamen Fehler – irgendwann „flappte“ die Spülung mal so komisch, ging danach schwerer. Das hätte man tolerieren können, aber das Problem war ab da, dass nach zehn Pumpenhüben eine bestialische Gestankwolke ins Bad waberte – immer wieder.
Dies war dann sofort vorbei, wiederholte sich aber bei jedem Toilettengang auf´s Neue. Ich vermutete, dass ich ein Fischlein eingesaugt hatte, welches jetzt in der Pumpe langsam vor sich hinfaulte und hoffte auf den Zeitfaktor. Aber nichts geschah.
Ich beschloss, die Pumpeneinheit einmal wieder zu tauschen…

Nach einer guten Stunde war das Werk vollbracht – und siehe da, der Gestank war weg, die Pumpe geht jetzt auch wieder geschmeidiger.
Es erübrigt sich zu sagen, dass das Saubermachen in etwa so lange gedauert hat, wie vorher der Tausch der Pumpe.
Tatsächlich wird dies nicht so bleiben. Ich habe schon einen Umrüstkit auf elektrisch gekauft, werde dies aber als Projekt einsteuern – dafür habe ich vor Oktober aber keine Zeit.
Ich war im Flow, fast schon im Wahn – wo mache ich weiter??? Ich weiß, ich baue, als kleine „Fleißaufgabe“, noch den USB Stecker „Scanstrut Flip-Pro“ in meine Instrumentenkonsole am Steuerstand ein!

Braucht´s das? Nein, offen gesagt nicht unbedingt. Aber es gibt Tage, an denen möchte man den e-Reader oder das Mobiltelefon mal laden während man draußen sitzt. Man möchte die kleinen Devices nutzen, während man im Cockpit verweilt – OBWOHL der Akkustand gerade zur Neige geht. Es ist ein kleines bisschen Komfort – außerdem konnte ich das teure Ding günstig als neues, originalverpacktes Gebrauchtteil von einem Bekannten erwerben.

Der mechanische Einbau war rasch erledigt, das Arbeitsklima an der frischen Luft und im Schatten angenehm. Ich musste zwar den Plotter herausnehmen, um zunächst den Einbauplatz zu prüfen und später zu verkabeln, aber das ging rasch und ohne Komplikationen…
…habe ich verkabeln gesagt? Verdammt! Wie kann es passieren, dass ich keine gelben Crimp-Flachstecker habe? So ein peinliches Versäumnis – und es war Sonntag!
Ich schreibe Hans Peter an und frage um Hilfe – „…leider nein!“ Was tun sprach Zeus??? Ha, ich hab´s, ich sehe auf ELOWYN nach! Um nicht während der nachmittäglichen Bruthitze über den Sandplatz marschieren zu müssen, nehme ich Sibylles „Breezy“ als Shuttle.


Das Verkabeln selbst ist rasch erledigt, denn ich kann die in der Konsole vorhandene Stromversorgung nutzen. Dass die dort anliegenden 12 Volt mit der Navigation aus- und eingeschaltet werden, erachte ich als sinnvoll und gut.
Der Funktionstest zeigt – passt alles, das Telefon lädt.

Geschafft! Es ist früher Nachmittag und ich habe die ganzen Kleinigkeiten auf NESSAJA erledigt. Neue Sofortmaßnahmen werden erst fällig wenn Sibylle kommt, sie wird einige Kleinteile mitbringen. Darüber hinaus widme ich mich NESSAJA im Oktober mit fälligen Projekten.
Ich gehe baden und stelle fest, dass das Meer durch den Meltemi kühler geworden ist – perfekt, sehr erfrischend! Genau meine Temperatur.
Ich gönne mir nach dieser Erfrischung zwei Musestunden und döse etwas im Cockpit – dann muss ich los. Ich bin heute um 19.30 Uhr mit Susanne verabredet. Sie hat ihren letzten Abend und wir wollen gemeinsam bei „Dimitris o´Karaflas“ essen, sie holt mich um 19.15 Uhr am Marinagate ab.
Wie immer gibt es beim Glatzkopf sehr gute Speisen. Wir lassen es uns gut gehen, trinken einen halben Liter Wein und schlemmen Fischgerichte…




