Juli 2021 – Cats in the Cradle

Wie immer ein Songtitel – diesmal einer den wohl die meisten von Euch in der Version von Ugly Kid Joe kennen. Ich mag das Original von Harry Chapin seit vielen Jahren und besitze bzw. besaß die original 45rpm Single (vielleicht hat mein Junior die ja noch). Im Text geht es darum, dass Väter gerne im Alltag übersehen, Zeit mit den Kindern zu verbringen – die Zeit verfliegt und ehe man sich versieht sind sie erwachsen – die Uhr lässt sich nicht zurückdrehen…

Ich kenne diese Krux auch, wenngleich es bei mir – hoffe ich zumindest – nicht so ausgeprägt war wie der Text beschreibt – dennoch war ich richtig glücklich und voller Vorfreude, dass mein Sohn Stefan nebst Freundin Amelie die ersten Familienmitglieder waren, die sich als Besuch angemeldet haben. Der Juli stand also im Zeichen des Familientreffens, das erste nach unserer Abfahrt am 02.03.!

Seht mir nach, dass dies auch der Grund ist, warum der Bericht etwas länger ausfällt, es gab einfach viel zu erzählen, zu teilen. Nehmt Euch etwas Zeit, ein kühles Getränk und lasst Euch in unsere Welt entführen.

Wir springen zurück zum letzten Tag des Monats Juni. Nach einem sehr guten Dinner hatten wir uns von der Crew der ELOWYN verabschiedet um Richtung Norden zu fahren. Wir waren ausgestattet mit Tipps und unser erstes Ziel sollte die Doppelbucht von Kythnos sein. Dort kamen wir am späten Nachmittag an – wir waren recht früh losgefahren…

Doppelbucht von Kythnos – NESSAJA liegt mittig (rechts)

Das Bild täuscht etwas, das Wetter macht einen trüben Eindruck, das war aber nicht so. Wir hatten einen guten Ankerplatz, schwammen an Land, hatten in der Taverne am Hang einen kleinen Snack und lauschten der Lounge-Music aus der Bar am Strand.

Was gut klingt, wurde dadurch getrübt, dass sehr kurzfristig Westwind angesagt wurde, dieser auch noch stärker als zunächst angenommen – das ist dann ärgerlich, wenn der tolle Ankerplatz in einer Westbucht liegt. Also haben wir uns kurzfristig entschlossen den Ankerplatz zu wechseln und in eine kleine „Bucht in der Bucht“ zu verholen welche besser geschützt schien. Doch weit gefehlt!!!

Ankerbewegungen in der Nacht – Negativbeispiel!

Der Wind kam, wurde durch Landeffekte aber so abgefälscht und verstärkt, dass unser Anker zwar hielt aber irgendwie falsch lag. Wir hatten zuwenig Platz! So musste ich zwischen 0230 und 0530 immer wieder den Motor starten und manuell die Kette neu ausrichten – so kam obiges Bild zustande – ein Beispiel wie es NICHT sein soll. Wieder etwas gelernt.

Wir haben den ungastlichen Platz früh verlassen und uns auf den Weg Richtung Saronischer Golf / Athen gemacht. Die unruhige Nacht hat Spuren hinterlassen und wir haben mit dem Schlaf gekämpft.

Doch auch diese Überfahrt bot Überraschungen und schöne Momente, zum Beispiel als wir den Weg einer Wasserschildkröte kreuzten, welche gemächlich dahinschwamm und sich durch unsere „Fotosession“ nicht stören ließ…

…war recht groß – kommt auf dem Bild gar nicht so raus.

Ein paar Stunden später kam das ersehnte Kap des griechischen Festlandes in Sichtweite – Sounion. Wir hatten viel davon gehört, waren aber selber mit dem Schiff noch nie hier. Neuland also für uns…

Poseidons Tempel sah umso beeindruckender aus, je näher man kam – diese Sehenswürdigkeit wollten wir uns später noch genauer ansehen. Doch jetzt stand erstmal die Suche nach einem guten Ankerplatz im Vordergrund.

NESSAJA vor Anker / Sounion
Sunset / Kap Sounion

Wir hatten Glück! In der sonst gerne recht vollen Bucht, haben wir noch einen schönen Platz im Zentrum gefunden. Der Anker hielt gut, es lag genug Kette und die Ankerpeilungen passten. Wir hatten genug Schwoiraum und konnten unseren Sundowner daher unbeschwert genießen.

Diesmal war es so wie es sein soll. Wir hatten eine ruhige Nacht, konnten ausschlafen und auch der morgentliche Blick auf die Ankerapp zeigte keine Probleme während der Nacht. Diesmal ist das Bewegungsbild unserer NESSAJA vor Anker wie es sich gehört…

Bewegungsbild über drei Tage – mit Winddreher und Zugabe von Kette

Die Bucht wurde zunehmend voller, das Wochenende nahte und die Charterkunden aus der näheren Umgebung nutzten Sounion ebenfalls als erstes oder letztes Ziel auf Ihrem Weg in die Stationen rund um Lavrion und Athen.

Dabei gibt es immer viel zu beobachten. Von sehr „speziellem“ Ankerverhalten mal ganz abgesehen, ist auch die Flaggenführung nicht immer regelkonform. Naja, hier muss ich wohl meine nautischen Prinzipien über den Haufen schmeißen 😦

Flaggenführung – neu interpretiert

Auf einem Seeschiff hast Du das Wetter und dessen Entwicklung über die nächsten Tage immer im Blick. Der eine (Skipper) angemessen aber weniger oft, die andere (Capetania) gaaaaanz viel öfter! Es gibt hier hilfreiche Apps die den Wetter- und vor allem Windverlauf optisch recht eindeutig darstellen – blau bedeutet motoren, grün bedeutet schön segeln, gelb bedeutet für uns unangenehmes Segeln welches es zu vermeiden gilt und rot bedeutet GEFAHR!!!

Die Capetania mahnte zum Aufbruch, Gefahr im Verzug – es war an der Zeit unseren Ankerplatz zu verlassen und einen sicheren und angenehmen Rückzugsort zu suchen bis Stefan und Amelie ankommen würden – der Meltemi fährt zum erstem Mal im Jahr 2021 seine Krallen aus!

