Das Jahr 2022 neigt sich dem Ende zu, es bricht der letzte Monat an. Mancher mag sich fragen, ob denn „The Promised Land“ von Bruce Springsteen ein Weihnachtslied sei, oder zumindest irgendwie mit der heiligen Geschichte verlinkt ist – der Gedanke drängt sich ja ein wenig auf…
Ist er nicht!
Zwei Tatsachen haben den Song von „The Boss“ trotzdem zur Dezemberheadline werden lassen – zum Einen, ich mag Springsteen und seine Musik seit vielen Jahren! Zum Anderen habe ich „Dog related songs“ in Google gesucht, denn wir sind auf den Hund gekommen! Diese Tatsache hat unseren Dezember 2022 geprägt und daher gab es kein Vorbeikommen – der Refrain von „The Promised Land“ aus dem 1978er Album „Darkness on the Edge of Town“ sagt alles…
„The dogs on Main Street howl
‚Cause they understand
If I could take one moment into my hands
Mister I ain’t a boy, no, I’m a man
And I believe in a promised land“
Ich darf hier popkultur.de zitieren – „Hunde leben im Moment, scheint Springsteen zu implizieren, und sie glauben an sich und an uns.“ Andere Verlinkungen zu unserem Leben ließen sich hieraus ableiten, dies würde aber wohl zu Abschweifungen führen!

Einleitend sei erklärt, dass dieser wunderschöne Labrador-Mix Rüde sich eines Tages im November, unsere Marina als Zufluchtsort ausgesucht hat. Es ist nicht klar, ob er verstoßen wurde oder ob es sich um einen Streuner handelte – deutlich zu sehen war jedoch, dass er abgemagert war und irgendwie krank oder verletzt schien. Er war leicht apathisch, ängstlich und hat eigentlich nur Ruhe gesucht.
Das Marinapersonal hat sich seiner angenommen, er durfte vor dem Wärterhäuschen schlafen und bekam zu fressen. Heute wissen wir, dass der Marinabesitzer, der Seniorchef, auch für eine medizinische Erstversorgung sorgte. Die Gäste der Marina mochten ihn.
Der Hund, den zu dieser Zeit alle „Black“ nannten, wurde zutraulicher, tollte phasenweise mit Electra durch die Marina und alle dachten, dass hier ein zweiter Marinahund heranwächst…
Soweit also zur Ausgangssituation – diese veränderte sich gravierend, doch bis dahin vergingen noch ein paar Tage.

Sibylle hatte beschlossen, dass etwas Adventsstimmung an Bord der NESSAJA nicht schaden könnte. Da ich nicht so sehr der Fan von Lichterketten bin und somit den Vorschlag „Faltweihnachtsbaum“ eingesteuert habe, sollte sich als Fehler herausstellen! Sibylle war von meiner Wortwahl so entgeistert, dass so ein netter Mini-Weihnachtsbaum wohl nicht auf ihrem Plan stand – nun egal, sie hat aus wenig eine nette Deko gezaubert und somit für etwas Lichterglanz an den Adventsabenden gesorgt.

Sehr häufig habe ich dieser Tage an den Film „Tatsächlich… Liebe“ (Love Actually) denken müssen – wer den Streifen kennt, weiß genau was ich meine… „Christ-mas is all around you“ – ein Titel der es auch zur Headline hätte bringen können!
Zu dieser Zeit wusste ich noch nicht, dass wir den Film an Heiligabend ansehen würden, doch gemach, gemach…
Bis es soweit sein würde, war es ja noch eine Weile hin! Der Dezember begann mit der Verabschiedung unserer Freunde aus Karlsruhe. Susanne, Marcus und die kleine Lilly wollten Weihnachten zuhause in Deutschland feiern und hatten ihre Fähre für den 01.12. gebucht. Wir aßen zusammen Lasagne an Bord von NESSAJA, so dass Susanne nicht mehr kochen musste, dann verabschiedeten wir die liebgewonnene Familie.
Noch im Gehen, sprachen die Beiden eine Einladung für den Februar in ihr Haus auf Gran Canaria aus – es reizt uns sehr diese anzunehmen. Wir werden sehen…
Bereits am Morgen des Tages, bin ich leicht genervt aufgewacht und somit alles andere als entspannt in den letzten Monat des Jahres gestartet. Ihr erinnert Euch, dass mein neuer Gasfernschalter undicht und beschädigt war, so gehörte zu meinen ersten Handlungen, das erhaltene Paket zu öffnen und den neuen Schalter einzubauen. Ich ging dabei sehr vorsichtig vor – und bemerkte daher, deutlicher als beim ersten Verbau, wie knapp das eigentlich war…

Schluss! Hier muss eine Entscheidung her, mir missfiel die Gasgeschichte schon lange und so beschloss ich, den Platz der Gasflaschen zu ändern.

Die Gasflaschen bekamen eine der noch übrigen Batteriekisten – natürlich inklusive einem Gasablauf mit Abzweigung zum originalen – und die Benzinkanister und Spraydosen mussten umziehen.

Bei solchen Aktionen, welche meist deutlich mehr Zeit verschlingen als geplant, zeigt sich erst, wie viele solcher Mittelchen man eigentlich vorhält – Wahnsinn! Das räumt man nicht „mal eben schnell wohin“! Also wurde aus der Umbauaktion auch eine mittelschwere Räumaktion – letztlich aber erfolgreich!
Und Platz für einen der etwas höher bauenden Marine-Gasregler ist jetzt auch – wurde sofort bestellt!
Daraus resultierte natürlich die Notwendigkeit einer neuen Druckverlustprüfung mit angeschlossenem Gasfernschalter. Diesmal ohne Probleme, ohne Verlust nach vorgegebener Prüfdauer. Haken dran, Gasanlage (wieder) fertig.


Der Schlauch bekam noch eine Schutzummantelung, die Gasflaschen eine Rutschsicherung und, wie erwähnt, ein Marine-Gasregler von GOK ist bestellt. Ich stelle nochmals ein Foto rein, wenn alles komplett ist.
Unsere österreichischen Freunde sind diese Nacht von ihrem Türkei Besuch zurück gekehrt, wir freuen uns, dass sie wieder da sind – die Beiden freuen sich, dass wir auf ihre FINI aufgepasst haben und die Pakete dort abgelegt haben. Dies bringt uns eine kleine Aufmerksamkeit ein – ganz herzlichen Dank euch Beiden!

Zum Thema Gasanlage sei noch erwähnt, dass ich entschieden habe, die Reklamation nicht weiter zu verfolgen. Ich habe mir die Verschraubung beim neuen Schalter noch einmal angesehen und die Funktionsweise für mich gedeutet – ich schließe inzwischen nicht mehr aus, dass ich den Schalter einfach viel zu fest verschraubt habe.
Ich hatte mir 20 Berufsjahre lang gewünscht, dass nur EINMAL ein Kunde in Erwägung ziehen würde, dass ihm ein Fehler unterlaufen ist – das ist NIE geschehen! Diesen geheimen Wunsch habe ich mir nun selbst erfüllt und meine Reklamation bei SVB zurückgezogen – mit genau dieser Begründung. Bringt vielleicht auch ein, zwei Karmapunkte?!
Darauf galt es anzustoßen! Gut, dass wir an diesem Abend bei dem anderen Teil der österreichischen Fraktion auf a Glaserl Wein geladen waren – an Bord der OCEAN FANTASY.

Ja! Natürlich wissen wir, dass es aussieht als ob der Gastgeber den Inhalt eines Urinbeutels kredenzt – wir haben einen Abend lang Tränen gelacht! Ernsthaft betrachtet, sind diese Weine aus dem Karton, zumindest als Begleitung zum Salzstangerl, nicht die schlechteste Wahl und deutlich besser als ihr Ruf. Kann ich für Griechenland so behaupten…
Hier ist es zu dieser Zeit üblich, dass die Sportvereine und andere Gruppierungen, Veranstaltungen organisieren bei denen Live Musik spielt und ein lokales Mittagessen angeboten wird. Man zahlt dafür einen Obolus, meist so um die 13.-€, mit dem man sich das Ticket kauft und gleichzeitig dem Verein etwas Gutes tut.
Vor vielen Wochen schon, hat uns Marietta zu eben solch einer Feier des Baketballvereins eingeladen. Heute war es so weit und wir sind zusammen mit der FINI-Crew nach Blefoutis gefahren.


Die Tische waren reserviert und man konnte aus drei verschiedenen Mahlzeiten wählen. Alles war sehr gut organisiert und wir saßen bald schon vor unserem Lunch.



Nebenbei wurden Bilder der Basketballsaison gezeigt und die Menschen haben palavert und Spaß gehabt. Es war ein sehr ungezwungenes und lustiges Fest. Die Musiker, Flourious der Keyboarder und mein Lieblingsgeiger Manolis, verstärkt durch unseren ehemaligen Marinero Manolis an der Bouzouki, bauten derweil ihre Anlage auf.

Es gab die Ehrungen der Mannschaften, ein paar Reden und Danksagungen. Selbst der Bürgermeister war zu Gast.

Für uns war das natürlich etwas langatmig, wir konnten uns die Wartezeit bis zum geselligen Teil aber durch einen kleinen Tsipouro verkürzen.

Dann war es soweit! Die Musiker schlugen den Takt an und der erste Tanz gebührte der Basketball-Jugend.


Ja, und dann ging´s ab! Wie immer musste man nicht lange warten, bis die Stimmung anfing zu brodeln. Es war richtig was los! Wir verweilten ein bisschen, sahen zu, bis es uns zu laut wurde und fuhren dann nach Hause.


Am Heimweg haben wir die Abendstimmung über der Gourna-Bucht genossen. Diese Seite der Insel zeigt die schönsten Sonnenuntergänge. Die Stimmung ist dabei sehr unterschiedlich, je nachdem, ob unser Zentralgestirn spektakulär vor Wolkentürmen ins Meer abtaucht, oder eher romantisch glühend im Mare Nostrum versinkt.
Der Morgen des nächsten Tages begann für unsere alpenländischen Nachbarn mit einer kleinen Aufregung. Das neue und sehnsüchtig erwartete Dinghy traf per Warensendung ein – früher als erwartet. Es wurde zur Inbetriebnahme mit anschließender Bootstaufe gerufen – das lassen wir uns nicht zweimal sagen.



Die Taufzeremonie wird durch eine Tauffachkundige, nämlich die Capetaña des Mutterschiffes, durchgeführt – Zielsetzung war, möglichst wenig des edlen Tropfens für die Taufe zu verwenden, dies aber dennoch gültig durchzuführen…

Der Rest des prickelnden Getränkes wurde auf die Kehlen der Zeremonieteilnehmer verteilt. Dies, gepaart mit der Tatsache, dass eine zweite Flasche mit einem lauten „Plopp“ entkorkt wurde, versetzte die Teilnehmerschaft in eine ausgelassene Partystimmung!

Heute sollte auch für uns ein besonderer Tag werden, der Tag an dem die Weichen für die nächsten sechs Wochen gestellt wurden.
Ohne dies zu wissen, haben wir beschlossen nach dem schwarzen Labrador-Mix zu sehen. Weg war er…
Nanu, gestern Abend war er doch noch da? Ein kurzes Umsehen in der Marina half ihn zu finden…

Ich bin da kein Gefühlsdusler – er ist ein Hund und in Griechenland gelten andere Regeln als in Deutschland. Dennoch habe ich mir eingebildet in seinen Augen so etwas wie Verzweiflung oder zumindest Traurigkeit gesehen zu haben – er war jetzt ein Kettenhund.
Wie kam das? Nun, nachdem sich der sanftmütige Schwarze mit Marinahund Electra angefreundet hatte, tollten die Beiden durch die Marina. Eigentlich mochte ihn jeder. Eigentlich, weil er sich zwei Minuspunkte ankreiden lassen musste. Erstens waren seine „Hinterlassenschaften“ größer als die von Electra – inakzeptabel groß – und zweitens, er begann Schuhe der Segler zu klauen. Dies hat Electra auch mal gemacht, da wurden die Schuhe aber von ihrem „Herrchen“, dem Elektriker, zurückgebracht. Bei ihm nicht – das wurde ihm zum Verhängnis!
Der Besitzer der Marina hat beschlossen – „Black“ darf bleiben, aber sein Platz ist künftig bei den Wachhunden an der Kette – für die nächsten 10-12 Jahre. Dieser Gedanke setzte sich bei uns im Kopf fest.
Wir wollen auf andere Gedanken kommen und fahren auf einen Drink ins Café „Palma“ – den Namen könnt ihr Euch merken, es ist das Nachfolgecafé von Popi´s „Morano Café“. Wir werden öfter bei dem Brüderpaar einkehren…

An diesem Tag war das spannungsgeladene Lokalderby der beiden führenden griechischen Basketballmannschaften aus Piraeus und Athen. Obwohl wir keine Basketballfans sind, haben wir uns etwas von der Stimmung der Gäste anstecken lassen.


Wir kennen die neuen Besitzer ja schon länger – sie waren zuvor als Kellner bei „Dimitris o´Karaflas“ angestellt. Der muss sich nun neues, gutes Personal beschaffen – das ist bedauerlich – wir wünschen den beiden jungen Männern aber von ganzem Herzen den verdienten Erfolg. Aus unserer Sicht ein sehr guter Start – es passte alles!