…und unterhalten uns sehr gut. Es war ein sehr schöner Abend und ich kann bei ihr etwas Wehmut feststellen, als wir uns verabschieden – irgendwie ist es immer zu früh um nach Hause zu fahren, auch wenn es gute Gründe gibt.
Wenn man sich aber mit den Worten „…bis in einem Jahr…“ verabschiedet, dann zeigt das deutlich, dass Zeit aus unserer Perspektive eine andere Dimension hat – wir nutzen diese intensiv, aber sie scheint auch zu fliegen.
Naja, vielleicht geht sich ein Treffen in der Schweiz oder am Bodensee aus…
Ich trinke im Cockpit noch ein Bier, dann falle ich todmüde ins Bett. Am nächsten Morgen wache ich auf, es ist verdächtig hell! Ich recke und räkle mich, dann sehe ich auf die Uhr – waaaas, 09.38 Uhr??? So lange habe ich seit Jahren nicht mehr geschlafen – ich merke, wie mir die letzte Nacht gefehlt hat.
Und was machen wir heute? Heute spielen wir Sonntag, ein Sonntag, der an einem realen Montag nachgeholt wird.

Wie das? Nun, ich hatte ja mit Hans Peter vereinbart, dass wir immer am Sonntag zum Dinner ins „SouVLakki“ gehen. Nun war ich gestern aber mit Susanne essen und mein saarländischer Freund wollte partout nicht alleine in den Grillpalast.
Also lösen wir das Problem pragmatisch – wir ernennen diesen Montag kurzerhand zum Sonntag und gehen eben heute dorthin, Problem gelöst! Und sonst?

Nein, falsch geraten! Auf ELOWYN gibt es keine Sauna, mir wäre auch nicht danach gewesen. Obwohl, so ganz stimmt das auch nicht – es gibt so was ähnliches wie eine Sauna, den Motorraum! Und genau da muss ich heute rein!
Ich mache mich also frei bis auf den Schlüpfer, für das Kopfkino entschuldige ich mich, betrete den Motorraum und das Wasser fängt an, unaufhörlich und in Strömen aus meinem Kopf zu rinnen – unglaublich!
Der Arbeitsauftrag heute – das Entfernen einer abgerissenen Schraube aus dem Gehäuse der Generator-Seewasserpumpe.

Natürlich klappt auch das nicht wie geplant – Murphys Law eben. Der 2mm Bohrer bricht ab, er rutscht dadurch nach außen über die Kante. Das passiert schon mal, aber das hätte es hier und heute nicht gebraucht.
Don´t worry, be happy!
Ganz happy beschließe ich, mich nicht lange zu ärgern oder meinen Saunagang gar unnötig in die Länge zu ziehen – ich baue das Ding kurzerhand aus und werde es die nächsten Tage mal mit zu Giorgos nehmen. Mal sehen, was wir in der Werkstatt retten können – Ersatz wäre teuer.

Ich breche an der Stelle ab und bekleide mich wieder. Dann hole ich abermals Sibylles „Breezy“ und fahre auf Verdacht zur Chandlery in der Marina. Es könnte gut sein, dass meine Bestellung für ELOWYN angekommen ist – ihr erinnert euch an Spindel und Trommel der defekten Deckswinsch.
Und tatsächlich, das DHL Tracking hat nicht zuviel versprochen, ich greife mein Paket, noch bevor die Marina mich informieren kann. Mit dem kleinen Roller fahre ich das Trum auf den waidwunden 68 Füsser.


Jetzt aber – für heute bin ich auf ELOWYN fertig. Ich räume das Werkzeug auf und recherchiere noch ein wenig, bezüglich der noch fehlenden Ersatzteile für den blauen Riesen. Aber das macht nicht richtig Spaß, trotz des großen Ventilators ist es recht warm auf NESSAJA.

Ich will baden gehen, noch einmal ins frische Meer springen und mich ganzkörperlich runterkühlen. Mal sehen, ob mein saarländischer Wegbegleiter seiner Funktion gerecht wird und mich auf meinem Weg begleitet…

Der aber tanzt gerade, wie einst Catweazle, um die rudimentäre Werkbank und salbadert etwas von 2:1 mischen, 2;1 mischen – ich erkenne, das Szenario dreht sich um den Anstrich des Saildrives!
Ok, wir gehen baden, aber ich müsse warten, die erste Lage muss drauf! Ja klar, kein Thema, ich setze mich in den Schatten und sehe dem Hobbydruiden dabei zu, wie er seinen persönlichen „Zauberanstrich“ mischt – penibel genau, auf Petras Küchenwaage! Wenn das mal kein Mecker von der Chefin gibt…

