Viel Freude beim Lesen unseres Maiberichtes, welcher zum Glück nicht kürzer ist als gewohnt, dafür aber mit deutlicher Verspätung erscheint! 😉 Hierfür entschuldige ich mich in aller Form, kann dies aber begründen – doch lest selbst…
Mit dem Mai des laufenden Jahres liegt ein ganz besonderer Monat achteraus – nicht nur, dass wir Beide unsere Geburtstage im Wonnemonat feiern, viel wichtiger scheint doch, dass NESSAJA fertig (ich verwende das Wort mit Vorsicht) ist und wir diesen Monat zum ersten Mal seit über einem Jahr wieder ablegen werden.

In diesem Zusammenhang muss ich wohl erklären, warum der „Creedence Clearwater Revival“ Song aus dem Jahr 1969 zur Headline wurde…
Musikfans unter euch wissen es längst – ich möchte damit eine der Sängerinnen würdigen, die meine Jugend geprägt haben – Tina Turner verstarb am 24. Mai – diese Nachricht hat mich traurig gemacht – zum einen, weil ich sehr viele Erinnerungen mit ihren Songs und den besuchten Konzerten verbinde (selbst mit meiner Mutter war ich dort), zum anderen aber auch, weil Todesnachrichten der Stars aus der Jugendzeit aufzeigen, wie schnell die Zeit doch rast.
Hier kommen wir zu „Proud Mary“!
Ich liebe die alten Songs von Tina, in dem Titelsong geht es um einen alten Schaufelraddampfer auf dem Mississippi – das Schaufelrad dreht sich weiter und weiter. So geht es NESSAJA nun auch wieder – wir reisen wieder mit ihr – rollin´, rollin´, rollin´!
Es geht aber wie immer um mehr – der Songtexter, John Fogerty von CCR, hat 2018 erklärt, dass „Proud Mary“ wie folgt zu interpretieren ist…

Ein Motto, dem wir nun schon fast zweieinhalb Jahre folgen – jetzt auch wieder unter weißen Segeln!
Natürlich war bis dahin einiges passiert – hier der Reihe nach…
Es ist der 01. Mai – ich freue mich! Heute kommen Gottfried und Gabi an. Wir kennen die Beiden schon einige Jahre und haben sie als Freunde schätzen gelernt. Dazu half sicher auch, dass wir uns schon vor unserem „Leben 2.0“ auch außerhalb der Segelsaison treffen konnten – wir haben früher nicht weit auseinander gewohnt.
Der Flieger landete pünktlich und kurz vor Mittag trafen die Freunde ein.

Weil die ersten Tage ja immer mit Bootsarbeiten angereichert sind, zudem das Leben „on the hard“ – also so lange das Boot noch am Land steht – ohnehin etwas beschwerlicher ist, haben wir uns erlaubt, die Beiden zum Abendessen an Bord von NESSAJA einzuladen.

Sibylle hat alles vorbereitet, der Tisch war gedeckt, der Salat vorbereitet, es sollte Pizza vom „La Nostra“ geben. Die Gäste können kommen – und das taten sie auch, pünktlich wie immer.

Der Tag klang gemütlich aus, wir hatten viel zu erzählen und bequatschen. Irgendwann ging unser Besuch dann todmüde und erschöpft von der Anreise nach Hause – schön, dass ihr wieder da seid!
Der neue Tag sollte gemütlich angegangen werden. Die Temperaturen stiegen langsam, es war Zeit die „Badesaison“ zu eröffnen. Am Panteli Beach waren die Liegen bereits wieder aufgestellt, also nix wie hin…



So darf es weitergehen! Leider war das nicht der Fall – wie überall in Europa beginnt auch der Frühsommer in Griechenland schleppend. Es gab etliche bewölkte Tage und auch ein paar Regenschauer. Fast wäre Max Werner´s „Rain in May“ der Titelsong geworden…
Natürlich wissen wir, dass wir das Wettergeschehen auf einem recht hohen Niveau beklagen, daher zurück zur Tagesordnung – ab nach Hause!

Am Spätnachmittag waren wir zum Apero (nicht Aperol – eher sowas wie Aperitiv…) auf die LE CLAPOTIS von Cees und Marijke geladen. Zu dieser Zeit war es guter Brauch, von Zeit zu Zeit reihum einzuladen um ein nettes Miteinander zu pflegen. Das hat uns allen gut getan, es war eine illustere Truppe.

Leider mussten wir aus der Runde viel zu früh aussteigen. Gerade als die Laune, gepusht durch Wein und Ouzo, Fahrt aufnahm, waren Sibylle und ich zur Verabschiedung gezwungen. Wir hatten eine Verabredung zum Dinner mit der Crew der SUNNY SIDE UP. Es sollte ins „Gia Sena“ gehen, der Taverne mit wenig Charme, aber sehr gutem Essen.

Es ist ja nicht unser erster Besuch in diesem Lokal, ich wusste daher, dass wohl wieder die kleine Katze zum Betteln kommen würde. Ich bin ja, offen gesagt, mehr dog-related als ich Katzenliebhaber wäre – aber dieser kleine Frechdachs könnte es schaffen sich in die Reihe der von mir verehrten Samtpfoten einzureihen, als da wären – Garfield, Silvester und die Aristocats…

Trotzdem war ich froh, dass der Stubentiger diesmal Roland als Opfer gewählt hatte, das schonte die Epidermis meiner Oberschenkel.
Am nächsten Tag stand eine Ausflugsfahrt mit dem Motorrad an, es waren ein paar Reservierungen zu tätigen. Wir wollten die jeweiligen Ziele abklappern und persönlich vorstellig werden.
Der erste Weg führte zur Taverne „Mylos“, treue Blogleser erinnern sich, die wohl beste Adresse auf Leros. Ich hatte zwei Termine zu fixieren – einmal ein Dinner zu unserem Hochzeitstag, zum anderen einen Wuschtermin von Volker, auch er möchte seinen Hochzeitstag dort feiern, wenn die ELOWYN im Juni nach Leros zurück kehrt.


Inspiriert von „der Mühle“ und dem Zinnober um die zu feiernden Hochzeitstage, dachte ich mir, auch einen Tisch zum Sundowner für eben diese beiden Tage zu blocken – zuerst im „Harris“ in der alten Mühle den Aperitiv, dann ins „Mylos“ zum Dinner – das wäre doch was!


Eine Nachfrage bei Haris Karpathakis ergab, dass er mit Verspätung öffnen würde – das unbeständige Wetter macht auch ihm einen Strich durch die Rechnung. Pech für Sibylle und mich, bei Tina und Volker könnte es noch hinhauen. Reservieren konnte ich leider noch nicht…
Gut geklappt hat aber die Umbuchung unserer Freundin Gitti, die uns bald besuchen kommen wird. Sie hatte im Internet ein „Schnäppchen“ gebucht, welches unserer Vor-Ort Prüfung nicht stand hielt. Unser Rat war das „Panteli Beach Hotel“ direkt am Lieblingsstrand.

Ich kenne die Tochter der Betreiberfamilie schon seit etlichen Jahren aus dem „Sorocos“ und wollte die Buchung der Freundin mit uns verlinken. Das hat geklappt, das Zimmer wurde reserviert und alles gleich fixiert!
Wir kehren zurück in die Marina und überlegen, wie wir den angebrochenen Tag sinnvoll ausgestalten können – solche Überlegungen gehen, sofern Sibylle hier Freiräume hat, meist zu meinen Lasten! Heute wurden beschlossen – Mario braucht einen Haarschnitt!

Die frisch aufgeladene Maschine wurde angesetzt und einmal im Kreis gefahren. Ein bisschen Korrektur hier, ein kleines bisschen ausbessern da – et voilá, schon isser wieder ausgehfein, der Skipper…

Nach diesem anstrengenden Teil des Tages musste die Capetaña ruhen und zog sich auf den Ruhesessel zurück. Sie vertieft sich in das ebenso anspruchsvolle wie umfangreiche belletristische Werk und war nicht mehr ansprechbar.

Für mich blieb genug Zeit um meinen Freund Giorgos Karpathakis in seiner Werkstatt zu besuchen. Ich musste dorthin um Ersatzteile für meinen Volvo abzuholen und nahm bei der Gelegenheit gleich unsere Edelstahlgangway mit…

Die musste angepasst werden – NEIN! – nicht ausschließlich wegen mir! Ok, ich gebe zu, dass das stetige Belasten mit meinem Gewicht vermutlich eine immerwährende Materialprüfung für das Teil ist – aber gegeben durch die Tatsache, dass ich mein Gewicht kenne, bewege ich mich umsichtig.
Nicht so mancher Besucher – da werden große Schritte gemacht, Hopser von der oberen Stufe lassen die Brücke auf den Steg knallen. Lasten wie unser Trinkwasser werden darüber getragen – kurzum, ein Dauer-Härtetest für Material und Verarbeitung.
Die Schweißnaht an einer Drehachse ging auf, die Drehachse selbst war mickrig und krumm – es wurde beschlossen, dies gehörig anzupassen.
Die Ersatzteile packte ich ein, bezahlte brav und fuhr nach Hause – ich war gewappnet für meine Aufgabe des Folgetages – die Erneuerung meines Zahnriemens!!!

Ich merkte, dass mein Plan dies zusammen mit Giorgos zu machen, wacklig war – er hatte einfach immer Stress. So besann ich mich auf meine Kernkopetenz, bereitete mich gut vor und trug neben den Ersatzteilen sowohl Literatur als auch Spezialwerkzeug zusammen.
Los geht´s…

Ich muss dazu sagen, dass ich, im Rahmen der von mir durchgeführten Motortrainings bei ABC in München, dies schon etliche Male gemacht habe – an einem Perkins Prima 50 welcher genau meinem Motor entspricht. Aber eben nicht an MEINEM Motor! Das fühlt sich anders an, es ist eine Arbeit die keine Fehler verzeiht.
Diese ging aber schnell von der Hand und schon bald war ein gutes Stück geschafft.

Irgendwie hat das richtig gut geklappt und schon zwei Stunden später lief der Volvo wieder. Passt alles, so kann der Tag weitergehen…
Ich höre Rinaldos Stimme – sie eilt ihm voraus! Sekunden später steht der eidgenössische Nachbar bei mir im Schiff und zeigt mir Einzelteile SEINES Motors…

…ob ich da helfen könne? Ich denke ja! Und während ich das eigentlich nur denken wollte, fällt mir das kurze, aber sehr verpflichtende Wort mit zwei Buchstaben aus dem Mund… JA, klar!
Ich hatte einen neuen Auftrag…
Gut waren zwei Dinge – Gitti würde bald zu Besuch kommen, ich kann also in Deutschland Teile bestellen, die sie mir mitbringen könnte – gesagt, getan, sowohl die Teile für Rinaldo als auch ein paar kleinere Motorteile für Hans-Peter kamen in den Einkaufskorb.
Ein weiterer Vorteil war, dass meine grenzenlose Bereitschaft zur Hilfe abermals bei einem Apero gewürdigt wurde – und mit Rinaldo und Christa Ouzo trinken ist echt lustig…



Wir erzählten uns allerlei Geschichten von früher und heute und hatten viel Spaß. Unter Anderem bekamen wir auch plakativ geschildert wie Christa sich bei einem Sturz ihren Arm verletzte – Glück im Unglück kann man nur sagen. Dennoch, der Arm war fantastisch anzusehen wie er in allen Farben schimmerte – ich habe wirklich noch nie so einen blauen Fleck gesehen! Lustig? Naja, im Nachhinein schon – und unter dem Einfluss von zwei oder drei Ouzo auch…

Am nächsten Morgen forderte Sibylle beim Frühstück den lange versprochenen Küchenschrank ein. Sie wolle „endlich Ordnung schaffen“ und bräuchte die Regalbretter!
Nun, da ich der Optimierung von Ordnungssystemen keinesfalls im Weg stehen will, machte ich mich sofort ans Werk – und verwandelte NESSAJAs Salon in eine Schreinerwerkstatt.

