So wie der Vogel auf’m Draht hast immer nur dei‘ Freiheit g’sucht
Bist aner, der’s net aufgeb’n hat, niemals vorbei immer nur mittendurch
Der Weg is wichtig, net das Ziel, all’s is richtig, nix is z’viel
Und du bist unterwegs…
Wer mich länger kennt oder den Blog schon etwas länger verfolgt weiß, dass ich den Songs von STS durchaus zugeneigt bin und hier besonders die Stücke vom Steinbäcker schätze und mag. So hat er bereits 1988 die obigen Zeilen zu Papier gebracht – ein Lied welches meinen Nerv bis heute trifft! Es passt gut als Mai Headline.

Der Mai ist aus unserer Sicht in zwei Hälften aufzuteilen – Mai v.Co. und Mai n.Co. – Ihr könnt es Euch denken, es hat mit der Covid-19 Situation in Griechenland zu tun.
Hier auf Leros, eine Insel unter 10.000 Einwohner, hatte man sehr früh reagiert und eine Impfcampagne gestartet. Auch Ausländer welche sich länger aufhalten, konnten geimpft werden, es wurde stets BionTech / Pfizer verimpft.
Mittels einer temporären AMKA Nummer, einer Sozialversicherungsnummer, konnte man sich erfassen lassen und wurde in das erstaunlich gut organisierte Impfprogramm aufgenommen.
Wir haben uns entschieden hier ein Statement zu setzen und den Weg unserer Gastgeber mitzugehen, nicht uneigennützig, das wollen wir offen kommunizieren, erwarten wir doch etwas mehr Bewegungsfreiheit und vereinfachte Prozesse beim Reisen.
Inzwischen sind wir beide vollumfänglich geimpft und haben eine Impfbescheinigung mit QR-Code welche einmal ein einen digitalen Impfpass integriert wird. Von unserem gelben Impfbuch wollte hier keiner was wissen. Wir hatten keinerlei Nebenwirkungen, haben aber an den Impftagen auch gehörig Ruhe gesucht…

Wie passt die Impfgeschichte hier rein?
Nun, einfach zu beantworten – sie hat unsere Pläne geändert. Zuerst hatten wir gedacht, dass wir alsbald möglich, die Leinen loswerfen und Richtung Nördliche Sporaden aufbrechen. Unsere Gäste sollten über Athen anreisen und uns auf den Etappen begleiten.
Dies hat nun nicht mehr geklappt, weil wir ja zu den Zweitimpfungen und zum Abholen der Bescheinigungen wieder auf Leros sein mussten. Also wurde kurzerhand umgeplant und für den ersten Besuch eine Runde durch den nördlichen Dodekanes angesetzt. Doch soweit war es noch lange nicht…

Wir schreiben den Monatsanfang – Mai 2021 – eine Freigabe für den Segelsport ist noch nicht in Sicht! Man munkelt bei „Radio Ponton“, dass ggf. am 15.05., mit der Öffnung der Grenzen Griechenlands für den Tourismus auch das Segeln wieder möglich sei, doch bestätigt ist das noch nicht.
Wir halten uns daher zurück, touren mit unserem treuen Minibus über die Insel und sehen nach ob einer unserer Lieblingsspots, das „View“ in der ersten Mühle, wieder öffnet. Leider sieht es düster aus, es macht eher den Anschein, als sei dieser Betrieb den Corona Nachwirkungen zum Opfer gefallen.
Anfang Mai war in Griechenland orthodoxes Osterfest. Wir waren sehr gespannt dies hier erleben zu dürfen, hatten aber wohl etwas Pech, da durch die Maßnahmen wegen Corona an sich alles verboten war, was dieses Fest hier ausmacht. Außer ein wenig Böllerei war auf den Straßen nicht viel davon zu merken. So hat Sibylle kurzerhand das Back-Gen in sich wiederentdeckt und eine DIY Abhilfe geschaffen – das Ergebnis konnte sich sehen lassen…

Es waren auch noch Projekte offen – ich wollte das „Geheimnis“ um eines dieser Großprojekte diesen Monat lüften – tataaaaa, so sei es!







