Februar 2022 – Working nine to five

Ein Song aus 1980 beschreibt ganz gut meinen Tagesablauf im Monat Februar. Ich befürchte, dass ich diesen Titel auch die nächsten vier Monate noch verwenden könnte – doch ich bemühe mich nach Abwechslung zu sehen. Dabei fällt mir auf, dass ich an sich schon dabei bin die alte Tradition, Songtitel als Headline zu verwenden, fortzuführen…

Beginnen wir dort wo der Bericht des Monats Januar endete – beim Ausbau des Saildrive. Eine enge Geschichte bei unserem Schiff, zudem eine Arbeit die man ja auch nicht alle Tage macht. Es war ein bisschen fummelig und ruckelig – aber am Ende des ersten Tages dieses neuen Monats war der Antrieb unseres Schiffes ausgebaut – das größte Loch im Schiff war offen und – glaubt es oder nicht – man spürt den Luftzug der da reinkommt ganz deutlich. Nicht immer ein Highlight bei Arbeiten im Umfeld!

Warum das Ganze? Nun, man beachte diese schwarze Gummimanschette – nicht nur, dass diese bei mir einen deutlichen rostfarbigen Rand durch den total vergammelten Klemmring hat, nein, diese Manschette soll laut Volvo auch alle sieben Jahre erneuert werden.

Ich hatte keine Ahnung wie lange der lebensrettende Gummibalg schon sein Dasein in NESSAJA fristet – es war ein Gebot der Sicherheit dieses Teil einmal zu wechseln.

Entschlüsselt – Woche 02/2006

Augenscheinlich war die Manschette noch ok, aber das Tauschdatum 2006 lies keine Zweifel am Sinn der Arbeit und der Investition aufkommen.

On the Dry – NESSAJA am Bock

Da steht sie nun, unsere NESSAJA, ihrem Element entrissen, unnatürlich aufgebockt auf Stelzen – zum Glück nur etwa 200m von unserem Wohnschiff ELOWYN entfernt. Dennoch lege ich meinen „Arbeitsweg“ jeden Tag mit dem Auto zurück (leider ohne Kilometerpauschale) um meinen flotten Italiener, der derweil als mobile Werkstatt fungiert, immer bei mir zu haben, ist er doch zudem auch noch mein Ersatzteillager.

Vielleicht ein paar generelle Zeilen und Anmerkungen – natürlich drehen sich dieser und die kommenden Monatsberichte in vielerlei Hinsicht um das Refit an unserem Zuhause und wie es uns dabei ergeht oder welche Hürden wir zu nehmen haben.

Nun möchte ich die weniger technisch interessierten Leser keinesfalls langweilen und werde daher im Monatsbericht weitgehend auf technische Details verzichten. Auch Bilder gebe ich immer nur eines dazu um Situationen zu visualisieren oder veständlich zu machen.

Für alle technisch Interessierten habe ich eine neue Seite geschrieben in der NESSAJAS Refit detailliert beschrieben wird. Ich habe mit einer Auflistung der Projekte begonnen, werde nach und nach Detailbilder und vorher-nachher Bilder hinzufügen und dort technische Details aufzeigen. Auch die verbauten Teile werde ich dort Zug um Zug nennen. Diese Liste findet Ihr HIER – immer mal wieder reinsehen lohnt, das ist wird eine dynamische Seite!

Im jeweiligen Monatsbericht bleibt eher über die kleinen Nickeligkeiten zu sprechen, die uns jeden Tag ärgern und unsere Zeit fressen – sei es mit dem allgegenwärtigen Dreck der aus den Arbeiten resultiert…

Ahhhrgh – Dreck überall, das soll weg!

…oder bei der detektivischen Suche nach dem Grund warum der Montagekleber seiner ureigenen Aufgabe – nämlich dem Kleben – nicht nachkommen will…

…eigentlich isser gut – ich kenne das Produkt! Gekauft vor zwei Tagen.
Ok, bisschen überlagert – kann passieren 😉

…hier war Pech im Spiel, das Preisschild klebte zufällig genau über dem Ablaufdatum! 😉

Ganz ohne fremde Hilfe geht es nicht! Ich bin auf Empfehlung eines befreundeten Seglerpärchens auf die Firma „Boat & Parts“ in Kamara / Leros gestoßen. Giorgos und Katerina sind zwei ganz herzliche und engagierte Menschen, denen es am Herzen liegt zu helfen und zu unterstützen. Immer wenn mir Werkzeug fehlt oder ich eine Werkbank brauche gehe ich zu Giorgos – eine Topadresse, jeden Taler wert!