Ich nahm Maß, bohrte Leisten fest und sägte die im letzten Monat lackierten Bretter gemäß eigens angefertigter Schablonen zurecht – Maßarbeit…



Diese Aufgabe war relativ komplikationslos und rasch umgesetzt und Sibylle war happy – sie konnte endlich ihre Küche umräumen und neue Plätze nutzen. Ich konnte einen weiteren Punkt auf der inzwischen erfreulich kurzen To-Do Liste abhaken.
Weil dieses Abhaken von offenen Punkten Spaß macht, nutze ich den restlichen Tag und die Tatsache, dass Thilos Auto noch zur Verfügung steht – ich fahre zu Giorgos und hole die inzwischen fertige Gangway ab.

Der Meister hat wieder ganze Arbeit geleistet – das Ding sollte uns ermöglichen, auch große Lasten an Bord zu nehmen. Mein Gewicht sollte jedenfalls an dieser Stelle zukünftig keine Rolle mehr spielen. Offen bleibt für mich die Frage, warum das nicht gleich so gebaut wird…
Ein letzter Handgriff noch!

Ich lade das Zeug ein und erhalte an dem Tag auch meine neue EPIRB. Treue Blogleser erinnern sich sicher – dieser Punkt war im April offen geblieben.
Heute traf der begehrte Seenotrettungssender ein und alles hat perfekt geklappt. Tolles Gerät zu einem Spitzenpreis. Sowohl das Programmieren als auch die Meldung bei der deutschen RegTP sind inzwischen erledigt – ich kann den Punkt EPIRB-Wartung von der Liste nehmen…

Der nächste Morgen ist ein besonderer Morgen – Hans-Peter und der bezaubernde Terrier Merlin waren in der Nacht aus Deutschland angereist – auch für ihn beginnt die Saison. Um ihn den nächtlichen Eintritt in seine LIBERTÉ zu erleichtern, hatten Sibylle und ich seine Passerella schon herunter gelassen…

Wir waren kaum fertig mit dem Frühstück, brummelte der Pick-Up von HP schon auf den Kai – Ausladen war angesagt! Auch ich war gespannt, er hatte meine Tiefkühltruhe auf der Pritsche!

Der Freund aus dem Saarland machte klar – ich hätte zu warten! Die Kühltruhe(n), auch er hatte eine gekauft, lägen zuhinterst auf der langen Ladefläche! Ok, dann warte ich halt, montiere meine „neue“, reparierte Gangway und mache ein paar Anpassungsarbeiten.
„Sag mir einfach wenn Du MEIN Paket auslädst…“


Es war soweit! Der Wagen von Hans-Peter war weitgehend entladen, es waren nur noch die beiden Kühltrühen in ihren Transportkisten auf der Pritsche – endlich – mein Schatz! Ich nahm das Paket in Empfang!!!
Das Bier wird immer eiskalt sein, ich werde Thunfisch den ICH fange einfrieren können – ha, jetzt aber…
Kennt Ihr das? Ein Paket scheint im Transporter klein und je näher es an die Ladekante gerutscht wird, desto größer wird es – so war es auch hier…

Da stand es nun, mein Paket. Ich hatte aus Vernunftsgründen die kleinste Kühlbox bestellt, wie klug. Wir stellten das Ding erstmal an Deck um dann in tabula rasa zu gehen – Sibylle sprach aus was alle dachten…
Wie bekommst Du es in die vordere Kabine? Wohin damit???

Die Kühltruhe – wir wussten, dass es knapp werden könnte. An einem Tag in der Vergangenheit hatte mich Sibylle aus heiterem Himmel gefragt, ob ich denn gemessen hätte, ob die Kühltruhe durch die Türe der Vorschiffskabine passen würde.
Ähhh, nein, hatte ich nicht!
Ich war so auf meine tolle Idee einer Kühltruhe in der „toten Ecke“ hinter der Türe der Gästekabine fixiert, dass ich zwar alle Maße genommen hatte, diese mit dem Datenblatt des Objektes der Begierde abgeglichen hatte, aber vergessen hatte zu prüfen, ob die Truhe überhaupt in die Kabine passt…
Dem ersten Schreck folgte ein sofortiges Nachmessen und wir wussten – um durch die Türe zu kommen, fehlen rund 8mm. Meine Idee durch die Vorschiffsluke zu gehen scheiterte ebenfalls an 8mm – so war unser „ultima ratio“ Ansatz, die Luke auszubauen und durch den blanken Ausschnitt zu gehen – das sollte klappen.
Vor diesem Hintergrund waren wir neugierig und aufgeregt, ich wollte gleich ans Werk! Wir packten die Truhe also aus, maßen nach und merkten, dass eine minimale Chance bestand, die Truhe ohne die Zierecken durch die Türe zu bekommen.
Wir testen…

Warum trauen wir uns, bei gemessenen -8mm, da ran? Ich habe zwei relevante Dinge bemerkt – zum einen war meine Türe oben minimal breiter als unten, das brachte zwei, drei Millimeter. Zum anderen, habe ich beim Abschrauben der Zierteile bemerkt, dass die Truhe aus einem relativ weichen Plastik besteht, demnach eine gewisse Verformbarkeit aufwies…
Wir lupften das Trum also auf halbe Höhe, schoben es soweit in den Türrahmen bis es klemmte. Dann traf ich die Entscheidung das Risiko zu gehen und machte mir meine Nachdrücklichkeit durch Körpermasse zu Nutze – ein kurzer Druck mit den Schultern und die Kühlbox schlüpfte durch den Türspalt wie ein Zäpfchen!

So, drin ist sie schonmal – das war knapp und mit einer Portion Glück verbunden! Die Aktion hinterließ kaum Spuren, nur zwei kleine Druckspuren am Türrahmen, die man aber nicht sieht wenn man es nicht weiß.
Schon zeigte sich das nächste Problem – ich hatte mich zusätzlich vermessen. Ich nahm, weil der Grill und das SUP in dieser Ecke lagen, nur das obere Maß – das Hauptmaß sozusagen. Leider wird der Stellplatz der Box nach unten aber schräg und damit schmäler – kurz, die Box passte nicht an ihren Platz.
Die Lösung für das Problem hatte ich sofort parat – mitten im Raum stand schon immer ein Stuhl, welchen ich lieber im Salon hätte und dort nutzen wollte. Es war nun an der Zeit dies umzusetzen und dafür die Kühltruhe zu einer kleinen Bank umzubauen, welche den Stuhl ersetzen würde.
Das Projekt „Kühlbox aufstellen und anschließen“ weitete sich gerade zu einem Großprojekt aus…
Den Stuhl „parkten“ wir einstweilen im Salon, man kann sich schon vorstellen was mir vorschwebt.

Sibylle zweifelte zu diesem Zeitpunkt daran, dass das gut würde oder gut aussehen könnte. Ich hatte das Ergebnis vor meinem geistigen Auge, es brauchte aber Zeit zur Umsetzung, Zeit, die wir kaum hatten.
Ich erzähle die Geschichte diesmal chronologisch, weil es auch dramaturgisch wichtig ist – für heute jedenfalls war die Lösung gefunden, ich war zufrieden, wir konnten den Tag gemütlich ausklingen lassen.
Der nächste Tag begann mit einem Highlight. Während des Frühstücks war geplant, einen Videocall mit der Familie des Sohnes von Sibylle zu machen. Wichtig hierbei, Enkel Otto erklärt die Welt…

Ich muss erkennen, das sind wichtige Glücksmomente. Für mich, aber noch wichtiger für meine Frau. Wer sie etwas kennt, findet die Bestätigung für diese These in ihrem Blick…

Ich muss erkennen und akzeptieren, dass unsere Planänderung und die Entscheidung die „große Reise“ zu kappen, zum heutigen Zeitpunkt alternativlos war. Haben wir das schon offiziell erklärt?
Wir werden keine große Blauwasserreise antreten. Die Nähe zur Familie, die schnelle Erreichbarkeit, sind Sibylle zu wichtig. Ich kann das akzeptieren, sind die Alternativen doch auch nicht von schlechten Eltern. Offen gesagt, es wäre mir aber lieber gewesen, wenn wir das früher erkannt hätten – ich hätte manche Entscheidung bezüglich des Refits anders getroffen. Auch haben wir jetzt keinen rechten Plan mehr – ich vertrete aber die Meinung, dass es gut wäre, wenn eine grobe Richtung vorgegeben wäre…
Kurz, wir verwenden gerade viel Hirnschmalz dafür, zu definieren wie unser Leben die nächsten paar Jahre verlaufen soll und ob wir Segler bleiben – Grundsatzentscheidungen also! Vorerst ist Leros als Heimathafen für NESSAJA gesetzt, ich will hier nicht weg, solange wir keine Strategie für unser weiteres Handeln haben.
Ich zerstreue meine Gedanken – auf Johannes´ ALEXIA rührt sich was! Hans-Peter ist auf der Beneteau des Münchners zu Besuch und es wird gefachsimpelt, ich mische mich mal sicherheitshalber nicht ein.

Ich habe mir für diesen Tag selber ein bisschen was vorgenommen – ich fahre zum Segelmacher um Werners Genua endlich abzuholen. Sie liegt seit letztem Jahr dort und ich wurde von März an wochenweise vertröstet – heute sollte es soweit sein – SOLLTE…

DAS ist exakt das was die Griechen nie umsetzen – natürlich bringen wir das Segel im Herbst, damit solche Schäden rechtzeitig festgestellt und ohne Zeitdruck repariert werden können. Das ist aber deutsches Denken, ich erfahre heute jedenfalls, dass ALENAs Vorsegel kaputt ist – man könne es aber reparieren – avrio! Ok, zähneknirschend stimme ich zu und nehme, um nicht umsonst gefahren zu sein, noch zwei Kederleisten für meine neue Sprayhood mit.
Das soll mein Tagwerk für heute werden, ich baue die Kederleiste an…






Mein Wunsch nach der neuen Sprayhood hat etwas für Unbill gesorgt – eigentlich war geplant, dass ich am 01. oder 02. Mai an den Stadtkai fahre und Valantis dort Maß nehmen könnte. Wir haben im Laufe des April extra unser TEPAI, die Bootssteuer, ab Mai bezahlt.
Als ich zur Detailabstimmung bei Valantis war und dabei erwähnte, dass ich Kederleisten anbringen werde, hat er sich geweigert, Maß zu nehmen, ohne dass die Leisten angebracht wären. Das verstehe ich bis heute nicht – mir ist klar, dass es einfacher scheint, wenn alle Gegebenheiten bekannt sind – aber er hat soviel Erfahrung, dass er durchaus in der Lage wäre, mit der Arbeit zu beginnen und das Maß der Leisten später nachzufordern.
Leider brachte er diese Flexibilität diesmal nicht mit, vielleicht hatte er einfach einen schlechten Tag – wie auch immer, er gab mir vor, dass er ohne die montierten Leisten nicht vermessen wird. Ich hatte aber noch andere, mir wichtigere Arbeiten auf der Liste – der Termin platzte in diesem Augenblick, ich zog enttäuscht von dannen!
Wann wir es jetzt vermessen lassen? Sibylle fragt fast täglich, aber ich wusste es nicht – die Leisten müssen ja erst ran! Heute hatte ich Zeit, jetzt ist der Job erledigt, man wird sehen…
Es sollte anders ausgehen als geplant, dazu später mehr!
Mein Tagwerk war auf jeden Fall geschafft, es war Zeit für´s Abendessen. Heute war Hans-Peter bei uns eingeladen, Sibylle hat etwas Feines gezaubert – „Chicken in Metaxa Soße“, da läuft einem doch das Wasser im Munde zusammen!