Auch mir war nach ein paar Tagen ohne Verantwortung, so mussten wir uns zwischen der Kaimauer von Lavrion und der Olympic Marina Lavrion entscheiden. Es war eine Entscheidung zwischen ruhigem Liegen, idealem Empfangsort für unseren Besuch und hohen Kosten auf der einen Seite und lautem Trubel, unsicherer Platzvergabe und fehlenden Sanitäranlagen zu einem wesentlich günstigeren Preis anderseits. Wir wollten uns das ansehen und sind in den Hafen von Lavrion gefahren…

Hafeneinfahrt Lavrion

Just nachdem wir ankamen haben ich die Antwort auf ein vor Tagen geschriebenes Mail erhalten – wir könnten kommen, müssten aber zum Wochenende den Kai verlassen. Genau zu dieser Zeit brauchten wir den Platz aber! Sowohl der Meltemi als auch der Besuch aus der Heimat hatten ihr Erscheinen für das Wochenende angekündigt – alea iacta est – wir entscheiden uns für das „Rundum Sorglos Paket“ und verholen in die Olympic Marina Lavrion. Ich habe in diesem Moment begonnen ein Bündel kleiner Scheine zu zählen und mich von denselben zu verabschieden…

NESSAJAs Platz in der Olympic Marina (Pier 4 / 133)

Ein schöner Platz! Eng zwar, aber außen am Ponton. Das mögen wir – hier latscht dir keiner am Cockpit vorbei, hier kannst mal duschen wenn du schwitzt und es ist gut durchlüftet.

Was wir zu dieser Zeit schon wussten – Freunde von uns hatten auch diesen Ort gewählt um den Meltemi auszusitzen und um in dieser Zeit noch ein paar Reparaturen durchzuführen. Die AMAE ist auf dem Weg Richtung Westen, wir hatten uns in Leros verabschiedet und es war schön, hier noch einmal zusammenzutreffen. Ok, so ganz stimmt das nicht, Kristel war für einige Tage in der Schweiz und so kam es, dass wir Philipp zur Einweihung unseres neuen COBB Grills eingeladen haben…

TOP! Der Grill ist super! Er hat sich bewährt, heizt – tschengpeng – superschnell auf und ist nach der Nutzung easy zu reinigen. Ein Topprodukt welches wir aus heutiger Sicht sehr empfehlen können. Wir haben Ihn inzwischen mehrfach genutzt und grillen für zwei Personen fünfmal mit einer Kartusche (welche übrigens ca. 5.- bis 6.-€ kostet – der Preis war für ein anderes Produkt).

Auf diese Art und Weise können auch Hafentage sehr schön sein – wir hatten einen herrlischen Abend mit Philipp und fielen nach ein paar Dosen „Mamos“ recht seelig ins Bett.

Neuer Tag – neues Glück! Ob mir der Song „Himbeereis zum Frühstück“ (kennt eh keiner mehr) jemals eine Headline wert sein wird? Eher nicht! Dennoch war es zu dieser Zeit schon so heiß, dass ich kurzerhand entschieden habe statt der üblichen Morgenmahlzeit eine Portion der frostigen Schleckerei zu mir zu nehmen – ein GENUSS!

Nach dem obligatorischen Einkauf in Supermarkt (klar) und „Jumbo“ (muss man kennen!), klagte Sibylle ihr Recht auf Bewegung und Kultur ein. Wir mieteten einen Scooter und machten die Gegend unsicher…

Klar, dass nun neben diversen Badestränden auch der Besuch von Poseidons Tempel auf dem Programm stand. Wir fuhren also am Landweg zum Kap Sounion und berappten brav die geforderten 10.-€ (pro Person) für die Kulturstätte. Nun, das war es wert! Ein ausgesprochen schöner Tempel, gut erhalten und beeindruckend…

Wir stellen uns immer vor, Wege zu betreten die schon vor mehr als 2000 Jahren von Menschen in Ledersandalen begangen wurden (ok, neuere Pfade finden sich meist daneben)…

…und freuen uns Blicke auf Plätze zu erhaschen welche wir zuvor besegelt hatten.

Ankerbucht von Sounion

Es ging zurück in die Marina, inzwischen war Dinnertime. Uns war klar wohin wir an diesem Tag wollten, wir hatten eine Tavernenempfehlung von der Crew der COCO LOCO welche wir tags zuvor an der Kaimauer von Lavrion getroffen hatten. Das Ziel war per Roller leicht zu erreichen – die Taverne „To Steki Tou Mina“, ein auch von TripAdvisor empfohlenes Ziel.

Wir staunten nicht schlecht, als wir uns gesetzt haben und die Bedienung zu uns kam… „you are friends of CocoLoco?“

„Äääähhh, yes!“

„Wait a second…“

Wir waren von den Socken! Auf Verdacht ein Präsent als Erinnerung hinterlassen… Das steht auf meiner Merkliste sehr weit oben – wir sehen uns wieder! DANKE!!!

Achja, gegessen haben wir natürlich fantastisch! Super Meze und geniale Hauptgerichte. Uns hat es so gut geschmeckt, dass wir nach der Rückkehr Kristel´s auf die AMAE und der Ankunft von Stefan und Amelie gleich noch einmal zu sechst hier beim Essen waren!

Stuffed Calamari

Wir essen übrigens nicht immer so feudal. Häufiger wird zuhause, auf NESSAJA, gekocht oder eben gegrillt bzw. etwas bestellt – meist, wenn man die griechische Küche mal satt hat.

So haben wir uns einmal, wieder zusammen mit Philipp, Pizza an Bord von NESSAJA liefern lassen…

…ich mochte den Slogan (Sibylle war weniger begeistert) und auch das Produkt 😉

Während unseres Aufenthaltes war eine Regatta in vollem Gange – die „Aegean 600“ – 600nm vom Startpunkt Kap Sounion bis rund Karpathos und zurück. Das alles non-stop und während der Meltemi seine Muskeln spielen lässt. Großes Kino daher in der Marina, Applaus für die ersten und die letzten der Heimkehrer!!!

Hägar 4 (links) und „first ship home“ – eine Farr 70 (rechts)

Direkt bei uns lag der spanische Klassiker LIBELULA, eine 1974er Swan welche von Ihrer Crew vom Renn- in den Cruise Modus versetzt wurde bis der Besitzer kam. Spannend zu beobachten!

Was macht eigentlich der Meltemi, der alte Genosse? Nun, der blies so vor sich hin, kräftig eben, so wie man ihn kennt, und hasst, oder liebt…

7-8 Beaufort im Hafen

Wir waren jedenfalls froh im Hafen zu sein, verlängerten um ein paar Tage (ich machte wieder ein Bündel kleiner Scheine zurecht) und freuten uns auf den nahenden Besuch der Kinder.

