Warnung – zum Ende des Berichts gibt es ein Bild von einem Katzenbaby!
Boah, für den vergangenen Monat war es echt schwierig eine Headline zu finden – ich habe mich letztlich für das „one Hit Wonder“ von Midnight Star aus dem Jahr 1984 entschieden…
Der Song selber hat mich schon in den 80ern nie wirklich gepackt – klar, er war funky, man hat ein bisschen mit den Hüften gewackelt und der Text war zu dieser Zeit ohnehin eher zweitrangig.
Heute, exakt 40 Jahre später, gestehe ich mir ein, dass ich nie der „Hero auf dem Dancefloor“ war oder sein wollte, Tiefgang in Liedern scheint mir heute erwähnenswert – und somit war ich fast entsetzt über die schwachsinnigen Lyrics dieses Songs!
Dennoch – der Titel selber passt wie die Faust auf´s Auge! Der neunte Monat des Jahres war von Hilfestellung und Unterstützung unsererseits geprägt – seid gespannt!
Am Anfang fing alles harmlos an…

Ihr habt vielleicht noch das Ende des Augustblogs im Sinn und wisst daher, dass Sibylles Sohn Florian mit seiner Familie noch auf Leros verweilt.
Es war somit von vornherein klar – die erste Woche des September ist für die Lieben reserviert. Wir wollten unser Leros, unsere aktuelle Heimatinsel, vorstellen und natürlich auch ein wenig von unserem Umfeld und unserer Lebenssituation zeigen – kurz, unseren aktuellen Alltag näher bringen.
Heute stand der Besuch des Kastell von Leros auf dem Plan – Sibylle schlägt ein Frühstück im „Skipper´s“, dem Marinarestaurant, vor – das spare Zeit und diese könne man umgehend einsetzen, um die Details mit der Familie zu planen…

Da das „Skipper´s“ eher ein wenig fancy und auch hochpreisig ist – schade eigentlich – entscheiden wir uns für das Aktionsangebot „Skipper´s Breakfast“. Das kennen wir schon, wir finden es gut und es ist mit 8.50€ inclusive Kaffee wirklich preiswert.

Dann heißt es „auf geht´s“! Sibylle hat, warum auch immer, vereinbart, dass wir nach Xirokampos fahren um die Familie dort an ihrem Ferienhaus abzuholen.
Das ist per se in Ordnung, aber danach fahren wir direkt an der Marinaeinfahrt vorbei um die lerianische Trutzburg anzusteuern – na egal, ich vermute, dass meine Gattin einfach „überwachen“ wollte, dass auch wirklich alles klappt und perfekt läuft!
So helfen wir noch dabei, alles Notwendige in den kleinen KIA zu packen – Badesachen nicht vergessen – dann geht es los…


Sibylle und ich bilden die Vorhut. So ist sicher gestellt, dass Florian sich auf die Sehenswürdigkeiten und die Insel konzentrieren kann und nicht noch auf die Wegweisung achten muss – einfach der Mama auf dem Mopped hinterher.
Als erstes fahren wir schnurstracks nach Panteli und von dort aus hinauf zu den Windmühlen. Neben dem Kastell eines der Wahrzeichen von Leros.

Wir können Richtung Süden bis Kalymnos sehen, Richtung Osten erkennen wir die Küste der Türkei. Wir erzählen, dass die Bar in der ersten Windmühle, das „Harris“, einer unserer Lieblinsplätze ist. Leider ist die Bar geschlossen und wir können keinen raschen Drink nehmen – es bleibt nur, den spektakulären Blick auf Panteli und Vromolithos zu erahnen.
Weiter geht´s nach oben, nächster Halt – das Kastell! Wir parken den Wagen am Parkplatz, denn wir haben vor, das alte Gemäuer zu besichtigen und etwas zu verweilen.
Bereits der Weg vom Parkplatz zur Pforte eröffnet einen herrlichen Ausblick auf die Bucht von Agia Marina und Alinda und das, sich gegen Westen öffnende, Ägäische Meer.

Das Kastell ist geöffnet, wir sind nicht die einzigen Besucher an diesem Tag. Eintrittsgeld? Fehlanzeige!
Wir betreten die Anlage, die Enkelchen, sechs und drei Jahre alt, sind fasziniert von dem Gemäuer und den Geschichten, welche die Oma in petto hat. Historisch fundiert? Nun, ich frage nicht…


Die Anlage ist beeindruckend und wird heute noch genutzt. Nicht nur als Touristenmagnet, sondern auch für Hochzeiten, Feierlichkeiten und Konzerte.
Es werden Gottesdienste abgehalten und nicht zuletzt ist die kleine Kapelle das Ziel der Wallfahrten zum 15. August – Maria Himmelfahrt.






Wir sind bestimmt eine Stunde innerhalb der Kastellmauern – eh klar, dass so eine Entdeckungsreise durstig und ein wenig hungrig macht.
Wir gehen also zurück zum Auto und löschen den ersten Durst mit etwa 42°C warmer Limo. Die Gesichter verziehen sich…

Ok, die Erwachsenen haben ein Einsehen – ein kleiner Snack in Begleitung einer köstlichen Kaltschale muss her! Für alle über 18 darf es eine Hopfenkaltschale sein, für die unter einsfuffzich Körpergröße gibt es heute nur Limonade – der Beschluss steht fest, wir fahren nach Panteli ins „Sorocos“!


Der Parkplatz – voll! Die Tische im Café – voll! Heiß, eng, viele Leute – genau was ich mag! Ich mache gute Miene zum bösen Spiel, weiß aber, dass es zumindest Florian genauso geht.
Egal, da müssen wir jetzt durch! Das Glück ist uns hold, ein relativ guter, schattiger Tisch wird frei. Wir nehmen Platz und bestellen…

Die Jungs fangen gerade wieder an, sich gegenseitig zu kabbeln – nix da! Ab ins Wasser, wir schauen mal ob es hier Fische gibt. Ich werde die Geschichte der Mönchsrobbe los, welche vor zwei Jahren hier am Strand ein Sonnenbad nahm.
„Au ja! Wir setzen die Taucherbrillen auf und schauen ob hier Robben schwimmen!“ Ok, dann nix wie los…


BIMM! Eine Nachricht von Jürgen! Ihr erinnert euch vielleicht, Jürgen ist der Eigner der Outremer 45 GRASKARPFEN. Er hat vor ein paar Wochen Leros verlassen, die Rückkehr ist ungewiss. Auf seiner Reise hatte er Motorprobleme, wir konnten mittels einer telefonischen Diagnose den Fehler finden.
Der defekte Wärmetauscher ist mittlerweile ausgebaut, er wird instandgesetzt – Jürgen schickt mir noch einmal ein Bild und bedankt sich abschließend. Ich konnte helfen, per Telefon, das mag ich, es macht zufrieden – und wir konnten oft helfen in diesem Monat…
„Operator – this is an Emergency“

Eine Stunde etwa halten wir es aus, dann wird stillschweigend klar – nix wie weg hier! Wir beschließen, in den Norden der Insel zu fahren, um dort beim kleinen Strand „Paralia Agia Kioura“ unser Glück zu versuchen.
Kaum haben wir unsere Siebensachen gepackt und uns ein paar Meter vom Beach-Trubel entfernt, erscheint auch Panteli wie eine Oase der Ruhe – leider täuscht dieser Eindruck!

Wir schnallen die Buben auf ihre Kindersitze im Kleinstwagen, verstauen die nicht unerhebliche Menge Strandgepäck und starten die Motoren. Der KIA säuselt, die GS blubbert – dann geht es los – auf, Richtung Sandstrände im Norden!
Im Losfahren erhaschen wir noch einen letzten Blick auf die Windmühlen am Bergrücken.

Der Weg in den Norden ist nicht weit! Eigentlich ist nichts weit auf Leros. Es sind rund 10-12km, dann erreichen wir die Weggabelung an der Militärkaserne – rechts geht es nach Blefoutis, dem größeren der beiden Sandstrände, hier gibt es auch Ankermöglichkeiten für Yachten, sollte einmal Südwind angesagt sein.
Wir biegen nach links ab, hier geht der Weg zu einer Kapelle, wird dort zur Schotterpiste und führt letztlich zum kleinen Sandstrand von „Agia Kioura“.
Leider haben wir auch hier die Rechnung ohne den Wirt gemacht! Am heutigen Sonntag ist dieser Fleck Erde fest in den Händen der Locals.


Klar, wir hätten uns dazulegen können. Das hätte weder uns noch die griechischen Familien gestört, hier wird „Filoxenia“ noch real gelebt!
Da aber wirklich alle Plätze belegt waren, welche auch nur ein Fitzelchen Schatten boten, haben wir uns entschlossen, unsere Badeabsichten zu beenden und lieber den Eispalast der Familie „Repapis“ aufzusuchen. Die Jungs haben ein Eis eingefordert und mit ihrem Opa einen gewichtigen Mitstreiter für diesen Plan auf ihrer Seite gewusst!

Danach war der Part „Quality Time mit der Familie“ für heute beendet. Florian und Sonja wussten, dass Sibylle und ich heute eine Essenseinladung von Volker und Tina auf dem Plan hatten.
So haben wir uns nach dem Genuss unserer Eisspezialität voneinander verabschiedet und uns für den Folgetag verabredet. Sonja und Florian hatten beschlossen zuhause zu kochen und den Tag gemütlich ausklingen zu lassen, Sibylle und ich hingegen, sind in die Marina gefahren um uns aufzuhübschen und dann in den gemeinsamen Abend mit der ELOWYN Crew zu starten.
Und der sollte ablaufen wie immer – mit den, von Volker „Mühlentour“ getauften, Besuchen von „Harris“ Bar in der ersten der sechs Windmühlen und der anschließenden Einkehr im „Mylos“, dem mehrfach ausgezeichneten Fischtempel der Insel.
Gedacht – gemacht…



Wir haben viel zu besprechen, zu planen – wir diskutieren wie es mit ELOWYN weitergeht und inwieweit ich mich weiterhin einbringen kann. Klar tauschen wir uns auch zu den Neuigkeiten zuhause aus, wir sind ja inzwischen lang genug befreundet, so dass es auch Themen abseits der Segelboote gibt.
Die Zeit vergeht wie im Flug! Wir genießen die Drinks, den wundervollen Ausblick und unsere Gesellschaft – schon heißt es „…wir müssen langsam weiter“.
Unser Tisch im „Mylos“ ist reserviert, der Weg dorthin nicht wirklich weit – so wie alle Wege auf Leros, aber das hatte ich ja schon erwähnt.

Wir nehmen Platz am reservierten Tisch, dann beginnt das gleiche Procedere wie immer. Studieren der Speisekarte, Bestellung der Fischvorspeisen und dann Auswahl des Weines und der Hauptspeise. Wir genießen den Service und das Ambiente – ein Besuch im „Mylos“ ist immer wieder ein Highlight!




Bei den Vorspeisen beweisen wir wenig Phantasie – Leser des Blogs wissen, dass wir absolut auf all die rohen Fischspezialitäten abfahren, diese bestellen wir auch heute in reichhaltiger Auswahl. Alleine diese Eröffnung des Dinners ist immer ein Feuerwerk für die Geschmacksknospen…
Heute aber, hat Volker für den Hauptgang eine besondere Idee – einer dieser flachen Fische, eine Art Steinbutt, hat es ihm angetan, dieser wird für uns vier bestellt.


Ich bin da immer ein wenig skeptisch – ich mag die klassischen Fische mit viel bissfestem Fleisch und wenig Gräten sehr gerne, bei den flachen Exemplaren dieser Spezies hatte ich dazwischen auch schon Pech.
Nicht so heute! Der Butt wurde uns sehr gut zubereitet, mit etwas Trüffel angerichtet und mit einer Gemüsebegleitung serviert. Er war in jeglicher Hinsicht ein Schmankerl!
Wir waren zufrieden und happy.
Der herrliche Abend mit unseren Freunden klang aus, wir waren müde und kamen erst weit nach Mitternacht nach Hause.

So war es nicht verwunderlich, dass wir am nächsten Morgen etwas länger schliefen. Wir starteten etwas später in den Tag, welcher als Faulenzertag geplant war.
Sibylle wollte frühstücken, aber gegeben durch die Tatsache, dass wir fast unsere ganzen Vorräte ins Ferienhaus der Kinder transferiert hatten – wir wollten ja schließlicher immer zusammen essen – war keine Lebensmittelbasis mehr gegeben. Es wird kurzerhand beschlossen, „…wir gehen heute zu Mikes!“
Auf dem Weg dorthin fällt mir die Fähre auf. Unsere Inselfähren gehören der „BlueStar“ Linie an. Diese wiederum gehört zur „Attika Group“, welche letztes Jahr die in finanzielle Schieflage geratene Fährlinie „ANEK Lines“ gekauft hat. Für uns Griechenlandreisende keine schlechte Fügung.
So kann es aber passieren, dass ehemalige Italien – Griechenland Passagefähren auf innergriechischen Linien „aushelfen“ müssen. Vor diesem Hintergrund läuft eine „alte Bekannte“ im Hafen von Lakki ein – die ASTERION 2, mit welcher ich schon viermal auf der Linie Venedig – Patras gefahren bin. Ein Riese!

Ich bestaune den Koloss noch ein wenig. Sibylle und ich rätseln, ob sie wirklich länger ist als die uns vertrautere BLUESTAR 2, können aber mittels Google sehr schnell feststellen, dass der weiße Riese mit einer Gesamtlänge von fast 195m nochmal rund 20m gegenüber der blauen Schwester herausragt.
Dann aber los – Frühstück bei „Mikes“ steht am Plan…

Wir beratschlagen – wie soll der Tag heute gestaltet sein? Nun, zunächst müssen wir einkaufen, dann würden wir wohl an den Strand nach Xirokampos gehen und dort mit der Familie einen Strandtag verbringen.
Wir würden die Crew der ELOWYN informieren, auch die der HARMONY, welche in der schönen Bucht an einer Boje liegt. Wer mag, kann uns besuchen kommen.
Am Abend dann, werden die Oma und der Opa in die Bresche springen! Kein wirklicher Hilferuf liegt unserem Einsatz zugrunde, es war eher ein von uns ausgesprochenes Angebot zum „Babysitting“, um den Eltern ein „Dinner for Two“ zu ermöglichen – auch Sonja und Florian wollen dem „Mylos“ einen Besuch abstatten.
Ok, packen wir es an! Erste Station, der feine Metzger in Lakki – „Xatzigrigoriou Artisan Butchery“…




Ihr erkennt – es wird Grillgut für vier Personen gekauft! Vier??? Ja, Volker und Kristina haben sich kurzerhand entschieden, dass sie uns beim Kinder hüten Gesellschaft leisten und eine Wiederholung des Grillabends von ihrem Anreisetag eine gute Dinneroption wäre…
Ok, wenn´s weiter nix ist – das bekommen wir hin!
Sonja und Florian kommen mit den Buben nach Lakki. Gemeinsam kaufen wir die sonst noch notwendigen Lebensmittel für den Grillabend ein, auch für den Strandtag wird noch die ein oder andere Kleinigkeit benötigt.
So verstreicht der Vormittag – plötzlich beklagen die Jungs ein Hungergefühl, eine Portion Pommes wär recht. Da auch der Papa inzwischen ein „SouVLakki“ Fan geworden ist, wird dem Wunsch der Bengel gerne entsprochen.
Ein wenig überrascht stellen die Knaben fest, dass eine Portion Pommes in Griechenland von der in Deutschland etwas abweicht – eine Mahlzeit für echte Kerls 😉

Jetzt aber – ab zum Strand! Den Nachmittag verbringen und genießen wir dort. Am kleinen Strändchen vor der Taverne „To Kyma“, quasi dem Hausstrand unserer Kinder.




Wie locker vereinbart, kamen sowohl Tina und Volker als auch Gabi und Gottfried auf ein Bier vorbei. Wir schwammen zusammen, haben die Jungs ein wenig bespaßt und über Gott und die Welt geplaudert – ein herrlicher und entspannter Nachmittag!
Leider ist er viel zu schnell verflogen…
Zeit zum Fertigmachen! Die Runde löst sich auf. Gottfried und Gabi ziehen sich auf HARMONY zurück, Volker und Tina gehen zurück zu ELOWYN um sich frisch zu machen. Sibylle und ich bleiben in Xirokampos, wir haben schon alles ins Ferienhaus gebracht, was wir am heutigen Abend benötigen würden…
Um 19.30 Uhr treffen Volker und Tina am Ferienhaus ein – sie geben sich mit Florian und Sonja die Klinke in die Hand, denn für die beiden ist es Zeit ins „Mylos“ zu fahren, der Tisch ist auf 20.00 Uhr bestellt.


Wir werfen den Grill an – auf den Rost kommen ein paar Chicken Souvlaki für die Jungs, dazu etwas Brot und Salat. Ich bin überrascht, wie die beiden Racker ihr Essen wegmampfen, das ist bei beiden nicht selbstverständlich! Scheinbar hat der Strandtag hungrig gemacht!
Nach dem Abendessen beginnt die Aufgabenverteilung – Sibylle übernimmt das Zubettbringen der Kleinen, ich nehme es vorweg, das klappt heute vortrefflich! Die Oma kann´s…
Tina bereitet die Salate vor und richtet unseren Esstisch und, wie könnte es anders sein, Volker und ich machen FEUER! Wir grillen!!!


Wie Volker und ich mit den beiden Fransen Fleisch hantieren, kommt mir ein Bild in den Sinn – ich erinnerte mich, dies schon einmal so gesehen zu haben…

Spaß beiseite – Volker hängt sich da richtig rein! Grillen mit Thermometer und Stoppuhr. Danach zum Nachgaren in den Ofen – natürlich bei exakt definierter Temperatur!
Aber auch hier bewahrheitet sich – Akribie führt zum Erfolg! Sowohl das Filet der Damen, als auch unser Rib-Eye werden perfekt! Wir sind happy und genießen unser Dinner!

BIMM, BIMMBIMM, BIMMBIMMBIMM – Sibylles telefon schellt unaufhörlich! Wir wissen dann schon meist – Sonja sendet Bilder! Während wir gerade unser zweites Bierchen schlürfen, sitzen die Beiden zeitgleich im Fischpalast und lassen es sich gut gehen.
Als Beleg dafür und wohl auch als kleines „Dankeschön“ werden uns Bilder zugeschickt – die sagen ja bekanntlich mehr als tausend Worte!


Die Beiden gönnen sich das volle Programm und kommen spät in der Nacht zufrieden zurück.
Wir sitzen zu der Zeit auch noch gemütlich beisammen, unser aller Restenergie reicht aus, um noch ein gemeinsames Bier auf der Terrasse des Ferienhauses zu trinken. Wir haben gegenseitig viel zu erzählen und freuen uns jeweils, dass wohl alle einen tollen Abend hatten.
Dieser Abend sollte noch einen kleinen Kick bekommen…
Sibylle und ich diskutieren schon seit ein paar Tagen mit den Kindern, inwieweit ein Bootsausflug ein Ferienhighlight wäre. Es war eigentlich nie ganz klar, wer eigentlich Lust dazu hat und wie ein solcher Tag ausgestaltet sein sollte.
Als Optionen lagen ein Ausflug mit NESSAJA, oder ein sportlicher Ritt mit Sophies Boston Whaler FLIPPER, am Tisch. Unser Schiff flott zu machen hätte Aufwand bedeutet, Tepai zahlen, Papiere bei der Polizei holen und noch ein paar Dinge mehr. FLIPPER wäre eine gute Alternative, aber für mehr als ein paar wilde Runden durch die Bucht hätte es nicht gereicht – lohnt es sich, den Flitzer aus der Garage zu holen?
Wir diskutieren auch an diesem Abend. Volker sitzt dabei und hört sich das an – dann schreitet er ein, „…was haltet ihr von einem Tagesausflug mit ELOWYN? Morgen?“
Alle staunen, alle stimmen begeistert zu – der Abend endet, wir fallen ins Bett. Morgen wird ein toller Tag!!!
Und der beginnt zeitig! Ich fahre nach Lakki um ein paar Pies und Sandwiches zu kaufen. Wir brauchen was zum Frühstück und ein wenig Brotzeit für den Ausflug.

Ich rufe Sibylle an, sie möge mir bitte ein Bild machen wo STENELLA abgestellt wird. Darum hat mich mein Freund Martin gebeten – er käme nachts an und wolle nicht nach seinem Schiff suchen.
Verständlich, dies bleibt ihm aber diesmal erspart, denn die feine „Wanderer 40P“ kommt an unseren F-Ponton, nur etwa fünf Plätze von NESSAJA entfernt.
Das vermelde ich meinen Freund und sende ein Bild – wir freuen uns auf euch!

Kaum zurück in der Marina, kommen schon Florian und Sonja mit den Buben. Unsere Schwiegertochter nimmt die Enkelchen unter den Arm und geht zusammen mit Sibylle an Bord der ELOWYN.
Zusammen mit Tina bereiten sie alles für die Ausflugsfahrt vor und bespaßen gleichzeitig die Jungs.
Wir Männer verbringen die Fahrzeuge – ich fahre mit dem Motorrad nach Partheni zum Flughafen, Volker und Florian folgen mir mit zwei Leihwägen! Klingt verrückt? Ja, hat aber System!
Wir parken Florians Leihwagen und meine GS in Partheni am Fischerhafen. Dann fahren wir mit Volkers Leihwagen zurück zu ELOWYN. Dieses Leihauto wird Rena, die Vermieterin, später in der Marina abholen.


Wir haben einen genialen Plan ausgeheckt! Wir legen ab und machen einen feinen Segelschlag Richtung Norden. Unser Ziel ist die kleine Bucht vor Archangelos.
Wir werden diese wohl mit einem Kreuzschlag erreichen können, der Wind scheint optimal zu sein. Dort wollen wir nach der Ankunft vor Anker liegen und baden, später dann zum Dinner ins „Stigma“ gehen. Ich habe unser Kommen bei der Betreiberfamilie angemeldet und einen Tisch reserviert.
Nach dem Dinner würden Sibylle und ich, nebst unserer Familie, mit einem Taxi-Speedboat nach Partheni auf Leros übersetzen und von dort aus mit den geparkten Fahrzeugen nach Hause fahren – genial, oder???
Los geht´s!