Abgerissene Schrauben an der Propellernabe…
…nix geht ohne Hitze!

Auch von den Monteuren in der Marina lasse ich mir helfen, so habe ich eine Auftragsarbeit für den Schreiner vergeben und für alle Arbeiten im Mast kommt der Elektriker an Bord – alle anderen Arbeiten mache ich selbst oder mit Unterstützung von Freunden.

Ausladen von schweren Alteilen mit Muskelkraft
Oder mit Hilfe der Hydraulik wenn Muskelkraft nicht mehr reicht!

Ja, richtig gesehen – die Waschmaschine durfte bereits einziehen. Der Grund dafür ist einfach, aber doch schwierig zu erläutern. Die Arbeiten sind verwoben, unwichtige Dinge werden plötzlich wichtig, vielleicht nur weil man einen Schlauchanschluss machen möchte solange der Saildrive ausgebaut ist und das Anschlussventil somit gut erreichbar ist – das ist manchmal eine Herausforderung – nichts vergessen solange die Zugänglichkeit gut ist. Das ist der Grund warum ich viele Arbeiten begonnen habe aber sie nicht gleich beende. Der Saildrive ist zum Beispiel heute noch nicht wieder eingebaut…

So steht das Trum von Maschine nun im Salon an neuem Platze, dient mir als Tisch bzw. Ablage und der freigewordene Raum im Auto hilft bei der Nutzung als mobiles Lager und Arbeitsrefugium.

Nachdem der Ofen ein- und der Saildrive ausgebaut waren, war es an der Zeit die erste Großbaustelle zu eröffnen – den Austausch aller Rumpfdurchbrüche und Seeventile.

Roter Faden war und ist, alle Reparaturen am Unterwasserschiff plus alle Nebenarbeiten anderer Projekte, welche aber aufgrund der besseren Zugänglichkeit eingeflochten werden mussten, bis zur geplanten Einwasserung am 14.04.2022 zu erledigen. NESSAJA hat 13 Seeventile und einen Durchbruch für den Geschwindigkeitsgeber. Das maßgebliche Projekt wenn man sich am roten Faden orientiert.

Raus mit dem alten Schrott!

Ventile und Schläuche – hier Bad achtern
Fäkalientank und Anschlussschläuche – Bad achtern

Die Teile waren alt, bunt zusammengewürfelt, von unbekannter oder zweifelhafter Qualität, aus billiger italienischer oder türkischer Produktion. Nicht alle Materialien waren optimal für den dauerhaften Einsatz in Seewasser. Diese Teile sind sicherheitsrelevant und ich wollte mir ein „gutes Gefühl“ verschaffen – also habe ich mich für Kunststoffbauteile, alle aus der Produktion des Marktführers aus Neuseeland, entschieden.

Leider ließen sich die Altteile nicht so ohne Weiteres ausbauen – ich musste mit „schwerem Gerät“ ran…

Von außen mit der Flex komplett abtragen und exakt am Rumpf stoppen!!!
Dann Hilfsschnitte mit der Stichsäge setzen – nicht in den Rumpf schneiden.
So (fast) soll es aussehen

…die Arbeit war langandauernd und mühselig, ich konnte am Abend meine Arme nicht mehr heben – Sibylle musste sich mein Jammern und Südern anhören, DANKE dafür! 😉

Doch zurück zum Thema, so vorbereitet, konnten die alten Durchbrüche herausgebrochen werden und dann der ganze Schlamotz von innen entfernt werden.

Ja, so kam es, dass NESSAJA nach Tagen der Mühe und Plackerei durchlöchert dastand – an 13, nein 14 Stellen bot sich ein jämmerlicher Anblick…

…und Sibylle sagte (und sagt) seitdem ungefähr fünf mal am Tag zu mir „ob sie je wieder schwimmt???“ Meine Frau war schon immer eine Meisterin der Fürsprache und Motivation.

Nein, Ihr braucht Euch nicht um mich zu sorgen. Was wie ein Einsatz im Arbeitslager klingt hat auch andere Seiten und ich muss ehrlich gestehen, dass ich dem Slogan der Headline zwar an sieben Tagen der Woche aber nicht immer exakt folge. Manchmal belohne ich mich mit etwas Besonderem…

Eis von Repapis – geht IMMER!

