Wer mich gut kennt und / oder den Blog schon länger verfolgt weiß, dass ich ein großer Fan der österreichischen Pop-Combo „STS“ bin. Hier haben es mir die Texte von Gert Steinbäcker besonders angetan. „Herbst auf der Insel“ ist ein weniger bekannter Song, aber einer, der die Stimmung die hier im Verlauf des Oktobers Einzug hält, exakt beschreibt.
Es ist Oktober – es ist Herbst auf der Insel! (Der Text ist am Schluss des Blogberichtes zu lesen)
Ich erinnere kurz an die Wettersituation Ende September…

Ich beendete meinen Blogbeitrag des September am 27.09. – es war zu diesem Zeitpunkt schon klar, dass wir wegen des kräftigen und relativ lang anhaltenden Meltemi bis zum 01.10. in Nisyros bleiben werden. So kam es dann auch! Wir haben hier ein wenig relaxt, gelesen, ich habe meine Logbucheinträge geschrieben und Franziska und Mikey, die ja noch ihren Urlaub an Bord verbrachten, sind mit Sibylle ein wenig spazieren gegangen.

Das Wetter war ja durchaus sehr gut, wir hatten Sonne, im Windschutz immer noch knapp 30°C – nur der kräftige Wind war frisch, hat die Temperatur gesenkt und im Schatten bzw. abends das Tragen einer Weste oder Jacke nötig gemacht. Naja, und die Frisur hat er auch ein wenig durcheinander gewirbelt…

Segeln war möglich, aber die Schaumkronen auf dem Meer haben klar gemacht – gemütlich geht anders!

Das konnte man auch durchaus erkennen, Chartercrews die Ihre Schiffe zurückbringen mussten stampften gegenan, wurden durcheinandergebeutelt und hatten wohl wenig Freude.
Wenig Freude hatte auch eine Männer-Chartercrew eines Lagoon 450F Katamarans. In Nisyros / Pali liegt man sicher, aber es herrscht Seitenwind am Quai. Der besagte Skipper brauchte geschlagene 2h um das zweirümpfige, schwimmende Wohnhaus in seine Lücke zu bugsieren. Er rammte zwei Schiffe und zog einem anderen Ankerlieger den Anker aus dem Grund, da kam Freude und Hektik auf. ALLE Anwesenden standen am Bug ihrer Schiffe und sahen zu, ohnmächtig zu helfen, besorgt – aber auch entsetzt über soviel Unkenntnis und Ignoranz.
Zurück zu schöneren Themen, zu unseren Wanderern – ich selbst ziehe mich da gerne raus, sofern Sibylle mich lässt bzw. wenn das Ziel nicht wirklich lohnend scheint. Da die Drei zur Inselhauptstadt Mandraki wollten, ließ ich mich auch durch das in Aussicht gestellte Eis nicht locken – ich wusste der Weg geht entlang der Hauptstraße…

Trotzdem hatte meine Crew einen schönen Tag, körperliche Bewegung und offensichtlich auch noch viel Spaß und ein paar nette Eindrücke.


Ich hatte neben dem Schreiben der erwähnten Logbücher noch allerhand nautische Vorbereitungen zu erledigen, so zum Beispiel Wetterberichte checken, Routenplanung, Tanks füllen und ein bisschen auf´s Ohr hauen.
Wir waren alle zufrieden und nach einer weiteren Nacht in Pali war es Zeit weiter zu reisen, der Wind hatte nachgelassen und wir konnten „Anker auf“ gehen – Symi wir kommen!

Meine Capetaña steuerte uns zuverlässig an der Küste von Nisyros entlang, Kurs Symi lag an und wir konnten derweil die Segel setzen. Der Wind kam aus der richtigen Richtung und war immer noch kräftig genug uns mit 6-7kn Fahrt Richtung Ziel voran zu treiben…
…aber nicht lange!
Die drei vorherrschenden Winde beim Segeln kennt Ihr ja, oder? Zuwenig Wind, zuviel Wind, Wind aus der falschen Richtung! Heute war ein Tag mit zuwenig Wind, zumindest für unser Schiff – wir brauchen einfach 10kn damit wir dem Ziel näher kommen. Also Segel rein und Motor an – Kurs bleibt gleich – Symi!


Wir suchten Schatten und vertrieben uns die Zeit mit der Ausschau nach Delfinen oder Schildkröten – die Einen beim stillen Sinnieren, die anderen bei einem Tässchen Kaffee, lässig ans Vorstag gelehnt…

…wieder Andere verfallen in einen meditativen Zustand der Ruhe, vermutlich ob der stetigen Verantwortung für die Crew – bis ein gellendes Piepsen eben genau diese Ruhe zerreißt und dem in sich Ruhenden einen gehörigen Schuss Adrenalin in die Adern pumpt!
Was war geschehen? Eine Annäherung? Da steuert doch genau ein Schiff auf uns zu! An die Waffen, Verteidigung…
Nun, so schlimm war es nicht! Ein Münchner, der sein Schiff ebenfalls in Evros stationiert hat und den ich aus unserem Skipperforum kenne, hat NESSAJA am AIS (Automatisches Identifizierungssystem) gesehen und gleich mal „vorbeigeschaut“ – Hand zum Gruß, das freut uns!

Wir haben ein bisschen mit der Besatzung der TAYA geplaudert und uns zum Bier in der Marina verabredet – während wir uns entfernten habe ich noch unsere Begegnung am Bildschirm fotografiert.
Schön! Das ungeplante Zusammentreffen mit der TAYA hat den Nachmittag etwas entzerrt und so hatten wir bald die Zufahrt und erste Landmarke von Symi voraus.

Wir mussten zwischen Symi und einer vorgelagerten Insel durchfahren, diese Durchfahrt hatte ich vom letzten Besuch als sehr eng in Erinnerung. Passen wir das mit der breiten NESSAJA überhaupt durch???