Nur ein paar Minuten später legen wir ab, unser Abenteuer beginnt! Nicht nur die Buben sind aufgeregt, auch die Eltern sind gespannt – man geht nicht jeden Tag mit einer 21m Segelyacht auf Törn!
Ein paar Minuten später liegt die Marina achteraus und die Bucht mit ihrer markanten Ausfahrt vor dem Bug.




Als wir die Bucht verlassen haben, lässt Volker Segel setzen. Es werden noch kurz die Regeln für die Kinder aufgestellt – Cockpit nur mit Erwachsenen und nur mit Schwimmweste verlassen! Die Kinder bleiben nie unbeaufsichtigt!
Dann geht es los – Ziel Archangelos, Kurs erstmal grob Richtung Patmos!



Wir segeln bestimmt zwei Stunden diesen Kurs, dabei geht es relativ weit hinaus, wir spüren den Seegang – aber allen geht es gut! Die ganze Mannschaft hält Ausschau nach Delfinen – erfolglos…
Wir kommen Patmos immer näher, können schon die weißen Häuser der Chora erkennen und sehen uns auf der Seekarte an wo wir uns befinden. Dann gibt der Skipper das weitläufig bekannte Kommando zu Wende – Re!
Die Segel gehen auf die Steuerbordseite über, ELOWYN legt sich auf den anderen Bug. Die Crew staunt – es ist beeindruckend welche Kräfte wirken und wie agil das 44 Tonnen schwere Boot doch ist!




So erreichen wir nach rund drei Stunden die Durchfahrt zwischen Archangelos und Leros. Ich war am Steuer und will gerade die Ankerbucht ansteuern, da höre ich Tina rufen „Delfine!!!“
Ihr könnt euch vorstellen – alle rennen zum Bug, alle suchen den Horizont ab. Und tatsächlich – wir haben Glück! Eine ganze Schule schwimmt zunächst auf uns zu, dann um uns herum. Das ist immer schwer zu fotografieren, auch heute gelingt es uns nur rudimentär.
Aber – sie sind sogar gesprungen und haben Salti geschlagen, sind dabei laut klatschend auf dem Rücken wieder ins Wasser gefallen. Es war beeindruckend und das Highlight der Fahrt!

Dann aber…
Wir drehen noch eine Runde, um unseren Ankerplatz sauber anzufahren. Minuten später fällt das Grundeisen im zehn Meter tiefen, azurblauen Wasser. Ein Traum – ich liebe diesen Platz!



Na jetzt bin ich aber gespannt! Wie werden die Kleinen sich im freien Wasser verhalten? Klar, hier wird nur mit Weste gebadet, auch mit der Weste nur mit Begleitperson! Trotzdem ist es für einen Dreikäsehoch schon ein Unterschied, ob man den Meeresboden sehen kann oder nicht – schwimmen im Freiwasser ist auch für Erwachsene manchmal mulmig – zumal dann, wenn zehn Minuten zuvor eine Schule mit recht imposanten Delfinen an diesem Ort ihren Schabernack trieben.
Haben Sie Angst??? Keineswegs!!!


Schnell wurde, nach den manigfachen Trainingsrunden, der Ruf laut, die waghalsigen Sprünge auch von Deck der ELOWYN zu machen – „…so wie der Opa!“
Ich ernte böse Blicke von Sibylle, wiederwillig gibt sie dem Druck der Zwerge nach – „…ok, wenn es sein muss! Aber langsam und Nase zuhal…“
PLATSCH!!! Otto ist abgesprungen und jauchzt vor Freude! Benno steht auch schon an der Kante – ich merke an, dass der Freibord des 68-füsser wohl knapp zwei Meter hoch ist – und Benno ist drei Jahre alt.
Ich rufe von unten „…na da bin ja gespannt ob Du dich trau…“ – neben mir platscht und spritzt es. Der Bengel klatscht ins Wasser, geht kurz unter und schnellt wie ein Korken zurück an die Wasseroberfläche – er zwinkert und prustet „…ich trau mich!“ OK…
Wir planschen bestimmt eine Stunde, dann ist es Zeit für eine Pause, welche altersgruppengerecht ausgestaltet wird.


Leider haben wir nicht den ganzen Nachmittag Zeit. Das Taxi-RIB, welches uns zurück nach Leros bringen soll, fährt nur bis zum Einbruch der Dunkelheit, da gab es nichts zu verhandeln.
Da wir vorher zusammen Abendessen wollen, steht ein verfrühtes Dinner am Plan – übersetzen zum „Stigma“ um 18.00 Uhr!
Dafür muss der Shuttle aus seiner Garage! Ja richtig gehört, der WILLI, ein Williams Jettender, hat eine Garage auf ELOWYN! Alleine das Verladen mit dem Kran ist ein Spektakel, welches sich Jung und Alt nicht entgehen lassen.


Sibylle und ich konnten den WILLI nicht komplett fahrfertig machen, weil wir in der Marina keinen Platz zum Ausladen hatten. So mussten wir ein paar Minuten für das Abstauben und ein kurzes Nachpumpen investieren, dann konnte es losgehen.
Die Probefahrt machen Volker und ich, für den Fall, dass irgend etwas nicht klappt – das Paddeln wollen wir weder den Gästen noch unseren Frauen zumuten. Doch die Sorge war umsonst – der kleine Flitzer tat was er soll – flitzen!



Nach ein paar Minuten fahren wir zurück zum Mutterschiff – Sonja und Florian nebst Racker steigen zu, ich räume meinen Platz. Volker shuttelt die Familie zum kleinen Strand auf Archangelos, unsere Familie mustert ab.


Im Anschluss shuttelt Volker noch Sibylle und mich. Wir sitzen nun mit unseren Kindern und Kindeskindern auf dem Mini-Eiland Archangelos – eigentlich unbewohnt, nur Giorgos mit seiner Evropi leben hier, sie betreiben das „Stigma“, temporär unterstützt durch Tochter Dimitra und Schwiegersohn Kostas. Ich kenne die Familie jetzt schon über Jahre, ich würde unser Verhältnis als freundschaftlich bezeichnen.
Volker und Tina müssen sich noch frisch machen – ich glaube aber, dass sie sich ein Gläschen Moët gegönnt haben und sich leise gefreut haben – endlich zu zweit… 😉



Irgendwann wird es Zeit, wir sollten nach oben in die kleine, einladende Taverna gehen. Ich habe einen Tisch reserviert.
Ich liebe diesen Platz – einfach aber einladend, losgelöst von der Zeit, weitgehend still und off grid. Vielleicht nicht immer, aber zumindest in der Vor- und Nachsaison ein Kleinod, ein Paradies – wenn auch schon lange kein Geheimtip mehr.



Während wir ein weiteres Bier und eine Runde Ouzo ordern, entdecken die Kinder eine Besonderheit der Insel – es ist eine Katzeninsel! Evropi hat eine Vorliebe für die schnurrenden Miezen und füttert hier sicher 70 so kleine Krallenträger durch.
Wenn die Maunzer nicht gerade futtern oder jagen, dann fletzen sie gemütlich in der Sonne…

…oder sie holen sich bei den Touristen, hier mehrheitlich bei den weiblichen oder jugendlichen Besuchern, ihre Streicheleinheiten ab.

Volker und Tina treffen ein, wir nehmen Platz und bestellen Meze und Hauptgerichte. Es gibt keine Speisekarte, der Wirt sagt an, was die Küche hergibt.
Leider war unser geliebtes „Octopus Tigania“ diesmal nicht im Angebot, aber wir wurden anderweitig fündig, so dass wir nach dem Dinner satt und zufrieden dem Ende des Abends entgegensehen konnten – gleich würde unser Speed-Taxi um die Ecke biegen!
Die Buben halten schonmal Ausschau…

Ein paar Minuten später war es soweit – pünktlich um 20.00 Uhr kommt das recht große RIB von Leros angefahren und macht am kleinen Anleger fest! Für uns das letzte Signal zum Aufbruch.
Wir verabschieden uns von Tina und Volker und bedanken uns für den einzigartigen Tag – die ELOWYN wird am nächsten Tag von hier aus zu einer Urlaubsrunde aufbrechen.
Wir sagen „Yassas“ zu Giorgos und Evropi, winken Dimitra und Kostas zu und sagen ευχαριστώ, dankeschön, zu „Mr. Dimitris“ der hier verweilte und in der Küche aushalf.
Es hilft nix, wir müssen los…




Nach dem Buchtausgang legt der Fahrer den Gashebel auf die Konsole – Vollgas! Die Fahrt nach Leros – Partheni dauert wohl nur etwas mehr als fünf Minuten, ist aber schön für uns und spannend für Florian und seine Familie – nicht jeden Tag saust man mit einem XXL Schlauchboot durch die Dämmerung über das Meer.

Als wir in Partheni ankommen, wird es schon dunkel. Jetzt wird klar, warum der Fahrer nicht mit sich handeln ließ als wir die Abholzeit diskutierten.
Er manövrierte das RIB durch viele kleine Fischerboote an einen Mini-Holzsteg, um uns aussteigen zu lassen. Die Fahrt kostete für uns alle 50.-€ – preiswert wie ich meine.
Direkt oberhalb des Stegs standen unsere Vehikel. Wir stiegen ein und fuhren gemeinsam nach Xirokampos ins Ferienhaus. Dort legen wir die abgekämpften Jungs ins Bett, danach genehmigen wir uns noch einen Ouzo als Absacker – schön! So oft und so entspannt sind wir in Miesbach lange nicht mehr zusammen gesessen.
Zeit für´s Bett, es war ein wunderbarer Tag, wir sind erschöpft!
Der folgende Tag ist der letzte Tag, an dem unser Besuch auf Leros verweilen wird. Wir sind etwas melancholisch, beschließen aber, dass wir uns die Laune nicht verderben lassen und möglichst viel in die kommenden Stunden packen. Damit jeder auf seine Kosten kommt, trennen sich unsere Wege zunächst.
Sonja und Sibylle fahren mit den Jungs über die Insel…




So vetreiben sich die Frauen mit den Jungs den Vormittag – sie kehren mit vielen Eindrücken zurück. Leros kann noch ein paar Punkte sammeln und wird nachhaltig in Erinnerung bleiben.
Florian hingegen hatte andere Pläne, er wollte sich mal richtig auspowern und die Bergwelt von Leros, immerhin fast 400m hoch, bei einem Mountain-Run entdecken.





Ich selbst habe mir einen Vormittag Pause gegönnt und habe alle Kleinigkeiten, welche während der letzten Tage aufgelaufen waren, für mich erledigt. Es war aber selbstverständlich, dass ich, als die Familie wieder zusammengefunden hat, auch an Ort und Stelle war – ok, zugegeben, dass wir uns im „SouVLakki“ auf ein letztes Giros getroffen haben, hat mir die Entscheidung quasi abgenommen.


Danach ging es Schlag auf Schlag – was muss noch rein in den perfekten letzten Tag???
„Eis“ höre ich die Buben rufen – eh klar! Ein Nachmittagsbier soll getrunken werden, wir wollen noch einmal im Meer baden, Florian möchte noch einen kurzen Besuch auf NESSAJA abstatten und dabei wollen wir gleich das SUP noch aufräumen.
Naja, das sind ja ganz schön viele Punkte auf der Liste, packen wir es also an, bevor die Zeit knapp wird. Wir fahren zurück ins Ferienhaus nach Xirokampos und bereiten uns für ein, zwei Stunden am Strand vor.



Die gute Stunde am Strand hat uns gut getan. Wir haben etwas relaxt, uns erfrischt, jetzt kann es weitergehen. Zuerst in die Eisdiele, dann in die Marina zu NESSAJA.
Ihre neuen Kescher nehmen die Buben mit, Ziel ist es in der Marina einen Fisch zu keschern – ob das mal klappt? Ich habe Zweifel!
Egal, erstmal das SUP auf´s Autodach, wir nehmen es einfach mit zur Eisdiele – Surfin´Safari…




Nach dem Besuch der Eisdiele fragt mich Otto, ob er denn, wenn er mal alleine hier wäre, auch DREI Kugeln haben dürfte, die Eltern wüssten es ja dann nicht…
Ich zwinkere ihm zu, ja klar, aber nur wenn es unser Geheimnis bleibt 😉
Wir fahren in die Marina, die Jungs kennen NESSAJA schon und entern sie sofort. Auch Florian sieht sich um, „…ok, hier wohnt meine Mutter“ – ich weiß nicht was in ihm vorgeht, er hätte es sicher befürwortet wenn wir reisen würden, er meint, dass dies den Horizont erweitert.







Der Tag ist wie im Flug vergangen. Wir wollen uns nicht stressen und haben daher beschlossen, dass wir heute schon früher zum Essen fahren. Ich habe um 18.00 Uhr einen Tisch im „To Steki“ in Alinda bestellt, unsere Idee ist es, dass wir ankommen, die Kleinen noch ein bisschen sausen können, während die Erwachsenen mit einem Ouzo auf den gelungenen Urlaub der Kinder anstoßen.
Um 19.00 Uhr würden wir dann essen – soweit der Plan. Der lief auch ganz gut an…



Womit wir nicht wirklich gerechnet haben war, dass die Kinder noch einmal Lust auf ein wenig Planschen bekommen. Kaum haben wir uns versehen, lagen die meisten Klamotten schon auf der Seite und die Knaben tollten noch ein wenig in Ufernähe – es traf sich gut, dass Sonja an Ersatzkleidung gedacht hat!


Ich traue meinen Augen kaum, als ich ein paar Tage später Sonjas Bilder ansehe. Ich erkenne die Kreatur auf dem Bild sofort, hatte ich doch erst kurz zuvor einen Bericht über die Verbreitung des Feuerwurms im Mittelmeer gelesen! Das hätte am letzten Urlaubstag so richtig für Unbill sorgen können – Gott sei Dank haben die sonst so neugierigen Bengel hier Zurückhaltung gezeigt!
Es war langsam Zeit ans Essen zu denken. Wir bestellen bei Dimitris unsere favorisierten Meze, die Wahl überlassen wir ihm. Die Hälfte „from the land“, die andere Hälfte „from the sea“, das sollte reichen.


Die Nacht bricht herein, der letzte Abend nimmt seinen Lauf. Wir sitzen gemütlich beisammen, genießen die Zeit miteinander und wissen doch – morgen ist der Tag an dem wir Abschied nehmen müssen.


Obwohl es schon spät war, lädt Florian noch zu einem „letzten Bier“ nach Xirokampos. Ich sage zu, bevor Sibylle etwas erwidern kann. Schlafen können wir morgen, heute nutzen wir den Tag – „carpe diem“ – wir wissen nicht, wann wir uns wieder sehen.
Im Ferienhaus gehen die Jungs sofort ins Bett. Sonja, Sibylle, Florian und ich hingegen, genießen noch ein letztes Bier auf der herrlichen Terrasse.

Ein wenig betrübt schleichen wir ins Bett. Wir wissen heute schon, der Abschied wird uns schwer fallen.
Biepbiep, biepbiep – der Wecker klingelt um 06.30 Uhr. Wir rappeln uns auf und fahren nach Lakki um Brot und zwei Schoko-Croissant zu kaufen. Dann geht es abermals ans Südende der Insel, um unsere Familie abzuholen und sie nach dem Frühstück zum Flughafen zu begleiten.
Wir kommen pünktlich an und checken das Gepäck ein, dann heißt es warten…





Die Türe zur Sicherheitskontrolle öffnet sich, wir drücken uns alle noch einmal, dann lassen wir los. Ich bin traurig! Speziell die Kleinen haben die letzten beiden Wochen bereichert, ich hätte sie gerne noch ein wenig hier.
Ich fühle mich aber auch in meiner Meinung bestätigt – in vielerlei Hinsicht war es unsere besondere Lebenssituation, welche den Besuch hat besonders werden lassen. Opa und Oma in Miesbach sein, ist sicher auch schön – aber Großeltern die in Griechenland auf einem Schiff leben, das ist eben doch etwas Besonderes. Wir hatten zehn Tage lang ein Instant an wertvollen Stunden, das wäre so in Miesbach kaum realisierbar.
Ein letzer Blick, dann verschwinden sie im Flugzeug…



Etwa 15 Minuten später hebt die kleine Turboprop-Maschine der „Olympic Airlines“ ab. Unsere Familie hat Leros verlassen, der erste Enkelbesuch endet in diesen Minuten.
Sibylle und ich fahren nach Kamara ins „Mikes“, wir wollen einen Happen frühstücken und uns neu sortieren. Sibylle fährt den Leihwagen, ich reite die GS, wir folgen einander bis zum Café…

Wir beratschlagen uns und beschließen, dass wir zuerst ins Haus nach Xirokampos fahren und dort die Lebensmittel und Getränke abholen. Auch die von NESSAJA geliehenen Utensilien werden eingepackt – wir nutzen aus, dass wir den Mietwagen noch haben.

Nachdem wir den Wagen in der Marina entladen haben, bringen wir ihn zurück zu „Leros Rent a Car & Moto“, wo Rena schon auf uns wartet um das Vehikel entgegen zu nehmen.
Wir bedanken uns, bezahlen sofort und lassen den Wagen zurück. Vor Monaten für uns reserviert – das ist nun Geschichte.

Wir gönnen uns eine kurze Pause, gehen dann aber noch einmal zurück in Susannes Haus nach Xirokampos. Es wird zwar eine Putzfrau zur Endreinigung kommen, dennoch sehen wir uns in der Pflicht, dass wir den Grill und die Kaffeemaschine selber sauber machen – dies sind wertige Gegenstände und es obliegt uns, sie in einen einwandfreien Zustand zu versetzen.




Wir waren ein wenig geschafft, uns war nach einem Kaffee. Da traf es sich gut, dass wir meinen zu wissen, dass unsere Freunde Ina und Ralf, die Crew der CHILI, wieder in der Marina sind.
Wir sehen also bei der Hanse 419 vorbei, um uns zwei der exzellenten Espressi zu erbetteln, welche die Beiden guten Freunden ab und an kredenzen – doch nix da…

Hilft nix, der Kaffeedurscht ist da, den kann ich jetzt nicht wegdenken. Also gehen wir nach Hause auf NESSAJA und brühen uns selber ein Tässchen des guten Gebräus auf. Wir sind lange nicht mehr auf unserem Schiff zum Kaffee gesessen…

Just in diesem Moment pirscht sich unser Nachbar Ciarán heran. Man sei vor ein paar Stunden angekommen, schön, dass wir jetzt hier seien, man hätte was für uns – „the taste of Ireland!“
Die Beiden wollen sich für meine Sprit-Reinigungsaktion bedanken und haben allerlei Köstlichkeiten aus Irland mitgebracht. Nicht so „fancy food“, nein, eher ganz einfaches, leckeres, aber typisches „Irish food“.
Unter Anderem ein riesiger Sack Chips – der hat es mir angetan und ich widme mich seiner Vertilgung…

Sibylle liest – endlich mal wieder! Dazwischen greift sie zum Mobiltelefon und stalkt die Familie, welche sich immer noch auf der Heimreise befindet.
Zunächst hört man nichts von den Reisenden – „…es wird doch nichts passiert sein?“ höre ich meine Gattin fragen. Ich sehe nach Oben und antworte, die Backen voller irischer Chips, „Nein, sifffer nifft, eff wird ffon alleff gut gehen…“

Wenig später war es endlich soweit – ein Feedback von Schwiegertochter Sonja beantwortet alle Fragen – ja, alles hat geklappt, man sei gut in München angekommen und die Jungs futtern grad Breze mit Apfelschorle – jetzt ginge es mit dem Auto nach Hause.



Ich saß derweil im Salon von NESSAJA an meinem Laptop und habe ein paar Mails getippt. Ich war etwas melancholisch, denn ich war zerrissen – einerseits war ich froh wieder selbstbestimmt zu sein und auch mal Freiräume zu haben, wie sehr sind wir doch daran gewohnt, anderseits fehlen mir die Racker und das Leben in der Bude.
Ich hänge dem Hintergrundbild auf meinem Bildschirm nach – NESSAJA von der Terrasse des „Stigma“ aus fotografiert – waren wir nicht erst vor drei Tagen dort? Hatten wir nicht wunderbare Stunden? Ich vermisse das jetzt schon ein bisschen…

Trost spendet mir, dass heute tatsächlich die Crew der CHILI angekommen ist – Ina und Ralf nebst Tochter Jana, sind im Begriff ihren Herbsttörn zu starten und wollen heute Abend mit uns zusammen essen gehen. Das trifft sich gut, wir haben einander viel zu erzählen.
Das Lokal unserer Wahl ist Mariettas Bistro.

Wir setzen uns an den für uns reservierten Tisch, am Nachbartisch ein Mann aus der Marina, ich kenne ihn nicht näher. Er telefoniert laut und auf Freisprechen – es scheint, als meine er, dass alle Anwesenden an seinem Telefonat interessiert sind.
Es schien mir wie ein Zufall, dass er aufstand als wir uns setzten und sein Telefonat auf dem Platz zwischen Café und Taverne weiterführte – ich fand das fast schon zum Fremdschämen!