Es war soweit! Heute war der Tag! Zum ersten mal seit mehr als drei Monaten haben wir zumindest zwei unserer Lieben wieder getroffen. Die Wiedersehensfreude war groß als das Taxi ankam und wir uns mal wieder „live“ in den Arm nehmen konnten.

Ok, die Beiden waren da, aber war da nicht noch etwas? Ah ja – Fußball…

Stimmt, es war EM. Ich habe so gut wie nichts mitbekommen, am ersten Tag des Aufenthaltes von Stefan und Amelie war jedenfalls Finale und wo kann man ein Finale England – Italien besser ansehen als in einem Pub (ok, nicht englisch – aber immerhin)…

Guinness – 1+1, man muss nicht Griechisch können um zu erahnen, dass eine Aktion angeboten wurde. Alsdann, mal her mit den Pints, es war ein netter Abend für uns Nicht-Fußballfans.

Neben uns ein Tisch mit Russen (wegen des Biers, nicht wegen dem Fußball), der Rest des Lokals mit Griechen besetzt – es war eigentlich wurscht wer gewinnt.

WER HAT EIGENTLICH GEWONNEN???

Ringringring – ahhhh, der Wecker! Was soll das? Achso, ja, wir haben einen Leihwagen, der Meltemi tobt, wir haben uns die Besichtigung Athens auf den Plan geschrieben.

Hier hatten wir verschiedene Ansätze. Sibylle und ich haben die Hauptstadt Griechenlands vor nicht allzulanger Zeit intensiv besucht und dabei auch alle Sehenswürdigkeiten und Museen abgearbeitet. Wir wollten das entspannt angehen, uns von den Jungen trennen und ein bisschen durch die Stadt bummeln. Für Stefan und Amelie stand hingegen das „Vollprogramm“ auf der To-Do Liste.

In Athen war weniger los als gedacht. Ich fand einen Parkplatz unterhalb der Akropolis – der war so zentral, dass ich sofort einen griechischen Freund angerufen habe, ob man in Athen überhaupt außerhalb von Parkzonen parken darf – spooky!!! Darf man, war die lapidare Auskunft und schon konnte es, per pedes natürlich, losgehen.

Die Wege trennten sich, Sibylle und ich liefen sofort Richtung „Flea Market“ und suchten uns ein Cafe…

Während wir so durch die Straßen und Fußgängerzonen zogen, versuchten wir, Sehenswertes zu erfassen und auch zu fotografieren.

Wir besuchten Sehenswürdigkeiten und drückten auf den Auslöser unserer Kameras – große Kirchen…

…und natürlich – kleine Kirchen!

Wir gingen einkaufen, für mich gab es die lang fällige neue Badebuxe in einem Sportgeschäft und Sibylle konnte noch ein paar Tanktops ergattern.

Natürlich sind auch wir entlang der Touristenroute gewandert, haben die „Klassiker“ gestreift…

…haben aber auch versucht, in dem heißen, pulsierenden Moloch ruhige Oasen zu finden und uns Momente der Ruhe zu gönnen.

Witzig fanden wir, dass in allen Gärten und Parks Athens Wasserstellen zu finden waren in denen Wasserschildkröten herumschwammen – einfach so…

Währenddessen haben sich Stefan und Amelie mit einer Touristenkarte welche die Eintrittsgelder fast aller Sehenswürdigkeiten umfasst, durch ebendiese gekämpft – das wesentlich anstrengendere Programm wie ich finde. Gelohnt hat es sich allemal wie die Bilder zeigen. Hier ein Potpourri…

Athen ist eine riesige Stadt die es lohnt zu besuchen. Gespickt mit Sehenswürdigkeiten, lebendig, laut – im Großraum mit 4 Mio. Einwohnern eine Großstadt, anders als wir es aus Deutschland kennen.

2021 – allein schon wegen Corona ein ungewöhnliches Jahr. Auch, weil die Olympischen Spiele eben auf dieses Jahr verschoben wurden. Die Spiele sind in vollem Gange während ich diese Zeilen tippe – mit einer gewissen Vorfreude und Spannung haben wir daher die alten olympischen Stätten der Antike besucht.

BEEINDRUCKEND – ich denke auch Stefan und Amelie haben den Ausflug genossen – es sieht zumindest so aus…

Moderne Technik hilft sich wieder zu treffen. Gemeinsam haben wir noch den Szene-Stadtteil Plaka durchstreift, etwas getrunken und dann die Heimreise angetreten.

Lagerkoller! Wir wollten raus! Baden, die Inseln der Ägäis entdecken und reisen. Der Meltemi ließ etwas nach, so wurde festgelegt – morgen geht es los!

Nur wohin? Auf dem Plan standen eigentlich die Nördlichen Sporaden. Doch dafür hätten wir ca. drei Tage gegen den noch vorhandenen Nordwind durch den Euböa Kanal motoren müssen – kein guter Einstieg. In die Kykladen? Die zentralen Inseln? Für den Anfang für unsere beiden Novizen vielleicht etwas viel…

So sind wir von allen Plänen abgerückt und haben entschieden den ersten Tag „downwind“ Richtung Poros anzugehen. 35nm mit dem Wind sollten in 5-6h zu machen sein, Poros verspricht schön zu sein und hat ausreichend große Ankerfelder.

Leinen los, wir verlassen die Olympic Marina Lavrion mit Ziel Poros im Saronischen Golf.

Von wegen DOWNWIND Segeln! Zwei Stunden hatten wir herrlichen Segelspaß, ab etwa der Hälfte der Strecke schlief der Wind, welcher uns 10 Tage gequält hatte, tief und fest ein und erwachte die nächsten Tage auch nicht mehr erwähnenswert.

Wir tuckerten dahin, man vertrieb sich die Zeit mit modernen Medien!

Poros kenne ich von der Überführung der alten NESSAJA im Jahre 2012 – zusammen mit Burcki und Christine sind wir seinerzeit hier vorbei gekommen. Hier hat Burcki den Brauch des Anlegeschluckes auf der NESSAJA manifestiert – dies hat so manches mal Hektik nach dem Anlegen verhindert, bis heute bin ich dankbar!

Die Einfahrt ist schön, ich erinnerte mich, deshalb liefen wir Poros aus SE Richtung an.