Der Mann aus dem Saarland wächst über sich hinaus – er greift zum Pinsel und schwingt diesen, virtuos wie einst die großen Maler, über das nackige Aluminium des Saildrive-Unterteils. Dann erklärt er die Arbeit für beendet, nein, für vollkommen und holt Terrier Merlin, er darf uns zum wohlverdienten Bade begleiten – und so geschah es, wir fluteten unsere Alabasterkörper und genossen das kühle Nass.
Wie fast jeden Tag, bleibt jedem eine Stunde „private time“ in der wir Mails erledigen, Ersatzteilrecherche betreiben oder einfach nur faul rumliegen und etwas relaxen. Dann ruft der allabendliche Dinnertermin – sei es zum Grillen oder, wie heute am nachgeholten Sonntag, zur Einkehr in den Lieblingsgrill.
Dort lassen wir es uns so richtig gut gehen…

Merlin darf abends immer mit. Das quittiert er mit großer Dankbarkeit und Freundschaft. Inzwischen schmachtet er nicht nur seinen Herrn und Gebieter um ein Stück Brot an, auch bei mir versucht er sein Glück – auf eine sehr liebreizende Art und Weise.

Heute waren wir etwas früher dran als sonst, die Sonne verschwand erst hinter den Hügeln als wir fast fertig mit dem Essen waren – ich liebe diese Stimmung! Ich bin gerne hier…

Wir lassen den Tag im „Repapis“ ausklingen, dort gesellen sich Yo von der INDIGO BLUE sowie Christa und Rinaldo von der AEGEAN BLUE zu uns. Wir sind uns im Gespräch einig, dass die Entwicklung im Yachtsport eher kritisch zu sehen ist – ich persönlich finde das untertrieben, es macht mir Sorgen, diese behalte ich aber an diesem Abend für mich.
Heute wird es nicht zu spät, beim Zubettgehen stelle ich mir noch den Wecker auf 07.00 Uhr – denn morgen wird ein „Early Bird Day“.
Warum das? Weil mein Freund Giorgos Hilfe in Sachen Wasserpumpe signalisiert hat – „…be at my shop at 08.00am…“ schreibt er mir.
Ok, das lass´ ich mir nicht zweimal sagen…

Ich starte frühmorgens den Boliden, um pünktlich in Kamara zu sein. Ich muss langsam fahren, denn meine Hinterradbremse funktioniert ja noch nicht. Also tuckere ich ganz „siga siga“ über den Bergrücken auf die gegenüberliegende Inselseite.
Da ich Giorgos an seinem Lieblingscafé überhole, bin ich nicht verwundert, dass ich, wie so oft, vor verschlossenen Türen stehe – er wird gleich kommen!

Und tatsächlich, keine 5 Minuten später kommt der fleißige Familienvater angebraust, mit einem Kaffee in der Hand. Er erkennt den Fehler sofort – „…ah, you don´t have Coffee, I order…“, greift zum Telefon und bestellt auch mir von dem heißen Labsal, inzwischen weiß er, wie ich meinen Kaffee trinke.
Klar, dass der Arbeitstag in Griechenland mit einem gemeinsamen Kaffee beginnt, der Freund fragt mich zu Deutschland aus, er möchte dort Urlaub machen. Ich würde gerne als Gastgeber fungieren – mit ihm und seiner Familie einmal eine Woche im „Haus Seegarten“ – das wäre was!

Dann aber geht es los – wie wenn man einen Schalter umgelegt hätte, steht der emsige Werker auf und legt los. Auch ihm macht es Mühe, das verhunzte Bohrloch wieder einigermaßen hinzubekommen und den abgebrochenen Bohrer zu entfernen – aber es gelingt.