…und fast täglich gehört es dazu, die Stimmung am Arbeitsplatz aufzusaugen und zu genießen, es gibt wirklich Schlimmeres.

NESSAJA an Land – die zweite von Rechts

An anderen Tagen bin ich Gegenleistungen schuldig – man hilft sich gegenseitig. Bei mir ist es oft der Einsatz des Minibusses als Lastenesel – zum Beispiel als wir Rolands Sonnendach zum Schweißer fahren mussten.

Ladungssicherung Greek Style – Dachträger werden überbewertet

Über einen weiteren, wesentlichen Faktor habe ich noch gar nicht gesprochen – das Wetter! Dieses begleitet uns ja schon im Sommer beim Reisen stetig – so sollte es auch im Winter beim Arbeiten bleiben.

Während der Unterschied zwischen Sonne und Regen noch jedem einleuchtet, ist es vielleicht nicht so offensichtlich wie es sich anfühlt im Freien und Zugigen bei 30 – 50kn Wind, das ist Sturmstärke, zu arbeiten.

Eigentlich wie immer…
…reicht um sogar die ELOWYN im Hafen zu krängen – spürbar!

Worte wie Chillfaktor und Windchill bekommen Bedeutung und man merkt rasch, dass man auch bei 13°C richtig frieren kann. Also werden manche Arbeiten auch nach Wetter terminiert.

Während einer Schönwetterphase war es an der Zeit den ausgebauten Saildrive zu zerlegen. Das Zerlegen ist immer wichtig um beurteilen zu können, ob ich alle Teile habe oder ob bei der Demontage etwas kaputt geht was ich langwierig beschaffen muss.

Insider – die Dichtung vom langjährigen Hauptwettbewerber

Dass ich mich hier mit Reinz Dichtungen rumschlagen muss – was mir einen Flashback beschert – ist eine Randnotiz des Schicksals, ich trage es mit Fassung.

Auch dem Propeller habe ich mich an einem solchen Tag gewidmet – zwischen den beiden Bildern liegt ein Tag Schleifarbeit!

Nach drei Jahren im Wasser – OHNE Anstrich!!!
Nach einem Tag schleifen – fit für die nächsten drei Jahre (wird noch poliert 😉 )

In der ersten Februarhälfte hatten wir längere Schönwetterphasen – das war gut für die Arbeitsmoral und für das Gemüt. Ich kam gut voran und so haben wir uns, vorwiegend an den beiden Wochenenden, auch kurze Mittagspausen an unseren Lieblingsplätzen gegönnt. Man konnte schon draußen sitzen, die Sonne ist warm (wenn sie denn da ist)…

Pandeli Beach

…aus dem geplanten Cappuccino wird gerne mal eine kleine Meze-Platte mit Bierbegleitung und es fällt zugegebenermaßen schwer, sich danach noch einmal zum Arbeiten aufzuraffen.

Mixed Meze

Aber was muss das muss – und so beschließe ich an diesem Nachmittag nur noch Vorbereitungsarbeiten für den nächsten Tag zu machen. Gut vorbereitet hat man halb gewonnen…

Seeventile – das muss rein!

…ooops – trotz bester Vorbereitung stelle ich fest, dass ich bei einem Seeventil entweder falsch gemessen oder falsch gedacht habe. Beides nicht gut! Ein Durchbruch passt nicht zum Loch, dummerweise ist er zu klein. Gut wenn man Freunde hat die so Zeug im Schiff „auf Lager“ haben und einem Zutritt gewähren. DANKE Marcus! Das hat viel Zeit gespart!

So vorbereitet kann der Tag ausklingen…

Neuer Tag – neues Glück, die ersten Löcher sollen wieder verschlossen werden. Das macht man zu zweit und Sibylle beginnt sich zur „Technikerin light“ zu entwickeln, das hat fast Züge von Jekyll & Hyde. Sie verlässt Ihre Komfortzone und hilft mir immer öfter, das ist gut und bringt uns voran.

Wir beschließen mit den einfachen Einbaulagen anzufangen, dort wo der Rumpf stark genug ist und keine zusätzlichen Maßnahmen erforderlich sind.

Neue Rumpfdurchbrüche – von außen…
…und von innen

An anderer Stelle ist das Laminat des Rumpfes dünner und wir müssen die geforderten 20mm herstellen, dafür legt man passgenaue Holzscheiben unter.

Ans Werk!

