Juni 2024 – Is there anybody out there?

Wir machen Urlaub! Oder – nennen wir es besser, wir sorgen für Tapetenwechsel! Urlaub machen als Greek Resident, sorgt ab und an für unverständige Blicke und Kommentare wie „…ihr habt doch IMMER Urlaub!“

Tapetenwechsel tut also Not, der Blick über den Tellerrand hinaus wird angestrebt – wir haben daher vor einigen Wochen beschlossen, dass wir die ersten vierzehn Tage des Monats Juni nach Kreta fahren, um uns dort mit Nader und Christine zu treffen und mit ihnen entspannte Urlaubstage zu verleben.

Urlaub zur besten Reisezeit also – dachten wir…

Und da wären wir schon bei der Headline dieses Monats – diese bitte ich diesmal als Metapher zu sehen, denn sie entfernt sich ein wenig von der eigentlichen Tiefe des Songs von Pink Floyd auf dem „The Wall“ Album aus dem Jahre 1980 – ich möchte eher eine reziproke Relation herstellen, ihr werdet die Ironie bemerken.

„The Wall tells the story of Pink, an alienated young rock star who is retreating from society and isolating himself. At this point in the plot, the bitter and alienated Pink is attempting to reach anybody outside of his self-built wall. The repeated question „Is there anybody out there?“ suggests that no response is heard…“

Exakt gegenteilig erging es mir, dem der große Menschengruppen eher skeptisch betrachtet – ich war also in der vermeintlichen Vorsaison im Urlaub, hoffte auf einsame Strände und ruhige, entspannte Tage. Innerlich rief ich „…is there anybody out there?“ Die Antwort hallte mir zehntausendfach entgegen – JAAAAAAA! Der Urlaub wurde zum Trip an den Rand des Wahnsinns – doch beginnen wir von vorne…

01.06. um kurz vor 03.00 Uhr

Kurz vor dem Getöse des Weckers wache ich auf. Selbst drei Jahre nachdem ich das Berufsleben hinter mir gelassen habe, funktioniert die innere Uhr noch.

Sibylle und ich kämpfen uns aus den Federn und machen uns reiseklar. Das Motorrad ist schon gepackt, wir müssen nur noch den Rucksack einräumen und auf NESSAJA die Ventile schließen sowie die Schalter auf „0“ stellen – dann kann es los gehen. Auf zum Hafen!

Die Fähre ist schon in Sichtweite

Müde warten wir auf die Ankunft der BlueStar Fähre. Diesmal waren wir nicht zu früh am Anleger, der stählerne Zubringer war pünktlich, das ließ die Wartezeit auf ein erträgliches Minimum schrumpfen.

Pünktlich gegen 04.00 Uhr traf die BLUESTAR II ein und wir stiegen zu. Sibylle als Fußgängerin mit dem Ziel, uns einen guten Platz zu ergattern. Ich dagegen hatte die Aufgabe, die GS auf die Motorradabstellplätze zu pilotieren und mir dann den Weg durch die Katakomben der Autofähre zu bahnen.

Pünktlich trifft die Fähre nach Rhodos ein

Wir treffen uns dann meist im vorderen Salon. Sibylle sitzt schon, es drückt ihr die Augendeckel runter. Wir versuchen noch etwas zu dösen – an Schlaf ist kaum zu denken.

Wenig los – alle Reisenden versuchen, zumindest etwas auszuruhen

Unsere erste Station auf der Reise ist Rhodos. Dort würden wir einmal übernachten müssen, am nächsten Tag geht unsere Fähre am frühen Nachmittag – Ziel ist Heraklion auf Kreta.

Soweit der Plan, welcher auch aufgeht, bis wir auf Rhodos angekommen waren – dann überschlugen sich die Ereignisse.

Ich war in Jammerstimmung! Was war passiert? Nun, Sibylle hatte Wanderstöcke eingepackt und ich Dummerchen hatte diese beim ersten Mal packen zur „Aufsteigeseite“ des Moppeds heraussterzen lassen – dies führte zu einem Einstich in mein T-Shirt, natürlich eines der neuen!

Heul, süder – das gute Shirt
Ein Stich ins Herz – (fast) im Wortsinn

Sibylle schaltet auf Durchzug, sie ist keine gute Empfängerin für mein Geheule, zumindest noch nicht. Sie will einfach frühstücken! Wer Sibylle kennt weiß, dass mit ihr nicht gut Kirschen essen ist, wenn sie Kohldampf hat – also füttere ich erstmal mein fleischgewordenes Tamagotchi.

Dafür besuchen wir das „Naval“ in der Rhodos Marina, das kennen wir, das ist gut!

Ein tolles Frühstück im „Naval“ – so soll der Urlaub starten
Das klappt gut – wir mampfen und freuen uns des Lebens (ich bejammere ab und an mein T-Shirt)

So, jetzt passt alles. Es kann ins Hotel eingecheckt werden. Sollte das Zimmer nicht fertig sein, dann dürften wir derweil am Pool verweilen. Das ist ein gutes Angebot – und so kommt es auch. Wir müssen etwas warten und legen uns für ein, zwei Stunden auf eine schattige Liege am Hotelpool.

So kann man es aushalten – ich schlummere ein wenig

Während ich also leidlich ein paar Minütchen Schlaf nachhole, sorgt mein momentanes Gefühlsleben für albtraumähnliche Schlafphasen. Als ich Sibylle schweißgebadet davon erzähle und nebenbei erwähne, dass im Nachbarhaus ein Schneider residiert, gibt sie auf – endlich!

Sie bringt mein T-Shirt zum Nadelartisten und lässt mich unbekleidet zurück. In diesem Moment erhalte ich ein Foto von Freund Marcus, er ist gerade in unserer Marina…

Unser Zuhause – verlassen für knapp zwei Wochen

Ich bedanke mich artig und gehe zum Abfrischen in den Pool – was kannst Du sonst machen, wenn Deine Kleidung in der Reparaturwerkstatt des Schneidermeisters ist? Sibylle erklärt mir, nachdem sie wieder hier war, dass der Mann an Nadel und Faden versprochen hat, dass er die Schadstelle „unsichtbar würde verschwinden lassen“ – ok, das klingt gut!

Nach exakt einer Stunde geht meine liebe Frau wieder nach nebenan, um das instandgesetzte, knapp 20.-€ teure Shirt abzuholen. Der tapfere Vertreter der Schneiderszunft hat Ideenreichtum bewiesen! Stolz erklärt er Sibylle, dass er früher in Dortmund eine Schneiderstube hatte und dass er, die Reparatur betreffend, eine tolle Idee hatte…

SUPER – wenn ich es nicht wüsste, ich würde den Schaden nicht mehr erkennen

Ahhhhrgh, mein Herz! Mich trifft der Hauptschlag! Aus einem 5mm Loch wird eine 50cm Naht. Mein T-Shirt sieht aus wie eine Reffgardine, weil es nämlich Stretchanteile hat und, da bin ich sicher, der Held an der Nähmaschine dieses wohl unter Zug genäht hat.

Seither trage ich eine, meine Problemzone eher betonende als kaschierende, Zier-Reffnaht nahe der Unterbrustweite – das ganze für lässige 12.-€. Ich spüre das erste Mal, dass ich nicht mehr auf Leros bin!

Na egal, ich werde es verschmerzen. Um mir etwas Gutes zu tun, gehe ich erstmal zum Friseur, auch der ist gleich neben dem Hotel.

Mr. Barberos – klingt vielversprechend

Ich komme sofort dran, was mich verwundert und auch hätte stutzig machen sollen. Man spricht mich griechisch an, ich erwidere die mir bekannten Begrüßungsformeln und wechsle dann auf Englisch, dies verrät – hier sitzt ein Tourist!

Ich kann meinen 3-6-9 Harrschnitt erklären und der Barbier beginnt sein Werk. Beide sind wir irritiert, als bei 9mm am Oberkopf nichts weggeht, na egal, mach halt einfach wie Du willst – sommerlich kurz bitte.

Das klappt ganz gut – ABER…

Beim Bezahlen merke ich, dass andere Regeln als auf Leros gelten. Ich berappe 38.-€ für den Haircut. Die gleiche Leistung bekomme ich auf Leros für 10.-€. In Zukunft lasse ich nur noch Sibylle an meinen Kopf – aus Schaden wird man klug.

Ich komme zurück an den Pool und eine blasse Sibylle schaut mich an – „…wir müssen sofort in die Stadt, ins Reisebüro, in den Hafen!“ Ich frage nicht lang, wir fahren einfach…

An der Stadtmauer parken wir, wo ist das nächste Reisebüro?

Ich fordere eine Erklärung von der paralysiert vor mir herlaufenden Frau – ich schlage ein Bierchen zur Abkühlung des Gemütes vor, sie möge mir doch bitte erläutern was passiert ist!

Vorschlag angenommen, wir setzen uns zum Bier in eine der Tavernen am zentralen Brunnen in Rhodos Old Town und bestellen ein kleines und ein großes Blondes – wir erwarten, wie allgemein üblich, ein 0,5er und ein 0,3er Glas.

Nicht so in Rhodos…

Stiefelsaufen in Rhodos – willkommen im touristischen Wahnsinn
ICH HASSE SOWAS!

Wir trinken jeder etwa die Hälfte der an sich leckeren Hopfen-Kaltschale, danach wird das Gebräu warm und lack. Ich strafe den menschenfangenden Gastwirt mit Missachtung und frage mich – wer kann sowas leiden? Welcher Tourist macht die Griechen glauben, dass sowas zum Urlaub gehört? Ich bin das erste Mal fassungslos.

Doch was war eigentlich mit Sibylle???

Sie hat, während ich beim Barbier war, unsere morgige Fährverbindung noch einmal gecheckt. Diese gibt es aber nicht mehr! Eine völlig andere Fähre geht nach Heraklion, aber um 07.00 Uhr statt um 14.00 Uhr und wir haben ja auch keine Tickets für diese Verbindung – was tun?

Wir checken den Schalter am Fährterminal – geschlossen! Wir finden ein Reisebüro und erhalten Aufklärung – es stimmt, die Fähre geht früher und braucht statt 10h rund 15h, aber unsere Tickets haben Gültigkeit! Zu 99% – wir sollen halt spätestens um 06.15 Uhr am Fährkai sein.

Na toll!

Wir sortieren uns und fügen uns dem Schicksal. Dann suchen wir ein Geschäft, in dem Sibylle vor drei Jahren mal Schuhe gekauft hat – Tina will die Gleichen. Tatsächlich finden wir die Stecknadel im Heuhaufen!

Da hängt der begehrte Schlappen – wir kaufen ein Paar

Der Rest des Abends verläuft versöhnlich, wir bekommen, trotz gescheiterter Reservierung, einen Tisch im „Mama Sofia“ und ich kann die von mir so geschätzten „Fisherman Spaghetti“ bestellen. Sibylle entscheidet sich für Muscheln – wir essen vorzüglich im Touristenmoloch Rhodos Old Town, danach suchen wir das Weite.

„Mama Sofia“ ist unser Tip – wenn man schon nach Rhodos Old Town muss
Die „Fisherman Spaghetti“ sind sensationell
Auch Sibylle war happy mit ihrem Muschel Saganaki
Das Umfeld der Taverne ist touristisch geprägt, zeigt aber schöne Details

Nach dem Dinner sind wir zurück ins Hotel. Wir waren müde und groggy, der Start in den Urlaub war zwar pannenfrei aber holprig. Zudem wussten wir nun, dass das gebuchte und bezahlte Hotelfrühstück ausfallen würde – ein weiterer „Early Bird Day“ steht uns ins Haus.

Am nächsten Tag sind wir, wie vorgeschlagen, um 06.15 Uhr am Fährhafen. Nicht zu früh wie sich zeigt, wir sind beileibe nicht die Einzigen.

Ich stelle mich am Fahrkartenschalter an, Sibylle kauft bei „Gregoris“ Sandwiches für die überlange Fährfahrt.

Dann geht es los…

Es waren keine neuen Tickets nötig
Mit den vorhandenen Fahrscheinen können wir einfahren und die GS parken
Statt auf der schönen CHIOS sind wir jetzt auf der PREVELIS, einer alten Möhre – statt um 14.00 Uhr legt sie um 07.00 Uhr ab

Sibylle hat uns wieder einen guten Platz erhascht. Wir sitzen in Fahrtrichtung an vorderster Front, können nach vorne aus dem Fenster sehen. Auch meine Vorgabe, eine Steckdose, war erfüllt – ich richtete mir ein kleines Büro ein, wollte ich doch meiner Schriftstellertätigkeit nachgehen und an meinem Maiblog schreiben. So würde ich die verhältnismäßig lange Fahrtdauer von 15h30min sinvoll nutzen!

Der Ausblick aus unserem Fenster – über das Vordeck
Ich sitze einigermaßen gut und feile am Blog für den vergangenen Monat

Die längere Reisedauer ergibt sich aus der Tatsache, dass diese Linie mehrere Zielorte anläuft. Es waren Inseln und Orte dabei, welche wir schon bereist hatten, darüber hinaus auch solche, die wir nicht kannten.

Sibylle nutzte die Hafenstops, um sich die Beine zu vertreten und ein paar Bilder zu machen. Ich habe zwischenzeitlich auf unsere Siebensachen aufgepasst – den Laptop möchte ich dann doch nicht unbewacht stehen lassen.

Die Fähre läuft folgende Zielorte an…

Hafen der Insel Chalki
Hafen Diafani auf Karpathos…
…überall emsiges Treiben – hier noch verhältnismäßig entspannt
Als nächstes der Haupthafen von Karpathos…
…Pigadia – hier waren wir vor zwei Jahren mit dem Motorrad
Nächster Stop war Kasos
Dann erreichen wir Kreta – zunächst legt die Fähre in Sitia an

So vergingen die Stunden. Als wir in Sitia ablegten und Kurs auf Heraklion auf Kreta setzten, begann die Sonne im Meer zu versinken. Wir hatten von unserem Platz aus den „perfekten Ausblick“ auf das Szenario – wenn dieser auch durch die verschmutzten, salzigen Scheiben etwas „getrübt“ war.

Großes Kino

Ich fand es fast schon witzig, wie auf einmal andere Fahrgäste an die vordere Fensterfront kamen, um einen Blick auf das Schauspiel zu erhaschen. Klar, Sonnenuntergänge wirken immer, aber durch diese Scheiben war die Wirkung eben gemindert – trotzdem herrschte phasenweise Gedränge an der Fensterfront. Wer macht das beste Selfie???

Die Asiatin ganz links mühte sich im weiteren Verlauf redlich…

Die „blaue Stunde“ beginnt, wir ruhen noch ein wenig aus. Dann naht endlich das Ende der langen Fahrt. Die Gäste, die in der Hauptstadt der größten griechischen Insel aussteigen wollen, werden gebeten sich fertig zu machen und zu ihren Fahrzeugen zu gehen.

Wenige Minuten später geht es ruck-zuck, wir starten den Boliden und fahren über die Rampe. Den Weg zum Hotel kennen wir. Ein Parkplatz für die GS bietet sich direkt vor dem „Marin“, wir checken ein.

Ein typisches Stadthotel, alles da was man braucht, um eine Nacht ohne gehobenen Anspruch zu verbringen. Trotzdem war das Zimmer den aufgerufenen Tarif nicht wert, denn die Dusche in unserem Zimmer war eine Frechheit! Dabei lag es ausdrücklich NICHT an meiner Statur, dass die Größe der Duschwanne sich zum Problem mauserte, auch Sibylle hatte echte Schwierigkeiten in der 60 x 50cm großen Dusche – ich kam nichtmal rein!

Wenn wir am Rückweg die gleiche Dusche im Zimmer haben gibt es ein Foto – eine Chance bekommt jeder…

Am Folgetag frühstücken wir relativ einfach, aber mit spektakulärem Blick – dann setzen wir die Fahrt nach Chania fort.

Kurze Pause zum Hintern entspannen

Sibylle wollte es, wie eigentlich immer, erstmal langsam angehen lassen. Ich musste langsam fahren, es sollten Pausen entlang der 150km langen Gesamtstrecke gemacht werden undsoweiter.

Da meiner Gattins Befehl mir stets auch Wunsch ist, habe ich all diese Anordnungen befolgt. Daraus ergab sich, dass wir kurz nach der Pause eine weitere Pause einlegten – die Hälfte der Strecke war geschafft, immerhin 75km, wir waren in Rethymnon – Bergfest!

Natürlich fahren wir zielgerichtet in die Marina
Rechts die SAIL AWAY von Gerd, links der graue Bug der TRINITÉ

Gerhard und Christiane kennen wir persönlich seit Mykonos 2017. Wir sind beide im MSF, einem Skipper Forum, engagiert und hatten damals die Gelegenheit für ein Treffen genutzt. Die Beiden haben ihre Homebase in Rethymnon und es lag auf der Hand, dass wir für einen Drink vorbeisehen.

MSF Forumstreffen in einer Strandbar in Rethymnon

Wir haben bei einem Freddo Cappuccino unsere Seelen gesalbt, denn Gerd ist Fußball Superfan von Borussia Dortmund und musste ein paar Tage vorher die Niederlage im CL Finale gegen Real Madrid verdauen, ich dagegen hatte noch die verkorkste Gesamtsaison der Bayern im Sinn – Schwamm drüber!

Ich gehe eine Runde ins Meer und frische mich ab, die Örtlichkeit bietet sich geradezu an. So kann ich auch die ausgefallene Dusche am Morgen kompensieren und als Randnotiz verbuchen.

Wir müssen weiter, wir wollen nach Chania!

Schnell noch einen Blick auf die TRINITÉ unseres Freundes Jörg geworfen, ein kurzes Bild nach Hannover geschickt…

Soweit alles ok – wir tauschen ein paar Nachrichten mit dem Freund

…dann heißt es wieder in der Sattel der GS zu steigen, wir setzen die Reise fort. Eigentlich wollte ich ja gemütlich entlang der „Old Road“ von Heraklion nach Chania fahren, leider war diese mir bekannte Strasse, aber nur im Osten, zwischen Agios Nikolaos und Heraklion, durchgängig erhalten geblieben als vor einigen Jahren die „New National Road“ gebaut wurde.

Der westliche Teil wurde auf mehreren Teilstücken ausgebaut und für die neue Straße verwendet. Es gibt somit keinen durchgängigen Weg außerhalb der neuen Schnellstraße – das war bitter, aber nichtmal meine „Calimoto“ App wusste eine bessere Alternative.

Nun denn, da müssen wir durch! Wir passieren eine Stunde später Chania und wundern uns, warum die Ausfahrt zu unserem Zielort nicht kommt. Pause – Neuorientierung!

Schon an Chania vorbei – etwas trinken, Route checken

Ah ok, wir sind fünf Kilometer zu weit gefahren. Dieses kurze Stück können wir aber entlang der Küstenstraße retour fahren. So erreichen wir bald schon unseren Zielort Agia Marina, ein Küsten-Touristenörtchen etwa 9km westlich von Chania.

Wir checken in unserer Pension ein, sind happy mit unseren Gastgebern und unserem Zimmer. Dann fahren wir sofort zum Hotel von Nader und Christine, hier wollen wir uns mit den Freunden aus Deutschland treffen.

Im „amalthia“ Hotel sind die Freunde untergebracht – das wird unsere Anlaufstation für die nächsten 10 Tage

Großes HALLO! Wir freuen uns, dass bis hierhin alles geklappt hat und einem gemeinsamen, erlebnisreichen Urlaub nichts mehr im Wege steht. Wir beschließen, diesen Auftakt erstmal bei einem Bierchen zu würdigen und verholen uns in die Strandbar des feinen Hotels.

Nice – der erste Eindruck passt schonmal
An der Strandbar gibt es alles, was das Herz begehrt
Wir trinken erstmal ein kühles Blondes – es gibt viel zu erzählen und zu planen

Das „amalthia“ sollte eine wichtige Rolle spielen. Es wurde während des Urlaubs zu unserer Drehscheibe, zum Treffpunkt – unser Platz für Musestunden und unser Zugang zum Meer. Das Hotel lag an einem feinsandigen, einladenden Strand.

Es sollte sich herausstellen, dass auch in solchen Hotels nicht alles was glänzt auch aus Gold ist, aber ein schöner Platz zum Verweilen war es allemal.

Ideal für Sibylle und mich, wir konnten die Vorteile aus beiden Welten bündeln – Strandbar, Sandstrand und Poolambiente wenn gewünscht, ansonsten Rückzug in unsere familiäre und stille Pension etwa 500m vom Strand entfernt.

Wir ziehen uns zum Spätnachmittag hin zurück in unsere Pension „El Greco“, der Seniorchef empfängt uns mit einem Raki und Gemüse aus seinem Garten. Wir setzen uns zu ihm und erzählen ein wenig. Von ihm erhalten wir den Tip ins „Roka“ zum Dinner zu gehen. Das setzen wir umgehend um!

Normal gehe ich nicht in Lokale mit „Foto-Speisekarten“
Aber die Empfehlung unseres Gastgebers war super – wir essen vorzüglich
Geschmortes Rindfleisch mit mediterranem Gemüse…
…dazu ein kretisches Bier – herrlich! Ein sehr schöner erster Abend

Spät kommen wir nach Hause. Der Junior des Hauses ist inzwischen zurück aus Chania. Er sitzt zusammen mit seinem Vater auf der Veranda. Bei den Beiden sitzen Klaus und Sonja aus dem Ruhrgebiet, ebenfalls ein deutsches Gästepaar. Wir sollen uns dazusetzen und noch einen Raki trinken, oder zwei, oder drei…

Es stellt sich heraus, dass die Gastgeberfamilie auch motorisierte Zweiräder hat, der Vater eine original Honda Dax, 43 Jahre alt, der Sohn eine 600er Bandit – das schafft Bindung! Ich werde angewiesen, meine GS nicht am Parkplatz sondern im Hof zu parken – ok, gerne…

Das Moto steht sicher – jetzt aber ins Bett, ich bin müde

Etwas später fallen wir wie gefällte Bäume ins Bett, wir sind groggy vom zweimaligen früh aufstehen und der Fahrt hierher. Jetzt erstmal ausschlafen, morgen ist ein neuer Tag!

Dieser beginnt früh, etwas zu früh – wir müssen die Nachtruhe noch optimieren, ganz toll war es noch nicht. Wir hatten ein paar Schnaken im Zimmer, welche uns ordentlich zerstochen haben. Zudem war die richtige Einstellung der Klimaanlage noch nicht gefunden. Beides bekamen wir aber in den Griff, die folgenden Nächte haben wir gut geschlafen.

Ich hole Semmeln, in der Nähe ist ein guter Bäcker…

Wir frühstücken einfach

Unsere Frühstücke fallen bescheiden aus, wir wollen hierfür nicht zuviel Geld verplempern. Es gibt die guten, frischen Bäckersemmeln mit etwas Käse und Salami, später kaufen wir einen Blütenhonig an einem Honigstand im Hinterland. Kaffee und Tee bereiten wir selber – das reicht uns, es ist stets ein guter Start in den Tag!

Für heute haben wir uns den Besuch der „Theriso-Schlucht“ vorgenommen. Ein verhältnismäßig kleiner Programmpunkt auf der Liste der Unternehmungen, welche Christine und Sibylle für uns zurechtgelegt hatten.

Es war ein „weicher Start“, denn diese Schlucht kann komplett mit einem Fahrzeug durchfahren werden. Sibylle entscheidet sich für den vollklimatisierten Fiat Panda, welcher als Vehikel von unseren Freunden angemietet wurde. Ich wähle, Ehrensache, die GS als den fahrbaren Untersatz für diesen Ausflug.

