Ein Winter auf der Elowyn
Als Kind der 80er komme ich um Paul Young nicht herum – er hat 1983 den Song veröffentlicht welcher für diesen Bericht als Headline steht. Ein besonderer Bericht deshalb, weil er außerhalb des „Mediaplanes“ veröffentlicht wird – das hat seinen Grund…
Kristina und Volker nämlich, haben uns nach der Rückgabe der ELOWYN in ihre Eignerhände gebeten, ein paar Erlebnisse des Winters für Ihren Blog aufzuschreiben. Da der Blog der ELOWYN nicht öffentlich ist und ich somit nicht verlinken kann, habe ich entschieden den Text außerplanmäßig auch auf NESSAJA´s Blog zu veröffentlichen.
Paul Youngs Titel hat es deshalb geschafft Headline zu werden, weil die Elowyn vom 20.01.2022 bis 13.05.2022 unser temporäres Zuhause war. Wir haben uns sehr heimisch gefühlt, nachdem wir, im Sinne des Liedtextes, unseren Hut abgelegt hatten.
Dass damit auch eine Verantwortung einhergeht, sollten wir zu spüren bekommen. Hier unsere Geschichte im Stil einer Erzählung…

„Wir schreiben den 19. Januar 2022, Sibylle und ich sind mitten in der Nacht auf Leros angekommen und haben diese Nacht der Ankunft auf unserer NESSAJA geschlafen. Im Januar ist es auch hier im Dodekanes, dem östlichen Part der Ägäis, durchaus kalt. Ein Fakt der sich im Winter 2022 noch bekräftigen sollte. Sibylle und ich haben daher schon bald beschlossen, umgehend auf die ELOWYN unserer Freunde Kristina und Volker zu übersiedeln, es schien uns sinnvoller uns gleich hier gemütlich einzurichten – stand der Krantermin für unsere NESSAJA doch unmittelbar bevor.
Was? Auf die ELOWYN? Wieso das? Wird es Euch nach den Wochen auf diesem Schiff überhaupt noch auf der NESSAJA gefallen? Das waren die Fragen die uns nahezu immer gestellt wurden, wenn wir Freunden von unseren Plänen für die kommenden Monate erzählt haben. NESSAJA kommt für ein großes Refit und Upgrade am 24.01.2022 an Land und wird zur 24/7 Baustelle, die ELOWYN für diese Zeit unser Zuhause.

Hier ist es an der Zeit ein wirklich fettes HERZLICHES DANKESCHÖN an Tina und Volker loszuwerden! Das Angebot, ihr Schiff während der Bauphase an unserer treuen Gefährtin bewohnen zu dürfen, ist kaum in Worte zu fassen. Natürlich haben wir es als win-win Situation deklariert, natürlich stimmt es, dass Sibylle und ich auf die schöne Blaue achten würden und ihr Pflege angedeihen lassen – dennoch bedeutet es einen immensen Vertrauensvorschuss, Eigentum dieser Komplexität und Wertigkeit in „fremde Hände“ zu geben.
Als das Angebot im Herbst 2021 erfolgte, waren wir sprachlos, ungläubig, auch überwältigt – wir haben uns mehrfach rückversichert, dass dies auch wirklich so gemeint wäre und für beide, Kristina UND Volker, kein Problem darstellen würde. Nein, würde es nicht und ja, es war ernst gemeint! Wir wurden gebrieft und harrten den Dingen. Wir planten unseren Winter 2022 auf der größten Yacht in der Leros Marina Evros – unweit von unserer Baustelle, der ideale Platz um sich selbst und die geplanten Arbeiten zu organisieren.
Der 20. Januar 2022! Wir tragen unsere Taschen auf die ELOWYN, einige Küchenutensilien, unsere Bettsachen und ein wenig persönliches Hab und Gut – es war ein kleiner Umzug der aber schnell von statten ging. Wir machten es uns gemütlich…

Jetzt musste der theoretischen Einweisung von vor drei Monaten die praktische Umsetzung folgen…
Ähhh, wo war der Schalter für die Heizung? Welche Heizung war gleich wieder für hinten??? Ach die, ich probier´ mal… klappt! So ging es über eine Stunde – welcher Schalter für welche Steckdose, für welchen Kühlschrank, für welches System? Welche Systeme brauchen wir überhaupt? Man muss wissen, ELOWYN hat ungefähr viermal so viel Schalter wie NESSAJA, zum Glück perfekt beschriftet, wir haben uns schnell an die Technik gewöhnt.