DAVITS – Nessaja trägt nun stolz ihre neuen Davits!
Ich habe die Aludavits bereits vor zwei oder drei Jahren von einem Freund in Kroatien gekauft und immer durchgelagert, es war keine Gelegenheit diese nach Griechenland zu bringen. Diesmal durften sie mitreisen und ich habe mir vorgenommen das Projekt „Montage“ auch umzusetzen.
Das war zunächst nicht so einfach, brauchte ich doch Hilfe beim Bau der Basis aus Edelstahl. Da war es doch „ein Stück von Glück“, dass ein Norweger, der eigentlich Amerikaner ist, hier in der Marina verweilte, von Beruf Schweisser ist und ihm ein bisschen langweilig schien…
Es brauchte nicht viel ihn zu überreden mir die Dinger auf seiner Schweißanlage an Bord einer Bavaria 36 zusammenzubauen – die spinnen die Amis – im allerpositivsten Sinn!
Das alles klingt einfach – wer schonmal Edelstahl 1.4401 in 8mm mit der Flex geschnitten und mit dem Akkubohrer gebohrt hat, der weiß wovon ich rede. Das Lackieren und die Endmontage waren dann ein Kinderspiel – ok, mal abgesehen vom Gezeter der Hausherrin als ich ihr Schneidbrett aus Delrin als Isolator zwischen Edelstahl und Alu einsetzte, ein Kuss beruhigte sie rasch und sie half mir sogar beim Aufräumen der als Werkstatt zweckentfremdeten Pantry.
Die im Schweiße meines Angesichts gebauten Dinger reichen aus um ein Atom-U-Boot als Dinghy zu fahren – und sie bewährten sich vom ersten Moment an – ich liebe sie! (Ok, nicht so wie meine Frau 😉 )
Das hört sich stressig an? Keinesfalls! Wir haben den Luxus das zweitwertvollste Gut im Überfluss zu besitzen – ZEIT! So war zwischen den Projekten reichlich davon einzusetzen um beispielsweise in die Welt der Mittelalterromane einzutauchen…

…oder auch um die Online Kommunikation mit den Daheimgebliebenen zu pflegen. So erfuhren wir auch, dass in Deutschland der Winter noch einmal zurückgekehrt ist – im Mai! Ich wusste es schon immer, er ist ein Schuft!

Nachdem die Davits montiert waren, hatte ich noch Kleinprojekte auf der inzwischen erfreulich kurzen „To-Do Liste“ so war zum Beispiel eine 5V USB Buchse zu installieren…

…die Polsterbezüge im Cockpit auszubessern und teilweise die Klettverschlüsse zu erneuern – hier hat sich Sibylles Nähmaschine das erste mal bewähren dürfen.

Wir haben uns vom Schreiner Einlegeböden für die Schränke machen lassen, teuer zwar, aber eine hervorragende Arbeit. Er wird im Winter wohl auch das Interieur für den Einbau der Waschmaschine vorbereiten…

…und last not least haben wir uns ein Moskitonetz der „De Luxe Ausführung“ für den Niedergang machen lassen. Hier verrate ich mal den Preis ——– 35.-€ ——- sehr fair wie wir fanden!

Genug Geschichten um die Projekte des Monats Mai – Nessaja war segelklar, was war denn nun mit der Freigabe?
Das Gerücht, dass der 15.05. der Tag-X sein könnte verhärtete sich, erste Segler machten sich auf zur Port Police um die hiesige Taxe, das TEPAI zu bezahlen. Ich wollte noch warten, zumal wir kurz vor der Monatsmitte unseren Hochzeitstag zu feiern hatten – dieser hat uns zur Abwechslung einmal nicht zu Dimitris, sondern ins „El Grecco“ am Panteli Beach geführt. Wir hatten einen sehr netten Abend…



Während wir also der Dinge harrten – Auslaufen oder nicht Auslaufen? – das war hier die Frage welche in aller Munde war, konnten wir ein anderes Spektakel beobachten.
Es gab in der Nähe (Nisyros) ein leichtes Erdbeben und die Bewegung des Meeres konnten wir in der Marina sehen und spüren.
Das Meer hob sich zu einem vorher nicht so häufig gesehenen Maximalpegel, um dann innerhalb von 5 Minuten um 50-60cm abzusinken – dies wiederholte sich mehrfach.
Das war zu keinem Zeitpunkt gefährlich, seltsam war es allemal…
Der 15.05. – eine Art „Independence Day“ für Griechenlandsegler 2021! Es wurde sehr kurzfristig beschlossen, dass Fahrtensegeln und die damit einhergehende freie Bewegung ab Mitte Mai erlaubt ist – also nix wie hin zur Port Police, TEPAI bezahlt und Schiff klar machen!
Sigasiga, würde der Grieche nun sagen – langsam mein Freund, Abschied von einer netten Wintercommunity tut not und so haben wir uns alle nochmals bei Dimitris getroffen um „lebewohl“ oder „auf Wiedersehen“ zu sagen…


