Mein Blogbericht des Wonnemonats Mai beginnt mit einem Zitat von Billie Jean King – „Druck ist ein Privileg“
Das Zitat geht weiter – „Wenn man enormen Druck hat, liegt das normalerweise daran, dass sich eine Gelegenheit bietet.“
Dazu passend, drängt sich die monatliche Headline auf – „Under Pressure“ aus dem Jahr 1981 passt wie Arsch auf Eimer.
Der Song der britischen Rockband Queen und des Sängers David Bowie wurde in einer Umfrage des „Rolling Stone“ Magazins zur zweitbesten Zusammenarbeit aller Zeiten gewählt – aber soviel nur am Rande, ich denke jeder kennt dieses Brett der Musikgeschichte.
Welche „Gelegenheiten“ haben sich uns also geboten? Welchem Druck waren wir ausgesetzt und wurde der Mai dadurch zu einem negativen Monat?
Fangen wir von vorne an…

Sibylle und ich entschließen uns, dass wir nach dem Frühstück eine Marinarunde drehen und mal sehen, was die Freunde denn so treiben.
Der 01. Mai ist auch in Griechenland ein Feiertag, es ist spürbar ruhiger in der Marina.
Diese Stimmung springt über, auch wir wollen es heute ruhig angehen lassen.
Meine Frau und ich tauschen uns aus – „…was steht die nächsten Tage an?“
Ob ihr es glaubt oder nicht, wir müssen speziell in dieser Phase des Jahres Kalendereinträge setzen.
Viele Freunde fragen an, ob wir einmal zusammen ein Bier trinken wollen oder ob wir Lust auf ein gemeinsames Dinner haben.
Das freut uns und wir wollen dem entsprechen – um niemand zu versetzen und um keine Terminkonflikte aufkommen zu lassen, führt Sibylle einen Kalender über unsere „Dates“ und über die Ankunfts- und Abreisetage der Freunde.
Sibylle ist unsere Terminmanagerin!
Wir erreichen Hans Peters LIBERTÉ und ich werfe im Vorbeigehen einen Blick auf unser gestriges Werk…

„Ich komme gleich zurück…“ rufe ich HP zu, „…heute bauen wir das zweite Seeventil für die Sole ein!“
Meine Frau und ich setzen die Marinarunde und unseren Austausch fort. Ich bin für die Reparaturtermine zuständig und pflege meinen Kalender bezüglich der geplanten Einsätze.
Ich habe natürlich Hans Peters LIBERTÉ am Schirm, Gottfried hat mich um einen Tag Unterstützung für Reparaturarbeiten an HARMONYs Motor gebeten und auch Ralf möchte ich nach seiner Ankunft bei einer kleinen Reparatur am Unterwasserschiff seiner CHILI helfen.
Last not least steht der monatliche Check von EDINA auf der Liste.
Das klingt nach wenig – zusammen mit den vielen Kleinigkeiten welche mir „im Vorbeigehen“ zugerufen werden, summiert sich das aber auf.
Der Mai hat es in sich, ich muss sehen, dass ich nirgends in Verzug gerate, alle zugesagten Arbeiten sind termingebunden!
Ich rufe auch noch einmal in Erinnerung – das alles muss bis 15.05. erledigt sein. Dann reisen wir nach Preveza, ab dann blockiert ELOWYN meinen Kalender.
So weit, so gut – „Schatz, ich baue heute mit HP das Seeventil ein, dann helfen wir Gottfried beim Kranen und fangen dann mit LIBERTÉs Motor an.“ Sibylle erwiedert „Ok, vergiß´ nicht, mittags Kaffee und heute abend sind wir im „Tis Kakomoiras“ verabredet.“
Unsere Wege trennen sich an Hans Peters Pick Up, wo der Freund sich schon mit seinem neuen Akkuschrauber bewaffnet hat und auf mich wartet.

Die Pilotbohrung war schnell gesetzt. Wir haben im Innenraum eine Grobplanung bezüglich der zu verbauenden Teile gemacht und wissen ziemlich sicher, wo der Ablasshahn sitzen soll.
Natürlich muss auf eine entsprechende Freigängigkeit geachtet werden und der Ausgang soll an einer einigermaßen vernünftigen Stelle sitzen.
Dann wird das Loch von innen nach außen gebohrt.
Im Anschluss kann der Durchbruch von außen nach innen gesägt werden.

Nun, eine Hürde gab es doch zu nehmen – der Durchbruch an der Außenwand ist kleiner als unsere kleinste Lochsäge.
Ich hole also meine Schälbohrer um einen entsprechenden Durchmesser bohren zu können, aber die Kegelform dieser Bohrer sorgt HP – er hat Angst, dass er etwas zu weit bohrt und das Loch zu groß wird.
Dieses Gefühl wird „der österreichische Mario“ später „German Angst“ nennen.
Hans Peter feilt lieber. Er ist ein echter Meister der Feile und liebt seinen Profi-Feilensatz.
Als ich ihm abermals beim Feilen und Raspeln zusehe, muss ich während der Minuten des Wartens an den Familiennamen früherer Bekannter denken – Feilemayer!
Für ein paar Tage nenne ich meinen Freund also Feilemayer, der Saarländer ist darüber nicht immer „amused“…
Ich hätte es in Sekunden gefräst, aber Löcher bohrt jeder selber in sein Schiff – fast schon ein Gesetz 😉 !

Ich möchte das Auge des geneigten Lesers ganz gerne auf dieses unscheinbare Loch wenden.
Es ist das Loch im Rumpf einer Bavaria 41 Holiday aus dem Jahr 1998. Wir sprechen hier von 33mm Sandwich, rund 20cm unter der Deckskante.
Wenn also in Seglerkreisen die Qualität von Bavaria auch oft angezweifelt wird – ich sage ganz klar, wer nicht differenziert, beweist dass er keine Ahnung hat.
Meine Dufour kann in vielen Punkten nicht mit LIBERTÉ mithalten und sich rückblickend auch nicht mit unserer Bavaria 390 Lagoon messen.
NESSAJA hat andere Vorteile, genau darum geht es – stets differenziert zu betrachten und bewerten.
Wir setzen den Durchbruch…


Da ein Seeventil an dieser Position nicht zwingend und auch nicht sicherheitsrelevant ist, entscheiden wir uns, das Ventil auch gleich zu verbauen – Wartezeiten um die Dichtmasse ausvulkanisieren zu lassen können verkürzt werden.
Dafür muss die Verkleidung angepasst werden, dann aber kann der Sole-Ausgang des geplanten Wassermachers finalisiert werden.
Bis alles perfekt sitzt, ist die erste Ablüftungszeit des SIKA vergangen, wir verkleben den Kugelhahn also sofort.

So, passt! Jetzt ist alles soweit vorbereitet, dass wir den „Schenker Modular 60“ Watermaker einbauen können.
Dieses Projekt werden wir aber erst im Juni starten, dafür ist die Zeit im Moment zu knapp!
Kaffeepause – Sibylle erwartet mich auf NESSAJA, sie hat Kaffee gemacht und bei Marijke und Cees eine Packung der begehrten holländischen „Honigkekse“ ergattert.

Meine gute Gattin und ich relaxen ein Weilchen, dann ziehen wir wieder los.
Tagsüber gehen wir meist getrennte Wege, die Zeit am Morgen und ab Spätnachmittag verbringen wir zusammen.
Sibylle freut sich, weil sie wieder mit ihrem „Breezy“ fahren kann. Die Hand funktioniert zwar noch nicht einwandfrei, aber vorsichtig fahren und bremsen geht.
Diese Freiheit will sie nutzen und seit langer Zeit mal wieder hoch zum Hundeshelter fahren.
Ich dagegen sollte mich zu Gottfried aufmachen, der Krantermin steht an. Aber vorher muss ich nochmal rasch in der Mülltonne kramen.

Ich greife vor – Sibylle und ich haben ausgemistet und alte Bettwäsche weggeschmissen.
Von der mit dem nautischen Design haben wir vier Stück gehabt, zwei aus Satin und zwei aus Baumwolle.
Ich wollte die teuren, angenehmen Satin behalten, von den Baumwolle Ausführungen haben wir uns getrennt.
Just in dieser Nacht hatte ich mich mit dem Ellbogen auf mein Kissen gestützt und dabei den Satin Überzug zerrissen – ein dumme Unachtsamkeit, dachte ich…
Ich verwende den zweiten Überzug und will aber sicherheitshalber einen Baumwollüberzug retten.
Das gelingt, weil ich die alte Wäsche in eine Tüte gepackt hatte und diese obenauf lag.
Ich greife nach den Überzügen und rette beide – ein Glücksgriff wie sich zeigen sollte!
Jetzt muss ich mich beeilen, die Vorbereitungen an HARMONYs Stellplatz laufen schon.


Wie immer geht es schnell und reibungslos und schon ein paar Minuten später liegt die Sunbeam 39 am Wunschplatz an Ponton D.
Ein für mich recht lustiger Sidekick bahnt sich auf dem Weg von der Krangasse in die Box an – Gottfried hat nach dem Dichtheitscheck im Kran erwähnt, dass er Flüssigkeit in der Bilge gesehen hat – „…ein paar Tropfen nur, aber es scheint auch kein Wasser sondern Diesel zu sein!“
Da wir ohnehin über seinen Motor reden wollen, entwickelt sich das Gespräch und ich sage ihm, ohne einen Blick auf seinen Yanmar geworfen zu haben – „…Du hast beim Filterwechsel den alten Gummiring vergessen, es sind zwei verbaut, das kann nicht dicht werden! Bau das nochmal aus und sieh´ nach – ich habe Recht, wirst´ sehen!“
Solche Ansagen plagen Gottfried, ich weiß das – aber er lässt es im Raum stehen und verlegt das Thema auf seinen 50PS Yanmar, „…ein 4JH2 oder so.“
Ich kann keinen so beschriebenen Motor finden und sehe nun doch endlich nach dem Motor – das Typenschild ist eindeutig 4JH2ME /33,9kW! Ich bin erleichtert, denn nun finde ich Unterlagen zu dem Motor der 46PS hat.
Gottfried verliert in dieser Sekunde nach 26 Jahren 4PS – ein herber Verlust!
Für Trost reicht meine Zeit an diesem Tag leider nicht, ich muss endlich den Motor auf HPs LIBERTÉ fertig stellen.


Der Moment für die Motorreparatur war gut gewählt, denn abermals zog ein Schauer über die Marina.
Ich muss daran denken, dass ich bereits im Mai 2024 überlegt habe, ob „Rain in May“ eine gute Headline wäre.
Dies hätte also auch 2025 gepasst. Aber als Optimist bin ich überzeugt davon, dass der Sommer nun bald Einzug halten wird.
Als der Schauer durch war, haben wir einen Motor-Probelauf gemacht, alles funktioniert bestens!
BIMM, BIMM! Während wir unsere Köpfe noch in Hans Peters Motorraum stecken haben, erreicht mich eine Nachricht von Gottfried, besser gesagt ein Bild mit einem Untertext…

Der Untertext lautete – „Du hattest Recht!“
Mein Brust schwoll ein wenig an und ich habe mich gefreut geholfen zu haben.
Nach der erneuten Reparatur, hatte der Münchner Freund dieses Problem behoben.
Einen erneuten Versuch seinerseits, die verlorenen 4PS zurückzudiskutieren, musste ich leider abweisen – „Nein, vermutlich hat Yanmar kein falsches Typenschild auf deinen Motor geklebt!“
Am Ende relativiert sich dieses Thema jedoch, denn ein paar Tage später tauchen die verlorengeglaubten 4PS wieder auf.
Yanmar weist doch tatsächlich neben der Nennleistung ein sogenanntes „One Hour Rating“ aus, dort hatten sich die 4PS versteckt – die Welt war wieder in Ordnung, denn dieser Wert ist im Datenblatt mit 50PS beziffert.
Für heute reicht´s ich gehe Duschen, dann treffen wir uns mit Ulrike und Gerald von der GIOIA zum Dinner.

Wir müssen ein bisschen warten und gönnen uns derweil einen Ouzo.
Die Speisekarte ist neu, es lohnt sich ein Blick auf die vielen angebotenen Leckereien und die unterschiedlichen Meze.
Offen gesagt, ich weiß sehr schnell was ich nehme – die Spare Ribs vom letzten Besuch waren einfach eine Wucht!

Auf einmal sehen wir die beiden Schwaben am Fenster vorbeihuschen – schnurstracks auf Dimitris´Taverne „O´ Karaflas“ zusteuernd.
Der Irrtum klärt sich wohl dort auf, denn bald schon finden die Beiden den richtigen Eingang und gesellen sich zu uns.
Die Beiden erzählen, dass sie sich sehr an ihre GIOIA gewöhnt haben und glücklich mit dem Kauf sind. Das freut mich, dann war meine Einschätzung damals ja nicht völlig verkehrt.
Inzwischen ist soviel Zeit vergangen, dass wir augenzwinkernd auf die Zeit zurückblicken können, zu der sie fast die Neueigner von NESSAJA geworden wären.
Das Schicksal hat es gerichtet – und es hat seine Sache gut gemacht.
Wir essen vorzüglich und haben einen sehr lustigen Abend!

Abends sacke ich todmüde ins Bett – was für ein Stress! Das war ja ein fulminanter Start in den Mai!
Zum Glück haben wir es „heute ruhig angehen lassen“!
Neuer Tag, neues Glück!
Gähn! Was habe ich gut geschlafen – ich strecke mich und schlummere noch ein wenig.
Komisch, mein Ohr bleibt hängen – was ist denn nun los???

Ja so ein Ärger! Der zweite Kissenbezug aus dem edlen, hautschmeichelnden Material wirft das Handtuch.
Zum Glück habe ich beide Baumwollbezüge gerettet.
Manchmal ist der Teufel eben ein Eichhörnchen, aber das wisst ihr ohnehin…
Für HP hingegen war Weihnachten! Zumindest für eine Stunde.
Er war genau in der entscheidenden Sekunde ans Waschhaus gekommen und hatte auf der Bank, auf welcher die gebrauchten Zubehörteile angeboten werden, eine kostenlose Standheizung abstauben können!
Schwer bepackt trat er den Rückweg an und wir hatten Gelegenheit den Wärmespender im Cockpit zu begutachten.

Tatsächlich hatten wir uns erst vor ein paar Tagen über eine Heizung unterhalten.
Hans Peter weiß natürlich, dass er, wollte er ab 2026 mit seiner Petra auch mal länger in Griechenland verweilen, dass er dann eben ein Heizsystem auf LIBERTÉ brauchen würde.
Da kam das geschenkte Gerät wie gerufen!
Entgegen dem Sprichwort, schauten wir dem geschenkten Gaul eben doch ins Maul und stellten rasch fest, dass diese Chinaheizungen nur scheinbar baugleich mit Eberspächer, Webasto und Co. sind.
Schon die Haptik war total anders – ich bleibe bei dem Begriff Billigschrott.
Wir waren rasch einig, das Ding kommt zurück auf die Angebotsfläche, soll sich jemand anderes freuen.
Hans Peters Weihnachtsfest endete somit abrupt!
Eine gute Ablenkung war, sich in die Arbeit zu stürzen.



Um den Tag abzurunden bestellen wir noch 80m 10mm Kette und haben dann Zeit uns zu freuen – Tagwerk geschafft.
Wir entscheiden, die Kette bei Panos in der Chandlery der Marina zu kaufen. Hin und wieder muss man ein Signal setzen, außerdem ist es eine Erleichterung, wenn die Arbeiter der Marina die schwere Palette direkt vor´s Schiff stellen.
Auf dem Weg zu Shop beobachten wir, wie ein sehr kleiner Minibagger, quasi ein Microbagger, unter der Anleitung seines Baggerfahrers, welcher größer war als der Bagger selbst, vom LKW geladen wurde.
Dies geschieht auf griechische Art und Weise – pragmatisch.
Arbeitsschutz wird überbewertet.
Der XXL Baggerfahrer fährt den XXS Bagger erst einen Meter nach vorne – dann fährt der Gabelstapler die Forke über die Ladefläche.
Zu guter Letzt wird der Baggergnom auf die Staplergabel des Gabelstaplers gefahren…

Sekunden später brummelte das wie ein Spielzeug anmutende Gefährt durch die Marina.
Ich mag solche Aktionen – Griechenland, mein Land!
Der Sommer war eingezogen, es mehren sich die Besuche der wohlbekannten Eismanufaktur.
Sehr häufig ist es Sibylle, die einen Abstecher vorschlägt. Natürlich schädigt sie damit ihren Ruf als „Spaßbremse“, bald wird sie als Naschkatze verschrien sein und als die, welche mich zu ungezügeltem Eisgenuss treibt 😉

Als wäre das nicht genug, steht heute Abend mal wieder eine Grillrunde auf dem Programm.
Diesmal in reduzierter Besetzung, denn auch für die bisher beteiligten Freunde ergeben sich neue Möglichkeiten mit anderen Crews unterwegs zu sein.
Genau das lieben wir, stetig neue Gesellschaft bringt auch stets abwechslungsreiche Gesprächsthemen und Kurzweil.



Inzwischen sind es weniger als zwei Wochen bis zu unserer Abreise nach Preveza.
Diese steht inzwischen fest, die noch in der Lieferung befindlichen Teile sind angekündigt und die Fähre und das Hotel gebucht.
Ich nehme dieses schmale Zeitfenster schon als „Druck“ wahr, es ist noch einiges zu tun und auch das Haus verlangt noch ein wenig Aufmerksamkeit.
Bevor wir abreisen, will ich zwei Themen auf meiner Liste mit einem Haken versehen.
Das eine ist der Garten – wir haben einer Gartenbaufirma den Auftrag gegeben, dass eine erste Ordnung im Garten gemacht wird und der wilde Bewuchs des Winters beseitigt wird.
Der Garten wird „sommerfein“ gemacht! Hier ist der erste Schritt getan…


Das zweite Thema ist unser Dach. Die Dachbaufirma hatte sich das Flachdach über das Regenwasser gesammelt wird, bereits letzten Monat angesehen.
Wir fahren also bei dem Handwerker vorbei und holen unser Angebot ab. Dieses ist überraschend günstig und ich sage sofort zu.
Bis zu unserer Abreise muss ich noch klären, wann die Instandsetzung stattfinden wird.
Mein favorisiertes Zeitfenster wäre die zweite Hälfte des Monats Juni.
Für zusätzlichen Zeitstress sorgen einige Freunde durch ungeplante Aktionen „auf Zuruf“.
Klar, ich will helfen, aber ich muss sehr aufpassen die rote Linie gegenüber der Marina nicht zu überschreiten, zudem darf ich meine geplanten Arbeiten nicht vernachlässigen.
An einem Morgen gehen HP und ich zu Heiners DAMIANA – Sibylle hat mich von Bord gescheucht, sie will das Deck schrubben. Im Vorbeigehen bitte ich sie, mit weicher Bürste quer zur Holzmaserung zu schrubben – ihre Erwiderung möchte ich euch hier ersparen, nicht druckreif – wieso ist sie so wenig entspannt??? 😉

Die Hilfe, um die Heiner HP und mich gebeten hatte, war schnell erledigt. Sein neuer, gebrauchter Plotter war rasch befestigt und der Probelauf war positiv.
Ein Reparierbier macht die Sache rund und die Essenrunde im „SouVLakki“ wie auch der anschließende Besuch bei „Repapis“ wurden von Heiner und Hannah gesponsert – dafür ein herzliches Vergeltsgott.

