Den Monat September leite ich in der Headline mit einem Songtitel von Reinhard Mey ein – „What a Lucky Man You Are“ ist ein Song des Albums „Einhandsegler“ dessen Titel deutlich näher am Blogthema liegt als der Song selbst, oder??? Ich finde, dass es ein sehr schöner Text ist, ein Eye-Opener, der aufzeigt, dass der Mensch im Alltag manchmal nicht erkennt welch Glück er eigentlich hat.
Der Monat September war ein Familienmonat, der Monat in dem wir die Heimat nach einem halben Jahr Abwesenheit wieder einmal besucht haben, die Freunde getroffen haben und unsere Kinder sehen konnten…
Der Monatsbericht September teilt sich auf in zwei wesentliche Teile – zum Ersten in den des Heimatbesuches und meiner Rückfahrt mit dem Motorrad, zum Zweiten der erste Teil des Abschlusstörns 2021 von NESSAJA. Nehmt Euch Zeit, lasst Euch packen – ich habe diesmal sehr viele Bilder im Bericht.
Ich habe bewusst den ersten Teil des momentanen Törns, ich sitze gerade bei Sturm auf Nisyros, in diesen Monat gepackt – am Ende bleibt „sailingmoments“ ein Segelblog!

Es ist die Nacht vom 01.09. auf den 02.09. – die Fähre wird um 01.10 Uhr in Leros ablegen. Ich habe diese Verbindung gewählt, weil der Anschluss zur Fähre nach Italien nicht schlecht ist. So beiße ich in den sauren Apfel und setze mich nach dem Abschiedsdinner mit der Crew der JASPER im „Aloni“ noch zu Popi ins „Morano Cafe“. Dort hat man bis 0.30 offen und als ich merke, dass es Zeit ist zu gehen – ich war der letzte Gast – fuhren auch schon die Ladetrucks Richtung Hafen. Die Fähre würde bald kommen.

Die Fähre war pünktlich, wurde rasch verladen und auch ich durfte meinen treuen Minibus bald einparken, er fand ein sicheres und leicht rangierbares Plätzchen.

Ich hatte für die neunstündige Überfahrt eine Deckspassage gebucht und hastete deshalb nach oben auf Deck wo ich versuchte rasch einen idealen Sitzplatz zu finden. Ich war ausgestattet mit Kissen, Decke und Oropax, so konnte ich zumindest etwas schlummern.

Am Vormittag des Folgetages am griechischen Festland angekommen spuckte mich der schwimmende Riese mitsamt meinem italienischen Vehikel an Land…

…ich klemmte mich in Piräus sofort auf die Autobahn um das Hafenviertel der pulsierenden und nervigen Stadt schnellstmöglich zu verlassen. Ich fuhr Richtung Patras und hatte vor, irgendwo am Strand eine gehörige Rast einzulegen. Ich wollte etwas essen, ein wenig rasten und vielleicht zum Frischmachen ein bisschen schwimmen – gedacht, getan!

Ich fand in der Nähe von Megara genau was ich suchte – ein schönes Strandcafe welche mir alle Optionen bot und zugleich nicht zu busy war, perfekt!!!

Ich habe mir zum Brunch ein Club-Sandwich gegönnt, dazu einen Freddo Espresso. Ich verbrachte hier eine recht lange Zeit, konnte im Meer baden und ein neues Buch lesen. Nach Erdmann (siehe August Bericht) war jetzt Schenk an der Reihe, selten hatte ich soviel Ruhe zum Lesen wie diese Tage.
Nach ein paar Stunden setzte ich „just in time“ meine Fahrt nach Patras fort, um dort im Hafen für die Überfahrt nach Italien einzuchecken. Als das erledigt war, ging ich zum Abendessen in das gleiche Lokal wie bei meiner letzten Dienstreise – ich habe mich gut erinnert – es sollte so etwas wie mein Stammlokal werden, warum, dazu später mehr…
Hier spricht man wenig Englisch, aber ich war bereit mich auf Überraschungen einzulassen als man mir „Meat“ anbot – und wurde nicht enttäuscht!

Derartig gestärkt war ich bereit, mich in die Schlange für den Fährtransport einzureihen…

Das Ziel war diesmal ein anderes, es sollte zum ersten Mal nach Venedig gehen – ich wollte die lange (33h) Überfahrt ausprobieren, zu Gunsten der kürzeren Autofahrt, zumal ich ja alleine unterwegs war.

Ich war bei den Minibussen an erster Position, das hat nichts mit Drängeln zu tun, ist aber von Vorteil wenn man keine Kabine gebucht hat. Für die Schlafmöglichkeiten an Deck gilt ganz klar – die besten Plätze gehen an die Ersten!

Ich war für die ASTERION II gebucht und hatte bei der Anfrage keine Kabine mehr bekommen. Ausgebucht!!! Meine Hoffnung war, über eine Warteliste noch ein Schlafgemach zu bekommen, ich war mit meiner Ausrüstung aber für die Deckspassage vorbereitet – in diesem Fall ZWEI Nächte!

Ich kannte das Schiff nicht, es sollte sich aber als eine gute Option herausstellen. Alles an Bord war sauber und funktionell, eine Kreuzfahrt ist es eben nicht…
Ich stürmte aus der Garage nach oben zur Rezeption, sollte ich wegen der Kabine fragen? Ach, nur kurz noch einen Stock nach oben sehen…
Ich fand zufällig in eine Lounge Area welche wohl einmal als Party oder Disco Bereich gebaut wurde. Getanzt wurde hier wohl länger nicht mehr, aber eben ein Bereich mit gemütlichen Möbeln, wenig Fenstern und… nahezu leer! Ich riskierte es – ich wollte das Geld sparen und habe auf die Kabine verzichtet und mir hier ein Nachtlager eingerichtet – ich nehme es vorweg, ich habe zwei Nächte super geschlafen und tagsüber immer einen Platz zum Zurückziehen gehabt – perfekt, das merke ich mir!

Die Fahrt ging relativ pünktlich los und die Fähre fuhr in die Nacht hinaus, es wurde nach einem Zwischenstopp in Igoumenitsa Kurs Venedig angelegt.

Der nächste Tag war, zugegeben, recht langatmig! Wir fuhren über die offene See, ein Anblick den ich mag, aber von so einem großen Schiff nur begrenzt lang genießen kann…


Ein bisschen was zu lesen hatte ich noch, aber irgendwann war auch Bobby Schenks Lebensgeschichte aufgesogen – was tun?