Schön wäre aber anders – ideal wäre ein M4 Helicoil Gewindeeinsatz. Das weiß der Meister seines Fachs natürlich auch, aber er entgegnet, dass er wohl das Material habe, das benötigte Einbauwerkzeug besitze er aber nicht!
Da dieses Werkzeug als „geringfügige Werkstattausstattung“ gewertet werden darf, einigen wir uns darauf, dass er FÜR MICH und auf meine Rechnung das Werkzeug bestellt und dann behalten darf – ich bekomme im Gegenzug meinen M4 Gewindeeinsatz.
Die defekte Pumpe verbleibt für die Finalisierung bei ihm – inzwischen haben Hans Peter und ich eine erkleckliche Liste von Kleinarbeiten bei ihm eingesteuert, ich hoffe er übersieht nicht die Timeline!
Was macht eigentlich Hans Peter? Er wartet, dass wir endlich unsere Einkaufsrunde drehen können! Und damit legen wir sofort los…


Überall herrscht emsiges, südländisches Treiben. Ich kenne die Gerüche und Geräusche von meinen Geschäftsreisen, ich mag das.
Wir sehen noch beim Bäcker vorbei, um Brot zu kaufen und fahren abschließend zur Spedition im Hafen, um zu sehen, ob Hans Peters Matratzen schon angeliefert wurden. Leider nein, vielleicht mit der nächsten Fähre…
Danach geht es zurück in unsere Marina. Irgendwie ist die Luft ein wenig raus – wir sind faul und beschließen, dass wir uns einen Tag Pause gönnen. Hans Peter bestellt bei SVB in Deutschland den Epoxi-Primer für den Rumpf und spezielle Schleifscheiben für den Kiel – die Lieferung erwarten wir in zehn Tagen.
Ich kümmere mich währenddessen auf NESSAJA um die Teile von ELOWYNs Wassermacher und um den Termin für das Legen des Mastes von LIBERTÉ – durchaus erfolgreich wie ich meine, beides wird mir für Ende nächster Woche zugesagt.
Den Rest des Tages verbringe ich mit dem Schreiben des Blogs, morgen schon ist der letzte Tag des Monats. Ich komme gut voran, denn ich bin erst um 20.00 Uhr mit Hans Peter zum Grillen verabredet.

Während ich die Zeilen tippe, neigt sich NESSAJA auf die Seite. Der Meltemi faucht kräftig, ich bin froh und beruhigt, dass ich die Spring erneuert habe.
Ich mag den „Silentwind“ inzwischen – er liefert normaler Weise wenig Ladestrom, dies tut er aber stetig. Wenn der Wind, wie jetzt, anhaltend mit 30kn bläst, dann stehen schonmal 15A zur Verwertung bereit – im Schnitt wohl um die 7 – 10A, das reicht an windreichen Tagen allemal um den Standardverbrauch aufzufangen.
Um 20.00 Uhr schnappe ich den Cobb und gehe zu LIBERTÉ, wir grillen und es weht uns die Haare ordentlich durcheinander. Wir brauchen einen Windschutz für den Gasgrill.

Es wird heute nicht zu spät, wir essen unsere Souvlaki und besprechen das weitere Vorgehen. Dabei beschließen wir auch, dass wir die kommenden zwei Tage bis Sibylle die Teile liefert, noch zum Durchschnaufen nutzen – danach heißt es wieder Vollgas. Klingt nach einem Plan – darauf ein letzter Schluck Dosenbier, dann gehe ich nach Hause und hau´ mich auf´s Ohr…
Der letzte Tag des Monats Juli bricht an, wir schreiben den 31.07. – morgen am späten Abend kommt Sibylle zurück. Ich möchte heute Abend noch einmal Wäsche waschen, nach der Rückkehr meiner Liebsten geht es wieder in den gemeinsamen Alltag über.
Nach der ersten Tasse Kaffee eile ich rasch über den Trockenliegeplatz zur KEONDA. Ich habe nämlich einen weiteren Mario kennen gelernt. Der Italiener möchte sein Schiff, eine Baltic 40, verkaufen und hofft auf meine Hilfe. Wir haben vor seiner Abreise heute, noch ein paar Kleinigkeiten zu besprechen.

Auf dem Rückweg treffe ich Gabi und Gottfried – das trifft sich sehr gut, denn ich möchte die Beiden gerne zu unserem heutigen Griller einladen. Wir stimmen uns kurz ab – alles klar – dann bis heute Abend 19.30 Uhr!
Danach gehe ich zu Hans Peter, wir brechen gleich auf um unsere heutige Besorgungsfahrt hinter uns zu haben. Mein Freund aus dem Saarland wird langsam unruhig, seine Matratzenlieferung ist überfällig – daher führt unser erster Weg abermals zu „Leros Trans“ im Hafen von Lakki. Und siehe da, wir haben Glück!