Die Schlagzahl bei Hans Peter und mir wird erhöht! Das Ruder MUSS endlich fertig werden!
Also ran – spachteln, schleifen, spachteln, schleifen…
Langsam wird es, noch zwei, drei Tage – dann ist das Ruder fertig!


Die Ergebnisse sind wirklich gut, die Schadstellen behoben, die Oberfläche ist wieder glatt und ordentlich.
Am frühen Mittag ist auch dieser Arbeitsschritt beendet und Hans Peter hat ein Date mit „Mario-Austria“.
Die beiden haben sich zu einem Tauchgang verabredet – den Grund könnt ihr sicher erahnen, die Fehlfunktion von SAGITTAs Propeller ist noch zu beheben.


Die Behebung war einfach. Wir haben die Theorie aufgestellt, dass beim Zusammenbau des Drehflüglers in Italien vor einigen Jahren ein Fehler passiert war.
Die Einstellung beim Abbauen im April war nicht plausibel und wir haben alles auf Sollwerte gesetzt – leider ohne Erfolg.
Jetzt haben die beiden Taucher die was taugen, den nicht validen, vorherigen Wert sogar um zwei Zähne höher gesetzt, wir befinden uns außerhalb der Skala.
Aber siehe da – die anschließende Probefahrt verlief mehr als erfolgreich – die kleine SAGITTA marschiert bei 2200rpm mit 6,5kn GPS Fahrt über Grund.
Das ist ein hervorragender Wert!
Ein Haken an diesen offenen Punkt – die Taucher reinigen und trockenen das Tauchequippment, ich wende mich einem weiteren „Sidekick“ zu.
Martins STENELLA braucht einen Moment Aufmerksamkeit!

Ich habe nämlich eine Nachricht von unseren Freunden aus Hessen erhalten, man hätte die Kartoffeln und Zwiebeln in der Bilge vergessen.
Natürlich will man nicht, dass das Gemüse dort vor sich hinfault und bäte mich, die Bilge zu leeren.
Diesem Wunsch entspreche ich gerne. Nun dürft ihr euch nicht vorstellen, dass ich einfach zum Schiff laufe, den Niedergang hinunter gehe und den kleinen Dienst ausführe.
Alleine das Suchen einer Leiter dauert im Frühjahr eine ganze Weile, ich muss mir Zugang verschaffen.
Aber was tut man nicht alles für gute Freunde…
Und weil ich gerade da bin, kann ich Martin auch seine gewünschten Bilder des Unterwasserschiffes senden.
Das Antifouling hält nicht auf den Edelstahlteilen, er müsse sich um eine Lösung kümmern.

Als Dankeschön für die Tauchaktion hat Eva einen Lasagneabend ausgerufen.
Hans Peter freut sich, Sibylle und ich sind Nutznießer. Bis zur verabredeten Zeit ist es noch eine Weile hin, ich habe aber geschafft, was ich mir für heute vorgenommen habe.
Wie toll! Da gönne ich mir doch einen Moment auf der Couch, einfach kurz die Seele baumeln lassen.
Kaum liege ich, rumpelt es an meiner Gangway. Ich höre meinen Namen und an der Stimme kann ich Felix erkennen.
Ich rapple mich also wieder auf und gehe nach oben um mit dem Skipper der ALLEGRA zu sprechen.
Er wolle sich verabschieden, man würde morgen zum Sommertörn ablegen. Dies wolle er nicht tun, ohne sich für meine Unterstützung bei einigen Kleinigkeiten zu bedanken – er überreicht mir eine Tüte eines Spirituosenhändlers.
Das freut mich! Ich bedanke mich und wir quatschen noch ein bisschen, dann zieht der Eidgenosse von dannen. Schönen Törn euch und auf bald!
Zurück im Schiff packe ich aus – oh, ein edler Gin, was für ein schönes Geschenk – DANKESCHÖN an die ALLEGRA Crew!

So verging die Zeit – Sibylle rief zum Abmarsch und ich hatte keine Minute mehr übrig mich noch einmal kurz hinzulümmeln.
Treffpunkt Bierbank – 18.00 Uhr! Jetzt!

Eine weitere Kleinigkeit welche sich zum Problem mauserte und für Zeitdruck sorgte, wurde von Hans Peter selbst eingesteuert.
Aus einem beiläufigen Satz wurde ein Thema welches mich nebenher über zwei Tage beschäftigt hat.
„Ich kann mein Internet nicht mehr prüfen, da funktioniert gar nix mehr!“
HP und ich sitzen auf LIBERTÉ, er erklärt mir die Fehlfunktion. Ok, so schlimm wie es zunächst klang ist es nicht – alles funktioniert, aber er kann die Kontrollseite nicht mehr aufrufen, eine Fehlermeldung von Cosmote.
Ich prüfe das auf NESSAJA nach, ich war lange nicht mehr auf dieser Seite…

Jetzt könnte man sich entspannt zurücklegen und warten, ob das irgendwann seitens Cosmote behoben wird.
Das machen wir auch, aber als nach ein paar Tagen immer noch nix geht, will ich das anpacken.
Ich frage in einer „Living in Leros“ Facebookgruppe und im „Mittelmeer Skipper Forum“ nach. Viele Expats und Langzeitsegler benutzen diese Datenkarte.
Vielleicht hat ja schon jemand das Problem gelöst.
Die Hotline kann ich mit meinem deutschen Mobiltelefon nicht anrufen und generell habe ich Zweifel, dass das Problem schnell gelöst wird.
Aus dem Forum kommt ein Tip – „…die App funktioniert!“
Also beginne ich, mir einen Account anzulegen und die inzwischen geladene App zu beleben.
Das ist ein zäher Prozess, weil Verifizierungs-SMS geschickt werden, welche nur auf griechischen Nummern funktionieren.
Zum Glück habe ich das Handy von der Marina noch.
Letztlich schaffe ich es, kostet mich aber einen ganzen Vormittag…

Ich gehe zu Hans Peter und teile ihm mit, dass ich eine Lösung habe. Er sieht mich verzweifelt an und überlegt ernsthaft, die Karte auslaufen zu lassen und eine andere Lösung zu suchen.
Just als ich ansetze, um ihm diesen Gedanken auszureden, rufe ich die Ursprungsseite noch einmal auf um das Thema aufzuzeigen – und was soll ich sagen…
Sie funktioniert wieder! HP ist happy und lädt sein Datenvolumen, ich bin auch happy, weil ich endlich von überall aus meine Daten managen kann.
Na dann, dann können wir ja endlich weiterarbeiten – die Zeit brennt unter den Nägeln und heute soll ein besonderer Moment folgen – das Ruder ist endlich fertig geschliffen und soll in die neuen Lager gesteckt werden.
Wird das Schiff hoch genug stehen???

Ok, wieder etwas geschafft! Das Ruder steht an seinem Platz, die neuen Ruderlager von LIBERTÉ sind installiert – bevor wir es final an seinen Platz heben können und dann auch den Quadrant anbauen können und somit das Lenksystem wieder komplettieren können, muss noch der obere Teil des Ruders gestrichen werden.
Verlieren wir also keine Zeit, ran an den Speck!

Auch heute gönnen wir uns eine Kaffeepause bei „Repapis“. Eva und Mario zieht es fast noch mehr dorthin als mich – ich habe den zwingenden Eindruck, dass sie ihre letzten Tage auf Leros genießen wollen.
SAGITTA ist fast fertig, es bietet sich also an, mit allen Freunden noch einmal schöne Urlaubsstunden zu verleben.
Diese Pause zwicke auch ich mir jeden Tag ab, soviel Zeit muss sein! Was ich nicht ahnen konnte, heute war ein besonderer Tag in der Eisdiele!
Eva wusste natürlich von Sibylles Diagnose bezüglich der rauen Hautstelle auf meinem Kopf, wir haben es erzählt und ich hatte ja auch Marios Mütze probiert…
Zu meiner Überraschung hatte sich Eva aber hingesetzt und über ein paar Tage eine „Greek-Style“ Häkelkappe für mich angefertigt – diese habe ich heute beim Eis als Geschenk bekommen.



DANKESCHÖN! Ich freue mich herzlich und aufrichtig – ich werde die Kappe regelmäßig tragen, sie hat das Zeug zum Markenzeichen!
Wir sitzen länger als geplant. Der Nachmittag verfliegt und bis wir zurück auf NESSAJA sind, war es schon Zeit um Vorbereitungen für das Abendessen zu treffen.
Heute ist mal wieder ein Griller angesagt, wir mobilisieren unser COBB Grills einmal mehr.
Heute haben wir Mireille und Roland eingeladen, auch sie freuen sich einmal mit uns beim BBQ an unserem neuen Grillplatz zusammenzusitzen.
Es ist fast ein temporäres Abschiedsessen, denn auch die Beiden wollen mit ihrer SUNNY SIDE UP bald schon auf Sommertörn gehen.
Wieder gibt es einen D-A-CH BBQ-Abend, wir sitzen mit HP, Eva und Mario und den Schweizern Mireille und Roland gesellig und relativ lang zusammen – herrlich!



Der neue Morgen empfängt uns mit einem Rätsel und einer „kannst Du schnell“ Aufgabe.
Das Rätsel gebe ich gerne an euch weiter – findet den Fehler!

Sicher habt ihr es sofort entdeckt! Die Flagge von Neuseeland hängt verkehrt herum.
Der arme Tropf der mit dem Aufhängen beauftragt war – er hat sich, ich habe es selbst gesehen, noch Gedanken bezüglich oben und unten gemacht, sich dann aber ohne Publikumsjoker für die falsche Lösung entschieden.
Da ich den Mann mag, öffne ich mein Steckschott und rufe seinen Namen, aber ich komme zu spät, er braust schon mit dem Mopped davon.
Ich kann mir seine nächsten 30 Minuten nur vorstellen, eines aber ist sicher – als ich in den Tag starte, hängt die Flagge richtig herum.
Was ist eine „kannst Du schnell“ Aufgabe – nun, der Name deutet schon darauf hin…
Jemand fragt entsprechend um eine kleine Hilfe, diese willst Du gerne geben, wohlwissend, dass dies deinen geplanten Tagesablauf sprengt.
Ich gehe heute mit Claude Gebrauchtwägen ansehen…

Ergeben hat sich das während des Osterfestes, zunächst als lockerer Gedanke.
Claude sucht ein billiges Auto, ich kenne Tasos, er bietet immer wieder welche an.
Was lag also näher als die Beiden zusammen zu bringen? Heute ist es soweit, wir treffen uns in Alinda, einen Wagen wollen wir gleich zusammen begutachten.
Der griechische Freund lässt natürlich auf sich warten – ich glotze derweil in der Gegend herum und zähle die verlorenen Minuten.

Irgendwann kommt Tasos mit Gattin am Roller herangebraust – großes Hallo, Küsschen links und rechts.
Dann tauschen wir uns aus – auf einmal spricht Claude von einem Wagen so zwischen 5.000.- und 6.000.-€, nicht so viele Kilometer in gutem Zustand…
Mir wird sofort klar, dass Tasos und Claude mit unterschiedlichen Ideen ins Rennen gehen. Tasos ist in dieser Klasse nicht so stark, die günstigen Wägen sind eher sein Metier.
Claude hat aber inzwischen seine Ideen angepasst…
Tasos reagiert gut und zeigt uns ein ganz nettes Wägelchen, welches ein Freund von ihm anbietet.

Generell nicht schlecht der kleine Flitzer. Leider nicht aufbereitet und mit leerer Batterie, ist der erste Eindruck nicht so toll, zudem ist er rund 1.000.-€ zu teuer.
Der Genickbruch war ein Irrtum beim Baujahr, das ließ das Vertrauen sinken und machte den kleinen Wagen uninteressant – aber 2017 und 2009 ist halt schon ein Unterschied!
Das vermeintliche Schnäppchen wurde auf einmal zu hochpreisig.
Wir zogen unverrichteter Dinge ab und ich schaute zu, dass ich auf schnellstem Wege in die Marina komme!
Heute wollen HP und ich noch die untere Saildrivemanschette nebst Befestigungsrahmen an LIBERTÉ montieren.



Da die Ecken dieser Manschette gelegentlich einen Schwachpunkt darstellen, haben wir uns für Verkleben plus dem Rahmen entschieden.
Ok, das bedeutet ein paar Sacklöcher zu bohren, aber dies stellt keinen hohen Aufwand dar.
Dafür ist, das kann ich selbst bestätigen, an dieser Stelle dann für viele Jahre Ruhe.
Ja, wir haben uns auch ein wenig ärgern müssen, aber HP und ich haben uns darüber ein Schweigegelübde auferlegt 😉 !
Auch sonst kommen wir gut an LIBERTÉ voran – am Folgetag streichen wir den oberen Ruderbereich mit Coppercoat, das alleine ist fast tagesfüllend.



Ich bin verschwitzt, an mir klebt alles – ich will mal wieder ins Wasser.
Die Badesaison läuft ohnehin schleppend an, aber Mario hat zuletzt eine Oberflächentemperatur von 20°C ausgerufen.
Dies gilt es heute zu testen – ich gehe mit Sibylle an den Marinastrand und stürze mich in flüssiges Eis.

Derart erfrischt, bleibt mir nur noch die Vorfreude – die Vorfreude auf eine Einladung an Bord der ANAHITA.
Hier kurz zum Namen – die Delta 46 von Alex und Antonia wird weiter ANAHITA heißen, nur das II im Namen muss weichen.
Hier im Maiblog ist dies noch gemischt zu lesen – aber jetzt gelobe ich Besserung und mache es richtig…
Wir sind also auf ANAHITA geladen!
Die Beiden wollen uns einen Sundowner anbieten, Danke sagen und sich auch verabschieden.
Es steht ein kurzer Segeltörn in Kroatien an, diesem folgt ein kurzer Heimaturlaub. Dann treffen wir uns wieder auf Leros, die Arbeiten an ihrem Projekt gehen dann weiter.
Wer den Beiden folgen möchte, klicht einfach mal auf Ateamsailing und schaut mal auf deren Blog nach.


Wir werden fürstlich bewirtet und umsorgt – erst ein leckerer Gin-Tonic nebst Knabberzeug, dann ein Bierchen, dazu reichlich Klönschnack, so wie man es sich eben vorstellt.
Zum Abschluss wird Pizza für alle bestellt und wir sitzen, bis es uns in dunkler Nacht frisch wird.
Schade, dass die Beiden jetzt unterbrechen müssen, wir haben uns gut angefreundet und ich mag es zuzusehen, mit welchem Enthusiasmus die jungen Eigner ans Werk gehen und ANAHITA vom Staub der Geschichte befreien.
Ich freue mich auf das Wiedersehen im Hochsommer.
Ein wenig untergegangen ist an diesem Tag die Ankunft von Ina und Ralf.
Klar, ein herzliches Hallo, man drückt sich und tauscht die Neuigkeiten aus – aber auch hier spürt man den Zeitdruck…
„Wir müssen gleich etwas sauber machen und einkaufen, außerdem sind wir groggy – morgen legen wir aber gleich los, wir haben vier Tage!“
Ja, und morgen ist heute…

Ich hatte mich vor Monaten angeboten, die Spachtel- und Schleifarbeiten zu übernehmen und bei der Vorbereitung des Unterwasserschiffes von CHILI zu helfen.
Das Arbeitspaket ist geplant und beginnt heute – ich schleife die Beschädigung an der Spachtelummantelung des Gusskiels ab und entferne dabei gleich den Rost.
Dann kann ich sofort eine Lage Epoxyspachtel aufbringen – fertig! Den Rest mache ich morgen nach dem Trocknen fertig.
Die Kleinreparaturen und das Anschleifen des Rumpfes erledigt Ralf selber, ich wechsle die Baustelle und sehe bei Hans Peter vorbei.

Auf HPs Baustelle herrscht Drama! Der Saarländer kann beißen, das weiß ich – und diese Gabe braucht er heute auch!
Die Kielsohle bietet sich zur Reinigung und Bearbeitung an, er kann parallel zu Ralf arbeiten und wir können Werkzeuge und Material hin und her tragen – so weit, so gut.
Aber Bavaria hat, diesmal ein Nachteil des preisbewussten Baus, anders als Hanse den Gusskiel nicht ummantelt und somit kann er ungehindert rosten.
Das kennt ihr vielleicht noch aus dem Monatsbericht in dem ich die grobe Kielsanierung beschrieben habe, diesmal muss er aber zuerst Rost klopfen…
Wie im Großschiffbau! Ich klopfe ihm auf die Schulter und sage nichts…

Wir fahren noch rasch zu Andreas Kritikos um eine fiese, grobe Zopfscheibe für die Flex des Freundes zu beschaffen, dann ziehen wir uns zurück.
Manchmal ist es besser nicht in erster Reihe zu stehen wenn die Arbeit so richtig grindig wird – ich habe für heute Feierabend und habe mir auch vorgenommen diesen zu genießen! Lazy Friday…
Tatsächlich fühle ich mich, um es mit den Worten von Mrs. King aus dem Eingangszitat zu sagen, während dieser Tage „privilegiert“!
Ich spüre einen gewissen latenten Druck, nicht zuletzt dadurch, dass an HPs LIBERTÉ noch eine ganze Menge Kleinigkeiten zu tun sind.
Manchmal braucht´s aber auch eine Pause – und die gönne ich mir heute Nachmittag am Strand von Panteli.

Sibylle erledigt noch einen Kontrollbesuch am Haus einer Freundin in Xirokampos, ich bin diesmal befreit.
So fahre ich alleine an den Lieblingsstrand, gehe einmal zum Abfrischen ins Wasser und bestelle mir dann ein kleines Bier.
DAS sind dann die Momente, warum ich hier bin. Die Seele baumeln lassen als Teil des Alltags – eigentlich alles andere als Druck, ich gebe zu, dass ich mich freue wenn mein „Projekt LIBERTÉ“ sich dem Ende zuneigt und mein Alltag sich wieder um ELOWYN und mein Häuschen in Plaka dreht.
Ich genieße mein Bier, schaue auf´s Meer und sinniere vor mich hin.

Der Moment wird perfekt durch die Musik der Wellen, wie sie so an den Kiesstrand rollen – ich bin fast sicher, dass ihr diese Melodie in den Ohren habt.
Dies war dadurch bedingt, dass noch ein wenig vom Südostwind der vergangenen Tage vorhanden war.
Die Bucht ist in diese Richtung offen und kleine Wellen rollten ungebremst an den Strand.
Ich habe die Zeit genossen, es war ansonsten weitgehend Stille, nur ein Spatz leistete mir Gesellschaft, er wollte wohl von meinen Chips partizipieren…

Da Sibylle in Xirokampos etwas länger brauchte als erwartet, kamen die Freunde mit ihr etwas später an.
Kein Problem, so hatte ich ein paar weitere Minuten Stille. Diese endete abrupt, als die Nachhut eintraf – durstig wie sie waren, bestellten sie noch vor dem Hinsetzen ihre Kaltgetränke! Bier, Ouzo und Aperol wurden aufgetragen…

Allzulang wollten wir nicht mehr sitzen bleiben. Die Sonne war hinter dem Hügel versunken und man spürte sofort, dass es frischer wurde.
Außerdem hatten wir ja einen Tisch im „Pirofani“ reserviert, da wollten wir nicht zu spät kommen.
So zogen wir zwei Häuser weiter und nahmen Platz. Wir bestellten nur Meze, davon aber wirklich reichlich, so dass wir alle auf unsere Kosten kamen.
Das Essen war vorzüglich und wir haben so richtig geschlemmt!