Unter dieser Voraussetzung sollte es kein Problem sein Volkers Anforderungen an die Winterpflege seines Augapfels zu erfüllen. Immer mal wieder mit beiden Heizungen heizen, immer mal wieder alle Wasserhähne und Klospülungen betätigen, immer mal wieder relevante Systeme in Betrieb nehmen. Ha, nichts leichter als das!!!
Ich bin seit 20 Jahren Eigner von Booten – ich hätte es besser wissen müssen…

Auch bei einem Schiff dieser Größenordnung kann, wenn es denn einmal zehn Jahre alt ist, etwas kaputt gehen – und das tat es dann auch!
Wir wussten davon, dass über die Mastmanschette etwas Wasser in die Bilge eintritt. Zu unseren Aufgaben gehörte es, diese Bilge ab und an auszusaugen, nichts leichter als das, steht doch ein potenter Kärcher Nasssauger zur Verfügung!

Nicht gewohnt waren wir an die Geräusche welche auf der ELOWYN tagsüber und auch nachts zu hören waren. Ein paar konnten wir abstellen, andere einordnen – doch was war das???
Klängklängkläng, ups, was scheppert da? Rasches Nachforschen zeigte schnell, das zweite Vorstag hing verdächtig durch und musste hydraulisch nachgepumpt werden. Gesagt, getan und das Problem war behoben. Dachte ich zumindest, doch ein paar Tage später – klängklängkläng – ok, woran kann das nur liegen? Ich berufe eine Telefonkonferenz mit Volker ein – ah, es gibt einen Hydrauliktank, ok, finde ich! Das Ölbehältnis ist prinzipiell leicht zugänglich – nur befindet sich das etwas versteckte Einfüllloch in etwa 2,5m Höhe. Für den weißen Riesen kein Problem, ich dagegen müsste mich mächtig strecken, aber mit einer sehr großen Spritze würden sich die zwei Liter Hydrauliköl einfüllen lassen. Morgen besorge ich das Öl…
Das wurde leider nix! Hydrauliköl DIESER Spezifikation würde ich auf der Insel nicht bekommen. Die Tatsache, dass ich diese Aussage einfach nicht glauben wollte, kostete mich einen Tag für Materialsuche – es sollte nicht der letzte bleiben. Ich mache es an dieser Stelle kurz – das Öl habe ich der Einfachheit halber in Deutschland bestellt, Materialwert zweimal 9,95€, Frachtkosten 24,95€! Das zweite Vorstag ließ sich wieder aufpumpen, das Problem war gelöst – darauf ein Mamos…

Ein gellender Schrei – Wasser! Es läuft! Alles schwimmt! Sibylle war gerade noch friedlich beim morgendlichen Styling als der Hilfeschrei ertönte. Die Toilettenspülung im achterlichen Bad schaltete nicht mehr ab! Eine meiner Kernaufgaben – das Betätigen der Klospülungen, so dass sich die Magnetventile derselben nicht festsetzen würden – ich hatte diese Aufgabe stetig erfüllt und keine Probleme festgestellt, alle vier Toiletten arbeiteten einwandfrei. Und jetzt das, ausgerechnet bei der meistgenutzen Anlage!?
Telefonkonferenz mit Volker…

Ich hole mir Ratschläge zur Problemlösung, schnappe mir den Werkzeugkoffer (erfahre leider erst später, dass es hierfür eine spezielle Unterlagedecke gibt) und lege los. Der Magnetschalter ist schnell ausgebaut, aber das Ventil selber ist in die Wasserversorgung integriert und schwer zugänglich. Meine Idee war nun, das leichter zugängliche Ventil aus der Steuerbord Gästetoilette zu tauschen und von diesem den Magnetschalter im Eignerbad einzubauen. Ich hole mir die Zustimmung von Volker in einem weiteren Videotelefonat und bestelle das Teil – wer meint, dass dies auf Leros einfach ist, hat falsche Vorstellungen…