Mit dem XXXL Paket am Autodach erledigen wir unsere Besorgungsfahrt durch Lakki, dann geht es zurück in die Marina – abgeladen wird direkt vor LIBERTÈ. Zu zweit gelingt es uns, die ausgepackten Matratzen auf das Schiff zu hieven, sie ordentlich an Ort und Stelle zu bringen und dann den Riesenkarton der Müllverwertung zuzuführen – geschafft!
Solche Hauruck-Aktionen schreien nach Belohnung und Ruhe – wir gönnen uns daher zunächst ein Eis, dann beschließen wir, dass wir uns den Nachmittag zur freien Verfügung stellen.
Na so was – damit habe ich nicht gerechnet! Ich beschließe, die gewonnene Zeit zu nutzen und schmeiße meine Waschmaschine eben jetzt schon an…

Ich hatte ja schon geschildert, dass ich versuche jegliche Zeitinvestition für Hausarbeit zu minimieren. Ich denke alles pragmatisch an, alles geht in einem Zug – so auch das Wäsche waschen.
Ich muss natürlich auch die Kleider an meinem Leib waschen, daher schlüpfe ich in die Badehose und nutze die Zeit in der meine Kleidung mitgewaschen wird, zum Schreiben des Blogberichtes, der heute fertig werden soll.

Nach einer Dreiviertelstunde kommt die frisch geschleuderte Wäsche auf die Leine – der Meltemi bläst noch und ich erwarte, dass der Stoff nach etwa einer Stunde trocken sein wird – dann habe ich wieder meine Kleidung, frisch gewaschen von der Unterbuxe bis zum feinen e&s T-Shirt, rechtzeitig bevor der Besuch eintreffen wird 😉

19.00 Uhr, gleich kommen die Gäste – ich will mich noch rasch frisch machen und mich abbrausen. Mache ich ein paarmal am Tag, etliche Male in der Woche – nicht nur dafür muss ich über unsere Passerella – ein tausendfach gegangener Weg.
Nicht so heute, heute werde ich zum Opfer der Heimtücke dieser Gangways…

Ich gehe also über das noch trockene, hölzerne Laufbord und habe, das ist wichtig zu erwähnen, noch trockene Füße. Dass meine Hornhaut an den Füßen dazu führt, dass ich auf dem Holz keinerlei Haftung habe, es sich eher glatt anfühlt, hatte ich nicht im Sinn. Es kam wie es kommen musste, ich „rutsche“ aus, verliere den Halt und segle in hohem Bogen ab.
Das hat zwei Nachteile – erstens, wenn ich mal falle bremst mich nix mehr. Zweitens, mein Fall wird meist durch einen heftigen Einschlag gestoppt. So auch heute!

Der Teufel will es, dass eine der Geländerstützen den Weg unter meinen Arm findet – sie rammt sich tief in mein weiches Gewebe, komprimiert das Fleisch und verwendet eben dieses als Stoßdämpfer zum Knochen.
Aua – don´t worry, be happy!

Happy zu sein fällt jetzt gerade schwer. Gottfried hat den Sturz gesehen und eilt mit Coolpads heran, das lindert den ersten Schmerz. Ich brauche echt ein bisschen, bis ich mich sortiert habe, die Stelle ist empfindlich, es tat sakrisch weh.
Ich setze mich ins Cockpit und atme durch. In diesem Augenblick kommt Hans Peter und ich erzähle ihm von meinem Unbill. Die Lösung – wir betäuben den Schmerz! Wie??? So…

Jetzt trudeln auch Gabi und Gottfried ein. Sie haben Voltaren dabei – wie nett von den Beiden! Nanu, einer fehlt noch – Hans Peter hat Merlin nicht mitgenommen, das ausgerechnet an dessen Geburtstag.
Auf allgemeine Nachfrage erklärt uns Merlins Herrchen, dass der Terrier sich an seinem Rinderknochen vom de Luxe Metzger labt und sich somit an Bord von LIBERTÈ wohler fühlen würde – ok, akzeptiert…

Wir vier haben einen geselligen Abend, eigentlich wie immer mit Gabi und Gottfried, wir haben Spaß, lachen und erzählen uns Geschichten aus dem Leben.
Das klingt profan, ist es aber nicht! Die Themen sind vielseitig und abwechslungsreich, wir diskutieren durchaus mit Tiefgang und gegenseitigem Interesse – einer der Gründe, warum die Zeit immer fliegt wenn wir beisammen sitzen.
Auf dem Grill brutzeln Köfte und Chicken Souvlaki, dazu gibt es Tomaten-Feta Salat und Brot – einfach aber lecker!