Diese Taverne hat sich auf unserer ewigen Bestenliste etabliert. Da ich das „Mylos“, welches wieder einen Titel als Gourmetadresse erungen hat, immer außen vor lasse, gehört dem „Pirofani“ der Titel „No.1 Fishtaverna“.
Die Meze sind ebenfalls ein Hammer, hier muss in der Over-All Betrachtung aber auch der Preis beachtet werden – daher ist meine „No.1 Mezedopoleia“ das „Tis Kakomoiras“.
Damit will ich keinem anderen nahe treten, ich liebe das Essen bei „Dimtris o´ Karaflas“, Mariettas „μπακάλικο με τσίπουρο“ ist sowieso etwas ganz Spezielles und natürlich auch die vielen anderen, die ich jetzt hier nicht aufzählen werde, aber schon mehrfach genannt habe – ich will keinen vergessen…
Generell kann man sagen – Leros ist mit guten Tavernen und Restaurants gesegnet.
Heute hatten wir zudem noch Glück!

Ein Bekannter aus der Marina feierte seinen 80. Geburtstag in einer vornehmlich eidgenössischen Runde.
Er hat sich zwei der Inselmusiker eingeladen, diese haben den ganzen Abend gespielt und natürlich auf diesem Weg alle Gäste unterhalten.
Wir haben artig gratuliert, uns dann aber wieder zurückgezogen und die Gesellschaft nicht weiter behelligt.
An der musikalischen Untermalung des Abends hatten wir aber unsere Teilhabe – manchmal muss einem das Glück eben hold sein.
So haben auch wir unser Beisammensitzen etwas in die Länge gezogen und es wurde später Abend bevor wir aufgebrochen sind.
Am nächsten Morgen galt es, den gespachtelten Kiel von CHILI zu begutachten…

Super! Die Spchtelmasse von Ralf war eine andere als das von uns meist verwendete, griechische Produkt.
Sie schien mir etwas geschmeidiger und weniger „grieselig“ – das sollte sich auszeichnen!
Das Ergebnis war so gut, dass nach dem Schleifen kein weiterer Spachtelgang mehr nötig war, der Epoxy-Primer konnte sofort aufgetragen werden.
Die Kielreparatur an CHILI war somit erledigt – dieser Druck fällt von mir ab.
Ein kleiner, neuer Sidekick kam von Seiten der Gartenbaufirma. Der Garten sei fertig, wir können diesen abnehmen und mögen dann bitte vorbeisehen um die Rechnung zu begleichen.
Das ist Ehrensache, das machen wir sofort!


Alles ok in Plaka – wir fahren zurück nach Lakki und bezahlen unsere Schuld.
An den Punkt „Garten zurückschneiden lassen“ kommt ein Haken!
Ich komme gerade zurück in die Marina um mit Hans Peter weiter zu arbeiten, da erhalte ich eine Nachricht am Mobile – das berühmt-berüchtigte BIMM!
Die TUULI ist noch einmal nach Leros zurück gekehrt und Kai und Anette möchten gerne etwas mit uns ausmachen.
Das freut Sibylle und mich sehr, habe ich meiner lieben Frau doch viel von dem netten Kontakt erzählt – ich habe die Beiden kennen gelernt, als Sibylle in Deutschland war.
Wir fixieren einen Termin und beiläufig frage ich nach einer Klimaanlage, welche die Beiden im Winter erwähnt hatten…
„Ach die, ja die kannst Du haben – für 100.-€, jetzt!“
Ok, dann halt – ich fahre mit Hans Peter nach Lakki und übernehme das gute Stück an der Betonpier – Kai bringt sie mit dem Dinghy von TUULI herüber.
Ich trage das Trum auf NESSAJA, dort findet sie ihren Platz.


Warum das? Weil sich unsere Aircondition während des letzten Sommers so bewährt hat, dass wir noch einmal aufrüsten wollen.
Es gibt kaum etwas schöneres, als kurz vor dem Einschlafen im Hochsommer, das Schlafzimmer von 30°C auf 25°C herunterkühlen zu können – ein Gamechanger den wir nicht mehr missen wollen.
Strom haben wir ja genug…
Sibylle war wirklich gespannt die Crew der TUULI kennen zu lernen, umso besser, dass wir uns heute Abend zum Dinner in Agia Marina verabredet hatten.
Unsere Wahl fiel auf das „Metzes“. Sibylle und ich sind etwas früher losgefahren um einmal in die Schaufenster der kleinen Läden zu schauen – klar, dass meine Frau etwas findet.
Aber sie bleibt selbstlos, es wird ein griechisches Kleidchen für Enkeltöchterchen Heidi.

Dann treffen die neugewonnenen Freunde mit dem Dinghy ein – wir begrüßen uns und ziehen schnell los zur Taverne, der Hunger ruft!
Zum ersten Mal in dieser Saison können wir am Abend draußen sitzen und essen. Die kleine Gasse in der das „Metzes“ liegt, hält den immer noch kühlen Wind ab.

Es passiert etwas, was ich lang nicht mehr erlebt hatte…
Sibylle bestellt einen Salat, auch Anette hat sich ein, vielleicht zwei Gerichte ausgesucht gehabt welche sie bestellt hat.
Klar, jeder ordert sein Getränk…
Dann holt Kai tief Luft und bestellt – eine Vorspeise, zwei, drei, ein Hauptgericht, und das noch – ach und das noch!
YES! DAS mag ich!!!
Ich schmunzle, füge noch zwei, drei Kleinigkeiten hinzu und sehe dem Dinner gelassen entgegen.
Wir essen gut und reichlich!


Wir essen „Greek-Style“, das bedeutet, dass jeder überall zugreift. Man futtert, man plaudert, man lacht!
Dann fängt man von vorne an – futtern, plaudern, lachen – wir haben Spaß, neue Themen und tauschen uns aus, ein sehr schöner Abend!
TUULI wird weiterziehen – ob und wann wir uns wiedersehen werden ist ungewiss!
Ich hatte ja schon oft geschrieben – Abschied nehmen gehört zu unserem Lebensmodell dazu.
Menschen kommen, Menschen gehen. Das hält Gespräche und Diskussionen interessant, ist aber gleichzeit auch schmerzhaft – besonders dann, wenn man echte Freunde gewonnen hat.
SAGITTA zieht weiter, wir müssen uns von Mario und Eva verabschieden, sie haben zunächst nicht geplant nach Leros zurückzukehren.
Natürlich bleiben wir in Kontakt und ja, wir haben auch ein Wiedersehen rund um die Hausrenovierung geplant – aber das Leben nimmt keine Rücksicht auf Pläne und wir müssen abwarten wie es sich entwickelt.

Am heutigen Morgen haben Sibylle und ich uns vorgenommen, entspannt und auch mit etwas Luxus in den Tag zu starten.
Es ist nicht nur Sonntag, es ist auch Muttertag – und unser Hochzeitstag.
Zu diesem Blumenstrauß an Gründen, wollen wir uns ein Frühstück gönnen – Sibylle wählt das „Coffee Lab“.
Ich warte an den Marina Sanitäranlagen auf meine Gattin…


Wir brummeln also nach Lakki und nehmen in der Filiale der griechischen Kaffeekette Platz.
Ich studiere gerade die Frühstückskarte und lese verlockende Worte wie „Scrambled Eggs“ oder „Omelette“, als mir stinkender Zigarettenmief in die Nase steigt.
Am Nachbartisch sitzt der Elektriker, welcher an seiner Krebserkrankung laboriert und zieht genüßlich an seiner Selbstgedrehten.
Sibylle sieht mich nur an, dann wechseln wir den Tisch…
Wir sitzen gerade, da zünden sich die beiden „Desperate Housewifes“ am neuen Nachbartisch ebenfalls ihre Glimmstengel an.
Ihr kennt diese langen, dünnen Zigaretten für den längeren Genuss?
Die beiden lederhäutigen Damen ziehen mit spitzen, rotgeschminkten Lippen an den Sargnägeln.
Zum Glück war es die Abschiedszigarette, als unser Essen kam hatten wir frische Luft.

Im sonst leeren Café setzt sich ein Engländer mit einer Gasflasche direkt auf den uns zugewandten Stuhl am Nachbartisch.
Näher kann man uns nicht auf den Pelz rücken, es sei denn, man würde sich auf den Schoß meiner Sibylle setzen.
So weit so gut – aber der Mann hatte einen guten Grund sich zum Kaffee zu setzen, er wollte schließlich telefonieren – und das tat er.
Wir schlürfen also gerade noch unseren Orangensaft, lauschen dabei dem Telefonat des Angelsachsen.
Ein eigenes Gespräch ist kaum mehr möglich, auch die leise griechische Musik verhallt in der Melasse aus knatschigen Tönen.
Ich muss weg! Jetzt!
Was könnte ich an meinem Hochzeitstag machen? Ich weiß! Ich bau mit Hans Peter dessen Ruder ein…

Ok, für einen Sonntag ist es jetzt genug! Die Komplettierung des Lenksystems verschieben wir auf morgen.
Ich helfe meinem saarländischen Freund noch bei dessen eTEPAI Beantragung, dann ist Schicht im Schacht!
HP streicht noch Epoxy-Primer auf Kielbombe und Ruderblatt, die Crew der CHILI ihre erste Lage Antifouling.
Ich nehme mir bei dieser Arbeitslage frei.

Als ich Ina hölzerne Komplimente für ihre Arbeitskleidung mache, setze ich – so meine Vermutung – einen Denkprozess bei ihr in Gang.
Sie dürfte vermutlich nach einer Argumentationskette gesucht haben, mich mundtot zu machen – diese Argumentationskette eröffnet sie mit einer Frage…
„Wie wär´s mit einem Espresso? Die „Roof-Top Bar CHILI ist bereits wieder eröffnet! Ein paar Nüsslein dazu?“
Mein Spot verstummt sofort! Bääääm, Volltreffer! Ich besinne mich auf Anstand und sage sofort zu.
Ina reißt sich die Papierpelle vom Leib und lädt zu Kaffeegenuss während ihrer Arbeitspause.

Eigentlich wollte ich mit Sibylle an den Panteli Strand zum Baden. Wir hätten in der Sonne sitzen können und einen Ouzo trinken.
Nun, dann halt nicht. Vielleicht geht sich ja heute abend eine köstliche Kaltschale im „La Palma“ aus.
Nach dem Kaffee haben wir die Gelegenheit, ein neues Seglerpaar in der Marina kennen zu lernen.
Annette und Achim haben mich über den Blog kontaktiert um ein paar Fragen zu den Möglichkeiten eines Bootsrefits auf Leros zu stellen.
Sie beabsichtigen ein Segelboot auf der Insel zu kaufen, welches zufällig in der Evros Marina stationiert ist.
Wir kennen das Boot, es ist ein besonderes Schiff, aber es ist noch zu früh darüber zu sprechen.
Jedenfalls hatten wir die Gelegenheit die Beiden zu treffen, uns kurz zu unterhalten und das wunderschöne Schiff einmal anzusehen.
Es würde uns freuen, wenn wir uns noch einmal mit etwas mehr Zeit treffen würden.
Ich gehe noch an den Strand zum Baden, dann ist es Zeit, sich für´s Abendessen fertig zu machen.
Wir sind heute mit Mireille und Roland im „SouVLakki“ verabredet.


Irgendwie war der Wurm drin – unsere Gruppe war auf einmal acht Personen stark, da kann ich bei entsprechender Grundlautstärke den Gesprächen nicht mehr folgen.
Für diese Grundlautstärke haben die Gäste der vielen anderen Tische gesorgt, man hatte das Gefühl, dass halb Lakki auf den Beinen war um Muttern zum Essen auszuführen.
Ich wünsche mir meinen Ouzo und fahre nach dem Essen Richtung „La Palma“ Café – sehe aber schon im Vorbeifahren, dass das Lokal bis auf den letzten Platz belegt ist.
So wende ich eben und folge den anderen ins „Repapis“, aber auch das Eis konnte diesen seltsamen Abend nicht mehr retten.
Na egal, vermutlich werden wir noch ein paar Hochzeitstage verleben.
Nach einer ruhigen und geruhsamen Nacht beginnt der neue Tag turbulent – gleich nach dem Einschalten meines Mobiltelefones, es war so gegen 06.30 Uhr, ertönte das bekannte BIMM.
Hans Peter fragt „Schon wach?“
Ich bestätige und schalte den Ton aus, es folgt ein Austausch – der Kerninhalt…
ALARM auf ANAHITA!!!

Ich gehe mit HP zum Schiff der neuen Freunde, die inzwischen zuhause angekommen waren.
In Deutschland ist es eine Stunde früher, dennoch erreiche ich Antonia, ich wusste, sie macht am Morgen immer eine Sporteinheit.
Wir tauschen uns kurz aus, kurze Zeit später kommt auch Alex in den Loop.
Inzwischen war es acht Uhr geworden, das Office war nun offen, ich konnte nach einem Ersatzschlüssel fragen:
Diesen gab es zum Glück und da kein Zweifel bestand, dass man handeln muss, habe ich mir Zugang zum Schiff verschafft.
Es bestand andauernder Kontakt zu Alex, das alles während sich dieser quäkende Alarmton ohrendbetäubend in mein Hirn fräste – ja, ich verspürte Druck, ich war „under pressure“ und ich fühlte mich alles andere als privilegiert.
Eher fühlte ich mich an diese Bombenentschärfer aus schlechten amerikanischen TV-Krimis erinnert…
Bereits beim Hineingehen war der Bereich aus dem der Ton schallte zu „fühlen“.

Der erste Verdacht, dass der darunter liegende Inverter das Signal abgibt zerstreute sich schnell.
Der Ton kam aus einer kleinen Klappe über der Türe, im Licht des Mobiltelefones konnte ich einen Lautsprecher erkennen.

Ich fasse mir ein Herz und ziehe blind ein Kabel ab – aus! Der schreckliche Ton war weg, es herrschte Ruhe an Bord.
Jetzt war auch der richtige Zeitpunkt um mit Alex zu telefonieren, das war bisher nicht möglich.
Ein Verdacht fiel recht schnell auf die Bilge – könnte ein Frischwassertank undicht sein?
Hatten die Verkäufer nicht so etwas gesagt?
Ich schalte die Bilgenpumpe ein und siehe da…

Ich fasse zusammen mit Alex den Entschluss, dass der Lautsprecher abgeklemmt bleibt und ich die Bilge noch über zweimal 12h beobachte.
Wenn der Tank nicht weiter ausläuft, dann vertagen wir die Reparatur bis zur Rückkehr der Beiden.
Not besteht auf jeden Fall keine, die Situation ist im Griff.
Für mich wird es Zeit für meine zweite Tasse Kaffee!!!
Hans Peter und ich beschließen, diesem tumultartigen Beginn des Tages einen handzahmen Verlauf folgen zu lassen.
Zuerst fahren wir zu Giorgos um dort zwei kleine Arbeiten zu besprechen, am Rückweg besuchen wir die Post in Agia Marina um das eTEPAI für LIBERTÉ zu bezahlen.
Die Poststelle hat seit Jahren eine zerborstene Scheibe am Schalter – mich fasziniert das gesplitterte Glas!
Ich mache ein Bild – dabei starrt mich die Dame HINTER der Scheibe fassungslos an.
Nun, sie ist gewohnt mich so zu sehen…

Zurück in der Marina zieht Hans Peter sich zum Laminieren seines Ankerpodestes zurück.
Da wir an dieser Stelle nicht zu zweit arbeiten können und ich, offen gesagt, auch keine Lust mehr zum Laminieren und Schleifen habe, ziehe ich mich zurück.
Ich besinne mich auf meine Pflicht nach EDINA zu sehen, Sibylle schlägt vor, meine Haare zu schneiden.
Warum nicht Beides? Die Zeit haben wir – also los…

Auf Eds CNB Bordeaux 60 sitzen alle Handgriffe. Ich starte den Generator und die Hauptmaschine, beides nehme ich etwas unter Last.
Ich sehe nach der Luftfeuchte und nach allen Bilgen.
Alle Bilgenpumpen laufen einmal, wir checken alle Batterien und, last not least, öffnen wir die Luken zum Lüften.
Diesmal muss ich noch den Chip für den Strom laden.
Das trifft sich gut, so kann ich im Office ein Schwätzchen mit den Damen halten und am Rückweg trinken Sibylle und ich einen Cappuccino im „Skipper´s“ welches letzte Woche für die Sommersaison eröffnet hat.
Nach einer Stunde sind wir zurück an Bord, machen Bilder und stoppen die Systeme. Danach wird das Schiff verschlossen und wir ziehen nach einer Sichtkontrolle an Deck wieder ab.
Sibylle schneidet mir am Rückweg die Haare, ich gehe am Strand baden um mir die Stoppel vom Körper und Kopf zu spülen, dann gehen wir zurück auf NESSAJA.
Von hier kann ich Ed Bericht erstatten – alles ok auf Deiner EDINA, Daumen hoch, wir sehen uns bald!

Den Rest des Tages verbummeln wir. Das klingt sehr gut, leider wurde dieses Tun sehr rasch mit einer Störgröße beaufschlagt.
Aus Preveza erhalten wir die Nachricht, dass es beim Aufriggen von ELOWYN zu Verzögerungen kommt.
Dadurch kann der Krantermin nicht gehalten werden, man schlägt eine Verschiebung um 5 Tage, auf den 24.05. vor.
Volker meldet sich, er will umplanen – aber unsere Fähre ist nicht mehr stornierbar, das Hotel und der Leihwagen sind gebucht.
Wir tauschen uns kurz aus, haben dabei leicht unterschiedliche Ansichten darüber, wieviel an ELOWYN für uns zu tun sein wird.
Wir werden morgen mal telefonieren, es gilt auch zu klären, ob wir einen früheren Termin aushandeln können.
Kritisch, weil weder Sibylle noch ich unsere Geburtstage im Fernbus verbringen wollen.
Zerstreuung holen Sibylle und ich uns beim Apero an Bord der AEGEAN BLUE. Rinaldo und Christa haben uns nebst Cees und Marijke eingeladen einen Drink mit ihnen zu nehmen.
Das freut uns sehr und so finden wir uns pünktlich um 18.00 Uhr an Bord ein.


Zusammen mit den Schweizern und Holländern, wir kennen beide Paare seit Jahren, sitzen wir gesellig zusammen und haben eine Menge Spaß.
Leider müssen wir nach eineinhalb Stunden los, denn wir sind mit HP, sowie Ralf und Ina zum Grillen verabredet.
Die gesellige Runde schreit aber nach einer Wiederholung – vermutlich aber erst im Juli!
Der Tag klingt in einer kleinen, gemütlichen Runde an den COBB Grills aus.
Ich muss sagen, ich gewöhne mich an diese Art zu essen und ziehe unsere Grillrunden dem Essengehen inzwischen vor.
Relativ spät ziehen wir uns zurück, es war inzwischen frisch geworden.
Morgen ist ein neuer Tag an dem es erstmal gilt unseren Reiseplan zu verifizieren.
Der Morgen beginnt mit dem Weckerklingeln um 06.30 Uhr – bevor ich mich der Reise nach Preveza widmen kann, haben Hans Peter und ich einen Termin bei Giorgos.

