Sommertörn 2015 / GR / 25.09. – 13.10.

September & Oktober – Sommertörn / Leros, Kos, Kalymnos, Leros, Lipsi, Patmos, Arki, Leros

…wo fängt man bei solch einem Urlaub nur an zu erzählen?

Naja, ganz von Beginn an – also – zu Beginn des Jahres 2015 haben wir Burckhard, meinen ersten Segellehrer, und seine Frau Christine angesprochen, ob sie nicht noch einmal zusammen mit uns segeln gehen wollten.
Wir haben bereits 2012 die alte „Nessaja“ zusammen nach Kroatien gebracht, es vier Wochen zusammen ausgehalten und wussten also, das geht gut, wir können uns mit all unseren Marotten aushalten.
Die Beiden haben rasch zugesagt und wir haben uns mehrfach besprochen und den Törn geplant – nun war es endlich soweit, die Crew hatte den Weg nach Leros gefunden und wir haben bei einem ersten Abendessen in der empfehlenswerten Taverne „Dimitris o Karaflas“ auf Leros auf den Urlaub angestoßen.

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Dass der Vollmond die Bucht dabei schon fast kitschig beschien hat die Vorfreude nur befeuert.

Vollmond bei
Vollmond bei „Dimitris o Karaflas“ – dem Glatzkopf

Am nächsten Tag war Einkaufen, Wasser bunkern und Törnplanung angesagt – wir beschlossen wegen dem relativ starken Meltemi nach Kos zu segeln und von dort weiter über Astypalaia nach Santorin zu fahren. Perfekt – da will ich hin, also Leinen los, das große Vorsegel raus und bei raumer Brise nach Kos.
Hier wendete sich das Blatt und die Laune gleich mit! Nach dem Ankern dämmerte es bereits und ich machte das Beiboot klar. Obwohl der kleine Yamaha letztes Jahr noch zur Probe lief sprang er schlecht an und mir triefte der Schweiß über den Kopf – na super! Ans Aufgeben dachte ich aber nicht und nach einer halben Stunde, es war bereits stockfinster, lief der Quirl. Kürzester Weg an Land, aussteigen rechtzeitig, man sieht ja nicht mehr viel.
Rechtzeitig bedeutet „zur rechten Zeit“ – ich habe das nicht richtig verstanden wie es scheint und bin zu früh raus, stand prompt mit der Hose bis hoch zum Schlüpfer im Wasser – Glückssträhne wie es scheint (ich ahnte nicht, dass das noch einige Zeit weitergehen sollte).
Schnell das Dinghi an den Strand gelupft (der aufmerksame Leser würde jetzt das Festbinden anmahnen) und ab in die Taverne. Dort heimlich die nasse Hose runter und das Essen bestellt.
Kaum habe ich angefangen meinen Kalorienverlust zu bekämpfen kam eine Engländerin an den Tisch – „Excuse me disturbing you, can it be that your inflatable boat is floating through the bay? It´s swimming away!“

Die Gabel fällt, ich rase auf, stürme in der Unterbuxe durch das Restaurant, Sibylle mit meiner Hose hinterher. Ich renne um die ganze Bucht, bitte NEUN! deutsche Charterer mir mit einem Schlauchboot zu helfen – was mir verweigert wird, danke hier noch einmal, springe ins Wass… – nein, das habe ich nicht getan!
Es war dunkel, es hat sich auf kürzester Distanz eine nicht unerhebliche Welle aufgebaut und der Meltemi blies ablandig mit 25+ Knoten. Obwohl es nur 20 Meter gewesen wären habe ich mich für´s Nachwinken entschieden anstatt ein Risiko einzugehen – das bereue ich bis heute keine Minute.
Ein Nachbar rückte nur fünf Minuten später mit einem schnellen Schlauchboot zur Bergung aus, aber unser Dinghi ward nie mehr gesehen… Mach´s gut kleiner Freund!
Muss ich meine Laune schildern – nein, ich denke nicht, den Grund warum es (leider) keine Fotos gibt wohl eher auch nicht…

Nächster Tag – Sonne, neues Glück – Anker auf, Kurs Astypalaia. Die Wettervorhersagen waren sich einig 6-7 Bft., das kann man wagen.

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Wir waren kaum um die Ecke von Kos herum, vielleicht 5sm weg von der Landzunge, hat der Seegang so zugenommen, dass er sich zu einem echten 6er ausgewachsen hat – das bedeutet 5m Welle, brechende Kämme und wehende Gischt. Das Segeln war nicht gefährlich aber unangenehm, wir haben unsere Westen angelegt und ich habe navigiert. In diesem Moment kam die Sturmwarnung per Navtex „gale warning in Central Aegean, Sea very rough, NW 7-8, gusts up to 9“ – das brauchen wir nicht!
Klar zur Wende, wir kehren um!