Wir fuhren durch den schmalen Kanal, konnten das Treiben im Dörfchen beobachten und die Schiffe an den Muringleinen ansehen.

Konzentriertes Steuern tat Not, wir hatten sehr viel Spaß an der Durchfahrt.

Nach kurzer Suche war nördlich der Stadt Poros ein guter Ankerplatz ausgemacht und noch während das Grundeisen fiel, konnten wir unsere neuen Nachbarn identifizieren…

ZORA & NESSAJA vor Poros

ZORA ist das Schiff von Franzi und Tobi. Die Beiden sind seit vier Jahren auf dem kleinen Boot zuhause und betreiben einen YouTube Kanal den wir lieben (Wir segeln). Die Beiden sind geraderaus, machen Spaß und haben viele wertige Informationen und Tipps.

Da wir bereits vorher Kontakt zueinander hatten, war es uns nicht peinlich mal rüberzufunken ob den ein kaltes Bier Anklang fände? Fand es – und aus dem Bier wurde ein gemeinsamer Grillabend den wir sehr genossen haben. Es war uns ein Vergnügen und eine ehrliche Freude die Beiden mal kennen gelernt zu haben!

Erfrischung tat Not – ab ins kühle Nass…

An Stefans Gesicht kann man erkennen – irgend etwas stimmt nicht! Wir konnten „etwas“ rasch definieren – die erwartete ERFRISCHUNG trat nicht ein! Die Wassertemperatur hier bei Poros betrug für uns unfassbare 29° Grad Celsius. Das will doch keiner – das ist wie Baden in Tee…

Wir hatten die erste Hitzewelle des Jahres und, wenn überhaupt, kühlte es nur abends ein wenig herunter und wir konnten die herrlichen Momente vor Anker genießen.

Im letzten Monat, vor Milos, hatten wir kurzzeitig Batterieprobleme welche wir bis hierhin nicht wieder losbekamen. Was war nur los? Irgendetwas stimmte nicht, ich hatte die alten Bordbatterien in Verdacht mein Strom-Management (ok, nur ein sehr rudimentäres) durcheinander zu bringen.

Aus diesem Grund mussten wir zwei Nächte später an den Stadtkai von Poros verholen um dort die Batterien zu laden. Diesen Umfang wollten wir mit dem Generator nicht machen, macht er doch mollige Wärme unter Deck und verbraucht unseren wertvollen Diesel.

Noch ohne direkte Nachbarn

So nutzten wir die Zeit am Kai, die Ladezeit um Wäsche zur Laundry zu bringen und einen Stadtbummel zu machen.

Diesen widerrum mussten wir abbrechen, es war einfach zu heiß zwischen den Häuserzeilen. Wir verzogen uns in den Schatten, tranken literweise Wasser und kalte Erfrischungen und futterten Eis zur notwendigen „Innenkühlung“ unserer aufgeheizten Leiber.

Abends ein neuer Anlauf – die Sonne ging langsam unter und wir erkundeten abermals die Stadt, welche uns aber schlußendlich etwas überbewertet vorkam.

Inzwischen war es voll am Kai

Der Sommer hinterlässt Spuren – in der Natur und am Menschen…

…aber ich hab doch immer 50er drauf!

…wir entdeckten abermals nette Kleinigkeiten.

Wir schlenderten gemütlich durch die Gassen und genossen den Schatten und die langsam sinkenden Temperaturen…

…natürlich ging es auch wieder nach ganz oben – dort steht ja immer das Kirchlein!

Ziel unserer Suche war ein vom TripAdvisor empfohlenes Lokal, eine Taverne mit eigener Metzgerei, etwas ab vom Schuß. Das mögen wir, das verspricht ehrlichen Service und Qualität zu annehmbaren Preisen. Die Tavernen in der ersten Reihe können dieses Serviceversprechen oft nicht halten.

Wir hatten abermals Glück! Ein schöner Tisch, Blick nach unten auf´s Meer und sehr gutes Essen begleitet von gutem Service.

…und zum Nachtisch endlich die langersehnte Melone!

Nach dem Essen noch einmal die gesamte Riva auf und ab. Verdauungsspaziergang und Sturz ins Getümmel gleichermaßen. Inzwischen waren alle Kneipen geöffnet, alle Läden nach oben geklappt und alle Musikanlagen auf „volle Dröhnung“ – schön und ätzend zugleich.

Morgen geht es weiter, ich war froh drum!

Wohin geht die Reise Kapitän? Nun, nach der ersten Überfahrt von Lavrion nach Poros hatten Stefan und Amelie ein Bild wie Reisen in einem Segelboot funktioniert. Es ist langsam aber entspannend, kann anstrengend und kräfteraubend aber auch faszinierend sein. Wir haben uns viel beratschlagt und beschlossen – nächster Halt Kykladen, das „echte“ griechische Seglerparadies.

Früh ging es „Anker auf“ in Poros. Der Plan war ein besonderer – wir wollten Strecke machen ohne es für Amelie zu lang werden zu lassen. Die Reise sollte also in die sandige Doppelbucht von Kythnos gehen wo wir einen Badestopp planten und Abendessen wollten – gesagt getan…

Nach einer siebenstündigen Überfahrt, verzögert durch ein kurzes Intermezzo mit unserem Autopiloten (mit Bordmitteln gelöst), waren wir in Kythnos angekommen und hatten einen herrlichen Ankerplatz ergattert.

Wir haben ausgiebig gebadet, hier war das Wasser sauber und erfrischend, anschließend hat die Jugend sich Zeit genommen die Drohne fliegen zu lassen – es gibt ein paar tolle Aufnahmen und die Filmclips ziehe ich in ein paar Tagen in unserem YouTube Kanal nach…

Wir waren sehr zufrieden diesen Teil des Plans geschafft zu haben, gleich setzen wir über an den Strand, es gibt Abendessen – dann zu Teil 2 der heutigen Reise…

…das Zauberwort heißt NACHTFAHRT! Seit unserer Fahrt von Leros nach Milos bin ich noch mehr Fan davon als ich es vorher schon war. Ich liebe die Nacht, sofern die Hoffnung besteht, dass diese problemfrei und friedvoll verläuft, sie schont Ressourcen, man macht Strecke und kann den folgenden Tag nutzen.