Mein Freund aus dem Saarland hat noch eine Reparatur an seinem Ruderquadranten mit dem Zampano der Schweißgeräte zu planen – dies ist schnell erledigt, man erdenkt Lösungen und hält den Juli als möglichen Termin fest.
Die Fahrt nach Kamara ist für mich eine gute Gelegenheit die eingesteuerten Davits für Rinaldos AEGEAN BLUE wieder mitzunehmen, sie sind inzwischen fertig.
Auch die Reparaturmodalitäten für den zweiten Tank von Gottfrieds HARMONY werden besprochen und der Reparaturauftrag erteilt.
Während HP mit Giorgos spricht sehe ich ein kleines Boot vor der Werkstatt stehen.
So etwas gefällt mir! Wenn NESSAJA einmal verkauft ist, dann werde ich mir so etwas zulegen – ein „VW-Bus auf dem Wasser“!

So jetzt aber – ich will, nein, ich muss heim und mich um meine Reise kümmern!
Wir fahren zurück in die Marina, ich ziehe mich an den Rechner zurück, Hans Peter widmet sich seiner neuen Ankerkette. Ich werde ihm später helfen.
Wieder tritt eine Verzögerung ein – ich bekomme eine Nachricht von einem jungen Mann, welchen ich über eine Audi A6 Gruppe in Facebook kontaktiert hatte.
Er hatte sich lange nicht gemeldet, ich hatte die Sache bereits ad acta gelegt.
Er entschuldigt sich höflich für die späte Rückantwort, er hätte das von mir angefragte, gebrauchte Ersatzteil und er würde ein paar Bilder anhängen…

Der Preis ist hoch, aber noch moderat und dem Marktpreis entsprechend. Da ich schon lange suche, entscheide ich kurzentschlossen und sage zu.
Weil ich ohnehin gerade am Rechner sitze, kann ich das Geschäft gleich final abwickeln, der Fertigstellung meines Mulis in Deutschland steht nun nichts mehr im Wege.
Auch die Umgestaltung unserer Reisepläne klappt dann ohne Probleme. Inzwischen hat auch die Marina in Preveza alle Folgetermine angepasst und bestätigt.
Volker konnte die Hotel- und die Mietwagenbuchung anpassen und somit können wir uns neu festlegen – statt am 15.05. werden wir Leros nun am 22.05. verlassen.
Um meinen „Bürotag“ zu komplettieren, sage ich den Krantermin und den Landliegeplatz für NESSAJA ab.
Sibylle und ich haben beschlossen, dass wir erst das Haus fertig machen und uns nach dem Umzug final um unser Schiff kümmern – eines nach dem anderen!
Am Spätnachmittag sind alle administrativen Themen eingetütet – ich kann wieder auf Hans Peters Baustelle gehen, um den Freund etwas zu unterstützen.


Fröhlich wie eh und jeh geht LIBERTÉs Skipper daran, seiner neu entdeckten Berufung als Graffiti Artist zu folgen.
Mit flinken Bewegungen aus dem Handgelenk sprüht er verschiedene Neonfarben gekonnt auf seine Kette.
Es scheint als folge er einem klaren Gedanken, fast so, als wolle er mit seinem Werk etwas besonderes zum Ausdruck bringen!
Schon bald kann ich es spüren – ich lag nicht falsch mit meiner Vermutung! Die Farbapplikationen vermitteln tatsächlich eine Botschaft!
10m – gelb, 20m – grün, 30m – rot…


Ich konnte nur mit ein paar Handgriffen unterstützen, ein wenig beim Umschlichten der schweren Kette helfen, dann war ich entlastet.
Sibylle und ich waren schon fertig für unser Abendprogramm, wir wollten nicht mehr zurück auf NESSAJA – was tun?
Ok, wir können rasch noch einmal nach ANAHITA schauen, das Problem mit dem Süsswasser in der Bilge ist zwar identifiziert – ein Tank tropft wohl nach – aber es ist nicht final gelöst, denn auch nach mehrmaligem Abpumpen läuft immer wieder Wasser nach.
Dies gilt es auch heute Abend noch einmal zu prüfen.


Auch heute gibt es keine Veränderung zu gestern, ich muss mit Alex und Antonia abstimmen, wie wir weiter vorgehen werden.
Immer noch haben wir eine Stunde bis zu unserer Verabredung zum Dinner.
Da beschließen meine Frau und ich kurzerhand einen Ouzo als Aperitif einzunehmen – wir fahren ins „Palma Café“, wir waren lang nicht mehr bei Elefteris und Valantis.


Wir haben eine gemütliche, entspannte Stunde, genießen den frühen Abend – ein schöner Augenblick.
Dann wird es Zeit zu bezahlen und nach Panteli ins „Pirofani“ zu fahren.
Dort sind wir mit Noam und Shira verabredet, mit denen wir den Abend bei einem feinen Dinner ausklingen lassen.
Noam ist Architekt und Shira ein Quell der Ideen – mit Beiden kreieren wir viele Pläne rund um unser Haus.
Wir diskutieren viel, haben viel Spaß und der Abend klingt spät aus.
Am Folgemorgen wache ich von einem Klappern auf. Im Halbschlaf sortiere ich meine Gedanken – klappert ein Schäkel an Deck oder höre ich etwa Inas Zähneklappern bis hierher?
Es ist windig, CHILI kommt heute in den Kran, das sorgt für Aufregung!
Das Klappern welches mich aus dem Schlaf gerissen hat ist jedoch das eines Schäkels…
Ich trinke meinen Kaffee und wackle zum Landliegeplatz der Hanse 418.

Wer genau hinsieht kann eindeutige Indizien bezüglich der aktuellen Spannungskurve erkennen – es liegt ein Knistern in der Luft.
Schutzmaßnahmen werden getroffen…
Nun, offen gesagt ist es immer etwas spannend, die erste Fahrt und das erste Manöver der Saison zu fahren – dies heute noch dazu bei kräftigem Wind.
Habt ihr gesehen wie weit die Sicherheitsvorkehrungen reichen? CHILI bekommt einen Kantenschutz!
Das verleitet Sibylle zu der Aussage „…sie sieht aus wie ein Boxauto“, womit sie einen Autoscooter meint.
Nun, in jedem Fall gilt – besser haben als brauchen!

Dann geht es los – mit dem Carello wird die stolze Yacht zum Kranplatz gefahren, das dauert immer ein paar Minuten, denn der Weg war diesmal relativ weit.
Sibylle und Hans Peter begleiten das Geschehen als Landteam, ich bin als Linehandler eingeteilt und gehe später mit an Bord.

Später wird das Schiff vom Wagen in den Kran genommen. Dieser hebt es hoch und dann hat der Eigner ein paar Minuten um die Auflagepunkte der Stützen sowie die Kielsohle mit Antifouling zu streichen.
Das war also Ralfs Marschbefehl – das teure Gemisch findet den Weg an die neuralgischen Punkte.

Dann geht es Schlag auf Schlag – der Kran fährt CHILI über das Becken, lässt sie ab und wir steigen zu.
Jeder Handgriff muss sitzen – das Schiff wird an allen vier Ecken befestigt, der Motor gestartet.
Die Gurte werden unter dem Bauch der Yacht hervorgeholt…
Die Marineros biegen mit dem Schlauchboot um´s Eck – es geht los.
Ina bugsiert die breite CHILI aus dem Becken und fährt die paar Meter bis zum Liegeplatz.
Bei kräftigen Böen und unter viel Geschrei der Marineros wird das Schiff sauber angelegt.
Die Heckleinen gehen über, die Murings werden gespannt – geschafft!
All´ die Aufregung umsonst – CHILI ist sicher zurück in ihrem Element!
In der Marina herrscht emsiges Treiben, der Grund ist ein aufziehender SE-Sturm!

Ich beschließe, dass ich dem „Hafenkino“ ein wenig zusehen werde, dafür wähle ich den meist exponierten Platz in der Marina – das „Skipper´s“.
Ok, ganz zufällig war die Wahl nicht, denn ich bin dort in einer halben Stunde mit dem Chef des Unternehmens verabredet.
Wir haben uns verabredet, weil wir beide es für notwendig hielten uns wieder einmal ein Update zu geben.
Ich habe die Option hier wieder zu arbeiten, noch nicht ad acta gelegt.
Ich erzähle vom Haus, meinem Sprachkurs und unserer Entscheidung auf Leros zu bleiben.
Ich berichte von ELOWYNs Refit und davon, dass das Schiff Anfang Juli wiederkommen wird.
Nico erzählt seinerseits von den Bauplänen der Marina und den Herausforderungen vor denen sich das Unternehmen sieht.
Wir versprechen uns in die Hand, dass unsere Pläne und Ideen noch valide sind und drücken unsere gegenseitige Hilfsbereitschaft, Freude und Loyalität aus.
Er weiß dabei, wie und wo ich agiere, er verläßt sich auf mich, dass meine „Eskapaden“ mit Freunden und mit Giorgos immer transparent und fair bleiben.
Ich gehe sehr zufrieden aus dem Gespräch und muss gleich weiter ins „La Nostra“ dort wartet Sibylle mit Hans und Brigitte – wir haben etliche Neuigkeiten bezüglich der Immobilien auszutauschen.
Donnerstag – heute wären wir abgereist, nun bleiben wir noch eine Woche.
Groundhog Day – und täglich grüßt das Murmeltier…

Ich sehe auf ANAHITA ein weiteres Mal nach dem Tankwasserverlust. Wieder ist Wasser in der Bilge.
Heute beschließen Alex und ich während eines Telefonates zu handeln – ich pumpe 330 Liter Über den Wasserhahn nach außenbords.
Weil ich die Aktion überwachen will, sitze ich fast eine Stunde an Bord der ANAHITA und sinniere.
So ganz ist mir die Ruhe aber nicht vergönnt, denn es purzelt eine Nachricht von Martin herein – ein Paket ist auf STENELLA gelegt worden, ob ich da mal nachsehen könnte und dabei „auch mal schnell“ die Batterien prüfen würde.
Der Tank ist leer, ich schließe den Hahn und stelle den Stromkreis ab. Dann verlasse ich den Dampfer und nehme mir vor, morgen noch einmal zu prüfen, ob diese Aktion hilfreich war.
STENELLA steht gleich nebenan, ich will „schnell nachsehen“.

Es war nicht einfach ein Paket das geliefert wurde, nein, ein Schlauchboot mit Festrumpf wurde auf dem Vordeck abgelegt.
Um das anzusehen muss ich an Deck, dann kann ich auch nach den Batterien sehen.
Aber dafür brauche ich eine Leiter, die widerrum sind alle vergriffen – die Suche kostet mich fast eine halbe Stunde.
Ich vertage den Kontrollbesuch auf morgen und hoffe, dass an Bord von ANAHITA alles klar ist, dann kann ich deren Leiter für STENELLA verwenden.
Da war er wieder – dieser latente Druck – „under pressure“!
Ich gehe auf NESSAJA und plane, mich für den Rest des Nachmittags zu verstecken.
Da sehe ich ein liegengelassenes SUP…

Inzwischen war unser Steg voll belegt, alle Crews latschen um das platte Brett herum – wie kommt es hierhin???
Nun, abermals ein Beweis für die Gleichgültigkeit und das egoistische Denken vieler Menschen.
Vor zwei Tagen legt ein Gastlieger aus Österreich an, der Bootsname wäre bekannt, tut aber hier nichts zur Sache.
Ich meine den Skipper zu kennen, nicke freundlich, aber Sibylles und meine Grüße bleiben unerwiedert, wir lassen es dann sein.
So weit so gut, nicht jeder Mensch muss kommunizieren wollen – nicht akzeptabel ist aber, wenn solche Zeitgenossen dann ihren Müll beim Ablegen einfach liegen lassen.
Nach mir die Sintflut! Wegräumen können es andere…
Für mich nicht mehr und nicht weniger als asoziales Verhalten!
Die Container für Müll wie diesen stehen vor dem Marinaeingang.
Sibylle hilft mir das Ding zur Tonne zu tragen – ich will es weghaben, bevor heute Nacht der Sturm kommt.
Danach ziehe ich mich zurück, ich habe heute keinen Bock mehr.
Sibylle hat gut gekocht, sehen wir, was die Sturmnacht bringen wird…

Die Nacht war tatsächlich unruhig, ich schätze Böen so um die 40-45kts – es soll sich nicht überheblich anhören, aber da haben wir schon heftigere Stürme erlebt.
Unsere NESSAJA liegt bei solchen Wetterlagen relativ ruhig und sicher – dementsprechend gut haben wir geschlafen.
Auch die Boote gleich an der Marina Außenmauer liegen sicher – bis auf eines…
CALA LUNA ist mit Patrizia an Bord auf Drift gegangen und konnte erst am anderen Ende der Bucht abgefangen werden:
Mit der Hilfe einiger Freiwilliger konnte die Skipperin das Schiff sichern und neu verankern – nun, Patrizia ist immer für einen Aufreger gut.
Wir konnten von hier aus nicht helfen, so starte ich mein Tagesprogramm – dieses beginnt abermals auf ANAHITA.

Ich schalte die Bilgenpumpe ein – es spritzt ein kleiner Schluck Wasser aus dem Schlauch, Ende!
Geschafft, es ist kein Wasser nachgelaufen, das Entleeren zweier Tanks hat Abhilfe geschaffen.
Das A-Team wird sich dieser Sache widmen müssen, aber für mich ist das Thema ad acta.
Ich bringe den Schlüssel zurück ins Office und schnappe mir die Leiter – jetzt kann ich auch einen Blick an Deck von STENELLA werfen.



Ok, die Jungs von der Marina hätten das Dinghy cleverer ablegen können, aber da an den Solarzellen wohl nichts kaputt gegangen ist und auch die Restladung über Solar ausreicht, tut dies in diesem Fall nichts zur Sache.
Abermals fühle ich mich bei meinem Tun beobachtet – hm, was kann das sein???
Der Marinachef ist es nicht, er läuft vorbei und winkt freundlich.
Auf einmal merke ich es – in der Ecke der Kutter und Barken sind es die Galleonsfiguren die mich anstarren 😉

Nix wie weg! Meine Aufgaben hier sind erledigt – ich zische ab zu unserer Baustelle, denn Hans Peter und ich wollen heute das Arbeitspaket Ruder abschließen.
Da es aber nur noch eine halbe Stunde bis zur Kaffeepause ist, beschließe ich, dass es sinnvoll ist, erst Sibylles Fahrrad zu Ioannis zu bringen um es dort auf Vordermann bringen zu lassen.
Dann würde ich Kaffee trinken, dann packen wir LIBERTÉ an – klingt nach einem guten Plan!
Leider wehrt sich das Fahrrad dagegen, auf die Ladefläche von HPs Ford Ranger zu passen – ich muss zur Selbsthilfe greifen und besinne mich auf meine Jugend.

Der Kaffee mundet, die Lebensgeister kehren zurück – ich bin voller Tatendrang.
Also klemme ich mich mit HP in die engen Heckkabinen der Bavaria 41H um den Quadranten zu montieren, die Lenkseile einzuhängen und das System einzustellen.
Danach gilt es den Ruderlagegeber und den Linearantrieb einzubauen – und schon hat auch dieser Themenbereich einen Haken.
Langsam kommen wir einen Ende näher, nach fast einem Jahr an Land!

Die Verschiebung unserer Abreise nach Preveza hatte eher kontraproduktive Folgen.
Ich war bis dahin „unter Strom“, ich spürte einen positiven Druck, das Ziel vor Augen – ein Privileg, um das Zitat noch einmal zu bemühen.
Mit dem Zeitgewinn von fünf Tagen kam etwas Entspannung in den Zeitplan – und sofort obsiegte die Faulheit!
Ich will es zugeben – die Luft war raus! Es wird Zeit, dass wir LIBERTÉ fertigstellen, dass ich sie aus meinem Kopf verbannen kann.
Wenigstens für ein paar Wochen…
Die Einladung bei Roland und Mireille zu einem Dinner in deren Haus kam mir wohl entgegen.
Wir würden sicher mehr über die Häuser sprechen, Bootsthemen hatten Pause.


Schnell nach drinnen, auf der Terrasse würden wir heute nicht sitzen können.
Innen war es, wie immer, gemütlich. Mireille und Roland hatten allerhand vorbereitet und es wurde ein geselliger Abend bei Ouzo, einem Bierchen und allerlei Leckereien.


Der Abend klang spät aus und wir fuhren im Sturm zurück auf NESSAJA – eine weitere schauklige aber sichere Nacht steht bevor.
Das Wetter am nächsten Morgen war unverändert. Dementsprechend langsam kamen Sibylle und ich in die Gänge.
Es war schon fast Mittag als wir zu einer Marinarunde aufbrachen und auch bei Hans Peters Baustelle vorbeisahen.
Ich begab mich gleich an die Arbeit, denn ich konnte helfen den Propeller zu montieren.
Dabei kam Hans Peters neue Nuss für die konische Propellermutter zum Einsatz – vermutlich das einzige Schiff in der ganzen Marina, bei dem diese Mutter exakt auf 70Nm Drehmoment angezogen ist.


Cool, mir wird in diesem Augenblick bewusst, dass dies der letzte „technische-mechanische“ Aufgabenpunkt auf unserer Liste war.
Für morgen hatten wir uns die Finalisierung des Coppercoat-Anstriches vorgenommen, dann würde mein Hilfeversprechen eingelöst sein.
Die restlichen Arbeitsschritte bis zum Krantermin am 29.05. macht HP dann alleine.
Nach meiner Rückkehr am 12.06. werden wir zunächst am Haus ein paar Arbeiten verrichten, dann seine Projekt „Einbau Wassermacher“ als Einzelthema starten.
Den Krantermin für NESSAJA habe ich streichen lassen, wir verschieben die Reparatur des Decks auf unbestimmte Zeit, zur Zeit brauchen wir unser Schiff zum Wohnen.
Das Verkaufsangebot steht, ich verfolge es aber im Moment ohne Nachdruck, wir haben andere Prioritäten.
Für heute ist Feierabend – morgen geht´s für mich auf zum Endspurt!

Da wir den Nachmittag nicht einfach verstreichen lassen wollen, ohne auch nur irgendetwas Sinnvolles getan zu haben, beschließen wir, dass wir die erste Fuhre an nicht mehr benötigten Dingen in die Garage des Hauses befördern würden.
So packen wir die Bierbankgarnitur, ein paar Kübel, die Schleifmaschine und unseren COBB Grill in den Pick-Up des Freundes und fahren damit nach Plaka.
Am Weg nehmen wir auch Sibylles Radl mit hoch zu unserem Haus…
Unser Stammtisch ist somit aufgelöst, den Treffpunkt unter LIBERTÉ gibt es nicht mehr.
Das letzte Trum, den 2024 gekauften Stuhl, übereignen wir hochoffiziell der Crew der ANAHITA, sie werden sich gelegentlich über eine Sitzgelegenheit freuen!

Nach soviel Schufterei vertragen wir ein Eis bei „Repapis“ – wir belohnen uns mit der leckeren, cremigen Köstlichkeit und freuen uns, dass der Sturm langsam ausklingt.
Man kann wieder kurzärmelig draußen sitzen.
Mein Blick bleibt an einem Plakat im Fenster des Eispalastes hängen. Es wird für einen Musikabend im „Leon Limani“ geworben.
Es spielen abermals meine Lieblingsmusiker.
Mal sehen, wir können das „Leon Limani“ nicht so recht leiden, der Begriff „Hafenspelunke“ trifft es aus unserer Sicht recht gut – obwohl die Kneipe bei Einheimischen sehr beliebt ist.
Vielleicht schauen wir mal vorbei…

Für den Abend hat Sibylle gekocht.
Wir waren im Mai schon oft beim Essen und ahnen, dass dies die nächsten Wochen auch nicht abreißen wird.
Da tut ein Tag gut, an dem man zuhause isst. Wir waren gerade fertig und eigentlich schon im Feierabendmodus, als Ina uns anruft und auf einen Drink auf die CHILI einlädt.
Also geben wir uns einen Ruck und machen uns auf zum Nachbarsteg D.