Der Shipchandler in der Marina ist sehr nett, auch fachkundig und griechisch motiviert, man erreicht am meisten, wenn man ihn mit einer vorhandenen Ersatzteilnummer um Beschaffung bittet. Ich recherchiere also einen Abend lang Magnetventile des Toilettenherstellers der ELOWYN, finde den Ersatz des vor 10 Jahren verbauten Teiles und dessen OE-Teilenummer heraus. Ich setze meinen flehentlich bittenden aber verbindlich fordernden Blick auf und gehe zu Panos. Ich verwende Worte wie „important“ und „urgent“, weise auf „help needed“ hin und erkläre er sei „the only one“ – das hat gereicht! Wenige Tage später halte ich das Reparaturteil in der Hand und setze die Reparatur um. Jetzt funktionieren alle Toiletten wieder.

Auch hier ein kurzes Update – während ihr diese Zeilen lest, wurden zwei weitere Ventile ersetzt und somit alle Troublemaker an dieser Flanke beseitigt. Ein Ventil hat Volker aus Deutschland mitgebracht, das letzte hat Panos innerhalb EINES! Tages beschafft!


Im Großen und Ganzen waren das die Überraschungsaufgaben die ELOWYN uns beschert hat. Die Reparaturstunden gingen in den langen schönen Phasen unter, die Aufregung war meist nur kurz. Wir haben lange Winterabende bei stetig laufender Dieselheizung verbracht. Wir haben, in Decken gekuschelt, Videoabende bei Keksen und Tee verbracht und speziell ich habe mich nach langen kalten Arbeitstagen an NESSAJA abends auf der ELOWYN heiß und luxuriös duschen und ein bisschen Ruhe finden können. Wir haben meist gekocht und die luxuriöse Pantry genutzt…

Ach da fällt mir eine Anekdote ein…
Gas füllen – auf Leros nicht so einfach! Zumindest dann nicht, wenn man wie die ELOWYN wertige Alu-Gasflaschen mit sich führt und diese nur gefüllt und nicht getauscht haben möchte. So habe ich mit Volker im Herbst die Aluflaschen zum Befüllen abgegeben. Dies sollte ca. 6 Wochen dauern – nach 10 Wochen habe ich nachdrücklich eine Suche nach diesen Flaschen eingefordert. Erfolgreich! Es hat zwar drei Tage gedauert, aber ich konnte die Flaschen wieder an Ort und Stelle bringen. Das an sich wäre kaum erwähnenswert, wenn nicht Sibylle und ich beschlossen hätten kein Gramm des aufwändig erworbenen Brennstoffes zu verbrauchen. Es musste eine temporäre Gasversorgung gebaut werden. Dafür wurde eine der Aluflaschen aus dem Gaskasten verbannt, es zog eine 20kg Hausgasflasche griechischer Bauart ein welche nun an ELOWYN´s System angeschlossen werden musste. Ich spare mir zu erwähnen, dass trotz EU natürlich KEINE Gasflasche eines Landes an den Schlauch eines anderen passt – ich habe kurzerhand einen Adapter gebastelt den Volker Gott sei Dank nie zu Gesicht bekommen hat 😉“

Kurzer Sprung in die Gegenwart, es interessiert Euch vielleicht wie wir auf ELOWYN haushalten konnten. In den Monaten Januar bis Mai 2022 haben wir 20kg Gas und 150 Liter Diesel verbraucht, die ELOWYN nimmt zusätzlich ca. 4-6.-€ Strom am Tag für die Ladetechnologie und die Warmwasseraufbereitung.
Bitte lasst Euch nicht vom Maibericht einlullen, wir blicken zurück in den vergangenen Winter, dieser war auf Leros ein kalter, sehr regnerischer und auch recht stürmischer.