Ok, JA, wir passen durch, leicht sogar! Ich musste mir die verwunderten Gesichter der Crew noch lange ansehen. Die Einfahrt war so viel breiter als ich mich erinnert habe – manchmal sind gerade unsere Erinnerungen kein guter Ratgeber.
Von hier aus ging es schnell, wir bereiteten NESSAJA zum Anlegen vor, wollten wegen unserer Kinder, die ja touristisch umsorgt sein wollten, ganz bewusst im Stadthafen festmachen. Wir wussten, die Gefahr des „Ankersalates“ in Symi Ort ist gebannt seit es dort Muringbojen gibt, wir wussten auch, die eigene Muring ist mitzubringen, ein ca.20-30m langes, ausreichend dimensioniertes Tau ist notwendig…

…so kramte ich in den Tiefen meiner Backskisten nach dem Tauwerk welches man sonst nie braucht – und wurde fündig! Wir wussten auch – auf der Südseite, ganz innen, vor dem Cafe mit den blauen Läden sind die lautesten Liegeplätze.
Man half uns Anlegen und Festmachen (20.-€), beschaffte uns Strom (7.-€ / Tag) und kassierte sehr schnell die Hafengebühr (41.- / 2 Nächte) – aber wir hatten einen tollen, zentralen Platz! Auf der Südseite, ganz innen, vor dem Cafe mit den blauen Läden 😉 !

Wir waren glücklich, waren wir doch wieder in der Zivilisation und der Abend versprach ein schöner zu werden. So kultivierten wir uns und zogen los, „auf die Piste“ sozusagen, zumindest auf die touristische!

Franzi & Mikey ließen abermals Google (digital) entscheiden welches Lokal das beste für uns sei. Ich war beruhigt, da meine Recherche (analog) zum gleichen Ergebnis führte – wir hatten somit am Nachmittag schon reserviert und sind schnurstracks zum empfohlenen Lokal gelaufen…

Sowohl Google als auch Manfred (Danke nochmals!) hatten sich nicht getäuscht, wir haben sehr gut diniert. Spät abends sind wir nach einem Ouzo und bei perfekter Stimmung nach Hause geschwankt und haben sehr gut geschlafen!

Was war mit dem Cafe? Das mit den blauen Läden? Das laute??? Nun, das spielte heute Nacht (Freitag) nur eine kleine Rolle. Ouzo und Ohropax verhalfen der gesamten Crew zu einem seeligen Schlaf
Neuer Morgen – neues Glück! Early Bird Day? Ja, fast zumindest, so ganz geht das mit meiner Crew nicht, so habe ich mich morgens zum Cappuccino in ein Cafe am Quai gesetzt und auf mein Schiff geschaut während die Sonne anfing die Bucht von Symi zu erhellen.

Heute galt es die Insel zu entdecken! Dafür sollten zwei Roller gemietet werden. Einer mit 150cc für Sibylle und mich – kein Problem! Einer mit 50cc für Franzi und Mikey weil… Jaaaa, auch weil sie leichter sind – aber vorrangig weil die nötige Lizenz zum Bewegen des KRAFTrades fehlt – auch kein Problem, oder? DOCH, exakt die 50er waren an diesem Tag alle vergriffen, so dass wir auf einen Kleinstwagen ausweichen mussten. Egal, Hauptsache Symi entdecken – los ging es, hinauf in die Berge.

Wir genossen die Fahrt bis hoch zu einer kleinen Taverne, nein nicht Taverne, es war eine „Kantina“, äußerst einfach aber auf Google mit 4,9 bewertet. Dort zuerst ein Foto – ob der herrlichen Aussicht…

…dann hinein um zu reservieren. RESERVIEREN? Bei einer Kantina mitten im Nirgendwo? Ja, zugegeben, bissl deutsch halt, aber kann ja nicht schaden dachten wir. Der Platz für´s Abendessen war gesichert!
Als nächstes stand der Besuch eines alten Kirchleins auf dem Programm. Wieder alle Mann (und Damen) ab in den Miniwagen und abgedüst über die hier verbreiteten, betonierten, einspurigen „Strassen“…

Nach kurzer Fahrt waren wir an besagtem Kirchlein angekommen, falteten uns wieder aus dem Vehikel und starteten unsere Besichtigung. Offen gesagt hat mich diese Kirche nicht so gepackt und ich habe es stattdessen vorgezogen etwas im Schatten zu ruhen…

…die Steinmosaike innerhalb der Kirchenmauern waren aber auch für mich sehr beeindruckend – wie lange so etwas wohl dauert zu verlegen???

Weiter ging es in die Bucht von Panormitis, die „Klosterbucht“ – warum sie so heißt ist nicht schwer zu erraten und war auch schon von weit oben zu erkennen…

…diese rundum geschützte Bucht ist ein sicherer Platz für Yachties, zudem hat die Bäckerei des Klosters einen hervorragenden Ruf. Das wollten wir uns ansehen, vielleicht klappt am Rückweg von Rhodos ja ein Abstecher (ich nehme es vorweg – hat nicht geklappt).

Das Kloster selbst war schön, aber die gesamte Anlage hat mich nicht gepackt – ganz ehrlich. Ich finde den Spot etwas überbewertet, auch die Gastronomie hier. Die Bäckerei war gut, aber was hilft es wenn das drumrum einen etwas abgewirtschafteten und touristischen Eindruck macht. Nichtsdestotrotz, die Mosaike waren auch hier allgegenwärtig und sehr schön anzusehen.

Zurück nach Symi-Stadt ging es abermals über steile, kurvige Bergstrassen welche aber immer einen herrlichen Ausblick auf´s Meer boten.

In Symi angekommen, war es gerade Kaffeezeit, Sibylle und ich sind also in eines der vielen Cafes und haben zwei Cappuccino geschlürft, diese begleitet von einer Eisspezialität – lecker – hatten wir doch in Kos das letzte Eis gegessen, das war immerhin letzten Monat! Allerhöchste Zeit also…

Nach dem Eis ein kleiner Marsch durch den Ort, ein bisschen die Angebote der Geschäfte betrachten und einen Blick auf NESSAJA erhaschen…

…schon war es soweit, wir mussten uns fertig machen um noch einmal zur Kantina hochzufahren und unsere Reservierung dort wahrzunehmen. Was uns beim Reservieren gefreut hat – heute war Samstag, es sollte Live-Musik geben. Was uns erwartete wussten wir nicht, allerdings fragten wir uns fortwährend, warum diese – im allerpositivsten Sinn – „Spelunke“ – so gute Google Bewertungen hat.

Oben angekommen, es dämmerte schon, nahmen wir Platz. Wir hatten einen schönen Randtisch am Balkon mit herrlicher Aussicht. Noch war die Kantina nur spärlich gefüllt, wir waren die ersten Gäste.

Wir wussten, dass es an einem Tag mit Live-Musik nur drei Gerichte gab – Lamm Kleftiko, Bifteki und Souvlaki, alles mit Pommes, alles mit griechischem Salat – die Bestellung fiel also leicht, zweimal Souvlaki, zweimal Bifteki, jeweils mit Pommes und Salat – und einmal Lamm für die Mitte…

Seltsames passierte – die Massen, fast nur Einheimische, strömten ins Lokal, es zeigte sich rasch, die Reservierung war bitter nötig, denn bald war das Lokal bis auf den letzten Platz gefüllt. Ok…
Langsam wurde uns klar warum – wegen Petros!