Hans Peter kommt auch dazu, so sitzen wir fünf beisammen und unterhalten uns über Gott und die Welt und über Dieselbakterien.
Als es schon dunkel und auch frisch ist brechen wir ab, morgen ist auch noch ein Tag, Sonntag, der Tag des Herrn.
Wer nun denkt, dass wir am Sonntag ruhen, der irrt gewaltig! Der Sonntag ist der ideale Tag um ein Werk zu vollenden – das sehen auch Hans Peter und ich so…
Also auf ans Werk, heute wird das leidige Thema Coppercoat ein für alle Mal finalisiert!
Der Tag selbst ist einer zum Zungeschnalzen, zum Heldenzeugen, ein Traumtag…

Ich treffe pünktlich an LIBERTÉ ein und erhalte abermals die Aufgabe des modernen Druiden.
Das macht mir nichts aus, etwas erstaunt war ich dann aber doch, als mein Freund HP mir eröffnet, dass er kein elektrisches Rührgerät dieser Größe besitzt.
Ich akzeptiere mein Schicksal und weiß, heute wird gerührt – zumindest für die nächsten zwei, drei Stunden!

Wie ihr ansatzweise erkennen könnt, habe ich mich über mein Schicksal, trotz der anfänglichen Akzeptanz, grün und blau geärgert 😉
Der Skipper selber trägt die kupferfarbene Masse auf die noch nicht gestrichenen Bereiche seiner Bavaria auf.
Er tut dies liebvoll, fast zärtlich – dies versöhnt mich wieder! Wer will nicht Teil einer solchen Geschichte sein???



Heureka! Ich habe es nicht zu glauben gewagt! Ich war in einem Zeit-Raum-Kontinuum gefangen – doch heute war der Tag an dem ich der Matrix der LIBERTÉ entkommen konnte!
Meine Versprechen sind eingelöst, ich habe mit Hans Peter alles was wir gemeinsam zerlegt haben wieder zusammengebaut.
Ab jetzt werde ich ihm wohl noch bei neuen Projekten helfen, das Refit von LIBERTÉ ist für mich jedenfalls heute beendet.
Die restlichen offenen Punkte arbeitet der Skipper alleine ab – ich bin frei, frei, frei 😉 – ein Teil des Drucks fiel von mir ab…
Hans Peter wusste, dass es Zeit wurde, unsere gemeinsames Projekt als beendet zu erklären – zumindest vorläufig.
Und er tat dies, wie er es nicht hätte besser tun können!


Wir bedanken uns artig bei unserem Gönner, plaudern noch ein wenig, dann trennen sich unsere Wege.
Sibylle hat heute abermals zuhause gekocht, wir werden die nächsten Tag und Wochen genug einkehren.
Spät am Abend ziehen wir uns in NESSAJA zurück!

Ein neuer Tag – ein besonderer Tag! Der 19. Mai ist der Ehrentag meiner lieben Sibylle – diesen gilt es in Ruhe und doch gebührend zu feiern.
Wir eröffnen mit einem Frühstück bei Marietta zu dem wir Hans Peter einladen.
Er ist Mitwisser, denn er ist im Moment der einzige Segelfreund in der Marina der um die Besonderheit des Tages weiß.
Später stelle ich zu meiner Überraschung fest, dass auch Berthold von der KARO informiert ist, das erschließt sich mir leider zu spät…


Ok, einen kleinen Dämpfer mussten wir beim Start in den Tag einstecken, denn meine GS versagt just heute.
Ein Druck auf den Starterknopf – nix! Aus! Tot!
Die Batterie, welche vor ein paar Wochen schonmal gezickt hat, ließ sich nur über die Zeit retten.
Just heute stirbt sie den Heldentod nach nur zweieinhalb Jahren. Die dauernde Kurzstrecke zollt ihren Tribut!
So war es leider notwendig, nach dem Frühstück den maladen Stromspeicher auszubauen und kurz bei Loukas vorbeizusehen, um dort um einen neuen Akkumulator anzuhalten.




Er hat leider den exakten Typ nicht auf Lager, bietet mir aber eine Bestellung aus Athen bis MORGEN an.
Das riskiere ich! Ich bestelle das Ersatzteil und friere die Arbeiten an meiner GS ein.
Um am Geburtstag meiner Gattin mobil zu sein, hole ich den für Mittwoch reservierten Leihwagen eben heute schon ab und nehme diesen für drei Tage.
Derart gerüstet, kann ich Sibylle den Wunsch nach einem Nachmittag am Panteli Strand erfüllen!



Ich gehe Baden und schwärme Sibylle von dem kühlenden, belebenden Effekt des zirka 20°C „warmen“ Wassers vor.
Sie gibt sich einen Ruck und will einen Versuch wagen – aber zu mehr als einem Kneipp-Effekt langt es am heutigen Tag noch nicht.
Ich gehe noch ein zweites Mal, Sibylle zieht es vor ihre Geburtstagsmails zu beantworten…

Damit hatte sie übrigens alle Hände voll zu tun! Alle Kinder, Familienangehöre, Freunde und Bekannten haben an sie gedacht und auf allen Kanälen Glückwünsche geschickt!
So war sie während unseres Eisdielenbesuches recht beschäftigt…

…und auch, als wir zurück an Bord von NESSAJA waren – sie hat sich sehr gefreut, von allen Menschen zu hören, welche ihr am Herzen liegen.
Der Abend wurde zu einem Überraschungspaket. Sibylle selber war nämlich unschlüssig wie sie diesen verbringen wollte.
Als ich bemerkt habe, dass sie unentschlossen herummäandert, habe ich ihren ersten Impuls aufgegriffen und eine Runde mit zwei befreundeten Paaren gebildet – ich habe für uns, sowie Ina und Ralf von der CHILI und Brigitte und Hans von der BARCASO einen Tisch im „Pirofani“ reserviert.

Sehr witzig war, dass unsere Gäste nichts von ihrem Glück wussten – wir wollten weder, dass sie sich viel Kopfzerbrechen über irgendwelche Geburtagsgeschenke machen müssen, noch wollte Sibylle, dass eine Art Verpflichtung entstehen könnte – es ging uns um das gemütliche Beisammensitzen, sonst nix.
Als Sibylle dann „ihr kleines Geheimnis“ gelüftet hatte, war das Geschrei natürlich groß – darauf musste gleich noch einmal angestoßen werden!
Es wurde spät, recht spät!

Und als wäre es nicht genug, laden Brigitte und Hans noch auf einen Absacker in Form eines Glases Sekt an Bord der BARCASO – man müsse zumindest einmal gehörig anstoßen…
Recht haben sie! Prost und gute Nacht!
Der kommende Tag läuft schleppend an – wir fahren Sibylles Roller in die Garage unseres Hauses und sehen am Rückweg bei Loukas vorbei.
Tatsächlich ist die Lieferung aus Athen pünktlich gekommen und ich kann meine Batterie gleich mitnehmen.
Logisch, dass ich diese auch gleich vorbereite, kurz durchlade und dann verbaue.
Auch die GS bringen wir dann in die Garage nach Plaka. Unsere Vorbereitungen für unsere Reise sind gestartet!



Den Rest des Tages verbringe ich knieend vor dem Motor von CHILI. Ina und Ralf haben mich um so etwas wie eine Art „Einweisung“ gebeten.
Wie geht Entlüften, wo sind Keilriemen und Impeller zu finden und wie werden sie eigentlich ersetzt?
Was ist im Notfall auf See mit Bordmitteln zu bewerkstelligen?
Wir beschäftigen uns den ganzen Nachmittag mit dem neuen Yanmar 4JH57 und können allerlei offene Fragen abhandeln.
Ralf, seineszeichens Architekt, verspricht mir, einmal über meinHaus zu schauen und ein paar Ideen einfließen zu lassen.
Wir sehen uns das Haus zusammen an und ich schicke ihm die Pläne – das freut mich jetzt…
Heute trudeln auch Neuigkeiten von Martin und Petra ein, leider sind dies keine wirklich erfreulichen!

Aus privaten Gründen mussten die Beiden ja vorzeitig abreisen und werden wohl auch erst im Herbst wieder kommen können.
Die Sommersaison fällt somit flach und die Marina reagiert sofort – STENELLA wird umgestellt und bekommt einen Platz in „unserer Ecke“, damit sie anderweitig nicht stört.
Wir werden ein Auge auf die kleine Schönheit werfen…
Nur noch ein Tag, dann starten wir unsere Reise nach Preveza – dann holen wir ELOWYN.
Der Tag den es noch zu meistern gilt ist nicht irgendein Tag, heute ist mein Geburtstag, ich darf zwei Tage nach Sibylle feiern.
Zum Start in „meinen“ Tag, koche ich mir ein Haferl Kaffee – es muss nicht erwähnt werden, dass mein Telefon ein paar BIMM raushaut, als ich den Flugmodus abschalte.
Ich setze mich hin und studiere die ersten Nachrichten von Freunden, welche gratulieren…

Eine Nachricht von meinem Sohn kommt – „Schon wach?“ – ich bejahe und telefoniere dann mit ihm.
Das bringt Sibylle auf den Plan. Meine gute Gattin wird wach, rappelt sich auf und gratuliert mir.
Dann machen wir uns fertig zum Frühstücken, heute geht es ins „La Palma“ Café.
Wir sammeln Hans Peter ein und tuckern mit dem Kleinstwagen, einen Hyundai i10 in gold, nach Lakki.

Das Frühstück ist echt nicht schlecht. Große Portionen, gut angerichtet und gekocht, das ganze preiswert.
Wir gönnen und Kaffee und Tee, Orangensaft und ein XXL Omelette. Damit der Hungerast nicht zuschlägt, gibt es noch Schinken-Käse Toast.
Die dazugelegten Pommes hätte es zum Frühstück nicht gebraucht, lecker waren sie allemal.


Wir sitzen eine ganze Weile, frühstücken in Ruhe und gönnen uns einen zweiten Kaffee.
Wir klönen und haben Spaß, so mag ich den Start in den Geburtstag.
Danach fahren wir zurück auf NESSAJA. Für HP gehen die Arbeiten an seiner LIBERTÉ weiter, Sibylle und ich beginnen, für unsere Abreise heute Nacht zu packen.
Dafür gönnen wir uns bis zum frühen Nachmittag, dann zieht es mich ans und ins Meer.
Ich möchte gerne am Panteli-Strand im „Sorocos“ Café sitzen und ein kleines Bier trinken.
Gesagt, getan – meine Frau erfüllt mir diesen Wunsch…


Was fehlt noch zum „perfekten Tag“? Genau – ein großes Schlemmereis bei „Repapis“.
Dass sich dieser Wunsch ebenfalls erfüllen würde, wusste ich schon seit dem Frühstück.
Hans Peter hat eine Geburtstagseinladung zum Eisgenuss ausgesprochen und wir waren für den frühen Nachmittag verabredet.
Also nix wie hin! Auf zum Eispalast!

Nach dem Eis müssen Sibylle und ich noch einmal ran. Wir haben fertig zu packen und auch auf NESSAJA müssen wir „klar Schiff“ machen.
Aber nach so vielen Jahren an Bord, sitzt jeder Handgriff und wir sind relativ früh fertig.
Als hätte ich noch nicht genug Genuss an meinem Geburtstag gehabt, lädt mich meine Frau zu einem Aperitif ins „Skipper´s“.
Dort wollen wir die Wartezeit bis zum Verlassen unseres Zuhauses verbringen.



So sitzen wir ein, zwei Stunden und warten, bis der Abend hereinbricht. Die Tage sind lang um diese Jahreszeit!
Auch unser Abreiseabend wird wohl lang werden! Die Fähre geht erst um 00.35 Uhr, wir wollen also aus dem Geburtstag herausfeiern.
Erst gibt es ein gemeinsames Pizzaessen mit Freunden, dann einen Absacker für alle die noch können und wollen – und dann, so hoffen wir, können wir direkt auf der Fähre einchecken.
Soweit der Plan – deshalb verlassen wir NESSAJA um kurz vor 20.00 Uhr mit Sack und Pack!


Wir haben im „La Nostra“ wirklich gut gegessen. Ich bilde mir ja ein, dass die Pizzen verlässlich noch etwas besser geworden sind.
Irgendwann haben wir beschlossen, unseren Ouzo als Absacker nicht hier sondern im „La Palma“ zu uns zu nehmen.
Wir sind also weitergezogen – ohne Hans Peter, der als absoluter Nichttrinker sich den Folgeminuten vermutlich entziehen wollte.
Ist verständlich…
Denn es blieb, als hätte man es geahnt, nicht bei einem Ouzo! Ein Bier dazu macht das Ganze zu einem griechischen Herrengedeck und dann hat uns auch noch der Wirt eine Flasche Rakomelo hingestellt – der griechische Pitcher!

In bester Stimmung mussten Sibylle und ich die Runde auflösen – die Fähre war auf der Zielgeraden, schnurstracks in Richtung Lakki Bucht!
Wir trennten uns von den Freunden und Geburtstagsgästen – bis bald! Bis Mitte Juni…
Dann fuhren Sibylle und ich die 300m mit dem Leihwagen zum vereinbarten Abstellplatz und parkten diesen dort.

Bis wir zum Anleger gelaufen waren, kam der blaue Koloss auch schon durch die Bucht gefahren.
Ein paar Minuten später legt die BLUESTAR PATMOS in Leros an. Passagiere steigen aus, Mopeds und Autos kommen aus dem Bauch des stählernen Riesen gefahren.
Dann sind wir dran, wir dürfen boarden!


Sibylle und ich sind inzwischen ein eingespieltes Team. Ich bringe die schwere Tasche in den Gepäckraum, sie geht mit dem Kabinengepäck zur Rezeption und holt den Schlüssel.
An der Rezeption treffen wir uns und gehen auf unsere Kabine.
So auch dieses Mal, alles klappt reibungslos, es dauert nur circa 10 Minuten bis wir in unserer Außenkabine sind.


Diesmal verzichten wir auf den obligatorischen Ouzo als Absacker. Diesen hatten wir schon im „La Palma“ zu uns genommen und durch die etwas spätere Abfahrtszeit der BLUESTAR PATMOS sind wir hundemüde und auch ein wenig matt.
Wir freuen uns auf´s Bett und hauen uns sofort in die Falle.
Am nächsten Morgen wache ich vor dem Weckerklingeln auf. Ich dusche und habe den Wunsch nach einem Kaffee.
Ein Kontrollblick auf die Karte zeigt, dass wir zwar Piräus vor dem Bug haben, es aber doch noch etwas dauern wird bis wir ankommen.
Ich lasse Sibylle noch etwas schlafen…


Ich habe gut geschlafen und bin seit meiner Freisprechung von Hans Peters Aufgabenpaket etwas entlastet – wer nun aber denkt, dass dieser Blog zu Unrecht den Titel „Under Pressure“ trägt, der irrt gewaltig.
Wenn Dein Umfeld nicht für Druck sorgt, dann machst Du es selbst…
Wir hatten geplant, dass wir um 10.35 Uhr in Piräus ankommen, dort etwas frühstücken und dann mit dem Bus zum Busbahnhof für Fernbusse fahren.
Unser KTEL Bus nach Preveza würde um 15.00 Uhr gehen – ein entspannter Plan!
Doch dann kam alles anders!

Ich trinke mit Sibylle einen zweiten Kaffee – der Ober kommt, kassiert ab und erwähnt beiläufig, dass wir um 09.25 Uhr ankommen würden!
Mehr als eine Stunde vor der Zeit…
Sibylle greift sofort zum Taschencomputer und bemüht über Google den Fahrplan der KTEL.
Gibt es einen Bus VOR dem geplanten? Wenn ja, wann fährt dieser ab?
Und siehe da – um 11.00 Uhr geht auch einer! Da war er wieder – der Druck. Er hat sich gemein angeschlichen und ist durch die Hintertüre in meinen Tag getreten.
Wir kommen an, Sibylle hetzt zum Taxi, das brauchen wir jetzt um es rechtzeitig zum Busbahnhof zu schaffen.
Ich hetze mit der schweren Tasche hinterher, die Tasche, die übrigens Sibylle gehört – ich reise mit kleinem Gepäck.
Wir bekommen ein Taxi, springen hinein und der Fahrer saust los – er meint wir können es schaffen!

Wir schaffen es eigentlich völlig pünktlich. Sibylle hat im Taxi zwei Online Voucher gebucht und bezahlt, wir gehen zum Schalter, bekommen Papiertickets und „checken ein“.
Dann gehen wir zur Plattform 10 und warten auf unseren Bus nach Preveza.



Es handelt sich um relativ moderne Überlandbusse, meist MAN oder Mercedes Benz.
Wir warten geduldig, haben immer ein Auge auf unser Gepäck. Der Taxifahrer hat uns gewarnt, hier treibt sich wohl allerhand Gesindel rum.
Aber alles klappt bestens und wir dürfen pünktlich unseren reservierten Sitzplatz in der Reihe direkt an der hinteren Türe einnehmen.
Ich mag diesen Platz, er bietet etwas Freiraum und man hat keine Klapplehnen vor sich.
Pünktlich um 11.00 Uhr fahren wir ab!

Die Fahrt ist mit viereinhalb Stunden geplant, es gibt stündlich eine Toilettenpause, in der Mitte eine etwas längere Kaffeepause.
Das Publikum ist gemischt, aber auch hier ist Rücksichtslosigkeit zu beobachten.
Die einen telefonieren laut und mit Freisprechen, die anderen schauen YouTube Videos an – natürlich auch über Lautsprecher.
Es müsste mal jemand so kleine Lautsprecher für ins Ohr erfinden – das wäre toll!
Mich nervt´s und ich merke rasch, Busfahren werde ich von meiner Liste der alternativen Reiseoptionen streichen.
Etwa bei Patras geben wir Volker Bescheid und senden einen Live Standort. Der Freund, welcher schon gestern angekommen war, sagt uns zu, uns am Busbahnhof in Preveza abzuholen – und das klappt pünktlich und perfekt!
Etwas später schon, kommen wir in unserem Boutique Hotel in Preveza Stadt an.


Das „Dioni“ Hotel in Preveza ist ein schönes Hotel! Ein Altbau und ein komplett neu renovierter Bau bilden ein geschmackvolles Ensemble.
Unser erster Eindruck ist schon ein ganz toller, dieser bestätigt sich auch in unserem Zimmer.
Für die zwei gebuchten Nächte beziehen wir eine komfortable Junior Suite.
Hierein paar Impressionen, damit ihr eine Vorstellung habt.




Wir haben kaum unsere Taschen abgestellt und sind noch mitten am Auspacken – da klopft es an der Tür…
Nanu, wer kann das sein???
„Happy Birthday to youuuu, happy Birthday touuuu youuuuuuu….“
Alles klar – Volker!
Es hat ihn wohl in den Fingern gejuckt – auf jeden Fall überreicht der Freund zwei nachträgliche Geburtstagsgeschenke von Tina und sich selbst.
Sibylle bekommt so eine Umschnalltasche speziell für Hundehalter – sehr hilfreich für sie, wenn sie auf Leros zu den Hunden im Shelter fährt!