Ausschneiden
Anpassen
Anmalen

Die so vorbereiteten „Donuts“ müssen idealer Weise am Rumpf fixiert, sprich verklebt, werden. Dafür braucht es andauernden Anpressdruck den man nicht per Hand generieren kann. Also habe ich mir kurzerhand ein Spezialwerkzeug gebaut…

…um die Holzscheiben über Nacht von innen an den Rumpf zu pressen. Von außen sah das lustig aus!

Ankleben

Dieses Bild sorgte nicht nur in der Marina für Nachfragen, sondern war bisher auch in Facebook eines meiner am häufigst kommentierten Bilder. Ach übrigens – NEIN – das bleibt nicht so 😉

Nach einer Nacht Trockenzeit konnten auch die restlichen Durchbrüche durch den Rumpf gesteckt werden und zusammen mit den Scheiben verschraubt werden – ein wichtiger Meilenstein, wir waren auf dem richtigen Weg!

Fertigstellen

Diese Verklebungen haben die Eigenschaft ein paar Stunden vulkanisieren zu müssen – diese Zeit wollte ich den Bauteilen unbedingt geben, wir haben die verklebten Rumpfdurchbrüche so ruhen lassen und erst zwei Tage später weiter gearbeitet.

Wir schreiben etwa die Monatsmitte – der Valentinstag kündigt sich an. Bei einem Ouzo beim gemeinsamen Wetterseminar mit der Crew der ARIES, haben Evelyn und Sibylle beschlossen, an einem offerierten „Valentine-Dinner“ teilnehmen zu wollen. Gesagt – getan, der Tisch wurde gebucht und wir fanden uns zusammen mit Evelyn und Roland in der “ Persiana Churrasceria“ wieder.

Nett dekoriert…
…wurde eine Menüauswahl angeboten.
Scampi Risotto – fein

Es war ein schöner, kurzweiliger Abend, der von der täglichen Arbeitsroutine abgelenkt hat.

Ach, da fällt mir nochwas ein – klar arbeite ich hier mit verminderter Werkstatt- und Werkzeugausrüstung. Ich muss improvisieren was meist gelingt. Umso ärgerlicher, wenn eines der Werkzeuge auf das ich mich verlasse, unerwartet den Dienst quittiert – so geschehen mit meinem Bosch Deltaschleifer.

Der Reparaturversuch scheiterte, ich musste losziehen und mir einen adäquaten Ersatz suchen. Hierbei werde ich meine Taktik ändern. Ich setze weiterhin auf meinen Bosch Professional Akkuschrauber um hier längerfristig zu beobachten. Die grünen Bosch Geräte haben nach meinen schlechten Erfahrungen jetzt einen Sperrvermerk für Neuanschaffungen – kurz, die rote Karte – bekommen.

Ich werde selten benötigte Geräte künftig als günstige Varianten kaufen (Deltaschleifer mit Oszi-Wechselaufsätzen gekauft von Stanley Tools) – die oft benutzten Geräte werde ich jetzt von Makita beziehen und mal probieren ob die Qualität dort besser passt.

In der zweiten Hälfte des Februar hatten wir wechselhaftes Wetter, hin und wieder windig, kälter und vor Allem wiederkehrende Regenschauer. Es war mehr Flexibilität bei den Arbeiten gefragt – Innen- und Außenreparaturen wechselten sich häufig ab.

Tank weicht Waschmaschine

Ein gravierender Einschnitt war, die nicht mehr benötigte Ecke unseres Salonbereiches herauszuschneiden. Das fühlte sich komisch an, der Umbau des Salones wird NESSAJA nachhaltig verändern.

Unsere Sitzgruppe war für ein Schiff mit vier Schlafplätzen viel zu groß und auch ungünstig geschnitten. Diese soll nebst Salontisch auf ein Idealmaß gebracht werden und maximal sechs Personen Platz bieten. Zudem soll der Zugang so angepasst werden, dass sich niemand beim Hinsetzten „um die Ecke schlängeln“ muss.

Dafür muss die ungünstige Ecke erst einmal entfernt werden…

Platz…

…damit ist mein Part an dieser Arbeit erledigt. Ich mache ab hier mit dem Boden weiter – es wird in der Ecke ein verstärkter Boden eingebaut, Dämmmatten an Boden und Rückwand, ein Verankerungs- bzw. Befestigungssystem, dann kann die Waschmaschine an Ihren Platz gerückt und angeschlossen werden. Dies wird ausgeführt, solange der Saildrive noch nicht montiert ist und der Motor aus dem Weg geschoben ist.