Wer jetzt denkt, dass ich mal wieder über rücksichtslose Zeitgenossen ätze und gleichzeitig meinen Verdacht äußere, an Misantrophie zu leiden, der irrt gewaltig!
Der eben noch mit Fremdscham behaftete Zeitgenosse hatte sich wieder an seinen Tisch gesetzt. Das Telefonat war zu Ende, er trank sein Bier und lächelte herüber. Jetzt entscheidet er, dass das Schmauchen eines Glimmstengels eine gute Begleitung zum Gerstensaft wäre – und zündet sich eine an.
Ich will gerade mein Schicksal bejammern, ich sitze nämlich in Lee und wir erwarten in wenigen Augenblicken unser Essen, da steht der Tischnachbar unaufgefordert auf und setzt sich auf die Treppe der kleinen Freifläche um uns nicht mit seinem Rauch zu belästigen…
Potztausend – das haut mich jetzt um! Vielleicht war sein Entfernen beim Telefonat auch beabsichtigt – hat zwar nicht gewirkt, aber der Wille zählt ja bekanntlich. Ich stifte dem Fremden auf jeden Fall für seine Rücksichtnahme 1000 Karmapunkte und weiß – man sieht sich immer zweimal! Dankeschön!

Unser Abendessen wird aufgetragen – es gibt Meze, vegetarisch oder ohne Fleisch 😉 , ich wähle aus Rücksicht auf die Vegetarier eine Fischspeise und Salat. Alles in Allem haben wir echt super gegessen.
Noch viel wichtiger – wir hatten einen sehr netten, geselligen und lustigen Abend mit der CHILI Crew!

Spät in der Nacht haben wir uns auf unsere Schiffe verholt und sind in den Schlaf gefallen – die Kinder sind weg, der Tag war gelaufen.
Ab morgen startet der Alltag – willkommen zurück im „normalen Leben“!
Der neue Morgen – zunächst einmal durchatmen. Nichts steht auf dem Programm, gar nichts – und das soll auch so bleiben! Wir nehmen uns vor, uns heute einmal nichts vorzunehmen. Ein wenig Müßiggang täte uns gut, so unsere Einschätzung – und so starten wir in den Tag…

Wir fahren nach Agia Marina – morgen ist Petras Geburtstag, zu dem wir seit Langem eingeladen sind. Es gilt, ein Geburtstagsgeschenk zu kaufen.
Da die Wahl auf lerianische Töpferkunst gefallen ist und ich kein ausgesprochener Experte auf diesem Gebiet bin, habe ich mich von Sibylle im „To Paradosiako“ parken lassen. Ich habe etwas zu essen und zu trinken bekommen, begleitet von der Anordnung hier sitzen zu bleiben, bis sie mich wieder abholt.
Das war eine knappe halbe Stunde später der Fall. Sibylle konnte Vollzug melden, natürlich nicht, ohne auch „eine Kleinigkeit“ für sich selbst zu kaufen. Ok, sei´s drum!
Wir trinken noch einen gemeinsamen Cappuccino, dann fahren wir zurück zu NESSAJA. Wir wollen noch ein wenig klar Schiff machen. Sibylle wäscht eine Maschine Wäsche, ich hänge das SUP wieder winterfest an – wir werden es in diesem Jahr wohl nicht mehr brauchen.

So haben wir wirklich den ganzen Tag verdröselt – irgendwie waren wir nebenbei produktiv, aber wirklich angepackt haben wir nichts. Ok, einkaufen waren wir noch, denn heute stand mal wieder ein BBQ an Bord der LIBERTÉ auf dem Plan.
Was es gab? Köfte natürlich… 😉

Irgendwie war die Luft raus! Bei LIBERTÉ hingen wir in der Warteschleife – würden die neuen Wanten und Stage rechtzeitig fertig werden? Ich hatte, offen gesagt, im Moment keine Lust jede freie Minute an der Bavaria 41H herumzuschrauben, ohne ein klares Zeitziel definieren zu können.
ELOWYN war auf einer Rundreise welche sich ein wenig ausdehnte. Zunächst waren wir davon ausgegangen, dass wir irgendwann für ein paar Tage zusteigen würden, doch dies hat sich aus mehrerlei Gründen in Luft aufgelöst – eigentlich erwarten wir unser Patenschiff erst zum 18.09. zurück.
NESSAJA, knock on wood, lässt uns in Ruhe – auf sie ist im Moment Verlass! Dafür werde ich gleich Anfang Oktober die große Wartungsarbeit an der Eberspächer-Heizung machen – versprochen!
Wir hatten nichts zu tun – so auch heute nicht!

Sibylle beschließt, dass sie mit Ina und Jana von der CHILI zum Hundeshelter geht, um dort mit den Zamperl Gassirunden zu gehen. Das trifft sich gut, denn es beschert mir einen freien Vormittag!
Den nutze ich für einen besonderen Ausflug! Da ich nur ein sehr bedingt gläubiger Mensch bin und der Institution Kirche eher wenig abgewinnen kann, ist klassische Trauerarbeit keiner meiner Leitgedanken. Da heute aber der 5. Todestag meiner Mutter war, habe ich beschlossen, nach Agios Isidoros zu fahren und dort ein Kerzerl für sie und eines für unsere Kinder und Kindeskinder anzuzünden.

Ich mache das nicht aus religiösen Gründen, auch hege ich kaum spirituelle Gedanken, aber ich möchte mir selbst gegenüber ein Zeichen setzen – ich denke daran, ich habe nicht vergessen.
Solche Gedanken gehen im Alltag gerne unter, der Rückblick auf das Vergangene, der Ausblick in die, hoffentlich sorgenfreie, Zukunft. Um nicht mehr ging es mir, ich denke daran, es war mir an diesem Tag wichtig!
Der Kontrast könnte größer kaum sein, denn Sibylle meldet sich per WhatsApp und lässt mich wissen, dass sie zurück sei und wir uns in der Eisdiele treffen könnten – na da lass´ ich mich nicht zweimal bitten…
Wir kommen zeitgleich bei „Repapis“ an und bestellen unsere Nascherei, dann drückt Sibylle mir den Geldbeutel in die Hand, ich solle bezahlen – aber ich hab´ doch auch nur eine Hand frei! Was tun???
Ich hab´s – hier mein Freund, halt mal!

Sibylle sieht mich strafend an, die Mädels hinter dem Tresen kichern, ich auch, aber eher innerlich.
Meine Gattin entreißt mir das Portemonnaie und zahlt selber. Nachtragend scheint sie, zumindest heute, nicht zu sein.

Ehe wir uns versehen, bricht auch heute schon der Nachmittag an. Hans Peter ist auch zum Geburtstagsfest geladen, es soll um 17.00 Uhr mit einem Umtrunk am Panteli Strand beginnen.
Alle sind etwas aufgescheucht – man müsse sich „frisch machen“ und etwas „aufhübschen“ bevor man diesem Anlass gerecht würde. Ich habe für mich beschlossen, dass es zur Feier des Tages mal ein Poloshirt gibt – ansonsten würde ich eher am Strand baden gehen, erfrischt aus dem Wasser kommen und dann dem Geburtstagkind meine Aufwartung machen…
Sibylle schüttelt den Kopf, zeigt aber keine Gegenwehr – sie führe wegen ihres Kleides und der Riemchensandalen mit Hans Peter im Auto, ich könne ja mit meinen Flip-Flops und der GS anreisen. Das klingt gut, so machen wir es! 😉



Die illustere Runde trinkt ein erstes alkoholhaltiges Getränk und spricht sich warm. Wir müssen einander kennen lernen, nicht alle hatten schon die Gelegenheit dazu.
Eine zweite Runde ging noch, dann war es an der Zeit, ein Haus weiter zu ziehen. Martin hatte im „Zorbas“ reserviert und die Meze vorbestellt – das Hauptgericht sollten wir “ a la carte“ bestellen.
Ok, ich bin gespannt! Unsere Kleingruppe nimmt am reservierten Tisch Platz, wir werden vorzüglich bedient und umsorgt.


Wir ordern die Getränke, dann gibt Martin das Signal die Vorspeisen aufzutragen. Es gab verschiedene Kleinigkeiten aus der griechischen Küche, alles in allem ein sehr guter Start…




Damit nicht genug – es folgten noch weitere Gänge Meze, esssen wie es die Griechen zu tun pflegen. Alles in die Mitte, jeder greift zu…


Den Meze folgt mit etwas Abstand ein Hauptgericht und diverse Getränke. Wir laben uns an den Köstlichkeiten, alle sind zufrieden und irgendwann auch mehr als satt.
Gemütlich sitzen wir beisammen und genießen noch ein Bier zur Abrundung.

Auch das Geburtstagskind schien zufrieden und glücklich zu sein, hat ihr Göttergatte Martin doch alles hervorragend organisiert. Dass der Tag noch nicht ganz zu Ende war – das konnte Petra ja nun wirklich nicht ahnen…



Nicht Petra hat sich zu bedanken, WIR haben zu danken! Danke für die Einladung, es war uns eine Ehre!
So klang der Abend aus und wir verholten uns in unsere Schiffe. Ein schöner Abend, wirklich. Es hat Spaß gemacht!
Am nächsten Morgen wache ich auf und schalte mein Mobiltelefon ein – BIMM! Eine Nachricht von Petra, sie freut sich über die Töpferkunst und bedankt sich abermals. Schön, wenn ein Geschenk gut ankommt!

Der Tag ist abermals so ein Brei aus „immerfort beschäftigt“ und „eigentlich nix gemacht“ – ich kümmere mich nämlich fast ganztägig um die EDINA.
Ed hatte mich angerufen – „Operator, this is an emergency!“ – und eine dringliche Bitte abgesetzt. Er könne nicht pünktlich kommen, EDINA würde aber gekrant, ob ich mich nicht um einige Dinge kümmern könnte??? Ach ja, wenn ich grad dabei wäre, könnte ich sie ja auch gleich an den Liegeplatz fahren.

Das klingt alles nach nix, aber das Arbeitspaket beginnt damit, dass mich drei Minuten später die Chefin der Marina anruft – „…Mr. Ed told us you take care of EDINA, please come to office!“
Es gibt viel zu diskutieren, der Termin wird um einen Tag verschoben, es wird festgelegt, dass die Marina die CNB 60 an ihren Platz verbringt, ich aber alles zum Termin vorbereite und dann nach dem Schiff sehe.
Ich spreche diese Vereinbarung mit dem Eigner ab und hole das finale OK. Bis dies soweit ist, ruft Sibylle zum Nachmittagskaffee.
Heute ist ein fader Tag, nichts geht zam. Deshalb beschließen meine Gattin und ich, dass wir unseren Herd mal wieder befeuern und uns was kochen. Was Leckeres? Nun, das möge jeder selbst entscheiden!

Ihr erinnert euch an unseren Nachbarn Ciarán, ich hatte erzählt, dass die beiden uns ein paar Leckereien aus Irland mitgebracht haben – Chips für mich, Pralinen für Sibylle.
Für uns Beide gab es Black Pudding und irische Bratwürstchen. Sibylle rümpft die Nase – aber ich weiß sofort was daraus zu „basteln“ ist…
Ein „full English Breakfast“! Ich liebe es!
Ok, ich gebe zu, es ist am Thema vorbei. Wir erzählen es Ciarán und Jill auch etwas abgewandelt und benennen es in „full Irish Dinner“ um. Das war nichtmal ganz gelogen, denn Sibylle verweigert den deftigen Schmaus am Morgen, so dass wir unser heutiges Abendessen daraus zaubern.
Richtig cool ist, dass wir sowohl „Baked Beans“ als auch „HP Brown Sauce“ bei Kritikos bekommen! Ich fühle mich an etliche Geschäftsreisen mit meinem Freund Reiner Holwein erinnert – eine tolle Zeit!

Wir machen frische Kartoffelrösti, braten den Black Pudding und die Würstel. Dazu richte ich die Bohnen, eine Scheibe gebratene Tomate und ein Spiegelei an.
Wir essen im Cockpit, haben wir lange nicht mehr gemacht!

Wir mampfen das Dinner weg und merken, dass sich der Inhalt unserer Teller in reziproker Relation zu dem unserer Bäuche verhält. Da hilft nur eines – ein Ouzo im „La Palma“ Café.


So lassen wir diesen recht unproduktiven Tag ausklingen. Morgen geht es weiter! EDINA kommt ins Wasser, ich muss ein bisschen darauf achten, dass alles klappt.
Auch Hans Peter hat erkannt, dass die Zeit langsam drängt, er will morgen mit dem Streichen seines Unterwasserschiffes anfangen – das wird auch Zeit.
Der morgige Tag verspricht also etwas mehr „Normalität“ und Abwechslung anzubieten. Sind wir also gespannt was kommt!
Ich wache auf und bringe meinen müden Leib in die Vertikale – „sofort Kaffee“ fordert mein Gehirn und meine Gliedmaßen folgen diesem Befehl. Ich brühe mir ein Tässchen des köstlichen Gebräus auf und setze mich auf meinen Platz – langsam kehren die Lebensgeister zurück.
Als ich auf die Uhr sehe fällt mir die Kuriosität des Moments auf – es ist der zu tragischer Berühmtheit gekommene 11. September, 9-11! Und just um 09.11 Uhr sehe ich auf die Uhr, gerade noch rechtzeitig um einen Screenshot zu machen. Ich bin überzeugt, dass es sowas wie ein Schicksal gibt – dieses hat es an diesem Tag vor 23 Jahren mit tausenden von Menschen nicht gut gemeint.

Jetzt muss ich aber los, EDINA ist das erste Schiff im Kran. Ich hoffe, dass alles wie geplant läuft.
Als ich zur Krangasse komme, hängt die blaue CNB 60 schon in den Gurten. Bis hierhin scheint alles geklappt zu haben.

Der Tag beginnt zwar gut, wettertechnisch aber verhangen – in diesen Tagen gibt es für den gesamten Mittelmeerraum schwere Sturmwarnungen. Auf den Balearen, in Kroatien und Italien sinken Schiffe, Wasserhosen sind zu sehen. Für das westliche Ionische Meer gibt es eine „echte“ Tornadowarnung – das Wetter spielt verrückt!
Wir sind nur sehr periphär betroffen. Es soll ein paar Tropfen regnen, danach soll der Wind stärker werden.
Hans Peter hat deshalb das Streichen seines Unterwasserschiffes immer wieder um einen Tag aufgeschoben – gewartet, kein Regen, gewartet, kein Regen.
Heute reicht es ihm! Er streicht! Was passiert? Regen!

Es war recht früh für den ersten Regenschauer. Mich traf er just in dem Moment, als ich bei EDINA in der Krangasse war. Ich konnte aber schnell wieder abziehen, alles lief wie am Schnürchen – die schnittige Französin wurde an den A-Ponton verbracht und dort ordentlich fixiert. Die richtigen Festmacher wurden verwendet, die Fender waren korrekt platziert.

Ich lass´ es erstmal gut sein und informiere Ed über die Ist-Situation. Alles sei gut, das Schiff liegt statt auf B auf A, es wird reichen, wenn ich später nochmals nach dem Rechten sähe.
Das Wetter hat sich schnell gebessert, es ist bereits wieder blauer Himmel zu sehen.
Ich gehe zu Hans Peter. Wie wird es ihm ergehen, wie läuft es beim Streichen und hat der kurze Regenschauer Schaden angerichtet?

Ich nehme es vorweg – auch wenn mein saarländischer Freund nicht an sein eigenes Glück zu glauben scheint – es beginnt just in diesem Moment eine Glückssträhne für ihn.
Er wird, zunächst alleine, dann mit Hilfe der befreundeten Segler, sein Unterwasserschiff insgesamt sieben! Mal anstreichen, ohne dass auch nur ein Tröpfchen Regen fällt. Wir können das Projekt „Coppercoat“ innert drei Tagen finalisieren.
Sibylle und mich dagegen, holt die Zahlenkombination 9-11 in diesem Augenblick ein weiteres Mal an diesem Tag ein – 911 ist als Notrufnummer in USA bekannt – ich erlaube mir einen Gedankensprung und gebe gleichzeitig auch die Erklärung für die Headline dieses Monats…
„Operator – this is an Emergency“ – wir erhalten nahezu zeitgleich DREI „Notrufe“ per WhatsApp. Diese werden die Folgetage und somit nahezu den halben September außerordentlich prägen.
Bei mir meldet sich Ed – ich müsse dringend nach der Wassertiefe im Bereich des Ruders sehen. Er sei bereits einmal am A-Steg auf Grund gelaufen, es wäre dort nicht tief genug. Er bitte mich das zu prüfen und gegebenenfalls EDINA sofort zu verlegen.
Zudem höre ich von Volker – er könne seine gesamte hydraulische Anlage, Ankerwinsch, Bugstrahlruder, Winschen und den Kiel nicht mehr betätigen. Er vermute die sechs Batterien der Hochstromanlage seien defekt und ich möge daher dringend neue beschaffen – er sei bereits mit laufenden Generator auf dem Weg nach Leros.
Der wichtigste Notruf kommt aber von Schwiegertochter Sonja – Otto will nach zwei Tagen nicht mehr in die Schule. Er weint nur noch und wehrt sich mit Händen und Füßen. Sie fragt Sibylle, „…kannst Du kommen und helfen?“
Wir erkennen – wir werden gebraucht! Es hat in keinem der Fälle Sinn, nach einem „Warum“ zu fragen – es zählt jetzt einzig die Lösung!

Ich reagiere sofort! Ich gehe mit Sibylle zu NESSAJA, wir ziehen uns für den Rest des Tages zurück.
Volkers Thema ist leicht zu lösen. Ich frage die Batterien an drei Stellen an, auf Lager hat niemand sechs Stück 12V / 180Ah LKW-Batterien. Die Entscheidung fällt auf die „Boatyard Artemis“, sie bietet den professionellsten Service und die kürzeste Lieferzeit. Ich bestelle und gebe meinem Freund die positive Nachricht.
Zu EDINA werde ich morgen gehen, Da kann ich heute auch nichts mehr machen – außerdem ist Sibylles Thema vorrangig!
Mich hat gewundert, dass Sibylle nicht sofort zugesagt hat. Sie hatte sich auch auf den September auf Leros gefreut – gutes Wetter, Zeit mit Freunden, Saisonausklang…
Aber Familie geht vor – wir haben kurz diskutiert, unsere Meinungen und Argumente ausgetauscht, dann hat sie Sonja zugesagt und ihre Flüge gebucht.
Der Abend klingt bei einem kleinen Dinner aus – unser geplanter und erhoffter Monatsverlauf hat heute einen Haken geschlagen! Unverhofft kommt oft!
OK, macht auch Spaß! Wir sind wieder getaktet, eigentlich mögen wir das! So begebe ich mich am nächsten Morgen, wie vereinbart, zu EDINA und schalte die Navigation ein – und siehe da…

Irgendwas kann nicht stimmen. Eds CNB geht am Ruder 2,7m tief. Weil das relativ viel ist, hat er extra einen Tiefenmesser für das Ruder verbauen lassen – dieser zeigt 2,3m. Würde alles mit rechten Dingen zugehen, dann würde das Ruder bereits 40cm tief im Schlick stecken.
Das kann aber nicht sein, denn es dreht sich leicht und scheint freigängig – was tun? Erster Impuls – tauchen! Zweiter Impuls – filmen!
Gedacht, gemacht!





Ich messe mit der Segellatte noch die Tiefe und komme auf rund 3,5m – genug Wasser für die CNB!
Ich informiere Ed und gebe Entwarnung. Zudem schließe ich das Schiff noch an den Landstrom an, denn Manolis hatte mich informiert, dass die Starterbatterie kaum mehr genug Power zum Anlassen des Motors hatte. Auch ein schlagendes Fall binde ich noch ab – das war es zunächst, der erste Notfall war erledigt!
Sibylle und ich gehen zurück zu unserem Schiff. Ich muss die Kamera reinigen, die Batterien laden und die Fotos und Filme übertragen. Es ist ein schöner und warmer Sommertag!

Ich habe Schabernack im Sinn – wenn die GoPro doch schonmal im Einsatz ist, dann könnten wir sie doch zum Baden mitnehmen? Dabei könnte ich versuchen, mal wieder ein paar „Snapshots“ zu knipsen.
Machen ist wie wollen, nur krasser! Auf geht´s…




Am Rückweg zu NESSAJA sehen wir bei Hans Peter vorbei. Die erste Lage Epoxiprimer war von gestern auf heute getrocknet, nun war er dabei, die zweite Lage aufzubringen.
Zur besseren Unterscheidung beim Streichen, verwendet man zwei unterschiedliche Farben. Heute war Beige ander Reihe.

Den Epoxiprimer wollte er alleine Streichen, dafür hatte er auch nur einen Satz Anstreicherausrüstung. Für den finalen Coppercoat aber, da würde er drei Personen zur Unterstützung brauchen – zwei zum Anrühren des Schutzanstriches, einen zum Streichen. Die Ausrüstung ist vorhanden. Er selbst wäre als zweiter Anstreicher gesetzt.
Dieser sensible und teure Anstrich soll morgen aufgebracht werden. Morgen ist „Coppercoat – Thursday“! Morgen ist aber auch der Tag von Sibylles Abreise nach Deutschland – ein spannender Tag steht uns bevor.
Ein bisschen Ablenkung bringt das für heute anberaumte Dinner mit Gottfried und Gabi von der HARMONY. Es traf sich gut, dass die Beiden die Lücke vor Sibylles Abreise noch geschlossen haben, ansonsten hätten sich die drei nicht mehr gesehen – die HARMONY Crew reist während Sibylles Abwesenheit ab und geht in die Winterpause.
Die Taverne der Wahl am heutigen Abend – „Taverna o´ Karaflas“, wir gehen zu meinem Freund Dimitris, dem Glatzkopf.