Auch ich bekomme ein Päckchen vom Freund überreicht – etwas Weiches, sicher Stoff…
Was kann das sein???
Die Überraschung war riesig!!!


WIE WITZIG!!! Ich bekomme vier T-Shirts meines bevorzugten Herrenschneiders geschenkt – alle individualisiert!
Am rechten Arm der typische Schriftzug meines Patenschiffes im unverkennbaren ELOWYN-Design, auf der Brust eine kleine Figur welche mich über viele Jahre schon, immer wieder einmal einholt.
Ich denke jeder kennt ihn – meinen Namensvetter, den Klempner aus einem seeeehr bekannten Videospiel 😉
Überraschung gelungen! Und was machen wir jetzt? Heute nix mehr. Es ist Spätnachmittag und Volker ist mit seinem Tagwerk an ELOWYN fertig.
Wir werden morgen in den Arbeitsablauf einsteigen.
Für heute ist ein Moment des Ankommens angesagt – was würde da besser passen als ein Bierchen am Hotelpool???

Aus dem veranschlagten Bier werden zwei, dann ruft Sibylle zum Aufbruch.
Sie sei hungrig und wolle etwas essen.
Wir vereinbaren, uns in 30 Minuten am Hoteleingang zu treffen, dann stürzen wir uns ins Getümmel von Preveza Stadt.



Wir haben gut gegessen und hatten einen herrlichen und kurzweiligen ersten Abend.
Es gab viel zu erzählen, viele nette und neue Geschichten auszutauschen.
Natürlich haben wir auch die Pläne der nächsten Tage besprochen, denn ab morgen beginnt ja unser Pflichtprogramm an ELOWYN, die noch an Land steht.
Der Krantermin ist für morgen um 13.30 Uhr anberaumt, wir haben davor noch einige Handgriffe zu erledigen.
Aber das ist morgen! Für heute reicht es erst einmal. Wir gehen zurück ins Hotel und fallen todmüde ins Bett.
Die Reise und die vielen Eindrücke haben uns erstmal geschafft – wir sind matt und schlafen sofort ein.
Der neue Morgen beginnt mit einem Frühstück auf der Dachterrasse des „Dioni“ Hotels.



Dann endlich ist es soweit – wir fahren in die „Cleopatra Marina“ und ich sehe mein Patenschiff wieder, das erste Mal nach mehr als einem halben Jahr!
Und was soll ich sagen – sie ist wunderschön geworden! Sie ist von der blauen Schönheit zu einem weißen Schwan geworden!
Sie sieht aus wie ein neues Schiff! Ich bin schon überwältigt…

Uns bleibt genug Zeit um zu staunen und das neue Gesamtbild auf uns wirken zu lassen.
Dann aber ruft die Pflicht, der Zeitdruck kommt zurück. Uns bleiben wenige Stunden, bis der schicke Dampfer in den Kran kommt.
Wie schon angesprochen galt es, alle Vorbereitungen für das Kranen und das anschließende Verholen an den Liegeplatz zu treffen.
Fender anbringen, Festmacher bereitlegen – ich kümmere mich um den Probelauf der Hauptmaschine und um technische Gegebenheiten, Volker hat mit administrativen Aufgaben rund um die Marina alle Hände voll zu tun.
Dann ist es soweit…

Plötzlich – viel zu früh – steht einer der Kranfahrer bei uns am Platz und informiert, dass wir jetzt geliftet würden.
Der Grund für das frühe Anheben liegt darin begründet, dass für ELOWYN mehr Zeit benötigt wird, um die Flächen zu streichen, welche jetzt noch von den Stützen bedeckt sind.
Ein weiterer Grund für einen höheren Zeitaufwand ergibt sich durch den Liftkiel des „besonderen“ Schiffes.



Das Anstreichen der Flächen dauerte schon noch einmal eine Stunde. Wir haben uns zunächst einen Kaffee in der Marinataverne „Celest“ gegönnt, dann die restliche Wartezeit abgesessen.
Fertig! Es geht los – dachten wir. Wir selber haben vergessen, dass noch eine unberücksichtigte Fläche im Verborgenen ist – das sollte sich nun zeigen, als der Kiel wieder angehoben wurde.
Dies hat noch einmal für Verzögerungen gesorgt.


Dann aber – jetzt endlich geht es los!
ELOWYN wird Richtung Kranbox gefahren, in wenigen Minuten schwimmt sie wieder – nach einem halben Jahr Refit!
Wir alle sind super gespannt und freuen uns auf den „besonderen“ Moment!



Sibylle und ich steigen zu, wir helfen das Schiff an seinem Platz in der Marina anzulegen.
Der Wasserliegeplatz ist noch bis 28.05. für uns gebucht – an diesem Tag wird Tina ankommen und wir werden die Weichen neu stellen.
Uns ist bekannt, dass wir längsseits an Steuerbord anlegen sollen. Das bedeutet, wir müssen die Fender und Festmacher umhängen – dies ist bei ELOWYN kein Kinderspiel, denn die Fender sind beispielsweise so schwer, dass Sibylle sie nicht tragen kann.
Also fahren wir kurz in die Bucht um die Vorarbeiten zu erledigen, das bewährt sich als gute Taktik – in Ruhe und besonnen handeln…

Der Anleger klappt perfekt, die Marineros in der „Cleopatra Marina“ sind aber auch echt auf Zack!
Nach wenigen Minuten liegen wir sicher und komfortabel an unserem Platz – hier werden wir die restlichen Nacharbeiten des Refits und die Vorbereitungsarbeiten für unsere Reise abschließen.
Denken wir zumindest…


Wir machen noch ein paar Handgriffe, um die erste Decksordnung herzustellen, legen Strom und Wasser, dann reicht es uns für heute.
Wir fahren zurück ins Hotel, dort wird heute die letzte Nacht sein, morgen checken wir aus und ziehen auf ELOWYN.
Daher wollen wir auch heute die Gelegenheit nutzen, noch einmal ins Steakhaus „Kalofagas“ zu gehen.
Diese Adresse kennen wir von unserem Besuch im Oktober und wir hatten uns vorgenommen dort noch einmal aufzuschlagen.
Der richtige Tag dafür ist heute – wir können noch ein letztes Mal auf unsere Geburtstage anstoßen und dann das Launching von ELOWYN feiern.




Es war ein toller Abend – Vasso war, wie auch letztes Mal, unsere Bedienung. Sie hat uns wiedererkannt, ihre „Performance“ war diesmal aber eingeschränkter – man merkt die Saison…
Glück hatten wir zudem, da an diesem Tag Live-Musik gespielt wurde. Ganz andere griechische Musik als auf den Inseln.
Weniger einprägsam, mehr Mainstream, aber die ideale Begleitung oder Untermalung für einen solchen Abend!

Wir gehen spät zurück ins Hotel. Ein herrlicher Abend und ein würdiger Abschluss für einen perfekten Tag.
Jetzt heißt es ausruhen, denn morgen geht es zur Sache – der Druck wird ansteigen, wir dürfen das Privileg abermals genießen, wir haben allerhand auf unserer „To-Do Liste“ von ELOWYN stehen.
Frühstück, auschecken, umziehen – es dauert eine Weile, bis all´ unser Gepäck auf dem großen Schiff verstaut ist.
Als wir das zumindest geschafft haben, brauchen wir einen zweiten Kaffee und eine Lagebesprechung, dann soll es an die Arbeit gehen – den Kaffee nehmen wir im „Celest“ zu uns, die Gaststätte der Marina sagt uns zu.

Mich erwischt es mit allerlei technischen Aufgaben, zudem müssen einige kleine Nacharbeiten getrackt werden.
Darüber hinaus gibt es Punkte auf der Liste, bei denen alle gemeinsam anpacken müssen.
Allen Projekten ist eines gemein – wir arbeiten gegen die Zeit, geplant wollen wir in vier Tagen ablegen.
Aufgrund des Zeitdrucks beschließen Volker und ich, die geplante Aufrüstung der Druckwasseranlage erst in Leros durchzuführen. Ich baue daher das zerlegte System wieder zusammen, so dass wir fließend Wasser auf ELOWYN haben.
Sibylle füllt ihre Eimer und bewaffnet sich mit Schwamm und Allzweckreiniger, Volker steuert das Anschlagen des Großsegels mit dem Marinateam und ich widme mich der Erneuerung des Plotters.


Mir schwant Fürchterliches – der alte Plotter hat noch das Datenformat NMEA0183 aufbereitet.
Dummerweise ist dort ein Gerät angeschlossen – nur welches???
Dies gilt es herauszufinden, genauso wie die Frage zu beantworten ist, welches Gerät am Videoanschluss hängt, denn auch dieser ist mit anderen Steckanschlüssen ausgeführt.
Damit nicht genug, selbst das Haupt-Anschlusskabel ist leicht abweichend, auch dieses muss umgebaut werden.


Was für ein Mist – der neue Plotter ist das Nachfolgemodell, aber „plug & play“ ist bei Raymarine kein Leitgedanke!
Nach langer Kabelzieherei finde ich heraus, dass am Videokabel ein Bildschirm am Navitisch hängt – dieser spielt jetzt keine Rolle, das Thema vertagen wir und ich ziehe es später nach.
Nicht so einfach ist es beim Altgerät am NMEA0183 Anschluss – hier hängt ein elektronisches Logbuch, welches unbedingt bei Fahrtantritt funktionieren soll.
Ich nehme es vorweg, diese Herausforderung wird mich bis zur Abfahrt beschäftigen – und darüber hinaus!
Wie ergeht es den Anderen???
Nun, beim Großsegel scheint sich was zu tun!



Sibylle putzt! Sie tut das mit Hingabe und es macht ihr auch nichts aus – sie wurschtelt halt so vor sich hin und hat dabei auch ihre Ruhe.
Als ich ein Foto von ihr mache, trifft mich allerdings ein Blick, welcher viele Aussagen beinhaltete – eine davon war sich in etwa so…
„Hüte dich davor das Bild in den Blog zu stellen!!!“ 😉
ALARM! Ich muss Leben retten und Karmapunkte sammeln!
Volker hatte mir von Fisch-Lemmingen erzählt, welche beim gejagt werden oft mal auf den Ponton springen.
Zugegeben, ich war skeptisch – ob er nicht ein bisschen übertreibt???

Hat er nicht! Es waren wohl zwei Dutzend solcher Heringe, die auf den Steg sprangen und dort dann zappelnd um Luft röchelten.
Da kann und will ich nicht zusehen!
Ein paar wurden Opfer der Möwen, so ist Natur eben, viele davon konnte ich retten.
Auch, als sich das Schauspiel nach etwa zwei Stunden wiederholte.
Das Dumme ist, dass sich die Fischlein auch in unser Schlauchboot flüchten und dort dann unbemerkt den Tod finden.
Das müffelt dann gerne, zudem ist es unangenehm so einen Kadaver zu entsorgen.
Also rückt der Punkt „Willi in die Garage“ auf der Liste nach oben.


Es ist schon später Nachmittag als uns bewusst wird, dass das Team von „Waypoint“ es ernst gemeint hat, als sie sich verabschiedet hatten.
Überstunden stehen wohl nicht auf deren Plan – dafür aber auf unserem!
Das Großsegel ist angeschlagen und alles hat gut geklappt.
Aber die zwei Roll-Vorsegel liegen noch auf dem Deck.
Da der Wind gerade gut steht und nicht zu stark ist, beschließen Volker und ich, diesen Knochenjob heute noch anzupacken und zu Ende zu bringen.
Sibylle an den Winschen, Volker und ich am Segel – und hoch das Tuch…

Gerade als wir fertig waren und uns ein Feierabendbier gönnen wollten, kommt noch eine Paketlieferung von der Marina.
Bestellte Teile und aus Deutschland versandte Pakete sind angekommen und wir nehmen die erwartete Ware an Bord.
Natürlich ist das Gebot der Stunde die Dinge auch gleich an Ort und Stelle zu verräumen – selbst auf dem großen Schiff liegt das sonst irgendwie im Weg rum.
Ein Paket hat der Auslieferer MIR in die Hand gedrückt – nanu, ist doch für Volker, warum ich???

Bis das alles geschafft war, kehrte ein Hunger bei uns ein – der Feierabend, das gleichnamige Bier und ein feudales Essen waren wohlverdient.
Für heute reicht es – ich brauche etwas Ruhe und eine Pause für mein Gehirn.
Leider war mir das nicht vergönnt…

Wir bekommen einen Tisch neben einem älteren Herrn, welcher alleine an seinem Tisch saß.
Wir konnten nicht ahnen, dass dieser rücksichtslose Zeitgenosse während des gesamten Dinners Fußball- und Formel-1 TV Sendungen auf seinem Mobiltelefon ansehen würde.
Das hat zur Folge, dass alle lauter sprechen, es insgesamt lauter wird, die nette Hintergrundmusik im Lokal zu einer Nullnummer verkommt und somit die gesamte Stimmung kippt – wegen einem Trottel!
Ich kann nichts sagen, meine Lunte ist zu kurz, die Situation würde eskalieren.
Warum sagt niemand anders etwas? Warum benutzt der Troll keine Kopfhörer?
Naja, das Essen war aber gut – wir hatten vorzügliche „Fisherman-Spaghetti“ und ich habe mich bei einem Ouzo beruhigt!


Am nächsten Morgen geht es gleich mit hoher Schlagzahl weiter. Nach dem ersten Kaffee gilt es den Getränkekühlschrank einzuschalten, denn wir wollen heute den ersten Großeinkauf machen.
Das klappt natürlich nicht wie geplant, denn auch hier ist Luft im System und ich darf somit erstmal die Kühlschleife des wassergekühlten Aggregats entlüften.

Neben dem Einkaufsprocedere sind für heute keine neuen Aufgaben geplant.
Die Handwerker der Marina haben noch offene Punkte, welche erledigt werden sollen, hier müssen wir ein bisschen tracken und nachdrücklich sein, ansonsten will ich heute nur meine Kabine leerräumen.
Wir hatten auf dem oberen Stockbett noch eine handvoll Teile gelagert, welche zu verräumen beziehungsweise zu verbauen sind.

Auf dem Bild nicht zu sehen ist der Plotter, dies wird, soviel weiß ich inzwischen, eine Aufgabe sein, welche mich bis zur Abfahrt beschäftigt.
Weil alles so gut von der Hand ging, will ich die Ruhe des Morgens nutzen und mir eine zweite Tasse Kaffee an der frischen Luft gönnen – im Cockpit sitzend.
Leider habe ich da die Rechnung ohne unseren Nachbarn gemacht…

Es menschelt! Ich weiß das. Trotzdem frage ich mich, wieviel und wie lange man ein Boot kärchern kann und muss.
Heute ist Sonntag, ok, das kann man auch vernachlässigen – aber „Mr. Gnadenlos“ hat gestern schon den ganzen Tag mit dem Hochdruckreiniger hantiert – heute wieder.
Das Gekreische des Kärcher zieht sich stundenlang über die ansonsten stille Marina.
An einen gemütlichen Kaffee ist nicht zu denken.
Wer nun glaubt, dies sei ein Einzelfall – das ist nicht so! Am nächsten Morgen wird an diesem Platz ein neuer Nachbar liegen, der ab morgens um 06.00 Uhr sein Schiff schrubbt.
Ich bleibe bei meiner Meinung – die Menschen haben Rücksicht verlernt.
Ich ziehe mich in einen entlegenen Schmollwinkel auf ELOWYN zurück und grüble über mein Plotterproblem…

Die Polen haben beim Bau ganze Arbeit geleistet. Im Großen und ganzen ist die Algro 68 sehr wertig gebaut.
Bei der Elektrik wäre allerdings noch Luft nach oben gewesen.
Sind für die Basisverkabelung quer durchs ganze Schiff und für die Elektroinstallation noch Leerrohre verwendet worden und die Regeln der Verlege- und Verbindungskunst beachtet worden, so hat der Fachmann für die Navigationselektronik die Funktion ganz eindeutig über die saubere Ordnung der Kabel gestellt.
Für denjenigen, welcher dann an solch einem System arbeiten muss, gestaltet sich die Aufgabe zu einer Challenge – man muss sich halt erstmal zurecht finden, das dauert eine ganze Weile.
Zur Erinnerung – es gilt immer noch eine Lösung für das elektronische Logbuch zu finden.
Volker ruft zum Aufbruch – wir fahren nach Preveza zum Einkaufen, am Weg würden wir eine Kleinigkeit essen.
Na also – nix wie los…

Wir erinnern uns an einen Tip, der uns im Oktober gegeben wurde. Der beste Girosgrill wäre wohl irgendwo in der Stadt, fernab vom Tourismus.
Damals war der Laden geschlossen, aber wir wissen noch exakt wo wir hinzufahren haben – diesmal ist geöffnet und wir finden noch einen freien Tisch.
Klar, dass wir uns Giros-Pita bestellen – und die ist auch wirklich lecker hier! Wir laben uns also an diesem „Nationalgericht“ und stellen natürlich Vergleiche an – „SouVLakki“ gewinnt! Aber knapp!
Weiter zum Einkaufen! In welches der vielen Gemüsegeschäfte gehen wir? Welchen Supermarkt wählen wir? „ΣΚΛΑΒΕΝΙΤΗΣ“ oder „ΜΑΣΟΥΤΗΣ“?
Die Antwort folgt stande pede – „LIDL“!

Offen gesagt, ich gehe NIE zu Lidl, schon gar nicht in Griechenland. Aber ich werde überstimmt.
Volker und Sibylle finden den deutschen Discounter ganz toll und packen unsere Wägen voll.
Ich füge mich und habe mein erstes Lidl-Hellas Erlebnis…
Die hoffnungslos überladenen Carellos werden zum Citroen gefahren und die Waren in den Kofferraum umgeschlichtet – der Kleinwagen ist bis zur Türkante gefüllt mit Leckereien aus den Regalen des Discounters. Lidl lohnt sich eben.
Wir karren unsere Einkäufe zu ELOWYN und verstauen die Lebensmittel – dann haben wir uns eine Pause verdient.
Sibylle widmet sich dem Lesen und ich erkenne – die nächste Regenfront rückt an.

Das Wetter tratzt uns – immer wieder kurze Schauer, meist freundlich. Morgens kaum Wind, gegen Nachmittag allerdings frischt dieser kräftig auf.
Dann wird es kühl! Gut auszuhalten solange die Sonne am Himmel steht, wenn diese allerdings am Horizont versinkt, dann wird es schnell fröstelig.
Der Sommer braucht 2025 einen langen Anlauf.
Zum Essen gehen wir heute vor Ort. Diesmal fällt unsere Wahl nicht auf das Marinarestaurant, sondern auf die kleine Taverne vor den Toren der Marina.
In „Panos Tavern“ sitzen wir gut und essen bodenständig und günstig – alles hat sehr gut geschmeckt!



Der neue Tag sollte richtungweisend sein. Ich wollte bezüglich des Plotters alles fertigstellen, der Marinaelektriker war bestellt um das Licht im Masttop und den Windmesser anzubringen und bezüglich des Edelstahl-Schutzbleches an der Heckklappe von ELOWYN sollte eine finale Lösung her.
Der Plan war wunderbar – aber es kam alles ganz anders!