Den Neuaufbau der Möbel rund um die Maschine, die Gestaltung der neuen Räume für den Wassertank und die noch zu verbauende Dieselheizung, übernimmt ab hier der Schreiner. Es versteht sich von selbst, dass der Polsterer die Sitzgarderobe nach Fertigstellung anpassen muss. Aber all das ist eine andere Geschichte.

Frühlingsboten – Leros blüht

An manchen Tagen erhallt Sibylles Ruf zur Kaffeepause. In diesen Momenten genießen wir unseren aufgeräumten, einladenden und sauberen Lebensraum auf der ELOWYN umso mehr. Ein paar Schritte und man ist weg von der Arbeit und kann sich in einem Wohlfühlambiente ausruhen.

Die Leckereien dazu holen wir uns bei Repapis – ein Gedicht – so lässt sich jeder Tag genießen.

Eis oder…
…süße Köstlichkeiten???
Für den Skipper – Eis! Leichte Entscheidung 😉

So vergehen die Tage und ich persönlich genieße Abend für Abend meine ganz eigene Feierabendstimmung. Ihr erkennt vielleicht das Bildmotiv wieder, es ist die Einfahrt zur Lakkibucht, von der Marina aus gesehen – dieses Bild ist jeden Tag anders und doch immer wieder toll. Es bietet ein hervorragendes Fotomotiv und ist gleichzeitig das „Tor zur Ferne“, es weckt Sehnsüchte…

Feierabendstimmung

Es gibt Hartgesottene, die während eines Refits auf dem Schiff wohnen. Das ist möglich aber kaum angenehm – NESSAJA sieht zur Zeit so aus…

Wohnbereich Bug
Salonbereich
Navigation und Pantry
Achterkoje
Bad achtern

…ja, ich sorge mich schon um eine gewisse Baustellenordnung, ich kann es nicht leiden wenn ich Werkzeug suchen muss oder ich über Kabel stolpere. Aber die Türen sind ausgebaut, es zieht überall rein und es ist in keiner Weise einladend, das schlägt auf´s Gemüt und die Arbeitsmoral. Wir sind dankbar die ELOWYN nutzen zu dürfen und strecken jetzt schon die Fühler aus, sollte eine Lücke zwischen NESSAJA´s Fertigstellung und unserem Auszug aus unserem momentanen, schwimmenden Appartment entstehen.

Läuft wie am Schnürchen, oder? Leider nicht immer!

Völlig überraschend habe ich einen Schaden festgestellt welcher nicht auf meiner Planungsliste stand – das hätte es nicht gebraucht, das kostet Zeit, das wirft uns zurück!

Riss oben am Ruderblatt

Der Riss oben am Ruderblatt ist von außen kaum zu sehen. Das Bild ist mit dem Foto direkt am Ruderblatt aufgenommen, so kann man „um die Ecke sehen“. Von außen ist nur der kleine, senkrechte Cut zu sehen. Das ist, anders als es wirken mag, ein ernstzunehmender Schaden und MUSS ordentlich eingeschätzt und repariert werden.

Zur Einschätzung des Schadens muss ich wissen ob Wasser im Ruder ist – dafür muss ich mein Schiff anbohren! Na toll…

Ist Wasser im Ruder???
Drei Probebohrungen zeigen – nein – alles knochentrocken! Gute Nachricht

Entdeckt habe ich den Schaden als die Jungs von der Marina das Unterwasserschiff unserer Dufour geschliffen haben. Das wird immer deutlich vor dem Anstrich gemacht und als hier gearbeitet wurde, ist das Problem aufgefallen.

Vorbereitungen für das Antifouling im April

Ich wusste schon länger, dass mein Ruder etwa 5mm vertikales Spiel aufweist, das war von außen deutlich zu erkennen und ich habe die Lücke jedesmal beim Schwimmen gesehen…

…das allein war den Aufwand nicht wert, gepaart mit der umfänglichen Reparatur des Risses soll aber auch diese Kleinigkeit mit eingestellt werden.

Das ist nicht so einfach wie es klingt…

Barbapapa – passt in die kleinste Lücke

…denn erstens ist der Zugang durch die beiden Heckstauräume hinter unserem Bett nicht gerade üppig bemessen, geschweige denn ideal, zweitens ist auch der Bauraum über dem Arbeitsbereich eher knapp kalkuliert!