Wie immer mit G&G verfliegt die Zeit. Wir unterhalten uns über Gott und die Welt, behandeln ernsthafte und weniger tiefgängige Themen. Abende mit den Beiden sind erfrischend – schon immer! Dafür schätze ich die Crew der Harmony.
Satt und zufrieden fallen wir ins Bett, morgen nimmt der September einen neuen, ungeplanten Lauf.
„Operator, this is an Emergency!“
Hans Peter ist angespannt! Da er für den Coppercoataufbau helfende Hände braucht, lässt er die Community wissen, dass Unterstützung gefragt ist. Bei solchen Aufrufen trennt sich häufig die Spreu vom Weizen – bei ganztägiger Drecksarbeit steht keiner gerne „Gewehr bei Fuß“!
Es heuern an – Markus von der TARA, Dieter von der INFINITY und natürlich ich selbst. Wir sollen uns um 09.00 Uhr einfinden, gestrichen wird bis wir fertig sind.
Für Sibylle und mich beginnt der Tag daher recht früh. Sibylle frühstückt verschlafen und ich diktiere ihr Aufgaben ins Lastenheft. Wenn sie schon so unverhofft nach Deutschland reist, dann möchte sie doch bitte ein paar Dinge mitbringen.

„Bitte drei Gardena-Kupplungen mitbringen!“ „Ja“!
„Und noch einen Hahnanschluss!“ „Ja“
„In 1/2 Zoll!“ „Ja“
„Ich bestelle was bei Engelbert & Strauss, bitte mitbringen!“ „Ok“
„Ein Päckchen muss auch da sein, ein kleines Werkzeug!“ Ja, bring ich mit!“
„Und bitte den Ouzo nicht vergessen mitzunehmen, einzupacken und an Tobi versenden!“ Ja… Waaaaas??? Spinnst Du???“
Ich erkläre ihr geduldig, dass ich meinem früheren Arbeitskollegen Tobi noch eine Flasche Ouzo schuldig bin. Ich habe es versprochen, denn er hat mir bei ELOWYNs Turbolader wirklich weiter geholfen! Und es ist mir wichtig, dass es ein lokaler ist, nämlich der hier…

Sibylle verdreht die Augen. Sie stimmt aber zu, noch eine Flasche zu besorgen, dann aber müsse sie sich fertig machen und packen, ihre Fähre geht um 13.45 Uhr ab Agia Marina.
Sie hat gemischte Gefühle. Sie will Sonja zuhause helfen, sie freut sich abermals auf die Enkel – aber sie würde gerade jetzt auch gerne bleiben. Es ist ein zweischneidiges Schwert!
Wie ist eigentlich das Wetter in Deutschland so???



Auch Deutschland ist von einem echten Tief betroffen. Der Sommer weicht. Das macht die Situation gerade nicht besser, hilft aber nix.
Ok, ich muss jetzt los und beim Unterwasseranstrich von LIBERTÉ helfen, ich verspreche Sibylle, sie mittags zur Fähre zu bringen…

Hans Peter scheint seit Stunden schon am werkeln. Alles ist vorbildlich angerichtet und vorbereitet. Werkzeuge und Schutzausrüstung liegen parat, auch das Material ist aufgerichtet und vorsortiert – gefällt mir!
Markus kommt an – er blickt auf den gestern gestrichenen Rumpf und noch bevor er ein „Guten Morgen“ über die Lippen bringt, fährt es aus ihm heraus…
„Da können wir gleich wieder gehen, der Rumpf ist viel zu rauh, da musst nochmal schleifen. Den Coppercoatanstrich kannst vergessen!“
Ok, das trifft Hans Peter bis ins Mark. Der Kläger hat zwar nicht Unrecht, der Rumpf hat tatsächlich eine Orangenhaut, aber ob das wirklich relevant ist, bleibt zunächst offen.
Markus setzt sich zu mir…

Wir sitzen also nebeneinander da. Hans Peter wehrt sich gegen die Vorwürfe. Es sei egal ob das ganz glatt oder etwas hubbelig ist – wenn man nicht gerade Regatten gewinnen wolle. Für ihn reiche es aus, er schleife nicht mehr – heute wird gestrichen!
Ich höre ihn fragen, „…oder was meinst Du?“
Er sieht in meine Richtung. Ich drehe mich um, doch da ist niemand. Mich beschleicht der Verdacht er könne mich meinen. Shit – gerade noch stiller Zuhörer, schon gerate ich in den Konflikt, was tun???
„Ähhhh….“ höre ich mich sagen – in dem Augenblick fällt mir ein, an welches Bild mich diese skurille Szene erinnert!

„Ähhhh….“ wiederhole ich – Gott sei Dank kommt just in diesem Augenblick Dieter, welcher sich etwas verspätet hatte. Er wünscht einen guten Morgen, streicht über LIBERTÉs Rumpf und meint, „…ganz glatt ist es ja nicht geworden!“
Das lenkt ab! Meine offene Antwort ist nicht mehr relevant, die Diskussion auf´s Neue entfacht. Ich habe Glück, hätte aber salomonisch antworten können – Hans Peter hat Recht, es wird vermutlich nicht relevant sein – weder theoretisch, noch praktisch. Insgeheim stimme ich aber Markus zu, ich hätte bei NESSAJA auch ein besseres Finish angestrebt, rein aus optischen Gründen. Soll uns aber heute egal sein…
Hans Peter war sehr gut vorbereitet. Er hatte sich auch eine Einweisung des Arbeitsteams vorgenommen. „Alle mal herhören…“



Genug der Worte – res, non verba – es geht los…




Cees von der LE CLAPOTIS kommt vorbei, der Niederländer grüßt freundlich“Goedemorgen, sagt mal, gehört der Rumpf so rauh?“ Hans Peter rollt die Augen, er erwidert, „…ja, das ist ok – und der Anstrich deckt erst nach dem vierten Durchgang!“
Ich schmunzle in mich hinein – Slapstick vom Allerfeinsten – Geschichten die das Leben schreibt.
Cees macht ein paar Bilder, dann geht er wieder.





Gottfried sieht nach dem Rechten – ihr ahnt was kommt – „Guten Morgen Männer! Sieht ja schon ganz gut aus. Aber es deckt noch nicht, ob das an der Orangenhaut liegt?“
Hans Peter holt tief Luft, ich merke wie sein Kamm schwillt – gerade noch rechtzeitig kann ich dazwischengehen und statt seiner antworten. „Nein Gottfried, die Orangenhaut ist irrelevant und für Hans Peter akzeptabel. Wir haben schon drei Anstriche drauf, aber es deckt wohl erst ab dem vierten!“
Ich sehe zu Hans Peter, er lässt die Luft ab und nickt – „Genau!“

Als Gottfried geht, kommt gerade Sibylle vorbei um mir zu sagen, dass sie in etwa einer Stunde weiter muss. Ich kenne meine Frau und bin auf der Hut.
Als sie die Arme in die Hüften stemmt und zum Rumpf schaut, zuckt ihr Mindwinkel – ich sage hastig, „…sieht gut aus Sibylle, oder? Das Finish ist ok und ab der nächsten Lage deckt es auch!“
Sibylle sieht mich an, ich kann ihre Gedanken lesen. Sie sagt nix, Gott sei Dank!
Wir streichen weiter…


Es wird nass in nass gestrichen – immer reihum. Man merkt sich, wo man schon gestrichen hat. Immer wenn man einmal rum ist, wird die Mischung neu angepasst.
Es wird ohne Pause gestrichen, so lange bis die Farbe verbraucht ist. Für LIBERTÉ wurden 13 Verpackungseinheiten berechnet, die soll für etwa sechs Lagen reichen.
Irgendwann ruft Hans Peter, „…die Farbe ist aus!“ Das war es, wir sind fertig! Ich frage noch nach, ob das wirklich alles sei, ob wir wirklich 11 Einheiten verstrichen haben? Mir kam es wenig vor, zumal es nur für fünf Lagen gereicht hat.
„Nein, passt schon, die Farbe ist aus! Wir sind fertig, Danke Jungs, ihr seid entlassen!“

Das trifft sich gut! Exakt jetzt muss Sibylle zum Fähranleger nach Agia Marina! Ich verabschiede mich, darf mir Hans Peters Ranger ausleihen und karre meine Gattin nebst Gepäck in das kleine Örtchen auf der anderen Inselseite.
Wir haben etwas Zeit, also gönnen wir uns noch einen „Freddo Cappuccino“ im neu eröffneten Café „Navarone“.


Durch die lange Wartezeit auf unsere Bestellung, verging die Zeit wie im Flug. Bald schon kam Sibylles Zubringer um die Ecke und für uns war es an der Zeit, uns zur Rampe zu bewegen – ich verabschiede mich von meiner Frau, sie geht nach Deutschland, ich bleibe abermals alleine zurück auf Leros.


Weg ist sie! Damit hatten wir nicht gerechnet! Sibylle macht sich auf zu ihrem vierten Deutschlandbesuch in diesem Jahr. Die Frequenz steigt. Wir wissen Beide noch nicht wann sie zurück kommen wird, es kann eine Woche dauern oder vier. Sibylle selber rechnet mit einer Woche, ich denke, dass es länger dauert, die Mission lautet schließlich, dem kleinen Otto den Schulbeginn zu erleichtern – hierfür gibt es kein klassisches Enddatum.
Ich fahre zurück zu LIBERTÉ und Hans Peter – nanu, Dieter ist auch noch da, es stehen Farbdosen auf der Interimswerkbank – was hat das zu bedeuten? Was ist hier geschehen?

Der Saarländer erklärt mir, dass er vergessen habe einen Karton mit „Coppercoat“ Zutaten auszupacken. Es muss rasch gehandelt werden – Operator, this is an Emergency – der letzte und sechste Anstrich muss gestrichen werden, bevor der vorherige angetrocknet ist.
Ich stecke meine Hände abermals in schwarzes Latex und denke an meine Frau, die wohl gerade auf der Fähre sitzt. Na dann, legen wir nochmals los…

Nach einer weiteren Stunde sind wir fertig, tatsächlich fertig! Wir räumen die Baustelle auf und ziehen das Klebeband für den Wasserpass ab. Jetzt endlich ist es geschafft – Hans Peters Projekt mit „Priorität 1“ ist erledigt! Seine LIBERTÉ trägt neue Unterwäsche, sie kommt kupferfarben daher, Coppercoat soll in Zukunft vor Bewuchs schützen.

Wir haben jetzt zwei komplette Garnituren des „Coppercoat“ Anstriches zurückgehalten. Diese Einheiten sind für das Ruder, welches noch zu bearbeiten ist, zudem müssen noch die Auflageflächen der Stützen gestrichen werden. Beide Arbeiten planen wir für den April 2025!
Es gibt jetzt ein neues Projekt mit „Priorität 1“, nämlich die Erneuerung des stehenden Guts und das Stellen des Mastes. Ob das klappt werden wir sehen, im Moment gibt es keine Neuigkeiten aus Athen.
Inzwischen ist der Abend angebrochen, die Sonne verschwindet mittlerweile recht früh am Horizont.

Unser „Bauleiter & Einpeitscher“ des heutigen Tages, hat es sich nicht nehmen lassen, ein Helferessen zu spendieren. Die ganze Truppe trifft sich also im „SouVLakki“ auf einen Grillteller – so muss das!

Markus kommt an diesem Abend nicht alleine, er stellt uns Lilly vor, eine sehr nette und interessante Frau. Seglerin, Deutsch-Griechin, wortgewandt – sie war durchaus eine Bereicherung an diesem Abend. Ich bin gespannt, ob wir Lilly noch einmal sehen werden.
Klar, dass ein solcher Abend nicht ohne Eisabsacker enden darf. Wir drehen also die Runde über „Repapis“ Eistempel und beenden den Tag dann langsam – wir waren alle geschafft!



Zuhause falle ich todmüde ins Bett. Der letzte Gedanke an den ich mich erinnern kann – „…was machen eigentlich ELOWYNs Batterien?“ Dann bin ich wohl eingeschla….Chrrrr, chrrrr….
Als ich am nächsten Morgen aufwache, habe ich die Stromspeicher meines Patenschiffes sofort wieder im Sinn. Ich stehe auf, trinke meinen Kaffee und fahre dann nach Lakki, um nachzufragen, ob denn mit der Verschiffung alles geklappt hat. Hat es! Das ist ja mal eine gute Nachricht, es kann also losgehen!

Ja, irgendwie ist es verwunderlich. Natürlich habe ich die Batterien zunächst dort angefragt, wo man mich vermuten würde – ich war an der BP Tankstelle Mavroudis und habe mit Vivi darüber gesprochen. Von ihr habe ich den besten Preis aber leider eine inakzeptable Lieferzeit bekommen.
Ich war sebstverständlich bei unserem Ship-Chandler in der Evros Marina. Panos hat mir, auf Nachfrage, den gleichen attraktiven Liefertermin genannt wie Kaliopi, hat aber dann, als ich die Batterien selber definieren wollte gesagt, „Captain, send me a picture…“! Er kann eben nicht aus seiner Haut – doch diesmal war diese Aufforderung die falsche, die Zeit drängte.
So fiel die Wahl eben abermals auf den schönen, neuen und aufgeräumten Laden der „Artemis Boatyard“. Die zwei Damen im Laden haben das so gut im Griff, da passt jede Aussage – sie handeln absolut verlässlich und professionell!
Ich informiere Volker per WhatsApp, dass die begehrten Akkus vor Ort sind. Zudem meine neugierige Frage – und wo seid ihr?
Da nicht umgehend eine Antwort kommt, sehe ich einfach nach…

Nachdem klar wird, dass ich noch Zeit habe und der Einbau wohl erst morgen stattfinden wird, gönne ich mir erstmal ein Frühstück. Doch wohin nur??? Mikes? Ein Kotopita? Hm, heute nicht! Marietta? Ein Rührei mit Speck? Nein, ein Andermal. Ich weiß!!!

Ja tatsächlich, Eis kann ich zu jeder Tages- und Nachtzeit – schade, dass es bei „Repapis“ kein Himbeereis gibt, ich müsste sonst ernsthaft über den 1977er Schlager von Hoffmann & Hoffmann „Himbeereis zum Frühstück“ als Headline nachdenken. Dabei frage ich mich, ob es auf Leros eigentlich Fahrstühle gibt – aber das ist ein anderes Thema 😉 …
Zurück in der Marina, spricht mich Hans Peter an, er bräuchte Hilfe. Diesmal ist es kein „Emergency Call“, es geht nur um eine Kleinigkeit.
Mein Freund hat ein nur zwei Jahre altes 240er Hypalon-RIB gebraucht erworben, dies müsse am anderen Ende der Marina geholt werden. Klar, machen wir sofort…

Gemeinsam brummeln wir mit dem Ranger über den Sandplatz der Marina und bringen das Schnäppchen zu LIBERTÉ. Ein guter Kauf! Der Saarländer freut sich und lädt mich auf ein Sprudelwasser zu sich an Bord.
Dort werden wir sehr nett empfangen…

Wir sitzen im Cockpit der Bavaria 41H und trinken das Blubberwasser. Es ist noch heiß, daher genießen wir die Zugluft auf HPs „Roof-Top Terrace“, dies wird sich im Laufe des September noch ändern – aber das wissen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht.
Wir klönen, wir haben keinen Zeitdruck! Man merkt dem Saarländer die Erleichterung an – Coppercoat ist gestrichen, das stehende Gut ist in Athen. Es stehen zwar eine Menge Kleinarbeiten auf der Liste, aber für den Moment ist der Druck erstmal aus dem Kessel.
Dass Sibylle nach Deutschland musste und wir auf einen Kurzurlaub auf der ELOWYN verzichtet haben, hat Hans Peter in die Karten gespielt. Ich hatte mehr Zeit und Lust, mich auf seine offenen Punkte zu konzentrieren. Wir besprechen uns, wie geht es weiter?
Nun, wir müssen auf die Fertigung der neuen Wanten und Stagen warten, hier können wir kaum etwas tun, alles ist „just in time“ geplant. Mein Freund fordert ein paar Tage relaxen ein. Ich bestätige das und informiere ihn, dass sich dies gut träfe, denn ich würde mich die nächsten Tage auf Tina und Volker nebst ihrer ELOWYN konzentrieren.
Zusammen sehen wir noch einmal nach, wo die Beiden eigentlich unterwegs sind – eine klare Annäherung ist zu sehen, sie werden bald ankommen.

So haben wir Beide einen ganzen Nachmittag verratscht. Das hat auch einmal gut getan, zusammensitzen ohne Arbeitslast. Ich bleibe noch eine Stunde sitzen, dann möchte HP kochen.
Für mich dagegen ist es Zeit an den A-Ponton zu gehen um beim Anlegen von Volker und Tina zu helfen.



Ich denke, ich muss nicht erwähnen, dass ich bereits einen Leihwagen organisiert habe und dieser parat steht! Wir gehen heute zusammen ins „SouVLakki“, weil Tina, man höre und staune, „Lust auf Fleisch“ hat. Ich grüble, ob dies die vielzitierte „Fleischeslust“ ist, bekomme aber keine abschließende Antwort – egal, wir lassen den Tag wunderschön ausklingen.
Als wir spät nachts in die Marina zurück kommen, ist nahezu absolute Ruhe. Der Mond schickt sich an, zum Vollmond zu werden und kann der Szenerie eine besondere Stimmung auferlegen.

Am nächsten Morgen vernehmen meine Ohren zwei Geräusche. Das Klingeln des Weckers einerseits, anderseits das Brummen meines Kopfes.
Alles Jammern hilft aber nix, die Pflicht ruft! Heute bauen wir „mal schnell“ sechs Batterien um – jede 12V / 180Ah und rund 50kg schwer.
Ich bin zur verabredeten Zeit vor Ort – und siehe da, Volker war schon fleißig! Hier lässt er sich nichts nachsagen.

Sein Überengagement hat für mich einen Vor- und einen Nachteil – der Vorteil, ich muss mich nicht, in gebückter Stellung, auf den Knien rutschend, mit Kleinarbeiten plagen.
Der Nachteil – mit dem ersten Handgriff hängt ein 50kg Monster an meinen Ärmchen. Das Gewicht zerrt an den Schultern, Ellbogen und Handgelenken.



Es ist nicht zu vermeiden, dass wir jede einzelne der wuchtigen Batterien etliche Male packen und anheben müssen. Es geht nicht anders als in kleinen Etappen.
Vom Batterie-Kompartment auf den Salonboden, von dort über die Niedergangstreppe auf den Cockpittisch, vom Cockpit ans Heck des Schiffes, von da über die Gangway auf den Ponton und, last not least, vom Ponton in den Kofferraum des Jimnys.

Wir fahren zu Giorgos „Boat & Parts“ und geben das SUP zur Reparatur ab, dann geht es weiter zum Laden von „Artemis Boatyard“, wo unsere Batterien schon auf einer kleinen Palette auf uns warten.
Es beginnt ein ähnliches Spiel – jede der sechs alten Batterien ausladen. Dann in den Lagerraum des Geschäftes tragen – auch hier gibt es eine Altteilrückgabe. Die Neuen stehen zum Glück vor dem Laden und sind relativ rasch ins Auto gestapelt – dann geht es zurück in die Marina.

Naja, ihr könnt euch vorstellen was jetzt kommt – wir machen alle Schritte des Vormittags noch einmal, nur in umgekehrter Reihenfolge.
Als wir die Dinger an Bord haben sind wir echt erleichtert. Das ist die „halbe Miete“…

Wir trinken einen Espresso und schuften weiter. Das Gute an solchen Arbeiten ist, irgendwann hast Du ein Ergebnis!
Ja, man plagt sich, man ärgert sich, aber irgendwann liegt die Hauptlast hinter einem. So auch heute! Am Spätnachmittag vermelden wir Vollzug! Die neuen Energieträger sind ausgepackt und auf ihre Plätze gehoben, die körperliche Schwerstarbeit hat ein Ende gefunden.

Volker ruft ein „Freu-Bier“ aus, das hätten wir uns verdient! Ich muss sagen, so ganz unrecht hat er da nicht. Wir merken halt auch, dass wir nicht mehr 20 sind. Aber generell muss ich sagen, dass die Rackerei glimpflich an uns vorübergegangen ist – wir hatten andertags keine unsäglichen Schmerzen.

Volker entlässt mich in den Feierabend. Er wolle noch das Interieur von ELOWYN zusammenbauen, dann könnten wir doch an den Panteli Beach fahren, ein weiteres Bierchen schlürfen und uns etwas erfrischen?
Ja, das klingt gut! Zudem einigen wir us auf das „La Nostra“ als Restaurant der heutigen Wahl. Volker ist´s nach Pizza und ich freue mich – Leibspeise!
Ich erhalte den Auftrag, am Weg zu NESSAJA sowohl Hans Peter als auch Gabi und Gottfried zu informieren – wer will kann mit!
An der HARMONY brauchts keine lange Überredung! Die Beiden freuen sich und sagen zu. Dann gehe zu LIBERTÉ und frage Hans Peter. Er zaudert, denn er hätte schon eingekauft und müsse erst überlegen, ob nicht etwas Verderbliches dabei wäre.
Es vergehen Sekunden, die mir wie Minuten vorkommen – ich experimentiere derweil mit des Sarländers Brille…

Mein Freund reißt mich aus meinen Gedanken – „Ok, ich komm´ mit! Kochen kann ich morgen.“ Na also, geht doch!
Ich verhole mich auf NESSAJA und gönne mir eine Stunde Pause. Ich lege mich einfach auf die Salonbank und schaue in die Luft – Sibylle nennt es „doof schauen“. Obwohl ich den wortbrechenden Comedy-Star Willy Astor gar nicht so mag, fällt mir in dieser Sekunde sein Werk „Das Flunserl“ ein – „…ich lieg auf meiner Couch und sehe so a klitzekleines Flunserl…“
Viel zu schnell vergeht der Moment der Ruhe. Ich packe meine Badehose und fahre mit Tina und Volker an den Panteli Strand. Wir genießen den restlichen Tag!
Just in diesem Moment ertönt ein BIMM und eine Nachricht von Sibylle trudelt herein. Ich wusste, dass sie gut angekommen ist und sich voll ins Family-Business gestürzt hat. Leider läuft es mit der Eingewöhnung der Knaben in Schule und Kindergarten nur bedingt gut. Sie ist frustriert und hadert zudem mit dem Wetter. Ich erhalte dieses Bild…

Ich bin in einer Zwickmühle! Was soll ich antworten? Ich spreche ihr mein Bedauern aus, das mit dem Wetter ist echt Mist. Ich vermittle Zuversicht und stimme zu, dass es gut war anzureisen und zu helfen – sie würde das hinbekommen.
Gerade als sich der Ton in der Kommunikation normalisiert, entscheide ich ebenfalls ein Bild zu senden – war wohl keine gute Idee, die Kommunikation reißt ab…

Wir bleiben nur etwa eineinhalb Stunden, dann geht es zurück in die Marina. Wieder zieht sich jeder in die privaten Gemächer zurück – „frisch machen“ steht auf dem Programm, denn dann ruft das „La Nostra“!
In der Marina wird wieder fleißig gekrant. Der Platz ist jetzt schon gut angefüllt, es herrscht eine 105% Auslastung, was manchmal für Unbill sorgt.
Aus diesem Grund und weil das „Skipper´s“ immer noch geöffnet hat, muss dafür Sorge getragen werden, dass genug Manöverraum für die großen Kräne und den Mover bleibt – dafür hat sich die Marinaleitung Maßnahmen einfallen lassen.
Leider gibt es eben auch hier immer diesen einen Deppen.