Die Zeit verflog und als wir zum Nachhauseweg aufbrachen, war schon die Dunkelheit über Lakki hereingebrochen. Wir mussten noch unseren Einkauf für das Abendessen machen – auf zum Metzger…

…wir bestaunten die riesigen Steaks in der Auslage, haben uns dann aber doch für Bifteki entschieden.
Bei Verlassen des Ladens sticht mir noch ein Plakat ins Auge – wieder spielen meine Lieblingsmusiker, wieder im Rahmen einer Veranstaltung eines Vereines. Vielleicht eine weitere gute Gelegenheit sich ein wenig zu amüsieren? Ich nehme es vorweg, das war nicht unser Ding und wir waren zu diesem Zeitpunkt bereits durch den Hund eingeschränkt – nächstes Mal wieder!

Das Abendessen war gut, wollte an diesem Abend aber nicht so recht schmecken – wir wollten nicht zusehen, wie der schwarze Labbi zum Kettenhund degradiert wird, wir wollten ihm dieses Schicksal ersparen und fingen an zu telefonieren…
Nikolaus! Heute war Nikolaustag und wir hatten herrlichstes Wetter – Sonnenschein und immer noch Temperaturen spürbar über 20°C. Das wollte ich ausnutzen und noch einmal baden gehen. Da Sibylle es liebt über andere zu lachen und ich gerne das Opfer dieser Eigenschaft bin, wurde ich ersucht, für den heutigen Tag die Kasperrolle zu übernehmen und mich themengerecht zu kleiden. Was tut man nicht alles???


Zusammen mit der FINI-Crew, hatten wir gestern kurzentschlossen eine Einladung zum Glühweinabend an alle noch in der Marina verbliebenen Crews ausgesprochen.
Wir sind von Schiff zu Schiff und haben persönlich eingeladen, um eine Plattform für ein übergreifendes Kennenlernen zu schaffen. Den Glühwein zum Nikolaustag wollten wir spendieren und zubereiten, wer Knabberzeug mitbringen will, darf das tun…
Zurück am Schiff galt es also Vorbereitungen zu treffen!

Wir und die FINI zogen also unsere Induktiv-Kochplatten aus den Schränken, legten Strom und sorgten für Sound.

Sibylle kochte 6 Liter roten Glühwein – natürlich selbstgemacht mit frischen Zutaten! Auch Irene begab sich auf Einkaufstour um die Gewürze und Ingredienzien für das süffige Gebräu zu beschaffen – sie kochte die gleiche Menge mit Weißwein.

Wir haben, wegen des frühen Sonnenuntergangs, 16.00 Uhr als Startzeit festgesetzt – und siehe da, pünktlich trafen die Gäste ein! Alle brachten ihre Tassen mit und es wurden viele Leckereien aufgetragen.



Es folgten tatsächlich ALLE Personen unserem Aufruf und es gab keinerlei Hemmschwellen. Es war richtig cool zu sehen, dass es Leute gab, die seit Wochen in unmittelbarer Nähe zueinander wohnen – sich aber nie gesprochen haben. Das änderte sich heute!

Wir waren 26 Personen aus 10 Ländern – es waren 12 Paare und zwei alleinstehende Skipper, die sich zum Umtrunk trafen. Türken, Italiener, Spanier, Engländer, Schotten, Waliser, Polen, Israelis, Österreicher und Deutsche trafen aufeinander – ein Gewirr aus Landessprache und Englisch – es war herrlich und tat dem Zusammenhalt der Community gut!

So verweilten wir bis in die Abendstunden und die Gruppe löste sich erst auf, als die Sonne untergegangen war und es ungemütlich frisch wurde.

Die Frage mit „Black“ war noch nicht geklärt. Zur Erklärung – es ist nicht möglich jeden griechischen Streuner zu retten, das weiß ich! Ich weiß auch, dass die deutschen Tierheime voll sind. Rational betrachtet ist mir auch klar, dass es nicht wirklich fair ist, eine Kreatur über ihr Äußeres zu beurteilen – dennoch war es für den Schwarzen ein unbestrittener Bonus, dass er mir einfach gefallen hat – ich habe immer zu Sibylle gesagt, DER wäre MEIN Hund! Was macht er eigentlich???


Wir sehen täglich nach ihm – es geht ihm irgendwie gut. Trotzdem reut er uns – sein Lebensumfeld ist ein trauriges und unaufgeräumtes. Er ist versorgt, aber „schöner Leben“ geht anders.

Wir rufen Tina und Volker an – treuen Bloglesern sagen die beiden etwas, sie sind die Crew der ELOWYN und seit Jahren mit uns befreundet. Die beiden hatten schon mal einen griechischen Hund nach Deutschland genommen und über Jahre Freude mit ihrem „Ouzo“ gehabt. Leider ist „Ouzo vor einiger Zeit verstorben – wir hofften, dass Tina und Volker sich einen Ruck geben und dem Schwarzen ein neues Zuhause bieten würden.
Natürlich haben auch Sibylle und ich über unsere Optionen nachgedacht. Wir waren uns aber einig, dass ein Hund dieser Größe unsere Möglichkeiten auf NESSAJA übersteigt und sich dann die Freiheit zur Verwirklichung unserer Pläne deutlich minimieren würde. Wenn wir ein Haus auf Leros hätten – sofort! Mit dem Schiff – nein!

Es ist ein warmer Tag – eher ein Spätsommer- als ein Wintertag. Wir verabreden uns mit Mireille und Roland bei „Repapis“ in dessen Eissalon.


Die Beiden würden bald abreisen und wir beschließen kurzfristig, uns zu einem „Abschiedsessen“ im Haus der Freunde zusammenzufinden. Wie beim letzten Besuch hat Roland wieder den Kaminofen befeuert um für wohlige Wärme zu sorgen.

Mireille hatte gekocht, es gab Spaghetti Bolognese und dazu einen leckeren Salat den Sibylle gezaubert hatte.


Ich weiß, bis jetzt hört es sich so an, als ob die Bootsprojekte an NESSAJA dem Müßiggang der ersten Dezemberwoche zum Opfer gefallen sind. Da war in dieser Phase vielleicht ein Fünkchen Wahrheit dran, aber lasst Euch nicht täuschen – der Dezember war in dieser Hinsicht ein sehr erfolgreicher Monat – und der Startschuss dazu wurde HEUTE gegeben, mit der Einleitung eines Denkprozesses.

Mir war klar, dass ich nur sinnvoll weiterarbeiten kann, wenn ich beginne die Garmin Hardware-Teile meiner neuen Navigationsanlage einzubauen. Zudem dachte ich in diesem Moment noch daran, dass Sibylle mir ein paar Sachen aus Deutschland mitbringen sollte. Diese Teile galt es rechtzeitig zu bestellen.
Ich musste also ein Gesamtkonzept erstellen, Plätze festlegen, Kabelwege messen – und einen Netzwerkplan zeichnen.
Ok, das war relativ schnell erledigt. Dabei lese ich aber – Gott sei Dank – auch die Einbauanleitungen und lerne dazu. Ich stelle fest, dass noch weitere Parameter wie Gesamtkabellängen der Netzwerkkabel, ebensolche auf beiden Seiten des Stromanschlusses und Dinge wie die LEN Werte einzelner NMEA2000 Komponenten auf jeder Seite der 12V Zufuhr beachtet werden müssen.
Ich plane also um…

Ich gleiche ab, was ich habe und erkenne, welche Teile fehlen. Zumeist sind es Kabel, dazu noch zwei Stecker und ein NMEA Konverter. Ich frage die Teile an und…. muss mich setzen! Es haut mich fast vom Hocker – 786.-€ für Kabel??? Wow, aber egal, ich brauche das Zeug und bestelle.
Im Laufe des Dezember addieren sich noch ein paar Kleinigkeiten dazu, so dass Sohn Florian am Tag vor Silvester ein weiteres Paket an uns adressieren wird – aber das wusste ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht!
Giorgos ruft an. Das Schlauchboot von Werner´s ALENA ist fertig repariert, der Lecktest zeigt keinen weiteren Luftverlust, der Boden ist angeklebt und dicht. Er würde es bringen…


Wir sagen Hallo zu Katerina und den Kindern, laden das Dinghy ab und rudern rasch in den Hafen zurück. Es wird bald dunkel und frisch. An Deck bringen wir es morgen…

Neuer Tag, neues Glück – Sibylle und ich hängen die geflickte Gummiwurst an ein freies Fall und ziehen den Tender auf´s Vordeck. Dort binde ich das Beiboot sturmsicher an und informiere Werner. Alles erledigt – der Schnulli liegt wieder auf ALENA!

GOOD NEWS! Heute war der Tag der Tage – Tina und Volker haben gestern ihr finales OK gegeben. Ich habe daraufhin mit Nikolas, dem Marinachef, telefoniert und dabei angefragt, ob wir den Hund haben dürften oder ob er gegebenenfalls Besitzansprüche erhebt.
Wir können den Hund haben und dürfen ihn holen, wenn wir etwas brauchen oder gar Hilfe nötig ist, sollen wir uns melden! WOW – er gehört damit, vorübergehend, uns und geht heute in unseren Verantwortungsbereich über.

Aus dem Kettenhund wurde ein Haus- und Hofhund! Er wird in ein Tierparadies kommen. Dafür müssen aber noch ein paar Hürden genommen werden. Er muss zum Tierarzt, wir brauchen einiges an Hundezubehör und er braucht Reisedokumente nebst einem Chip.
Also auf geht´s – ab nach Lakki in die Tierboutique nebst angeschlossener Tierarztpraxis. Er macht erste Schritte an einer Leine – da müssen wir noch a bissl üben!

In der Tierboutique (heißt wirklich so) finden wir auf Anhieb alles – zuviel um es aufzuzählen! Erwähnenswert scheint mir aber die Reisebox – ein monströses Trum, welches aber die vorgeschrieben Maße für einen Transport eines Hundes seiner Größe hat – diese soll bis zur Abreise auch als seine Hütte dienen. Zudem kaufen wir neben anderem Tinnef auch eine ordentliche Leine.
Weil es grad praktisch ist, gehen wir eine Türe weiter zum Tierarzt.

Der lässt sich die Sachlage erklären, erfasst sofort und erklärt uns was, wann und wie gemacht werden sollte. Dabei vergisst er nicht, uns immer wieder die Preise und Alternativen aufzuzeigen. Als wir signalisieren, dass wir, nach Abstimmung mit den künftigen Besitzern, das Vollprogramm wollen, kennt die Zuwendung des Dr. Vet. keine Grenzen mehr. Unser Hund bekommt sogar die Nägel geschnitten – Privatpatientenbehandlung…

Brav und stoisch lässt der Hund, der in diesem Moment noch „Black“ heißt die Procedur über sich ergehen. Er wird gechipt, geimpft, entwurmt, auf Bakterien getestet undsoweiterundsofort. Seine Wunde am Bein wird versorgt – alles scheint in Ordnung! Der Arzt schätzt sein Alter auf etwa ein Jahr, er wiegt 30kg!

So kamen wir an dem Punkt, an dem die Reisepapiere zu erstellen waren. Der Einfachheit halber wurde der Verwaltungskram auf Sibylle ausgestellt – de facto ist meine Gattin also im Moment Hundebesitzerin. Wir hören den Arzt fragen – „wie heißt der Hund“???
Ähhhh – Bl… – nein, Black heißt er nicht! Ich schlage Raki vor – ich fand Raki nach Ouzo recht gut, Sibylle nicht! Ja, wie heißt er dann nun???
Die Arzthelferin kommt aus dem Nebenzimmer. Sie weiß, dass er in die Evros Marina gekommen war und wir dort leben. „Name him Evros“, höre ich sie sagen. Ja, das ist gut, das passt. Aus Black wird Evros – sonst ändert sich nix.
Zufrieden gehen wir nach Hause und bauen unserem „Evros“ sein Lager nahe unserem Boot auf – ein turbulenter Tag!

Die Neuigkeit verbreitet sich rasch, alle freuen sich für uns und den Hund. Wir erklären allen Freunden die mal kurz vorbeischauen, dass er nun „Evros“ heißt. Wisst ihr, dass der Teufel ein Eichhörnchen ist?
Da der Schwarze die neugewonnene Freiheit ja genießen können soll und nicht vom Ketten- zum Leinenhund wird, beschließen wir, mit ihm ein zweites Mal an diesem Tag in die Stadt zu laufen. Er soll seine Abendrunde haben und wir wohnen der Eröffnung des Weihnachtsmarktes bei.

Zur offiziellen Eröffnungszeremonie trafen sich viele Menschen ein. Es war ein buntes Treiben und allerlei Stimmungsmacher gaben sich ein Stelldichein.

Ein witziger Sidekick bei diesem Bild ist, dass der Mann in der linken, unteren Bildecke der Tierarzt ist, bei dem wir den ganzen Nachmittag verbracht haben – schicksalhaftes Photobombing oder ein mystischer Schnappschuss???


An kleinen Buden verkaufen Ehrenamtliche ihre Produkte, vieles davon ist selbstgemacht, anderes ist ein wenig kitschig. Alles ist herzlich und weit weg von dem vorweihnachtlichen Konsum den wir aus Deutschland kennen.

Alles wartet gespannt auf die Eröffnung – diese ist vollzogen wenn der Weihnachtsbaum beleuchtet wird, also seine Lichter eingeschaltet werden. Dies soll wohl um 18.00 Uhr soweit sein. Alles wartet gespannt…

Es ist kurz vor sechs Uhr – 10 – 9 – 8 – 7… die Menge zählt zurück, die Spannung steigt …3 – 2 – 1 – HOPA!