Am nächsten Morgen erhalte ich eine Message von Sotiris, dem Segelmacher. Er hätte rangeklotzt und ALENAs Genua in einer raschen Aktion instandgesetzt. Ich könne sie abholen…
Das lass´ ich mir nicht zweimal sagen und tuckere sofort in die Werkstatt des Tuchmachers.

Dort treffe ich auf Sebastian, unseren früheren Marinero, welcher sich mit einer Art „Boat Service“ selbstständig gemacht hat und jetzt ab und an mit der Segelwerkstatt zusammen arbeitet – großes Hallo!
Ich übernehme das Segel für meinen Freund Werner und bringe es auf ALENA – ein Punkt welchen ich nun aus dem Kopf habe.

Ich habe einen Teil der Reparaturkosten aus unserer Haushaltskasse verauslagt – da hatte ich die Rechnung ohne meine Frau gemacht. Sibylle ist eine sehr strenge Finanzbeauftragte und hat mich zur Erstellung eines Schuldscheines verpflichtet – ich hatte keine Wahl…

Während ich also das verpflichtende Dokument unterzeichne, nehme ich lauten Tumult vom Steg wahr. Was war passiert? Ich eile nach draußen…

Ach so, nur Patricia die ablegt! Na dann…
Wenn Patricia ablegt, gibt es immer ein bisschen Tohuwabohu rundum. Das liegt daran, dass die ältere Dame einhand unterwegs ist, aber nicht mehr alle Systeme vollumfänglich im Griff hat. So passiert es regelmäßig, dass sie in den Muringleinen hängen bleibt – so auch diesmal.
Minuten später war das Malheur aufgelöst und CALA LUNA verließ den Hafen. Auf bald!
Ich besann mich des kurz zuvor unterschriebenen Schuldscheines und beschloss, etwas zu tun, was mir helfen würde meine Schuld zu begleichen. So ging ich auf die LE CLAPOTIS von Cees und Marijke um dort die „Kraanen“ einzubauen! Die WAAAS???
Die Kraanen – die Wasserhähne! Cees hatte zwei der China-Billighähne hier in Leros verbauen lassen, welche nach zwei Jahren wieder undicht waren. Wir haben uns von HP zwei Grohe aus Deutschland mitbringen lassen, welche ich heute zu verbauen gedenke.


Bei solchen Aktionen, man kennt das aus dem Haushalt, ist das Problem weniger die technische Herausforderung als vielmehr die schlechte Zugänglichkeit. Das war hier nicht anders. Aber durch die sehr ausgeklügelte Befestigungstechnologie der Qualitätswasserhähne war auch das rasch gemeistert – das Abendessen war also verdient!
Und das wurde heute durch einen Aperitiv auf Thilos HOME OFFICE eingeleitet.

Thilo wollte uns für einige kleine Unterstützungen danken und hat für heute, nach dem Aperitiv, zum Dinner geladen. Es sollte ins „Pirofani“ gehen…
Sollte???
Ja, denn auf dem Weg haben uns umentschieden und sind kurzerhand in die neue Pizzeria im „Castelo Hotel“ gegangen – Neues wagen!


Ein Fehler, wie sich herausstellen sollte! Wir haben noch nie so schlecht gegessen (nicht auf Leros beschränkt). Das war wirklich ein Reinfall – und kein günstiger – das sei hier ausdrücklich erwähnt.
Witzig war allerdings, wie der Chef die Reste der Pizza einpacken wollte und mein Stück mit den Fingern vom Teller nahm um es in den Karton zu legen – in der Sekunde des Herüberhebens, einer Art „Denksekunde“ fiel dem Meister seines Faches auf, dass man das „eben nicht tut“ – er schaute scheinheilig in die Luft und legte es auf meinen Teller zurück (natürlich um es dann in der Küche rüberzuheben). Dilettanten!!!
Wie ging es mit der Kühltruhe weiter? Nun, das war als Projekt des nächsten Tages gesetzt.
Ich fuhr also zu Andreas Kritikos in dessen örtlichen „OBI“ um dort die Befestigungsteile zu kaufen.

Die Box sollte bodenfest verspannt werden, dazu musste neben der Ersatzteilbeschaffung für leere und saubere Bilgen gesorgt werden. So kamen die Bretter raus, alles wurde gereinigt, die Befestigungslöcher und die für die Kabeldurchführung wurden gebohrt.

Während ich so vor mich hinwurschtle, erreicht mich eine WhatsApp Nachricht – Katerina von „Boat & Parts“ meldet sich und teilt mit, dass meine im April bestellten Signalmittel eingetroffen sind.

Ich eile also zu dem von mir favorisierten Laden um die neuen Seenotrettungsmittel abzuholen und meine alten, lang abgelaufenen, damit zu ersetzen.

Hm, ich dachte, dass die Verwirrung um die Handfackeln die größte Herausforderung war. So aber waren statt der vier bestellten Fallschirmraketen nur zwei geliefert. Mir egal – ich blieb griechisch gelassen und bestellte zwei nach. Zusätzlich ein drittes Rauchfass, da die neuen etwas kleiner sind und ein weiteres Platz in meinem Koffer findet – hat ja keine Eile, sigasiga…
Zurück zum Tagesgeschäft, dem Einbau der Kühlbox!


Bis zum frühen Abend war das Tagwerk erledigt. Vier Spanner halten die Kühlbox fest, die Kabel konnten unsichtbar verlegt werden und müssen nur noch angeschlossen werden – das aber ist eine Aufgaben für morgen, oder übermorgen. Ebenso wie das Polster 😉
Heute bleibt die Küche kalt, Sibylle bereitet mal wieder einen Salat und etwas Brotzeit, lecker!

Electra sollte auch nicht leben wie ein Hund und wir haben ihr ein Leckerli angeboten – unsere List, sie einmal über unsere Schwelle zu locken, hat sie freilich durchschaut und so hat sie das Leckerli erstmal nur betrachtet…

…bis ich mich erbarmt habe und ihr den leckeren Happen quasi „in den Mund gelegt“ habe. So geht´s natürlich auch.
Der nächste Tag war ein besonderer Tag – es gab etwas zu feiern. Sibylle und ich hatten Hochzeitstag und beschlossen, an diesem Tag nichts Aufwändiges tun zu wollen.
So frühstückten wir genüßlich, hatten ein bisschen Steggequatsche mit den Nachbarn und fuhren dann zur Eisdiele – dort bediente uns eine neue Eisfachfrau…

DAS sind zwei Kugeln Eis! Aber es ist auch eine Menge Luft – überall dort wo Luft ist, würde auch Eis hinpassen. Ich war enttäuscht!

Ich vermute, die durchaus nette Dame an der Eistheke hat meine Fassungslosigkeit erkannt. Beim nächsten Einkauf hat die Füllmenge in meinem Becherchen jedenfalls wieder mit meiner Erwartungshaltung korreliert.
Davon ließen wir uns aber den Jubeltag nicht versauen. Wir sind zurück zur Marina, denn Johannes´ ALEXIA würde gekrant werden. Wir wollten dem Spektakel beiwohnen.

Als wir rüberkamen, schwamm das Schiff des Freundes schon, aber es sprang nicht an. Kurze Aufregung in der Krangasse, denn die Folgetermine verspäteten sich. Doch bald schon gab es Entwarnung und die Oceanis 40 wurde an den, fast schon berühmten, Ponton D verlegt.
Aufgehalten wurden, als nächstes zu kranendes Boot, auch unsere Freunde Funda und Burim. Die blieben jedoch entspannt und nutzten die Zeit für einen Schwatz mit uns.

Dreimal dürft ihr raten wohin uns unsere Reservierung für das Hochzeitstag-Dinner geführt hat – und ich bin sicher, treue Blogleser brauchen keine drei Versuche!
Naja, eigentlich habe ich es ja selber schon verraten…


Kann man Vorfreude fotografieren? ich denke ja – schaut Euch dieses Bild an!

Wir haben uns leckere Dinge bestellt, vor allem wieder die Vorspeisen, für die roher Fisch verarbeitet wird und zwei verschiedene Salate. Alles für sich schon ein Gedicht, zusammen eine Geschacksexplosion! Hier ein paar Eindrücke…








Wenn jemand Fisch oder gar Sushi mag, kommt er hier voll auf seine Kosten. Der Koch ist ein Meister seines Faches. Zugegeben, die Preise sind gehoben und selbstbewusst kalkuliert – hier geht man nicht jeden Tag her. Aber um einen Anlass zu würdigen ist es eine besondere Adresse!
Man lebt Lebensmittel – auf ganz besondere Art und Weise…


Ein würdiger Ausklang für den Hochzeitstag!
Um zu verhindern, dass sich der Müßiggang einschleicht, packe ich am nächsten Tag die Fertigstellung der Kühltruhe an. Der elektrische Anschluss muss gelegt werden.

Ich kaufe ein letztes mal Kabel, öffne die Bodenbretter und ziehe die Leitungen ein. Die Box bekommt eine eigene Steckdose in der Vorschiffskabine und die 12V Versorgung wird an das Schaltpanel gelegt – dort wurde der Schalter „Fridge“ ja frei, jetzt ist alles wieder top! Und FERTIG!
Auf der anderen Seite bahnt sich Ärger an. Das wussten wir aber noch nicht.
Wir brauchen für die Kühlbox ein Sitzkissen, original Stoff haben wir. Weil wir wissen, dass Valantis auf sogenannte „Patron“ steht – also Schablonen – fertigen wir eine aus Pappkarton obwohl ein rechteckiges Polster bei bekannten Maßen kein Problem darstellen sollte.

Sibylle bringt die Sachen zu Valantis, ich wollte nicht hin, ich bin noch ein bisschen beleidigt, weil er meinen Messtermin für die Sprayhood versemmelt hat – dieser ist ohnehin noch offen.
Meine Frau kehrt zurück und erklärt, wir können das Polster in zwei Tagen abholen. Das passt, in drei Tagen brauchen wir es…
Derartig entspannt empfangen wir unsere Gäste, denn am heutigen Abend waren wir Gastgeber für die illustere Truppe unserer Mairunde. Es sollte das letzte Treffen in dieser Zusammensetzung sein – die Freunde würden bald beginnen die Leinen loszuwerfen.

Der Apero war ein guter Startschuss für den weiteren Verlauf des Abends. Dieser wurde mit der Crew der HARMONY bei unserem Freund „Dimitris o´ Karaflas“, dem Glatzkopf, verbracht.
Es war unser erster Besuch in unserer ehemalig unangefochtenen Lieblingstaverne. Wir haben uns Zeit gelassen, weil es einfach für die Jahreszeit noch recht frisch war. Dimitris punktet mit seiner Terrasse, dafür ist es aber noch zu kalt.
Heute freuen wir uns auf den Besuch…


Der Freund mühte sich wie immer, es gab neue ausgefeilte Gerichte und es schmeckte vorzüglich. Mit Gottfried und Gabi sind die Abende ohnehin immer sehr kurzweilig – Fazit – ein herrlicher Abend mit guten Gesprächen!