Es parken eben um diese Jahreszeit noch viele Wägen innerhalb der Marina. Nicht jeder Zeitgenosse schaltet dabei das Gehirn ein und beachtet die Fahrwege der Arbeitsmaschinen oder Zulieferfahrzeuge.
Der arme „Crane Operator“ Giannis muss dann immer echt lang die Mieter oder Besitzer der Wägen suchen, das verzögert die Abläufe – aber Hauptsache, dass jeder sein Auto gaaaanz nah am Schiff hat.
Wenn ich Kalif wäre anstelle des Kalifen, ich würde es einmal auf eine Auseinandersetzung ankommen lassen und ein Auto mit einem Schiff zuparken. Klar, ein bisschen Zirkus, ein bisschen Heckmeck – warten bis es genug Leute gesehen haben und dann „Radio Ponton“ für sich arbeiten lassen.
Ich bin sicher, dass dann keine Autos mehr zwischen den Booten stehen würden. Na egal, ich reg´ mich wirklich nicht auf, wo Menschen sind menschelt es eben – ein Spiegel der Gesellschaft!
Wir zwängen uns in den kleinen Jimny und brummeln zur Pizzeria, dort treffen auch Hans Peter und G&G ein.




Es war ein kurzweiliger Abend! Wir haben uns kreuz und quer unterhalten, für jeden war ein Thema dabei und es herrschte keine Sekunde Langeweile.
Sehr zu meiner Überraschung, schließen wir auch den heutigen Abend bei „Repapis“ ab. Tina und Volker sind gar nicht so Ice-Lovers, wir gehen selten bis nie in Lakkis Eispalast – heute aber schon! Vielleicht war es einfach der „Gruppenzwang“, vielleicht die Neugierde – wie auch immer, der Tag klang bei einer süßen Köstlichkeit aus.

Der neue Morgen bricht an – ein Tag des Abschieds und des Wiedersehens gleichzeitig – kurios wird es dadurch, dass es sich um ein- und dasselbe Schiff handelt – die ELOWYN!
Durch die Unterbrechung ihrer Reise, haben Tina und Volker nur zwei bis drei Tage Zeit, bevor sie noch einmal, geplant diesmal, für zwei Tage in die Marina kommen. Dann, um das Schiff für ankommende Gäste vorzubereiten und um hier zu bunkern.
Die Beiden wollen unbedingt auslaufen, doch es stellt sich die Frage – wohin??? Dies erörtern und diskutieren die Beiden während eines Frühstücks im „Skipper´s“ – ich schließe mich einfach mal an und bin ganz Ohr!


Mich wundert, dass auch die Locals zum Frühstücken kommen. So treffen wir Gianna Mavroudis mit Familie. Ihr Mann Maximos ist an der familieneigenen Tankstelle beschäftigt und ein Autonarr – dies bestätigt ein Blick auf sein Automobil.
Wer Leros kennt weiß, dass so eine Maschine hier eigentlich absurd ist – aber was soll´s?

Ach ja, wie ist es ausgegangen? Wohin führt der Törnplan der ELOWYN? Haltet euch fest, es soll nach Panteli gehen!
Es stehen also etwa 7nm auf dem Plan, Ankunft in ein bis zwei Stunden. Ich soll das Auto bitte einen Tag länger mieten und einen Tisch im „Harris“ und anschließend im „Pirofani“ bestellen – ok, das klingt aber nicht schlecht! In mir macht sich Vorfreude breit…
Doch zunächst heißt es Abschied nehmen – für zwei Stunden!

Ich nutze die Pause für dringende Hilfe – „Operator, this is an Emergency!„
Es ist ein „echter“ Notfall, einer der Art, wenn ein Vollblut DIY-Skipper um Hilfe ersucht, weil er mit seinem Latein am Ende ist. So ergeht es heute Gottfried.
Ich habe das so noch nie geschrieben, aber Gottfried ist einer von zweien, von denen ich mir bei NESSAJA habe helfen lassen. Er ist ein Tüftler, einer der es eher etwas zu genau nimmt und sich zu verstricken droht – aber er ist auch der, der sich in Lösungsansätze verbeißt wie kein Zweiter.
Er tüftelt lange schon an seinem Wassertank, dieser ist undicht. Mehrere Reparaturversuche führten nicht zu dauerhaften Erfolg. Zu guter Letzt hat er entschieden, einen neuen Tank auf Maß schweißen zu lassen. Gefertigt wurde der Tank von meinem Freund Giorgos.
Es sieht so aus, als ob auch der neue Tank undicht ist!!! Gottfried ist der Verzweiflung nahe, ich möge bitte vorbeisehen.

Ich konnte helfen, auf ganz banale Art und Weise! Gottfried wollte nicht akzeptieren, was nicht sein darf – er hantierte mit Zewa, stellte Drucküberlegungen mit einer bestimmten Höhe Wassersäule an und überlegte ernsthaft, ob man den Tank vielleicht besser nicht ganz auffüllen soll.
Der Grund lag auf der Hand – er hatte den Tank inzwischen fünfmal ausgebaut, jedesmal gehofft, jedesmal den Nackenschlag wegstecken müssen. Nun steht in drei Tagen ihre Heimreise an und es gibt alle Hände voll zu tun – dies steigert die Kompromissbereitschaft und verhindert klare Gedanken.
Ich schaue mir den Tank an, warte zwei Minuten – ein Tropfen! Ich putze die Stelle ab und warte wieder zwei Minuten – wieder ein Tropfen. Klare Sache – undicht! Bei Wasser gibt es nur 1 oder 0! Dicht oder undicht, Top oder Flop.
Ich sehe ihn an und sage – „…lass´ das Wasser ab und bau´ ihn nochmal aus. Ich bring ihn mit Hans Peter zu Giorgos und kümmere mich während des Winters darum. Nächstes Frühjahr hast Du einen dichten Tank!“
Er vertraut mir und übergibt das Projekt in meine Hände – ich freue mich, dass ich etwas für Gottfried tun kann.
Für heute reicht es mir! Ich bin verschwitzt und freue mich auf ein Bad am Panteli Beach! Dort würde ich auch Volker und Tina wieder treffen. Ich packe meine Badebuxe und tuckere mit dem Mopped an den schönen Strand.


Ich kann nicht anders, es überkommt mich einfach – ich weiß auch, dass es ein bisschen gemein ist, aber ich MUSS Sibylle dieses Bild schicken! Ich verbinde es mit der scheinheiligen Frage, wie es denn bei ihr so sei…
Dazu hänge ich noch ein weiteres Bild an!

Sie antwortet prompt und schickt Emojis die ich ohne Brille nicht genau erkennen kann. Das eine scheint ein braunes Dreieck zu sein, das andere ein roter Kreis mit einem angedeuteten Blitz – komisch???
Natürlich schickt auch sie ein Bild, sie sei gerade etwas spazieren…

Auch ich kommentiere ihr Bild mit einem Emoji, ein gelber Punkt mit einem grünen Strahl am unteren Ende lässt mich vermuten, dass ich das Kotzemoji ausgewählt habe!
Als ich mit Volker und Tina den Strand Richtung Parkplatz verlasse, wir sind auf dem Weg zum „Harris“, stehen zwei Musiker vor dem „Tante -Emma-Laden“. Just in diesem Augenblick kommen hupende Autos und stoppen auf dem kleinen Platz, dieser ist augenblicklich blockiert.
Das Brautpaar steigt nebst den Begleitern in den ersten drei Fahrzeugen aus, die Musiker fangen an zu spielen und es wird auf der Straße getanzt. Panteli ist für fünf Minuten blockiert, aber niemand regt sich auf.
Das ist Griechenland – I love it! το λατρεύω!!!

Kaum war der Tanz getanzt, gab es eine Runde Tsipouro und die Karawane setzte sich wieder in Gang. Der Stau löste sich schneller auf als gedacht, so konnten auch wir unsere Fahrt zu Haris´ Bar in der Windmühle am Bergkamm fortsetzen.
Ein paar Minuten später trafen wir ein und bekamen den perfekten Tisch zugewiesen – ein bisschen Glück war dabei, weil wir nur auf einen Drink bleiben wollten. Für die kurze Zeit war es kein Problem diesen besonderen Platz zu besetzen.





Wir gönnen uns einen „Hakuna Matata“, einen Longdrink, der scharf angemischt und sehr fruchtig ist – sehr geiles Getränk. So genießen wir die eineinhalb Stunden bis die Sonne weg ist, dann fahren wir den Berg wieder hinunter nach Panteli – wie bereits erwähnt, ist das „Pirofani“ heute die Taverne unserer Wahl.
Es ist ein toller Tag, sorgenfrei, alles in Ordnung – Hakuna Matata!

Hier passiert zum ersten Mal in diesem Jahr, dass Volker noch einmal mit dem Dinghy zu ELOWYN fahren muss. Beiden, Tina und ihm selbst, ist es nach einer leichten Jacke oder einem Pullover.
Ich will es nicht wahrhaben, aber ich muss beipflichten. Ich habe nicht den Luxus „schnell mal“ das Longsleeve holen zu können und harre daher aus – aber ich fröstle und ziehe mir wohl eine leichte Erkältung zu.
Der Hochsommer hat sich klammheimlich und viel zu früh verabschiedet. Es ist für Mitte September etwas zu kalt, die letzten Jahre waren wir erst ab Oktober langärmelig. Ich hoffe, dass dies noch einmal etwas besser wird wenn der Wind nachlässt – im Moment sieht es nicht danach aus.

Heute belassen wir es dabei ausschließlich Meze zu bestellen. Das aber in einer solchen Vielfalt, dass wir alle satt werden und für jeden etwas dabei ist – es war ausgesprochen lecker!

Spät am Abend trennen sich unsere Wege, Tina und Volker klettern in ihren WILLI, der sie zum Mutterschiff zurückbringen wird. Ich fahre mit dem geliehenen Jimny zurück, diesen muss ich morgen bei Rena abgeben.
Abermals verabschieden wir uns – wohlwissend, dass wir uns in zwei, drei Tagen in der Marina wieder sehen werden.

Auf der Heimfahrt vibriert es in meiner Hosentasche. Ich staune nicht schlecht als ich zuhause auf den Bildschirm gucke – soooo lange hat die Abstinenz ja nicht gedauert!
Eine Nachricht von Volker – „…beim WILLI leuchtet die Motormanagement Lampe! Wie kannst Du helfen? Dringend! Ich habe den Motor sofort abgestellt“
„Operator – this is an Emergency!“
Ich blättere noch ein wenig im Werkstatthandbuch des „Williams Jet-Tenders“ und schreibe Volker dann eine WhatsApp – „…siga, siga, Regel Nummer 1 in der Seefahrt lautet Ruhe bewahren! Bitte Batterie abklemmen, zehn Sekunden warten, wieder anklemmen. Was passiert? Licht aus? Bitte morgen Rückmeldung!“
Als ich am nächsten Morgen mein Mobiltelefon einschalte, ploppt die Nachricht bereits auf – „Alles ok, die Lampe ist aus, wir hauen heute ab und verlassen Leros noch einmal für ein paar Tage!“
Ok! Das hätten wir also. Die ELOWYN zieht ihre Kreise durch das „Rentnerdreieck“ – und was mache ich heute? Ich weiß! Kaffeetrinken – und dann bringen Hans Peter und ich Gottfrieds inkontinenten Tank zu Giorgos.

Der Zufall will es, dass Giorgos an diesem Morgen gerade an Volkers SUP arbeitet. Genauer gesagt, es wird im Moment auf Dichtheit geprüft, denn des Schweißers bester Freund, seines Zeichens Vulkaniseur, hat schon ganze Arbeit geleistet.
Bisheriges Ergebnis – sieht gut aus! In zwei Tagen könne ich es abholen.

So, geschafft! Der nächste Punkt auf unserer Liste ist eher unangenehmerer Natur – wir hatten Terrier Merlin bereits in die Transportbox gepackt und ihn mitgenommen, denn jetzt führte unser Weg schnurstracks zum Tierarzt.
Hans Peters armer, schnauzbärtiger Weggefährte laborierte an einer Entzündung am Poppes, genauer gesagt, seine Analdrüsen machten ihm zu schaffen. Hier musste der Tierarzt ran, der treue Vierbeiner war geplagt, das merkte man ihm an…


Ich spare mir die „vorher“ Bilder, das sah schon schmerzhaft aus! Ich habe draußen gewartet, aber es war deutlich hörbar, dass Merlin schmerzhafte Sekunden aushalten musste.
Aber er war tapfer, hielt durch und konnte schon nach wenigen Minuten aus dem Behandlungszimmer entlassen werden. Sein Herrchen wurde noch mit allerhand Pflichten betraut, einsalben, Tabletten geben, undsoweiter – dann aber konnten wir zurück in die Marina fahren.
Merlin war geschafft, erst mal ausruhen! Die Wunde lässt erahnen, was der Terrier aushalten musste.

Wie spanne ich nun den Bogen von Merlins rasiertem Hinterteil zu meinem Brunch??? Schwierig! Ich vermute, die beste Lösung ist ein Landschaftsbild!

Ich verspürte nämlich einen kleinen Appetit und überprüfte den Inhalt meines Kühlschranks. Nix drin! Nun, verwunderlich war das nicht, denn ich fahre die Lebensmittelhaltung während Sibylles Abwesenheit immer auf Null zurück.
Ich musste also rasch in den Supermarkt, um mir ein Hummus zu den vorhandenen Grissini zu kaufen. Dabei fiel mir auf, dass gerade die „Göran-Schildt-Regatta“ in der Bucht von Lakki gestartet wurde. Die Segler kreuzten unter weißen Tüchern, um die heutige Aufgabenstellung der dreitägigen Veranstaltung zu erfüllen. Ich sah mir das Treiben ein wenig an, dann aber gab ich meinem Magenknurren nach…

Ich genieße diese Momente und sitze absichtlich im Salon von NESSAJA – ich freue mich über einen Augenblick Ruhe und Zurückgezogenheit!
Leider war dieser nicht von langer Dauer – ich höre von außen rufen „Mario (Operator) – this is an Emergency!“ Ok, zugegeben, der Wortlaut war leicht abweichend, dennoch ließ mich Alistair von unserem Schwesterschiff MONEY PENNY verstehen, dass er dringend meine Hilfe bräuche – nicht direkt, er bräuche ein Werkzeug, meine große Crimpzange!

Er hat Probleme mit seiner Ladeelektrik und bereits zwei Lichtmaschinen abgefackelt. So langsam schwant ihm, dass es nicht an den Alternatoren liegen kann – er beabsichtigt daher die Verkabelung anzupassen. Später, als er die Zange zurück bringt erfahre ich, dass er den Fehler gefunden hat – zwei Kabel waren vertauscht! Ein teurer Faux-Pas!
Übrigens, auch Alistair wird seine Dufour 43CC verkaufen. Er bietet sie gerade in „boat24“ an und ich bin gespannt, wie sich das entwickelt. Wenn ihr jemand wisst – hier ist das Inserat…
Inzwischen ist es Abend geworden, ich bin zum Pizza essen verabredet – als ich über den Steg schlendere, fällt mir die schöne Szenerie auf – ich liebe diese Momente.


Heute treffe ich Benno und Hilde von der CARPE DIEM. Weil es davon so viele gibt, sagen die Beiden immer dazu, „…von der kleinen, roten…“, weil ihre Sirius 31 eben rote Zierstreifen hat statt der üblichen blauen – dies trifft auch in unserer Marina zu, so handelt es sich um ein eindeutiges Unterscheidungsmerkmal.
Die beiden Geltinger beenden ihre Saison aufgrund einer Familienfeier auch etwas früher und werden übermorgen abreisen. Es war uns daran gelegen, noch einmal zusammenzusitzen.
So fahre ich ins „La Nostra“ in Lakki, den Blick immer über die, in spektakuläres Licht getauchte, Lakki Bucht gerichtet.


Ich kann es euch nicht ersparen auch diesmal ein „Repapis“ Bild anzuhängen. Auch Hilde und Benno sind Liebhaber der Eiskreationen aus der kleinen Speiseeismanufaktur – es ist nicht wegzudiskutieren , das ist ist… leider geil!

Nachdem wir die köstliche Creme genossen haben, trennten sich unsere Wege. Wir verabschieden uns und sagen Lebewohl – bis 2025!
Der nächste Tag war ein Faulenzertag für mich. Ein bisschen Computerarbeit, ein bisschen Recherchieren und Organisieren. Am Nachmittag ein Sprung ins kühle Nass – mehr stand nicht auf dem Plan.
Ich habe den „freien Tag“ genossen, denn bald schon würden Volker und Tina mit ELOWYN wieder in die Marina kommen. Es gilt den blauen Riesen für eine einwöchige Urlaubsfahrt mit Gästen aufzuhübschen. Zunächst muss ich ein Auto reservieren – ich kontaktiere dafür Rena von „Leros Rent a Car & Moto“ um das begehrte Vehikel anzufragen.
Ihre nächtliche Antwort lässt mich ein paar Stunden später schmunzeln, sie hat´s erkannt 😉 …

Nachdem die Anfrage abgeschickt war, stand nur noch ein Punkt auf meiner heutigen Liste – ich hatte eine Verabredung zum Dinner mit der Crew der STARLIGHT III, ihr erinnert euch vielleicht an Romina und Heribert.
Die Beiden sind völlig überraschend noch einmal in Leros vorbei gekommen, dies nachdem wir uns vor etwas zwei Monaten verabschiedet hatten. Der Besuch war wirklich ungeplant und ich habe mich richtig gefreut.
Da die beiden kein Vehikel haben, lag es auf der Hand in Lakki eine Taverne auszusuchen. Die Wahl fiel, auf Rominas Wunsch hin, auf das „El Greco“.

Irgendwie ist das Band zu dieser Taverne gerissen, ich war lang nicht mehr da. Früher war das „El Greco“ unsere Lieblingstaverne am Panteli Beach. Wir dachten, dass die Inhaber mit dem Umzug nach Lakki alles richtig gemacht haben, denn hier sind sie konkurrenzlos, aber irgendwie hat sich auch die Charakteristik und die Performance der einst so guten Taverne geändert.
In Panteli gehen wir nun ins „Pirofani“, hier in Lakki konnte sich „El Greco“ bei uns nicht durchsetzen, denn wir hatten zweimal wirklich Pech mit dem Service.
Dennoch war ich open minded, denn inzwischen arbeitet Popi, die ehemalige Inhaberin des „Morano Café“ (heute „La Palma“) hier. Sie ist eine charismatische Menschenfängerin und Sympathieträgerin – vielleicht gelingt es „El Greco“ mit ihr zu punkten.

Der erste Eindruck war ok. Der reservierte Tisch war schön, Popi hat uns bedient, wenn auch nicht in der gewohnten Freundlichekit und Herzlichkeit – ich hoffe, ich habe mich in ihr als Person nicht getäuscht. Im „El Greco“ sind wir eben nicht die Stammkunden, die wir im damaligen „Morano Café“ waren.
Sagen wir einfach, es war nicht ihr Tag…
Ich ganz persönlich konsumiere eigentlich immer über 20.-€ beim Dinner. Auch habe ich nicht vor, halbe Portionen zu bestellen – dennoch finde ich eine Klausel auf der Speisekarte, welche dies kategorisch ausschließt, rot und fett gedruckt, irgendwie offensiv und unfreundlich. Naja, der Wirt wird wissen was er tut!

Romina hatte noch eine kurze ZOOM Telefonkonferenz, dann konnte es losgehen. Wir haben unser Essen bestellt und uns derweil an der netten Szenerie erfreut, welche der Mond ans Firmament zauberte.






Mein Fazit – wir haben gut gegessen, der Service war gut, alles war gut. Aber GUT ist eben eine „2“ – und warum soll man sich mit gut zufrieden geben, wenn man etwas sehr Gutes oder gar Steigerungen davon haben kann?
Ich bleibe dabei, ich gehe gerne zu „El Greco“ mit, wenn sich Freunde einen Besuch dort wünschen, erste Wahl ist es für mich nicht.
Abermals verabschieden wir uns, diesmal wird es länger dauern mit einem Wiedersehen – sofern es eines geben wird. Die STARLIGHT III wird weitersegeln nach Roccella Ionica in Italien.
Ein neuer Tag – mir schießt, sofort nach dem Starten meiner Gehrinsynapsen, Paul Panther in den Kopf…
„Wer hat an der Uhr gedreht, ist es wirklich schon so spät? Heute ist nicht alle Tage, ich komm´ wieder, keine Frage!“ (Bedankt euch später für den Ohrwurm 😉 )
War die ELOWYN nicht erst abgereist? Egal, heute kehrt sie jedenfalls planmäßig in die Marina zurück.
Für mich heißt es – aufstehen, Kaffee trinken, Auto abholen und ein Paket in Empfang für Tina in Empfang nehmen.