Beim Plotter bin ich gut vorangekommen. Es ist inzwischen klar, dass wir den Bildschirm am Navitisch nicht anschließen werden.
Hier müsste ein VGA zu HDMI Adapterkabel gezogen werden, das ist nicht gewünscht.
Der Bildschirm wird ersetzt – entweder durch ein Gerät welches Wifi fähig ist oder durch eines, welches die Daten per HDMI empfängt.
Bezüglich des Logbuches wird klar, wir werden die alte NMEA0183 Schnittstelle nicht retten.
Ich werde eine neue SeaTalkNG zu NMEA2000 Schnittstelle einfügen und wir beschließen, dass wir ein NMEA2000 Wifi Interface bestellen.
Das klingt relativ einfach, aber die Bestellmöglichkeiten sind nicht so üppig – die beste Option war am Ende SVB in Deutschland und Versand per UPS Express.
Dafür braucht es dann eine neue Logbuch Software. Diese bestellt Volker und beginnt sofort, ein iPad damit zu konfigurieren.
Sobald das Interface da ist, sollte das digitale Logbuch wieder funktionieren.

Vor Ort passiert nichts mehr. Ich bin ein bisschen genervt – ich bin mit meinen Arbeiten im Soll und muss, wie Volker auch, ständig auf die Marinaarbeiter warten.
Wir gönnen uns eine Kaffeepause und gehen ins „Celest“, am Weg dorthin steht ein besonderes Boot in der Krangasse – ein aufbereiteter „Flying Dolphin“, ein Tragflächenboot.
Hier in der Marina stehen zwei davon, ich dachte zum Abwracken – aber weit gefehlt, zumindest eines davon wurde über den Winter flott gemacht.

Wir kommen in der Gaststätte an, setzen uns und bestellen Kaffeeköstlichkeiten.
Noch während wir die ersten Schlucke trinken, zieht das Tragflächenboot unter lautem Motorbrummen vorbei – schon beeindruckend.
Umgekehrt erinnere ich mich daran, dass die Dinger ausgemustert wurden, da sie mit ihrem horrenden Spritverbrauch und dem exorbitanten Abgasausstoß nicht mehr in unsere Zeit passen.
Ich bin vor vielen Jahren einmal in Kroatien mit so einem, damals schon antiquierten Monster mitgefahren, es war allemal spannend.
Es sind technisch besondere Maschinen und doch irgendwie Dinosaurier – vielleicht ein wenig wie die Concorde.


Nach dem Kaffee war die Luft raus – weder der Elektriker hat sich sehen lassen, noch war eine befriedigende Lösung für die Heckklappe gefunden – wir hatten alle einen Durchhänger und wollten uns die Zeit ein wenig auf der Insel Lefkas vertreiben.
Vielleicht gibt es in Lefkada einen Cosmote Store – Volker sucht nach einer Datenkarte für ELOWYN.
Noch auf dem Weg überlegen wir, wo wir in Lefkada zum Dinner gehen würden – wir alle haben die Erfahrung gesammelt, dass die Lokale dort sehr touristisch sind.
Wir sehen uns an und drehen auf halber Strecke um – eigentlich haben wir keine Lust auf Lefkada und die Datenkarte können wir auch morgen in Preveza kaufen – wohin also statt dessen?
Ich weiß was! Lasst uns nach Vonitsa am Ambrakischen Golf fahren…

Mike und Herbert, Seglerfreunde aus dem „Mittelmeer Skipper Forum“ hatten bei einem Treffen im letzten Jahr, Vonitsa als sehenswert empfohlen.
Diese Empfehlung bestätigt sich! Ein netter, ursprünglicher Ort mit Cafés und Tavernen an der Waterfront.
Wir setzen uns ins „Barcode“ um ein Starterbier zu trinken und dies mit einem Ouzo abzurunden.
Alle waren zufrieden. Alle? Nur einer nicht – ich!
Hab´ ich erwähnt, dass ich einen Wackelzahn habe???

Ich werde alt – die Zähne drohen aus der Gosche zu fallen! Wirklich wahr, glaubt es oder nicht, es hat nach der letzten Zahnreinigung begonnen – erst langsam, dann immer heftiger.
Ich bin inzwischen überzeugt, dass ich diesen gesunden Zahn wohl aufgeben muss, es ärgert mich allemal.
Es war bereits vor Reiseantritt so schlimm, dass ich eine befreundete Zahnärztin befragen musste, welche Maßnahme empfehlenswert ist.
Die Entscheidung fiel auf – drinlassen bis zum nächsten Deutschlandbesuch!
Essen kann ich aber – und daher freue ich mich auch heute auf´s Abendessen. Unsere Wahl fällt auf die Familientaverne „Marina“, in der wir einfach aber sehr lecker speisen.



Der neue Tag ist ein besonderer Tag – heute kommt Tina an! Unser Plan sieht vor, dass ELOWYN heute fertig wird, wir Tina heute abend am Flughafen abholen und dann morgen früh aufbrechen.
Ja, heute ist ein besonderer Tag – aus einem weiteren Grund, welchen wir aber morgens beim Frühstück noch nicht kennen.
Es ist der Tag, an dem all´ unsere Pläne krachend scheitern.
Abermals warten wir auf den Elektriker und auf eine Lösung unsere Badeplattform betreffend.
Uns ist auch zugesagt worden, dass ein Monteur kommen wird, um den Ausschnitt für den Plotter zu vergrößern.
Ich habe alles vorbereitet, habe aber nicht das Werkzeug zum Sägen der Carbonplatte.
Ich bin zum Warten verurteilt!

Irgendwann wird Volker ans Heck des Schiffes gerufen – man müsse sich mit ihm besprechen.
Die Heckklappenlösung scheint schwieriger als gedacht, man könne dies nicht im Wasser machen, ELOWYN muss zurück an Land!
WAAAAAS??? Das kann nicht euer Ernst sein?
War es aber – und bereits kurze Zeit später hingen wir abermals am Haken!





Was für ein Mist! Wir wollten die Kraxelei über die Leiter – immerhin fast 5 Meter hoch – zwingend vermeiden.
Die generellen Probleme die auftreten wenn ein Boot an Land bewohnt wird, liegen auf der Hand – bei ELOWYN kommt die Höhe dazu und der Fakt, dass die Kühlschränke wassergekühlt sind.
Wir hatten schon eingekauft, was ist mit den verderblichen Lebensmitteln?
Wir hatten eingangs extra zwei Nächte im Hotel gebucht um diese Situation zu vermeiden, jetzt erwischt es uns doch.
Manchmal bricht alles über einen herein, machmal gewinnt der Druck die Oberhand und Du weißt nicht mehr wo Du eigentlich bist – gut, wenn es in solchen Momenten klare Ansagen gibt!

Auf unser Bitten wird uns eine Treppe gebracht, Tina würde mit ihren Koffern ankommen.
Aber schon am nächsten Tag würden wir mit einer Leiter vorlieb nehmen müssen – einer Leiter, deren „safe work load“ deutlich unter meinem Körpergewicht liegt! Ich bin in stetiger Gefahr!
Naja, wenigstens heute ist der Zustieg komfortabel!
Volker wollte aber SOFORT auf´s Schiff! Wir hatten vergessen die Pumpe für den Kühlkompressor auszuschalten.
Um Folgeschäden zu vermeiden, war Eile angesagt – die Lösung war wieder einmal sehr griechisch!


Diese Aktion hielt uns den ganzen Tag in Schach. Die letzten zwei Stunden des Tages verbrachten wir damit, den Marinamitarbeitern und ihrem Supervisor zuzuhören, wie sie Pläne für den Reparaturansatz unserer Heckklappe schmiedeten.
Uns war unwohl, denn einen echten Plan schien keiner der Beteiligten zu haben!
Wir beschlossen, dass wir nach Preveza fahren um die Telefonkarte zu kaufen und um dort zu dinnieren – hier können wir nichts mehr tun.
Dann würden wir Tina abholen.
Kaum in Preveza angekommen, wollte Sibylle ein Eis – wer kann da schon Nein sagen?


Das Eis war lecker, der Kauf der Datenkarte war rasch erledigt.
Ich hatte leider weniger Glück, denn ich hatte mit dem Gedanken gespielt, dass ich mir einen griechischen Telefonvertrag zulegen würde.
Es ist manchmal sehr nützlich eine grischische Handynummer zu haben, hierzulande wird viel über SMS und andere Messenger erledigt.
Ich war der Meinung, dass Verträge in Hellas deutlich billiger sein müssten als in Deutschland – sind sie aber beileibe nicht!!!
Ich nehme erstmal Abstand und überhirne das noch einmal – jetzt freue ich mich auf´s Essen.
Wir haben beschlossen, in die Pizzeria „Oven“ zu gehen, da waren Sibylle und ich schon, wir waren damals sehr zufrieden.

Beim Essen sind wir ruhiger – wir wissen nun, dass unsere Pläne zumindest durcheinander gewirbelt sind.
Was daraus wird und inwieweit unsere Ideen und Wünsche aufrecht erhalten werden können, das wird sich zeigen!
Wir fahren zurück, Volker setzt uns in der Marina ab und holt Tina am Flughafen.
Zusammen trinken wir noch einen Ouzo als HALLO, dann sacken wir alle todmüde ins Bett.
Der neue Tag beginnt freundlich!
Ich möchte mich frisch machen und duschen, aber die Marinaarbeiter haben die Treppe schon gegen die besagte Leiter ausgetauscht…


Nach dem Duschen gehe ich zurück an Bord und sehe mich um.
Wir stehen also wieder an Land, fast auf dem alten Platz. Es soll nur ein kurzes Gastspiel sein, idealer Weise bis morgen, maximal bis übermorgen.
Ich blicke über das Heck Richtung Krangasse und überlege – woran liegt es jetzt eigentlich noch?
Was ist zu tun, dass wir zurück ins Wasser kommen und endlich loskönnen?
Langsam drückt die Zeit – ab heute laufen wir aus unserem Plan und kommen in Verzug!

Das wirklich große Problem ist die Badeplattform. Ein Kantenschutz aus Edelstahl passt nicht perfekt und hindert die Klappe daran, ordentlich zu schließen.
Hier gibt es noch keine ideale Lösung, die Dauer dieser Reparatur wird am Ende das Zünglein an der Waage sein.
Dann der Elektriker – er ist seit dreiTagen im Verzug und versetzt uns immer wieder.
Er muss noch die Lampe im Masttop montieren und den Windgeber anschrauben.
Bis dahin können wir das Navigationssystem und auch die Beleuchtung von ELOWYN nicht final prüfen.
Zu guter Letzt ist der Monteur, der meinen Schnitt für den Plottereinbau machen soll überfällig.
Zu allem Überfluss droht eine Schlechtwetterfront über Preveza zu ziehen, Regenschauer und Gewitter sind für den Nachmittag angesagt.
Dies will man gerne glauben, am Horizont zeigen sich erste Zeichen.

Kristina hat mit Aufräumarbeiten zu tun, Volker und ich wollen uns beraten – wir ziehen uns mit Sibylle auf einen Kaffee und einen Mittagssnack ins „Celest“ zurück.
Für heute Abend haben wir eine Essenseinladung seitens des Marinamanagements.
Zum einen vermutlich, weil aufgrund des Gesamtvolumens des Auftrags rund um ELOWYN ein Dankeschön ausgesprochen werden soll.
Zum anderen wohl auch, weil die Marinaleitung sehr wohl wahrnimmt, dass es final „etwas klemmt“.
Es wird sich die Gelegenheit ergeben, dass Volker einsteuert, woran es jetzt noch hapert.
Wir kommen zu dem Schluss, dass Samstag als neuer Abreisetag realistisch scheint!
Bezüglich meines Plottereinbaus beschließen wir, dass wir die Sache jetzt doch selbst in die Hand nehmen.
Volker leiht sich vom Lackierer ein Multitool und ich lege sofort los.


So schnell kann es gehen! Obwohl mich der Einbau auch ein bisschen ärgert und auch einen Nebenkriegsschauplatz eröffnet, welchen ich aber mit nach Leros nehmen werde, kann ich nach etwas mehr als einer Stunde Vollzug melden.
Die Verkabelung hatte ich vorbereitet, der Ausschnitt war relativ gut zu bewerkstelligen, der Testlauf ist positiv.
Der Punkt „Plottermontage“ kann mit einem Haken versehen werden.
Seit gestern ist übrigens auch ein Haken an dem Punkt „Fallenstopper mit Adapterplatte montieren“.
Die Marina hat die verschlamperten, von mir und Giorgos in Leros aufwändig gefertigten Adapterplatten, reproduziert und montiert.
Das hat ganz gut geklappt, wenn ich auch gehofft hatte, dass diese mit dem Mast zusammen professionell lackiert werden.

Soweit die recht positiven Nachrichten!
Nicht gut war die Entwicklung rund um die Heckklappe. Den ganzen Tag haben sich verschiedene Monteure mit verschiedenen Ideen an der Lösung versucht.
Zu keiner Zeit wurde unser Einwand anerkannt, doch einen Rezess, einen Absatz zu fräsen und das Blech zu versenken.
Das ist die Masterlösung – zugegeben aufwändig, aber in der mittlerweile verschwendeten Zeit zu schaffen.
Nein, stattdessen haut man auf dem Blech rum, bohrt zig neue Löcher um es irgendwie besser anzupassen…
Am späten Nachmittag stoppt Volker das traurige Handeln! SO habe er sich die Lösung nicht vorgestellt, er will keine Abschlusskante, die aussieht wie ein Siebzger-Jahre Nietengürtel.
Er bittet um Einstellung der Arbeiten und um den Rückbau – das leidige Blech kommt weg, der Lackierer muss noch einmal ran!

Teo und sein Sohn Giorgos sind Profis! Die Beiden verstehen ihr Handwerk und genießen unser Vertrauen.
Der Senior schaut traurig, er hat vermutlich das Gefühl, dass „sein Werk“ zerstört wurde.
Nichtsdestotrotz macht er sich sofort an die Arbeit und repariert die Schadstellen und Löcher zunächst grob.
Von ihm erhält Volker jetzt auch einen Zeitplan – wenn alles klappt ist ELOWYN unter Berücksichtigung aller Trockenzeiten am Freitagabend wieder fit.
Unser Ziel wird also sein, dass wir den letzten Krantermin am Freitag bekommen – dann stünde unserer Abfahrt am Samstag nichts mehr im Wege.
Mit diesem Gedanken verlassen wir das Boot und machen uns auf den Weg nach Preveza – dort wartet unsere Einladung auf uns.

Das Lokal der Wahl heißt „Filippa“ und ist ein Fischrestaurant in der Tavernengasse.
Ich war letzten Herbst einmal mit Sibylle dort. Man isst sehr gut Fisch und Meeresfrüchte.
Wir durften wählen – Fisch oder Fleisch – und Volker hat die Fischkarte gezogen.
Wir wurden nicht enttäuscht.
Wir waren vor unseren Gastgebern eingetroffen und haben schon einmal Platz genommen.
Es ist nicht unhöflich, sich schon einmal ein Fläschchen Ouzo zu bestellen um so die Wartezeit zu überbrücken.

Unsere Gastgeber trafen pünktlich ein.
Neben der Marinamanagerin Sofia, waren der Leiter der Technischen Abteilung und unser Projektmanager Manolis, sowie der Marketingmanager gekommen.
Wir hatten einen sehr unterhaltsamen Abend und über ganz viele Themen auch abseits der Kundenbeziehung gesprochen.
Ein Zufall ist, dass Sofia unsere Marinachefin Constantina kennt, so gab es allerlei Schnittpunkte auch in diese Richtung.
Ein alles in allem sehr spannender und kurzweiliger Austausch.
NATÜRLICH wurde auch ELOWYN zum Thema! Die Verantwortlichen haben sich interessiert gezeigt, nahmen die Komplimente für die hervorragende Umsetzung gerne an, hatten aber auch ein offenes Ohr und Verständnis dafür, dass es sich nicht toll anfühlt, wenn auf der Zielgeraden einiges verrutscht.
Ich persönlich denke, dass dafür gesorgt wird, dass ab heute die finale Umsetzung klappt.
Der Rest des Abends war einem vorzüglichen Dinner gewidmet, Fotos gibt es aufgrund der Privatsphäre keine.

Der Abend war nicht nur kurzweilig und unterhaltsam, er war auch feuchtfröhlich!
Ich muss gestehen, dass auch ich einen Ouzo zuviel hatte. Zwar war ich Herr meiner Worte und meines Handelns, fahren hätte ich aber nicht mehr wollen.
So war es mehr als eine schöne Geste, dass Kristina sich hinter den Volant des Citroen klemmte und uns sicher nach Hause brachte.
Der kommende Tag wird spannend! Sehen wir also was kommt…
Spätabends erhalte ich noch eine Info von UPS – unser NMEA Gateway ist unterwegs und wird planmäßig eintreffen.
Na wenn das keine gute Nachricht ist – zufrieden schlafe ich ein…
Ich bin früh wach und entscheide mich, bei einem Kaffee ein paar Blogzeilen zu tippen.

Auch der Rest der Mannschaft wird wach und labt sich an einem Tässchen des koffeinhaltigen Heißgetränks – dann schmieden wir den Plan für den heutigen Tag.
Zunächst sollten wir den Elektriker nicht vergessen. Es ist ratsam, die Teile welche er benötigt auf den Cockpittisch zu legen.
Zur Durchführung seiner Arbeit würde er uns nicht benötigen – dachten wir…

Das gibt uns die Möglichkeit, mit dem marinaeigenen Pendelboot in die Stadt nach Preveza zu fahren.
Wir haben dort noch Einkäufe zu erledigen und wollen dies heute abhaken.
Ein guter Plan für den Vormittag wie es scheint – so verlassen wir das Schiff mit großen Einkaufstüten und besprechen uns im Vorbeigehen auch noch mit dem Lackierer, denn auch in Sachen Heckklappe herrscht schon emsiges Treiben.


Als alles besprochen war und wir zu der Überzeugung kamen, dass wir die nächsten drei Stunden abkömmlich sind, haben wir uns sogleich auf den Weg zur Pendelboot-Haltestelle gemacht.
Das Boot der Marina geht einmal am Tag, fährt um 10.00 Uhr ab und holt die Gäste um 13.00 Uhr zurück.
Drei Stunden in Preveza sind genug Zeit um Einkäufe zu erledigen.
Das Tolle an der Sache – der ganze Service ist kostenlos!


In Preveza angekommen, machen wir uns sofort auf den Weg zum Gemüsegeschäft und zum Supermarkt.
Gegeben durch die Tatsache, dass Sibylle und ich letztes Jahr 10 Tage lang im Zentrum von Preveza gewohnt haben und wir alle schon mehrfach Aufenthalte hier verbrachten, waren uns die Wege klar und wir wussten genau welche Geschäfte wir besuchen wollten.
Ufff, die Damen wussten zudem ganz genau was sie alles einkaufen wollten!
Volker und ich wurden bepackt wie Mulis und zogen fortan wie die schleppenden Sherpas einer Expedition hinter unseren Damen her.
Denen wiederum war nach einem Kaffee und einem kleinen Brunch.
Also treiben sie ihre Lastenträger bis in eines dieser Kafenion, in denen die Alten sitzen und mit ihren Komboloi zwischen den Fingern spielen…

Noch während des Frühstücks erreicht mich eine Nachricht aus Leros – dort ist heute ein spannender Tag.
LIBERTÉ geht zu Wasser – nach fast einem Jahr auf dem Bock und so vielen geleisteten Arbeitsstunden, werden Hans Peter und Merlin wieder die vielzitierte Handbreit Wasser unter dem Kiel haben.
Ganz ernsthaft – ich nehme teil! Ich freue mich über die Bilder und bin mit meinem Freund gespannt, ob alle ausgeführten Arbeiten passen.