Der neue Tag begann, ich schalte das Mobiltelefon ein und es klingelt mehrfach. Die Seglerszene sendet Nachrichten aus welche betrüben – es sind die Informationen zum Tod von Wilfried Erdmann. Der wohl berühmteste deutsche Segler verstarb an diesem Tag und hinterlässt eine Lücke. Ich habe als junger Erwachsener seine Bücher verschlungen!

Wir frühstücken, fahren nach Panteli und gönnen uns bei Isidoros Karpathakis, in dessen Eissalon „Gelato“, eine Kugel köstliches „Salted Caramel“ mit einer Kugel „Strawberry Sorbet“ on top…

Wir gehen mit unserem Eis an die Mole, setzen uns und genießen den Tag. Wir lassen die Füße ins Wasser baumeln und den Blick über die schöne Bucht schweifen.



Baden war nicht geplant, aber ich nehme meine Badehose immer mit wenn ich nach Panteli fahre – auch wenn zur Fahrt noch ein Pulli nötig war. So baumelte das begehrte Kleidungsstück am Lenker und der Ruf des Meeres war für mich immer lauter vernehmbar.

Tatsächlich war der Mai, ich habe das schon erwähnt, ein wettertechnisch schleppender Monat. Es war frisch, oft bewölkt, das Wasser noch kalt. Ab und an gab es Schauer.
Aber wir hatten auch Wetterinformationen aus Deutschland und wussten somit – kein Grund zum Klagen!
Vor diesem Hintergrund schlupfte ich in die Badebuxe und stürzte mich in die erfrischenden Fluten!

An diesem Tag kam Gottfried noch auf einen Techniktalk zu uns an Bord. Ich hatte noch das Thema „Lichtmaschine“ offen. Da musste nochmals durchgemessen und angepasst werden – heute wollten wir besprechen wie und wann wir das angehen könnten. Gottfried war mir in diesen Fragestellungen eine große Hilfe.
So saßen wir bei einem Döschen Bier, vielleicht waren es auch zwei, zum Brainstorming auf NESSAJA.

Zu dieser Zeit hatten wir eidgenössische Nachbarn. Die umtriebige und supersportliche Crew der ALADIN lag neben uns und teilte mit, dass es morgen sehr früh losgehen soll. Ok, was heißt früh?
„Ja so gegen 0600 Uhr“ höre ich Cornelia sagen…
Warum betrifft mich das? Nun, mein Dinghy hängt vorne am Bug und KÖNNTE im Weg sein. Der Anstand und der ureigene Wunsch, das Dinghy möge heil bleiben, verlangt also von mir es kurzzeitig wegzubinden – ich stelle mir also den Wecker…


NATÜRLICH war meine Anwesenheit nicht nötig – aber egal, es war ein Signal und ich konnte mir der Unversehrtheit meines Schnullis sicher sein.
Irgendwie war die Luft ein wenig raus. Ich hatte zwar noch ein paar Punkte auf meiner Liste, aber auch noch Zeit bevor wir Ende Mai auslaufen MUSSTEN – alles vorher war Freestyle und davon abhängig wann Valantis meine Sprayhood vermessen wollte.
Sibylle wollte heute das neue Polster abholen, das trifft sich gut. Sie kehrt zurück, ohne Polster – als sie mir erklärt, dass Valantis „noch nicht angefangen habe, das Polster aber vielleicht übermorgen fertig macht“, ist mir die Hutschnur geplatzt – das war der Tropfen, der das Faß zum Überlaufen bringt.
Sibylle will mich beruhigen und beschließt die Sache zu akzeptieren, sie fängt an ein Brot zu backen. In mir grummelt es – mir reicht´s, ich LAUFE zu Valantis und hole meinen Stoff und meinen Patron. Wortlos gehe ich. Ich glaube, er hat gemerkt, dass ihm in dieser Sekunde auch der Auftrag für meine Sprayhood aus den Händen gleitet.
Ich setze mich in meinen Schmollwinkel und überlege, wie ich das jetzt gebacken kriege. Sprayhood und Polster müssen neu vergeben werden, die Wahl fällt ohne lange zu überlegen auf Sotiris Sifounios, den Segelmacher.
Sibylle reißt mich aus meinen Tagträumen und meinem Groll…

Sotiris ist der Platzhirsch, der mit dem größeren Laden, mit mehreren Leuten, mit besseren Möglichkeiten. Ich wollte immer, dass Valantis auch einen Teil vom Kuchen bekommt, er ist flexibler und günstiger.
Wenn er jedoch seine Flexibilität verliert, dann schwinden seine Vorteile – ich fahre zu Sotiris und trage das Problem vor. „Ok, the cushing I make until end of this week, for the Sprayhood I can come on your boat on 26th. Be in the bay, leave Marina!“
Klare Ansage, ich muss zwar erneut warten, ein paar Dinge auch umplanen, aber ich vertraue seiner Termintreue – zumindest was den Kalendertag betrifft! Neues Ziel – wir verlassen die Marina am 26.05.2023, nach mehr als einem Jahr auf Liegeplatz D1!
Ich brauche Zeitvertreib und widme mich Hans-Peters Filterwechsel. Es ist immer schön, wenn man was zu basteln hat, selbst aber nicht die Verantwortung trägt…

Irgendwie drohte sich der Müßiggang einzuschleichen, Gitti würde bald zu Besuch kommen, die To-Do Liste war erfreulich kurz und die Aufgaben die zu erledigen waren, sind eher in die Kategorie „mittlere Herausforderung“ einzustufen – kurz – der Druck fehlte.
Zudem kletterten endlich die Temperaturen…

Bei über 30°C denkt man eben einfach eher ans Baden im Meer als an die Verkabelung der Lichtmaschine…
Wer genau hinschaut sieht, dass nicht nur draußen die magische Grenze überschritten war, sondern auch in unserem Schlafgemach. Hier messen wir 33,4°C, sehr zur Freude der Hausherrin, die sich die Temperaturbekämpfung sogleich auf die Fahne schreibt – der Ventilator findet seinen Weg zurück an die Bettkante.

Bei uns in der Marina lebt ein Engländer der zum Inventar gehört. Er hat eine alte Nauticat 33 vollumfänglich selbst restauriert und beschlossen, diese auch noch komplett zu lackieren – kurzerhand, einfach so!
„I love the Aquamarin, nice color“ – höre ich ihn sagen und er schritt ans Werk…

Während also andere temperierte Zelte mit Absauganlagen bauen und tausende Euros ausgeben – lackiert ein schrulliger Engländer der eine Ähnlichkeit mit „Catweazle“ aufweist, sein Schiff mitten auf unserem Yard. Das Ergebnis immerhin so, dass ich es für NESSAJA sofort akzeptieren würde – die Farbe? Einmalig!!!
Abends gibt´s mal wieder eine Pizza aus dem „La Nostra“, gegessen wird aber an Bord – wir halten den Ball noch flach, weil wir vermuten, dass zusammen mit unserem Besuch verschiedene Tavernenbesuche anstehen.

Der neue Tag beginnt so warm wie der alte – alle ächzen ein wenig unter den Temperaturen, weil es eben nicht nur mediterran warm war, es war fast etwas schwül.
Gerade die pelzigen Freunde in unserem Umfeld hatten mit der Wärme zu tun…

…und auch der Hund spürte die Hitze natürlich auch! 😉 Spaß beiseite, es waren ein paar Tage, an denen man froh war Schatten zu finden. Ich verdrängte zu dieser Zeit ganz gut, dass ich zwei Arbeitstage im Motorraum vor mir haben würde.
Wir verbummelten auch einen zweiten Tag ohne schlechtem Gewissen, wir bekommen schließlich Besuch – heute! Wir sind gut vorbereitet, das Schiff ist aufgeräumt, Gitti kann kommen.
Wir erwarten die Ankunft eigentlich für den heutigen Mittag, aber leider verpasst die Freundin die Fähre sehr knapp. Alternativ bleibt die Nachtfähre – und uns die Entschiedung was und wo wir Abendessen wollen – wir hatten eigentlich damit gerechnet, mit Gitti zusammen in Panteli zu dinnieren.
Wir entscheiden – erstmal ein Eis am Strand und dann nachdenken…

In diesem Umfeld ist es leicht geniale Ideen zu kreieren – es schießt uns in den Kopf wie ein Geistesblitz – heute ist Burgertag, wir gehen mal wieder ins „Persiana“…

Irgendwie kommt der Grill bei uns zu kurz. Es ist eigentlich eine gute Adresse für ein kurzes Essen und eine gute Alternative zu Giros & Co. Der große Burger für rund 8.-€ und dazu ein lokales Bier für 4.-€, das ist ok und den Preis wert.
Und eine Prise Heimatgefühl gibt es gratis dazu…

Wir sitzen also in der kleinen Kneipe bis es nach 22.00 Uhr ist, dann fahren wir langsam zum in Sichtweite liegenden Hafen um Freundin Gitti dort abzuholden.
Gitti ist eine Freundin von Sibylle, sie waren Arbeitskolleginnen und teilen die Freude an der Fortbewegung zu Fuß. Es liegt also auf der Hand, gemeinsame Stunden am Strand und in diversen Tavernen, ansonsten erkunden die Damen Leros per pedes, ich dagegen werde Zeit finden die Aufgaben an NESSAJA zu finalisieren – soweit der Plan!
Die Fähre kommt…


Sofort fahren wir zum Hotel und Gitti checkt ein, wir haben das „Panteli Beach Hotel“ empfohlen, welches seinem Ruf auch gerecht wird. Gittis Zimmer ist wirklich schön, das Personal rundum nett – ich nehme es vorweg, unsere Freundin wird nach einer Woche sehr zufrieden wieder nach Hause fliegen. Aber jetzt ist sie ja erstmal angekommen…



Wir trinken noch einen Absacker am Beach, bevor wir uns eine gute Nacht wünschen und uns in die Betten hauen. Es war ein langer Tag.
Für den nächsten Tag habe ich versprochen, Hans-Peter beim Ölwechsel zu helfen. Eine Information, welche eigentlich nur eine Randnotiz ist – wenn da nicht die Geschichte mit dem Gürtel passiert wäre…
Hans-Peter hat keinen Ölfilterschlüssel, oder zumindest fand er ihn nicht. Ich besinne mich meiner Mechanikerfähigkeiten und rufe ihm zu – „…brauchst nicht suchen, ich mach´ das Ding mit meinem Gürtel auf!“
Ihr ahnt was kommt – angesetzt, zugezogen, Zange als Hebel, kraaaack – ab! Mein Gürtel war hin! Mein EINZIGER Gürtel war hin!
Was tun sprach Zeus. Ich beichte Sibylle die Zerstörung – und bekomme Schimpfe. Ich „solle gefälligst in den Chinaladen gehen und einen neuen kaufen“ war ihr Befehl. Diesen verweigere ich, was mir noch mehr Schimpfe einbringt.
Trotz ihres Zorns will mein Weib mir einen Gefallen tun und kauft mit Gitti bei einem Einkaufsbummel einen neuen Gürtel für mich – in Schlangenoptik und 5cm zu kurz. Den muss ich Gott sei Dank nicht verweigern. Aber nun stehe ich alleine da…
Ich will einen Gürtel meines bevorzugten Herrenausstatters und bestelle das begehrte Objekt auf der „engelbert & strauss“ Webseite – bringen wird ihn mir unsere Freundin Katharina bei ihrem Besuch Ende Mai – aber was bis dahin?
Ich überlege und reibe mir die Nase wie einst Wickie – „ich hab´s!“

Ein letztes mal hole ich mir einen Anschiss meiner Frau ab – „…ich soll bloß immer ein T-Shirt drüberziehen…“ – sie schüttelt den Kopf, verstummt und zieht von dannen.
Dennoch darf ich mit an den Strand! Wir beobachten Segler beim Ankern vor Panteli…

Ich wundere mich – in einer absolut freien Ankerbucht kommen drei Segler gleichzeitig an. Der eine mit extra hohem Tempo um auch wirklich zeitgleich einzutreffen. Als wäre es verabredet gewesen, kreisen sie dann um einen Punkt und müssen acht geben, nicht zusammenzustoßen. Verrückt – aber genau die sind es, die mir Angst machen. Der Mensch ist eben ein Herdentier!
Obwohl „Gürtelgate“ noch existent ist, darf ich mit zur Eisdiele – wir genießen die Stunden mit unserem Besuch und zeigen ein bisschen was von „unserer Insel“.