Die gut ausgebaute Straße zieht sich in die Schlucht
Ab und an stoppen wir und bewundern die Natur und die malerische Landschaft
Das kurvige Sträßchen schlängelt sich entlang dem Schluchtverlauf
Wir machen Pause und entdecken Ortschaften
Wir erfahren Interessantes zu Geschichte und Kultur
Finden aber auch nette Plätzchen zum Verweilen
Wir setzen die Fahrt durchs Hinterland fort

Es ist wie immer in solchen Urlaubsorten – kaum fährst Du einen Kilometer vom Strand weg in Richtung des Hinterlandes, hast Du weitgehend Ruhe. Die Touristen folgen den ausgetretenen Pfaden. Bis hierhin schöpfe ich noch keinen Verdacht – der Ruf „is there anybody out there?“ – er wäre heute ungehört verhallt.

Das sollte sich aber noch ändern…

Die Straße zieht sich nach oben auf ein kleines Plateau, sie wird serpentinenartiger.

Ich genieße die Fahrt, folge dem Panda und mache Bilder
Es bieten sich herrliche Ausblicke…
…und natürlich will jeder ein Foto machen – wir gründen eine WhatsApp Gruppe zum Tauschen der Bilder
Das freut mich, denn so gibt es auch mal Schnappschüsse von mir
Das Schild deutet auf eine kurvenreiche Straße hin – und auf eine schießfreudige Bevölkerung
Die Straße windet sich wieder nach unten, wo bleibt der Fiat?
Ah, da isser ja…
…und bis ich mich versehe ist er schon weg
Am nächsten Parkplatz treffen wir uns wieder
Dann geht es gemeinsam weiter
Schilder warnen weiter vor Gefahren – direkten und indirekten
Dann erreichen wir eine Ortschaft

Wir beschließen, dass wir in dem kleinen Örtchen eine Pause einlegen. Der weibliche Teil unserer Gruppe möchte das sakrale Bauwerk bestaunen und mehr darüber erfahren, der männliche Part ruft nach einem erfrischen Getränk – wir stoppen.

Wie geht es weiter? Wir beratschlagen

Leider war die Kirche geschlossen. Doch das tat der guten Stimmung keinen Abbruch. Wir gönnten uns eine eiskalte Cola, alternativ einen frischgepressten Orangensaft und berieten uns, wie wir die Fahrt fortsetzen wollten.

Die zuvor noch etwas verschlossen wirkende Bedienung taute auf und riet zu einem Besuch einer nahegelegenen Schlucht. Ah, ok – die stand gar nicht auf unserem Plan…

Jetzt muss der geneigte Leser wissen, dass Nader und ich die leidenschaftliche Abneigung gegen Wandern generell weitgehend teilen. Nader hat zudem noch ein kaputtes Knie, so müssen Wanderungen, auch wenn es nur Abstecher sind, eigentlich sehr detailliert geplant werden – eigentlich!

Darf ich vorstellen – unser „off-road Shuttle“ für Fußlahme

Wir nehmen uns also vor, dass wir die verpasste Schlucht zumindest mal ansehen wollen. Ich shuttle Nader zum Eingang, zum Glück ist mein Zweirad bayrischer Herstellung weitgehend off-road tauglich.

Wir erreichen den Eingang der Schlucht…

Die 300m sind die Strecke, die ich Nader zubringe
Am Eingang ist für mich Ende – ab hier ist es ein Track
Wie immer ist alles gut ausgeschildert

Ich beschließe, bei Nader zu bleiben und ihm etwas Gesellschaft zu leisten. Wir setzen uns in den Schatten. Die Damen eilen von dannen, denn sie haben sich vorgenommen, zumindest einen Teil der Schlucht anzusehen. In ein paar Minuten wollen sie zurück sein.

Da ziehen sie dahin…
…über einen schmalen, aber gut angelegten Pfad
Die ersten, beeindruckenden Felsformationen sind erreicht – der Bach führt kaum Wasser
Erinnerungsfoto – klar!

Nach etwa einer halben Stunde findet sich unsere kleine Gruppe wieder zusammen. Schön war´s, bestätigen die Damen. Ok, dann können wir jetzt weiter.

Als nächstes Ziel wird einer der beiden Süßwasserseen von Kreta ausgerufen. Wir wollen gerne baden und etwas trinken. Soweit der Plan…

Leider kam es anders, denn der See entpuppte sich als Naturreservat für alles was kreucht und fleucht – nicht nur, dass Baden vermutlich verboten war, es war auch nicht einladend.

Sehenswert war der Natursee allemal – er lag ohnehin am Weg
Überall Vogelgetier rund um den wirtlichen Lebensraum

Wir akzeptieren, dass es mit dem Badestopp und auch dem erfrischenden Getränk nichts wird. Doch so einfach wollen wir den Tag nicht ausklingen lassen. Ein Speiseeis wäre toll und nachdem wir am Heimweg ohnehin Chania streifen würden, könnten wir doch einen kleinen Abstecher machen.

Gesagt, getan. Sibylle und ich waren schon in Chania, aber nur für einen Tagesausflug vom Osten her kommend. Ich konnte mich aber noch an einen sehr günstig gelegenen Parkplatz erinnern. Das passt auch diesmal, wir finden eine Lücke für den Panda und parken auch das Moto sehr zentral.

Direkt an der Altstadtmauer – der Panda nur 50m entfernt

Sibylle und ich hatten Kreta schon dreimal bereist. Zweimal war Agios Nikolaos unsere Base, von dort aus haben wir den Osten umfänglich entdeckt und auch mal einen Tagesausflug nach Chania gemacht.

Einmal war Kamilari auf der Südseite unsere Base. Von dort aus haben wir die gesamte Mitte Kretas bereist und mit dem Motorrad entdeckt.

Diesmal haben wir uns entschieden, unsere Zelte im Westen, eben im Umfeld von Chania, aufzuschlagen. Wir wollen diesmal den gesamten Westen Kretas für uns entdecken. Chania ist die größte Stadt dieser Region.

Der Leuchtturm – die Eingangspforte zum alten venezianischen Hafen
Heute touristisch genutzt – wie alles hier
Wir finden eine Eisdiele…
…die überraschend gutes Eis anbot

Eine kleine Runde durch die Stadt haben wir uns angetan. Insgesamt war es aber zu heiß. Wir beschließen, dass wir noch etwas trinken, dann wollen wir zurück an den Strand. Nach Chania kommen wir andertags noch einmal, später, abends, wenn es nicht mehr so heiß ist.

Kutschfahrt durch Chania gefällig? Ich finde es pervers
Da widmen wir uns lieber lokalen Bierspezialitäten – dem bekannten „Mamos“ zum Beispiel…
…oder dem etwas weniger bekannten „Nymphi“ aus Thessaloniki – nice name 😉

Danach fahren wir zurück ins Hotel von Nader und Christine. Wir sind von den Beiden an der Rezeption vorgestellt worden und da der Bereich der Hotelbar und des Strandes ohnehin öffentlich sind, ist es kein Problem, dass wir stetig im Schlepptau sind.

Wir gehen zusammen eine Runde ins Meer – Abfrischung tut Not. Dann ziehen Sibylle und ich uns zurück um uns ausgehfein zu machen. Unsere Pensions-Mitbewohner Klaus und Sonja haben uns einen Tavernen Tip gegeben, den wollen wir heute ausprobieren, Nader und Christine sind informiert, wo diese kleine Taverne zu finden ist.

Das „Palirria“ versteckt sich – Zugang über ein schmales Gässchen
Schöner Blick, man sitzt schön…

Leider verwehrt uns der Wirt den Sechsertisch rechts. Er ist verwundert und überzeugt gleichzeitig – „…all tourists want to sit in the first row!“ Mag sein, wir aber nicht! Wir wollen den Schatten und einen größeren Tisch, weil wir ein Sammelsurium an Meze bestellen wollen.

Wir bekommen den Tisch nicht! Sibylle und Christine wählen einen anderen und wir freuen uns auf´s Essen – aber die Tischdiskussion hat dem Wirt Punkte gekostet.

Egal, ein Bier und ein Humpen Wein passen auf jeden Tisch
Das Essen war sehr gut – leider war der Tisch dann knapp, wir bekamen einen Stuhl hingestellt auf dem wir das Brot deponieren sollten
Eine wundervolle Abendstimmung…
…die von der untergehenden Sonne in ein besonderes Licht getaucht wurde
Ich genieße „Seafood Spaghetti“, die denen im „Mama Sofia“ auf Rhodos kaum nachstehen

Naja, unser Fazit – eine tolle Kneipe mit gutem Essen. Wir haben es hinbekommen, dass der Vierertisch gereicht hat, der Sechsertisch blieb diesen Abend leer, wie die meisten Sechsertische.

Wir sind nicht noch einmal ins „Palirria“ gegangen, der Wirt hat uns nicht erreicht, schade…

Wir haben an diesem Abend aber eine Idee für den Folgetag geboren, man könnte von einer „Schnapsidee“ im Wortsinn sprechen. Wir fahren nämlich nach Matala! Das ist streckentechnisch nicht ganz in der Nähe, um den ehemaligen Hippieort zu erreichen, müssen wir zunächst rund 75km nach Rethymnon fahren, dann einmal von Nord nach Süd die Insel überqueren – Gesamtstrecke rund 130km, aber unsere Freunde sind angefixt.

Wir brechen früh auf!

Ich darf hinten sitzen und lasse mich chauffieren
Der Panda ist ganz kommod, Platz für uns alle

Wir ratschen viel, die Strecke zieht sich. Unsere Route führt uns entlang kleiner Straßen durch teilweise unberührte Natur. Sibylle und ich kennen den Weg, wir sind ihn schon gefahren.

Die hohen Berge von Kreta zeigen noch Schneefelder…

Die höchsten Riesen sind immerhin über 2.000m hoch

Als wir den kleinen Ort Kamilari durchfahren, wissen wir – bald sind wir da. In Kamilari haben zwei Freunde von uns Häuser gekauft. Auch wir waren in dem kleinen, beschaulichen Nest, um ein Häuschen anzusehen. Leider hat dies damals nicht geklappt.

Da beide befreundete Paare zu Zeit nicht auf Kreta verweilen, kommt es nicht zu einem Abstecher. Wir fahren die letzten sechs Kilometer und erreichen bald die ehemalige Hochburg der Blumenkinder.

Alles ein bisschen bunter und eigenwilliger hier
Natürlich fotografieren wir das berühmte Motto von Matala auf der neu bemalten Mauer

Wir wollen Matala ansehen, Christine möchte die Höhlen besuchen und wir möchten etwas baden. Nader hat Hunger – was liegt also näher, als erstmal eine Art „Base“ zu etablieren.

Wir nehmen uns einen Tisch in einer der Touristentavernen und machen uns breit.

Wir erfrischen uns – innerlich und auch äußerlich

Um dem Wirt nicht unfair zu begegnen, wir hatten zunächst ja erklärt, dass wir nur etwas trinken wollen, bestellen wir uns ein paar „Glangerle“, so hat auch der Tavernenwirt etwas von unserer, nun längeren, Verweildauer.

War ganz gut

An diesem Tag habe ich das erste Mal gemerkt, dass Anfang Juni schon etwas mehr als Vorsaison auf Kreta ist. Es ist schwer zu beschreiben…

Es war nirgends wirklich zum Bersten voll oder gar überfüllt. Aber zwei Tatsachen machten zumindest mir etwas zu schaffen – erstens, ich habe mich an Leros gewöhnt. Alles auf Leros ist kleiner, langsamer, leiser – außer die Italiener vielleicht, aber das ist ein anderes Thema.

Zweitens, ich war schon in Rethymnon, in Chania und auch in Matala – im Spätherbst, Ende Oktober, Anfang November. Ich kenne den Strand von Matala fast menschenleer – und jetzt das…

Liege neben Liege, Handtuch neben Handtuch

Ich bin sicher, dass da im Juli oder August noch sehr viel mehr geht, aber ich merke, dass mich die vielen Menschen nerven. Zum ersten Mal geht mir eine Blog-Headline durch den Kopf – „You are not Alone“.

Ich melde mich freiwillig, unsere Siebensachen zu bewachen, während Sibylle mit Nader und Christine die ehemaligen Hippiehöhlen besichtigen will. Für Christine, die geschichtlich Interessierte, sind es natürlich vielmehr Grabkammern aus römischer Zeit. Ich sehe eher die kiffenden 68er dem Idealbild von freier Liebe anhängen.

Wie auch immer – ich war schon dort, ich darf baden und auf die Taschen aufpassen…

Christine, Sibylle und Nader am Felsen mit den markanten Höhlen
Die Besichtigung muss man sich hart erarbeiten
Dafür gibt es genug lauschige Plätzchen zum Ausruhen

Nach der Rückkehr der Entdecker, frischen wir alle uns noch einmal ab, dann packen wir zusammen, bezahlen unsere Zeche und machen uns auf den Heimweg. Nicht aber, ohne zuvor einmal die Gassen von Matala abgegangen zu sein. Man entdeckt so viele liebevolle Details.

Werbekäfer
Wandmalerei einer Taverne
Der berühmte Baum am Ortseingang
„Love & Peace“ überall

Wir fahren zurück und beschließen, dass wir heute in Rethymnon zu Abend essen wollen. Christine und Nader kennen diese Stadt noch nicht, sie liegt etwa auf halbem Weg. Es bleibt genug Zeit, um sich den aus unserer Sicht sehr hübschen Ort, einmal in Ruhe anzusehen. Danach könnten wir dort essen, bevor wir uns auf das letzte Stück des Heimweges machen.

Die erste Hälfte des Weges führt durch das kretische Hinterland – Natur pur, wir sind meist allein auf weiter Flur.

Imposante Felsformationen und wilde Macchia überall

In Rethymnon angekommen, wandelt sich das Blatt. Trubel, Hitze und Gedränge. Wir parken an der Marina und laufen in die Altstadt.

Natürlich bemühe ich mich, die Bilder der Sehenswürdigkeiten so zu machen, dass nicht immer Hinz und Kunz durchs Foto latschen. Das gelingt auch meist, daher müsst ihr mir einfach glauben – nach meinen Messkriterien war es für die Jahreszeit ziemlich voll.

Nichtsdestotrotz – Rethymnon ist sehr schön
Es gibt allerlei „besondere“ Gastronomie
Tolle Sehenswürdigkeiten wie den Rimondi Brunnen aus dem Jahr 1629…
Das Minarett der Neratze Moschee
Sibylle und Christine gönnen sich noch den Weg zur Burg

Dann reicht es uns, wir haben Hunger! Ich schreibe an Jörg, er ist ja ein Kulinariker und kennt sich in Rethymnon aus. Er antwortet sofort und empfiehlt das „Prima Plora“ als eines der besten griechischen Restaurants die er kennt. Super! Wir haben einen Insidertip…

Doch da hatte ich die Rechnung ohne die Wirtin gemacht, namentlich Sibylle, die sich im späteren Verlauf des Urlaubs selbst als „Spaßbremse“ charakterisieren wird. Sie ist diesmal die Bedenkenträgerin in Sachen Finanzhaushalt und unterstellt dem von Jörg empfohlenen Restaurant, ohne jegliches Hintergrundwissen, ein überteuerter Gourmettempel zu sein – abglehnt!

Die Google Suche führt uns ins „Nostos“ (4,9), wo wir sehr gut, aber auch dem Mainstream folgend, zu Abend essen.

Die gleichen Teller wie im „SouVLakki“ – aber da kommt das „Nostos“ nicht ran, tja

Erschöpft von dem langen Tag, treten wir die Heimfahrt an – und plötzlich, aus dem Nichts, ein Stau! Das darf doch nicht wahr sein, was ist denn hier passiert???

Nur ein Bus als Liegenbleiber in der Baustelle

Die Situation konnte zum Glück rasch bereinigt werden. Wenn man da Pech hat, kann man auch mal schnell eine oder zwei Stunden stehen. Dieses Schicksal blieb uns erspart, wir konnten die Fahrt fortsetzen und wurden von Nader vor der Haustüre unserer Pension abgesetzt. Wir schleichen die Treppe rauf und fallen ohne Brimborium ins Bett.

Am Folgetag war ein Ruhetag ausgerufen. Die Freunde wechselten das Zimmer, weil das ursprüngliche ein paar Mängel aufwies. Die Beiden hatten Glück und bekamen ein Upgrade auf eine Junior Suite. Ein gerne genommenes Bonbon.

Leider klappte nicht alles so reibungslos. Die gebuchte Halbpension verfiel ersatzlos, weil es die Küche des Hotels bis zuletzt nicht schaffte, Gerichte ohne Zwiebeln für Nader anzubieten. Dies Unbill sollte sich aber zu guter Letzt als Gewinn herausstellen, da wir sehr gute Lokale entdecken konnten und daher immer gut gegessen haben. Bei dieser Bewertung bleibt die finanzielle Betrachtung natürlich außen vor.

Sibylle und ich sitzen derweil in der Strandbar des Hotels, wir warten auf die Freunde und beobachten die Natur…

Ziemlich schwarz! Und groß!

Später sitzen wir zusammen, die Damen lesen, Nader tüftelt am iPad, wir gehen immer wieder ins Meer um zu schwimmen oder uns einfach nur abzufrischen – dazwischen gönnen wir uns ein Lieblingsgetränk.

Und was macht der Skipper? Der schreibt den Blogbericht für den vergangenen Monat Mai!

Hart, so ein Schriftstellerleben

Ich hatte optimale Bedingungen. Eine Steckdose und eine ebene, gepolsterte Auflagefläche für den maladen Ellbogen. Ich saß im Schatten und konnte den Bericht, den ich ja in der Fähre bereits begonnen hatte, an diesem Tag vollumfänglich fertig stellen – perfekt, ich habe mich gefreut!

Zum Dinner waren wir noch einmal im „Roka“, grundsolide und leckere kretische Küche gleich ums Eck.

Als Sibylle und ich das letzte Mal auf Kreta waren, wollte ich unbedingt zum „Balos-Beach“. Dies wurde, aufgrund der relativ weiten Anfahrt, damals abgelehnt. Diesmal stand der Strand für mich an zweiter Stelle meiner Wishlist, heute sollte es soweit sein!

Lasst euch überraschen! Nader und Christine waren am ersten Tag ihres Urlaubes, wir waren zu dem Zeitpunkt noch auf der Fähre, schonmal bis zur Mautstation des Nationalparks gefahren. Sie beschreiben die Anfahrt als schmale, staubige Schotterpiste – „…wir sollten mit dem Fiat fahren!“

Ich lächle und wähle – die GS 😉

Wir stoppen vor einem Supermarkt um Brot für morgen zu kaufen – nanu???
Morgen wird ein „Early Bird Day“ sein, der Bäcker würde geschlossen sein
Nader warnt – „…das ist erst der Anfang“! Ich lächle abermals und freue mich verschmitzt
Wir erreichen die Mautstraße – 9km Piste bis zum Parkplatz
Auch hier ein Naturreservat
Gleich geht es los…
…jetzt! Ich brummle los
Eine gut gesicherte, schmale, staubige Piste – Ziegen überall
Natürlich wissen nicht nur wir vom Balos Strand
Ich überhole die anderen Leihwägen und fahre voraus, weil es Spaß macht und…
…weil ich so Bilder vom dahinzuckelnden Fiat machen kann
Selbstverständlich wird auch aus dem Auto herausfotografiert
Dann wieder auf´s Mopped…
…und die Kolonne der weißen, schleichenden Maden von hinten aufgerollt

Ich habe mit der Enduro leichtes Spiel. Die Leihwägen fahren langsam. Pech für Nader war, dass ein anderer Wagen wirklich sehr langsam fuhr und so eine Kolonne hinter sich auffahren ließ. Diese zog sich wie eine Perlenkette über die staubige Piste nach oben.

Ich hatte derweil alle Zeit, die unglaublich beeindruckende Natur zu bestaunen. Ich habe Details beobachtet und meine Fotos gemacht. Danach habe ich die Kolonne einfach überholt und mich abermals neu positioniert – so zogen sich die 9km hin…

Ein weißes Kirchlein, das blaue Meer und dieses grün-grau der Landschaft – ich mag das
Für kleine Farbtupfer sorgen die rosa Blüten des Oleander
Ich werde mutiger, erklimme Felsen um neue Perspektiven zu erhalten
Was soll passieren? Hab´ ja nen Helm auf

Die Kilometer ziehen sich. Ich schätze, dass es fast eine halbe Stunde dauert, biss die Karawane den Parkplatz erreicht. Ab hier geht es nur zu Fuß weiter, das wussten wir.

Aber was ist das? Ein gebührenpflichtiger Großparkplatz in der Wildnis?

Mit Trillerpfeifen werden die Fahrzeuglenker eingewiesen – der Parkplatz trennt versierte Fahrer von denen die sonst nur zu Lidl fahren

Während ich meine GS auf dem für Moppeds und Quads reservierten Teil abstelle, füllt sich der Parkplatz unaufhörlich. Klar, das hätte man schon ahnen können – aber bewusst wird es mir erst jetzt!

Ich glaube, dass meine GS das einzige private Fahrzeug weit und breit war

Das Foto vom Parkplatz zeigte den unteren, noch nicht ganz vollen Teil. Es gibt dazu noch einen oberen Abschnitt und einen Mittelteil – beide Sektionen waren bereits voll.

Oben – voll!
Mitte – voll!

Der untere Teil füllte sich rasend schnell an. Von dort aus ging eine Art Track, ein Pfad, durch die gute Stube der Ziegen. Man muss rund 600m gehen und dabei etwa 200hm abwärts überwinden.

Die Wege sind prima ausgeschildert
Wir wissen also – hier geht´s lang

„IS THERE ANYBODY OUT THERE?“ Jaaaaaaa, hunderte von Menschen haben sich auf den Weg in die Wildnis gemacht um den Traumstrand zu erleben. Jeglicher Hauch von Abenteuer verfliegt.

Ich habe meinen Blogtitel gefunden – und bin hart auf dem Boden der Tatsachen gelandet.

Baby am Bauch, fehlender Sonnenschutz für den Knaben und Klapperle an den Füßen – Herr lass´ Hirn regnen
So ganz ohne war der Pfad nicht, es gab keinerlei Schatten
Natur so weit das Auge reicht – hier gibt es, außer dem Parkplatz, weit und breit nichts

Und endlich kam das Objekt der Begierde in Sichtweite – wir erhaschen erste Blicke auf den „Balos Strand“, einer Art blauen Lagune, welche alleine durch ihr Farbenspiel begeistert.

Das „Balos Beach“ Panorama – sieht schon toll aus
Ich stehe am als „View Point“ gekennzeichneten Platz und staune, es gefällt mir
Natürlich gibt es auch das obligatorische Gruppenfoto

Wir verweilen etwas. An uns ziehen Horden von Menschen vorbei, viele mit bereits aufgeblasenen Gummitierchen um Hals oder Bauch. Wieviel schöner könnten solche Flecken sein, wenn der Mensch behutsamer vorgehen würde. Der Mensch, in seiner Art solche Besuche in der Natur ausleben zu wollen, konterkariert die Einzigartigkeit solcher Plätze. Manchmal würde defensives Verhalten einen Mehrwert bringen.

Na egal, ich werde das wohl nicht ändern…

Immer noch strömen die Massen am View Point vorbei Richtung Strand.

Eine Völkerwanderung am Traumstrand

Wir Vier beratschlagen uns – wollen wir die letzten 110hm nach unten gehen? Nader hat Sorge um sein Knie. Uns alle nerven die Menschenmassen, würde es unten wirklich zum besonderen Erlebnis, dort zu baden?

Mich beschäftigt etwas ganz anderes – der kommende Morgen! Warum hatten die Damen eigentlich Brot für morgen früh gekauft???