Nun, mit etwas Geduld rettet man sich zum Sonnenuntergang der, ohne Land im Hintergrund, immer ein besonderes Spektakel darstellt – und somit auch gut für etwas Zeitvertreib ist!

Glück ist, dass Reisen ermüdet. Nach dem Dinner also auf die Couch und irgendwie gut geschlafen. So folgte dem soeben noch erlebten Sonnenuntergang auf hoher See, ein ebenso schöner Sonnenaufgang kurz vor Venedig.

Die Fahrt in und durch die Lagunenlandschaft war wunderschön, der riesige Pott glitt langsam und ganz nahe der Flachwasserzone durch die Fahrrinne.

„Fahrer bitte zu den Autos kommen, es wird bald entladen“ – ich eile zu meinem Wagen und stelle fest – hier komme ich nicht raus, zumindest nicht so schnell…

Es folgten zwei Stunden welche mich Nerven kosteten und von denen ich keine Fotos habe – daher kurz zusammengefasst…
Der Fahrer des roten Ford kam in aller Ruhe 45 Minuten nach dem Ausruf, das Deck war fast leer, ich war, ehrlich gesagt etwas sauer – mein Plan den Gardasee vor den Urlaubern zu passieren schien gefährdet.
Ich hatte, kaum die Fähre verlassen, mein Impfzertifikat vorzuzeigen – in Griechenland erstellt und anerkannt, später in Deutschland und Österreich ohne Probleme – aber hier beim Eintritt in Italien war mein Nachweis beim Scannen „not valid“ – das sollte später noch eine Rolle spielen, ich wurde hier aber entnervt durchgewunken – manchmal brauchst halt Glück.
Zu guter Letzt wurde ich am Zoll noch komplett auseinandergenommen, nebst Spürhundeinsatz und dem Röntgen meines Autos – mir war mulmig, aber gefunden haben sie nix.
Also auf die Autobahn Richtung Brenner und schon in Verona wurde vermeldet – „90km Stau bis Trento“ – na toll!

Ich mache es kurz, ich bin gerade so durchgeschlüpft, habe statt der kalkulierten 6h rund 8h gebraucht und war gerade noch rechtzeitig zu Kaffee & Kuchen in der ehemaligen Heimat!

Das erste und wichtigste Tun war, neben duschen, den neuen Erdenbürger, unser viertes Enkelchen Benno kennen zu lernen. Der Kleine hat am 25.08. das Licht der Welt erblickt und ich habe mich darauf gefreut ihn in den Arm nehmen zu können.

Der Rest des Ankunftstages war „Erholung“ – an Tag zwei ging es aber schon los. Zuerst gemütlich, mit einem feudalen Frühstück beim „Dinzler“ zu dem mich meine liebe Gattin aus lauter Wiedersehensfreude eingeladen hat…



…dann aber war deutlich Druck zu spüren. Hatten wir doch beschlossen den praktischen Minibus zu behalten, so musste der Logik folgend, der für Griechenland angeschaffte Volkswagen wieder veräußert werden – also eine Annonce verfasst und den Wagen in „mobile.de“ angeboten.

Baujahr 2009, 223tkm, 2.Hd, TÜV neu – zum schnellen Verkauf ein paar hundert Euro unter dem üblichen Marktpreis – Ihr ahnt nicht was an dem Abend los war!!!

Das Bild zeigt die Anrufe und Sprachnachrichten etwa eine Stunde nachdem ich auf „Online stellen“ geklickt hatte an – der Wahnsinn! Über WhatsApp bekam ich nochmals gleich viele Anfragen. Kurz gefasst – ich habe den Wagen noch am selben Abend an den ersten seriösen und entscheidungsfreudigen Interessenten verkauft – was mir auch Beschimpfungen von enttäuschten Zweitplatzierten einbrachte und mich in dem Glauben bestärkte den richtigen Käufer gefunden zu haben – Adieu mein lieber Golf, es hätte was werden können mit uns Beiden 😉
Da war doch noch was???
Ach ja, das Motorrad! Sohn Stefan war inzwischen zu Besuch in unserem ehemaligen Haus welches inzwischen dem Ältesten gehört und hat mir das neu erworbene Bike gebracht – nicht ohne es vorher getestet zu haben. Natürlich musste auch ich mich auf die Überführungsfahrt vorbereiten, checken was ich noch kann und vor Allem was NICHT, und dabei gleich feststellen inwieweit die Kleidung ausreichend ist. Ein adäquater Helm musste auf Wunsch der treusorgenden Gattin bereits vor der Testrunde gekauft werden.

So bin ich eine Morgens, als Sibylle einen Arzttermin zu erledigen hatte, auf das Bike und habe eine „große Runde“ im oberbayrischen, heimatlichen Voralpenland geplant. Dabei fiel mir auf, dass meine letzte „echte“ Biketour bestimmt schon mehr als 25 Jahre zurück liegt.
Egal! Die Wahl fiel auf den Klassiker – zuerst nach Holzkirchen um bei der Bäckerei „Kuhn“ zu frühstücken…

…danach über Bad Aibling, Bad Feilnbach und Brannenburg schnurstracks zum Tazlwurm der direkt nach Bayrischzell führt.

Kurze Hose? Ja schon, ich musste abwägen was ich neu kaufen wollte – immerhin nur für eine Fahrt – und was verzichtbar erschien. Die kurze Buxe musste aufgrund der morgendlichen Temperaturen weichen, auch ein Windbreaker wurde angeschafft – das war ausreichend für die Tour und hat sich bewährt. In Griechenland fährt man in Shorts und T-Shirts, ich weiß, nicht wirklich safety-konform, aber eben bei 35°C Usus.

Es war eine wunderschöne Tour und ich fühlte mich gewappnet für die Überführung des Bikes nach Leros!
Leider war das Wetter nicht immer auf unserer Seite und ich musste zum ersten Mal nach langen Wochen wieder Regen erleben…

Ein weiteres „To-Do“ auf meiner langen Liste für den Heimataufenthalt war das porentiefe Reinigen des verschmutzten und verstaubten Italieners. Er hatte sich die Oberwäsche redlich verdient und erstrahlte danach in neuem Glanze. So steht er jetzt fertig für die neue Beladung in Miesbach und wird Anfang 2022 wohl wieder auf Strecke gehen müssen.