Petros wollte Pfarrer werden und immer in einer Kirche singen. Er liebt das Singen! Leider hat er die Zulassungsprüfungen nicht geschafft um in den Kirchendienst eintreten zu können, so hat er kurzerhand eine eigene Kirche gebaut in der er jetzt singen kann. Nicht jeder mag den „Ketzer“ mit seinem „privaten Gotteshaus“, aber in touristischen Kreisen und bei den Griechen die etwas liberaler sind, ist er bekannt und beliebt.
Sein Hobby ist das Singen in der Kantina, immer am Samstagabend! Einen Haken hat die Sache – Petros kann nicht singen, gar nicht!!!
Ich habe überhaupt noch nie einen Sänger gehört, der in der Öffentlichkeit so schlecht sang. Aber gerade das machte den Abend aus. Die Gäste haben gejohlt, „Super Petros, ela“ gerufen und Petros war seelig und hat gelacht. Win-win Sitaution…

Die Stimmung kochte, Petros gab alles! Ein zweites Unikum war der Seniorchef des Ladens – keinen Zahn im Mund, kein Wort Englisch, bestimmt 80, aber mit den Damen geflirtet als gäbe es kein Morgen mehr – das auch der Grund warum Franzi auf der Tanzfläche zu sehen ist, sie konnte dem alten Charmeur keine Bitte abschlagen.
Solche Abende kannst Du nicht kaufen, da stolperst Du rein!
Fröhlich gingen wir nach Hause, legten uns in die Kojen und schliefen… NICHT!!! Heute war Samstag – PARTY! Das Cafe mit den blauen Läden hatten wir fast vergessen. Unser zentraler Superplatz entpuppte sich als Jugendtreffpunkt und Moped-Lautstärketestplatz, an Schlaf war bis morgens um 04.00 Uhr nicht zu denken – zumindest für meine Crew. Mir half Bier und Ohropax. Als ich diese Information zum Besten gab wurde dies nicht, wie erwartet, mit Anerkennung quittiert, sondern eher mit abfälligen, gar bösen Blicken…
Zeit abzulegen! Neuer Kurs Rhodos Marina. Hier planten wir vier Tage zu bleiben, hier sollte der Urlaub von Franzi und Mikey ausklingen…

Ich erwartete, laut Wetterbericht, einen NW3-4, ein Wind welcher mich bis nach Rhodos hätte segeln lassen. Der letzte Reisetag für Franzi & Mikey, das wollte ich anbieten. Was ich nicht am Schirm hatte, waren schwere Stürme in der Zentralägäis welche das Meer so wogen ließen, dass die Wasserbewegung bis hier spürbar war. Die Wellen liefen an Rhodos entlang, kamen also aus West und der Wind war schwächer als gedacht.
Das bedeutet unter Motor, mit Welle von hinten, fast fünf Stunden fahren – ein Vergnügen! Wir waren froh, als wir endlich um die Ecke waren, obwohl der Wind auf einmal aufdrehte, was hier nicht unüblich ist, und uns mit 25kn von vorne anblies, na toll! Wir sind in die Marina, haben einen ordentlichen Platz bekommen und waren bald sicher vertäut.

Ein paar Worte zur Rhodos Marina. Geplant als großzügiges, fast luxuriöses Projekt nahe der geschichtsträchtigen Altstadt, ist den Planern hier ein grober Fehler unterlaufen – die Marina hat Schwell, aber eben nicht nur Schwell, VIEL Schwell, wenn der Wind aus ungüstiger Richtung, aus den östlichen Quadranten kommt. Auch Abhilfemaßnahmen haben keine Besserung gebracht. Das sprach sich herum, die anfangs selbstbewusst kalkulierten Preise konnten und können nicht erzielt werden und Dauerlieger blieben aufgrund der Gefahr für´s Material aus.
Aus diesem Grund, wurden Baumaßnahmen eingestellt, so dass heute für eine Marina dieser Größe nur zwei Duschen pro Geschlecht zur Verfügung stehen. Zudem, schaut Euch mal das Bild an, sind die Betonquais viel zu hoch für die durchschnittliche Yacht – die Gangway steht sehr steil und bei Schwell weißt Du nicht wie Du raus- und reinkommen sollst.
Genug zur Marina, das war an diesem Abend nicht unser Thema. Wir haben uns auf die Altstadt gefreut und sind gleich los. Das war umso lustiger, als wir hier wieder auf die Crew der ELOWYN trafen und wir zusammen beim Abendessen in „Mama Sofia´s“ waren.

Das Lokal ist touristisch, wird aber sowohl in Google als auch in Sibylle´s Reiseführer gehypt. Wir kannten es schon und konnten die Bewertung bestätigen – und wurden nicht enttäuscht!

Danach sind wir durch die Gassen der Altstadt zurück zur Marina geschlendert. Franziska und Mikey konnten sich einen ersten Eindruck holen und Sibylle und ich haben zufrieden festgestellt, dass auch hier, in den touristischen Hochburgen, die Saison ein langsames Ende findet.

Zufrieden sind wir ins Bett gefallen und haben fest geschlafen. Das war auch nötig, denn bereits am nächsten Tag sollte unser „Discover Rhodes“ Programm beginnen! Ein Leihwagen muss her…
Hier hatten wir auf einmal eine nicht erwartete Problemstellung. Leihwägen waren rar oder teuer. Durch Covid haben viele Anbieter ihren Fuhrpark dezimiert, die geringere Anzahl an Wägen treibt den Preis. Wir hatten insofern Glück, als dass uns ein kleiner Anbieter einen Hyundai Accent („it´s an old car“) anbot – bis zuletzt wurden wir das Gefühl nicht los, dass es sein privates Auto war, dies aber zu einem attraktiven 4-Tages Preis.
Unser erster Weg führte schnurstracks zu „Pommes Bernd“!

Aufmerksame Blogleser erinnern sich – wir haben Bernd auf Leros als Freund von der OREJA VELA Crew, Tanja und Stefan, kennen gelernt. Wir mochten den flippigen Typ sofort und haben unseren Besuch während dieses Törns in Aussicht gestellt. So ein Wort ist Ehrensache – so, here we are!
Die Currywurst, die Wraps, die Pommes – alles ausgezeichnet! Wer also offen für „German Essen“ in Griechenland ist sollte sich eine Stipvisite bei Bernd nicht entgehen lassen…
Uns zog es nach der Stärkung weiter in die Touristenhochburg Lindos – immerhin mit der zweitgrößten Akropolis Griechenlands.