Erst spät am Abend gehen alle nach Hause, die Runde löst sich auf, der Juli ist in den letzten Zügen. Zwei Wochen nach Sibylles Abreise trifft es mich, ich kann mich der Hausarbeit heute nicht entziehen, das Geschirr stapelt sich diesmal auf NESSAJA – aber der nette Abend war es wert!

Ich mache also „klar Schiff“ und räume alles auf. Dann setze ich mich an den Computer und finalisiere den Monatsbericht dieses etwas schrägen Juli 2024.
Um den Monat auch visuell zu beenden, blättere ich noch das Kalenderblatt um – der August soll mich morgen früh vollumfänglich begrüßen.

I´m happy, don´t worry – ich habe die Gute Laune nie verloren, auch wenn manche Momente mich zum Verzweifeln brachten. Ich bin dennoch überzeugt, dass der August mühelos besser werden kann.
Was wird der letzte Hochsommermonat bringen, was steht an?
ELOWYN und LIBERTÉ – um die beiden Schiffe dreht sich alles! Nach Sibylles Rückkehr am späten Abend des 01.08. haben wir die Teile die nötig sind, um auf der Bavaria 41H von Hans Peter den Zusammenbau des Motors zu starten. Wir werden den Mast legen lassen und hoffen, dass wir die ersten Lagen Epoxi an den Rumpf bringen.
Für ELOWYN erwarte ich die bestellten Teile, dann werde ich die begonnenen und aufgezeigten Projekte finalisieren können – der blaue Riese wird am 29.08. gekrant und am 31.08. an seine Eigner übergeben.
Sibylle und ich müssen wieder in unseren gemeinsamen Lebensrhythmus zurückfinden. Darüber hinaus freuen wir uns sehr auf den ersten Besuch unseres Sohnes Florian mit Familie – die Racker Otto und Benno kommen mitsamt den Eltern nach Leros zu Besuch! Zum Glück steht auf NESSAJA nur die Reparatur des ENO Gasofens an…
Die wichtigste Frage des kommenden Monats dürfte sein, ob es ein klärendes Gespräch mit der Marinaleitung geben wird – ich möchte eine Idee haben, wie ich die Wintermonate ausgestalten kann und ob ich eine Zukunft als Mitarbeiter der Marina sehe.
Natürlich werden wir wieder viele kleine Erlebnisse haben und diese gerne mit euch teilen! Wir freuen uns daher, wenn ihr weiter dranbleibt!
Vielen Dank für euer Interesse und die investierte Zeit für das Lesen unseres Blogberichtes – herzliche Grüße aus Hellas
Mario & Sibylle
Nachtrag – ein persönlicher Gedanke: Bis zur Unterschrift hat dieser Bericht nun doch 24.583 Wörter und 130 Minuten Lesezeit, er ist damit nur unwesentlich kürzer als der des Vormonats. Ich hoffe dennoch, dass euch mein kleines Tagebuch Freude macht und ihr die lange Lesezeit vielleicht bei Schlechtwetter und einer Tasse Tee (in Deutschland) oder bei einem langen Segelschlag (im Mittelmeer) investiert und somit auch genießen könnt.
Wir möchten Erlebtes und unsere Gedanken dabei, gerne mit Freunden und Bekannten teilen, dies auch mal detailverliebt. Ich mag es, das alles aufzuschreiben und hoffe, dass ihr mir die vielen Worte nachseht.
Worte prickeln das Denken und entzücken den Geist.
Aristophanes (um 450 – 385 v. Chr.), griechischer Lustspieldichter
Danke Mario für den Juli-Blog. Ist nicht zu lang und für mich sehr interessant. Habe ihn heute auf der Überfahrt von Levitha nach Astypálea gelesen.
liebe Grüße Tom
Hallo Tom, Danke für das nette Feedback – ich hoffe, der Diodenkauf hat geklappt. Wir sehen uns – viel Spaß auf eurem Törn!
Auf Leros konnte ich keine Diode 1N4001 auftreiben. Elektronikbauteile dürfte es auf der Insel gar keine geben. Habe einige zur Lieferung an ein Restaurant in Kos Kefalos bestellt. Werde dann im MSF berichten. Lange Überfahrten ohne Autopilot sind echt mühsam!
Und übrigens: Die nagelneue Bordtoilette funktioniert auch nicht richtig…