Eine Nachtfahrt sollte Amelie und Sibylle Schlaf ermöglichen und uns als Crew mit einem Rutsch ins Zentrum der Kykladen bringen. Unser Ziel hieß Paros, wir wollten vor Naoussa ankern.

Um 2300 gingen wir in Kythnos „Anker auf“ – wir bogen aufmerksam um die Nordspitze von Kythnos und legten Paros direkt an. Es wurden Navigationslichter gefahren, alle Mann an Deck trugen Westen. Irgendwann weit nach Mitternacht war ich alleine im Cockpit.

Ich liebe es die Sterne zu betrachten und den Lichtern zuzusehen. Zu erahnen ob sie sich annähern, sich entfernen oder statisch sind. Bei Annäherung gilt es natürlich, diese zu identifizieren und ggf. am AIS zu beobachten.

So vergeht die Zeit und ehe man sich versieht zeigt sich die Morgenröte…

Genau hinsehen – Delfin voraus!!!

Ich hatte unsägliches Glück – genau im Morgengrauen (dawn oder twilight mag ich lieber) – tauchten Delfine vor mir auf. Zuerst bin ich erschrocken weil ich nur Wasserkreise gesehen habe. Was war das??? Als ich aber die erste Finne beobachten konnte war ich begeistert – eine recht große Schule begleitete mich eine ganze zeitlang – ein „perfektes Foto“ gelang mir wieder einmal nicht…

Dolphins
Sunrise

Etwas später kam Stefan dazu, nach und nach auch der Rest der Crew. Ich konnte das Steuer abgeben und etwas schlafen, dann steuerten wir gemeinsam unser Ziel an. Der Leuchtturm an der Nordspitze Paros´ war schon von Weitem auszumachen.

Und wenn einer schonmal am Ruder steht, darf er das auch weiter tun. So genoß ich den Luxus mich einmal rund um die weitläufige Ankerbucht fahren zu lassen – immer auf der Suche nach dem richtigen Spot…

Ich mache es an dieser Stelle kurz – wir sind in den, empfohlenen, Nordteil der Bucht – Monastery Bay. Wir lagen sicher und doch habe ich es nicht gemocht. Etliche Megayachten, meist Athener die sich das Wochenende hier vertreiben wollen, zogen kurz vor dem Spätnachmittag in die Bucht. Das ist natürlich legitim, aber was dann an Wasserspielzeug ausgepackt wurde spottet jeder Beschreibung!

Toys die ich noch nicht einmal kannte, flitzten mit minderjähriger oder graumelierter Besatzung durchs Ankerfeld. Die „Big Boy Toys“ mit Monstermotoren, bemannt mit Adonis´ Nachfolgern nebst Begleiterin in knappster Badbekleidung, zogen Wasserski- und Wakeboardjunkies drei Meter an Deiner Badeplattform vorbei!

Das war in Poros ähnlich – nennt mich Spießer oder Spaßbremse – ich kann das nicht leiden! Das ist gefährlich und stört.

Einmal, und ich übertreibe nicht, rutschte unser Geschirr über den Tisch wegen so einem Deppen – leider hatten wir insgesamt eine Hand zuweinig und Stefan in der Folge seine Salatschüssel im Schoß – nicht lustig, keine Fotos…

Ich sage es ehrlich, ich war froh meine Batterien als Grund nennen zu können an die Mauer der kleinen „Marina“ in Naoussa zu gehen. Es war ein Wunder, dass wir einen Platz bekommen haben, hier hatten wir Strom (kein Wasser) und das Schiff war sicher (und wir auch)…

…noch Lücken – abends war gerammelt voll!

Naoussa heißt, nicht zu Unrecht, „Klein Mykonos“ – als wir am ersten Abend in der Stadt waren haben sich dort die Massen versammelt, gefeiert und gezecht als gäbe es kein Morgen mehr. Vor allem – als hätte es Corona nie gegeben…

Versteht mich nicht falsch – wir waren ja auch da. Es ist schön Menschen wieder ausgelassen zu sehen und zu merken, dass es ein „Danach“ geben könnte. Naoussa ist wirklich wunderschön und, außerhalb der Saison, unbedingt einen Besuch wert.

Dennoch schlagen zwei Herzen in meiner Brust. Während ich diese Zeilen schreibe gibt es in Mykonos schon wieder Ausgangssperren, Santorin, das von uns besuchte Milos und eben auch Paros stehen schon unter Beobachtung – die Zahlen steigen wieder! Es muss auch etwas ZWISCHEN kompletter Abriegelung und exzessiven Feiern geben.

Zurück zu angenehmeren Themen – die Insel – was gibt Paros her? Um das zu erkunden, haben wir uns einen Leihwagen genommen und ich konnte den außerordentlichen Luxus genießen NICHT am Steuer des Mietvehikels sitzen zu müssen – es wurde chauffiert.

Einmal quer über die Insel und ab nach Parikia, die andere Stadt auf Paros. Schön! Echt schön hier! Parikia gab einiges her, kleiner, nicht ganz so fein wie Naoussa, aber auch nicht so „schicki-micki“ – lohnt, genauer angesehen zu werden…

Hier ein paar Impressionen!

Wir haben, trotz der Hitze, die Gassen abgelaufen und dabei schöne Flecken entdeckt – Cafes…

Natürlich – Kirchlein…

Darüber hinaus – BESONDERES…

Enge Gassen – menschenleer!!!

Last not least – besondere und beeindruckende Bauten aus längst vergangenen Tagen und Zeiten!

Unser Weg führte uns zurück zum Auto, wir konnten Wasserflugzeuge beobachten welche ihre Kreise über Stadt und Bucht zogen – alles in allem ein herrliches, nicht überladenes Spektakel!

Weiter geht´s auf unserer Inseltour. Amelie und Sibylle saßen an Internet bzw. schmökerten, leicht angegraute, Reiseführer um weitere „must sees“ der Insel zu identifizieren. Als nächstes standen also die mittelalterlichen Steinbrüche von Paros auf unserem Programm in denen vor Jahrhunderten wertigster Marmor abgebaut wurde.

Das Schild „Cave“ versprach viel, zudem auch Sibylles antiquierter Reiseführer versprach, dass man die früheren Abbaustollen mit Hirnbirn (Stirnlampe) entdecken könne. Es sei außerdem frisch wenn nicht kühl dort – also nix wie rein…

Denkste – ein paar alte Häuser und ein Pfad, den man bei gutem Willen als ehemaligen Stolleneingang hätte identifizieren können – ab dort war aber alles mit Maschendrahtzäunen abgesichert, ein Entdecken der Höhle somit ausgeschlossen.