Mein Screenshot veranlasst mich, eine WhatsApp an Ralf von der CHILI zu schreiben – „…ich weiß wo ihr euch rumtreibt! Kommt ihr nach Lakki?“
Nicht wenig verdutzt schreibt der Befragte zurück, dass dies nur so aussähe, man segle nur vorbei. Ziel ist Kos, man wechsle dort die Crew. Man sähe sich erst in ein paar Wochen.
Ich freue mich über die Antwort und erkenne auch, dass ich bis zur Ankunft meines Patenschiffes noch ein wenig Zeit habe. Ich entscheide spontan auf ein „Girosfrühstück“, etwas, was es nie gäbe, wäre Sibylle zugegen. Ich genieße mein Strohwitwerdasein…


Weil es gar so gut war und noch ein paar Minuten übrig waren, folgte ich einem guten Brauch – nein, ich sage nichts! Ihr dürft dreimal raten…
Obwohl ich sicher bin, dass es keine dreimal braucht!

Jetzt aber – auf der „Marine Traffic“ App kann ich sehen, dass Volker und Tina schon in der Marinaeinfahrt angekommen sind. Ich bezahle hurtig und fahre schnurstracks zum A-Ponton.
Als ich ankomme, haben die Marineros bereits ganze Arbeit geleistet. ELOWYN ist wieder da! Irgendwie ein lustiges Hin und Her, aber ich freue mich auf die abermalige Gesellschaft meiner Freunde.

Volker und ich machen kurzen Prozess, wir trinken ein Döschen „Mythos“ und fahren dann sofort nach Kamara zu Giorgos´ „Boat & Parts“, es gilt das reparierte SUP abzuholen.
Am Rückweg kaufen wir noch etwas ein, dann ist genug geschafft für heute. Wir genehmigen uns ein Feierabendbier und läuten eben diesen ein!
Als Opener habe ich uns einen Tisch im „Harris“ reserviert. Wir lieben diesen Platz! Die coole Bar in der ersten Mühle ist ein magischer Ort, er zieht uns förmlich an.



Als Lokalität für den heutigen Abend haben wir uns Dimitris´ Taverne „To Steki“ in Alinda ausgesucht. Treue Blogleser wissen, dass diese kleine, unscheinbare Taverne seit langer Zeit ganz oben auf meiner Bestenliste zu finden ist.
Dimitris ist, offen gesagt, in keiner Disziplin der Spitzenreiter – es gibt günstigere Tavernen, pfiffigere Speisen und schönere Lokalitäten. ABER – die Gastgeberfamilie ist authentisch, offenherzig und zugänglich, das Lokal ist preiswert und die Meze sind immer sehr lecker – over all sicher eine der führenden All-Day-Tavernas auf Leros.
Hier gehen wir also heute hin, auf besonderem Wunsch von Tina – auch sie mag die leckeren Gerichte, die von Familie Spirou serviert werden.

Wir wählen, wie eigentlich immer, die Meze Überraschungen die der Chef empfiehlt. Zugegeben, es kostet etwas Überwindung, dass man die Auswahl der Gerichte komplett dem Küchenchef überlässt – aber zu allermeist liegt dieser genau richtig.
Wir stimmen zu, als wir gefragt werden „…you want from the land and from the sea?“, dann lassen wir den Dingen ihren Lauf.

Wir genießen vier kleine Gerichte „from the land“, gefolgt von drei Gängen „from the sea“ – wie immer wird griechisch serviert und gegessen, alles kommt in die Mitte des Tisches, jeder bedient sich. Dazu gibt es Brot.
Auch das fällt dem deutschen Gast schwer. Einfach in der Tischmitte zuzugreifen, Tellerchen leeren, bei Bedarf nachbestellen und zum Schluss gesammelt zu bezahlen. Lässt man sich aber einmal darauf ein erkennt man, dass diese Art gemeinsam zu essen die wesentlich geselligere ist – I love it!
Der Tag endet mit einem Absacker auf der ELOWYN.
Am Folgetag gilt für Volker und Tina – Endspurt! Die Freunde sind bereits auf Kos angekommen und werden morgen ihr Charterschiff übernehmen. Die Gäste, welche auf ELOWYN zu Gast sind, werden am morgigen Nachmittag anreisen, der blaue Riese sollte also heute fertig gemacht werden, um morgen früh Richtung Kos aufzubrechen.
Ich will mich an den ausstehenden Arbeiten beteiligen und werde von Tina, zusammen mit Volker, zum Einkaufen geschickt.
Auf dem Zettel stehen, neben Wasser und Bier, auch Frischwaren wie Brot und allerlei Gemüse und Obst. Wir liefern die vollen Tüten auf dem Schiff ab und erledigen letzte Handgriffe, dann wird die Arbeit als beendet deklariert.
Was tun mit dem angebrochenen Nachmittag? Nun, ein Sprung ins kühle Nass am Panteli Strand wäre doch ein perfekter Übergang in den Feierabend, oder?
Auf dem Weg könne man doch gleich noch ein paar „gute Tropfen“ besorgen, die dürfen schließlich auf einer Seereise mit Gästen nicht fehlen. So finden wir uns in Stratos´ gut sortiertem Spirituosenladen wieder.

Mit dem Wissen, dass ELOWYNs Weinkeller gut gefüllt sein wird, gehen wir in die Entspannungsphase des heutigen Tages über. Wir verholen nach Panteli, springen ins Meer und gönnen uns ein Getränk!

Während wir bei „Sorocos“ sitzen, passiert ein sehr witziger Zufall! Ich bin seit einiger Zeit mit Josef und Michaela aus der Oberpfalz befreundet. Ich habe die Beiden in der Marina kennen gelernt, weil ich auf den Heimathafen ihres Schiffes aufmerksam wurde „Steinberg“.
Ich wusste, dass Volker für eine Segelschule am Steinberger See unterrichtet hatte und wollte von Josef wissen, ob er und Volker sich kennen. Tatsächlich tun sie das nicht, was verwunderlich genug ist, aber der Zufall wollte es, dass entfernte Verwandtschaft von Josef, ein Haus an Kristina verkauft hatten – man kannte sich vom „Hörensagen“!
Josef kennt die Zusammenhänge und weiß auch, dass Volker segelt und die ELOWYN hier stationiert ist. Warum erzähle ich das? Weil ebendieser Josef just in dem Moment mit mir Kontakt aufnimmt, als ich mit Tina und Volker am Strand von Panteli sitze – er sei hier, lässt er mich wissen, ob man sich auf ein Bier treffen wolle.
Nachdem Volker und Tina sofort zustimmen, verabreden wir uns am heutigen Abend zum Dinner im „Tis Kakomoiras“, meinem favorisierten Meze-Lokal.
Schnell zurück in die Marina, etwas frisch machen, umziehen und dann schon wieder los – Treffpunkt 19.30 Uhr…




Es war ein sehr netter, kurzweiliger Abend. Klar gab es zwischen den Oberpfälzern allerlei „Lokaltratsch“ auszutauschen und ich hatte Sendepause. Ich kann aber solche Phasen genießen und höre gerne zu. Wir haben aber auch allerhand Segel- und Allerweltsthemen beackert – wie gesagt, langweilig wurde es nie.
Ich dachte mehrfach an Sibylle, denn ich wusste, dass sie geschätzte 75% der heutigen Unterhaltung nicht verstanden hätte. Dies darf als gesichert gelten, denn selbst ich hatte manchmal Mühe, jedes einzelne Wort zu verstehen. Dialekte – ein Thema für sich…
Für den nächsten Morgen wird das Auslaufen der ELOWYN für 08.00 Uhr angekündigt – sobald der Marinero anwesend sei, wolle man die Leinen loswerfen. Ich biete an, frisches Brot zu holen.
Ich stelle mir den Wecker auf 07.00 Uhr, denn ich kann ohne Kaffee nicht einmal das Schiff verlassen. So schieße ich mir mit zwei Haferl Lebensgeister in den antriebslosen Körper – dann geht es! Ich starte meine GS, brummle zum Bäcker und kaufe fleißig ein, meine Freunde sollen gestärkt in den Tag starten.
Zurück in der Marina, schlapfe ich zum blauen Riesen – von Ponton F nach A, ein langer Weg. Meine Freunde WOLLEN schließlich um 08.00 Uhr ablegen, ich möchte diesem Ereignis beiwohnen und die Backwaren rechtzeitig anliefern.
Machen ist wie wollen, nur krasser…

Nix, kein Lebenszeichen! Bin ich umsonst so früh aufgestanden? Ich wollte gerade auf dem Absatz kehrt machen, da kommt Volker an Deck – er bittet mich an Bord, man sei „…ein paar Minuten in Verzug, ob ich einen Kaffee wolle?“
Hm, unter diesen Umständen – ja!

Dann aber geht alles ganz schnell! Es wird beschlossen, dass unterwegs gefrühstückt wird, man wolle los. Kurze, aber herzliche Verabschiedung, wir sehen uns ja abermals in ein paar Tagen wieder.
Ich gehe von Bord, die Leinen werden losgeworfen und die ELOWYN legt ab Richtung Kos.
Noch während ich zu NESSAJA zurück laufe, erreicht mich die Nachricht der „Marine Traffic“ App, dass SY ELOWYN, die Leros Marina Evros verlassen hat! Jetzt ist es besiegelt…

Hm, wie starte ich in den Tag? Ich beschließe den Leihwagen zurück zu bringen und in Lakki eine Kleinigkeit zu frühstücken, dann würde ich weitersehen…

Etwas frühstücken – ok, zu „Mikes“ auf ein Sandwich und einen Cappuccino? Oder lieber gleich zu Marietta um dort ein Kotopita und ein Omelett zu mampfen? Mich überfallen abermals Gelüste…
Soll ich wirklich? Nein, das macht man nicht! Aber wen interessiert das? Ich entscheide, dass ich mir heute ein „besonderes“ Frühstück gönne und somit zum Wiederholungstäter werde!

Hans Peter war zu dieser Zeit gerade beim Einkaufen in Lakki und nimmt mich mit zurück in die Marina. Ich beschließe, den Herrgott einen guten Mann sein zu lassen und ziehe mich zum Nachdenken auf mein Salonsofa zurück – ob ich noch einmal ein Flunserl beobachten kann???

Während ich gerade so vor mich hindöse und versuche, die fehlende Stunde Schlaf zu kompensieren, meldet sich mein Telefon mit einen nervenzerfetzenden BIMM!!!
Diese Mobiltelefone sind eine Erfindung des Teufels – ich sehne die Zeit zurück, in der man auch mal nicht erreichbar war.
Ein Bild von Carola und Thomas ploppt auf, sie sind mit ihrer EMOTION unterwegs und segeln gerade von Kos nordwärts – ein wohlbekanntes Boot sei ihnen gerade begegnet 😉 …

Ich bedanke mich für das Bild und leite es an Volker weiter – „…meine Spione sind überall!“ Ein zwinkernder Smiley als Antwort reicht – Spaß muss eben sein!
Ich lege das Telefon auf die Seite und setze meine Flunserlbeobachtung fort. Auch diesmal ist mir ein langanhaltendes Dösen nicht vergönnt – ich habe lang nicht mehr erwähnt, dass das Schicksal ein Eichhörnchen ist…
Abermals schellt das schrille BIMM durch den Raum. Diesmal meldet sich Gabi von der HARMONY, sie seien in den letzten Zügen ihrer Einwinterung und würden mir gerne ihre Lebensmittel vermachen. Ich freue mich darüber und vereinbare mit ihr die sofortige Abholung!
An der Sunbeam 39 von Gottfried und Gabi angekommen, nimmt Gottfried mich zur Seite. Er bedankt sich abermals, dass ich mich über den Winter um die Reparatur seines Wassertanks kümmern würde, zudem hätte er eine weitere Bitte – ob ich wohl eine kleine GfK Reparatur an seinem Rumpf übernehmen könne, bevor die Marina nächstes Jahr das neue Antifouling streicht? Er zeigt mir die kleine Beschädigung…


Ich sage sofort zu! Erstens will ich dem Freund aus München helfen, zweites ist es schon fast die „hohe Weihe“ wenn Gottfried um Unterstützung an seinem Schatz bittet – während seiner Abwesenheit!
Ich vereinbare mit ihm, dass ich den Schaden im nächsten Frühjahr instandsetzen werde, dann, wenn Hans Peter und ich das Ruder der LIBERTÉ reparieren – dann hätten wir das Material und Werkzeug ohnehin auf der Werkbank und können alles in einem Aufwasch erledigen.
Ich übernehme die Lebensmittel und wir verabreden uns für diesen Abend auf ein Abschiedsdinner im „SouVLakki“.
Zurück auf NESSAJA packe ich die Tüten aus und finde einen Zettel an Sibylle – sehr nett! Ich mag die Beiden einfach…

Am Weg zurück ist mir ein französisches Schiff aufgefallen, welches vor ein paar Tagen noch an unserem Ponton F gelegen hatte. Das Paar war zu einer kleinen Runde aufgebrochen, hatte aber das Glück nicht auf ihrer Seite. Ich kenne den genauen Unfallhergang nicht, aber irgendwie hat die gepflegte MACOLIA einen fiesen Schaden davongetragen – es scheint, an einer Kaimauer. Die Saison ist für dieses Eignerpaar wohl zu Ende…

Den Rest des Tages nutze ich mit Hans Peter. Wir sitzen im Cockpit von LIBERTÉ und erkennen messerscharf, dass der Versand des stehenden Guts an Seldén in Athen bereits zweieinhalb Wochen her ist.
Die Kommunikation mit dem Vertreter des schwedischen Riggproduzenten war immer gut, wenn auch typisch griechisch und somit etwas weniger verbindlich als wir Deutschen es uns wünschen.
Uns war klar, wenn wir unseren prophylaktisch reservierten Termin zum Maststellen am 25. September halten wollen, dann muss die Ware bald zurückkommen. Wir beschließen daher, dass wir unsere Zurückhaltung aufgeben und nachfassen…
Die Antwort, auch typisch griechisch, „…everything done, our Courier is on the way to the port, you will receive your order tomorrow by ferry!“
Ah, ok, aus heiterem Himmel – gut dass wir nachgefragt haben! Unsere Freude ist groß!
Für heute reicht es, ich verabschiede mich von meinem saarländischen Freund und brummle in den Girostempel in Lakki um dort noch einmal G&G zu treffen.

Wir quatschen über Gott und die Welt, haben Spaß und die Zeit verfliegt. Gabi fragt, wie es Sibylle in Deutschland ergeht und wie es mit dem Neu-Schulkind Otto läuft. Ich kann leider nicht vollumfänglich positive Rückmeldung geben – ja, Sibylle vermeldet zwar kleine Fortschritte, aber es läuft noch nicht perfekt. Nichtsdestotrotz hat meine Frau jetzt einen Rückflug für den 24. September gebucht.
Gottfried möchte heute früher abbrechen. Er ist nicht ganz fit, wie so viele laboriert er an einer Erkältung.
Wir verabschieden uns herzlich. Vielleicht sehen wir uns in München, wenn nicht, dann eben bis nächstes Jahr zur Saison 2025.
Ich beschließe, den Tag so ausklingen zu lassen wie ich es gewohnt bin – alleine gehe ich auf ein schnelles Eis zu „Repapis“.

Irgendwie fühlt sich der September 2024 anders an als sonst. Das Tiefdruckgebiet über Europa schickt Ausläufer und es ist frischer als sonst. Wir haben fast täglich ein paar Wolken am Himmel, es hat einmal kurz geregnet – all das hatten wir die Jahre zuvor nicht.
Viele Freunde hatten im Juli und August eine Sommerpause eingelegt, andere beenden die Saison deutlich früher als sonst. Es scheint, als ob sich das „normale“ Saisonverhalten der Segelcommunity etwas verändert.
Ich bin gespannt, ob sich dies auch für die Wintersaison so fortsetzt und wie sich die Wintercommunity zusammensetzen wird.
Am nächsten Morgen erhalte ich Nachricht von Volker. Ich soll bitte die Reservierungen für einen 9-Sitzer Bus, für das „Harris“ und für das „Mylos“ um einen Tag verschieben. Man sitze in Kos, zwei Crewmitglieder sind in Wien hängen geblieben, zwei andere hätten ihr Gepäck nicht erhalten.
Man komme einen Tag später los, außerdem ärgert einen der kräftige NW in diesen Tagen.

Wohlwissend, dass die Umbucherei ein ziemlicher Act werden wird, bestätige ich sein Ansinnen – ich werde tun was ich kann, aber ich kann nichts versprechen!
Ich kümmere mich am Nachmittag darum, jetzt bin ich mit Hans Peter im Fährhafen, um die begehrte Warensendung von Seldén in Athen abzuholen.
Hier ist übrigens vom fiesen NW nichts zu sehen und auch nichts zu spüren. Volker quittiert meine Rückmeldung, man wird versuchen in Kos wegzukommen sobald man kann…

Jetzt erstmal Konzentration – der Spediteur verlädt das stehende Gut von LIBERTÉ mit dem Gabelstapler in Hans Peters Pick-Up.



Zurück in der Marina, wird gerade ein Gabelstapler am Nachbarschiff benötigt – so ein Glück. Monteur Marios hebt uns die Minipalette mit dem „Guido“ der Marina aus dem Wagen und wir können uns der sofortigen Beurteilung der teuren Ware widmen.
Unser Urteil – sieht top aus! Der erste Kontrollblick sorgt für Entspannung, es scheint alles zu passen, die Ware ist gruppenrein Seldén und besteht aus qualitativ hochwertigen Bauteilen. Mit der Rechnung wird später ein Zertifikat geliefert.
Ok, geschafft! Jetzt trennen sich unsere Wege – ich muss mich um die Umbuchungen von Volkers Reservierungen kümmern, Hans Peter hingegen, muss seine Gattin Petra in Agia Marina abholen, die reist nämlich heute an, um ihren Spätsommerurlaub hier zu verbringen. Zusammen werden die Beiden dann am 03.10. nach Deutschland zurück fahren.
Mein erster Weg führt mich zum „Mylos“ – die wichtigste der drei Buchungen…

Das scheint zu klappen! Das wäre schonmal die halbe Miete. Ich stimme mich mit einem der beiden Inhaber ab, weil ich denke, dass die persönliche Umbuchtung sicherer ist, als dies über das Internet abzuwickeln.
Trotzdem rät Marios mir, dies noch einmal bei seinem Bruder über WhatsApp einzusteuern – mache ich auch gleich!
Da wir 11 Personen sind, zudem allesamt Segler, gebe ich uns der Einfachheit halber den Nickname „Oceans 11“ – funktioniert 😉

Leider waren meine beiden anderen Umbuchungsversuche nicht so erfolgreich. Das „Harris“ hatte aus familiären Gründen die Saison etwas früher und sehr abrupt beendet, unsere Reservierung musste ersatzlos gestrichen werden.
Der Fiat Bus war für den Folgetag reserviert und nicht für uns zu buchen. Hier muss Volker umplanen – aber die Lösung liegt auf der Hand… Ankern direkt vor dem „Mylos“! Wir werden sehen.
So bekommt man seinen Nachmittag auch rum. Ich muss noch eine weitere Challenge anpacken – die Crew der STENELLA II verabschiedet sich nämlich auch und möchte noch einmal mit mir zu Abend essen. Gleichzeitig möchte Hans Peter seine Petra willkommen heißen und fragt auch nach einem gemeinsamen Dinner.
Alle zusammenzubringen ist nicht so schwer, man kennt sich, aber das geeignete Lokal zu finden ist immer eine Herausforderung – Martin möchte feinen Fisch, Hans Peter solide Hausmannskost.
Wir verabreden und treffen uns, wie sollte es anders sein, um 19.00 Uhr im „SouVLakki“!
Just als wir Platz genommen hatten, sendet Sibylle zwei Bilder – sie sei gerade mit Kate in Rosenehim beim Bummeln.


Ich bestelle schöne Grüße an die Gruppe und wir formieren uns zum Gruppenbild um die Steilvorlage zu erwidern – einmal lächeln für Sibylle!
„Cheeeese“

Später schickt mir Kate noch ein Bild, auf dem Sibylle mit einem Eis abgelichtet ist – der Untertitel „neidisch???“
Ihr ahnt, dass ich das parieren konnte – nein, wer in Lakki zuhause ist, kann mit Speiseeis nicht neidisch gemacht werden!
Aber erstmal war es an der Zeit unsere Bestellung aufzugeben und uns unserem Dinnerzu widmen. Wie immer haben wir sehr gut gegessen.

Der gute Merlin und ich haben uns recht angefreundet. Natürlich widme ich dem Hund mit dem Moustache immer einen Teil meiner Aufmerksamkeit – darüber hinaus sind wir aber auch Brüder im Geiste. Auch er scheint Giros zu lieben und versucht wohl, sich dieses telepathisch anzueignen.

Für Martin und SEINE Petra heißt es also Abschied nehmen. Das ist aber ein gedämpftes Lebewohl, denn die Beiden planen im Oktober und auch später im Winter, immer mal wieder anzureisen um Leros in allen Facetten kennen zu lernen.
Dennoch, auch Martin lässt es sich nicht nehmen, einer unserer gemeinsamen Leidenschaften nachzugehen – auch dieser Tag endet im Eispalast der Familie „Repapis“.