Schöne Buchten ringsum und mitten in den ganzen Tourishops findet man nette Bars, ursprüngliche Cafes und auch wirklich nette Läden für Kunsthandwerk.
Wir erklommen den Berg auf dem die Akropolis steht um dann, vor dem Kassenhäuschen, festzustellen, dass der Eintritt erwähnenswerte 12.-€ pro Person kostet. Das hatten Sibylle und ich so nicht in Erinnerung! Wir beide haben dann auf den nochmaligen Besuch verzichtet, Franzi und Mikey haben sich die Besichtigung des Kulturgutes jedoch gegönnt – wenn man schonmal hier ist…
…und es schien zu gefallen!


Genug für heute! Wir haben in Lindos noch etwas gesnackt, einen frischen Orangensaft getrunken und sind dann zurück zur Rhodos Marina gefahren. Am Weg haben wir eingekauft und dem dortigen „Jumbo“ einen Besuch abgestattet – die Jugend war genauso fasziniert wie wir seinerzeit in Lavrion.
Das Dinner sollte diesmal etwas kleiner ausfallen, zumal wir keine Lust auf griechisches Essen hatten. PIZZA, es sollte mal wieder Pizza geben! Dank Google (wie ging das eigentlich früher?) haben wir die „beste Pizzeria am Platz“ gefunden und wurden abermals nicht enttäuscht!


Die Stimmung war gut, wir waren beschwippst und müde. So haben wir uns auf den relativ langen Heimweg gemacht und sind zurück auf NESSAJA geklettert – in der Hoffnung auf eine weitere ruhige Hafennacht.
Leider Pech gehabt! Auch uns hat es diesmal mit einer der „unruhigen Nächte“ erwischt. Der ohnehin kräftige, vorherrschende Wind hatte in der Nacht eine Ost-Komponente bekommen und für einen derartigen Schwell gesorgt, dass das Schiff immer hin und hergefahren ist. Einen Meter zurück, Stop durch zwei Muringleinen, durch deren Spannung wieder einen Meter vor, zack, Stop durch die Heckleinen!
Ich bin davon aufgewacht und hatte echt Sorge, dass es mir die achterlichen Festmacher zerreißt oder gar die Klampen aus dem Deck gerupft werden. So habe ich morgens um 03.00 meine Winterfestmacher mit den großen Federn belegt. Ich konnte nun unbesorgt sein – aber nicht mehr schlafen…
…da hilft nur ein kräftiges Frühstück!

Nach dem Ausflug nach Lindos gestern, stand heute die ganz große Inselrunde am Plan, einmal rundum nach dem Routenvorschlag in Sibylles Reiseführer. Natürlich etwas abgewandelt durch die Google Vorschläge von Mikeys Mobiltelefon. Das mochte ich! Andere Blickwinkel und zudem während des ganzen Rhodos Aufenthaltes vom Fahrdienst befreit, sehr komfortabel!

Unser erstes Ziel war die antike Stätte von Kamiros, Kultur muss sein! Ohne Ironie, das war wirklich interessant zu sehen, eine sehr gut erhaltene Ausgrabung die ein Bild dieser Zeit vor vielen Jahrhunderten gibt.

Es war ein zwar windiger, aber dennoch heißer Spätsommertag, Schatten war willkommen…

…zumal dann, wenn schon netterweise so feine Stühlchen aufgestellt werden 😉

Nach diesem ersten Kulturteil sollte ein Ausflug in die Tourismuswelt folgen, der Besuch des „Honigdorfes“ Siana. Ok, kann man machen, besonders dann wenn man sich an den Honigspezialitäten laben möchte und / oder diese als Mitbringsel zu kaufen beabsichtigt…


…auch wir haben einen Laden gefunden (einen anderen) und Franzi hat kräftig eingekauft. Sibylle hat sich in Zurückhaltung geübt, was ich ganz gut fand. Den obligatorischen Joghurt mit Honig haben wir uns dann, als Begleitung zum Cappuccino, aber doch gegönnt.

Außer einem Dutzend dieser Läden und ein paar touristischen Tavernen hat Siana nicht viel, man kann den Ort (so sagt es auch der Reiseführer recht deutlich) auch auslassen. Einzig sehenswertes Bauwerk des Ortes ist aus meiner Sicht die Kirche…

…die bei genauem Hinsehen aber Details zeigt von denen ich mir bis heute keine Klarheit verschafft habe ob ich das sehr lustig oder eher traurig finde – wer findet den Fehler???

Aus Siana sind wir zwar gestärkt aber auch ernüchtert wieder abgefahren, für Entschädigung sollte unser nächstes Ziel sorgen. Die Festungsruine Monolithos, eine verfallene, ehemalige Johanniterburg in spektakulärer Lage!

Hier kann man die Festungsruine besuchen, den Berg relativ kommod erklimmen und genießt dann herrliche Ausblicke auf Chalki und die kleinen vorgelagerten Inseln, ein beeindruckender Platz!

Wir hatten einen Nachteil unserer 2021er Urlaubsroute, gepaart mit unseren Vorlieben, hinzunehmen. Es gibt im südlichen Dodekanes nicht so viele kleine, liebliche Inseln wie nördlich von Leros. Wir hatten, nachdem wir die Inseln eben auch entdecken wollten, bisher keinen Buchttag und somit, bis auf eine kleine Ausnahme in Symi, keine Gelegenheit mal richtig zu baden – das wollten wir ändern!
Das nächste Ziel war somit der größte Strand von Rhodos, ein anerkannter Surfer- und Kite-Hotspot, dem Prasonisi Beach. Ein „Doppelstrand“, eine Sandzunge zur gleichnamigen Halbinsel.

Da standen wir nun! Hatte ich schon erwähnt, dass es windig war??? Die unbedingte Lust zum Baden wich beim Anblick der durchaus hohen Wellen und der vielen bunten Kites auf der einen, der vielen bunten Segel auf der anderen Seite, einem lala-Gefühl. Sollen wir? Oder lieber nicht? Die Aussicht nach dem Bade zähneklappernd und mit Gänsehaut überzogen im frischen 7 Beaufort Luftstrom zu stehen ließ die Antwort klar werden – NEIN?