Wir sind somit unverrichteter Dinge weiter nach Lefkes gefahren um uns dort entlang der Byzantinischen Pfade zu bewegen.

Lefkes war schön, aber inzwischen war es bullenheiß geworden – wir haben den alten Dorfkern entdeckt und bemerkt, dass alle Bewohner Lefkes´ nach einer Siesta sehnten.

Wir sind ermattet noch ein wenig die schmalen Gassen entlang geschlendert – ohne dabei wirklich bis zu den Byzantinischen Pfaden vorgedrungen zu sein – und sind dann zurück zum Auto gelaufen. Dennoch, Lefkes ist es wert im Rahmen einer Inseltour entdeckt zu werden, es ist ein kleines, feines Dörfchen.

Unser Weg führte uns zurück nach Naoussa, abermals genoss ich die Rückfahrt im Auto, hatte dabei aber schon im Sinn, wie unsere Segelreise weitergehen würde – morgen war Aufbruch angesagt…

Tanken! Ich muss noch ein paar Liter tanken! Da meint man, man ist an einer Kaimauer, bzw. im Hafen, tanken sollte also nicht allzu schwer sein – zumindest dann nicht, wenn drei bis vier Tankwägen in Dauerwarteschleife an der Hafeneinfahrt kreisen und die Tankwarte sich abwechselnd oder auch mal zusammen einen Frappé in den Hafenbars gönnen.

Doch denkste, auf meine Anfrage ob man mich betanken könne, wurde mir erwiedert „yes, of course, how many liters?“ Durch ein beherztes „boah, around 120!“ hoffte ich den Meister der Zapfpistole überzeugen wenn nicht beeindrucken zu können. Doch nichts dergleichen – der Mann im „blauen Anton“ drehte sich wortlos um, ließ mich stehen um einem Motorboot beim Anlegen zu helfen (nicht sein Job) – hier war mehr Geschäft zu erwarten, hier zählt man auf der Tausenderstelle.

Getankt habe ich dann mittels meiner Kanister und Stefans Hilfe – daher mein Fazit – Paros, schön, sehenswert, Wiederholung gerne – aber definitiv außerhalb der Saison. Und dem Tankwagenfahrer von Ελίν sei gesagt – bei Dir tanke ich nimmermehr…

Leinen los und auf zu neuen Ufern!

Zeitsprung – wir sind schon auf hoher See, der Abend bricht an, wir sind für die nächste Nachtfahrt vorbereitet. Was war geschehen?

Aufgrund unserer Lade- und Batteriesituation und aufgrund der Tatsache, dass die nächste Meltemiphase im Anmarsch war, hatten wir beschlossen nach Leros zurückzukehren. Ich wollte das Schiff reparieren, Amelie und Stefan genießen noch drei Tage Inselurlaub und Sibylle und ich können nach der Abreise der Kinder den Meltemi hier aussitzen. Soweit der Plan…

Die Route sollte von Paros / Naoussa über die Nordspitze von Naxos zur kleinen Insel Donousa gehen. Hier hatten wir die Herausforderung anzunehmen, dass eine zweitägige Südwindphase die Suche nach geeigneten Ankerbuchten schwieriger machte.

Fotos haben wir keine von der rund sechsstündigen Überfahrt – ein angesagter SW4 mit geplanter raumer Brise mauserte sich zum SE6 und dem damit verbundenen Am-Wind-Segeln. Wir hatten eine sportliche Anreise zu unserer Ankerbucht.

Diese entpuppte sich als Enttäuschung. Der Schutz nach S war nicht so gut wie vermutet (zumal eher SE als SW herrschte) und ein Berg sorgte für stramme Fallböen in einer schon gut angefüllten Bucht. Ich hatte keine Lust auf nächtliche Ankerwache und somit als Schiffsführer entschieden – wir fahren weiter – fertig machen zur Nachtfahrt.

Der Wind ließ nach Sonnenuntergang nach, wir motorten in die Nacht und bekamen wieder tolle Momente…

Uns allen war klar, diesmal würde es nicht die ganze Nacht dauern bis wir unser Ziel, die Ankerbucht von Lakki auf Leros, erreichen würden. Wir tuckerten geradeaus, machten fast 6kn Fahrt und erreichten um ca. 0200 die Einfahrt der großen, geschützten Bucht – just in dem Moment als eine der großen Bluestar Ferries eben diese verließ. Ich finde immer wieder spannend, wie unbekannt und aufregend das Bekannte aus einer neuen Perspektive sein kann.

Um 0230 fiel unser Grundeisen in den guten Ankergrund vor Lakki – in die Marina wollten wir morgen nach dem Frühstück.

Gut geschlafen! Sicher zurück! Wir hatten eine ruhige restliche Nacht und ich kann sagen, dass ich nach 5-6h Schlaf durchaus fit bin. Perfekt! Frühstück, Schiff klariert und ab in die Marina – Sibylle hatte einen Wunschplatz den wir auch bekamen – Leinen über – NESSAJA ist zurück in ihrem Heimathafen.

Wir haben auf dieser Runde, die so anders verlief als geplant, 437nm geloggt…

…davon haben wir etwas weniger als die Hälfte, nämlich 217nm, zusammen mit Amelie und Stefan abgeleistet. Die Strecke führte uns einmal quer durch die Ägäis, das ist für Segelanfänger schon eine Leistung!

NESSAJA ließ uns nicht im Stich, sie lief problemfrei und es addierte sich kein wichtiger Punkt auf die „To-Do“ Liste. Deshalb gibt es diesmal auch keine kleinen Reparierstories. Was war mit den Batterien? Antwort – nichts! Wir haben inzwischen alles durchgemessen, sowohl Verbräuche als auch Ladeströme geprüft und einen Bedienerfehler als Ursache ausgemacht. Ich habe einen „1/2/Both/Off“ Schalter und dachte, dieser sei für die Ladelogik und dass ich somit die Schalterstellung „Off“ nie brauchen würde. Das hat sich bei Urlauben nie als Problem gezeigt, war aber falsch. Zum Laden kann man wohl die Kreise wählen, diese Einstellung gilt dann aber auch für die Stromentnahme. Wenn nicht geladen wird muss der Schalter auf „Off“ stehen. Da er aber immer auf „Both“ stand, konnte der neue Kühlschrank seine durchaus recht hohen 6A aus allen Batterien ziehen, das hatte für Kummer gesorgt und war mit kurzen Generatorlaufzeiten nicht zu lösen. Jetzt passt alles wieder und wir können die Batterien vorläufig lassen – um eine gute Solartechnik und eine Modernisierung unseres Strommanagements kommen wir wohl nicht herum – das wird eine andere Geschichte…

Keinen Verschleiß? Doch, der Meltemi hinterließ seine Spuren…

Muss neu – unsere Stander…

Die Crew dieses Törns schaltete sehr rasch in den Urlaubsmodus. Wir hatten einen tollen Platz an der äußeren Mauer, ruhig, luftig und weitgehend ungestört.