Auch an diesen Tagen musste gearbeitet werden, ELOWYN diente als gemütlicher Ort zum Aufwärmen, als Rückzugsort.
Hier ein paar Wetterimpressionen wie wir sie aus und um den blauen Riesen wahrnehmen konnten.




Ich wiederhole – wir waren dankbar! Auf NESSAJA war es bitterkalt, ich musste zum Arbeiten kräftig elektrisch heizen und ein Wohnen an Bord wäre unmöglich gewesen.
Daher schrieb ich weiter an ELOWYN´s Blog…
„Wir waren glücklich auf diesem Schiff und haben, zugegebener Maßen, auch die Blicke der anderen Überwinterer in der Marina genossen. Es war ein angenehmes Leben und die Frage auf welchem Schiff wir denn zu finden seien, beantworteten wir stets mit „beim höchsten Mast“!
In dieser Stimmung haben Sibylle und ich beschlossen, unseren Freunden eine Freude machen zu wollen – diese sollte zwingend mit unserem Aufenthalt auf dem Edelcruiser in Verbindung stehen. So reifte der Plan zwei schon vorher bestehende Baustellen für Kristina und Volker aufzulösen.
Zum Ersten wollten wir das schon mehrmals gebrochene Steckschott, die Eingangstüre der ELOWYN, durch ein Neuteil ersetzen lassen, zweitens war eine der Schiebetüren in der Küche gebrochen. Auch hier sollte eine neue Türe Einzug finden.

Ich möchte nicht schuldig bleiben zu beschreiben, was einem Schiffseigner oder dessen Vertreter in Griechenland bei einer Reparatur bzw. Teilebeschaffung passieren kann – jeder der beim Lesen von Asterix Comics „das Haus das Verrückte macht“ kennen lernen durfte ahnt was kommt.
Einleitend – beide Geschichten spielen sich parallel ab, beide ziehen sich über zwei, fast drei Monate. Man muss wissen, dass der Grieche sehr ungern eingesteht, wenn er etwas nicht kann, nicht unbedingt aus Unvermögen, sondern z.B. weil Werkzeug fehlt oder ähnlich. Und ganz wichtig – man muss die Bedeutung des Wortes AVRIO kennen. Dies bedeutet im Wortsinn MORGEN, wird aber laut Google mehr als „nicht heute“ ausgelegt…
Die Odyssey zweier Türen…
Ich bringe beide Türen, an verschiedenen Tagen, zu einer kleinen Werkstatt auf der anderen Seite der Insel. Diese kleine Bootsschmiede wird von einem sehr sympathischen jungen Paar betrieben, wir haben sie kennen gelernt, als Arbeiten an NESSAJA verrichtet wurden. Beide sind zuverlässig, fleißig und engagiert, beide haben mein Vertrauen! Er ist ein begnadeter Mechaniker und Schweißer, sie eine kulleräugige Schönheit und die englischsprechende Seele der kleinen Manufaktur – beide werden in den kommenden Wochen sehr häufig „don´t worry“ zu mir sagen…