Das alles hört sich stressig an, war es teilweise auch, es gab halt viel zu erledigen. Dabei waren wir aber immer darauf bedacht die Freude und die Freunde nicht zu kurz kommen zu lassen.
So waren wir mehrfach am „Seegartl“ um dort mit den Freunden zu schnabulieren – Weißwurschtfrühstück – nach Monaten der Abstinenz ein Gedicht!


Ein Andermal haben wir uns mit den Kindern verabredet um zusammen zu sitzen und zu klönschnacken und den Geschichten des letzten halben Jahres zu lauschen. Die Locations waren immer gut gewählt, mal im Privaten, mal in einem Biergarten bei guter bayrischer Küche.

Letztlich war unser Kalender gespickt mit Besuchsterminen – wir haben nahezu alle Freunde, die Miesbacher und Schlierseer und auch die „von außerhalb“ getroffen. Der letzte Termin war ein Burgergrillen in Aufkirchen – ein lang geplanter Fixpunkt in unserem Kalender – der Termin dem die Abreise folgen sollte…

…wir hatten nochmal so richtig Spaß zusammen und letztlich auch Gelegenheit mit Franzi und Mikey den bald folgenden Urlaubstörn zu besprechen.

Der Tag verging wie im Flug, es war Zeit für mich wieder Abschied zu nehmen. Schon am Abend dieses Tages traf ich im „Haus Seegarten“ Jens und Marcel, die sich kurzentschlossen breit erklärt hatten mich auf den Motorrädern bis Venedig zu begleiten.

Im „Schnapperwirt“ zu Fischhausen wurde bei einem zünftigen Weißbier die Route der folgenden Tage besprochen und eine Art Zeitplan aufgestellt – Abfahrt morgen früh um 09.00 Uhr!


Die Uhr tickte – Sibylle war einen Monat bei der Familie des Sohnes um etwas Unterstützung anzubieten und sich nach der Geburt des Jünsten einzubringen. Ich hatte nur rund 10 Tage. Das war einerseits genug, andererseits hat es nicht mehr zum Legospielen mit Enkelchen Otto gereicht – das werde ich nachholen müssen, hier stehe ich im Wort! Nächstes Mal bleibe auch ich ein paar Tage länger.
Wir haben uns vor dem Kindergarten nochmals fest gedrückt, nach dem Frühstück mit Sibylle ging es für mich los – fast ein kleines Abenteuer…


Ich fuhr also morgens alleine nach Schliersee / Fischhausen um die beiden Freunde und Begleiter dort abzuholen – ich wurde bereits erwartet und nach einer kurzen Verabschiedung von René und Rita ging es schon los…

…nach Thiersee – weil der Sprit dort fast 30 Cent billiger ist! Irgendwo muss man ja sparen! Hier wurden die Bikes bis zur Tankkante druckbetankt und der Zähler auf Null gesetzt.

Jetzt hieß es über Kufstein entlang der Autobahn und des Inn auf wunderschönen Landstraßen bis etwa Innsbruck zu fahren.

Wir machten die ein oder andere kurze Kaffeepause um dann kurz vor Innsbruck das erste Mal in die Bergwelt zu fahren, es ging über kleine Bergstraßen nach Brenner und von dort in die vorgelagerten Gebiete der südtiroler Dolomiten.

Ganz offen, bis hierhin war ich verwundert – nicht enttäuscht – verwundert, dass wir nicht gleich bei Kufstein ins Herz der Dolomiten vorgefahren sind. Jetzt wurde mir mehr und mehr klar warum. Es gab hier an dieser Seite wunderschöne, viel weniger frequentierte Routen für Motorradfahrer. Die Qualität der Pässe lässt sich aber gut an den Bildern erkennen…

…wir fuhren gemütlich aber doch fokusiert, so dass ich als Wiedereinsteiger zwar gefordert aber immer auf der sicheren Seite fahren konnte. Kurz – wir waren zufrieden und glücklich!

Ein Pass folgte inzwischen dem anderen und wir gewannen mehr und mehr Vertrauen zu Jens´ App, welche uns die besten Bikerouten zur Zielerreichung vorgab.

In der Region Sarntal erreichten wir den höchsten Punkt unserer Tour, es ging bis auf über 2200m!

Dabei kamen wir den „wirklichen Berühmtheiten“ der Dolomiten sehr nahe…

Wir fuhren Kilometer um Kilometer, Stunde um Stunde – ehrlich, ich konnte die zurückgelegte Strecke inzwischen besser am Hintern spüren als am Tacho ablesen. Es war Zeit sich Gedanken über ein Nachtquartier zu machen.

Dank der modernen Medien war dies keine allzugroße Herausforderung und bald schon konnten wir unsere preiswerten und schönen Zimmer in einem Berggasthof des Val di Fiemme beziehen!

Es war abgefahren, inzwischen wusste ich ungefähr wo ich war, wo wir fuhren, welcher Route wir folgen. Wir kamen durch Regionen und Bergdörfer welche ich vor vielen Jahren mit dem MTB kennen lernen durfte. Jetzt komme ich mit dem Bike auf diesen Traumrouten zurück – Sarntal mit Sarnthein, Val di Fiemme, Belluno und so viele mehr – es war ein Traum!
Ich habe das Bier mehr als genossen…

Beim Bier sollte es nicht bleiben. Ich habe mich den ganzen Tag auf meine Pizza gefreut und das sollte auch klappen. Nach dem Duschen hat uns nichts mehr halten können, auf in die Pizzeria, einmal Capricciosa bitte!

Ein TRAUM, die Pizza war ein Gedicht! Dennoch war mir eine Laus über die Leber gelaufen – es war der QR Code meines Impfzertifikates. Das Übel kehrte zurück obwohl ich mich mit dem Download der italienischen GreenPass App bestens vorbereitet hatte und gewappnet schien.
Der Teufelsscanner der Italiener will meinen Code nicht akzeptieren! Konnten wir das in der Pizzeria noch lösen, wusste ich, beim Einchecken auf der Fähre stellt sich hier ein unerwartetes Problem in den Weg!
Egal zunächst, es musste weitergehen! Tag 2 der Tour brach an, Ziel heute sollte bereits Venedig sein. Jens, der Weitgereiste, der mit dem ich tausende Kilometer im Auto verbrachte, tausende Meilen geflogen bin, dieser Freund war niemals in der Stadt der Gondeln – wir wollten mein Ziel zum Zweck des Besuches nutzen.