Diesmal sind die Griechen pünktlich wie die Maurer – damit haben wir nicht gerechnet – und auch nicht damit, dass just in dieser Sekunde direkt hinter uns ein Feuerwerk gezündet wurde. Ein kleines, recht kurzes zwar, aber ein Feuerwerk – ich fotografiere!!!



Ich höre gellende Schreie und vernehme Worte die so ähnlich klingen wie mein Name „Mario, Mario, hey, Mariooooo“
Was war geschehen, wo war Sibylle? Und wo der Hund? Um Gottes Willen – der Hund!!!! Der war nämlich alles andere als schussfest, so dass Sibylle chancenlos war, ihn zu halten. Zum Glück hat Sebastian, der frühere Marinero, den wir mit seiner Frau hier getroffen hatten, helfen können das verängstigte Tier zu bändigen.
Ich renne hin und drücke den schlotternden und zitternden „Evros“ an mich. Es bedarf Kraft ihn festzuhalten, aber dann beruhigt er sich. Ok, eins im Kopf, auf den Hund aufpassen wenn Knallerei droht!
Wir gehen nach Hause und sind erschöpft vom Tag. Der Hund verkriecht sich in seine Box, die er sehr rasch akzeptiert hat, wir gucken noch ein bisschen Fernsehen und sacken dann todmüde ins Bett.

Während Deutschland probeweise Alarmmeldungen in Handynetze versendet, gehört dies in Griechenland schon lange zum Alltag. Auch heute reißt uns eine solche Alarmierung aus unserer täglichen Routine.
Es scheint eine Schlechtwetterfront zu kommen…
Sibylle geht mal wieder in den Schadenfreude-Modus. Ich vernehme noch Satzfetzen wie „…wasserdichte Jacke, alles zu klein, gwampert, selber schuld…“ – dabei ist mir nicht ganz klar was sie meint?!

Ich ziehe selbstbewusst meine Open Ocean Schlechtwetterjacke aus dem Schrank. Die habe ich vor ungefähr zehn Jahren oder länger gekauft. Ich schlüpfe rein – passt! Ich bin der moralische Sieger und fühle mich gewappnet.
Und die Front kam – über Stunden regnete es wie aus Kübeln. Bei so einem Wetter schickt man doch keinen Hund vor d… ähhh – aus gegebenen Anlass verzichte ich auf diese Phrase und ziehe sie zurück!

Wir mussten „Evros“ noch einmal umziehen, weil sich unter seinem Schiff eine Wasserlache gebildet hat – dort wo er jetzt einen Platz gefunden hat, liegt er aber auch bei widrigen Bedinugungen sehr gut und trocken. Immer mal wieder macht auch Electra ihre Aufwartung – zur Freude des jungen Hundes.
Wir ziehen uns bei solchen Bedingungen eher zurück, da ist keine sinnvolle Outdoor-Beschäftigung möglich!

Weil ich gerade von Electra sprach…
Könnt ihr Euch vorstellen, dass zwei Hunde menschliche Verhaltensweisen an den Tag legen – zum Beispiel Eifersucht? Glaubt es oder nicht, es ist fast wie bei kleinen Kindern.
Wenn Electra zu Besuch kommt, dann spielt sie mit ihm, lässt dann aber keine Gelegenheit aus zu zeigen, dass sie einen größeren Radius hat.

Sie unterlässt es nicht, einen Umweg zu gehen, nur um sich kurz aber eindeutig, in sein Sichtfeld zu setzen und ihm seine Grenzen vor Augen zu halten.

Klar, dass sie dabei auch in UNSEREM Sichtfeld sitzt – sie macht uns seither noch schönere Augen als bisher!

Oft begleitet sie uns aber auch beim Spazierengehen und zeigt ihm wie man mal so richtig rumfetzt!

Seit dieser Zeit kommt Electra immer dann, wenn wir mit ihm vom Gassigehen zurückkommen und ihn angehängt haben, auf unser Schiff und holt sich ihr Leckerli. Zudem schläft sie seither regelmäßig bei uns – wohlgemerkt auf Deck statt in ihrer Hütte. Es ist Eifersucht – und er steigt drauf ein und bellt! Na toll!
Wir merken, sich um den Hund kümmern ist aufwändig – und wir genießen die Momente der Ruhe seither umso mehr!

Ich bewundere Sibylle dafür, dass sie als Part ihrer Aufgaben rund um unseren Hund auf Zeit, das Aufsammeln der Hinterlassenschaften per Plastiktüte übernommen hat. Im Gegensatz zu Sibylle, ist dies keine meiner Stärken und mich überkommt dabei stetig der Würgereiz.
Bei diesem Gedanken muss ich kurz das Thema wechseln – oder eigentlich eher nicht. Während ich bei Hundekaka eher sensibel reagiere, bin ich hartgesotten wenn es um andere, in der allgemeinen Betrachtungsweise eher als eklig eingestufte Dinge geht. Ich hatte ja im Sommer schonmal den Zustand unserer Toiletten angesprochen…
Das hat sich nicht geändert!

Ich erinnere – wir sind zu diesem Zeitpunkt 14 Männer in der Marina, seit unserem Nikolausumtrunk kennen wir uns alle. Ich hätte gewettet, dass keiner davon in das Risiko geht, als der „Nestbeschmutzer“ aufzufliegen.
Wette verloren…
In der Sache könnte ich es einfach hinnehmen und abhaken – mental bin ich dazu tatsächlich nicht in der Lage! Ich kann es nicht verstehen, was in einem Menschen vorgeht, eine solche Verhaltensweise an den Tag zu legen.
Ich habe daher lange mit mir gehadert wie fein der Grat zwischen grenzenloser Akzeptanz und deutschem Hausmeistertum ist – und mich dafür entschieden, mich lieber auf die Seite der Korinthenkacker zu schlagen und dabei meiner Linie treu zu bleiben, anstatt auch nur gedanklich der Saubärenfraktion zugerechnet werden zu können. Ich habe einen offenen Brief geschrieben…

Ich nehme es vorweg, es hat – gefühlt – kurzzeitig geholfen. Ein paar Tage lang war es ziemlich sauber in den Herrentoiletten. Inzwischen kommt es aber wieder öfter vor, dass die Bürste nicht verwendet wird. Ich gebe an dieser Stelle auf, verstehe aber, warum in der „Olympic Marina“ in Lavrion die Putzfrauen mit dem Putzkübel vor Deiner Türe stehen bis Du fertig bist – um gleich hinter Dir herzuwischen! Diese Blöße ertappt zu werden, will sich keiner geben. Ob ich dem Marinachef mal eine Idee implantieren sollte??? Mich kotzt solch asoziales Verhalten an!
Erneuter Themenwechsel – inzwischen sind viele Freunde und Bekannte abgereist. Es hat sich ein „harter Kern“ von Liveaboards herauskristallisiert, welcher nun (fast) ganzjährig an Bord verweilt. Mireille und Roland sind zurück in der Schweiz, Evi und Michi bei der Familie in Österreich. Natürlich sehen wir immer beiläufig nach den Schiffen der Freunde.
Dies war umso mehr nötig, da erste Stürme durchzogen. Erst hatten wir ein paar Tage kräftigen Wind in Sturmstärke aus Süd, danach ein paar Tage aus Nord. In beiden Fällen kamen rund 30-35kts in der Marina an – bei bestem Wetter!

Bereits nach dem Südwind zeigte Michis Plane deutliche Beschädigungen. Wir haben uns mit dem Freund per WhatsApp abgestimmt und an Bord seines Schiffes versucht zu retten was zu retten war…

Doch bereits ein paar Tage später, bei den kräftigen Nordböen, hatte sich die angezählte Plane endgültig verabschiedet. Wiederum haben wir den Eigner informiert und, mit dessen Einverständnis, die Plane entfernt.
Sibylle und ich sind zudem nach den ersten Stürmen durch die Marina gelaufen und haben Fotos von allen befreundeten Schiffen gemacht – und die Fotos verschickt. So können die Eigner, die das Wetter ja meist am Schirm haben, ruhig schlafen.
Unserem „Evros“ war es auch zu windig, oft flatterten seine Ohren wenn er im Wind stand – so suchte er auch tagsüber phasenweise Schutz in seiner Box.


Ein anderer Segler hat mich über die Plattform „noforeignland“ kontaktiert. Eine Art Facebook für Segler, mit Standortangabe und kurzer Schiffsbezeichnung – so wie ihr es auf diesem Blog unter dem Punkt „Unsere Position“ finden könnt.
Der Engländer hatte einige Check-Ups an seinem Katamaran zu erledigen und ein paar Maße zu nehmen. Dieser Bitte bin ich bei einem Videocall gerne nachgekommen.

BING! Eine WhatsApp erreichte uns – Absender waren Tina und Volker, die zuhause schon die Vorbereitungen für die Ankunft des neuen Familienhundes trafen. Wir dürften nicht böse sein, aber man sei zu dem Schluss gekommen… – Sibylle schluckte erschrocken – dass „Evros“ sehr hart klänge und man außerdem der Tradition folgen wolle, einen Namen nach einem griechischen, alkoholischem Getränk zu vergeben. Sibylle atmete auf – der schwarze Labrador, welcher als Black in der Marina bekannt wurde, hieß nun nicht mehr „Evros“ sondern MAMOS. Der Name eines griechischen Bieres.

Ob es die Freude über seinen neuen Namen war oder einfach das Bedürfnis nach Zuwendung, welches ihn so anlehnungsbedürftig sein lässt – wir wissen es nicht.
Inzwischen haben die noch Anwesenden ihn als Mamos ins Herz geschlossen und er wird auch von allen so gerufen.
Ich tippe Mamos in den Übersetzer – nicht, dass er einen peinlichen Namen hat…

Plaudern wir ein bisschen über die Projekte an NESSAJA! Um mit dem Victron Energiemanagement weiter zu machen und es dann auch zu finalisieren, müssen zwei Türen ausgebaut werden – die vom Bad und die vom Motorraum. Diese beiden Türen stehen dann im Weg herum, wir kennen das aus der Anfangszeit des Projektes.
Da Sibylle am 13.01. nach Deutschland fliegen wird, dabei Mamos zu seinen neuen Haltern mitnimmt, werde ich zweieinhalb Wochen alleine an Bord sein. Aus meiner Sicht die optimale Zeit das Victron Projekt voranzutreiben. Da Sibylle und ich uns einig waren, wurde beschlossen dieses Projekt noch bis Mitte Januar zu schieben und ein anderes Großprojekt vorzuziehen – so wären wir wieder bei der Navigation, dem Verbau der Garmin Hardware.
Und damit habe ich dieser Tage begonnen…

Die Vorgehensweise ist dabei recht einfach – vorgesehenen Platz prüfen, mit den Vorgaben aus der Einbauanleitung abgleichen, Bauteil montieren, Kabel verlegen. Wenn ich dabei alte Kabel finde welche funktionslos sind, dann werden diese entfernt, haben sie noch Funktion, werden sie aufgeräumt und ordentlich verlegt.
Soweit die Theorie…

In der Praxis gilt es, die Längen der Verbindungskabel einzubeziehen und akademische, theoretische Montageempfehlungen mit einer, in der Praxis umsetzbaren, Toleranz zu versehen ohne dabei auf die Fehlerseite zu geraten.
Das gelang (fast) immer!

Ich probiere weiter, ob alle Kabel da sind, benötige definitiv eines neu, weil sich bis zum Schluss nicht klären ließ, ob ein „Flicken“ eines abgeschnittenen Kabels statthaft ist. Ich beschließe zudem, sicherheitshalber, für ein Kabel eine vorkonfektionierte Verlängerung zu bestellen.
Wie bereits erwähnt, wurde die Bestellliste immer länger, all diese Teile würden zu guter Letzt meinem Paket beigepackt werden – hier war die Entscheidung gefallen, das Transportvolumen für Sibylle inzwischen zu groß.

Nachdem, gemäß Netzwerkplan, klar war, welches Gerät wohin soll, welches Kabel zu bestellen sei und wie angeschlossen wird, habe ich dann noch die Steuereinheit für den Autopiloten verbaut…

…und im Anschluss daran noch die CCU, den elektrischen Kurskompass für den Autopiloten, an Ort und Stelle gebracht.

Ein gutes Beispiel übrigens, für die Gap zwischen Theorie und Praxis! Es wird gefordert, in der Mitte des Schiffes, auf der Drehachse, zu montieren. Dabei gleichzeitig weit entfernt von Teilen die magnetisch wirken und gleichzeitig über der Wasserlinie.
Diesen Ort gibt es auf NESSAJA nicht. Die Recherche dauerte ziemlich lange und gipfelte in einem Telefonat mit Garmin Deutschland – die Frage war: „Welcher Kompromiss ist der beste?“
Das alles sieht so einfach aus – ein paar Schrauben und feddich! Ist aber teilweise aufwändig und mit viel Planung verbunden – es war jedenfalls zeitraubend.
Aber bis hierhin melde ich Vollzug – außer dem Lineardrive vom Autopiloten und den Instrumenten selbst, sind alle Bauteile an Ort und Stelle!