Ich frage, ob sie sich in der Lage sähen diese Plexiglasarbeiten für mich auszuführen. Ich wiederhole, die Arbeiten wurden unabhängig voneinander gestartet. „Yes, of course, no problem!“ Das Schott müsse man aufgrund der Komplexität nach Athen schicken, die weiße Schiebetüre der Küche könne man selber machen. Perfekt! Hier sind die Teile – los geht´s. Sibylle und ich sind entspannt, es ist Anfang Februar, wir haben Zeit. Diese Entspanntheit sollte weichen!
Wir gehen zum Schreiner und lassen uns ein Notsteckschott aus dünnem Holz zuschneiden, irgendwie müssen wir den Niedergang ja verschließen, wir haben Winter!
Zwei Tage später erreicht mich der Anruf, dass mein Steckschott in Athen sei, der Auftrag sei verstanden, gleiche Maße, gleiche Farbe – einfach eine Kopie des Altteiles. Mir wurde vermittelt, dass die geplante Reparatur „nicht billig“ sei, man müsse auf Vorkasse bestehen. Der genannte Preis war gut innerhalb meiner Kalkulation, ich sagte zu… und hörte lange nichts mehr.
Zwischenzeitliche Nachfragen ergaben, dass der Partner in Athen zunächst Probleme bei der Materialbeschaffung hatte, dann habe ihn Covid heimgesucht, der wochenlange Verzug sei hiermit zu begründen. Man bliebe dran – don´t worry!
Und die weiße Küchentüre? Ach die!!! Da bräuchte man Maße. Aber ihr habt doch die zwei Hälften als Muster, ihr könnt messen. Stimmt, das ginge auch. Muss die neue Türe genauso sein? JA! Genauso!
Wieder gingen ein paar Tage ins Land…
Ein Anruf – die weiße Küchentüre sei da, ich könne kommen und das Teil abholen. Dass dies nur die halbe Wahrheit war, wusste ich nicht als ich mit dem Wagen über die Insel fuhr. In der Werkstatt angekommen, gab man mir ein weißes Viereck. Ich sage bewusst Viereck, denn die Platte hatte keinen Rechten Winkel! Und es fehlten die Löcher. Ah, das sei nur das Rohmaterial, verstehe – und warum muss ich das abholen? Zum Probieren? Warum? Weil es 5mm statt 4mm stark war! Was ist an der Aussage „gleiche Maße“ so schwer zu verstehen?
Ich wollte den griechischen Freunden nicht nahetreten und kein Porzellan zerschlagen, so fuhr ich wie geheißen zur ELOWYN und hielt die 5mm Platte an den 4mm Spalt. Ich machte brav ein Bild und sendete es zum Baumeister. Nein, passt nicht, wie vermutet, leider. Don´t worry! Ok!
Die fehlerhafte Platte ging zurück, man sagte mir ich müsse nicht zahlen. Ich schilderte im Gegenzug, dass nicht die Bezahlung das Problem sei, die Lösung stehe noch aus, ich brauche eine Lösung. Die würde umgehend folgen. Die gute Nachricht sei, man habe das Steckschott zurück – im Gegenzug nehme ich das zweite Tauschteil ins Gepäck und fahre wieder zur türlosen ELOWYN.