Sibylles Geburtstag rückte näher, sie wollte in Lipsi bei Manolis feiern – der Capetanias Befehl ist des Skippers Wunsch oder so ähnlich und so habe ich einen Tisch in dem uns wohlbekannten Lokal reserviert – unser Aufbruch stand bevor, Day of Departure, 2021, May 19th!
Bevor ich es vergesse aber noch zwei dicke „Dankeschön“!
Eines an die Crew der „ALADIN“ für die Einladung in das „Mylos“ – ich hatte im Winter einen Kurzeinsatz für das Schiff – wir haben den Abend sehr genossen!
Das zweite an Susanne für ein „Fläschchen“ Tsipouro – leider konnte ich unsere Idee nicht komplett umsetzen, aber ich denke der Schnaps hält bis wir uns hier wiedersehen…

Es war soweit – „Leinen los“ auf der NESSAJA, wir schreiben den 19.05.2021, wir legen ab zum ersten Törn unseres „Lebens 2.0“ – es fühlte sich ein wenig surreal an.

Das Meer hatte uns die wieder, wir genossen das sanfte Schaukeln und die Weite nach den Monaten in der Marina. Wir verließen die geschützte Lakki Bucht und setzten Kurs auf Lipsi, hier wollten wir in der Südbucht ankern, Freiheit spüren…


Wir verbrachten den Nachmittag mit Baden, Schnorcheln und Relaxen – wunderbar! Später dann machten wir uns auf den Weg in die „Stadt“ welche uns immer wieder begeistert. Alles ist aufgeräumt, einladend und irgendwie hübsch.


Wir haben Susanne, Markus und Lilli von der „Darksyde“ wiedergetroffen und haben ein kühles Bier zusammen genossen – herrlich – aber dann rief schon unsere Tischreservierung, galt es doch den Ehrentag der Capetania gebührlich zu feiern.
Wir wurden herzlich bei „Manolis Tastes“ empfangen und durften in der Küche wieder allerlei Köstlichkeiten probieren. Das Geburtstagsdinner wurde so zum außerordentlichen Genuss – hier wollen wir mit unserem Besuch noch einmal essen!

Die Portionen waren riesig und mein „Orso Bucco“ war kaum zu schaffen.

Ich war so voll, dass ich die gnädig angebotene Taxifahrt zu unserer Ankerbucht bereitwillig gegen den halbstündigen Fußmarsch getauscht habe. Zufrieden haben wir übergesetzt und sind ins Bett gefallen – ich habe mich sehr auf eine ruhige Nacht vor Anker gefreut…
…nix da! Depp! Anfängerfehler! An Schlaf war kaum zu denken, es war eine sehr unruhige Nacht. Ich habe den Fehler gemacht trotz des vorhergesagten Südwindes („…sind doch nur 10 Knoten…“) in eine Südbucht zu gehen. Nun, 10-15kn Wind reichen aus um eine kabbelige Welle in die Bucht stehen zu lassen, die unser Schiff, dem Klangkörper eines Kontrabasses gleich, in eine horrende Geräuschkulisse verwandeln kann. Nun, zumindest sicher sind wir gelegen, auf unser Ankergeschirr war Verlass!

Neuer Tag, neues Glück! Wir haben Kurs auf Samos / Pythagorion gesetzt, wo wir am 23.05. Kate & Lisa als unsere ersten Gäste 2021 empfangen wollten. Es waren ab dem nächsten Tag starke Nordwinde angesagt, so dass wir zeitig am nördlichsten Punkt unseres geplanten Gästetörns ankommen wollten.
Nach einer ereignislosen Motorfahrt erreichten wir am frühen Nachmittag Pythagorion und fuhren kurz durch das Hafenbecken. Was wir sahen war enttäuschend – trotz der Werbekampagne für Griechenland als sicheres Urlaubsziel war nichts los! Die Murings waren noch nicht aktiv, die halbe Waterfront wegen des Erdbebens vom Oktober 2020 noch eine Baustelle. Auf der anderen Hälfte waren nur ein paar Cafes offen – es wirkte ungastlich.
So haben wir kurzerhand entschieden in die Samos Marina zu verholen, den Starkwind dort sicher auszusitzen und unsere Gäste hier willkommen zu heißen. Die Vorteile lagen auf der Hand – Strom, Wasser und sanitäre Anlagen erleichtern das Leben und die Bordkasse konnte den relativ günstigen Tagespreis stemmen.