Sibylle hilft mir derweil mit Handlangerarbeiten und kümmert sich darum, dass an Bord alles läuft. Mir ist damit sehr geholfen, ich brauche oft eine „helfende Hand“ wenn ich gerade in misslicher Position hänge und mir der 13er Gabelschlüssel fehlt.
Darüber hinaus ist sie die Kommunikationszentrale, speziell in diesen Zeiten. Wir haben viele Videocalls mit den Kindern und den Freunden aus der alten Heimat, all das will verwaltet sein.
Wir haben Adventszeit! Auch auf Leros ist, wie seit vielen Wochen schon, alles weihnachtlich geschmückt. Die Einheimischen lieben diese Vorweihnachtszeit! Es schallen Weihnachtslieder allerorts und alles zusammengenommen, strahlt eine manchmal skurille aber doch auch festliche Stimmung aus.


An diesem Abend bekommen wir Lust auf ein Eis! Wir waren im „SouvLakki“ auf ein schnelles Giros und die Eisdiele ist ja gleich um die Ecke. Außergewöhnlich ist das hier nicht – am Abend hat es zu dieser Zeit häufig noch knapp unter 20°C…


Wir schlagen also noch den Haken zur Speiseeismanufaktur und lassen uns von der immer überaus freundlichen Verkäuferin, die Naschereien auf die Waffel oder in den Becher türmen.

Der kommende Tag sollte ein entspannter werden. Wir versuchen solche Tage immer mal wieder einzubauen – vorwiegend und praktischer Weise am Sonntag. So geben wir der Woche eine Struktur und haben auch mal Zeit um den Kopf frei zu bekommen und den Werkzeugkasten geschlossen zu halten.
Zudem brauchte Mamos mal eine etwas größere Runde…
Der Weg führte uns und die Crew der FINI an den Strand von Panteli, wo wir im Winter sehr gerne das Café der Einheimischen, das „Tzouma“ besuchen.

Ich hatte noch ein bisschen Computerarbeit zu erledigen, so ergab es sich, dass die anderen Drei als Vorhut nach Panteli gelaufen sind – ich dagegen bin „just in time“ mit dem Moto eingetroffen.

Der Hund war happy, denn der Auslauf tut ihm gut. Er war richtig geschafft und hat es sich gemütlich gemacht. Er muss ja schließlich noch zurücklaufen.

Das Wetter war herrlich, in der Sonne hatte es nahe 25°C und das Meer war ruhig und glitzerte…

…ich empfand das als eine non-verbale Einladung seitens des Oceans, die ich gewillt war zu akzeptieren. Da dies ungeplant war, habe ich kurzerhand beschlossen im Schlüpfer zu baden – sieht von Weitem wie eine Badehose aus 😉 !

So vetrödelten wir den Nachmittag bei Wein und Meze. Ein herrlicher Luxus – zeitoptimiertes Leben, schöner kann es nicht sein!
Aber man kann dem ein i-Tüpfelchen aufsetzen!
Wir hatten am selben Abend noch eine Gegeneinladung zu Glühwein bei Paola und Thomas auf der SIMPLY FREE. Das ist ein Wort, da kommen wir gerne!

Nach einem kurzen Hallo im Cockpit des blauen Riesen, wurden wir in den Salon gebeten. Wir hatten die letzten Sonnenstrahlen genutzt und jetzt ging es über zu Glühwein und Panettone.

Natürlich hatte auch Paola weihnachtlich dekoriert und brachte uns die italienische Note der Adventszeit näher. Das Gebäck und der Glühwein dufteten, alles schmeckte lecker.

Ich frage mich häufig wenn ich Thomas besuche, wie es wohl ausgegangen wäre, wenn wir diese Jeanneau hätten kaufen können. Das Schiff war ja meine erste Wahl. Es ist ein tolles Schiff mit einem ganz anderen Lebensraum als unseres – hätte aber aufgrund der mit dieser Schiffsgröße verbundenen Kosten, unser Handeln in eine ganz andere Richtung gelenkt.
Egal, hätte, hätte, Fahrradkette – wir bleiben bei NESSAJA.

So hatten wir, zusammen mit Yo von der INDIGO BLUE, einen herrlichen Abend an Bord der SIMPLY FREE.
Neuer Tag! Ich wache auf, trinke meinen Kaffee und verspüre eine immense Lust an meinen Projekten weiterzuarbeiten. Ich fragte mich, wie ich mit wenig Aufwand viele Teile verbauen könnte und somit einen „Aha-Effekt“ erreiche.
Ich nehme es vorweg – „Aha-Effekt“ und viele, vor allem große Teile verbauen, hat geklappt – wenig Aufwand ist sehr schnell, sehr krachend gescheitert!

Ich entscheide, dass ich heute meine Konsole von Scanstrut, der Hersteller nennt es „NavPod“, am polierten V4A-Bügel der Steuersäule montieren werde.
Die Konsole ist universal, ich habe vorher alles exakt gemessen – es sollte passen und somit einfach anzubringen sein.
Leider waren die Rohre meines Bügels aber zwei Zentimeter zu weit auseinander, so dass sich der NavPod nicht einwandfrei montieren ließ. Wieder musste gegrübelt werden und eine mehr oder minder aufwändige Lösung erdacht werden – in jedem Fall musste der Bügel weg!

Was auf dem Bild so aussieht, als ob nur zwei Schrauben entfernt werden müssen und sich der Bügel dann nach oben herausziehen lassen würde, täuscht! Darüber ist das Dach – somit muss, um alles kippen und zur Seite hin arbeiten zu können, die gesamte Kompassbase demontiert werden. Zumindest das hat reibungslos geklappt!
Seht mal genau hin – an der schwarzen Spule hängt ein Kabel, das ist an eine Pilotleine befestigt. Denn natürlich sind alle Kabel, nicht sichtbar, durch die Rohre der Steuersäule geführt und müssen entfernt werden. So weit so gut – doch das geht nicht, ohne vorher die Stecker abzumontieren.

Natürlich sollen auch danach die Kabel wieder durch die Rohre geführt werden. Bei der umzusetzenden Lösung ist daher geboten, daran zu denken, die Ecken und Bögen nicht zu eng zu wählen – nicht von allen Kabeln kann man die Stecker abmontieren!
Da lagen sie nun, meine Teile – jämmerlich an Deck, die Lösung weit entfernt. Mir war klar, der Bügel muss umgearbeitet werden.

Ich wusste, hier muss geschweißt werden – als Partner zur Umsetzung einer feinen Lösung kam also nur unser Freund Giorgos von „Boat & Parts“ in Frage. Das Teil musste also irgendwie dorthin.
Und wenn ich schonmal dabei bin, Giorgos zu behelligen – dann kann ich gleich noch einen weiteren Punkt auf meiner Liste in Angriff nehmen.

Ihr erinnert Euch sicher, der Mastwagen oder Spinnakerbaum-Schlitten – hier rechts im Bild – war ein Wegwerfteil eines anderen Seglers. Das Endstück meines Spinnakerbaumes muss sich daran befestigen lassen und somit muss der Edelstahl-Mastwagen umgearbeitet werden.
Ach ja, für meine zweite Konsole über dem Niedergang brauche ich auch noch Halterungen. Da weiß ich noch gar nicht so genau wie ich das umsetzen soll – aber alle „Anproben“ zeigen, dass dies der beste Platz ist.


Ich übermittle Giorgos also eine Art „Wunschliste“ und vereinbare einen Termin am darauffolgenden Tag.
Das Werkzeug war schon ausgepackt, im Schiff herrschte wieder die normale Unordnung – was mache ich also mit dem restlichen Tag?

Ich beschließe den Deckel des NavPods an der Steuersäule zu bestücken. Der zweite Plotter sollte seinem endgültigen Bestimmungsort zugeführt werden.

Ich krieg´ immer die Krise wenn ich solche Deckel ausmessen und schneiden muss – ein falscher Schnitt und hunderte von Euros sind kaputt oder es sieht über Jahre vermurkst aus. Meist ist das Platzangebot sehr knapp, es gibt wenig gerade Bezugskanten. Eine Einbauschablone habe ich auf die Schnelle nicht im Internet gefunden.
Aber es hat ganz gut geklappt und ist gut geworden – mit und ohne Cover!

Ein erfolgreicher Tag an dem ich wirklich gut vorangekommen bin. Wir beschließen daher, dass wir an diesem Abend mit den Österreichern von der FINI ausgehen werden und haben uns dazu das „Kakomoiras“, das Meze Lokal über der Vromolithos Bucht, ausgesucht.

Das Lokal war, weil es der unmittelbare Nachbar unseres Freundes Dimitris und somit ein ernstzunehmender Konkurent ist, lange unter unserem Radar. Wir wollten ihn nicht brüskieren.
Dies ließ sich halten, solange wir nicht hier wohnten. Inzwischen sind wir froh, Optionen zu haben und schätzen das kleine Meze-Lokal für gute Meze und ein sehr nettes Ambiente. Dies gilt im Sommer wie im Winter. Es klettert in unsere Bestenliste!

Wir verbrachten einen sehr netten Abend zusammen und haben hervorragend gegessen. Zufrieden sind wir eingeschlafen.
Der nächste Tag begann entspannt – ich hatte erst am Abend den Termin mit Giorgos, tagsüber hatte ich Zeit. Der Hund musste raus und auch gebadet, beziehungsweise geduscht werden. So haben Sibylle und ich beschlossen heute mit ihm eine Runde zum Marinastrand zu gehen.



Er genießt das Toben AM Meer, kann sich aber nicht entschließen INS Wasser zu gehen. Das traut er sich irgendwie noch nicht. Ich bin aber überzeugt, dass der Labrador in ihm die Oberhand gewinnen wird.


Es war soweit – er muss sich einer Wäsche beugen. Sibylle hat extra ein Shampoo für schwarze Hunde gekauft. Dies hat in unserer „Mamos“ WhatsApp-Gruppe mit Tina und Volker für ein wenig Spott gesorgt. Aber man weiß ja nie, nicht dass er ausbleicht…

So, nachdem wir alles gerichtet hatten und er recht schnell gemerkt hat, dass Gegenwehr vermutlich zwecklos ist, war das Waschprocedere rasch erledigt und er durfte, nachdem er trocken war, wieder in seine Hütte.
Wir hatten noch den Nachmittag vor uns und – ihr ahnt es – haben diesen genutzt, um uns einer süßen Leckerei zum Kaffee hinzugeben.

Der Abend brach an und mir wurden die Teile, welche von Giorgos zu bearbeiten waren, an den Körper geschnallt. Den Bügel um den Hals, die Konsolen in den Rucksack – so fuhr ich also nach Kamara in die Werkstatt von „Boat & Parts“
Dort angekommen blieb mein Auge an einem mir bekannten Logo hängen…

Ich packe beide Tuben zusammen und mache ein Bild, welches ich in meinem Facebook Trainer Account poste…

Das Feedback hat mich umgehauen – sehr positive Kommentare und viel Zustimmung. Es zeigt – wenn Du einen guten Job gemacht hast, gerätst Du nicht so rasch in Vergessenheit. Ich habe mich gefreut – ein schöner Moment!

Giorgos hat derweil schon angefangen an der, mittlerweile gemeinsam beschlossenen, Lösung zu arbeiten.

Offen gesagt, ich bin immer ein wenig nervös wenn er „Constructions“, wie er es nennt, baut. Alles freihand, alles mit dem Meterstab eingemessen, nicht alles winkeltreu – aber es passt irgendwie immer. Ab und an muss man es griechisch betrachten, aber das kann ich inzwischen.

Ich werde nach Hause entlassen, Giorgos würde die Teile fertigstellen und mich informieren wenn es so weit sei. Wir besprechen uns nochmal bezüglich der Details, dann darf ich gehen.
Ob er dran denkt, die alten Löcher zu schließen und alles zu polieren? Ob er nicht vergisst, das große Loch der Kabeldurchführung in die innere Stange zu bohren? Ich quäle mich mit deutschen Fragen – und nehme die Antwort vorweg, er hat nichts vergessen!
Ich nehme mir am nächsten Tag vor, „nur schnell“ eine weitere Crimpzange zu bestellen. NEIN, ich bin kein Sammler! Es ist nunmal eine Tatsache, dass jeder Stecker anders zu sein scheint – und für Netzwerkkabel, sogenannte RJ-45 Stecker, habe ich eben noch keine Zange. Ich komme somit meinem Crimpbusiness einen weiteren Schritt näher.

Natürlich ging auch das nicht „einfach so“. Ich dachte zuerst daran die Zange in Deutschland zu bestellen und meinem Paket beipacken zu lassen – so wie letzten Monat. Diesmal wollte ich aber weitermachen – wie komme ich also schneller an die Zange???
Die Antwort heißt „Skroutz“ – das ist sowas wie Amazon auf griechisch. Ich habe über einen Freund aus Leros schonmal etwas dort bestellt, das hat super funktioniert. Diesmal war es mir zu doof und ich habe einen Account eröffnet.
Die Webseite bietet Englisch, die Zahlfunktion und die Infomails aber nicht – es war lustig anzusehen wie ich mit Handykamera übersetzt habe und die Mail gelesen hatte.
Egal, jetzt habe ich einen Account und kann innerhalb von drei Tagen, mit günstigen Versandkosten, innerhalb Griechenlands, Ware bestellen.

Ich montiere den Schalter für mein Bugstrahlruder AUF die Konsole für den Plotter. Eigentlich wollte ich diesen Schalter ja in die lange Konsole der kleinen Instrumente einbauen, aber durch die neue Position dieses NavPods ist dies dort nicht mehr sinnvoll. Ich denke, dass dieser Platz eine gute und logische Alternative ist.

