April 2021 – Easy Day

It’s like dancing in the sun
Having trouble, having fun
Having anything you wish to come
Then it suddenly smiles your way
And you have an easy day

Lang ist es her, dass mich die Bananafishbones mit dem Lied begeistern konnten – das gilt auch heute noch – und wenn man den Rest des Textes mal weglässt, dann passt der Refrain sehr gut auf den vergangenen Monat, den April 2021!

Wir fingen an uns einzuleben, das durchwachsene Wetter der ersten Wochen wich mehr und mehr einer gewissen Schönwetterbeständigkeit (obwohl Wind und zeitweise Wolken auch dem typischen Aprilwetter alle Ehre machten) und immer häufiger festigte sich der Gedanke, dass es nicht nur Urlaub ist was wir hier machen.

Es waren Büroarbeiten zu erledigen, ehrlich gesagt war es das was ich zumindest für eine gewisse Zeit hinter mir lassen wollte – dies war aber nicht möglich, weil es nötig war Prozesse einzuleiten um meine Fehlfunktion der Stimme als Folge meines Berufes feststellen zu lassen und zudem zu entscheiden wie es weitergeht wenn unser heutiges Lebensmodell endet.

Das klingt zunächst verrückt, über ein Ende nachzudenken bevor etwas richtig begonnen hat, aber Weichen müssen eben zeitig gestellt werden. Diese Gedanken und die Kontaktaufnahme zu den verantwortlichen Stellen haben mich ein paar Tage beschäftigt – having trouble, having fun – das war definitiv der Teil TROUBLE…

FUN folgte stande pede!

Das Wetter war beständig gut, die Projekte am Schiff gingen mehr oder minder gut von der Hand, so dass wir im Plan waren. Die Ausgangssperren und -regeln zur „freien Bewegung“ wurden alle paar Tage gelockert, so stand der ein oder anderen Wanderung über die Insel nichts im Wege. Sibylle forderte dies doch deutlich ein, so folgte ich dem Ruf der Holden und schnürte meine Wanderstiefel.

Die im Frühling erwachende Insel zeigte sich von Ihrer besten Seite…

Unsere Wege führten uns über Hügel welche noch grün bewachsen waren, auch durch Wälder und von einer Seite der Insel zur anderen. Es duftete herrlich nach Kräutern und Gewürzen, so wie man sich mediterrane Düfte eben vorstellt.

Auf dem Weg in diese Gegenden mussten wir am Meer entlang und Griechenland zeigte sich von seiner besten Seite…

Unsere Wanderungen waren meist so um die 10km lang und haben uns, Pausen eingerechnet, so um die 3h beschäftigt, bewegt und abgelenkt. Klar, dass Aktivität belohnt werden muss – das Schlotzeis nach der Rückkehr in Lakki war somit obligatorisch.

…and you have an Easy Day – ja, so war das oft! Aber nicht immer. Das Boot brauchte unsere Zuwendung und eine häufig gestellte Frage, auch aus dem Freundes- und Bekanntenkreis lautete „…wie geht es eigentlich mit Eurem Auto weiter?“

Nun, wir bekamen eine Anfrage des hiesigen Schreiners ob wir es denn verkaufen wollen. Der Preis war dem Mann letztlich zu hoch, aber wir folgten der Idee und fassten den Plan unseren flotten Italiener in Griechenland an eine Person zu verkaufen welche ebenfalls nach einem Transporter sucht – so abwegig ist das nicht. Ich habe Ihn also in alle mir bekannten Leros-Facebookgruppen gestellt und ihm zudem mit einem „For Sale“ Schildchen ausgestattet.

Da steht er nun, der treue Scudo, und wartet auf seinen nächsten Besitzer. Das Vorhaben gestaltet sich aber dennoch schwierig, denn auf alte Autos werden in Griechenland recht hohe Einfuhrzölle berechnet. Ob es mit dem Verkauf klappt scheint somit mehr als fraglich – wie auch immer, es ist Gesetz, dass er nach 6 Monaten ausreisen muss (Danke EU).

Können wir ihn also nicht verkaufen, bringen wir ihn Anfang September nach Deutschland um ihn dort zu veräußern und auf unseren treuen Volkswagen zu wechseln. Smaller is smarter – das gilt auf Inseln wie Leros im Speziellen, sind die Gassen hier doch recht eng.