Während wir unser Eis schlotzen, erreicht mich eine Nachricht von Marcus aus Lipsi. Ein Bild und ein kurzer Kommentar – „Ich kenne den Typ“

Marcus hat in Facebook ein Bild gefunden, dass einen Motorradfahrer in einem Rückspiegel zeigt – unverkennbar – das bin ich!
Ich suche den Beitrag in Facebook, dieser hat inzwischen hunderte Likes und etliche Kommentare. Ich speichere das Bild, gebe einen Kommentar ab in dem ich mich zu erkennen gebe und mich bedanke. Ich habe selbst schon solche Bilder gemacht, war aber, aus verständlichen Gründen, nie das Motiv. Mich hat der Schnappschuss gefreut!
Für das erste Abendessen mit Gitti fällt die Wahl auf das „Pirofani“ in Panteli, nur einen Steinwurf von ihrem Hotel entfernt und direkt am Wasser gelegen.








Wir haben vorzüglich gegessen und können das „Pirofani“ im Moment als das empfehlenswerteste Lokal in Panteli nennen. Es scheint, als habe sich die Küche stabilisiert, sie ist zudem etwas pfiffiger geworden. Der Service war schon immer sehr gut, die Renovierung hat dem Lokal sehr gut getan!
Der nächste Morgen beginnt für mich auf der ENYA. Zwei schweizer Freunde wollen das Schiff nach Kalamata bringen. Die Abreise steht bevor und es muss noch etwas an der Kühlwasserpumpe und an der Ankerwinsch repariert werden – ich helfe…
Da höre ich ein Knattern. Gitti wollte sich einen Roller ausleihen und vorbeikommen. Sie sucht uns in der Marina und findet NESSAJA zwei Stege weiter nicht – ich kann ihr den Weg zeigen…

Bing – mein Telefon klingelt – mein Sohn schickt eine Nachricht! Potzblitz, was mag da sein, es wird doch nix passiert sein???

Nein! Der Bub gratuliert seinem alten Herrn zum Vatertag! Das freut mich! Ich hege zwar den Verdacht, dass Amelie da erinnern musste, aber das macht nix, hier heiligt der Zweck die Mittel. Ich habe lang nicht mehr an den Vatertag gedacht, geschweige denn, ihn gefeiert – aber heute ist es wohl ein Grund, einen Ouzo extra zu trinken.
Doch vorher ruft die Pflicht – nachdem die Wasserpumpe auf der ENYA wieder lief, setzte ich mich sofort an meine Lichtmaschine, prüfte mit Gottfried stundenlang verschiedene Kabel und Anschlüsse durch und fing dann, nachdem der Freund sich verabschiedet hatte, mit dem Umklemmen an – und siehe da…

Nachdem ich zunächst alles so geklemmt hatte wie es vorher, beim alten Setup, war, habe ich nun ein paar Anschlüsse anders belegt und erziele sofort Erfolg – irgendwie schaltet der ArgoFET doch anders als es die alten Trenndioden taten.
Jetzt funktionieren meine Kontrollleuchten, mein Drehzahlmesser, am ArgoFET liegt Spannung an und die Lichtmaschine lädt – und zwar nicht schlecht! Ich bin zufrieden!
In diesem Moment klingelt mein Telefon. Es ist später Nachmittag, die Damen haben wandernd den Panteli Strand erreicht – ob ich schon fertig wäre und Zeit hätte rüber zu kommen. JA, ich bin fertig und habe Zeit – ich besinne mich des Vatertags und starte das „Daddy Wellnessprogramm“!


Weil es so aussieht, als wäre es ein Tag an dem alles klappt, holen Sibylle und ich auch noch unser Sitzkissen für die Kühltruhe ab. Die Idee war, es mit kräftigen Klettpads and den Deckel zu fixieren – das setze ich gleich um…

Haha, was ein Tag – soviel gemacht, auch Raum für Genussmomente – und immer noch war etwas Zeit übrig. Ich gehe nochmals zur ENYA um die Reparatur der Ankerwinde weiter zu unterstützen.

Wir finden den Fehler, können mangels Ersatzteil und Zeitdruck aber nicht final und professionell reparieren. Zusammen bekommen wir aber eine sehr gute Notreparatur hin. Als am nächsten Tag immer noch alles dicht ist, verlässt die ENYA die Leros Marina Evros. Vielleicht sieht man sich ja mal wieder.
Ein Tag an dem alles klappt – hat man selten! Den lass´ ich mir auch nicht durch den neuen Parktrottel versauen, der an unserem Steg verweilt – die Nationalität dürft ihr raten 😉

Warum nervt mich das überhaupt? Ihr müsst wissen – hinter den roten Radln und vor den gelben Tonnen ist alles frei. Etwa auf Höhe des Rollers ist der Abgang, die Brücke zum Steg. Es geht im Kern darum sich 3m Weg zu ersparen.
Dafür werden aber zwei Radl so eingeparkt, dass diese, bei Bedarf, den Roller wegschieben müssen. Das ist egoistisch und asozial. Wenn man dann noch weiß, dass die Auf- und Absteigseite die geneigte Seite ist und man den Fahrer einmal dabei beobachten konnte, dann weiß man – es ist dazu auch noch dumm.
Zur Entschuldigung des Amici sei gesagt, dass er wohl meist Vaporetto fährt und man in seiner Heimatstadt parken nicht so üben kann – es sein denn, man ist Gondoliere.
Der neue Tag bricht an und Sibylle greift noch vor dem Frühstück zum Handtelefon – das sei ihr nachzusehen, es ist ein besonderer Tag!

Happy Birthday Hasi! Ich hoffe, Du hast einen schönen Tag. Es wurde mir ausdrücklich verboten, dass ich den „Birthday Song“ von Power Pack spiele – ob ich mich daran halten werde weiß ich noch nicht, für den Moment befolge ich die Anordnung.
Im ersten Moment sieht es aus, als sammeln sich die Menschen am Steg um Sibylle zu huldigen – immer mehr der Nachbarn kommen zusammen!


Ein Ereignis überschattete den Ehrentag meiner Gattin – die Verabschiedung von Johannes. Der witzige Münchner hatte entschieden, seine ALEXIA nach Lefkas zu verlegen. Mir wurde nie ganz klar warum eigentlich, aber sei´s drum, wir wünschen auf jeden Fall viel Glück am weiteren Weg – auch hier gilt, vielleicht kreuzen sich unsere Kurse ja einmal wieder, so wie es 2021 der Fall war.



Wenige Augenblicke später, verzieht mir Gitti das Geburtstagskind – aus der bekannten Brautentführung wird auf Leros kurzerhand eine „Geburtstagskindentführung“…


Ich bleibe zurück mit dem Gabentisch und weiterem wertvollen Gut – RUHE! Diese möchte ich genießen…

…leider ist mir der Genuß dieser Ruhephase nicht beschieden. In meinem Kopf rührt sich das Teufelchen in Gestalt des schlechten Gewissens – „…ruhe nicht Du faule Seele, arbeite! Dein Schiff muss fertig werden!“
Das Engelchen antwortet entspannt und mit ruhiger Stimme in der Gestalt eines griechisch entspannten Facharbeiters – „…sigasiga! Haste nicht Du deutsches schlechtes Gewissen. Morgen ist auch noch ein Tag – die Arbeiten werden morgen erledigt. AVRIO!“
Der Teufel schreit, der Engel schweigt – ich hole die Werkzeugkiste heraus. 1:0 für das schlechte Gewissen!

Ich wurschtle entspannt und gelangweilt vor mich hin, dennoch formt sich in meinen Händen eine recht gut gelungene Ummantelung für den Kabelbaum meines Volvo – bis mich das schrille Geläut meines Mobiltelefones aus dem Trott reißt.
Das Geburtstagskind hat wandernd die Gipfel von Leros erklommen und die Eisdiele erreicht – ob ich mich dazugesellen wolle? Natürlich, ich lass´ mich doch nicht zweimal zu „Repapis“ an die Eistheke bitten…

Ich schlotze mein Eis, Gitti tut mir gleich. Das Geburtstagskind hingegen ist in die Beantwortung ihrer Glückwünsche vertieft. Das da noch niemand was erfunden hat – Netzblockade an Geburtstagen, Weihnachten und nach 21.00 Uhr zum Beispiel. Auch ein Erweiterungsmodul „Abendessenszeit & Tatortzeit“ könnte ich mir vorstellen.

Spaß beiseite – sowohl Sibylle wie auch ich haben uns sehr über die Glückwünsche auf allen Kanälen gefreut – niemand hat uns vergessen, im Gegenteil, es haben viele Menschen an uns gedacht, welchen wir locker verbunden sind. Es zeigt, man vergisst uns nicht – trotz physischer Abwesenheit. Danke dafür!!!
Die Nachbarn waren zum Umtrunk geladen. Nicht alle wussten warum – das war lustig. Bitte um 16.00 Uhr an Bord der NESSAJA kommen.
Leider war meine Disziplin nicht so ausgeprägt wie Sibylle sich das erhofft hat…

Der „Birthday Song“ schallt mit 80dB über den Steg – spätestens jetzt könnte jeder erahnen was hier auf NESSAJA abläuft. Der Nachbar aus Venedig bekommt, glaube ich, grad Gänsehaut und bangt um seine Nachtruhe. Was er nicht weiß – Rücksicht gebietet uns, dies nicht zu tun – die Stegparty endet vor dem Dinner…

…bis dahin, immerhin drei Stunden, muss er das Getöse aber aushalten. Wir beschallen ihn mit Hymnen aus unserer Jugend – von „Turn me loose“ bis „Final Countdown“ war alles dabei! Abgerundet mit einer Runde Stelios Rokkos – griechischer Schlager bis zum Abwinken.
Auch hier, Spaß beiseite, wir waren anständig, die Musik in Zimmerlautstärke – wir wollten uns ja unterhalten. Alles halb so wild also…
Um 19.00 Uhr ging es mit einer kleinen Runde in die Autos bzw. auf die Moppeds um sich in Alinda in Dimtris „To Steki“ zu treffen.

Dorthin zu gehen war Sibylles Wunsch, sie mag das kleine Lokal und die netten Wirtsleute – und natürlich die Meze, die Dimitris und seine Frau auf den Tisch zaubern. Wir haben, wie immer in unserem favorisierten Lokal, bestens gegessen…


…und Sibylle wurde, zu später Stunde, noch von den Gastgebern überrascht – mit einem Geburtstagskuchen und einem letzten Ständchen von der Gesellschaft. So darf Geburtstag sein – das perfekte Maß.



Wir fuhren nach Hause, Sibylle hatte Gelegenheit sich nochmals bei allen Gratulanten zu bedanken und sich in Ruhe die Geschenke und kleinen Gesten anzusehen. Nochmals herzlichen Dank an alle!!!