Die Bikes waren gepackt, mit einem Lächeln im Gesicht ging es los – bereits die ersten Kilometer des Tages sollten ein Highlight der Reise werden…

…es ging sehr rasch zum Einstieg in den Manghenpass, es reihte sich eine Kurve an die nächste, eine Serpentine folgte der anderen – es war ein Stakkato an Eindrücken und ein perfektes „zweites Frühstück“ für den Biker!

Auf der Passhöhe angekommen waren wir zunächst wirklich alleine, genau wie auf der Straße zuvor – wir konnten die Natur und den Gipfel für uns genießen.


So viele Eindrücke, zuviele um sie auf Bildern festzuhalten – ein Versuch der ohnehin meist misslingt!


Die kleine Alm etwas unterhalb der Passhöhe war zu schön um nicht kurz dort einzukehren. Und obwohl wir erst vor einer, vielleicht eineinhalb Stunden gefrühstückt hatten, nahmen wir uns die Zeit dort einen Cappuccino zu trinken. Ein Fest für die Sinne.



Wir mussten weiter! Hatten wir doch unser Ziel in der Lagune vor Augen…
Es ging wieder runter ins Tal, vorbei an Schluchten und saftig grünen Landschaften. Ich konnte das nach den Monaten der Abstinenz und meinem Leben im Blau schon außerordentlich genießen!

Bald verließen wir Südtirol und kamen ins „echte Italien“, dies merkte man an den Gaststätten…

…und der Beflaggung – wir kamen dem Ziel deutlich näher!

Eine letzte Pause bevor wir den letzten Pass in Angriff nahmen…

…es ging noch einmal richtig hinauf – auf die Anhöhen rund um den Monte Grappa, über Straßen die ich mich in Deutschland nicht trauen würde sie zu befahren, wären sie doch sicherlich auch als gesperrte Versorgungswege gekennzeichnet.

Dort bot sich uns ein letzter herrlicher Ausblick, nicht zuletzt über einen Teil der heutigen Strecke. Ich war stolz und happy.


Von jetzt an ging es nur noch bergab. Wir fuhren direkt in die Landschaft des Veneto und hatten noch rund 100km über Land durch die Ortschaften zu fahren. Es war plötzlich bullenheiß, eine Pause und ein kleiner Mittagssnack taten Not – klar, dass auch hier landestypisch entschieden wurde.

Eine gute Stunde später waren wir in unserem Hotel angekommen. Das Haus war wenig frequentiert, viele Bereiche geschlossen – aber insgesamt waren wir zu einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis untergebracht, kein Grund zum Klagen!
Und das Beste, kein Zufall, das Hotel lag nur 4km von der Fährstelle Fusina entfernt, ich hatte am nächsten Morgen keinen lästigen Berufs- oder Stadtverkehr zu erledigen.

Es war inzwischen 16.30 Uhr, wir mussten uns sputen um den geplanten Venedigbesuch noch umsetzen zu können. Frisch geduscht und kurz behost nahmen wir zwei der Bikes und fuhren direkt bis an die Stadtgrenze – wir konnten die Ponte del Liberta überfahren und direkt am Piazza le Roma parken – das geht mit dem Motorrad, sogar relativ günstig!

Mancheiner mag sich denken, dass Venedig in ein paar Stunden nicht zu schaffen ist – das ist richtig! Und doch reicht es, sich einen ersten Eindruck zu holen. Wir sind also vom Piazza le Roma schnurstracks per pedes Richtung Rialto – dabei haben wir Eindrücke gesammelt…


…wir haben uns für das obligatorische Touristenfoto auf der Rialtobrücke angestellt!

Aber auch auf Kleinigkeiten geachtet, kurzum, wir haben den Flair der Stadt aufgesogen – das war an diesem Traumtag, zu dieser Stunde, nicht schwer!


Von der Rialtobrücke ging es weiter – wie sollte es anders sein – zur Piazza San Marco, zum Markusplatz…

…mit seinen berühmten und beeindruckenden Bauwerken!


Ich denke, wenn man das erste Mal in Venedig ist packen einen die Eindrücke. Es war ok für uns nur ein paar Stunden gewesen zu sein, wir wollten zurück – aber mit dem Vaporetto.
So haben wir uns drei Einzelfahrten vom Dogenpalast zum Piazzo le Roma gekauft und uns ins feierabendliche Gedränge gestürzt…

…aber auch diese, relativ weite Fahrt hat Spaß gemacht und zum Abschluss noch eine andere Perspektive auf Venedig ermöglicht!

Geistesblitz -> Glücksfall! Meine Bedenken bezüglich des Impfzertifikates kehrten zurück, ich habe auch ein einer Bar in Venedig ein „Fail“ hinnehmen müssen, was tun???
Testen! So suchten und fanden wir das Testzentrum Venedigs welches noch eine halbe Stunde geöffnet hatte…

Ich füllte meine Unterlagen aus, berappte brav die geforderten 22.-€ (als Geimpfter) und bekam nach 20 Minuten mein Ergebnis – NEGATIV!

Dass man für das Einchecken mit Test ein anders PLF (Personal Locating Form) als für die Einreise als Geimpfter braucht wusste ich – das würde ich im Hotel erledigen. Doppelt gemoppelt hält besser, so sah ich meinem Check-In für den Folgetag gelassen entgegen.
Mittlerweile war es 20.00 Uhr, wir gingen tatsächlich nochmals in die Gassen des dunklen Venedig und aßen an einem kleinen Kanal zu Abend – danach ging es per Bike zurück ins Hotel.
Jens und Marcel traten am nächsten Tag frühmorgens Ihre Heimreise in den Landkreis Reutlingen an, wir hatten uns verabschiedet und ich war und bin dankbar für die nette und kurzweilige Reisebegleitung. In Jens´ Fall zeigt mir diese Tour, dass im Job geschlossene Freundschaften auch nach dem Abschied des Einen Bestand haben können, in Marcel´s Fall wurde klar, dass genau über diesen Weg auch neue Kontakte und Freundschaften entstehen können!
Ich habe die Tour sehr genossen – DANKE Euch Beiden!
Von nun an ging es alleine weiter. Der Tag meiner Fährpassage war gekommen, einen Wecker brauchte ich nicht zu stellen, das Ablegen war für 12.00 Uhr geplant, ich müsste mich etwa zwei Stunden vorher einfinden – Zeit genug für ein Frühstück in einer der Bars beim Hotel um die Ecke…

Das Panino schmeckte nach Italien, der Cappu war eine Wucht – zusammen für 4,70€, günstiger und besser kannst Du kaum frühstücken. Ich war bereit, auf geht´s, die Fähre wartet.