So war es uns möglich auch ohne dauernd am Strand zu sein für Durchlüftung (im Schiff) und Abkühlung bzw. Erfrischung (der Crew) zu sorgen. Es war auch an diesen Tagen schon sehr heiß, kein Tag unter der 30° Grad Marke, nachts selten unter 28° Grad. Klar also, dass regelmäßige Badestopps oder zumindest eine kurze Abfrischung unter der Brause zur Routine gehörten…

Das Auto stand parat, trotzdem haben wir uns noch einen Scooter dazu gemietet, so waren Stefan und Amelie weitgehend unabhängig von uns und konnten die Insel entdecken, Plätze besuchen die wir schon kennen.

Am ersten Abend besuchten wir zusammen das neue „Harris“, die Location in der ersten der sechs Mühlen, ein Ort den wir noch öfter besuchen würden.

Unserer Empfehlung folgend, hat die Jugend die Sehenswürdigkeiten der Insel erkundet – das Kirchlein in Xirokampos…

…natürlich – die obligatorischen Windmühlen, eines der weithin sichtbaren Wahrzeichen von Leros!

Und wenn man schonmal da hoch gefahren ist, lohnt es sich das Castell zu besuchen. Ob man nur den Ausblick genießt und das Bauwerk ansieht, oder auch das kleine Museum besucht, ist dabei den persönlichen Vorlieben belassen.

Ich hatte den Eindruck, dass Leros durchaus Überraschungen bieten konnte und dass die Beiden die letzten Urlaubstage durchaus genossen haben.

Wenn es gewünscht war, haben „wir Alten“ das junge Glück begleitet und waren gemeinsam unterwegs. Meist sind wir einmal am Tag zum touristischen Zentrum der Insel, dem „Panteli Beach“ gefahren um dort ein wenig auf der Liege zu relaxen und ausgiebig zu baden.

Oder wir haben uns einfach einen der anderen, weniger frequentierten Strände ausgesucht und waren dort um uns in das kühlende Nass zu stürzen.

Das letzte Highlight, das Kirchlein von „Agios Isidoros“ haben wir am Abend besucht bevor wir in der Mühle, im „Mylos“ unser Abschiedsessen hatten. Die Drohne musste nochmals fliegen, morgen schon hieß es Abschied nehmen von Stefan und Amelie.

Zwei Wochen können lang sein mit Gästen an Bord, auch wenn es die Kinder sind! Mit den Beiden war es anders, es hat uns ganz viel Spaß gemacht, es war kurzweilig. Wir haben uns riesig gefreut, dass die Reihe der Familienbesuche nun eröffnet ist und es war schön, dass wir nach so langer Zeit mal wieder ohne Skype oder WhatsApp mit den Kids sprechen konnten. Schweren Herzens haben wir die Beiden am nächsten Tag zur Fähre begleitet und Richtung Kos verabschiedet…

Was macht eigentlich der Meltemi? Nun, er tut was er kann, Segler ärgern…

Er kam wie vorhergesagt, und blies kräftig – einmal Fluch (für alle Reisepläne der Segler), andermal Segen (ohne ihn wäre die Hitze nicht auszuhalten) – wir hatten jedenfalls an unserem Marinaplatz wieder eine kräftige Brise stehen was das ein oder andere Mal für ein Knarzen und Ruckeln an den Festmachern gesorgt hat.

Doch auf unserem Platz ist es möglich eine lange Springleine zu legen, so lagen, bzw. liegen wir sicher und entspannt in unserer Ecke „far outside“.

Genug erlebt für den Juli? Weit gefehlt! Die ELOWYN ist im Anmarsch und hat Kurs Leros gesetzt. Volker hat entschieden, dass sein Schiff für ein Jahr im Dodekanes bleiben soll, er möchte diesen in 2021 und 2022 umfänglich bereisen und es freut ihn, dass wir immer ein Auge auf das prächtige Schiff werfen können.

Zwei Tage nachdem Stefan und Amelie abgereist waren, machte die ELOWYN in Leros fest. Neben dem Eignerpaar waren noch die Kinder einer Freundin an Bord, Karl und Lena. Mit allen Vieren hatten wir die nächsten drei Tage viel Spaß und einiges zu erleben.

Wir waren zu sechst, mein Scudo bietet in der aktuellen Bestuhlung nur Platz für fünf – was tun sprach Zeus?

Einem 18-jährigen kann man die Reise im Gepäckraum zumuten, also los zur Inseltour – die Geschichte rund um die Highlights von Leros wiederholt sich ab jetzt…

Dinner gab es, der Einfachheit und des Bierkonsums halber, im „Skipper´s“, dem Restaurant unserer Marina.

Auch hier reiste die Jugend zuerst ab, ebenfalls mit dem Katamaran Richtung Kos. Karl und Lena tingeln noch ein bisschen über die griechischen Inseln bevor der finale Heimflug ansteht.

Wir waren mit Tina und Volker allein – wohin zum Essen? Bei meinem Freund Dimtris waren wir vorgestern zusammen, auch schon mit Stefan und Amelie davor – unter diesem Gesichtspunkt fiel die Wahl ein weiteres Mal auf das „Mylos“, hier wollten wir die Meinung der ELOWYN Crew hören und uns auch dem Vergleich mit dem „Hanabi“ auf Milos stellen. Doch zuvor war noch ein Apero im „Harris“ geplant – einer der coolsten Spots auf Leros – ein absolutes „must see“…

Im „Mylos“ hatten wir die übliche Speisefolge – eigentlich alles was es an Gerichten mit rohem Fisch gibt – Thunfischtartar, Schwertfischcarpaccio, Ceviche, Garnelentartar mit Mango und einiges mehr. Meist ist man dann schon fast satt und teilt sich einen Hauptgang oder isst zumindest nur noch eine Kleinigkeit – auch hier meist Seafood.