Am nächsten Morgen bricht für uns ein Brückentag an. Ein persönlicher Brückentag sozusagen, nämlich der 20. Mai, welcher die Brücke zwischen Sibylles und meinem Geburtstag ist. Ich genieße an diesem Tag immer das Gefühl 8! Jahre jünger zu sein, Sibylle tritt mir dafür jährlich ans Schienbein um zu versichern „morgen ist das wieder anders!“
Ja, morgen…
Heute repariere ich – nämlich den Kabelbaum meines Motors! Um hier endlich zum Ende zu kommen. Wir erinnern uns – geplanter Termin zum Auslaufen ist der 26.05.! Noch 6 Tage – final countdown!



Am frühen Abend trage ich noch den Stuhl zum Schreiner. Ich habe mir überlegt, dass ich eine Art „Fußplatte“ möchte – in der Farbe meines Holzes, größer für die Standfestigkeit, dick wegen dem Gewicht und um Puffer daran anzubringen.
Ich beschreibe was ich will, er nimmt den Auftrag an und bittet mich in drei Tagen wieder zu kommen.
Dann fahren wir nach Lakki um mal wieder Giros im „SouVLakki“ zu essen – uns fällt auf, dass schon viele Boote unterwegs sind. Bald werden auch wir hier liegen, wir können uns das kaum vorstellen!


Der Abend läuft aus, wir gehen zeitig ins Bett – morgen wird vielleicht wieder ein anstrengender Tag!
Ich wache auf – mein Geburtstag, der 21. Mai 2023! Ich sinniere ein wenig – ich bin jetzt 56, lebe auf einen Segelboot in Griechenland, zum zweiten Mal verheiratet, 4 Enkel. Ich bin zufrieden, ja, auch glücklich – dennoch frage ich mich manchmal „was kommt noch?“
Um dieser Frage auszuweichen und um nicht gedankenschwer in den Geburtstag zu starten eröffne ich, viel zu spät in diesem Jahr, einen liebgewonnenen Brauch – ich starte den Tag mit einem Bad im Meer, am Lieblingsstrand in Panteli…



Danach fahre ich zurück zu Sibylle. Sie wartet schon auf mich, gratuliert herzlich und dann fahren wir zu Marietta. Heute wollen wir hier frühstücken und haben Susanne und Thomas eingeladen. Ich mag Marietta, sie ist sogar meine Lieblingsmarietta – und sie hat irgendwie von den Geburtstagen erfahren…

…und unser Bild fand „irgendwie“ den Weg ins Internet, in dieses Instadings!

Wir genossen das Frühstück und hatten Freude an den kleinen Kuchen – eine so nette Geste.


Ich bestelle mir zum Abschluss eine Kaffeespezialität und Alex, Mariettas Bruder, übertrifft sich förmlich – so einen Kaffee habe ich auf Leros noch nicht bekommen!

Nachdem die Cockpitparty von Sibylle ein voller Erfolg war und mir zudem das Gesicht des Venezianers so gefallen hat, beschließe ich diesen Erfolg einfach zu wiederholen. Abermals laden wir also die Nachbarn zum Umtrunk um 16.00 Uhr, wieder kennen die meisten den Grund nicht und sind verwirrt.
Weil wir aus Erfahrung wissen, was die trinken können, starten wir unsere neue Tiefkühltruhe – unseren Joker! Wir setzen Rinaldos Beschwerde bezüglich der Weißweintemperatur vom Vortag und seiner Forderung nach FÜNF Eiswürfeln, heute eine Getränketemperatur von 3°C entgegen – ich gebe nicht auf bis er Zahnhalsziehen bekommt 😉

Danach ziehe ich mich nebst Gattin und Gitti (klingt lustig) an den Pantelistrand zurück – ich genieße Eiscreme der Geschmacksrichtung Ssssssaa… – na wer weiß es?
Genau, Salted Caramel – ein Gedicht – aber ich glaube, ich habe das bereits einmal erwähnt!

Danach pflanze ich mich auf einen gemütlichen Stuhl während sich die Damen in der Sonne aalen – ich nehme den Gedankenstrang von heute morgen noch einmal auf – „…was kommt noch? Wie viele Jahre bleiben noch?“ Offensichtlich werde ich alt!


Mein Telefon gibt ein Signal, wir müssen zum Schiff, die Gäste werden bald kommen. Trotz Geburtstag übernehme ich abermals die Rolle als Mundschenk – die scheint mir zu stehen, das hat sich bewährt.

Auch mir werden von den Gästen Geschenke überreicht – von Weihrauch und Myrrhe sieht man Gott sei Dank ab, dennoch frage ich mich, warum man mir den Alkohol zuschreibt und Sibylle die Bodylotion?
Möge sich jeder selbst seine Meinung bilden…

Die ersten Gäste kommen, zufällig schlendert Benno vorbei, wir wussten nichtmal, dass er in der Marina ist – „…kommt dazu, seid spontan!“ – fordern wir ihn auf!
Nichtsahnend packt er seine Hilde nebst einer Flasche Prosecco und kommt an Bord, wir haben eh genug Platz 😉 – später erfährt er den Grund des Zusammentreffens und damit auch den, warum sich alle so gierig auf seine Proseccobuddel stürzen – vornehmlich die Damen, während die Herren dezent an der Bierdose nippen.



Abermals spielen wir die 80er Playlist rauf und runter, abermals wird dem Venezianer Angst und Bange – aber wieder bleibt er verschont…

Auch bei mir kam ein ganz schöner Gabentisch zusammen – weder Sibylle noch ich hatten damit gerechnet – ich kann nur wiederholen, vielen Dank für alles und vor allem die Gedanken, die ihr euch gemacht habt!

Auch mein Geburtstag klingt aus. Wir gehen ins „Kakomoiras“ um dort Meze zu essen. Meine Mails und WhatsApps checke ich spätabends nach unserer Rückkehr.
Ich freue mich über alle Nachrichten – eine aber sticht heraus – man gratuliert mir aus dem Paradies…

Die Geburtstage liegen im Kielwasser, wieder sind wir ein Jahr älter geworden, wieder kommt es uns so vor als ob die Zeit rast.
Viel Zeit darüber nachzudenken oder gar für ein Resümee bleibt uns nicht. Gitti reist heute ab und wir wollen sie gebührend verabschieden. Also bringen wir sie am späten Vormittag nach Agia Marina um dort noch einen Kaffee zu trinken.

Diesmal steigt uns aber ein betörender Duft in die Nase, nämlich ein Girosduft! Während Sibylle naserümpfend abwinkt, hat Gitti die Fährte aufgenommen und zieht Richtung „To Kroupia“ – eine gute Adresse für Giros 😉
Ich schlage mich auf Gittis Seite und richte mahnende Worte an meine Frau – wie könne sie der Freundin ein letztes griechisches Gericht vor der langen Reise verwehren???
Ha, Volltreffer – wir suchen uns einen Platz in der ersten Reihe…


Ich entschied mich für vegetarische Köfte, das war ein strategischer Akt, weil Sibylle vor der Bestellung meinte, dass „ich zweimal Fleisch am Tag vergessen könne“ – so bleibt Luft für´s Dinner 😉
Während ich mich noch selbst für diesen genialen Schachzug feiere, können wir auf „Marine Traffic“ sehen, dass Gittis Fähre gleich um´s Eck kommt. Wir zahlen und gehen zum Anlegekai…
Dann geht es ruckzuck, die Freundin verabschiedet sich, entert den Zubringer zur Flughafeninsel Kos und sucht sich einen Platz zum Winken.



Sibylle und ich fahren in die Marina zurück – jetzt ein paar Schritte gehen! Wir starten eine Marinarunde und biegen auf den E-Steg ab – zack, schon hat´s uns. Benno fängt uns ab, lädt zum Frühschoppen, er wolle schließlich noch Servus sagen, sie würden gleich auslaufen. Wer kann da schon nein sagen?

Der Geltinger macht ernst – er wartet bis ich meine Halbe ausgetrunken habe und schmeißt dann erst uns raus und dann die Leinen los – auf bald, schöne Zeit!

Wir verwerfen unsere Marinarunde und gehen stattdessen in den Online-Modus. Ich empfange eine Nachricht von René, der mit seiner Dufour 43 Classic POLARIS gerade eine große Reise beginnt und fragt, ob er uns auf die Buddyseite seiner Webseite setzen dürfe…

Mir gefällt, was der junge Mann da gebastelt hat und welche Idee er verfolgt – ich stimme zu. NESSAJA ist inzwischen bekannt.
Glaubt ihr nicht? Gebt mal NESSAJA als Suchbegriff bei Google ein – ha, Peter Maffay, Scooter, na klar…
Aber jetzt setzt mal SY davor 😉
Auch Sibylle beschäftigt sich im Internet. Ihre Mühe gilt dem Aufbau einer Videoleitung zu unserer Freundin Katharina, schlussendlich gelingt ihr das. Ich soll mal rüberrutschen!

Katharina wird uns bald besuchen. Mit ihr wollen wir segeln, sie wird uns auf unserem ersten Törn begleiten. Es gibt noch ein paar Kleinigkeiten zu besprechen – welche Kleidung ist ratsam, wohin führt uns die geplante Route, was einkaufen? Letztlich bringt Kate auch noch ein paar Kleinigkeiten mit, auch hier gilt es noch Details abzustimmen (ich freue mich inzwischen auf meinen Gürtel)!
Der Tag klingt aus, irgendwie sind wir todmüde und fallen ins Bett…
Neuer Tag, neues Glück – Werner wird bald ankommen, darauf freue ich mich besonders. Ich habe aber an ALENA noch einen offenen Punkt zu erledigen, jetzt drängt die Zeit. Die Halterungen für die Gangway müssen angepasst, etwas verbreitert werden. Dafür schraube ich die Dinger erstmal ab…

Während ich an ALENA werkle, verabschieden sich Gottfried und Gabi. Wir drücken die Beiden und winken nach, als sie die Leinen loswerfen. Auch sie werden für ein paar Monate weg sein – gute Reise!


Da Giorgos mich zum Schweißen der Haltebügel auf morgen vertröstet, erledige ich eine offene Aufgabe an NESSAJA. Ich habe eine Zierleiste anzubringen welche ich aber weder besorgen noch retten kann.
Sibylle hat die idee eine Leine einzulegen – hmmm, zuerst zweifle ich, aber nach einigem Messen und überlegen drängt sich eine optimale Lösung auf…


Das Ergebnis war fantastisch und in der Summe weder teuer noch aufwändig – das Lob für den Geistesblitz des Tages gebührt meiner Gattin!
Wir beschließen bei Marietta zu Abend zu essen und tuckern mit der GS nach Lakki…

…dort parken wir neben der GS von Mariettas Mann Takis. Er hat eine 800er und kann mir häufig Ratschläge geben wenn ich was suche. Meist sind die Antworten die, die ich nicht hören will (go to Athens) – aber ich spare mir dann Zeit Dinge oder Möglichkeiten zu suchen, die es auf der Insel nicht gibt.
Die Beiden haben die Geschäftszeiten ordentlich angepasst – von früher 20.00 Uhr jetzt bis Mitternacht, Sonntag offen, stattdessen nun Montag nur bis 15.00 Uhr – ein Erfolgsmodell, aber auch Stress für die fünfköpfige Familie.

Jedesmal wieder freuen wir uns über die nette Deko, die Details erkennt man bei genauem Hinsehen…


Inzwischen hat Marietta eine Speisekarte. Aber ich mag und bevorzuge es, wenn die Chefin an den Tisch kommt und die „Dishes of the Day“ runterbetet, da werde ich nicht darauf verzichten.