Die Antwort ist mein Punkt 1 auf der Wishlist – die Samaria Schlucht, die haben wir nämlich für morgen geplant! Doch dazu später mehr…

Ich habe Angst, dass ich meine Beine kaputt mache, ich will für morgen fit sein. So lassen wir es bei der beeindruckenden Aussicht und machen kehrt. Ein richtiger Entschluss wie sich herausstellt, denn der Strom der Besucher reißt nicht ab!

Querfeldein, über Stock und Stein – überall, einfach ÜBERALL
Die Ziegen ficht das nicht an – sie starren auf die bunten Touristenscharen…
…oder suchen sich ein schattiges Plätzchen

Zurück am Parkplatz, staunen wir nicht schlecht. Dieser war nun reichlich angefüllt, man könnte fast sagen, dass er voll war. Vor dem Kassenhäuschen bildete sich bereits eine Schlange. Wir waren froh, diese Stätte des Touristenwahnsinns, sei sie noch so schön, wieder verlassen zu können.

Ich hatte Tage später noch einmal überlegt, sehr früh mit dem Motorrad zu kommen und nach unten zu gehen um am „Balos-Beach“ zu schwimmen, den Gedanken dann aber verworfen…

Juni 2024 – Verkehrsinfarkt am Großparkplatz in der Wildnis
Die Fahrt nach unten war wieder ein Genuss

Eine witzige Randnotiz ergab sich bei einem Gespräch mit einem Fahrzeuglenker, der neben Nader zum Parken eingewiesen wurde. Er sei besorgt, erklärte uns der Belgier, weil „…es ihm vom Autovermieter ja untersagt sei, mit dem nicht geländetauglichen KIA hierher zu fahren“, er hätte beobachtet, wie die ganze Zeit ein Motorradfahrer mit griechischem Kennzeichen auf und ab gefahren sei und Autos fotografiert hätte. Er sei sich sicher, dass „…dies ein von den Vermietern beauftragter Ermittler gewesen sei!“

Ich schmunzle in mich rein und lasse den Mann in dem Glauben 😉

Wir kommen zurück zur Mautstation und sammeln uns dort. Es muss kurz besprochen werden, wie wir den Rest des Tages sinnvoll verbringen können.

Der off-road Staub haftet ihr an

Wir beschließen, uns erst einmal an einen gastlichen Ort zu verholen. Dafür bietet sich eine Bar an der Riva von Kissamos an.

Das setzen wir um und laben uns an Cappuccino und Kuchen, dann lässt Christine die Katze aus dem Sack – „…es gäbe hier noch eine frühbyzantinische Kirche…“ höre ich sie sagen. Nader und ich sind begeistert – uiii toll, frühbyzantinisch, oder? Das wollen wir auch sehen!

Wir setzen unsere Vehikel in Gang und fahren das Sträßchen, welches zum alten Kirchlein führt. Dort angekommen, staunen auch Nader und ich, wirklich beeindruckende Relikte aus einer Zeit die mehr als 1.400 Jahre zurück liegt.

Von außen ziemlich sicher restauriert….
…zeigen sich innen alte Bilder, Fresken und Mosaike…
…bei deren Anblick der Phantasie freien Lauf gelassen werden kann – was hier schon alles passiert ist
Auch das Bauwerk beeindruckt
Bilder, die die Zeit überdauert haben
Das Kirchlein wird auch genutzt, um christliche Bilder auszustellen

Nader und ich waren schneller mit der Besichtigung durch als unsere Frauen. Es lag also in der Natur der Dinge, dass wir uns griechisch verhielten, uns einen Platz im Schatten suchten und palaverten. Hätten wir so eine Holzperlenkette zum Spielen gehabt, wir wären als echte Hellenen durchgegangen.

„Sag mal, wann war eigentlich frühbyzantinisch???“
„Das ist lang her, verdammt lang her…“
Das unscheinbare Kirchlein ist einen Besuch wert, es hat uns sehr positiv überrascht

Es ist an der Zeit die Rückreise anzutreten. Nader bringt Sibylle vor die Haustüre, ich pilotiere mein bayrisches Zweirad ebenfalls zu unserer „El Greco“ Pension.

Das jüngste Bike ist das rechts

Dort parkiere ich es auf dem mir zugeteilten Parkplatz im Innenhof. Sibylle und ich wollen in unser Zimmer huschen, doch da haben wir die Rechnung ohne den Wirt gemacht. Manolis fängt uns ab und noch bevor ich „kalispera“ aussprechen kann, halte ich ein Glas Raki in der Hand. Na dann, Yammas, zum Wohl.

Wir müssen uns setzen und werden mit einer Gemüseplatte und Obst gefüttert. Dies nehmen wir gerne an, es ist uns eine Ehre. Wir plaudern ein bisschen, tauschen uns aus und erzählen einander. Dazu gibt es noch ein oder zwei Raki. Oder waren es drei? Ich erinnere mich nicht mehr!

Ist aber egal, denn heute müssen wir nicht mehr fahren. Unser Gastgeber empfiehlt eine weitere Taverne in fußläufiger Entfernung, das „Aletri“ ist, selbstverständlich in dieser Region, auch touristisch, hat aber das gewisse Etwas, den Twist!

Wir sitzen sehr schön in einem alten, renovierten Haus…
…und bekommen tolle Meze – darunter den besten Saganaki Käse den ich bisher gegessen habe
Auch das Tigania mit Speck, frischem Gemüse und Ei kannte ich so noch nicht
Und immer gibt es den frischen, köstlichen „Cretan Salad“

Wir stärken uns und freuen uns – über den, trotz aller Widrigkeiten, sehr gelungenen Tag, das gute Essen und natürlich auf morgen! Ich erinnere, für morgen haben wir uns die Samaria Schlucht vorgenommen.

Wikipedia gibt dazu interessante Informationen…

„Die Samaria-Schlucht (griechisch Φαράγγι της Σαμαριάς) im Südwesten der griechischen Insel Kreta ist mit 17 Kilometern Länge eine der längsten Schluchten Europas. Sie führt aus über 1200 m Höhe fast von der Mitte der Insel bis zum Libyschen Meer. An Länge wird die Samaria-Schlucht durch die Verdonschlucht in Frankreich mit über 20 Kilometern Länge und die Tara-Schlucht in Montenegro mit 78 Kilometern übertroffen.

Die Samaria-Schlucht ist einer der touristischen Höhepunkte Kretas; bis zu 4000 Menschen durchwandern sie während der sommerlichen Hochsaison täglich. Die Schlucht wird gesäumt von bis zu 600 m hohen senkrechten Felswänden, die an der engsten Stelle der Schlucht, an der sogenannten „eisernen Pforte“, einen Durchlass von lediglich drei bis vier Metern gewähren.“

Es wird ein „Early Bird Day“, wir stehen um 05.00 Uhr auf…

Von unserer Terrasse sehen wir die Sonne gerade aufgehen

…wir frühstücken ein bisschen, machen uns frisch und richten Brotzeit und Wasser für den Tag. Dann packen wir unsere Siebensachen zusammen und warten auf unseren Pick-Up Service. Nader und Christine wollen uns um 06.00 Uhr abholen.

Die Beiden sind, wie immer, sehr pünktlich

Jetzt heißt es, eine Stunde Auto zu fahren. Wir müssen uns ins Gebirge hochschrauben, auf immerhin 1.200m ü. NN. Wir fahren direkt in den Nationalpark „Lefka Ori“, der nach dem höchsten Berg Kretas benannt ist.

Pünktlich erreichen wir das Ziel, den Eingang zur Schlucht – wir sind die ersten und bislang einzigen Touristen dort, unser Kalkül scheint aufzugehen.

„National Park Samaria“
Noch war der Park geschlossen…
…während der Wartezeit konnten wir uns umfassend informieren
Offiziell 13,3km und 1.100hm – Gehzeit ca. 6:00h

Die Eckdaten sollten sich noch relativieren, aber ich war ohnehin mental gut vorbereitet. ICH wollte die Schlucht durchlaufen, schon lange! SOLCHE Unternehmungen reizen mich!

Zumal ist es ein zusätzlicher Ansporn, dass die Schluchtwanderung als die längste Schlucht-Hikingroute in Europa gilt. Das wollte ich schaffen!

Nun war ich nicht gerade trainiert zu diesem Zeitpunkt. Bergauf hätte ich das wohl aufgrund meiner fehlenden Ausdauer nicht geschafft. Bergab aber kann ich es mir zutrauen, wenn ich mich gut einteile – dabei geht es dann weniger um Kondition als um Muskelausdauer, besonders treppab müssen meine Oberschenkel und Wadeln Schwerstarbeit leisten.

Dass ich Muskelkater zu erwarten habe weiß ich, ich fühle mich relativ entspannt. Unser Plan war, zur Öffnung der Kasse loszulaufen, um den ersten, steilen Teil, mehr oder minder alleine für uns zu haben. Wir gingen von einem langsamen Marschtempo aus, es bestand Grund zur Annahme, dass Christine langsamer Gehen würde als ich – wir haben das alles im Vorfeld besprochen.

Trotzdem gehe ich davon aus, dass wir die 6:00h schaffen. Nader geht nicht mit, aufgrund seines Knies ist er unser Bring- und Hol-Service. Wir genießen die Szenerie, bald wird aufgesperrt…

Die Berge bilden ein richtiges Massiv – die eine Wand der Schlucht
Ein Blick über das Geländer gibt einen ersten Eindruck
Das Gruppenbild ist obligatorisch

Wir gehen noch rasch rüber in das Café am Parkplatz und bezahlen brav unsere 50ct pro Person um den letzten „Angstbisler“ loszuwerden, dann öffnen die Kassen…

Wir kaufen unsere Tickets als Nummer 3, 4 und 5 am heutigen Tag
Die Tickets dienen beim Ausgang als Ausweis – aus Sicherheitsgründen
Dann beginnen wir mit dem ersten Teil, dem steilen, muskelfressenden Abstieg

Ich war vor ein paar Tagen froh, als Christine ein Höhenprofil der Schlucht gefunden hatte. Ich bin aus meiner MTB Zeit gewohnt, solche Profile zu lesen und für mich auszuwerten und einzuschätzen.

Hier für die Interessierten…

Für mich eine wichtige Orientierung

Die Strecke wird mit 13,3km angegeben, bis zum Ort sind es insgesamt 15,2km. Die Kilometer muss man zählen, der untere Balken gibt die angenommene Zeit an, so kann man die Pace für 6:00h einschätzen.

Der steile Teil ist nach ca. 4km und zwei Stunden, bzw. nach 7km und drei Stunden geschafft. Das Tempo sollten wir schaffen.

Irgendwann werden die Touristen aus den Bussen, welche gegen 10.00 Uhr an der Kasse erwartet werden, uns einholen – aber das wird uns egal sein, bis dahin sind wir im flachen Teil.

Eines noch, ich sehe im Profil auch die zwei „Schnapperer“, kurze aber meist qualvolle Anstiege, gut zu wissen, ich werde mich da drüberkämpfen ohne mich demotivieren zu lassen.

Los geht´s…

Die ersten Kurven und Treppen sind steil, wir müssen uns einlaufen
Der Untergrund ist lose, bietet aber dennoch guten Halt, wir kommen gut voran
Wir nehmen uns Zeit für Eindrücke und Fotos – wir wissen, dass das Zeit kostet
Die Schlucht ist ein beeindruckendes Naturschauspiel
Der vor uns gestartete Franzose ist wenig trittsicher und langsam – wir überholen
Christine ist schon im richtigen Tritt – wir sind jetzt die ersten Touristen, die heute die Schlucht durchlaufen. ALLEINE
Nicht, dass es wichtig wäre, aber die Franzosen bleiben achteraus
Käfighaltung? Keinesfalls! Die Stimmung ist gut!
Wir genießen die Blicke auf das beeindruckende Felsmassiv auf gegenüberliegender Seite
Der Weg zieht sich weiter steil bergab – mal stufig, mal eingeebnet, immer gut befestigt
Wir sind im Fluss – panta rhei
Es besteht Steinschlaggefahr – die Schutzmaßnahmen sind aber vorzüglich

Um 07.32 Uhr erreichen wir ein Schild – es zeigt KM1 an. Das bedeutet, dass wir ziemlich gut im Schnitt liegen, wir sind genau nach unserer eigenen Vorgabe gestartet und haben gut in „unseren Tritt“ gefunden.

So kann es weitergehen!

KM1 – nur noch 14 weitere
Statt Rucksack trägt Christine einen… – ja was eigentlich???

Ich persönlich wundere mich über Christines geliebten „All-In-Versorgungs-Bauchbeutel“. Ein sogenanntes „Wimmerl“ ist es nicht, dafür ist er zu groß. Ein „Wammerl“ ist er aber auch nicht, er ist abnehmbar. Er bleibt ein undefinierbarer Zwitter.

Ich erkenne die Vorteile beim Zugriff, kenne aber auch die Nachteile von zu großem Buggewicht und davon, seine Zehenspitzen nicht zu sehen. Wie auch immer, selbstgewählt werden Christine und ich zu Leidensgenossen während dieser Wanderung, es zerrt einiges an Gewicht im Frontbereich!

Mir geht es noch prima, Sibylle gesteht mir die Rolle des „Pacemakers“ zu. Wann immer ich bemerke, dass Christine etwas nachhängt, wird gewartet bis die Gruppe wieder beisammen ist.

Christine fürchtet das Verletzungsrisiko – sie ist sehr vorsichtig

Wir waren mit je 2 Liter Trinkwasser gut versorgt, glaubten wir. Die Wahrheit war, dass wir im unteren Bereich der Schlucht, dort wo die Bäume lichter wurden und gleichzeitig die Sonne schon höher stand, mehr Wasser brauchten als angenommen.

Dennoch brauchten wir nicht haushalten, denn ein Schild wies schon im Eingangsbereich der Schlucht darauf hin, dass sowohl Quell- wie auch Flusswasser im gesamten Bereich trinkbar wären.

Wir lernten schnell, Quellen kamen in regelmäßigen Abständen, wir konnten die Flaschen immer mit kaltem Wasser gefüllt halten und somit auch trinken wann uns danach war.

Kleine Quellen überall

Etwas später wurden wir das erste Mal eingeholt – aber nicht von anderen Wanderern, nein, von einem der Sanitäter, die mit Mauleseln und Lastpferden die Versorgung der Schlucht mit Sanitätsausrüstung sicher stellen und notfalls auch Verletzte transportieren könnten. In der Mitte der Schlucht gibt es einen angelegten Hubschrauber-Landeplatz.

So würde der Krankentransport funktionieren – wir werden ihn nicht benötigen
Um 08.04 Uhr erreichen wir KM2 – exakt im Schnitt

Wir fragen uns schon lange – warum gehen die Streckenangaben für die Schlucht im Internet so auseinander. Sie ist doch offiziell mit 15,2km ausgewiesen. Im Internet findet man dagegen Angaben von bis zu 25km?!

Christine meldet sich zu Wort – sie hätte auf ihrer GPS Uhr schon mehr als 2km, fast 3! Ok, das würde die Ungenauigkeiten erklären, vielleicht auch die verhältnismäßig langsame zu erwartende Durchschnittsgeschwindigkeit.

Aber was soll das jetzt helfen? Wir müssen uns nach dem richten was wir haben. Das Höhenprofil ist mit den Schildern abgeglichen – ich werde mich daran orientieren.

Ok, abgesichert ist abgesichert – Hauptsache es hält
Weiter geht es steil bergab, die Wege werden „natürlicher“ in ihrer Auslegung
Klar, dass es auch auf so einer Wanderung irgendwo „Stoanerne Manderl“ gibt
Die Wegweisung ist meist mit den gewohnten Farbmarkierungen, ab und an mit rudimentären Hinweisen
Die Steilwände lassen wir hinter uns, der Abstieg ist geschafft – ab jetzt folgen wir dem Lauf des Wassers
Wir erreichen den ersten offiziellen Rastplatz, noch führen wir das Feld an

Obwohl die Wanderung durch die Samaria Schlucht als hochalpin eingestuft werden darf, gibt es in regelmäßigen Abständen Quellen, Rastplätze und auch Toiletten. Alles war, zumindest im Juni und früh morgens, funktionell und hilfreich.

Die Gegend wird wirtlicher, die Landschaft freundlicher, auch den gröbsten Abstieg haben wir hinter uns. Jetzt heißt es etwas schneller zu werden und gleichwohl den Blick für das Schöne nicht verlieren.

Die ersten Höhenmeter sind weg – die Vegetation ändert sich
Auf den flachen Stücken kommen wir schneller voran, wir müssen aber mehrmals den Fluß queren
Den Bau eines Steinmännchens sparen wir uns diesmal
Hier ist der Weg gut einzuschätzen – die Damen bevorzugen Wanderstöcke
Am Eingang des alten Ortes Samaria queren wir die Brücke zur Raststation.

Wir erreichen den Ortseingang des alten Ortes Samaria. Dieser ist auch eine Art „Haupt-Raststation“. Hier stehen die Lastentiere, es gibt Ziegen. Auch eine kleine ärztliche Versorgungsstation ist hier zu finden.

Es ist etwas mehr als ein Drittel der Strecke und mehr als die Hälfte der Höhenmeter geschafft. Die mich begleitenden Frauen rufen nach einer längeren Pause nebst Brotzeit.

Der Ruf findet Gehör…

Es gibt nichts zu kaufen, man verzehrt mitgebrachte Brotzeit
Die Ziegen sind Menschen gewohnt, sie haben keine Angst…
…und zwar gar keine! Klaut der Frechdachs doch den Apfelbutz vom Tisch
ICH bekomme mein Foto – und ER nichts was ihm schaden könnte! Versprochen!
Bei den Nachbarn stellt er sich gleich ganz auf den Tisch – er scheint der Herr im Haus zu sein

Die Gefahr ist groß, dass man sich hier festsitzt, das können sich die langsamen Geher aber kaum erlauben. Wir müssen also weiter.

Inzwischen habt ihr gemerkt, dass wir eingeholt wurden. Zuerst kamen ein paar Sportler von hinten, darunter ein Paar, welches uns später noch einmal BEGEGNETE, als die Beiden wieder HOCHLIEFEN, der Wahnsinn. Dann kamen natürlich auch normale Wanderer die einfach schneller waren als wir. Bei einigen war klar, das sie einfach flott unterwegs sind, bei anderen drängte sich der Gedanke auf, wie das noch bis zum Ende der Schlucht gutgehen soll.

Ein paar Amerikaner waren mit einem weiblichen Guide so über dem gesunden Tempo, dass man befürchten muss, dass sie für den Rest des Urlaubs keinen Schritt mehr vor den anderen bekommen.

Apropos, wie geht es eigentlich uns. Nun, ich kann nur für mich sprechen, mir hat die Pause eher geschadet als gut getan. Mir taten die Beine weh, das Essen lag im Wanst, es dauerte lang, bis ich wieder im Lauf war.

Auch die Frauen fingen an zu klagen, doch das tat der insgesamt guten Stimmung keinen Abbruch.

Wir gehen lang am Unterlauf des Flusses – die Schlucht wird langsam enger
Schön ist es hier – ob da hinten schon der Ausgang ist?
Die Warnhinweise sind überall – ein paar Wanderer waren mit Kletterhelmen unterwegs
Imposant – die Wände der Schlucht ragen steil empor
Aha, auch den Wanderliebhabern gehen die Körner aus

Langsam zieht es sich, es wird warm. Erste „wie weit ist es noch“ Fragen werden laut. Jeder von uns hat sein Zipperlein zu tragen, wirklich fit ist niemand mehr.

Die Schlucht hat schon mehrmals ihr Ende vorgetäuscht, aber wir lassen uns nicht ins Bockshorn jagen. Erstens habe ich gelesen, dass es mehrere „Pforten“ gibt, zweitens sind die 13,3km eben noch nicht vorbei!

Zehn sind geschafft, noch drei liegen vor uns
Auch Christine muss mal sitzen – wir füllen die Flaschen im Fluss
Die letzten Kilometer gehen in der Sonne durch´s geröllartige Flussbett – das ist nur mäßig spassig
Dann aber ist es soweit – das MUSS sie sein…
…die berühmte „Eisene Pforte“, die das Ende der Samaria Schlucht darstellt
Logisch machen wir Bilder – die Touristenscharen nehmen Rücksicht, jeder darf mal
Dann verlassen wir die Schlucht an ihrem berühmten Ausgang

Ab hier lurren wir ein wenig. Ich rechne damit, dass Nader hinter einem Busch hervorspringt und uns begrüßt. Wir hatten locker vereinbart, dass er mit dem Auto vom Startort der Wanderung zum Zielort der Fähre fährt, welche die Wanderer zurück in die Zivilisation bringt.

Mit ebendieser Fähre wollte er dann zum Zielort der Wanderung fahren, denn dieser ist mit dem Auto nicht zu erreichen. Auch dieses Procedere macht die Durchwanderung der Schlucht aufwändig. Der Pauschaltourist bekommt das etwas aufbereitet serviert, ist dafür aber dem Strom der Massen ausgeliefert.

Aber Nader springt hinter keinem Busch hervor, wir gehen weiter…

Die Landschaft entlang des Flusses ist herrlich, kleine Gumpen überall
Wir legen noch etwa 2km entlang des Flusses zurück, queren ihn dabei mehrmals
Endlich erreichen wir das Ende der Wanderung – hier wartet auch Nader

Wir kommen ums Eck und erkennen das Kassenhäuschen, welches KM13,3 markiert und damit den offiziellen Ausgang und das Ende der Wanderung darstellt.

Hier wartet auch Nader, wir sehen ihm von Weitem und winken. Er macht unser „Finisher-Foto“, wir haben es geschafft, wir haben die Samaria Schlucht durchwandert.

Geschafft – wir sind stolz

Wir setzen uns zu Nader in den Schatten und erzählen ein wenig. Dabei vergleichen wir auch die finalen Daten. Wir sind offiziell bei KM13,3, Christines Uhr zeigt aber ein ganz anderes Bild…

Fast 20km auf der GPS Uhr

Ihr dürft glauben was ihr wollt – mir war es zu diesem Zeitpunkt auch egal, denn ganz am Ziel waren wir noch nicht.

Es galt noch rund zwei Kilometer bis in den Zielort zu laufen, dort würde um 17.30 Uhr die Fähre ablegen und uns zu unserem Auto bringen.

Doch die Frage lautet – zu Fuß gehen oder mit dem Minibus fahren, welcher ab hier angeboten wird? Es werden Stimmen für den Bus laut, vor allem, man höre und staune, von meiner Frau. ICH lehne ab! Ich komme nicht mit dem Bus an, ICH laufe!

Sibylle jammert. Der Rucksack schmerzt, ihre Füße auch. Meine Gefühlswelt, das gebe ich zu, ist gemischt – es tut auch mal ganz gut, drei Prozent mehr Restenergie oder auch Leidensfähigkeit als sie zu haben – um nicht als gemein zu gelten, nehme ich ihr den Rucksack ab. Meine Beine brennen, sie müssen die letzten zwei Kilometer mehr Kilos schleppen als Sibylle und Christine zusammen wiegen – inklusive Bauchbeutel!

Ruinen, hier gab es bessere Zeiten – und durch die Kriege auch schlechtere
Da vorne ist das Meer – da will ich rein
Ein Bier, ein Bier will ich auch! Nur noch ein paar Meter

Wir kommen an! Mein biologischer Restenergieanzeiger steht bei 0,47% – es wurde Zeit! Aber das Kalkül ging auf, ICH habe es geschafft, ich habe mir selbst bewiesen, dass ich mich richtig einschätze und mehr kann als andere mir zutrauen – aber jetzt reicht es erstmal.

Zuerst raus aus den Schuhen!

Meine „neuen“ Kastinger haben sich bewährt, sie dürfen jetzt als eingelaufen angesehen werden

Danach schaue ich auf mein Telefon und bemühe die „Health-App“. Mir ist klar, dass dies kein belastbares Auswertungsinstrument ist, aber zumindest näherungsweise kann man mal sehen, was man geleistet hat.