So standen wir da noch ein Weilchen und sahen dem bunten Treiben zu um dann, am Wendepunkt unserer Tagesfahrt, die Rückreise anzutreten.
Nächste Station, das Tal der Schmetterlinge! Man wies uns freundlicher Weise darauf hin, dass zu dieser Jahreszeit keine Schmetterlinge zu sehen sind. Man könne ja den Spaziergang durch die Natur genießen. Hier war ich raus – 45 Minuten bergauf um dann den selben Weg wieder runter zu laufen – gar nicht meins! Ich habe mich auf eine Bank gesetzt und Menschen beobachtet – sehr interessant übrigens – während meine Crew, angeführt durch den Wanderfex Sibylle, den Spaziergang meisterte.

Wesentlich interessanter war unsere nächste Station! Eine Abwandlung der Route welche zumindest in unserem Reiseführer nicht zu finden war. Mikey und Franziska stehen auf sogenannte „Lost Places“ und Google half einen solchen auf Rhodos zu finden.

Die „Villa Vecchi“ ist gleich in der Nähe des Hotels im alpenländischen Stil aus 1929, das kannten wir schon. Sie wurde vom selben Architekten geplant und im Auftrag Mussolinis zur selben Zeit erbaut. Der italienische Diktator war jedoch niemals selbst eingezogen.

Bewohnt wurde die Villa von Mussolinis Gouverneur Cesare Maria de Vecchi, der dort „wilde Feiern und Orgien“ veranstaltete während er die Inseln des Dodekanes mit eiserner Hand führte – eine schlimme Zeit, aber ein mystischer Ort den es zu besichtigen lohnt!



Lost Places sind, das liegt in der Natur der Sache, immer auch ein wenig bedrückend, zumald dann wenn sie aus dieser schlimmen Epoche stammen. Es war an der Zeit wieder in das bunte Leben einzutauchen, wir waren ein wenig hungrig, etwas matt und wollten eine Rast. Da traf es sich gut, dass Franzi schon lange ein Auge auf das „Pavo“ geworfen hatte. Google befand das Ziel für gut (4.8) – also, nix wie hin!

Auch hier sollte der virtuelle Quell des Wissens Recht behalten. Ein traumhafter Platz, sehr geschmackvoll, modern, eine gute Karte für Snacks und Sweets, mit beeindruckender Aussicht…
…und mit einer handvoll Pfaue die um die Tische sausen, hat man auch nicht alle Tage!

Hier haben wir gesnackt – Chicken Wraps, sehr gut! – und zum Cappuccino ein kleines Dessert gegessen, auch das sehr gut! Das „Pavo“ ist definitiv eine empfehlenswerte Adresse auf Rhodos.

Ach, weil wir gerade bei empfehlenswerten Adressen sind – zurück in der Marina, es war der letzte Abend für Franzi und Mikey, wurde beschlossen endlich Mikeys Geburtstagsgutschein, natürlich ein feudales Dinner, einzulösen. Doch welche Adresse in Rhodos Stadt wird den Anforderungen gerecht – Geburtstags- und Abschiedsdinner in einem???
Die Antwort – das „Sissitio“!

Hier, so finden wir, hat „die Crowd“ in Google nicht ganz Recht, das Sissitio ist mit 4.5 unterbewertet, zumindest im Vergleich mit anderen. Das könnte vielleicht auch an gehobenen Ansprüchen des Publikums liegen? Wir wissen es nicht, haben jedoch hervorragend gegessen und getrunken, der Service und die Location – 1a! Ein empfehlenswertes, preiswertes, wenn auch etwas teureres Lokal.
Was isst man hier? Wir, besser Mikey, hat sich für… SUSHI entschieden, seht selbst…

Ein letzter Cocktail um den Abend abzurunden, Die Stimmung war perfekt und auch die Altstadt von Rhodos verabschiedete sich von Franzi und Mikey im besten Licht!

Der Tag der Heimreise war gekommen, die Koffer waren gepackt! Sehr perfekt war, dass der Flieger erst abends ging und somit dieser Tag noch für das klassische Sightseeing in Rhodes Old-Town geplant wurde. So gab es ein letztes ausgiebiges Frühstück an Bord…

…bevor wir bei Bullenhitze nochmals den Fußweg in die Altstadt in Kauf nahmen.

Wir hatten uns zunächst getrennt, die Jugend zog schnurstracks los um die Gassen innerhalb der Stadtmauern zu erkunden. Da Sibylle und ich das schon mehrfach gemacht hatten, gingen wir außen herum, warfen einen Blick auf die, wieder präsenten, Kreuzfahrtschiffe…

…und sind dann ebenfalls in das touristische Zentrum eingetaucht. Wir haben die Geschäftsstraßen weitgehend gemieden und uns entlang der kulturell interessanten Wege gehangelt – diese waren erfreulich leer.

Nachdem wir Franzi und Mikey wieder getroffen haben, musste noch Mikeys Hunger gestillt werden. Der Arme, offensichtlich haben ihm die Shoppingstunden richtig Kraft gekostet – ok, wenn ein Crewmitglied Hunger hat steht der Skipper bei. Diese Unsäglichkeit muss bekämpft werden – mit Giros Pita – so hat Mikey es sich gewünscht! Sehr zur Freude des Skippers…

Jetzt aber! Die Uhr tickt, zurück zur Marina, duschen, ein letztes Good Bye und ab zum Flughafen.

Noch am Abend bekommen Sibylle und ich die Nachricht, dass die Beiden gut zuhause angekommen sind – ein Teil der Crew verabschiedet sich mit einem Bild des Rückfluges. Sibylle und ich sind wieder alleine an Bord.

Ein Wetter- und Windfenster muss her! Seit Tagen beobachte ich das Wetter und die Windverhältnisse. Wir sind in den Süden gefahren, müssen wieder nach Norden. Der Wind hier kommt meist aus Nord, schlechte Karten also.
Warten auf Süd? Nein, zu lang, zu teuer! Noch woanders hin, Kreta, Karpathos? Nein, zu aufwendig und noch weiter südlich! Was dann? Erstmal heim, nach Leros? Ja, das machen wir!
Sibylle wollte hochtingeln, mehrere Etappen und die Zeit auf dem Wasser genießen. Da spricht nichts dagegen, aber leider haben wir bereits zwei Tage des Wetterfensters vergehen lassen müssen während derer der Nordwind etwas Pause machte. Laut Wetterbericht haben wir nur noch zwei weitere Tage um unter Motor Höhe zu machen, nach Norden zu fahren, bevor der Wind, in Sturmstärke, zurück kommt.
Hier entscheidet der Skipper, hier geht Sicherheit vor – wir fahren früh los und so viel wie wir auf einmal schaffen – die Route war klar.