Wir haben uns sofort ein Auto gemietet um die nächsten zwei Tage selber mobil zu sein – und natürlich um unsere Freunde nach der Ankunft stilgerecht in der Limousine abholen zu können…

Der nächste Tag begann perfekt! Sibylle hat ein 1a Frühstück hergerichtet und war sehr nett, fast schon fürsorglich, zu mir – was war geschehen??? Achso, ja – ich hatte Geburtstag…

Das Gesicht der Capetania täuscht, wir starteten mit sehr guter Laune unseren Ausflug nach Kokkari. Auch dort waren die Folgen des Erbebens noch deutlich zu sehen, aber nur einen Schritt weiter warteten die Gastgeber dringend auf die nötigen Kunden um sich diese Saison zu sichern. Wir waren gerne Gäste und haben den Ausflug sehr genossen.
Mehr wollten wir an diesem Tag nicht unternehmen, stand uns doch das klassische „touristische Programm“ noch mit unseren Gästen bevor. So sind wir am frühen Nachmittag wieder zurück auf´s Boot gefahren und haben in der Marina noch ein paar Meze genossen.

Geburtstagswünsche gab es sowohl für mich als auch für Sibylle zuhauf, Geschenke auch – so hat uns ein ganz nettes Foto von Enkelchen Otto erreicht (da hat die Mama wohl mitgeholfen) und Franzi hat einen Blumengruß organisiert an dem auch ich noch meine Freude hatte.

Das Wetter war besonders – es wehte heftiger Wind, wir hatten also richtig entschieden. Es war warm, abends jedoch recht frisch. An sich war das Wetter gut, dazwischen jedoch zogen bedrohliche Wolken auf, welche für eine phantastische Stimmung sorgten.

Am Abend haben wir uns nach dem Dinner in Pythagorion, der Stadt des Pythagoras (a2 + b2 = c2 / Danke Herr Franta – bis heute nicht vergessen), einen Absacker gegönnt und sind danach müde zurück in die Marina getorkelt…
Der 23.05.2021 war angebrochen – unsere Gäste sollten am späten Nachmittag landen. Genug Zeit also um auch diesen Tag zu genießen. Wenn da nicht Sibylles deutlicher Ruf nach einer vollumfänglichen Bootsreinigung im Weg stünde!
Nun, so sei es – der Kahn wurde für den Besuch auf Vordermann gebracht und kurz nachdem Wurzelbürste und Meister Propper wieder in der Backskiste verstaut waren, stand der Skipper (ich) schon vor der Eisdiele, deren Motto ich mir auf die Fahne schreiben werde…

…war nicht so schwer zu erfüllen – alleine die Vielfalt der dargebotenen Schleckerei ließ mein Herz lachen!

So, jetzt wird´s aber Zeit – der Besuch kommt an und wir müssen die Limousine vorfahren. Der Jet landete pünktlich und die bepackten Gäste (nicht zuletzt wegen unserer Transportaufträge) waren schon Minuten später im gelobten Land (ja, Urlaub 2021 ist etwas besonderes!).


Ihr seht schon, die Gitarre durfte wieder mit! Das ließ annehmen, dass wir wieder besondere Momente erleben dürfen – doch dazu später mehr…
Der Tag selber endete mit dem Einchecken auf NESSAJA und einem Bummel nach Pythagorion und einem netten Abendessen.
Samos! Touristischer Spot, eine Insel die nicht nur nach einer leckeren Grillplatte beim heimischen Griechen klingt, sondern auch Lust auf mehr macht – so starteten wir, mit vielen bunten Einmerkern im Reiseführer, los zu unserer Inseltour – wohl wissend, dass nicht alle touristischen Ziele schon wirklich auf Besuch vorbereitet sind.
Wir waren zum Frühstücken in Kokkari und sind anschließend weiter nach Manolates, dem umtriebigen Bergdorf. Dieses war aber noch im Winterschlaf und wir die einzigen Touristen dort – egal…