Das alles begleitet von einer herrlichen Aussicht an einem schönen Platz…

Während man da so sitzt, isst, trinkt, genießt, bricht die Nacht herein und das gegenüber liegende Agia Marina zeigt sich im Lichterschein.

Zurück in der Marina liefert die private Rauch´sche Kleinbuslinie die ELOWYN Crew vor ihrem schwimmenden Zuhause ab um dann selbst in die andere Ecke der Marina zu fahren. Dabei fällt auf, dass das Thermometer kaum fällt – um 23.00 Uhr 32° Grad – das kann man Sommer nennen!

Ich schlafe zur Zeit meist draußen und ziehe mich irgendwann ins Schlafgemach zurück. Der Meltemi sorgt für eine angenehme Brise auf der Haut, Oropax mindern die ärgsten Geräusche und ich schlummere meist gut – wenn nur unsere Bänke etwas breiter wären. Nach dem Rückzug ins Bett, vor dem der Ventilator 24/7 seine Dienste tut, falle ich meist nochmal in eine Tiefschlafphase…

RINGRINGRINGRING -was? Wieso? Wo und vor allem wer bin ich? Es ist unchristliche 06.30 Uhr, der Wecker reißt mich aus dem Schlaf – ahja, Volker und Tina fliegen heim, der Pendelbus hat die Transportaufgabe zum Flughafen übernommen.

Ich karre also das Gefährt Richtung ELOWYN und wir verladen das Gepäck der Mannschaft plus dieselbige.

Kaum eine halbe Stunde später stehen wir zu viert am „Flughafen“ von Leros. Die Reisenden sind eingecheckt, das Gepäck aufgegeben und das Kleinflugzeug welches die Beiden nach Athen zum Weiterflug bringt ist gerade gelandet.

Nochmals 30 Minuten später sitzen Sibylle und ich im Scudo, fahren nach Lakki und gönnen uns erstmal ein Frühstück.

Früher Vogel fängt den Wurm! Der Tag ist noch jung und der Tankwart staunt nicht schlecht, als wir um kurz nach 08.00 Uhr zur Wagenwäsche erscheinen. Diesmal kann er mich nicht mit einem „tomorrow“ abweisen! Er erkennt die Situation und handelt für sich noch ein entspanntes „until 14.00 o´clock“ heraus – am Abend ist der erdbraune Bus, der den Dreckmantel seit März trug, wieder ein weißer Schwan (zuviel Prosa???)…

Ist Euer Erfrischungsgetränk noch kühl, noch einmal nachschenken? Ok, ich mach´s kurz, der Rest ist schnell erzählt.

Mit der Crew der HARMONY, Gottfried und Gabi, wollten wir noch ins „To Steki“ nach Alinda gehen – gesagt, getan! Hier hatten wir das Glück auf sehr dezente und sehr schöne Live-Musiker zu treffen, ein herrlicher Abend bei sehr guten Meze.

Gestern haben wir uns mit Kostas im „Harris“ getroffen, er ist einer der örtlichen Makler. Er und Harris kennen sich schon lange und auf Harris Empfehlung haben wir ein Grundstücksangebot diskutiert – in würdigem Rahmen…

…das feilgebotene Objekt ist ein Meergrundstück von 5.000qm mit eigenem Strand. Interessant als Kapitalanlage und / oder für später?! Ich weiß es noch nicht. Die Informationen waren jedenfalls so interessant, dass wir am gleichen Tag noch zum Objekt gefahren sind um mal einen neugierigen Blick darauf zu werfen.

Die Betonstrasse endet etwa 500m vor dem Grund, mehr war dem geplagten Italiener nicht zuzumuten, wir mussten zu Fuß weiter…

…bis auf die Anhöhe um das Objekt als Ganzes zu Überblicken. Von den Zehenspitzen bis zum Meer – alles eines. Von der Mauer links bis zur kleinen Schlucht rechts – danach Naturschutzgebiet, das letzte einer Reihe also.

Mit einem spektakulären Panorama…

…gleichwohl aber auch mit nicht einzuschätzenden Kosten durch Befriedung, Strasse, Erschließung. Will ich das? Kann ich das?

Viel zu überlegen, das Rattern unserer Köpfe war unüberhörbar – da standen wir nun…

Ihr merkt schon, es wird nicht langweilig! Während wir unser neues Leben genießen, es langsam adaptieren, machen wir im Hintergrund schon Pläne über Alternativen oder ein Danach – etwas Vernunft muss sein.

In mir selber reift die Einsicht, dass der „Ursprungsplan“, die große Reise, der vielleicht beste ist, der den es sich lohnt zu verfolgen.

Wir lieben Griechenland, fiebern aber jetzt schon mit der OREJA VELA und der AMAE, welche unterwegs sind auf den Routen welche sie sich vorgenommen haben. Es bleibt dabei, unser Ziel 2022 heißt Sizilien.

Aber wie geht es jetzt weiter?

Aufgrund der Kosten des e-TEPAI und aufgrund der Tatsache, dass Sibylle am 17.08. nach Deutschland fliegt, haben wir beschlossen im August, bei dieser Hitze, zur Hauptsaison, nicht auszulaufen.

Wir nutzen NESSAJA jetzt als Ferienwohnung auf Leros, ich werde nach Sibylle´s Abreise ein paar kleinere Projekte abschließen und dann in der ersten Septemberwoche das Auto nach Deutschland bringen. Zwischenzeitlich sitzen wir mit Freunden zusammen, trinken kühles Bier und gehen baden oder Eis essen – es gibt Schlimmeres.

NESSAJA liegt an ihrem Platz und bleibt wohl auch hier (vielleicht verlege ich für die Zeit der Abwesenheit nach innen) bis wir Mitte September wieder hier sind und abermals die Kinder, diesmal Franziska und Mikey, zum Segeltörn erwarten.

Die nächste Reise führt NESSAJA von Leros durch den kompletten südlichen Dodekanes bis Rhodos. Aber auch ohne Segeltörn wird es einen August-Bericht geben – mit allen News, Erlebnissen und Allem was uns bewegt und umtreibt – es wird nicht langweilig!

Bis dahin wünschen wir Euch allen einen schönen Sommer und alles Gute – die NESSAJA Crew, Mario & Sibylle

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