„Health“ zeigt 22,3km

Hm, das stimmt mich nachdenklich. Health und Christines GPS Uhr sind sich nahezu einig. Wir haben rund sechseinhalb Stunden für etwa 22km gebraucht – das ist ein 3km/h Schnitt im Gelände.

Das ist was wir erwartet hatten und ohnehin auch langsam genug – aber wenn man die unstrittige Zeit unter die 15,2km legt, dann ergibt sich ein knapper 2,5er Schnitt. Ich neige dazu, dass ich an die längere Strecke glaube – und werde das natürlich auch überall erzählen 😉

Spaß beiseite, es geht einzig und alleine darum, dass die Tour richtig eingeschätzt wird. Kein Wanderer soll sich verschätzen und in Gefahr bringen.

Jetzt ein kühles Getränk – Cola für den Brand oder gleich ein kühles Blondes?

Ich nehme Beides – Prost

Ah, ab jetzt beginnt der entspannte Teil des Tages – ich fühlte mich super. Die Beine zerrten und zogen ein wenig, ein Vorgeschmack auf das, was morgen kommen würde.

Wir gönnten uns ein Eis, einen Kaffee, Nader einen Saganaki Käse. Wir hatten immerhin drei Stunden zu warten. Die meiste Zeit verbrachten wir aber im Wasser. Der schwarze Strand war, aus meiner Sicht, einladend und das Wasser superklar.

Badefreuden, die erhitzten Leiber schrien nach Abkühlung

IS THERE ANYBODY OUT THERE?

Wenn ihr zufällig mal den Artikel von Wikipedia überflogen habt, dann wisst ihr, dass in Hochzeiten auch mal bis zu 4.000 Touristen AM TAG durch die Schlucht gehen. Heute waren es nur ein paar Hundert, aber alle sammeln sich in diesem kleinen Fährort.

Und alle beantworten meine Frage mit einem imaginären JAAAAAA!

Die Horde trifft sich pünktlich um 17.00 vor der Fähre und stürmt diese. Es gibt nur einen der Zubringer pro Tag, wer ihn nicht erwischt hat Pech. Ich will mir nicht vorstellen, was passiert, wenn die zehnfache Anzahl an Touristen die Schiffe entern. Klar, es wird dann mehrere Fähren geben, aber jede einzelne wird voll gepropft sein.

Mit 15 Minuten Verspätung legen wir ab und fahren entlang der wunderschönen Südküste Kretas Richtung Westen.

Die Gebirge des Lefka Ori Nationalparks bleiben achteraus
Eine wunderschöne Wasserfarbe und zauberhafte kleine Buchten entlang der Küste

Nach knapp einer Stunde kommen wir im Zielort an. Die Massen verlassen das Schiff, die Busse stehen bereit – es ist der ganz normale Wahnsinn. Die meisten der Urlauber werden sich heute Abend mit einem bunten Bändchen Zugang zu ihrem „All-Inclusive“ Clubhotel verschaffen.

Menschen überall…
…und ich mittendrin – ich leide

Wir stellen uns auf die Seite, die Beine tun inzwischen sauber weh. Nader hat sich angeboten das Auto zu holen und hierher zu bringen. Das ist eine nette Geste!

Während der Freund den Wagen holt, spuckt der Stahlriese die letzten Wanderer aus seinem Schlund. Der Spuk ist in Minuten vorbei, die Masse verzieht sich in ihre Reisebusse.

Die letzten Wandersleut´ sind an Land, die Fähre legt gleich wieder ab
Bis Nader mit dem Fiat kommt, was nur zehn Minuten dauert, ist keine Menschenseele mehr zu sehen

Und nun? Es ist inzwischen fast 19.00 Uhr. Wir haben Hunger und müssen aber mindestens noch eine Stunde Fahrzeit in unseren Ferienort einplanen.

Wir schmieden einen Plan – wir gehen unterwegs in einer Hinterlandtaverne authentisch kretisch essen. Ohne das Shishi der Touristenlokale. Nader übernimmt die Aufgabe, ein entsprechendes Lokal auf halbem Weg, also in etwa 30 – 35km Entfernung, über Google zu suchen.

Das gelingt rasch! Es bietet sich das „Filosofos“ an, rund 30km vom Standort entfernt. Den Fakt, dass es am Meer liegt, teilt Nader in diesem Augenblick nicht mit uns – wir wären stutzig geworden.

Wir fahren und fahren, das Lokal kommt nicht! Auch nicht, als wir den Bergrücken, der Kreta in Nord und Süd trennt, längst überquert hatten. Auch nicht, als wir längst mehr als die Hälfte der Fahrzeit und Strecke hinter uns hatten.

Statt einfach das Ziel zu prüfen, verfingen wir uns in Argumentationsketten, weswegen sich erst sehr spät der Grund für den Faux-pas zeigte. Nader hatte einfach die Luftlinienstrecke zugrunde gelegt – diese bietet Google solange zum Vergleich an, bis eine Route gewählt wird.

Egal! Jetzt waren wir fast zuhause, das „Filosofos“ nur noch fünf Kilometer entfernt. Dann gehen wir eben trotzdem dorthin – leider!

Schlecht war es nicht – ordentlicher Durchschnitt würde ich sagen

Ok, wir haben nicht schlecht gegessen – aber gegen die anderen Tavernen die wir kennen gelernt haben und die ja durchaus auch in der Nähe gewesen wären, schneidet dieses Restaurant einfach schlechter ab.

Ich meine mir einzubilden, dass ich das schon vorab eine Ahnung hatte. Ich bestelle daher vorsorglich ein Bifteki, ein „Brot & Butter Gericht“, da kann man nichts falsch machen.

Wir essen, fahren heim und gehen ins Bett – die Luft war raus!

Der nächste Morgen! Ich klappe ein Augenlid nach oben und bin damit biotechnisch wach. Ich starte mein Gehirn und lasse es warmlaufen, dann gebe ich dem rechten Großzeh den Befehl zu wackeln, das funktioniert und ist ein erstes Indiz dafür, dass ich noch lebe.

Alle weiteren Bewegungen lassen diese Annahme nicht zu! Ich fühle Schmerzen überall, besonders das Abwinkeln der Beine ist eine Höllenqual. Ich überlege, ob es technisch möglich wäre, mich mit einem Gabelstapler über die Terrasse auf mein Motorrad heben zu lassen…

Gott sei Dank haben wir vorausschauend gedacht und für heute einen Badetag am berühmten „Elafonissi Beach“ geplant. Die Freunde holen uns ab, ich schleppe mich in den Fiat und falte mich auf den Fahrersitz – heute bin ich als Pilot der „sperrigen Kiste“ aus Italien eingeteilt.

Kleine Zubringersträßchen, heute bin ich Fahrer, Nader war gestern den ganzen Tag hinter dem Volant

Ich muss erst die geeignete Position hinter dem Volant finden. Ich muss den Sitz so einstellen, dass Nader hinter mir Platz findet, daraus ergibt sich, dass ich meinen Gasfuß immer etwas anziehen muss um ihn über das Pedal zu bringen.

Gleichzeitig versucht mein Vorderfuß stetig die Gummipantolette festzuhalten. Beide Bewegungen zusammen lassen mich leiden, mein Wadl fühlt sich an wie ein Molotow-Cocktail. Um die Pein zu lindern entledige ich mich meiner spärlichen Fußbekleidung und fahre barfuß. Der Großzeh gibt dabei Gas, das ist verboten, funktioniert aber wunderbar – manchmal heiligt der Zweck die Mittel.

Wir durchfahren kurvenreiche Passagen und Tunnels

Um uns die Fahrt angenehmer zu gestalten, legen wir Päuschen ein. Klassische Fotostops, gepaart mit der Chance das Knochengerüst etwas zu justieren. Genau das ist aber ein schmerzhaftes Unterfangen – ich bezahle den Preis für meine heldenhafte Wanderung am Vortag. Nun, wie ging das Zitat doch gleich wieder??? „Pain is temporary…“

Eine sagenhafte Straße mit tollen Ausblicken
Die Straße führt entlang einer Schlucht durch die Berge

Nach etwa einer Stunde Fahrzeit erreichen wir die Zielregion. Wir sind im äußersten Südwesten von Kreta angelangt und freuen uns auf den Badestopp am gehypten Beach – wir lesen in Wikipedia…

„Der Strand Elafonissi, der in einem Naturschutzgebiet der Insel Kreta in Griechenland liegt, wurde 2014 unter die 25 beliebtesten Strände weltweit gewählt und das mit gutem Grund. Das seichte Wasser und der feine rosafarbene Sand machen den Strand besonders familienfreundlich. Der Sand besteht aus bunten Mikroorganismen und Korallenstückchen und lässt dadurch den Sand rosa erscheinen.

Besuchen Sie bei einem Tagesstrandausflug auch das blendendweiße Kloster Chrissoskalitissa, das auf einem Felsen über dem Meer thront.“

Unsere Erwartungshaltung war also hoch, drei Personen im flotten Fiat träumen von feinrosanem Sand – Moment, drei???

Ja, die vierte Person, Christine, stolpert über die Infor zum Kloster! Ein Umweg wird eingefordert! Ok, dann eben…

Die Damen stürmen das heilige Gemäuer.

Schön gell? Ja – bei 35°C

Nader und ich hingegen – wir opfern uns für gruppendienliche und verantwortungsvolle Aufgaben! Wir halten den Panda kühl und beaufsichtigen die Arbeit der auf Hochtouren laufenden Klimaanlage.

Nachdem unsere Frauen zurück waren, sind wir die restlichen Kilometer bis zum Beach gefahren. Die immerwährende Frage „…ob da draußen denn jemand sei…“ konnte ich hier getrost für mich behalten. Man sah schon von Weitem, dass hier allerhand Touristen herbeiströmen

Irgendwas vergessen? Eimerchen & Schaufel, Sonnenschirm, Präservative und hölzerne Flaschenöffner in Dildoform – gibt´s hier alles

Wir berappen unsere 5.-€ Parkgebühr am Großparkplatz und latschen zum gelobten Strand. Die Eindrücke am Weg dorthin waren nice, der Strand wirkt optisch sehr einladend…

Rosa, klar…
Ein lagunenartiger Starnd – die schwarzen Pünktchen sind Badende – na toll
600m Fußmarsch – die Beine brennen
Von Weitem schöner als aus der Nähe – das wussten wir aber noch nicht

Nader mault. Er war der Meinung man könnte strandnah parken, sein Knie schmerzt. Meine Beine schmerzen auch, ich wackle wie einst „Herman Munster“ in seinen Filmen, mache aber gute Miene zum bösen Spiel – ein Chuck Norris weint eben nicht wenn er Schmerzen hat, es weint der Schmerz!

Wir erreichen über die sandigen Zuwege die touristische Zone. Es stehen erste Strandbars im Naturreservat, Getränke im Plastikbecher werden feilgeboten. Man zeigt was man hat…

Neueste Bikinimode, geschickt kombiniert – wer kann, der kann

Wir sind am Strand angekommen und sehen uns um. Als die Frauen das Kloster besichtigt hatten, habe ich die Zeit genutzt, um mich noch einmal auf das vorzubereiten, was uns erwarten würde. Entsprechend hoch lag die Messlatte…

Bild aus „Tripadvisor“

Ich renne an die Wasserkante – so ein Bild möchte ich auch machen! MEIN persönlicher Schnappschuss, ich will den Auslöser gedrückt haben, ich will es mit eigenen Augen gesehen haben!

Bild aus Marios iPhone – unbearbeitet

Das Lustige ist, dass man tatsächlich einen Rosaschimmer entdecken kann. Es handelt sich also nicht um Fake. Ich räume auch ein, dass zu anderen Tageszeiten das Licht gegebenfalls besser sein könnte.

ABER – als kleine Erinnerung an alle Photoshopper da draussen, ihr betrügt nicht nur die Menschen in eurem Umfeld, die eure Bilder ansehen, in erster Linie betrügt ihr euch selbst!

Daher – in diesem Blog sind alle Bilder aus meiner Kamera unbearbeitet und beschönigen nichts! Wenn ein bearbeitetes Bild von Freunden reinrutscht, dann weise ich darauf hin.

Ganz schön was los – ist das jetzt schon viel oder noch wenig
Ich empfinde es als viel
Hunderte von Menschen stehen bis zum Zwickel im Wasser – Pinkeltiefe

Wir gehen baden, das Wasser ist durch den Wind überraschend erfrischend. Man findet auch noch freie Stellen zum „im Wasser stehen“. Es ist voll, aber nicht überlaufen. Ich mag mir nicht ausmalen, was hier im August abgeht.

Schnell noch einen Schnappschuss für´s Album – dann nix wie weg hier!

Klar, schön war es allemal

Kommen die touristischen Regionen bei mir zu schlecht weg? Liegt es an mir und meinem Setup, dass ich von Menschen etwas Rücksicht und Zurückhaltung erwarte. Kann Tourismus nicht smart und verträglich sein?

Ich erkenne, ich bin nicht alleine – wenn ich auch in meinen Äußerungen etwas defensiver wäre…

Möwen kacken auf Faschisten und Touristen

Wir gehen die 600m zurück in den Touristenweiler und kaufen uns ein erfrischendes Getränk, es wird beratschlagt, wie es weitergehen soll. Wir wollen die Zeit sinnvoll nutzen, gleichwohl nehmen wir uns ein paar Augenblicke um die Details und den Ausblick zu genießen.

Wunderschöne Ausblicke, eine schöne Ecke
Freundliche Kakteen

Es ist an der Zeit, dass wir uns auf den Heimweg machen. Wir nehmen die gleiche Route und sind abermals begeistert von dem schmalen Sträßchen. Unser Zwischenziel heißt Kissamos, eine an sich unspektakuläre Kleinstadt im Nordwesten Kretas. Hier gibt es eine Eisdiele, hier wollen wir den Erlebnisteil des heutigen Tages ausklingen lassen.

Grün – die Tunneldurchfahrt wartet
Macht Spaß

Direkt am Weg gibt es den Ort Potamida mit seinen berühmten pyramidenförmigen Steinformationen. Klar, dass wir auch dorthin einen Abstecher machen.

Bei Weitem nicht so spektakulär, aber ich muss trotzdem an Kappadokien denken
Christine und Sibylle wählen eine andere Perspektive
Sieht toll aus – war den Schlenker wert
Das Gesamtgebiet ist eher überschaubar…
Zudem brennt die Sonne

Jetzt wird es aber Zeit – mein vom Muskelkater gepeinigter Körper ruft nach Innenraumkühlung. Ein Speiseeis muss her, die Eisdiele in Kissamos bietet sich förmlich an.

Wir erreichen das kleine, pulsierende Städchen und schlagen zu – vier Kugeln muss die überraschte Eis-Fachverkäuferin in mein Becherchen schaufeln, bevor ich Einhalt gebiete.

Ahhhh, ein Hochgenuss
Nicht nur mir schmeckt es – Stille am Tisch, wir laben uns an der fruchtigen Creme

Der Tag klingt aus, wir brummeln zurück ins „amalthia“ Hotel unserer Freunde und fahren uns selbst erstmal runter. Ein bisschen relaxen darf man schon – wie bereits erwähnt, war das „adult only“ Hotel welches Nader und Christine gebucht hatten, der ideale Ort dafür. Unsere Base…

Freddo Espresso scetto an der Strandbar – und natürlich gehörig schwimmen

Danach immer das gleiche Procedere. Wir überlegen uns die Taverne des Tages, jeder zieht sich in die Privatgemächer zurück um sich frisch zu machen und sich aufzuhübschen.

Danach treffen wir uns zum gemeinsamen Dinner. Entweder wir kommen runter zum Hotel oder wir werden abgeholt. Bei weiteren Fahrten mit dem Fiat, wenn wir in der Nähe speisen, dann auch mal zu Fuß.

Das Hotel ist nur 5 Gehminuten entfernt – und JA, es gibt einen „Blanc du Nil“ Shop im Ort 😉

Wir gehen abermals ins „Roca“. Ich habe heute echt keine Lust auf Meze und typisch griechisches Essen. Die Wahl fällt auf ein Allerweltsgericht – aber auch das können sie in der Familientaverne.

Wenn´s mal was anderes als Giros & Co. sein soll

Am darauffolgenden Tag wache ich früh auf. Ich kann nicht mehr einschlafen, weil mir meine Gräten noch mehr schmerzen als am Tag zuvor. Ich bringe mich in die Vertikale um ein Foto vom Sonnenaufgang zu machen – der Tag beginnt herrlich, aber ich fühle mich malad.

Von unserer Terrasse aus

Wie jeden Tag treffen wir uns im Hotel. Wir vereinbaren, dass heute ein Ruhetag eingelegt wird. Um den Tag nicht vollends verplätschern zu lassen, haben wir uns den Chania Bummel für den Spätnachmittag auf die Fahne geschrieben…

Wir gehen baden, trinken ein Bierchen, lassen uns die Sonne auf´s Wammerl scheinen – ein schöner Tag!

Um 15.30 brechen wir auf in die größte Stadt der Region. Eine Mischung aus Geschichte und Kultur, sowie Gaumenfreuden und Shopping ist angedacht. Ich gehe mit, denn der Besuch des Schifffahrtsmuseums interessiert mich.

Klingt vielversprechend

Der Plan war ausgeklügelt. Wir erreichen den Parkplatz um kurz vor vier, laufen zum Museum und kaufen Tickets. Von 16.00 Uhr an, bliebe uns eine Stunde um die Artefakte anzusehen.

Leider hatten unsere beiden Analogliebhaberinnen die Rechnung ohne den Zeitgeist gemacht. Dieser hat nämlich dafür gesorgt, dass die Informationen in Sibylles zehn Jahre alten Kretaführer nicht mehr gültig waren…

Ziel erreicht – jetzt nur noch die Karten kaufen…
…Satz mit X – war wohl nix

Super – was mir bleibt ist ein Blick durch die Absperrgitter auf den Innenhof des Bauwerks und beim Abmarsch der Blick zurück auf die vor dem Museum ausgestellten Stücke. Ich war enttäuscht.

Wäre bestimmt interessant gewesen
Es gab Einiges zu sehen
Sollte nicht sein

Kurz keimte eine Diskussion auf, in der Nader und ich die Sinnhaftigkeit von alten Reiseführern im Zeitalter des Internets in Frage stellten. Unsere Frauen hielten dagegen, dass das Internet auch nicht frei von Fehlern sei.

Das ist per se richtig, in diesem speziellen Fall aber, hätte das Internet uns nicht in die Irre, respektive vor die verschlossene Museumstüre geleitet.

Digital vs. Analog – 1:0

Was mache ich nun? Ich bin, offen gesagt, nur wegen des Museums mitgefahren. Ich hätte später nachkommen können – jetzt war ich aber hier, shoppen und Kirchen interessieren mich nicht so.

Ich weiß – ich verhole mich in eine der coolen Bars und trinke Cocktails bis der andere Teil unserer Gruppe mich wieder abholt. Ich google die „coolsten Bars“ und werde fündig. Wir verabreden uns, ich laufe los.

Am „Synagogi“, der coolen Bar meiner Wahl angekommen, stehe ich vor verschlossenen Pforten. War ja klar! Welche wirklich COOLE Bar hat nachmittags um vier schon offen???

Ich gebe mich geschlagen und mit der zweiten Liga zufrieden!

Ok, wenigstens das Thema passt
Ein Bierchen – der Cocktail des kleinen Mannes

Während ich da sitze und mein Dunkles schlürfe, kann ich die vorbeiziehenden Touristen beobachten. Ich komme zu dem Fazit, dass ich wohl ein für alle Mal verdorben bin – weder Großstadt noch Mainstreamurlaub kommen für mich jemals mehr in Frage. Mir ist das alles zuviel…

Bing, bing, bing – Bilder der umherschweifenden Freunde und meiner Gattin treffen ein. Schön! Aber tauschen möchte ich auch nicht.

Sibylle vertieft sich in die Geschichte der Gebäude
Das Gotteshaus mit Kirchturm UND Minarett wird bestaunt

Ich bin wieder zufrieden mit meinem Schicksal. Dass die Drei auch beim Eiseessen waren ohne mich mitzunehmen, bleibt eine Randnotiz – eins im Kopf!

Wir treffen uns wieder. Ich werde abgeholt und ausgelöst – man sei durstig, schallt es mir entgegen. Sich zu mir zu setzen wird abgelehnt, man wolle etwas Besseres suchen! Ja da bin ich gespannt…

Ok, gefunden! 😉

Es wird versucht, mir das vermeintlich Versäumte nahe zu tragen – „…wir haben auch eine gaaanz tolle Taverne gefunden und gleich einen Tisch reserviert!“

Ah, ok – na dann nix wie hin. Wir haben Hunger. Der reservierte Tisch ist frei, wir befinden uns im touristischen Zentrum von Chania. Das Lokal macht einen netten Eindruck, trotzdem bin ich skeptisch.

In alten Gemäuern
Für nettes Ambiente gesorgt
Gute Käsebällchen
Auch die anderen Meze waren top

Wir spachteln! Es schmeckt uns und ich bin gerade dabei meine Zweifel über Bord zu werfen. Ich fahre gerade mit dem Brot über meinen Vorspeisenteller um ihn frei zu machen für den Salat und die gemischten Aufstriche, welche noch reichlich am Tisch stehen – da höre ich eine Stimme hinter mir „…are you ready for main course?“

Äh nein, sind wir nicht, nicht mal annäherungsweise! Die Frage, so stelle ich rasch fest, war wohl eher rhetorisch gemeint, denn schon wird mir der Teller unter dem Brot in meiner Hand weggezogen und statt dessen meine Hauptspeise an diesen Platz gestellt.

Den anderen ging es genauso. Das Brot wurde abgetragen, der Salat und die Aufstriche blieben stehen. Das Ganze ging schnell, wir waren zu verdutzt um zu reagieren, außerdem hatten wir die Münder noch voll, zudem will man ja nicht unangenehm auffallen.

Wie kann ein Lokal seine durch gutes Essen erworbenen Pluspunkte auf so dumme Weise wieder verspielen? Mir reicht´s! Ich stochere mein Essen weg, die Meze lasse ich stehen – ich will weg hier!

Zu unserem Glück hätte uns gefehlt, dass uns die Taube auf den Teller geschissen hätte – ein Damoklesschwert!

Speisen im Hochrisikobereich

Am Fußweg zum Auto überlege ich, ob wir Alternativen gehabt hätten. Ich erkenne, eher nein! An einer Riva, wo es als positives Argument gilt, dass man nicht behelligt wird, was willst Du da erwarten???

Alle anderen „bothern“ – mit nervigen Menschenfängern vor den Lokalen

Der Abend war unvollendet, das haben alle gespürt. Wir haben uns deshalb auf einem Absacker an der hoteleigenen Strandbar verständigt. Das war gut so, denn an diesem Abend war Live-Music, das war ein versöhnlicher Ausklang.

Von „Country Roads“ bis „Hotel California“ – alle Gassenhauer waren dabei

Am nächsten Morgen beginnt unser letzter voller Urlaubstag auf Kreta. Ich habe mir einen Strand- und Pooltag erbeten, ich wollte mit diesem Blog anfangen um schon ein wenig Zeit für den kommenden Monatswechsel zu gewinnen.

Sibylle hingegen, wollte mit Christine und Nader noch einmal Klöster und eine Höhle besichtigen. Diese touristischen Ziele waren irgendwie um die Ecke.

Nach dem Aufstehen springe ich auf die GS und fahre in den Ort. Ich kaufe Semmeln, Sibylle richtet derweil das Frühstück. Die Schmerzen verflogen auch langsam, ich konnte wieder freihändig Treppen nach unten gehen.