Weil ich gerade dabei war, Löcher in meine sündteuren NavPods zu bohren, habe ich gleich mit dem Einbau der kleinen Instrumente und Anzeigen weitergemacht.


Es müssen Multifunktionsanzeigen vom Typ GMI20 und das Bedienteil des Autopiloten GHC20 verbaut werden. Meine Idee ist, dass ich mir hier Wind, Geschwindigkeit durchs Wasser und die Tiefe anzeigen lasse.
Das Bedienteil des Autopiloten macht hier durchaus Sinn, weil wir diesen Platz von unseren „normalen“ Sitzplätzen aus, bei Fahrt unter Autopilot, erreichen können. Da sitzen wir nämlich nicht hinter dem Steuerrad. Zudem ist die oberste Treppenstufe hinter der Scheibe ein sehr guter Platz bei Regen und Sturm, auch dann ist das Boot von hier aus lenkbar. Dieses Setup wäre natürlich nicht möglich gewesen, wenn man den Autopiloten nicht auch vom Plotter aus betätigen könnte, um am Steuerrad die volle Kontrolle zu haben – hier habe ich mich eingelesen und vergewissert.

Ich habe dann noch den Lichtschalter eingebaut, mit welchem wir das Cockpitlicht an unserem Hardtop schalten wollen.
Die große Herausforderung wird jetzt der Kabelweg ins Innere des Schiffes – ich habe da schon eine Idee für die ich wiederum Giorgos Hilfe brauche. Das wird aber ein Projekt für den Januar.

Weil es gar so gut geklappt hat, gönnen wir uns abermals ein Eis und nutzen den Weg in den Ort als Gassirunde für Mamos. Er liebt es übrigens die Eisbecher auszulecken. Das kannten wir schon von unserer Cora.

An diesem Spätnachmittag erhalte ich von Giorgos eine WhatsApp mit den Bildern meiner Teile und Auftragsarbeiten – alles ist fertig! Ob ich es heute noch holen könne und wolle?


Der Spinnakerwagen war schon krumm, da kann Giorgos nix dafür. Er passt auch so und gibt mir für ein paar Euro die Möglichkeit, das ganze Setup einmal auszuprobieren. Wenn es funktioniert, kann ich mir noch überlegen, etwas Professionelles zu kaufen – Harken ruft dafür aber fast 700.-€ auf!
Ich schwinge mich auf meine GS, fahre nach Kamara und fange dabei noch den Sonnenuntergang in Gourna ein. Überigens sind alle meine Bilder mit einem iPhone X gemacht und bis auf die Vewendung der verschiedenen Modi unbearbeitet!

Der nächste Morgen startet wie gewöhnlich – wir frühstücken und holen die News des Tages per Nachrichtendienste ab. So bleiben wir, die News der Welt betreffend, immer auf dem Laufenden – die Dosis bestimmen wir dabei.

Natürlich steht heute die Montage der gestern geholten Teile an – allen voran der Bügel der Steuersäule nebst Endmontage des NavPod-Gehäuses für den Plotter.
Das hat nun überraschend gut geklappt, wenn man vom Einziehen der Kabel einmal absieht, so konnte nach relativ kurzer Zeit Vollzug gemeldet werden.

Die Konsole macht sich gut und ist genau an der richtigen Position. Ich bin froh, dass ich die ursprüngliche Idee, den Bügel zu verlängern und die beiden Konsolen übereinander zu montieren, verworfen habe – der daraus resultierende „Turm“ wäre zu hoch und unansehnlich gewesen.

An dieser Stelle ist muss ich diesen Arbeitsstrang „on hold“ setzen. Ich kann den Plotter mit Deckel noch nicht montieren, weil mir ein NMEA2000 Kabel fehlt. Dieses muss, nebst dem Stromanschluss, noch durch die Säule gezogen werden – eine Pilotleine dafür habe ich schon gelegt, dann kann dieser Teil der Installation finalisiert werden.
Mein Telefon schellt! Ein Segler aus Schottland, den wir bei Ewa´s Geburtstag letzten Monat kennen lernen durften, hat ein Problem – ob ich helfen könne?
Das versuche ich gerne, was kann ich tun? Der Mann erklärt mir am Telefon, dass er per Internetüberwachung sieht, dass seine Batterien nicht durch Solar geladen werden. Dies hätte eventuell den Tod der teuren Lithiumbatterien zur Folge, weil Verbraucher laufen würden. Um einzugreifen, müsse ich aber den Schlüssel im Office holen.
Ich tue wie mir geheißen und befinde mich eine halbe Stunde später auf dem Katamaran der Highlander – stimmt, da ist was abgeschaltet…

Ich lege den Schalter um, um den Stromkreis zu schließen und so wieder für einen ordentlichen Lade- und Entladezyklus zu sorgen.

Ganz so easy war es dann doch nicht, denn natürlich haben wir bemerkt, dass bei (-) „off“ eigentlich keine nennenswerte Entladung stattfinden dürfte. Als wir dem nachgehen wollten und das Touch50 als Anzeigegerät aktivieren wollten, war dieses nicht betriebsbereit – das müsste es aber der Logik nach sein. Eine derart aufgebaute Anlage wird nämlich außer zur Wartungszwecken eigentlich nie komplett stromlos geschaltet.
Egal, das war an diesem Tag nicht meine Aufgabe, da gibt es für die Freunde von der Insel nach ihrer Rückkehr ein ToDo. Die Challenge des heutigen Tages konnten wir aber lösen.

Ihr seht – es wird nicht langweilig! Auch der Rest des Tages sollte ausgefüllt sein, denn als ich zu NESSAJA zurück kam, saß Mamos schon erwartend vor seiner Lagerstätte – als ob er sagen wolle „…und was ist mit mir?“

Wir gehen also Gassi mit ihm und laufen unsere Einkaufsrunde nach Lakki. Da hat es Natur, aber auch etwas Lebendigkeit – beides braucht der junge Hund um die Welt zu entdecken und zu lernen.
Leider ist nicht alles Gold was glänzt, denn auch wir dürfen entdecken – und nicht immer nur tolle Sachen!
Ich habe schon einmal im Blog das mangelnde Umweltbewusstsein der Griechen angesprochen. Selbst auf die Gefahr hin, Befindlichkeiten zu verletzen, dies kann man nicht anders formulieren. Ist bei den Kaffeebechern und den kleinen Plastikflaschen MANCHMAL noch der Wind mitschuldig, gibt es bei Altöl am Wegesrand keine Ausrede!!!

Während einerorts die Kämpfer für die Umwelt Tomatensuppe auf Kunstwerke schütten, gießen die Ignoranten anderorts das Öl auf die Wiese – das passt nicht zusammen!
Und ja, natürlich weiß ich, dass der Vergleich als Beispiel hinkt – er taugt aber als Metapher für die These, dass es schwer ist Großes zu bewegen, wenn es im Kleinen nicht funktioniert. Und Aug´um Aug`hat noch nie nachhaltig gewirkt…
Zurück zu leichteren Themen…
Ich versuche kurz vor dem Dunkelwerden „noch schnell“ die Wasserfilter in unseren Schlauchanschluss zu hängen – ein Klacks! Bereits 10 Minuten später frage ich mich, warum ich es nicht lerne – es gibt kein EINFACH und auch kein KOMPLIKATIONSLOS…

Dieses mal stolpere ich abermals über die Qualität der griechischen Baumarktware. Ich kaufe zwei Fake-China-Gardena Adapter von 3/4″ auf Gardena – kann man auf dem Bild gut sehen, wo die hin müssen…
Kurz – es wird nicht dicht. Beim Aufschrauben und dem Versuch das Teil neu einzudichten, zerstöre ich den Adapter. Das Plastik ist schlicht zu weich und die Wandstärke zu dünn. Ich mache zwei weitere Versuche, kaufe insgesamt sechs Fittinge, das Stück zu 0,90€. Das echte Gardena Teil kostet in Griechenland 3,90€ – you get what you pay for!
Auf Leros muss es heißen – you pay for what you can get. Es gibt hier kein Gardena!
Ich muss tatsächlich mit Messing von Innen- auf Außengewinde gehen und dann die billigen, klassischen Schlauchadapter aufschrauben. Das wird dicht, bereits nach zwei Tagen (Achtung – Ironiemodus) kann ich die Filter endlich in Betrieb nehmen.

Am Abend gucken wir etwas fern – obwohl es das ja eigentlich gar nicht mehr ist. Man streamt heute! Zu unserer Unterhaltung während der Wintermonate, nutzen wir neben YouTube noch Netflix, Amazon Prime und die Mediatheken der Fernsehsender. Um die Daten zu haben, kommt in unserer FRITZ!Box eine griechische Cosmote LTE SIM zum Einsatz mit der alle Endgeräte verbunden sind. Für 200GB mit einem Jahr Gültigkeit zahlen wir im Moment 80.-€.
Heute entscheiden wir uns für die ZDF Mediathek und gucken „heute-show“.

So einfache Sachen, kurze Satire oder Dokus sehen wir auch mal rasch über den Rechner, für ausgedehnte TV Abende nehmen wir den Bildschirm in Betrieb.
Ein neuer Tag bricht an! Ich nehme mir vor, eine Garmin Aufgabe anzugehen vor der mir graut! Ich habe ein neues Kabel im Mast, welches meine Radarantenne mit dem Plotter am Navitisch verbindet. Dieser Datenaustausch funktioniert bei Garmin mit einem klassischen Netzwerkkabel wie man es vom Computer kennt.
Um dieses Kabel durch den Mast ziehen zu können, wird es auf einer Seite ohne Stecker geliefert. Der Stecker muss selbst angecrimpt werden. Ich hatte dies gewusst und mir die Stecker vor langer Zeit schon beschafft. Die Zange hatte ich ja über „Skroutz“ in Griechenland bestellt und erhalten – es gab also keine Ausrede mehr heute mache ich das…

Ich bereite also all das benötigte Werkzeug vor, lese sehr genau die Crimpanleitung und übe ein wenig das Einfädeln der hauchdünnen Litzen.

Nach einer gewissen Zeit scheint mir alles klar zu sein, das Üben bringt Sicherheit und ich fädle die acht Käbelchen in der richtigen Reihenfolge sortiert, in den Stecker. Sieht gut aus! Das so vorbereitete Geflecht wird in die Zange gelegt – auch das scheint zu sitzen…
Alles oder Nichts! Ich drücke beherzt zu – den Rest macht die Zange von alleine. Und siehe da…

Tschakka – ICH ERÖFFNE EIN CRIMP-BUSINESS!
Spaß beiseite, der Stecker war dran, ich habe mich gefreut! Das war seit langer Zeit mal wieder ein Arbeitsablauf der von A-Z super geklappt hat!
Das Wetter war toll, es war noch viel Tag übrig, ich beschließe Sibylle und Mamos auf ihrem Spaziergang durch das Viertel Temenia zu begleiten. Dieses Viertel liegt direkt am Marinaausgang, es ist das Viertel in dem wir offiziell wohnen…

…und es ist schön hier! Ich gehe zum ersten Mal zu Fuß durch das Viertel und nehme das Umfeld anders wahr. Im Winter ist das Landschaftsbild ein anderes. Es ist grün, alles blüht, die Bäume tragen ihre Früchte.

Ich nehme aber auch Kurioses wahr – zum Beispiel die beiden VW Busse der dritten Baureihe – im Volksmund T3 genannt – von welchen ich aufgrund der Arbeiten am Vehikel meiner Schwiegertochter und meines Sohnes weiß, was diese heute wert sind. Hier werden sie wohl vergammeln…

Ich entdecke Früchte die ich nicht kenne – die fetten Bommel an den einen Bäumen – während Früchte die ich kenne, einfach vom Baum fallen und von den Vögeln gefressen werden oder verfaulen. Es wird beileibe nicht alles abgeerntet was hier wächst. Eigentlich pervers, weil der Gemüsehändler ein gutes Geschäft mit Orangen macht – natürlich welchen, die nicht aus Leros stammen.


Die Vegetation strahlt ein südländisches Flair aus – das gefällt mir! Auch Mamos hat seinen Gefallen und sieht sich alles genau an – besonders als die Hühner hinter dem Zaun auftauchten.


Der Tag endet gemütlich, wir kochen uns was und gehen dann schlafen.
Oft werden wir gefragt wie es jetzt so mit den Temperaturen in der Nacht aussieht. Nun, es geht gut. Wir heizen abends etwa eine Stunde, dann passt die Temperatur bis wir ins Bett gehen. Morgens muss man auch etwas zuheizen, wir haben so um die 15°C beim Aufstehen – da erfriert man nicht, aber es ist ungemütlich.