Am nächsten Morgen gehe ich zum Schreiner. Der Stuhl ist fertig. Ich muss ihn noch in der Sitzhöhe anpassen und zusammenbauen – also räume ich das Werkzeug raus – Endspurt!

Das Ergebnis kann sich sehen lassen – ich bin wirklich begeistert. Das steht schon lange auf meiner Wunschliste, hat sich nach dem Salonumbau förmlich aufgedrängt und konnte jetzt nebenbei umgesetzt werden – zu meiner vollsten Zufriedenheit!


So langsam wird´s – ich bin zufrieden mit NESSAJA, ich bin zufrieden mit dem Ergebnis aus fast eineinhalb Jahren Arbeit!
Wir beschließen, dass wir Werner für dessen Ankunft seine ALENA etwas vorbereiten wollen. Ich montiere die Gangway, Sibylle macht ein wenig sauber.

Während Sibylle schrubbt, fahre ich zu Giorgos und lasse die Halter umarbeiten. Das sollte, zumindest vor der Übergabe, mein letzter Handgriff an ALENA werden.


Ich schaffe es noch, die Halter zu montieren, bevor wir einer Verabredung Folge zu leisten hatten. Wir haben in Facebook die Werbung unseres lokalen Top-Metzgers gesehen – es gibt eine Feier zur Neueröffnung seines Ladenlokals.
Der Einladung leisten wir gerne Folge und treffen zur propagierten Zeit vor des Fleischers Geschäft ein. Xatzigrigoriou ist ein Mitglied der „Artisan Butcher“ Community, einige der Kollegen waren zugegen und halfen beim Grillen, ein Mordsevent…



Wir kamen später noch einmal wieder, aßen gemeinsam und vertrieben uns den Abend in Lakki. Zurück am Schiff, erklärte Sibylle sich selbst für müde und bettreif. Nun, da kann ich sie wohl nicht aufhalten.
Ich dagegen setzte mich auf meinen Platz und verharrte – ich wartete, bis Werners Fähre ankam und mein Freund die Insel betrat, ich wollte ihn empfangen!

Zugegeben, auch ich spüre das Alter – ich war froh, als nach 02.00 Uhr die Fähre endlich abbog und ich zum Hafen fahren konnte um dort der Ankunft entgegen zu sehen.



Ich packe Werners Taschen schneller ins Auto als er schauen kann und chauffiere uns zur Marina. Wir freuen uns über das Wiedersehen, beschließen aber rasch, dass morgen ja auch noch ein Tag sei und gingen ins Bett.
Spektakel an Ponton D!!! Unser Freund aus aus dem Saarland beklagt, dass er „doch immer Pech hätte“ – was war passiert???
Der Chef der Taucher hat die Arbeit der letzten Wochen inspiziert und allerlei Zeug aus den Tiefen des Hafens getaucht. Die einen freuen sich über verloren geglaubte Badetücher, andere über ihre vermissten Sonnenbrillen – und Hans-Peter?
Nun, der freute sich NICHT über zwei halbe Propeller. WAAAAS??? Ja, richtig gehört, der Taucher brachte ihn zwei halbe Propeller!
„Da muss man doch was machen“ – sprach der ehemalige Berufstaucher und schlüpfte in den „Arbeitsanzug“, ein Kontroll-Tauchgang tat Not!


Die Kontrolle bestätigte den schrecklichen Verdacht – Hans-Peters Propeller ist einfach in zwei Hälften zerfallen und auf den Meeresgrund gesunken – einfach so…
Alle liefen zusammen und beratschlagten sich. Meinungen wurden geäußert, über Ausfallgründe wurde spekuliert – aber das Wichtigste war, dass Lösungen erdacht wurden.

Zuletzt erhielt HPs LIBERTÉ sogar eine Aufwertung, weil der gammlige Zweiblatt Prop durch einen neuen Dreiblatt ersetzt wurde. Der Preis war eine Essenseinladung – ein Schnäppchen!
So wendete sich das Blatt – der scheinbare Pechvogel wurde zum Glückspilz und gewann zudem die begehrte Trophäe „Held des Stegs“ an diesem Tag!
So verging der Tag wie im Flug, wir richteten uns kurz und fuhren dann nach Xirokampos, wo wir bei Susanne und Thomas zum Essen eingeladen waren. Wie eigentlich immer, kochten Susanne und Stella um die Wette, denn auch sie und ihr Gatte Tasos waren Gäste an diesem Abend. Eine bewährte und gesellige Runde!




In dieser Runde ist es ein Wahnsinn! Es wird typisch griechisch aufgetischt – nicht nur die Speisen betreffend, auch die Mengen betreffend! Wir sind sechs und Essen gibt es für fünfzehn – KEIN MENSCH könnte das aufessen – und es will was heißen wenn ich das sage!

Hier mal ein paar Impressionen einer solchen Tafel, bei der alle Gerichte in der Mitte stehen – ganz ehrlich, ich will gar nicht mehr anders essen. Das können sie, die Griechen!!!




Als ob es nicht genug wäre, gibt´s zur Nachspeise noch einen „Café Helleniko“ und ein Stück Zitronenkuchen. Man meint immer man platzt, aber meine Erfahrung beruhigt mich – bis heute ist das nicht passiert.
Es ist der 26.05.2023 – der „große Tag“!
NESSAJA soll, sie muss, heute auslaufen. Wir haben eine Verabredung mit Sotiris in der Bucht von Lakki, er soll unsere Sprayhood vermessen um eine neue anzufertigen. Unser Plan ist, dass wir am Nachmittag auslaufen und in der Bucht vor Anker gehen, ich möchte das Getümmel am Stadtkai vermeiden und zugleich Anker und Davits probieren – wir übernachten dann eine Nacht in der Lakki Bucht, bevor wir anschließend langsam nach Kos tingeln. Dort holen wir am 29.05. unsere Freundin Kate ab.
Soweit der Plan! Wir beginnen also, diesen umzusetzen und machen NESSAJA fertig zum Ablegen, dafür haben wir, geplant, bis 15.00 Uhr Zeit.

Wir füllen die Wassertanks, Diesel haben wir noch genug, wir fahren noch einmal einkaufen und verpacken das Motorrad – dann kommen die Winterketten weg und die langen Festmacher werden gelegt.

Wir machen das Stromkabel und den Wasserschlauch weg und als wir wirklich alles fertig haben nehmen wir auch die Gangway an Bord – jetzt die Leinen etwas fieren…
Warum machen wir das? Weil ich die Lücke am Heck so vergrößeren möchte, dass wir das Dinghy in die Davits nehmen können. Das erleichtert das Manövrieren in der Marina. Gesagt, getan!

Ich überlege gut, wie ich rauskomme ohne zu nahe an das Motorboot heranzufahren, das geht aber easy und so heißt es für uns um circa 15.00 Uhr – LEINEN LOS!




Offen gesagt, es sind ja nur ein paar Meter – aber nach so langer Zeit braucht es ein bisschen, bis man wieder Vertrauen in die neuen Systeme und die eigenen Fähigkeiten aufgebaut hat.
Wir suchen uns einen guten Platz und werfen den Anker…

Wir machen „klar Schiff“, hängen die Fender auf die Seite und machen das Beiboot nebst Motor klar. Die Leinen kommen weg, die brauchen wir vorerst nicht mehr.


Es gibt den ersten Anlegeschluck seit Monaten und er schmeckt herrlich. Es war schon mehr ein Anstoßen auf das Ablegen, wir sind wieder unterwegs. Wenn auch zunächst in kleinen Schritten.
Ich informiere Sotiris, dass wir klar sind und erwarte sein Signal ihn abzuholen.

Etwas später ruft der begehrte Handwerker an, er sei bereit, ich könne ihn abholen. Ich springe ins Dinghy und gable ihn und Sebastian, der heute als Helfer agieren wird, an der Hauptstraße auf und bringe die Beiden zu NESSAJA. Die legen auch sofort los…

Für das Abmessen wir eine Art Schnurgerüst gespannt, welches das Gestänge in der Ursprungsform fixiert. Dann kommt die alte Sprayhood weg. Danach wird das Gestänge mit einer festen Klarsichtfolie überzogen – auf die kann gemalt werden und es können Maße notiert werden. Eigentlich sehr cool!

Der ganze Spaß dauert rund zwei Stunden, dann bringe ich die fleißigen Arbeiter zurück an Land. Sibylle und ich machen uns frisch und dann setzen auch wir über an den Anlegesteg für die Schlauchboote.

Unser Freund Werner hat die Gelegenheit genutzt, uns noch einmal für ein Dinner „im kleinen Kreis“ abzufangen. Es gibt viel zu erzählen, wir planen uns unterwegs zu treffen.
Gemütlich sitzen wir bei Marietta zusammen und lassen den Tag bei einem guten Essen ausklingen.




Am nächsten Morgen gehen Sibylle und ich relativ früh „Anker auf“. Wir wollen Systeme wie den Autopiloten und die Navigation ausprobieren und verschiedene Setups machen.
Der Wind ist uns leider nicht hold, so motoren wir nach Kalymnos in die Bucht Palionisos, wo wir recht zeitig festmachen. Auch das ein Vorteil des frühen Aufbruchs, die Bojen in dieser Bucht sind recht begehrt und meist früh belegt – doch heute haben wir freie Auswahl!


Wir nehmen das Schlauchboot runter und gehen baden. Dann gibt es einen Anlegeschluck und ein paar Minuten zum Erholen. Irgendwie ist es noch nicht in unseren Köpfen angekommen – wir sind ausgelaufen, weg, unterwegs, an einer Boje…
So langsam füllt sich das Bojenfeld und wir bekommen Hunger. An Land vernehmen wir Klänge von Gitarre und Saxophon – was ist das? Wir setzen über und wollen eine Antwort auf diese Frage finden.



Wir sehen uns etwas um und erkennen sehr schnell, die Musik ist live und kommt aus der Bar „Bakalogatos“, welche zwischen den beiden Tavernen mit den Bojenfeldern ansässig ist.


Auf Nachfrage erklärt man uns, dass jeden Samstag Live Music sei und diese etwa in einer Stunde beginnt. Dann spielen die Jungs etwa für drei, vier Stunden.
Sehr cool! Wir melden uns gleich mal für einen Absacker an, erklären aber, dass wir zum Dinner der Taverne verpflichtet sind, an deren Boje wir liegen. Das gehört sich so – also auf zu Ilias!



Nach dem Essen setzen wir unseren Plan um und gehen in die coole Kneipe mit den beiden Livemusikern. Dort sind inzwischen viele Gäste eingetrudelt, vorwiegend junge Griechen, welche der Performance der Künstler lauschen – es war eine coole Stimmung, wir hatten viel Spaß!


Der Abend verging, es wurde später. Am Nebentisch saß eine Gruppe junger Griechinnen in Begleitung eines Burschen. Alle waren bester Laune und es war offensichtlich, alle animierten ein Mädel zum Singen.
Die derartig gepushte Lady ließ sich erstmal bitten, verhandelte dann aber mit den Musikern – und dann fing sie an…


Sowas bietet immer zwei Möglichkeiten – entweder geht man peinlich unter oder man liefert. Und diese junge Frau hat geliefert! Sie haute einen griechischen Song raus, den offensichtlich alle kannten. Feuerzeuge gingen an und viele sangen mit – mir lief die Gänsehaut runter.
Das kann man im Foto einfach nicht festhalten – ein Wahnsinnsmoment!
Am nächsten Morgen gehe ich sehr früh baden, das ist meine Stunde! Baden, ein Tässchen Kaffee und der Bucht beim wach werden zusehen.