Offen gesagt, ich hatte im Hinterkopf bis Leros durchzufahren. Wenn wir um 07.00 die Rhodos Marina verlassen würden, wären wir wohl Mitternacht in Lakki vor Anker. Wir kennen die Bucht, eine sichere Planung.
Sibylle wollte lieber nur bis Nisyros oder eben maximal bis Kos. Aber ich habe das nicht als glückliche Alternativen erachtet, zumal die Kos Marina sicher voll war, es war Samstag.
Nun sind wir also los, waren abermals, ohne jegliche Probleme, recht lang in den Hoheitsgewässern der Türkei unterwegs, haben Meilen gemacht, bis wir die Gewässer der Türkei (zwischen Punkt 4 und 5) verlassen haben.

Die Fahrt verlief, wie geplant, problemfrei und wir konnten das Dahintuckern durchaus genießen – obwohl es sich schon hingezogen hat wie Kaugummi.

Wir hatten gerade die Kos Marina passiert und sprichwörtlich „links liegen lassen“, da setzte die Sonne zum Untergang an. Es war an der Zeit, bereits mit anliegendem Kurs Kalymnos, das leidige Thema Fahrtziel noch einmal herauszukramen…

…und wir fanden einen guten Kompromiss. Das neue Ziel sollte die Bucht Palionissos an der Ostküste der Nachbarinsel Kalymnos sein. Hier gibt es Bojen, hier waren wir bereits im Juni mit Gitti, die Ansteuerung ist uns also bekannt. Hier wären wir nah genug an Leros um unter (fast) allen Bedingungen in den Heimathafen fahren zu können, hier sind wir aber auch noch einmal in einer Bucht um das Bootsleben abschließend genießen zu können – gesagt, getan!

Auf dem Weg dorthin, es waren ca. 18nm, rund drei Stunden Fahrzeit, macht die türkische Grenze nochmals einen Knick. Ich wollte diesen umschiffen um bei Dunkelheit nicht in TR Hoheitsgewässern zu fahren. Sibylle meinte, ich hätte Paranoia, gab sich aber geschlagen.
Um 20.15, es war stockdunkel, traf mich fast der Schlag! Helles Licht am Wasser, im Rigg, voraus, von hinten kommend! Kennt Ihr das wenn das Adrenalin einschießt, es so im Bauch kribbelt? Hatte ich einen Tanker übersehen der uns jetzt von hinten überläuft?
Nichts dergleichen! Ein komplett schwarzes RIB Schlauchboot der griechischen Küstenwache kam unbeleuchtet von achtern auf, wir hatten NICHTS bemerkt, und nahm uns ins Scheinwerfer-Visier. Uns Beiden fiel, als wir erkannt hatten in welcher Situation wir uns befinden, nichts besseres ein als – zu WINKEN! Wahrscheinlich hat das die Beamten gefreut und sie haben einmal kurz das Blaulich blinken lassen, gewendet, die Positionslichter ausgeschaltet und sind in der Nacht verschwunden wie sie aufgetaucht waren.
Das will ich mit den Türken nicht haben, die Entscheidung nachts außenrum zu fahren war in diesen prekären Gewässern richtig!
Der nächste Morgen hat uns entlohnt!!!

Ich bin in Facebook mit der „Taverna Ilias“ in Kontakt. Konnte also klären, dass Bojen für die Nachtansteuerung frei waren und, viel wichtiger, wir um 22.00 noch etwas zu essen bekämen. Das hat alles super geklappt und wir haben herrlich geschlafen. Am Morgen hat uns die Bucht einladend begrüßt und ich war nochmals baden, wunderbar.
Derart ermutigt, haben wir kurzerhand beschlossen einen weiteren Tag anzuhängen. Wir würden nicht direkt nach Leros / Lakki fahren sondern einmal um Leros herum und dabei vor Archangelos beim „Stigma“ halt machen.
Wir tuckerten bis in die Enge zwischen Leros und Archangelos und machten gerade zum Anlegen an der Boje fertig als plötzlich der Motor anfing seine Drehzahl leicht abzusenken…
Nanu, erste Hilfe, rasch bevor er ausgeht! Tankdeckel auf falls die Belüftung verstopft sein sollte. Meinen Mini-Filter, der als Schauglas gegen Dieselpest dient, rasch ausgetauscht – das geht unter der Fahrt, man muss nicht entlüften – beides bringt keine Abhilfe. Ein Blick auf die Tankuhr…

…hm, sollte??? Nein, oder doch? Das Alles passierte in zwei, drei Minuten – ich entscheide also 10 Liter Diesel nachzufüllen, während wir die Boje ansteuern, und siehe da, der Jockel lief wieder einwandfrei.
Ich rechne seit 2014 alle Spritverbräuche auf unseren Fahrten nach und komme fast IMMER genau hin, ein paar Liter hin oder her. Heute schienen mir rund 60 Liter zu fehlen. Die Ursache hierfür muss ich suchen und finden – um es vorweg zu nehmen, das habe ich bis heute nicht in Angriff genommen – ich berichte darüber im Novemberrückblick. Für diese Fahrt hatten wir genug Diesel dabei (30 Liter) und können auch morgen unbesorgt nach Leros zurück.
Doch zunächst Archangelos! Wie immer lud das Meer zum Bade, diesem Ruf folgten wir an diesem Nachmittag mehrfach, es war nochmals ein richtiger Sommertag.

Den Oktober spürt man aber gewaltig, es wird inzwischen sehr zeitig dunkel und so setzten wir schon kurz vor 19.00 über ins „Stigma“ zum Dinner. Wir saßen auf „unserem“ Stammplatz und hatten wieder den Blick auf die Bucht, es war natürlich deutlich weniger los als im Sommer.

Dimitras Eltern waren so freundlich mir mein Lieblingsgericht zu zaubern, obwohl es nicht auf der Karte stand – Octopus Tigania! Tigani heißt Bratpfanne, das Gericht ist also simpler gebratener Octopus mit etwas Samoswein und Chili, ein absoluter Traum, einfach und lecker!
Am nächsten Morgen, wir haben super und auch recht lang geschlafen, waren wir alleine in der Bucht, das hatten wir auch noch nie…

…wir gingen noch einmal baden, haben gefrühstückt und sind dann nach Leros gefahren. Gegen Mittag lag NESSAJA sicher an ihrem Stammplatz D1 in der Leros Marina Evros.