Dies löse ich mit einem Programm, welches meine Heizung um 06.00 Uhr startet, zu dieser Zeit hören wir das Gebläse nicht, da die Heizung mittschiffs verbaut ist und wir im Heck schlafen. Die Heizung ist auf 22°C eingestellt und läuft 120 Minuten – sie reguliert sich selbst.
Das klappt super und stellt sicher, dass zur Frühstückszeit um 08.00 Uhr herum, die Heizung entweder leise läuft oder schon aus ist.
Tagsüber müssen wir nicht heizen, die Temperatur hält sich nahezu immer um die 20°C – in der Sonne auch darüber, T-Shirt Wetter…

Am Abend ist es unterschiedlich – inzwischen heizen wir schon nahezu täglich, aber unterschiedlich lang. Mal eine Stunde, mal etwas länger, machmal auch kürzer. Das kommt – ernsthaft – auch etwas darauf an, wie lange der Ofen zum Kochen in Betrieb ist, auch der gibt eine Menge Wärme ab.
Ein bisschen mehr heizen müssen wir, wenn die Küche kalt bleibt…

Kommt es Euch auch so vor, als ob es viele Bilder von Sibylle beim Futtern gibt??? Ok, beim Wandern und Joggen bin ich ja nicht dabei!
Ein neuer Morgen, wieder sorgt die Heizung für wohlige Wärme…
Nanu, meine Zähne klappern, ich friere – was ist geschehen??? Ich stelle fest, aus den Warmluftausströmern in Bad und Schlafzimmer kommt keine warme Luft mehr – die Bauteile werden ihrem Namen nicht gerecht! Ich muss dem Fehler auf den Grund gehen.

Sibylle liebt es, wenn ich die Werkzeugkiste vor dem Frühstück auspacke! Das kann ich leider an diesem Tag nicht berücksichtigen – ich koche mir ein Käffchen und zerlege also unsere Sitzecke um Zugriff zur Technikecke zu haben – und was sehe ich da???

Selten war eine Ausfallursache so eindeutig wie hier. Stecke ich die Dinger eben wieder zusammen! Klack, fällt wieder auseinander. Stecke ich die Dinger eben wieder zusammen! Klack, fällt wieder auseinander. Stecke ich die Dinger eben wieder zusammen! Klack, fällt wieder auseinander.
Ihr merkt schon – nix geht schnell…
Wir frühstücken und danach gehe ich der Sache auf den Grund – warum halten die Schlauchanschlüsse und Reduzierungen nicht auf dem Y-Stück? Ich beschließe dies mit ausvulkanisierender Dichtmassen zusammenzufügen – ich hab da noch was aus vergangenen Zeiten…

Nichtmal das althergebrachte Zaubermittel DIRKO HT (rot) hilft alleine weiter. Als Mechaniker entsinne ich mich der Sicherheit einer Schraubverbindung und sichere alles mit ein paar sauber gesetzten Schrauben – passt, das hält jetzt 100 Jahre und ist dicht!
Ich reinige den Warmluftverteiler und baue ihn wieder ein, sieht jetzt annehmbar aus und – funktioniert!

Der Rest des Tages war unspektakulär. Wir müssen einkaufen und Mamos forderte sein Maß an Aufmerksamkeit!

Also packen wir den tierischen Teenager und machen uns auf den Weg zu „Dimitras Supermarket“ – es ist der Supermarkt am wirklich anderen Ende von Lakki. Man trifft Menschen, palavert hier und da und für den Hund gibt es eine Menge zu erschnüffeln.
Wir erfreuen uns an der Natur – auch innerorts…

Wir erreichen den Supermarkt und ich setze mich mit Mamos hin und warte bis Sibylle die Einkäufe erledigt hat. Wir haben eine Menge einzukaufen, denn morgen ist Heiligabend.


Wir werden rasch fertig, machen uns auf den Heimweg und beschließen kurzfristig, heute noch einmal ins „SouvLakki“ zu gehen. Wir gehen ohne Mamos, um in Ruhe essen zu können.
Diese Entscheidung entlastet Sibylle, weil sie sich ja für den Heiligabend vorgenommen hat, ein griechisches Weihnachtsessen zu zaubern. Daher bleibt heute auf NESSAJA die Küche kalt!

Der Tag bricht an, es ist der 24.12. – es ist der Tag, der in Deutschland Heiligabend heißt. Wir feiern Weihnachten nach deutschem Kalender, folgen aber den griechischen Gebräuchen, soweit wir das eben können.
Abermals gehen wir in die Stadt um die frischen Sachen zu kaufen – da bemerken wir, dass die örtliche Kapelle an jedem Geschäft stehen bleibt und ein paar Takte spielt. Immer die gleichen Takte übrigens, was sich anhört wie eine zerkratzte Schallplatte…

Die Musikanten bekommen von den Ladenbesitzern ein paar Münzen und ziehen weiter. Wir bändigen unseren geräuschempfindlichen Hund und setzen ebenfalls die Einkaufstour fort – nächster Halt – Metzger!

Der Metzger ist schon der zweite seiner Zunft, welcher uns vollumfänglich überzeugen kann. Wir wollten banale Rouladen kaufen, haben dann aber, nach einer Fachberatung vom Feinsten, ein komplettes Sortiment griechischer Weihnachtsspezialitäten für den Ofen gekauft. Das spart der Köchin Arbeit und ist mit den Blätterteigmänteln und den verschiedenen Füllungen einfach typischer – wir lassen uns darauf ein, mit allen Sinnen!
Wir erledigen alle offenen Punkte auf unserer Weihnachtsliste und sind dann fertig für den Heiligabend – also den Nachmittag des Heiligabend!
Sibylle möchte ein Foto eines weihnachtlichen Mamos als Weihnachtsgruß an Tina und Volker – das macht der schwarze Labrador nicht freiwillig! So lasse ich meinen Charme spielen und bezirze ihn mit allen Mitteln 😉 …


Die Weihnachtsgrüße an die Freunde aus Amberg sind raus, wir haben ein Date zu einem Videocall per WhatsApp. Die Familie ruft, in diesem Fall Franziska und Mikey – wir freuen uns!
Bei uns sieht das dann so aus…

…während die Beiden am Laptop eine andere Perspektive haben!

Wir warten auf´s Christkind! Damit diese Zeit nicht zu lange dauert, haben wir uns zu einem Sundowner mit der FINI-Crew verabredet. Irene und Thomas haben ein Fläschchen süffigen Rosé-Sekt angeboten und später noch ein zweites Fläschen nachgelegt. Wir waren in guter Stimmung!


Auch Mamos durfte dabei sein und ein bisschen rumsausen. Irene mag ihn auch total gerne und geht ab und an mit Sibylle und ihm spazieren. Klar, dass die Beiden ein wenig rumtollen…

Er ist ziemlich neugierig, würde wohl auch mal gerne ein Tröpfchen Sekt oder lieber noch die Nüsslein probieren – doch Sibylle schreitet ein!

Wenn alles nix hilft holt er sich eben ein paar Streicheleinheiten, dann ist alles wieder im Lot. Eigentlich ist es überraschend wie sich dieser Hund in der kurzen Zeit entwickelt hat.

So verflog die Zeit – wir hatten Spaß, es war kurzweilig und als es frisch wurde und der „echte“ Heiligabend einkehrte, verabschiedeten wir uns mit einem Merry Christmas, frohe Weihnachten, καλά Χριστούγεννα!

Wir zogen uns in unser Zuhause zurück, haben es uns auf NESSAJA gemütlich gemacht! Das Essen buk im Ofen und wir hörten klassische, bayrische Weihnachtsmusik.
Als das Essen fertig war, haben wir uns mit einem guten Flascherl griechischem Rotwein zu unserem ersten Weihnachtsessen ohne Kinder, an Bord unseres Schiffes, gesetzt!


Es hat sehr gut geschmeckt! Wir haben unser Essen genossen. Es war fast schon ein „Running Gag“, dass ich meine, eigentlich rhetorisch gestellte Frage, ob wohl der Werkzeugkasten an Weihnachten geschlossen bliebe, mit NEIN beantworten musste.
Der Knopf des Backofens ist abgefallen, ich musste tatsächlich das Werkzeugfach öffnen…

…konnte aber recht schnell Vollzug melden und wieder in den Feierlichkeitsmodus zurück wechseln.
Wir haben abgeräumt, aufgeräumt und überlegt, was wir denn Nettes im Fernseher ansehen könnten. Es ist mir nicht peinlich zu sagen, dass ich es war, der vorgeschlagen hat den Film „Tatsächlich… Liebe“ anzusehen. Wir beide kennen den Film, wollen ihn auch nicht cineastisch bewertet wissen – wir mögen aber die Schauspieler und finden die Handlung einfach nett, für eine an Weihnachten angehängte Romantikkomödie.
Also, Netflix bietet den Film an, los geht´s…

Wir haben es uns gemütlich gemacht und den Tag ausklingen lassen. Es war ein besonderes, unspektakuläres aber sehr schönes Weihnachten – und es war zu 100% stressbefreit!
Das kann ich vom nächsten Tag nicht behaupten!
Einem Feiertagsfrühstück mit perfekt weichgekochten Eiern, folgte eine Phase des Zwangs! Sibylle nötigt mich! Ich MUSS heute lange Hosen tragen – zum ersten Mal seit April.

Der Grund für diese Nötigung liegt in der Tatsache begründet, dass wir heute eine Einladung zum Weihnachtslunch haben. Wir sind bei griechischen Freunden zum Familienessen eingeladen.
Das ehrt uns einerseits, anderseits wissen wir gar nichts über Bräuche und Gepflogenheiten. Zudem sprechen bei Weitem nicht alle Englisch. Wir wissen nicht was uns erwartet!
Wir wissen aber – man bringt Süsses mit! Also fahren wir zu „Repapis“ und kaufen Weihnachtskuchen.



Ich warte vor dem Laden und habe meine Freude an der Leuchtreklame der Apotheke.
Bei den Freunden angekommen, werden wir vorgestellt und es wird uns ein Schwager an die Seite gestellt. Ein Kanadier mit griechischen Wurzeln, der nach Leros geheiratet hat. Dieser ist ein vorzüglicher Gesprächspartner und hilft auch beim Übersetzen. Wir merken, dass wir mehr Familienmitglieder kennen als wir wussten – so ist zum Beispiel der Kapitän der Fähre, einer der Söhne, mit der Tochter unserer bevorzugten Tankstelle verlobt. Der Kanadier ist der Direktor des Krankenhauses. Ein paar Fetzen Englisch können viele, die Oma des Hauses verweigert trotzig, aber augenzwinkernd, ein „Merry Christmas“ und besteht auf ein „καλά Χριστούγεννα“ – das erfüllen wir artig, das Eis war gebrochen!
Der Anstand gebietet es, dass ich keine Bilder gemacht habe – wir hatten jedenfalls einen wunderschönen, wenn auch anstrengenden, ersten Feiertag – es ehrt uns, dass wir ein Teil dieser Feier sein durften!

Wir kommen zurück, als gerade die Sonne untergeht. Mamos muss noch eine Runde durch die Marina geführt werden. So lassen wir den Tag bei einer besonderen Stimmung ausklingen.



Der zweite Feiertag ist uns ein wenig „verrutscht“ – ich habe Sibylle zugesagt, dass ich eine kleine Wanderung mit ihr und Mamos mache. Unser Ziel war der Strand von Panteli, wir wollten dort etwas trinken.
Der Weg war schön und die Insel zeigte sich wieder von ihrer schönsten Seite.


Dort haben wir uns in eine Diskussion verstrickt und die Stimmung war an dem Tag etwas flacher. Zuhause angekommen, gab es Reste von gestern – eingepackt von der Gastgeberin des Vortages.
An sich nicht schlecht, hat aber auch irgendwie zur Gesamtlage des Tages gepasst. Ich war unzufrieden und habe mir, zur Nachspeise, noch einen Brotzeitteller gerichtet.

Das war es dann auch mit dem zweiten Feiertag – mehr gibt es nicht zu erzählen!
Weihnachten war vorbei, ich konnte zur Tagesordnung übergehen – dazu gehörte eine Fahrt zum Postamt in Agia Marina. Warum das? Nun, ein paar Tage vorher hat uns Angelika von der JASPER bei einem WhatsApp Austausch gefragt, ob wir nicht zufällig ein Päckchen bekommen hätten. Als wir verneinten, ist sie mit der Sprache rausgerückt und musste eine Überraschung offenbaren. Man hat ein Weihnachtspäckchen an uns verschickt und wundere sich, warum wir nicht reagieren würden…
Ok, ist verständlich – aber wir haben nichts bekommen!
Wir forschen nach und erfahren von der Marina, dass nur Sendungen mit Trackingnummern an die Marina zugestellt werden. Die Sendungen ohne Trackingnummern, unter anderem auch Päckchen, müssen auf der Post abgeholt werden.