Semmeln, Wurst und Käse gibt´s gleich um´s Eck

Direkt neben dem Supermarkt ist die Taverne „Aletri“. Sie stellte sich in der Zeit unseres Aufenthaltes als die beste heraus, hier wollten wir UNSER Abschiedsessen einnehmen. Ich nutze die Gelegenheit und reserviere gleich einen Tisch für den Abend.

Unscheinbar, aber eine tolle Taverne mit sehr netten Gastgebern
Wir werden später noch in die Geschichte eingelernt

Nach dem Frühstück treffen wir uns, wie eigentlich jeden Tag, an der Strandbar. Die unternehmungslustigen Drei packen ihre Sachen für die bevorstehenden Unternehmungen, ich dagegen richte mir mein Büro für den heutigen Tag ein.

Morgens ist noch nichts los
Bis zum Mittag habe ich einige Seiten dieses Blogberichtes geschrieben – Stärkung tut Not

Ich erhalte Bilder in unserer, eigens für diesen Zweck gegründeten, WhatsApp-Gruppe. Auch die anderen scheinen Spaß zu haben. Manchmal tut es gut, seinen Vorlieben nachzugehen.

Kreuzfahrttourismus – nicht immer ist meine Meinung gefragt, ich halte mich daher zurück
Kloster Nummer 1, es kann von innen besichtigt werden…
…wenn man sich züchtig kleidet. Nader entdeckt seine Vorliebe für rosa Röckchen
Danach wandern unsere zwei Berggemsen 200hm abwärts…
…um einen Monolith in einer Höhle zu bestaunen
Die Höhle gäbe noch mehr her – aber irgendwas hemmt den Entdeckungsdrang
Jetzt noch Kloster Nummer 2
Hier werden Weinverköstigungen angeboten

Mein Telefon schellt. Am anderen Ende der imaginären Leitung sind die drei Ausflügler – „…man wäre jetzt fertig und käme zurück. Wollen wir uns bei der Eisdiele treffen?“

Klar gerne! Wir gehen zum „Eis Queen“ Salon in Agia Marina und machen eine eher durchschnittliche Erfahrung was Qualität und Ambiente betrifft. Na egal, man kann eben nicht alles haben.

Umso besser dagegen unser Abendessen, welches wir, nach einem ausgiebigen Bad im Meer und zwei Bierchen, im „Aletri“ zu uns genommen haben.

Liebe zum Detail

Wir essen wieder vorzüglich und schließen das Dinner mit einer Süßigkeit und einem Raki auf´s Haus ab. Service und Qualität des „Essens mit Pfiff“ waren exzellent.

Wir bekamen von Wirt Andreas angeboten, etwas über die Familiengeschichte und die des Hauses zu erfahren. Die Taverne war früher das Elternhaus und schon das Haus der Großeltern. Andreas erzählt diese Geschichte gerne – wir nehmen dankend an.

Der Chef erklärt wie das Leben damals war
Viele Ecken des Hauses sind wie ein kleines Museum

Letzter Abend – fast geschafft! Wir wollen uns bei einem Absacker langsam an den Gedanken gewöhnen, uns morgen ade sagen zu müssen. Diesen Absacker gibt es – ihr ahnt es – ein letztes mal an der Bar des „almathia“.

Schönes Ambiente

An diesem Abend bekommt Christine einen Zeitungsbericht aus Deutschland in die Finger – eine Hitzewelle in Griechenland ist im Vormarsch! Wir hatten das schon gemerkt, aber der Höhepunkt soll morgen und übermorgen kommen. Na, mal sehen…

Kreta ist betroffen

Wir lassen den Urlaub noch einmal Revue passieren. Es hat alles gepasst, es war ein schöner Urlaub! Wir konnten umsetzen was wir geplant hatten und hatten tolle Erlebnisse. Mit Nader und Christine war es harmonisch und keinen Moment langweilig – das ist wertvoll.

Ja, mir war es vielleicht zu touristisch, aber das kann ich gut trennen. Ich ziehe eine mehr als positive Bilanz.

Kurz vor Mitternacht gehen wir ins Bett – morgen treten wir die Heimreise an!

Der nächste Morgen beginnt eigentlich wie immer. Wir frühstücken und machen uns strandfein – im Anschluss daran folgt aber eine generalstabsmäßige Abarbeitung der zur Abreise und dem damit verbundenen Checkout nötigen Punkte. Gegen 09.00 Uhr sind wir fertig, verabschieden uns von unseren Gastgebern und packen die Tasche auf´s Motorrad – Treffpunkt ist abermals das „amalthia“, das Hotel der Freunde aus Erding.

Am Hotelparkplatz finden wir einen Schattenplatz für die fertig gepackte GS

Wir haben uns folgenden Rückreiseplan zurecht gelegt – nachdem wir erst um 17.00 Uhr in Heraklion im Hotel ankommen möchten, sollte es ausreichend sein, wenn wir hier in Chania um 14.00 Uhr abfahren. Aufgrund der Hitzewelle hat es in den Nachmittagsstunden leicht 35°C oder mehr, wir wollen die Fahrt schnell hinter uns bringen.

Was lag also näher, als den Vormittag noch in der Strandbar der feinen Hotels zu verbringen?

Um 09.00 Uhr ist es am Pool noch ruhig – es ist noch Frühstückszeit
Auch am Strand ist noch nichts los – hier sind die Liegen noch nicht reserviert, im Gegensatz zum Pool
Ich will die Gunst der Stunde nutzen und erst einmal baden
Der Strand fällt flach ab, man muss weit laufen
Es täuscht – ich sitze! Man muss wirklich weit laufen
Die Kri-Kri Insel ist Schutzgebiet für die gleichnamig Ziege – betreten verboten

Ich mag diese Stimmung am Strand. Eine handvoll Menschen nur, die Luft noch frisch und angenehm, alles in ein noch gedämpftes Sonnenlicht getaucht. So genieße ich den Start in den Tag.

Ich will ehrlich sagen – so ein Hotelurlaub wie der unserer Freunde wäre nichts für mich. Aber gegeben durch die Tatsache, dass wir die Außenanlage quasi mitnutzen durften, war unser Urlaub doch etwas wertvoller und bequemer geworden.

Danke „amalthia“, Danke Nader & Christine…

Eine schöne Anlage

Die Freunde kommen vom Frühstück, wir sitzen zusammen und quatschen noch ein bisschen über die Pläne der nächsten Wochen. Wir trinken kalte, heute aber alkoholfreie Getränke und gönnen uns ein kleines Mittagessen – ich glaube, so funktioniert klassischer Urlaub.

Club Sandwich an der Hotelbar – dann geht es los

Kurz vor 14.00 Uhr – wir gehen noch einmal baden und erfrischen uns. Dann heißt es klarmachen zur Abfahrt.

Wir kraxeln auf das Moto und starten den Boliden – dann geht alles ganz schnell. Die Freunde gedrückt, Gang rein und los. Es sind vier Kilometer bis zur Schnellstraße, welche die Städte der Insel verbindet.

Uff, damit habe ich nicht gerechnet! Kaum waren wir von der Küste weg, wurde die Luft so heiß, dass man es kaum aushielt. Dies natürlich begünstigt, durch den aufgeheizten Straßenbelag und die Abwärme des Motors, der jetzt richtig zu rackern hatte.

Wir hatten phasenweise das Gefühl, dass es uns die Haut von den Unterschenkeln kocht – sehr unangenehme Stunden! Der Öltank der GS ist dort, wo man eigentlich den Tank vermuten würde – das ist nicht clever gelöst, denn die Bauteile in Bauchnähe werden durch das rund 100° C heiße Öl mehr als aufgeheizt. Ich musste mir ein T-Shirt unter das Wammerl legen, um zu vermeiden, dass mein Bauchfett auf der Tankoberseite gebraten wird.

Wir wollten es hinter uns bringen! Sibylle hat nicht gemault, als ich etwas schneller als sonst fuhr. Auch unsere Pause fiel kürzer aus – Tanken, Cappuccino, Wasser und weiter geht´s! Um Punkt 16.56 Uhr stehen wir vor dem Hotel – en minute…

Hotel „Marin“ in Heraklion – die Stadt war aufgeheizt

Wir checken ein und gehen ins Zimmer – unser erster Blick gilt der Dusche. Siehe da, das „Marin“ hat Wort gehalten, ich bekomme ein Zimmer, in dem ich in die Dusche passe. Das Zimmer war aber auch insgesamt größer und zum Meer hin gerichtet – ich vermute, dass man uns stillschweigend ein Upgrade hat zukommen lassen. Wie auch immer, es hat alles gepasst.

Großes Bad, Dusche in der Wanne – keine Klagen
Von unserem Balkon haben wir einen super Panoramablick

Wir gehen duschen und legen uns erstmal zum Runterkühlen auf´s Bett. Die Klimaanlage läuft und lässt uns wieder in den Bereich der „normalen“ Betriebstemperatur kommen. Wir warten, bis die Sonne hinter den Hochhäusern verschwindet – dann ziehen wir los um einmal durch die Stadt zu latschen und etwas zu essen.

Wir kennen Heraklion, finden aber immer wieder etwas Neues
Wir gönnen uns eine innere Abkühlung

Als wir auf ein Bierchen in einer Bar sitzen, melde ich mich kurz bei Roza. Wir haben sie auf Leros kennen gelernt, als sie noch Eisverkäuferin bei „Repapis“ war. Sie hatte uns über Facebook angeschrieben, als ich auf der Anreise einen Post aus Heraklion gemacht hatte – „…let me know when you are here the next time“

Roza lebt inzwischen auf Kreta und es war klar, dass wir uns melden. Mal sehen ob ein Treffen klappt…

Wir gehen derweil weiter um etwas zu essen. Unsere Wahl fällt auf ein Grilllokal, welches wir schon kennen, wir brauchen im Moment keine Meze mehr, davon hatten wir mehr als genug!

Das „Politia“ liegt zentral in Heraklions Fußgängerzone – ist aber durchaus empfehlenswert
Wir essen auf jeden Fall gut – und reichlich

Und tatsächlich – plötzlich kommt Roza um die Ecke und gesellt sich auf ein Bierchen zu uns. Klar, viel zu erzählen – was macht ihr hier? Was hat dich nach Kreta verschlagen? Wir erfahren viel über die schwierige Situation auf dem Arbeitsmarkt in Griechenland.

Wir treffen Roza in Heraklion

Roza bleibt nur etwa eine halbe Stunde, sie muss weiter lässt sie uns wissen, denn sie war gerade am packen und will heute auch zeitig ins Bett – „…I go to Leros by ferry tonight! I visit my family and the ferry will depart at 04.00.“

Ja, wissen wir, wir nehmen die gleiche Fähre! So ein Zufall – na dann, bis nachher!

Sibylle schreit nach einem Eis. Wir kennen die Eisdiele hier, sie ist gleich um die Ecke.

Sehr gutes Eis hier – aber ich hatte keine Lust

Irgendwie war mir nicht nach Eis. Ich verzichte! Das lässt Sibylle vermuten, dass ich krank sei, dem ist aber nicht so. Ich wäre lieber auf einen Drink in die Bar der Marina gegangen, dies scheiterte aber am Veto meiner Gattin.

So schlotzt sie ihr Eis, ich harre aus – es dauert nicht mehr lang bis ich zu „Repapis“ darf! Wir gehen zurück zum Hotel.

Heraklion ist einen Besuch wert

Wir gehen früh schlafen. Ich maule nicht, denn ich weiß, dass es diesmal kein Problem ist, wenn ich dann früh wach bin – unser Wecker klingelt um 02.30 Uhr, wir wollen das Hotel um 03.15 Uhr verlassen!

Das klappt alles wie am Schnürchen – um 03.30 Uhr sind wir am Fährhafen und stellen uns in die Warteschlange. Sibylle checkt als Fußgängerin gleich ein.

Die GS in der Pole Position – Motorräder dürfen immer als erstes ein und ausfahren
Zuvor dürfen die Fußgänger einchecken – Sibylle geht immer schon vor um einen guten Platz zu finden
Irgendwann pilotiere ich unser Mopped in den Schlund des Zubringers

Die Aufgabe meiner Gattin besteht abermals darin, einen möglichst guten Platz zu ergattern. Kriterien hierfür sind zum Beispiel die Fensternähe, eine Steckdose oder auch eine Couch auf der man sich mal langmachen kann.

Diesmal hat sie Glück, sie ergattert eine Ecke in der es sich aushalten lässt!

Minuten nach meinem Eintreffen fallen ihr die Augen zu

Mit Sibylle ist um diese Uhrzeit nichts anzufangen. Das ist manchmal schwierig für mich, ich vergesse es auch manchmal, es überrascht mich aber nicht mehr.

Während meine Gattin also mit geschlossenen Glotzn auf der Couch lümmelt und nicht ansprechbar ist, kümmere ich mich um eine Verbindung zur Außenwelt – das klappt vorzüglich!

Ein 3.-€ Voucher gibt mir Internet – ich kann am Blog weiterschreiben, das sorgt für Kurzweil

So müssen wir jetzt die nächsten 10h rumbringen. Das geht leidlich gut, wir helfen uns mit kleinen Snacks und Cappuccino über die Runden, dösen ein wenig und schauen uns um – irgendwas passiert immer auf einer Fähre.

Ein guter Platz – das ewige Gemurmel aus dem Fernseher mal außen vor gelassen, da hilft Ohropax

Irgendwann versammeln sich an einem Nachbartisch vier Männer. Sie scheinen jeweils Vater und Sohn zu sein. Im späteren Verlauf trennen sie sich wieder, es macht den Eindruck, dass sie nicht als Vierergruppe unterwegs sind.

Vier Musiker am Nachbartisch

Die Vier packen ihre Instrumente aus und fangen an zu musizieren und zu singen. Einfach so, aus dem Nichts. Sie strahlen dabei eine solche Lebensfreude aus – das sind die Momente für die ich Griechenland liebe! Die Vier musizieren eine ganze Zeit lang und verkürzen so die gefühlte Reisedauer – ein toller Moment!

Kretische Musik auf der Fähre

Der Rest der Fahrt ist schnell erzählt. Die Fähre aus Kreta trifft mit Verspätung in Rhodos ein, unser ursprünglicher Plan hier etwas zu essen scheitert also – wir kaufen daher bei „Gregoris“ im Hafen Sandwiches und wechseln von einer Fähre auf die andere – diese wird bereits in einer halben Stunde ablegen.

Das Procedere ist das gleiche, Sibylle reserviert einen Platz, ich komme etwas später nach…

Wieder haben wir einen guten Platz – erste Reihe

Die zweite Passage dauert dann „nur“ noch fünf Stunden. Wir treffen also etwa gegen 22.30 Uhr auf Leros ein. Das ist an sich eine vernünftige Zeit, da gibt es unangenehmere Ankunftszeiten.

Ich muss das Motorrad ausparken, diesmal geht Sibylle mit in die Garage. Wir stehen in erster Reihe und sehen zu, dass wir den trubligen Hafen rasch verlassen.

3-2-1 – der Countdown läuft

Ein paar Minuten später treffen wir in der Marina ein. Im „Skipper´s“ Restaurant herrscht noch emsiges Treiben, es ist Live-Music Abend. Uns ist aber eher nach schlafen – zugegeben, jetzt holt auch mich die Müdigkeit ein! Morgen ist auch noch ein Tag. Wir schnallen die Tasche ab, entern NESSAJA, öffnen die Ventile und aktivieren die Systeme – dann geht es ab ins Bett.

Wir BEIDE erwachen früh am nächsten Tag und gönnen uns eine Fahrt nach Panteli, um uns mit einem Sprung ins kühle Nass die Lebensgeister zurück zu holen – das haben wir lange nicht mehr gemeinsam gemacht.

Die Sonne kommt gerade über den Berg – ich liebe diese Stimmung und Ruhe
Leider sind wir nicht alleine – eine Frau sitzt und telefoniert, ihre Stimme hallt über´s Wasser

Schade! Ein Störenfried kann die herrliche Ruhe zerstören. Naja, da kann man wohl nichts machen, ich bleibe aber meiner Überzeugung treu, Mobiltelefone sind des Teufels Werkzeug – ungeachtet der Tatsache, dass ich selbst es nutze.

Sibylle und ich gehen auf einen Kaffee ins „Tzouma“…

Wir parken die GS direkt vor dem Kaffee
Ein erstes Tässchen zum Wachwerden
Es bleibt beim Kaffee, wir finden nichts Adäquates auf der Frühstückskarte

Zurück in der Marina, drängt sich die Antwort auf unsere Frage, wo wir heute frühstücken sollten, förmlich auf – während unserer Abwesenheit wurde ein neues Angebot vom „Skipper´s“ Team erdacht, das wollen wir probieren!

„Skippers Breakfast“ – klingt doch gut
Cappuccino dazu – passt schonmal…
…und auch das Frühstück ist nett hergerichtet und schmeckt

Geht in Ordnung! Der Cappuccino ist in unserem Marinalokal leider teuer. Wenn man das abzieht, dann geht der Gesamtpreis von 8,50€ in Ordnung. Mir war die Portion zu klein, ist aber für heute ok.

So gestärkt, starten wir in den Tag – Tag 1 nach unserer Rückkehr, wir sind wieder zu Hause – es gibt viel zu tun, es geht gleich mit einem Paukenschlag los!

ELOWYN wird gekrant! Für die Sommerpause kommt sie an Land. Wir sehen also gleich nach dem Frühstück, nach dem uns abermals anvertrauten Riesen.

Da liegt sie noch im Wasser

Kristina und Volker sind nur wenige Stunden vor unserer Ankunft nach Deutschland zurück geflogen – die EM ruft! Wir haben eine virtuelle Übergabe geplant, aber zunächst soll die Dicke an Land.

Ich darf sie so nennen, denn beim Kranen zeigt sich, ich nehme das vorweg, dass sie etwas übergewichtig ist – eine Leidensgenossin quasi.

Wir machen alles klar, unser Helferteam kommt an Bord, dann fahren wir das Schiff der Freunde in die Krangasse – kurze Zeit später kommt schon der große Kran um den blauen 68 Füsser aufzuheben.

In die kleine Box passen wir nicht – der Kran kommt zu uns

Nicht ganz klar war, wo die Gurte anzusetzen sind. Die Markierungen konnten nicht verwendet werden, da bei unserem Kran die Schlitten mit den Drahtseilen nicht verstellbar sind. Kranführer Giannis will einen Taucher, der ihm die optimale Gurtposition bestätigt.

Uli erklärt sich sofort bereit, diesen Job zu übernehmen – das ist eine Einladung ins „SouVLakki“ wert!

Tauchen im Kranbecken – eine spezielle Leidenschaft
Uli bringt die Gurt in die richtige Position

Wer nun meint, dass ich hier gut abgeschnitten habe, der irrt gewaltig. Ich hatte die ehrenvolle Aufgabe die Gurte zu sichern – mit Leinen aus dem Fundus der Kranfahrer, die waren nicht mehr alle top in Schuss.

Wieder dreckige Bratzen – na was soll´s

Trotzdem ging es relativ flott und auch ohne Probleme voran. Etwa 30 Minuten später hing ELOWYN mit aufgeholtem Kiel in den Gurten – wir durften das Schiff verlassen.

Sie hängt frei, wir verlassen das Schiff…
…dann wird sie angehoben
Der Kranfahrer fährt sie bis zum Reinigungsplatz zurück

Zum Kranen gehört immer auch eine Hochdruckreinigung des Unterwasserschiffes. Die dauert bei ELOWYN etwas länger, so gehe ich erstmal zurück auf NESSAJA, ich muss etwas runterkühlen. Es herrscht eine Bullenhitze am Sandplatz.

Leider war es auf unserem Schiff auch nicht wirklich kühler. Der frische Nordwind, der Meltemi, ließ uns im Stich, es rührte sich kaum ein Lüftchen. Die heiße Luft stand im Schiff.

Ich muss für Abhilfe sorgen…

Ich baue mir die Klimaanlage auf

Ich erinnere mich an meine Standklimaanlage, die wartete ja nach wie vor auf die Umsetzung meines „Projektes Airconditioning“. Ich habe ja vor, die Anlage auszuschlachten und mir vom Schreiner ein passgenaues Möbelstück fertigen zu lassen, um die günstige Haushaltsanlage in das Boot zu integrieren.

Bis das soweit ist, kann ich die Anlage ja noch „fliegend“ verwenden – gedacht, gemacht!

Wieviel Strom braucht die überhaupt?

465W, rund 35A ist noch akzeptabel – das könnte Solar sogar liefern, könnte

Am Nachmittag gehe ich zurück zu ELOWYN. Nicht nur, dass sie inzwischen vom leichten Bewuchs befreit ist, sie steht jetzt aufgepallt an ihrem Parkplatz für die nächsten zweieinhalb Monate.

Wir machen das Deck klar, räumen zunächstmal alles weg, was nicht der Sonne und dem Staub ausgesetzt sein soll. Auch den Kühlschrank räumen wir aus und bringen die restlichen Lebensmittel zu uns. Dann fallen die Schalter – ELOWYN hat Sommerpause.

Da steht sie – geparkt bis 29. August

Mit den Arbeiten beginne ich aber wohl erst im Juli, zuvor habe ich mich um ALENA zu kümmern, doch dazu später mehr.

Für heute ist erstmal Schluss. Wir gehen zusammen mit der Crew der JASPER in unser bevorzugtes Grillrestaurant – ich habe einen Glangerer nach meinem Lieblings-Girosteller!

ENDLICH!!!

Was dann kommt, brauche ich wohl nicht zu erwähnen! Klar, dass wir uns noch eine zauberhafte Eisspezialität aus dem Speiseeisparadies gönnen – bei „Repapis“ freut man sich, uns wieder zu sehen.

Auch darauf habe ich mich gefreut – wieder daheim
Die Dame hinter dem Tresen schaufelt ordentlich – heute mal DREI Kugeln

Als wäre das nicht genug, gehen wir noch ein Haus weiter. Bei Marietta findet heute Karaoke statt. Offen gesagt, ich finde das albern und selten gut – das bewahrheitet sich auch heute!

Aber der Zweck heiligt die Mittel – es wird abermals für einen guten Zweck gesammelt, wieder soll der Hundeshelter in Leros profitieren. Also spenden wir bereitwillig, lauschen den Darbietungen der meist jungen Pseudo-Sängerinnen und schlürfen dazu einen Ouzo als Absacker.

Die Hütte war voll
Die Blondine sang um Klassen besser als alle anderen – DIE konnte es

Danach waren wir geschafft, es war fast Mitternacht, wir waren müde und sind zurück an Bord unserer NESSAJA. Jetzt ist erstmal Wochenende – aber am Montag geht es los! So richtig…

Klingt nach Friede, Freude, Eierkuchen – war es aber nicht! Kann es aber auch nicht immer sein!

Ich war genervt, Sibylle und ich zanken, sie ist beleidigt – das kann passieren und nach einem Urlaub oder einer „besonderen“ Phase ist das Risiko größer. Wir müssen beide in unseren Trott zurück finden, wir haben unterschiedliche Herangehensweisen.

Sibylle versucht dann stets, mich vor ihren Karren der anstehenden Aufgaben zu spannen…

Ich dagegen brauche immer etwas Zeit um zu erkennen und zu akzeptieren, dass eine spannende, erlebnisreiche Phase zu Ende geht und jetzt der weniger facettenreiche Alltag gelebt werden muss.

Wir lösen das Problem, indem wir uns aus dem Weg gehen. Sibylle geht wandern oder zu den Hunden – ich an einen Strand, an dem Sibylle eher nicht zu finden ist.

Gehe ich mal nach Xirokampos – auch nicht schlecht

Weil ich dann auf mich selber achten muss, gönne ich mir einen Mittagssnack, wer weiß, was es abends zu essen gibt.