Ok, zunächst wartete nicht nur die Fähre sondern vorrangig ICH – nämlich am Ende der Warteschlange vor dem Check-In. Wegen Covid war alles etwas komplizierter, es muss aber dabei angemerkt werden, dass hier alles hervorragend organisiert war. Die Wartezeit verging und ich realisierte rasch, auch hier werden die QR Codes der Impfung gescannt! Das habe ich gar nicht erst versucht, ich habe mit meinem Testergebnis eingecheckt und war kurz darauf fertig um die Fähre zu boarden.

Da es sich wieder um die ASTERION II handelte und zudem der Rückweg nur eine Übernachtung umfasst, war mein Plan klar – die Bikes werden als erstes geboardet, ich werde meine Taschen packen und sofort zu MEINEM Platz in der ehemaligen Disco rennen! Gesagt, getan und schon wenige Minuten später war mein Nachtlager gerichtet…

Ich konnte es mir gemütlich machen und auf die – pünktliche – Abfahrt der Fähre warten.

Bald schon ging es los und wir verließen zur Mittagszeit die Lagunen und Venedig blieb achteraus. Irgendwann, viele Stunden später, waren die griechischen Gewässer erreicht und wir hatten wieder Landsicht – das ist insgesamt auch kurzweiliger.


Da die Überfahrt und der Zwischenstopp in Igoumenitsa planmäßig verliefen, war auch die Ankunft etwa termintreu. Ich wusste, dass wir gegen 21.00 oder 22.00 Uhr in Patras ankommen würden und hatte deshalb ein Nachtquartier in der Hafenmetropole gebucht.
Doch zunächst wurden die Fahrer gebeten zu den Fahrzeugen zu kommen um ein schnelles Entladen des weißen Riesen zu gewährleisten – es ist schon Wahnsinn wie die Dinger vollgepackt werden! Mein Bike stand wieder in der letzten Ecke, doch diesmal war ich rasch draußen…

In Griechenland konnte ich ohne Probleme mit meiner griechischen Impfung einreisen, insgesamt ging auch das generelle Procedere rascher vonstatten.
Die Herberge war vorgebucht „Lovely Appartement“ – nun ja, der Name klingt in deutschen Ohren komisch finde ich, aber das Zimmer entsprach voll den Erwartungen!

Das wirklich Gute aber war, dass ich mir eine Lage ausgesucht hatte welche man aus „normalem“ Blickwinkel eher als suboptimal bezeichnen würde. Direkt an einer Einfallsstraße nach Patras, unweit des Autobahnzubringers, in der ersten Etage eines Autohauses – aber eben verkehrsgünstig zum Port (5 Minuten) und fußläufig zu meinem „Stammlokal“ in dem mich die Bedienung und der Chef inzwischen kennen. Es wurde wieder gefragt ob „Meat“ meinen Vorstellungen entspräche, abermals wurde ich nicht enttäuscht…

Elefteria und Kostas gaben sich große Mühe mit mir, so konnte ich zwei Raki später in mein Zimmer trotten und mich auf´s Ohr hauen, morgen ist ein neuer Tag!
Und der ging gut los! Perfektes Wetter, warm, sonnig – ich stand recht früh morgens auf und fuhr auf der Autobahn an Patras vorbei. Ich hatte keine Lust durch die Stadt zu fahren. Kurz nach Patras wechselte ich auf die „Old National Road“ um die rund 200km nach Piräus auf der Landstraße abzuspulen.
Ich fuhr durch Dörfer, meist am Meer entlang, konnte Düfte wahrnehmen und die Sonne auf der Haut spüren. Nach etwa einer Stunde suchte ich mir einen wunderschönen Platz zum frühstücken aus.

Entlang solcher Routen gibt es so viel zu sehen, ich genieße das, ich mag die kleinen Details – sei es, beim Betrachten von aus meiner Sicht witzigen Graffito…

…oder beim Pflichtstopp an kulturell wertvollen Bauwerken, wie dem weltberühmten Kanal von Korinth. Hier bin ich 2011 mit der alten NESSAJA durchgefahren und jetzt habe ich den Kanal mit dem Motorrad passiert – ich fühlte mich griechisch 😉 …

Mein Weg führte mich schnurstracks nach Piräus, ich kam überpünktlich an und hatte noch etwas Zeit abzusitzen. Bei BlueStar kann man online einchecken, ähnlich wie beim Fliegen – ein sehr guter Service! So hatte ich keine Formalitäten zu erledigen und entschied kurzfristig die Wartezeit in Piräus in der mir bekannten Zea Marina zu verbringen.


Gegen 16.30 Uhr war es an der Zeit zum Hafenterminal zu fahren, der blaue Riese stand bereits mit offenem Schlund zum Beladen bereit…

Hier wurden die ganzen Bikes an einem Platz gesammelt und entsprechend dem Ausstiegshafen sortiert, alles war perfekt organisiert.

Ich hatte wieder Deckspassage, aber wiederum Glück bei der Platzwahl. Ich fand einen freien Eckplatz und konnte mir ein Lager für die neunstündige Überfahrt bauen.

Uff, leider doch Pech! Irgendwie war in dieser Nacht der Wurm drin, ich habe kein Auge zugetan. Da die Ankunftszeit um ca. 04.35 auch nicht unbedingt zuträglich war, habe ich zu gegebener Zeit entschieden, dass ich dann eben diese Nachtruhe ausfallen lasse! Um kurz nach 04.00 hatten wir Leros querab…

Ich war geschafft! Aber einfach hinlegen und schlafen? Nein, ich hatte Sibylle versprochen, dass ich bei Ihrer Ankunft um 12.30 Uhr meinen Verwaltungskram und die Computerarbeit weitgehend erledigt hätte und das Schiff schon ein wenig wohnlich sein würde – hatte ich doch bei meiner Abreise alles was nicht niet- und nagelfest war in den Salon geräumt.
Sibylle kam wie geplant an, wir machten entspannt klar Schiff und gönnten uns am Abend ein Willkommensdinner bei unserem Freund Dimitris. Wir waren erledigt von der Anreise und wollten danach nur noch schlafen…

Tick tack, die Uhr lief! Wir hatten rund eine Woche Zeit bevor Franziska und Mikey zum Abschlusstörn 2021 kommen würden. Die Projektarbeiten standen noch an, ich musste die Werkzeugkiste auspacken und ran…
So konnte ich mit Hilfe eines Ersatzteiles für meine alte ST50+ Anlage, beschafft durch Fa. Ober in Österreich (der Raymarine Papst), endlich das matte Display meines Tridata ersetzen.