Unsere Route führte uns weiter zu den Wasserfällen mit den herrlichen Gumpen. Dafür muss man eine kleine, 30 minütige Wanderung durch einen verwunschenen Wald in kauf nehmen. Dieser führt über etliche Brücken und tollen Baumformationen zum Talschluss in dem die Wasserfälle in den Bach münden.
Ich persönlich verkneife mir das Bad in den Gumpen nicht – obwohl, es war schon zapfig kalt. So hat die Mehrheit unserer illusteren Gruppe beschlossen, dass es mehr Spaß bringt, mir beim Eisbad zuzusehen…
Sibylle ist die selbstdefinierte Sportskanone im Team – so war klar, dass sie als Vorhut die windschiefe Treppe zur Taverne erklimmen musste, um nachzusehen ob sich der Nerven- und Kalorien zehrende Anstieg für den Rest der Truppe lohnen würde. Grünes Licht, offen, wir können los…

Klar, dass so eine kräftezehrende Leistung auch eine Art „Carboloading“ zur Folge hat. Der Wirt brachte also eine kleine Auswahl aus seiner Küche und wir stärkten uns für den Abstieg. Den Broiler hat Mikey letztes Jahr schon gegessen – absolute Empfehlung!!!

Hier oben haben wir uns alte Geschichten erzählt – unter anderem auch die, dass wir mit Doris und Sepp schon auf Samos waren. Bei der Erklärung wer denn Sepp sei, haben wir die Wortkreation „tschengpeng“ in den Raum gestellt. (Sepp, Du hast nix dagegen, dass wir uns DEIN Wort während dieses Urlaubes angeeignet haben 😉 )
Gesagt, getan – wir mussten wieder runter, mit zwei Schnaps geht das aber – tschengpeng – wie von selber…

Der Tag sollte seinen Abschluss mit einem Bad im Meer finden – das Wasser war auch hier noch kühl, aber nach einem kurzen Moment des Atemstillstandes ging es recht gut.

Wir fuhren zurück nach Pythagorion, gaben den Wagen zurück und machten uns in der Marina frisch. Danach war die obligatorische Fischmahlzeit fällig – das gehört zumindest in der Touristenversion unseres Bordlebens einmal auf den Speiseplan.

Auf zu neuen Zielen. Samos hat als Ankunftshafen seine Schuldigkeit getan und wir beschließen Richtung Arki abzulegen. Der Wind verspricht ein optimaler zu sein und so legen wir ganz bewusst die kleine Schwester der ohnehin schon kleinen Insel Arki, Marathi, als Reiseziel des heutigen Tages fest.

Lasst Euch nicht von den Bildern täuschen, wir konnten gleich nach der Marinaausfahrt die Segel setzen und hatten bis auf einen Moment im Windschatten der Berge von Samos immer einen kräftigen 5er stehen. Deshalb haben wir uns für den ersten Segeltag für die Genua entschieden, welche sogar minimal gerefft war – so konnten wir 6kn loggen und direkt auf unser Ziel anlegen.

Nach etwas über 4h bogen wir um das Kap bei Arki und mussten aufgrund der Windrichtung unter Motor bis in die Bucht von Marathi fahren.

Es waren noch keine Bojen gesetzt und alle Tavernen hatten zu, so gab es zum Dinner kurzerhand Spaghetti und einen Salat – ich bin mir bis heute nicht sicher, ob dieses Abendessen das bisher beste war seit unser Besuch angekommen war! Ein Lob an die Kombüse!!!

Überhaupt, es war eine ganz besondere Stimmung! Kaum Schiffe unterwegs, nix los in der Bucht und der Abend mündete in eine Nacht in der fast Vollmond war – Momente die schwer zu kaufen sind…

Wir waren glücklich, unser neues Leben fühlte sich perfekt an – alles richtig gemacht!

Unser nächstes Tagesziel war, glaubt es oder nicht, gerade einmal 10 Fahrminuten entfernt.
Wir hatten zwischenzeitlich so viel von der Kaimauer von Arki / Porta Augusta erzählt, dass in uns Vieren der Wunsch aufkeimte auch dort eine Nacht zu verbringen und uns dieses Kleinod anzusehen.
Im Vorjahr hatten wir mit Franzi und Mikey Pech, der Anleger war voll – diesmal waren wir jedoch guter Hoffnung einen Platz zu finden – also Leinen los und einmal nach Arki, bitte!