Nur kurz zur Technik um die missliche Lage zu beschreiben – das Weiße unten ist der Rumpf, dort einlaminiert ist das Metallgehäuse des Ruderlagers. Oben, das silberne Bauteil ist der Ruderquadrant, der muss runter um das Ruder absenken zu können. Ein kompletter Ausbau geht nicht, weil man das Schiff dafür anheben müsste – das ist teuer!

Die weißen Ringe dazwischen sind Spacer, der mittlere ist für die 5mm Spalt nach unten verantwortlich und wird durch einen höheren ersetzt. Der Raum zwischen weiß und silber beträgt rund 10cm!

Von oben schaut das Ganze so aus…

Hier kann man schon verzweifelte Ausbauversuche erkennen – die Muttern links und rechts sind gelöst, die maßgeblichen Haltebolzen entfernt – alleine dies war eine echte Aufgabe, weil alleine mit dem Standardwerkzeug nicht genug Hebelmoment zur Verfügung stand. Ich musste mal wieder ein „Spezialwerkzeug“ basteln um Drehmoment zu generieren – es versteht sich von selbst, dass solch ein Trum nicht mit eingeschränkten Platzverhältnissen korrespondiert.

Dennoch war es nicht möglich die beiden Hälften zu trennen – trotz leichter Schläge um die Metalle zu prellen, trotz dem Einsatz von Hitze an dieser Stelle…

…war es eine aufwändige Herausforderung diesen letzten zentralen Edelstahlbolzen zu entfernen, er war einfach bombenfest in die Aluminiumbauteile hineinkorrodiert – kluger Einsatz von Materialien, danke Dufour!

Sibylle war besorgt ob des Feuers im Schiff und war in Löschbereitschaft…

Wie weiter??? Der Einsatz von geeignetem Werkzeug an dieser Stelle war schwierig, denn auch über der Arbeitsfläche war kaum mehr als 15cm Raum. Ich musste durch den Zugang des Notruders arbeiten, dieser hat nur wenig mehr als 10cm Durchmesser – erschwerte Bedingungen haben mich an dieser Stelle fast zweieinhalb Tage Arbeit gekostet.

Ob und, wenn ja, wie es mir gelungen ist den Quadranten auszubauen und das Ruder abzusenken, erfahrt Ihr im März – Monatsbericht denn am 28.02. war keine Erfolgsmeldung in Sicht!

Die Pause war mehr als verdient, die Arme schmerzten vom verkrampften Schrauben, der Kopf rauchte von der verzweifelten Suche nach Ideen – also ab ins „Tzouma“, dem Cafe, der Kneipe der Einheimischen direkt am Panteli Beach.

Ich liebe diesen Platz, ein bisschen ausruhen, ein paar Sonnenstrahlen auf der Haut reichen aus, um innerhalb ein paar Minuten zu recovern, zumindest ein bisschen. Gepaart mit einer kleinen Portion Meze kehren die Lebensgeister zurück!

Sibylle hat sich zur echten Unterstützerin entwickelt! Manchmal sind es nur Handlangertätigkeiten und sie reicht mir Werkzeuge – das hilft ungemein, weil ich mich nicht immer aus den Kästen schälen muss, andermal ruft sie nach eigenen Aufgaben. Ok, ich hasse das Hantieren mit Farbe – Sibylle, klar zum Ankerstreichen!

Vorbereitung des rostigen Grundeisens
Platziert für den neuen Anstrich!

Die Vorbereitung mit der Flex (die macht Angschd) habe noch ich übernommen, danach waltete die Meisterin des Pinsels ihres Amtes – das Ergebnis kann sich sehen lassen, wird aber noch nicht veröffentlicht weil der Job noch nicht final beendet ist – freut Euch auf nächsten Monat!

Von diesen Aufgaben haben wir übrigens eine ganze Liste – wir nennen es Lückenfüller, die Arbeiten die „man so rasch nebenher macht“ 😉 !

Wer so schafft braucht Energie! Normaler Weise kocht Sibylle für uns, ab und an gehen wir aber auf ein Giros ins „Souvlakki“ – ein Gedicht…

Jede Kalorie wert!