Das wiederum hat reibungslos geklappt und schon kurze Zeit später habe ich das Präsent in der Hand. Bereits die Form des Paketes lässt einen Verdacht aufkommen.
Sibylle meint nach meiner Rückkehr, dass sie sich vor vielen Wochen einmal mit Angelika über Stollen unterhalten hätte – und siehe da…

Das hat uns nun sehr gefreut! Da hat jemand an uns gedacht – ja, wommama ganzherzlichdankesagen 😉 – vielen Dank ihr Beiden, wir denken an Euch!
Bei einem Telefonat an diesem Tag erzähle ich Hans-Peter von der missglückten Paketzustellung, worauf dieser kleinlaut meinte, dass „…ich wohl die nächsten Tage nochmals zur Post müsse“! Ok, Botschaft angekommen – mach ich gleich nach den Feiertagen – vielen Dank auch ins Saarland!
Auf NESSAJA stand die Königsdisziplin in Sachen Navigation-Hardware an – der Verbau eines nagelneuen Garmin Linearanrieb für die automatische Steuerung. Da der bisherige Raymarine Antrieb in zwei, drei Situationen mit zuviel Druck in den Segeln, zu wenig Schmackes für unser Boot aufgebracht hat und „ausgestiegen“ ist, habe ich mich für einen elektro-hydraulischen Antrieb Class B entschieden – das ist eine andere Hausnummer!
Als ich den Antrieb vor ein paar Wochen mal an Ort und Stelle hielt, schien es so, als ob der Einbau mit dem Bohren von ein paar neuen Befestigungslöchern bewältigt sei. Weit gefehlt!
Es begann ein Drama in vier Akten…

Autopilot Akt 1 – passt leider gar nicht! Bereits beim ersten Versuch den Piloten lageoptimiert zu positionieren fiel auf, dass ich diesen nicht wie geplant, hätte hängend, also „upside-down“ montieren können. Bei dem neuen Antrieb ist ein Ruderlagesensor oben am Gehäuse montiert, der es zwingend erforderlich macht, dass die Schubstange des Antriebs zuerst aufgesteckt wird. Um dies zu gewährleisten, müsste ich den Aufnahmepin nach unten zeigen lassen – das geht aus Platzgründen nicht! Ich muss also komplett umplanen und hänge dafür den Antrieb erstmal mit einem Spanngurt so auf, wie er etwa angebracht werden müsste – es zeigt sich, alles muss umgebaut und angepasst werden.
Ich setze mir das Ziel diese Arbeit noch im Jahr 2022 fertig zu stellen – und trete damit eine Arbeitslawine los. Für mich und Giorgos, bei dem ich von heute Abend an jeden Tag auftauchen werde.

Ok, ich rufe also bei „Boat & Parts“ an und mache einen Termin aus – man werde das Problem schon lösen. Gut! Ich kann derweil nichts mehr machen und fange an zu denken. Ich sollte mit einer Idee bei Giorgos ankommen, als Diskussionsgrundlage sozusagen.
Denken kann ich am besten bei einem Eis…

…zurück am Schiff setze ich mich vor ein Blatt Papier und skizziere die ungefähre Idee – so könnte die Lösung aussehen, so werde ich heute Abend bei Giorgos einsteuern.

Ich nehme ein paar Maße und lese die Montagevorschriften sehr sorgfältig. Dabei fällt mir auf, dass alle Vorgabemaße eines „Einbaubeispiels“ sehr viel kleiner sind als bei mir. Hm, eigentlich ist die Ausnutzung des zur Verfügung stehenden Platzes doch gut, oder? Macht es der längere Hebel dem Piloten nicht leichter das Ruder zu drehen?
Bei mir war die Anschraubbohrung rund 28,5cm von der Drehachse des Ruders entfernt, im „Einbaubeispiel“ aber nur 21,3cm.
Da habt ihr schon das zweite Problem – Garmin hantiert in der Anleitung und bei den Bemaßungen mit Zehntel Millimeter. Das ist einfach am Zeichenbrett respektive am PC, ich kann dies mit meinen Mitteln und an der praktischen Einbausituation so aber nicht messen. Manche Maße muss ich irgendwo in den Raum messen, weil dort eben (noch) keine Aufnahme ist. Ich war genervt!
Ich habe Giorgos angerufen und um einen Tag verschoben.

Ich fuhr zu Dimitras Supermarket und habe Kaffee, Schokolade und Knabberzeug gekauft. Schokolade für das Gemüt, Knabberzeug für den Fernsehabend und Kaffee für´s Überleben!
Am Heimweg komme ich am Weihnachtsmarkt vorbei. Dieser bleibt aufgebaut bis zum Jahreswechsel und ist am Wochenende geöffnet.

Bei der Weihnachtsfeier unserer griechischen Freunde hat uns der Schwager erzählt, dass man ein Verständnis für die griechische Familien- und Freundschaftstradion entwickeln könne, wenn man sich den Film „My Big Fat Greek Wedding“ ansieht. Das hatten wir natürlich sofort getan und befanden diese Aussage für 100% richtig. Wir hatten Tränen gelacht. Daher war heute ein „Double Feature“ von Teil 2 & 3 geplant…


So klingt der Tag versöhnlich aus, mit dem Verbau des Autopiloten hatte ich aber eine Baustelle eröffnet die herausfordernd war.
Autopilot Akt 2 – Anpassung des Aufnahmepins! Nun, wie der Titel des zweiten Aktes des Dramas schon sagt, ich kam zu dem Schluss, dass ich den Aufnahmepin anpassen muss. Dazu führten mich ein paar Überlegungen, welche ich durch eine weitere Skizze visualisiert habe.

Mein Problem wurde sichtbar! Ich hatte im Quadranten Aufnahmebohrungen für den Pin die rund 28,5cm und etwa 24cm von der Drehachse meines Ruders entfernt lagen. Je länger der Hebel, desto länger auch der Weg, den die Schubstange aus- und einfahren muss, dabei beschreibt sie einen Bogenweg – die Sehne ist die Strecke.
Meine Aufnahmepunkte führen zu 32cm und 28cm Strecke – beides ist zuviel für meinen Linearantrieb, dieser darf nur 10″ Zoll, also 25,6cm Weg beschreiben. Auch das ermittle ich zeichnerisch und komme dabei den, in der Einbaubeschreibung vorgegebenen 21,3 cm recht nahe – verstanden! Ich verstehe auch, dass es sich um ein Maximum handelt und runde auf einen Sollwert von 20,5cm ab – hier sollte mein neuer Anschraubpin sitzen! Nur leider war an dieser Stelle der Quadrant zu dünn um den Bolzen anzubringen, der eine maximale Schubkraft von 980kg, also fast einer Tonne, aufnehmen muss – zum Mäusemelken!
Ich brauche Kaffee und was Süsses!

Zufällig hat sich Thomas von der SIMPLY FREE vor ein paar Tagen bei mir beklagt, dass er auf Leros partout keinen Stollen finden könnte – und er mag den doch so gerne…
Dies verleitet mich, uns auf die SIMPLY FREE einzuladen und im Gegenzug den Butterstollen von Oma Helene mitzubringen. Das ließ sich der hessische Skipper nicht zweimal sagen – die Selbsteinladung wurde manifestiert!

Gemeinsam mampften wir den ganzen Stollen – Gruß an Oma Helene und die Crew der JASPER – er war saulecker!!! Die Gläser am Tisch verraten, dass es nicht beim Kaffee blieb…
Ich musste zurück auf NESSAJA, ich würde heute bei Giorgos sitzen und brauche eine Lösung. Mir war klar, dass die Montage mit der Anpassung des Pins beginnen muss, ich brauche zumindest einen festen Bezugspunkt – ein Fix sozusagen.
Ich skizziere weiter…


Mir war klar, dass es nur mit einer Adapterplatte funktionieren kann. Da ich die technischen Hintergründe des Schweißens kenne und auch weiß, dass Giorgos ein Magier am gleißenden Lichtbogen ist, hatte ich keine Sorge um die Haltbarkeit – ich wusste aber auch, dass meine Idee nicht umkehrbar ist – der Bolzen müsste umgearbeitet und dafür abgeschnitten werden. Wir haben nur einen Versuch!

Wie immer wurschtelte Giorgos frei drauf los, diesmal merkte er aber, dass ich angespannt war. Ich folgte seinem Tun aufmerksam, immer bereit einzuschreiten wenn Handlungsweisen nicht 100% klar waren.


Der Aufnahmepin bekam eine Passbohrung und wurde auf genau dieses Maß abgedreht – so steckte er auf´s µ genau in seiner Passung. Auch dieses Vorgehen sorgte für Stabilität. Klar war, der Gewindeteil kommt am Schluss weg!

Dort, wo normal eine 12mm Mutter den Bolzen an Ort und Stelle hält, wird jetzt eine umlaufende Schweißnaht gesetzt. Dann noch zwei kurze Nähte in die obere Kehle, nur um hier ebenfalls zu fixieren.

Wir arbeiteten bis in die Nacht. Als ich zuhause ankam war es dunkel – Sibylle hat mit dem Essen auf mich gewartet…

…aber das Ergebnis konnte sich sehen lassen! Ich war zufrieden, gleich morgen früh werde ich diesen Adapter einbauen! Ich schaute zufrieden auf unser heutiges Tagwerk…

…danach noch ein bisschen Computerkram, soziale Medien und ab ins Bett – ich war müde und erschöpft.
Autopilot Akt 3 – Fertigung einer Base für den Linearantrieb! Der neue Tag beginnt, wie immer, mit einem leckeren Frühstück und der obligatorischen Tasse Kaffee. Ich bin hibbelig, ich will das neue Teil einbauen und sehen, ob es passt! Kaum das Toast runtergeschluckt, liege ich schon in der Backskiste und montiere…

Das neue Teil passt perfekt. Ich denke, dass das Bild auch zum Verständnis des bisher Geschriebenen beiträgt – der Abstand zum Drehpunkt ist verkürzt, der Weg, den der Pin beschreibt nun ebenfalls kürzer.
Ich baue den Antrieb nebst Ruderlagegeber ein!

Auf diesem Bild kann man die Challenge des neuen Aktes erkennen – der Antrieb MUSS exakt in die richtige Höhe positioniert werden. Es sind nach oben und unten jeweil nur 5mm Platz! Zudem soll die Schubstange den Quadranten in einem definierten Winkel ansteuern – das Zentrum muss ermittelt werden – ich versuche dies leidlich…

Das Bild zeigt das Dilemma – die Höhe des Fußes zur Platte an der Decke lässt sich ja noch einigermaßen messen – hier komme ich auf 15,5cm. Aber die Tatsache, dass der Fuß „off center“ montiert werden muss – man kann den gemessenen Mittelpunkt an der Deckenplatte sehen – dieser Fakt treibt mir Schweißperlen auf die Stirn!
Nach dem Einmessen und meiner endgültigen Entscheidung, baue ich die bisherige Base aus – an sie soll die Erweiterung angeschweißt werden.

Ich skizziere meine Idee, fotografiere die Skizze und sende sie an Giorgos – er soll sich mental auf den Job heute Abend einstellen können.

Ok, das ist erledigt, am Abend bauen wir die neue Base! Was mache ich derweil? Ich muss mir die Ausgangssituation für den kleinen NavPod ansehen und die neuen Füße montieren – also auf ans Werk.

Nachdem ich die Füßchen etwa 23x sowohl an der Konsole als auch am Montageplatz ausgerichtet habe, entscheide ich mich für eine finale Position. Dies war zwar fummelig, aber nicht riskant, weil man beim Anschrauben noch ein bisschen tricksen kann. Ich bohre die Befestigungslöcher und schraube die neuen Halter fest – es sieht echt gut aus – alles handmade, alles custom!

In etwa so wird die neue Konsole auf der Niedergangsabdeckung stehen. Das sieht jetzt echt easy aus, oder? Ist es nicht! Ich gebe folgende Hinweise – Kabelwege? Zugänglichkeit Werkzeug zum Anschrauben der Konsole? Zugänglichkeit Werkzeug zum Anbringen des Deckels nebst Instrumente? Nun, ich habe noch Zeit darüber nachzudenken – diesen Projektpunkt möchte ich finalisieren bevor Sibylle nach Deutschland abreist!
Wieder führt mein Weg über die Insel, wieder ist der Rucksack vollgepackt mit Material – ich fahre nach Kamara um die neue Base anfertigen zu lassen.

Ich komme, wie eigentlich immer, pünktlich um 17.00 Uhr an – die Helfer sind schon da, Giorgos kommt, wie eigentlich immer, rund 10 Minuten zu spät! Siga, siga – ich weiß…

Der Start in die Arbeit ist IMMER der gleiche! „You want coffee?“ Ich antworte IMMER gleich, „yes, if I´m allowed to pay for all of us.“ Er erwidert stets, dass dies sein Zuhause sei und ER bezahle und ordert die Kaffees für alle – er weiß auswendig wer was trinkt. Der Kaffee wird geliefert und während der Arbeit getrunken.

Überraschung – Giorgos hat kein so dickes Aluminium! Lösung – wir machen alles etwas dünner, dafür aber aus Edelstahl! Ich erlaube mir, das Gewicht zu hinterfragen – ach komm` zwei, drei Kilo – egal! Wenn Sibylle doch auch nur so entspannt wäre ob zwei, drei Kilos.

Die Maße waren gesetzt, der Mittelpunkt und das neue Center recht schnell festgelegt – aber wie jetzt die beiden Platten zueinander ausrichten – das muss exakt passen. Ich hatte die Idee, dies mit einer Gewindestange im Mittelpunkt zu machen – diese Idee wurde offen angenommen und hat super funktioniert!
Giorgos will den kompletten Antrieb vor Ort haben um die Anpassungsarbeiten exakt zu erledigen – ich maule, gebe mich aber geschlagen. Der örtliche Bäcker leiht mir sein Auto damit ich das 9kg schwere Trum von NESSAJA holen kann.
Dann geht der Virtuose ans Werk…

…und zaubert innerhalb einer Stunde ein Gebilde, welches es ziemlich auf den Punkt bringt. Sieht gut aus!

Das Ende des dritten Aktes ist damit geschrieben – morgen baue ich das Trum final ein und mache eine erste mechanische Funktionsprüfung.
Ich schnalle die eiserne Skulptur auf meinen Gepäckträger, packe den 9kg schweren Linearantrieb und den Kleinkram in meinen Rucksack und fahre heim.
Wir essen und sehen fern. Es ist erwähnenswert, WAS wir schauen! Sibylle hat einen „Hundeflüsterer“ aufgetan (nicht Rütter), der den Hunden die schlechten Manieren und den Haltern den schlechten Umgang mit den Zamperl abgewöhnt – man kann ja nie wissen!