Griechischer Salat und Skordalia, waren ganz gut gemacht, dazu noch Kalamari

Naja, ihr könnt es euch vorstellen, wenn das Abendessen nicht gewährleistet ist, dann muss ich das Eis bei „Repapis“ noch mehr in Zweifel ziehen – also sichere ich mich auch an der Flanke ab.

Eis schmeckt alleine auch gut – ist aber langweiliger

Zum Glück dauern solche seltenen Phasen meist nicht lange an. Wir raufen uns irgendwie zusammen, häufig nach dem „Happy Wife – Happy Life“ Prinzip. Manchmal gebe ich aber auch einfach auf – zum Beispiel dann, wenn ich für Sibylle im Schlafzimmer angenehme 22°C herstelle und sie dann bei 35°C Außentemperatur „nur kurz lüften“ muss. So what…

Ich schlafe dann eben draußen im Cockpit, was jetzt mangels italienischer Störgrößen anstandslos möglich ist.

Morgens wache ich auf und gönne mir mal wieder eine Fahrt nach Panteli – ich möchte erfrischt und belebt in den Tag starten.

IS THERE ANYBODY OUT THERE? Nein, außer mir wird sicher niemand diese Idee haben…

Die Bucht von Vromolithos – mir kommen erste Zweifel
Auch Richtung Panteli ganz schön viele Schiffe

Hm, ganz schön was los. Warum nur? Google beantwortet meine Frage nach dem Grund, mit der Erklärung, dass exakt in dieser Woche das türkische Opferfest gefeiert wird.

Klar, die Osmanen wissen auch wo es schön ist und kommen in Massen herüber auf die angrenzenden Ägäisinseln. Ich hätte wohl nicht so provokant Fragen sollen – JA, außer mir waren noch etliche Andere unterwegs!

Aber ich hatte die Gunst der Stunde für mich! Es war noch sehr früh am Morgen, die Urlauber waren noch nicht am Strand – also nichts wie rein ins kühle Nass, der Strand ist mein…

Einladend – ich folge gerne…
…nehme Anlauf und tauche ab
Das Wasser ist noch herrlich frisch
Es spült den Schlaf aus den Augen, belebt und erfrischt
Wunderbar!

Danach gönne ich mir einen Cappuccino und mache mir Gedanken über mein Frühstück. Sibylle schläft noch tief und fest, ich werde wohl am Rückweg einen zweiten Kaffee trinken und mir eine Kotopita kaufen.

Es ist noch alles ruhig – der beste Cappuccino des Tages
That´s Life
Einen zweiten Kaffee und die Kotopita gibt es bei „Mikes“ in Lakki

Immer noch war es früh am Tag. Ich war noch nicht sicher, ob Sibylle schon ausgeschlafen hat. Weil es sich gerade angeboten hat, besuche ich Marietta und Shira im HUB.

Das HUB ist die reale Drehscheibe der Webseite „The Leros Way„, einer URL die ich ja schon mehrfach genannt habe. Diese Seite ist ein zentraler Link für Touristen aller Couleur, welche sich entschieden haben, Urlaubstage auf Leros zu verbringen. Die beiden hyperaktiven Damen haben die Webseite auf die Beine gestellt und füllen sie mit Leben.

Das HUB ist nun so etwas wie das Büro für diese Tourismusplattform, gleichwohl ein Treffpunkt für jung und alt aus allen Nationen, remote Workspace, oder auch Kursraum für Yoga oder etwa Sprachkurse.

Hier tut sich was
Der Wegweiser gibt die Richtung vor – für die nötige Schlagzahl sorgen die Powerfrauen selbst
Wir hatten noch etwas zu besprechen

Ich mag die beiden Frauen, so hat es sich ergeben, dass Sibylle und ich unterstützen wo wir können. Ich übersetze den Content ins Deutsche, denn es soll eines Tages eine deutsche Version geben. Sibylle hilft ab und an im Büro, wir dienen auch häufig als Schnittstelle zur Seglercommunity, zu den deutschsprachigen Interessenten, oder wenn mal wieder nach neuem Content gesucht wird.

Ich bleibe eine halbe Stunde, danach fahre ich auf NESSAJA und treffe Sibylle, die gerade frühstückt.

Ich habe etwas Zeit, das ist selten genug. Dies nutze ich sofort aus, um diesen Blogbericht etwas vorzuschreiben – das hilft zum Monatswechsel sehr, denn exakt dann stehen stressige Tage vor der Türe. Meine Ex-Käufer Gerald und Ulrike kommen, sie wollen ihr neues Schiff, die TARGUI, endlich in Besitz nehmen, sich dabei aber auch mit uns treffen.

Wichtiger für mich, am 26.06. kommt Karl, gefolgt von Rosi ein paar Tage später. Die Beiden wollen ihre ALENA übernehmen, ich bin noch für die Übergabe verantwortlich, dann gebe ich den Schlüssel ab und schließe das spannende Kapitel rund um die schöne Schwedin.

Als wäre das nicht genug, habe ich eine lange Arbeitsliste für ELOWYN und stehe bei Hans-Peter im Wort, auch an seiner LIBERTÉ einiges an Arbeitsumfang zu erledigen.

Deshalb – ich bin froh um jede Blogzeile, welche schon geschrieben ist, werde das noch ein paarmal in diesem Monat so machen…

Der Junibericht wächst schon im gleichnamigen Monat

Am Nachmittag holt mich aber die Unruhe ein, den ganzen Tag am Computer geht nicht! Ich habe noch einige kleine Aufgaben an ALENA abzuarbeiten, bevor ich die Hallberg-Rassy übergebe.

Es ist heiß draußen, so nehme ich mir vor, jeden Tag nur einen kleinen Punkt zu erledigen. Heute ist das Paddelrad vom Geschwindigkeitsgeber dran…

Fest! Da dreht sich nix mehr – ich baue den Geber aus, ich muss den Muschelkalk entfernen

Da ich keinen Entkalker habe, setze ich den Job „on hold“ und sehe nach ELOWYN. Ein paar Sachen müssen vom blauen Riesen geholt werden, ein paar Dinge haben wir beschafft und können diese verräumen, so zum Beispiel die Wäsche, die wir von der Laundry abgeholt haben.

Sibylle hat die Wäsche mit dem BREEZY geholt – die muss verräumt werden

Danach fahre ich zum Baumarkt, um mir den fehlenden Entkalker zu kaufen. Jetzt steht der finalen Reinigung und damit der Instandsetzung des Durchbruchgebers nichts mehr im Wege.

Andreas Kritikos – unser „OBI“
Der Geber kommt 24h in den Entkalker, wird dann geschmiert und wieder installiert

Früher Nachmittag – genug gerackert für heute! Mein T-Shirt ist schweißdurchtränkt. Sibylle und ich beschließen, wir gehen an den Lieblingsstrand zum Baden, vielleicht geht sich ein Eis aus.

Am Panteli-Beach angekommen, zeigt sich ein anderes Bild als am Morgen. Es war voll, per meiner Definition. Ich gebe zu, es geht voller, aber mir war es zuviel.

Wir sitzen ganz hinten, ich trinke ein Bier
Menschen überall – eng bestuhlt, man kommt kaum ins Wasser

Ich will nicht baden, ich will nur weg! Sibylle sieht es ein, frischt sich rasch ab und schlägt vor, dass wir noch ein Eis essen. Im „Sorbet“ war auffällig wenig los.

Salted Caramel & Black Chocolade Sorbet – die beste Kombi ever
Auch der Cappuccino war lecker

Wir wurden auf den Boden der Tatsachen zurück geholt – als es ans Bezahlen ging! Die Kugel Eis kostet 3,50€!!! Der eigentliche Wucher ist aber, dass es ein Saisonpreis ist – die Türken sind hier und der ohnehin schon relativ hohe Preis von 2,50€ wird um sage und schreibe 1.-€ angehoben!

Nicht mit uns! Wir boykottieren das „Sorbet“ bis die Preise wieder runtergehen. Wenn sie es denn tun…

Vielleicht streichen wir es auch von unserer Liste – sowas ärgert uns! Generell!

Wir müssen zurück – heute ist Tanzkurs. Ja, richtig gelesen! Griechischer Tanzkurs! Auch der wird vom HUB angeboten und Angelika und wir haben uns eingeschrieben. Wir wollen mittendrin sein, statt nur dabei

Der Kurs beginnt pünktlich um 19.00 Uhr – die Tanzlehrerin erklärt

Wer mich kennt weiß, dass mich das Überwindung kostet. Ich liebe Musik, auch die „Island Music“ der Ägäis hat es mir angetan. Ich liebe die Lebensfreude die die Griechen bei ihren Festen, den Panagias, ausstrahlen – ich will das auch können! Eat, drink and dance like a Greek!

Wir lernen zwei Tänze, den „Leriko“ und den „Sousta“

Neben einer mäßigen Rhythmusbegabung habe ich leider Tanzlegasthenie. Ich tanze wie Pooh der Bär. Wenn man das weiß, ist es nicht schlimm, man lässt es einfach. Wenn man jedoch mitmachen möchte, ist etwas Übung unerlässlich…

Wir tanzen „Sousta“
Hier unser „Leriko“

Der Abend vergeht wie im Flug – wir haben richtig Spaß in der Gruppe und bekommen es zu guter Letzt auch so hin, dass wir zumindest mal als Anfänger teilhaben können, wenn die Locals mal wieder gemeinsam tanzen.

Hunger! Uli trifft uns im „SouVLakki“ und der Abend klingt dort aus – wir haben viel zu erzählen.

Heute mal was anderes – ein halbes Hähnchen soll her
Ok, Challenge accepted

Der nächste Morgen beginnt für Sibylle und mich, unabhängig voneinander, eher untermittelprächtig.

Meine Gattin buk ein Brot und hat meinen Hinweis, dass „…es hier irgendwie verbrannt riecht“, nicht als eine Warnung in ihre Richtung gewertet. Sie hat ohnehin eine Feindschaft mit unserem ENO und schob den kokelnden Gestank auf „…irgendeinen Teigklecks, der auf dem Blech verbrennt!“

Hmmm, ganz so war es nicht!

Der Versuch, zu retten was zu retten ist

Ich dagegen habe mir vorgenommen, heute eine der vermeintlich kleinen, aber unangenehmen Aufgaben auf ALENA zu erledigen. Die tiefste Stelle der Bilge, dort wo all das Wasser zusammenläuft, ist etwas schmuddelig und auf meiner Liste steht, dass diese zu reinigen ist und drei Kielbolzen wieder ansehnlich gemacht werden sollen.

Ok, auf geht´s…

Hier läuft aller Schlatz aus den Katakomben eines Schiffes zusammen
Salzkristalle haben sich im Lauf der Jahre abgesetzt und müssen entfernt werden

Ich nehme es vorweg – es dauerte mal wieder länger als geplant! Wie immer eigentlich. Zuerst haben die neu gekauften Bürsten nicht in den gleichmarkigen Pseudo-Dremmel gepasst. Ich habe dann die Krusten und den Rost mit der Bürste am Akkuschrauber abgeschliffen – das hatte zur Folge, dass mir durch die unnatürliche Haltung und das schwere Akkuwerkzeug, fast der Arm weggeflogen wäre.

Die Stelle war natürlich perfekt zugänglich – klar!

Dann war es im Schiff fast unerträglich heiß, ich habe die tiefe Bilge nur auf dem Bauch liegend mit gestrecktem Arm ausputzen können. Ein mieses Geschäft – seither hat der Begriff „Kielschwein“ eine für mich neue, andere Bedeutung.

Wie auch immer – im „vorher – nachher“ Vergleich hat sich der Aufwand gelohnt, auch wenn ich letztlich zwei Tage beschäftigt war.

So kann sich die Bilge sehen lassen

Jetzt aber nix wie an den Strand. Aus zuvor beschriebenen Gründen, gehen Sibylle und ich diesmal gemeinsam nach Xirokampos. Es ist davon auszugehen, dass der dortige Strand weniger überlaufen ist – und siehe da, wir bekommen ein Liegenpärchen und können eine Weile relaxen.

Schön! Zwei Liegen im Schatten und glasklares Wasser

Am Heimweg dürstet es mich – meine trockene Kehle schreit nach einem Bier im gefrosteten Glas. Leider besinnt Sibylle sich ihrer Fähigkeit als Spaßbremse und gibt mir unmissverständlich zu verstehen – „ohne mich!“

Ok, dann eben alleine! Ich setzte Sibylle bei NESSAJA ab und mache noch einen Einkehrschwenker. SO wird es ein runder Tag!

Ein Bierchen bei Marietta – ich genieße es

Zurück in der Marina, komme ich an ELOWYN vorbei. Sie hat einen guten Platz, direkt am Betonkai und mit dem Bug nach vorne. Dieser ist eingerahmt zwischen Palmen.

Der Grund meiner Stipvisite war die Überlegung, wie und wo ich das Schiff ab Juli mit Strom versorge – Gott sei Dank hat ELOWYN einen Buganschluss und eine Versorgungssäule war direkt unter dem Bug! Eine Sorge weniger…

Für die Arbeiten im Juli steht sie ideal

Meine Frau möchte einmal wieder ins „To Steki“ zum Abendessen. Diesmal aber nicht, wie eigentlich bisher immer, um dort Meze zu essen. Diesmal hat sie ein Gericht im Sinn, welches sie als Hauptgericht essen möchte – Risotto mit Garnelen!

Für mich trifft sich das gut, denn ich habe in Facebook einen Post der Taverne gesehen, dass sie ein „Kalamari-Kokoretsi“ anbieten – das soll meine Wahl sein!

Wir machen uns also auf nach Alinda – doch was ist das???

Ein, wenn auch kleines, Kreuzfahrtschiff in der Bucht vor Agia Marina

Ich will vorsichtig formulieren – ich gönne jedem seine Art von Urlaub und kann die Vorteile einer Kreuzfahrt für den einzelnen Touristen auch erkennen. Ich will nicht bekehren und auch nicht mit Fingern zeigen, so bleiben alle umwelttechnischen Argumente außen vor.

ABER – nicht jeder klitzekleine Platz auf Gottes Erden ist auch geeignet ein Ziel für die Kreuzfahrttouristen zu sein – wer zur Saison schonmal auf Santorin oder in Dubrovnik war, der weiß was ich meine.

Die Relation von Nutzen und Schaden geht aus meiner Sicht zu Lasten der Zieldestinationen. Leros ist, dazu stehe ich, KEIN geeignetes Ziel für Kreuzfahrtschiffe aller Art. Es ist und bleibt hoffentlich ein Ziel für Individualtouristen.

Wir erreichen das Ende der Alinda Beachfront, auch hier tut sich was in touristischer Hinsicht…

Der Bau der kleinen „Marina“ schreitet voran

Dieses Projekt wird gerade dem Seglerforum in dem ich aktiv bin, heiß diskutiert. Es obliegt mir nicht, zu bewerten ob die Fördermittel der EU zugunsten des nautischen Tourismus, hier richtig eingesetzt sind oder nicht – aber man muss akzeptieren, dass Leros bereits ein nautischer Hot-Spot in der östlichen Ägäis ist und auch, dass Segeltouristen sehr wohl Individualurlauber sind – sie würden der Insel mehr Nutzen bringen als Kreuzfahrer.

Alles gut also? Leider nein! Wer die Pläne kennt weiß, dass die „Marina“ viel zu eng und klein geplant ist. Es werden letztlich eine handvoll Yachties Platz finden, alle anderen Plätze werden, wie so oft, von Fischerbötchen belegt sein. Ich traue mich wetten…

Egal – wir sind hungrig, bestellen unser Essen und genießen die vorzüglichen Gerichte mit Blick auf die beleuchtete Burg.

Kalamari Kokoretsi – gefüllt mit Skampis
Schönes Ambiente – direkt am Meer, Blick auf das Kastell, über die Bucht von Agia Marina

Der Abend klingt aus, das „To Steki“ beweist einmal mehr, dass es zurecht auf unserer Top-Five Liste overall ist. Eine wunderbare Gastgeberfamilie, ein super Essen, das alles unspektakulär und ohne Shishi – dafür aber zu günstigen Preisen.

Wir verlassen den gastlichen Platz – ab nach Hause!

Wir kommen wieder

Auf dem Heimweg fahren wir entlang der Vromolithos Bucht. Ich konzentriere mich auf´s Pilotieren der GS, meine Gedanken fliegen. Am Horizont flackern die Lichter der Türkei.

Plötzlich höre ich… – nein, so kann man das eigentlich nicht sagen, plötzlich meldet mein Gehirn in einer Schaltsekunde einen Impuls der als akustische Schwingung eingeordnet werden kann und sich etwa so anhört…

Düdeldideldideldi, opaopa, dideldi…

Wenige Sekunden später sitze ich, in Begleitung meiner verduzten Gattin, an einem Tisch im „Kakomoiras“. Das alles ging so schnell, dass Sibylle, als sie ihren Mund öffnete um ein spaßbremsendes Gegenargument auszusprechen, schon ein mit Ouzo gefülltes Glas ansetzte. DAS ist angewandte Überrumpelungstaktik!

Seine Fidel erkenne ich im Vorbeifahren

Wir haben Xristo, den Wirt der Meze-Taverne, natürlich gefragt, ob es ok sei nur etwas zu trinken. Klar, hatte er gemeint – dies aber sehr flexibel ausgelegt…

Meze zum Ouzo – und wir kamen vom Abendessen

Die jungen Leute tanzten und hatten Spaß. Wir waren wieder mittendrin, zufällig! Aber wir waren willkommen. Man winkt uns zu, man prostet uns zu, wir feiern mit, wenn auch als Außenstehende. Dies deshalb, weil es ein privates Fest war, die Lehrerinnen einer Schule feierten den Beginn der Sommerferien.

Hübsches Kollegium – wenn ich mich da an früher erinnere (Ausnahme: Frau Keller – aber die wird meinen Blog wohl nie lesen)

Gretchenfrage – haben wir auch das Tanzbein geschwungen? Nein, diesmal nicht – wie gesagt, eine eher offene „geschlossene Gesellschaft“. Hier war es an uns, sich defensiv zu verhalten und nur zu genießen. Aber das nächste Mal… 😉

Am nächsten Morgen komme ich an ALENA vorbei und stelle fest – es tut sich was! Arbeiten am Rumpf haben begonnen, diese werden sich über die kommenden zwei Tage hinziehen. Das neue Eignerpaar hat ihrerseits diese Arbeiten in Auftrag gegeben, ich muss hier nichts tracken, melde aber trotzdem den Beginn und Fortschritt nach Deutschland.

ALENAs Rumpf wird poliert
Das Unterwasserschiff bekommt neues Antifouling
Nach zwei Tagen ist sie fertig und zeigt sich von ihrer besten Seite – die neuen Eigner können kommen

Auch Karl und Rosi sind nicht untätig gewesen. Es liegt auf der Hand, dass das Beziehen des neuen Schiffes, die Inbesitznahme, ein toller Augenblick ist. Man möchte schalten und walten, alles sauber machen und so richten wie man selbst es möchte. Dazu gehört natürlich auch das Einrichten – mit meist eigenen und neuen Dingen.

Das war mir klar, so überrascht es mich nicht, als Karl nach der Postadresse fragt – „…er hätte da ein Paket zu senden.“

Eines????

Die Pakete sind inzwischen unterwegs – ok

Man merkt ihnen die Vorfreude an – und ich freue mich auf ein Wiedersehen und die Übergabe!

Heute, zwei Tage bevor Karl hier eintreffen wird, ist nur noch ein Punkt offen – es müssen zwei Seeventile getauscht werden. Dies ist mir vom Marinachef für morgen zugesagt – just in time 😉

Das mit dem roten Schlauch – Cockpitdrainage an Steuerbord…
…und backbord
Die Zugänglichkeit durch den Motorraum ist gut – diesen werde ich morgen, nach erledigter Arbeit, schließen

Hans-Peter kommt in Begleitung seiner Frau Petra und Terrier Merlin zurück in die Marina. Petra arbeitet noch und macht zweimal im Jahr Urlaub mit ihrem Göttergatten. Diesmal ein dreiwöchiger Törn in den südlichen Dodekanes – just während unseres Kreta-Aufenthaltes.

Wir freuen uns Petra noch einmal zu treffen und verabreden ein gemeinsames Dinner im „SouVLakki“ und anschließendem Besuch im Eispalast. Es würde gleichzeitig Petras Abschiedsessen sein, morgen fliegt sie schon nach Hause.

Klingt super! Sibylle und ich setzen aber noch einen drauf! Wir waren lange nicht mehr alleine im „Harris“, das wollen wir ändern – ein Aperitiv an einem der schönsten Plätze der Insel, danach die Freunde treffen! Perfekt!

Das „Harris“ – hat früher „View“ geheißen – nicht zu unrecht
Sehr schönes Ambiente – aber auch alles reserviert
Wir bekommen einen Platz und gönnen uns eine Kleinigkeit
Sibylle einen Cocktail, für mich einen Ouzo
Viel Liebe zum Detail

Wir vertreiben uns die Wartezeit und genießen unsere Nachos und die Drinks. Die Zeit vergeht wie im Flug. Dann müssen wir los, wir sind mit den Freunden in Lakki verabredet – wir starten die GS und geben Gas, gerade als die untergehende Sonne die Umgebung in ein faszinierendes Licht taucht!

Die Serpentinen nach unten – im Hintergrund Kalymnos
Die Mühlen und das Kastell im Sonnenuntergang

Angekommen im „SouVLakki“, setzen wir uns an eine große Tafel, zusammen mit der Crew der LIBERTÉ und der JASPER. Es gilt, Petra ein würdiges Abschiedessen in bester Gesellschaft zu bieten – wir erzählen unsere Geschichten bis spätabends, dann wird es Zeit, den Abend im „Repapis“ ausklingen zu lassen.

Die Zeit verfliegt – bald ist es stockfinster
Hans-Peter gönnt sich drei Kügelchen…
…auch ich genehmige mir heute die Extrakugel 😉

Gähn – wie spät ist es? Ah, Zeit zum Aufstehen! Wir sind mit Hans-Peter und Petra zum gemeinsamen Frühstück verabredet. Danach würden wir direkt mit den Beiden nach Agia Marina fahren, um Petra dort zu verabschieden – sie würde mit „Dodekanisos Seaways“, dem Katamaran, nach Kos fahren und von dort aus den Heimflug antreten.

Frühstück gibt es bei Mariettas „μπακαλικο με τσιπουρο“ – wir sind aber nicht schlecht überrascht, als wir sehen, was dort im Nachbarladen während unserer Abwesenheit hochgezogen wurde…

Eine Kaffeekette, das „Coffee Lab“ hat dort eine Filiale eröffnet – alles blitzsauber und ziemlich cool

Wir setzen uns zu unserer griechischen Freundin in deren kleine Taverne und bestellen unser Frühstück. Wie nicht anders zu erwarten, klagt sie über den neuen Nachbarn, er würde ihr natürlich Umsatz nehmen, den hätte es nicht gebraucht.

Uns wird schlagartig klar – ungenierte Besuche dort, sollten wir uns zunächst verkneifen, obwohl es mich reizt, den Kaffee dort einmal zu probieren.

Ich werde aus meinen Gedanken gerissen, unser Frühstück wird serviert…

Endlich mal wieder Rührei

Dann geht alles ziemlich rasch. Wir klönen ein bisschen, ratschen über Gott und die Welt und ehe wir uns versehen, ist es schon an der Zeit nach Agia Marina zu fahren.

Wir kommen rechtzeitig an – dann heißt es, von Petra Abschied zu nehmen. Bis zum Oktober…

Servus mach´s guad – komm´gut heim
Die Fähre kommt pünktlich…
…und die Freundin muss los – Zeit zum Einsteigen
Die Klappe schließt sich, Petra winkt uns noch zu…
…dann braust der Zubringer davon

Zur gleichen Zeit, das fanden wir ganz interessant, fuhr Shira mit einem Speedboat welches den VIP Shuttle Service nach Kos anbietet, die gleiche Strecke.