Unser soziales Umfeld erweitert sich, wir finden Anschluss und Freunde. Die Besucher in der Marina werden mehr und man findet sich. So haben wir uns recht gut mit Agnes und Dieter angefreundet und man trifft sich auf den ein oder anderen Ouzo bei uns oder bei ihnen an Bord.

Darüber hinaus sind es die modernen Medien die uns helfen mit zuhause und den daheimgebliebenen Freunden und natürlich der Familie Kontakt zu halten. Für dieses Thema ist Sibylle die Fachfrau und Datenmanagerin an Bord. Sei es bei ZOOM Meetings mit Freunden…

…oder den regelmäßigen Skype oder WhatsApp Calls mit den Kindern oder anderen Familienmitgliedern.

Inzwischen sind ja alle Geschäfte wieder offen, so dass wir jeden Tag in die Stadt laufen um einzukaufen. Das ist für uns Teilnahme am „Social Life“, Bewegung und letztlich Nahrungsbeschaffung.

Es macht uns Spaß mehr und mehr frisch kochen zu können und Sibylle stellt auch hier auf mediterran um. Die Preise sind mit zuhause nicht zu vergleichen, Gemüse und Fisch sind günstig, so dass wir den ersten Monat voll im Budget abschließen konnten.

Wie ich schon geschrieben hatte – der April zeigte sich von seiner sprichwörtlichen Seite, er wusste nicht so recht was er will – wettertechnisch betrachtet, meine ich…

Die Tendenz zum Sommer ist erkennbar, wir brauchen auch keine Heizung mehr, trotzdem war es phasenweise ordentlich windig und auch mal grau und durchwachsen. Aber auch dieses Wetter sorgte für besondere Stimmungen.

„Having anything you wish to come, then it suddenly smiles your way…“

Es ist einfach schön hier zu sein, es tut dem Körper und der Seele gut!

Andererseits – die Temperaturen lassen inzwischen mehr zu. Den Pullover braucht man nur noch abends und mittlerweile lädt das Meer auch zum Bade. Die Wassertemperaturen liegen bei recht frischen 17-18°C, die Luft zwingt einen an manchen Tagen aber förmlich ins kühle Nass!

Kommen wir langsam zu den Höhepunkten des Monats April -trommeltrommeltrommel…

TATA – hier ist die neue Sibylle!!!

Nach gaaaaaaaaanz langem Zögern hat sie sich endlich entschlossen dem Braun und Blond ein Adieu entgegen zu schmettern und hat sich vertrauensvoll in die Hand einer griechischen Künstlerin an der Haarschneideschere begeben.

Das ist das Ergebnis! Ich finde es trotz dem altersgerechten Grau (meliert! nur meliert!) frecher und natürlicher – und die Färberei hat endlich ein Ende! Während ich diese Zeilen tippe regt sich in mir die Furcht etwas geheimes ausgeplaudert zu haben. Nun denn, wenn Ihr in den nächsten Tagen kein Lebenszeichen von mir bekommt – sucht mich mit Betonschuhen an den Füßen im Hafenbecken…

Das nächste Highlight war das orthodoxe Osterfest welches wir hier miterleben durften und welches drei Tage lang mit Böllern und Feuerwerk gefeiert wurde. Es hat uns selbstverständlich ein zweites Mal in eine österliche Stimmung versetzt.

Dem Schiffslaien mag sich der Eindruck aufdrängen, dass NESSAJA diesen Monat keine oder nur wenig Aufmerksamkeit brauchte. Weit gefehlt!!! Ein Schiff braucht IMMER Zuwendung!

Der lang ersehnte Tank kam endlich auf dem Postweg an, hier gebührt der Dank meinem Junior der die 200 Liter Gummiblase im Fachgeschäft bei München kaufte, verpackte und nach Hellas schickte. Das Packerl fand nach rund 10 Tagen seinen neuen Besitzer – MICH!

Umgehend wurde das Objekt der Begierde eingebaut, befüllt und getestet – funktioniert! Wieder ein Punkt der an unserer imaginären Pinwand von der „ToDo“ Seite auf die „Done“ Seite wandert.

Zudem konnte ich die Reparatur der Haupt-Bilgenpumpe (Impeller wechseln) und der Ansaugvorrichtung (Sieb und Rückschlagventil erneuern) auf die andere Seite der zu erledigenden Aufgaben bringen.

Ich habe weitere zwei (von 6) der schwer zugänglichen Tankbelüftungen erneuert und zudem die Gangway ersetzt (Gewährleistungsgeschichte).