Ich bekomme die Rückmeldung, dass alles ok sei – LIBERTÉ schwimmt und der Motor läuft.
HP legt am D-Pontoon an, dort wo auch die meisten anderen Freunde ihre Schiffe vertäut haben.
Der Zufall will es, dass exakt heute auch seine Frau Petra eintrifft – dem gemeinsamen Urlaub steht nix im Wege!
Ich wünsche aus Preveza „fair winds“ und schöne Tage, wir sehen uns Mitte Juni!
Unsere Crew hier in Preveza hatt auch noch etwas Zeit – die Frauen wollen eine Runde spazieren gehen, Volker und ich ziehen es vor die Einkäufe im Sitzen zu beobachten.
Wo könnte man dies besser tun als in einem der Cafés an der Riva von Preveza?

Volkers Telefon klingelt – am anderen Ende der Elektriker. Er ist nun auf unserem Schiff, kann aber nichts machen, da wir nicht da seien.
Weder Volker noch ich verstehen was nun das Problem ist, aber es hilft keine Diskussion.
Ok, eine Stunde Verspätung ist zu tolerieren, auch die Tatsache, dass er die bereitgelegte Lampe mitgenommen hat – der Grund dafür bleibt unklar.
Nicht toll ist aber, dass er 30 Minuten später wie vom Erdboden verschluckt ist – er lässt sich über das Office entschuldigen, unser neuer Termin ist morgen um 09.30 Uhr!
Na da bin ich mal gespannt!
Das Wetter wird auch zusehends schlechter, es scheint, als ob die angesagten Regenschauer wirklich kommen würden.
Nix wie zurück in die Marina, zum Glück kommt gerade unser Shuttle…
Dort angekommen sind auch die Lackierer schon abgezogen, die Grundierung braucht Zeit zum Trocknen.

Die gute Nachricht des Tages – unsere Sendung von SVB aus Deutschland ist da!
Angekommen wie zugesagt, nach zweieinhalb Tagen von Bremen nach Preveza – SVB und UPS haben ganze Arbeit geleistet!
Daumen hoch für diesen Service!
Volker und ich gehen sofort ans Werk, das NMEA Gateway muss eingebaut werden und das iPad, welches die Logbuchdaten anzeigen soll, muss konfiguriert werden.

Wir sind rund ein, maximal zwei Stündchen beschäftigt. Dann, es ist früher Nachmittag, gewinnt die Langeweile die Oberhand.
Klar, wir können etwas lesen, wir machen auch ein bisschen Törnplanung für die nächsten rund 10 Tage.
Dabei stellen wir unseren Ursprungsplan um die Peloponnes in die Ägäis zu segeln erstmals in Frage – die Zeit ist knapp geworden, wir haben drei Tage verloren.
Drei Tage sind eine Menge Zeit wenn man 400nm zurückzulegen hat.
Heute machen wir einen Ausflug um die Zeit totzuschlagen! Die Marinamanagerin Sofia hat uns von der Insel Koronisa erzählt. Eine kleine Insel mit ein paar Häusern darauf, deren Bewohner auf den Fang von Shrimps spezialisiert sind.
Die angebotetenen Krabbenspezialitäten in den Tavernen dort wären die besten in ganz Griechenland!
Na wenn das keine Fahrt wert ist…


Koronisa ist über eine schmale Straße durch die Seenlandschaft mit dem Festland verbunden.
Die Fahrt dorthin ist, wenn man erstmal die Anreise durch traurige, halbverfallene Industriebrachen hinter sich gebracht hat, spannend und für das Auge reizvoll.



Nachdem wir die Strecke über die abenteuerliche Straße, an deren Seite dutzende herrenlose und relativ große Hunde lagen, zurückgelegt hatten, sind wir im Ort der Insel angekommen.
Alles sah aus wie ausgestorben und wir dachten zunächst, dass der Weg umsonst gewesen sein könnte.
Die meisten Tavernen waren vernagelt, es war keine Menschenseele zu sehen.
Am Ende der Straße war die Taverne, welche uns Google als Ziel ausgegeben hat.
Auch diese war auf dem ersten Blick geschlossen, beim zweiten Hinsehen zeigte sich aber, dass die Türe nur angelehnt war.
Wir warfen noch einmal einen Blick auf die satt-grüne Landschaft des Naturparks, dann traten wir ein.



Der Schein hat ein wenig getrügt. Wir waren zwar die ersten Gäste, auch sollte die Gaststätte an diesem Tag nicht voll werden, aber nach und nach füllte sich die Gaststube.
Die Taverne schien aus der Zeit gefallen. Speisekarte, Geschirr, Ambiente – alles erinnert ein wenig an die südländischen Gasthäuser der 80er Jahre.
Am Ende überzeugt aber die Qualität und der Service – wir sind gespannt…


Was soll ich sagen? Wir wurden nicht enttäuscht!
Wir gönnen uns ein paar Fischvorspeisen, es gibt einen Gruß aus der Küche, dazu einen Salat.
Wir teilen alle Gerichte, auch die Hauptspeisen, hier entscheiden wir uns für verschiedene Kalamari und natürlich für zwei Gerichte mit Shrimps.
Das Essen war echt super, kein Schnäppchen aber wirklich preiswert! Alles war lecker und frisch zubereitet, geschmacklich top und schön angerichtet.
Die Portionen waren groß und wir waren letztlich satt und zufrieden.



Das „I Myrtariá“ ist ein Familienbetrieb. Vater und Mutter schmeißen den Laden, die zwei Töchter wachsen in der Gaststube auf.
Wenn gerade niemand etwas bestellt, sitzt die Mutter bei den Kindern, wenn die Eltern arbeiten müssen, dann dürfen die Kinder vor dem riesigen Bildschirm sitzen.
Auch wir erfreuen uns auf diese Art und Weise an den Schlümpfen!

Zeit zu gehen! Wir bestellen die Rechnung, bezahlen und machen uns auf den langen Heimweg!
Nach rund einer Stunde kommen wir spätabends auf ELOWYN an, wir sind erschöpft und gehen ohne großes Brimborium ins Bett.
Morgen erwartet uns ein spannender Tag – der Tag an dem alles fertiggestellt werden soll und ELOWYN zurück ins Wasser gekrant wird.
Soweit der Plan!
Aber ihr wisst ja – Pläne…
Ich wache auf, mache mir meinen Kaffee und will mich gerade gemütlich hinsetzen um diesen zu genießen.
Da höre ich ein Hantieren und Rascheln am Boot – es wird gearbeitet.
Ich bin neugierig und sehe mich mal um.

Die Arbeiter der Marina haben in aller Herrgottsfrühe ein Zelt um die Heckklappe gebaut.
Es tut sich also was, das muss es aber auch!
Inzwischen haben wir vier so etwas wie einen kleinen Lagerkoller. Wir wollen Auslaufen und unsere Reise beginnen.
Heute wird Druck also noch einmal real spürbar – wann geht etwas weiter?
Inzwischen sind alle wach, der Kaffee ist leer – auf geht´s!



An der Lackfront scheint alles zu klappen! Die Lackierer haben gleich morgens begonnen und tragen bis zum Mittag drei Schichten Lack auf die malträtierte Kante der Heckklappe auf.
Ich mache gedanklich einen Haken an das Thema Heckklappenausbesserung.
Auch Volker kann administrationsseitig Vollzug vermelden – alles ist im Office besprochen und geregelt, einer Abreise steht nichts mehr im Wege.
Und was macht der Elektriker?
Er hatte sich für 09.30 Uhr angekündigt…

Manchmal ist es zum aus der Haut fahren – wir sitzen schon ein wenig auf Kohlen.
Es ist für uns weniger die Frage, WANN der Elektriker kommt, für uns ist eher wichtig, DASS er überhaupt kommt.
Das passiert auch! Kurz nach 11.00 Uhr trudelt der Kabelzieher ein und macht sich sofort an die Arbeit – es gilt unseren Windmesser und das Ankerlicht zu montieren.


Ein kleines Problem tritt auf, aber dies können wir tatsächlich gemeinsam lösen.
Der Helfer im Team musste ein weiteres Mal in den Mast, dann war es erledigt!
Wir haken den letzten Punkt auf unserer Liste ab und melden dies sofort an die Marina weiter, dann gönnen wir uns eine Kaffeepause.
Während wir beim Kaffee sitzen, treffen wir Sofia. Die Marinamanagerin meint nach einer kurzen Begrüßung eher beiläufig – „…your launching appointment is in one hour – you go back into water now!“
Okay – da war er wieder, dieser Druck!
Wir springen auf, bezahlen und flitzen zu ELOWYN, nun heißt es alles vorzubereiten.
Eine Stunde später kommt der Kran…


Alles klappt wie am Schnürchen. Eine halbe Stunde später schwimmt unser Zuhause auf Zeit wieder und wir legen ab.
Abermals eine kurze Runde vor der Einfahrt um uns für das Anlegemanöver vorzubereiten, dann heißt es zurück an den Außensteg der Marina.
Wir funken die Marineros an, dann haben wir die Erlaubnis in die Marina einzufahren.


Auch klappt alles wie am Schnürchen. Wir bringen das Boot an den Ponton, machen alle Leinen klar und trinken dann erstmal ein Anlegebier!
Aus diesem Tag ist etwas geworden, das war am Morgen noch gar nicht absehbar!
Aber es hat alles so funktioniert wie geplant, wer hätte das zu glauben gewagt?
Nun heißt es ran an die Schrubber, ELOWYN muss klar gemacht werden – Tanks füllen, Deck schrubben, Batterien noch einmal voll laden.
Morgen geht es los!
Wir arbeiten noch bis zum frühen Abend, dann machen wir uns landfein und fahren ein letztes Mal mit dem Mietwagen nach Preveza Stadt.
Wir wollen uns abermals ein Steak gönnen und dann den Musikern des Jazzfestivals ein bisschen zuhören.



Für unser „Abschiedsdinner“ haben wir uns abermals das „Kalofagas“ ausgesucht. Das Steakhaus ist für uns eine der ersten Adressen der Stadt.
Wir gönnen uns allerhand Meze und zum großen Finale noch einmal ein 400gr. Ribeye – ein Gaumenschmaus!
Der Zufall will es, dass unser zweiter Besuch im Steakhaus wieder auf einen Freitag fällt – und am Freitag ist Live-Musik Abend.
Es spielen die gleichen zwei Musiker wie letztes Mal, das freut uns, denn die Beiden haben ein wirklich gutes Repertoire.


Für den Absacker sind wir noch einmal mit Manolis, unserem Projektmanager, verabredet – ganz privat diesmal.
Er schlägt die Musikbar „No Name“ vor, eine ziemlich coole, kleine Bar und ein sehr netter Platz um dem Treiben an der Riva zuzusehen.
Wir finden einen Platz, trinken ein paar Getränke, unterhalten uns prächtig dabei – währenddessen lauschen wir der Musik eines sehr guten Duos.
Die rothaarige, ganz in rot gekleidete Sängerin war attraktiv und mit einer sehr guten Stimme gesegnet – sie wusste das genau und es war ein Genuss, den Beiden beim Soundcheck und den Eröffnungsliedern zuzusehen und zu hören.


Dann war es Zeit zu gehen. Kristina wollte noch eine Maschine Wäsche programmieren, die Tanks sollten noch vollends gefüllt werden und wir waren auch etwas müde vom Tag.
Zudem wussten wir – morgen sollten wir ausgeschlafen sein, morgen geht es los!
Am Rückweg zum Parkplatz kommen wir noch an der Haupttribüne des Festivals vorbei.
Hier herrscht inzwischen emsiges Treiben und wir lauschen auch hier noch ein paar Minuten bevor wir uns endgültig von Manolis verabschieden.

Zurück auf ELOWYN gibt es einen letzten Absacker – ein Ouzo vor dem zu Bett gehen.
Wir sitzen noch ein wenig im Cockpit und besprechen die Routenoptionen für die nächsten Tage.
Das Wasser läuft, bis die Tanks randvoll sind und auch die Waschmaschine ist befüllt und programmiert.
Wir gehen ins Bett, es schaukelt wieder – morgen legen wir ab, der Wonnemonat Mai bekommt ein schönes Finale.
Es geht endlich los! Wir schreiben den 31. Mai 2025, es ist gegen 09.30 Uhr, wir legen in der Cleopatra Marina in Preveza ab,
Unser erster Weg führt uns zur gegenüberliegenden Seite der Bucht, wir müssen tanken.




Wir füllen die Tanks nicht komplett auf, bei 800 Liter lassen wir abschalten, das sollte reichen bis zur Ankunft in Leros.
Dennoch dauert es rund eine halbe Stunde bis der gute Tropfen in den Bauch von ELOWYN geflossen ist – dann sind wir fertig zur Abfahrt!
Unser Ziel für heute ist Phiskardo auf Kefallonia. Es soll ein pittoreskes Dörfchen mit vielen Tavernen sein.
Kristina und Volker waren mehrfach dort, Sibylle und ich noch nie! Wir freuen uns, dass wir nach etlichen Jahren mal wieder etwas Neues entdecken dürfen.
Leinen los, Kurs Kefallonia! Doch zuerst heißt es die Bucht von Preveza durch die betonnte Zufahrt zu verlassen.


Zunächst war es notwendig ein paar Meilen unter Motor von Land weg zu fahren.
Leider hat mit dem Einzug des Sommers auch der gute Segelwind der letzten Tage ein Ende gefunden.
Aber nach etwa einer Stunde war uns ein zwar schwacher aber gut segelbarer Wind aus einer akzeptablen Richtung gegönnt.
Volker lässt Groß und Genua setzen und wir nehmen Kurs auf unser Ziel, welches im Nordosten von Kefallonia liegt.





Wir kamen gut voran und die leichte Brise brachte und mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von rund 7kts dem Ziel näher.
Unsere Reisedauer wird wohl etwa 5h betragen, es war also etwas Zeit für Müßiggang…
Der Druck der letzten Tage, ja der des ganzen Monats, fiel von einem ab!
Sibylle und Kristina vertiefen sich in ihren Büchern, Volker arbeitet sich in den neuen Plotter ein und ich…
Ich versuche ein Problem mit dem neuen, elektronischen Logbuch zu lösen.
Jedem das Seine 😉

Am Nachmittag erreichen wir Phiskardo. Wir wissen, dass der kleine Ort das Ziel vieler Charterboote aus dieser Region ist und somit im Sommer regelmäßig überlaufen ist.
Wir haben heute durchaus Glück, obwohl wir beileibe nicht die Einzigen sind, die nach einem Liegeplatz Ausschau halten.
Wir entscheiden uns für einen der Liegeplätze am rechten Buchtrand, dort versprechen wir uns etwas Ruhe für die Nacht.
Der Platz ist ein Ankerplatz, an dem zusätzlich Heckleinen ausgebracht werden müssen.
Und jetzt??? Wer schwimmt?
Ich „opfere“ mich für die Crew und mache den Schwimmer…




Leider hat Sibylle kein Bild von meinem „Einsatz“ an Land gemacht. Ich hätte gerne eines gehabt und auch geteilt.
Generell war der Einsatz nämlich schon fast ein Vergnügen – das Wasser war von der Farbe her so einladend, wunderbar!
Auch die Temperatur war schon echt akzeptabel – erfrischend, ja, aber schon für längeres Schwimmen geeignet.
Auch Volker schwimmt ein bisschen, ich war insgesamt fast 20 Minuten im Wasser, es fühlt sich schlagartig an wie Urlaub!
Als wäre das nicht genug, haben unsere Frauen eine kleine Brotzeit für uns alle gezaubert.
Wir sitzen beisammen, sind angekommen, was will man mehr?


Immer mehr Boote kommen an! Die Bucht ist zwar weit davon entfernt voll oder gar überfüllt zu sein, aber man kann schon jetzt spüren, dass viele Segler unterwegs sind.
Phiskardo ist, zumindest um diese Jahreszeit, fest in der Hand der Engländer.
Überall die englische Flagge und englischsprechende Menschen, die schon am Dialekt erkennen lassen, dass sie Muttersprachler sind.
Wir sehen dem Treiben zu und genießen unser sein – es ist der Lohn für die Mühen der letzten Wochen.


Zeit, um an Land zu fahren, sich etwas umzusehen und vielleicht einen Aperitif zu nehmen.
Der Plan findet allgemeine Zustimmung und wird daher sofort in die Tat umgesetzt.
Volker und ich lassen den WILLI zu Wasser und starten den Shuttleservice.
Am Hinweg fährt Volker zweimal – zuerst Sibylle und mich, dann holt er Tina ab.




Das Städchen ist touristisch und es ist richtig was los. Gerade noch soviel, dass ich keinen Koller bekomme – ich kann Menschenmassen nicht ausstehen.
Hier passt es noch, es ist überschaubar, zudem ist das kleine Dorf wirklich sehr attraktiv hergerichtet – die meisten Tavernenbesitzer geben sich echte Mühe, decken schön ein und haben einladende Lokale.
Man erkennt, dass hier versucht wird, durch Qualität Gäste zu bekommen.
Das gilt auch für die allermeisten Geschäfte. Zumeist kleine Boutiquen, die versuchen mit gefälliger, mediterraner Kleidung einen Umsatz zu machen.
Die typischen Touristenläden mit „Andenken“ aus chinesischer Produktion sind Gott sei Dank in der Unterzahl, es gibt sie aber auch.
Wir entscheiden uns für eine der attraktiven Bars und gönnen uns einen Drink.


Ein schöner Einstieg in den Abend! Diesen setzen wir später in einem thailändischen Restaurant fort.
Kristina und Volker knnten dieses aus früheren Besuchen und wir hatten vorab einen Tisch reserviert.
Es war uns willkommen, einmal etwas anderes zu essen.
Das kleine Lokal war unscheinbar und in zweiter Reihe, bot aber im Hinterhof einen wunderschönen Garten zum Sitzen.
Wir wurden vorzüglich bewirtet…



Wir saßen noch eine ganze Weile zusammen und sind erst spät am Abend aufgebrochen um zurück zu ELOWYN zu fahren.
Am Heimweg habe ich noch ein letztes Foto in Phiskardo gemacht – weil diese touristischen Andenkengeschäfte meinen Blick eben immer wieder fangen.
Ich bin fasziniert und abgestoßen gleichzeitig – ich frage mich stets, wer so Dinge denn kauft und hoffe gleichzeitig, dass diese Form des Tourismus uns in Leros noch lange erspart bleibt!

Zurück auf ELOWYN war der Abend dann überraschend kurz. Morgen soll es früh weitergehen, unser nächstes Ziel heißt Zakynthos, vor uns liegen rund 45nm und somit rund sechseinhalb Stunden Fahrt.
Es wird wohl eine Motorfahrt werden, es ist kaum Wind zu erwarten.
Mit diesen Gedanken wünschen wir uns eine „Gute Nacht“ und legen uns schlafen.
Unser Mai endet unspektakulär aber sehr zufriedenstellend!
Der Juni wird abwechslungsreich starten, denn wir sind noch elf Tage auf ELOWYN und wollen die Fahrt noch rund um die Peloponnes bis Lavrion begleiten.
Was wir dabei erleben und wie es dann weitergeht, könnt ihr im nächsten Monatsbericht mitverfolgen – als kleiner Teaser vielleicht, Sibylle wird von Athen aus NICHT mit nach Leros kommen…
Wir würden uns freuen, wenn ihr weiter dranbleibt und bedanken uns für euer andauerndes Interesse an meinen „Kurzberichten“ 😉
Herzliche Grüße von Bord der ELOWYN
Mario & Sibylle