Am nächsten Morgen bittet mich Hans Peter zum Längenvergleich! Ich verschlucke mich fast an meinem Kaffee und weise sein Ansinnen entrüstet zurück!
Ein kurzes, klärendes Gespräch bringt sein eigentliches Ansinnen zu Tage – er möchte die Länge der neuen Wanten und Stagen mit den alten vergleichen – um Produktionsfehler auszuschließen.
Klar, Hans Peter wäre nicht er selbst, wenn er nicht auch hier ein Attentat des vielzitierten Murphy vermuten würde – aber ich komme seiner Bitte natürlich gerne nach, man weiß ja nie…



Mein Freund, der Zweifler, hat sich umsonst gesorgt, die Rigger in Athen haben in jeglicher Hinsicht hervorragend gearbeitet. Alle Längen passen und wir legen zweierlei fest – erstens, der Krantermin wird gehalten, dies bestätigen wir der Marina. Zweitens, wir haben ab jetzt alle Hände voll zu tun, wir müssen den Mast für das Stellen vorbereiten.
Wir erstellen eine Art ToDo Liste und weil noch soviel Tag übrig ist fackeln wir nicht lange, sondern legen sofort los…
Punkt 1 – erneuern aller Fallen im Mast!

Zu dritt können wir relativ rasch Großfall und Dirk durch das Masttop ziehen. Auch das Genuafall, das Spinnakerfall und der Toppnant können auf diese Art schnell ersetzt werden.
Für die letzteren Drei mussten die Rollen in ihren Mastschächten erneuert werden. Das hatten wir im Vorfeld bereits erledigt, auch die neuen Fallen hatte Hans Peter vor einigen Wochen bereits in Deutschland bestellt.
Punkt 2 – Rückmontage der Funkantenne und Montage eines neuen Ankerlichtes. Auch diese beiden Schritte bekommen wir heute noch abgehakt.
Die Funkantenne musste nur neu positioniert und befestigt werden. Das alte Toplicht wurde jedoch gegen ein modernes LED Ankerlicht getauscht. Hier ging die Montage rasch, die Verkabelung mussten wir aber vertagen, weil uns Kabelverbinder mit Schrumpfschlauch gefehlt haben.
Punkt 3 – Montage des neuen Verklickers. Hier haben wir die restliche Arbeitszeit des Tages vergeudet, hier waren wir nicht erfolgreich.

Bei den vorliegenden Gegebenheiten, stößt der Verklicker gegen die Antenne. Das mag der Grund sein, warum LIBERTÉ bisher nicht mit diesem einfachen aber wichtigen Anzeiger ausgestattet war.
An Hans Peters Masttop war einfach zu wenig Platz. Das Versetzen der Antenne war keine Option für uns, weil sich die Masterlösung sehr rasch aufgedrängt hat – das Masttop bekommt eine Art „Schweif“ nach achtern. Dafür braucht es aber ein Alublech, welches wir erst morgen von Giorgos bekommen können.
Genug für heute, wir sind ohnehin gut voran gekommen. Ich gehe zurück auf NESSAJA, die Sonne steht schon tief.

Ich bin heute beim Dinner Gast von Petra und Hans Peter – das freut mich außerordentlich und ich nehme gerne an. Es zählt die Geste, nicht etwa eine Verpflichtung – Hans Peter und ich haben in den letzten zehn Wochen so viel an LIBERTÉ gerissen, so viel organisiert, recherchiert und geplant, es geht weit über den klassischen Freundschaftsdienst hinaus.
Für mich war es zu 95% der Zeit ein Vergnügen, ich habe viel neue Erfahrung gesammelt. Hans Peter wiederum weiß das gut einzuschätzen – das zeichnet ihn aus.
Als ich zu meiner GS gehe um zum „SouVLakki“ zu fahren, sind die Freunde aus dem Saarland schon am Weg. Merlin braucht seine Gassirunde. Wir treffen uns im Grillhouse und ich bin sicher, dass wir einen tollen Abend haben werden.

Der Folgetag gehört der Rollanlage von LIBERTÉ – eine Arbeit vor der mir graut! Ganz im Gegenteil dazu mein Freund Hans Peter – hier und heute sieht er absolut keine Herausforderung.
„Das wird schon klappen, kann so schwer nicht sein!“ höre ich ihn sagen. Ich traue meinen Ohren kaum – diesen Satz habe ich von ihm noch nie gehört.
Ja, ich habe Zweifel! Warum? Dazu gleich noch ein paar Worte…
Doch zunächst stand die Wartung und Reinigung des Furlers und des Topwirbels an. Da halfen wir einfach zusammen, jeder hat ein wenig der Dreckarbeit übernommen.



Dann ging es ans Eingemachte – wir mussten das Profilvorstag komplettieren. Dies war zunächst einfach, wir bringen den Furler an, auch das Drahtvorstag konnten wir recht leicht durch das zirka 20 Meter lange Profil schieben – aber jetzt geht es los…

Mir hat das echt Kopfzerbrechen bereitet – bereits die Demontage ging so zäh, dass ich mir kaum vorstellen konnte, dass der Zusammenbau einfacher gehen sollte.
Wir hatten es immerhin mit einem 10mm Vorstag zu tun, dessen Außenlitze „leicht aufgebogen“ werden müssen, um auf die innere Seele einen Konus zu stecken. Dann muss dieser fixiert werden, und das ganze mittels zweier Gegenkonen und eines Schraubterminals verpresst werden – das klingt ja einfach!
Zum Glück haben die Mitarbeiter bei Seldén in Athen das Vorstag millimetergenau abgelängt. Legen wir also los…


Soweit alles gut – wir nehmen uns viel Zeit und kommen daher langsam aber zielgerichtet und pannenfrei voran. Mittags brauchen wir eine Pause – ich habe außerdem Hunger und beschließe, mir ein Giros zu kaufen. Ich setze mich auf meine GS und fahre nach Lakki, Hans Peter ruht etwas in seinem Cockpit…


Nach etwa einer Stunde nehmen wir die Arbeit wieder auf. Jetzt gilt es – alle Bauteile müssen an ihren Platz geschoben werden, dann zusammengefügt und verpresst werden.

Wir fügen die Schraubterminals zusammen und verpressen die Verbindung – jetzt gibt es kein Zurück mehr. Geplant schrauben wir die beiden Teile noch einmal auseinander, sieht echt gut aus! Ich entspanne mich, jetzt sollte wirklich nix mehr schiefgehen.
Die Außenlitzen scheinen uns etwas lang. Wir entscheiden, diese mit der Flex und einer hauchdünnen Scheibe zu kürzen. Dann folgt der finale Arbeitsschritt – wir fügen alles noch einmal mit Schraubensicherung zusammen und ziehen die Terminalverschraubung so fest an wie wir können! Das war´s! Auch Punkt 4 – Fertigstellung des Profilvorstags, bekommt einen Haken.
Was mich freut – der Optimist des Tages, mein Freund Hans Peter, hat Recht behalten. So muss das…

Auf der LIBERTÉ ist heute Schmalhans Küchenmeister. Es gibt eine Art Resteessen, schnelle Küche – ich bin eingeladen auf Nudeln mit Thunfisch-Sahnesosse.
Gerne nehme ich an, denn ich habe mein geplantes Dinner mit „Oceans 11“ heute abgesagt. Gegeben durch die Tatsache, dass ich nicht als „Chaffeur“ mit dem 9-Sitzer zur Verfügung habe stehen müssen, gab es eigentlich keinen Grund für die Gruppe, mich zum Dinner einzuladen. Ich selbst wäre mir wohl auch eher wie ein Fremdkörper in der homogenen Gruppe vorgekommen.
Volker schickt mir später Bilder – sie hätten viel Spaß gehabt, alles habe super geklappt. Er bedanke sich noch einmal für meine Mühen rund um das von ihm initiierte Dinner.


Für Petra, Hans Peter und mich, klingt der Abend gemütlich aus. Wir essen reichlich Nudeln und trinken zwei, drei Bier – dann ist auch für uns Schlafenszeit. Morgen ist Endspurt zum Thema Mastvorbereitung, zudem kommt Sibylle zurück.
Am nächsten Morgen stehe ich auf und stelle das Kaffeewasser auf. Dann schalte ich mein Mobiltelefon ein und… BIMM! Eine Nachricht von Hans Peter, ein Bild, aufgenommen vor einer Stunde!

Der Saarländer war offenbar der frühe Vogel am heutigen Tag. Ich dagegen versuche jetzt gerade, rund eine Stunde später, erste Lebensgeister zu erhaschen und pumpe meinen noch nahezu leblosen Körper mit Koffein voll.

Dies gelingt ganz gut und so bin ich eigentlich schon wenige Minuten später startklar. Das tut auch not, denn ich habe vor wenigen Sekunden eine Nachricht von Giorgos erhalten – „…I can make your Alu-Bracket, but you need to come NOW!“
Ich informiere HP und wir fahren sofort nach Kamara. Auf dem Weg dorthin, entdecke ich in der Bucht von Alinda die Boote der illusteren Truppe rund um meinen Freund Volker – seine ELOWYN und die gecharterte SALTY KISS. Ich mache ein Bild und schicke es ihm – meine Spione sind überall… 🙂

Wenig später erreichen wir die Werkstatt von Giorgos. Obwohl wir dringend und sofort haben kommen müssen, ist der Meister nicht da – eigentlich wie immer.
Ich mache zwei Bilder, die ich wortlos an Giorgos schicke. Natürlich mit einem Smiley, aber auch als Reminder, uns nicht allzulange warten zu lassen, oder uns gar zu vergessen.


Während wir warten, scheint Volker aufgewacht zu sein und meine Nachricht gelesen zu haben. Er kann seinerseits aufwarten mit einem Bild aus der Alinda Bucht – gerade seien Delfine zu Gast, die Mitreisenden seien ganz aufgeregt!
Ich erwidere lapidar, dass ich mich freue, dass scheinbar auch dieser von mir organisierte Programmpunkt geklappt hat, es wäre noch nicht ganz sicher gewesen…
Er hat nicht mehr geantwortet… 🙂

Da endlich! Giorgos kommt, begrüßt uns freundlich und schreitet sofort zur Tat. Er hat blitzschnell erfasst um was es geht, ein Stück Material war rasch gefunden und die zwei Schnitte schnell gesetzt. Löcher würden wir bei Alu selber bohren können.
Alles in Allem hat die Arbeit keine 15 Minuten gedauert. Perfekt, wir können sofort zurück in die Marina fahren und mit der Finalisierung des Mastes anfangen.


Jetzt hatten wir Punkt 5 auf der Liste erledigt. Masttop finalisieren! Wir haben unsere Masttopverlängerung gebohrt und montiert, auf dieser konnten wir dann die Windex problemlos und freigängig fixieren.
Die Stoßverbinder mit Schrumpfschlauch hatten wir auch besorgt, so war es ein Klacks, die neue Ankerlaterne mit der bestehenden Verkabelung zu verbinden.
Jetzt noch einen Funktionstest für die Beleuchtung, dann haben wir das geschafft!
Bleibt, last not least, noch ein Punkt auf der Liste offen – Punkt Nummer 6, die Montage der neuen Wanten und Stage an den Mast.
Wir beginnen also, die neuen Drahtseile zu montieren…

Das geht zunächst ganz gut von der Hand. Wir arbeiten uns vom Masttop über die obere Saling bis hin zur unteren Saling. Hier werden verschiedene Wanten miteinander verbunden – auch das klappte verhältnismäßig gut, nur ein paar Plastikscheiben machten Kummer, da die Gabelfittinge von Seldén ein paar Millimeter dicker waren als die alten.
In der Folge waren diese Plastikspacer etwas zu dick – wir haben kurzerhand entschieden, dass wir sie über Schleifpapier mit der Hand flachschleifen.


Als die einzelnen Wanten an der unteren Saling verbunden waren, war die Arbeit fast geschafft. Wir haben alles geordnet und vorsortiert – somit war der Mast fertig für den kommenden „großen Tag“.
Das alles liest sich natürlich super easy – tatsächlich waren wir einen halben Tag mit der finalen Vorbereitung und der Montage der Wanten und des Acherstags beschäftigt.

Wir nehmen uns heute nichts mehr vor und machen früh Feierabend. Ich will die Stunden nutzen und einmal nach dem mir zum Verkauf gegebenen Boot sehen. Die Baltic 40 KEONDA ist inzwischen von der Marina unter die Vollpersenning gepackt worden.
Ich mache Bilder und informiere den Besitzer über den Sachstand. Die negative Nachricht dabei – leider gibt es bisher keinen Interessenten.

Danach ruhe ich mich echt ein bisschen aus, denn heute wird ein langer Tag. Sibylle kommt mit der Fähre um 22.50 Uhr, wir wollen noch einen Ouzo zusammen trinken, bevor wir NESSAJA entern.
So fletze ich auf unserem Boot herum, bis es an der Zeit ist zu Hans Peter und Patra zu verholen. Wir wollen grillen, heute gibt es Chicken Souvlaki.



Wir Drei klönen noch eine ganze Weile über den morgigen Tag. Wird alles klappen? Hoffentlich kommt nichts dazwischen! Beiläufig beschließen wir, dass wir um 07.00 Uhr an Bord von LIBERTÉ frühstücken und auf den Mastkran warten.
Dann fängt Petra an zu gähnen – für mich ein untrügliches Zeichen, dass es Zeit ist zu gehen. Ich darf den Schlüssel vom Ranger haben, gehe von dannen, weiß aber schon ganz genau, wo ich die restliche Wartezeit bis zu Sibylles Ankunft verbringe…


Zufällig treffe ich die walisische Crew der SHANIA. Phil und Chris sind ganz nette Zeitgenossen, aber sie sprechen einen fürchterlichen Dialekt der phasenweise schwer zu verstehen ist.
Ich lasse mich heute darauf ein und plaudere eine ganze Weile mit den beiden. Es ist lustig und vor Allem – die Zeit vergeht wie im Flug!
Ein Kontrollblick auf „Marine Traffic“ zeigt, es ist Zeit für mich aufzubrechen!


Gerade als ich den Hafen erreiche, legt die Fähre auch schon an. Ich warte noch kurz, dann läuft mir meine Gattin in die Arme. Wir gehen zum Wagen, werfen die Tasche in den Kofferraum und fahren ins „La Palma“.
Dort kommen wir runter, tauschen erste Neuigkeiten aus und trinken eine Karafaki Ouzo. Dann ist es Zeit für´s Bett.
Beiläufig beichte ich Sibylle, dass der Tag morgen schon um 07.00 Uhr beginnt – auch für sie!
Und so war es auch – der Wecker klingelt unbarmherzig um 06.30 Uhr und holt uns aus den Federn. Wir richten uns grob zam und ich koche einen Liter Kaffee für Panagiotios und sein Team. Den hat er, zwar augenzwinkernd, bestellt – aber ich will mir hier keine Blöße geben.
Dann laufen wir zur LIBERTÉ um dort zu frühstücken.


Auf einmal hören wir das unverkennbare Brummen eines LKW Diesels und das Zischen einer Druckluftbremse – er ist da! Und tatsächlich, während wir am Frühstsückstisch saßen, ist der Kranwagen eingetroffen.
Jetzt heißt es – „alle Mann an die Positionen – es geht los!“










Während diese Arbeitsschritte passieren, stehe ich am Rand und bin bereit auf Abruf zu helfen. Ich muss aber nichts tun, denn das Team um Panagiotis ist eingespielt. Zudem zeigt sich, dass unsere Vorarbeit der letzten drei Tage Früchte trägt – alles scheint zu passen und dem Team die Arbeit leicht von der Hand gehen zu lassen.
Während ich also da stehe und schaue, sehe ich unsere Nachbarn mit ihrer OLIVE ablegen.

Ciarán und Jill haben Freunde zu Gast und wollen eine Baderunde drehen und heute Abend zurück kommen. Sie haben dies an den Marinero gemeldet und auch, dass sie gerne wieder auf diesen Platz liegen möchten.
Ich hoffe in diesem Augenblick sehr, dass dies klappen möge, denn ich schätze die beiden als Nachbarn sehr! Ich nehme an dieser Stelle aber gleich vorweg – es klappt! 😉
Währenddessen hat das Marinateam die Wanten soweit vorgespannt, dass der Mast sicher steht. Das ist die halbe Miete! Wir alle verlassen daher LIBERTÉ, um das Profilvorstag von der Betonkaimauer vor das Schiff zu tragen.
Um Schäden an dem rund 20 Meter langen Trum zu vermeiden, müssen wir das Teil mit fünf Männern tragen – Gott sei Dank ist es nicht weit!

Während wir so vor uns hin werkeln, beobachtet Terrier Merlin das emsige Treiben. Es scheint so, als ob der Trubel ihn ziemlich kalt lässt – das führt ab und an dazu, dass er ein wenig im Weg liegt – ein klein wenig nur…

Die Profis von der Marina hängen das Vorstag an den Kran und Panagiotis fährt mit dem ellenlangen Teil nach oben.
Ein Bolzen mit Sicherung oben, einer unten – angebracht durch Angelos nebst Helfer Marcos – fertig!

Das Rigg steht! Panagiotis entfernt alle Hilfsleinen und spannt alle Drähte gemäß Vorgaben nach – dafür verwendet er ein Messgerät für die Wantenspannung. Dann ist es vollbracht!
Der Kran zieht ab und kurze Zeit später auch das Marinateam. Wir bleiben zurück, glücklich und erleichtert. Es ist der 25.09.2024 und LIBERTÉ hat ihren Mast wieder. Das Arbeitsprojekt mit der, nach dem Coppercoat, höchsten Priorität ist ebenfalls erledigt!
Der Druck ist raus – wir haben es geschafft, der Rest ist Pipifax!

Ich bin zufrieden, ich bin erleichtert – ich brauche ein paar Minuten Abstand! Ich melde mich bei Hans Peter ab und gehe zu STENELLA II. Martin hat vergessen die Gangway hochzuklappen und bittet mich, dies für ihn zu tun – mach´ ich doch gerne!
Ich schicke ein Bild um die Erfüllung der Bitte zu quittieren.

Ich gehe zurück zu NESSAJA, Sibylle wartet auf mich. Sie ist nach dem Frühstück zurück auf unser Schiff um ihre Reisetasche auszuräumen, eine Waschmaschine zu starten und um „sich wieder einzuleben“.
Jetzt müsst ihr wissen, dass ich eher so ein „Adrian-Monk-Typ“ bin. Wenn Sibylle weg ist, stelle ich einmal meine Schiffsordnung her, so bleibt es dann über Tage. Ich organisiere mich so, dass die Notwendigkeit für Hausarbeit auf ein Minimum schrumpft – ganz anders meine Sibylle!
Ich staune daher nicht schlecht, als ich in meinen Salon zurückkomme. Meinen Rückzugsort gibt es nicht mehr. Der Platz, an dem meine Augen etwas ruhen können ist wieder „belebt“, wie es Sibylle nennen würde.
Zum einen bereitet sie ein paar Kleinigkeiten für unser BBQ am heutigen Abend, zum anderen hat sie ein Käferchen im Mehl entdeckt…
Ich bitte um Gnade – es hilft alles nix!

Diskutieren hilft nix, es führt nicht zum Erfolg. Also sitze ich da und schau´ blöd. Dabei hilft mir die Lebenserfahrung und das Wissen, dass alles einmal ein Ende hat – auch dieser Kelch wird an mir vorübergehen.
So ist es auch! Irgendwann ist das Käferchen erledigt und der Salat vorbereitet. Es ist an der Zeit zu Hans Peter und Petra zu gehen – ihre LIBERTÉ ist der Ort, an dem abermals unser COBB aufgestellt wird.
Auf dem Weg dorthin beobachten wir das Anlegemanöver der SEA KID II – einer Motoryacht der 60m Klasse. Haben wir auch nicht so oft in der Marina.

Merlin empfängt uns aufgeregt, er freut sich immer, wenn wir die Bavaria 41H seines Herrchens heimsuchen. Natürlich streicheln wir ihn auch immer, bevor wir uns den Weg bahnen.
Der Grill wird aufgebaut und gezündet, es ist inzwischen dunkel. Dann kommen die leckeren Köfte von Xatzigrigoriou auf den COBB. Dazu gibt es Brot und Salat – einfach aber lecker!


Katzenbabyalarm!!! Am nächsten Morgen will ich die Reparatur unserer Roll-Reisetasche in Angriff nehmen. Einer der Reißverschlüsse ist in Mitleidenschaft gezogen, ich will einen neuen einsetzen lassen.
Leider klappt das nicht, denn alle drei Näher erklären mir, dass sie dafür nicht die richtige Maschine hätten. Ich glaube das bis heute nicht, ich vermute einfach, dass das Geschäft nicht lukrativ genug ist. Na egal, ich werde eine Lösung mit Druckknöpfen ersinnen.
Was hat das nun mit Katzenbabys zu tun? Nun, beim letzten Schneider erkenne ich schon beim Ankommen, dass die Inhaberin etwas winziges am Arm hält. Ich dachte zunächst wirklich, dass es ein anderes, sehr viel kleineres Tier als eine Katze ist.
Bei näherem Hinsehen war klar – ein Kätzchen!

Was am Bild nicht so rauskommt – die war wirklich winzig. Ich habe noch nie so ein kleines Kätzchen gesehen. Ich vermute, dass die Familie den Knirps aufpäppelt, denn als Haustier war sie definitiv zu klein. Der Kopf war kaum größer als ein Tischtennisball.
In jedem Fall war sie süß! Kennt ihr Nermal? Ich hasse süß 😉 – kleiner Insider, für die „filosofischen“ unter euch…
Zurück zum Alltag – während ich mir also Absage um Absage bezüglich der Reparatur meiner Reisetasche abhole, beiläufig Katzenbabys bestaune, feiert die Bevölkerung Leros´ den Jahrestag des Untergangs der VASILISSA OLGA.

Diese Feierlichkeit findet jedes Jahr statt, beginnt mit einem Gottesdienst und mündet in eine große Parade. Eine Fregatte liegt im Hafen und hochdekorierte Generäle geben sich die Ehre.
Da die OLGA, wie sie kurz genannt wird, im Jahr 1943 unrühmlich von deutschen JU88 Bombern im Hafen von Lakki versenkt wurde und bis heute dort liegt, ziehe ich es vor, an diesem Tag deutsche Zurückhaltung auszuüben. Generell nehmen Sibylle und ich an solchen Zeremonien nicht teil.
Ich fahre zurück in die Marina und beschließe zusammen mit Hans Peter, dass wir heute seinen Baum montieren und so das Rigg fertig stellen. Das gelingt problemlos.