Ich komme insgesamt also gut voran…

Zwischendrin gab es bei den Reparaturen Begegnungen mit „dem Früher“, meiner beruflichen Vergangenheit, welche inzwischen in einer nebulösen Erinnerung verdriftet. Ok, vielleicht zuviel Prosa, aber doch immer ein kurzes Lächeln wert – fast 20 Jahre und Elring begegnet mir auch hier ab und an.

Das bedeutet, aus heutiger Sicht, dass Nessaja soweit gut in Schuss ist. Inzwischen sind die Segel angeschlagen, das Dinghy aufgeblasen und wir sind eigentlich „ready to go“. Eigentlich?

Ja, ich habe noch zwei Großbaustellen von denen eine zu 50% abgeschlossen ist. Wie weit ich hier komme kann ich noch nicht sicher sagen, das wird eher im Mai-Bericht nachzulesen sein. Bleibt also gespannt. Im Großen und Ganzen bin ich aber sehr zufrieden…

Kleine Anekdote am Rande?

Ihr erinnert Euch, dass bei unserer Ankunft ein anderes Seglerpaar wollte, dass wir die Marina wieder verlassen und unsere Quarantäne gefälligst außerhalb ihres Dunstkreises absitzen sollen. Diese Beiden hatten im Schiffsnamen das Wort „wild“ was wohl sehr wörtlich zu nehmen war.

Man munkelt nämlich, dass der Skipper des Schiffes bei einer Diskussion im Büro der Marina handgreiflich gegenüber einem Marinaangestellten geworden wäre. Nun, auf jeden Fall musste das Schiff gestern die Marina verlassen. Das Schicksal ist eben ein Eichhörnchen und auch hier in der Marina sind die Menschen wohl ein Spiegel der Gesellschaft…

Was gibt es sonst noch?

Nun, abschließend vielleicht einen „Fun-Fakt“. In unserem Dunstkreis kannte niemand, wirklich niemand, die Insel Leros im griechischen Dodekanes. Zumindest solange nicht bis wir davon erzählt haben – das könnte sich ändern…

Wurde Leros doch auf Platz 1 eines Berichtes im „Miesbacher Merkur“ gesetzt – die Headline war „Griechenland ohne Gedränge“!

Ich unterschreibe was der MM da schreibt, zudem gilt dies (fast) auch außerhalb der Corona Zeit, Leros ist einfach nicht am Radar der Touristen. Man muss aber auch wissen was einen erwartet – ein Urlaub ohne Boutiquen, bunte Andenkenläden, gerechelte Strände – es erwartet einen Urlaub jenseits des organisierten und aufgeräumten Touristenstroms – mit allen Vor- aber auch Nachteilen.

In diesem Sinne bereiten wir uns darauf vor im Mai ablegen zu dürfen und die ersten Gäste zu empfangen – mehr dazu wie immer hier auf unserer Blog-Seite und zwischendrin auf den bekannten Facebook Seiten.

Herzliche Grüße von der Nessaja-Crew!

2 Kommentare zu „April 2021 – Easy Day“

  1. Hallo, Ihr lieben Sailor,

    wie schön von euch zu hören. Und wenn ich deine Schilderungen lese, lieber Mario, und die Fotos anschaue, packt mich das Fernweh und der Sonnenhunger. Denn der Winter mag uns noch nicht loslassen. Die Berge waren wieder weiß. Wir freuen uns, dass es euch gut geht. Liebe Sibylle, deine kurzen Haare sind jetzt passend für den Sommer. Schaut super aus, flott und frech! Auch die schöne Haarfarbe finde ich gut! Uns geht es gut. Wir sind beide einmal geimpft. Wir freuen uns aufs Wochenende. Es soll wärmer werden. Und dann hoffen wir auch auf mehr Öffnungen in der Gastronomie, damit wir rauskönnen. Unsere Bodenseewoche in der zweiten Maihälfte ist allerdings verschoben auf den Juni.

    Seid für heute herzlich gegrüßt, macht‘s weiterhin gut und bleibt gesund Monika & Alan aus der noch kalten Heimat

    Von meinem iPad gesendet

    >

    1. Hallo Ihr Beiden,
      schön von Euch zu hören und Danke auch für die Grüße und die Infos aus der alten Heimat. Lasst uns doch einmal skypen oder zoomen…
      Liebe Grüße Mario

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