Pechsträhne Teil 2 – bei der Wende suchst Du schon mal Halt oder bewegst Dich unkontrolliert, das passiert und manchmal gibt es Bruch. Diesmal hat es den Sockel meines Kompasses erwischt. Kracks – ab war er und baumelte an seinem Kabel. Ich habe ihn abgerissen und Sibylle zur sicheren Verwahrung anvertraut damit nicht noch mehr kaputt geht! Auch bei meiner Capitania gab es in diesem Augenblick eine Lernkurve (steil), denn „sichere Verwahrung“ heißt auf einem Segelboot bei 7 Bft. nicht auf die Seite legen sondern festhalten – ich beklagte in diesem Moment die Plastikabdeckung des Richtungsgebers.
Was ich noch nicht ahnte – Leros Marina hat nach meiner Mail am Abend die Teile nach drei Tagen im Shop gehabt – perfekt, Daumen hoch!
Die nächsten Tage sind rasch erzählt, zurück nach Kos, angelegt mit Buganker und Heckleinen (wir hatten ja kein Beiboot) und mehrmals am Tag ins Cafe – abwarten und Kaffee trinken, nie war die Redewendung so aktuell wie in diesen Tagen!

...unser Liegeplatz in Kos - für drei Tage!
…unser Liegeplatz in Kos – für drei Tage!

Planänderung, Wind und Welle sollten nicht nachlassen, ich erwähne es nur nebenbei, dass meine Kutterfock die Böen nicht ganz unbeschadet überstanden hatte, es fehlte also das kleine, wichtige Vorsegel. Neuer Plan, zurück nach Leros, gegenan hochkämpfen, Wunden lecken, durchatmen…
Gesagt, getan – was keiner ahnte wurde nach drei Motorstunden unter Land gegen eine hier nicht so starke Welle endlich Wirklichkeit, wir hatten einen traumhaften Segelschlag am Wind nach Kalymnos!

...am Wind Richtung Kalymnos
…am Wind Richtung Kalymnos
Krängung! - aber kaum Welle
Krängung! – aber kaum Welle

Dort machten wir am Spätnachmittag fest und hatten zum ersten Mal ein pannenfreies Urlaubsgefühl! Es war schön hier, wir haben uns einen Eindruck verschafft und das pulsierende Städtchen genossen.

Liegeplatz Kalymnos
Liegeplatz Kalymnos
...endlich Urlaub
…endlich Urlaub

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Am nächsten Tag ging es weiter nach Leros.
Ok, Segel zum Segelmacher, Kompass reparieren, umhören nach einem neuen Dinghi nebst Motor – aber geht die Reise weiter? Ich war mir zunächst nicht sicher wie die Crew in Anbetracht des Windes und der See dazu stehen würde, aber bereits am nächsten Tag wurde beschlossen – „Leinen los“ – Kurs Lipsi.

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Es sollten von nun an, hier greife ich vor, super Segeltage kommen! Wir haben uns am Ruder abgewechselt und sind zuerst auf die Nachbarinsel Lipsi gefahren wo wir am Stadtkai festmachen konnten. Hier wurde ich zur Kasse gebeten – für die Kroatiensegler, das Liegegeld pro Nacht bei 43ft, sage und schreibe 6,94€ – runden nicht gewünscht.

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Lipsi war schön, ruhig, ein erster Eindruck von dem Griechenland wie wir es uns vorstellen, ein wunderschönes Cafe, eine nette Wirtschaft (Forumsempfehlung) und ein weitgehend sicherer Liegeplatz UND keine Panne! Urlaub – endlich…

...ein herrliches Cafe und ein guter Bäcker
…ein herrliches Cafe und ein guter Bäcker
...die Taverne war Forumsempfehlung - Danke!
…die Taverne war Forumsempfehlung – Danke!

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Am nächsten Tag sollte es weiter gehen, eigentlich nach Arki, aber beim Kreuzschlag haben wir gemerkt, dass sich Patmos direkt anlegen lässt. Sollen wir? Wirklich? Da ist die Kaimauer doch quer zum Wind! Außerdem war es 2012 so ungastlich! Ach papperlapapp, wer nicht wagt der nicht gewinnt, Kurs Patmos, drei Stunden herrliches Segeln und ein perfektes Anlegemanöver an einem sicheren Platz waren der Lohn!