Eine lustige Anekdote fällt mir noch ein – unsere Nachbarschaft hat sich verändert. Zuerst waren neben der ELOWYN nur zwei weitere Schiffe am Ponton A. Später kam dann noch der Katamaran von Andrej dazu – die USODA – in auffälligem Rot, wir kannten das Schiff schon aus 2021…

Ponton A der Leros Marina Evros

Mit Andrej hatten wir bisher keine Gelegenheit Kontakt zu knüpfen, das sollte sich diesmal ändern – wir gingen schließlich mehrmals am Tag an seinem Schiff vorbei.

Das ist deshalb erwähnenswert, weil Andrej eine Behinderung hat die ihn an eine Art mobilen Rollstuhl fesselt, er ist auch eingeschränkt in der Beweglichkeit seiner Arme und Hände. Dennoch folgt er seiner Leidenschaft und lebt auf einem stark modifiziertem Segelboot.

Weil es auf der Insel kein geeignetes Großraumtaxi zum Flughafen gibt, die Crew der USODA aber für einen kurzen Heimatbesuch an den lokalen Airport musste, hat Andrej mich gebeten die Fahrt mit und für Ihn zu machen. EHRENSACHE!

Also meinen flotten Italiener ausgeräumt und vom Werkstattwagen zum Taxi umfunktioniert. Als Sibylle mich per WhatsApp informierte, dass der an diesem Tag angesetzte Linienflug nach Athen ausfallen würde und ich diese Info an meine „Fahrgäste“ weitergab, wurde mir erklärt, dass SEIN Flug wohl gehen würde – am Flughafen wartete ein gecharterter Privatjet.

Das Flughafenpersonal war zunächst total überfordert und wollte das Standardprocedere anwenden. Andrej direkt an die Maschine zu fahren ist UNMÖGLICH – NEVER!

Es dauerte eine Weile bis die Situation erfasst war. Aus never wurde maybe und ein paar Minuten später aus maybe die Aufforderung den Fluggast direkt an die Maschine zu bringen…

…da stand er nun, mein treuer Gefährte. Direkt neben dem Privatjet des VIP. Mir war es eine Ehre helfen zu dürfen – guten Flug an die Crew der USODA!

Seit der Montage der Borddurchlässe, Ihr erinnert Euch, waren ein paar Tage vergangen. Es wurde Zeit die Seeventile zu montieren. Jedes Einzelne musste angepasst werden, trocken die nötigen Umdrehungen bis zur Idealposition gezählt werden, um sie dann abermals mit Lastaufnahme und Klebe-Dichtmasse in die richtige Position zu drehen.

Es geht eng zu – genau gewählte Position in der Pantry
Im Bad vorne
Im Bad achtern

Erfolgsmeldung! Die 13 Löcher die der Abbruch der alten Seeventile verursacht hat, zuzüglich dem Loch der Logge, sind wieder verschlossen. Inzwischen sind die Klebestellen trocken, wir können die Kugelhähne öffnen und schließen und hoffen jetzt, dass die Dichtheitsprüfung beim Einkranen keine Undichtigkeiten zeigt!!!

Bleibt noch den Saildrive und das Ruder zu reparieren und einzubauen – dann sollte NESSAJA wieder schwimmen können.

Das war knapp – ich hatte während eines Urlaubes einmal einen Ausfall meiner zwei Haupt-Servicebatterien zu beklagen. Freund Uli half aus und vermachte mir zwei alte aber gute Gel Batterien die bei seinem Umbau übrig geblieben waren.

Weil Notlösungen immer lange halten, hatte ich diese Batterien bis heute im Betrieb, merkte aber, dass zuletzt ein Problem vorlag. Energie war knapp, die Dinger wurden beim Laden heiß. Ich habe das Laden oft manuell unterbrochen. Heute kenne ich den Grund…

Überhitzt – die Form eines Wellblechdaches 😦

Nun, kein Grund sich zu ärgern, die Dinger mussten ohnehin raus, die Erneuerung der Ladetechnologie und des Energiemanagements stand auf dem Plan.

Dies ist ein Projekt welches für später auf der Liste steht, dennoch war es nötig die alten Batterien auszubauen und auch das alte Ladegerät abzunehmen – warum? Ich brauchte den Zugang um in unserer Dusche die unsägliche, kombinierte Wasch- und Brausearmatur zu ersetzten.

Glump!

Die Ist-Situation zwang uns, den Brauseschlauch aus dem Waschbereich herauszuziehen, durch den Spalt des Duschvorhanges hindurchzuführen und im Brausebereich zu duschen – wer sich sowas ausdenkt???