2!! In Worten ZWEI!! Das ist zwar mehr als eins aber doch weniger als drei – zwei Boote am Kai von Arki. Nie vorher erlebt!
Wundert Euch nicht warum ich mich dann neben dem einzigen anderen Boot gelegt habe! Vorher war noch ein Weiteres am Kai und weiter nach steuerbord wollte ich nicht. Das war aber ok, weil der Franzose frühmorgens los musste und wir am Morgen des nächsten Tages ALLEINE in Arki waren.
Arki hat drei Strassen, wirklich! Man braucht kein Auto, man kann allenfalls einen Schubkarren als taugliches „Fahrzeug“ bewerten – und dann das!

Ein Bulli aus Wien – ich hatte noch nichts getrunken und so verbuchte ich das Bild unter „skurrile Momente“!
Der Tag verging ruhig und am Abend ließen wir es bei Nikolas in seiner Taverne ausklingen. Der Wirt hatte Zeit und wir einen launigen, aufschlussreichen und wertigen Abend.
Am nächsten Morgen hatten wir uns vorgenommen Patmos anzulaufen. Irgendwie hatten wir keine Lust auf den lauten Stadtkai von Scala und wir legten die Bucht Grikos als Ziel fest. Dort wollten wir an einer Boje unter der Taverne Flisvos festmachen welche wir uns für das Abendessen ausgesucht hatten.

Die Überfahrt begann unter Segeln, der Wind nahm aber stetig ab, so dass wir ab der Hälfte der Strecke motoren mussten. Kate nahm sich abermals die Gitarre zur Brust und spielte für uns vom Gassenhauer (Griechischer Wein) bis hin zu den üblichen Verdächtigen (Sailing, Streets of London) ein herrliches Repertoire ab. Hier muss ich erwähnen, dass das unvermeidliche „Irgendwann bleib´I dann dort“ noch nie so süß für mich geklungen hat!

Die Entscheidung nicht nach Scala einzulaufen war richtig! Der Hafen wurde umgebaut und war eine riesige Baustelle. Das zeigte sich auch im benachbarten Bojenfeld, welches am Abend auch reichlich voll war – kassiert hat aber noch niemand.
Wir hatten Glück, erreichten die von uns präferierte Boje und schon wenige Minuten nachdem die Muringleine gelegt war stand der „Gin-Tonic“ als Anlegeschluck bereit.

Wir gingen an Land, mieteten uns ein Auto und konnten uns kaum sattsehen an dem Blick über die Bucht in der unser Schiff friedlich vor sich hinschaukelte.


Für mich beginnt ein perfekter Morgen früh – mit einem Bad im Meer zum Abfrischen und Wachwerden und einer Tasse Kaffee kurz nachdem die Sonne über die Hügel kommt und den Tag erwärmt – that´s Life!


Es folgte das übliche touristische Programm…

…bestehend aus einem Besuch der „Höhle der Apokalypse“, einen Gang durch die Chora, gepaart mit einem Kaffee in einem der Cafes welche eine herrliche Aussicht bieten – abgerundet mit einem Besuch der Windmühlen und einer abschließenden Fahrt zum Lampi Beach welcher im Reiseführer auch „Pebbles Beach“ genannt wird, weil er durch seine leuchtenden Kiesel betört.


Ein weiteres Mal gingen wir in einer der Tavernen in der Grikos Bucht zum Essen und unterhielten uns darüber wie wir die Reise fortführen wollen.
Ich musste zur Zweitimpfung am 01.06. in Leros sein. Leros würde also definitiv ein Reiseziel werden. Sibylle hingegen musste am 05.06. zur Zweitimpfung, das war einen Tag nach dem Rückreisedatum unseres Besuches.
Leider zeigte sich für genau die Periode 04.06. bis 06.06. einschließlich, ein Starkwindfeld über dem nördlichen Dodekanes. Winde bis Bft.6 sind zwar gut segelbar um die Gäste zum Rückflughafen Kos zu bringen – sind aber umgekehrt zu kräftig um dann innert eines Tages gegenan zurück nach Leros zu tuckern.
Was tun sprach Zeus??? Die Antwort gab der Skipper!
Wir schrieben Lipsi, Archangelos und Leros ins Törnbuch und entschieden, dass die Reise in Leros enden sollte. Kate und Lisa würden mit der Fähre nach Kos übersetzen.
Klingt nach einem Plan – also „Leinen los“ in Patmos, neuer Kurs Lipsi liegt an…