Ein bisschen Knobelarbeit hatten wir zu lösen, als wir die Mastelektrik wieder an das Schiffssystem angeschlossen haben. Die Ausführung selbst war recht einfach herzustellen.
Leider waren danach nicht alle Lichter in Ordnung…


Wirklich verwirrend war für mich, dass nach dem Anschließen der Kabel das Deckslicht und das Dampferlicht vertauscht waren, zudem das Ankerlicht nicht funktionierte.
Wir hatten im Vorfeld selbstverständlich alle Funktionen geprüft und beim Ausbau hatte ich die Kabel durchtrennt, so dass es ein Leichtes war den richtigen Slot für die Kabelfarben zu finden…
Wie auch immer, mit etwas Probieren und Umklemmen haben wir das Problem lösen und sicherstellen können, dass die Lampen am Mast ordnungsgemäß funktionieren.
Bis heute überlege ich, wie der Fehler hat auftreten können – ich erkenne langsam, dass dies ein misteriöses Rätsel bleiben wird.
Wieder ein Tag geschafft! Heute gibt es mal wieder Pizza zum Abendessen, wir verabreden uns für 19.00 Uhr im „La Nostra“.


Am nächsten Morgen schlürfe ich meinen Kaffee, Sibylle gönnt sich ein kleines Frühstück. Als meine Gattin das Signal zum Start in den Tag gibt und damit beginnt ihre Aufgaben anzupacken, erkenne ich messerscharf, dass es Zeit für mich wird unser Schiff zu verlassen.
Ich verhole zu Hans Peter und wir beratschlagen gemeinsam, was wir jetzt noch erledigen wollen. Das Soll ist erfüllt, große Aufgaben packen wir nicht mehr an. Den Freunden aus dem Saarland bleiben noch fünf Tage, bevor sie die Heimreise antreten.

Als wir da so sitzen, rutscht es Petra heraus, „…bei euch ist die Luft raus, gell?“ Ja, ich hatte es ja schon beschrieben und wir müssen uns das auch eingestehen – 10 Wochen durchgetaktetes Arbeiten an den großen Projekten zollen ihren Tribut.
Wir haben es geschafft, aber jetzt sinkt die Motivation. Daher muss gut überlegt werden, was wir uns jetzt noch antun! Es darf zudem nicht vergessen werden, dass das Aufräumen der Baustelle unter und auf LIBERTÉ auch einige Zeit in Anspruch nehmen wird. Hier hat Hans Peter ja die Unterstützung seiner Gattin.
Ich sage zu, dass ich den „dreihaxigen“ Motor der alten Ankerwinsch noch reinigen, servicieren und zusammenbauen werde – dies möchte ich nicht auf nächstes Jahr verschieben.
Und was will Hans Peter noch erledigen??? Er möchte sein neues, gebrauchtes Dinghy ausprobieren!

Ok, das verstehe ich. Hans Peter hat sich ein kleines Alu-Rib mit Hypalon Schläuchen gegönnt. Es scheint ein Schnäppchen gewesen zu sein. Klar, dass er es zumindest mal probieren will.
Nur, der 2,3PS Honda lief nicht! Wir hatten also zunächst einen Vergaserservice vor der Brust. Diesen konnten wir aber erfolgreich erledigen und siehe da, der kleine Quirl lief sofort – und nicht mal schlecht!
Während wir also am Vergaser herumschraubten, hat Petra den neuen Schnulli ein bisschen aufgemöbelt und sauber gemacht. Jetzt nur noch die Schläuche prall aufpumpen, dann kann es losgehen!



Nein, ich kann Entwarnung geben – kein neues Projekt. Beim Herunterheben des Motors war Hans Peter wohl versehentlich an den Benzinhahn gekommen und hat diesen geschlossen.
Ein weiterer Test ergab einen einwandfreien Motorlauf und somit haken wir den Punkt „Probefahrt Schlauchboot“ erfolgreich ab und bringen sowohl den kleinen Außenborder als auch das neue Dinghy an Deck auf deren finale Plätze.
Danach verabschieden sich Sibylle und ich. Wir sind für heute Nachmittag mit Kristina und Volker verabredet, die ELOWYN läuft gerade ein, unsere Freunde aus der Oberpfalz fliegen morgen nach Hause.


Wir hatten bereits einen Leihwagen für die Freunde organisiert und einen Tisch im „Mylos“ reserviert – diesmal würden wir dabei sein.
Weiter waren noch Thomas und Christiane dabei, das Paar, welches während der letzten Woche zu Gast an Bord des blauen Riesen war. Wir stellen uns einander vor und freuen uns auf einen gemeinsamen Abend.
Was dann folgen wird klingt kompliziert – Volker bringt die Gäste morgen zur 10.30 Uhr Fähre, der Urlaub der Beiden endet und sie gehen über Kos zurück nach Deutschland.
Sibylle und ich bringen dagegen Volker und Tina zur 14.30 Uhr Fähre. Für Tina bedeutet das ebenfalls das Saisonende, Volker dagegen fliegt nur aus familiären Gründen mit nach Deutschland und wird in einer Woche zurückkommen.
Es war geplant, dass wir ELOWYN solange durch griechische Gewässer fahren bis Volker zurück kommt. Dies hat sich insofern geändert, als dass die Algro 68 jetzt in der Marina bleibt, bis wir sie Volker am 05.10. nach Kos bringen, von wo aus er mit einem Kumpel die Überführung zum Refit nach Preveza starten wird. Alles klar? Nein? Macht nix…
Und was machen wir jetzt??? Wir genießen noch einmal die kulinarischen Highlights von Leros…

Die Krux dabei – wie schon geschrieben, hat Haris seine Bar „Harris“ (beide Schreibweisen richtig!) in der ersten Mühle ja leider frühzeitig geschlossen.
Zu einem gehörigen Abschluss gehört ein Besuch dieses Ortes aber dazu! Gut, wenn man Kontakte hat…
Kaufen können wir dort zwar nichts mehr, aber wir dürfen jederzeit Platz nehmen und ein mitgebrachtes Getränk, unsere Wahl fällt auf ein Fläschchen „Moët“, vor Ort genießen. DAS lassen wir uns nicht entgehen!






Wir fahren die Serpentine hinunter bis nach Panteli, dann über Platanos nach Crithoni zum „Food-Tempel“ von Leros.
In kleinerer Runde lassen wir Sechs den Abend dort gebührend ausklingen. Es war phantastisch wie immer!


Wir genehmigen uns noch einen Absacker in Form eines Dosenbiers an Bord der ELOWYN. Versumpft sind wir diesmal nicht, denn die Freunde haben einen anstrengenden Tag vor sich. Um Mitternacht hieß es daher – „…ab in die Kojen, gute Nacht, bis morgen!“
Dieser neue Morgen begann für Sibylle und mich quasi wie immer – kleines Frühstück, zwei Tassen Kaffee für mich, Tee für die Liebste. Eine Sache macht den Tag doch besonders – es ist der Geburtstag von Babsi! Sibylle übernimmt die Gratulation aus der Ferne, ich erinnere mich leise daran, dass meine Mutter heute 90 geworden wäre – vergessen ist sie nicht!

Nachdem Volker und Tina ihre Gäste an die Fähre nach Agia Marina gebracht hatten, gaben sie uns Bescheid, dass wir uns treffen sollten. Es waren noch einige Details bezüglich der Vorbereitung und Verbringung von ELOWYN abzustimmen.
Zudem überraschte Volker mich mit der Bitte, ob ich nicht bei seiner Ankunft in Preveza anwesend sein könnte und beim Einwintern bzw. Vorbereiten seines Schiffes helfen könnte. Zudem kann er sich vorstellen, dass ich eine Art „Projektbetreuung“ während der Wintermonate übernehme.
Ok, ich sage unter Vorbehalt zu, Details müssen wir wohl besprechen. Es sieht jedoch so aus, als ob Sibylle und ich, das passende Wetter vorausgesetzt, im Oktober noch einmal eine kleine Motorradtour unternehmen werden. Ersatzweise wäre eine Anreise im Mietwagen ab Piräus denkbar – wird spannend! Ihr werdet es im Oktoberbericht erfahren.
Danach sind wir auf ein Mittagsgiros ins „SouVLakki“ und gleich im Anschluss daran, zum Fährhafen der Katamaranfähre gefahren.
Es heißt „auf Wiedersehen“ zu sagen – zu Tina bis zum nächsten Jahr, zu Volker bis zur nächsten Woche…



Wir fahren zurück auf NESSAJA und sortieren uns neu. Ein paar Handgriffe sind auf der nun verwaisten ELOWYN zu erledigen, das schieben wir nicht auf die lange Bank.
Wasser abdrehen, Verbraucher ausschalten, Luken dicht und Schiff verschließen. Das nächste Mal sehen wir in zwei, drei Tagen nach ihr.
Ihr könnt euch das Gesicht von Anna und Niko, den Betreibern des „SouVLakki“, nicht vorstellen, als wir ein zweites Mal an diesem Tag hereinkommen. Wir haben ihnen zugezwinkert und uns zu Hans Peter und Petra an den Tisch gesetzt – na, was wollen wir uns heute Gutes gönnen?

Irgendwie bestellt man ja doch immer das Gleiche. Jeder hat sein Lieblingsgericht und vielleicht noch ein Alternativmenü – aber generell gibt es kaum Abweichungen.
Heute allerdings, weil wir ja schon Giros hatten, musste etwas anderes her. Sibylle labt sich daher seit Langem mal wieder an einer „Covered Pita“…

Ich dagegen bestelle mir, nach langer Abstinenz, wieder einmal einen halben Broiler. Das hatte ich lang nicht mehr, darauf habe ich jetzt einen Guster.
Ich hatte mich echt nicht mehr erinnert, was für eine Portion das ist. Ganz offen gesagt, ich bin ja auch nicht mehr 20, mit dem Tellerchen habe ich zu kämpfen! Noch gewinne ich – aber das geht nicht mehr lang so. Das Zeitalter des Seniorentellers bricht an.

Das Monatsende naht, es gibt auf unserer Baustelle nicht mehr so viel zu tun. Hans Peter ist kein Social Media Nutzer, er bittet mich daher, das alte Dinghy der LIBERTÉ für ihn in einer „Leros Yachting“ Gruppe zum Verkauf anzubieten.
Das mache ich doch gerne. Petra schickt mir zwei Bilder und den Preis, ich generiere eine kleine Anzeige. Mal sehen ob sich etwas tut und ob wir das gut erhaltene, frühere Schnulli der Bavaria bald verkaufen können…


Was uns richtig freut, ist die Tatsache, dass sich die SAGITTA von ihrem sommerlichen Rundtörn zurück gemeldet hat. Mario und Eva sind wieder im Dodekanes angekommen und werden Leros vermutlich heute streifen.
Als wir dies bestätigt bekommen, verabreden wir uns gleich am Panteli Beach auf ein „buntes Getränk“ und einen gehörigen Klönschnack. Es gibt viel zu erzählen und wir mögen die Beiden.
Wir kommen etwas früher als die Freunde am Café „Sorocos“ an und nehmen Platz – sehr schnell realisieren wir, dass das Glück uns wieder einmal hold ist! Denn auf der Dachterrasse des „Panteli Beach Hotel“ ist gerade eine Hochzeit in vollem Gange. Mein Lieblingsfiddler Manolis geigt was das Zeug hält und die Gäste tanzen ausgelassen.
So erhalten wir einen Nachmittag am Strand mit live „Island Music“ – hopahopa…


Sibylle und ich warten etwa zehn Minuten, dann treffen Eva und Mario ein. Wir bestellen die erste Runde und ratschen sofort los – jeder erzählt den anderen das Erlebte und die lustigsten Stories.
Wir lachen, haben Spaß, freuen uns auf die Wochen die vor uns liegen und – bestellen eine weitere Runde!

Nach einer dritten Runde, wir sind gerade am Aufbrechen, hupt es von Weitem. Das Hupen nähert sich und als wir gerade bei unserem Mopped stehen, biegt eine Hochzeitskolonne um die Ecke.
Zunächst denken wir, dass es sich um Hochzeitsgäste oder gar das Brautpaar handelt, dann aber drängt sich der Verdacht auf, dass hier ZWEI Hochzeitsgesellschaften zusammentreffen!
Die einen tanzen zur Musik, die anderen johlen zum Getöse der Hupen – und rundherum klatschen die Zaungäste – feiern wie es die Griechen tun! Das ist wohl das, was man Lebensfreude nennt!

Durch die Verzögerung sind wir ein wenig unter Zeitdruck. Wir sind heute um 18.30 Uhr in Drimonas am Gourna Strand mit Carola und Thomas von der EMOTION verabredet.
Diesmal etwas früher, weil die Sonne bereits um rund 19.00 Uhr hinter dem Horizont verschwindet. Dieses Schauspiel wollen wir uns, wenn wir schon einmal in der Westbucht sind, nicht entgehen lassen.
Das alleine wäre leicht zu schaffen, gleichzeitig findet in Lakki aber die Oldtimershow von Leros statt. Da darf man sich nicht zuviel vorstellen, aber vorbeisehen wollen wir auf jeden Fall.
Also nix wie los, vielleicht schaffen wir es ja!
Nun, nicht ganz! Mit rund einer Viertelstunde Verspätung treffen wir in Lakki ein…

Wir betreten das abgesperrte Straßenstück bei Mariettas Taverne. Ich bin zu diesem Zeitpunkt noch überzeugt, dass die Sperrung entlang des Stadtkais bis zur „Lakki Marina“ reicht.
Ich war vor zwei Jahren schon einmal hier. Damals wurde das breite und lange hintere Straßenstück gesperrt, es war alles voll und gedrängt – ein paar Young- und Oldtimer gibt es auf Leros schon!
Ich sehe mir die Pretiosen an und mache ein paar Bilder…






Das war´s – etwa 100m gesperrte Straße, wenige Autos und noch weniger Mopeds. Selbst ich kenne aus dem täglichen Straßenbild einige Fahrzeuge die komplett „geschwänzt“ haben!
Die gesamte Citroen Mehari Flotte etwa – nicht da! Kein einziger Suzuki LJ80 oder SJ410! Der C-Kadett, der Split-Window Bulli – keiner da! Ich war enttäuscht…
Gleichwohl war es Glück, denn so hatten wir keinen Interessenskonflikt – die Zeit drängte, wir müssen weiter zu unserer Verabredung!
Im Gehen sehe ich im Augenwinkel die Enduro-Ecke…

Ich erschrecke – nein, nicht wegen der Farbkombination der XT600, auch nicht, weil auch hier mindestens drei alte XT und XL fehlen, die mir persönlich bekannt sind…
Ich erschrecke, weil mir bewusst wird, dass dies die Moppeds meiner Jugend sind. Fahrzeuge der 80er Jahre. Ich mache mir bewusst, dass 1982, das Baujahr meiner ersten XT500, bereits 42 Jahre her ist – verdammt lang her!
Wir fahren nach Drimonas zur „Ouzeri o´ Sotos“…



Wir waren hier schon einmal – damals war es eine sehr positive Überraschung. Dies gilt es heute zu verifizieren.
Wir kommen hier selten her, denn es ist etwas abseits vom Schuss. Nicht auf „unserer Seite“ der Insel. Es ist schwer festzustellen ob und wann geöffnet ist.
Der Gesamteindruck könnte griechischer und authentischer nicht sein! Die Ouzeri hat sich behalten, was die Tavernen in Panteli geopfert haben – Ursprünglichkeit! Nichts ist fancy oder blingbling, alles so wie man sich eine griechische Taverne vorstellt. Ich muss zugeben, die „Ouzeri o´ Sotos“ fliegt unter meinem Radar – das sollte ich ändern!
Wir nehmen an unserem reservierten Tisch Platz und genießen den Ausblick – es ist sehr ruhig hier, ganz anders als in Panteli oder Lakki.

Ein Nachteil ist vielleicht, dass die Ouzeri Richtung NW ungeschützt beziehungsweise sehr offen ist. Bei kräftigem Meltemi dürfte es hier ungemütlich sein, da es keinen Windschutz gibt.
Davor sind wir aber heute gefeit, wir haben einen nahezu windstillen und dazu noch recht lauen Spätsommerabend erwischt.
Generell ist zu sagen, dass die Abende eher frisch geworden sind. Nun, kalendarisch ist am 21. des Monats der Herbst eingezogen – es war Sommersonnwend. Sonst spüren wir das in unseren Breiten kaum, dies ist 2024 jedoch etwas anders…
Wir bestellen Getränke und genießen zunächst das Ambiente und den Sonnenuntergang!




Als wir mit Carola und Thomas vereinbart hatten, dass wir die Ouzeri besuchen würden, habe ich mich an unser Essen von damals erinnert – etwas ganz außergewöhnliches – ein „Seafood Kokoretzi“!
Hier dient der Link zu klassischem Kokoretzi nur der Zubereitungsmethode – man umwickelt! In diesem Fall Meeresfrüchte, welche in ganz dünn geschnittene Streifen von Kalamari eingewickelt und gegrillt werden.
Dazu gibt es eine saure Soße auf Basis von Granatäpfelkernen – das schmeckt so anders – leider geil!

Es versteht sich fast von selbst, dass wir zuvor ein Ensemble verschiedener Meze gegönnt haben.
Wie dem auch sei, wir waren nach dem Essen satt und zufrieden und haben den Tag bei „Repapis“ ausklingen lassen.
Thomas und Carola werden morgen nach Deutschland fliegen, wir werden uns erst 2025 wieder sehen!
Am letzten Tag des September wachen Sibylle und ich fast gleichzeitig auf. WIND! Ein kurzes Gastspiel des Meltemi ist gemeldet – wir hatten es bereits an der Anzahl der Segler gemerkt, welche sich in die Marina „geflüchtet“ haben.
Die kräftigen Böen bis zu 35kn waren angesagt und sind auch eingetroffen, das Ganze soll bis übermorgen andauern. Wir werden also vom Vibrieren des Mastes und dem Klimpern und Klappern der Wanten wach. Es gibt Kaffee, dann kann es losgehen – wobei, der letzte Tag des Monats ist rasch erzählt…

Ich löse meine letzte Zusage gegenüber Hans Peter ein und serviciere den Ersatzmotor der Ankerwisch für ihn. Ich baue das „dreihaxige“ Modell wieder zusammen und räume alle ausgeschlachteten Ersatzteile sortiert in einen Karton.
Fertig, das war´s für mich! Fast! Denn mein Freund aus dem Saarland benötigt noch etwas Hilfestellung – so montieren wir noch die Ausgangswelle des Saildrive, so dass diese Teile nicht in ihrer Box überwintern müssen.

Dann helfe ich noch dabei, seine neue Engel Gefrierbox nach oben zu tragen.
Ein wenig Baustellenordnung tut auch not, auch hier kann ich noch mit anpacken – er war mit Petra fleißig am werkeln. Langsam wird es Licht am Ende des Tunnels.
Dann aber war es für mich an der Zeit den Dienst zu quittieren – die Projekte sind geschafft, für mich geht die Unterstützung 2025 weiter!
Hans Peter wäre aber nicht Hans Peter wenn er nicht mit „…einen hab´ ich noch!“ hätte antworten können 😉 – so setze ich mich hin und schreibe ein Mail an Schenker in Athen. Bei positiver Reaktion, wollen wir den geschenkten Wassermacher noch auf den Versandweg dorthin bringen – es soll ein Service nebst Testlauf und etwaiger Reparatur gemacht werden.
Dazu mehr im Monatsbericht des Oktober, ich fahre jetzt mit Sibylle nach Panteli!


Wir sind abermals mit Mario und Eva von der SAGITTA verabredet und wiederholen exakt das Procedere des Vortages – dabei stellen wir fest, dass „bunte Getränke“ ohne Hochzeitsmusik auch gut schmecken.
Wir verabreden uns für den Folgetag, den 01. Oktober, abends in Xirokampos zum Dinner. Auch Hans Peter und Petra werden dazu kommen – wird sicher lustig! Dann trennen sich unsere Wege…
Für uns endet der September unspektakulär – mit einem BBQ im Cockpit der LIBERTÉ. Vielleicht dem letzten der Saison. Der Wind pfiff unbarmherzig, es war frisch und zugig – offen gesagt, es war nicht mehr gemütlich!

Wir haben gegessen, uns etwas unterhalten und die letzten Tage bis zur Abreise der beiden Freunde aus dem Saarland geplant. Dann aber war es echt an der Zeit den Grillabend abzubrechen – der frische und kräftige Wind war durchdringend, die Longsleeves einfach zuwenig.
Wir haben uns auf unsere NESSAJA zurückgezogen, Sibylle liest noch ein wenig und ich tippe diese letzten Zeilen des Blogs.

Der September liegt im Kielwasser – hier ein kleiner Ausblick auf den Oktober!
Etliche unserer Freunde segeln noch, wir freuen uns auf Treffen und den Saisonabschluss mit diesen Crews. Zudem wollen wir Marcus, Susanne und Lilly in Lipsi besuchen.
Hans Peter und Petra reisen am 03.10. ab – es enden fast elf Wochen Projektarbeit an LIBERTÉ! Wir werden Lebewohl sagen müssen.
Für Spannung sorgt die ELOWYN – werden wir den blauen Riesen nach Kos verbringen und ein paar Seemeilen abreißen? Oder werden wir unser Patenschiff erst in Preveza wieder sehen? Sofern wir überhaupt dorthin fahren…
Wir haben Einladungen zu zwei griechischen Festen – darauf freuen wir uns.
Ja, ich denke, dass auch der Oktober ein herrlicher, erlebnisreicher Monat wird. Gerne teilen wir weiter unsere Erfahrungen und Eindrücke – bleibt uns daher gewogen…
Danke für die investierte Zeit und euer Interesse – die NESSAJA Crew
Sibylle & Mario