Das musste angepasst und getrennt werden – es musste ein Wasserhahn am Waschbecken her…

Gute Lösung – nur noch saubermachen

…und eine eigene Brausearmatur im Duschabteil – hier wollten wir ähnliche Duschperformance wie zuhause – und zwar im Wortsinn – die Duscharmatur haben wir aus unserem Haus „gerettet“ bevor Sohn Florian modernisiert hat.

SO muss das!

Naja, an der Stelle wo jetzt die Brause ist, war früher auf der anderen Wandseite das Ladegerät – Wasser und Strom verträgt sich nicht gut, lieber für Distanz sorgen.

Weil grad Platz geworden war und der Zugang zum Battriekabinett so gut war, habe ich kurzerhand beschlossen, die teuersten Ersatzteile aus dem Bus zu räumen und ihnen schon ihren zukünftigen Platz angedeihen zu lassen.

Ein Vermögen

So wurde Platz im Bus geschaffen und zugleich ein wenig „vormontiert“ – verkabelt ist aber nocht nichts. Um die Funktion der Systeme auf NESSAJA sicher zu stellen, halten jetzt die Kühlschrankbatterien die Energie vor, geladen wird mit meinem alten Auto-Ladegerät – statt Elektronik, Stecker rein / Stecker raus, temporär akzeptabel. Das ich dafür ein paar Kabel umklemmen musste ist eine andere Geschichte, bleibt aber Randnotiz!

So krieche ich Tag für Tag, Woche für Woche durch Kisten und Kästen, durch den Motorraum oder versuche anderweitig den idealen Zugang zu finden…

Dabei gilt es die gute Laune zu bewahren…

…gleichwohl aber zuverlässig und gut zu arbeiten – es wäre eine Katastrophe wenn nach dem Zusammenbau, bei wesentlich schlechterer Zugänglichkeit, bemerkt würde, dass ich etwas vergessen habe oder ein Fehler eingebaut wurde (das wird passieren – aber hoffentlich in überschaubarer Dosis!).

Dass dies gelingt, dafür sorgen die Capetañas der NESSAJA und der ARIES – die beiden Goldschätze verstehen es, die zu Mechanikern mutierten Skipper zu verwöhnen und versorgen.

Selbstgemachte Tiramisu beim gemeinsamen Wetterseminar

Wir verbringen Zeit zusammen, klönen und beratschlagen uns und kochen gegenseitig. So lässt es sich aushalten, so werden die Arbeitstage erträglich!

Wenn wir einen Tapetenwechsel brauchen gehen wir aus, auf eine Meze Platte und ein Bier oder einen Ouzo – es freut uns wenn wir neue Kneipen entdecken, so zum Beispiel das „Nemesis“.

Urige Bar
Mamos – love it!

Dort kann man schön am offenen Kamin sitzen und den Tag ausklingen lassen. Ein für uns neuer und sehr einladender Platz, besonders dann wenn man innen sitzen möchte oder muss.

Snackkarte – hier findet jeder etwas…
„Schlachtplatte“ – Greek Style

Wir schreiben den 28.02.2022, der Febraur ist zu Ende, auch der gleichnamige Bericht findet ein solches.

Wir sind weitgehend im Zeitplan, haben einen geregelten Tagesablauf und finden auf der ELOWYN unsere persönliche Balance zwischen arbeitsreich und stressfrei.

An den „langweiligen“, ereignislosen Abenden finden wir nach dem Dinner Entspannung beim Gucken von Serien oder wir schauen Seglervideos auf YouTube.

Michael & Anette von der SY Limelight – in Mexico – wir sind dabei!

Alles gut also??? Da fallen mir die Antworten von Radio Eriwan ein…

IM PRINZIP JA – ABER DIE WUNDEN SCHMERZEN!

Autschn!

Das war unser Februar – ich hoffe, der Bericht hat Euch, trotz der nicht zu vermeidenden, leicht technischen Auslegung gefallen und Ihr bleibt neugierig auf das was kommt.

Wir sind zwischenzeitlich schon wieder auf der Baustelle um die Arbeiten voranzutreiben. Ich lege Euch abschließend noch einmal den technischen Refitbericht ans Herz der eine eigene Seite bekommen hat (für die an Details Interessierten).

In diesem Sinne wünschen wir Euch einen „guten Monat“ – kalo mina – wie man hier sagt und grüßen Euch ganz herzlich aus Leros.

Die Crew der NESSAJA

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