Wir frühstücken in Ruhe und beschließen, dass wir eine zweite Nacht hier bleiben. Ein echter Ruhetag, ein Tag zum Relaxen. Wir entdecken Ray mit seiner RISE´N SHINE am Ende der Bucht – aber ich gehe ihm aus dem Weg. Ich mag ihn, genieße aber die Ruhe – keine Technikgespräche…
Abends gehen wir wieder zu Ilias und genießen abermals den Ausblick auf die Bucht mit unserem Schiff. An diesem Abend würde sich die Bucht komplett füllen.

Erst am nächsten Tag laufen wir aus, wir beginnen den Tag gemütlich, denn wir haben keine Eile um die Marina von Kos anzulaufen – wir haben reserviert.
Die Überfahrt wird entspannt, jedoch ist abermals kein Wind, welcher uns von Nord nach Süd treiben würde. Also motoren wir auch dieses Stück. Für mich ok, denn ich kämpfe noch etwas mit meinen Autopiloteinstellungen – Sibylle muss inzwischen Dienst am Ruder tun.

Gegen 1400 kommen wir in Kos an, etwa eine Stunde früher als geplant. Dies stellt aber für die professionellen Marineros dieser Base keine Herausforderung dar.
Man weist uns ein und schon Minuten später liegen wir fest in der Kos Marina.


Wir freuen uns wieder hier zu sein, denn ab und an schätzen wir das Ambiente der schönen Marina. Hier würden wir auf Kate warten. Auch hier soll es einen Anlegeschluck geben, den gönnen wir uns aber in der Marinabar – denn wir hoffen dort, nach zwei Jahren, wieder auf die „beste Bedienung der Welt“ zu treffen.
Ja, sie ist noch da – und sie erkennt uns wieder! Redselig wie immer, nett wie immer und tatsächlich auch eine gute Bedienung. Ob sie die Beste ist? Ich weiß es nicht, aber ich mag sie, das zählt!
Diese Gedanken vergesse ich über unser Club-Sandwich und unserem Drink!

Ich vernehme das „böse Wort“ – Sibylle leitet den nächsten Satz ein mit „…wir müssen…“, was soviel heißt, wie „…ich will und Du musst…“ – in diesem Fall will sie Wasser auffüllen und ich muss dieses zum Laufen bringen. Erstens kommt kein Wasser und zweitens hält „das Ding“ nicht!
Erstens bekomme ich schnell gelöst, denn tatsächlich funktioniert zuerst der Chip nicht, dann unser Wasserhahn – mit einem anderen Chip an einem anderen Wasserhahn geht es!
Was ist nun “ das Ding“???

Grrrr! Sibylle hat Recht! „Das Ding“ kann nicht halten, denn die Zapfen die einrasten sollen sind ausgebrochen, zudem federt er nicht mehr zurück. Es überrascht mich nicht, denn er ist Nummer zwei seiner Spezies die ich ins Nirvana schicke – so ein Glump!
Gekauft bei Andreas Kritikos, wie sooft ein Fehlkauf. Nicht wegen Andreas, eher wegen der Tatsache, dass in Griechenland wesentlich mehr Billig-China Ramsch angeboten wird als in Deutschland. Die Gardena Alternative sucht man hier vergebens.
Glücklicher Weise hatte ich noch ein Gardena Anschlussstück in meiner Kiste und Sibylle bekam ihr Wasser – leider!
Warum leider??? Nun, dazu gibt es keine Bilder – ich sage nur soviel – eine Druckbetankung mit dem Wasserdruck der Kos Marina ist für unseren flexiblen Tank gar nicht gut. Der entwickelt nämlich soviel hydraulische Kraft, dass er seinen Deckel wegsprengt. Dies bescherte mir zwei Arbeitsstunden – eine spät in der kommenden Nacht, eine am frühen Morgen – aber das weiß ich ja noch nicht und ich lege auch das Deckmäntelchen des Schweigens darüber…

Katharina, der Einfachheit halber Kate, kommt mit Verspätung an und springt sofort in ein Taxi. Sie teilt ihren Live Standort, so dass wir sehen können, wann wir sie am Taxistand abholen dürfen.

Das Taxi kommt, wir heißen die Freundin willkommen und tragen das Gepäck auf NESSAJA – ohne großen Aufenthalt gehen wir ins Restaurant, der Gast und auch wir haben Hunger. Die Wahl fiel auf „Ali´s Restaurant“ wo wir sehr gut gegessen haben.

Am Heimweg stellen wir überrascht fest, dass es die sehr leckere Eisdiele nicht mehr gibt. Na egal, da müssen wir eben verzichten. Wir gehen zurück in die Marina, quatschen noch ein bisschen und packen die Tasche aus – jeder bekommt die bestellten Mitbringsel und ich kann endlich von Expander auf Gürtel umstellen. Sibylle freut sich mit mir…
Dann sacken wir todmüde ins Bett, morgen beginnt der Urlaub, Kates Urlaub!
Der Tag ist rasch erzählt – nach dem Aufwachen gehen wir duschen, frühstücken und kaufen nochmals ein – Lücken füllen. Dann bezahlen wir die Marina und melden uns ab. Wir laufen aus mit Ziel Kalymnos, Bucht Emborios auf der Westseite.
Die Fahrt war ein Tuckern unter Motor, wir hatten Zeit zum Ratschen, mussten dazwischen aber einem Regenschauer davonfahren. Es war uns klar, die nächsten Tage würden windstill sein, wir wollten Weg nach Norden und etwas nach Westen machen.

Ich mag Emborio, ich verbinde Erinnerungen, ich mag Kostas, seine Töchter, die das Restaurant betreiben und ich mag seine Bojen. Ich freute mich, dass wir einen der strandnahen Festmacher schnappen konnten! Natürlich wurde ein Anlegeschluck in Form eines Gin-Tonic gereicht.

Sibylle setzt an „…wir müssen…“ – NEIN, müssen wir nicht! Sie möchte wandern gehen und ich soll shutteln – das mag ich jetzt aber nicht, weil ich baden und Logbuch schreiben will.
Sibylle wird also in diverse Rudertechniken eingewiesen und ins Schnulli gesetzt. Wenn sie um Hilfe riefe, würde ich kommen. Die Holde rudert los…

Meine Frau gehört also zu der Gattung der „Vorwärtsruderer“, ich selbst bin „Rückwärtsruderer“, tut aber nix zur Sache. Sie kommt flott voran und bringt von ihrem Ausflug ein paar coole Bilder mit.


Ich lebe in dieser Zeit meinen Plan, schreibe mein Logbuch und bade ausgiebig. So soll das sein, so kommt jeder auf seine Kosten!

Das Führen eines Logbuches ist übrigens Pflicht. Die Form ist zwar freigestellt, aber führen muss man es – ich halte daran fest und schreibe täglich und ausführlich. Ob ich auf digital umstelle weiß ich noch nicht, ich muss es mal probieren…
Am Abend setzen wir über, um bei Kostas zu Abend zu essen.





Warum frischen Thunfisch für uns alle drei? Weil Sibylle beim Spaziergang gesehen hat wie der Fischer des Hauses einen ganz frischen gefangen hat, welcher noch im Hinterhof zum Ausbluten aufgehangen war – frischer geht´s nicht und die Steaks waren ein Traum!
Am nächsten Morgen wachen wir alle zeitig auf und stürzen uns vor dem Frühstück ins kühle Nass – DAS ist Lebensqualität!

Wir legen Archangelos als Tagesziel fest und werfen die Leine los. Ich schlage vor, dass wir, wenn wir Panteli passieren, schnell den Anker werfen, mit dem Schlauchi an Land gehen und uns eine Kugel „Salted Caramel“ gönnen – gedacht, gemacht – leider gibt es keine Bilder von unserem Boxenstop, weil wir den Foto an Bord vergessen haben. Toll war es trotzdem!
Fotografisch festhalten konnten wir dagegen unser Treffen mit Ray´s RISE´N SHINE auf der Höhe von Agia Marina.

Kurze Zeit später fahren wir zwischen Archangelos und Leros und halten auf die Bucht zu, in der das „Stigma“ seine Bojen anbietet. Ich habe unser Kommen angekündigt und die Betreiber Giorgos und Evropi freuen sich auf uns…


Alles frei!!! Wir bekommen meine Lieblingsboje und machen fest. Ich liebe diesen Flecken Erde! Er ist so nah und doch so weit weg – ein friedvoller Microkosmos. Eine Idylle die sich hoffentlich nie verändern wird…

Wir trinken unseren Anlegeschluck und gehen in den Genießermodus – Badefreuden sind angesagt, schöner wird es nicht!


So verbringen wir den Nachmittag, baden, lesen, faullenzen! Ein Traum, hier könnte ich es lange aushalten…
Abends setzen wir über, um ins „Stigma“ zu gehen. Giorgos, Evropi und Mr. Dimitris empfangen uns überschwänglich und voller Freude. Wir spüren, wir sind herzlich willkommen.


Wir setzen uns an unseren Tisch und genießen erstmal den Ausblick – mehr braucht man nicht! Das ist es was das Segeln so reizvoll macht, Bootfahren generell lässt einen Plätze erreichen, die nur schwer mit dem Auto anzufahren sind.
Schaut selbst…



Wir bestellen ein paar Meze und als Hauptgericht „Octopus Tigania“, Octopus aus der Pfanne, gedünstet in Samoswein mit Zwiebeln und etwas Chili – DAS steht nicht auf der Karte, Evropi kocht es für uns, weil ihre Tochter uns das vor Jahren einmal empfohlen hat. Dieses Essen ist an Schlichtheit und Geschmack kaum zu übertreffen, da verzichte ich auf Sterneküche, wenn ich barfuß auf der Terrasse des „Stigma“ ein „Octopus Tigania“ aus Evropis Töpfen essen kann! Mein Wort darauf!

Was ich vergessen habe zu erwähnen – Vollmond sollte natürlich auch sein 😉

So endet unser Mai 2023 – ein Monat voller Ereignisse!
Er endet offen, denn unsere Tour hat erst begonnen. Dehalb verspricht der Junibericht auch ein ganz besonderer zu werden – einer vom Reisen und von Urlaubsfreuden statt von Marinatagen und Reparaturärger.
Bleibt also dran, es lohnt sich! Hier ein Ausblick – wir sind bis 10.06. unterwegs und haben auch herrliche Segeltage. Nach Katharinas Heimreise treffen wir die Crews der ELOWYN und der TRINITÉ und NESSAJA bekommt ihr neues Sprayhood – es gibt also einiges zu berichten! Ich denke, dass ihr vor diesem Hintergrund auch erkennt, warum ihr auf diesen Monatsbericht so lange habt warten müssen…
Und sonst, was gibt es Neues aus der Marina? Man sagt, wir hätten eine Lücke hinterlassen – im Wortsinn!
Alistair hat mir ein paar Tage nach unserer Abreise ein Bild geschickt – er wollte uns besuchen…

Ein Jahr haben alle Menschen die an D1 vorbeigingen NESSAJA hier liegen sehen. Jetzt ist die Lücke offen, NESSAJA ist wieder unterwegs – rollin´, rollin´, rollin´…
Schön, dass ihr bis zum Ende durchgehalten habt! Ich hoffe, dass unser Monatsbericht euch auf eine kleine griechische Insel entführen konnte und ihr ein bisschen mit uns „mitfiebern“ konntet.
Durch den Verzug in diesem Monat hören wir uns bald wieder, bleibt gesund, bleibt uns gewogen und genießt den Sommer – wo immer ihr auch seid!
Herzliche Grüße von Bord der NESSAJA
Mario & Sibylle