Wir realisieren, wir machen intuitiv viel richtig – das erklärt vielleicht, warum Mamos inzwischen richtige Manieren bekommen hat – seht mal hier…

Zugegeben, wir müssen in unserer Basiserziehung manchmal mit Leckerli nachhelfen, manchmal hilft der Respekt vor Institutionen!

Wir schreiben den 30.12., es ist der Tag vor Silvester, das alte Jahr 2022 klingt aus. Wir haben am Vormittag einen Tierarzttermin, es steht die letzte Impfung an, nebst einer Untersuchung welche die Reisetauglichkeit bestätigt. Mamos schlägt sich tapfer, alles ist ok, seiner Immigration nach Deutschland steht nichts mehr im Wege.
Ich baue sofort nach meiner Rückkehr die neue Base ein, sie passt perfekt. Die Montage des Linearantrieb ist fummelig, weil so wenig Raum zur Verfügung steht, klappt letztlich aber doch ganz gut! Ich rufe Sibylle zum Funktionstest und…. es ist knapp! Sehr knapp! Vollausschlag am Rad in beide Richtungen – eine scheint ok, die andere ist grenzwertig, das erkennt man mit bloßem Auge. Ich lege ein Blatt Papier dazwischen – es klemmt fest, das Lenkrad ist am Anschlag! Alles ok also???
Ich lasse Sibylle mit etwas Schwung in die problematische Richtung lenken – der Quadrant schlägt am Endanschlag an und die neue, massive Edelstahlbasis bewegt sich! Ein wenig nur, aber man sieht und fühlt es. Ein Blick in die Einbauanleitung verrät: „Dient der Linearantrieb als Ruderlagebegrenzung wird der Antrieb beschädigt“!
Kein Raum für Kompromisse – das Ding kostet ein Vermögen!
Autopilot Akt 4 – was lange währt wird endlich gut! Ich verzweifle fast, zögere aber nicht – es gibt nur eine Lösung, der Adapter muss noch einmal angepasst werden.

Obwohl ich abgerundet hatte, war der Weg für die Schubstange zu groß, um Millimeter nur, aber eben zu groß. Ich informiere Giorgos und erkläre die Situation. Er verspricht zu helfen und ich mache mich abermals auf den Weg über die Insel.
Schon bei der Marinaausfahrt fuhr ich auf einen Regenbogen zu – obwohl wir keinen Regen hatten! Es muss in der Nähe ein Schauer gewesen sein.

Ich fahre also nach Kamara und lasse mich wieder von den Naturschauspielen verzaubern. Mir geht es per se nicht um Sonnenuntergänge – mir geht es um die Vielfältigkeit. Es ist einfach schön dies täglich zu sehen und zu erleben – Groundhog Day 😉


Auch Sibylle ist heute von dem Naturschauspiel begeistert – sie geht mit Mamos, als ich zu Giorgos unterwegs bin. Von ihrer Marinarunde aus schickt sie mir ihre Sichtweise auf den Sonnenuntergang – und natürlich hat sie versucht den Schwarzen ins rechte Licht zu rücken!


Aber ich schweife ab – ich war auf dem Weg zu Giorgos um den vierten Akt des Dramas zu Ende zu schreiben und dem Schauspiel ein Finale furioso zu bescheren!
Es war Samstag, es wurde nicht lange gefackelt. Giorgos kam in Privatkleidung, es gab keinen Kaffee und wir legten sofort los. Allerdings war er mit der Idee, den Pin zu versetzen nicht einverstanden – wir entschieden uns für Langlöcher.

Wir finalisierten die Anpassung, wünschten uns ein gutes neues Jahr – mir war klar, Giorgos hat großen Anteil am Erfolg dieser Geschichte – sofern es ein Erfolg werden würde. Das wird sich morgen zeigen, am 31.12.2022!
Silvester! Wieder Frühstück, wieder bin ich hibbelig – ich will alles einbauen und sehen, ob es nun funktioniert. Sibylle raunt mir ein gnädiges „…dann schraub´ das Ding endlich fest!“ zu und gab mich sozusagen frei.
Der Einbau dauerte keine Viertelstunde!


„SIBYLLE! Bitte ans Rad und einmal Vollausschlag nach Backbord, einmal nach Steuerbord – erst langsam, dann anschlagen lassen!“
Sibylle tat wie Ihr geheißen und ich konnte Vollzug melden. Alles freigängig, alles top, das Ruder rumst in den Endanschlag ohne an der Schubstange zu rütteln. Das Drama fand mit dem vierten Akt ein doch noch versöhnliches Ende.
Ich war zufrieden und konnte mich dem Rest des Tages widmen – es stand an, das neue Jahr gebührend willkommen zu heißen.
Der Hund bellt, ich sehe aus dem Fenster, aber er rührt sich nicht – er steht da wie angewurzelt. Ich sehe nach ihm…

Durch meine Befreiungsaktion werde ich zu seinem persönlichen Helden. Wie ich ihn da so stehen sehe, fällt mir seine Angst vor Schüssen ein – was machen wir nur mit ihm? Heute besteht erhöhtes Risiko!
Sibylle und ich beschließen, ihn keine Minute aus den Augen zu lassen. Zu groß das Risiko, dass er einfach abhaut. Um ihn überall hin mitnehmen zu können, mieten wir für einen Tag ein Auto.

Vor dem Autofahren hat er schonmal keine Angst! Ich hebe ihn zwar in den Kofferraum, aber die Gewöhnung tritt sehr schnell ein. Sehr guter Teilerfolg!
Nachmittags gehen wir wandern, natürlich in die Eisdiele und trinken unterwegs einen Cappuccino. Die Auslage bei „Repapis“ ist, dem Anlass entsprechend, dekoriert!

Am Abend dagegen sind wir mit einigen Freunden aus der Seglercommunity in Dimitris „To Steki“ in Alinda verabredet. Wir mögen dieses Lokal ohnehin und es war eine tolle Idee, genau dort zu feiern. Ich reserviere also einen Tisch für 11 Personen!

Ein griechisch-deutsch-österreichisch-italienisch-israelisches Silvesterfest bahnte sich an, es sollte ein toller Abend werden!


Es gibt Dimitris Spezialität, herrliche Meze, für Silvester ein wenig aufgepimpt und aufwändiger als sonst. Das Lokal füllt sich langsam und die griechischen Großfamilien treffen ein – ich muss unweigerlich an „My Big Fat Greek Wedding“ denken. Es kommt ein Marinamitarbeiter mit seiner Familie, die Familie Repapis mit Schwager und Schwägerin – und im Schlepptau eine Horde Kinder. Man kennt sich inzwischen. Es war laut, stimmungsvoll laut, griechisch laut! Es war sehr schön!

Genau die vielen Kinder sollten unser großes Glück sein! Hatten wir noch gedacht, abwechselnd auf Mamos aufpassen zu müssen und dafür dieses eine Silvester eventuell auf Distanz verbringen zu müssen, halfen die Kinder mit, den draußen angeleinten, jungen Hund zu „betreuen“.
Nachdem alle gemerkt hatten, dass er keiner Fliege etwas zu Leide tun würde, haben sie ihn abwechselnd gestreichelt – das war echt nett – er hat nicht ein einziges Mal gebellt. Wir haben zwar abwechselnd nach ihm gesehen, aber zwanglos.

Zwischendrin kamen dann noch „Nikoläuse“, junge, maskierte Burschen, die den Weihnachtsbrauch des höflichen „Gelderpressens“ – so ähnlich wie „Süsses oder Saures“, „Trick or Treat“, an Halloween, bis ins neue Jahr tragen wollten – man kann es ja mal versuchen…

Mich erinnerten die Beiden eher an weihnachtliche Blues Brothers und auch den Griechen merkte man die Irritation an – egal, einer erbarmte sich der Beiden, gab ein paar Groschen und die „Fake Nikoläuse“ zogen wieder ab!
Es war fünf vor zwölf! Nix passierte…

Wir, die Deutschen und Österreicher, sind um 5 vor 12 vor das Lokal gegangen, es wird sicher bald geschossen, wo ist eigentlich der Sekt???
Alle anderen sind von draußen REIN gegangen. Komisch…
Wir haben uns erklären lassen, dass der Wechsel der Jahre in Griechenland eher drin vollzogen wird. Ok, und der Hund? Ich lege meine Zweifel kurz beiseite und gehe ebenfalls nach drinnen, es ist 2 vor 12!
Auf einmal – ALLE, WIRKLICH ALLE fangen lautstark von 10 auf 0 zu zählen an – und um Mitternacht schaltet der Wirt das Licht kurz aus. Gleich darauf wieder an – es ist 2023! Alle umarmen sich, küssen sich und fangen Videotelefonate mit den Lieben zuhause oder sonstwo auf der Welt an! Einige der Griechinnen, viele im festlichen Gewand, stehen auf der Terrasse und singen einfache Liedlein mit eingängigen Texten.
„Kali Chronia, kali chronia…“
Auch unser Tisch wünscht einander ein gutes, gesundes, glückliches neues Jahr 2023.
Das alles passiert in recht kurzer Zeit – es gibt, zu unser Aller Überraschung kein Feuerwerk. Nur wenige Böller werden gezündet – das reicht aber, um Mamos für ein paar Minuten in höchste Panik zu versetzen. Ich habe es sofort erfasst und ihn fixiert und beruhigt – letztlich war es schnell vorbei.
Ja, da war es nun, das neue Jahr. Ich gebe zu, wir alle waren müde und erschöpft und haben bald die letzten Humpen Wein geleert und bezahlt.

Wir haben Mamos wieder in unser Leihwägelchen verfrachtet und sind, gemeinsam mit der FINI-Crew, zurück gefahren.

Mamos schleicht sich sofort in seine Hütte, auch für ihn war es ein aufregender Tag, wir dagegen fallen ohne Zeitverzug in die Federn. Morgen erstmal ausschlafen!
2023 – wir haben Pläne! NESSAJA muss fertig werden, wir wollen wieder Segeln und Reisen, wird es einen Ortswechsel geben? Die Kinder haben schon angekündigt uns wieder besuchen zu wollen und was ist mit unserer „großen Reise“? Wir werden sehen – all dies sind Geschichten die das Leben schreiben wird!
Wir, Sibylle und Mario, die Crew der NESSAJA, wünschen Euch allen, den inzwischen recht vielen Followern des Blogs, ein tolles, exorbitantes, glückliches und wunderbares neues Jahr – vor Allem aber soll es ein gesundes und friedvolles werden.

Ein Ausblick auf den Januar gefällig?
Nun, wir haben ein paar Kleinigkeiten an Booten von Freunden zu machen, werden erste Schritte gehen, die BMW griechisch zu machen und noch weitere Projektarbeiten an NESSAJA vorantreiben.
Am 12.01. geht Sibylle mit Mamos um 22.15 Uhr auf die Fähre Richtung Athen. Vielleicht begleite ich sie auf diesem Wegstück. Dann steht der Abschied von Mamos an und Sibylle bleibt für den Rest des Monats in Deutschland.
Ich werde auf mein Paket warten, mich in dieser Zeit meinem Victron Projekt widmen und vielleicht einen Tanzkurs besuchen – in Sibylles Abwesenheit werde ich auch einen neuen Jahresrückblick verfassen und hierzu eine Seite erstellen…
Es bleibt alltäglich – und doch, hoffentlich, interessant! Bleibt dran, folgt uns weiter – wir freuen uns!
Herzliche Grüße aus Leros von der NESSAJA-Crew
Lieber Mario,
Herzlichen Dank für Deinen immer noch schöneren Reisebericht-Tagebuch-Feedback-or what ever. Ich finde Deine Art zu schreiben grandios, es ist wunderbar Deine Berichte zu lesen, auch weil Du es schaffst die Emotionen darzustellen. Deshalb ist hin und wieder eine Träne dabei. Auch, weil ich mit euch ein Stückchen weg gehen durfte …..
Schön, dass ihr den vierbeinigen Freund aufgenommen habt. Dafür werdet ihr dieses Hundeleben lang von ihm verehrt.
Ich wünsche euch von Herzen ein frohes und glückliches neues Jahr. Möge alles gelingen, was ihr euch vorgenommen habt.
Herzliche Grüße an Sibylle!
Alexandra
Liebe Alexandra, ganz herzlichen Dank für Deine netten Worte und natürlich auch für das positive Feedback! Auch wir haben die, wenn auch kurze, Zeit eures Aufenthalts auf Leros genossen und uns gefreut euch kennen gerlernt zu haben – wir sehen uns bestimmt wieder! Dir mit Familie ebenfalls ein gesundes und glückliches neues Jahr! Grüße richte ich aus!
Dankeschön für den Bericht, wir können euer Leben an Bord nachvollziehen, aber im Winter im Ionischen ist es nicht ganz so gemütlich, LG Silvia und Herbert
Hallo Herbert, ICH habe für Dein Interesse und Feedback zu danken! Seid ihr denn im Ionischen über den Winter? Ich bin sicher, dass wir hier auch noch ein paar kalte Tage oder Wochen erleben werden – wir kennen es ja vom letzten Jahr. Ich hoffe, dass sich die heizung dann bewährt. Grüße zurück und ein gutes Neues!