Diesmal entschieden wir am Stadtkai festzumachen, bezahlten 5.-€ für´s Helfen beim Anlegen, 5.-€ für Strom und 14,38€ für´s Liegen an sich – ich erinnere mich, dass dies schon günstiger war, nun denn…
Über Lipsi habe ich ja schon genug Worte verloren – klar genossen wir als Vierercrew ebenfalls die kleine, feine Insel.

Wir gingen zum feinsandigen Strand zum Baden und genossen all die kleinen Details, die diese Insel, die Griechenland, so ausmachen…
Am Abend gingen wir zum Dinner ins „Manolis Tastes“ und wir hatten Glück – der Chef hatte Geburtstag und es spielte Live-Musik. Herrlich, so darf es weitergehen!
Nach Patmos als touristischem Ziel und dem Stadtkai von Lipsi, hatten wir noch einmal richtig Lust auf Boje, Baden und Freiheit – so haben Sibylle und ich die Bucht von Archangelos, unterhalb der Taverne „Stigma“, als Ziel ausgemacht.
Doch was ist das??? REGEN! Nie gesehen in Griechenland um diese Zeit. Na egal, wir bleiben dem Plan treu und legen ab. Kurz nachdem wir die Bucht von Lipsi verlassen haben, kommt ein Charterschiff auf und überholt uns. In der Folge macht das moderne Schiff, mit dem Skipper der gerade noch Liegestütze auf seiner Badeplattform gemacht hat, Faden um Faden (für Nichtsegler – kurze Distanz) gut.
Deutlich vor uns erreicht der Kontrahent um den besten Platz in der Bucht das Ziel und…. beginnt ein Ankermanöver! Offensichtlich ist er das erste Mal hier und weiß nicht, dass die unscheinbaren Kanister perfekte Muringleinen unter der Wasserlinie halten – 1:0 für uns!
Wir fahren langsam an dem ankernden Adonis vorbei und schnappen uns – tschengpeng – die beste Boje am Platze. Mit offenem Mund und rasselnder Kette schaut uns der Zweitplatzierte beim Einschenken des Anlegeschluckes zu…
Verschmitzte Freude meinerseits? Nein, das würde ich leugnen 😉
Wir lagen perfekt, das Wetter war uns egal, es war ideal zum Lesen, Dösen und Relaxen.

Abends gab es ein typisch griechisches Tavernenessen im „Stigma“ und ich habe mich gefreut, Dimitra, die Tochter des Wirtes, wieder zu treffen.

Neuer Tag, neues Glück – wie war das gleich mit dem Wetter???
Der Wettergott hatte ein Einsehen und bescherte uns einen sonnigen Tag. Wir konnten ausgiebig schwimmen und das Buchtleben noch einmal vollumfänglich genießen. Aus diesem Grund auch sind wir relativ spät Richtung Leros aufgebrochen.

Die Fahrt nach Leros sollten die letzten Meilen für unseren Besuch werden, am Ende werden wir exakt 100nm geloggt haben. Fehlt noch etwas? Ja, ein Highlight wurde uns verwehrt – Delfine! Obwohl Sibylle stets ordentlich Wahrschau gehalten hat…

„Lakki Bay in Sicht“, nur noch wenige Augenblicke und wir werden in unsere finale Bucht Kurs setzen. In dieser Sekunde ertönt Sibylles Ruf wie ein Donnerhall – „DELFINE querab“! Wo? Die Fotoapparate werden gezückt…

Familie Flipper kam uns sehr nahe, tauchte einmal unter dem Bug durch, zeigte den hellen Bauch, um dann, wie ignorant, rasch wieder abzuhauen. Ok, wir akzeptieren das so, der Besuch war entzückt, wir konnten Wort halten!
LEROS, fast Heimat! Was sollen wir dazu sagen, vor Allem, wie können wir mit Leros gegen die Konkurenz der letzten Tage anstinken? Wir haben (fast) alle Register gezogen!
Kate wollte einmal griechisch Giros essen – so bekam sie das beste Giros der Insel (sogar die No.1 meiner ewigen Giros-Bestenliste) – Kroupia, da wird sogar das Kätzchen neidisch…
Dazu vielleicht der passende Sonnenuntergang? Gerne, fangen wir doch mal so an…

Wenn die Zeit knapp ist, funktionieren die Sehenswürdigkeiten von Leros auch bei Nacht – wie zum Beispiel der Blick auf die berühmten Mühlen und das Kastell…

…oder auch der nächtliche Blick von der kleinen Kapelle unterhalb des wunderschön illuminierten Kastells auf das nächtliche Agia Marina!