Fummelarbeit für filigrane Fingerchen, eigentlich nix für mich! Aber schon nach einer Stunde konnte ich Vollzug melden, das Gerät tut wieder, die Daten sind wieder ablesbar!

Ähnlich ging es mit der Reparatur des Außenborders voran. Ich habe die Teile welche mir die Fa. Jochum in München beschafft hat – vollständig und in-time – verbaut und der 6PS Quirl ist sofort angesprungen und schien perfekt zu laufen. Die finale Probefahrt steht noch aus…
Nicht so perfekt lief es mit dem Ofen, treue Blogleser erinnern sich! Ich konnte zwar vor meiner Abreise die Bestellung der Teile final absetzen, die Lieferzeit beträgt bei SVB aber rund zwei Monate. Zum Glück konnte ich wenigstens die Federn für die Ofentüre erwerben, so war zumindest der Zusammenbau des Trums sicher gestellt.

Sibylle durfte nochmal in den letzten Ecken des zerlegten Befeuerers nachreinigen – in diese Winkel kommt man später nicht mehr!
Begeisterung sieht anders aus, ich habe in diesem Moment mit Bemerkungen aller Art gespart…

Die Tage waren stressig, aber eben positiv stressig! Wir kamen am Schiff voran, die meisten Freunde waren zurück in der Marina und auch Volker und Kristina von der ELOWYN waren ein paar Tage da.

Wir hatten fast jeden Tag Verabredungen zum Kaffee oder Dinner, trafen dabei die Crews der HARMONY, der LIBERTÉ, der SHAKA, der MAXI und der CHRISTINA – wir hatten Spaß und viele Geschichten zu erzählen. Mit manchen Freunden war es das erste Treffen 2021, mit anderen Crews das vielleicht wirklich letzte für lange Zeit oder gar für immer. Mit einer Crew haben wir in einer Schnapslaune ein „Losfahrertreffen auf den Kanaren“ für 11/2023 verabredet – mal sehen…
Ich war zufrieden, ich war in meiner Welt, auch wenn Familie und Freunde aus dem Oberland manchmal fehlen!

Mit dem Motorrad konnten wir uns gut auf der Insel bewegen, die Fahrten zum Strand und den Tavernen, das Parken, alles war einfacher – eine gute Entscheidung!
So suchten wir die schönen Plätze der Insel mit dem Bike auf, zum Beispiel die Anhöhen bei den Mühlen, beim „Harris“…

…von wo aus wir bei einem Sundowner mit der Crew der ELOWYN den Sonnenuntergang beobachteten.

Um gleich anschließend bei Vollmond bei „Dimitris o´ Karaflas“ zu dinieren und Meze zu genießen.

Im Rahmen der Reparatur- und Wartungsarbeiten wollte ich meinem neuen Kühlkompressor noch etwas mehr Atemluft gönnen – so hat er an der Wartungsklappe ein weiteres Lüftungsgitter bekommen.

Sogar für Fleißaufgaben blieb ein bisschen Zeit – ich konnte als Gegenleistung für viele gute Tips und eine stetige helfende Hand auch bei Gottfried´s HARMONY ein wenig unter die Arme greifen.
Der alte Mariner Zweitakt Außenborder brauchte eine neue Vergaserdichtung und ich erinnerte mich bei dem Wort „Dichtung“ nicht nur grob an meine Tätigkeit der letzten 20 Jahre, auch das Material war mir noch im Kopf – und in der Lagerhaltung…

So präpariert bin ich überzeugt, dass der alte Vaporisateur seine Aufgabe weitere 30 Jahre verrichten kann!
Sonst was Neues??? JA!!! Es wurde kalt!
Der griechische Herbst ist anders als der deutsche. Noch kein Regen, aber ab und an eine Wolke, wenn Wind weht, dann tut er dies meist recht frisch, so dass die Temperaturen nur noch selten die 30° Marke erreichen. Wir hatten auf einmal immer öfter um die 25°C, abends frischer…
Zeit den Pulli dauerhaft auszupacken…

Dies sollten wir leider auch beim Abschlusstörn zu spüren bekommen, aber das wussten wir ja noch nicht!
Die Tage verflogen, Freunde beendeten ihre Saison und flogen nach Hause. Wir schreiben die dritte Septemberwoche, Franzi und Mikey werden bald anreisen. Es war vereinbart die beiden in der Kos Marina aufzunehmen.
So legten wir am 25.09. ab um nach Kalymnos / Emborio zu fahren. Wir wollten eine Nacht an die Boje, für den Folgetag war ein Liegeplatz in der Marina reserviert.

In der Bojenbucht waren wir in illusterer Gesellschaft, seit langer Zeit war mal wieder eine Megayacht mit Heli nahebei. Der Heli kam auch zum Einsatz, wahrscheinlich um Semmeln zu holen. Wem gehört das Gefährt? Nun, Google meint dazu, dass der drittreichste Russe der Eigner wäre, ach so…

Emborio meinte es wieder nicht so gut mit uns. Wir lagen zwar sicher, aber die Fallböen waren eiskalt und der Seegang sorgte durch ein Abprallen an den Inseln für stetigen Schwell in der Bucht. Wir haben kaum geschlafen und waren froh in die Marina verholen zu können.