Liegeplatz in Patmos
Liegeplatz in Patmos

Hier bleiben wir zwei Nächte, nehmen einen Wagen, sehen uns die Grotte der Apokalypse sowie die Chora und das Kloster an. Wir besuchen „Pebbles Beach“ gehen baden und genießen die touristische Meile für einige Drinks.

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Auch Patmos war schön, obwohl wir nicht weiter als einen Tagesausflug von Leros weg waren. Wie sagte Detlef doch „…bleibt im Pudding!“ – wie recht er hatte.

Nach zwei Nächten wollten wir nun doch noch raus aus der Zivilisation, ab nach Arki. Auch hier wieder ein perfekter Schlag, direkter Kurs und das Glück den letzten freien Platz am Kai zu erwischen – wir hatten ja kein Beiboot. Wie soll ich Euch erklären wie wurscht mir der Kommentar des Nachbarn war „…Ihr Anker liegt nicht perfekt, aber man kann es lassen…“ Ach ja? Danke und Grüß Gott erstmal – und dann einen Gin Tonic als Anlegeschluck.

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Arki ist für mich ein typisches Piratennest ohne Piraten. Verwunschen, zwei Tavernen, naturbelassen – wunderschön! Hierher komme ich zurück…

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Irgendwann neigt sich der Urlaub dem Ende zu, von Arki ging es also nach Leros, der Wind schlief ein und wir tuckerten gemütlich zurück. Hier musste „Nessaja“ langsam in den Winterschlaf geschickt werden. Dazu gehört das Auspumpen des Fäkalientanks. Ihr freut Euch sicher mit mir, dass die Pechsträhne ein Ende hatte – freut Euch nicht zu früh!
Pechsträhne Teil 3 – pumppumppump, alles ok, obwohl a bißl streng geht die Pumpe schon. Kaum gedacht folgt ein dumpfes, lautes „Plopp“, ich will reagieren, doch noch bevor ich zucken kann folgt ein „Klack-zischpffffff““ – es war klar hier ist was geplatzt! „Scheiße“ will ich gerade schreien, den Wortsinn wohl erkennend, besinne ich mich doch rechtzeitig darauf, dass Christine sich so an schönen, blumigen Worten erfreut und wir den Urlaub daher als „Rhetoriksegeln“ eingestuft hatten. Mein „fuckfuckfuck“ vom ersten Tag (als die Schräubchen der Wassertankabdeckung unter der Last des sich blähenden Tankes aus den Löchern barsten) hatte Sie mir noch verziehen, das derbe Wort welches den Geruch beschreibt welcher meine Nase umströmte wäre wohl des Guten zuviel gewesen!

Es sollen nicht mehr viele Worte folgen. Burckhard und Christine sind einen Tag früher abgereist weil der Wind aus Süd zurückkam und mit 8 Bft zu wehen drohte. Das hätte bedeutet, dass eine Gefahr besteht, dass die Fähre nach Kos zum Flieger nicht gehen würde, hier galt es kein Risiko einzugehen!
Wir haben uns auf unser altes Konzept besonnen, einen halben Tag gearbeitet, die Reparaturen weitgehend erledigt und das Schiff winterfest gemacht. Dabei musste wieder etwas im Masttop repariert werden. Treue Leser des Blogs kennen das Dilemma ja schon – wer geht hoch?
Dafür gibt es jetzt eine Lösung – kleines Rätsel – kennt jemand die Schuhe??? Die Person im Mast hat jetzt Heldenstatus (ok, nicht für immer…)

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Den anderen halben Tag waren wir baden, relaxen und chillen. Dass Ulrike und Jörg von der „rijo“ noch einmal zu Besuch kamen und wir die Freizeit mit Ihnen teilen konnten hat uns dabei sehr gefreut. Wir mögen die Beiden und hoffen, sie noch oft zu sehen!

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Nun liegt „Nessaja“ in der Marina und wartet auf den Sommer 2016, einen neuen Außenborder konnte ich bereits kaufen. Es handelt sich um einen Suzuki DF6 Viertaktmotor welchen ich gebraucht und günstig in der Marina von einem Engländer bekam – nach einem Namen für den neuen Kameraden suche ich noch…

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Zurück nach Kroatien? Ich weiß nicht, vielleicht… Zunächst dachte ich ja, nun aber hat Griechenland so aufgeholt, dass ich es schade fände das alles so schnell hinter uns zu lassen. Impressionen findet Ihr, wie immer, am linken Seitenrand.
Zeit zum Pläne schmieden – wie es weiter geht – allzeit hier auf diesem Blog!

Ein Seglerpaar bleibt auf einer kleinen Ägäisinsel "hängen" – in diesem Blog geben sie Einblicke in ihren Alltag…