Sieht gut aus – ich baue das mehrteilige Steckschott ein und stelle fest, dass es etwas hakelig zu betätigen ist – daran lag es wohl auch, dass die Riegel zum Abschließen nicht exakt passten. Naja, das war als leichte handwerkliche Tätigkeit zu bewerten und bevor ich das Teil wieder zurückbringe, schleife ich lieber die Löcher selber etwas auf. Ich investiere also eine knappe Stunde an Feinarbeit in die Verriegelung der Eingangstüre und der Neupositionierung der Bolzen. Während dieser Arbeit wurde es Mittag, es wurde wärmer und das Schott war der Sonnenbestrahlung durch die Mittagssonne ausgesetzt – aber das Ergebnis konnte sich sehen lassen! Perfekt, eine Baustelle abgeschlossen, machen wir es wieder auf und haken diesen Punkt ab…
Nanu???
Das neue Steckschott geht nicht mehr auf! Der verantwortliche „Zuschneider“ in Athen hat seine Fertigungstoleranz wohl deutlich jenseits des zulässigen Zuschlages angesetzt, was dazu führte, dass die geringe Materialausdehnung reichte um das Bauteil quasi zu verriegeln – ein freundliches „Sesam öffne Dich“ war leider nicht ausreichend das Problem zu lösen. So habe ich mit leichten Schlägen versucht die drei Teile wieder nach unten zu verschieben – wobei das Mittelteil brach!
Die Worte welche mir in diesem Moment über die Lippen kamen, sind hier leider nicht zitierfähig, ich war sauer! Also das Ding wieder ausgebaut, gepackt und zurück zum verantwortlichen Fachbetrieb – reparieren bitte! Einfach nur dieselben Maße, lieber 1mm kleiner, schnell bitte!!! Ok, no worries! Ahhhhhrgh!
Die weiße Türe? Ich frage gar nicht, man vertröstet mich ohne Aufforderung mit einem „Avrio“!
Der Morgen des nächsten Tages. Ab diesem Tag trennen sich die beiden Handlungsstränge in zwei selbstständige Geschichten. Die weiße Türe bekam ich nicht, ich erfuhr zum ersten Mal um die praktische Bedeutung des Wortes Avrio. Die Geschichte der weißen Türe sollte noch spannend werden!
Schneller kann das Ende der Story um die Steckschotterneuerung erzählt werden – es ist eine Geschichte mit Happy End! Ich habe etwas Zeit ins Land gehen lassen, Drängen führt zu nichts in Griechenland. So begab es sich, dass ich Anfang Mai, zwei Wochen vor der Rückkehr der Eigner der ELOWYN, einen Anruf bekam – das Steckschott sei fertig. Perfekt! Noch am selben Tag habe ich die Teile abgeholt.
Beim Einbau habe ich gesehen, dass eine Leiste nicht verklebt wurde, aber wer regt sich schon über Kleinigkeiten auf? Eine Tube Spezialkleber gekauft, die Leiste selber angeklebt und das Problem war gelöst. Dieses Steckschott ist MEIN SCHATZ – ich gebe es nicht mehr aus meinen Händen!
Was soll ich sagen? Eingebaut, getestet, der Hitze ausgesetzt – passt! Warum nicht gleich so? Sicherheitshalber verwenden Sibylle und ich das eingebaute Teil nicht, wir haben uns ohnehin an das Holzbrett gewöhnt und wollen kein Risiko gehen das Neuteil abermals zu beschädigen. Die neue Eingangstüre der ELOWYN hat alle Tests bestanden, so werden wir das Schiff übergeben, wir hoffen Kristina und Volker freuen sich. Die Altteile haben wir sicherheitshalber verwahrt, so stehen alle Optionen offen.