Kos Marina mag ich! Sicher, gepflegt, einladend – und immer was zu sehen…
Diesmal sind es singende Bayern denen bei „Turn me loose“ schon in Zeile zwei der Text ausgeht, die aber dafür den Refrain umso lauter grölen. Man setzt voraus, dass die ganze Marina den Musikgeschmack teilt und beschallt darum die ansonsten friedvolle und leise Marina den ganzen Nachmittag.
Da die Crew derartig pubertär vorgeglüht war schwante mir Fürchterliches – aber ein Wunder geschah! Man besann sich auf die Kinderstube und um 21.30 Uhr war Schicht im Schacht – DANKE!
Ein Lob an den Skipper, der offensichtlich sein Team im Griff hat. Ok, an den Regeln der Seemannschaft und dem respektvollen Benehmen im Gastgeberland können wir noch etwas feilen…

Genug geunkt – Franzi und Mikey kamen an, die Anreise war problemfrei und wir konnten noch einen Absacker in der Marinabar nehmen – wir haben uns von der selbsternannten „besten Bedienung Griechenlands“ verabschiedet (ich mag sie wirklich und sie ist auch gut!) und haben das Schiff für die Abreise am nächsten Tag klar gemacht.
Geplant war ein One-Way Törn für unsere Gäste, von Kos nach Rhodos. Sind wir doch letztes Jahr ausgiebig durch den nördlichen Teil des Dodekanes gereist, wollten wir dieses Jahr den südlichen Teil bereisen. Unsere Route war in etwa so geplant…

Ob ein Abstecher nach Tilos möglich und gewünscht ist wollten wir unterwegs entscheiden, heute wissen wir – das wird nix mehr! Zur Wettersituation, die uns natürlich bekannt war, später noch ein paar Worte mehr. Es war Zeit abzulegen, wir verließen die Kos Marina in bester Laune und setzten umgehend die Segel.

So ging es Richtung Osten, wir hatten um das östliche Kap von Kos zu fahren, die Türkei und die Küste rund um Bodrum dabei stets im Blick.

Obwohl Sibylle ja viele Tage in Deutschland war, waren Mutter und Tochter froh ein paar Urlaubstage gemeinsam verbringen zu können, die Vorfreude war groß.

Der Wind frischte zwischenzeitlich auf, wir kamen bei 24kn / NW gut voran. Von einer Minute zur anderen hatten wir aber auch Phasen der Flaute. Unser erstes Ziel hieß Nisyros, wir wollten den Vulkan erkunden und die Insel entdecken. Sibylle und ich kannten das Eiland schon und konnten Franziska in ihren Plänen nur bestätigen. So musste navigiert werden um die Hafeneinfahrt von Paloi auch zuverlässig zu treffen – diesen Job übernahmen Mikey und ich.

DELFINE!!! Franzi schien etwas gesehen zu haben – nein, doch nicht! Aber was ist das dann? Des Rätsels Lösung, eine Schildkröte welche sich in der Sonne während einer Flaute gesonnt hat und sich auch durch unser langsames und vorsichtiges Herangleiten nicht aus der Ruhe bringen ließ.


Danke für´s Fotoshooting Frau Turtle, weiter ging es bei völliger Windstille, es musste ein Stück motort werden…

Eine Viertelstunde später kam der Wind als WNW 6 zurück und wir mussten am Wind die letzten Meilen bis Nisyros ansegeln.
Sibylle wurde etwas nervös als sie mehrere Masten, ein Dutzend oder eher zwei, zählen konnte. Dachte sie doch zu dieser Zeit wäre sie ganz alleine in Nisyros! Weit gefehlt! Die leere Marina Kos (bis auf die Bayern die noch einen Tag vorglühen mussten) war ein Indiz, man ist unterwegs Ende September.
So kam es, dass wir den drittletzten „echten“ Platz bekommen haben, es wurde an diesem Abend echt eng im kleinen Hafen von Paloi – der Anlegeschluck war verdient!

Da Sibylle ja immer den Drang zu Bewegung verspürt, folgte dem Anlegeschluck ein kleiner Fußmarsch Richtung alte Therme, dabei wird auch der Laden des Bäckers passiert, er ist bekannt für gute und frische Backwaren – nun morgen zum Frühstück!?

Die alte Therme aus den 1920er Jahren ist weitgehend verfallen, gibt aber ein beeindruckendes Fotomotiv ab.


Mit etwas Phantasie kann man die einzelnen Badehäuser noch erkennen und fragt sich unweigerlich, was diese Gemäuer in den 100 Jahren ihres Bestehens alles schon gesehen haben. Schade, dass dieses Bauwerk langsam verfällt…

Paloi selber ist ein kleiner Ort in dem es eigentlich nix und alles gibt. Es gibt eine kleine Strandbar, etliche Autoverleiher, ein paar Tavernen und zwei, drei Minimärkte. Man bekommt Vieles, nicht Alles, hat aber selten eine wirkliche Auswahl, Spezialgeschäfte fehlen – man kommt aus meiner Sicht als Selbstversorger besser voll gebunkert hier her.

Die Liegeplätze sind sicher, aber quer zur herrschenden Windrichtung, dafür hält der Anker gut. Es gibt Strom und Wasser am Kai, es wird verlässlich aber unregelmäßig abkassiert. Wir haben für vier Nächte, dazu später mehr, mit Strom, ohne Wasser, bei 43ft 70.-€ bezahlt. Sanitäre Anlagen gibt es nicht, wer duschen will tut dies entweder am Kai (kalt)…

…oder beispielsweise bei Nikki und Stavros vom Autoverleih „Petastra“. Sie bieten hervorragende sanitäre Anlagen an, Preis 3.-€ pro Person / Nutzung. Man kann sich also gut arrangieren.
Hier lagen wir nun recht sicher und komfortabel!


Geplant war, dass wir zwei Nächte bleiben um einen ganzen Tag zu haben die Insel zu entdecken. Zu diesem Zweck haben wir von Nikki zwei ATVs 4×4 gemietet, welche ausdrücklich für den Offroad Einsatz freigegeben waren. So gerüstet ging es auf Entdeckungstour…


Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase bekommt man raus wie das Vehikel gut zu beherrschen ist. Wir trauten uns mehr zu und wagten uns auch in das Gelände des Vulkankraters.

Dort angekommen, gingen wir dem Track nach, um diese Uhrzeit noch fast alleine, um einen Eindruck des Krater-Innenraums zu bekommen – in Deutschland fast unvorstellbar, dass man neben den Löchern, aus denen nach faulen Eiern riechendes, heißes Schwefelgas ausströmt, einfach so umhergehen darf…




In einem Panoramabild kann man die Ausmaße festhalten, es lohnt sich ein genauer Blick auf das Bild 😉

Wir erforschten die Felsspalte, entdeckten Fellreste toter Tiere, vermutlich Ziegen die irgendwie abgestürzt sind, ein wirklich sehenswerter Ort und lohnender Ausflug! Man sollte aber unbedingt VOR den Ausflüglern von Kos hier sein, frühes Aufstehen lohnt also…

Wir traten den Rückweg an, Nisyros hat soviel mehr zu bieten! Ein letzter Blick auf den Kraterrand…

…und ein letztes Panaorama von der Anhöhe – der letzte Ausbruch war übrigens vor 35.000 Jahren, wir fühlten uns einigermaßen sicher!