Am nächsten Tag nahmen wir uns die „musts“ vor welche am Tage erlebt werden sollten – so zum Beispiel der Besuch der Inselkapelle…


…oder des hiesigen Klosters, welches aber leider geschlossen war und somit nur von außen besichtigt werden konnte.

Zwischenzeitlich tat Stärkung not, zum Glück war es gerade Kaffeezeit und ein Galaktoboureko in unserem Lieblingscafe drängte sich förmlich auf.

Eine nüchterne Analyse und der Abgleich von Kalorienzufuhr und -abgang zeigte Erschreckendes auf – sogleich wurden Gegenmaßnahmen eingeleitet und versucht, die Sünden mittels Streckenschwimmen wieder abzubüßen.

Geschafft! Doch der Erfolg war nicht von langer Dauer, denn am letzten Abend war der Ruf der Lieblingstaverne unüberhörbar – der Glatzkopf (o´Karaflas) rief zum Dinner – wir konnten nicht nein sagen!

Auch hier gab es noch einmal einen Sonnenuntergang für´s Album – zunächst in schönen Farben (alle Fotos mit Mobiltelefon ohne Filter)…

…später dann noch mit einer Prise mehr Theatralik!

Zufrieden torkelten wir nach Hause und der Besuch schlief eine letzte Nacht auf NESSAJA, welche friedlich in der Marina festgemacht war – so liegt sie übrigens immer noch, aber nicht mehr lange!

Ende! Abreisetag! Urlaubsfinale!
Was für mich früher ein Grund war in großes Gejammer auszubrechen, wurde von Kate und Lisa mit entspannter Freude auf zuhause weggelächelt. Aber da war noch was – wir schreiben das Jahr 2021, Reisen an sich ist alles andere als einfach! Die Einreiseerklärung für Deutschland ist gemacht, alle Unterlagen sind beisammen – aber das aktuelle Testergebnis fehlt noch. Also auf zum Selbsttest…

Der Baukasten wird geöffnet und ein kleines Chemielabor kann aufgebaut werden. Mittels eines 15cm langen Stäbchens soll man sich kurz vor das Gehirn fahren und dort Sekret abstreichen…
Na toll, Kate scheint sich auf den Test zu freuen während ich die Schmerzen meines Impfarmes auf einmal nicht mehr so stark empfinde…

Ok, nix wie rein damit und die Auswertung kann beginnen – ich erinnere mich an ähnliche Test mit ähnlicher Spannung beim Warten – obwohl diese schon Jahrzehnte zurück liegen. Der Balken klettert…

…um sich dann, so wurde mir erklärt, in der erwarteten Position einzupendeln – NEGATIV! Damals wie heute eine erleichternde Nachricht!

Nach dieser Hürde, welche es zwingend zu nehmen galt, stand der Fährpassage nach Kos nichts mehr im Weg und wir haben unsere Gäste zum Fähranleger gebracht und gebührend verabschiedet.

Der erste Törn liegt im Kielwasser, wir waren eine gute Crew und haben unsere Tage zusammen gegenseitig bereichert – es war schön mit Euch, wir freuen uns auf eine vierte Wiederholung!

Wir? Wir haben unsere Zweitimpfungen hinter uns, warten noch auf unsere europäischen Impfzertifikate und treffen regelmäßig Freunde welche inzwischen hier eingetroffen sind.
Wir genießen die Tage, bereiten NESSAJA auf den nächsten Törn vor und haben ein paar kleine Reparaturen zu erledigen.
Am 11. oder 12.06. geht es ab nach Kos, wo wir am 13.06. unseren nächsten Besuch für eine Woche erwarten und dann den zweiten Törn starten werden.
Doch dazu mehr im Blogbericht des kommenden Monats!
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Liebe Grüße von Bord der NESSAJA
Mario & Sibylle



