Der Preis ist natürlich ungleich höher, relativiert sich aber, wenn man die Fahrt durch drei bis vier Personen teilen kann. Die Fahrzeit hingegen beträgt statt der üblichen 90 Minuten, nur rund 25 Minuten – so kann man durch geschickte Planung, einen Teil der Individualkosten wieder einsparen, wenn man beispielsweise den Bus erwischt statt mit dem Taxi zu fahren, oder wenn man am gleichen Tag an- beziehungsweise abreisen kann und so eine Hotelübernachtung spart. Wir wollen uns das merken.

Shira schickt Grüße von ihrem Transfer

Im Hintergrund spielt sich eine verrückte Geschichte ab. Ihr erinnert euch an die EDINA, das Schiff, auf welchem wir über den Winter gegen den Wassereintritt gekämpft haben.

Hier scheint der Generator kaputt zu sein und bei einer ersten Diagnose wird dieser als „nicht der Reparatur wert“ eingeordnet und daher ein Ersatz für rund 20.000.-€ angeboten. Der Besitzer hat mich gebeten, eine Meinung abzugeben und ich habe, obwol ich ebenfalls pessimistisch orakelt habe, empfohlen, in jedem Fall den Kopf abzubauen um eine klare Diagnose zu machen.

Womit ich nicht gerechnet habe – der Eigner hat meinen Rat SOFORT befolgt und sich an die Kaimauer von Lakki verholt. Dort hat mein Freund Giorgos den Kopf zwischenzeitlich demontiert.

Wasser in den Brennräumen – es scheint aber reparabel

Die letzte Entscheidung ist in diesem Moment noch nicht gefallen, aber ich hoffe, dass ich ein paar Absätze später Vollzug melden kann. Wir gehen davon aus, dass repariert werden kann! Die Kosten würden sich dann vielleicht auf 1.000.-€ belaufen – ein Unterschied wie ich meine!

Ich bespreche das mit dem Eigner, mit dem wir uns inzwischen angefreundet haben und schaue dann, dass ich nach Hause komme. Sibylle wartet schon auf mich, wir haben heute abermals einen Kurs von „The-Leros-Way“ zu besuchen.

Offen gesagt, zugrunde liegen besondere Umstände – die Mindestteilnehmerzahl wurde nicht erreicht, Marietta wollte den Kurs aber auf keinen Fall kippen. So haben wir die Teilnahme am KOCHKURS zum halben Preis bekommen. Super! Wir packen Hans-Peter ein und füllen zu dritt die offenen Plätze.

Pünktlich um 18.00 Uhr treffen wir beim Haus von Mariettas Großeltern ein. In der alten, originalen Katikia finden alle Outdoor-Kurse statt.

Ein schönes Fleckchen Erde
Die alte Küche – hier werden, stilecht, die Vorbereitungen getroffen

Im Rezeptbuch steht, wie sollte es anders sein, eine originale griechische Moussaka, dazu ein frisch gebackenes Brot, Tzaziki und ein griechischer Salat.

Die Moussaka wird später im bereits angefeuerten Holzbackofen gebacken.

Im Ofen die glodernde Lut

Wir komplettieren die Basisgruppe, welche aus fünf Italienerinnen und einer Französin besteht. Die Französin spricht Deutsch und Englisch und hat uns sehr positiv mit der Tatsache überrascht, dass sie keine Hemmungen hat, diese Sprachen auch zu sprechen – sehr sympatisch!

Die Italienerinnen hatten leider nicht diese Fähigkeiten und daher eine Übersetzerin mitgebracht. Diese sprach ein hervorragendes Englisch, so dass eigentlich keine Sprachbarriere hätte entstehen müssen – eigentlich! Hätte!

Die illustere Kochtruppe

Nun war es leider so, dass Marietta auch Italienisch spricht – und so kam es wie es kommen musste. Statt Englisch war die Kurssprache auf einmal Italienisch, was es uns natürlich schwieriger machte zu folgen.

Da wir ja begünstigt waren, stand es uns nicht zu, hier ein Veto einzulegen. Wir haben uns stattdessen ein bisschen auf uns selbst konzentriert.

Man spricht Deutsh

Wir bekommen die Schalen für die Moussaka und die Zutaten werden auf den Tisch gestellt, Kartoffeln, Auberginen, Hackfleischsosse. Marietta erklärt, wie man dies schneidet und zubereitet.

Alles ist vorbereitet – jetzt geht es los

Wir legen die einzelnen Lage in unser Schälchen, jeder kann die Menge der einzelnen Zutaten im gewissen Rahmen variieren. Ich lege weniger Aubergine, dafür mehr Käse und Hackfleischsosse.

Dann kochen wir die Bechamelsosse, hier werden, anders als bei einer Lasagne, Eier und Käse beigemischt.

Marietta erklärt

Die fertige Sosse kommt on top, auch hier halte ich mich zurück – ich bin nicht so sehr der Bechamel Fan. Dann sind „unsere“ Moussaka fertig für den Ofen!

YES – markiert mit einem „M“ – Maximus 😉
Auch Sibylle trägt ihr nahezu leeres Schälchen zum Ofen
Stolz auf das Geschaffene – wird sofort verewigt

Während die Schalen im Ofen stehen und der Inhalt langsam beginnt vor sich hinzuköcheln, bereiten wir das Tzaziki. Auch hier war einiges schon vorbereitet, so dass sich unser Tun auf das Verrühren der Zutaten beschränkte.

EINE Zehe Knoblauch pro 200g Joghurt – ich entscheide mich für DREI

Weil noch etwas Zeit blieb, bis die Moussaka völlig durchgebacken war, haben für etwas Kurzweil gesorgt. Wie? Ganz klar – mit einer Runde „Leriko“!

Wie war das gleich? Wer genau hinsieht merkt, da fehlt doch einer
Schön – lustig! Hans-Peter hatte plötzlich „Rücken“ und hat sich selbst zum Fotografen ernannt

Mariettas Cousine rief zu Tisch, die Moussaka war fertig, jeder holte sein Schüsselchen aus dem Ofen. Ich war angetan, meine Creation sah gar nicht mal so schlecht aus.

Goldgelb, leicht resch – so muss Moussaka sein
Der griechische Salat passt hervorragend dazu

Die Gruppe isst miteinander, man quatscht noch viel. Ein sehr bunter, geselliger Abend. Ok, als Kochkurs bewertet, kann man, muss man aber nicht teilnehmen. Ich war schon auf solchen Veranstaltungen, die haben zwar das fünffache gekostet, aber auch mehr geboten.

Als Event und gemeinsames Koch- und Dinnererlebnis ist es den Besuch aber allemal wert!

Am Heimweg gönnen wir uns ein Eis als „Absacker“, dann geht es zurück in die Marina, es ist schon spät!

Der Vollmond über der Marina

Frühmorgens, ich schalte mein Telefon an, es schellt! Nachrichten von Martin treffen ein. Ihr erinnert euch an ihn, er ist der Besitzer der STENELLA II, welche bei uns in der Marina liegt.

Martin hat bei der Abreise ein paar Kleinigkeiten vergessen, braucht ein paar Bilder und möchte, dass ich ein paar Reparaturen für ihn bei der Marina einsteuere.

Ich will helfen. Ich bespreche mich mit ihm, schreibe alles zusammen und fange mit den Bildern an – der einfachste Part des Jobs wie es scheint!

Wie hat die Marina das Schiff aufgepallt?
Ist das Schwert oben oder unten und wie ist der Zustand des Antifouling?
Wie bekommen wir die Schadstellen am Antifouling repariert?
Und last not least…
…wie ist der Zustand der Opferanoden?

Ich sende die Bilder und beantworte die Fragen. Es entstehen daraus neue Fragen, welche ich abermals bündle und aus denen wir einen Arbeitsauftrag an die Marina ableiten – mal sehen, wie weit ich damit komme!

Diese Saison verläuft etwas anders als die anderen zuvor. Viele der befreundeten Segler sind auf größeren Runden unterwegs, die Marina ist relativ ruhig. Ich finde das erfreulich. Unser Freundeskreis hat sich damit allerdings auch auf ein Minimum reduziert, dennoch wird es nie langweilig.

Schade ist allerdings, dass dieses Jahr auch die beiden anderen „Dauercamper“ in der Marina, die Crew der JASPER, die Saison vorzeitig beenden. Ein Familienfest steht an, die Zeit danach soll mit Motorradtouren gefüllt werden. Die Abreise von Uli und Angelika steht kurz bevor, wir verabreden uns daher zum Dinner im – wie soll es anders sein – „SouVLakki“.

Doch was ist das???

Alarm! Das „SouVLakki“ ist geschlossen

Ich gebe sofort eine Warnung aus – der Grilltempel unserer Wahl scheidet als Ziel aus. Wir einigen uns zähneknirschend darauf, das benachbarte „Food House“, ebenfalls ein Grill, zu besuchen.

Doch zuvor nutzen Sibylle und ich die Gunst der Stunde – wir besuchen das „Coffee Lab“, das neue Café neben Mariettas kleiner Taverne.

Mal sehen was es da so gibt

Die Zeit ist deshalb günstig, weil es ein Sonntag ist. An diesem Tag hat Marietta geschlossen, unser Besuch beim Nachbarn grenzt also nicht an Hochverrat. Ansonsten gehört unser Herz (und unsere Talerchen) natürlich ihr 😉

Wir sehen uns um, nett eigentlich, dann bestellen wir…

Schön dekoriert – das Markenlabel ist omnipräsent
Sehr guter Cappucchino und ein feines Bougatza

„Coffee Lab“ ist eine griechische Café-Kette. Der Cappuccino ist super, das Bougatza auch. Eigentlich ist auch die Deko schön, aber trotzdem strahlt das ganze Ensemble so eine McDonalds Atmoshäre aus.

Wir vergeben ein „gut“, wissen aber auch, dass dieses Café keine langfristige Konkurrenz für Marietta sein wird. Zumindest nicht aus unserer Sicht.

Der Tag verdröselt – wir gehen die drei Schritte zum „La Palma“ Café um für den Abend einen Tisch zu reservieren, es ist Fußball EM und Deutschland spielt gegen die Schweiz. Wir haben uns mit den schweizer Freunden von der AEGEAN BLUE verabredet um das Match zusammen anzusehen.

Da die Gruppe mittlerweile auf 8 Personen aufgebohrt ist, scheint eine Reservierung angebracht.

Dann gehen wir zurück in die Marina, springen noch einmal ins Meer um uns abzufrischen. Recht rasch rückt unsere Verabredung zum Dinner näher, wir treffen uns mit Uli, Angelika und Hans-Peter im „Food House“.

Die beiden Giros-Grillhäuser sind unmittelbare Nachbarn

Ich kann nicht genau erklären warum, aber bei mir hat sich das „SouVLakki“ gegenüber dem „Food House“ durchgesetzt. Zugegeben, die Betreiber sind hier auch ausgesprochen nett, das Essen ist ebenfalls gut.

Dennoch geht der Service in unserem Lieblingsgrill etwas flotter, das Essen ist eine Nuance besser – wir bleiben dem „SouVLakki“ treu. Nichtsdestotrotz essen wir an diesem Abend durchaus gut!

Platz war noch reichlich
Meine Wahl war top – die Salate der anderen etwas mächtig mit Mayonnaise angereichert

Wir waren früh dran mit dem Essen, denn der weitere Verlauf des Abends war gut durchgetaktet – ein rasches Eis im rosafarbenen Eistempel, danach ging es schnurstracks ins „La Palma“, wo unsere 8er-Tafel noch freigehalten wurde. Wir kamen en minute, das Spiel war gerade dabei angestoßen zu werden…

Erste Reihe vor dem großen Bildschirm
Es scheint eine gute Stimmung in Deutschland zu sein
Aha, viele Namen kenne ich nicht mehr

Ich oute mich – ich bin kein Fußballfan! Es interessiert mich gar nicht! ABER – ich kann gut so tun als wäre ich einer, genau das haben wir gegenüber der eidgenössischen Fraktion so umgesetzt. Deutschland vor, noch ein Tor…

Ok, wäre fast schief gegangen. Das Spiel, der Verlauf, das Ergebnis – wie gesagt, ist mir eigentlich egal. Aber als den Schweizern der sicher geglaubte Sieg und damit auch das hämische Grinsen, in der Nachspielzeit „entrissen“ wurde – das war doch ein lustiger Moment 😉

Egal, ein 1:1 hat niemanden geschadet, das Ergebnis war versöhnlich und Grundlage für einen letzten, einen allerletzten Ouzo.

„Das war ein Foul, ganz sicher!“ – es wird gefachsimpelt

Am nächsten Morgen sind wir schon wach, als der Wecker zum Aufstehen mahnt. Wecker??? Ja, denn Sibylle geht jobben.

Waaaas? Warum das? Weil sie Marietta versprochen hat für eine Woche am Empfang im HUB auszuhelfen, da Shira für diese Zeit nach Italien reisen muss. Danach will meine Frau nur noch ein, zweimal die Woche unterstützen.

Wir frühstücken, dann macht Sibylle sich auf, um ihren ersten „Arbeitstag“ nach Rente anzutreten.

Nervös? Ich doch nicht!
Das HUB in Lakki, die Drehscheibe von „The-Leros-Way“

Ich begleite Sibylle, nur für den Fall, dass es irgendwelche Stolperfallen für sie gibt. Außerdem will sie mir das HUB, welches ich bisher nur von einem Kurzbesuch kenne, einmal kurz zeigen…

Motivationssprüche – wie früher 😉
Schöner Arbeitsplatz
Ok, passt alles – ich ziehe mich zurück

Ich brummle zurück in die Marina, ich muss heute unbedingt sehen, dass sich etwas auf ALENA tut! Die Seeventile müssen noch montiert werden und der neue Eigner ist schon im Anflug. Also habe ich meine treue GS schnurstracks zu dem mir zur Übergabe anvertrauten Schiff pilotiert…

Genau rechtzeitig – gerade geht es los

Potztausend! Ich komme just in dem Augenblick an, in dem Petros und Antonis die beauftragte Arbeit beginnen. Werner und ich haben uns entschieden, dass wir diesen Part vergeben, es geht hierbei mehr um gewährleistungsrechtliche Gründe.

Ich stimme mich mit den Monteuren ab, bin zufrieden und gehe zurück auf unser Schiff – dabei werfe ich einen Blick auf die Bucht, gerade kommt die BlueStar Fähre an. Ich mag das…

Der Zubringer holt Menschen ab und bringt neue Besucher auf die Insel

Zurück auf NESSAJA erlebe ich eine Überraschung, eine positive wie es scheint! Ich habe im März diesen Jahres Ersatzteile für meine Heizung bestellt – es war ein holpriger Weg bis hierhin, aber jetzt scheint sich alles zum Guten zu richten.

Ein Signal welches Hoffnung macht

Ich will es vorweg nehmen – es war nur ein Strohfeuer, bis zum Ende des Monats habe ich weder aktualisierte Rechnung noch die Teile. Ich habe jetzt eine Frist gesetzt, wenn es bis Anfang Juli nicht klappt, werde ich von meiner Bestellung zurücktreten und die Teile woanders kaufen. Der zunächst so emsige und bemühte Eberspächer Händler stellt sich als Luftnummer heraus.

Ein Thema welches ich in den Julibericht tragen muss…

Sibylle ruft an – ihr Job sei für heute beendet, sie habe eine „Naturalvergütung“ vereinbart. Ich soll rüberkommen, wir essen bei Marietta zu Mittag.

Lachsbruschetta für meine liebe Frau
Den Bohnensalat teilen wir uns
Ich entscheide mich für Spaghetti

Derart gestärkt beschließen wir, dass das Abendessen heute etwas kleiner ausfallen darf.

Ich bin gedankenverloren, ich habe die Fertigstellung von ALENA im Kopf, ich will, dass alles klappt und ich das Boot nebst Verantwortung pannenfrei übergeben kann. Wir fahren daher am Rückweg abermals bei der schönen, aber aufgebockten Schwedin vorbei – oha, dort hat sich mächtig was getan!

Ventile sind eingebaut
Auch von außen alles ok

Petros, der Mechaniker, informiert mich noch, dass er die Schläuche morgen anbringen würde, die Dichtmasse müsse noch etwas ausvulkanisieren. Ok, das verstehe ich – dennoch bitte um eine rasche Bearbeitung am Folgetag, der Eigner würde mittags da sein.

Der schlaksige Monteur schmunzelt, nickt und sichert mir die rechtzeitige Fertigstellung zu. Ich bin zufrieden, wenn auch mal wieder alles sehr knapp und mit heißer Nadel gestrickt ist.

Zurück auf NESSAJA ist mir fad…

Und was mach´ ich jetzt???

Sibylle liebt es wenn mir fad ist, es ist ein sicheres Mittel sie in den „Peitschenmodus“ zu versetzen. Allerdings nicht in den, welcher sich in einer schlüpfrigen Gedankenwelt aufdrängt, eher in den, in dem sie mir mit peitschender Stimme Arbeitsanordnungen erteilt.

Ich höre sie zischeln – „…mach endlich die Dinge die Du seit Tagen vor Dir herschiebst!“

Ok, da war noch was. Dinge die mir unangenehm erscheinen. Das jetzt bitte nicht bewerten, aber es gibt so Sachen, die passen irgendwie nicht „in den Kram“.

Martin hat mir neben der Bitte um die Bilder, noch eine Art „Checkliste“ geschickt. Dinge, die er vielleicht vergessen hat oder solche, bei denen er mal um einen Kontrollblick bittet. Doof ist nicht die Liste an sich, es ist mehr die Tatsache, dass Arbeiten auf Deck oder im geschlossenen Schiff bei 35°C eher minder angenehm sind.

Trotzdem rapple ich mich auf und folge dem Befehl meiner Frau, die mich begleitet. Will sie helfen oder mich antreiben, frage ich mich leise…

Punkt 1 auf der Liste – immer mal die Klospülung betätigen. Ok, das ist einfach – dachte ich…

Not nice…

Etwas Spülwasser war zurückgesickert und faulte in der Keramik vor sich hin – ja toll! Zum Glück hat die Spülung das meiste beseitigt, den Rest habe ich mit der Lokusbürste abgeschrubbt. Ich kann dem Eigner Vollzug melden.

So geht´s wieder

Punkt zwei – Batterien checken. Hier zumindest zeigt sich, dass STENELLA neu und durchdacht ist. Die Solarmodule laden die Batteriebank, der Akkustand ist im grünen Bereich.

13,63V – alles ok

Wir machen STENELLA fertig, klarieren das Deck und melden Martin, dass auf seinem Kutter alles ok ist. Er kann beruhigt schlafen und auch die Marina mit den restlichen Aufgaben betrauen.

Mein Telefon klingelt – ich erhalte WhatsApp Nachrichten von meinem Freund Giorgos. Er hatte zwischenzeitlich den Zylinderkopf des großen ONAN Cummins Generators der EDINA zerlegt und aufgrund des schlechten Zustandes entschieden, dass er den Motorblock auch noch ausbauen und überholen möchte.

OK, da ist schon echt viel Schlodder drin

Er hatte sich mit dem Eigner abgestimmt und kurzen Prozess gemacht. Zusammen mit seinem Onkel ist er mit dem Kranwagen angerückt und hat das Trum aus den Tiefen der CNB 60 geholt.

Natürlich hat der Virtuose an den Schraubenschlüsseln das Aggregat sofort zerlegt – es zeigte sich, die Entscheidung war gut!

Rost und Salzwassermelasse überall
Einen Teil der Bauteile kann man weiterverwenden

Giorgos hat die Ausfallursache gefunden, einen Kostenvoranschlag erstellt und, nach Zusage, die Teile bestellt.

Ok, die Gesamtreparatur wird nun etwas teurer, trotzdem kommt der Eigner mit etwa 20% der zunächst veranschlagten Summe für einen Komplettersatz aus – und bekommt einen komplett überholten Motor.

Anfang Juli soll der Einbau erfolgen – ich bin gespannt ob er das schafft. Wäre eine sensationelle Umsetzung. Ich werde berichten!

An diesem Abend waren wir von der Crew der ALLEGRA zum Dinner ins „To Steki“ nach Alinda geladen – es war ein sehr netter und schöner Abend!

Nächtlicher Blick über die Bucht von Alinda – man sieht Agia Marina und das Kastell

Am nächsten Morgen stehe ich um kurz nach 08.00Uhr auf der Matte – wie geht es ALENA? Was macht der Reparaturfortschritt? Ist sie fertig?

Hm, sehen kann ich nix…

Da steht sie und wartet auf ihren neuen Eigner

Ich klettere die Leiter hoch und werfe einen Blick in den Motorraum – ha, alles bestens! Petros war schon hier, offensichtlich wirklich ganz früh am Morgen und hat die Schläuche angebracht, sowie einen verdrückten Belüftungsschlauch abgeschnitten und in Position gebracht!

An die Arbeitsliste von ALENA kommt ein Haken!

Die Schläuche sind angebracht und fixiert
Auch der Belüftungsschlauch sieht wieder gut aus und hängt ordentlich in Position

Ich bin zufrieden! Es sieht alles gut aus, die Hallberg Rassy ist fertig zur Übergabe. Der neue Eigner, Karl, kann kommen!

Und das tut er auch – pünktlich wie die Maurer! Es hat sich aufgedrängt, sich erstmal bei einer Kaltschale zu begrüßen und das Ankommen zu feiern…

Zum Wohl, schön, dass Du da bist

Wir gönnen uns ein Nachmittagsbierchen im „Skipper´s“ und klönen ein Weilchen. Dann hält Karl es nicht mehr aus – wir gehen zu ALENA und er nimmt SEIN Schiff in Besitz!

Der Rest des Tages verlief unspektakulär. Wir haben viel besprochen, es galt, die von mir durchgeführten Arbeiten abzunehmen und einige Fragen zu beantworten. Natürlich konnte ich ein paar Dinge erklären. Karl hingegen hat sofort begonnen, eine Liste für den Baumarkt zu schreiben – ein langer Wasserschlauch, ein langes Landstromkabel und vieles mehr…

Den Rest des Tages verbrachten wir im Marinabüro. Ich habe alle offenen Posten für Werner bezahlt, Karl seinerseits die bereits in seiner Verantwortung gegebenen Aufträge – so konnten wir nach ein paar Stunden die Übergabe finalisieren.

Die Accounts des alten und des neuen Eigners waren getrennt, der alte Account von Werner wurde geschlossen, ich habe meinen Schlüsselsatz und die administrative Verantwortung übergeben.

Ich schließe den ersten Teil des Kapitels ALENA – es hat mir viel Spaß gemacht und mir viele denkwürdige Momente beschert. Werner ist mein Freund geworden, ich werde den Seebären hier vermissen!

Wir beschließen den Tag zusammen mit Karl und Hans-Peter im „SouVLakki“, natürlich gefolgt von einem Eis der Extraklasse – dann war es Zeit für die Nachtruhe – wir waren erschöpft!

Heute hat alles geklappt – aber es war ein fordernder Tag

Auch der Folgetag stand im Zeichen von Karls „to do Liste“ an ALENA. Er hatte sich die Reinigung des Decks vorgenommen, ein kleiner Schaden sollte durch die Marina ausgebessert werden. Zudem wollte er den Propeller polieren.

Viel zu tun – packen wir es an!

Aber halt! Zunächst galt es ja noch die Bootssteuer für ALENA zu bezahlen. Die Entrichtung des eTepai ist eine typisch griechische Bürokratiehürde – man kann es online erledigen, es ist aber, vor allem beim ersten Mal, ein wenig kompliziert.