„Wie hast Du den Platz bekommen…“ – noch nicht lange angelegt wurde ich gleich über die Schulter angsprochen. „Ich wollte den auch, habe ihn aber nicht bekommen…“ – ah ja, ich erwiderte sicherheitshalber, dass ich das nicht wüsste, Zufall wohl. Mein Telefonat mit dem Marinero unterschlug ich sicherheitshalber um keine Wellen zu machen – ich mag „meinen“ Platz 😉 , wir wohnen hier!
Es dauerte nicht lange bis der kräftige Wind kam – wir hatten alles richtig gemacht und unseren Törn bis zur letzten Minute ausgenutzt!

Der Wind hinterlässt seine Spuren, nicht nur an der Gastlandflagge! Auch an unseren Nerven zehrt er – im Jahr 2021, unserer ersten vollen Saison auf NESSAJA war der Starkwind allgegenwärtig, oft stärker als gewohnt, häufiger und vor allem länger anhaltend.
Inzwischen ziehen auch immer öfter Wolken auf, es war klar, der Sommer ist vorbei, es wird Herbst auf der Insel.

Der Herbst ist hier anders als in Deutschland – es ist generell schönes Wetter, auch noch warm, wir konnten jeden Tag in Panteli baden. Aber die Beständigkeit verschwindet. Hatten wir im Sommer monatelang keine Wolke gesehen, gab es jetzt auch kurze aber heftige Regenschauer…

…so dass es mir besser schien eine „Garage“ für das Motorrad zu finden.

Der Wind beeinflusst die gefühlte Temperatur beträchtlich und so sehr man ihn im Sommer gebraucht hat um nicht in der Sonne zu zergehen, so sehr wünscht man sich jetzt, dass er weg sein möge um die Sonnenstunden unbeschwert genießen zu können.
Leider tut er diesen Gefallen nicht…

…immer häufiger haben wir Starkwind auch in der Marina, an diesem Tag Beaufort 7, an solchen Tagen gehen wir nun auch nicht mehr baden, es ist einfach zu frisch wenn Du aus dem Wasser kommst.
An anderen Tagen ist noch richtig Sommer. Inzwischen war auch die Crew der ELOWYN in Leros angekommen um das Schiff hier ins Winterlager zu bringen und entsprechend vorzubereiten. Wir waren zusammen schwimmen und haben genau diese letzten „echten“ Sommertage richtig genossen.

Zum Vergleich hierzu ein Bild welches wir von unserer Schwiegertochter aus Miesbach bekommen haben – gleiche Zeit, Mitte Oktober…

…da weißt Du gleich wieder warum Du das gemacht hast – ich gelobe, ich will mich nicht mehr über den „Herbst auf der Insel“ beschweren!
Social Life – während dieser Zeit ändert sich alles. Freunde verabschieden sich täglich, machen ihre Schiffe nach und nach winterfest und besteigen Flieger oder Fähren die sie nach Hause in die Heimat bringen. Es sind inzwischen deutlich weniger Menschen im Hafen. Aber auch neue Freunde gewinnt man in diesen Tagen – so zum Beispiel Brigitte und Erwin aus Gmunden am Traunsee in Österreich.
Sie sind zusammen mit der ELOWYN hier eingetroffen und haben die Leros Marina Evros als Winterquartier für ihre QUO VADIS gewählt. Wir haben einige Zeit miteinander verbracht und waren oftmals zusammen beim Speisen…


Apropos Speisen – wir dachten ja irgendwie das meiste auf Leros zu kennen, die wichtigen Adressen zumindest – aber weit gefehlt, es kam eine neue dazu.
Für erstklassiges Essen, hier für Fleischgerichte, empfiehlt sich die „Persiana Churrasceria“ in Alinda. Hier sind wir eingekehrt weil wir in nettem Ambiente drinnen sitzen wollten (nur mit Impfung) und weil wir ein Steak wollten.
Das haben wir bekommen – und wie…



Abermals hatten wir Glück und es spielte an diesem Abend ein Live-Musiker. Chris(tos) macht Cover Songs alter Gitarren Gassenhauer – was zunächst ein bisschen abgedroschen klingt war aber echt gut und hat die Anwesenden mitgerissen – ein echt gelungener Abend, nicht der letzte in der „Persiana Churrasceria“!

Die im Verlauf des Abends durchgeführte „Impfrazzia“ empfanden wir nicht als störend, im Gegenteil, es bestärkte uns in dem Glauben, dass Griechenland seine Inseln für den Winter 2021 / 2022 schützen will.
Der Rest ist schnell erzählt – tagsüber vertrieben wir uns die Zeit mit Arbeiten an den Booten, hier vorrangig an der ELOWYN, z.B. beim Abschlagen der riesigen Segel…




…nachmittags mit baden oder, wenn es zu windig war, mit dem langeplanten Besuch des hiesigen Kriegsmuseums.




Ich hatte Zeit mich mit wirklichen „nice to have“ Jobs zu beschäftigen, so zum Beispiel mit einem Schlüsselanhänger fürs Motorrad welcher meine Hosentasche nicht ausbeult oder kaputt macht. Da es von der Stange nichts passendes gab, wurde kurzerhand Manolis angesprochen ob er zum Armband nicht auch einen Schlüsselanhänger fertigen könne – er kann!!!

Der Abschied der ELOWYN Crew nahte, wir haben ein letztes Dinner mit Volker und Tina geplant, es war klar, dass uns dieser Weg in „Mylos“ führen würde. Es war eine Vollmondnacht, selbiger ging über dem Kastell von Leros auf, während wir unseren Wein in diesem erstklassigen Fischlokal genossen…

Unser Seafood war wieder sensationell, die Speisenfolge weitgehend die gleiche wie immer, daher nur ein kleiner Auszug…



Ein letzter Absacker führte uns in die Zweigstelle des „Persiana“, die Bar & Grill Filiale welche auch mit vielen Biersorten wirbt – ein echtes Pint of Guinness machte uns bettschwer, am nächsten Morgen reiste die ELOWYN Crew ab.

Der Spätsommer ist schön, die Luft ist kühl, feucht, Pflanzen kommen hervor, die Insel verändert ihr Gesicht. Die Luft ist gleichzeitig auch klar und sauber, die Sonnenuntergänge sehen anders aus als im Sommer – es entsteht eine spezielle Stimmung.