Yeah, ab ins ATV und über die Schotter- und Sandpisten der Insel zu den kleinen Städtchen am Kraterrand, zuerst nach Nikia…

…das Dörfchen welches bekannt für seine Mosaike ist, besonders das am Stadtplatz! Wir waren zeitig dort, es herrschte kaum Andrang.

So konnten wir gemütlich durch die Gassen schlendern und unsere Eindrücke sammeln, typisch griechisch ist es hier, einfach schön!


Nach der Erkundung des Dörfchens hatten wir Hunger und waren durstig, wir hatten kaum etwas gefrühstückt weil wir früh dran sein wollten!
So muss auch der „frühe Vogel“ irgendwann eine Rast einlegen…

Von Nikia aus kann man hoch zum Kirchlein des Heiligen Propheten Elias, ein Kirchlein wie es griechischer kaum sein kan. Es steht den berühmten und viel fotografierten Schwestern auf Santorin in nichts nach!



Von hier hat man nochmals einen herrlichen Blick über den Krater und kann die Ausmaße noch einmal überblicken…

Wir setzten unsere Fahrt entlang einer Schotterstraße am Vulkanrand fort und kamen als nächstes in das Bergdorf Emborio. Auf dem Weg dorthin kommt man unweigerlich an einer „natürlichen Sauna“ vorbei – ein Gemäuer welches durch den Vulkan auf etwa 60°C aufgeheizt wird und welches früher wohl wirklich zu Erholungszwecken genutzt wurde. Natürlich haben Mikey und ich die Chance ergriffen einen Saunagang einzulegen…

Emborio selbst ist ein wenig verfallener, besticht aber durch seine Burgruine und ein wunderschönes Lokal, das „Balcony“. Dort haben wir etwas getrunken, aber erst NACHDEM wir die Burg erklommen hatten – unter der Anleitung unserer belesenen Fremdenführerin.

Hier zeigte sich deutlich, dass Mikey offensichtlich Fußstapfen gefunden hat denen er folgen will – bei unserer nächsten Tour kann er den Part des Richtungsgebers übernehmen!

Letzte Station unserer Nisyros Runde war der Besuch der Inselhauptstadt Mandraki. Da darf man sich aber nicht zuviel vorstellen. Auch Mandraki ist nur ein Dörfchen, nur eben etwas größer als Paloi. Der Haupthafen der Insel ist dort, Fährgäste und -touristen kommen in Mandraki an. Es ist wert einmal dorthin zu fahren, wenn es mich auch nicht direkt gepackt hat…


Wir gingen noch zum Kloster (leider geschlossen) und zum um die Ecke liegenden Strand der laut Reiseführer aus lauter schwarzen Vulkansteinen besteht. Das war wirklich schön anzusehen!

Unsere Idee war in Mandraki zu essen, hier gibt es ein Lokal welches in TripAdvisor mit 4,9 bewertet ist und direkt am Fuß des Klosters liegt. Da dies aber dauerhaft geschlossen schien, gingen wir kurzerhand der Empfehlung von Segelfreunden nach und reservierten im „Aphrodite“ in Paloi. Diese Taverne scheint die beste am Platze zu sein, wir können das nicht vergleichen aber im Ergebnis durchaus bestätigen. Das „Aphrodite“ ist sehr empfehlenswert, man wird freundlich empfangen und alles was wir gegessen und probiert haben war super. Reservierung ist empfehlenswert! Wir haben hier Johannes aus der Nähe von München kennen gelernt, er segelt alleine und wir konnten ihm ein wenig Kurzweil bescheren.

Ja, nun schreiben wir den 30.09.2021 – der September ist fast vorbei, der Monatsbericht ist online, unser Törn ist aber noch im vollen Gange.
Wie es weitergeht erfahrt ihr in einem zweiten Teil im Bericht des Monats Oktober.
Vorab sei gesagt, wir sind jetzt seit 27.09. hier und werden definitiv noch bis zum 01.10. bleiben! Der vorhergesagte, stürmische NW 7 ist gekommen, weht beständig mit 6 und hat eben seine 7er Phasen. Das sind für mich Bedingungen unter welchen ich einen sicheren Liegeplatz nicht verlasse.

Wir haben also beschlossen, hier zwei zusätzliche Faulenzertage einzulegen, beschäftigen uns mit Lesen, Wandern, Essen – und eben Blog schreiben! Wir verzichten, wie eingangs schon erwähnt, auf Tilos und planen am 01.10. Richtung Symi abzulegen, dort sind auch moderate Bedingungen vorhergesagt. Es gilt dann Symi zu entdecken und zum Abschluss des Urlaubs von Franzi und Mikey noch Rhodos zu erkunden und unsicher zu machen.
Sibylle und ich werden NESSAJA anschließend zurück nach Leros bringen, erste Einwinterungsarbeiten vornehmen und unseren Winterplatz belegen. Dann planen wir mit dem Motorrad Freunde in Kreta zu besuchen.
Wir haben für den Oktober also Einiges vor – ob das alles so gelingt und wenn ja, wie – das gibt es im Oktoberbericht nachzulesen.
Dazwischen sind wir in Facebook und Instagram präsent, so könnt Ihr Erlebtes immer mit uns teilen.
Wir sind wieder „zuhause“, wir leben wieder unser Leben, wir sind glücklich und zufrieden – wie heißt es doch im Song aus der Überschrift so treffend…
„Da ist die Frau an meiner Seite, die diese Arche mit mir lenkt
Die mir ihre schöne Seele und ihre Klugheit schenkt
Die ich liebe und an der ich jedes kleinste Wort und jede Regung mag, die Freundin, die Komplizin, die mit mir zusammenhält
Wie Pech und Schwefel, zwei gegen die ganze Welt
Mit der ich jeden Lebensturm durchqueren kann und jeden ganz normalen Tag…
Du hast alles, was du wolltest! Was um alles in der Welt
Wieviel unwichtiges Zeug dir oft den Blick darauf verstellt!
„What a lucky man you are!“
Herzliche Grüße von Bord der NESSAJA vom Skipper, der Capetana und der Crew Franzi & Mikey