Deshalb treffen sich Karl und ich zur gemeinsamen Datenerfassung im „Skipper´s“, bei einem Freddo Cappuccino geht das einfach besser.

Nach eineinhalb Stunden war der Bürokratiekram erledigt

Danach sind wir zusammen auf die Post nach Agia Marina gefahren um die Steuer gleich zu bezahlen – somit war es statthaft ALENA zu Wasser zu bringen und sie in griechischen Gewässern zu nutzen.

Danach war Shopping angesagt – zum Elektriker und 25m Kabel nebst Steckern gekauft…

Sibylle wartet derweil vor der Türe

…dann sofort zu Andreas Kritikos in den Baumarkt, unseren OBI, um dort den Wasserschlauch und diverse Schwämmchen und Mittelchen zu besorgen.

So gewappnet ging Karl ans Werk. Wir ließen den Mann schaffen und zogen uns zurück. Der Nachmittag war frei, wir gingen baden!

Ein zweites Mal tappen Sibylle und ich in die Touristenfalle – IS THERE ANYBODY OUT THERE? Yes, leider – und die Tavernen und Bars haben dummerweise auch den Servicegrad etwas angepasst – nach unten!

Zum zweiten Mal bekomme ich lackes Bier und die Chipsbegleitung fehlt – ich werde vor September nicht mehr dorthin gehen. Bestimmt! Glaube ich…

Nicht noch einmal

Am Abend verabreden wir uns wieder mit Neueigner Karl zum Dinner. Er möchte Fisch, das leuchtet ein. Wir empfehlen das „Pirofani“ in Panteli und freuen uns ebenfalls auf die leckeren Meze und ein paar Fischhäppchen.

Super Platz – herrlicher Hauswein

Der Wirt kennt mich, wir mögen uns. Trotzdem haben wir diesmal Pech. Nicht mit dem Essen, das war ausnahmslos gut, aber der Service hing diesmal hinter den Erwartungen zurück.

Zunächst kamen die Meze sehr schnell, ok, das kann man akzeptieren…

Zucchinichips

…dann aber kam die Hauptspeise von Karl mit den Vorspeisen. Das war ärgerlich, wir haben es aber damit abgetan, dass er eine Vorspeise als Hauptspeise bestellt hatte – das kann vom Service in die Küche schonmal verloren gehen.

Als dann aber meine Spaghetti auch aufgetragen wurden, als der Tisch noch voller Meze war, hat es mich doch geärgert.

Ihr habt ja gelesen, dass uns das auch in Chania passiert ist – vom „Pirofani“ habe ich das nicht erwartet.

Auch wenn das Essen super geschmeckt hat – es war irgendwie unschön…

Geschmacklich super – aber viel zu früh

Als wäre das nicht genug, hat man dann eine der Vorspeisen vergessen – naja, wenn ja auch die Hauptgerichte schon hier sind – und auch der zweite Wein hat es nicht zu uns an den Tisch geschafft.

Das Ärgerlichste aber war, dass Sibylles Essen, im Gegensatz zu allem anderen, sehr viel länger gebraucht hat. Die Arme musste ganz alleine essen, der Tisch war zwischenzeitlich abgeräumt.

Wir waren längst fertig als Sibylle ihr Essen bekam

Das war nix! Ich meine aber, dass der Wirt selber gemerkt hat, dass irgedwas schief lief. Sei es drum – das „Pirofani“ hat diesbezüglich Kredit, weil wir dort so oft lecker gegessen haben.

Es wird eine weitere Chance bekommen.

Wir verlassen das Fischlokal und gehen nach Hause

Für den nächsten Morgen hatten wir einen ausgeklügelten Plan – wir wollten am Sibylles letztem Arbeitstag, dem Freitag, die Annehmlichkeiten des HUB nutzen und dort gemeinsam unsere Steuererklärung machen.

Ich packe also ebenfalls meinen Rechner und alle notwendigen Unterlagen ein und verhole mich mit Sibylle an einen Schreibtisch in Mariettas Büro.

NATÜRLICH nutzt die clevere Griechin die Situation

Marietta kommt dazu, erfasst die Situation und nutzt diese sofort für einen Werbepost für ihre Remote-Arbeitsplätze, sehr geschickt!

Wir klopfen, ungeachtet dessen, weiter unsere Zahlen des Vorjahres in das Computerprogramm – nach drei Stunden war es geschafft! Wir senden die Daten online ab, eine Last fällt von unseren Schultern!

Abermals dürfen in Mariettas Bistro zum Mittagessen kommen. Auf diese Art sparen wir uns Einkäufe, ein indirektes Einkommen also – das ist für uns eine sehr adäquate Art der Entlohnung.

Ich bestelle ein Cola zum Essen und staune nicht schlecht als ich das Glas anhebe, um mich an der eiskalten Brause zu laben.

Das Glas geht nach oben, der Boden bleibt stehen – zum Glück war der Humpen noch nicht befüllt
Heute was Leichtes – Salat für mich, Gemüse für Sibylle
Schmeckt uns gut

Am Mittag habe ich einen wichtigen Termin, Vertragsgespräche mit der Marinaleitung. Um 14.00 Uhr hatte ich zu entscheiden, wie mein Vertrag für die Saison 2024/2025 ausgestaltet sein soll und welche Modalitäten zugrunde liegen.

Es war höchste Zeit, denn mein Vertrag ist bereits Ende Mai ausgelaufen. Ich war fast etwas aufgeregt, denn ich wusste nicht ob und inwieweit sich meine Beschäftigung für die Marina auswirken würde.

Nur soviel – es ist alles gut und doch ganz anders als erwartet. Ich habe das Gefühl, dass dieser Tag ein Puzzlestein für weiterführende Entscheidungen war. Wirklich happy war ich nicht, Möglichkeiten für klare Statements wurden vertan.

Am Abend treffen wir uns mit der Crew der CHILI zum vegetarisch, veganen Dinner im „Stis Anna“. Die Beiden sind von ihrer Segelreise mit Familie zurück gekommen, wir haben einander viel zu erzählen.

Sibylle borgt Ralf den Roller um damit nach Crithoni zu fahren, wir fahren mit der GS wie eine Entenmama voran.

Bei Anna sitzen wir direkt am Beach

Ina und Ralf waren angetan, dass es ein vegetarisches Lokal auf Leros gibt. Für mich war es mehr als ok, denn es gibt auch Gerichte mit Fisch, außerdem mag ich so Sachen wie Falafel oder Hummus auch.

Zudem hatten Sibylle und ich ja mittags eine Kleinigkeit gegessen, alles ok also. Und wirklich, wir haben sehr gut gegessen und hatten viel Spaß.

Mein Tellerchen aus verschiedenen Vorspeisen
Hinterher noch ein Risotto – ganz anders als erwartet

Weil es gar so schön war, haben wir beim abschließenden Eis festgelegt, dass wir diesen Abend wiederholen müssen – am besten gleich morgen!

So kam es, dass ich einen Tisch im „Pirofani“ reservierte, auch um zu erfühlen, ob die Pannen beim letzten Besuch einmalige Ausrutscher waren. Danach wollten wir in „Harris“ Bar in der ersten Mühle einen Absacker trinken.

Perfekt – wir freuen uns auf morgen und gehen zufrieden ins Bett!

Der neue Tag begann spannend, ALENA hat Krantermin, wir treffen uns um 09.00 Uhr an der Hallberg Rassy. Zu unserer Überraschung war Giannis sehr pünktlich. Der Wagen kam und lud die schöne Schwedin kurzerhand auf…

29.06. – ALENA geht wieder zu Wasser

Als ALENA auf dem Weg zum Kran ist, kommt uns ein händchenhaltendes Paar entgegen – schon von Weitem kann ich Gerald an seinem RingelT-Shirt erkennen.

Wir, die Eigner von NESSAJA, stellen die Ex-Käufer von ALENA, welches gleichzeitig die Ex-Käufer von NESSAJA sind, dem jetzigen Besitzer von ALENA vor – alles klar? Nein? Macht nix – wir müssen ohnehin dem Kran folgen…

Der Wagen bringt sie zum Kran
Mit diesem wird sie später in ihr Element zurück gehoben
Klar, dass Karl als Neueigner das alles filmt
3-2-1 – dann schwimmt sie wieder, wir dürfen zusteigen
Sind die neuen Ventile dicht? Motorventil offen? Wir bereiten alles vor – Hans-Peter hilft ebenfalls
Motor starten – alles klar? Ok! Dann wird sie vollends abgesenkt
Wir werfen die Leinen los…
…und Karl fährt die ersten Meter mit SEINEM Boot

Diese ersten Meter von der Krangasse bis zum Liegeplatz hatten es in sich. Wir hatten strammen Nordwestwind mit ca. 30kn. Zudem fährt die Rassy wirklich schlecht rückwärts und es waren die ersten Meter des Neueigners mit dem ihm nicht vertrauten Schiff.

Nachdem wir den künftigen Liegeplatz kannten, haben wir die Nachbarn informiert und vorgewarnt. Zudem wusste der Marinero Bescheid.

Umso verwunderlicher war es, als ein eigentlich zur Steg-Community gehörender Bootseigner, beim Anlagemanöver des Novizen vollends die Beherrschung verlor.

Der Gigant, ein Mann mit meiner Statur aber 20cm größer, wurde laut im Ton – nicht nur, als ALENA seinem Schiff wirklich nahe kam, das hätte ich verstanden, sondern auch, als die Gefahr gebannt war und er lauthals „gute Ratschläge“ nachschob.

Na prächtig – auf gute Nachbarschaft…

Wie auch immer, nach einer Minute der Aufregung und einem im Kern guten, aber ausbaufähigen Manöver, lag ALENA an ihrem Platz. Wir vertäuten sie sicher.

Alle Leinen über und belegen…

Ich half Karl noch kurz, den neu reparierten Kühlschrank in Betrieb zu nehmen, da man diese wassergekühlte Variante entlüften muss. Dann trennten sich unsere Wege.

Karl hatte es sich in den Kopf gesetzt, seine Rosi in Kos abzuholen. Also ging er auf die Fähre, um sie dort zu treffen und um morgen gemeinsam mit ihr zurück zu kommen.

Das war perfekt für uns, bescherte es uns doch einen freien Nachmittag – den wollten wir nutzen, um Susanne in ihrem Haus zu treffen. Sie war inzwischen mit Tochter und Enkelchen für den Sommerurlaub hier eingetroffen.

Mit Susannes Haus in Xirokampos verbinden wir UNSERE Geschichte auf Leros – hier hat alles begonnen

Wir hatten einen herrlichen Nachmittag – vertraut wie immer, entspannt und doch informativ und ergiebig. Als Sophie beiläufig erwähnt, dass „…sie das Gefühl hat, mich ihr halbes Leben zu kennen…“, weiß ich, dass dies rechnerisch nicht ganz stimmt. Aber der Satz erreicht mich an diesem Tag – die Woche im Mai 2011 sollte mein Leben in eine neue Richtung lenken. Nie hätte ich gedacht, dass diese kleine Ägäisinsel einmal mein Zuhause sein würde!

Spätnachmittags gehen wir zurück auf NESSAJA, packen unsere Badesachen und ziehen sofort weiter nach Panteli. Wir machen dies – man höre und staune – ohne zu duschen, uns einzuparfümieren, oder uns umzuziehen und aufzuhübschen.

Kurz – Sibylle springt über ihren Schatten.

Denn – wir sind zum Baden mit Ralf und Ina verabredet. Ein- oder zweimal ins kühle Nass gesprungen, einfach lufttrockenen lassen und dann mit zerzaustem Haar und feuchtem T-Shirt ins benachbarte Lokal gegangen.

DAS ist Leben wie ich es mag!!!

Abermals „Pirofani“ – diesmal mit Ralf und Ina, der Crew der CHILI

Ich mache es kurz – die „Pirofani“ Crew nutzt ihre Chance und macht alles 105% perfekt. Wir hatten einen herrlichen Abend in perfektem Ambiente und mit vorzüglichem Essen.

Geräucherte Auberginen mit Paprika und einer weißen Taramas-Creme
Pilze in Weißwein Sugo mit gegrilltem Manouri
Tuna Tartar

Dies und noch einige andere Gerichte gab es an diesem Abend – wir waren superhappy. Dies war nur der Einstieg, so sollte es weitergehen…

Wir waren eingetaktet – warum, kläre ich sofort auf. Als nächstes fuhren wir von Panteli aus nach oben zu den Windmühlen. Der Meltemi pfiff über uns hinweg, aber im „Harris“ saßen wir im Windschatten. Alles passte – die Sonne und der Dunst am Himmel ließen eine ganz besondere Atmosphäre entstehen.

Nicht bearbeitet – die Mühlen von Leros im Sunset
Der Blick Richtung Türkei zeigt die Schaumkronen am Meer und lässt die Wucht des Meltemi erahnen
Wir haben einen Tisch in erster Reihe und genießen den Ausblick…
…und die sensationell guten Cocktails
Station zwei von drei – check

Gegen 21.45 Uhr mussten wir weiter! Es war schon dunkel geworden und wir bezahlten. Die CHILI Crew hat wieder Sibylles „Breezy“ als Vehikel, auch er hat die Steigung zu den Mühlen gut gemeistert, so werfen wir noch einen letzten Blick auf die nächtliche Bucht von Panteli, bevor wir die Serpentine nach unten fahren und den Rückweg nach Lakki antreten.

Blick von oben bei Nacht

Wir hatten, das habe ich noch nicht erwähnt, eine weitere Station an diesem Abend! Es war das Achelfinale der Fußball EM und Deutschland hatte gegen Dänemark anzutreten.

Ed von der EDINA hatte angeregt, doch wieder einen Tisch zu belegen und das gesellige Beisammensein vom letzten Mal zu wiederholen. Da sagen wir nicht Nein und kommen zusammen mit Ralf und Ina ins „La Palma“ Café, um die deutsche Mannschaft zu unterstützen.

Wir bestellen Ouzo und ein Bierchen, dazu gibt es Meze
Das Spiel beginnt

Es war kein tolles Spiel, begleitet von einer Menge Entscheidungen „am grünen Tisch“ – aber zu guter Letzt, glaube ich, hat Deutschland verdient gewonnen.

Kurz vor Abpfiff schickt mir Christa aus der Schweiz ein Bild von ihrem „Gelage“ am Nachmittag – auch die Schweizer haben sich zusammengefunden um ihr Team zu supporten. HOP SCHWYZ – hat geholfen! Die Eidgenossen warfen Italien aus dem Turnier!

Wie schade 😉 – arrivederci Italia…

Gratulation an die Schweizer!!!

Das Deutschlandspiel wurde Ende der ersten Halbzeit wegen eines Gewitters länger unterbrochen. Dies führte dazu, dass sich der Abend länger hinzog als geplant. Wir waren erst gegen 0.45 Uhr im Bett und haben daher auch relativ lange ausgeschlafen.

Macht aber nichts, denn heute ist Sonntag! Zudem ist der letzte Tag des Monats. Seit einer Woche schon werden die Tage wieder kürzer, hier ist Hochsommer. Das merke ich sehr ausgeprägt, denn ich bin mit dem Haareschneiden in Verzug, die Matte muss weg!

Wir frühstücken, dann ruft Sibylle zum Rapport. Ich packe das Handwerkszeug zusammen, dann verziehen wir uns an die Kaimauer um mir einen luftigen Sommerschnitt zu verpassen.

Setz´ Dich hin, dann geht´s los…
…ich will nicht! Nein!!! Aaahhhhrgh…

Der brummelnde Rasierer flitzt mir, geführt durch die flinke Hand meiner Gattin, über die sonnengegerbte Kopfhaut – weg mit der Wolle.

Und schon kurze Zeit später ist das Werk vollbracht. Ich springe ins Meer um mich von den juckenden Borsten zu befreien, dann dusche ich mit Süßwasser und gönne mir selbst noch eine Rasur.

Feddich – ich kann mich wieder sehen lassen, die Hitze des Sommers ficht mich nicht länger an!

Yesss – so ist´s wieder vier Wochen gut

Ich nutze den freien Sonntagvormittag um ein paar Blogzeilen zu tippen. Ich will baldmöglichst veröffentlichen, denn ich befürchte, dass ELOWYN und Hans-Peters LIBERTÉ mich während des Juli ganz schön in Beschlag nehmen werden.

Um kurz vor 14.00 Uhr mahnt Sibylle zur Unterbrechung des Schreibflusses, wir seien schließlich auf die EDINA geladen – Ed kredenzt selbstgemachtes Ceviche – dazu lassen wir uns nicht zweimal bitten…

Auf EDINA ist der Tisch schon gedeckt
Selber gemachte, superfrische und exorbitant leckere Ceviche – ein Gaumenschmaus

Ich mampfe, als gäbe es kein Morgen mehr – das Zeug ist superlecker! Das hat Ed echt super hinbekommen. Wir haben einen lustigen Nachmittag, der Tausendsassa erzählt abermals unglaubliche Geschichten und wir lauschen gebannt.

Die Tatsache, dass eine der Geschichten das Ceviche Rezept ist und Sibylle sich hinreißen lässt, in den Raum zu stellen, dies bald nachkochen zu wollen, lässt mein Herz höher schlagen.

NESSAJA wird in Zukunft das „Ceviche Schlaraffenland“ von Leros werden…

Auch Sibylle schmeckt es, sie fasst nach!

Wir schlemmen

Nach dem Essen gönnen wir uns ein Nachmittagsbierchen – ein Fehler wie sich herausstellt! Wir sacken in uns zusammen und eine unbesiegbare Müdigkeit überfällt uns.

Unserem Gastgeber fallen fast die Augen zu, wir verabschieden uns und überlassen den Mann seinem Schicksal – einem tiefen Mittagsschlaf!

Ich möchte die vereinnehmende und lähmende Müdigkeit loswerden – ich weiß auch schon wie…

Splish-Splash
Arschbombeeee

Auch Sibylle springt noch einmal zum Abfrischen ins kühle Nass – das Meer war nach dem Starkwind der letzten Tage deutlich kühler, richtig erfrischend geworden.

Wir schwimmen ein paar Züge

Dann rast die Zeit – wie eigentlich immer! Wir machen uns fertig, denn heute steht ein weiteres Abendessen mit Karl auf dem Programm. Diesmal sind wir komplett, denn auch Rosi ist inzwischen aus Kos angekommen und freut sich, dass sie bereits auf ALENA einchecken konnte.

Die Beiden waren den ganzen Nachmittag mit Saubermachen und Einräumen beschäftigt – klar, dass das erste Dinner ein besonderes sein sollte. Fisch sollte auf der Speisekarte stehen, wir gehen abermals, ein drittes Mal hintereinander, ins „Pirofani“…

Treffpunkt 20.00 Uhr im Lokal – um 19.57 Uhr klingelt mein Telefon – BIMM – Karl fragt wo wir uns eigentlich treffen.Ich antworte – „…im Lokal, wir sind schon da!“

Sibylle und ich kommen NIE zu spät

Um die Wartezeit zu vertreiben, bestellen wir uns schonmal einen Ouzo, das kann nie schaden.

Und weil es dem leckeren Anisgetränk nicht an einer Unterlage fehlen soll, genehmigen wir uns vorab einen Taramosalata als Überbrückungsgedeck – eine Schlotzerei mit leckerem Brot.

Ein Ouzo verkürzt die Wartezeit
Wir laben uns am weißen Taramosalata

Zu dem Fischrogenaufstrich gibt es eine Anekdote – ich habe mich in Deutschland an dem meist rosafarbenen Brei mal so überfressen, dass ich jahrelang keinen Taramosalata mehr ansehen konnte. Nur der Gedanke daran löste Brechreiz aus.

Es muss klar gesagt werden – die rosafarbene Industrieschmiere mit Fischaroma hat nichts, überhaupt nichts, mit einem echten Taramosalata zu tun. Besonders der weiße ist ein Gedicht mit einer völlig feineren und abweichenden Geschmacksnote – viel besser! I love it!

Karl und Rosi trudeln ein – wir bestellen und essen hervorragend. Auch der Service ist perfekt! Ein perfekter Abend also?

Nun, nicht ganz! Der schreiende und wichtigtuende Türke am Nachbartisch hatte sich zwar irgendwann beruhigt, vermutlich als seine weibliche Begleitung ihm körperliche Zuwendung auch ohne auffälliges Balzverhalten versprochen hatte – an der Flanke war alsbald Ruhe.

Auf der anderen Seite, leider in Luv, also in Windrichtung, hat sich ein Damentisch eingerichtet. Der Typ Frau, an denen nichts echt ist außer den Klunkern an Hals und Ohr. Zu dicke Lippen, zu pralle Boobies, zu lange Fingernägel…

Eine von ihnen packt eine lange und fette Zigarre aus und zündet diese ZUM ESSEN an. Sie pafft während sie futtert! Es hebt mich fast – alleine die Vorstellung, pfui Spinne!

Leider zieht der ganze Schmauch exakt zu mir und vergällt mir die Freude an meinen leckeren „Thalasso Linguine“, naja, manchmal hast Du eben kein Glück und oft kommt auch noch Pech dazu…

Die Lady mit der dicken Havanna zwischen den Schlauchbootlippen…
…verleiht meinen Linguine eine „Smoked Wood“ Note – nur Fußpilz ist schlimmer

Der Abend bekommt ein würdiges Ende, eines das zu ihm passt – ein lustig-kurioses gar.

Karl spricht, wie angekündigt, eine Einladung aus – sie soll im Namen seiner Frau und ihm für die Hilfe und Unterstützung beim Kauf von ALENA sein. Er wusste zu diesem Zeitpunkt aber schon, dass auch Werner mich gebeten hat, eine Einladung in seinem Namen auszusprechen – ich sollte später dran sein.

Der Erzschwabe Karl klappt die Rechnung auf und denkt kurz nach. Er erklärt den heutigen Tag kurzerhand zum Übergabetag und meint, „…dass Werner sich doch sicher freuen würde, die Einladung am Übergabetag zu übernehmen.“

Ich war kurz überrascht, fast perplex, aber ich kann Wortwechsel diesbezüglich nicht leiden – also nehme ich mein Telefon und bezahle die Rechnung. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt 😉

Klar, 180.- mit Trinkgeld ist nicht McDonalds

Ich sehe es so, ALENA ist mit dem heutigen Tag final übergeben, ich schließe das Kapitel somit komplett ab. So schreibe ich es auch Werner in einer Mail. ALENA ist ein Part unserer Geschichte – ein würdiges Ende für einen Sommermonat.

Wie geht es weiter? Hier ein kurzer Ausblick…

Ich widme mich zunächst LIBERTÉ bis diese am 03.07. gekrant wird, dann werde ich abwechselnd an LIBERTÉ und ELOWYN arbeiten müssen – es gibt für beide Schiffe eine Projektliste.

Wir werden mit Gerald und Ulrike zum Essen gehen, mal sehen, was es da Neues gibt. Auch spannend dürfte sein, ob Giorgos seine eigene Zeitvorgabe einhalten kann und den Generator bis zum 03.07. einbaut.

An NESSAJA gibt es Kleinprojekte, werde ich Zeit finden?

Ganz wichtig – Sibylle hält es nicht aus ohne die Enkel. Sie wird Mitte des Monats nach Deutschland fliegen. Ich nehme zur Kenntnis, dass die Abstände kürzer werden – was sie natürlich leugnet 😉

Last not least – der Marinachef ist zurück am field, wir haben ihn heute mit seiner Familie im „Pirofani“ getroffen. Wir werden sprechen müssen und einen Zukunftsplan schmieden müssen…

All das und noch viel mehr dann im Blogbericht für den Juli 2024!

Vielen Dank für eure Geduld, eure Zeit und das überwältigend gute Feedback, welches ich von Zeit zu Zeit erhalte!

Gruß aus Hellas, Mario & Sibylle

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