Für uns kehrt der Alltag zurück, sowohl beim Essen…

…Sibylle kocht wieder, abends muss drinnen gegessen werden!
Als auch beim Abendprogramm! Es wird zeitig dunkel, wir sehen ab und an wieder Videos oder holen auf YouTube nach was wir im Sommer versäumt haben. Wir wollen ja schließlich wissen wie es bei anderen denen wir folgen, gelaufen ist.
Weil wir Tobi und Franzi von der ZORA in Poros getroffen haben, fangen wir mit den Beiden an.

Wie sieht es mit den Projekten aus? Erfreulich gut! Ich habe mich im Oktober projektfrei gehalten um meine Freude am Basteln für den November zu schonen. Ich musste einzig und allein meine Gangway auswechseln.

Die GS-Optima, für die ich jahrelang die Fahne hochgehalten habe weil sie leicht ist und dies mit hoher Tragkraft paart, musste einer massiveren Prasolux V4A Gangway weichen.

Warum? Nun, mehrere Gründe – war GS sehr freundlich und großzügig in der Reklamationsabwicklung meiner alten, ersten Optima – ich hatte zwei neue Hälften erhalten – konnte ich feststellen, dass kurz nach der Erneuerung im Frühjahr 2021 die gleichen Fehler auftraten.

Die Gangway bog sich durch, eine Hälfte mehr als die andere, zudem ging der Spalt, die Verklebung, nach kurzem Salzwasserkontakt wieder auf.


Es traten wieder Risse und Brüche an der gleichen Stelle auf, diesmal war ich nicht bereit das über Monate und Jahre anzusehen. Fazit, die Verklebung der Ober- und Unterteile scheint nicht seewasserfest und die zulässige Tragkraft von 150kg scheint mehr als optimistisch kalkuliert.
Ich versichere, ich bin deutlich darunter und niemals beladen über die Gangway gegangen, ich habe immer Umsicht walten lassen. Ich bin sicher, dass die tatsächliche Tragkraft, dauerhaft, deutlich unter den zugesagten 150kg liegt. Das sollte durch die Prasolux jetzt erledigt sein – hier vielen Dank nochmals an Robi von der MAXI, mein Nachbar hat mir das gute Stück gebraucht und kostenfrei überlassen.

So ist er, der „Herbst auf der Insel“! Wir haben beschlossen zunächst nicht mehr auszulaufen. NESSAJAs Papiere sind inzwischen bei der Port Police, so sind wir nicht mehr verpflichtet TEPAI zu bezahlen.
Ab und an kochen wir uns in unserer Kombüse herrliche Gerichte, werden auch bald wieder unseren Cobb Grill auspacken und uns im „goldenen Herbst“ leckere Sachen zaubern…

…wir genießen die inzwischen seltenen Abende an denen man noch draußen essen kann, haben wir doch die letzten Wochen sehr wenig an Bord gegessen, schade eigentlich – das werden wir 2022 ändern!

Andermal bleibt die Küche kalt und der Smutje hat frei, dann gehen wir budgetschonend ins „Souvlakki“ und essen Giros Pita mit Pommes und Salat. Da haben wir für 20.- richtig gut gegessen, das ist oft günstiger als Einkaufen und unterstützt die hiesigen Tavernen, zudem nehmen wir am Social Life der Locals teil, das funktioniert ganz gut…

Kleiner Spaß zum Schluss – wir waren vorgestern, am 26.10.2021 in Lakki beim Cappuccino trinken. Wir, Sibylle und Mario, die es befremdlich finden, wenn es in Deutschland Anfang Oktober Lebkuchen gibt (auch bei uns an Bord – Danke Franzi!). Was sehen wir, die Dame im Cafe trägt so ein aufsteckbares Rentiergeweih (kein Foto) und schmückt weihnachtlich…

DAS finde ich geil, ein echtes Statement! Auf meine Frage hin warum sie das JETZT macht und HIER war ihre lapidare Antwort „…I like Christmas, but here we don´t have snow, we don´t have winter, for what should I wait? I start now, so Christmas Time is longer!“ Ok, so gesehen genau richtig…
Das war der Oktober, Ihr habt wieder ein Bild von unserem Alltag. Noch kurz bevor Ihr den Bericht lesen konntet sah es bei mir so aus…

…der Salon wird zum Büro und ich tippe meine Gedanken in den Blog um das Erlebte mit Euch zu teilen.
Das habe ich auch diesen Monat wieder ein paar Tage früher gemacht weil wir Pläne haben…
Heute ist Feiertag, Oxi-Tag, der Tag an dem die Greichen „Nein“ zum Faschismus gesagt haben. Hier ist richtig was los, wir stürzen uns ins Getümmel. Mittags sind wir bei „Dimitris o Karaflas“ – in seiner Taverne gibt es heute Lunch mit Live-Musik. Während ich das schreibe packt Sibylle gerade unsere Motorradtasche – wir werden heute Abend auf die Fähre nach Piräus gehen und morgen weiter nach Heraklion / Kreta fahren.
Dort bleiben wir um zwei befreundete Paare zu besuchen, die völlig unabhängig voneinander und ohne sich zu kennen, im gleichen Ort Immobilien angeschafft haben. Beide sind vor Ort, eine gute Gelegenheit beide zu treffen. Wir planen bis 09.11. zu bleiben und uns Kreta auch einmal zu dieser Zeit anzusehen.
Mehr dazu im Bericht des Monats November, bis dahin grüßen wir herzlich aus Leros und wünschen Euch eine gute Zeit
Die NESSAJA Crew
„Herbst auf der Insel“ (Text: Steinbäcker / Quelle: Internet)





Danke, lieber Mario, für deine ausführliche Berichterstattung. Mich packt immer die Reiselust, wenn ich deine Blogs lese! Habt noch schöne Tage auf Kreta. Viele Schneegrüße aus der Heimat Monika & Alan
Schneegrüße??? Brrr! Dislike! Ich habe schon mitbekommen, dass bei Euch der Winter eingekehrt ist. Umso mehr hätte es Euch in Kreta gefallen, wir haben in Agios Nikolaos an Euch und die gemeinsamen Tage gedacht. Liebe Grüße und auf bald
Lieber Mario, danke, wie immer spannend zu lesen. Genießt den Urlaub auf Kreta.
Robi und Baba
Hallo Ihr Zwei! Herzliche Grüße aus Leros – wir sind zurück! Kreta war toll, super Eindrücke, aber unser Herz haben wir hier verloren. Schön, dass Euch der Bericht gefällt, wir hören einander!