Haken an Punkt 1!
Es ist der 10.05.2022, in etwas mehr als einer Woche kommt das Eignerpaar um Ihre schwimmende Sommerresidenz zu übernehmen, noch immer ist der Gewürzschrank in der Traumküche ohne Türe. Ich beginne mir Sorgen zu machen – „no worry“ hilft nicht mehr, das Vertrauen in Avrio habe ich verloren. Ich muss für klare Fronten sorgen und melde mich bei der Werkstatt.
Ok, das Rohteil der Türe sei fertig, ich könne es holen. Ja, ich komme vorbei, jetzt gleich! Was man mir in die Hände drückt schlägt dem Fass den Boden aus. Das ehemalige Teil ohne Rechten Winkel, mit 5mm Dicke zu stark für die Führung, wurde mit der Schleifmaschine an den relevanten Kanten einfach etwas „dünner gemacht“ – so würde es passen. Ich bemühte mich zu erklären warum das nicht möglich sei, ich tat dies ohne nahe zu treten, wohl aber mit dem Hinweis, dass die Grifflöcher fehlen, das Trum krumm und schief war und die geschliffenen Bereiche einfach schrecklich aussähen.

Kritik in Griechenland – dünnes Eis! Man trat an mich heran, ich brauche nicht zahlen. Ok, dann gebt mir bitte die Altteile wieder, ich baue die alten zwei Hälften ein und wir lassen diese Sache. Die Altteile? Die hast Du…
Ich war sicher – nein, ich habe die Altteile nicht. Wir vereinbaren uns, jeder sucht noch einmal in Ruhe. Ich fahre zurück auf´s Schiff, sehe kurz nach und vermelde per WhatsApp – die Altteile habt Ihr! Zwei Tage später die Rückmeldung – ja, haben wir, kannst Du abholen. Ich fahre abermals zur Werkstatt.
Mir tritt ein glücklich lächelnder Monteur gegenüber, eine Hälfte von Tinas Küchentüre in der Hand – hier wären die Altteile – man beachte die fehlende Unterscheidung von Plural und Singular! Meine Nachfrage nach der anderen Hälfte sorgte für Unverständnis – warum das? Ich hätte doch eine Hälfte und könne mir eine neue Türe anfertigen lassen. Hm, Missverständnis, nein, was Ihr in drei Monaten nicht geschafft habt, kann ich ja wohl kaum in fünf Tagen hinbekommen. Ich will die Altteile wieder einbauen! Kleinlaut gesteht der Baumeister, dass er die andere Hälfte in tausend Teile zerbrochen hat…
Ahhhhhhhh – ein stiller Schrei! Ich fasse mir theatralisch ans Herz, täusche Schnappatmung vor und erkläre dann aber sehr ernsthaft, dass der Spaß nun zu Ende sei – ich habe jetzt WORRIES!!! Mir ist es wurscht ob ich zahlen muss, ich brauche eine Lösung, ich brauche Hilfe, JETZT – innerhalb der nächsten fünf Tage muss eine Türe her!
Man hatte die Situation endlich erfasst. Die Werkstattschönheit nahm mein Türteil und fuhr sofort los – man kenne jemanden…
Ich wurde nach Hause geschickt – und wartete!
Ich suchte nach Ersatzlösungen. Aus Holz? In der Farbe der Innenausstattung? Schön vielleicht, aber in 4mm? Nein! Aus Glas? Aus Milchglas? Ja, das könnte passen und 4mm ist möglich! Ich fahre zum Glaser. Sicherheitshalber nehme ich Marinero Sebastian als Übersetzer mit. Nach gefühlt sehr langem Hin und Her verstand der Glaser meinen Wunsch und stellte eine für mich wundersame Frage – „warum nimmst Du nicht 4mm weißes Plexiglas?“
Weil es das auf der Insel nicht gibt! Ich suche es seit drei Monaten! Och, erwiderte er, er hätte es lagernd. Mir dämmerte es und ich fragte nach ob nicht eine junge Dame mit Kulleraugen dieses Material bei Ihm bestellt haben könnte. Der Meister seines Faches tat zunächst als verstehe er nicht, ging dann aber um die Ecke und hatte, als er zurückkam, ein Ersatzteil unter dem Arm – die halbe Türe der ELOWYN!!!
Ab diesem Zeitpunkt wusste ich – es würde klappen, ich musste nichts Zusätzliches bestellen.
Drei Tage später hielt ich das begehrte Objekt in den Händen. Etwas anders im Farbton aber 100% funktionell. Die Eigner können es verwenden oder mit Hilfe der halben alten Türe in Deutschland ein perfekt passendes Ersatzteil fertigen lassen – jedenfalls war das Problem gelöst. In FÜNF Tagen – wofür vorher drei Monate auf der Strecke blieben…
Meine Fassungslosigkeit wich einer belustigten Einsicht – das ist es wofür wir die Griechen so lieben!
Uns, mir und meiner Frau Sibylle, bleibt nur die Dankbarkeit für vier unvergessliche und sehr hilfreiche Monate die wir auf der ELOWYN verbringen durften – DANKE Tina und Volker für dieses Vertrauen!„
Zurück ins Heute! Inzwischen ist die ELOWYN wieder in der Hand Ihrer Eigner, das wisst Ihr aus dem Maibericht. Als wir unsere Stories und Erlebnisse geteilt haben, hat mich Kristina gebeten diese Geschichten für das Logbuch und den Blog der ELOWYN festzuhalten – dieser „Schuld“ bin ich hiermit gerne nachgekommen.
Wenn Ihr nun denkt, dass die ELOWYN mit ihrem Ablegen aus unserem Sommer 2022 verschwunden ist – weit gefehlt, so leicht geht es nicht dem „Raum-Zeit-Kontinuum“ von Leros zu entrinnen! Das lässt dieser kleine Blick in den Juni 2022 schon erahnen…

Und auch das Reparieren geht weiter, sehr zum Leidwesen des Skippers…

Warum das so ist und ob es die ELOWYN am Ende doch schafft den Orbit von Leros zu entkommen – das erfahrt Ihr im Junibericht. Nur noch zwei Wochen…
Grüße aus dem sommerlichen Griechenland – die NESSAJA Crew